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Full text of "Jahrbücher;"

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I- 


NOV  Ib  ll?Ö4 


Jahrbucher 


des 


kaiserlichen  Löniglichen 

polytechnischen  Institutes 

in    Wien. 


In  yerbindang  mit  den  Professoren  des  Institutes 

herausgegeben 

von  dem  Dtf«litor 

Johann  Joseph  Prechtl^ 

h.  wiffcJ.  Bcficnuigtratli»»  «ad  Mitf U«d«  »ckMrer  g«lckit«i  Ott«IUell«fttB* 

tM»»»»»»#€tiMll 

Vierter   B^nd. 


Mit  acht  Kupfertafeln,  und  einem  Blatt  Stahlabdrac^e. 


Wien,     1823.  ' 

Gedruckt  und  verlegt  bei    Carl    Gerold. 


I. 


"--^ 


»r 


Vorerinnerung. 


Um   den    für  diesen  Band  bestimmten  Origi« 
nai-  Abbandlungen  den  nötbigen  Raum  zu  yerscbaf« 
feoy  obne  die  Zahl  der  Bogen  noch  mehr  eu  vergrös- 
Sern,  war  man  genöthigt,  den  Artikel  von  der  Ge- 
schichte des  Instituts ,  dann  einen  Theil  der  techno- 
lo^schen  Notizen ,  endlich  das  Yerzeichnifs  der  fran-» 
zosischen  nnd  englischen  Erfindungspatenie  fiir  das 
lerne  Jahr  hier  wegzulassen.     Diese  Artikel  werden 
in  dem  fünften  Bande,  dessen  Druck  bereits  beginnt, 
und  welcher  diesem  vierten  baldigst  nachfolgen  wird, 
nachgetragen  werden.    Dieser  fünfte  Band  wird  zu- 
gleich ein  vollständiges  Sachregister  über  die  bisher 
erschienenen  fünf  Bände  enthalten,    wodurch  diese 
erste  Reihe     der    Jahrbücher    ein  für    sich   abge* 
sdüossenes  Ganzes  bildet. 

Wien,  im X  September  i8a3. 

Der  Herausgiber. 


Inhalt. 

Salto 
Voreriimenuig. 

L       Beschreibiuig   des  National  •  Fabriksprodukten  -  Kabi« 
nettes  am  k.  k.  polytechnischen  Institute.  *    Von  Karl 
Kmrmarseh^  As^tenten  des  Lehrfaches  der  Technologie         i 
Einleitung       ••••••«••         i 

Beschreibung  des  National-Fabriksprodukten-Kabinettes        9 
Metallarbeiten  •        •        •        •        •         9 

Glaswaaren 64 

Thonwaaren        ....••••       76 

Holswaaren •  .90 

Arbeiten  aus  Hom,  Bein,  Fischbein,  Schildpat  etc.       94 

teoh-  uad  Basthüte 9^ 

Fabrikate *aus  Leinen,  Baum-  und  Schafwolle  und 

Seide «100 

Arbeiten  aus  Menschen  -  und  Thierhaarcn  «138 

Papier,  und  Fabrikate  daraus    •        .        •        •        .143 
Leder,  und  Fabrikate  aus  demselben         •  .169 

Verschiedene  Produkte  •  •        «167 

Verseicbni&  aller  inlandischen  Fabrikanten,  Gewerbs- 
inhaber und  Einsender  überhaupt,  von  welchen 
bis  snm  Schlüsse  des  Jahres  i8sa  Beitrage  fOr 
das  National  -  Fabriksprodukten  -  Habinet  einge- 
gangen waren  •        •        •        •    '    •  «171 

IL  Abhandlung  über  die  oberschlachtigeii  Wasserrader« 
Ton  Adam  Murg ,  Assistenten  und  Repetitor  der  hd- 
hem  Mathematik  am  k.  k«  polytechnischen  Iipititute 
(mit  Zeichnungen  auf  Taf.  V  ) 19B 

HL  Zusammenstellung  aller  bekannten  Vorrichtungen  cum 
Einspannen  der  durch  Abdrehen  su  bearbeitenden  Ge- 
genstande. Von  Karl  Karmarsch  ^  Assistenten  des 
Lehrfaches  der  Technologie  am  k.  k.  polytechnischen 
Institute  (mit  Zeichnungen  auf  Taf.  t,  II,  IV,  V, 
und  VI ) s4i 


VI 

SMto 

I.    Von  dem  Einspannen  auf  der  Drehbank      •        •     a44 
II.   Von  dem  Einspannen  auf  dem  Drehstulile  •        •     267 

i 

IV.  Beschreibung  eines  neuen,  leicht  tragbaren,  Baroskops 
zum  Gebrauche^  beim  Böhenmesseiil,  statt  des  Höhen* 
Barometers.    Vom   Herausgeber  (mit  Zeichnungen  auf   . 

Taf.  VI) «84 

Allgemeine  Beschreibung  des  Instrumentes  •  •  •  294 
Theorie  und  Gebrauch  dieses  Baroskops  •  .  •  295 
Art  und  Weise,  mit  demselben  su  beobachten  .  •  998 
Anleitung,  dasselbe  su  verfertigen        •        •        •        •     So6 

V«  Versuche  und  Bemeriiungen  über  den  Moire  metal- 
}\que.  Von  G.  jfltmOtter,  Professor  der  Technologie 
am  k.  k.  polytec|iniscben  Institute.  (Als  FqrtsetEung 
des  im  ersten  Bande  dieser  Jahrbücher«  S«  94  u«  f. 
befindlichen  Aufsataes)  ••••••     3a8 

VI.  Beschreibung  eines  von  dem  Optiker  Friedrich  Voigt- 
Utnder  in  U  fen  verfertigten  Instrumentes,  welches 
bestimmt  ist,  die  Festigkeit  der  Schafwolle  zu  messen* 
Von  ICarl  Kar  mar  seh ,  Assistenten  des  Lehrfachetf'der 

Technologie     (mit  iLeichnungcn  auf  Taf.  IV)     «        •     347 

•  « 

VII«  Über  Schrauben  und  ihre  Verfertigung.  Von  /?#  AlU 
mütter^  Professor  der  Technologie  am  k.  k.  polytech« 
nischen    Institute    (mit  Zeichnungen  auf  Taf .  1«  II 9 

VI,  VII  und  VIII) 363 

'Einleitung •        .  363 

A.  Über  die  verschiedenen  Arten  von  Schrauben    •  364 

L    Nach  der  Vorn^  der  Gänge  '  .        •        •        •  365 

IL   Nach  der  Richtung  der  Gänge       •        •        •  367 

Beispiele  von  linken  Schrauben     •        •        •  368 

ni.  Nach  der   Feinheit   der  Gänge        •        ,        .  369 

It.  Nach  der  Anzahl  der  Gänge  .        .        •  369 

Beispiele  von  mehrfachen  Schrauben      .        •  373 

V.  Schraubenähnliche  Vorrichtungen    •        .        •  377  * 

B«  Über  die  Verfertigung  der  Schrauben         •        •  378 
I.    Durch  bloise  VV^erkzeuge 
!•  Für  metallene  Schrauben 

a)  Schraubenbleche     •.•.'•  379 

b)  Kluppen  •        .        •  •        •  38o 

c)  Gesenke 399 


VH 


n. 


9,  Für  li5lfteme  Sebnmbmi 
Mittelst  der  Drehbänke     . 
I.  Gemeine  Drdibenb    . 


9.  Patronen -Drehbank    •        •        .        • 

'   Verfertigung  der  Schraobttflile 

3.  Grandjean't  Drehbank        ... 

4.  Drehbank  mit  metallenem  Hegel 
6.  Drehbank  mit  einer  schiefen  FlSche 
6*  Drehbank  mit  beweglicher  Schiene  . 

III.  Blittelst  eigener  Schraubenschneidmaschinen 
I.  mit  Leitspindel  und  ^ 

a)  feststehendem  Zahn        .        •        •        • 

b)  fortrückendem  Zahn      •        .        .        • 
.9.  Ramaden's  Maschine  ohne  Leitspindel 

IV.   Ans  freier  Hand  •        •        •     ^  . 

C  Über  das  Blaterial  an  den  Schrauben  », 

D.  tfber  einige  besonder?  Arten  von  Schrauben* 
mattem       ..'•••        •        «        • 

VÜL  Über  die  Verfertigung  damasairter  Säbelklingen ,  nach 

der  Hethode  des  Herrn   Professors  jfnton   Crivelli» 

Von  Karl  Karmarsch  ^  Assistenten  des  Lehrfaches  der 

Technologie  am  k.  k.  polytechnischen  Institute.    (Mit 

Zeichnungen  auf  Taf.  III ,  Und  fünf  Stahlabdrücken) « 

CL  Ihitersuchnngen  über  eine  besondere  krumme  Linie. 
Von  Adam  Burg^  Repetitor  der  hohem  Mathematik 
am  k.  k.  polytechnischen^  Institute.  (Mit  Zeichnun* 
gen  auf  Tat:  VI)  : 


8mu 
396 

411 

4i3 
4ii 

4a3 

4s5 

4«7 


43i 
436 

446 
448 
449 

455 


463 


5o8 


Im      Nachtrag  su  dem  oben  befindlichen  Aufsatae  Nro.  VIII 

übei^  die  Verfertigung  damasairter  Säbelklingen  .     53 1 

Tf,      'Wissenschaftliche  und  technologisehe  Notisen,    ausge- 
sogen aus  den  englischen  und  fransosischen  Zeitfchrif* 
ten.    Von  Earl  Karmarseh^  Assistenten  des  Lehrfaches 
der  Technologie  'am  k.   k.  polytechnischen   Institute« 
(Mit  Zeichnungen  auf  Taf.   I,  III  und  IV)        .        .533 
1)    Nachricht  yon   den   in  Frankreich   eingeführten 
Haehemirziegen ;   nebst   Bemerkungen  über   da» 
feine  Wollenbaar  einheimischer  Ziegen,  Sl  533.-^ 
a)  Über  einige  Substansen,  welche  die  Fähigkeit 
besitseDf   Tagetabilische    Stoffe  tmverbrennlich 


vra 


8«it« 


zp.  macben,  S.  64i»  ^  3)  Ein  Mittel,   die  Ver* 
falschung  Ton  Wecliseln  u«  dgl,  bu  yerhindem , 
S.  543.  —  4)  Neue  Buchdruclierpreue ,  S.  644*  — 
5)  Über  Stereotypendruck ,  S.  644*   "^  6)  -Be- 
«      sclireibung  einer  Maschine  ,  mit  welcher  zu  glei- 
cher Zeit  Eisenstangen  serschnitten ,  und  Blech- 
stüche  durchgeschlagen  werden  können,  S.  569.  — 
7)  Des   Engländers   T.  Lane  Verbesserung  an 
der  Drehbank,  S.  670.  «—  8)  Brücke  aus  Draht, 
S.  571*  •—  9)  Verbesserungen  an  Krämpelmaschi- 
suen,  S«  573.  —    10)  Maschine  zum  Auswinden 
nassör  Leinwand,  S.  674*  —  11) Über  verschie- 
dene    Arten    von  Kugelmodeln,     insbesondere 
«  solche ,  bei  denen  das  Abzwicken  auf  eine  eigen- 

thümliche  Art  geschieht,  S.  574*  «—12)  Über 
das  Schweifsen  des  Gufsstahls  und  Oufseisens, 
S.  578.«-  i3)  Verfertigung  von  Geweben  aus 
Fferdehaar  und  Holsstreifen ,  S.  579.—  i4)  Ver- 
besserte Bereitung  des  Garbe-Extraktes,  S^  58a.— 
i5)  Verbesserung  im  Drahtziehen,  S.  683,  ^— 
16)  Verbesserung  in  der  Verfertigung  musikali- 
scher Instrumente,  8.  584.  "^  17)  Verbesserung 
in  der  Typographie.  8.585« —  18)  Neue  Bänder 
an  Stubenthüren ,  S.  587.  —  19)  Neue  Flachs- 
lyid  Hanfbrech  -  Maschine,  S«  587*  -^  so)  William 
Malier t  Sicherheitsschlofs ,  S.588.  —  ai)  Neue 
Versuche  über  die  Anwendung  des  Koch  -  und 
Glaubersalzes  in  der  Glasfabrikation,  8.599«  — 
aa)  Englisches  Verfahren,  damaszirte  Gewchr- 
läufe zu  brüniren,  8.593«—  a3)  Instrument  zum 
Anspitzen  der  Zeichenstifte ,  S«  596.  —  a4)  Neue 
.  Methode ,  zweifarbige  gedruckte  Zeuge  zu  ver- 
fertigen, 8.597. —  a5)  Siderographie,  8«6oo. — 
a6)  Neue  Anwendung  der  Lithographie,  8«  6o5« 

Xn.  Verzeichnifs  der  in  der  österreichischen  Monarchie  im 
Jahre  181a  auf  Erfindungen ,  Entdeckungen  und  Ver- 
besserungen ertheilten  Privilegien  oder  Patente         •     607 


L 

Kurze  BesclireibuDg  des  National-  Fabriks- 
Produkten-  Kabinettes  am  k,  k.  polytechni- 
schen Institute. 

Von 

Karl  Karmarsch, 

Assistenten  des  Lehrfaches  der  Technologie. 


Ei  n  1  ei t  un'g. 


D 


urch  die  Vorsorge  der  Staatsverwaltung  war 
die  indiistrielle  Kultur  des  österreichischen  Staates 
schon  in  den  letzten  Jahren  auf  einen  ungemein  be- 
deutenden Grad  gehoben  worden.  Noch  aber  fehlte 
es  an  einer  Anstalt^  welche  einen  vollkommenen  und 
leichten  Überblick  über  den  Stand  aller  Fabrikations- 
zweige in  der  Monarchie  zu  gewähren  vermocht; 
hätte.  Eine  Sammlung  von  Fabrikserzeugnissen  in 
Privathänden  konnte  diesem  Zwecke  um  so  weni- 
ger entsprechen  y  je  gröfsere  Hindernisse  ihrer  all- 
gemeinen Benützbarkeit  im  Wege  standen.  Gleich- 
wohl mufste  eine  ausgewählte  Übersicht  der  in  dem 
grofsen  österreichischen  Staate  existirenden  Fabrika- 
tionszweige und  ihres  derzeitigen  Zustandes  sowohl 
für  den  Fabrikanten  und  Kaufmann^  als  für  das  gebil- 
dete Publikum  überhaupt  von  grofsem  Interesse  seyn. 
Diesem  Bedürfnisse  ist  durch  das  National-  Fabriks- 
Produkten-  Kabinet  am  k.  k.  polytechnischen  Insti- 
tute vollkommen  abgeholfen  worden*). 

*)  Xachslchendcs  ist   die   in  dem  allerhöchst  genehmigten  Orga- 

Jahrb.  de«  poljt*  Intt.  IV.  Bd.  ^ 


jDas  genannte  Kakinet  sollte ,  seiner  Bestimmung 
nach^-  ein  Yereinigungspunkt  alles  dessen  seyn^  was 

nisationsplane    enthaltene   Instrulttion    ftir    die    Einrichtung 
dieser  Sammlung. 

1.  Dieses  Kabinet  soll  ein  IVational-  Fabriksproduliteii- 
Habinet  darstellen,  welches  ssum  Zwecke  bat ,  durch  die  Auf- 
stellung charakteristischer  Muster  aus  sammtlichen  Produk- 
tionen der  nützlichen  Künste  eine  Übersicht  sowohl  des  ge- 
fenwärtigen  Zustandes  der  Vervollkommnung  in  diesen  Ar- 
eiten,  als  auch  des  allmählichen  Fortschreitens  derselben, 
und  dadurch  ein  Bild  der  Kulturstufe  des  inländischen  lur 
dustricsustandcs  «u  gewähren.  Das  National-  Fabrikspro- 
dukten- Kabinet  soll  daher  eine  so  viel  möglicl^  vollstän- 
dige Übersicht  dessen  gewähren ,  was  die  Kultur  eines  jeden 
Fabrikationsfeweiges  tu.  einer  jeden  und  bestimmten  Zeit 
auf  eine  ausgezeichnete  Weise  zu.  charakterisiren  vermag, 
so  dafs  in  und  aus  demselben  zu  ersehien  ist,  .welche  Stiife 
jeder"  der  verschiedenen  Industriezweige  dermahl  oder  bis 
BU  einer  bestimmten  Zeit  erreicht  habe.  Zur  Vergleichung 
wären  Atn  verschiedenen  Klassen  der  Fabriksprodukte*  auch 
einige  der  in  dem  betreffenden  Fache  vorzüglichsten  auslän- 
dischen Fabriksmuster  beizugesellen« 

s.  Diese  Sammlung  kann  dähdr  blofs  Musterstücke  ent- 
halten ,  d.  h.  solche  Arbeitsstücke ,  welche  in  ihrer  Ausfüh* 
rune  die  Vollkommenheit  eines  bestimmten  Fabrikations- 
Bweiges  äuszuspret^hcn  im  Stande  sind. 

3«  Es  ist  daher  an  der  charakteristischen  Auswahl  dieser 
lUbinetsstücke  Alles  gelegen.  Eine  bloPse  Zusammenhäut'nng 
Von  Exetnplaren  aller  fabricirten  Artikel  würde  endlich  in 
ein  fruchtloses  und  sich  selbst  aerstörendes  Ohaos  zerfallen« 

4<  In  dieser  Sammlung  mufs  daher  das  in  jeder  Zeitpe- 
]*iod6  Vollendete  und  Vorzügliche  dein  ei'sten  Blicke  sich  dar- 
stellen j  es  darf  nicht  erst  unter  einem  Schwall  mSttelmäfsi- 
ger  und  gemeiner  Dinge  mühsam  und  hier  nur  von  Sachken- 
neim  hervorgesucht  werden  mibsen.  Alles,  was  in  seiner  Art 
nicht  mustere  und  meisterhaft  ist «  oder  sich  durch  eine  be- 
sondere wesentlich  charakteristische  Verschiedenheit  oder 
verschiedene  Fabrikationsweise  auszeichnet ,  und  als  solches 
nicht  die  Ansicht  der  Vervollkommnungtstttfe  in  dieser  Art 
von  Arbeiten  zu  geben  vermag «  kann  daher  in  dieser  Samm- 
lung keinen  Platz  finden«  Der  Fabrikant  mufs  es  sich  zur 
Ehre  machen  können ,  Wtenn  Stücke  seiner  Fabrikation  in  das 
National- Fabriksprodukten- Kabinet  aufgenommen  werden« 

6«  Die  Produkt«  der  bildenden  Künste  gehören  nicht  in 
dieses  Kabinet« 


in  RücLsicfat  auf  die  Gewerbs-  Industrie  des  östeitei- 
diischen   Kaberstaates  wissenswürdig  ist.     Es  sollte 


6.  Die  Aufstellung  dp%  Kabinettes  geschieht  im  Wesentli- 
eben  in  der  Ordnung,  nach  welcher  die  empirische  Techno- 
logie vorgetragen  wird,  da  diese  so  gewählt  wird,  da(s  die 
Kategorien  am  umfassendsten,  und  am  wenigsten  Wieder- 
bolungen  möglich  werden, 

7.  Die  Fortsetzung  der  Muster  eines  bestimmten  Fabri- 
liationsxweiges  geschieht  in  chronologischer  Ordnung ,  damit 
für  jedes  Jattr  oder  jede  Epoche  von  Jahren  die  Übersicht 
der  Fabrihationskultur  rougiich  werde.  Jedem  Stücke  wird 
daher  die  Jahrzahl  und  der  Nähme  des  Fabrikanten  und  der 
Fabrik ,  so  daGi  sie  gehörig  in  die  Augen  fallen ,   beigefügt. 

8.  Zum  Behufe  der  instruktiven  technologischen  Ansicht 
beginnt  jede  Reihe  eines  bestimmten,  in  seinen  verschiedenen 
Unterabtheilungen  geordneten  und  nach  der  Zeitfolge  fort- 
laufenden Fabrikcweiges  zuerst  mit  dem  roheü  Materiale 
in  seinen  verschiedenen  Abänderungen ,  den  nächsten  Ver- 
arbeitungen dieses  Materials  und  der  stufenweisen  Entwick- 
lung des  fertigen  Fabrikats  aus  demselben  bis  zu  den  vollen- 
deten Mustern  ^  z.  B.  die  Reihe  der  Wollenfabrikate  beginnt 
mit  den  verschiedenen  Sorten  roher  Wolle  votl  der  gröbsten 
bis  zur  feinsten  Qualität ,  die  Gcspinnste  aus  denselben  u.  s.  w. 
bis  SU  den  verschiedenen  fertigen  Wollenzeugdn ,  wobei 
die  Ordnung  so  ceschehen  kann ,  dafs  die  fertigen  Fabrikate 

?;leicb  in  der  Reine  der  ihnen  zugehörigen  mehr  und  minder 
einen  Vrstoffe  folgen.  Auf  diese  Art  ist  dieses  Habinet  zu- 
gleich eine  natürlich  bildliche  und  instruktive  technologische 
Darstellung. 

9.  in  de>  chronologischen  Fortsetzung  des  Kabiilettes 
vrerden  nur  solche  Gegenstäilde  hinzugefügt ,  welche  sich  von 
den  vorigen  durch  ihre  Vervollkomninting  untersdieiden.  Es 
erhellet  übrigens  schon  aus  dem  Vorigen ,  dafs  bei  ier  Aus- 
wahl der  Muster  auf  das,  was  in  denselben  Ghai'akteristiSchea 
und  Auszeichnendes  in  der  Fabrikation  vorhanden  sey  ,  gese- 
hen iterden  müsse,  damit  keine  Anhäufung  vdn  Doubletten 
and  wenig  verschiedenen  Dingen  erfolge. 

Das  Fabriksproduktdn-  Kabinet  soll  die  National-  Indu- 
strie in  ihrer  jedesmahligen  höchsten  Stufe  darstellen,  es 
luinn  daher  in  Bezug  auf  die  Verschiederfbeit  unendlich  man- 
nigfaltiger Muster  und  Nuancen  einzelner  Faf>rikationsarti- 
kei  das  Besehen  einer  Fabriks-  oder  Kaufmannsniederlage,  z.  D. 
einer  grofsen  Eisenhandlung ,  einer  Tischlerniederlage,  eincia 
Olaswaären-  Magazins,  einer  Kattunniederlage  elc^  nicht  ent- 
behrlich machen  wollen^ 

1* 


aber  nicht  blofs  den  Stand  dieser  Industrie  in  einfem 
gewissen  Zeitpunkte  kenntlich  machen;   sondern  ea 


10.  Bei  der  Aufstellung  mufs  daher  auch,  um  der  Aua> 
fuhrbarheit  und  der  chronologischen  Fortsetzung  des  Kabi- 
nets  nicht  im  Wege  su  stehen ,  auf  möglichste  Ratimcrspar- 
nifs  Rücksicht  genommen  werden ,  und  es  müssen  daher  un- 
ter Mustern ,  die  fQr  einen  bestimmten  Fabrihationseweig 
gleich  charakteristisch  sind ,  solche  gew«Hhlt  werden ,  die  we- 
niger Raum  einnehmen« 

II«  Eben  so  mufs  bei  den  verschiedenen  Fächern  der 
Industrialproduktion  die  möglichste  Gleichförmigkeit  ii^  der 
Behandlung  und  in  der  Auswahl  der  Gegenstände  beobachtet 
und  ohne  gebiethende  Gründe  bei  dem  einen  Zweige  nicht 
mehr  ins  Detail  gegangen  werden  als  bei  dem  andern,  und 
als  überhaupt  der  allgemeine  Zweck  es  nothwendigmacht, 

19.  Die  eigentlich  chemischen  Fabriksprodukte,  als  die 
verschiedenen  Farben,  metallischen  Präparate  u.  s.  w.  werden 
nicht  in  diesem  Kabinette,  als  mit  dessen  übrigen  Theilen 
disharmonirend y  aufgestellt;  sondern  sie  haben  ihren  Plats 
in  der  chemischen  Präparaten<^ammlung  des  allgemeinen  che- 
mischen Laboratoriums,  wo  sie  als  gewöhnliche  Fabriksprä- 
pärate  den  reinen  chemischen  Präparaten  gegenüber  stehen. 

« 

i3.  Die  Aufstellung  ist  überhaupt  auf  eine  gut  in  die 
Augen  fallende,  mit  dem  Hauptzwecke  zusammenstimmende 
Weise  zu  veranstalten ,  uYid  jene  Gegenstände  ,  welche  dem 
Verstauben  ausgesetzt  sind ,  sind  auf  eine  zweckinätsige  Weise 
in  Glaskästen  unterzubringen. 

14.  Fs  ist  die  Pflicht  des  Vorstehers  dieses  Kabinets,  sich 
mit  den  Fortschritten  der  verschiedenen  Zweige  der  Indu- 
Btrialkultur  stets  in  genauer  Bekanntschaft  zu  erbalten,  da- 
mit das  Habinet  in  seiner  chronologischen  Fortsetzung  auf 
keine  Weise  hinter  den  Vervollkommnungen  der  National- 
industrie zurückbleibe. 

i5.  Die  zum  Behufe  des  technologischen  Vortrages  no- 
thige  Sammlung  der  verschiedeneu  Werkzeuge  theils  in  Na- 
tur, theils  im  Modell  macht  eine  eigene  für  sich  abgeson- 
derte Abtheilung  des  Kabinets  aus ,  mit  welcher  sie  sich  an 
das  Modellenkabinet  des  Instituts  anschliefst.  In  dieser  Ab- 
theilung  werden  die  verschiedenen  Werkzeuge  in  ihrer  besten 
und  vollendetsten  Konstruktion  in  der  dem  Vortrage  der  Tech- 
nologie entsprechenden  Ordnung  der  Handwerke  aufgestellt. 

16.  Das  Fabriksprodukten-  Kabinet  ist  der  Aufsicht  und 
Sorgfalt  des  Professors  der  Technologie  anvertraut,  dem  ein 


erhielt  die  Bestimmung ,  die  allmählichen  Fortschritte 
derselben  bis  auf  den  gegenwärtigen  Augenblick  deut- 
lich vor  Augen  zu  legen.  Es  sollte  zeigen ,  wie  jeder 
einzelne  Fabrikationszweig  nach  und  nach  zu  seiner 
jetzigen  Vollkommenheit  gelangt  ist ;  zu  gleicher  Zeit 
solhe  es  aber  auch  die  Mängel  nachweisen,  welche  in 
einem  oder  dem  andern  Fache  noch  zu  *  verbessern 
sind,  und  so  dem  Fabrikanten  zur  fortwährenden  Ver- 
vollkommnung seines  Industriezweiges  Gelegenheit 
geben. 

Um  das  dabei  interessirte  Publikum  mit  dem  Be- 
stehen des  National- Fabriksprodukten- Kabinettes  und 
init  dem  angegebenen  Zwecke  desselben  bekannt  zu 
machen ,  zugleich  auch ,  um  die  £linscndung  von  Mu^ 
slerstücken  iiir  dieses  Kabinet  zu  bewirken,  wurden 
die  im  zweiten  Bande  dieser  Jahrbücher  (S.  XllI)  be- 
schriebenen Schritte  unternommen,  deren  Erfolg  so 
bedeutend  war,  dafs  die  Sammlung  schon  jetzt  den 
Nahmea  eines  A^ational'  Fabriksprodukien-  Kabinet- 
tes mit  allem  Rechte  fuhrt. 

Seit  seinem  Entstehen  istnähmllchderReichthum 
dieses  Kabinettes  bis  auf  mehr  als  160Q0  Stück  ange- 
wachsen. Diese  grofse  Anzahl  von  Mustern  aus  fast 
allea  Fabrikationszweigen  nimmt  bereits  vier  mit  Glas- 
schränken versehene  Säle  ein,  und  wird  bald  noch 
weiter  ausgedehnt  werden  können,  wenn,  wie  zu  er- 
warten steht,  die  Einsendungen  von  Seite  der  Herren 
Fabrikanten  mit  derselben  Schnelligkeit,  wie  bisher,  ge- 
schehen.    Hierdurch  ist  also  der  Hauptzweck  des  Ka- 


Assi-stciit   und   ein  Saaldiencr  unter  dem   Nahmen  Aufseher 
untergeordnet  sind. 

17.  Um  aufser  dcnjt^nigen  Gegenständen  ,  welche  dem  Fa- 
briksproduklen-  Kabincite  von  den  Erzcugcra  selbst  uncnl? 
geldlich  dargebracht  werden,  alles  zur  Erwcilerung  und  hi- 
storischen Fortsetzung  Dienemle  nachschaffen  zu  können,  ist 
ein  jährliches  Vcrlagsgcld  von  1000  fl.  bewilliget. 


binets.^  eine  Übersicbi  des  inländischeii  Kunstfleifses 
SU  geben,  scbon gröfsten Theils erreicbt.  Aufserdcm 
aber  erfüllt  diese  Anstalt  nocb  mehrere  andere ,  un- 
tergeordsete  Zwecke ,  welcbe  zumTbeil  das  Interesse 
der  Fabrikanten  unmittelbar  betreffen.  Da  näbmlich 
die  Sammlung  dem  Publikum  zur  Ansicht  offen  steht 
und  auch  häufige  Besuche  von  Ausländern  erhält^  so 
findet  der  Erzeuger,  dessen  Produkte  hier  aufgestellt 
sind^  die  beste  Gelegenheit,  durch  die  geringe  Auf- 
opferung einiger  Muster  seine  Firma  bekannt  zu  m^r 
eben,  seinen  Verdiensten  die  gebührende  Anerken- 
nung ,  und  seinen  Erzeugnissen  Absatz  zu  verschaffen. 

Dieser  Erfolg  wird,  durch  das  bei  der  Erweite- 
rung des  ]Cabincttes  befblgte  Verfahren  noch  ungemein 
befördert;  indem  jedes  Stück  unmittelbar  nach  der 
Einsendung  vortheilhaft  aufgestellt ,  und  mit  einer  den 
Nahmen  und  Wohnort  des  Erzeugers^oder  Einsenders 
tragende^  Etikette  versehen  wird.  Um  die  häufig  einge- 
henden Nachfragen  augenblicklich  befriedigen  zu  könr 
nen,  wird  zugleich  beim  Kabinette  ein  vollständiges  Ad-r 
drefsbuch  über  alle  jene  Fabrikanten  und  Gewerblrei- 
benden  gehalten ,  welche  Musterstücke  zur  Aufstelr 
lung  eingeschickt  haben  ^).  Endlich  ist  zur  Erleichte- . 
rung  der  chronologischen  Übersicht  darauf  gesehen 
worden,  die  früher  bereits  im  Kabinette  vorhanden  ge- 
wesenen Stocke  durch  verschieden  gefärbte  Etiketten 
von  den  nach  dem  Jahre  i8|6  eingelangten  Gegen- 
ständen zu  unterscheiden. 

Aufser  den  inländischen  Fabrikaten  ist,  dem 
Plane  dieser  Sammlung  gemafs,  eine  gewisse  (freilich 
verhältnifsmäfsig  viel  geringere)  Anzahl ,  meist  vom  Ver- 
lagsgelde  angeschaffler ,  ^nd  dermahlen  nahe  au  ioqq 
Stück  betragender,  ausländischer  Erzeugnisse  aufge- 
stellt worden.    Pie  Gründe  dieser  Mafsregel  l^sse^  siqh 

*)  pi«  Ansalil  ^«rtclbf n  bf  trfi|jt  icbon  deriii|ib1en  fibcr  909. 


leicht  finden.  Bei  manchen  derselben  wird  das  oft 
nicht  gegriindete  Vorurtheil  für  ausländische  Fabri- 
Late  am  schnellsten  und  gründlichsten  durch  die  Ver- 
gleichung  mit  den  inländischen  widerlegt.  In  solchen 
Fällen  hingegen^  wo  durch  Lokal-  und  andere^  Ver- 
hältnisse die  ausländischen  Produkte  einen  unbestreit-r 
baren  Vorzug  erlangt  haben  ^  zeigt  eine  solche  Verglei- 
chung  einerseits  den  Grad  ihrer  relativen  Vollkommen- 
heit, anderseits  biethen  jene  Stücke  dem  Inländer 
Muster  dar ,  an  die  er  sich  halten ,  und  deren  Nachah- 
mungen versuchen  kann.  Fälle,  in  denen  Gegenstände 
verschiedener  Art  nach  den  im  Kabinette  befindlichen 
ausländischen  Mustern  verfertigt  wurden,  sind  schon 
so  häufig  vorgekommen,  da(s  auch  die  Erweiterung 
dieser  Abtheilimg  der  Samndung  sehr  zu  wünschen  ist. 

Mit  dem  National-Fabriksprodukten-Kabinette  ist 
endlich  noch  eine    Werkzeugsammlung   verbunden, 
die  schon  jetzt  nahe  an  3ooo  Stück  begreift,  und  de- 
ren hauptsächlichste  Bestimmung  die  Erläuterung  der 
tecbnologisehen  Vorlesungen  ist.    Zu  diesem  Ende  sind 
nicht  nur  die  im  Inlande  gewöhnlichen,  sondern  auch 
eine  grofse  Zahl  ausländischer  (vorzüglich  englischer) 
Werkzeuge,  sämmtlich  in  vorzüglich  schön  gearbeite- 
ten Exemplaren,  hier  aufgestellt.     Durch  eine  leicht 
Torzunehmende  Vergleichung  wird  die  Güte  mancher 
ausländischen  Fabrikate  begreiflich ,  und  der  Inländer 
in  den  Stand  gesetzt,  seiner  Arbeit,  in  manchen  Fäl- 
len, gleiche  Vollkommenheit  zu  geben.     Diese  Samm- 
lung wird  von  Handwerkern  sehr  häufig  benützt ,  da 
sie  ihnen  bequeme  Gelegenheit  verschafft,  sich  ohne 
Kostenaufwand  und  Zeitverlust  mit  den  vorzüglichsten 
in  ihr  Fach  einschlagenden  in-  und  ausländischen  Er- 
findungen und  Verbesserungen  bekannt  zu  macheu.  r — 
Der  Umstand,  dafs  man  bei  den  meisten  Fabrikaten 
zugleich  die  Mittel  zeigen  kann,  durch  welche  diesel- 
ben hervorgebracht  sind,  verbindet  diese  Sammlung 
unmittelbar  mit  dem  übrigen  Theile  des  Kabinettes,  und 


8 

gewährt  die  schnellste  wissenschafUiche  Belehrung. 
Ihr  Wer th  wird  endlich  noch  dadurch  erhöht  ^  dafs 
durch  die  Anfertigung  ganzer  Partien  von  Werkzeu- 
gen (z^  B.  der  Tischlerwerkzeuge)  Arbeiter  gebildet 
worden  sind^  bei  welchen  man  dieselben  mit  einer 
Sonst  nicht  zu  erreichenden  Genauigkeit  erh«alten  kann. 

Sogrofs  übrigens  die  gsfnze  Sammlung  ^  besonders 
jene  der  eigentlichen  Fabrikate  ^  schon  jetzt  geworden 
ist^  soläfstsich  doch  Vollständigkeit  bei  derselben  um 
so  weniger  erwarten^  als  die  Einlieferungen  freiwil- 
lig geschehen^  und  daher  einige  Fächer  fortwährend 
ziemhch  mangelhaft  bleiben  müssen. 

Durch  die  nachfolgende  Beschreibung  des  Natio- 
nal-Fabriksprodukten- Kabinettes ,  welcbe  unter  den 
Augen  ^  und  nach  dcmRathe  des  Herrn  Professors  der 
Technologie^  und  Vorstehers  dieses  Kabinettes^  G.  Alt- 
mütter,  verfertigt  worden  ist,  hofft  man  einem  oft 
ausgesprochenen  Wunsche  aller  Freunde  der  vater- 
ländischen Industrie  entgegengekommen  zu  seyn.  Sie 
umfafst  den  Zustand  der  Fabrikaten-  Sammlung  am 
Ende  des  Jahres  18:22;  doch  konnten  darin  nicht  alle 
Nahmen  jener  Fabrikanten  und  Gewerbtreibenden  auf- 
genommen werden,  von  denen  Beiträge  eingegangen 
sind ,  wenn  der  Aufsatz  eine  für  diese  Zeitschrift  pas« 
sende  Ausdehnung  nicht  überschreiten  sollte.  Jene 
bleiben  daher  einer  später  zu  erscheinenden  ausfuhr- 
licheren Beschreibung  aufbehalten. 


9 

Beschreibung  des  National  -  Fabriksprodukten- 

Kabinettes. 

I.Unter  dem  Reichthume  des  National-  Fabriks- 
prodaklen-Kabinettes  behaupten  die  Met  alle  und  deren 
Verarbeitungen  mit  Recht  den  ersten  Platz  ^  da  sie  den 
wichtigsten  Zweig  der  gewerblichen  Industrie  über- 
haupt^ und  jener  des  österreichischen  Staates  insbe- 
sondere^ bilden.  Die  hierher  gehörigen  Fabrikate 
werden  am  fuglichsten  in  jener  natürlichen  Ordnung 
vorgenommen^  die  sich  bei  ihrer  Ansicht  gleichsam 
von  selbst  ergibt^  und  die^  obwohl  keine  eigentlich 
systematische  Zusammenstellung.^  doch  nach  Möglich- 
keit immer  vom  Einfachem  zum  Komplicirteren  fort- 
schreiteL  Freilich  kann  hierbei  die  Yerfertiguogsart 
oder  das  Material  allein  nicht  berücksichtigt  werden : 
im  Gegentheil  mufs  man  auch  die  äufsere  Beschaffen- 
hat der  Erzeugnisse  zu  Rathe  ziehen^  damit  nicht  zu 
unähnliche  Fabrikate  sich  unmittelbar  berühren.  Wir 
machen  demnach  mit  den  rohen  Metallen  den  Anfangs 
nnd  beschreiben  zugleich  einige  einfache  Verarbei- 
tongen  derselben;  lassen  hierauf  die  verschiedenen 
Arten  von  Blech  und  Drath^  nebst  den  daraus  verfer- 
tigten Artikeln  folgen;'  ündschliefsen  mit  der  Abhand- 
lung einiger  mehr  zusammengesetzten  Fabrikations- 
zweige. 

^.  Allen  übrigen  in  den  technischen  Gewerben 
verwendeten  Metallen  lassen  wir^  billiger  Weise  ^  das 
Eisen  vorangehen.  Die  Wichtigkeit  des  Eisens  fiir 
die  mechanischen  Künste^  und  selbst  für  das  gemeine 
Leben  braucht  wohl  hier  nicht  erst  erörtert  zu  werden^ 
da  es  ohnediefs  bekannt  ist^  wie  wenige  Arbeiten  wir 
ohne  Hülfe  dieses  unschätzbaren  Metalles  auszuüben 
im  Stande  wären.  Man  darf  sich  nur  auf  die  Noth- 
wendigkeit  stählerner  oder  eiserner  Werkzeuge  zur 
Bearbeitung  aller  übrigen  Metalle  y .  ferner  des  Holzes^ 
der  Steine   vl  s.  w.  erinnern  ^  um  die  Wahrheit  die- 


lO 

t 

ses  Satzes  bestätigt  zu  finden.  Wie  sehr  darf  sich 
demnach  ein  Land  Gliick  wünschen ,  welches  so  wie 
der  österreichische  Staat  mit  Eisen  in  unerschöpflicher 
Menge  und  von  der  vorziiglichsten  Güte  versenen  ist ! 
In  ganz  Buropa  dürfte^  aufser  Schweden,  vielleicht 
kein  Reich  dem  österreichischen  in  der  angegebenen 
Rücksicht  vorzuziehen  seyn.  Diegröfsten  und  berühm- 
testen Eisenwerke  sind  in  Steiermark  und  in  eineoti 
Theile  des  Königueichs  Illjrrien'y  aufserdem  besitzen 
aber  auch  die  meisten  übrigen  Provinzen  dieses  Metall 
in  bedeutender  Menge. 

3.  Das  Eisen  wird  in  den  Künsten  unter  drei 
verschiedenen  Zuständen  benützt :  nähinlich  als  Roh- 
oder  Gufseisen ,  als  weiches  Eisen  oder  Stangeneisen, 
und  als  Stahl. 

Das  Gufseisen  (Roheisen)  wird  unmittelbar  durch 
das  Ausschmelzen  der  Eisenerze  mit  Kohle  in  den  so 
genannten  Hochöfen  gewonnen.  Fast  jeder  Hochofen 
liefert  hierbei  eine  andere  Sorte  Roheisen^  dessen 
Qualität  von  der  Beschaffenheit  der  Erze^  von  dem 
Verhältnisse  der  angewendeten  Kohlen  und  von  andern 
Umständen  abhängig  ist.  Man  schätzt  diese  Gattung 
des  Eisens  in  der  Regel  um  so  mehr ,  je  dichter  und. 
gleichförmiger  sie  im  Gusse  ausfälh^  und  je  geringer 
bei  gleicher  Härte  ihre  Sprödigkeit  ist.  Nach  dieser 
Voraussetzung  zu  urthcilen^  mufs  das  Gufseisen  von 
einigen  böhmischen  und  mährischen  Eisenwerken  dem 
sonst  so  gerühmten  steiermärkischen  Eisen  vorgezo* 
gen  werden. 

Man  verwendet  das  Roheisen  theils  zur  Darstel- 
lung des  weichen  Eisens ,  theils  zu  Gufs waaren  verschie- 
dener Art.  Zu  dieser  letztem  Verwendung  ist  das 
Eisen  tauglicher  als  alle  übrigen  Metalle ,  indem  es  nicht 
nur  fast  immer  einen  sehr  dichten  und  blasenfreien 
Gufs  liefert  y  sondern  zugleich  alle  Züge  der  Formen 
genau  ausfüllt.    Wegen  dieses  Umstandes  ist  auch  das 


II 

Eisen  eines  Ton  den  wenigen  Metallen^  aus  welchen 
feine  Gegenstände^  z.  B.  Medaillen,  u.  dgl.  gegossen 
werden  können^  die  nach  dem  Gusse  keiner  Nach- 
hülfe mehr  bedürfen.  Bekanntlich  liefert  England 
unter  allen  Ländern  in  Europa  die  meisten  Gufswaa- 
TCiij  doch  immer  nur  von  gröberer  Art;  in  Rücksicht 
auf  das  Feingiefsen  sind  vorzüglich  mehrere  Hütten- 
werke in  der  königlich  preufsischen  Provinz  Schlesien 
berühmt.  Im  österreichischen  Staate  hat  die  Eiseur 
gielserei  zwar  erst  in  der  neuesten  Zeit  Fortschritte 
zu  machen  angefangen,  ist  aber  doch  von  mehreren 
Fabriken  bereits  auf  einen  ungewöhnlichen  Grad  der 
Vollkommenheit  gehoben  werden:  so  zwar,  dafs  grös- 
sere imd  massivere  Guiswaaren  eben  sowohl  als  feine 
Gegenstände  von  ausgezeichneter  Güte  und  Schönheit 
erzeugt  werden. 

Die  vorzüglichsten  unter  den  inländischen  Eisen- 
giefsereien  haben  dem  National- Fabriksprodukten*Ka- 
hinette  Muster  ihrer  Erzeugnisse  eingeschickt.     Fol- 
gende darunter  müssen  hier  etwas  mehr  ausgezeich^ 
net  werden: 

Das  Eisengufswerk  Sr.  Excellenz  des  Herrn  Grafen 
von  Wrhna  zu  Horzowicz  in  Böhmen  (Berauner 
Kreis). 

Eine  sehr  kostbare^  aus  mehr  als  hundert  Stü^ 
cken  bestehende  Sammlung  vortrefilicher  Gufswaaren 
bezeugt  die  aufserordcntlich  schnellen  Fortschritte, 
welche  die  genannte  Anstalt  durch  die  Liberalität  ihres 
aligemein  verehrten  Eigen thümers  seit  Kurzem  gemacht 
hat.  Nicht  wenige  Stücke  darunter  kommen  denPro- 
dukten  der  berühmtesten  ausländischen  Giefsereien 
an  Schönheit  und  Schärfe  des  Gusses  wenigstens  gleich. 
Dazu  müssen ,  nebst  andern  Gegenständen  y  einige  Mer 
daillen  mit  Portraits^  verschiedene  wie  Muscheln  gCT 
formte  Tabatieren^  eine  Anzahl  von  Leuchtern^  ein 
sehr  zierliches  Halskettchen  ^  u.  s.  w.  gerechnet  wer^ 
den.     Die  Vorzüglichkeit  der  mit  dem  Werke  zu  Hör- 


13 


zowicz  verbundenen  Yorriclitungen  zum  Abdrehen  der 
Gufswaaren  zeigt  sich  an  einigen  Altarleuchtern  ^  und 
anderen  Stücken^  die  auch  in  dieser  Hinsicht  nichts 
zu  wünschen  übrig  lassen.  Ein  2'i  Zoll  hohes ,  von 
Holz  abgeformtes  Kreuz  ist  unter  andern  auch  darum 
merkwürdige  weil  es  ganz  die  Struktur  des  Holzes 
zeigte  nnd  somit  einen  auffallenden  Beweis  von  der 
Fähigkeit  des  Eisens ,  selbst  die  feinsten  Lineamente 
einer  Form  auszufüllen  ^  liefert. —  Bekanntlich  erhal- 
ten  Eisenwaaren,  die  in  eisernen  Formen  gegossen 
werden  e  eine  bedeutende  Härte ,  wovon  die  Ursache 
wahrscheinlich  in  der  schnellen  Abkühlung  der  Ober- 
fläche gesucht  werden  mufs.  In  England  benutzt 
man  diese  Erfahrung  bei  der  Verfertigung  der  zum 
Walzen  des  Eisenbleches  bestimmten  Zylinder ,  so 
wie  zur  Erzeugung  ordinärer  Schneidwaaren  aus  Gufs- 
eisen.  Versuche  der  letzteren  Art  sind  auch  auf  der 
gräflich  Wrbna'schen  Giefserei  gemacht  worden.  Im 
Fabriksprodukten- Kabinette  befindet  sich  eine  kleine^ 
wahrscheinlich  auf  diese  Art  gegossene  Schere,  die 
eine  vortreffliche  Politur,  auch  eine  ziemlich  harte 
Schneide  besitzt,  und  in  beiden  Rücksichten  den  eng- 
lischen, Musterstücken  dieser  Art,  mit  denen  man  sie 
hier  vergleichen  kann,  vorzuziehen  ist.  —  Merkwür- 
dig ist  endlich  noch  eine  Zuckerzange ,  die,  trotz  der 
gewöhnlichen  Sprödigkeit  des  Gufseisens,  Elasticität 
genug  besitzt,  um  sich  nach  Belieben  zusammendrü- 
cken zu  lassen.  Vermuthlich  hat  sie  diese  auffallende 
Eigenschaft  durch  eine  ähnliche  Behandlung  erhalten, 
als  jene  ist,  mit  deren  Hülfe  man  in  Frankreich  den 
grofsen  gufseisernen  Geschirren  ihre  Zerbrechlichkeit 
zu  benehmen  weifs ,  worüber  aber  zur  Zeit  nichts  Nähe- 
res bekannt  geworden  ist.  —  Unter  den  übrigen  Mustern 
müssen  noch  berührt  werden:  ein  Paar  Büsten  Sr. 
kaiserl.  jetzt  regierenden  Majestät;  ein  sehr  schön  und 
kunstreich  ausgeführter  liegender  Löwe;  eine  grofse, 
durch  ein  eigen  thümliches,  künstliches  Verfahren  im 
Ganzen  gegossene  Kette ;  zweischöüe,  mit  Laubwerk 


i3 

•  « 

verzierte  Yasen;  eine  ähnliche  Zuckerdose ;  eine  ovale 
Platte  mit  erhaben  erAufschrift ;  ein  Paar'sefajrfein  gegos* 
seneOhrgehänge ;  ein  aus  kleinen  Medaillons  zusammen- 
gesetztes Armband;  mehrere  Whistmarken;  ein  klei- 
nes ,  aufserordentlich  zierlich  gegossenes  Schreibzeug ; 
mehrere  Girandol-  Leuchter  u.  s.  w*^  die  sämmtlich 
den  hohen  Aufschwung  der  Fabrik  auf  die  ausgezeich- 
netste Weise  beurkunden.  Übrigens  ist  das  Horzo- 
witzer  Eisen  von  so  trefflicher  Beschaffenheit^  dafs  es 
vor  dem  &ufs  nicht  erst  iioch  einmahl  umgeschmolzen 
zu  werden  braucht^  sondern  dafs  auch  die  feipsten 
Stücke  unmittelbar  aus  dem  Hochofen  gegossen  wer- 
den. Ganz  neuerlich  hat  man  in  dieser  Fabrik  auch 
nicht  unglückliche  Versuche  gemacht^  gufseiseme  Ge- 
schirre mit  einem  haltbaren  Email  zu  überziehen ;  eine 
Kunst ^  deren  allgemeine  Verbreitung  auf  die  Brauch- 
barkeit solcher  Geräthe  den  wichtigsten  Einflufs  ha- 
ben müiste. 

Das  (Tit)  landgräfiich  von  Fürstenberg* sehe  Eisen- 
^o/swerk  zu  Neu-  Joachimsthal  in  Böhmen  (Be- 
rauner  Kreis). ' 

Von  dieser  Anstalt  besitzt  das  Kabinet  mehrere 
sehr  ausgezeichnete  Gufswaarcn,  unter  denen  eine 
Sammlung  von  vierzig  schönen  Medaillons  y  den  herzog- 
lich lothringischen  Stammbaum  vorstellend  y  so  wie  eine 
zwei  Fufs  hohe  Büste  Sr.  Erlaucht  des  Herrn  Land- 
grafen Egon  zu  Fürstenberg  vorzüglich  bemerkt  zu 
werden  verdienen.  Das  letztere  Stück  ist  besonders 
auch  dariun  merkvmrdig ,  weil  man  sich  zu  seiner  Ver- 
fertigung einer  Sandform  bedient  hat,  ein  Verfahren, 
welches  zwar  für  die  gewöhnliche  Erzeugung  ähnli- 
cher Stücke  mit  zu  vielen  Schwierigkeiten  verbunden 
seyn  würde,  durch  welches  aber  zugleich  diese  Büste 
eben  einen  grofsen  technischen  Werih  erhält.  —  Ein 
ovales ,  !23  Zoll  grofses  Medaillon,  mit  dem  Portrait 
Seiner  kaiserl.  jetzt  regierenden  Majestät,  spricht  beson- 
ders durch  trefiende  Ähnlichkeit  und  durch  eine  ganz 


»4 

tadelfireie  Ausführung  des  schwierigen  Gusses  'den 
Kepner  an. 

Die  £•    k.  Ararial-  Eisengiefserei  zu  Maria -Zell  in 
Steiermark  (Brucker  Kreis). 

Diese  Giefscrei  ist  Torzüglich  durch  die  Ausfüh- 
rung gröfserer  Maschinentheile  berühmt.    Das  in  der- 
selben erzeugte  Eisen  hat  den  Vorzug  einer  grofsen 
Festigkeit^  und  läfst  sich  aufserdem  ,  seiner  beträcht- 
lichen Weichheit  wegen  ^  leicht  feilen  ^  und  auf  an- 
dere Art  bearbeiten.     Man  findet  im  National- Fabriks- 
produkten <- Kabinette  viele  Muster  aus  dieser  Fabrik 
aufgestellt,   worunter  nur  einige  der  vorzüglichsten 
ausgehoben  und  hier  etwas  näher  besprochen  wer- 
den können.     Das  gröfste  Stück  ist  eine  7  Zoll  dicke, 
^4  ZtoU  lange ,  und  ^78  Pfund  schwere,  zur  Kattun- 
Appretur  bottimmte  Walze.    Die  Verfertigung  solcher 
Walzen  ist  um  so  schwieriger,    da  sie,   um  ihrem 
Zwecke  zu  entsprechen,  vollkommen  rund  und  ganz 
gerade   seyn   müssen:   zwei   nur   mit  grofser  Mühe 
zu  erfüllende   Bedingungen.     Unter    den   kleineren 
Stücken  bemerkt  man  eine  Sammlung  rein  gegossener 
Medaillons,  mehrere  durchbrochene  Verzierimgen  u. 
s.  w.     Seit  der  letzten  Zeit  besitzt  die  Fabrik  auch  sehr 
genaue  Vorrichtungen  zum  Drehen,  die  für  die  wei- 
tere Verarbeitung  der  Gufswaaren  von  grofscm  Nutzen 
sind.    Als  Proben  einer  solchen  Verarbeitung  sind  dem 
Kabinette  zwei  hohle  offene  ZyUnder  von  Beträchtli-» 
eher  Gröfse  übergeben  worden.    Der  erste  hat  einen 
Durchmesser  von  i3  Zoll,  und  eine  Lance  von  22  Zoll; 
der  andere  ist  32  Zoll  weit,  und  17  ZoU  hoch :  beide 
sind  von  innen  und  aufsen  genau  abgedreht ,  und  kaum 
X  Linie  in  der  Wand  dick.    Nicht  weniger  Aufmerk- 
samkeit verdient  ein  kleiner  Ring,  deralsDosenschlufs 
gebraucht  werden  kann.,  und  bis  zu  der  geringen  Dicke 
eines  J^apierbogens  abgedreht  ist,  — »  Wenn  man  das 
Gesagte  zusammen  fafst ,  so  kann  man  nicht  umhin, 
die  vortheilhafteste  Meinung  von  der  innern  Einrieb« 


i5 

taug  der  Fabrik^  die  unter  der  geschickten  Leitung 
des  eben  so  thätigen  ak  kenntniisreichen  Herrn  Hipp^ 
mann  steht  ^  zu/assen. 


Eisengiefserei  des  (Tit.)  Herrn  Alt -Grafen  Hugo 
Ton  Saint  zaBlansko  ia  Mähren  (Brünner  Kreis). 

Die  Gnfswaaren  dieser  Anstalt  werden  va  Maschi- 
nen- Bestandtheilen  wegen  der  Weichheit  des  Eisens 
und  der  grofsen  Genauigkeit  des  Gusses  gern  gesucht, 
hn  Jahre  1 8 19  hat  der  Herr  Eigenthümer  dieses  Gufs- 
werkes  ein  ausschliefsendes  Privilegium  erhalten  auf 
eine  Art^  Rohren  für  Wasserleitungen  u.  d.  gl.  zu  gies« 
sen.    Die   Haiiptschwierigkeit  hei    der  Verfertigung 
solcher  Rohren   besteht  in   der   geringen    Neigung^ 
wdche  das  Eisen  gleich  allen  Metallen  besitzt^  sehr 
lange  und  engeHönlungen  der  Forcen  YoUständig  aus- 
luKUen.     Gufseiserne  Röhren^  die  man  freUich  frü- 
her schon  erzenste ,  hatten  aus  dieser  Ursache  immer 
sehr  dicke  Wände  ^  und  konnten  daher  nur  um  einen 
nnferhaltnifsmäfsig  hohen  Preis  geliefert  werden.  Die- 
ses Anstand  hat  man  hier  auf  eine  sehr  sinnreiche 
Art  zu  beseitigen  gewufst^.so^  dafs  die  geringe  Dicke 
ein  Hauptverdienst  der  erwähnten  Röhren  ausmacht^ 
wie  die  Ansicht  der  imNational- Fabriksprodukten- Ka- 
binette aufgestellten  Muster  beweiset. —  Als  ein  wahre» 
Konststuck  der  Eisengiefserei  mufs  ein  zum  Absperren 
dsemer  Kommunikationsröhren  bestimmter  Hann  er- 
irihnt  werden^  der  mit  höchster  Genauigkeit  ausge- 
filirt  ist.  —  Vor  längerer  Zeit  wurden  zu  Blansko 
auch  eiserne  Dachschindeln  gegossen  ^  von  denen  das 
Fabriksprodukten-  Kabinet   ebenfalls  mehrere  besitzt. 
Sie  sina  von  der  Gröfse  der  gewöhnlichen  Dachziegel, 
aber  Ton  einer  unbedeutenden  Dicke.    Ihre  Anwen- 
dung scheint  jedoch  mehrere  Hindemisse  gehabt  zu 
haben,  da  man  gegenwärtig  die  Erzeugung  dieses  Ar- 
tikeb  wieder  au]^egeben  hat. 

Das  National- Fabriksprodukten*  Kabinet  besiut 


i6 

aufser  den  inlädidischen  Erzeugnissen  dieser  Art  eine 
Sammlung  schöner  Eisengufswaaren  von  dem  königlich, 
preufsischen  Hüttenwerke  zu  Gleiwitz  in  Schlesien^ 
so  wie  einige  Stücke  englischer  Gufswaaren^  durcli 
deren  unparteiische  Vergleichung  die  Produkte  inläii'- 
discher  Giefsereien  ganz  und  gar  nicht  in  Schatten 
gestellt  werden.  Unter  den  englischen  Mustern  ins-» 
besondere  mufs  ein  schöner^  verzinnter^  mit  Ventil 
versehener  Kochtopf  erwähnt  werden^  der,  seiner 
zweckmäfsigen  Einrichtung  wegen  ^  für  kleine  und 
grofse  Haushaltungen  Empfehlung  verdient.  Ebenso 
ist  eine  Kafiehmühle  zu  bemerken^  die  zwar  ganz  or- 
dinärer Art  ^  aber  doch  defs wegen  interessant  ist'^  weil 
der  ganze  untere  Kasten  derselben  aus  einem  einzigen 
Stücke  besteht.  Jedes  Stückchen  daran  ist  gegossen, 
selbst  die  Schrauben  [nicht  ausgenommen  y  welche  die 
einzelnen  Theile  zusammen  zu  halten  bestimmt  sind. 
Welch  ein  Gegenstück  zu  den  gegossenen  Magazinen 
und  Brücken  ^  denen  der  Kuostfleifs  in  der  neuesten 
Zeit  das  Daseyn  gegeben  hat! 

4-  Das  Stangeneisen  (Schmiedeisen  ^  Frischei- 
sen) ist^  in  der  Regel  ^  das  Produkt  einer  mit  dem 
Roheisen  vorgenommenen  zweiten  Schmelzung^  wo- 
bei dasselbe  jener  fremden  Bestandtheile^  welche  seine 
Sprödigkeit  verursachen^  beraubt  wird.  Es  ist  immer 
um  so  besser^  und  wird  um  so  mehr  geschätzt^  je 
gröfser  seine  Dehnbarkeit,  und  je  weicher  und  gleich- 
förmiger es  ist,  weil  diese  drei  Eigenschaften  es  vor- 
züglich zu  allen  Verwendungen  brauchbar  machen. 
Die  Gestalt,  unter  welcher  das  Schmiedeisen  im  Handel 
gewöhnlich  vorkommt,  ist  die  von  Stangen,  welche 
nach  dem  Zwecke ,  wozu  sie  bestimmt  sind,  verschie- 
dene Formen  haben,  und  abweichende  Nahmen  füh- 
ren. Die  Verfertigung  dieser  Stangen  geschieht  in 
der  Regel  mittelst  des  Hammers,  in  einigen  Fabriken 
aber  auch  durch  gewisse  Maschinen ,  welche  aus  Wal- 
zen bestehen,  und  weit  schneller  arbeiten.  Diese  letz- 


'7 

tere  Methode  verdankt  man  den  Engländern ;  sie  ist 
aber  bereits  auch  auf  dem  gräflich  Egger'schen  Eisen-' 
werke  in  Kämthen  eingeführt  worden. 

Die  österreichische  Monarchie  erzeugt  das  meiste 
nnd  beste  Stangeneisen  in  dem  nördlichen  Theile 
von  Steiermark  und  in  Kämthen  y  welche  beide 
Provinzen  fast  alle  übrigen  Erbländer  versorgen-  Un- 
ter den  inländischen  Hammerwerken,  welche  demNa- 
tional-Fabriksprodukten-KabinetteMuster  ihrer  Erzeug« 
nisse  eingeschickt  haben  ,  verdienen  nachstehende 
besonders  ausgezeichnet  zu  Werden : 

Das  Hammerwerk  Seiner  Durchlaucht  des  fieirn  Für*- 
»ten  FFlIhelm  von  Auersperg,  zu  Hof  in  lUjrrien 
(Meustädtler  Kreis). 

Das  Hammerwerk  auf  der  k.  k.  Bankäl  -  Herrschaft  St* 
Qßrtrud  in  Kämthen  (Klagenfurther  Kreis)^ 

Diese  Anstalt  hat  mehrere  Zentner  Stabeisen  der 
jbesten  Qualität  zur  Aufstellung  eingeschickte 

Das  Hammerwerk  des  Fr4  von  Eggenwald ^  bei  Leo- 
ben  m  Steiermark  0iT\i(Aiev  ILx eis) i 

Mehrere  gute  Muster  von  Streckeisen,  die  be- 
sonders defswegen  Aufmerksamkeit  verdienen,  weil 
sie  mit  rohen  (unabgeschwefelten)  Steinkohlen,  de- 
ren Anwendung  bei  der  Eisenmanipulation  sonst  grofse 
Schwierigkeiten  macht,  bereitet  sind. 

Das  Werk  des  Herrn  Grafen  Ferdinand  von  Egger f 
zu  Lipitzbach  in  Kämthen  (Klagenfurther  Kreis)^ 

Von  dieser  mit  vollem  Recht  berühmten  Anstalt^ 
die  eine  der  wichtigsten  ihrer  Art  in  der  Monarchie 
ist,  besitzt  das  National -Fabriksprodukten-Kabinet 
eine  schöne  Sammlung  von  gev^alztem  Fafsreifeisen, 
welches  sich  durch  äufsere  Schönheit  und  durch  Güte 
gleich  vortheilhaft  auszeichnet.     Die  einzelnen  Stücke 

lakrK  d.  poljrt.  Intt.  IV.  Bd.  2       ^ 


i8 

haben  lo  bis  i5  Fufs  in  der  Länge  ^  \  bis  5f  Zoll  in 
der  Breite^  und  sind  durchaus  von  genau  gleicher 
Dicke.  Diese  Fabrik  hat  auch  Stangeneisen  einge- 
schickt, ivelches  durch  eine  das  gewöhnliche  Ver- 
jähren an  Schnelligkeit  weit  übertreffende  Methode^ 
mittelst  Maschinen ,  verfertigt  ist. 

Das  Schmelz-  und  Hammerwerk  des  Herrn  Obersteiner 
zu  Saidenhofen  in  Kärnthen  (Yillacher  Kreis). 

Das  Hammerwerk  zu  St.  Sahator  in  Kärnthen  (Kla* 
genfurther  Kreis). 

Diese  dem  Herrn  Bischöfe  von  Gurk  gehörige 
Anstalt  hat  mehrere  Muster  von  Fafsreifen ,  Ringeisen, 
viereckigem  und  rundem  Stangeneisen  eingeschickt, 
Vielehe  sämmtlich  von  vorzüglicher  Qualität  sind. 

Die  Lungauer  Eisengewerkschaft  zu  Mauterndorf 
in  Oesterreich  (Salzachkreis). 

Eine  Sammlung  der  gewöhnlichen  Eiaensorten 
Voü  bester  Beschaffenheit. 

§•  Die  edelste  Sorte  des  Eisens  ist  der  Stahly 
der  sich  vom  Roheisen  sowohl  als  vom  Stangeneisen 
am  auffallendsten  durch  seine  Fähigkeit,  eine  bedeu- 
tende Härte  anzunehmen^  wenn  erglühend  gemacht, 
und  (etwa  durch  Eintauchen  in  Wasser)*  schnell  ab- 
gekünlt  wird^  unterscheidet.  Aufserdem  ist  das  kör- 
nige Ansehen  der  Bruchfläche  eines  seiner  vorzüg- 
lichsten Kennzeichen  9  und  man  hält  den  Stahl  für 
desto  besser,  je  feiiier  und  gleichförmiger  dieselbe 
in  das  Auge  fällt.  Damit  der  Stahl  zur  Verarbeitung 
tauge,  mufs  er  >  im  ungehärteten  Zustande,  so  dehn- 
bar und  zäri  als  möglich  seyn,  und  keine  Ungänzen 
besitzen.  Nach  dem  Hälrtcn  ist  aller  Stahl  spröde, 
und  zwar  steht  diese  Eigenschaft  in  geradem  Ver- 
hältnisse mit  der  jedesmahligen  Härte;  daher  besitzen 
harte  stählerne  Werkzeuge  immer  die  unangenebme 


«9 

Eigenschaft,  dafs  sie  bei  einem  heftigen  Widerstände 
leicht  abspringen  oder  zerbrechen. 

Man  unterscheidet  den  Stahl  nach  seiner  Berei- 
tongsart  in  mehrere  Hauptsorten,  die  zwar  in  den 
wesentlichen  Eigenschaften  überein  kommen,  sich  aber 
an  Güte  nicht  gleichen ,  und  für  verschiedene  Ver- 
wendungen nicht  in  demselben  Grade  brauchbar 
sind.  Der  Schmelzstahl  entsteht  durch  Umschmel- 
zen  des  so  genannten  stahlartigen  Roheisens ,  und 
wird  theils  als  Rohstahl  (MocL)  zu  Sensen  >  Ha- 
cken und  andern  groben  Schneidwerkzeugen  verar- 
beitet, theils  durch  wiederhohltes  Schmieden  (Ger- 
ben) verfeinert,  gleichförmiger  gemacht^  und  unter 
der  Benennung  Gerbstahl  in  den  Handel  gebrächt. 

Durch  Glühen  von  Stangeneisen  in  Berührung 
nut  gewissen  kohlehaltigen  Substanzen  erhält  iilan  den 
"  Zementstahl  (Brennstahl),  der  im  rohen  Zustande 
▼on  dem  Ansehen  seiner  mit  Blasen  bedeckten  Ober- 
ßicbe  auch  Blasenstahl  genannt  wird.  —  Die  feinste 
tind  beste  Sorte  des  Stahls  ist  der  so  genannte  Gu/s- 
stahl  j  welcher  durch  vorsichtiges  Umschmelzen  in 
seiner  Masse  eine  vollkommene  Gleichförmigkeit  er- 
langt bat.  Die  Fabrikation  desselben  wird  mit  der 
gröfsten  Vollkommenheit  bekatintlich  nut*  in  England 
ausgeübt;  doch  können  die  Verdienste  mehrerer  in- 
ländischen Fabriken  um  diesen  Gegenstand  nicht 
anders  als  ehrenvoll  erwähnt  werden.  Erst  seit  deni 
Anfange  des  gegenwärtigen  Jahrhunderts  istdieVer^ 
Fertigung  des  Gufsstahls  in  Oesterreich  etwas  allge- 
meiner zur  Ausfiihrung  gekommen ,  und  bei  den  gros- 
sen Schwierigkeiten,  welche  sich  ihr  entgegen  stel- 
len, wird  sie  noch  jetzt  als  ein  Geheimnifs  bötrie- 
ben. Unter  den  Fabriken,  welche  eine  c;röf$ere  Menge 
dieses  Produktes  liefern ,  müssen  jene  des  Herrii  Für-r 
Sien  von  Schwarzenberg  zö  Murau  in  Steiermark  ^ 
des  Herrn  Grafen  von  JSgger,  endlich  die  der  Herren 


2* 


ao 


M.Miller  in  IVien  und  J.  Gerlach  zu  Reichenau, 
bey  Gloggnitz ,  ausgezeichnet  werden. 

Ungeachtet  die  sämmtliche  Stahlerzeugung  in  der 
österreichischen  Monarchie  von  höchster  Bedeutung 
ist  y  so  kann  doch  durch  sie  die  Einfuhr  einiger  eng- 
lischer Stahlsorten  nicht  entbehrlich  gemacht  werden. 
Besonders  gilt  dieses  in  Beziehung  auf  das  Material 
zu  ganz  feinen  Arbeiten^  wofiir  noch  immer  jährlich 
eine  bedeutende  Summe  in  das  Ausland  geht.  Fol- 
gende inländische  Erzeuger^  -welche  ihre  Produkte 
dem  National-Fabriksprodukten-Kabinette  eingeschickt 
haben>  müssen  hier  mit  Auszeichnung  erwähnt  werden. 

Jakob  Boden,  zu  Oberwölz  in  Steiermark  (Juden- 
burger  Kreis)^ 

hat  eine  zahlreiche  Sammlung  der  gewöhnlicheren 
Stahlsorten^  die  sämmtlich  guter  Qualität  sind^  zur 
Aufstellung  übergeben« 

Bordolo  und  Btumenfeldt  ^  zu  Poronin  in  Qalizien 

(Sandecer  Kreis)«  * 

Ausgestreckten  und  gegerbten  Zementstahl  von 
vorzügUcnerQualität^  die  sich  sowohl  durch  ein  schönes 
und  gleiches  Ansehen  der  Bruchfläche  y  als  durch  den 
vollkommenen  Mangel  an  unganzen  Stellen  kund  gibt. 

Joseph  Ritter  von  Dietrich,  zu  Neumarktl  in  Illjrien 

(Laibacher  Kreis). 

Rohen  und  gegerbten  Brescianer  Stahl  von  guter 

BeschafTenheit.  Alle  Sorten  dieses  Stahles  sind  zurVer- 

atheitung,  so  wie  zur  Annahme  einer  grofsen  Härte 

sehr  geeignet,  und  stehen  überhaupt  dem  besten  Gufs- 

stahl  wenig  nach« 

# 
Herr  Graf  Franz  von  Egger,  zu  Oberfellach  in  Käm-y 

then  (Vilbcher  Kreis). 
Dieser  aufgeklärte  Beförderer   der  inländisoben 


ai 


Stahlfabrikation  läfst  bereiü  seit  mehreren  Jahren  Gofs- 
stahl  in  grofser  Menge  und  von  ausgezeichneter  Güte  auf 
dem  oben  genannten  Werke  erzeugen^  wie  auch  £u 
Blech  und  Drath  verarbeiten.  Das  National -Fabriks* 
produkten-Kabinet  besitzt  Muster  von  rohem  sowohl , 
als  von  ausgestrecktem  Gufsstahl  y  und  von  durch  Wal- 
zen gezogenem  und  mittelst  einer  Schneidmaschine 
in  Zaine  oder  Stangen  geschnittenem  Brennstahl.  Alle 
diese  ßtahlgattungen  sind  von  so  vorzüglicher  Quäli^ 
tat^  dafs  sie  dem  besten  englischen  Gufsstahl  n!ishta 
nachgeben. 

Joseph  Gerlach ,  in  FFien. 

Aasgestreckten  Gufsstahl.  Hr.  Gerlach  hat,  nach 
vorhergegangenen  längeren  Versuchen,  die  Gufsstahl- 
Erzeugung  im  Jahre  1817  auszuüben  angefangen,  und 
aof  sein  Verfahren  ein  ausschlie(sendes  Privilegium  er- 
halten. Er  verfertigt  auf  seiner  Fabrik  zu  Reichenau 
in  Oesterreich  (V.  u.  W.  W.)  zwei  Sorten  dieses  Gufs- 
stahk:  einen  unschweifsbaren  und  einen  schweifsba- 
ren. Da  die  Schweifsbarkeit  eine  Eigenschaft  ist, 
welche  selbst  dem  englischen  Gufsstahle  fehlt,  so 
wird  der  Gerlach'sche  Stahl  häufig  zu  verschiedenen 
Gegenstanden  verarbeitet;  und  man  rühmt  an  ihm  aus- 
serdem noch  die  Fähigkeit,  eine  aufserordentlich  grofse 
Härte,  so  wie  eine  sehr  schöne  Politur  anzunehmen. 
Diese  letztere  Eigenschaft,  so  wie  der  Mangel  aller 
Ungänzen,  fällt  an  einer  vom  Erfinder  eingeschickten 
polirten  Tischglocke  sehr  deutlich  in  die  Augen.  Hrn. 
.Ge/*/acÄ^  Privilegium  erstreckt  sich  auch  auf  die  Er- 
zeugung 4er  von  ihm  henöxKi^ten feuerfesten  Schmeh- 
tiegely  von  denen  er  dem  Kabinette  gleichfalls  Muster 
übergeben  hat. 

Martin  Miller ^  in  TFien, 

Dieser  industriöse  und  thätigc  Mann  hat  dem  Natio- 
nal-Fabriksprodukten-Kabinette  eine  vollständigeSamm- 
lung  der  von  ihmr  erzeugten ,  oder  durch  Umschmcl- 


zen  verbesserten  Stahlgattungcn  übergeben  y  die  theils 
zu  Eisen-  und  Messingsägen  ^  theils  zu  Uhrfedern,  theils 
endlich  ^u  dem  feinsten  Blech  und  zu  allen  mögli- 
chen übrigen  Arbeiten  bestimmt^  und  sämmtlich  von 
ganz  ausgezeichneter  Qualität  sind.  Ein  Artikel,  den 
Hr.  Miller  bis  jetzt  in  der  gaqzen  österreichischen  Mo- 
narchie ausschliefsend  verfertigt,  sind  die  Zieheisen 
für  Gold-  und  Silberdrathzieher,  welche  früher  aus 
JFrankreich  bezogen  werden  mufsten,  nun  aber  von 
ihm  in  solcher  Güte  erzeugt  werden,  dafs  sie  selbst 
im  Auslande,  namentlich  durch  ^anz  Deutschiandy 
Rufsland y  die  preufsischen  Staaten  und  Holland  häu- 
figen Absatz  finden.  Diese  Zieheisen  sind  aus  einer 
Masse  verfertigt,  die  von  dem  Erzeuger  Silberstahl 
«genannt  wird ,  aber  wahrscheinlich  nicht  reiner  Stahl, 
sondern  vielmehr  eine  stahlariige  Mctall-Lcgirung  ist, 
welche  mit  einer  grofsen  Harte  doch  einen  gewissen 
Grad  von  Dehnbarkeit  verbindet.  Die  letztere  Eigen«« 
Schaft  ist  den  erwähnten  Zieheisen  ganz  unentbehr- 
lich, weil  die  feinen  Löcher  derselben  häufig,  um  sie 
enger  zu  machen,  mit  dem  Hamnier  zugeklopft  wer- 
den müssen.  —  Hr.  Miller  verfertigt  aufserdem  Plält- 
walzen  fiir  Gold-  und  Silberfabriken,  die  gleichfalls 
eine  eigene  Art  von  Stahl  nöthig  machen,  und,  gleich 
den  Zieheisen,  sehr  gesucht  sind.  Möchte  dem  Ver^ 
dienste  dieses  thätigen  Mannes  doch  überall  jene  wohl- 
verdiente Würdigung  zu  Theil  werden,  die  dasselbe 
}>ereits  so  häufig  geniefst! 

Seine  Durchlaucht  der  Fürst  Joseph  i^on  Schwarzen-? 
bergy  zu  Murau  in  Steiermark  (Judenburger  Kreis). 

EineSammlung  verschiedenerMuster  von  Rohstahl^^ 
Brescianer-Stahl,  so  genanntem  Münzstahl  (der  zu 
Münzstämpeln  und  Stanzen  gebraucht  wird) ,  Feilei^- 
stahl,  Klingenslahl  u.  s.  w.,  sämmtlich  von  dergröfsten 
Gleichförmigkeit  \n  der  Masse,  und  daher  zu  allen  Ver- 
wendungen sehr  brauchbar«  Seil  geraumer  Zeit  wird 
auf  dem  Werke  zii  Muraii^  welches  (überhaupt  meines 


a3 

der  vorzüglichsten  in  der  ganzen  Monarchie  ist^  auch 
vortrefflicher  Gufssiahl  producirt^  der  dein  englischen 
an  Qualität  fast  ganz  gleichkommt,  in  KücLsicht  de« 
Preises  aber  demselben  noch  vorzuziehen  ist. 

Bartholomäus  Staudacher,  in  JVien. 

Von  diesem  Fabrikanten  wurden  im  Jahre  i8i3 
Versuche  über  die  Erzeugung  von  Gufsstahl  (dem 
Vorgeben  nach  aus  Schmiedeisen)  angestellt,  die 
man  nicht  anders  als  gelungen  nennen  kann.  Die  im 
National  -  Fabriksprodukten  -  Kabinette  niedergelegten 
Proben  sind  von  vorzüglich  guter  Qualität,  und  las- 
sen es  recht  sehr  bedauern ,  dafs  der  Erfinder  sein 
Verfahren  im  Grofsen  ausüben  zu  können  nicht  in 
der  I^ge  war. 

Das  k.  k.  Haupthammerwerk  znWejrer  in  Oester^ 

reich  (Traunkreis). 

£in^  bedeutende,  aus  vier  und  sechzig  Stücken 
bestehende  Sammlung  der  für  den  in-  und  ausländi- 
schen  Verschleifs  bestimmten  Eisen-  und  St^lgattun- 
gen^  durchaus  von  guter  QuaUtät. 

G.  Aus  Eisen  und  Stahl  werden  ,  theils  auf  den 
Hammerwerken  selbst,  theils  vorzüglich  in  der  Nähe 
derselben,  viele  ordinäre,  meist  blofs  geschmiedete 
Gegenstände  erzeugt.  Wir  rechnen  hieher:  Pfannen^ 
Löffel,  Hacken,  Ketten^  Hufeisen,  Steigbügel  und 
anderes  Reitgeräthe,  ordinäre  Schneidviiaren  u.  s.  W. 
Diese  Artikel  sind ,  t^geachtet  ihrer  anscheinenden 
Geringfügigkeit,  kein  unbedeutender  Zweig  der  Me- 
tallverarbeitung; denn  sie  verschaiTen  in  mehreren 
Provinzen  der  Monarchie  vielen  MenscTien  Arbeit  und 
Nahrung,  wie  z.  B.  in  Steiermark y  in  Österreich 
oL  der  Enns,  und  zum  Theil  in  Böhmen.  —  Pro- 
dukte dieser  Art  besitzt  das  Nationaf-Fabriksprodukten- 
Kabinet  unter  andern  von  naciistehenden  Erzeugern : 


Michael  Blümel,  zu  Himmelberg  in  Kämthen 
(Villadier  Kreis) ,  hat  mehrere  Stück  eiserne  Pfannen 
eingeschickt^  wie  sie  gewöhnlich  auf  den  Eisenhäm- 
mern in  grofser  Menge  verfertigt  werden.  —  J.  G. 
Eisner,  in  PPien,  übergah  dem  Kabinette  einige  Ketten- 
schmiedarheiten,  und  nahmentlich  unter  andern  eine 
6  Fufs  lange  Mefskette  ^  die  durch  ihre  Schönheit  dem 
Yerfertiger  Ehre  macht.  Ähnliche  Fabrikate  haben 
Franz  Krafft  und  Anton  Rbdl,  beide  in  Wien,  ein- 
geliefert. — ^  Von  dem  Fabrikanten  Felkenhauer^  zu 
Brück  in  Steiermark,  hat  das  Fabriksprodukten-Kabi- 
net  feine  blankgefeilte ,  und  zum  Theil  blau  angelau- 
fene Schnallen,  zum  Gebrauch  fiir  Riemer  und  Sattler, 
erhalten,  Franz  Schaf  zahl,  zu  Grätz,  überlieferte  eine 
Sammlung  von  SchnaUen  verschiedener  Gröfsje,  die 
nicht  durch  das  gewöh|iliche  Verfahren ,  sondern  mit 
Hülfe  von  Maschinen  verfertigt  sind.  —  Versdhiedenes 
Reitgeräthe  für  die  k.  k.  Armee,  nahmentlich  Sporen 
fiir  die  deutsche  und  ungarische  Kavallerie,  Kara- 
biner-Hacken, Steigbügel  u.  s.  w.  hat  Daniel  Fi- 
scher, zu  St.  JSgid  in  Österreich  (V.  0.  W.  W^,  einge- 
sandt. Gemeine  Hackenschmied -Arbeiten  sind  ^von 
mehreren  Fabrikanten  eingeliefert  worden.  —  Joseph 
Posch,  zu Saalfelden  im  Herzogthnme  Salzburg,  hat 
eine  ganze  Sammlung^  von  Hufeisen  für  Pferde  und 
andere  Zugthiere  zur  Aufstellung  überschickt.  —  Jo- 
seph  Majrr,  zu  Mühlbach,  im  Salzburgischen^  und  die 
Messerschmied' Zunft  zu  Trattenbaoh  in  Österreich 
(Traunkreis)  haben  ordinäre  Messer,  die  unter  dem 
Landvolke  sehr  häufigen  Absatz  finden,  eingesandt. — 
.Von  Seite  des  gräflich  Salm'schen  Eisenwerkes  zu 
Blansko  in  Mähren  besitzt  das  Fabriksprodukten-Ka- 
binet  eine  gut  gearbeitete  Tuchscherer-Schere.  Vor 
leiten  mufsten  diese  unentbehrlichen-  Werkzeuge 
durchgehends  aus  dem  Auslande  eingeführt  werden  ', 
gegenwärtig  aber  besitzt  Österreich  bereits  mehrere 
Fabriken,  von  denen  dieselben  in  bester  Qualität  nach 
Ifiederländer  und  pfälzischer  Art  erzeugt  werden.  — 


25 

Muster  von  eisernen  gestampften  und  fein  verzinnten 
Löffeln  haben,  nebst  andern,  zwei  böhmische  Fabri« 
ken,  nähmlich  jene  Sr.  Excellcnz^  des  Herrn  Grafen 
yon  Wrbruiy  zu  Horzowicz,  und  des  Herrn  Zenker ^ 
SU  Neudeck  (im  Elnbogener  Kreise)  eingeliefert.  — ^ 
Endlich  hat  die  Maultrommehnacher-Zunft  zu  Molle 
im  österreichischen  Traunkreise  eine  Sammlung  von 
Maulirommeln  verschiedener  Gröfse  hierher  zur  Auf- 
stellung übergeben.  Dieses  Falirikat  ist  von  nicht 
ganz  geringer  Wichtigkeit,  indem  eine  grofse  Menge 
desselben  in  verschiedene  Länder,  ja  selbst  bis  nach 
Amerika^  verführt  wird. 

7.  Eine  sehr  bedeutende  Sammlung  besitzt  das 
National  -  Fabriksprodukten  -  Kabinet  von  Sensen ,  «ft- 
chebi  und  Strohmessern.  Djese  Werkzeuge  machen 
raien  der  Hauptartikel  des  Handels  mit  Eisenvraaren 
in  dem  österreichischen  Staate  aus;  und  noch  hat 
kein  auswärtiges  Land  die  Fabrikation  derselben  bis 
aof  den  Grad  der  Vollkommenheit  gebracht,  mit  wel- 
cher sie  z.  B.  in  Steiermark  und  in  Österreich  ob 
der  Enns  betrieben  wird.  Der  Hauptgrund  dieser 
merkwürdigen  Erscheinung  mag  wohl  in  der  eigen- 
thümlichen  Beschaffenheit  des  inländischen  Sensen- 
stahles liegen,  der,  ganz  dem  Zwecke  seiner  Verar- 
beitung gemäfs,  zwar  keine  aufserordentliche  Härte 
anzunehmen  im  Stande  ist,  dagegen  aber  eine  sehr 
bedeutende  Zähigkeit  besitzt.  Weil  eben  eine  sehr 
harte  und  zugleich  feine  Schneide  die  Sensen  und 
Sicheln  weniger  brauchbar  machen  würde ,  so  ver- 
sehen die  Engländer,  welche  ihrem  Stahl  die  nö- 
thige  Zähigkeit  nicht  zu  geben  wissen ,  diese  Werk- 
zeuge mit  sägenartigen  Zähnen,  wodurch  das  Aus- 
springen derselben  erschwert  wird.  Der  nähmlichen 
Vorsicht  bedient  man  sich  hin  und  wieder  auch  in 
Böhmen  bei  der  Verfertigung  dfer  zum  Schneiden 
des  Getreides  bestimmten  Sicheln.  —  Ein  sprechen- 
der Beweis  von  der  Güte  der  österreichischen  und 


26 

steiermärkischen  Sensen  ist  der  Umstand^  dafs  sie 
in  die  verschiedensten  Gegenden  von  Europa  y  ja 
selbst  nach  uimerikay  versendet  viverden;  und  die 
inländischen  Sensenschraiede  haben  ihren  zur  Zeit 
noch  ungeschwächten  Kredit  mitunter  wehl  auch  der 
Sorgfalt  zu  danken^  womit  sie  ihrem  Fabrikate  die 
in  jedem  Lande  beliebten  und  verlangten  Formen  zu 
geben  gewohnt  sind.  Übrigens  wird  das  Verfahren 
bei  der  Sensenfabrikation  durchaus  geheim  gehalten^ 
ungeachtet  es  sich  ganz  gewifs  von  der  Verfertigungsart 
andererSchneidwaaren  wesentlich  nicht  unterscheidet. 

Das  National- Fabriksprodukten -Kab inet  besitzt 
Muster  von  mehr  als  dreifsig  Sensenschmieden  und 
Sensenfabriken  ^  deren  gröfster  Theil  sich  im  nördli- 
chen Steiermark  und  im  Traunkreise  des  Landes 
oh  Aqv  Enns  befindet.  Die  Sensen^  welche  in  Böh- 
men und  in  Galizien  fabrizirt  werden  y  stehen  y  wie 
die  Ansicht  zeigt ^  den  .übrigen  an  Qualität  weit  nach. 

8.  Einen  weit  wichtigern  ^weig  der  Industrie^ 
als  man  y  dem  ersten  Anblicke  nach  y  vermuthen  sollte^ 
machen  die  eisernen  Nägel  aus;  denn  bei  einigem 
Nachdenken  findet  man  leicht  y  dafs  ein  Fabrikat^  wel- 
ches in  so  unermefslicher  Menge  verbraucht  wird^ 
wie  dieses^  keine  geringe  Zahl  von  Händen  durch  seine 
Verfertigung  beschäftigen  müsse.  Bekanntlich  wird 
diese  Verfertigung  meist  im  Kleinen  y  d.  h.  von  einzel- 
nen Nagelschmieden  getrieben^  obwohl  sich  auch.grös- 
sere  Fabriken  damit  abgeben;  und  dieser  Umstand  al- 
lein reicht  schon  hin  y  um  die  so  häufig  abweichende 
Beschaffenheit  des  Produktes  zu  erklären.  Man  fordert 
von  guten  Nägeln  überhaupt^  dafs  sie  gerade  genau 
vierkantige  hart  und  *Spitzig  seyen :  Eigenschaften^  die 
nur  eine  gute  Auswahl  des  Materials  und  eine  sorg- 
fältige Bearbeitung  dem  Fabrikate  mittheilen  können. 

Da  die  gewöhnliche  Verfertigungsart  der  Nägel 


27 

mittelst  des  Hammers  ^  verglichen  mit  dem  grofsen  Be- 
darfes ziemlich  langsam  vor  sich  geht^  so  hat  man 
schon  lange  darauf  gedacht^  Nägel  mittelst  Maschinen^ 
und  zwar  so  zu  verfertigen  ^  dafs  dahei  nicht  nur  an 
Zeit^  sondern  auch  an  Arbeitslohn  und  an  Brennma- 
terial bedeutend  erspart  würde.  Der  erste  Versuch 
dieser  Art  wurde  im  Jahre  1796  von  einem  Nordame- 
rikaner angestellt«  Später  brachten  JE>ig/aw^  und /Va/iA:- 
reich  dergleichen  Maschinen  zum  Vorschein;  und  end- 
lich ist  in  der  neuesten  Zeit  dieser  Industriezweig  auch 
im  österreichischen  Staate  einheimisch  gemacht  wor- 
den. Hier  erhielten  nähmlich  Finanz  Schaf  zahl  und 
die  Gebrüder  Leppich  (jener  am  2.  Mai  i8i5,  diese 
am  I  r.  Julius  1818)  ausschliefsende  Privilegien  auf  die 
Verfertigung  von  Nägeln  mit  Hülfe  von  Maschinen.  Es 
scheint  jedoch^  dafs  die Verfahrungsarten Beider  vor- 
lüglich  nur  auf  Schindclnägel  anwendbar  scyen^  de- 
ren Form  die  einfachste^  und  daher  am  leichtesten 
hervorzubringen  ist.  —  Christian  Ritter  von  Leitner 
hat  die  Schafzahlsche  Nägel-Erzeugungs-Methode  be- 
deutend verbessert,  und  auf  seine  Verbesserungen  in 
Gemeinschaft  mit  dem  Handeismanne  S,  Sartory  in 
Grätz  unter  dem  4*  Junius  1821  ein  ausschliefsendes 
Privilegium  erhalten. 

Nebst  mehreren  andern  haben  nachstehende  Er- 
zeuger dem  National-Fabriksprodukten-Kabinette  Mu- 
ster von  Nägeln  eingesendet: 

Caspar  Leppich ,  zu  Hainfeld  in    Österreich 

(V,  O.  W^.  W.). 

Vier  verschiedene  Sorten  mit  Maschinen  verfertigter 
Schindelnägel,  die  von  guter  Qualität  sind,  und  eine^ 
deutlichen  Beweis  von  der  Zw«fcmäfsigkeit  ihrer  Ver? 
fertigungsart  liefern.  Es  ist  zu  hofl'cn,  dafs  HerrZe/;- 
pich  in  der  Folge  seine  Erzeugnisse  noch  vervollkomm- 
nen, und  ihnen  auch  die  wenigen  Vorziige,  die  ih 
xicn  jetzt  noch  fehlen ,  mittheilen  wird. 


28 

Finanz  Schaf  zahl,  zu  Grätz  in  Steiermark, 

hat  dem  National -Fabriksprodukten -Kabinette  eine 
Sammlung  von  mehreren  Sorten  Nägeln  übergeben, 
die  mit  Hülfe  einigei^  von  ihm  erfundenen  Maschinen 
verfertigt  sind.  Das  Verfahren  bei  der  Bereitung  der- 
selben besteht  hauptsächlich  in  der  HerbeischafFung 
von  Eisenschienen,  die  eine  solche  Gestalt  haben, 
dafs  sie  der  Quere  nach  zerschnitten,  lauter  schmale 
Streifen  von  der  Form  zweier  an  den  Köpfen  verbun- 
denen Nägel  liefern.  Die  eingeschickten  Muster  die- 
ser Maschinen -Nägel  sind  zwar  nicht  tadelfrei,  zeu- 
gen aber  doch  auf  eine  ehrenvolle  Art  von  der  Thätig- 
keit  und  vom  Erfindungsgeiste  des  Verfertigers. 

Ludwig  Torre,  zu  T^Äwr/io  im  venetianisch-lomhar- 
dischen  Königreiche  (Prov.  Brescia) , 

hat  aufser  einigen  Mustern  eiserner  Nägel  auch  meh- 
rere kupferne  SchiShägel  eingeliefert.  Alle  diese  Mu- 
ster zeichnen  sich  durch  Schönheit  der  Arbeit  sehr 
vortheilhafl  aus, 

9.  Von  welcher  Wichtigkeit  die  Feilenfabrika- 
tlon  für  ein  Land  seyn  müsse ,  in  welchem ,  wie  im 
österreichischen  Staate,  die  Metallverarbeitungen  ei- 
ne4  Haupt-Industriezweig  ausmachen,  braucht  wohl 
hier  nicht  erst  auseinander  gesetzt  zu  werden.  Es  ist 
noch  nicht  sehr  lange,  dafs  unsere  Monarchie  alle  bes- 
seren Feilen,  deren  sie  benöthigte ,  aus  fremden  Län- 
dern einführen  n^ufste,  da  die  gemeinen- Feilen ,  die 
in  Steiermark  so  ungemein  l^äufig  erzeugt  werden, 
fa§t  durchaus  voa  der  geringsten  Qualität  sind. 

.  Da  die  Güte  und  Brauchbarkeit  einer  Feile  aufser 
dem  Hiebe  auch  wesentlich  von  der  Beschaffenheit  des 
dazu  verwendeten  Stahls  abhängig  ist,  so  mufstennoth- 
wendiger  Weise  die  Fortschritte,  welche  neuerlich 
im  österreichischen  Staate  in  der  Stahlbcrcitung  ge- 
macht worden  sind,  auf  die  Feilenfabrikation  den  gün- 


^9 

sügsten  Einflufs  äufsem«  Dieser  Umstand  mag  vrohl 
die  Hauptursache  scyn,  dafs  jetzt  bei  uns  Feilen  er- 
zeugt werden  /  die  sich  in  allen  Rücksichten  den  eng- 
lischen kühn  an  die  Seite  stellen  können.  Fieilich  sind 
der  Fabriken,  die  ihr  Erzeugnifs  bereits  so  vervoU- 
kommnet  haben,  zur  Zeit  noch  wenif^e;  aber  die 
Bahn  ist  einmahl  gebrochen ,  und  es  kann  nicht  feh- 
len, dafs  in  Zukunft  die  englischen  und  französischen 
Feilen  durch  inländische  ganz  werden  verdrängt  wer- 
den. Die  Wahrscheinlichkeit  dieses  Ereignisses  wird 
umso  einleuchtender,  wenn  man  bedenkt,  dafs  die 
Verbesserung  der  inländischen  Feilen  weder  durch 
Mangel  des  nföthigen  Materials,  noch  durch  Unkennt-. 
nifs  des  Verfahrens  behindert  werden  kann;  sondern 
dafs  ihre  frühere  geringe  Vollkommenheit  blofs  in  sol- 
chen Lokal-Verhältnissen ,  die  mit  der  Zeit  von  selbst 
schwinden  müssen ,  gegründet  war. 

Unter  den  inländischen  Feilenfabrikanten,  welche 
das  National-Fabriksprodukten-Kabinet  mit  ihren  Ein- 
sendungen bereichert  haben,  verdienen  nachstehende 
i>eson4jers  ausgezeichnet  zu  werden:. 

Wilhelm  Böck^  zu    Waidhof en  in  Österreich 

(V.  O.  W.W.)- 
Dieser  geschickte  Fabrikant  hat  dem  Kabinette 
eine  yoUständige  Sammlung  von  allen  Arten  Uhrmacher- 
feilen übergeben,  welche  an  Güte  die  schweizerischen 
weit  übertreffen,  und  ohne  Anstand  mit  den  englischen, 
die  fiir  den  inländischen  Verbrauch  ohnehin  zu  hoch 
im  Preise  stehen,  konkurriren  können.  Das  Verdienst 
des  Hrii.  Bock  in  diq^em  Fache  ist  nm  so  gröfser,  da. 
unsere  Monarchie  noch  vor  Kurzem  keine  einzige  Fa- 
brik besafs,  in  der  jene  Feilen  von  solcher  Vollkom- 
menheit verfertigt  worden  wären. 

Joseph  Ritter  von^ Dietrich ^  zu  Neumarktl  in  Ulf- 

rien  (Laibacher  Kreis). 

Das  National -Fabriksprodukten- Kabinet  besitzt 


3o    ;  . 

von  dieser  Fabrik  ein  sehr  zahlreiches  und  ausgei^ähl- 
tes  Sortiment  von  Feilen  und  Raspeln  jeder  Gattung 
und  Gröfse.  Eine  genaue  Ansicht  derselben  zeigt  > 
dafs  sie  weder  an  Feinheit  y  noch  an  Genauigkeit  des 
Hiebes  den  besten  englischen  Werkzeugen  dieser  Art 
nachstehen  \  und  die  Fabrik^  aus  weicher  sie  hervor- 
gegangen sind,  behauptet  somit  einen  hohen  Rang  un-« 
ter  den  Fcilenfabriken  des  österreichischen  Kaiserthu- 
mes«  Bei  dem  Umstände,  dafs  die  theuren  englischen 
Feilen  in  der  neueren  Zeit  mitunter  sehr  schlecht  ge- 
veorden  sind,  und  ihre  Verwendung  daher  oft  mit 
Nachtheilen  verbunden  seyn  mufs,  ist  es  sehr  zu  wün- 
schen, dafs  inländische  Arbeiter  sich  der  wohlfeile- 
ren Feilen  aus  mehreren-  einheimischen  Fabriken  he*- 
dienen,  und,  Falls  sich  unter  diesen  ein  oder  das 
andere  weniger  brauchbare  Stück  fände,  damit  die- 
selbe Nachsicht  haben  möchter,  die  sie  bei  den  eng-^ 
lischen  bis  jetzt  gehabt  hatten.  Zu  solchen  Versuchen 
sind  die  Feilen  von  Neumarktl  um  so  mehr  anzura«- 
then,  als  an  ihnen  in  Rücksicht  auf  das  Aufsere,  wie 
auf  den  Hieb,  die  helle  Farbe,  die  gerade  Richtung 
nichts  auszusetzen,  und  ihre  innere  Güte  ebenfalls 
schon  durch  die  Erfahrung  zum  Theil  bewährt  ist. 

Daniel  Fischer,  zu  St.Egid  in  Österreich  (V.  O.W.W.), 

Die  von  diesem  Fabrikanten  erzeugten  Feilen  sind 
von  ausgezeichneter  Güte  und  Schönheit ;  ihre  grofse 
Brauchbarkeit  beweist  der  Umstand ,  dafs  sie,  beson- 
ders diegröfsern,  von  vi,elen  inländischen  Metallarbei- 
tern den  sonst  so  gerühmten  englischen  Feilen  gleich- 
gesetzt, ihnen  sogar  vorgezogen  werden  Wenn  man 
bedenkt,  wie  schwierig  es  oft  ist,  die  verjährten  Vor- 
urtheile  in  ähnlichen  Fällen  zu  überwinden,  so  mufs 
man  dem  Verdienste  des  Hrn.  Fischer  die  ihm  gebüh- 
rende Würdigung  zufliefsen  lassen.  Die  dem  National- 
Fabriksproduktcn-Kabinelte  von  ihm  Übergebepen  Mu* 
ster  seiner  Erzeugnisse  bietben  ein  bequemes  Mittel 
dar>  das  Gesagte  zu  beweisen«  —  In   der  Fabrik  des 


3i 

Herrn  Fischer  wird  auch  selbst  dcr^  zur  Feilenerzeu- 
guDg  benöthigte  Stahl  ^  und  zwar  durch  wiederhohltes 
Gerben  des  kärnthnerischcn  Mockstahletf  verfertigt. 
£ben  daselbst  sind  auch  Versuche  zur  Erzeugung  yon 
Gnfsstahl  unternommen  worden^  die  aber  Lein  sehr 
günstiges  Resultat  gegeben  haben. 

Mathias  Lechner y  zu  Steier  in  Österreich  (Traunkreis). 

£inige  Uhrmacher-  und  andere  Feilen^  an  denen 
ein  feiner  und  gleichförmiger  Hieb  vorzüglich .  zu  be- 
merken ist.  Einzelne  Muster  kommen  den  schönsten 
englischen  Feilen  an  Schönheit  ganz  gleich. 

Kendler,  zu  Werfen  in  Salzburgs 

hat  mehrere  Muster  von  Bastard-  und  Sehlichtfeilen  ^ 
so  wie  einige  Uhrmacherfeilen  zur  Aufstellung  einge- 
schickt. Sie  sind  sämmtlich  von  einem  sehr  schönen 
und  gleichförmigen  Hiebe. 

Morandiniy  zu  Predazzo  in  71,rol  (Trienter  Kreis). 

Einige  Feilen^  die  den  Hieb  nicht  auf  diß  ge- 
wöhnliche Art ,  sondern  durch  eine  eigens  zu  diesem 
Zwecke  konstruirte  Maschine  erhalten  haben.  Unge- 
achtet der  grofsen  Schwierigkeiten  y  die  mit  der  Aus- 
führung einer  solchen  Maschine  unvermeidlich  ver- 
knüpft sind^  entsprechen  doch  die  vorliegenden  Mu-  ^ 
ster  allen  Forderungen^  die  an  eine  gute  Feile  in  Rück- 
sicht aiif  den  Hieb  gemacht  werden  können. 

Fidel  Schmidty  zu  Grätz  in  Steiermark , 

hat  dem  Fabriksprodukten- Kabinette  mehrere  Muster 
▼OD  feinen  Uhrmacherfeilen  übergeben^  die  rüöksicht- 
lich  ihrer  äufsern  Schönheit  nichts  zu  wünschen  übrig 
lassen^  und  unter  welchen  ein  Sortiment  von  so  ge- 
nannten Maschinenfeilen  ^  die  nähmlich  nicht  aus 
freier  Hand  gehauen  sind  y  hier  vorzüglich  ausgezeich*- 
net  werden  mufs. 


32 

10.  Nach  dem  Eisen  ist  tinstreiüg  das  Kupf^er 
dasjeuige  Metall  ^  welches  nicht  nur  in  gröfster  Menge 
vor&ommt^  sondern  auch  am  häufigsten  verwendet 
wird.  Der  österreichische  Staat  ist  auch  damit  hin- 
reichend versehen^  so  dafs  die  Einfuhr  von  fremdem 
Kupfer  nöthigen  Falls  ganz  entbehrt  werden  könnte. 
Am  meisten  schätzt  man  das  Kupfer  von  mehreren 
Werken  in  Kärnthen  und  Steiermark ^  aber  auch  das 
Bannater  wird  von  den  Arbeitern  sehr  gern  verwendet. 
'  Der  Kupfer -'Schmelzprozefs  ist^  im  Ganzen  genom- 
men^ viel  zusammengesetzter  als  die  Hochofen -Mani- 
pulation; und  die  eigen thümliche  Beschaffenheit  der 
meisten  Kupfererze  macht  die  Darstellung  dieses  Me- 
talls im  vollkommen  reinen  Zustande  zu  einer  der 
schwierigsten  Aufgaben  der  Hüttenkunde«  Man  mufs 
gestehen^  dafs  viele  inländische  Kupferwerke  in  die- 
,sem  Punkte  noch  sehr  zurück  sina;  so  zwar,  dafs 
wenige  d6r  in  Osterreich  erzeugten  Kupfersorten  die 
zu  gewissen  Verwendungen  unumgänglich  nöthige 
Reinheit/  und  den  damit  verbundenen  hohen  Grad 
von  Zähigkeit  besitzen.  Häufig  verwenden  daher  die  . 
einheimischen  Drathzieher  das  russische  Kopekenku- 
pfer, welche^  seiner  Güte  wegen  berühmt  ist. 

Das  Kupfer  kommt  im  Handel  fast  immer  in  Ce*  . 
stalt  gröfscrer  oder  kleinerer  runder  Platten  vor;  das 
feinste  ist  das  sogenannte  Rosettenkupfer,   welches 
vorzüglich  zum  Drathziehen,  zu  plattirten  Waaren  und 
zu  besserem  Kupfergeschirr  verarbeitet  wird.  ImGrOs^ 
sen  geschieht  die  Verarbeitung  des  Kupfers  zu  ordi- 
nären Waren,  als  Kesseln,  Pfannen,  Dachblech  u.s.w« 
auf  den  Kupferhämmern ;  mit  der  weitern  Vollendung 
dieser  Artikel  beschäftigen  sich  die  in  Städten  zer- 
streuten Kupferschmiede  und  andere  Arbeiter.     Zu 
Gufswaaren  taugt  das  Kupfer  nicht,  da  es  beimGiefsea 
immer  sehr  porös  und  löcherig  ausfällt.  —  Das  Natio- 
nal-Fabriksprodukten-Kabinet besitzt  rohes  Kupfer  so- 
wohl,   als  verschiedene  Kupferhammer«£r£eugnisse 


33 

f 

von  meUreren  inländischen  Werken^    von  denen  di« 
vorzüglichsten  an  andern  Orten  noch  ermähnt  v?erden. 

II.  Aus  Kupfer  wird,  in  Verbindung  mit  Zink, 
eine  für  die  Technik  ganz  ungemein  wichtige  Metall- 
Legirung  bereitet,  nähmlich  das  Messing.     Diese  Zu- 
sammensetzung ist  zwar  weniger  dehnbar,    dagegen 
aber   viel  härter,    bedeutend  leichtflüssiger,   und  zu 
Gufswaaren  viel  geschickter  als  das  Kupfer,  welches 
doch  immer  den  Hauptbestandtheil  davon  ausmacht« 
Die  Darstellung  des  Messings  geschieht  theils  durch 
unmittelbare  Vereinigung  des  Kupfers  mit  Zink  j  theils 
aber  (and  zwar  am  häufigsten)  durch  Schmejzen  des 
Kupfers  mit  Galmei  (einem  Zinkerze)  und  Kohlenstaub 
(der  als  Reduktionsmittel   dient).     In  Frankreich  h.jt 
man  in  der  neuesten  Zeit  auch  sehr  glückliche  Ver- 
suche gemacht,  dem  Galmei  die  bis  dahin  unbenutzte 
Blende  (natürliches  schwefelhaltiges  Zink)  zu   substi- 
luiren,  und  durch  deren  Hülfe  ein  Messing  zu  berei- 
ten, weiches  eben  so  dehnbar  ist  als  das  gewöhnliche.  — 
Begreiflicher  Weise  kann  bei  allen  diesen  Verfahrungs- 
arten  die  Menge  des  mit  dem  Kupfer  sich  vereinigen- 
den Zinks  nicht  auf  das  Genaueste  bestimmt^ werden, 
indem   immer  ein  Theil   dieses  Metalles  verflüchtigt 
oder  verbrannt  wird.     Übrigens  kommt  so  aufseror- 
dentlich  viel  auf  das  Verhältnifs  beider  Bestandtheile 
zu  einander  eben  nicht  an,   wie  auch  die  Erfahrung 
lehrt,  dafs  der  Zinkgehah  des  Messings  zwischen  i5 
und  aS   p.  Ct.  variirt.  Je  mehr  aber,  im  Allgemeinen, 
das  Messing  Kupfer  enthält,  desto  weicher  und  debn- 
barer  fällt  es  aus ;  eine  unverhältnifsmäfsig  grofse  Menge 
Zink   dagegen   benimmt  ihm  nicht  nur  seine  schöne 
Farbe,  sondern  macht  es  auch  hart  und  spröde.  Dafs 
endlich  die  Beschaffenheit  dieser  Legirung  zum  Thcil 
auch  von  der  Reinheit  der  bei   der  Bereitung    ange- 
wendeten Materialien  sehr  abhängig  seyn  müsse,  braucht 
wohl  kaum  erinnert  zu  werden. 

lakrk.  4.  foljt.  I«*t«  IV.  Bd.  3 


34 

Das  Messing  wird  häufig  zu  Gufswaaren  i^crwen- 
det^  obwohl  es  zu  diesem  Zwecke  weniger  tauglich 
ist  als  Eisen  ^  da  es  diePormen  nie  ganz  scharf  aus- 
füllt^ und  daher  in  der  Folge  immer  noch  ausgearbei- 
tet werden  mufs.  Mit  der  Messinggiefserei  beschäfti- 
gen sich  theils  ganz  grofse  Fabriken ,  theils  einzelne 
so  genannte  Gelbgiefser>  die  sich  ihr  Messing  meist 
selbst  bereiten. 

Eine  besondere  Sorte  des  Messin gs  ist  der  Tom- 
bak y  der  sich  durchweinen  sehr  grofsen  Kupfergehalt 
unterscheidet^  und^  wiewohl  ziemlich  selten^  zu  meh- 
reren Zwecken  verwendet  wird^  wo  man  eines  sehr 
dehnbaren  Materials  benötbigt^  ^ie  zu  geprefsten 
Bronze waaren  9  zu  dem  unechten  Blattgold  u.  s.  w. 

t  Der  österreichische  Staat  ist  mit  Messingfabriken 
hinlänglich  versehen^  und  das  von  denselben  gelie- 
ferte Produkt  ist  in  der  Regel  von  so  vorzüglicher  Qua- 
lität^ dafs  es  zu  den  feinsten  Arbeiten^  zu  denen  man 
das  Material  ifrüher  gröfsten  Theils  aus  Nürnberg  be-- 
ziehen  mufste^  verwendet  werden  kann.  Die  Ansicht 
der  im  National^Fabriksprodukteh-^Kabinette  aufgestell- 
ten Messingwaaren  kann  dem  Gesagten  zur  Bestätigung 
dienen;  Wir  heben  hier  einstweilen  blofs  einige  von 
denjenigen  Fabriken  aus^  welche  diesem  Kabinette 
Messing-Gufswaaren  eingeschickt  haben^  da  die  übri- 
gen Erzeugnisse  aus  Messing  noch  besprochen  wer- 
den sollen. 

Anton  Hainisch  y  Inhaber  der  Messingwaiiren-Fabrik 
zu  Nadelburg  in  Österreich  (V.  U.  W.  W.) 

Dieser  Fabrik,  die  eine  der  gröfsten  ihrer  Art  in 
der  Monarchie  ist,  verdankt  das  Kabinet  eine  sehr 
schätzbare  Reihe  von  Messing-Gufswaaren,  worunter 
sich  mehrere  gröfsere  und  kleinere  Becken,  Pfannen^ 
Einsatzgewichte,  Mörser,  Glocken,  Verzierungen  auf 
Pferdegeschirr  u,  dergl.  befinden,  die  sämmtlich  so- 


35 

wohl  ganz  rein  gegossen^  als  auch  mit  vielem  Fleifse 
abgedreht  und  polirt  sind.  Die  Fabrik  zu  JSadel' 
bürg  zeichnete  sich  schon  unter  ihrem  früheren  Besi- 
tzer^  dem  Grafen  von  Batthjraniy  sehr  vortheilhaft  aus^ 
und  sie  hat  sich  in  den  letzten  Jahren  noch  bedeutend 
yervoIikommneL  Zu  den  ausgezeichnetsten  Einrich- 
tungen derselben  gehört  das  Abdrehen  aller  ^  selbst 
der  kleinsten  Gegenstände  mittelst  vom  Wasser  getrie* 
bener  Vorrichtungen,  ein  Verfahren,  wobei  die  Rein- 
heit und  Genauigkeit  der  Arbeit  keineswegs  leidet« 
Nebst  den  oben  genannten  werden  zu  Nadelburg  noch 
viele  andere  Artikel  aus  Gufsmessing,  als  Leuchter, 
Wagschalen,  Pumpenröhren,  Brunnenventile  u.  s.  w. 
von  bester  Qualität  und  um  sehr  billige  Preise  ver^ 
fertiget« 

Sebastian  Ifaidegger,  zu  Stejrregg  in  Österreich. 

Eiin  sehr  schöner,  auf  zwei  Büchern  stehender 
kleiner  Sokrates-Kopf,  welchen  der  genannte  Verfer- 
tigter dem  Kabinette  zur  Aufstellung  überlassen  hat, 
verdient  wegen  der  grofsen  Sorgfalt,  mit  der  alle  Theile 
desselben  bearbeitet  sind,  das  gröfste  Lob. 

Franz  Winkler^  Eigenthümer  der  Metall  waarenfabrik 
zu  Ebersdorf  m  Österreich  (V*  u*  W.  W.). 

Unter  den  Gufswaaren  dieser  Fabrik  sind  viele 
Stacke,  die  den  höchsten  Grad  der  Vollendung  zei- 
gen, und  weder  an  Reinheit  des  Gusses,  noch  an 
Schönheit  und  Zierlichkeit  der  Ausarbeitung  etwas  zu 
wünschen  übrig  lassen.  Ein  geschmackvoll  verziertes 
Plätteisen  ist  unter  allen  am  meisten  werth,  hier  ins*- 
besondere  angezeigt  zu  werden,  denn  seine  Ausfuh« 
rang  mufs  für  ein  Meisterwerk  der  Messinggiefserei 
gehalten  werden.  Unter  den  übrigenrMusterstücten 
befinden  sich  mehrere  gefirnifsie  Tafelglocken,  fein 
polirte  und  versilberte  Leuchter,  ein  grofser,  auf  ein 
Hausthor  anzubringender  Löwenkopf,  mehrere  Stücke 
von  so  genanntem  Fuhrmannsmessing  u.  s.  w.  Die  Fa- 

3* 


36 

brik  des  Herrn  TVinkler  zeichnet  sich  auch  vorzügliclk 
in  der  Verfertigung  der  geprefsten  und  gefirnifstea 
Bronzewaaren  aus^  wefswegen  ihrer  weiter  unten  noch, 
gedacht  werden   wird.  ' 

Veit  Schieferegger,  za  Radstadt  \m  Salzburger  Kreise^ 

hat  dem  Fabriksprodukten- Kabinette  eine  Sammlung^ 
von  Gufswaaren  eingeschickt^  die  zwar  meist  nur  zu  or- 
dinärem Gebrauche  bestimmt^  nichts  desto  weniger  aber 
in  industrieller  Hinsicht  Yon  grofser  Wichtigkeit  sind. 

12.  Das  Bleiy  welches  nicht  weniger  unmittel* 
bar  zur  Yertirbeitung ,  als  zum  Hülfsmittel  bei  gewis- 
sen Arbeiten  ^  z.  B.  beim  Abtreiben  des  Silbers  und 
Goldes  verwendet^  sowie  auch  mehreren  Metall -Le- 
girungen  zugesetzt  wird^  findet  sich  im  österreichi- 
schen Staate  sehr  häufige  und  zwar  vorzüglich  in  i^är/i- 
then^  Böhmen  \xii6.  Ungarn  \  eine  bedeutende  Menge 
dieses  Metalles  wird  sogar  jährlich  in  das  Ausland  ge- 
schickt^ und  bildet  somit  einen  Zweig  des  österrei- 
chischen Aktivhandels.  Was  die  Qualität  der  im  In- 
lande  gewonnenen  Bleisorten  betrifft^  so  wird  beson-* 
ders  das  kärnthnerische  Blei  wegen  seiner  Reinheit 
und  Zähigkeit  geschätzt^  und  häufig  zu  den  verschie- 
densten Zwecken  verwendet  —  Ein  Hanptfabrikat 
aus  Blei  y  welches  auch  in  den  österreichischen  Staa- 
ten von  sehr  vorzüglicher  Qualität  erzeugt  wird,  ist 
das  Flintenschrot.  Das  National- Fabriksproduktcn- 
Kabinet  besitzt  hiervon  sehr  zahlreiche  Proben,  und 
zwar,  nebst  andern^  aus  nachstehenden  Fabriken: 

Hieronjmus  Bögan ,  zu  Chioggia ,  im  Yenetianisch- 

lombardischen  Königreiche. 

Joachim  Schu/snich,   in    JYiest^ 

Simon  TFallner^  zu  Jrnoldstein  in  Kärnthen  (Villa- 

cher  Kreis). 

Diese  Muster  sind  auf  die  ge wohnliche  Art,  nahm* 
lieh  durch  Abkühlen  des  zu  Tropfen  gebildeten  Bleie» 
in  Wasser  erzeugt^  und  zeigen  demnach  auch  die.mit 


37 

diesem  Verfahren  nothwendiger  Weise  Terbundenen 
MangeL     Weil  nähmlich  die  Berührung  des  Metalls 
mit  dem  Wasser  in  einem  Zeitpunkte  geschieht^  wo 
dasselbe  noch  bei  weitem  nicht  fest  geworden  ist^  so 
alle&die  Schrotkörner  nie  vollkommen  rnnd  aus ;  und 
Tonäglich  bemerkt  man  an  jedem  derselben  eine  kleine 
Vertiefung,  welche   von   dem  Einsinken    des  Bleies 
beim  schnellen  Erkalten  der  äufsern  Rinde  herrührt ; 
so  wie  man  eine  ähnliche  Erscheinung  auch  beim  Gies-* 
sen  fast  aller  übrigen  Metalle  zu  beobachten  Gelegen- 
heit hat.  In  England  hat  man  zuerst  darauf  gedacht, 
dieser  UnToIlkommenheit  des  Flintenschrotes  dadurch 
zu  begegnen,  dafs  man  die  Abkühlung,  und  mithin 
das  Erstarren   der  Bleitropfen   einzig  durch  die  Luft 
(wahrend  des  Falles  von  einem  hohen  Gerüste)  gc* 
schehen  liefs,  weil  sie  hier  weit  langsamer  und  gleich- 
{ornuger  vor  sich  geht.  Auch  im  österreichischen  Staate 
wird  diese  Fabrikations-Methode  ausgeübt,  und  das 
NationalrFabriksprodukten-Kabinet  besitzt  Muster  von 
solchem  Patentschrot  aus  der  Fabrik  des 

Philipp  von  Fen^ari^  zu  Fillach  in  Kämthen, 

welche  durch  den  Fall  von  einem  24o  Fufs  hohen 
Tharme  gebildet  sind,  und  an  vollkommener  Rundung, 
so  wie  in  jeder  andern  Hinsicht  nichts  zu  wünschen 
übrig  lassen. 

1 3.  Arbeiten  und  Fabrikate  aus  Zinn  besitzt  das 
JVational-Fabriksproilnkien-Kabinet  von  mehreren  böh- 
mischen Fabriken,  welche,  besonders  was  gewisse 
Artikel,  z.B.  Galan  terieWaaren,  betrifft,  vor  allen  übri- 
gen in  der  Monarchie  den  Rang  behaupten;  Aufser 
dem  jetzt  seltener  angewendeten  Speisegeschirr  sind 
es  hauptsächlich  schön  verzierte,  zum  Theil  mitBron- 
zefarbe  überzogene  Tafelleuchter,  Vasen,  u.  dergl., 
so  wie  verschiedene  kleinere  Gegenstände,  die  aus 
jenem  Metall  verfertigt,  und  häufig  in  den  Handel  ge- 
bracht werden.     Zu   den  merkwürdigeren  Stücken, 


38 

t^elche  das  Kabinet  in  dieser  Art  besitzt ,  gehört  ein. 
von  dem  Zinngiefser 

Joseph  Beitz  in  JVien 

übergebener,  aus  mehreren  durch  das  Löthen vereinig- 
ten Stücken  bestehender  Suppentopf^  der  absichtliclx 
auf  diese  ungewöhnliche  und  sehr  mühsame  Art  ver- 
fertigt worden  ist^  weil  sich  daran  die  Geschicklich- 
leit  des  Arbeiters  in  einem  vorzüglichen  Grade  ofien-* 
hart.  Derselbe  Erzeuger  hat  depi  National  -  Fabriks- 
produkteurKabinette  auch  eine  Form  zum  Giefsen  zin- 
nerner Ketten^  deren  Glieder^  ohne  der  Löthung  zu. 
bedürfen^  in  einander  gegossen  werden ,  zum  Ge- 
schenke gemacht.  Diese  Form  vereinigt  eine  grofse 
Einfachheit  mit  der  möglichsten  Bequemlichkeit  beim 
Gebrauch;  sie  besteht  aifs  Mes3ing,  und  ist  mit  vie- 
lem Fleifs  gearbeitet. 

Ungeachtet  der  österreichische  Staat  in  Böhmen 
mehrere  sehr  ergiebige  Zinnbergwerke  besitzt,  so  reicht 
doch  die  Ausbeute  derselben  nicht  hin,  den  inländi- 
schen Bedarf  zu  decken ;  und  sowohl  englisches  als 
sachsisches  Zinn  behaupten  «daher  eine  nicht  unbedeu-^ 
tende  Stelle  in  der  Reihe  der  Eiafuhrs*Artikel.  —  Das 
Zinn  taugt  vortrefflich  zu  Gufswaaren,  und  zwar  nur 
um  so  besser,  wenn  es  mit  einem  geringen  Zusätze 
von  Blei  versehen  ist,  weil  dann  die  aus  Messing , 
Sandstein  oder  Gyps  verfertigten  Formen  weit  besser 
von  demselben  ausgefüllt  vsrerden.  Man  verwendet  die- 
ses Metall  aufserdem,  wie  bekannt,  zur  Bereitung 
des  Stanniols ,  zum  Verzinnen,  und  zu  vielen  anderen , 
minder  wichtigen  Zwecken. 

i4-  Die  Vortreflflichkeit  der  Waaren,  welche  im 
österreichischen  Kaiserthume,  und  vorzüglich  in  Wien, 
aus  den  edlen  Metallen ^  Gold  pnd  Silber,  verfertigt 
werden,  ist  zu  bekannt,  als  dafs  sie  fernerhin  noch 
eines  Beweises   bedürfte.     Zugleich  aber  bildet  der 


39 

höbe  Preis  dieser  Erzeugnisse  ein  Hanpthindemifs 
der  Elinsendung  fiir  dasNaüonal-Fabriksprodukten-Ka- 
binet.  Das,  was  sich  von  solchen  Arbeiten  in  dem 
genannten  Kabinette  befindet ,  beschränkt  sich  dem- 
nach  gröfsten  Theils  auf  einige  unbedeutende  Silber- 
arbeiten  9  unter  denea  wir  die  Muster  echter  Folie 
wtm  BirrUtz  in  Wien  erwähnen.  Von  Goldwaaren  sind 
%o  genannte  Yenetianer  Kettchen  aus  der  Fabrik  des 
Stephan  Arnaud  in  l^enedig  vorhanden.  So  wie  die 
anter  der  obigen  Benennung  bekannten  Kettchen,  die 
mittelst  sehr  einfacher  Handgriffe^  meist  von  Kindern^ 
aas  Golddrath  gebogen  und  gelöthet  werden,  über- 
haupt gesucht  und  berühmt  sind,  so  zeichnen  sich  ins- 
besondere die  vorliegenden  Muster  durch  ihre  äufserste 
Feinheit  sehr  vortheilhaftaus.  — Echtes  Blattgold  und 
Blattsilber  haben  Anton  Jlornnacher,  in  Salzburgs 
nskd,  Dominik  Massaggio ,  zu  f^enedig,  dem  Kabinette 
eingeschickt. 

i5.  Zwei  ungemein  wichtige  Artikel  der  Metall- 
reranbeitung  sind  Blech  und  Drath. 

Blech  kann  man  im  Allgemeinen  jedes  durch  ir- 
gend ein  Mittel  in  eine  grofse,  verhältnifsmäfsig  dünne 
Flache  ausgedehnte  Stück  Metall  nennen ,  ungeachtet 
das  Wort  in  dieser  weiten  Bedeutung  nicht  sehr  häu- 
fig gebraucht  wird.  Alle  dehnbaren  Metalle  lassen  sich 
in  Blech  verwandeln;  doch  sind  manche  daher'  ent- 
springende Benennungen  (Bleiblech,  Zinnblech  etc.) 
nicht  allgemein  üblich.  Die  Mittel  zur  Hervorbringung 
des  Bleches  sind  überhaupt  zweierlei,  je  nachdem  man 
nähmlich  entweder  mittelst  des  Hammers  oder  miltclst 
Walzwerken  das  Metall  bearbeitet.  Das  Schlagen  des 
Bleches  durch  den  Hammer  ist  die  älteste  Art,  und 
wurde  wohl  schon  in  der  ersten  Zeit,  da  man  Metalle 
zu  bearbeiten  Jernte,  erfunden.  Es  hat  aber  mehrere 
aufiallendeUnvoUkommenheiten,  die  sich  selbst  durch 
die  gröfste  Sorgfalt  des  damit  beschäftigten  Arbeiters 
nie  i:anz  beseitigen  lassen«  Vorzüglich  ist  der  Umstand 


4o 

ZU  bemerken^  dafs  es  fast  zur  UnmÖglichkeil  gebort^ 
mittelst  des  Hammers^   der  begreiflicher  Weise   nur 
eine  Stelle  nach  der  andern  treffen  kann^   ein  voll« 
kommen  gleich  dickes  Blech  zu  erzeugen  j  und  welche 
-wichtige  Nachtheile  eine  ungleiche  Dicke  dieses  Fa* 
brikates  für  die  folgende  Verarbeitung  desselben  nach 
sich  zieht  ^   ist  jedem  Praktiker  so  gut  bekannt  und 
überhaupt  so  einleuchtend^  dafs  es  unnütz  wäre^  dar- 
über menr  Worte  zu  verlieren.  Unbestreitbare  Vor- 
züge hat  in   dieser  und  fast  in  jeder-  andern  (aufscr 
etwa  in  ökonomischer)  Hinsicht  die  Anwendung  von 
Walzwerken  zur  Blechfabrikation.  Das  gewalzte  Blech 
fällt^  wenn  anders  mit  einiger  Vorsicht  bei  seiner  Be- 
reitung verfahren  wurde,  immer  viel  glätter,  gleich- 
formiger  und  schöner  aus  j  ist  daher  zu  allen  Verwen- 
dungen viel  brauchbarer  als  das  geschlagene.  Wie  aus- 
ser oen  genannten  Eigenschaften  der  Mangel  aller  Schie- 
fern, Ungänzen  u.  dergl.  jedes  gute  Blech  überhaupt 
auszeichnet,  so  findet  sich  dieses  letztere  Kennzeichen 
auch  insbesondere  a4  dem  meisten  durch  Walzen  be- 
reiteten Bleche.  Diese  Umstände  sind  Ursachen  gewe- 
sen an  der  Schnelligkeit ,  womit  das  Walzen  des  Ble- 
ches nach  und  nach  fast  in  allen  Ländern  eingeführt 
wurde.  In  dem  österreichischen  Kaiserstaate  gibt  es 
zur  Zeit  schon  eine  bedeutende  Anzahl  von  Fabriken, 
welche  gewalztesEisen-,  Stahl-,  Kupfer-,  Messingblech 
u.  s.w.  von  der  vollkommensten  Qualität  in  den  Handel 
liefern.  Wc^nn  noch  irgend  ein  Mangel  bei  diesem  In- 
dustriezweige zu  verbessern  ist,  so  liegt  dieser  ganz 
sicherlich  in  der  noch  nicht  ganz  gehobenen  Schwie- 
rigkeit, die  bendlhigtcn  gufsei&ernen  Walzen  von  der 
möglichsten  Dauerhaftigkeit,  und  um  mäfsige  Preise 
zu  erhalten. 

Über  die  einzelnen  ArtQH  des  Bleches  scheint  hier 
noch  Folgendes  im  Allgemeinen  zu  bemerken  nöthig. 

Gutes  und  brauchbares  Stahlblech  wird  im  In- 


4i 

lande  ooch  nicht  in  so  erofser  Menge  fabrizirt^  dafs 
der  einheimische  Bedarf  dadurch  gedeckt^  und  die 
Einfahr   von   englischem  Blech  entbehrlich    gemacht 
lifäre.  Besonders  wird  diefs  in  jenen  Fällen  fühlbar^ 
D¥0  ans  Stahlblech  gewisse  feinere  Artikel^  z.  B.  Uhr- 
federn u.  dergl.  verfertigt  werden  sollen.  —  Die  Qua- 
iität  des  in  der  Monarchie  erzeugten  Eisenbleches  hat 
sich  seit  Einfuhrung  der  Walzwerke  bedeutend  ver- 
bessert, und  ist  besonders  in  der  letzten  Zeit  auf  ei- 
nen hohen  Grad  gesteigert  worden.  —  Das  Eisenblech 
wird  zu  manchen  Anwendungen  verzinnt  j  um  seiner 
Oberflache  eine  gröfsere  Schönheit  zu  geben^  und  sie 
vor  den  zerstörenden  Einflüssen  der  feuchten*  Atmo- 
sphäre zu  schützen.   Solches  verzinntes  Blech  kennt 
man  unter  der  Benennung /iPe/^&/ecA.  Eine  gute  Ver- 
zinnung soU  weder  zu  dünn  noch  zu  dick  seyn :    das 
Erstere ,  weil  sie  dann  das  Eisen  vor  der  Einwirkung 
d^  Luft  nicht  hinlänglich  zu  schützen  vermag ;  das  * 
Letztere  ,    weil  sie  dann  selten  so  gleichförmig  und 
glatt  ausfällt,  als  die  Schönheit  des  Fabrikates  es  ver- 
langt Das  zum  Überzuge  angewendete  Zinn  soll  fer- 
üer  so  rein  als  möglich  seyn ,  weil  es  nur  in  diesem 
FaDe  lange  Zeit  seinen  Glanz  und  seine 'weifse  Farbe 
behält.  Wo  man   die  angegebenen  Bedingungen  ver- 
nachläfsiget    wird  man  gar  nie  ein  gutes^  schönes  und 
branchbares  Weifsblech  verfertigen.  Dieses  ist  unläug- 
W  der  Fall  in  fast  allen  inländischen  Fabriken^  die 
skh  mit  der  Erzeugung  dieses  Artikels  abgehen.  Wie 
man  nach  den  neuesten  Aufklärungen  mit  Sicherheit 
weifs^  gründet  sich  die  Vorzüglichkeit  des  englischen 
Weifsbleches  keineswegs  auf   besondere   Kunstgiufie 
(deren  Unkenntnifs  dem   Fabrikanten  zur  Entschul- 
digung   dienen   könnte);   sondern    einzig  und   allein 
auf  die  gute  Qualität   der  Materialien^   und  auf  ein 
sorgfältiges    Verfahren   bei   ihrer  Anwendung.     Die- 
ser Fall  tritt  überhaupt   öfter  ein,  als  man  vielleicht 
denken  mag  j  und  würde  man  ihn  hinreichend  beher- 
rigen ,  so  dürfte  ein  bedeutender  Schritt  zur  Verbes- 


4a 

serung  vieler  Industriezweige  schon  gethan  seyn.  — 
Haben  wir  jetzt  eine  Schattenseite  der  inländischen 
Blechfabrikation  aufgedeckt^  so  müssen  wir  im  Folgen- 
den einem  anderen  Zweige  derselben  volle  Gerechtig- 
keit widerfahren  lassen.  Die  Erzeugung  der  Messinge 
und  Kupferbleche  steht  nähmlich  auf  einer  Stufe  der 
Vollkommenheit^  die  kaum  etwas  zu  wünschen  übrig 
läfst.  Das  Walzen  dieser  Bleche  ist  schon  in  sehr  vie- 
len Fabriken  eingeführt  worden ,  und  wird  mit  einer 
Präcision  «lusgeübt,  die  dem  Fabrikate. die  gewünsch- 
testen Vorzüge  ertheilt.  —  Zinkblech  wird  erst  seit 
Kurzem  von  mehreren  Fabriken  verfertigt  j  und  seia 
Verbrauch  ist  noch  ziemlich  beschränkt^  da  das  Vor- 
iirtheil  gegen  die  Anwendung  desselben  zum  Dachde- 
cken noch  nicht  ganz  hat  beseitigt  werden  können. 
Wenn  hier  der  Ort  wäre^  über  die  Tauglichkeit  des 
Zinkbleches  zu  dem  genannten  Zwecke  ein  Urtheil 
zufallen^  so  liefsen  sich  ziemlich  gleich  viel  Gründe 
fiir  und  gegen  dieselbe  aufzählen.  Am  meisten  kommt 
aber  Wohl  auf  eine  längere  Erfahrung  an ,  deren  Re- 
sultat zur  Zeit  noch  nicht  bekannt  geworden  ist.  Ein 
Zinkblech  jedoch^  welches  mit  eisernen  Nägeln  auf 
ein  Schindeldach  befestigt;  und  so  allen  Unbilden  der 
Witterung  ausgesetzt  war^  wurde  nach  drei  Jahren 
fast  unverändert  gefunden.  Es  wäre  sehr  gut,  wenn 
Versuche  dieser  Art  vergleichungsweise  mit  Kupfer- 
blech angestellt  würden. 

i6.  Fast  noch  grö leeren  Schwierigkeiten  als  die 
Blecherzeugung ^  unterliegt  die  Verfertigung  des  Dra-- 
thef-y  wenn  man  anders  die  unerläfslichen  Forderun- 
gen an  dieses  Fabrikat  zumachen  Willens  ist.  Bekannt- 
lich besteht  das  Hauptsächlichste  der  Drathfabrikation 
in  dem  Durchziehen  von  gewissen  Metallfäden  durch 
die  stufenweise  immer  engeren  Löcher  der  so  genann- 
ten Zieheisen.  Da  diese  Werkzeuge  begreiflicher 
Weise  von  härterer  N&tur  seyn  müssen,  als  das  in 
Drath  zu  vor  wandelnde  Metall,    so   wächst  mit  der 


43 

Härte  dieses  letztern  auch  die  Schwierigkeit  der  Bear- 
heitung ;  denn  da  z.  B.  Eisen-  und  Stahldrath  nur  mit 
sehr  harten  stählernen   Zieheisen  verfertigt  werden 
können^  so  hat  man  hei  ihrer  Erzeugung  auch  alle 
den  harten  stählernen  Werkzeugen  eigenthümlichen 
Unannehmlichkeiten  zu  überwinden.  Das  mit  der  Zeit 
unvermeidliche  Ausspringen  und  Schartigwerden  der 
Löcher  in  den  Zieheisen  schadet  natürlich  dem  aus-» 
sem  Ansehen  des  Drathes  y  und  in  vielen  Fällen  so- 
gar der  Brauchbarkeit  desselben.     Zur  Verfertigung 
des  feinen  Gold-  und  Silberdrathes  h<'iben  die  Ziehei- 
sen wieder  Eigenschaften  nöthig ,  die  sie  fiir  jeden  an- 
dern Gebrauch  fast  untauglich  machen  würden.     Es 
kommt  nähmlich  beim  Ziehen  dieser  weichen  Metalle 
weniger  auf  eine  grofse  Härte  der  Zieheisen,  als  viel- 
mehr  darauf  an ,  dafs  die  Löcher  derselben  die  mö.g- 
lichstc  Politur,  und  ihre  ganze   Masse   einige  Zähig- 
keit blitze;  das  Letztere  vorzüglich  defswegcn,  weil 
man  oft  gezwungen  ist ,  die  jLöcher  durch  Hammer- 
schläge zu  verengen.     Sehr  viel  auch  beruht  übrigens 
hei  der  Drathfabrikation   auf  der  Beschaffenheit  des 
verwendeten   Materials  j    aus  schlechtem ,    unganzen 
Eisen  z.  B.  wird  man  selbst  mit  den  besten  Werkzeu- 
gen keinen  guten  und  brauchbaren  Drath  erhalten, 
mid  so  in  allen  Fällen.  —  Diejenigen  Metalle,  welche 
am  häufigsten  zu  Drath  verarbeitet  werden,  sind  Stahl, 
Eisen  ,  Kupfer  und  Messing.     Dräthe   aus  Zink ,  Blei 
und  Zinn  dienen  wohl  kaum  (oder  nur  höchst  sehen) 
zu  technischem  Gebrauch.     Reines  Zink  läfst  sich  nur 
schwierig  zu  Drath  ziehen,   leichter  wenn  es  mit  et- 
was Blei  versetzt  ist.  Der  Professor  der  Technologie,, 
Herr  Georg  Altmütter ,  am  k.  k.  polytechnischen  In- 
stitute  hat  versuchsweise  sehr  feine  Dräthe  aus  Zink 
und  Blei  verfertigt,  und  im  Fabriksproduklen- Kabi- 
nette aufgestelh,  welche  wenigstens  den  Beweis  lie- 
fern, dafs  sich  die  genannten  Metalle,  wider  die  ge- 
wöhnliche Meinung, .  zu  einer  beträchtlichen  Dünne 
ausziehen  lassen. 


44 

17.  Das  NatioDal-Fabriksprodukten- Kabinet  be- 
sitzt an  Blech  und  Drath  aus  den  verschiedensten  Me- 
tallen einen  grofsen  Reichthum^  durch  dessen  Ansicht 
man  sich  am  sichersten  überzeugen  kann,  auf  welcher 
hohen  Stufe  die  Verfertigung  dieser  Artikel  in  unse- 
rer Monarchie  sich  befindet.  Es  sollen  hier  nur  die 
vorzüglichsten  jener  Fabriken  genannt  werden,  welche 
mit  ihren  Einsendungen  die  Sammlung  bereichert  ha- 
ben.    Dahin  gehören: 

Die  k.  k.  Ärarial-Messingfabrik  zu  Achenrain  in  Tirol. 

Unter  der  zahlreichen  Sammlung  von  Blech-  und 
Drathmustern,  welche  das  Kabinet  dieser  Fabrik  ver- 
dankt, zeichnet  sich  ein  Sortiment  von  Zinkblech 
sehr  vortheilhaft  aus ;  die  einzelnen  Tafeln  desselben 
sind  so  schön,« und  zeigen  eine  solche  Biegsamkeit^ 
dafs  ihre  Anwendbarkeit  zum  Dachdecken  kaum  zu  be- 
zweifeln seyn  dürfte«  Um  alle  bei  diesem  Gebrauche 
etwli  eintretenden  Anstände  zu  beseitigen,  verfertigt 
die  Fabrik  auch  Nägel  aus  Zink,  welche  die  sonst  üb-, 
liehen  eisernen  ersetzen,  und  mithin  alle  Gefahr  ei- 
ner galvanisch-elektrischen  Wirkung  (die  spnst  bei  der 
Berührung  verschiedenartiger  Metalle  einzutreten,  und 
schnell  zerstörend  zu  wirken  pflegt)  beseitigen.  Be- 
sondere Erwähnung  verdienen  noch  ein  paar  Muster 
von  so  genanntem  Tabakzink ^  nähmlichdünn  gewalz- 
tem Zinkblech ,  welches  statt  des  Bleies  zum  Einpa- 
cken des  Schnupftabalis  verwendet  werden  soll.  Diese 
Proben  sind  zwar  sehr  schön,  dürften  aber  ihrem 
Zwecke  darum  picht  vollkommen  entsprechen,  weil 
das  Zink  von  Säuren, ,  Salzein  u.  dergL,  die  der  auf 
gewöhnliche  Art  gebeitzte  Tabak  enthält,  weit  leich- 
ter als  Blei  angegriffen  wird.  —  Die  eingegangenen 
Muster  von  lichtem  und  schwarzem  Taf elmesstng ,  fer- 
ner die  Tombakbleche,  lassen  iCi^Rücksicbt  auf  äus- 
sere Schönheit,  als  gleichförmige  Dicke,  Glätte  und 
Reinheit  der  Oberfläche,  nichts  zu  wünschen  übrig. 
Eben  so  sind  die  harten  und  weichen  Spheiben^  und 


t  * 


45 

Musterdräthe  aus  Messing,  Kupfer,  Zink  und  Tom- 
bak ¥on  guter  Beschaflfenheit. 

G.  Bortolan,  zu   Treviso  innlomLardisch-veneüani- 

sehen  Königreiche. 

Bie  aus  dieser  Fabrik   im  Kabinette  befindlichen 
Metallwaaren  verdienen  eine  sehr  lobende  Erwähnung. 
Aufser  mehreren  Mustern  voa Kupfer-  und  Stahldrath, 
die  alle  mit  Billigkeit  an  si^  zu  stellenden  Forderun- 
gen im  reichlichen  Mafse  erfüllen,  bemerkt  man  dar- 
unter einige  gewalzte  Kupfer-  und  Stahlbleche,  die, 
migeachtet  ihrer  beträchtlichen  Länge  und  Breite,  doch 
Ton  der  vollkommensten  Gleichförmigkeit,  und  so  schön 
sind,  dafs  die  Fabrik,  in  der  sie  erzeugt  wurden,  al- 
lerdings unter  die  vorzüglichsten  ihrer  Art  gerechnet 
irerden  darf.  Ein  nicht  minderes  Lob  mufs  man  dem 
gewalzten  Bleiblech,  worunter  sich  eine  6  Fufs  lange 
imd  gegen  3  Fufs  breite  Tafel  befindet,  ertheilen.  Die 
schönen  Proben  von  Rundstahl  verdienen  um  so  mehr 
ausgezeichnet  zu  werden ,  da  dieses  Fabrikat  aufser- 
dem  in  der  österreichischen  Monarchie  fast  gar  nicht 
erzeugt  wird,  sondern  fiir  den  Verbrauch  der  inlän- 
dischen Uhrmacher  durchaus  den  Engländern  abge- 
nommen werdiBu  mufs.  Merkwürdig  sind  endlich  noch, 
die  kupfernen  Münzplatten,  welche  in  dreierlei  Gröfse 
(aof  ganze,  halbe  und Viertel-Bajocchi)  verfertigt,  und 
lach  dem  römischen  Kirchenstaate  versendet  werden. 
Alle  diese  Artikel  sind  von  der  gewünschtesten  Voll- 
lommenheit,   und  ihre  Ausfuhrung.  gereicht  der  Fa- 
brik zur  gröfsten  Ehre. 

Die  Schwarz-  und  Weifsblechfabrik  des  Herrn  Grafen 
Ferdinand  yon  Egger,  zxxLipitzbach  in  Kürnthen. 

Diese  Fabrik,  deren,  wegen  der  Einsendung  von 
Stangeneisen,  bereits  oben  rühmlich  gedacht  worden 
ist,  bat  dem  National-Fabjiksprodukten-Kabincite  ein 
loUständiges  Sortiment  von  gewalztem  einfachen  und 
doppelten  Schwarzbleche  zur  Aufstellung  übergeben. 


46 

ff 

Die  gröfsten  Tafeln  desselben  sind  36  Zoll  lang,  und 
21  Zoll  breit;  man  bemerkt  daran  weder  Ungleichhei- 
ten in  der  Dicke,  noch  sonstige  Mängel,  die  der  äus- 
sern Schönheit  des  Fabrikats  Eintrag  thun  würden. 

Das  Zink  Walzwerk  der  Herren  jP/ac^  undÄeiV,  zuJEh- 

dersdorf  in  Schlesien . ' 

Diese  noch  nicht  long  bestehende  Fabrik  hat 
ftir  das  Kabinet  Muster  von  gewalztem  Zink-,  Kupfer* 
und  Eisenblech  eingeschickt,  die  sich  durch  Gröfse 
der  Dimensionen  und  durch  Schönheit  gleich  vortheil- 
haft  auszeichnen.  Unter  den  Zinkblechen  insbesondere 
befinden  sich  Tafeln  von  7  bis  10  Fufs  Länge,  die 
dessen  ungeachtet  keine  gerechte  Forderung  unbefrie- 
digt lassen. 

Eugen  Gianicelli,  zu  Frauenthal  in  Osterreich 

(V.  0.  W.  W.). 
Eine  zahlreiche  Sammlung  von  Eisend rath -Mu- 
slern, welche  dieser  Fabrikant  dem  Kabinette  einge- 
sendet hat,  verdient  hier  seiner  Vorzüglichkeit  we- 
gen rühmlich  erwähnt  zu  werden.  Selbst  die  dicksten 
Sorten  zeichnen  sich  dadurch  aus,  dafs  man  an  ih- 
nen nicht  di^den  gewöhnlichen  Drathso  häufig  ver- 
unstaltenden Zangenbisse  bemerkt.  Unter  den  feine- 
ren Gattungen  befinden  sich  mehrere  Proben  von  Sai- 
ten- und  Kardätschen-D  rath,  denen  ebenfalls  in  Hin- 
sicht auf  Reinheit  und  Gleichförmigkeit  vorzügliches 
Lob  ertheilt  werden  mufs* 

Die  k.  k.  priv.  Messingfabrik  des  "Rvn.  jdnton  Hainischy 
zu  Nadelburg  in  Österreich  (V.  u.  W.  W.). 

Diese  Fabrik,  welche  seit  ihrem  Bestehen  sich 
durch  die  Güte  der  Erzeugnisse  einen  ausgezeichnet 
ten  und  wohl  gegründeten  Ruf  erworben  hat,  verfer- 
tigt aufser  allen  Sorten  Messingdrath  auch  Messing- 
und  Tombakbleche  von  der  besten  Qualität.  Die  von 
derselben  eingelieferten  Mcssioggufswaaren  sind  frü- 


47 

her  sdbon  besprochen  worden.  Die  im  Fabriksprodu)Lr 
ten-Kabinette  aufgestellten  Muster  vonRolI-^  Tafel«  und 
geijfalziem  Uhrmacher -Messing  sind  von  der  schön- 
sten Farbe  und  der  äufsersten  Reinheit.  Eine  Sorte 
Ton  schwarzem  Messingblech ,  die  zu  den  im  Orient 
sehr  gesuchten  türkischen  Bechern  verarbeiiet  wird,  . 
glaubt  man  darunter  insbesondere  erwähnen  zu  müsr 
sen.  Ausgezeichnet  schön  sind  die  Tombakbleche,  be- 
sonders  die  für  Metallschläger  zur  Verfertigung  des 
nnechten  Blattgoldes  bestimmten.  Muster  von  Zink- 
blech, weldies  Herr  Hainisch  schon  vor  mehreren 
Jahren  erzeugen  liefs,  verdienen  um  so  liiehr*  Auf- 
merksamkeit ,  als  der  Gebrauch  desselben  zur  Dach- 
deckung bei  uns  nach  und  nach  allgemeiner  zu  wer- 
den anfangt. 

Die  Fabrik  von  leonischen  Waaren,  zu  Schwatz  in 

Tirol 

Von  dieser  Anstalt,  welche' unter  der  Firma 
Knapp  und  von  Brentano  bekannt,  übrigens  aber 
ein  gemeinschaftliches  Eigenthum  mehrerer  adeligen 
Familien  ist,  hat  das  Fabriksprodukten -Kabinet  eine 
Sammlung  verschiedener  Arbeiten  aus  unechtem  Gold- 
und  Silberdrath  aufzuweisen.  Runder  und  geplätteter 
Silber-  und  Golddrath,  die  Kantillen,  Gold-  und  Sil- 
berkettchen ,  die  Füttern  und  mehrere  andere  in  dem 
Sortimente  befindliche  Artikel  sind  musterhaft  gear- 
beitet, und  zeigen  einen  so  hohen  Grad  der  Vollkom- 
menheit, dafs  sie  sich  durch  das^  Ansehen  von  den 
echten  Waaren  dieser  Art  nicht  unterscheiden  lassen.  — 
Die  Verwendung  des  leonischen  Drathcs  zu  Borten 
n.  dergl.  ist  hinlänglich  bekannt,  und  e$  gibt  im  öster- 
reichischen Staate  mehrere  Fabriken^  welche  derglei- 
chen Waaren  von  der  vorzüglichsten  Qualität  liefern. 
Hiervon  erwähnen  wir  gelegenheitlich  die  des  Caje^ 
tan  Giussani,  va Mailandy  aer  das  Fabriksprodukten- 
Kabinet  mit  einer  trefflichen  Auswahl  seiner  Erzeug- 
nisse beschenkt  hat« 


48 

G.  Neitter,  zu  Krems  in  Steiermark  (Grauer  Krei$)^ 

hat  mehrere  Muster  von  schwarzem  und  verzmntem 
Eisenblech  eingeschickt^  die  sich  sehr  zu  ihrem  Yor- 
theile  auszeichnen.  Nebst  andern  Stücken  bemerkt 
man  darunter  ein  paar  kleine  Platten,  deren  die  eine 
schwfirz,  die  andere  verzinnt  ist.  Beide  sind  v^egen 
der  ganz  ungewöhnlichen  Feinheit  und  Glätte,  das 
letztere  aber  aufserdem  noch  durch  die  Schönheit  der 
Verzinnung,  welche  sich  der  besten  englischen  an  die 
Seite  stellen  darf,  merkwürdig.  Schade,  dafs  keine 
einzige  inländische  Fabrik  die  Erzeugung  des  verzinn- 
ten Eisenbleches  mit  der  an  diesen  Mustern  bemerk- 
bareil  Sorgfalt  ausübt;  wir  würden  dann  leicht  die 
Einfuhr  des  englischen  Weifsbleches  gänzlich  ent- 
behren können. 

l)ie  k.  k.  ArariaI-Messingfabrikzu/v*/7r^e7i^Aa/  in  Steier- 
mark (Marburger  Kreis). 

Verschiedene  Muster  von  Messingblech  und  Mcs- 
singdrath ,  die  sämmtlich  den  lang  gegründeten  guten 
Ruf  dieser  Fabrik  auf  das  Bieste  bewähren.  Unter  dem 
Nahmen  des  Grätzer  Messings  werden  diese  Erzeug- 
nisse von  Uhrmachern  und  andernMetallarbeirern  sehr 
stark  gesucht,'  und  denen  vieler  andern  Fabriken  vor- 
gezogen. Dieser  Umstand  hat  einige  der  letztern  so- 
gar veranlafst,  einer  ihrer  besten  Messingsorten  eben- 
falls die  Benennung  Grätzer  Messing  beizulegen.  Der 
eigentliche  Vorzug  des  Grätzer  Messings  besteht  in 
seiner  Weichheit,  und  in  der  Leichtigkeit,  mit  wel- 
cher er  sich  biegen,  hämmern  und  treiben  läfst. 

Die  Metallwaarenfabrik  der  Gebrüder  von  Rosthorn, 
in  der  Öde  (Österreich  y  V.  u.  W.  W.). 

Die  Herren  Eigenthümer  dieser  in  jeder  Rück- 
sicht'VoUcndeten  Fabriksanstalt  haben  dem  Kabinette 
ein  ungemein  schätzbares  Geschenk  mit  einer  ausge- 
zeichneten Sammlung  ihrer  Erzeugnisse  gemacht,  wel- 
ches in  Hinsicht  sowohl  des  beträchtlichen  inneren 


49 

Weithes,  als  der  technisdhen  Vollkommenheit  aller 
dnzelnen  Stücke  die  höchste   Beachtung    verdient 
Diese  talentvollen  ttnd  thäligeii  Männer  haben  durch 
weitläufige  und  mit  aufserordentlicShen  Kosten  verbun- 
dene Anstalten  die  schwierigsten  Aufgaben  in  ihrem 
Industriezweige  slücklith  gelöst  j  und  hierdurch*  zur 
Vervoilkommnung  und  Ausbreitung  desselben  yi  unse-^ 
rer  Monarchie  wesentlich  beigetragen.     Beweise  da-^ 
von  lierern  vorziiglich  ihre  geWalsten  Kupfdr-^  Zink-^ 
Tombak-  und  Messidgbleche;     Zink-  und  Kupferble- 
che (von  denen  die  erstem  ihrer  niedrigen  Preise  we- 
gen  mit  unbestreitbarem  Vortheil   zur  Dadbdeckurig 
benutzt  werden)  sind   bei  beträchtlicher  ^   oft  sogar 
ungewöhnlicher  ötöke  (iiähunlich  0  Füfs  Länge  und 
3Ftt(s  Breite)  von   der  äüfsetsted  Heinheit^   und  $o 
biegsam ,  dafs  sie  ohne  den  geringsten  Anstand  zil  al-* 
len  sewohdlicih   tofkommenden  Arbeiten«  verwendet 
werdeli  können.     Das  Näbmliche  gilt  von  den  tersdiie-^ 
denen  Sorten  des  gesehlagenen  und  gewalzten  Mes- 
singbleches,  die  durchaus  sehr  rein^  zäh^  und  von 
schöner  Farbe  sind.     Man  bemerkt  darudter  Proben 
von  9o  genanntem  Plaitirmesiingj  eid  Eraieugnifs  der 
von  Rosthorn'sdhen  Fabrik  ^  welciies  wegen  seiner  ge- 
ringen Dicke  und  Vdr^eüglidhen  Geschmeidigkeit  von 
allen  Consnmenten  sehr  gesucht  üdd  gelobt  wird*  Die 
Yer/ertigudg  desselben  geschieht  durch  Walzen^  vireil 
nun  nur  atii  diesem  Wege  dc^m  Produkte  die  gröfste 
Vollkommenheit. geben  kand^     In  der  Sammlung  be- 
imdet  sich  ein  Muster  von  solchem  gewalzten  Plattir- 
nessing  ^  vvelches  ^  Fufs  Länge  besitzt.   Tombakble- 
che werden  von  der  gröfsten  bis  zur  geringsten  Dicke 
zum  Gebratiehe  tut  Metallschläger  in  der  Fabrik  ver» 
fertigt.  Die  Drathmdster  sieichnen  sich  besonders  durch 
den  Umstand  ads^  dafs  jedes  einzelne  (obwohl  meh- 
rere Pfunde  an  Girev^icht)  selbst  bei  ded  feineren  Num- 
mern 9  aus  einem  eld^igäd  F&den  besteht^     Alf  Bei- 
spiel erwähnt  man  blofs  eines  Ringes  vod  feinem  Kla- 
vieraaiten-Draih  ^  der  nicht  weniger  als  i^aSFufsIang, 

U  4.  p«»l]rt«  iMt«  IV.  M«  4 


5o 

und  dürcli  diese  ganze  Länge  vollkommen  glatt  und 
gleichförmig  ist,  —  Endlich  verfertigt  die  Pahrik  auch 
den  vierkantigen  Drath  zu  Regenschirmen^  so  v^ie 
alle  Gattungen  von  sehr  weichem  Kupfer-  und  Zink- 
drath.  Überhaupt  liefert  die  ganze  Sammlung  der 
genannten  Erzeugnisse  einen  erfreuÜchen  Beweis  voa 
den  auffallend  raschen  Fortschritten,  welche  die  Fa- 
hrikation  dieser  Waarea  durch  die  Talente  und  den 
unermirdeten  Fleifs  der  von  Rosthorn'schen  Brüder 
gemacht  hat,  und  stellt  diese  letzteren  selbst  in  die 
Reihe  der  achtungswerthesten  inländischen  Fabriks- 
Unlernehmer,  von  denen  Andere  nicht  nur  vortrefi-- 
liche  Materialien,  sondern  auch  manche  unentbehrli- 
che Hülfsmittel ,  z.  B.  Sehr  schön  und  genau  gearbei- 
tete Wälzen  aus  Gufsstahl  (welche,  ebenfalls  auf  Ver- 
langen geliefert  werden),  erhalten  können.  Möge 
das  hier  Gesagte  dazu  beitragen,  die  Anerkennung 
ihrer  Verdienste  allgemein  zu  machen. 

Martin  Miller^  in   Wien.  . 

Es  ist  gewife  eine  erfreuliche  Erscheinung  fiir  je- 
den Vaierlandsfreund,  bedeutende  FabrikationszWeige^ 
die  vorher  das  Ausland  als  Monopol  besafs,   in  die 
Heimath  verpflanzt  zu  sehen,  weil  durch  ein  solches 
Ereignifs  der  National-Reichthum  einen  Zuwachs,  und 
der  allgemeine  Wohlstand  eine  neue  Stütze  erhält.  — 
Diese    Betrachtung    dringt    sich    unwillkürlich    auf. 
Wenn  man  die  Erzeugnisse  des  rastlos  thätigen  Fabri- 
kanten Martin  Miller   einiger  Aufmerksamkeit  *  wür- 
digt.    Schon  früher  ist  von  mehrereil   derselben  die 
Rede  gewesen,  nahmentlich  von  den  im  National -Fa- 
briksprödukten-Kabinfette  befindlichen  Stahlmustern 
und  Drathzieheisen  ,  von  denen  besonders  die  letztern. 
alle  Einfuhr  aus  dem  Auslände  etitbehrlich  machen ; 
hier  j^rübrigt  uns  noch  von  einigen  ändern  Artikeln 
zu  sprechen,  die  ebenfalls  von  nicht  geringer  Wich- 
tigkeit sind.     Hr.  Miller  hat  fiähmlich  dem  Kabinette 
ein  Sortiment  ^er  von  ihm  erzeugten  Stahlbleche  über- 


5i 

» 

geLen,  welche  den  besten  englischen  nicht  nächste^ 
hen^  und  zu  allen  Verwendungen  voUkonunen  taug- 
lich sind.  Dasselbe  gilt  von  den  nach  deutscher  und 
französischer  Art  verfertigten  Uhrfedern^  die^  yfenii 
sie  auch  den  strengsten  Forderungen  nicht:  ganz  ent- 
sprechen  sollten^  doch  immer  einen  Theil . der  Ein-^ 
iiihr  fremder  Federn  enthehrlic|i  machen  können. 

Andreas  Tbpper  y    iu  ScheibS  ih   Österreich 

(V.  0-  W.  W). 

Dieser  durch  die  Güte  Seiner  Produkte  ausge^ 
zeichnete  Fabrikant  hat  dem  Kabinette  viele  Muster 
von  gewalztem  Eisenblecih  zur  Aufstellung  übergeben^ 
die  in  jeder  Rücksicht  vollkommen  genaünt  werden 
dürfen. — ^Hr.  röpperhai  im  Jahre  1821.  ein  aüsschKcs- 
sendes  Privilegium  auf  eine  zur  Erzeugung  von  Eisen- 
und  Stahlblech  bestimmte   Streckmaschine  erhalten^ 

i8.  Unter  den  vorzüglicheren  Artikeln j  welche 

aus  Blech  Verfertigt  werden^  und  von  denen  das  Na<* 

tJOoaf-Fabriksprodükten-Kabinet  eine  gtöfsere  Anzahl 

Muster  besitzt^  erwähnen  wir  zuerst  ^v  Klämpner-^ 

waarens  Von  den  Fab  rikanten  ^  welche  derlei  Artikel 

zur  Aufstellung  eingeschickt  häben^  verdient  vorzüglich 

Käf4  Derriuihy  xh  'Pilnfhaüs  bei  VFierij 

genannt  zu  werden.  Dieser  jndustriösc  Unternehmer,- 
dessen  hier  mit  besonderer  Auszeichnung  gedacht  wer- 
den mufs^  hat  dem  Kabinette  mehrere  sehr  gelungene 
Proben  seiner  Erzeugnisse .  zum  Geschenk  gemacht. 
Zu  den  schönsten  Stücken  darunter  gehört  eine  kleine 
argand^sche^  aus  moicirtem^rün  lakirien  Blech  verfer- 
tigte, mit  Bronze  verziertel  Lampe  j  sovvie  eine  nach 
des  Einsenders  eigener  Erfindung  kohstrüirte  Käffeh-^ 
maschine,  aufweiche  Ictzterel  ihm  in  Geraeinschaft 
mit  Hrn.  Ignaz  Meißner  ein  ausschliefsendes  Privile« 
giam.  ertheilt  wurde.  Merkvvürdig  sind  auch  ein  paar 
Nachdamnen«  die  zugleich  ats  Uhren  gehraucht  wer- 


5a 

den  Lonnen  ^  indem  durch  die  Menge  des  verbrannten 
Ohles  auf  einem  Zifierblatte  die  Stunde  angezeigt 
Iwrird.  Wenn  auch  diese  artige^  von  Frankreich  in 
der  neuesten  Zeit  ausgegangene  Erfindung  den  genann- 
ten Zweck  nicht  vollkommen  erfüllt^  so  bleibt  wenig- 
stens den  vorliegenden  Exemplaren  das  Verdienst  ei«-* 
nergeschmackvoUen  Ausführung^  welches  Hr.  Demuth 
überhaupt  allen  seinen  Fabrikaten  mitsutheüen  ge- 
wohnt ist.  —  VorKÜglich  gearbeitete  Stücke  sind  auch, 
eipe  nach  neuer  Art  verfertigte  KaSehmaschine  von 
TCarl  DellaviUa  zu  Baden;  ein  messingener  Uhrka- 
sten von  Johann  Weinmann  y  und  eine  mit  vier  Dillen 
versehene  grofse  Hänglampe  aus  Messingblech^  von 
Alois  Reiberger.  Die  beiden  zuletzt  genannten  Ver- 
fertiger sind  in  Ff^ieh  etablirt. 

Einige  sehr  scbon  gearbeitete  Stücke  aus  moirir- 
tem  Blech  besitzt  das  Kabinet  auch  von  den  FabrikaO:- 
ten  Georg  Ptfnti  und  Brüder  in  Mailand,  die  defs- 
halb  erwähnt  werden  müssen« 

Für  die  Fabrikation  der  Luxuswaaren  aus  Blech 
hat  sich  in  den  letztvergangenen  Jahren  durch  die  Er- 
findung des  Moir^  m^tallique  ein  neues  Feld  geöffnet. 
Der  Franzose  Allard,  dem  diese  fiir  Wissenschaft 
und  .Kunst  gleich  interessante  und  wichtige  Entde- 
ckung zugehört^  wurde  wahrscheinlich  durch  Znfall 
auf  dieselbe  geleitet.  Das  sonderbare ,  sehr  gefällige 
Ansehen  des  moirirten  Weifsbleches  hat  den  daraus 
verfertigten  Artikeln  bald  allgemeinen  Eingang  ver- 
schafft, und  ist  Ursache  gewesen,  'dafs  man  sich  auch, 
in  andern  Ländern  viele  Mühe  gegeben  hat,  dasselbe 
hervorzubringen.  Der  Professor  der  Technologie  am 
k«  k.  polytechnischen  Institute,  Hr.  G.  Altmütter,  war 
im  österreichischen  Staate  der  erste,  der  über  die  Er- 
scheinung des  Moir^  m^tallique  kritische  Versuche  ^a- 
Sestellt,  und  die  bei  seiner  Bereitung  zu  beoBachten- 
en  Verfahruügsarten  auf  allgemeine  Regeln  zurück- 


§ 
i. 


M 


53 

geführt  hat  ^)«  Ganz  neuerlich  ist  es  ihm  gelungen^ 
den  Moire  auch  auf  Stanniol  (Zinnfolie)  hervorzubrin- 
gen; und  die  von  dieser  Arbeit  Im  National -Fabriks- 
produkteii-Kabinette  aufgestellten  Proben  unterschei- 
den sich  von  den  ebenfalls  hier  befindlichen  englischen 
Mustern  blofs  durch  d¥d  mindere  Qualität  des  inlän- 
dischen Material^s  (des  Stanniols)^  welche  natürlich 
auch  auf  das  Aeufsere,  nähmlich  auf  die  Schönheit 
der  Zeichnungen^  einigen  Einflufs  Hat.  —  Arbeiten 
ans  moirirtem  Blech  werden  gegenwärtig  bereits  in  be- 
trichtficher  Menge  erzeugt;  und  es  ist  nur  Schade, 
dafs  eben  die  grofse  Quantität,  welche  von  solchen 
Artikeln  abgesetzt  wird,  auf  die  Güte  und  Schönheit 
derselben  fast  durchaus  einen  nachtheiligen  Einflufs 
geauisert  hat.  Denn^  ungeachtet  die  geringe  Quali- 
tät des  inländischen  verzinnten  Eisenbleches  die  Ar^ 
hdter  geavningen  hat^  zur  Y er wendimg  von  enelischem 
Weilsblech  ihre  Zuflucht  zu  nehmen ,  so  kommen 
doch  nur  die  Erzeugnisse  weniger  Fabriken  (worunter 
yonughcL  jene  des  schon  erwähnten  Hrn.  Demuth 
nrecfanen  ist)  den  französischen  ganz  gleich.  Das 
£abinet  besitzt  Muster  aus  AUardts  Fabrik,  die  sich 
nicht  nnr  durch  schöne  Zeichnungen ,  sondern  auch 
dorch  geschmackvolle  Farben  Wahl  und  durch  dieVor- 
trafSichkeit  des  Firnisses  auszeichnen ,  und  zur  siche- 
ren Bestätigtmg  des  Gesagten  dienen  können. 

IQ.  Ein  Fabrikat ,  von  dem  das  National-Fabriks- 
prodokten-Kabinet  eine  sehr  zahlreiche  und  ausge- 
wählte Sammlung  aufzuweisen  hat,  sind  die  aus  Mes- 
singblech geprefsten  oder  gestampften  Bronzewaaren, 
welche  in  der  österreichischen  Moüarchie  von  vorzüg- 
Schönbeit  verfertigt  werden.  Gestampfte  Ka- 
und  ähnliche  Verzierungen  sind  in  der 
neuem  Zeit  mit  Recht  so  sehr  behebt  geworden,  dafs 
sie  die  aus  Messing  gegossenen,  welche  friaher.  aJ(lge- 

*)  Jahrb*  des  polytechn«  Instit*  B<L  1 9  S.  94* 


fiieii^  im  Gebrauche  waren  ^  verdrängt  haben,  Dio 
lenglißchen  und  französischen  Waaren  dieser  Art,  wel- 
che sonst  fiir  die  vorzüglichsten  .gehalten  vvurden,  sind 
jiir  uqser  Inland  schon  seit  mehreren  Jahre|i  ganz 
(Entbehrlich  geworden ;  ja  fiir  ipanche  der  aus  cinhei- 
piischen  Fabriken  hervorgehenden  Stüpke  fällt  die  Ver? 
gleichung  mit  den  genannten  ausländischen  Produl^ten 
offenbar  zum  Vqrtl^eil  aus,  wobei  noch  zu  bemerken 
kommt,  d^fs  in  Hücksichtdes  Preises  die  ustcrreichi- 
schen  Fabriken  keine  Konkurrenz  zu  furchten  b^ben ; 
selbst  von  Seite  der  englischen  nicht,  von  denen  docl}. 
eine  Beeinträchtigung  dipser  Ar(  am  meisten  zi^  evr 
vvartef^  y^äre^ 

Unter  den  hierher  gehörigen  Fabriken  ^^  welche 
dasKabinct  mit  ihren  Einsendungeil  bereichert  haben, 
sind  die ,  der  Herrefi  Franz  JVinkler  un4  Feil  ^iß 
forzüglicl^sten« 

Die  Erzeugnisse  des  Hrn.  Fram  Jf^nkler^   der 
9eipe  ^rofse  &|etallwaarenfabrik  zu  Ebersdovfy  unferij 
Jf^ien,  eublirt  hat,    sipd,   sowohl  in  Rücksicht  auf 
Sphönl^eit  der  Formen,  als  in  Ansehung  des  Firnisses, 
Wpdurch  sie  ihre  goldähnliche  Farbe  erhalten,  ohne 
(sigentlich  vergoldet  zuscyn,  des  gröfsten  Lobes  vverth, 
und  halten  die  Vergleichung  mit   den  neben  ihnea 
aufgestelUei^  englischen- qhnc  Nachtheil  aus,  Was  den 
erwähnten  Firnifs  l^etriffk,   so  kann  die  Farbe  dessel- 
ben nach  [ßcUeben  der  Abnehmer  niiancirt  werden. 
Die  meisten  io^  Fabriksprodukten -Kabinette  befindli- 
chen Muster  $ind  zwar   etwas  zu  röthlich,   um  die 
'  Farbe  einerVergoldung  täuschend  nachzuahmen;  doch, 
richtet  mqn  sich   in  der  Fabrik,  n^^türlicher  Weise, 
.nach  dem  Gcschr^ncke  des  abnehmcndcH  Publikums, 
welches  seine  Neigung  fiir  eine  solche  etwas  dunklere 
Nuance  ausgesprochen  hat.     Dieser  Geschnlack  läfst 
sich  übrigens  um  so  leichter  billigen,  da  zur  Verzie- 
rung der  bei  uns  fast  durchaus  gebräuchlichen  dunkel 


55 

politirten  Möbel  aus  Nufsbaumholz  eine  etwas  rodili- 
che  Farbe  weit  besser  taugt  ^  als  eine  rein  goldgelbe. 
Um  die  Möglichkeit  einer  Vergleicbung^  mit  den  aus- 
ländischen Bronzewaaren  vollkommen  zu  machen^  hat 
Hr.  Winkler  einige  Stücke  nach  gewissen  im  Kabi- 
netie  befindlichen  englischen  Mustern  verfertigen  Us-^ 
sen^  die  ihren  Vorbildern  in  keiner  Rücksicht  nach- 
stehen,  und  noch  den  Yortheil  haben,  dafs  sie  ver- 
hältoilsmäfsig  wohlfeiler  zu  stehen  kommeUt 

Aus  der  Fabrik  des  Franz  Feil  in  Wien  (welche 
nun  nach  dessen  Tode  y  von  der  Frau  Wittwe  fortge- 
führt wird)  besitzt  das  Kabinet  zwei  grofse  Tableaux 
mit  gestampften  Blecbverzierungen,  die  jeden  Kenner 
durch  die  Keinheit  imd  Schärfe  ihrer  (meist  nach  An- 
tiken gebildeten)  geschmackvollen  Formen   befriedi- 
jffJL     Die  genannte  Fabrik  ist  defswegea  schon  seit 
Jahren  beriihmt,  und  sie  hat  ihren  guten  Ruf  zu  kei- 
ner Zeit  auf  das  Spiel  gesetzt.     Ihre  Erzeugnisse  wer- 
den nicht  nur  zur  Verzierung  von  Möbeln  häufig  ver- 
wendet^ sondern  auch  zu  andern  Zwecken^  z,  B.  qJs 
Afodelle  iiir  die  Eisengiefserei  ^  für  tbönerne  Verzie- 
rungen auf  Öfen  und  dergl*  benützt, 

ao.  Die  Fabrikation  der  Nähnadeln  gehört  unter 
diejenigen  Industriezweige^  welche  in  dem  österrei- 
chischen Staate  noch  nicht  so  weit  vervollkommnet 
sind^  dafs  ihre  Produkte  denen  aus  mehreren  frem- 
den Ländern^  und  nahmentlich  den  englischen ^  an 
Gute  und  Brauchbarkeit  gleich  kämen.  Die  englischen 
Nadeln  haben  vor  den  inländischen  den  Vorzug  einer 
grofsen  Härte  und  einer  schönen  Politur^  Eigenschaf- 
ten^ denen  sie  vorzüglich  ihre  Berühmtheit  verdan- 
ken. Die  Fehler^  welche  an  den  meisten  in  Öster- 
reich^ auch  in  Deutschland  überhaupt  erzeugten 
Sahnadeln  gerügt  werden  müssen^  sind  der  fast  gänz- 
liche Mangel  an  Härte  ^  und  die  oft  mit  wenig  Sorgfalt 
angeschliffenen^  und  daher  ziemlich  kolbigen  Spiuen, 


$6 

welche  natürliicher  Weise  den  Gebrauch  sehr  erschwe- 
ren. Aller  dieser  Umstände  ungeachtet  gibt  es  doch 
manche  Nadelfabriken  im  Inlande,  deren  Erzeugnisse 
4en  englischen  nicht  sehr  viel  nachstehen ,  wie  denn 
gucb  mehrere  im  Naitonal-Fabriksprodukien-Kabinetto 
beCndliche  Proben  den  Beweis  lieferp  können ,  daf« 
die  Verfertigung  der  Nähnadehi  in  der  letzten  Zet( 
einige  nicht  unbedeutende  Fortschritte  gernacht  hat. 
Vorzüglich  verdient  in  dieser  Rücksicht  ein  zahlrciT 
ches  Sortiment  aller  Gattungen  Nähnadehi  erwähut  zi|. 
werden,  welches  4er  Fabrikant  jinton  Liegte,  zvl 
Neuftkirchen  in  Österreich  (V,  U,  W,  W.)  jtur  hxdr 
Stellung  eingeschickt  hat,  und  das  allerdings  demVer? 
fertiger  Ehre  macht,  wenn  inan  aunh  nicht  behaup- 
ten kann ,  dafs  diese  Muster  mit  dem  englischen  Fa? 
brikate  in  allen  Rücksichteii  zu  konkurriren  im  Stande 
seyn.  —  Unter  den  englischen  Nähnadeln,  die  jm  Fa? 
briksprodukten  -  Kabinette  ^ur  Vergleichung  mit  den 
inländischen  aufgestellt  sind,  bemerkt  man  auch  sol- 
che ,  deren  Öhre  vergoldet  sind.  Da  aber  der  Preis 
dieser  Gattungen  etwas  niedriger  ist,  als  der  der  ge- 
wöhnlichen, so  kann  man  daraus  mit  Rech);  sphlies? 
sen,  dafs  die  von  kaufmannischem  Spekulationsgeiste 
beseelten  Engländer  jene  artige  Verzierung  bjofs  ge- 
wählt haben,  um  auch  ihren  minder  guten  Erzeugnis* 
sen  Absatz  zu  verschaffen.  Im  Iniande  werden  der- 
gleichen NAhnadela  noch  nicht  (Erzeugt. 

31.  Als  eineA  ähnlichen  Fabrikales  gedenken  wir 
hier  auch  der  Stecknadeln ,  deren  Verfertigung  wohl 
von  gröfser.er  Wichtigkeit  seyn  möchte ,  als  man  ge- 
wöhnlieh denkt,  da  eine  unglaubliche  Menge  dersel- 
ben täglich  verbraucht  wird.  Das  Pabriksprodukten- 
Kabinet  besitzt  auch  hiervon  zahlreiche  Muster,  durch, 
deren  Ansicht  man  sich  (wenn  es  erst  noch  nöthig 
wäre)  von  der  Vollkommenheit  dieses  unbedeutena 
scheinenden  Fabrikates  überzeugen  könnte.  —  Greise 
Aufmerksamkeit  verdient  ein  in  der  neuesten  Zeit  ge- 


57 

mtchter  Versuch^  der  (hKin  abzweckt ^  die  Kopfe 
aus  einer  eigenen  MetaU  -  Zusammensetzung  zu  giea- 
sen.  .  Dals  dadurch  die  Verfertigung  der  Stecknadeln 
weit  einfacher  gemacht,  und  in  kürzerer  Zeit  be- 
werkstelliget werden  könne ^  sieht  jeder  ein^  dem 
das  gewöhnliche  Verfahren  beim  Anköpfen  bekannt  ist« 
In  Aachen  besitzt  dermahlen  ein  gewisser  ilf/^eo/t  eine 
solche  Stecknadel -Fabrik^  die  taglich  eine  unee- 
heore  Menge  Nadeln  «erzeugt^  über  deren  Manipuia- 
üons-'Art  beim  Giefsen  aber  noch  wenig  bekannt 
isL  Durch  die  allerböchste  Gnade  Sr.  Majestät  des 
Kaisers  erhielt  das  Fabriksprodukten  -  Kabinet  ein 
Sortiment  solcher  Stecknadeln  aus  Migeoris  Fabrik, 
die  ¥rirklich  ein  sehr  schönes  Ansehen  haben  ^  und 
sich,  da  sie  verzinnt  sind,  von  den  gewöhnlichen 
nidii  unterscheiden  lassen«  Hr.  Professor  Altmütter 
bat  sich  viele  Muhe  gegeben,  ein  anpassendes  Ver- 
fibrea  fiir  das  Giefsen  der  Nadelköpfe  auszudenken, 
und  hat  schon  vor  einiger  Zeit  eine  Form  zu  diesem 
Zwe^e  für  die  mit  dem  Fabriksprodukten  -  Kabi* 
Jieice  verbundene  WerkzeugsammiuDg  verfertigen 
lusen,  die  mit  allen  Nebentheilen  ganz  nach  seiner 
eigenen  Erfindung  und  Angabe  ausgeführt  ist.  Übri- 
gens hat  noch  kein  inländischer  Fabrikant  die  Ver* 
üertigung  der  Stecknadeln  mit  angegossenen  Köpfen 
versucht,  ungeachtet  dieselbe  ohne  Zweifel  eine  he* 
deutende  Kostenejrsparimg  bewirken  könnte« 

aa.  Von  jenen  Fabrikaten,  welche  blofs  aus 
Drath  erzeugt  werden,  berühren  wir  hier  noch  die 
eisernen  und  messingenen  Bandketten  des  Eustach 
Seider  in  FFien,  welche  der  genannte  Erzeuger  dem 
Kabinette  zum  Geschenke  gemacht  hat.  Diese  Ket- 
ten, ursprünglich  eine  Erfmdung  des  berühmten 
französischen  Mechanikers  f^aucanson,  verfertigte 
man  bis  jetzt  entweder  mit  einer  von'  dem  Letztem 
sn  diesem  Behuf e  angegebenen  Maschine ,  -  oder  aber 
mit  HiUfe  weniger  Werkzeuge  aus  freier  Hand«    Dafs 


58  . 

k 

besonders  das  eben  genanifte  Verfahren  aufserordent* 
lieb  zeitraubend  und  mühsam  >sejn  müsse  ^  unterliegt 
keinem  Zweifel  mehr^  wenn  man  die  Gestalt  der 
Kettenglieder  aufmerksam  untersucht  hat.  Schon  vor 
mehreren  Jahren  hat  man  in  einigen  österreichischea 
Fabriken  versucht^  sich  der  Bandketten  zu  bedienen; 
allein  man  war  bald  gezwungen^  dieses  Vorhaben 
wieder  aufsugeben,  da  die  Verfertigung  derselben 
aus  freier  Hand  zu  kostbar  gewesen  seyn  würde^  und 
die  erzeugten  Ketten  doch  keine  grofse  Genauigkeit 
besitzen  konnten.  Gegenwärtig  hat  der  schon  ge«' 
nannte  Schlosser  Eustach  Seider  ein  Paar  Maschi^ 
nen  erfunden  und  selbst  gebaut,  mittelst  welchen  er 
die  F^aucansorCsfAiAXi  Ketten  von  allen  Dimensionen 
und  mit  der  gröfsten  Gleichförmigkeit  gearbeitet^  zu 
liefern  in  den  Stand  gesetzt  ist.  Die  Zwecke,  zu 
welchen  diese  Art  Ketten  verwendet  werden  können^ 
sind  sehr  zahlreich.  Man  wird  sich  ihrer  mit  Vor- 
theil  überall  bedienen ,  wo  man  sonst  Schnüre  oder 
Seile  oder  gewöhnliche  Ketten  anzuwenden  gezv^un- 
gen  war^  also  bei  Schleifsteinen ,  Spinn -und  Kratz-* 
maschioen,  Drehbänken,  Bratenwendern;  ferner 
zum  Aufziehen  von  Lasten,  Ur  s.  w.  Zu  allen  diesen 
Bestimmungen  eignen  sie  sich  vorzüglich  defswegen, 
weil  sie  nicht  nur  eine  aufserordcntliche  Festigkeit 
besitzen,  sondern  sich  auch  weder  drehen  noch  zie-» 
hen  können ,  und  wegen  ihrer  bandförmigen  Gestalt 
leicht  um  ein  Rad  oder  eine  W^Ue  gewickelt  wer- 
den können,  -^ 

^3.  Eine  der  .interessanteren  Abtheilungen  des 
Fabriksprodukten* Kabinettes  macht  die  bedeutende 
Sammlung  von  Schlössern  aus,  welche  thcils  von 
den  Verfertigern  Eingesendet,  theils  auf  Kosten  des 
jährlich  festgesetzten  Verlagsgeldes  angeschafft  wor- 
den sind.  Sowohl  gemeine,  als  sogenannte  Vexier- 
und  Sicherheitsschlösser  finden  sich  hier  in  grofser 
Anzahl,   und  meistentheils  mit   vorzüglichem  Fleifs 


59 

gearbeitet.     Mehrere   Schlosser  ^  deren    Einrichtung 
eine  grofse  Sicherheit  verspricht  ^  und  die  daher  einer 
ftUgemeincren  Verbreitung  werth  zu   scyn  schienen^ 
sind  nach  englischen  Zeichnungen  von  hiesigen  Ar- 
beitern verfertigt;  und  im  Kabinette  aufgestellt  wor- 
den; von  andern  Arten  findet  man  hier  auch  englische 
oder  französische  Originale^    die^    da  sie  zürn  Theil 
wenig  bekannt  sind^    zur  Nachahmung  Gelegenheit 
geben«     Vorzügliche  Erwähnung  verdienen  die  soge- 
nannten    Bramah*schen     Patentschlösser    *)     die 
durch  Veranlassung  des  Herrn  Professors  Altmütter 
gegenwärtig  in  Wien  schon  auf  Bestellung  zu  haben 
sind.     Merkwürdig  ist  ein  grofses  Thorschlofs^    des- 
sen Einrichtung  zwar  auf  BramaKs  Princip  gegrün- 
det ist^    welches  sich   aber  von   flen  gewöhnlichen 
Patentschlössern  dadurch  unterscheidet  ^   dafs  es  von 
beiden  Seiten  gesperrt  werden  kann.     Die  Leichtig- 
keit,   mit   welcher   das  OShen  und  Sperren  dieses 
Schlosses ;  ungeachtet  der  geringen  Gröfse  des  kaum 
I  Zoll  langen  Schlüssels^   vor  sich  geht^    erregt  bil- 
1^  Erstaunen.  Der  Verfertiger  davon  ist  Hr.  Georg 
Schuster,    Werkmeister  im   k.   k.    polytechnischen 
lastitute,  ein  überaus  geschickter  Arbeiter.     Ferner 
müssen  die  von  Herrn  Professor  CrwelU  in  Mailandy 
10  wie  von  den  Engländern  Mallet,  Strutt  und  So- 
nerford   erfundenen  Sicherheitsschlösser  mit    Aus- 
leichnung  genannt  werden  ^).    Als  ein  wahres  Kunst- 
werk berühren  wir  zum  Schlüsse  ein  grofses^  von  dem 
Schlosser  Adam  Graf  in  Ischl  (Österreich,  Trann- 
kreis) eingeschicktes  Vorlegschlofs ,  an  welchem  die 
Schärfe  und  Reinheit  des  Feilstriches ,    der  Politur,' 
und  überhaupt  der  ganzen  Ausführung,    den  vollen- 
deten Meister  beurkunden ,  so  wie  dieses  Schlofs  durch 
seine  vielen  Vorzüge  überhaupt  zu  einem  der  aller- 
schätzbarsten   Stücke  des  Kabinettes  gestämpelt  ist. 

>)   Jahrbücher  des  k.  k.  polyt.  Instit.  Bd*  I.  S.  3 14* 

«)  Diese  Jahrb.  Bd.  I.  S.  299 ,  nnd  Bd.  III.  S.  466. ,  ifi^ 


6o 

Unter  den  andei-weitigen  hier  aufgestellten  ScUosser- 
arbeiten  verdient  vorzüglich  ein  schön  gearbeiteter 
Glaser  -  Bleizug  (ModeU)  von  Michael  Holzer,  zu 
Saaljelden  im  Salzburgs,  und  einige  aus  Eisenblech 
getriebene  Verzierungen^  (nahmenüich  eine  grofse 
Rose^  u.  dgl.)  von  Joseph  Stockinßer  in  fFien,  er^ 
wähnt  zu  v^erdcn. 

4 

2i4*  Das  National  *  Fabriksprodukten  -  Kabinet  besitzt 
eine  vollständige  Sammlung  der  bei  der  k.  k,  Armee 
üblichen  Gewehrgattungen,  die  mit  einer  Präcision 
gearbeitet  sind,  welche  wirklich  kaum  etwas  zu  wün« 
sehen  übrig  läfst.  Die  Verfertigung  der  einzelnen 
Theile  dieser  Waffen,  z.  B.  der  Flintenläufe,  j^t- 
schiebt  von  zerstreuten  Meistern,  die  Zusammen- 
Setzung  derselben,  und  die  Vollendung  des  Ganzen 
wird  in  besondern,  Gewehrfabriken,  die  das  Aera- 
Tium  auf  eigene  Kosten  betreibt,  vorgenommen.  Aus« 
«er  den  Feuergewehren  für  die  Infanterie ,  den  Kara« 
binern  und  Pistolen  für  die  Kavallerie ,  und  den  ge- 
zogenen Gewehren  für  die  Jäger- Corps,  befindet 
sich  in  dieser  Sammlung  eine  sogenannte  JCeil*  FFind" 
büchse  von  der  Erfindung  des  Mechanikers  Girar^ 
donif  aus  welcher  zwanzig  Schüsse  gemacht  werden 
können,  ohne  dafs  eine  neue  Ladung  nöthig  vrird. 
Dieser  Zweck  wird  durch  ein  besonderes  Kugelma- 
gazin  erreicht,  welches  sich  zur  Seite  des  gezogenen 
Laufes  befindet,  und  aus  dem  vor  jedem  Scbusse 
durch  einen  blofsen  Druck  eine  Kugel  ohne  Zeitver- 
lust in  den  Lauf  gebracht  wird.  —  Unter  den  Privat- 
Gewehrfabrikanten  hat  Johann  Schaschi,  zu  Ferlach 
in  Kärnthen,  dessen  Erzeugnisse  schon  lange  be- 
rühmt und  geliebt  sind,  dem  Fabriksprodukten -Ka- 
binette mehrere  sehr  schön  gearbeitete  Feuergewehrei 
und  darunter  einige,  die  mit  sogenalm'ten  Drath- 
laufen  versehen  sind ,  eingeschickt. 

Der  Aehnlichkeit  des  Zweckes  wegen  f 


6k 

nun  hier  noch  der  Säbel  -  und  Degenklingen  ^  wo- 
ton  das  Fabriksprodakten- Kabinet  ebenfalls  eine  nicht 
unbedeutende  Sammlung  besiut.  Es  befinden  sich 
dininter ,  aufser  den  fiir  das  k.  k.  Militär  bestimmten 
Säbehi^  eine  echt  türkische  damascirte  Säbelklinge^ 
8o  wiQr.mehrere  Klingen  aus  der  schon  lange  Zeit  be- 
rühmten Fabrik  zu  Solingen  j  im  kÖnigl.  preufstschen 
Regierungsbezirk  Düsseldorf,  welche  Se.  k.  k.  Ma-^ 
jestät  dem  Kabinette  allergnädigst  zum  Geschenk  ge^ 
nucht  hau  Höchst  schätzuar  ist  besonders  auch  eine 
Sammlung  damascirter  Klingen^  die  nach  einer ^  ton 
Hm.  Professor  j4.  Crwelli  fn  Mailand  erfundenen^ 
aoiserordentlich  sinnreichen  Methode  verfertiget  ^  und 
den  türkischen  vollkommen  ähnlich  sind.  Herr  Cri^ 
vettf  hat  das  beste  Verfahren^  solche  Klingen  zu  ver* 
fertigen  ^  bereits  bekannt  gemacht  ^)y  daher  wir  uns 
einer  Auseinandersetzung  desselben  enthalten.  Nur 
so  viel  oiufs  bemerkt  werden ,  dafs  die  Zeichnungen 
»(den Säbeln  aufserordentlich  mannigfaltig,  von  sehr 
venciiiedener  Gröfse,  durchaus  aber  von  ungemeiner 
Sdböiiheit  sind* 

35«  Tiie  ieinBvexi  Stahlwaaren y  wozu  hier,  aus- 
ser den  verschiedenen  aus  Stahl  verfertigten  Luxus- 
Waaren  ,  auch  alle  bessern  Schneid  waaren  gerechnet 
Verden ,  bilden  eine  Klasse  vott"  Fabrikaten ,  deren 
Verfertigung  sich  in  der  östen*eichischen  Monarchie 
sdt  wenigen  Jahren  auf  eine  sehr  hohe  Stufe  der  Voll- 
kommenheit gehoben  bat.  Dazu  hat  nun  die  Verbes- 
lernng  un4  Verbreitung  der  Stahlbereitung  offenbar 
das  meiste  beigetragen,  obschon  auch  manche  andere 
Umstände  mit  Ursache  gewesen  sind,  dafs  die  Vor- 
fiebe  für  englische  Stahlwaaren  nach  und  nach  fast 
bis  zam  blofsen  Vorurtheil  herabgesunken  ist.  Durch 
die  Betrachtung  der  vielen  im  National -Fabrikspro- 
dulten- Kabinette    aufgestelltea    Stahlwaaren,     und 


*)  S.  den  IIL  Bd.  dieser  Jahrbücher,  u;il  den  gegenwartigen« 


di^Fch  deren  Vergleichung  mit  englischen  Produkten 
kann  man  sich  von  dem  Gesagten.. die    vollste  Üljer- 
Beugung  verschaffen^     Es  fallt   schwer^    von   jenen 
jb^/ssern  Fabriken^  welche  Muster  ihrer  Erzeugnisse 
eingeschickt  haben ^   eine  der  andern  nachzusetzen;' 
naan  wird  sich  daher  begnü.geo^  von  den  vorzüglich- 
sten nur  etwas  mehr  als  die  Nahmen  anzuführen.  — : 
Eine  der  ausgezeichnetsten  ist  die  des  Herrn  Ignaz 
Sign  RöslePx  zu  Nixdorf  in  Böhmen    (Leitmeritzer 
Kreis.),   deren  Messet^    Scheren    und  andere  feine, 
in  jeuglisdbem  und  französischem  Geschmack  gearbei- 
tete Stahl waaren  von  grofser  Schönheit^   und    selbst 
in  den  Nebentheilen  mit  aller  Genauigkeit  ausgeführt 
i^ind*  I  Pie  Rasirm^sser  dieser  Fabrik  werden  von  den 
ep^lischen  weder  an.  Politur  nock  an  Güte    des  Ma- 
terials .übertro^en#  -^   £ben  so  vorzüglich  und  .von 
nicht  minderer  Schönheit  sind  die  Kasirmesser .   chi- 
rurgischen  Instrumente  u.  s«  w«  des  Michael  Beitider 
in  ßaden   (Österreich).   —     Anton   Heindl^  :,-^^" 
dolph  Riedler  und  Leopold  Doppler  in    Stejrer, 
(Österreich^  Traunkreis),  haben  aem  Kabinette  vor- 
trefflich gearbeitete  Schneidwaaren  übergeben.    £i- 
pige  sehr  schön  gearbeitete,  Stücke  ^,  worunter  sich 
ein  nach  englischer  Art  verfertigter  Federschneider 
und  Feder aÜxüpfer^  dann  ein  künstlich  eingerichte-^ 
ter  Korkzieher  befindet,  besitzt  dasselbe  voii  /?om£- 
nik^JBauer  in  PFien,  einem  aufserordentlich  gesckick- 
tj^p  Arhditery  d.9^  .ynter  andcri;i  auch  fiir  die  niit  dein 
Fabriksprodukten -Kabinette  verbundene  Werkzeue- 
san^folung    einen    künstlichen   Schraubstock '  yerfer- 
tigte^    der  ohne    Zweifel    zu    den  merkwürdigsten 
Stücken    dieser  *  Art>  die  je  gemacht  worden  sind^ 
gehört*       Verschiedene    andere   Artikel    aus   Stalil, 
9ls . Lijchtscheren ,    Näbklssenj   Korkzieher  u.  s.   w,, 
sind    von  Seite  der  (P.   T.)  gräflich   von    2^^w^*/^v 
achen  StahlwaarenKaorik  bei  Alagenjfurth  in  Kdrn^ 
then,  und  von  Michael  Pfurtsdheuer   zu  Fulpmcs 
in  Tirol  eingegangen }  vieler  ander eä  Fabriken  nicl^t 


63 

za  gedenlen  >  die  Wir  blofs  Mangels  an  Raum  t^egen 
hier  übergehen  müssen^  und  von  denen  besonders 
eine  grofse  Anzahl  zu  Steter  im  österreichischen 
Traunkreisc  ihren  Sitz  hat.  Wir  erwähnen  zum 
Schiasse  noch  einiger  im  Kabinette  befmdlichen  eng»- 
lischen  Stahlwaaren y  die  mit  Nutzen  zur  Verglei- 
chan«;  den  inländischen  an  die  Scite-gestellt  wurden. 
Ein  Rasirmesser  von  TVootz ,  ein  schönes  achiklingi*- 
ges  Federmesser,  eine  aus  Gufsstahl  verfertigte  Blu^ 
menschere^  einige  Korkzieher^  verdienen  darunter 
in  Absicht  auf  ihre  schöne  Ausarbeitung  vieles  Lob; 
dagegen  andere  Stücke,  z.  B.  ein  gewöhnliclier  Fe-^ 
derschneider,  den  hohen  Begriffen ,  die  wir  Festlän-^ 
der  von  den  brittischen  Waaren  zu  haben  gewohnt 
nndj  ganz  und  gar  nicht  entsprechen. 

26.  Einen  nicht  unwichtigen  Zweig  der  MetalU 
Verarbeitung  bilden  endlich  auch  die  metallenen  Ktei*- 
dierknopfe.  Das  Fabriksprodukten -Kabinet  besitzt 
solche  Knöpfe  von  den  verschiedensten  Arten  ^  so^ 
wo&Jganz  ordinäre,  die  zum  Gebrauch  des  Landvolk 
iesaas  Zinn  oder  einer  weifsen  Metall -Legirung  ge« 

Eilen  werden,  als  ganz  feine,  die -aus  plattirtem 
pferblech  verfertigt,  zum  Theil  auch  versilbert 
oder  ▼crgoldet  werden.  Der  Gebrauch  der  Metall^ 
bopfe  hat  in  der  neuern  Zeit  bekanntlich  sehr  ab- 
RDommen ,  wenir];stens  hat  man  aufgehört ,  so  viel 
ormf  zu  verwenden,  als  dieses  früher  der  Fall  Vfstrl 
tUier  ist  denn  auch  die  Erzeugung  dieses  Fabrikates 
MUt  von  minderer  Wichtigkeit ,  obwohl  noch  viele 
Fabriken  daran  Beschäftigung  finden.  Nahmentlieh 
tnstiren  mehrere  dieser  letztern  in  TVieiiy  deren 
Produkte  alle  Forderimgen  des  Kenners  hinreichend 
Lelriedigen.  Gottfried  JVilda  ^und  Johann  Ltber^ 
)eide  in  Wien,  haben  dem  Kabinette  Muster  von 
Hetanknöpfen  übergeben,  die  sowohl  wegen  der 
Schönheit  der  Plattirung  und  Vergoldung,  als  in  Hin- 
nebt  auf  alle  iibrigen  Eigenschaften  volle»  Lob  ▼er-' 
&nen.  . 


64 

97'  Haben  wir  bis  jeut  von  den  im  Fabrikspro- 
dukten- Kabinette  befindlichen  Metall waaren  dasNö-* 
thigste  ausgehoben ,  so  gehen  wir  nun  zu  einem  zwar 
minder  wichtigen ,  doch  aber  noch  höchst  bedeuten«- 
den  Industriezweig  über^nähmlich  zu  denGlaswaaren m 

So  leicht  es  überhaupt  ist^  Glas  zu  machen ,  so 
Ungeheuren  Schwierigkeiten  unterliegt  die  Verferti- 
gung eines  von  allen  Un Vollkommenheiten  freien  Gla« 
sei.    Der  Umstände  >  welche  auf  die  physischen  und 
chemischen  Eigenschaften  dieses  unschätzbaren  Kunst«- 
Produktes  Einflufs  haben ,  gibt  es  so  mancherlei^  dais 
«s  jederzeit  Air  ein  nicht  geringes  Verdienst  einer 
Fabrik  angesehen  werden  mufs,  wenn  dieselbe  ihr 
Erzeugnifs  siöglicbst  zu  vervollkommnen  bestrebt  ist. 
Lange  Zeit  schon  sind  in  dieser  Rücksicht  die  Glas- 
fabriken  des  österreichischen  Staates  ^   nahmentlich 
die  in  Böhmen,   auf  das   Vortheilhafteste  bekannt. 
Eine  vollkommene  Farbenlosigkeit  und  Durchsichtig- 
keit^ vereinigt  mit  den    geschmackvollsten   Formea 
und  Verzierungen,  sichern  den  bessern  böhmischen 
jGläsern   den  Rang  vor  allen  übrigen ,  selbst  vor  den 
englischen.    Die  letztern  haben  die  Unbequemlichkeit 
einer  grofsen  Schwere,  die  in  dem  bedeutenden  Ge- 
balt an  Bleioxyd  ihren  Grund  hat.     Dieser   Zusatz^ 
der  zwar  das  Schmelzen  des  Glfises  erleichtert,  gibt 
ihm.  aber  zugleich  auch  einen  oft  sehr  menklichea 
Stich  in  das  Gelbliche,  und  vermindert  seine  Härte 
dergestalt,  dafs  die  Politur,   sie  mag  anfänglich  wies 
schön  immer  seyn ,  sich  bald  abnützt.  Freilich  haben 
in  der  letzten  Zeit  auch  einige  böhmische   Fabriken 
angefangen,  Bleiglas  zu  verfertigen;   aber  so  allge- 
mein, wie  in  England,   ist  dieser  Gebrauch  docb 
nicht. .   Von  der  Vorzüglichkeit  der  inländischen  Glas- 
waaren  gibt  zwar  schon  die  Ansicht  einer  einzigen 
Niederlage  einen  beiläufigen  Begriff*;    um    wie   viel 
deutlicher  mufs  dieser  aber  werden ,  wenn  man  Ge-^ 
legenheit  hat,  das  Beste,  wasi  det  Kunstfleifs  so  vieler 


«5 

Erseoger  geleistet,  auf  einem  Punkte  vereinigt  zu  se-> 
hen !  Uas  Letztere  ist  der  Fall  im  National  -  Fabrika* 
Produkten  -  Kabinette.  Von  den  ordinärsten  und  von 
den  feinsten  Gläsern  finden  sich  hier  zahlreiche  Mu- 
ster aufgestellt,  und  wenn  man  ja  die  Behauptung 
wagen  darf,  die  Glasfabrikation  habe  ihre  VoUkom- 
menheit  erreicht,  so  läfst  sie  sich  doch  am  sichersten 
aus  der  Vergleichung  der  schönen  Stücke  mit  den 
schönsten  ableiten !  ?  — 

Die  Beschränktheit  des  Raumes  erlaubt  hier  nur 
die  vorzüglichsten  Fabriken  zu   nennen,   deren  voll--, 
endete  Produkte  das  Kabinet  zieren.     Zu  diesen  ge- 
bort vorerst  die  gräflich  Johann  von  Harrach'sche 
Glasfabrik    zu  Neueweit  in  Böhmen,  auf  der  Herr- 
schaft Siarkenbaqh  (Bidczower  Kreis),    deren  Pro- 
diikie  einen   hohen   Grad   der   Vollendung    zeigen. 
Schönheit  der  Masse  und  Zierlichkeit  des  Schnittes 
zeidmen  alle   Muster    der      weifsen     Gläser    sehr 
vortbeil&aft  aus.     Unter  den  einzelnen  Stücken  wol- 
len^ wfr  nur  eine  grofse  (26  Zoll  hohe),  nach  englischer 
Art  geschliffene   Vase,  eine  ovale  Fruchtschale  mit 
dem  feinsten  Silberschliff,  ein  Paar  brillantirte  Tafel- 
leachter, endlich  ein  vollständiges  ,  aus  i53  Stücken 
bestehendes  Tafelservice,  nebst  Dessert- und  Punsch- 
anfsatz  erwähnen.     Auch  'Proben  von  gefärbten  Glä- 
iera  aus  dieser  Fabrik  findet  man  hier  aufgestellt ;  als 
eisen  meergrünen  und  einen  himmelblauen  Blumen- 
topf, eine  schwarze  Zuckerbüchse  mit  Schnittverzie- 
rong,   deren  feinste  Züge,  wie  es  scheint,  mit  dem 
Diamant  hervorgebracht  sind,  einige  Teller,  ein  Un- 
tersatz aus  Beinglas,  u.  s.  w.  Mehrere  dieser  Stücke 
sind  mattgeschliffen ,  und  fast  alle  mit  goldenen  Strei- 
fen und  Bordüren  auf  das  Geschmackvollste   verziert. 
Die  graflich  Harrach^sdiG  Fabrik  ist  bisher  im  In- 
lande   die  einzige ,    welche  die    in  Frankreich  ge- 
bräuchliche Incrustation  von  Figuren  u.  dergl.  in  Glas 
versucht,    und  mit  Beihülfe    des  Professors  Herrn 

tAxh.  4.  polju  Ust,  lY.  Bf}.  5 


66 

G.  jiltmüUer  glücklich  ausgeführt  hat.  Em  im 
Kabinette  befindliches  Muster  dieser  schönen  Arbeit 
läfst  recht  sehr  wünschen,  dafs  dieselbe  allgemeiner 
verbreitet,  und  zu  verschiedenen  Zwecken  angewen- 
det werden  möge. 

Der  (Tit.)  Herr  Graf  von  Bucquojr,  als  Eigen- 
thümer  der  Georgcnthaler  und  Silberberger  Glashüt- 
ten bei  Gr atzen  im  Bud weiser  Kreise  Böhmens,  hat 
dem  Kabinette   eine  sehr  schätzbare  Sammlung  von 
Glaswaaren  zum   Geschenke  gemacht.     Es  befindet 
sich  darunter  oine  grofse,    von  dem  Glasmeister  «Tb- 
seph  Mejrr  verfertigte  Vase,   die  sowohl  dcurch  die 
Weifse  der  Masse,  als  durch  den  schönen  Schnitt, 
die  Bewunderung  aller  Kenner  erregt.    Noch  vorzüg- 
licher sind  zwei    Weinbouteillen   und  eine  kleinere 
Vase ,  an  denen  nicht  die  geringste  Spur  einer  Farbe 
zu  bemerken  ist,  und  welche  in  dieser  Rücksicht  bei- 
nahe  alle   im  Kabinette    befindlichen^    und   yrahr- 
scheinlich  auch  alle  lemahls  Verfertigten  Glaswaaren 
übertreffen.  —  Auf  aer  Georgenthaler  Glashütte  wcr- 
den-s^eit  einigen  Jahren  verschiedene  Gegenstände  aus 
einer  schwarzen,  glasartigen  Masse  verfertigt,  welche 
so  vortrefilich  sind,    dafs  sie  alle  frühem  Versuche 
der  Art  weit  hinter   sich   lassen.     Auf  die  Verferti* 
gung  dieses  Erzeugnisses,    welches  unter  dem  Nah- 
men Hjralith  scbon  angefangen  hat,  ein  sehr  beUeb- 
ter  Artikel  zu  werden ,  hat  der  Herr  Graf  von  Buc- 
ijuoy  im  Jahre  1830  «(in  ausschliefsendes  Privilegium 
erhalten.   Das  Fabriksprodukten-  Kabinet  besitzt  auch 
davon  mehrere  Muster ,  deren  ausgezeichnete  Schön« 
hcit  Bewunderung  verdient,  und  worunter  man  be- 
sonders eine  zwölfeckige,    37  Zoll  im  Durchmesser 
haltende,  ganz  blasenfreie  und  herrlich  poUrte  Tisclv- 
pfatte,  ferner  eine  kleinere  ovale  Platte,  die  jener  an 
Schönheit  nichts  nachgibt ,    einen  schönen  Stöpsel- 
krug,  und  mehrere  kleinere  Stücke  bemerkt.     Malt 
geschliffen   gleichen  solche  Gegenstände  im  äufsern 


6? 

Ansehen  dem  schwarzen  Wedgwood^   oder  fein  ge- 
schwärztem   Gufseisen.     Wer    die  Schwierigkeiten 
kennt,     die  sich    der  Erzeugung   eines  vollkommen 
schwarzen  Glases  entgegen  setzen ,  wird  mit  Vergnü- 
gen hemerken ,  dafs  der  Herr  Graf  von  Bucquor  sei- 
nen   friihern    Verdiensten   um    die    Glasfabrikation 
durch  die  Erfindung  des  Hyaliths  die  Krone  aufge- 
setzt hat.     Ein  glücklicher  Gedanke  war  es,  die  aus 
Hyalith  verfertigten  Geschirre    zu  vergolden.     Von 
dem  prächtigen  Anblicke ,  der  dadurch  entsieht,  lie- 
fert eine  dem  Kabinet  übergebene   Schale   den  gül- 
tigsten Beweis.     In  der  letztern  Zeit  hat  man  auf  der 
Georgenthaler  Hütte  auch  angefangen,  dem  Hyalith 
verschiedene  andere  Farben  zu  geben,  wovon  einige 
im  Kabinette  befindliche    Musterstücke  den  Beweis 
liefern.     Eine  rothbraune,  höchst  regelmäßig  mar- 
morirte  Potpourri -Vase  >  ein  rothes  Blumeogeschirr 
u.  s.w.,  welche  man  hierunter  bemeikt,  lassen  nicht 
den  geringsten  V^unsch  in  Absicht  auf  Schönheit  der 
Farben,  der  Formen,   des  Schliffes  unerfüllt« 

Von  den  Herren  Zieh  (Vater  und  Sohn)  zu  Jo* 
achimsthal  in  Oesterreich  (V.  O.  M.  B.)  besitzt 
das  Kabinet  Muster  des  vortrefHichsten  Krystallgla- 
tes ,  und  nahmentlich  zwei  Teller  aus  Bleiglas  von 
ganz  besonderer  Schönheit.  Diese  Fabrikanten  haben 
auf  Veranlassung'  Sr.  Excellenz  des  Staatsministers 
Herrn  Grafen  von  Säur  au  y  zuerst  den  in  England 
erfundenen  so  genannten  Silberschnitt  >  der  sich  vor* 
zugllch  auf  flachen  Gegenständen  ausnimmt,  beim 
Schleifen  der  Gläser  angewendet.  Ein  von  ihnen  ver- 
fertigtes, und  von  Sr.  Majestät  dem  Kaiser  dem  Ka- 
binette geschenktes  Trinkglas  ist,  in  Rücksicht  des 
Schnittes,  nicht  nur  das  schönste  Stück  in  der  gan- 
zen Sammlung^  sondern  gewifs  auch  eines  der  schön- 
sten y  die  je  gemacht  worden  sind.  Man  bewundert 
daran ,  aufser  vielen  andern  Verzierungen,  4^e  zierli- 
chen und  geschmackvollen  Schriftzüge  des  Nahmens 


68 

vFranz*,  ,vf eiche  wenigstens  eine  Linie  hoch  über 
die  Fläche. des  Glases  hervor  stehen^  und  nicht  im 
mindesten  jene.  Härte  zeigen ,  die  oft  selbst  an  den 
schönsten  geschnittenen  Glaswaaren  so  merklich  ist. 
Dem  Vernehmen  nach  hat  das  Schleifen  dieses  einzi- 

fen  Stückes  dem  geschickten  Yerfertiger  beinahe  ein 
ahr  Zeit  gekostet^  worüber  man  sich  nicht  wundern 
wird^  wenn  man  die  dabei  zu  überwinden  gewese- 
nen Schwierigkeiten  mit  der  Leistung  des  Künstlers 
zusammen  stellt. 

Eine  Zierde  des  Kabinettes  ist  ein  ^ofser^  aus 
8  Servicen  bestehender^  und  66  einzelne  Stücke  ent- 
[  haltender  Glasaufsatz,  welchen  die  privilegirte  Glas- 
handlungsgcsellschaft  zu  Blottendorf  in  Böhmen 
(Leitmeritzer  Kreis)  eingeschickt  hat.  £r  zeichnet 
sich  zwar  weniger  durch  vollkommene  Farbenlosig- 
keit  der  Masse;  als  durch  den  schönen  Schnitt  aus, 
ist  aber  demungeachtet  ein  nicht  unbedeutendes 
Kunstwerk. 

Unter  den  gröfsern  Glasarbeiten  sind  zwei  Vasen 
aus  Beinglas  von  ungewöhnlichen  Dimensionen  (stG 
Zoll  Höhe)  und  sehr  schlanken  geschmackvollen  For- 
men, welche  Michael  Adler  y  zu  Laukau  ia  Böhmen 
(Czaslauer  Kreis),  eingeschickt  hat,  einer  besonders 
lobenden  Erwähnung  werth.  Sier  fallen  durch  das 
erhaben  vergoldete  Laub  werk  auf  dem  weifsen  Grunde 
prächtig  ii)  das  Auge. 

Von  den  übrjgen  Glasfabrikanten,  deren  Erzeug- 
nisse sich  im  Kabinette  befinden,  nennen  wir  vor- 
zugsweise noch  folgende : 

M.  A.  Binnert  und  Florian  Kittel ^   zu  Ulrichsthal 
in  Böhmen  (Leitmeritzer  E^reis), 

haben  mehrere  Muster  von  geschnittenem  Krystall- 
glas  zur  Aulstellung  überliefert.    Darunter  ist  beson- 


Ö9 

den  ein  Trinkglas  bemerkenswerth  9  welches  mit 
einer  mythologischen  Vorstellung  von  ungewöhnlich 
reiner  und  richtiger  Zeichnung  verziert  ist. 

Fr.  Egermann,  zu  Bhttendorf  in  Böhmen   (Leit- 

meritzcr  Kreis). 

Glasmnster  mit  eingebrannten  gelben  Figuren^ 
worunter  sich  eine  matt  geschliffene  Zuckerbüchse 
und  ein  geschnittener  Pokal  vorzüglich  auszeichnen. 
Egermann  war  einer  der  ersten^  welche  diese 
schöne,  und  vor  kurzem  noch  viel  besprochene  Farbe 
(zu  deren  Hervorbringung  mittelst  Hornsilber  sich 
übrigens  schon  in  Kunkels  Glasmacherkunst  eine  Vor- 
schrift findet)  auf  Glas  angewendet  haben, 

Freiherr  von  Hackeinberg  ^  zu  Hirschenstein  in 

Österreich  (V.  O.  M.  B  ). 

Em   grofser^  runder  Glassturz^   nach  einer  von 
Heam  Jockei  (in  Pf^ien)  erfundenen ,  und  ausschlies- 
scnd  privilegirten  Methode  verfertigt.     Dem  Vorge- 
hen  nach  ist  das  Glas  ohne  Alkali  oder  Salz    über- 
haupt^ sonst  aber  durch  die  gewöhnlichen  Mittel  gc^ 
schmolzen;  wahrscheinlich  mufs  dieser  Ausdruck  so 
verstanden  werden ,  dafs  nicht  das  Alkali  in  der  ge- 
wöhnlichen Gestalt,  sondern  statt  desselben  ein  Al- 
kali enthaltender  Körper  angewendet  vrarde.     Ge- 
genwärtig wird^  so  viel  man  weifs^  dieses  Verfahren 
nicht  mehr  ausgeübt^    ungeachtet    es  sich  vielleicht 
mit  Vortheil  hatte  anwenden  lassen.     Das  vorliegende 
Master  ist^  obwohl  etwas  grünlich^    doch  frei  von 
Blasen^  Streifen  und  ähnlichen  Fehlern. 

Joseph  Hoffmann  ^  zu  Tiechobus  in  Böhmen  (Tar 

horer  Kreis). 

m 

Dieser  Fabrikant  hat  dem  Kabinette  mehrere 
Stacke  von  weifsem  Hohlglas  übergeben^  welche  in 
Riieksicht  sowohl  der  Farbenlosigkeit  als  der  übrigen 
äofsern  Eigenschaften  alles  Lob  verdienen. 


70 

Anton  Franz  Lechner  in  Wien. 

Lusterbestandtheile  von  so  genanntem  ktlnstli-- 
chem  BergkrystalL  Dieses  erst  vor  kurzer  Zeit  von 
Herrn  Lechner  erfundene  Fabrikat  verdient  wirklich, 
einige  Aufmerksamkeit^  falls  man  auch  gestehen 
müfste ;,  dafs  die  pomphaften  Ankündigungen .  dessel- 
ben übertrieben^  und  der  Nähme  nicht  ganz  passend 
seyen.  Die  Eigenheit  desselben  besteht  in  den  vielen 
Sprüngen^  womit  jedes  Stück  durchzogen  ist,  und 
welche  das  durchgehende  Licht  auf  eine  solche  Art 
brechen^  dafs  hierdurch  ein  viel  stärkeres  Farben- 
spiel entsteht^  als  bei  den  gewöhnlichen  Lustern. 
Das  Verfahren  ,  wodurch  Herr  ZecÄTier  diese  Sprünge 
hervorbringt^  ist  nich):  bekannt^  aber  maii  kann  sich 
durch  einen  Verbuch  leicht  überzeugen^  dafs  fedes 
dicke  Glasstück  dadurch ,  dafs  man  e^  erwärmt^  und 
dann  in  kaltes  Wasser  wirft  ^  zu  künstlichem  Berg* 
krystall  wird.  Die  Anwendbarkeit  dieses  letztem 
zu  Lustersteinen  u.  dgl.  unterliegt  nicht  nur  keinem 
Zweifel  y  sondern  hat  sich  durch  die  Erfahrung  auf 
das  Beste  bewährt. 

Johann  Meyr^    zu   Kaltenbach  in  Böhmen  (Pra^ 

chiner  Kreis  );i 

hat  dem  Kabinette  zwei  grofse  Glasstürze  einge- 
sandt, die  wegen  der  Bedeutenheit  ihrer  Dimensio- 
neil merkwürdig  sind.  Einer  derselben  ist  kreisrund, 
hat  3i  Zoll  Höhe  und  i3-J-  Zoll  Weite;  der  andere, 
oval,  ist  etwas  tleiner.  Die  Schwierigkeil  des  Bla- 
sens  und  Abkühlcns  solcher  grofsen  Stücke  ist  es  vor-' 
züglich ,  welche  das  Verdienstliche  bei  ihrer  Verfer- 
tigung  begründet. 

Joseph  Meyr,  Glasfabrikant  zu  Jfdolph,  auf  der  fürst- 
lich Schwarzenbergischen  Herrschaft  Winterberg  in 

Böhmen  (Prachiner  Kreis). , 

Eine  Saladiere  und  ein  Fruchtkorb  mit  Unter- 
satz,  beide  mit  herrlich  ausgeführtem  Silberscbnitt 


7' 

und  zn  den  Meisterwerken  gehörend^  welche  den 
lang  gegründeten  Ruf  Herrn  Alejr^s  immer  mehr  be- 
festigen. 

« 

Raimund  Nowakh,    zu   Langerswald    in   Steier- 
mark^ (Marburger  Kreis). 

Ein  geschnittener  Pokal  aus  schönem  Krystall- 
glas^  und  einige  andere  ähnliche  Stücke^  welche  der 
genannte  Erzeuger  für  das  Fabriksprodukten- Kabinet 
e'mgeschickt  hat^  verdienen  in  Absicht  auf  die  Schön- 
heit der  Masse  und  des  Schnittes  vieles  Lob. 

Das  Fabriksprodukten -Kabinet  besitzt  aufserdem 
Tafelglas  und  ordinäres  Hohlglas  aus  mehr  als  3o  Fa- 
briken.     Als  eines  der  seltensten   Stücke  bemerken 
Vu'  darunter  eine  grofse  geblasene  Glastafel ,  welche 
Tucksichtlich  der  Dimensionen    (54  ^^oU  Länge  ^   35 
Ziott Breite)  wohl  wenige  ihres  Gleichen  haben  wird. 

9 

Gelegenheitlich  verdient  auch  mit  vielem   Lobe 
ein  Sortiment  von  sehr  schön  geschliffenen  Brillen-- 
gläsern  erwähnt  zu  werden ,   welches  Joseph  Selva 
zu  Fenedig.  zur  Aufstellung  eingeschickt  hat. 

28.  Ein  wichtiger  Zweig  der  Glas -Industrie  ist 
die  VcB&rtigung  der  Spiegel,  die  zum  Theil  wie  das 
Tafelglas  geblasen ,'  meist  aber^  besonders  was  die 
grSisem  betrifft^  mit  eigenen  Handgriffen  gegossen 
werden.  Im  österreichischen  Staate  ist  die  Spiegel- 
fabrikation von  nicht  geringer  Bedeutung ;  besonders 
existiren  in  Böhmen  viele  Fabriken  dieser  Art^  de- 
ren Produkte  sehr  geschätzt^  und  weit  verfuhrt 
werden.  Meist  werden  jedoch  nur  kleine  Spie- 
gel^ die  nicht  über  3o  Zoll  hoch  und  20  Zoll 
breit  sind^  erzeugt.  Die  Ursaciie  davon  liegt  so* 
wohl  in  dem  Mangel  an  Absatz  gröfserer  Stücke^ 
als  in  der  Schwierigkeit  sie  zu  verfertigen  ^  weil  Ta- 
feln von  bedeutendem  Dimensionen  nicht  geblasen 
werden  können^   und  der  Gufs  derselben  selten  so 


7^ 

rein  und  fehlerfrei  gerath ,  dafs  man  nicht  gezyrnngen 
wärei  sie  in  mehrere  Theile  zu  zerschneiden.  . 

Das  Fabriksprodukten -Kahinel  besitzt  ^iele  Mu- 
ster sowohl  von  belegtem  als  von  unbelegtem  Spiegel- 
glas, aus  mehreren,  besonders  böhmischen  Fabriken. 

Der  gröfste  dermahjen  im  Kabinette  befindliche 
Spiegel  ist  in  der  k.  k.  Ärarial  -  Fabrik  Neuhaus  un- 
fern PFien  verfertigt.  Seine  Höhe  beträgt  loo,  seine 
Breite  5o  Zoll.  In  Absicht  auf  Reinheit  des  Gusses 
und  Genauigkeit  des  Schlifles  erfüllt  derselbe  jede 
Forderung.  Das  nähmliche  gilt  von  einem  kleineren, 
60  Zoll  hohen  und  3o  Zoll  breiten  Spiegel ,  der  dem 
ersteren  in  keinem  Punkte  nachsteht.  Merkwürdig 
ist  ferner  ein  anderer  Spiegel,  78  Zoll  hoch,  38  Zoll 
breit,  der  zu  Neuhaus  versuchsweise  aus  Glauber- 
glas verfertigt  wurde.  Es  ist  dieses  derselbe ,  dessen 
in  dem  zweiten  Bande  dieser  Jahrbücher,  S.  ai2,  ge- 
dacht wird. 

Ein  34  und  2  a  Zoll  grofser,  geblasener  Spiegel 
aus  der  gräflich  ÄiVi^^'schen  Fabrik  zu  Birgstein  in 
Böhmen  y  der  mit  Fassetten  und  figurirten  Feldern 
sehr  geschmackvoll  verziert  ist,  verdient  aufserdem^ 
der  Reinheit  des  Glases  wegen,  erwähnt  zu  werden. 

Auszuzeichnen  ist  endlich  noch  ein  36  Zoll  ho- 
her, 23  Zoll  breiter  Spiegel,  von  Dominik  Viamin 
in  f^enedifff    welcher  sidi   besonders  dadurch  em- 

Efiehk,  dafs  er,  bei  einer  bewunderungswürdigen 
einheit  und  Helligkeit  des  Glases,  die  Bilder  nicht 
beträchtlich  verzieht,  eine  Eigenschaft,  die  leider 
oft  die  kostbarsten  Stücke  entbehren. 

!29.  Zu  den  bemerkenswerthesten  Mustern  unter 
den  Glaswaaren ,  welche  das  Kabinet  besitzt,  gehö^ 
ren  die  Erzeugnisse  des  geschickten  Glasbläsers,  Glas« 


73 

nnd  Wachsperleii  -  Fabrikanten  Anton  Schwefel  in 
Wien.     Unter  denselben  befindet  sich  ein  Tableau 
mit  vortrefflich  gearbeiteten  y  weifsen  und  gefärbten 
HoUperlen  und  Tropfen  von  den  verschiedensten  For- 
men.   Diese  Artikel^  welche  wohl  selten  in   solcher 
Mamrigfaltigkeit  beisammen    angetroffen ,    oder   von 
einer  und  derselben  Fabrik  verfertigt  werden^    die- 
nen vortrefflich^  die  Geschicklichkeit  und  den  gedie- 
genen Geschmack  des  Künstlers   zu  seigen.     Beson- 
ders merkwürdig  ist  ein  kleines  ^  ganz  aus  gefärbtem 
Schmelzglas    gebildetes  ^     Blumenkörbchen.  ,     Nicht 
minder   schätzbar   sind  die  verschiedenen  physikali- 
schen und  chemischen  Apparate^  von  denen  der  Ein- 
sender alle  Arten  ^     die  sich  vor  der  Schmelzlampe 
verfertigen  lassen  ^  in  bester  Qualität  liefert.     Es  be- 
finden sich  darunter  vortreffliche  fFelter^sche  Röhren 
und  Trichter^  JVtchoIson^sche  und  andere  Aräometer^ 
Thennometer^  Temperamentgläser  ^  ein  Wasserham- 
mer,    ^e   so  genannte  Blut- Zirkulationsmaschine, 
ein Heronsbrunnen ,  eine  Feuerfontäne,   ein  aus  fei- 
nen GJasfäden  bestehender  Reikerbusch,  eine  Sand- 
n&r,  tt.  s.  w.     Erwähnung  verdienen  aufserdem  die 
zum  Gebrauch     in    Seidenzeugfabriken  bestimmten 
Ringe  nnd  Maillons,   so  wie  die  künstlichen  Augen> 
die  alle  mit  vorzüglichem  ^leifse  ausgeführt  sind.  Das 
Ganze  der  von  Herrn  Schwefel  dem  Kabinette  über- 
gebenen  Gegenstände  gewährt  die  erfreuliche  Über- 
seugiing  y  dafs  alle  noch  so  künstlichen  Glasbläserar- 
beiten ^  über  deren  Herbeischaffung  man  oft  genug  in 
Verlegenheit  ist,  von  diesem  talentvollen  und  indu- 
itriosen  Manne  ohne  Anstand  in  der  nöthigen  Yoll- 
konuonenheit  zu  erhalten  seyn  werden.  ~ 

3o.  Unter  die  vollendetsten  Produkte  der  Glas- 
maeherkunst  gehören  ohne  Zweifel  die  so  genannten 
Glasflüsse  oder  unechten  Edelsteine.  Man  kann 
zwar  nicht  läugnen,  dafs  die  Erzeugung  eines  voll- 
koDunen  durchsichtigen  und  ungefärbten  Krysiallgla^ 


74 

ses  eine  der  schwierigsten  Aufgaben  fiir  den  prakii- 
schen  Hyalurgen  sey;  indessen  erfordert  doch  die 
Verfertigung  aer  Glasflüsse,  wenn  dieselben  anders 
ganz  naturgetreue  Nachahmungen  der  Edelsteine  seyn 
sollen,  fast  eben  so  viele  Kunstfertigkeit,  weil  nicht 
nur  die  Grundlage  dieser  Gompositionen  durchaus 
ein  möglichst  ungefärbtes  Krystallglas  seyn  mufs,  son- 
dern weil  auch  sehr  viel  von  der  gehörigen  Auswahl 
und  schicklichen  Vermischung  der  färbenden  Stoffe 
(Metalloxyde)  abhängt. 

Von  jeher  sind  die  Fabriken  in  der  Umgegend 
von  Fenedig,  besonders  zu  Murano,  wegen  der  Er- 
zeugung der  Glasflüsse  berühmt  gewesen,  und  sie 
haben  ihren  vortheilhaften  Ruf  bis  auf  die  gegenwär- 
tige Zeit  so  vollkommen  behauptet,  dafs  nicht  nur 
ihre  Produkte  an  Qualität  keineswegs  abgenommen 
haben,  sondern  dafs  dieselben  auch  an  Schönheit  die 
Erzeugnisse  aller  übrigen  europäischen  Fabriken  über- 
treffen. Diese  Behauptung  wird  jeder  Kenner  bei 
der  Ansicht  der  im  Fabriksprodukten  -  Kabinet  auf- 
gestellten Muster  gerechtfertigt  finden,  wozu  die  Ver- 
gleichung  mit  den  ebenfalls  hier  befindlichen  Proben 
aus  böhmischen  Fabriken  wesentlich  beizutragen  im 
Stande  ist. 

Von  den  Fabrikanten  F.  Francesconi  und  A. 
Barbini  zu  Murano  besitzt  da«  Kabinet  eine  grofse 
Anzahl  massiver  und  hohler,  glatter  und  fassettirler 
Glasperlen,  durchaus  von  den  schönsten  Farben,  und 
zum  Theil  von  sehr  beträchtlicher  Gröfse.  Merk- 
würdig sind  darunter  gewisse  Sorten,  die  auf  der 
Oberfläche  durch  ein  besonderes  Verfahren  bemahlt 
sind.  Dieses  Verfahren  besteht,  der  Hauptsache 
nach  9  in  der  Anwendung  dünner  Stängelchen  aus  sehr 
leichtflüssigem  Glase,  mit  den  auf  die  erhitzten  Per- 
len Züge  gemacht  werden.  Hierbei  schmilzt  das 
Ende  eines  solcheii  Stängelchens,  und  überzieht  so 


75 

das    zu  bemahlende   Stück   mit  einer  dünnen  Lage 
Ton  Email. 

Sehr  anziehend  ist  dem  Kenner  ein  Tabicaü  mit 
Schmnckwaaren  aus  der  Fabrik  des  Herrn  G.  B,  Bar- 
baria  zu  Venedigs    welches  Se.  kaiserliche  Majestät 
dem  Kabinette   zum  Geschenke  gemacht  hat.     Auf 
einem    hölzernen    schwarz    politirten     Gestelle    be- 
findet sich  ein  mit  Perlen  gesticktes  Mittelfelde  um- 
geben von  vier  im  Kreise  gelegten  Perlenschnuren^ 
und  dreifsig  viereckigen  geschlifienen  Plättchen  aus 
sehr  verschieden  gefärbten  Glassorten.  Diese  Stücke 
zeichnen    sich  durch  Lebhaftigkeit  der  Farben,   so 
wie  durch  Reinheit  und  Blasenlosigkeit   der  Masse, 
und  Schönheit   des  Schliffes  vortheilhaft  aus.      Von 
dem  nähmlichen  Erzeuger  sind  hier  auch  zwei  grofsc 
nmde  gläserne  Schalen  aufgestellt,  aus  weifsemBein- 
^as,  und  von  aufscn  mit  einem  purpurrothen  Über- 
zuge bekleidet,  welcher  ihnen  ein  wahrhaft  prächti- 
ges Ansehen  gibt,  besonders  da  das  erwähnte  Roth 
em  seltenes  und  schwer  hervorzubringendes   Feuer 
besitzt. 

In  den  venetianischen  Fabriken,  und  nahmentlich 
tnch  in  der  des  Barbaria^yrerdeti  die  verschiedenen 
Sorten  des  weifsen,  gelben,  schwarzen,  blauen,  u. 
s.  w.  Beinglases  verfertigt,  die  von  den  Emailleurs 
und  Uhrzifferblattmachern  fast  in  ganz  Europa  so  sehr 
gesucht ,  und  in  so  grofscr  Menge  verbraucht  werden. 

Ein  minder  kostbarer,  aber  nichts  desto  weni-? 
gcr  seines  häufigen  Verbrauches  wegen  wichtiger 
Artikel  sind  die  venetianischen  Stickperlen,  von  de- 
nen das  Kabinet  ebenfalls  ein  vollständiges  Sortiment 
(aus  HO  Bünden  bestehend)  aufzuweisen  hat. 

Endlich  erwähnen  wir  einer  Sammlung  von  Glas- 
pasten, welche  von  den  Zöglingen  der  Mosaikschule 


ia  Mailand  verfertigt  ^  und  dem  Kabinette  einge- 
schickt worden  sind.  Sie  besteht  9us  290  rohen  Mu- 
stern von  den  verschiedenartigsten  Farben,  .und  aus 
95  Sorten  eckigen  und  anders  gestalteten  Stangelchen 
von  der  Art ,  wie  sie  «ur  Verfertigung  der  bekannten 
Mosaikarbeiten  Anwendung  finden.  Eine  Haupt- 
schwierigkeit bei  der  Verfertigung  dieser  Glasmassen 
liegt  in  der  Nothwendigkeit  einer  vollkommenen  Un- 
durchsichtigkeit^  durch  welche  zugleich  den  Farben 
nichts  an  Lebhaftigkeit  ^genommen  werden  soll.  — 
Eine  viereckige  Charnierdose  aus  so  genanntem  Por- 
pbrino  (einer  rothen  Glasmasse,  die  früher  nur  in 
Mom  verfertigt  wurde)  ist  wegen  ihrer  schönen  Farbe, 
wegen  der  Reinheit  der  Masse  und  wegen  der  Schön- 
heit des  Schliffes  merkwürdig. 


3i.  Von  den  TTionwaaren,  deren  Verfertigung, 
wie  bekannt,  einen  der  wichtigsten  Industriezweige 
bildet,  besitzt  das  National -Fabriksprodukten -Ka- 
binet nicht  weniger  zahlreiche  Muster,  als  von  so 
vielen  andern  Artikeln.  Es  wird  wohl  nicht  leicht  ein 
Fabrikat  geben,  welches  in  so  vielen  Abstufungen 
der  Schönheit  und  Vollkommenheit  einerseits  un- 
sere nöthigsten  Bedürfnisse  befriediget,  und  ander- 
seits wieder  den  höchsten  Forderungen  der  Kunst 
entspricht,  wie  dieses.  Die  Ziegel,  jenes  unentbehr- 
liche Baumaterial ;  die  gemeinen  Kochgeschirre^  de- 
ren Preise  mit  ihrer  Nützlichkeit  in  so  vortheilhaftem 
Verhältnisse  stehen ;  die  bessern  Sorten  von  Fayance^ 
Steingut,  u.  s»  w.,  endlich  das  vollendete  Porzellan, 
ein  Kunstwerk  in  jeder  Rücksicht,  wenn  es  anders 
mitFleifs  und  Sorgfalt  bereitet  ist;  alle  diese  Pro- 
dukte des  Kunstfleifses  müssen  uns  zur  Bewunderung 
veranlassen  des  menschlichen  Erfindungsgeistes ,  der 
ein  und  das  nähmliche  Material,  den  .Thon,  auf  so 
viele  Arten  zu  veredeln  und  anzuwenden  gewufst 
hat. 


77 

3a.  Die  Beschränktheit  des  Ramnes  zwingt  uns^ 
die  gemeinen  Thonwaaren  kurz  zu  behandeln^  zu* 
mahl  da  dieselben ,  ihrer  Natur  nach ,  nur  einen  ge* 
ringen  Theil  des  Fabriksprodukten -Kabinettes  aus- 
machen.    Wir  rechnen  hierher^  aufser  den  Ziegeln 
und  den  gemeinen  Töpfergeschirren  ^   auch  die  be- 
lannien    Graphitwaaren.     Von  diesen   besitzt  das 
Kabinet   mehrere  Muster   aus   Oberösterreich,  wo 
dieselbe^  fast  ausschliefslich  irerfevtigt  werden.     Ein 
(or  viele  Zwecke^  z.  B.  für  Chemiker^  Goldarbeiter 
n.  s.  w.  sehr  wichtiger  Artikel  sind  die   schwarzen 
Schmelztiegel,    welche  nnter  der  Benennung  Po^- 
sauer^  oder  Ipser- Tiegel  verkauft,  und  in  unglaub- 
licher Menge  angewendet  werden.     Sie  bestehen  aus 
gemeinem  Thon ,  und  verdanken  ihre  äufsern  Eigen- 
schaften sowohl,   als  ihre  Feuerfestigkeit  einem  be- 
trac^tltchen  Gehalte  an  Graphit  oder  ReifsbleL     Im 
Handel  kommen  dieselben  gewöhnlich  einsatzweise, 
und  von  sehr  verschiedener  Gröfse  vor.     Zu  den  or- 
dinären Thonwaaren  müssen  endlich  auch  die  ver- 
scbiedenen  Gattungen  von  weifsen  und  gefärbten  Ta- 
Aüip/eif en  köpfen  gßtSihli  yr  er  den,  wovon  das  Kabi^. 
aet   ebenfalls    zahlreiche  Proben  besitzt.       Als    die 
schönsten  zeichnen  sich  darunter  besonders  jene  des 
Melchior '  Germain  in  Grätz  aus.     Sie  sind  von  ver- 
schiedenen Farben ,  als  schwarz ,  roth ,  braun ,  gelb 
0.  s.  w. ,  durchaus  mit  erhabenen  Verzierungen  ver- 
sehen ,  und  von  sehr  gefälligen  Formen. 

Unter  den  ausländischen  im  Kabinette  befindli- 
chen Töpferwaaren  ist  hier  besonders  ein  englischer 
%o  genannter  fFein-  und  Butterkühler  (  PFine-  and 
Butter  Cooler)  zu  bemerken.  Dieses  Geschirr,  aus 
einer  nnglasirten,  porösen  rothen  Thonmasse,  und 
mit  einer  gläsernen  Einsatzschale  versehen,  dient, 
wexm  es  in  Wasser  getaucht  worden  ist,  Nahrungs- 
mittel längere  Zeit  kühl  zu  erhalten.  Seine  Wir- 
kung'griindet  sich  auf  die  Verdunstung  des  einge- 


78 

saugten  Wassers^  und  ist  daher  ganz  dieselbe  y  welche 
an  den  spanischen  Alcarrazas  und  französis.chen 
Hfdrocerämes  gerühmt  wird.  Vielleicht  nimmt  sich 
einmahl  ein  inländischer  Töpfer  die  Mühe^  ähnliche 
Geschirre  ^  bei  deren  Bereitung  es  blofs  auf  einen  ge«- 
wissen  Grad  von  Porosität  der  Masse  ankommt^  zu 
verfertigen/  Dafs  dabei  nur  wenige  Schwierigkeiten 
sich  in  den  Weg  legen  dürften  y  beweiset  schon  die 
'  bekannte  Erfahrung^  welcher  zu  Folge  Wasser  in 
manchen  gemeinen  Töpfergeschirren  aufserordentlich 
lange  kalt  bleibt« 

• 

33.  Auf  die  gewöhnlichen  Töpfergeschirre  folgt 
in  der  Qualität  unmittelbar  die  so  genannte  Fayance 
oder  Majolika  y  welche  fälschlich  im  gemeinen  Le- 
ben «S'^em^e^^  genannt  wird.  Die  Geschirre,  welche 
unter  diesen  Benennungen  vorkommen,  sipd  nicht 
alle  von  einerlei  Art.  Einige  davon  unterscheiden 
sich  von  der  ordinären  Waare  blofs  durch  die  weifse, 
undurchsichtige  Glasur,  und  besitzen  demnach  alle 
Fehler  derselben.  Dagegen  wird  die  eigentliche 
Fayance  immer  aus  weifsem  Thon  (oder  solchem  der 
sich  weifs  brennt)  verfertigt,  mit  weit  mehr  Sorgfalt 
bearbeitet,  mit  einer  durchsichtigen  Glasur  verse« 
hen,  und  oft  sogar  mit  schöner  Mahlerei  verziert« 
Sie  unterscheidet  sich  vom  Porzellan  hauptsächlich 
durch  ihre  geringere  Dichtigkeit,,  welche  in  der 
schwächern,  beim  Brennen  angewandten  Hitze  ihren 
Grund  hat«  Eine  grofse  Zahl  von  Fabriken,  welche 
solche  Fayance  verfertigen ,  haben  Muster  dieses  Er- 
zeugnisses dem  Kabinette  übergeben.  Wir  werden 
darunter  nur  die  vorzüglichsten  ausheben. 

jinton  de  Cente  in  Tf^.   Neustadt  {Österreich  Y. 

U.  W.  W.). 

Dieser  Erzeuger  hat  dem  National -Fabrikspro- 
dukten -  Kabinette  niehrere  sehr  schöne  Musterslückc 
zur  Aufstellung  übergeben,   worunter  sich  ein  Paar 


79 

filumengeschif ro ,  eine  grofse  Vase ,  und  eine  klei- 
nere nnglasirte^  in  antikem  Geschmack  verfertigte 
Vase  befinden.  Besonders  die  letztere^  welche  aus 
ganz  weifsem  Thon  verfertigt  ist ^  verdient  grofscsLob^ 
sowohl  was  die  Masse  ^  als  was  die  geschmackvolle 
Form  betrifft. 

Joseph  Doyaky  zu  JVilhelmsburg  in  Österreich  (V, 

O.  W.  W.). 

Einige  sehr  niedliche  v  Suppentöpfe  ^    mehrere 
Speiseteller  ^  und  ein  Paar  herrlich  geformte  Blumen« 
Vasen.     Alle  diese  Stücke  zeichnen  sich'  in   Absicht 
auf  die  schöne  weifse  Farbe  der  Glasur  ganz  beson* 
ders  aus  ^  und  übertreffen  hierin  fast  alle  im  Kabinette 
aufgestellten  Muster.   Wenn  man  die  Schwierigkeiten 
kennt  y    welche  sich    der  Hervorbringung    einer  so 
aii£serordeiitlich  schönen  Glasur  in  den  Weg  stellen*)^ 
so  mu£s  man  dem  Verdienste  der  Fabrik ,  welche  sie 
alle  glücUich  zu  beseitigen  gewufst  hat^    volle  Ge« 
rechtfgieit  widerfahren  lassen.     Wird  nun  noch  bei 
der  Ausführung  auf  geschmackvolle  Formen  und  auf 
die  Auswahl  des  Thons  die  nöthige  Sorgfalt   gewen- 
det^ so  mufs  noth wendiger  Weise  jenes  schöne  Re- 
snltat  zum  Vorschein  kommen^  welches  die  genann- 
ten Stücke  auf  so  erfreuliche  Art  beurkunden. 

Joseph  HardtmutKs  Wittwe  in  Wien. 

Eine  der  ausgezeichnetsten  Fabriksanstalten  in 
der  österreichischen  IVfonarchie  war^  und  ist  noch  die 
des  Joseph  Uardtmuth  ^  welche  nun  nach  dem  Tode 
des  Gründers,  von  dessen  Wittwe  und  Söhnen  fort- 
geführt wird.  Sie  liefert  nicht  nur  sehr  schöne  weifse 
Fayance,  sondern  auch  viele  andere  Artikel ,  von  de- 
nen sich  Muster  im  Fabriksprodukten- Kabiuette 
befinden. 


*)  Diese  Schwierit^ltcircn  sind  so  bedeutend,  dafs  unter  a)len 
Tupfern  in  Wien  nur  etwa  zwei  bis  drei  sind ,  wekbe  eine 
vollkommen  weifse  Glasur  zu  verfertigen  wissen. 


8o 

Die  chemischen  Geraihschaften^    als  Retorten^ 
Abrauchschalen  u.  dgl.  aus  eigentlich  so  genanntem 
Steingut  sind  so  bekannt^   und  werden  so  allgemein 
gebraucht ,  dafs  über  ihre  Vorzüglichkeit  kein  Zwei- 
fel obwaltet.     Ein  anderes ,   nicht  minder   wichtiges 
Erzeugnifs  sind  die  verschiedenen  Sorten  von  Blei- 
stiften^ denen  die  Fabrik  einen  grofsen  Theil  ihres 
Rufes  zu  verdanken  hat.    Die  feinern  Gattungen  der- 
selben eignen  sich  zum  Zeichnen  selbst  besser  als  die 
englischen,  deren  zu  grofse  Weichheit  manche  Un- 
bequemlichkeiten verursacht     Ihr  Gebrauch  ist  da- 
her sehr  verbreitet,  sie  machen  den  Mangel  der  eng-* 
lischen  Stifte  unfuhlbar,  und  werden  z.  B.  vom  k.  k. 
Generalstabe  in  grofser  Menge  angewendet.     Erwäh- 
nung verdient  hier  das  sinnreiche  Verfahren,    wo- 
durch man  in  dieser  Fabrik  das  Reifsblei  in  die  Form 
dünner  vierkantiger  Stängelchen  bringt,    die  dann, 
nach  Verschiedenheit  der  Güte ,  in  Lindenholz ,  Roth- 
eiben-,     Erlen-  oder    Zedemholz    gefafst    werden. 
Man  'bedient  sich  nähmlich  dazu  nicht  der  Säge,  wie 
sonst  gewöhnlich,  ^sondern  die  Masse  wird  im  wei- 
chen ,  teigartigen  Zustande  durch  den  mit  viereckigen 
Lpchern  versehenen  Boden  eines  GefSTses  geprefst; 
beiläufig  so,   wie  der  Teig,   v^oraus  die  bekannten 
italienischen  Fadennudeln   bereitet  werden.     Auch 
gefafste  und  ungefafste  Rothstifte,  und  so  genannte 
schwarze  Kreide  liefert  die  Fabrik  von  guter  Qualität, 
defsgleichen  eine  schöne  und  gute  Tusche  nach  chi- 
nesischer Art.  Eine  Gattung  elastischer  Schreib  tafeln, 
auf  welchen   mit   Schieferstiften   eben  so  leicht   zu 
schreiben  ist,   als  auf  den  steinernen,    und  die  vor 
jenen  noch  den  Vorzug  der  Leichtigkeit,  Unzerbrech- 
lichkeit  und  Wohlfeilheit  haben ,  mufs  hier  besonders 
angeführt  und  mit  vielem  Lobe  erwähnt  werden.  Die 
Vortrefflichkeit  dieses  Fabrikates  wird  auch  so  allge- 
mein anerkannt,  dafs  durch  dasselbe  die  eigentlichen 
Schiefertafeln  in  Schulen  und  zu'  anderem  Gebrauche 
fast  ganz  verdrängt  sind.     Zu  den  Waaren^    derea 


I 

f 


8i 

Verfertigung  der  ffardtmutli'schcn  Fabrik  eigen- 
tliuailicU  gehört^  mufd  endlich  noch  der  so  genannte 
künstliche  Bimsstein  gezählt  yverden,  eine  Masse  ^  die 
wegen  ihrer  grofseu  Rauhigkeit  und  Schärfe  zum 
Schleifen  fiir  Metallarbeiter  besser  taugt,  als  selbst 
der  natürliche  Bimsstein.  Fafst  man  die  Verdienfite, 
welche  sich  die  I/arätmuth^sche  Fabrik  seit  vielen 
Jahren  um  so  verschiedenartige  Industriezweige  er- 
worben hat,  zusamqien,  und  bedenkt  man,  dafs  die 
Gründung  derselben  in  eine  Zeit  fällt,  wo  der  öster- 
reichische Kunstfleifs  noch  auf  einer  ziemlich  niedri- 
gen Stufe  stand ,  so  mufs  man  dieser  der  Monarchie 
in  gleichem  Grade  zur  Ehre  und  zum  Nutzen  gerei« 
cheudeh  Anstalt  volles  Gedeihen  wünschen. 

jilois  Martin  Hujsly   zu  Schwatz  in   TiroL 

Unter  den  von  diesem  Fabrikanten  dem  Kabinette 
eingesandten  Geschirren  zeichnet  sich  ein  Suppen- 
topf durch  seine  ungewöhnliche  Gröfsc,  und  zugleich 
dtu-ch  seine  geringe  Dicke  aus.  Merkv)^ürdig  ist  aus- 
serdem ein  zierlich  durchbrochenes  Obstkörbchen 
*nebst  einem  ehen  solchen  Teller,  welche  beide  Stücke 
in  allen  Rucksichten  dem  Vericrtiger  Ehre  machen. 

Franz  Leinwather,    zu   .S'.   Polten  in    Osterreich 

(V.  O,  W.  W.). 

Aufser  mehreren  andern  Stücken  hat  dieser  Er- 
zeuger dem  Kabinette  einen  grofscn  weifs  glasurten 
Tempel  zum  Geschenke  gemacht,  dessen  Ausführung 
ein  Meisterstück  der  Töpferkunst  genannt  zu  werden  • 
verdient,  indßm  nicht  nur  die  verschiedenen  daran 
befindlichen  Verzierungen  mit  Geschmack  angebracht 
sind,  sondern  auch  die  Glasur  so  dünn  und  gleich- 
förmig aufgetragen  ist,  dafs  die  feineren  Vertiefungen 
nicht  davon  ausgefüllt  werden.  Wer  das  in  diesem 
letztern  Umstände  begründete  Verdienst  nicht  zu 
würdigen  weifs,  der  betrachte  die  gewöhnlichen  thö- 
oemen  Ofen,  und  er  wird  sich  überzeugen,  dafs  oft 


8a 

die  schönsten  Verzierangen  durch  die  zu  dick  aufge- 
tragene^ und  in  Tropfen  zusammen  geflossene  Glasur 
heinahe  unkenntlich  gemacht  werden^  und  demnach 
allen  Werth  verlieren.  Übrigens  geben  die  grau  mar-« 
morirten  Säulen^  die  durchgebrochenen  Yerzierun- 
gen  und  die  mit  gröfster  Schönheit  geformten  Figu* 
ren  dem  Ganzen  eii^  sehr  gefälliges  Ansehen« 

Joseph  Mayer  ^    zu    Tannowa  in  Böhmen    (Klat- 

tauer  Kreis), 

hat  mehrere  Muster  von  Fajance  eingeschickt,  vvor- 
unter  besonders  zwei  artige  kleine  Vasen  wegen  ih* 
rer  geschmackvollen  Mahlerei  erwähnt  zu  weirden  yer* 
dienen« 

Laurenz  Marihart,    zu    FPkigram    in   Österreich, 

(V.  ü.  W.  W.)- 

Ein  Paar,  gemahlte,  mit  Untersätzen  versehene 
Suppentöpfe,  ferner  ein  nach  Art  des  Porzellans  blau 
hemahlter  SpeisetcUer ,  und  zwei  Potpourri- Vasen 
mit  bunte/  Mahlerei  und  aufgelegten  Figiu*en.  Alie 
diese  Siiicke  zeichnen  sich  durch  angenehme  Formen 
und  durch  Schönheit  der  Mahlerei  aus«  ' 

Die  Fayancefabrik  des  Freiherrn  Johann  von  Schö-- 
nau.   zu  DaUwitz  in  Böhmen. 

Diese  Anstalt,  eine  der  vorzüglichsten  ihrer  Art' 
in  iSöAmen )  ist  wegen  der  Güte  ihrer  Erzeugnisse, 
die  zum  Theil  mit  Steinkohlen  gebrannt  werden,  be- 
rühmt. Unter  den  Mustern,  welche  sich  von  ihr 
im  Fabriksprodukten -Kabinette  befinden,  erwähtien 
wir  nur  zwei  if\  Zoll  hohe  Vasen  ,  eine  gereifte  Sa- 
ladicre,  und  ein  Fruchtkörbchen  mit  Untersatz,  als 
die  vorzüglichsten  Stücke,  welche  sich  durch  eine 
ungewöhnliche  Weifse  der  Glasur  sehr  zu  ihrem 
Vortheile  auszeichnen  Ein  Paar  Terrinen  sind  ins- 
besondere noch  wegen  der  eigenthümlichen  Gestalt 
ihrer  Untersätze  bemcrkenswerth,  welche  so  geformt 


a3 

sind,    dafi    nicht    leicht  etwas   versdiüttet  werden 
kann» 

Die  Faljrik  des  Herrn  Grafen  von    VFrtby  ^   eu 
Teinitz   in  Böhmen  y    welcher  vielleicht   der  erste 
Rang  unter  den  höhmischen  Fayancefahriken  gebührt^ 
hat  das  Kabinet  schon  vor  längerer  Zeit  mit  vielen 
-ausgewählten  Musierstücken  bereichert«     Wir  heben 
darunter  nur    einige  aus^   und  nennen  demnach  ein 
Paar    schön  verzierte^    zum  Theil  vergoldete  Tafel" 
aufsätze  nach  englischer  Art ;  einen»  feinen  weifsen 
Suppentopf  mit  braunen  und  vergoldeten  Dekoration 
neu  \  eine  grofse  ^  mit  vielen  durchbrochenen  Verzieh 
rangen  versehene  Yase,   u.  s«  w.     JMehrere  andere 
Stacke  zeichnen  sich  durch  treffliche  und  geschmack-» 
voUe  Mahlerci  aus^   wie  z.  B.   zwei  Speiseteller  mit 
den  Porträten  Ihrer  kaiserlichen  Majestäten^  und  eine 
ovale  Schüssel  mit  der  Ansicht  des  Teinitzer  Fabriks- 
gebäudes.   Im  Ganzen  gewähren  diese  Muster  einen 
überzeugenden  Beweis  von  der  hohen  Stufe  der  VoU^ 
lommenheit  ^   auf  veelche  die  genannte  Fabrik  ihre 
Erzeugnisse  zu  heben  gewufst  hat* 

34*  Von  der  Fayance  unterscheidet  sich  das  ei- 
gentliche Steingut  sowohl  durch  seine  gröfsere  Härte^ 
irdche  es  beim  Brennen  annimmt,  als  durch  die  Art 
der  Glasur^  welche  nicht  besonders  aufgetragen,  son-* 
dem  mittelst  einer  durch  Kochsalz  bewirkten  anfan^ 
genden  Schmelzung  der  Oberfläche  selbst  hervorgC'* 
bracht  Wird..  Aus  dieser  Masse  werden  viele  ordi«- 
näre  Geschirre,  z.  B«  Krüge,  Schalen,  ferner  che*- 
mische  Geräthschaften^  u.  s«  w.  vetlcrtigt^  die  jedoch 
durchaus  den  Fehler  haben ,  dafs  ^e  Abwechslungen 
der  Temperatur  nichtsehr  gut  zu  ertragen  im  Stande 
sind«  Im  österreichischen  Kais^rstaate  ist  die  Fabrikat!'' 
on  dieser  Art  Waare  noch  nicht  sehr  alt ;  derVerdienste^ 
welche  sich  die  ^ar^^mi^^A*sche  Fabrik  in  JVien  dar« 
um  erworben  hat^    ist  bereits  gedacht  worden.     • 

6* 


84 

Das  Fabriksprodukten  -  Kabinet  besitzt  besonder« 
vFele  Muster  von  englischem  Steingutgeschirr^  die 
sich  sowohl  durc][i  Güte  und  Schönheit  der  Masse, 
als  durch  yerschiedene  Verzierungen  s^hr  Jbemerkens* 
wer th  machen.  Auf  mehreren  derselben  befinden 
sich  sehr  schöne  violette  und  schwarze  Abdrücke  von 
Kupferstichen^  andere  sind  mit  eihabenen  Figuren 
geziert^  an  allen  aber  bemerkt  man  jene  Vollendung, 
welche  die  Engländer  diesem  Fabrikat  in  so  hohem 
Grade  zu  geben  wissen.  Was  insbesondere  die  An- 
bringung yon  Kupferstichen  auf  diesen  Geschirren 
betriSt^  so  ist  zu  bedauern^,  dafs  ein  solches  Verfah- 
ren im  Inlande  fast  gar  nicht  ausgeübt  wird,  da  doch 
die  damit  verbundenen  Schwierigkeiten  so  bedeutend 
eben  nicht  seyn  können^  und  da  aufserdem  schon 
mehrere  Vorschriften  zu  diesem  Zwecke  vorhanden 
sind.  Es  ist  gar  kein  Zweifel  ^  dafs  man  die  ordinär- 
sten Geschirre  durch  Abdrücke  von  in  Kupfer  ge- 
stochenen Bordüren  u.  dgl.,  welche  einer' feinen 
Mahlerei  sehr  ähnlich  sehen ,  verzieren  könnte ,  wie 
das  auch  einige  unter  den  erwähnten  englischen  Mu- 
stern beweisen. 

.Wir  erwähnen  hier  noch  der  aus  so  genannter 
Porzellarttiegel'^  Masse  verfertigten  Gegenstände, 
welche  die  gräflich  Falkeiiharri  sehe  Steingeschirr- 
fabrik zu  Dnoß  (Österreich,  V.  O.  M.  B.)  dem  Ka- 
binette übergeben  hat.  Aufser  einem  Stück  einer 
Wasserleitungsröhre  befind i\n  sich  darunter  mehrere 
Rssensteine,  Ofen-  und  Gebläseplatien ,  Boststangen 
u.  s.  w.,  deren  Brauchbarkeit  durch  wicderhohlte 
Erfahrungen  bestätiget  ist«  Einen  beisondern  Vorzug 
gibt  ihnen  die  Eigenschaft,  dafs  sie  nicht  springen, 
wenn  man  sie  glühend  in  kaltes  Wasser  taucht.  Dar- 
aus geht^die  Anwendtfarktsit  dieser  Masse  zu  Herd- 
platten, ferner  zu  allen  Gattungen  Windöfen  ,  u.  dgl. 
nnläugbar  hervor.  Ihre  fast  absolute  Unzerstörbar- 
kck  in  der  liitze  eignet   sie  vortrefflich  für  alle  jene 


85 

Arbeiter^  die  ein  faefuges^  dauerndes  Feuer  unter- 
halten müssen^  zur  Umstellung  der  Essen ^  in  wel- 
cher Rücksicht  die  daraus  verfcrti{;tcn  Platten  bedeu- 
tende Vorzüge  ¥or  den  Graphitplatten  besitzen.  — 
Die  in  der  Fabrik  zu  Drofs  verfertigten  Schmelztie- 
gel  kommen  an  Qualität  den  Hessischen  gleich,  und 
werden  häufig  statt  dieser  verwendet. 

35.  Eine  dem  Porzellan  nahe  kommende  aufser- 
ordentlich    schöne  Thonwaarc    ist  das^nach  seinem 
Erfinder^     einem    Engländer^     so    genannte    TFed^ 
gwood.     Die  Fabrikation  desselben  scheint  seit  dem 
Tode  des  berühmten  Erßndcrs  sehr  in  Abnahme  ge- 
kommen zu  seyn  j  ungeachtet  die  daraus  verfertigten 
Geschirre  wegen  ihrer  herrlichen^  meist  nach  Antiken 
gebildeten  Formen ,  so  wie  wegen  der  schönen  und 
mannigfaltigen  Farben^    allgemein  geschätzt  werden. 
Das  Kabinet  besitzt^  theik  durch  Ankauf^  theils  durch 
die' Güte    des  priv.   Grofshänd' ts  >/.  von    Coith 'in 
Wien^  eine  ziemlich  vollständigt^  höchst  interessante 
Sammlung  der  englischen  Wedgwood- Sorten.  Vor- 
süglich  schön  sind^   aufser  der  rothbraunen  und  gel- 
ben Waare  {Terra  cotta  und  Bamboo),   das  blaue 
und  grüne  Jasper,    auf  welches  die  zartesten,   aus 
weifsem  Thon  verfertigten  Figuren  mit  einer  Schärfe 
und  Genauigkeit  aufgelegt  sind,     die   Bewunderung 
verdient.     Die  blauen  Stücke  insbesondere  sind  theils 
durch  die  ganze  Masse  gefärbt ,  theils  blofs  mit  einer 
dünnen  Lage  von  feurigem,  sehr  intensiven  Blau  über- 
zogen«    Eine   grofsc  Kanne   mit  erhabenen  Figuren, 
ein  Schreibzeug  nach   TVedgwood^s  Erfindung,   ein 
Tafelleuchter     u.    s.  w.  aus  so  'genanntem  Basaltgut 
{Basaltes)  gehören  zu  den  schönsten  Stücken  dieser 
Sammlung.      Die  Masse   derselben   besitzt    eine  tief 
»chwarze  Farbe,  und  eine  glatte,  feinkörnige  Ober- 
fläche; ihre  Härte  ist  sehr  bedeutend,  und  verspricht 
'  demnach  eine  ungewöhnliche  Daucrhafiigkeitv    TVed-- 
gwood  verfertigte  aus  seiner  Composiiion  nicht  nur 


r 


86 

Geschirr«  aller  Art .  sondern  auch  Bfisten  ^  Statuen^ 
Basreliefs^  so  wie  Medaillen  und  Kameen ^  yon  wel- 
chen letzteren  das  Kabinet  ebenfalls  eine  bedeutende 
Menge  ))6sitzt. 

Alle'  die  äufsern  und  innern  Vorzüge  des 
TyedgwoocVs  niufsten  natürlicher  Weise  zur  Nach- 
ahmung desselben  auf  dem  festen  Lande  Veranlassung 
geben.  Dafs  eine  solche  Nacbahmung  nicht  gerin- 
gen Schwierigkeiten  unterliegen  würde  ^  war  leicl^t 
voraus  zu  sehen ,. da  die  Außindung  und  Zubereitung 
tauglicher  Materialien ^^  sowie  das  Formen  derGefafse 
und  der  darauf  anzubringenden  Verzierungen  mit  be- 
deutenden Kosten  verbunden  ist.  Dessen  ungeachtet 
ist  es  auch  in  unserm  Inlande  gelungen,  Wedgwood, 
von  vorzüglicher  Qualität  zu  erzeugen ,  wie  viele  im 
Fabriksproduklen^  Kabinette  befindliche  Muster  zur 
Genüge  beweisen.  Einige  frühere  Versuche  dieser 
Art  sind  von  Leinwather  in  S,  Polten^  und  von  der 
gräflich  /^r^^'schen  Fabrik  zu  Teinitz  in  Böhmen 
angestellt  worden.  Leinwather  hat  dem  Kabinette 
eine  kleine  Vase  von  Basaltgut  übergeben,  welche  sich 
zwar  durch  schöne  Verzierungen  empfiehlt,  aber  we- 
der die  dunkle  Schwärze,  noch  die  Härte  des  engli- 
schen Fabrikates  besitzt.  Die  gräflich  fVrtbr*si^^ 
Fabrik  richtete  ihr  Augenmerk  auf  die  Nachahmung 
des  blauen  Jasper,,  konnte  aber,  wie  zwei  von  ihr 
eingesandte  Blumentöpfe  beweisen,  weder  die  schöne 
Farbe,  Hoch  die  Feinheit  der  Figuren,  welche  die 
echte  Waare  dieser  Art  auszeichnen,  vollkommen 
erreichen.  Weit  glücklicher  sind  die  Ben^ühungen 
einer  unlängst  iax  Fräin  in  Mähren  entstandenen, 
dem  Herrn  Grafen  Stanislaus  von  Mniszek  gehörigen 
Fabrik  gewesen,  die  unter  der  Leitung  des  Herrn 
Mathias  Raufer  schon  viele  den  englischen  gans 
.gleich  kommende  Stücke  geliefert  hat.  Eine  jgrofsc 
ovale  Tasse  von  schwarzer  Composition  zeichnet  sich 
unter  den  im  Kabinette  aufgestellten  Mustern  durch 


87 

• 

eine  tief  schwarze  Farbe,  dann  durch  ihre  geringe 
Dicke  y  so  wie  durch  den  Umstand  aus ,  dafs  sie  nicht 
im  Mindesten  geworfen  oder  verzogen  ist«  Man  be- 
merlt  ferner  einen  weifsen,  mit  Laubwerk  sehr  schön 
verzierten  Teller,  einen  schwarzen  Tabak pfeifenkopf 
und  viele  andere  Stucke  von  gelber,  brauner,  rother 
und  schwarzer  Farbe.  An  Feinheit  der  Masse ,  und 
an  Härtelassjcn  diese  Muster  nichts  zu  wünschen 
übrige  —  Die  Hervorbringung  der  an  dem  engli- 
schen Wedgwood  •  so  beliebten  kobaltblauen  Farbe 
aber  scheint  der  Fabrik  noch  nicht  gelungen  zu  seynj 
allein  bei  der  Thätigkeit  der  Verwaltung  läfst  sich 
fiir  die  Zukunft  auch  die  Beseitigung  der  hierbei 
Sutt  findenden  Schwierigkeiten  erwarten. 

3G.    Unter    den    ausländischen    Töpferwaaren, 
vfdche  das  Kabinet  besitzt,  befinden  sich  auch  meh- 
.  rere  Muster  von  dem  in£/t^Zan^  verfertigten  metallisch 
glänzeaden  Geschirre,   welches    dort  unter  der  Be- 
nennung China  with    metallic  lustre  bekannt  ist. 
Äaf  der  Oberfläche  haben  solche  Stücke  ein  .vollkom- 
men aietallisch  es  Ansehen,  und  man  würde  sie  auch 
leicht  für  MeuU  halten,  wenn  nicht  die  Schwere  unci 
der  Bruch  das  Gegentheil  bewiesen.     Es    gibt    vor- 
säglich   zwei  Sorten  dieser  Waace,    nähmlich  eine 
weiise  und  eine  rothe.     Die  erste  gleicht  sehr  nahe 
dem  mit  Platin   überzogenen  Porzellan ,    die  andere 
aber  hat  eine  helle  Kupferfarbe.   Der  glänzende  Über^ 
zog  bekleidet  die  Geschirre  entweder  von  beiden  Sei* 
ten,  oder  auch  nur  von  aufsen;'  er  ist  übrigens  aus^ 
serordentlich  dünn,  und  Kegt  nur  wie  ein  schwacher 
Anflug  auf  der  Oberfläche  des  Ganzen.   Wie  von  Vie- 
len mit  grofser  Wahrscheinlichkeit  behauptet  wird, 
widersteht  der  metallische  Glanz  der  Wärme  nicht, 
sondern  trübt  sich  und  verschwindet  endlich  ganz; 
Quecksilber  und  kochendes  Königswasser  haben  da- 
gegen keine  Wirkung  auf  ihn.     Die  Masse  der  Ge* 
schirre  ist   ordinärer,   aber  fein  zubereiteter  rother 


88 

Thon,  der  unmittelliar  mit  einer  dünnen  Schichte  Ton 
dünkel^^riinem  Glas  überzogen  ist;  auf  dem  letztern 
liegt  erst  der  metallische  Anflug.  Vielleicht  dienen 
diese  wenigen  Bemerkungen  einem  inländischen  Fa- 
]brikanten  zum  Wegweiser  hei  der  Nachahmung  die- 
ses Artikels^  dessen  Anwendung  zu  Prunkgeschirreo 
u.  dgl,  wohl  Wünschenswerth  wäre.  Durch  mehrere 
nach  anzustellende  Versuche  dürfte  man  sich  freihch 
nicht  von  der  Lösung  der  Aufgabe  abschrecken  lassen ; 
dafür  wäre  aber  auch  auf.  einen  bedeutenden  Absatz 
des  Fabrikates,  welches  jetzt  noch  von  den  Englän- 
dern ausschliefslich  verfertigt  wird,  mit  Sicherheit  zu 
rechnen. 

S/-  Von  Porzellan y  als. dem  edelsten  Produkte 
der  Töpferkunst,  besitzt  das  Kabinet  zahheiche Mu- 
ster, und  zwar  vorzüglich  aus  der  alten,  und  lange 
wegen  der  Vollkommenheit  ihrer  Erzengnisse  berühm- 
ten Ararialfabrik  in  IVien.  Diese  Anstalt,  welche  seit 
ihrer  Gründung,  während  einer  mehr  als  hundert- 
jährigen Dauer,  nie  aufgehört  hat  Fortschritte  zu 
machen ,  zeichnet  sicii  gegenwärtig  vor  allen  Porzel- 
lanfabriken der  Welt  durch  Mahlerei  und  Vergoldung 
ganz  vorzüglich  aus.  Die  Bereitung  der  Farben  ist 
von  ihr  auf  einen  so  hohen  Grad  der  Vollkommenheit 
gebracht  worden,  dafs  dadurch  selbst  die  strengsten 
Forderungen  der  Kunst  auf  das  Vollständigste  befrie- 
digt werd<m,  und  dafs  Gemähide  auf  Porzellan  mit 
einer  unglaublichen  Weichheit,  Mannigfaltigkeit  und 
Vollendung  ausgeführt  werden  können.  Als  Beweis 
des  Gesagten  dient  ein  im  Kabinette  aufgestelltes, 
von  Joseph  ^igg  im  Jahre  1821  gemahltes,  16^  Zoll 
hohes  Blumensiück,  und  mehrere  andere  Stücke,  von 
denen  man  bedauern  mufs,  dafs  «olcbcr  Aufwand  von 
Kunst  auf  ein  dem  Zerbrechen  sowenig  widerstehep- 
des  Material  angewendet  ist.  Die  Mannigfaltigkeit  der 
Farben,  welche  die  Fabrik  hervorzubringen  im  Stande 
ist,    ersieht  man  aus  einer  Sammlung  von  verschie* 


89 

dentlich  bemaUten  Eaflehschalen ,  an  denen  die 
Schönheit  der  Farben  und  der  in  den  Zeichnungen 
herrschende  Geschmack  gleich  bewunderungswürdig 
sind.  Wie  weit  dieselbe  es  in  der  Schönheit  ihrer 
Vergoldung  gebracht  habe,  davon  sieht  man  den  Be- 
weis an  fast  allen  Stücken,  die  sich  hier  befinden« 
Wir  heben  darunter  vorzüglich  eine  ganz  mit  Gold 
bedeckte,  19  Zoll  hohe  Vase  aus,  auf  welcher  sich 
einige  herrlich  gemahlte  Medaillons  befinden ;  ferner 
ein  weifses,  mit  Gold  gestreiftes  Frühstückservice, 
u.  s.  w.  Auch  von  der  Anwendung  des  metallischen 
Platins  iui  polirten  Znstande  und  als  Bronze  findet 
man  an  einigen  Kaffehschalcn  Beispiele.  Von  so  ge* 
naontem  Biskuit  oder  nnglasirtem  Porzellan  besitzt 
das  Kabinet  eine  3^  Zoll  hohe,  auf  einem  glasurten 
Untersatze  ruhende  Büste  Sr.  Majestät  des  Kaisers. 
Die  ubrigei)  kleinern  Stücke  übergehen  wir,  der  Kürze 
wegen ,  ungeachtet  gewifs  jedes  derselben  einzeln 
einer  Betrachtung  würdig  wäre,  und  heben  zum 
Schlüsse  nur  noch  eine  bemahlte  und  vergoldete  Kaf- 
febscfaale  aus,  die  sich  durch  ihre  aufserordentlich 
^erioge  Dicke  sehr  vorthcilhaft  bemerkbar  macht, 
und  hierin  dem  chinesischen  Porzellan  nahe  kommt. 

Unter  den  inländischen  Privat-Porzellanfabriken 
hat  die  der  Gebrüder  ffaidinger ,  zu  Einbogen  in 
Böhmen f  dem  Kabinette  Master  ihrer  Erzeugnisse 
eingeschickt,  welche  sich  besonders  durch  eine  aus-- 
serst  gleiche,  nicht  poröse  und  sehr  weifse  Glasur 
vorthetlkaft  auszeichnen.  Die  einzelnen  Stücke  sind 
wenig  durchscheinend,  sehr  dünn  gearbeitet,  und 
beim  Brennen  nicht  im  Mindesten  verzogen.  Das  für 
Private  so  schwierige*  Unternehmen  einer  Porzellan- 
fabr^k  zeichnet  sich  in  diesem  Falle  noch  vorzüglich 
dadurch  aus,  dafs  zum  Brennen  ausschliefsond  nur 
Steinkohlen  angewendet  werden,  wodurch  allein  die 
niedrigen  Preise  dieser  Waare  begreiflich ,  und  die 
Bemühungen  der  Erzeuger  fiir   die  Industrie  über-? 


90 

f 

batipt  j)Tir  tun  so  Schätzbarer  werden.  Ein  dieser 
Fabrik  eigen thiimliches  Produkt  sind  die  aus  einer 
besonders  harten  Masse  bebtehenden  Reibschaleiiy 
welche  durchaus  sehr  gelobt  werden. 

Zur  Vergleicbung  mit  den  inländischen  Erzeuge 
nissen  dieser  Art,  sind  im  Kabinette  auch  mehrere 
Muster  von  ausländischem ,  und  nahmentlich  von  fran- 
zösischem und  englischem  Porzellan  aufgestellt. 

Das  erstere,  aus  einer  Privatfstbrik  zu  Paris  ^  zeich- 
net sich  durch  eine  schöne  VVeifse  und  durch  die 
rein  geflossene  Glasur  aus.  Ein  Stück  darunter  ist 
nach  Art  des  Merinosdruckes  bemahlt^  andere  haben 
hohe  Figuren,  deren  Zwischenräume  nicht,  wie  es 
sonst  oft  geschieht,  von  der  Glasur  aufgefüllt  und 
unkenntlich  gemacht  sind.  Die  Mahlerei  auf  dem 
hier  befindlichen  englischen  Porzellan  ist  zwar  ganz 
mittelmäfsig,  dafür  besitzt  aber  die  Masse  einen  be- 
deutenden Grad  von  Schönheit,  und  die  Stücke  sind 
sehr  dünn  gearbeitet.  Zum  Nachtheil  dieses  Fabri- 
kates mufs  man  bemerken,  dafs  es  wahrscheinlich 
60  genanntes  Frittenporzellan  ist,  nähmlich  eine 
Masse,  die  sich  in  ihrer  Zusammensetzung  und  in 
ihren  Eigenschaften  sehr  dem  Glase  nähert. .  -—  Er- 
wähnung verdienen  endlich  noch  die  Muster  von  einer 
Art  Porzellan ,  so  genannter /ron*^^o/ie  WarCy  von 
Mason  in  London\  welche  den  Fall  auf  einen  stei- 
nernen Boden  ohne  Nachtheil  soll  aushalten  können. 
Die  im  Kabinette  vorfindigen  Musterstücke  dieses  Ap- 
tikels  sind  auf  eine  höchst  sonderbare  Art ,  ganz  in 
chinesischem  Gcschmacke  (der  wohl  eigentlich  gar 
kein  Geschmack  ist)  bemahlt,  und  dessen  ungeachtet 
scheint  die  Waare  in, England  Liebhaber  gefunden 
9u  haben. 

38.  Unter  den  im  Fabriksprodukten  -  Kabinette 
uufges teilten  HoUwanren^  derea  Beschreibung  wir 


9« 

nnmiiehr  beginnezi^  befinden  §ich  mehrere  ganz  or^ 
dinare ,  wie  z.  B.  eine  Sammlung  von  Tabakpfeifen- 
köpfen aus  der  ungarischen  Militärgränze ;  einige  höl- 
zerne Flaschen  aus  Siebenbürgen,  welche  dort  unter 
dem  Nahmen  Csoture  häufig  verfertigt  und  gehraucht 
werden^  u.  s.  w.  Von  diesen  sprechen  wir  hier 
nicht  Weiler,  da  sie  zu  unbedeutend  sind.  Hil%egep 
tbeilen  wir  die  übrigen  Holzarbeiten  in  zwei  Klassen, 
nähmlich  in  die  Tischler --  imd  in  die  Drechslerar^ 
betten^ 

Von    den   Tischlerarbeiten    zeichnet    sich    eine 
schöne,    mit   Rüsternflader  fourniertc,    äusserst  ge-^ 
schoiackvoll  gearbeitete,   mit   Bronze  verzierte  Näh- 
SchatuUe  voir  Ernst  Seifferth  in  Wien  besonders 
aus.      Der   Verfertiger  davon,    ein  sehr  geschickter 
Arbeiter,  ist  auch  zur  Herstellung  einer  vollständigen 
in  der  Werkzeugsaqamlung   des   Kabinettes  befindli- 
chen Saite   von  Tischlcrwerkzeugen ,    die    in  jeder 
Rücksicht  voUkonunen  genannt  zu  werden  verdienen, 
heonut  worden ;  er  hat  sich  aufsejrdem'  durch  die  Er- 
fifldang   e'uier  so  genannten    mechanischen  W^äsch«* 
rolle  (Mange) ,  deren  Bewegung  durch  einen  gerin- 
gen Kraftaufwand  bewerkstelligt  wird  ,  hervorgethan. 
Zu  den  schönsten  Stücken  gehört  auch  eine  grofse, 
mit  Eschenflader  belegte.   Von   Joseph  JRienzler,  zu 
Bregenz^  in  Tirol,    eingesandte    Schreib -Schatulle, 
die  wegen  der  Genauigkeit  ihrer  Arbeit  gelobt  zu 
werden  verdient.     Eben  so  müssen  eine  kleinere,  aus 
Bergrüstern- Flader  verfertigte,    roth  politirte  Scha^ 
tnlle  von  Joseph  Frey ,   zu   Garsten  in   Österreich 
(Traunkreis) ,  und  ein  Kästchen  aus   Rotheibenhojz, 
mit  Vexier, ,  von  Mathias  Eder,   zn  Saatfelden  im 
Salzburg,,   lobend   erwähnt   werden.      Merkwürdig 
ist  endlich  ein  grofses,  von  Franz  Frank  in  Wien 
verfertigtes  Ki*euz,  welches*  aus  mehr  als    loo  Holz- 
stücken   künstlicher  W^eise  ohne  Leim,   Nägel  odet 
Schrauben  so  zusammengefugt  ist,    dafs^  um  es  zu 


zerlegen^  eine  eigene  Fertigkeit  nuthig  ist«  DcrVer- 
iV^g^^  ^at  hierdurch  'eine  genaue  Kenntnifß  der  hei 
Holzarheiten  im  Grofsen^  so  oft  vorkommenden  Art 
von  Zusammenfügung  beurkundet. 

Eines  gröfsern  Details  darf  die  Erfindung  des 
TiscMers,  Peter  Pfdffy  vorraahls  in  TVieUj  gewür- 
digt werden,  welche  darin  besteht^  dafs  hölzerne 
Gegenstände  mit  Fournieren  aus  einer  eigenthümli- 
chen  y  von  Holz  ganz  verschiedenen  Masse  belegt 
werden.  Von  dieser  Art  ist  ein  im  Kabinet  aufge- 
stelltes 4  Fnfs  hohes  Postament  in  Gestalt  einer  ab- 
gekürzten Säule  y  auf  welchem  sich  derzeit  eine  in 
Eisen^ufs  ausgeführte  Büste  Sr.  Majdstät  des  Kaisers 
befindet.  Das  Ganze  dieses  Stückes  gewährt  einen 
prächtigen  Anblick ,  und  macht  dem  Verfertiger  in 
jeder  Bücksicht  Ehre«  Die  künstlichen  Fouruiere, 
deren  Zusammensetzung  derselbe  jederzeit  als  ein 
Geheimnifs  behandelte ,  die  aber  in  ihrer  Mischung 
nur  sehr  wenig  Säge^äne  und  ganz  und  gar  keinen 
Leim  enthalten^  übertreffen  an  äufserer  Schönheit 
alle  bekannten  Holzarten  sehr  weit;  indem  sich  die 
Zeichnung  (die  nicht  oberflächlich  ist^  sondern  durch 
die  ganze  Masse  geht)  itiehr  derjenigen  nähert^  die 
man  an  eini<i[en  der  beliebtesten  Marmorsorten  be« 
merkt.  Da  die  Masse  uicht  porös  und  faserig  ist^  so 
nimmt  sie  eine  vortrefülche  Politur  an;  sie  läfst  sich 
willkürlich  biegen^  so^  dafs  damit  olle  Krümmungen^ 
Stäbe ;  Hohlkehlen  u.  s.w.  (ournirt  werden  können^ 
und  verträgt  sogar  die  Einwirkung  von  kochendem 
Wasser  ohne  Schaden.  In  Absicht  auf  die  Dauerhaf- 
tigkeit läfst  sich  schon  defswegen  etwas  Vorzügliches 
erwarten,  weil  die  Mischung  meist  Stoffe  enthält, 
welche  von  atmosphärischen  Einflüssen  nicht  verän- 
dert werden  ;  als  direcrer  Beweis  aber  von  der  Vor- 
trefHichkeit  dieses  Fabrikates  kann  der  Umstand  die- 
nen ,  dafs  das  oben  erwähnte  Postament  im  Sommer 
fSaa  bereits  a[  Jahre  im' Kabinette  aufgestellt^  und 


'  93 

dehei  ofi  der  Einwirkung  der  Sonne  ausgesetzt  "war^ 
ohne  sich  während  dieser  Zeit  nur  im  Mindesten  ver« 
ändert  zu  haben.  Die  Vorzüglichkeit  derMassa-Four- 
niere  findet  aber  nicht  nur  hierin,  sondern  auch  in 
der  Leichtigkeit  einen  Grund ,  mit  welcher  von  dem 
Yerfertiger  die  Färbe  derselben,  innerhalb  gewisser 
Gränzen,  modificirt  werden  kann.  Das  erwähnte 
Postament  gleicht  einem  rothbraunen,  mit  weifsön 
Flecken  versehenen  Marmor;  das  Kabinet  besitzt  aber 
auch  ein  Paar  Spiegelrahmen,  so  wie  einige,  kleinere 
Stucke  von  grünlich  grauer  Farbe,  die  ebenfalls  auf 
das  Auge  eine  sehr  angenehme* Wirkung  hervorbrin- 
gen. Der  Nutzen  dieser  Erfindung  könnte,  unter 
günstigen  Umständeä^  sehr  bedeutend  werden.  Ab« 
gesehen  davon,  dafs  ihre  Anwendung  den  häufigen 
Gebrauch  theurer  ausländischer  Hölzer  vermindern 
vrurde ;  so  lassen  aych  die  verschiedenen  Farben  und 
XeicVmiuigen  noch  unendliche  Abänderungen  zu,  und 
es  liefse  sich  vielleicht  kaum  etwas  Prächtigeres  den- 
ken, als  ein  Prunkgemach,  nach  der'Art  alter  Mar- 
mor-Mosaik, mit  Parketten  aus  dieser  Masse  belegt, 
wozu  sie  sich  wegen  ihrer  grofsen  Festigkeit  ganz 
vorzüglich  eignen  würde. 

39.  Das  Kabinet  besitzt  eine  schöne  Sammlung 
von  Drechslerwaaren  aus  verschiedenen  Holzgattun- 
gMi ,  welche  Johann  Casadoro  zu  J^enedig  einge- 
schickt hat.  £s  befindet  sich  darunter  ein  Topf  mit 
Deckel  und  Untertasse  aus  Holz  vom  Vogelbeerbaüm 
{Sorbus  aucuparia),  ein  vollständiges  Schreibzeug 
aus  Oiivenholz,  ein  kleines  Service  aus  Rothcibenholz, 
eine  Vase  von  etruskischer  Form ,  auf  einer  abgestutz- 
ten Säule  vom  Holze  der  Pignolenkioferi(jF¥nM^pmea); 
ferner  ein  Schachbret  aus  allen  im  venetianischenGe- 
biethe  vorkommenden  edleren  Holzarien,  mit  Figuren 
aus  Rotheiben-'und  Olivenholz,  nebst  vielen  anderen 
Stucken,  die  sich  nicht  weniger  als  diie  genannten 
durch  geschmackvolle  Formen  and  durch    tadclfreio 


94 

Ausarbeitung  den  Beifall  der  Kenner  erwerben.  «— 
Zu  den  schönern  Stücken  dieser  Art  gehört  auch 
noch  eine  elektrische  Zündmaschine  von  Mathias 
Kinner  in  Pf^ien ;  dann  eine  hohle ,  innen  mit  einem 
aus  dem  Ganzen  gedrehten  Stern  versehene  Kugel 
aus  Birnbaumholz,  von  Georg  Klackl,  zu  Ischl  in 
Österreich  ( Traunkreis ) ;'  endlich  ein  aus  i8  ver- 
schiedenen Holzarten  bestehender  Garnhaspel^  und 
ein  JModell  des  serbischen  Spinnrades,  beide  aus  der 
ungarischen  Militärgränze.  Besonders  das  letztere  ist, 
aus  Buzbaumholz,  mit  seltener  Präcision  und  Rein- 
heit gearbeitet.  Aufserdem  erwähnen  wir  eines 
Schneidzeuges  fiir  hölzerne  Schrauben,  verfertigt  von 
jinton  Majerm  fVien,  einem  geschickten  Arbeiter, 
der  nicht  nur  mehrere  ähnliche  gröfsere  und  kleinere 
Schneidzeuge,  sondern  auch  eine  vollständige  Samm- 
lung der  Binder -Werkzeuge  für  die  mi]L  dem  Kabi- 
nette vereinigte  Werkzeugsammlung  mit  grofsem  Flei&e 
hergestellt  hat. 

Von. ausländischen  Hofedrechslerwaaren  besiut 
das  Kabinet  wenige  Stücke,  unter  denen  wir  nur 
einen  i,^  Zoll  weiten  Becher  aufiihren  wollen,  der 
als  Einsätze  fünfzig  stufenweise  immer  kleiner  yi^^* 
dende  Becher  von  der  Dicke  eines  feinen  Papiers  be- 
sitzt. Dieses  Stück,  sowie  einige  andere,  sind  aus 
dem  königl.  baierischen  Ländchen  Berchtoldsgaden, 
welches  wegen  seiner  Holzwaaren  -  Verfertigung  lange 
bekannt  und  berühmt  ist. 

4o«  Der  Ähnlichkeit  wegen  berühren  wir  hier 
sogleich  die  aus  Uorn,  Bein,  Schildpat  u.  dgL  ver- 
fertigten Waaren,  von  denen  das  Kabinet  eine  nicht 
unbedeutende  Sammlung  aufweisen  kann.  Gegen- 
stände dieser  Art  sind  vorzüglich  von  nachstehenden 
Erzeugern  eingeliefert  wordeni 


95 

Franz  Auer^  Kammmacher  in  tVicriy 

hat  dem  Kabinette  nebst  mehreren  andern  Slücken 
eiaen  aus  neun  Theilen  durch  ein  mühsames  und 
künsdiches  Verfahren  zusammengelötheten  schildpd- 
tenen  Kamm  übergeben ,  der  sich  besonders  dadurch 
auszeichnet^  dafs  man  an  ihm  nicht  die  mindeste 
Spur  der  Löthstellen  bemerkt.  Ein  anderer^  aus 
dorchsich tigern  ungarischem  Hörn  bestehender  dop- 
pelter Kamin ^  der  beim^  Zerscli neiden  sogleich  zwei 
bis  auf  das  Zuspitzen  der  Zähne  fertige  Kämme  gibt^ 
zeigt  sehr  deutlich  die  Art,  wie  man,  um  Material  zu 
sparen,  bei  der  Bildung  solcher  Stücke  zu  Werke 
geht;  er  zeichnet  sich  übrigens  nicht  nur  in  dieser 
instruktiven  Hinsicht,  sondern  auch  durch  die  Rein* 
heil  der  Bearbeitung  aus. 

Peter  Verla  y  in  Mailands 

Kamme  aus  Büfifelhom,  die  aehr  schön  gearbei* 
tei  sind. 

Johann  Dino^  in  Wien* 

Von  diesem  durch  die  Mannigfaltigkeit  und  Vor- 
ziiglichkdit  seiner  Erzeugnisse  ausgezeichneten  Fa* 
bnkanten  besitzt  das  Kabinet  eine  zahlreiche  Samm- 
lang geprefster  Dosen  aus  Schildpat  und  Hörn ,  de- 
ren einzelne  Stücke  sich  sämmtlich  durch  Schönheit 
der  Desseins  in  hohem  Grade  bemerkbar  machen.  Es 
befinden  sich  darunter  mehrere  Schildpat -Densen,  die 
theils  aus  dem  Ganzen  bereitet,  theils  aus  kleinen 
Stucken  zusammengeprefst,  und  mit  den  geschmack- 
Tollsten  guillochirten  Zeichnungen  geziert  sincl;  fer- 
ner einige  aus  Hörn  verfertigte,  mit  Schildpat  belegte 
oder  piattirte  Dosen,  u.  s.  w.  Die  zum  Pressen  nö- 
thigcn  Formen,  welche  theils  gravirt,  gröfsten Theils 
aber  guillochirt  sind ,  werden  von  Herrn  Dino  selbst 
▼erfertigt;  denn  nur  durch  dieses  Verfahren  entsteht 
die  Möglichkeit,  es  den  lang  berühmten  französischen 
Fabrikaten  dieser  Art  gleich  zu  tliun»    Herr  Dinö  hat 


dieses  Problieai  so  glücklich  gelost ^  dafs  ihm  unstrei- 
tig ein  Rang  unter  den  vorzüglichsten  Fabrikanten 
des  Inlandes  gebührt. 

* 

Joseph  Dextery  in  Wien. 

Die  Fabrikate  aus  Hörn  und  ähnlichen  Materia- 
lien^ nahmentlich  LöfTel  und  Gabeln,  aus  Büffelhorny 
Kämme  aus  Elfenbein  und  Schildpat  u.  s.  w.  befrie- 
digen an  Schönheit  und  Vollendung  alle  Forderun- 
gen des  Kenners^  so^^dafs  dem  Yerfertiger  das  Lob 
eines  fleifsigen  und  thätigen  Arbeiters  mit  allem  Rechte 
ertheilt  zu  werden  verdient. 

Ferdinand  Kretsch.nann ,   zu  Gorz  in  Illyrien. 

Verschiedene  -Kämme^  worunter  sich  ein  ausge- 
beitztem  Uorn  verfertigter  durchbrochener  Frauen- 
zynmerkamm  besonders  auszeichnet.         . 

'  M.  A^   MuzziOy    zu  Plcenza  im  lombardisch -vene- 

tianischen  Königreiche. 

Muster  yoti  natürlichem  und  künsilichem  Fisch- 
bein, beide  von  besonderer  Schönheit,  und  zu  ver- 
schiedenen Artikeln^  wie  Spazierstöckeu>  Mafsstäben 
u.  dgl.  verarbeitet^  .welche  sehr  fleifsig  ausgeführt 
sind. 

Fictor  Falädiery  in  Wien. 

Aus  der  Kammfabrik  dieses  industriösen  und  ge- 
schickten Mannes  besitzt  das  Kabiuet  mehrere  vor- 
zügliche Musterstücke,  welche  in  jeder*  Rücksicht 
für  meisterhaft  gelten  können.  Merkwürdig  ist  dar- 
unter, ein  gekrümmter,  5i  Fufs  im  Bogen  langer, 
aus  einem  einzigen  ungarischen  Ochseahorn  durch 
Aufschneiden  in  schraubenförmigen  Windungeo  ver- 
•  Icrtigter  Kamm^  ferner  ein  grofser,  aus  zwei  Stückeü 
gelb  gefärbten  Hernes  zusarpmengelöthcter  Kamm, 
«  endlich  eine  ringförmig  gestaltete  HornpLitte,  diein- 
und  auswendig  nach  Art  eines  Kammes  mit  Zähnen 


97 

Tersehen  ist.  An  allen  diesen  Stucken  bewundert 
man  vorzugsweise  die  grofse  Reinheit  und  Schönheit 
der  Zähne  ^  welchen  Herr  Valadler  durch  ein  eigen- 
thümUches  sinnreiches  Verfahren  die  vollkommenste 
Rundung  zu  geben  weifs. 

Franz  Findling  y  zu  Hietzing  unfern  Wien^ 

bat  zwei  grofse  durchbrochen  gearbeitete  kammför- 
mige  Schilder^  einen  geraden  Kamm  und  ein  Etui^ 
sämmtlich  von  Elfenbein^  das  letzlere  mit    schildpa- 
tenen  und  elfenbeinernen  Kämmen   versehen^    über« 
geben.    Die  durchbrochene  Arbeit  an  diesen  Stücken 
ist  so  zart  und  rein^    dafs  sie   den   alten  berühmten 
Elfenb einarbeiten y  die  in  den  Kunsikabinetten  so  all- 
gemeine Bewunderung  erregen^  an  fleifsigcr  Bcarbei^ 
tung  gleich  kommen^  sie  an  Eleganz  der  Formen  aber 
sogar  weit  überirefTcn.     Wenn  man  bedenkt^  dafs  diö 
gegenwärtige  Zeit  allen  langwierigen  und  mühsamen 
Kunstarbeiten  wegen    Thcurung    des    Arbeitslohnes 
wenig  günstig  ist;  dafs  dagegen  jene  älteren  Arbeiten 
onter  Umständen  verfertigt  wurden^  die  dem  Künst- 
ler in  jeder  Rücksicht  weit  ermunternder  waren :  so 
mufs  man   der   vollendeten  Meisterschaft   des  Herrn 
Findling  Gerechtigkeit  widerfahren  lassen,  und  wün- 
schen^ dafs  es  ihm  nie  an  Gelegenheit  fehlen  müge^ 
sein  seltenes  Talent  fernerhin  zu  üben. 

Joseph  Heifslery  zu  Sterzing  ^  und  Michael  Pf  urt-- 
scheller  y  zu  Fulpmes  in   Tirol  y 

haben  dem  Kabinette  mehrere  Arbeiten^  als  Löffel^ 
Dosen  u.  s.  w.  aus  weifsem  tirolischem  Ochsen- 
horn  eingeschickt^  welches  an  Farbe  und  Undurch- 
sichtigkeit  fast  dem  Beine  gleicht^  durch  Erwärmung 
aber  durchscheinend  wird,  wie  gemeines  Hörn.  Ein- 
gravirte  und  schwarz  eingeriebene  Verzierungen  ge- 
ben diesen  nationalen  Kunstprodukten  ein  sehr  arti- 
ges und  gefälliges  Ansehen. 

J«hrb.  4.  polyt.  Inst.  IV.  Dd.  n 


98 

Mßihias  W^anschkay  zu   Gmunden  in  Österreich 

ob  der  JEnns. 

Aufser  einem  Tabakpieifenkopfe  von  Buxbaum- 
holtj  der  mit  erhaben  geschnittenen  Landschaften 
und  Figuren  sehr  artig  verziert  ist^  besitzt  das  Kabi-^ 
net  von  dem  genannten  Einsender  ein  Paar  zu  einem 
Pfeifenkopf  und  einem  Pulverhorn  zugerichtete  Gern- 
senhörnet*. 

Unter  den  ausländischen  Arbeiten^  vvelche  der 
Ähnliclikeit  des  Materials  wegen  hierher  gehören^  sind 
besonders  einige  Gegenstände  aus  Holzapfels  Fabrik 
in  London  bemerkänswerth.  Wir  nennen  davon 
eine  Sammlung  theils  aus  Elfenbein^  thcils  aus  Ko- 
kosnufS'Verferiigtet  Damensteine  ^  einen  ovalen  elfen- 
beinernen Becher  init  durchbrochenem  Untersatze^  ein 
Schreibzeug  un4  ein  Nadelbüchschen  aus  Kokoisnufs. 
Alle  diese  Stücke  sind  mit  sehr  geschmackvollen  Ver- 
zierungen versehen^  und  die  Damensteine  insbeson- 
dere mit  den  mannigfaltigsten  Desseins  guillochirt. 
Viele  davon  sind  von  solcher  Art^  dafs  ihre  Ausführung 
mittelst  einer  gemeiiien  Guillochirmaschine  als  eine 
unmögliche  Sache  betrachtet  vrerden  mufs;  daher 
dieselben  dem  inländischen  Künstler  wohl  als  ein 
der  Nachahmung  würdiges  Fabrikat  aufgestellt  wer- 
den können. 


4i.  Ein  für  manche  Theils  der  österreichischen 
Moiiarchie  nicht  ünbedeutefidös  Fabrikat  sind  die 
Stroh  ^  und  Basthüte,  von  denen  die  letztem  un- 
eigentlich ihren  Nahmen  führen^  da  sie  aus  schma- 
len und  dünnen  Holzstreifen  (meist  Weidenholz)  be- 
stehen. 

Ordinäre  Strohhüte  besitzt  das  Kabinet  von  Franz 
Verhounig,  zu  Jauchen  in  Illjrrien  (Laibacher  Kreis). 
Sie  sind   aus  ganzem  Stroh  verfertigt^  theils  von  der 


.99 

natürlichen  Farbe  desselben  ^  theils  aach  schwarz  ge* 
färbt,  und  werden  von  dem  Landvolke  in  Krain  häu- 
fig getragen. 

Feinere  Hüte,  nach  Florentiner  Art  aus  unge*- 
spaltenem  ^troh  verfertigt,  sind  von  Margaretha 
Costa  in  Venedig  eingeschickt  worden.  Diese  zeich- 
nen sich  durch  ihre  Feinheit  (da  sie  bis  70  Bänder 
im  Rande  besitzen)  vortheilhaft  aus,  und  würden 
eine  vollkommene  Nachahmung  der  echten  Florenti- 
ner-Hüte genannt  werden  können,  wenn  sie  den- 
selben an  Schönheit  der  Farbe  eben  so,' wie  in  ihren 
übrigen  Eigenschaften  gleich  kämen.  Eine  vollstän- 
dige Sammlung  von  feinem  und  gröberem  Flechtstroh, 
ist  gleich^Us  aus  dem  Yenetianischen  eingegangen. 

Strohgewebe,    deren  Kette  aus  Seide >    deren 
Eintrag  aus  gespaltenem  Stroh  besteht^  und  die  zur 
Verfertigung  der  so  genannten  Patent -Strohhüte  be- 
stimmt sind;  ferner  Strohbordüren,   und   sogar  Mu- 
ster von  ausgezeichnet  schönem,    in   ßöhmen   ver- 
sucbsweise  erzeugtem  Spaltstroh  hat  die  Fabrik  der 
HU.  Joseph  Fidler  und  Comp.,  zm Leitmeritz,  dem 
Kabinette  übetgebem 

Die  Busthüte  gehören  zu  den  eigeiithümlichen 
Erzeugnissen  des  südlichen  Europa,  und  werden  in 
der  Monarchie  fast  ausschliefsena  in  Italien  verfer- 
tigL  Sie  bestehen  eben  so  aus  einzelnen  Bändern 
wie  die  Strohhüte,  werden  aber  nicht  durch  Zu- 
sammennähen dieser  letztern,  sondern  blofs  durch 
Pressen  erzeugt;  die  Bjlnder  selbst  sind  mit  den  ge- 
wöhnlichen Handgriffen  aus  dünnen  unc^  schmalen 
Holzstrejfen  geflochten.  Peter,  Cinghiani  und  Jo- 
seph Lanzoni  in  Mantua^  und  Nikolaus  Parogchi 
in  Venedig  haben  theils  fertige  Baslhüte,  theils  ro- 
hes Material  und  so  genannte  Bastplaiien,  aus  wel- 
chen die  Hüte  verfertigt  werden ,  eingeschickt.  Von 

7* 


lOO 

dem  zuletzt  genannten  Fabrikanten  insbesondere 
besitzt  das  Kabinet  viele  ^  gröfsten  Theils  gefärbte 
(gelbe,  braune,  grüne,  schwarze,  rotbe)  Hüte,  die 
mit  grofsem  Fleifse  verfertigt  sind. 

Hier  erwähnen  wir  noch,  um  der  Ähnlichkeit 
des  Materiales  willen,  der  von  Jnton  Ferrari  zu 
Iseovoi  lombardisch -venetianischcn  Königreiche  (Prov. 
Brescia)  eingeschickten  Stricke  aus  Lindenbast,  von 
einer  Lange  bis  qo  Fufs ;  ferner  der  Stricke  aus  spa- 
nischem Ginster  {Genista  hispanica^  ital.  Erba 
Sparta  j  oder  E.  spagna),  welche  Joseph  Bonaldo, 
zu  672/o^g^za,  zur  Aufstellung  überliefert  hat;  endlich 
eines  von  dem  Korbflechter  Müller,  zu  Przemisl  in 
Ga/tzfe/2  verfertigten  Körbchens  in  Form  einer  Lampe, 
welches,  nebst  einer  von  demselben  Einsender  her- 
rührenden Tasse,  in  Rücksicht  auf  die  zierliche  und 
geschmackvolle  Arbeit  alles  Lob  verdient. 


^2.  Einen  der  vollständigsten  und  weitläufigsten 
Theile  desKabinettes  bilden  die  verschiedenartigen  Fa- 
brikate aus  Leinen,  Baum- und  Schafwolle  und  Seide. 
!Da  die  Zahl  der  Einsender,  welche  Muster  von  den 
in  diese  grgfse   Rubrik  gehörigen  Gegenständen  zur 
Au/stellung  übergeben  haben ,  sich  nahe  an  dreihun- 
dert beläuft,  so  wird  ma'n  sich  im  Nachfolgenden  da-' 
mit  begnügen,  nur   die  vorzüglichsten  unter  densel- 
ben anzuführen ,  indem  der  dem  gcfjenwärtigen  Auf- 
satze zustehende  Raum  keine   detaillirte  Aufzählung 
gestattet,    und   die    letzte  auch,    ohne  Erläuterung, 
wenig  Interesse  haben  würde. 

43.  Wir  erwähnen  vorerst  einer  grofsen  Samm- 
lung von  gehecheltem  Flachse ,  welche  Muster  aus 
fast  allen  Provinzen  des  Kaiserthumes ,  vorzüglich 
aber  aus  dem  an  diesem  Materiale  so  reichen  Böhmen 
enthält. 


ICI 

Der  Fkehsbaa  ist  seit  einigen  Jahrsehenden  über- 
all, und  somit  auch  in  unserer  Monarchie  ^  bedea- 
ten4  von  seiner  ehemahligen  Höhe  herab  gekommen^ 
"woran  die  häufiger  gewordene  Verwendung  der  Baum- 
wolle und  Baumwollenfabrikate  gewifs  die  vorzüglich- 
ste Schuld  trägt;     Indessen  würde  man  einen  grofsen 
Fehlschlufs  thun^  wollte  man  annehmen^  dafs  dieses 
durch    die  Zeitumstände   begünstigte  Mifsverh'ältnifs 
zwischen  der  Kultur  eines  einheimischen^    in  vielen 
Kücksiohten  vorzüglichen   Webemateriales  ^  und  der 
Verarbeitung  eines  uns  immer  fremd  bleibenden  Stof- 
fes jemahls  bis  zur  gänzlichen  Beseitigung  des  erste- 
ren  gedeihen  könne;    denn^   ungeachtet  bis  jetzt  alle 
Bestrebungen^  den  Flachs  zu  etwas  zu  machen^  was 
er  nicht  ist,   und  niemahls  werden  wird  (Versuche 
über  Flachsveredlung,  Flacbsverfeinerung,  Ersparung 
des  Röstens  etc.  etc.)  mifslun^n  sind,  so  wird  doch 
Kiemand  läugnen,  dafs  gewisse  nützliche  Eigenschaf- 
ten demselben  f&r  immer  einen  Rang  unter  den  We- 
bematerialien   sichern  müssen.     Hat  daher  auch  die 
Leinen- Industrie  in  der  neuern  Zeit  viel  gelitten;  ist 
sie  auch  nicht  im  Stande,  mit  der  unaufhaltsam  fort- 
gebenden Baumwollen -Industrie  gleichen  Schritt  zu 
halten ;  so  bleibt  doch  dem  Vaterlande  ein  Erwerb- 
zweig gesichert,   der/ so   viele  sieiner  Bewohner  seit 
Jahrhunderten  dankbar  genährt  hat. 

Erfreuliche  Beweise  von  den  neuerlichen  Fortr* 
schritten  des  Flachsbaues  liefern  unter  andern  meh- 
rere im  Kabinet  befindliche  Muster  von  zubereitetem 
Flachs^  welcher,  für  den  Gebrauch  der  Niederlän- 
der Industrie -Anstalt  zu  Prag  in  Böhmen  erzeugt 
wurde,  und  dessen  Feinheit  wirklich  Bewunderung 
verdient. 

44-  Unter  den  Leinen-  Gespinnstertf  welche 
das  Kabinet  aufzuweisen  hat,  befinden  sich  sehr  vor- 
xügliche^  und  in  jeder  Rücksicht  ausgezeichnete  Mu- 


ster.  Darunter  verdient  vorerst  ein  zahlreiehes ,  von 
f^alerio  Cozzatti,  zu  P.elugo  in  TI^o/  eingeschick- 
tes Garn -Sortiment  mit  vielem  Lobe  erv?ähnt  zuv?er- 
den  y  indem  dasselbe  Strehne  von  aufserordentlicher 
Feinheit  enthält^  welche^  sowie  die  übrigen^  eine 
ungewöhnliche  Gleichförmigkeit  des  Fadens  zeigen. 
Aufser  vielen  andern  Handgespinnsiten^  die  wir  der 
Kürze  wegen  übergehen,  machen  sich  besonders  die 
Maschinengarne  von  FFurm  und  Pausinger  in  FFien, 
und  von  Girard  in  Hirienberg  nächst  Baden ,  be- 
merkbar. 

Den  HH.    Tfurm  und  Pausinger  gebührt  das 
Verdienst,  allen  übrigen  Fabriken  mit  der  Einfuhrung 
der  Flachsspinnmaschinen  im  österreichischen  Staate 
vorangegangen  zu  seyn,  da  sie  ihr  Etablissement  liun 
schon  seit  z6hn  Jahren  (seit  i8i3*)  mit  Erfolg  betrei- 
ben, und  auf  die  von  ihnen  selbst  erfundenen  Ma- 
schinen im  Jahre  i8i7*eia  ausschliefsendes  Privile- 
gium erhalten  haben.     Von  den  Mustern,  vvelche  die 
gemannten  industriösen  Unternehmer  dem  Kabinette 
übergeben  haben,  verdient  das  sehr  gleiche  und  feine 
Garn  ^aus  mascbinirtem  Werg  ganz  vorzügliche  Auf- 
merksamkeit.    Dafs  bei  der  Spinnmethode  der  HH. 
Wurm  und  Pausinger  der  Flachs  in  seiner  vollkom- 
menen Länge  versponnen ,   und  dem  Garn  dadurch 
eine  ausgezeichnete  Festigkeit  ertheilt  wird,   ist  si- 
cherlich nicht  das  geringste  Verdienst  derselben. 

Die  ausgedehnte  Fabrik  des  i8i5  durch  die 
Staatsverwaltung  nach  Österreich  berufenen,  und 
bald  darauf  ansehnlich  unterstützten  Franzosen  Phi- 
lipp Girard,  deren  ausschliefsendes  Privilegium  sich 
vom  i8.  September  des  genannten  Jahres  datirt,  hat 
seit  der  Zeit  ihrer  Gründunfi;  mit  bedeutenden  Sehrit- 

.V         •  «  'all 

*)   Hermbitädti  Bulletin   des   Neuesten    ctfc.   Bd.   XII.   S.    i5. 
I'oJgg. 


ten  sieh  ihrer  YoUkommedheit  genähert.  Die  toh 
dem  Eigenthümer  übergebeneil  Proben  deiner  Ge- 
tpinnste  verdienen^  nebst  einigen  daraus  gewebten 
Leinwanduinstern^  billiges  Lob,  sowohl  was  ihre  grofse 
Feinheit,  als  was  die  Gleichheit  und  Schönheit  des 
Fadens  betrifft. 

Endlich  müssen  noch  die  Muster  Ton«  türkisch- 
roth  gefärbtem  Leinen -,  Hanf-  und  Werggarn  des 
Daniel  Robbiatiy  zu  Monza  im  venetianisch  ^  lom- 
bardischen Königreiche,  lobend  erwähnt  werden. 

45.  Der  Ähnlichkeit  wegen  gehören  hierher  auch  eiü 

Paar    sehr  bedeutende  Sortimente  von  gebleichtem 

Leioenzwim,  welche  die  Fabrikanten  Joseph  Fila- 

Uniy  zu  Solo  im  venetianisch  r  lombardischen  König« 

reidie  (Prov.  Brescia),  und  fFeiß  und  Röster,    zu 

Würhenthal  in  k.  k.  Schlesien^  Behufs  der  öffentH- 

eben  Aufstellung  eingeschickt  habep.     Beide  erfüllen 

alle  Forderungen ;   welche  man  an  dieses  so  häufig 

gesDcfaie  Fabrikat  billiger  Weise   stellen  kann:     sie 

zeichnen  sich  in  Rücksicht  sowohl  der  Feinheit  und 

Weifse  y  als  der  Schönheit  und  Gleichförmigkeit  der 

Drehung  sehr  zu  ihrem  Yortheile  aus. 

Sehr  Yorzüglich  ist  auch  ein  von  Johann  Hin* 
kelnumny  zu  HoheneWe  in  Böhmen ,  eingesandtes 
Strehnchen  Spitzenzwirn  von  solcher  Feinheit^  dafs 
der  5333  Fufs  lange  Faden  nicht  mehr  als  60  Gran 
wiegt  9  und  also  den  mittelfeinen  Sorten  des  beriihm- 
ten  niederländiscBen  Spitzenzwirns  ungefähr  gleich 
kommt. 

46-  Zahlreiche  Musterstückc  besitzt  das  Nationair 
Fabriksprodukten- Kabinet  im  Fache  der  Leinen  We- 
berei^ eines  Industriezweiges^  dernQch  jetzt  für  die 
Monarchie  von  gröfster  Wichtigkeit  ist^  ungeachtet 
ein  grofser  Theil  der  Leinenzeuge  y  besonders  der  ge- 


io4 

färbten  und  gedruckten^  jetzt  meist  durch  die  vroU- 
feileren  (aber  freilich  weniger  dauerhaften)  Baum- 
i?vollenzcuge  verdrängt  ist.  Die  vorzüglichsten  der 
hier  zu  nennenden  Einsender  sind  nachstehende: 

jinton  Borghiy  zu  Canale  in  Illjrien  (Görzer 

Kreis). 

Dieser  Fabrikant  hat  dem  Kabinette  schön  gear- 
beitete Muster  von  Tischzeug ,  versohiedenförmig  ge- 
streifter und  gev^ürfelter  Leinwand^  Bettzeugen  u. 
8.  v^.  übergeben^  'die  wegen  ihrer  Yortref&ichkeit  ge- 
rühmt zu  werden  verdienen. 

JBernard  und  Jakob  Bocchini,   zu  Pioue  im  vene« 
lianisch-  lombardischen  Königreiche  (Prov. Padua). 

Gewürfelte  und  gestreifte  Leinwand^  auch  solche 
mit  baumwollenem  Eintrags  ferner  Schnupftücher  u. 
s.  w»  von  grofser  Schönheit. 

Michael  Bayerleitkner,  in  TJ^ien. 

Säcke  ohne  Naht^  aus  einem  geköperten^  zum 
Theil  mit  Baumwolle  gemischten  Gewebe^  und  von 
grofser  Brauchbarkeit,  besonders  zur  Aufbewahrung 
von  Geld^  da  hier  kein  Betrug  durch  Aufschneiden 
und  nachfolgendes  Zunähen  der  Naht  möglich  ist. 
Diese  Säcke ,  deren  Verfertigung  von  jedem  Weber 
auf  einem  gewöhnlichen  Stuhl  leicht  vorgenommen 
werden  kann*)^  besitzen  nähmlich  blofs  an  den  Sei- 
ten zwei  schmale,  ganz  glatt  wie  Leinwand  gewebte 
Leisten,  vsrährend  der  Boden  ohne  Unterbrechung 
ans  den  Eintragfaden  gebildet  ist.  Beim  Gebrauche 
kon^men  die  erwähnten  Leisten  in  das^  Innere  des 
Sackes,  und  gefährden  daher  die  Sicherheit  und  Bo- 

*)  Da»  der  kais.  ös'err.  priv.  Wiener-Zeitung  vom  17,  Februar 
1811,  No  39,  beiliegenfle  Amtsblatt  No.  i4  rnthält  eiRr, 
auf  höhere  Anordnung  bekannt  gemachte  ausführliche  Bc- 
frchreihnng  von  Bayerleithners  Methode,  Säcke  ohne  Naht 
XU  weben. 


io5  • 

qaemlicfakeit  desselben  auf  keine  Weise.  Nur  steht 
iiiJ>efurchten9  dafs  vielleicht  durch  wiederhohltes 
Waschen  ein  Ausfasern  der  Leisten ,  und  so  das  Zer- 
xeissen  des  Sackes  bald  herbei  geführt  werden  könnte. " 
Ungeachtet  Bajerleithner  keineswegs  der  Erste  ist^ 
iety  selbst  im  österreichischen  Staate^  sackförmige 
Gewehe  ohne  Naht  verfertigte,  so  verdient  doch  seine 
Methode  wegen  ihrer  grofsen  Einfachheit  vielen  ande- 
ren vorgezogen  und  allgemeiner  eingeführt  zu  wer* 
den.  In  diesem  Anbetrachte  war  es  eine  sehr  zweck- 
dienliche Mafsregel-y  dafs  dem  Erfinder  höhern  Orts 
sein  Geheimnifs  abgekauft ,  bekannt  gemacht^  und 
die  Beschreibung 9  zur  weiteren  Verbreitung^  auch  in 
das  Italienische  übersetzt  wurde.  Der  Erfolg  davon 
war  auffallend.  Kurze  Zeit  darauf  wurden  bereits 
im  Arbeits-  und  Strafhause  zu  Mailand  Säcke 
von  bedeutender  Gröfse  nach  Bajrerleithners  Me- 
thode verfertigt ,  wie  die  dem  Kabinette  von  den  ge- 
nannten Anstalten  eingeschickten  Muster  beweisen. 
In  dem  dasigen  Arbeitsbause  änderte  man  das  Yer- 
fä&ren  dergestalt  ab,  dafs  die  Säcke  eine  einzige,  am 
Boden  befindliche  Leiste  erhielten ,  wodurch  freilich 
das  Fahrikat  vereinfacht,  aber  die  Dauerhaftigkeit 
desselben  wieder  etwas  vermindert  wird,  da /begreif- 
licher Weise  y  gerade  der  Boden  Aes  Sackes  jederzeit 
am  meisten  zu  tragen  hat. 

Johann  JESerl,  in  Grätz. 

Grobe,  durch  Aufkratzen  rauh  gemachte  Ge- 
webe, oder  so  genannte  Kotzen  aus  Hanf,  welche 
als  ein  ziemlich  ungewöhnliches  Fabrikat  Aufmerk- 
samkeit verdienen. 

Joseph  Gerlin,  in  Venedig. 
Segeltuch  von  verschied^enen  Gattungen,  die  un- 
ter den  Nahmen   Cavallina  y   fladana,    Cottonina 
tt.  s.  w.  vorkommen.    Die  letztgenannte  Sorte  besteht 
uar  zum  Theil  aus  Hanfgarn,  da  der  Eintrag  grpbe« 


io6 

BaamwoIIengarn  ist.  Da  Bur  wenige  Fabriken  mit 
der  jErzeugung  dieses  Artikels  sich  abgeben ,  so  ver- 
dienen die  vorliegenden  Master  um  so  mehr  Lob ,  als 
sie  überdiefs  auch  weder  an  Gleichförmigkeit,  noch 
an  der  erforderlichen  Dichtigkeit  des  Gewebes  das 
Mindeste  zu  wünschen  übrig  lassen. 

Eine  ähnliche  y  aber  noch  vollständigere  Samm- 
lung der  verschiedenen  Arten  von  Segelleinwand  hat 
das  Kabiüet  aus  dem  zum  Königreiche  lUjrrien  gehö- 
rigen österreichischen  Küstenlande  erhalten.  Die 
Breite  aller  dieser  Muster  beträgt  j-  bis  ^  Wiener  El- 
len, und  auch  davon  sind  mehrere  (wie  Fustagno 
d  Anconay  Fustagno  di  Rimini  u.  s.  w.)  halb  aus 
Baumwolle,  die  übrigen  hingegen  (Tela  di  Cento, 
Lunetta  di  f^enezic^  u.  s«  f.)  ganz  aus  Hanfgarn  ver- 
fertiget. 

Die  gräflich  ff arr ach' sehe  Leinw^dfabrik  zu  Jana- 

Witz  in  Mähren. 

Aufser  einigen  Mustern  von  vortreflflich  gear- 
beitetem Leinendumast  hat  diese  Fabrik  dem  Kabi- 
nette ein  sehr  schönes,  aus  Leinengarn  und  Seide  ge- 
mischtes Kaffehtuch  übergeben ,  welches  sich  durch 
Schönheit  der  Zeichnung  und  Vollendung  der  Arbeit 
in  gleichem  Grade  auszeichnet. 

Hanisch  y  zu  Wamsdorf  in  Böhmen. 

«  Damast  aus  gebleichtem  und  ungebleichtem  Lei- 
nengarn, von  denen  das  erstere  die  Figuren,  das 
letztere  den  Grund  bildet.  Waaren  dieser  Art  sind^ 
ihres  schönen  Ansehens  wegen,  sehr  beliebt. 

Joseph  Fr.  Riesling  y  zu  Hohenelbe  in  Böhmen 

(Bidczower  Kreis). 

Mehrere  Muster  von  feiner  und  mittelfeiner  ge- 
bleichter Leinwand,  so  wie  von  Schleier,  welche 
diesef    Erzeuger    zur  Aufstellung   eingeschickt  hat^ 


107 

▼erdienen  "wegen  ihrer  Schönheit  eine  besonders  lo- 
hende Erwähnung. 

Die  Zünfte  der  Leinweher  eu  S.  Georgen,  Fron- 
kenmarkt  und   PHlkermarkt  in  Österreich  oh  der 

EnnSy 

haben  dem  Kabinette  eine  grofse  Anzahl  Muster  von 
ordinärer  und  feiner^  gehleichter  und  ungebleich- 
ter JLeinwand,  geflammten  und  gestreiften  Bettzeu- 
gen o«  dgl.  eingeschickt,  die  sämmtlich  wegen  des 
in  der  Arbeit  sichtbaren  Fleifses  zu  rühmen  sind. 

Stolle  und  Söhne  j  zu  Wamsdorf  in  Böhmen. 

Damast- Tischzeug  vtja  sehr  gut^r  Qualität  und 
grofser  Schönheit. 

Andretis  Fogel  und  Sohn,   ?u  Snecznajr  in  Böh- 
men (Königgrätzer  Kreis). 

Rohe   und  gebleichte  Leinwand  von  besonde* 
Ter  Schönheit. 

47-  Ein  föi*  die  Industrie  im  Allgemeinen  zwar 
nicht  sehr  bedeutender  ^  dagegen  aber  für  gewisse 
Theile  der  österreichischen  Monarchie  desto  wichti- 
gerer Erwerbzweig  ist  die  Verfertigung  der  Spitzen. 
Erst  seit  dem  Anfange  des  gegenwärtigen  Jahrhun- 
derts^ um  welche  Zeit  durch  die  auf  "allerhöchste 
Anordnung  nach  Wien  berufenen  niederländischen 
Arbeiterinnen  die  Fabrikation  der  feineren  Spitzen  in 
die  Erblande  verpflanzt  wurde  ^  hat  sich  dieser  Indu-^ 
striezweig  bedeutend  zu  heben  angefangen;  unge- 
achtet sich  schon  früher  eine  beträchtliche  Menschen- 
menge damit  beschäftigt  hatte.  Durch  eiqq  vervoll- 
kommnete Behandlung  des  Flachses  beim  Bau  und 
hei  der  Zi}bereitung<,  so  wie  durch  die  Anlegung  von 
Spitzenschulen  in  i9ö Amen ^  ist  seit  dem  ein  grofser 
£hriit  vorwärts  gethan  worden  ^  soy   dafs  das  Beste? 


»o8 

hea  der   in  R^de  befiadlichen  Fabrikatton  för  eine 
lange  Zukunft  gesichert  zu  seyn  scheint. 

I 

Pas  National -Fabriksprodukten -Kabinet  besitzt, 
aufser  vielen  Mustern  von  gemeinen  groben  Zwirn- 
spitzen aus  Böhmen  ^  Tirol  und  einigen  andern  Pro- 
vinzen^ eine  prachtvolle  Sammlung  aller  Arten  von 
Spitzen  aus  der  Privatfabrik  der  Schv^estern  Vanden- 
cruys  in  f^ien  {Döblinig  bei  Wien)  und  der  so  ge- 
nannten Niederländer  ^  Industrieanstalt  in  Prag. 

Die  Familie  Pandencruj's  yrurde  vor  beiläufig 
zvranzig  Jahren'  auf  Staatskosten  von  Brüssel  nach 
fVien  berufen  y  um  hier  eine  Spitzenfabrik  zu  grün- 
den^ deren  Fortführung  ihr  späterhin  mit  kaiserlicher 
Unterstützung  als  Privat-  Unternehmung  überlassen 
worden  ist.  Das  ausgezeichnetste  Produkt  dieser  An- 
stalt unter  den  im  Fabriksprodukten -Kabinette  auf- 
gestellten Mustern^  ein  wahres  Prachtstück^  ist  ein 
vier  Fufs  im  Quadrat  grofser  Schirm^  mit  eingenähten 
Figuren,  die  einen  ungeheuren  Fleifs  und  eine  er- 
staunliche .Geduld  in  der  Ausarbeitung  beurkunden. 
Kleinere  Stücke,  als  einzelne  Figuren,  Streifen,  Ja- 
bots u.  s.  w.  lassen  eben  so  sehr  den  Geschmack 
lA  der  Zeichnung  als  die  mühsame  Ausführung  be- 
wundern. 

« 

Eine  Filiale  der  Wiener  Fabrik  ist  die  Nieder- 
länder Inditstrieanstalt  zu  ^Pragy  welche,  so  wie 
jene,  vom  Ärarium  beträchtlich  unterstützt, und  viel- 
leicht nur  dadurch  in  ihrem  Flor  erhalten  v/ird.  Von 
ihr  hat  das  Kabinet  ^ine  nicht  weniger  merkwürdige 
Sammlung  von  ausgezeichneten  Musterstücken  aufzu- 
weisen, welche  dadurch  noch  interessanter  wird,  dafs 
ihr  Proben  des  in  Böhmen  selbst  erzeugten  rohen, 
zugerichteten  y  gesponnenen  und  gezwirnten  Flach- 
ses beigefügt  sind. 


109 

Gelegenlieidich  können  hier  y  der  Seltenheit  we- 
gen ,  einige  Fabrikate,  nähmlich  Bänder,  Handschuhe 
und  Spitzen  aus  gesponnenem  Asbest  erwähnt  wer- 
den. Die  Yerfertigerin  dessell^en  ist  Madame  Z. 
Perpentiy  zu  Como  im  venetianisch  -  lombardischen 
Königreiche. 

48.  Das  National -Fabriksprodukten -Kabinet  be- 
sitzt keine  weitläufige  Sammlung  roher  Baumwolle, 
da  dieser  Artikel  eine  Rubrik  der  am  polytechnischen 
Institute  befindlichen  Materialwaaren- Sammlung  bil- 
det; doch  erwähnen  wir  hier  einiger,  vor  mehreren 
Jahren  (1811)  im  Banate  und  der  Militärgränze  (um 
TemeswiiTy  Karlowitz,  Peterwardein)  versuchs- 
weise erzeugten  Baumwollensorten,  die  aber,  wie 
die  vorliegenden  Muster  zeigen,  von  schlechter  Be- 
schaffenheitsind, und,  der  Erfahrung  zu  Folge,  kaum 
bisKro.  56  verspinnbar  amsfielen. 

Das  Spinnen  der  Baumwolle  ist,  seitdem  der 
Verbrauch  baumwollener  Zeuge  so  sehr  überhand 
genommen  hat,  ein  fiir  die  österreichische  Monarchie 
vf^icbtiger  Erwerbzweig  geworden,  und  ist  es  selbst 
jetzt  noch,  da  dieser  Tbeil  der  Industrie  doch  seit 
mehreren  Jahren  bedeutend  durch  die  Zeitumstände 
gelitten  hat.  Die  Einführung  der  Spintimaschinen 
nach  englischer  Art,  welche  ntin  bereits  allgemein 
verbreitet  sind,  und  die  Stelle  der  Handspinnerei  mit 
gröfstem  Yortheil  ersetzen,  datirt  sich  im  Inlandeerst 
seit  ungefähr  zwanzig  Jahren.  Der  höchste  Flor  in>- 
ländiicher  Spinnereien  fäHt  in  die  Zeit  der  Napoleon'- 
schen  Contincntalsperre:  der  seither  eingejLretene 
allgemeine  Friede  hat  viele  Fabriken  ins  Stocken  ge- 
bracht, und  da  gegenwärtig  alle  feineren  Garnsorten 
(von  Nro.  5o  Mule  und  Nro.  12  Water  aufwärts)  aus 
der  Fremde  einzuführen  erlaubt  sind,  die  heimischen 
Spinnereien  aber,'  des  hohen  Zolles  tmgeachtet,  mit 
den  englischen  Erzeugnissen  nicht  zu  konkurriren  ver- 


HO 

mögea^  so  befindet  sicli  die  inländische  Zeugweberei 
in  einem  lästigen  Abhängigkeits- Zustande.  Die  Fein- 
spinnerei wird  eben  wegen  dieser  Unfähigkeit  der 
Konkurrenz  gleichsam  nur  als  Ausnahme  betrieben, 
und  somit. steht  der  ganze  Industriezweig  tiefer,  als 
es  eigentlich  möglich  wäre.  Die  freie  Konkurrenz  mit 
dem  monopolisirenden  Engländer  drückt  den  Muth 
des  österreichischen  Fabrikanten  nieder ,  statt,  wie 
sie  es  unter  günstigem  LokalitaCs-  und  Zeitumstän- 
den wohl  ihm  Stanae  wäre ,  ihn  aufzurichten. 

Das  National- Fabriksprodukten -Kabinet  besitzt 
eine  interessante  Sammlung  englischer  BaumwoUen- 
gespinnste ,  und  zwar  Mulegam  in  einzelnen  Schnel- 
lern von  Nro.  5^  bis  200.  Von  den  inländischen  Ma- 
schiuensninnereien  haben  hauptsächlich  jiachfolgende 
Proben  inrer Erzeugnisse  eingeschickt: 

Die  Maschinengespinnst- Fabrik  des  Freiherrn  von 
JBrai^ ,  zu  Schönau  in  Österreich  (V.  U.  W.  W.). 

Mulegam  aus  niacedonischer  und  westindischer, 
und  Watergarn  aus  macedonischer  Wolle;  jenes  bis 
zur  Feinheits  -  Nummer  80  >  dieses  bis  Nro.  36.  Die 
Garne  sind  durchaus 'sehr  schön  ^  und  lassen  in  Ab- 
sicht auf  die  Gleichheit  des  Fadens  nichts  zu  wün- 
sehen  übrig.  Von  jeder  Sorte  besitzt  das  Kabinet  An 
fünf  englische  Pfund  schweres  Packet« 

Der  .Spinnfabrikant  Friedrich  Eimannsberger ,   zu 
Gattern  in  Tirol  (Bregenzer  Kreis). 

Mehrere  Garnsorten  in  kleinen  Mustern, .  von 
den  Feiuheits  -  Nummern  36  bis  4^,  aus  Louisiana- 
und  Surinam -Baumwolle. 

Die  k.  k.  priv.  Mascbinengespianst^Fabrik   zu   Pot- 
tendorf  in  Österreich  (V.  U.  W.  W.}. 

Diese,  einer  zahlreichen  Privatgesellschaft  gekö- 
rige Anstalt  wurde  im  Jahre  180:2  gegründet,   und 


III 

ist  gegenwärtig  die  ausgedehnteste  ihrer  Art  in  der 
Monarchie  j  sie  arheiteie  vor  ungefähr  sieben  oder 
acht  Jahren  mit  mehr  als  zweihundert  Maschinen^ 
worunter  nur  der  achte  Theil  für  Watergarn  ^  weil 
die^  Gespinnstsorte  weniger  gesucht  und  verbraucht 
-wird,  als  das  Mulegarn.  Dem  Kabinette  hat  diese  Fabrik 
eine  höchst  bedeutende  Sammlung  ganz  vortrefflicher 
Game  zum  Geschenk  gemacht.  Von  der  Feinheit  der 
darunter  befindlichen  Muster^  welche  durchaus  in 
cinpfiindigen  Packcten  bestehen^  gibt  nachfolgende 
Übersicht  einen  Begrifi:  Macedonisches  Mulegarn, 
Prima  Sorte  Nro.  20  bis  40;  —  Secunda  Nro.  5o  bis 
60;  —  macedonisches  Watergarn  Nro.  iöbis:28;  — 
indisches  Mulegarn,  Prima  JVro.  4o  his  90;  -r-  Se- 
conda  Nro.  3o  bis  160;  —  indisches  Watergarn, 
Prima  Nro.  4o  bis  5o ;  —  Secunda  Nro.  3o  bis  /40 ,  — 

gebleichtes  macedonisches  Strickgarn  (gezwirnt)  Nro. 

lü  bis  3G;  —  indisches  Stickgarn  Nro.  26  bis  44;  — 

indisches   £jreppgarn    Nro.    32',    —    türkischrothes 

Gam^  Prima  Nro.  44* 

Unter  den  genannten  Sorten  verdient  noch  ins- 
besondere die  letzte^  nähmlich  das  türkischroth  ge- 
färbte Garn ,  einer  ehrenvollen  Erwähnung  ^  indem  es 
an  Feuer  der  Farbe  nicht  das  Geringste  zu  wünschen 
übrig  läfst^  un4  in  dieser  Rücksicht  gewifs  mit  einem 
jeden  andern  wetteifern  kann.  Auch  das  Kreppgarn 
mufs  einer  besonders  lobenden  Auszeichnung  gewür- 
digt werden« 

Die  Maschifienspinnerei  der  Freiherren  Johann  und 
Karl    von   Futhon,     zu    Teesdörf  in    Österreich 

(V.  U.  W.  W). 

Sehr  schöne  9  bis  Nro.  ioo  reichende  Mulegarne^ 
Prima  und  Secunda  Sorte  ^  aus  macedonischer^  uild 
westindischer  Wolle.-  Das  freiherrlich  von  Puthon*^ 
sehe  Etablissement  gehört  zu  den  bedeutendsten  in 
der  Monarchie. 


112 


Die  Spinnfabrik  von  Rhomberg  \md  Lenz ,  zn  Dorn- 
bim  in  Tirol  (Bregenzer  Kreis). 

Einzelne  Strehuchea  von  Muiegarn^  darunter  das 
feinste  Nro.  70. 

i)ie  Spinnerei  des  Joseph  pon  TTiorkton,  zu  Minr 
kendorf  in  Österreich  (V.  U.  W.  W.)» 

Maschinen  -  Watergarn  aus  macedoiiischer  Baum- 
"wolle^  von  den  Feinheits- Nummern  3o  bis  58. 

Das  Färben  des  türkischrothen  BaumveoUgarnes 
wird  von  mehreren  Fabriken  mit  bestem  Erfolge  be- 
trieben. Muster  solchen  Garnes  besitzt  das  Kabinet 
von  der  Pottendorfer  Spinnfabrik^  ^ie  schon  erwähnt; 
aufserdem  haben  Peter  Zanoluy  zu  Monzaixa  vene- 
tiaiiisch  -  lombardischen  Königreiche,  und  Jakob 
Bröcking,  in  Wien,  Muster  von  diesem  Fabrikate 
übergeben,  die  alle  Forderungen  befriedigen,  und 
einen  erfreulichen  Beweis  von  den  Fortschritten  die- 
ses ^  Zweiges  der  Färberei  ablegen. 

49.  Die  Sammlung  der  verschiedenen  Arten  von 
JBaumwollenzeugen  macht   einen  der   schätzbarsten 
und  interessantesten  Theile  des  Kabinettes  aus.    Un- 
ter der  greisen  Anzahl  von   Fabriken ,   welche  ab- 
gleichen Erzeugnisse  eingeschickt   haben,    befinden 
sich  mehrere  sehr  ausgezeichnete  Etablissements,  de- 
ren Besitzer  wegen  ihrer  Industrie  lobend  angeführt 
zu  werden  verdienen.     Diese  sind  hauptsächlich  fol- 
gende. 

Biassoni  und  Robbiati ,   zu  Monza  im  venetianisch^ 

lombardischen    Königreiche* 

Unter  den  von  dieser  Fabrik  übergebenen  schätz- 
baren Stücken  befinden  sich  weifse  musselinene 
Schnupftücher,  ein  yveifses,  eben  solches  Umhäng- 
tuch, Muster  von  Perkai  u.  s.  w.,  die  sämmtlich  sehr 
schöA  gearbeitet  und  von  bedeutender  Feinheit  sind. 


ii3 

Gebriider  Colombo,  zu  Monza , 

baben  eise  AnzabI  gewürfelter  baumwollener  Scbnupf- 
tücher  und  äbnlicbe  Zeuge  zur  Aufstellung  einge- 
schickt. 

Karl  Damm,  in  PTien. 

,  Dieser  iudustriöse  Fabrikant  zeichnet  sich  beson- 
ders durch  die  Verfertigung  solcher  Artikel  aus,  die 
fiir  den  Frauenzimmerputz  bestimmt  sind.     Das  Ka* 
binet  besitzt  von  ibm    gestreiften,     zum  Theil   mit 
Schafwolle  oder  Seide    untermischten  Baumwollen« 
Battist,    ein  schönes,   mit  Seide  eingewebtes  Tüll' 
Tuch,    sogenannten  Schlangen- Tüll,    Damast- Tüll^ 
und  ähnUche  Zeuge,  die  sich  sowohl  durch  Feinheit 
und  Leichtigkeit,  als  durch  Zierlichkeit  in  den  Des- 
seins  auszeichnen.  Besonders  beo^erkenswerth  scheint 
e'm  durchbrocbenes  Bordurkleid  durch  die  Zartheit 
seiner  Ausführung ,  welche  nichts  zu  wünscben  übrig 
lafst;  mehrerer  anderer  Musterstücke  nicht  zu  ge- 
denken. 

Gehruder  Erjcleben,    zu  Landskron  in  Böhmen 

(Chrudimer  Kreis). 

Sehr  schöne,  mit  Walzen  bedruckte  Kattun« 
muster^  welche  rücksichtUch  der  Genauigkeit  in 
der  Ausführung  alle  Wünsche  des  Kenners  befriedi- 
gen. Jedermann  kennt  die  grofsen  Vörtheile  des 
Walzendruckes  in  Absicht  siuf  Ökonomie  und  Erspa- 
ruBg  des  bei  den  gewöbnlichen  Formen  nöibigen 
Rapportirens ;  Jedermann  weifs  aber  auch  die  bei  sei- 
ner Ausübung  eintretenden  Scbwierigkeiten  zu  beur- 
theilcn,  welche  von  den  Gebrüdern  JGrxfeÄe/i  gl ück- 
hch  überwunden  worden  sind.  Vorzüglich  bemer- 
kcnswerlh  unter  den  eingesandten  Mustern  ist  ein 
Stück  mit  geraden  Streifen,  und  ein  anderes  mit 
sehr  enge ,  in  regelmäfsigen  Entfernungen  stehenden 
Punkten. 

^Mkt^.  4.  pol/t.  last.  IV.  114.  8 


ii4 

Joseph  Fussenegger,  zu.  Dombim  in   Tirol  (Bre* 

genzer  Kreis)  ^ 

hat  viele  Master  von  sehr  schön  gesticktem  Musselin, 
nahmentlich ,  aufser  mehreren  kleineren  Frohen,  vier 
iiher  eine  Elle  im  Quadrat  grofse  Umhängtücher  ein« 
geschickt,  die  viel  Fleifs  in  der  Bearbeitung  zeigen. 

Fr*  Fröhlich  und  Söhne,  zu  Wamsdorf  in  Böhmen. 

Unter  den  von  diesen  Fahrikanten  eingegange- 
nen Mustern  erwähnen  wir  als'  vorzüglich  ein  lo  El- 
len langes ,  mit  8  verschiedenen  Desseins  versehenes 
Stück  Dimities  oder  Wallis  von  grofser  Schönheit.  Nicht 
minder  ausgezeichnet  ist  ein  Stück  Baumwollen-Sammt^ 
v^elches  auf  einer  Länge  von  7  Ellen  mit  sieben  ver- 
schiedenen farbigen  Desseins  sehr  geschmackvoll  be- 
druckt ist.  Diese  beiden  sehr  gelungenen  Erzeugnisse 
berechtigen  zu  dem  günstigsten  Urtheile  über  die  Fa-- 
brik>  aus  welcher  sie  hervorgegangen  sind« 

C.  An  Hafferl,  in  Linz* 

Mehrere  sehr  schöne  Muster  von  gedrucktem 
Baumwolleh  -  Barchent ,  1/velche  um  so  bemerkens- 
werther  sind ,  da  sie  nur  von  l/irenigen  Fabrikanten 
verfertigt  werden. 

Kaspar  Hirt  ^  in  Mailand. 

^  Verschieden  bedrückte  Kattune  oder  Calicoes, 
auch  bäumwollne  Schnupftücher  mit  sehr  gut  gewähl- 
ten Desseins« 

Heerburger  und  Khombergy   «u  Dornbirn  in  Tirol. 

Dieses  Handelshaus  betreibt  nicht  sowohl  eine 
eigene  Fabrik,  als  vielmehr  nimmt  dasselbe  gewisse 
baumwollene  Zeuge,  wie  weifsen  Perkai,  glatten^  ee- 
stickten  und  genähten  Musselin  u.  dgl.  den  in  der 
Umgegend  von  Dornbirn  ansäfsigen  Webern  zum 
Yerschleifse  ab.  Das  Kabinet  besitzt  zahlreiche  Mu- 
ster von  den  genannten  Artikeln,  *welche  durdiaus 
schön  und  mit  Fleifs  gearbeitet  sind. 


if5 

Ignaz  tind  Philipp  HacLS^  beide  in  PFien, 

haben  dem  Fabriksprodukten  -  Kabinette  Muster  von 
verschiedenen^  zu  Putzwaaren  dienenden  Zeugen  über- 
geben. Darunter  zeichnen  sich  ein  Paar  fagonnirte 
Tüll  -  Bajaderen  von  Philipp  Haas  durch  ihre  Schön- 
heit aas.  Nicht  weniger  vorzüglich  sind  die  Proben 
von  farbig  broschirtem  und  fa9onnirtem  Tüll ,  Vielehe 
diese  beiden  Fabrikanten  zur  Aufstellung  überreicht 
haben.  Die  ganze. Sammlqng  ihrer  Erzeugnisse kann^ 
nebst'  so  vielen  anderen  im  Kabinette  befindlichen 
Husierstücken  ^  zum  Beweise  der  Fortschritte  die- 
nen, -welche  die  Baumwollenzeug -Fabrikation  seit 
mehreren  Jahren  gemacht  hat. 

Anton  Holljr  y   in  Wien^ 

Ein  sehr  schön  gearbeitetes  Damenkleid  aus  Ya- 

peur  mit  zweifacher  TülU Bordur;  /dann  eine  TüU- 

Bayadere  von  grofser  Schönheit,  welche  beiden  Stücke 

wegen  ihrer  sorgfältigen  und  genauen   Ausführung 

alles  Lob  verdienen. 

Die  Sckwanenstädter  BaumwoUenwaaren  -  Fabrik 
von  Jennjf  Ablj   und    Comp.y  in  Österreich 

(Innkreis.) 

Eine  bedeutende  Fabriks«»  Anstalt^  welche  dem 
Kabinette  mehrere  sehr  g(sluDgene  Proben  ihrer  Er- 
zeugnisse zur  öfTentlichen  Aufstellung  eingeschickt 
hat.  Die  darunter  befindlichen  Muster  von  glattem 
Perkai  ^  glattem  und  fa9onnirtem  TüU^  weifsem  Pi- 
€fi6  u.  5.  w.,  verdienen  vieles  Lob. 

Simon  Juraneck  ^  iti  Wien 

Ein  3  Ellen  langes  Stück  von  sehr  feinem  Perkai 
(ans  Gespinnst  von  Nro.  lao)  mufs  wegen  der  Schön- 
heit und  Gleichförmigkeit  des  Gewebes  rühmlich  er- 
wähnt werden.  Schade,  dafs  alle  Zeuge  von  dieser^ 
und  selbst  noch  von  weit  minderer  Feinheit  durchaus 
ans  englischem  Garn  verfertigt   werden,   indem  die 

8* 


ii6 

inländischen  Spinnereien  theils  nicht  über  Nro.  80 
hinauf  spinnen^  theils  auch  in  der  Wohifqilheit  ihrer 
feinqren  Gespinnste  es  den  Engländern  nicht  gleich 
thun  können. 

Die  k.  k.  priv.   Kettenhofer   Kattunfabrik  ^  nächst 
Schwächat  in  Österreich   (V.  Ü.  W.  W.). 
Eine  zahlreiche    Sammlung   von   Musterstücken 
aus  dieser-,  unter  der  Leitung  des  thätigen  und  kennt* 
nifsreichen  DirectorsHrn.  Johann  Ziegler  siehenden 
Fabrik  verdient  um  so  mehr  Beichtung ,  als  die  letz- 
ten Jahre  dem  Fortschreiten  dieses  Industriezweiges 
mehr  hinderlich  als  fördernd  waren.     Im  Jahre  1770 
gegründet^    hob  sich  die  Fabrik  seit    1782,   wo  sie 
nur  3o  Drucktische  in  Bewegung  setzte^  immer  mehr, 
so,  dafs  sie  nach  Verlauf  von  üo  Jahren  bereits  über 
4i>ooo  Handarbeiter  beschäftigte,    worunter  36,ooo 
Spinner,   iiS^   Weber,    128  Drucker  u.  s.  w.    Die 
Eigenthümer    haben  seit   dieser  Zeit  weder  Kosten 
noch  Anstrengung  gespart,  um,    den   Zeitumständen 
gemäfs,    die  Fabrikation  tn  vervollkommnen,    neue 
Entdeckungen  und  Verbesserungen  des  In-  und  Aus- 
landes zu  benützen,  und  so  den  ihr  gebührenden  R^og 
mit  Würde  behaupten  zu  können.     Die  Anwendung 
von  Dampfl^esseln  beim  Bleichen,  seit  iSiöo;  dieihä- 
tige  Mitwirkung  zur  Einführung  der  Maschinenspin- 
nerei um  das  Jahr  1802;    die  Etablirung^  einer  Wal- 
zendruckmaschine (der  ersten  in  der  Monarchie)  180G; 
die  Anwendung  der  chemischen  Bleiche  seit  1808; 
die  Errichtung  einer  grofsen  Fabrik  von  chemischen 
Produkten   i8io;     die  Benützung  der  Lithographie 
für  den  Kattundruck  seit  181 4:    dieses  sind  die  glän- 
zendsten Epochen  des  Flors   dieser  Fabrik,   welche 
über  alle  ähnlichen  Anstalten  der  Monarchie  hervor- 
ragt, ungeachtet  die  letzten  ungünstigen  Jahre  auch 
auf  sie  von  sehr  nachtheiligem  Einflüsse  gewesen  sind. 
Schon  lange  zeichnet  sich  dieselbe  vorzüglich  durch 
die  Ausführung  der  schönsten  und  geschmackvollsten 


»»7 

Desseins  auf  gedruckten  Baumwollen  «^  und  Schafwol- 
len-Stoffen  aus.  Vorzüglich  bemerkenswerth  ist  un- 
ter den  im  Kabinette  befindlichen  Mustern  ein  4  EUea 
langer  und  2  Ellen  breiter  Merinos -Shawl',  der'blofs 
durch  den  Druck  die  echten  Shawls  auf  das  täu- 
schendste nachahmt.  Eine  feine  schafwollene  Decke, 
mehrere    eben    solche  Tücher    (worunter  einige  in 

Jersischem  Geschmack)  mit  aufserordentlich  feinen 
^esseins^  sind  von  grofser  Eleganz  und  hoher  Yoll- 
kommenheit.      Unter    den    Baumwollenzeugen    sind 
mehrere  türkischrothe  Muster^   und  solche  mit  sehr 
schönem  Walzen-  und  Lapisdruck.     Von  der  gelun- 
genen Anwendung  des  Steindruckes  auf  Kattun   lie- 
fert ein  auf  diese  Art  mit  einem  Blumenstraufs  verzier- 
tes Kaffehtuch,  dessen  Vortrefflichkeit  von  allen  Ken- 
nern bewundert  wird^  den  Beweis.  Die  ganze  Samm- 
lung gewährt  schon  an  und  für  sich  eine  Übersicht 
des  ausgedehnten  Fabriks- Betriebes /und  durch  die 
Darbringung  derselben  haben  die  Besitzer  der  Anstalt 
sowohl  sich ^  als  der  österreichischen  National- Ehre 
ein  i>ieibendes  Denkmahl  gesetzt. 

Kramer  und  Comp.,   in  Mailand. 

Die  unter  der  obigen  Firma  bestehende  Fabrik 
gehört  zu'  den  vorzüglicheren  in  dem  österreichi- 
schen Staate  überhaupt^  und  im  venetianisch-lom- 
hardischen  Königreiche  insbesondere.  Das  Kabinet 
besitzt  von  ihr  mehrere  sehr  schön  gedruckte  Calico- 
Muster^  ein  baumwollenes  türkischrothes  Tuch  mit 
farbiger  Bordur^  nebst  andern  vorzüglichen  Stücken^ 
deren  Ansicht  einen  erfreulichen  Beweis  gewährt, 
dafs  auch  ^ie  italienischen  Provinzen  den  übrigen 
Theilen  des  Kaiserstaates  an  Industrie  mit  Glück 
nacheifern. 

Joseph  Kiuzaureck,  in  TFien* 

Die  Artikel,  welche  dieser  Fabrikant  zur  Auf- 
stellung   eingeliefert  hat^    zeichnen   sich    sämmtlich 


ii8 

"  durch  Solidität  und  Gesdunack  in  der  Bearbeitung 
aus.  Man  bemerkt  darunter  eine  zwei  Eilen  lange 
baumwollene  Bayadere^  einige  gefärbte  Halskrau- 
sen^ Garnirangs- Streifen 9  Muster  von  quadrillirtem 
Vapeur  u.  s«  w. 

Die  Manchesterfabiik  von  /.  E.  KlapperrotKs  Er- 
Ben,  zu  Schönberg  in  Mähren  (OUmützer  Kreis). 

Das  Kabinet  besitzt  eine  beträchtliche  Anzahl 
Muster  aus  dieser  schon  lange  bestehenden,  und  durch 
die  Güte  ihrer  Produkte  ausgezeichnßten  Fabriksan- 
stalt. Trisliflich  gearbeitet  ist  der  weifse  geschnürte 
Sommer  -  Manchester ;  ilim  stehen  die  schwarzen, 
blauen  und  rothen  Sorten  des  aufgeschnittenen  oder 
Winter  -  Manchesters  nicht  nach,  welqhe  sich  durch 
Schönheit  der  Farben  und  Dichtigkeit  des  Gewebes 
bemerkbar  iqachen^  und  eben  so  wenig  lassen  die 
mit  verschiedenen  Farben  (als  gelb,  grün,  roth,  blau) 
gedfucktei^  Gattungen  dem  Kenner  etwas  zu  wün- 
schen iibrig. 

Franz    Leitenberger y    zu    Cosmanojs  in  Böhmen 

(Bunzlaüer  Kreis). 

Unter  denjenigen  Fabrikanten,  welche  der  in^ 
ländischen  Baumwollen- Industrie  durch  ihre  Bemü- 
hungen forderlich  gewesen  silid,  cebuhrt  Herrn  Fr. 
Leiienberger  eine  der  ersten  Stellen  *).  Er  hat  dem 
Kabinette  zwei  gedruckte  baumwollene  Tüpher  über- 
geben, die  d0^  Stämpel  der  Vollendung  an  sjch  tra- 
gen, und  ihrem  Verfertiger  jm  besonderer  £hre  ge- 
'  reichen.  D^s  eine  vpn  beiden  ist  türkischroth  gefärbt, 
und#  mit  einer  schönen  farbigen  Bprdur  versehen. 
D21S  herrliche  Roth  desselben  hs)t  seine  Haltbar- 
keit dadurch  bewährt,    dafs  es  im  Son^mer   iSaa^ 

'  ■.  ^     .  .         ' 

.  *)  Zum  Bevyeise  der  Anerkennung  seiner  Verdienste,  hat  Se, 
Majestät  der  Kaiser  dem  Herrn  front  Leitenhergwr  im 
Jahre  1818  die  grofse  Civil -Ehrcnmedaille  gnädigst  zu  ver* 
leihen  geruhet. 


119 

nachdem  es  bereits  drei  Jahre  der  ungeschwachten 
Einwirkung  von  Licht  und  Sonne  ausgesetzt  war^  sich 
noch  nicht  im  Mindesten  verändert  zeigte.  Seiner 
vollkommenen  Ausführung  vregen  kann  dieses  Stück 
nui  Recht  fiir  eines  der  vollkommensten  gehalten 
vrerden^  die  vielleicht  je  verfertigt  worden  sind.  Das 
andere  Stück  >  ein  grofses  baumwollenes  Umhängtuch 
mit  i^osenrother  Blumen -Bordur  und  weifs  geätztem 
Grunde^  verdient  gleichfalb  vielem  Lob. 

Lazarus  Nikolaus^'  in  FFien^ 

Ein  orientalisches  Kaffehtuch  von  braunem  Dop* 
pel-Crois^  mit  einem  4Seckigen^  farbig  gedruckten 
Stern.  Der  Vater  dieses  Fabrikanten  gab  sich  zuerst 
im  österreichischen  Staate  mit  dem  Drucken  orienta^ 
hscher  Waaren  ab. 

Alois  Mofy  ZQ  Hohenelbe  in  Böhmen. 

Mehrere  Muster  von  feinem  Baumiyollen-Battisi^ 
die  sehr  schön  gearbeitet  sind« 

Anton  Machay    in  TFien^ 

Zwei  Dameukleider  aus  Baumwollen -Battist^  das 
eine  mit  Seide  broschirt  und  mit  einer  schönen  Bor- 
dur versehen ,  das  andere  von  so  genanntem  Spenal. 
Beide  sind  sehr  schön  gearbeitet. 

Philipp  Reinwald,   in  Wien. 

£in  Paar  Muster  von  sehr  feinem  Vapeur ,  beide 
ans  englischem  Gacn^^  von  Nro.  sSo  und  280 ,  den 
höchsten  Nummern^  die  im  österreichischen  Staate 
verarbeitet  werden. 

Joseph  Stucchi,    zu   Monza  im  venetianisch  -  lom? 

bardischen  Königreiche. 

Feine  baumwollene  Tücher. 


130 

.  Scotti  und  Comp.,  in  Mailand. 

Ein  in  chinesischem  Geschmacke  hedrncktes 
Baum wollcntuch  •  und  Muster  von.sehr  schönem  La- 
pisdruck. 

Dominik  Staurenghi,   zu  Monza. 

Schöne  Muster  von  Perkai  und  gefärhtem  haum- 
woUnem  Croisc. 

.Franz-  TForm,  zu  Neuforstwalde  in  Böhmen. 

Dieses  thätigen  Fabrik -Inhabers^  welcher  dem 
Kabinette  ein  sehr  schön  und  dicht  gearbeitetes  Stück 
Manchester  zum  Geschenke  gemacht  hat ,  ist  im  III. 
Bande  dieser  Jahrbücher  {S.  897)  rühmliche  Erwäh- 
nung geschehen ,  woselbst  man  auch  mehrere  Details 

über  (ue  Ausdehnung  seiner  Anstalt  finden  wird. 

« 

Alexander  Vogel,  zu  Wels  in  Österreich  ob   der 

Enns, 

hat  dem  Kabinette  einige  gedruckte  baumwollene 
Tücher  übergeben^  die  in  mehreren  Rücksichten  ge- 
lobt zu  werden  verdienen. 

5o.  Die  rohe  Schafwolle  macht  keinen  Be- 
standiheil  des  Fabriksprodukten-  Kabinettes^  sondern 
der  am  polytechnischen  Institute  bestehenden  Mate- 
rialwaaren  -  Sammlung  aus.  Dagegen  besitzt  dieses 
Kabinet  eine  bedeutende  Menge  Schaf  wollen  -  Ge- 
spinnste  von  verschiedenen -Einsendern;  sehr  schöne 
verschiedenfarbige  Muster^  unter  andern  von  Blasius 
Ebely  in  PFien^  und  von  Franz  Mangln  in  Salz- 
burg.^  ^—  Z.  Schuld,  in  Brunn,  hat  Muster  von  sehr 
gut  gesponnenem^  so  genanntem  Harrasgarn;  und 
die  gräflich  JEsterhazfsche  Fabrik  zu  Ats,  nächst 
Komorn  in  Ungarn ,  feines  Wollengarn  von  beson- 
derer Schönheit  eingeliefert;  mehrerer  anderer  Fa- 
briken nicht  zu  gedenken. 


131 


5i.  Sehr  gut  ist  das  National- Fabrilsprodukten- 
Kabinet  mit  verschiedenen  Arten  von  Schafwollen^ 
Stoffen^  vorzügIi<^  Tuch  und  einigen  andern  Zeug- 
gattungen^  versehen.  *  Die  Sammlung  dieser  Muster 
vermag  einen  genauen  Überblick  dieses  iur  unsere 
Monarchie  so  höchst  wichtigen  Industriezweiges  zu 
geben ;  Mangels  an  Raum  wegen  mässen  wir  uns  aber 
hier  damit  begnügen^  die  vorzüglichsten  Fabriken 
nahmhaft  zu  machen,  deren  mehr  oder  weniger  voll- 
endete Erzeugnisse  im  Kabinette  aufgestellt  sind.  Da- 
zu gehören  die  nachfolgenden ; 

Johann  Bigmann  y    in  Brunn. 

Feines  Tuch,  worunter  ein  Muster  blaues  Vigo- 
gne-Tuch vorzüglich  bemerkbar  ist« 

Gebrüder   Boschetti, 

Jagazzaro  und  Rübini  i 

Franz  Rossi  upd 

Lorenz  Scomason ;    sämmtlich  zu  Schio  \m  lonibar- 
disch  -  venetianischen  Königreiche. 

Tücher  von  verschiedenen  Farben, 


Johann  Erbisti^   zu  Ferpna. 

Muster  von  blauem  und  'schwarzem,  sehr  feinem 
Tuch« 

Gebrüder  Edle  von  Moro^  zu  Fiktring  in  Kärnthen. 

Die  verdienten  Fabriksr  Unternehmer  sind  Be- 
sitzer einer  der  gröfstcn  und  wichtigsten  Tuchmanu- 
faktaren in  der  Monarchie.  Die  Yorzüglichkeit  ihrer 
Erzeugnisse  wird  durch  die  Ansicht  der  im  Kabinette 
aufgestellten  Muster  bestätigt,  unter  denen  sich  nicht 
ein  einziges  befindet,  woran  man  nicht  mit  Recht  die 
Schönheit  der  Farbe  und  die  ungewöhnliche  Feinheit 
liewunderte.  Oben  an  steht  ein  Stück  scharlachro-i 
thesTuch,  ein  anderes  von  weifser,   und  eines  von 


133 

schwarzer  Farbe,  welche  sämmüich  den  alten  Ruf 
der  von  iWoro'schcn  Fabrik  auf  das  Neue  beurkunden. 
Man  sieht  hier  auch  Proben  von  schwarzem  und scfaar- 
lachrothem  Kasimir,  der  in  keiner  Rucksicht  et^nras 
zu  wünschen  übri^  läfst. 

Die  freiherrlioh  von  P^^/ion'schc  Tuchfabrik,  zu  Na- 

miest  in  Mähren. 

Schöne  Tuchmuster,  unter  denen  einsehr  feines, 
mit  so  genanntem  Ofenheimerroth  (einem  in  Wien 
erfundenen  Surrogat  der  Kochenille)  trefHich  schar- 
lachroth  gefärbtes  Stück,  vorzugsweise  erwähnt  wer- 
den mufs. 

Die  k.   k.  Ararial-^JVollerizeugfahrik    zu   Linz  in 

Österreich  ob  der  Enns^ 

Diese  sci(  einer  langen  Reihe  von  Jahren  (seit 
16^3)  bestehende  Anstalt,  welche  unter  die  ausge- 
dehntesten Manufakturen  nicht  nur  im  österreichischen 
Staate,  sondern  auch  in  ganz  Deutschland  gehört, 
beschäftigt  sich  dermählen  vorzüglich  mit  der  Erzeu- 
gung von  Teppichen,  wefs wegen» ihrer  noch  gedacht 
werden  wird.  Von  den  gemeineren  WoUenzeugen, 
welche  daselbst  verfertigt  werden,  besitzt  das  Kabi- 
net eine  zahlreiche  und  vollständige  Sammlung  9  wor- 
unter der  gewässerte  und  gedruckte  BerH^n,  die  ver- 
schiedenen Sorten  von  Konzent,  Xalmank,  Tamis, 
Chalon,  Satin,  Droguet  u.  s.  w.  besonders  ausgezeichnet 
zu  Werden  verdienen.  Die  Mode  hat  gegenwärtig  die 
genannten  Stoffe  fast  ganz  verdrängt,  und  somit  ist 
auch  ihre  Fabrikation  nur  mehr  von  geringer  Wich- 
tigkeit ;  ungeachtet  sie  wegefl  der  ihnen  eigenen  Leich- 
tigkeit und  Dauerhaftigkeit  wohl  wieder  in  Aufns^iqe 
zu  kommen  verdienten.* 

Von  niehr  Bedeutung  sind  die  aus  feiner  ge-* 
k^mmter  Wolle  verfertigten,  und  in  verscl^iedepptt 
färben  yorkoiumendcn ,  crpisirtcn  Merinos r  Zeuge^ 


12, 


welche  häufig  auf  DamenUeidei^  und  Shawls  verwen- 
det werden«  Die  davon  im  Kabinette  vorfindigen 
MoAer  zeigen  einen  hohen  Grad  der  Vollendung,  ob- 
wohl einige  davon  den  sächsischen ,  französischen  und 
englischen  Geweben  dieser  Art  nicht  ganz  gleich  kom- 
men. Erwähnung  verdienen  auch  die  aus  so  genann- 
tem Serailtuch  verfertigten ,  und  mit  verschiedenen, 
theils  gedruckten,  theils  geätzten  Desseins  versehenen 
Tischdecken,  welche  sich  durch  die  Schönheit  der 
Farben  and  durch  die  gute  Wahl  der  Zeichnung  sehr 
vortheilhaft  auszeichnen.  Die  ganze,  aus  mehr  als 
70  Musterstücken  bestehende  Sammlung  macbt  einen 
sehr  schätzbaren  Theil  des  Kabinettes  aus,  und  ist 
vollkommen  geeignet ,  einen  Begriff  von  dem  Zustande 
der  Wollenzeugfabrikation  im  österreichischen  Staate 
zu  geben. 

* 

5a,  Ein  der  Ähnlichkeit  wegen  hierher  gehöriger 
JLrukel  sind  die  roth  gefärbten  türkischen  Käppcken, 
welche  aus    Wollengarn  gestrickt,    oder    auf    dem 
Simmpfwirkerstuhle  verfertigt,  im  Übrigen  aber  ganz 
wie  das  Tuch  zubereitet ,  nähmUch  gewalkt ,  gerauht, 
geschoren  und  geprefst  werden«     Aufser  den  eigent- 
lichen    kleinen     Käppchen     setzen    wir    in    diese 
Rubrik  auch  die  hohen  Janitscharen  -  Mützen ,  Mar- 
trosenhauben  und    Tuneserkappen.     Die  Fabrika- 
tion dieser  Waare ,    welche,  häufig  nach  der  Türkei 
geht,   ist  im  österreichischen  Staate  nichts  weniger 
als  unwicbtig.  Die  beiden  Fabrikanten,  Joseph  Preuer 
und  J.  Rosa,   zu  Linz,  der  Strumpfwirker  fVinter^ 
in  GräiZf  endlich  Anton  Broito,  in  P^enedig,  haben 
dem  Kabinette  Muster  dieser  Art  übergeben.  Aufser- 
dem  besitzt  dasselbe  eine  Tuneserkappe,   welche  iu 
Wien  versuchsweise  mit  dem  oben  erwähnten  Ofenr 
heimecTOth  sehr  schön  gefärbt  wurde. 

Von  den  auswärtigen  Ländern  liefert  vorzüglich 
Frankreich  eine  grofse  Menge  türkischer  Käppohon 


124 

für  den  Gebrauch  des  Orients.  Eine  'der  bedeutend- 
sten Fabriken  hierin  ist  die  zu  Orleans  unter  der 
Firma  Benoit,  Merat  et  Desfrancs  existiceftde, 
von  deren  Erzeugnissen  das  Kabinct  durch  die  Güie 
des  Wiener  Grofshändlers  ^  Herrn  Joseph  Patera^ 
mehrere  Proben  erhahen  hat* 

• 
53.  Eine  grofse  und  ziemlich  vollständige  Samm- 
lung von  roher  und  fiUrter  Seide ,    vtrelche  das  Ka- 
binet besitzt^    umfafst,    aufser  ,den  meisten  italieni- 
schen Sorten^  sehr  viele  ostindische. 

Die  italienischen  Seiden -Sorten^  welche  zusam- 
men eine  nahe  aus  60  Mustern  bestehende  Sammlung 
bilden^  rühren  von  verschiedenen  Einsendern  her, 
von  denen  wir  nuV  Flaminio  Ascoli^  Joh.  B.  Zb- 
magniniy  Isaak  SinigagUuy  Anton  Cumarlonder, 
und  Joseph  Juchj  in  Görz;  ferner  Andrea  Mar- 
silliy  zu  Ro^eredo  u.  s.  w.  nennen. 

Die  ostindischen  Seidenmuster,  45  an  der  Zahl, 
sind  ein  verehrliches  Geschenk  Sr.  kaisörl.  Hoheit  des 
Erzherzogs  Johann;  es  befindet  sich  darunter  auch 
ein  Muster  ganz  weifse  chinesische  Seide  von  aulser- 
ordentlicher  Feinheit. 

Hierher  gehört  auoh  eine  sehr  schätzbare  Samm- 
lung von  gesponnener  Floretseide,  in  27  Sorten,  die 
sämrntlich  aus  mehreren  Fabriken  der  Schweiz ,  z.  B, 
des  Johann  Georg  BurkU,  Johann  Conr.  Pesta- 
LutZy  in  Ziirch  u.  s.  w.  herrühren.  Für  den  inlän- 
dischen Verbrauch  sind  diese  Gespinnste  bisher  im- 
mer vom  Auslande  eingeführt  worden ,  da  sich  keine 
inländische  Fabrik,  der  beschwerlichen  Zubereitung 
wegen,  mit  der  EÜrzeugung  derselben  abgibt. 

G.  Ä  Ars^ediy  zu  f^erona,  hat  dem  Kabinette 
jftin  vollständiges  Sortiment  der  apprctirtex)  und  gefärb« 


135 

ten  Seidengattungen  eingeschickt^  iivelchcs  aus  33 
Mastern  besteht^  und  rücksichtlich  seiner  Schönheit 
jeder  Forderung  entspricht.  Als  Gegenstück  hierzu 
verdient  eine,  3^  kleine  Muster  enthallende  Sanim* 
lung  original  chinesischer  Seide  erv^äbnt  zu  werden, 
die  sich  durch  aufserordentlich  lebhafte  Farben  und 
darch  den  Umstand  auszeichnet,  dafs  beim  Färben 
der  Glanz  und  d^s  Ansehen  der  Seide  überhaupt 
nicht  das  Mindeste  gelitten  hat.  Dem  geschicktesten 
europäischen  Seidenfärber  können  diese  Muster  zur 
Nachahmung  aufgestellt  werden. 

54-  Von-  Welcher  Wichtigkeit  die  Verfertigung 
der  Seidenzeuge  für  die  österreichische  Monarchie 
sey,  ist  allgemein  bekannt ;  die  Ansicht  der  im  Na* 
tional- Fabriksprodukten -Kabinette  aufgestellten  Mu- 
ster kann  aber  auch  den  Beweis  liefern,  dafs  viele  in- 
ländische Fabriken  die  Waaren  dieser  Art  von  einer 
ungemeinen  Vollkommenheit  hervorbringen.  •  Nur 
Schade ,  dafs  ungünstige  Zeitumstände  diesen  Fabri- 
iations zweig ,  gleich  so  vielen  anderen,  herabgebracht 
haben.  Nachstehend  folgen  die  Nahmen  der  vorzüg- 
lichsten unter  denjenigen  Erzeugern,  welche  das  Ka- 
binet mit   Beiträgen  bereichert  haben. 

Christoph  Ritter  von  jindreä  und  Comp. ,  zu  Neu-- 
Stadt  in  Österreich  (V.  U.  W.  W.)- 

Eine  schöne,  aus  ^4  Mustern  bestellende  Samm- 
long  verschiedener  Seidenzeuge,  nahmentlich  Damast^ 
Ribbs,  Goldstoif,  und  vorzüglich  Samml,  der  von 
den  mannigfaltigsten  Farben  und  durchaus  gut  gear-* 
beitet  ist.  Mehrere  Arten  von.  faconnirten  Seidenzeu- 
gen machen  sich  ebenfalls  durch  die  Solidität  ihrer 
Ausführung  bemerkbar« 

Ignaz  Bejrwinkler,  in   Wien. 

Ein  Stück  weifsen  Atlas  von  ^  Elle  Länge  und  ^- 
Elle  Breite,  in  welches  eine  mitBluqien  gefüllte  Vase 


eilibroschirt  ist.  Dieses  Stück  zeicliiiet  sieb  durch 
geschincickvoUe  Auswahl  und  Anordnung  der  Farben, 
und  durch  treffliche  Bearbeitung  in  gleichem  Grade 
aus.  Es  kann  in  allen  Rücksichten  ftir  ein  Meister- 
stück der  Weberei  gelten^  und  gereicht  dem  Kunst* 
sinne  des  Yerfertigers  .zu  grofser  Ehre. 

Johann  Di/>iasiy   zu  Ala  in  TlroL 

Ein  Stück  dunkelblauer  Sammt^  welches  dieser 
Fabrikant^  Behufs  der  Aufstellung  ^  eingeschickt  hat, 
verdient  alles  Lob ,  sowohl  wegen  der  Dichtheit  des 
Flors ,  als  in  Rücksicht  auf  die  Schönheit  der  Farbe. 

Constanza  Ferrari ,  zu  Verona. 

Mehrere 'Muster  von  geblümten  und  gestreiften 
Zeugen  aus  gesponnenen  Seid^nabfällen^  oder  so  ge- 
nannter Bavella. 

Joseph  Gryller,  in  Wien. 

Ein  Hoseniräger  aus  Atlas  mit  einbroschirten 
Blumen  und  eingewebten  Drathfedern^  dann  eine 
Brieftasche  n)^Jt  seidenem  Überzüge^  in  welchen  zwei 
Jagdstücke  mit  Farben  eingewebt  sind«  Beide  Stücke 
verdienen  wegen  der  Zierlichkeit^  mit  welcher  sie 
ausgeführt  sind,  volles  Lob.-  Auf  eine  eigen thümlicbe 
Verfertigungsart  solcher  Artikel  hat  Herr  Grjrller  im 
.  Jahre  1821  (19.  August)  ein  ausschliefsendes  Privi* 
legium  erhalten. 

^  Chr.  G.  Hornhostely   in  Wien. 

Diesem  ausgezeichneten  Fabrikanten  verdankt 
das  Kabinet  ungefähr  4o  Muster  verschiedener  Sei- 
denzeuge. Ein  in  Sammt  mit  Farben  gewebtes  Ma- 
donnenbild  ist  darunter  das  vorzüglichste  Stück.  ,  Die 
Ausführung  desselben  ist  nach  Art  derjenigen  Arbei- 
ten vorgenommefi ,  welche  früher  blofs  von  Gregoire 
in  Paris  verfertigt  wurden  y  und  von  den  kürzlich  in 
Schwung  gekommenen  Sammt -Gemähiden  wohl  un- 


"7 

terschieden  'werden  müssen.  Aber  auch  die  übrigen 
Studie  verdienen  sehr  viel  Lob  wegen  ihrer  fleifsigen 
Vollendung  und  geschmackvollen  Bearbeitung.  Sobon 
die  leichteren  Zeuge  ^  z*B.  Taffet^  Atlas  u.  dgl.  sind 
rein  und  gut  gearbeitet ;  noch  viel  mehr  gilt  dieses 
von  den  schweren  einfarbigen ,  fa9onninen  und  chi- 
nierten  Sammtmustern.  Besondere  Rücksicht  verdie* 
nen  einige  Tücher^ aus  inländischer^  in  der  ungari- 
schen Militärgränze  erzeugter  Seide.  Ferner  sind 
einige  Stoffe  bemerkenswerth^  welchen  der  Dessein 
nicht  auf  dem  Stuhle  gege1i)en^  sondern  erst  nach 
dem  Wehen  mi^elst  papierener  Walzen  durch  ein 
Verfahren  aufgeprefst  ist^  welches  mit  dem  Gaufri- 
ren  der  Bänder  die  gröfste  Ähnlichkeit  hal^  und  eine 
bedeutende  Wohlfeilheit  der  Zeuge  gestattet.  Ein 
ganz  vortreffliches  Stück  ist  ein  Shawl ,  welcher  die 
eckten  orientalischen^  sowohl  in  Rücksicht  der  i^eich- 
Bung  als  auch  des  ätifsereo  Ansehens  und  der  übri- 
gen Eigenthümhchkeiten  (z.  B.  dafs  er  sich  zusam« 
mengedreht  durch  einen  Ring  ziehen  läfst)  so  täu- 
schend nachahmt^  dafs  nur  ein  kunsterfahrner  Ken- 
ner bei  genauer  Untersuchimg  das  Material  errathen 
Lann^  aus  dem  er  besteht.  —  Vclpel^  Gaze^  Dünn- 
tuch ^  TüU^  Krepp  imd  ähnliche  Modeartikel  sind 
gleichfalls  sehr  gut  gearbeitet. 

Sebastian  Kar  gl,   in  Wien. 

Ein  Stück  reichen^  mit  Gold  und  Silber  einge- 
arbeiteten Seideodamastes^  von  der  Art  ^  wie  man  ihn 
in  katholischen  Kirchen  zu  Mefskleidern  verwendet. 
Ferner  ein  a  Ellen  langes  Stück  grüner  Lampas  mit 
weifsen  Blumen^  der  für  Tapeten  bestimmt^  und 
mittelst  einer  von  ßausemmer  in  Wien  verfertigten 
Jacquard -Maschine  hervorgebracht  ist«  In  Herrn 
ÜTar^/'j'  Fabrik  befindet  sich  gegenwärtig  ein  dem  Na- 
tional -Fabriksprodukten- Kabinette  zugedachtes  Stück 
in  Arbeit^  das  sich  durch  seine  vortreffliche  Zeich- 


138 

nung  merkwürdig  machen   wird,     und  mittelst  des 
Zuges  verfertigt  werden  soll. 

Gebrüder  Mestrozzi  und  Comp.^  in  Wien. 

Durch  eine    im  Kabinette  aufgestellte  kostbare 
Sammlung  von  schweren  Seidenzeugen    ans  der  ge- 
nannten Fabrik  wird  das.  Vorurtbeil  liir  die  unbedingte 
Yollkommenheit  der  französischen  Seidenwaaren  auf 
das  Vollständigste  widerlegt^    indem  jedes   einzelne 
Stück  in  Hinsicht  «auf  Genauigkeit  und  Reinheit  der 
•  Arbeit^  der  glücklichen  Auswahl  der  Muster  und  der 
Innern  Güte  jeder  ausländischen- Waare  den  Rang  we- 
nigstens streitig  machen  dürfte.     Einige  sehr  schöa 
gearbeitete  Sammtmuster;    ein  Zeug  auf  Möbel  mit 
grofsem^  aber  sehr  ins  Detail  ausgeführtem  Laubwerk 
von  einer  solchen  Korrektheit ,  dafs  sich  auch  unter 
dem  VergröfseruDgsglase  keine  Abweichung  zeigt;  ein 
Damentuch  von  Gaze,     welches   durch    eine   eigcn- 
thümlicbe  Drehung    der    Seide   genau   das  Ansehen 
eines  moirirten   Zeuges   erhalten  hat;   und  viele  an- 
dere Stücke  gehören  unter  die  vorzüglichsten,  welche 
das  Kabinet  in  dieser  Art  besitzt.   Dieser  Fabrik,  und 
nahmentlich   den  beiden  würdigen  Vorstehern  der- 
selben, gebührt  das  Verdienst,  unter  vielseitigen  Hin- 
dernissen, und  mit  Anfangs  sehr  zweifelhaftemjErf olge, 
sich   fast   allein   den  uralten    französischen  Fabriken 
(und,  wie  die  Ansicht  der  Muster  beweiset,  mit  Glück) 
entgegengestellt,  mit  grofsen  Aufopferungen  die  Ehre 
der  inländischen  Industrie  von  dieser  Seite  gerettet, 
und  dem  Vortirtheil  für  das  Ausländische  mit  Erfolg 
entgegen  gearbeitet  zu  hal^n.     Unter  ihren  mannig- 
faltigen Verdiensten  erwähnen  wjr  vorzugsweise  nur 
die  zeitliche  Einführung  der  in  Lyon  erfundenen  so 
genannten  Jacquard- Stühle  y     durch    welche    die 
Trommel  uod  der  Zug  mit  ungeheurem  Vortheile  er- 
setzt,  und  die  Fabrikation  der  faconnirten  Gewebe 
um  vieles  einfacher  gemacht  wird. 


139 

Franz  Reina  und  Comp.,   zu  Mailand. 

Einige  grofse  Muster  von  Seiden-Tapeten :  weis- 
ser und  gelber  Atlafs  mit  einbroscbirten  farbigen  Blu- 
men. Diese  Stiicke  zeicbnen  sich  durch  glückliche 
Wahl  der  Muster  eben  so  sehr^  als  durch  fleifsige 
Arbeit  aus*. 

Mathias  Schauffelberger^  z\x  Penzing,  niiiAisx  Wien. 

Ein  rothes^  mit  Krapp  gefärbtes^  und  mit  farbi- 
ger Bordur  gedrucktes  seidenes  Kaflfehtuch  von  zwei 
Ellen  Lunge  und  Breite.  Wenn  man  die  mit  dem 
Druck  auf  Seide  verbundenen  Schwierigkeilen  be- 
denkt^ so  mufs  man  dem  vorliegenden  sehr  gelunge- 
nen Stücke  das  ihm  gebührende  Reoht^  und  seinem 
Yerfertiger  Ehre  widerfahren  lasseui 

Von  ausländischen  Seidenwaaren^  welche  das 
Kabinet  aufzuweisen  hat^  erwähnen  wir  zweier  sehr 
vonüglicher  Stücke  aus  der  in  Lyon  unter  der  Firma 
Bissardon  et  Bony  besiehenden  Fabrik  :  beide  ein 
Geschenk  Sr.  Majestät  des  Kaisers.  Das  erste  davon 
isi  dunkelrother  Sammt^  in  welchen  niit^  theils  glän- 
zenden theils  matten,  Goldfäden  ein  Kranz,  und  dio 
verschlungenen  Nahmenszüge  der  drei  im  Jahre  i8i5 
zum  Wohle  Europa's  verbundenen  Monarchen  ein- 
gewebt sind.  Das  zweite  Stück  besteht  aus  braunem 
Seiden -Crois^,  und  enthäh  in  Farben  und  Gold 
die  Wappen  der  erwähnten  Monarchen,  wolche  mit- 
telst de5  Zuges  auf  eine  äufserst  geschmackvolle  Art 
einbroschirt  sind.  Beide  Stücke  können  mit  Recht 
als  Meisterwerke  der  Webekunst  angesehen  werden, 
und  dürften  überhaupt  wenige  ihres  Gleichen  haben. 

Als  weitere  Verarbeitungen  ^on  SeidensiofTen 
dürfen  emeznPadua  (im  venetianisch- lombardischen 
Königreiche)  verfertigte ,  mit  aufserordenilichem  Auf" 
wände  von  Kunst  gestickte  Weste  aus  weifsem  Atlafs 
(das  Blau  der  Stickerei  ist  mit  Solanum  guineense 


i3a 

gefärbt);  so  wie  eine  yon, Nikolaus  TFinkelmann  in 
Wien  dem  Kabinette  geschenkte  Sammlung  seidener 
Regenschirme  hier  nicht  übergangen  werden.  Beson- 
ders die  letztere  verdient  y  dafs  wir  noch  mit  einigen 
Worten  bei  ihr  verweilen.  Die  einzelnen  Stücke  der- 
selben bestehen  aus  verschieden  gefärbtem^  durchaus 
mit  eingewebter  Bor dur  versehenem  Taffet,  und  beur- 
kunden sowohl  in  der  Wahl  dieser  Bordüren^  als  in 
den  übrigen  Verzierungen  den  guten  Geschmack  aas 
Verfertigers,  welcher  durch  sein  Geschenk  das  Ka- 
binet mit  einer  Seht*  willkommenen.  Gabe  bereichert 
hat. 

55.  Dem  Vorübergehenden  schicken  wir  nocii 
Binen  Anhang  über  die  gemischten  Gewebe  oder  so 
genannten  Halbzeuge  nach,  von  denen  das  Kabinet 
gleichfalls  nicht  wenig  Muster  besitzt.  Vorzüglich  kom- 
men folgende  Einsender  hier  zu  erwähnen : 

Joseph  jiiroldi  und  Sohne  ^   zn  Bergamo  im  vcne- 
tianisch  -  lombardischen  Königreiche* 

Verschiedene    aus   Leinen  ^    Baum  -  und  Schaf- 
wolle gemischte  Zeuge  auf  Beinkleider,  Westen  o.  (Igl. 

Paul  Bugatti^   zu  Monza  im  venetianisch -lombar- 
dischen Königreiche. 

Zeuge  aus  Leinen  und  Baumwolle,  wie  melirtcr 
Matrosenzeug,  gedruckter  Kambrik,  u,  s.  w. 

Benedikt  Codecasa ,   ini  Tfien^ 

Halbseidenzeuge  (aus  Seide  und  Baumwolle)  von 
verschiedenen  Farben,   auch  gestreift,   durchaus  in* 
orientalischem  Geschmack,  da  diese  Gewebe  in  gros- 
ser Menge  von  Griechen  und  Türken  auf  Unterklei- 
der getragen  werden. 


i3i 

Lorenz   Föramitiy    zu   Cwidale    im    venetianiscb- 

lombardischen  Königreiche. 

Halbleinenzeuge-  von  verschiedener  Art^.  auch 
einige  Muster  von  Baumwollen-  und  Leinenzeugen. 

Plncenz  Scotti,   zw  Monza. 

Toilinet  und  andere  Westenzeuge  aus  Baum- 
nnd  Schafwolle^  theils  mit  Leinen^  theils  mit  Seiden 
vermischt.  '  • 

Flncenz  Sassi,   zu  Monza. 

Verschiedene  gemischte  und  auch  andere  Zeuge^ 
dorchaussehrfleifsig  gearbeitet.  Vorzugsweise  verdient 
ein  weifser  Halbmerinos -Shawl  mit  farbigen  Blumen 
und  einer  sehr  schönen  geschmackvollen^  Bordur, 
dann  ein  buntes ,  ganz  aus  Seide  gewebtes  Shawl- 
tuch  erwähnt  zu  werden  j  al^er  auch  ein  weifser,  aus 
Seide  und  Baumwolle  gemischter  Vorhang  mit  ein- 
broschirter  scbafwoUener  Bordur,  so  wie  ein  Musler 
ton  halbseidenem  rothen  Madras,  gehören  unter  die 
bessern  Stücke  dieser  Sammlung. 

56.  Zu  den  gemischten  Zeugen  gehören  auch 
die  Teppiche,  deren  BescVeibung  wir  daher  füg- 
lich an  dieser  Stelle  unternehmen  können. 

Bekanntlich  gibt  es  mehrere  Arten  von  Teppichen, 
die  in  technischer  Hinsicht  gar  sehr  von  einander  ver- 
schieden sind.  Die  gemeinste  Art  besteht  aus  einer 
leinenen  Kette  und  grobem  schafwollenem  Eintrage, 
durch  dessen  verschiedene  Farben  mittelst  eines  ge- 
meinen Weherstuhls  gewisse  einfache ,  ibeisi  ziemlich 
rohe  Desseins  hervorgebracht  werden.  Hierher  ge- 
hören jene  zu  Fufsteppichcn  bestimmten  Gewebe, 
die  in  Tirol  so  häufig  verfertigt,  und  von  reisenden 
Individuen  über,  die  angränzenden  Länder  verbreitet 
werden.  Weit  kiinstlicher, ,  und  überhaupt  ein  Mei« 
sterstück  der  Weberei,    sind  die  so  genannten  iVie- 


i3a  ^ 

derländej*^  Tapeten ,  welche  dessen  ungeachtet  mit- 
telst eines  aufserordentlich  einfachen  Stuhles  verfer- 
tigt werden.  Die  gtöfsten  historischen  Scenen  kön- 
nen hierdurch  ohne  Anstand  auf  eine  Art  ausgeführt 
werden^  welche  die  Weberei  der  Mahlerkunst  nähert 

Diese  beiden  Arten  von  Teppichen  sind  glatt^ 
d.h.  sie  bestehen  blofs^  wie  z.B.  Leinwand  oder  ein 
anderer  einfacher  Zeug^  aus  Kette  und  Eintrags  \vo- 
VQn  der  letztere^  der  allein  Schafwolle  ist  (die  Kette 
aller  Teppicharten  besteht  aus  starkem  Hanfgarn  oder 
Zwirn)^  den  Dessein  bildet.  Zwei  andere  Gattungen 
gibt  es  indessen^  welcbe  nach  Art  des  Samuites  einen 
entweder  geschnittenen  oder  ungeschnitienen  Flor 
haben  ^  «lurch  dessen  verschiedenfarbige  Maseben 
die  Zeichnung  entsteht  ^  nähmlich  die  eigentlich  so 
genannten  SamnU-  Teppiche  und  die  Sa\K>nnerie' 
Tapeten. 

Zur  Verfertigung  der  Sammt  -  Teppiche  wird 
ein  sehr  k^mplizirter  Stuhl  in  Anwendung  gesetzt^  und 
die  AusfT^hnung  des  ]Musters  hängt  hlofs  von  der  vor- 
aus getroffenen  Einrichtung  dieses  letzteren  ab;  da- 
her kann  man  auf  dies^pi  Wege  keine  freie  Zeich- 
nung^ etwa  die  eines  historischen  Stückes^  hervor- 
bringen. Die  Savonnerie  -  Teppithe  hingegen ,  bei 
welchen  die  Maschen  des  Flors  einzeln  mit  der  Hand 
gebildet  werden,  lassen  die  Ausfuhrung  aller  wie  im- 
mer gestalteten  Dcsscins  mit  Leichtigkeit  zu,  ja  diese 
Art  von  Tapeten  nähert  sich  noch  mehr,  als  die  Nie- 
derländer, der  Plahlerei,  indem  hier  die  Zeichnung 
aus  lauter  Pitnkten  von  unbeträchtlicher  Gröfse  be- 
steht, und  eine  Verschmelzung  der  Farben  defswegen 
eher  möglich  wird. 

Diese  kurze  Einleitung  schien  .nöthig^  ehe  es 
möglich  war,  zur  Beschreibung  der  im  National-Fi- 


i33 

briksprodukten*  Kabinette  befindlichen  Muster  Über^ 
zageben. 

Unter  diesen  bemerkt  man  vorerslj  mehrere  or- 
dinäre^ in  Tirol  verfertigte  Teppiche,  deren  Eintrag 
aas  Ziegenhaar  und  Gärberwolle  besteht,  und  die 
daher  mehr  einen  historischen  als  tecbnischen  Werth 
haben. 

Von  den  übrigen  Arten  der  Teppiche  wird  im 
österreichischen  Staate,  aufser  den  Sammt- Teppichen, 
gegenwärtig  keine  einzige  verfertigt,  woran  diegrofse 
Kostbarkeit  «der  Fabrikation  und  die  geringe  Hoffnung 
aof  Absatz  Schuld  sind. 

Ein  im  Kabinette  befindlicher,   42^^n6i^  langer 
und  iast.  eben  so  breiter,  nach  Art  der  Niederländer 
gewebter  Teppich  wurde  vor  mehreren  Jahren   von 
den  Gebrüdern  Zweg,    zu   Radczicow  in  Galizien 
(Zloczower  Kreis),  eingesandt;  allein  dieses  Etablisse- 
ment ist  aus  den  angegebenen  Ursachen  wieder  ein-* 
Ifegangen.      Merkwürdig  scheint    es,     dafs  von   den 
Einwohnern .  der    ungarischen    Militärgränze    häufig 
Teppiche   aus   Schafwolle  verfertigt  werden,    deren 
Gewebe  mit  dem  der   niederländischen  Tapeten  die 
grofste  Ähnlichkeit  hat,  wenn  auch  die  Zeichnungen 
derselben  äufserst  einfach* sind,  und  sich  gar  nie  bis 
zur  Darstellung  lebender  Gegenstände  erheben ,  wie 
man    aus  den   zahlreichen  Mustern,    die   im  Besitze 
des  Kabine ttes  sind  ,  ersehen  kann. 

Die  Erzeugung  der  Savönnerie- Teppiche^  die 
man  auch  unter  dem  Nahmen  der  türkischen  Tape* 
ten  kennt ,  ist  im  österreichischen  Staate  zwar  mehr- 
mahls  versucht,  aber  nie  lange  betrieben  worden,  und 
hat  jetzt  ganz  aufgehört.  Als  Probe  dieses  Artikels 
besitzt  das  Kabinet  ein  ungefähr  eine  Elle  im  Quadrat 
grofses  Muster,  welches   auf  braunem  Grunde   ein 


i34 

prachtvoll  und  in  dem  reinsten  Geschmacke  ausge« 
fübrtes  Fruchtstück  enthält,  und  vor  mehreren  Jah- 
ren Ton  dem  Fabrikanten  Hager  in  Wien  verfer- 
tigt v^urde.   . 

Was  die  letzte  Art  der  Teppiche ,  nähmlich  die 
Sammt- Teppiche,  betrifft,  so  ist  deren  Verfertigung 
durch  die  k.  k.  Ärarial  -  WoUenzeuj^nianufaktur  in 
Linz  zu  einem  solchen  Qrade  der  Vollkommenheit 
gebracht  worden,  dafs  gegenwärtig  die  inländischen 
Teppiche  kühn  mit  den  besten  auslähdischcn  konkur- 
riren  können.  Zum  Beweise  des  Gesagten  dient  die 
Ansicht  eines  im  Kabinette  beflndlichen  Stückes, wel- 
ches auf  grauem  Grunde  gelbe  Blumen  enthält,  und 
jede  Verglcich^ng  mit  dem  neben  ihm  aufgestellten 
englischen  Muster,  nach  welchem  es  in  der  Linzer 
Manufaktur  verfertigt  wfirde,  auszuhalten  ini  Standeist« 

Die  ganze  Zahl  d^r  voq  der  genannten  Fabrik 
dem  Kabinette  übergebencn  Teppiche  beträgt  39 
Stück,  worunter  sich  mehrere  sehr  ausgezeichnete 
befinden.  Vorzügliche  Erwähnung  verdient  ein  voit 
geschnittenem  hohem  Flor  versehener  Teppich,  d^f 
aus  7  Blättern  zusammen  genäht  ist,  una  bei  einer 
Länge  von  9^  Ellen  eine  Breite  von  8  Ellen  (mithiti 
einen  Flächeninhalt  von  76  Quadrat-Ellen)  besitzt.  Ein 
anderejs,  5|  Ellen  im  Quadrate  grofses  Stück  ist  we- 
gen der  glücklichen  Farbenwahl  seines  Musters  (gelb 
auf  grünem  Grunde)  be'raerkenswerth.  Von  den  klei- 
neren Stücken,  welche  meist  aus  zwei  oder  drei  Blät- 
tern bestehen,  eine  Länge  zwischen  2  und '6  Ellen, 
und  eine  Breite  von  \  Ellen  bis  3|-  Ellen  besitzen, 
enthalten  wir  uns  im  Detail  zu  sprechen,  da  der  be- 
schränkte Raum  des  gegenwärtigen  Aufsatzes  dieses 
nicht  erlaubt.  Wir  bemerken  nur  so  viel,  dafs  die 
meisten  derselben  als  vollkommen  gelungen  angesehen 
werden  müssen,  und  dafs  überhaupt  die  ganze  Samm- 


lang  der  Fabrik ,  in  welcher  aie  yerfertigt  worden  ist, 
sehr  tor  Elire  gereicht.  ^ 

57.  Der  Zcugfabrikation  zunächst  schliefst  sich 
die  Verfertigung  dev  Bänder  an,  die  in  ihren  ver- 
schiedenen Theilen  einen  bedeutenden  Industriezweig 
des  österreichischen  Kaiserstaates  bildet.  Das  Natio- 
nal-Fabriksprodukten- Kabinet  besitzt  sehr  viele  Mu- 
ster von  Bändern  aller  Art^  und  zwar  vorzüglich  von 
nachstehenden  Einsendern. 

Thaddäus  Berger  und  Comp, ,  zu  Penzing  bei  JVien. 

Dieser  industriöse  Fabriks -Inhaber  hat  das  Kabi- 
net mit  einer  sehr  weitläufiigen^  aus  128  Mustern  be- 
stehenden Sammlung  von  Seidenbändern  beschenkt, 
die  sich  durch  solide  Arbeit  und   mannigfaltige  Ab- 
^echslun«:    der    Desseins    vortheilhaft    auszeichnen. 
Sehr  schön  sind  besonders  die  moirirten   Bänder  in 
i5  Sorten ;  ferner  die  mittelfeinen  und  schweren  Ren- 
Jorces  (i4  Sorten),  endlich  die  faQonnirten  und  gau- 
fmtn  Bänder  (zusammen  über  3o  Sorten).  Die  Des- 
^eios  dieser  letztem  werden  bekanntlich  mittelst  pa* 
pierener  Walzen  aufgeprefst,  ein  Verfahren^  welches 
die  Fabriken  in  den  dtand  setzte   die  Zeichnungen 
ohne  sehr  grofse  Kosten  aufserordentlich  zu  verviel- 
fältigen, und  somit  die  schönsten  Artikel  um  mäfsige 
Preise  in  den  Handel  zu  liefern. 

Karl  Friedrich  Bräunlich,  zu  Neustadt  in  Österreich. 

Eine  «nus  ^5  Sorten  bestehende  schöne  Samm- 
lung von  schwarzen,  glatten  geschnittenen  Sammt- 
Ländern,  welche  wegen,  ihrer  Solidität  angeführt  zu 
Mrerdcn  verdfenen. 

Christian  Fritsch,   und 

Johann  Mehnert,  beide  zu  Kupferberg  in  Böhmen 

(Elubogncr  Kreis). 

Seidene  geblümte  Bänder. 


lOO 


Chr.  G,  Hornhorstel  y   in  Wien. 

Dieser  Fabrikant^  dessen  schon  oben  wegen  ein- 
gelieferter Seidenzeuge  rühmlich  gedacht  worden  ist, 
hat  dem  Kabinette  auch  eine  bedeutende  Sammlung 
sehr  schön  gearbeiteter  Seidenbänder  übergeben,  in 
deren  Betreff  wir  das  am  angegebenen  Orte  ausge- 
sprochene Urtbeil  in  seinem  vollen  Umfange  bestäti- 
gen können. 

Die  k.  k,  priv.-  Wollenbandfabrik  zu  Weifskirchen  in 

Österreich.  • 

Verschiedenfarbige  glatte ,  geköperte  uqd  ge- 
blümte SchafwoUenbänder. 

Franz  Praschili ,    zu  Tatifs  in  Böhmen. 

Eine  grofsc,  aus  4t  Mustern  bestehende  Samm- 
lung sehr  gut  gearbeiteter  schafwollener  Bänder  (so 
genannter  Harrasbänder),  an'  denen  auch  die  Farben 
.vorzüglich  schön  sind. 

jindreas    Vernay  j    in  Mailand. 

Sehr  schöne  seidene  Bänder,  3G  verschiedene 
Sorten. 

Endlich  erwähnen  wir  noch  eines  sehr  bedeu- 
tenden Sortimentes  von  echt  englischen  baumwolle- 
nen Bändern  ^  die  ausgezeichnet  schön  gearbeitet  und 
nach  Art  der  Seidpnbänder  mit  mannigfaltigen  Des- 
seins  geziert  sind. 

58.  Die  im  National  -  Fabriksprodukten  -Kabinette 
nnffirestellten  Posamentirer  -  und  Schniirmacherar- 
beiten  verdienen  hier  ebenfalls  eine  Stelle.  Von 
Anton  Hellery  in  Wien ,  findet  man  in  der  genannten 
Sammlung  sehr  schöne  goldene^  silberne  und  seidene 
Borten ;  von  Jakob  Panciera  und  M.  Tomasuzzi^ 
in  Fenedigy  desgleichen.  Franz  Jdler,  in  Grätz, 
hat  dem  Kabinette  eine  Rose  auf  eine  Soldatenmütze 


»37 

und  verschiedene  Knöpfe  von  Posamentirer- Arbeit 
(aus  leonischem  Golde  ^  Silber  und  Seide)  übergeben, 
und  von  C.  C(irlo,  in  f^erona,  besitzt  dasselbe  meh- 
rere sridene  und  baumwollene  Glockenzug  -  Quasten. 
Gleichfalls  gehört  hierher  ein  Tableau  mit  ungarischen 
reichen  Schniirmacher- Arbeiten  aus  Gold  und  Silber, 
deren  ausgezeichnete  Schönheit  dem  Verfertiger,  Phi- 
lipp Ebner,  in  Pflen ,  zur  Ehre  gereicht..  Der  schö- 
nen, aus  leonischem  Golde  verfertigten  Arbeiten  des 
Kajetan  Giussani,  in  Mailand,  ist  bereits  früher 
gedacht  worden, 

59.  Der  geschickte  und  thätige  Fabrikant,  Adam 
Dill,  in  fflen,  hat  dem  Kabinette  eine,  sowohl  dem 
Geld-  als  deoi  technischen  Werthenach,  äufserst kost- 
bare Sammlung  von  Strumpfwirkerwaaren  zum  Ge- 
schenk gemacht,    wovon  mehrere  Stücke  die  franzö- 
sischen, englischen  und  Berliner  Waaren  dieser  Art 
nichinur  erreichen,  sondern   auch  weit  übertreffen, 
und oicht  wenige  durch  besondere,  von  dem   talent- 
vo/ien  Verfertiger  ganz  neu    erfundene,    kostspielige 
3/aschinerien    hervorgebracht  sind.      Unter   beinahe 
5o  Stücken,    aus  welchen  diese  Sammlung  besteht, 
erwähnen  wir  vorzugsweise  der  aufserordentlich  fei» 
nen,  aus  Baum  wollen  garn  (Nro.  202)  und  Seide  ge- 
wirkten Strümpfe,   von   denen  ein  Paar  z.  B.  nicht 
mehr  als  i  Loth  wiegt;    ferner  der  glatten  und  dessi- 
niricn  Petinet-Entoilage  auf  Damenputz;  der  auf  der 
französischen,  auch  in  Berlin  eingeführten   Schraub- 
maschine gearbeiteten  Tücher;  mehrerer  sehr  schön 
ansgeführtcr  Bayaderen ;  einer  von  Herrn  Dill  selbst 
erfundenen  Art  von  faconnirtem  Dünntuch;   und  des 
schönen  weifsen  gewirkten    Seiden- Velpels:    lauter 
Stücke,  die  in  ihrer  vollendeten  Ausführung  nichts 
zu  wünschen  übrig  lassen.     Der  Einsender  fährt  fort, 
das  Kabinet  mit  neuen  Artikeln  zu  bereichern ,    die 
um  so  wichtiger  sind,    als  sie  sich  in  jeder  Hinsicht 
mit  den  ausländischen  messen  können. 


i38  ' 

Unter  den  übrigen  Strumpfwirker- Artikeln  befin- 
det sich  ein  Stück  von  so  genanntem  englischem  Pels- 
Vfery  (Fleecjr  Hosiery)y  aus  Baumwolle  mit  einge- 
wirkter Schafwolle,  yon  Paul  Uboldi  in  Mailand, 
worauf  dem  Verfertiger  im  Jahre  1818  ein  fünfjähri- 
ges ausschlicfsendes  Privilegium  für  den  Umfang  des 
venetianisch  -  lombardischcn  Königreiches  ertheilt 
wurde. 

Endlich  sind  noch  einige  glatte  Strumpfwirker- 
Arbeiten,  als  Strümpfe  und  Handschuhe,  yon  Wen- 
zel Fegenbart  und  Wenzel  Fischer y  zu  Aresdorf 
in  Böhmen  (J^eitmeritzer  Kreis),  zu  bemerken. 


60.  Den  Arbeiten  aus  Menschen  -  und  Thier- 
haaren,  von  denea  das  National  i-Fabriksprodukten- 
Kabinet  eine  beträchtliche  M^nge  besitzt,  weisen  wir 
hier  schicklich  eine  Stelle  an.  Zu  ihnen  gehören  vor- 
erst die  Filzhiitej  als  ein  Artikel ,  in  dessen  Verfer- 
tigung besonders  Wien  Arbeiter  aufzuzeigen  hat,  die 
sich  ohne  Scheu  den  besten  ausländischen  an  die 
Seite  stellen  können.  Die  in  Wien  und  einigen  an- 
dern Städten  der  Monarchie  erzci;gten  Hüte  sind  fast 
durchaus  voa  guter,  mitunter  sogar  vqn  sehr  vorzüg- 
licher Qualität;  wenn  man  auch  gestehen  mufs,  dafs 
viele  HutQiachcr  in  der  neuesten  Zeit  mehr  auf  das 
Aufsere  ihres  Fabrikates,  als  auf*innere  Güte  und 
Dauerhaftigkeit  desselben  geachtet  haben.  Unter  die 
neueren  Verbesserungen  der  Hutmacherci,  welche 
s^ehr  bald  auch  im  österreichischen  Staate  adoptirt 
worden  sind,  gehört  das  Walken  mit  der  Bürste 
und  das  Wasserdichtmachen,  Ohne  dem  Verdienste 
nahe  zu  treten,  kann  man  behaupten,  dafs  wasser- 
dicht gemachte  Hüte  entbehrhch  sind ,  wenn  dar  Filz 
voraus  sorgfaltig  bearbeitet  wurde,  und  dafs  die  An- 
^yqndung  der  Bürste  zum  Walken  die  Hüte  ganz  ge- 
wifs  verschlechtert,  ungeachtet  sie  d^s  Ansehen  der* 


selben  hebt^  and  die  Operation  selbst   scbneller  und 
weniger  anstrengend  macht. 

Folgende  Hutmacber  und  Hutfabrikan^en  baben 
dem  Kabinette  Einsendungen  gemacht : 

4 

Mathias  Bauer,  in  Wien. 

Ein  sehr  feiner^  mit  der  Bürste  gewalkter  Man- 
nerbut  aus  Hascnhaary  dem  gewöhnlichsten  Materiale^ 
2IIS  welchem  gegenwärtig  feine  Hüte  verfertigt  wer- 
den. Bemerkenswerth  scheint  es,  dafs  ^aaer früher 
als  irgend  ein  Hutmacher  in  fF^ien  das  Walken  mit 
Hülfe  der  Bürste  eingeführt  und  ausgeübt  h^t. 

/.  G.  JSajrery    zu  Hermannstadt  in   Siebejtbürgen. 

Wasserdichte  Hüte  von  vorzüglicher  Schönheit 
nnd  Leichtigkeit^  ein  ungemein  dünnes^  nur  ly  Loth 
schweres Filzkäppchen  aus  Hasenhaar;  lauter  Siücke^ 
die  dem  Verfertiger  einen  der  ersten  Plätze  unter  den 
ioländischen  Hutmachern  anzuweisen/  berechtigen. 
Vor  Kurzem  hat  derselbe  dem  Kabinette  ein,  mehrere 
£//ea  langes^  wasserdicht  gemachtes  Stück  Pilz  über- 
geben, ein  Fabrikat,  welches  auf  Winterkleider  all- 
gemein angewendet  zu  werden  verdiente,  da  es  sehr 
warm,  leicht,  so  geschmeidig  wie  das  feinste  Tuch 
ist,  und  eine  grofse  Dauerhaftigkeit  verspricht. 

Kajetan   Bßllotto^    zu   Schio   im  venetianisch- lom- 
bardischen I^öi^igr  eiche. 

Ein  ungefärbter  und  unstaifirtcr  feiner  Hasen-^ 
haarhut. 

A.  P,  Girzik,   in  Wien.  ^ 

,  Schöne,  durch  Feinheit  und  Leichtigkeit  sich 
auszeichnende,  zugleich  auch  wasserdicht  gemachte 
Hüte.  Hr.  Girzik  hat  die  Fabrikation  wasserdichter 
Hüte  im  österreichischen  Staate  zuerst  in  Ausfuhrung 
gebracht^  und  ist  seit  dem  Jahre    i^iS  im  Besitze 


(eines  ausschliersenden  Privilegiums  auf  die  von  ihm' 

erfundene  Methode. 

■ 

Johann  JtdliaCy  in  Triest. 
Ein  feiner^  gut  und  fest  gearbeiteter  Männerhut. 

Andreas  Orrasch,   ^u  Gorz  in  lUyrien. 

Zwei  aus  Hasenhaar  -  Filz  verfertigte  WesteD> 
wovon  die  eine  schwarz  gefärbt  ist  ^  die  andere  aber 
die  natürliche  Farbe  des  ^ilzes  besitzt.  Als  Winter- 
kleidung dürften  dieselben  vyohl  einer  Empfehlaog 
werth  seyn  j  da  sie  ein  schönes  glänzendes  Ansehea 
haben  ^  und  hierin  einiger  Mafsen  den  beliebten  wol- 
lenen Azors^  welche  sie  übrigens  an  Feinheit  v?eit 
übertrefien^  gleich  kommen. 

Michael  und  Franz  Pimply  beide  zu  Saalfelden  im 

Salzburgischen. 

Ein  Paar  ordinäre  Hüte  ^  die  sich  durch  die  cha- 
rakteristischen,  in  den  österreichischen  Gebirgsge« 
genden  üblichen  Formen  auszeichnen. 

Paul  Preduy    zu  Monza  im  venetianisch  •  lombardi- 
schen Königreiche. 

Ein  feiner^  schwarzgefärbter  runder  Filzhut. 

Philipp  Viltay   zu  Monza. 

Ein  mittelfeiner  Hut  aus  schwarzem  Kamehlhaar; 
dann  ein  aus  Schafwolle  verfertigter^  gestülpter  und 
staifirter  grober  Grenadierhut.  > 

Nikolaus  Werner ,   in  TVien. 

Die  Filzhüte  dieses  thätigen  Fabrikanten  zeich- 
nen sich  durch  ihre  Leichtigkeit  und  Schönheit^  be- 
sonders aber  durch  die  tiefe  und  aufserordentlich 
haltbare  Schwärze  der  Farbe  aus,,  welchen  letzteren 
Vorzug  aufser  ihm  nur  wenige  Hutmacher  ihren  Er- 
zeugnissen zu  geben  wissen.     Sie  sind  zugleich  durch 


i4i 

ein  eigenthumliches ,  sich  wegen  seiner  grofs'en  Ein- 
fachheit von  vielem  bekannten  Vorschriften  untersehei- 
dendes^  auch  in  wissenschaftlicher  Hinsicht  interes-^ 
santes  Verfahren  wasserdicht  gemacht.  Dasselbe  gilt 
von  den  verschiedenfarbigen  (braunen  ,  blauen  y  vio- 
leuen  u.  s.  w.)  feinen  Damenhüten^  die  aus  Hasen- 
liaar  verfertigt,  und  als  Wintertracht  sehr  beliebt  sind. 
Von  der  Vorzüglicbkcit  dieser  Waaren  ergibt  sich  der 
Beweis  aus  dem  bedeutenden  Absätze ,  den  Hr.  Ff^er\ 
ner  sich  selbst  in  das  Ausland  zu  verschaffen  gewufst 
hat.  Unter  den  im  Kabinette  von  ihm  aufgestellten 
Musterstücken  verdient  auch  eine  sehr  schön  aus 
Filz  gearbeitete  Soldatcnmütze  (Csäko)  erwähnt  zu 
werden  9  bei  welcher  das  Cberzieben  des  Bodens  mit 
Leder  durch  einen  Firnifsanstrich  erspart  ist.  —  Hr. 
Werner  hat  im  Jahre  i^ni  (2.  Dezember)  ein  aus- 
schliefsendes  Privilegium  auf  die  Verfertigung  der  so 
genannten  Seidenhüte  erhalten^  die  sich  von  den 
hüW  schon  in  Mailand  verfertigten  (von  welcher 
Art  einer  im  Kabinette  aufgestellt  ist)  dadurch  unter- 
scheiden^ dafs  ihr  Aufseres  mehr  dem  der  Filzhüte 
gleicht,  und  dafs  die  Unterlage  derselben  weder  aus 
llolz,  noch  aus  Pappe,  sondern  aus  wasserdicht  ge- 
machtem Schafwollenfilz  besteht,  wodurch  die  £lasti- 
citat  vermehrt ,  und  die  unangenehme  Steifigkeit  der 
Hüte  ganz  beseitigt  wird.  Aus  diesen  Ursachen  sind 
die  erwähnten  Hüte  bereits  sehr  in  Aufnahme  gekom- 
men, und  haben  sich  den  vollen  Beifall  des  Publikums 
erworben*).  Das  Kabinet  besitzt  einen  Hut  dieser  . 
Art,  dessen  Schönheit  ihn  die  Vergleichung  mit  einem 
feinen  Filzhute  ohne  Anstand  aushalten  läfst.  Die 
Toa  fVerner  seit  Kurzem  verfertigten  Damenhüte 
aus  wasserdicht  gemachter  Leinwand,  mit  einem 
Überzüge  von  Seidenfelpe) ,   empfehlen  sich  gleich- 

•)  Mnn  Jiann  diese  Noliz  aJs  einen  Nachtrag  zu  Bd  III.  dieser 
Jahrb.  S.  491  befrachten,  und  die  dort  in  der  Note  ^)  ge- 
gebene Nachricht  hternaah  ändern. 


»4a 

falls  durch  Leiclitigkeit^  Schönheit^  Dauerhaftigkeit 
und  mäfsigc  Preise. 

F'aleritin  PFerner,    in  Wien. 

Ein  sehr  feiner^- rück enhaarener  geleimter  Filz« 
but^  der  unter  die  allerschönsten  Stücke  gehört^ 
welche  das  Kabinet  in  dieser  Art  besitzt. 

Andreas  Tf^erner ,   in  Wien. 

Ein  Siülphut  aus  Biberhaär^  ungefärbt  und  ohne 
Appretur.  Gegenwärtig  hat  die  Verfertigung  solcher 
Hiite  gänzlich  aufgehört,  und  nur  das  Meisterstück 
der  Huimacher  ist  noch  ein  so  genannter  Kastorhut. 
Der  vorliegende  zeichnet  sich  durch  die  aufserbrdent- 
lich  gute  Walke,  wodurch  er  sein6  grofse  Dichtig- 
keit und  Festigkeit  erhalten  hat>  aus^ 

Gl.  Ein  Artikel,  von  dem  das  Kabinet  eine  grofse 
und  interessante  Sammlung  besitzt^  sind  die  Arbeiten 
in  Menschenhaar   des  Ludwig   Liebler   in  Wien. 
Die    darunter  befindlichen,    verschiedenartig  kostü- 
mirten  Männer  ^Touren  zcicbnen  sich  durch  Naiiir- 
lichkeit  und  Bequemlichkeit  besonders    aus,    indem 
einige  derselben  mit  stählernen  Schlufsfedern  verse- 
hen sind,  um  sie  ohne  alle Umbequemlichkeit dessen 
der  sie  trägt,    an  den  Kopf  anpassend   zu  machen. 
Vorzüglich  schön  ist  auch  eine  von  Natur  krause,  aus 
blonden  Kinderhaaren  verfertigte  Tour,    ferner   eine 
tambourirte ,  die  menschliche  Haut  täuschend  nach- 
ahmende Platte  zum  Aufkleben ,  ein  in  TaSet  geweb- 
ter, und  ein  tambourirter  Scheitelstreifen,  die  sämmt- 
lich  auf  eine,    die  grofse  Geschicklichkeit  des  Ver- 
fertigers beurkundende  Art    ausgeführt    sind.      Das 
Nähmliche  gilt  von  den  Bandlocken  für  Damen,  und 
von  den  verschiedenartigen,  gleichfalls  aus  Menschen- 
haar verfertigten ,  auf  Leibbinden,    Braoelets,    Uhr- 
ketten, Ringe  u.  dgl.  anwendbaren  Gellechten,     Da 
mehrere  der  hier  angegebenen  Stücke  früher  in  glei- 


i43 

eher  Yollkommcnlieit  nur  aus  Frankreich  erhalten 
werden  konnten ,  so  mufs  man  dem  Einsender  wegen 
seiner  Bemühungen  um  diesen  Industriezweig  Gerech-» 
tigleit  widerfahren  lassen  Die  ganze  Sammlung  wird 
dadurch  noch  lehrreicher^  dafs  ihr  der  Verfertiger 
ein  schön  gearheitetes  Modell  der  Dressirmaschine^ 
und  der  vorzüglichsten  übrigen  Werkzeuge ,  die  zur 
Bearbeitung  der  Haare  erforderlich  sind^  beigege- 
Len  haL 

62.  Erwähnung  verdient  hier  eine  nicht  unbe* 
deutende  Menge  von  Siebböden  aus  Rofshaar ,  welche 
das  Kakinet  von  verschiedenen  Einsendern  erhalten 
Hat  Unter  Hiesen  letztern  müssen  folgende  wegen 
der  Schönheit  ihrer  Produkte  mit  Auszeichnung  ge- 
nannt werden :         - 

Franz  Berger  y  zu  JVels  va  Österreich  ob  Aet  Ennsi 

Joseph  Kur  alt  y  in  Grätz;  '  , 

l^atalis  Ritter  von  Pagliarucciy  zu  Strasisch  in 

Krain ,   und 

/  Edler  von  Fest,   zu  Schrottenthurm  in  Uljrien 

(Laibacher  Kreis). 

Zngleich  berühren  wir  hier  eine  sehr  elegant  ge- 
>fl>eitete ,  gaschmackvoU  verzierte  Fufsboden «  Bürste, 
welche  Georg  May,  zu  Grätz  ^  dem  Kabinette  zur 
Aufstellung  übergeben^  hat. 


63.  Von  Papier  und  daraus  verfertigten  Artikeln 
Wn  das  National  -  Fabriksproduktep  -  Kabinet  nicht 
Qur  sehr  viele>  sondern  mitunter  auch  höchst  gelun- 
gene Muster  aufweisen,  durch  deren  Ansicht  das 
allgemeine  Yorurtheil  gegen  die  inländischen  Papiere 
wenigstens  gröfsten  Theils.  widerlegt  wird.  Es  ist 
Wahr,  dafs  die  Anzahl  der  Fabriken,  welche  vorzüg- 
^e  Papiergattungen    liefern  ^    im  österreichischen 


i46 

Gabriel  Eitel ^  zu  Hohenelhe  in  Böhmen  (Bidczo- 

wer  Kreis). 

Mehrere  gute  Proben  von  weifsem^   geleimtem 
und  ungeleimtem  Papier. 

Gebrüder  Anton  und   Karl   Gahaniy    au    Porde- 
none  im  venelianisch- lombardischen  Königreiche. 
Diese  thätigen  Fabriksbesitzer  haben  dem  Kabi- 
inette  ein  Sortiment  von  ungefähr  sechzig  Papiergat- 
tungen zum  Geschenke  gemacht^   die  durchaus  von. 
der  besten   Qualität  sind^   und  unter  die  schönst^p 
inländischen- Papiere ,  welche  die  Sammlung  besiut^ 
gezählt  zu  werden    verdienen.     Die    verschiedenen 
Sorten  des  Zeichen- und  Kupferdruck -Velinpapiers 
kommen  den  besten  ausländischen  gleich.  Das  Schreib* 
]]iapier  zeichnet  sich  diurch  Weifse^    Festigkeit  und 
Reinheit   besonders    aus^     und  man  bemerkt  diese 
Eigenschaften  eben  sowohl  an  den  gröfsern  Gattun- 
^gen  (wie  Elephant^    Colombier,   Imperial   u.  s.  w.) 
als  an  dem  kleineren  Briefpapier^  unter  welchem  sich 
eine  Art  befindet^  die  zur  Erleichterung  des  Schrei- 
Bens  mit  durchscheinenden  Linien  versehen  ist.  Schön 
ist  auch  das  weifse  und  feine  Velinpapier  zum  Kopi- 
ren von  Briefen  mittelst  der  bekannten  englischen  ILo- 
{ärmaschine.     Die  unter  verschiedenen  Nahmen  (z.B. 
mperial^    Breviario^  Calmet^   Spiera,   Enciclopedia 
u.  s.    w.)    vorkommenden  Druckpapiere   befriedigea 
alle  Wünsche  und  Forderungen^  welche  man  billiger 
Weise  «an  sie  zu  stellen  geneigt   seyn  dürfte.      Das 
Nähmliche  gilt  von  dem  gefärbten  Packpapier.   Selbst 
das  rothe  und  blaue  Löschpapier  ist  von  guter  Be- 
schaffenheit, und  z.  B.  weit  besser  als  das  graue,  au3 
wollenen  Hadern  besteheildc,  welches  in  den  Papier- 
fabriken der  deutschen  Erbländer  gewöhnlich  erzeugt 
tvird.      Auszeichnung:  verdienen   endlich    noch   das 
schöne  rastrirte  Musiknoten-  und  das  Tapetenpapier, 
von  welchen  das  letztere  in  der  Tapetenfabrik  der 
HH.  Spörlin  und  Rahn  zu    fVien   mit  Erfolg  stait 


»4? 

des  früher  angewendeten  ausländischen  Velinpapiers 
gebrauclii  wurde.  Oberhaupt  beweisen  die  hier  auf- 
gestellten Muster^  dafs  die  HH.  Gahani  ihre  Fabri* 
kaüon  auf  eine  Stufe  der  Vollkommenheit  gebracht 
haben,  welche  sowohl  ihnen,  als  der  inländischen 
Industrie  zu  ausgezeichneter  Ehre  gereicht«  Zn  ih- 
ren grofsen  Verdiensteh  gehört  auch  die  Erfindung 
einer  zur  Reinigung  der  Papierfilze  bestimmten  Ma- 
schine, welche  vom  Wasser  bewegt  wird,  und  wor- 
auf sie  im  Jahre  1 8 18  ein  ausschliefsendes Privilegium 
erhalten  haben. 

Jlois  Kutiaro,   zu  Heidenschaft  in  lUjrrien  (Gör- 

zer  Kreis.) 

Die  Muster  von  feinem  Post-  und  Regalpapier, 
welche  dieser  Fabrikant  zur  Aufstellung  eingeschickt 
bat,  zeichnen  sich  durch  eine  schöne  Glätte  beson- 
ders aus,     entsprechen    aber   auch  in  jeder  andern 
Käcksicht  denjenigen  Forderungen ,  welche  mit  Recht 
an  sie  gestellt  werden.     Merkwürdig  ist  der  von  dem- 
selben   Einsender    herrührende   künstliche  Feuer-- 
schwamm^  der  aus  den  Abfällen  des  natürlichen  Zun- 
derschwammes  bereitet  ^   nähmlich   durch  Stampfen 
und  Schöpfen  in  die  Gestalt  starker  Papierbogen  ge- 
bracht wird.     Die  bequeme  Form  dieses  Kunstpro« 
duLtes  hat  ihm  viele  Liebhaber  verschafft^  ungeachtet 
dasselbe    wegen   seiner   gröfsern    Dichpgkeit    etwas 
schwer  entzündlich  ist. 

Dte  beiden,   dem  k.  k.  höchsten  Ärarium  gehörigen 
Papierfabriken  zu  Leiben  und  Rannersdorf  in 

Österreichs 

Sehr  schöne  Muster  von  feinem  Postpapier ,  Re- 
gal -"^eichenpapier ,  die  sith  durch  angenenme  Weifse 
und  übrige  Schönheit  sehr  vortheilhaft  bemerkbar  ma- 
chen. Erwähnung  verdient  auch  das  grofse^  aus 
hänfenen  SchiSseilen  in  der  Leibener  Fabrik  verfer- 
tigte Packpapier,   welches  eine  besondere  Festigkeit 


lO* 


i48 

aeigt.  Die  Fabrik  zu  Rannersdorf  hat  sich  in  den 
letzten  Jahren  viel  und  glücklich  mit  der  Erzeugung 
von  Tuchpr^sspänen  beschäftigt^  wefs wegen  ihrer 
am  gehörigen  Orte  noch  gedacht  werden  wird. 

Die  Papierfabrik  der  von  Pac/iner^ sehen  Erben,  zu 
Neusiedel  in  Österreich  (V.  U.  W.  W.). 

Diese  Fabrik^  eine  der  bedeutendsten  in  der 
Monarchie  >  hat  dem  Kabinette  eine  Sammlung  von 
59  Papiersorten  übergeben ,  die  sich  durch  eine  be- 
sondere Festigkeit  und  Stärke  vor  andern  auszeich- 
nen. Das  Post-^  Kanzlei -und  Konzeptpapier  ver- 
dieneu  in  dieser  Rücksicht  besonders  ausgehoben  zu 
werden.  —  Eine^  den  nahmlichen  Eigenthümern 
zuständige  kleinere  Fabrik  existirt  zu  Leesdorf  un- 
fern Baden ;  der  verdienstvolle  Direktor  beider  An- 
stalten ist  Herr  Franz  Modinu 

Ludwig  Rittet   von  Peschier,  Inhaber  der  Papier- 
fabrik zu  Fran^ensthal  in  Österreich  (V.U.  W.W.)» 
Diese  Fabrik^   welche   unter   der  Direktion  des 
thätigen  und  talentvollen  Herrn  f^incenz  Sterz  steht, 
hat  der  Sammlung  sehr  schöne  Proben  von  Schrei!)- 
-und  Zeichen  -  Velin ,    so  wie  von  weifsen  uud, farbi- 
gen Konzept-  und  Packpapieren  zum  Gescheüle  ge- 
macht«     Sie  war  die  erste  ^   welche  die  Verfertigung 
.des  in  Frankreich  erfundenen  so  genannten  endlosen 
Papiers   {Papier  sans  fin)   in   der  österreichischen 
Monarchie  zur  Ausführung  brachte.     Das  ursprüng- 
liche^ hierauf  ausgefertigte  Patent  ist  vom  12.  Decein- 
ber  1819  datirt^  und  lautet  auf  zehn  Jahre.    Allem 
im  Jahre  i8ai   (26.  November)  erhielten  die  Erfinder, 
-welche  um  diese  Zeit  mehrere   Verbesserungen  an 
ihrer  Maschine  anzubringen  für  nöthig  befunden  hal- 
ten^ eine  neue  Urkunde,   ebenfalls  auf  zehn  Jahre. 
Sie  haben  seither  dem  Kabinette  einige  sehr  intercs- 
sante  Muster  von  solchem  Papier  überreicht,  die  als 
#ehrgelungene  Versuche  Erwähnung  verdienen.  Einer 


«49 

von  diesen  Bogen  ist  blaues  Packpapier^  hat  bei  einer 
Breite  von  lö  Zoll  eine  Länge  von  162  Fvdis,  und 
kann  9  in  Rücksicht  auf  Glitte  der  Oberfläche  und 
Gleichförmigkeit  der  Masse  ^  nur  mit  dem  gebühren- 
den Lobe  erwähnt  vrerdeh.  Das  Nähmliche  gilt  von 
einem  zvireiten  Muster^  einem  ^45  Fufs  langen  Bogen 
Tapetenpapicrj^  in  noch  höherem  Grade  aber  von 
einem  dritten^  yS  Fufs  langen  Muster^  v^elches  wer 
gen  seiner  Glätte ^  Feinheit,  und  wegen  der  Gleich* 
formigkeit  der  Masse   gerühmt  zu  werden  verdient« 

Die  Franzensthaler  Fabrik  beschäftigt  gegenwär>- 

tig  zwei  mit   den  neuen   YerbessLcrungen  versehene 

Papiererzeugungs- Maschinen,   imd  hat  bereits  ange^ 

fangen,  das  von  denselben  gelieferte  Fabrikat  in  den 

Handel  zu  setzen.  —  Ich  benütze  diese  Gelegenheit, 

um  einige  allgemeine  Bemerkungen  über  die  Papier-* 

erzeugung  mittelst  Maschinen,    welche  man  holTent- 

Vieh  nicht  auf  imrechtcn  Orte  finden  wird,   mitzti- 

tbeilea. 

Der  Umstände,   welche    die    Verfertigung   des 
endlosen  Papiers  (eigentlich  beliebig  langen  Papiers, 
denn  wozu  wollte  man  endloses  Papier  brauchen?) 
schwierig  ■  machen ,    gibt   es  gar   mancherlei;    allein 
diese  können  eine  Fabrik,  welche  die  Erzeugung  da-«- 
von  bereits  «mit  so  viel  Glück  ausgeführt  hat^   unmög- 
lich von  der  weitern  Vervollkommnung  abschrecken. 
Das  erste  Hindernifs  findet  sich  schon  in  der  Verfer- 
tigung einer  Form,  mittelst  der  man  Bogen  von   so 
ungeheurer  Länge  zu  bilden  vermag.     Dafs  dieselbe 
nicht  wie  eine  gewöhnliche  Papierform  gebaut  seyn 
könne,,  leuchtet  selbst  dem  Nichtkenner  augenblick-^ 
lieh  ein ;  man  kann  defswegen  dem  Drathsiebe ,  wor- 
aus sonst  eine  flache  Form  verfertigt  wird ,    die  Ge- 
stalt einer  hohlen  Walze  geben ,    oder  dasselbe  auch 
über  zwei   hölzerne  Zylinder  spannen,    so  wie  die 
Leinwand  des  Zuführers  bei  den  Krämpelmaschinen 


x5o 

gespannt  ist.  In  beiden  Fällen  wird  die  Form  zur 
Hervorbringung  eines  wie  immer  langen  Bogens  ge- 
schikt  seyn.  Allein ,  da  sich  mit  ihr  nach  der  ge- 
wöhnlichen Methode  nicht  schöpfen  läftt^  so  mufs 
der  Papierbrei  darauf  gegossen  werden,  während 
die  Form  sich  umdreht.  Eben  dieser  Umstand  ist 
es,  der  die  Fabrikation  am  schwierigsten  macht.  Ab- 
gesehen davon ,  dafs  es  schwer  hält,  eine  grofse  Menge 
Ganzzeug  in  der  nöthigen  Gleichförmigkeit  zu  erhal- 
ten, ist  es  gewifs  noch  viel  schwieriger,  dem  gegos- 
senen Papierbogen  eine  durchaus  gleiche  Dicke  zu 
geben.  —  Bei  der  Fabrikation  des  gewöhnlichen  Pa- 
piers erhalten  die  fertigen  Bogen  den  gröfsten  Tbeil 
ihrer  Festigkeit  durch  das  Pressen ;  hier  ist  das  ganz 
anders:  die  Presse  wird  nähmlich  durbh  mehrere 
Walzenpaare  ersetzt^  ^wischen  denen  der  Bogen 
durchgeht,  um  einen  Druck  zu  erleiden,  und  die 
defswegen  zum  Tbeil  mit  Tuch  überzogen  sind,  wel- 
ches eine  grofse  Menge  Wasser  einsaugt.  Diese  Vor- 
richti^ng  ist,  wenn  sie  ihren  Zweck  erfüllen  soll,  im- 
mer nur  mit  bedeutenden  Kosten  herzusiellen^  und 
bildet  daher  gleichfalls  ein  Hindcrnifs  der  in  Rede 
«lebenden  Fabrikation. 

Das  Vorstehende  sey  blofs  gesagt,  um  das  Ver- 
dienst der  HH.  v.  Pechiernnd  Sterz,  welches  sich 
dieselben  um  die  Papiererzeugung  erworben  haben, 
dem  Nichtkenner  einleuchtender  zu  machen.  Ihre 
ganze  Methode  ist  übrigens  sowohl  dem  Publikum 
als  dem  Verfasser  des  gegenwärtigen  Aufsatzes  unbe- 
kannt ;  denn  was  oben  über  die  Details  der  Maschi- 
nerie bemerkt  wurde ,  bezieht  sich  gröfsten  Theils  auf 
die  in  England  gebräuchlichen  Verfahrungsartcn. 
Deutschland  besitzt,  aufser  der  zu  Berlin  von  einem 
Engländer  eingerichteten^  wahrscheinlich  zur  Zeit 
tnoch  keine  Fabrik  der  Art. 


i5i 

Joh.  Ferd.  Ritter  von  Schonfeld^    sa  Karolinen^ 

thal  bei  Prag  in  Böhmen.  , 

Muster  von  Zeichen* ,  Schreib-  nnd  Druckpapier, 

Joseph  Strmschtie,    zu  Przibislawitz  in  Mähren^ 

Proben  von  sehr  gutem ^  weifsem  Post-  und  Ve- 
lin-Schreibpapier. 

jinton  lyexlery  zu   Fbitsberg  An  Steiermark 

(Grätzer  Kreis). 

Velinpapier^  welches  sich  durch  seine  Festig 
keit  auszeichnet. 

/.    G.    Uffenheimery    zu  Neustadt  in   österreick 

(V.  U.  W.  W.). 

Schönes  Wechselbriefpapier ^  gedruckt  und  ui»^ 
gedruckt^  mit  sich  deckenden  Wasserzeichen.  Durch 
die  Einfuhrung  der  chemischen  Bleiche  hat  dieser 
verdiente  Fabriks- Inhaber  wesentlich  zur  Verbesse- 
TüDg  der  inländischen  Papier- Erzeugung  beigetragen. 

Franz  ff^eiß,   zu  Langendorf  in  Mähren  (OUmü- 

tzer  Kreis). 

Die  Papiersorten  dieses  Fabrikanten  zeichnoa 
sich  durch  Güte  und  Schönheit  gleich  vorzüglich  aus. , 
Das  ordinäre  Kon2;ept-  und  Kanzleipapier  verdient 
hierin  gleiches  Lob  mit  dem  feinen  Velin-  und  Post- 
papier. Der  Einsender  dieser  Muster  beschäftigt  sich^ 
dem  Vernehmen  nach^  mit  der  Verbesserung  des 
chemischen  Bleichprozesses  ^  und  hat  seit  Kurzem 
eine  Vorrichtung  zu  Stande  gebracht,  durch  welche 
der  Ganzzeug  mit  geriogem  Zeitverlust  nicht  nur  voll- 
kommen weifs  gemacht,  sondern  auch  durch  die 
^mzliche  Entfernung  der  Chlorine  oder  Salzsäure  je- 
der iür  die  Ge  sundneit  der  Arbeiter  oder  die  GüKji 
des  Papiers  zu  benircktende  Nachtheil  aufgehoben 
wird. 


Aufserden  erwähnten,  und  noch  einigen  andern 
inländischen  Papiergattungen  besitzt  das  National-Fa- 
briksprodukten^  Kabin'et  eine  bedeutende  und  sehr 
instruktive  Sammlung  von  englischen,  französischen, 
holländischen ,  schvsrcizerischen  und  Frankfurter  Pa- 
pieren, von  depcn  die  meisten  ausgezeichnet  schön 
sirfd,  uad  zur  Verglcichung  mit  den  Erzeugnissen 
einheimischer  Fabriken  zweckmäfsig  benützt  werden 
können.  Eine  besondere  Erwähnung  verdient  das 
holländische  Schreibpapier,  welches  sich  bekanntlich 
durch  den  Mangel  des  Schattens  vor  andern  bemerk- 
bar macht.  Weniger  bekannt  durfte  das  Mittel  seyn^ 
wodurch  dieser  Vorzug  erzweckt  wird;  es  besteht  in 
der  Anwendung  einer  eigenthümlichea  Art  von  For- 
men, iiber  derei^  I^onstruktion  man  sich  nach  dem 
in  der  Werkzeugsammlung  des  Kabinettea  befindU- 
chen  Musler  unterrichten  kann* 

G4-  Eine  interessante  Abtheilung  des  Kabinettes 
bilden  die  ver§chiedenen  Arten  von  gefärbten,  ge- 
druckten, marmorirten  und  ähnlichen  Papieren,  welche 
hier  in  grofser  Vollkon^menheit  aufgestellt  sind.  . 

Mehrere  Proben  von  so  genannten  Natur  -  Zei- 
chenpapieren  aus  den  oben  bereits  erwähnten  Fabri- 
ken zu    Neusiedel  und   Franzensthal   kommen  an 
Schönheit  dem  französischen  sehr  ns^e.  '  Die  Berei- 
tung dieser  Papiere ,  ^welche  mit  verschiedenen  Nuan- 
cen von  Gelb,    Grün,   Roth  u.  s,  w,   in  der  Masse 
gefärbt  sind,    findet  darin    eine   Hauptschwierigkeir, 
dafs  die  dem  Ganzzenge  beigemischten  Pigmente  aufser- 
ordcntli<:h  leicht  eine  Veränderung  erleiden,  wie  man 
das  selbst  häufig  an  dem  gebläuten  Schreibpapier  be- 
merkt, welches  beim  Trocknen  gern  einen  röthlichcn 
Stich   annimmt.      Besondere    Auszeichnung  gebührt 
nahmentlich   der   von  Herrn  von  Peschier  zu  Frau- 
zensthal  überreichten,  aus  29  Sorten  (eben  so  vie- 
len ganzen  Büchern)  bestehenden  Sajnmlung.     Einij^c 


i53 

Mostcr  von  dergleichen  Papieren^  welche  die  Gebrü- 
der Andreoliy  zu  Ihscolano  im  venetianisch  -  lombar- 
dischen Königreiche^  eingeschickt  haben ^  verdienen 
gleichfalls  eine  lobende  Erwähnung. 

Von  Joseph  Remondini  und  Söhnen  ^   zu  Bassano 
im  venetianisch« lombardischen  Königreiche^ 

hat  das  Kabinet  eine  vorzüglich  schätzbare  Sammlung 
gefärbter  und  gedruckter  Papiere  erhalten,  welche 
vierzig  verschiedene  Sorten  .begreift.  Besonders  schön 
ist  das  darunter  befindliche  grüne,  rothc  und  gelbe 
Uerrnhuterpapier.  Lebhaftigkeit  und  glückliche  Aus- 
wahl der  Farben ,  so  wie  eine  geschmackvolle  Zusam- 
menstellung der  Desseins  zeichnen  die  in  jeder  Rück- 
sicht meisterhaft  vollführten  Kattunpapiere  aus.  Sehr 
SU  loben  ist  bei  allen  diesen  Artikeln  die  Wahl  eines 
starken  und  glatten,  überaus  schönen  Papiers,  wo- 
durch sie  «ich  selbst  vor  den  meisten  in  JVien  fabri- 
zirien  vortheilhaft  unterscheiden. 

Viele  sehr  gelungene  Muster  von  so  genanntem 
furkischen  Papier  hat  Fi\  W,  BraamSj  zu  Herrn- 
als  bei  TVien^  der  Aufstellung  im  Kabinette  gewid- 
met. Endhch  mufs  eine  grofse  Menge  gedruckter,  mar- 
morirter,  satinirter  und  ähnlicher  Papiere  erwähnt 
werden,  die  von  dem  Fabrikanten  Molitor  in  JVien 
herrührt,  und  mehrere  durch  Schönheit  sowohl  als 
durch  Güte  ausgezeichnete  Musterstücke  enthält. 

Unter  den  hierher  gehörigen  ausländischen  Fa- 
brikaten befindet  sich  erstlich  ein  grofses  Sortiment 
von  englischen  g'efarbtcn  und  marmorirten  Papiergat- 
tungen, die  wegen  ihrer  geschmackvollen  Ausfuhrung 
dea  inländischen  Erzeugern-zu  Mustern  dienen  kön^ 
nen.  Eben  so.  vorzüglich  sind  die  im  Kabinette  be- 
findlichen französischen  gaufrirten  (d.  h.  durch  Pres- 
sen mit  erhabenen  Desseins  versehenen),  satinirten» 
lackirten,  mit  Gold  und  Silber  bedruckten  j  zum  Tl^eil 


i54 

auch  nach  Art  gewisser  Tapetea  velutirten  (d.  h.  mit 
gemahlener  Scherwolle  bestäubten)  Papiere^  von  de- 
nen einige  Sorten  durch  inländische  Fabriken  bisher 
noch  gar  nicht  verfertigt  worden  sind.  Im  Ganzen 
genommen,  können  diese  ausländischen  Erzeugnisse 
aber  auch  den  Beweis  liefern ,  welche  wichtige  Fort- 
schritte die  Verfertigung  der  gefärbten  Papiere  seit 
mehreren  Jahren  bei  uns  schon  gemacht  hat,  und  noch 
inuner  zu  machen  fortfährt. 

65.  Die  zahlreiche  Sammlung  von  Spielkarten^ 
welche  *  das  Fabriksprodukten-  Kabinet  aufzuweisen 
hat,  zeigt  deutlich  die  Verbesserung,  welche  seit 
Kurzem  mit  diesem  Fabrikatioiiszweige  vorgegangen 
ist.  Demungeachtet  stehen  viele  inländische  Karten 
den  französischen,  und  selbst  manchen  deutschen 
(z.  B.  den  in  Frankfurt  am  Main  verfertigten ,  wo- 
von das  Kabinet  Proben  besitzt)  ziemlich  weit  nach. 
Die  Ursache  davon  liegt  sowohl  an  den  oft  ganz  ge- 
schmacklosen Zeichnungen,  als  in  der  geringen  Fe- 
stigkeit und  Glätte  des  dazu  gewählten  Papiers.  Die 
vorzüglichsten  Spielkarten  «>  Fabrikanten ,  die  mit  ihren 
Erzeugnissen     das  Kabinet    bereichert  haben,  sind 

nachfolgende ; 

* 

F.  JEurich,  in  Linz. 

Dieser  Fabrikant,  dessen  Erzeugnisse  sich  vor 
Vielen  anderen  im  österreichischen  Staate  durch  ihre 
Güte  auszeichnen ,  hat  ein  zahlreiches  Sortiment  von 
ordinären  Bauernkarten,  so  wie  von  feinen  Tarok- 
und  Piketkarten  zur  Aufstellung  übergeben. 

Mathias  Koller,   in  TVien^ 

Vorzüglich  schöne,  und  auch  in  Rücksicht  auf 
innere  Güte  ausgezeichnete  Karten.  Besonders  be- 
merkenswerth  sind  die  feinen,  in  Kupfer  gestoche- 
nen Tarokkarten,  und  die  Holzschnitt -Piketkarten 
jiach  französischer  Art,    welc^ie    sämn^tlich  auch  in 


i53 

Hinsicht  der  Mahlerei  jeder  billigen  Forderung  Ge- 
nüge leisten. 

Btasius  Miller  y   zu  Tyrnau  in  Ungarn, 
Zwei  Spiele  sehr  feine  Kopferstich-Piketkarteii* 

Ignaz  Preisinger^   z\x  Salzburg. 

Kupfer  *Piketkarien,  die  sich  durch  eine  bedeu- 
tende Festigkeit  auszeichnen. 

Anton  RubiOy    in  Triest. 

Mehrere  Spiele  Traplir^  und  PiLetkarten  toh 
gater  Qualität. 

Peter  Schachner  ^    zu  fVels  in  Osterreich  ob  der 

Enns. 

Feine  deutsche  Karten^  die  sich  mehr  durch  in* 
nere  Gute  y  als  durch  ein  vorziiglich  schönes  Äußrere 
empfehlen ,  und  daher  häufig  gesucht  werden.  Von 
gleicher  Beschaffenheit  sind  die  dem  Kabinette  ein^r 
/^esduckteu  Piket«  und  Tarokkarten  dieses  Fabri« 
iajiten. 

66.  Die  Fabrikation  dep  Papiertapeten,  welche 
im  österreichischen  Staate  auf  einer  hohen  Stufe  der 
Vollkommenheit  sich  befindet^  kann  hier  ebenfalls 
nicht  mit  Stillschweigen  übergangen  werden^  obschon 
das  Kabinet  keine  sehr  bedeutende  Sammlung  dieses 
Fabrikates  besitzt.  Erwähnung  verdient  blofs  das, 
aus  friiherer  Zeit  herriihrende  grofse  Sortiment  von 
Tapeten  aus  der  Fabrik  von  Naaka  und  Feller  tu 
^^^9  worunter  sich  mehrere  sehr  glücklich  ausee- 
führte  Stücke^  besonders  Gesimsmuster  und  Bordü- 
ren befinden. 

Grofser  Aufmerksamkeit  scheint  die  mit  einem 
ausschliefsenden  Privilegium  versehene  Erfindung  des 
Johann  Seidan  in  fVien  würdig  in  seja,  welche 


i5ö 

in  der  Verfertigung  einer  eigenen  y  mit  erhaben  f;e* 
prefsten  Figuren  verzierten  Art  von  Tapeten  besteht. 
Die  zu  dem  erwähnten  Behufe  angewendete  Maschi^ 
nerie  soll  sehr  einfach  seyn ,  und  hat  vielleicht  mit 
derjenigen  Vorrichtung  Ähnlichkeit,  deren  man  sich 
sonst  zur  Verfertigung  der  geprefsten  Papiere  bedient. 
Das  Grundiren,  Vergolden  u.  s.  w/  dieser  Tapeten 
geschieht  ganz  auf  die  gewöhnliche  Art.  Herr  SeL- 
dan  hat  seine  artige  Erfindung  auch  zur  Nachah^ 
mung  der  Bildhauerarbeit  an  Rahmen  u.  dgl.  mit 
Glück  angewendet.  Solche  geprefste  Rahmen  stehen 
an  Schärfe  der  Verzierungen  den  gewöhnlichen  kaum 
nach,  und  übertreffen  sie  an  Leichtigkeit^  so  wie  an 
Wohlfeiiheit. 

Ein  gewissermafsen  hierher  gehöriges  Erzeug- 
niffij  sind  die  papierenen  Parketten  des  Lorenz  Bern- 
hardt y  zu  Baden  in  Österreich  (V,  U.  W.  W.), 
die  wegen  ihres  geringen  Preises  häufig  zum  Belegen 
der  Fufsböden  angewendet  zu  werden  verdienten,  da 
sieüberdieC»  auqh  durch  einen  festem  und  harten  Lack, 
der  das  Waschen  mit  Wasser  verträgt,  eine  grofse 
Dauerhaftigkeit  erhalten.  ^ 

G7.  Zu  den  Papierfabrikaten  gehören  aiioh  die 
verschiedenen  Gattungen  von  Pappe ,  die  in  ihrer 
Qualität  aufserordcntlich  von  eias^nder  abweichen. 
Unter  den  gemeineren  Sorten,  die  im  Kabinette  auf- 
gestellt sind,  bemerken  wir  hier  vorzugsweise  meh- 
rere starke  und  dichte  Blätter  voh  derjenigen  Beschaff- 
feuheit,  wie  sie.  zur  Verfertigung  der  bekannten  pa- 
pierenen Kattunappret^rr  Walzen  vorgeschlagen  wor-. 
den  sin4. 

Die  feinste  und .  beste  Art  der  Pappe  sind  die 
Prefsspäne^  welche  in  Tuchfabriken  und  von  den 
Tuchscberern  zum  Pressen  des  Tuches  angewendet 
>rerden^   um  demselben  Glanz  zu  geben,     Weoi»  4^« 


i57 

Prefsspäne  ihre  Bestimmung  erfüllen  sollen ,   müssen 
sie  seLr  hart  und  dicht  seyn^  und  einen  hohen  dauer- 
haften Glanz  besitzen;  sind  sie  zu  weich ^  so  drücken 
sich  die  Haare  des  Tuches  in  die  Oberfläche  ein^  und 
benehmen  ihr  den  Glanz,  den  sie  nothwendiger  Weise 
besitzen  mufs,  um  ihn  dem  Tuche  mittheilen  zu  kön- 
nen.    Man  sieht  denmach  schon  ^  dafs  das  Verfahren 
bei  der  Bereitung  dieser  Spane  ganz   und  gar  nicht 
gleichgültig  seyn  könne;    indem    ihre  Qualität  davon 
abhängt.     Lange  Zeit  war  man  der  Meinung,     dafs 
hierbei  gewisse  eigenthümliche    Kunstgriffe  unerläfs- 
lieh  seyen,  wodurch  dem  Fabrikate  die  höchste  mög- 
liche Glätte  und  die   erforderliche  Festiijkeit  ertheilt 
würde.  Dafs  man  sich  über  diesen  Punkt  keine  sichere 
Auskunft  verschaffen  konnte,  davon  war  die  Geheim- 
haltung   der    Bereiiungsmeihode    in    England  und 
f  rankreich  vorziiglich  Ursache.    Gegenwärtig  scheint 
es  aber  so  ziemlich  ausgemacht  zu  seyn,  dafs  diejeni- 
gen Mittel,   wodurch  man   gutes  und    festes  Papier 
bereitet,  auch  zur  Erzeugung    tauglicher  Prefsspäne 
hinreichen.     Sorgfältige  Auswahl  der  festesten  leine- 
nen Hadern  5  Vermeidunc  des  in  manchen  Fabriken 
üblichen  Macerircns  derselben ;  Beseitigung  aller  frem- 
den Theile,  welche  der  Glätte  und  Gleichförmigkeit 
der    Späne    schaden   könnten;    fleifsiges  Zerkleinern 
im  Stampfgeschirre  und  im  Holländer;    häufiges  und 
starkes  Pressen  der  geschöpften  Bogen,    und  sorgfäl- 
tiges Glätten  der  fertigen  Prefsspäne:     dieses  wären 
demnach  die  Hauptumstände,  aufweiche  man  zu  ach- 
ten  hätte.      Das  Glätten  wird  in    manchen  Fabriken 
mittelst   polirier  metallener  Walzen,  in  andern  mit- 
telst eines  gewöhnlichen   Glättsteines  vorgenommen, 
und  gehört  ohne  Zweifel   zu  den  wichtigsten  Opera- 
tionen dieses  Fabrikationszweiges. 

Die  englischen  Prefsspäne  zeichnen  sich  durch 
ihre  geringe  Dicke,  dessen  ungeachtet  aber  auch  durch 
eine  unbegreiflich  feste,  beinahe  hornartige  Struktur, 


i58. 

80  ^ie  durch  einen  aufserordentlich  starken  Glanz 
und  die  damit  im  Zusammenhange  stehende  Glätte 
aus.  Sie  besitzen  gewöhnlich  eine  braune  Farbe^  de- 
ren Ursprung  nicht  mit  Sicherheit  bekannt  ist,  die 
aber,  begreiflicher  Weise,  auch  nicht  zu  den  vre- 
sentlichen  Erfordernissen  eines  guten  Prefsspans  ge- 
hört« Von  sehr  guter  Qualität  sind  auch  die  franzö- 
sischen und  niederländischen  Späne,  welche  den 
englischen  an  Qualität  sehr  nahe  kommen.  Das  Nähm- 
liche  gilt  Ton  den  zu  Malmedr ,  im  prcufsischen  Re- 
gierungsbezirke Aachen  y  und  zu  JKönigsberg  verfer- 
tigten Prefsspänen,  von  denen  das  Fabriksprodukten- 
Kabinet,  so  wie  von  den  englischen,  menrere  Mu- 
ster besitzt. 

Die  inländischen  Prefispäne  waren  noch  vor  we- 
nigen Jahren  ohne  Ausnahme  von  sehr  mittelmäfsiger 
Qualität,  indem  sowohl  ihre  Dichtigkeit  als  ihre  Glätte 
viel  zu  wünschen  übrig  liefs.  Viele  selche  Muster 
besitzt  das  Kabinet  aus  der  Papierfabrik  zu  Littau  in 
Mähren  (OUmützer  Kreis),  und  aus  den  Fabriken  zu 
Hohenelbe  (Gebrüder  Kiesling),  Miltenberg,  Ben- 
sen,  JEger,  Ranow,  Niemes  und  Zaradka  in  Böhmen. 

Die  fast  durchaus  geringe  Qualität  der  inländi- 
schen Prefsspäne  veranlafste  die  Staatsverwaltung  mi 
Jahre  1817,  einen  Niederländer,  Nahmens  ffilheh^ 
Sphmidty  in  die  Erblande  zu  berufen,  und  von  inm 
die  Erzeugung  guter  Prefsspäne  in  der  Ärarial-P** 
pierfabrik  zu  Rannersdorfm  Gang  bringen  zu  lassen. 
Es  wurde  für  diesen  Behuf  auch  ein  eigenes  Wal*" 
werk  hergestellt,  und  überhaupt  jede  Veranstaltung 
zur  Beförderung  des  vorgesetzten  Zweckes  getroffen. 
Das  Resultat  hiervon  war  erfreulich  genug,  denn  schon 
seit  mehreren  Jahren  werden  in  der  genannten  Fabn 
sehr  vorzügliche  weifse  und  braune  Prefsspäne  er- 
zeugt ,  die  den  gemeinen  böhmischen  und  mährische  ^ 
wein  vorzuziehen  sind.     Die  Ansicht  der  ina  FabriW' 


i59 

Produkten  «KaLioeUe  aofgestellten   zahlreichen  Mu- 
ster kann  dieses  Urtheil  zur  Genüge  bestätigen. 

Prefsspäne  von  sehr  guter  Beschaflenheit  verfer- 
tigen die  schon  früher  riihmlich  erwähnten  Papier- 
fabrikanten  Galvani ,  zu  Pordenane  im  venetianisch- 
lombardischen  Königreiche.  Den  von  ihnen  zur  Auf- 
stellung eingesandten  Proben  fehlt  nur  eine  etviras 
gröfsere  Glätte^  um  sie  den  besten  ausländischen  an 
die  Seite  setzen  zu  können. 

68.  Anhangsvreise   zu  den  Papierfabrikaten  er- 

wibnen  wir  der  so  genannten  Papier- mache -Doseriy 

welche  übrigens  jetzt  nicht  mehr^    wie  früher,   aus 

dem  unverarbeiteten   Ganzzeug,     sondern  durchaus 

von  Pappe  verfertigt  und  lackirt  werden.  Das  Kabinet 

besitzt  solche  Dosen  von  Jakob  Bachmann ,  zu  Rank^ 

tveif  in  Tirol y  und  von  Franz  Meifsl,  zu  Riedau  in 

Österreich  ob  der  Enns.  Besonders  die  des  letztem 

zeichnen  sich  durch  die  geschmackvoll  mit  Silber  ein- 

gekgie  Schrift,  und  durch  Schönheit  des  Lackes  voi^ 

(lieilhaft  aus.     Einige  der  Ähnlichkeit  wegen  hierher 

gehörige  Stücke  sind  von  Weifs  in  London  verfertigt. 

Wir  bemerken  darunter  eine  aus  lackirter  Papiermasse 

bestehende  Lichtschertasse,   die  sich  durch   grofse 

Leichtigkeit,   besonders   aber  durch  Schönheit  und 

Festigkeit  des  Firnisses  auszeichneL 


Gg.  Das  Ze^f  er  gehört  unter  diejenigen  Fabrikate, 
wovon  das  Kabinet  eine  bedeutende  Anzahl  Muster 
besitzt.  Der  leichtem  Übersicht  wegen ,  theilen  wir 
dieselbcv^,  da  wir  von  ihnen  sprechen,  in  jene  drei 
Klassen,  welche  durch  den  Unterschied  der  Berei- 
tungsart selbst  gegründet  werden ;  nkhmlich  in  roth- 
gares  y  weißgares  und  sänUschgares  Leder. 

Rotbgares  Lcder  wird  in  der  ganzen  Österreich!- 


iCo 

sehen  Monarchie  von  sehr  guter  Qualitäl' verfertigt, 
mit  einziger  Ausnahme  des  Sohlenleders ,  in  dessea 
Verfertigung  nur  die  italienischen  Provinzen  mit  dem 
Auslande  zu  konkurriren  im  Stande  seyn  dürften.  Die 
geringe  Qualität  des  in  den  deutschen  Erbländern  be- 
reiteten Leders  dieser  Art  ist  wahrscheinlich  in  der 
Anwendung  der  Knoppern  als  Gärbematerial  gegrün- 
det. Da  diese  Substanz  an  GärbestofT  aufserordeut- 
lich  reich  ist^  so  gärbt  sich  die  Aufsenfläche' der  Häute 
sehr  schnell^  das  Innere  bleibt  aber  noch  halb  roh, 
weil  durch  die  schon  gar  gemachte  Rinde  der  Gär- 
bestoff nur  schwer  eindringt.  Zu  diesem  Erfolge  trägt 
dann  auch  die  Übereilung^  womit  man  die  Gärbezeit 
häufig  genug  abzukürzen  sucht  ^  das  Ihrige  bei.  Sa 
wird  es  begreiflich^  dafs  das  österreichische  Sohlen- 
leder fast  ohne  Ausnahme  steif  und  brüchig  ist^  und 
in  der  Nässe  aufserordentlich  bald   zu  Grunde  gehu 

Von  besserer  Beschaffenheit  ist  beinahe  durch- 
aus das  aus  dünneren  Häuten  gegärbte  Leder^  weil 
hier  die  schnelle  Wirksamkeit  der  Knoppern  weniger 
zu  bedeuten  hat,  und  weil  zur  Bereitung  desselben 
auch  häufig  Lohe  angewendet  wird. 

Zum  rothgaren  Leder  gehört  auch  der  Saffian 
oder  Marroquin,  der  im  österreichischen  Staate  aus 
Schaf- und  Ziegenhäuten  in  Menge,  und  mitunter 
auch  von  solcher  Qualität  verfertigt  wird,  dafs  er  dem 
echten  sehr  nahe  kommt.  Die  Hauptschwierigkeit 
dieses  Fabrikationszweiges  besteht  in  aer  Hervorbrin- 
gung  schöner  Farben,  unter  denen  die  rothe  den 
einheimischen  Fabrikanten  am  wenigsten  gelingt. 

.  « 

Nachstehende  Fabrikanten  müssen  unter  denje- 
nigen,  welche  das  Fabriksprodukten -Kabinet  tnit 
Beiträgen  von  rothgaren  Leaersorten  bereichert  ha- 
ben^ vorzugsweise  ausgehoben  werden« 


i6i 

Heinrich  An^ersiein^    zu  Eger  in   Böhmen  (Eln- 

bogner  Kreis), 

bat  einige  kleine  Felle  von  gelbem  und  grünem  Saf- 
fian übergeben  ^  die  anSchönbeit  zwar  noch  Manches 
zu  wünschen  übrig  lassen ,  dessen  ungeachtet  aber  mit 
vieler  Sorgfalt  ausgearbeitet  sind. 

Ludwig  Bälde  y    in  Salzburg. 

Braunes  und  geschwärztes  Kalbleder  von  guter 
Qualität^  dann  ein  nach  Lütticher  Art  vortrefl] ich  aus- 
gearbeitetes Stück  Sohlenleder^  welches  vollkommen 
durcbgegärbt  ^  und  daher  sehr  biegsam  ist. 

Hieronjmus  Capezle,    in  Ferona. 

Dieser  Fabrikant  hat  dem  Kabinette  mehrere 
sehr  gut  gegärbte  Ledersorten  zum  Geschenke  gemacht. 
Man  bemerkt  darunter  vorzüglich  das  nach  englischer^ 
und  Lütticher  Art  bereitete  Sohlenleder^  und  das 
schwarze  Blankleder,  welche  beide  sich  durch  Schön- 
heit besonders  auszeichnen. 

Michael  Cutin ,   zu  Görz  in  Illjrrien* 
Grüner  appretirter  Saffian  aus  einem  Ziegenfelle« 

Joseph   Gafsner  und  Söhne,   in  FFien* 

Ein  künstlich  gebleichtes  und  appretirtes  Kalbfell 
20  Stiefelkappen  und  Galanterie  -  Arbeiten  aus  Leden 
Vorzüglich  schön. 

Die  gräflich  Dietrichstein*sc}ie  Lederfabrik^   zu  Sa» 
kolnitz  in  Mähren   (Brünner  Kreis). 

Verschiedene  Muster  von  rothgarem  Leder,  die 
durchaus  von  lobenswürdiger  Beschaßenheit  sind. 
Merkwürdige  Stücke  sind  besonders  das  Sohlenleder 
aaf  Lütticher  Art,  aus  einer  amerikanischen  Haut  be- 
reitet; das  nach  englischer  A^t  geprefsto  Blankleder  j 
<lie  gewalkten  kalbledernen  Stiefelschäfte,  ebenfalls 
nach  englischer  Art;   u.  8.  w« 

Ukt\,  4,  fol/t.  In»l.  IV.  Ua,  ff 


loa 


Johann  von  Leuna  ^  zu  Udine  im  venetianisch* lom- 
bardischen Königreiche. 

Dieser  Fabrikant,  welchem  durch  die  allerhöch- 
ste Gnade  Sr.  Majestät  des  Kaisers,  und  vregen  sei- 
licr  ausgezeichneten  Verdienste  um  die  Leder -Erzeu- 
gung im  Jahre  {1818  die  goldene  CiviK Ehrenmedaille 
verliehen  worden  ist,  hat  das  Kahinet  mit  einer-  be- 
deutenden Reihe  von  Mustern  beschenkt,  die  in  ihrer 
Art  als  völlig  vollendet  angesehen  werden  müssen,  in- 
dem sie  allen  Forderungen  der  Kenner  genügend  ent- 
sprechem  Besonders  verdient  das  nach  Basler  Art 
mit  Lohe  zubereitete  Pfund- oder  Sohlenleder,  so 
wie  das  zum  Gebrauch  für  Riemer  und  Sattler  be- 
stimmte schwarze  blank  gestofsene  Kuhleder  erwähnt 
zu  werden ,  da  beide  an  äufscrer  und  innerer  Voll- 
kommenheit  die  besten  ausländischen  Fabrikate  ihrer 
Art  wenigstens  erreichen* 

I)ie  Leder6rmeister    der  Stadt   Brescia  im  venetia* 
nisch  -  lombardisch  en  K  önigr eiche 

haben  einige  sehr  schöne  geschwärzte  Kalbfelle  ein- 
geschickt, von  denen  eines' mit  Wach&  eingelassen  ist, 

um  es  wasserdicht  zu  machen« 

» 
Karl  Pfeiffer^   zu  Sechshaus  bei  PVien. 

Eine  schätzbare  >  aus  a3  ganzen  Fellen  bestehende 
Sammlung  von  Korduan  und  Maroquin ,  welche  dieser 
Fabrikant  der  Aufstellung  im  Kabinette  gewidmet  bat, 
beurkundet  deutlich  genug  die  raschen  Fortschrille, 
welche  dieser  wichtige  Theil  der  inländischen  Leder- 
fabrikation seit  wenigen  Jahren  gemacht  hat.  Unter 
jene  Muster,  die  in  Absicht  auf  Schönheit  der  Farben 
vorzügliches  Lob  verdienen,  gehören  die  rosenrothen, 
rehfarben,  violetten ,  lichtblauen,  gelben ^  grünen  und 
Schwarzbraunen  Maroquin  -  Sorten  ^  die  maa  ohne 
Scheu  den  ausrändischen  gleich  stellen  kann.  Weni- 
ger gelungen  ist  die  scharlachrothe  Farbe,  welche 
überhaupt  die  schwierigste  ist.  Es  steht  jedoch  zu 
erwarten,  dafs  der  industriöse  Yerfcrtiger  audx  hierin 


xG3 

mit  der  Zeit  an  das  erwünschteste  Ziel  gelangen 
werde ^  und  man  mufs  überhaupt  seinem  Unterneh- 
men, welches  zu  den  bedeutendsten  der  Monarchie 
gehört^  volles  Gedeihen  wünschen. 

Georg  Klinglmajr^  zu  JVels  in  Österreich  ob  der 

JEnns. 

Lohgares  Kuh  -  und  Kalbleder  nach  englischer 
Art,  so  wie  einige  aus  letzterem  bereitete  Stiefel- 
scbäfle.  Die  vorzügliche  Qualität  ^dieser  Muster  ge- 
reicht dem  Yerfertiger  zur  Ehre;  denn  an  Schönheit 
der  Appretur  und  an  innerer  Güte  lassen  dieselben 
lernen  billigen  Wunsch  unbefriedigt. 

Graf  von  Totto,    zu  Capo  it  Istria  in  lUjrien. 

Muster  von  gut  gearbeitetem  Sohlenleder  nach 
englischer  Art^  so  wie  von  braunem  und  schwarzem 
KoUeder. 

Franz  Tesinger,    zu   S.  GßoPgen  in  Österreich 

(Traunkreis). 

Eine  weifs  gedruckte  Kuhhaut^  und  ein  eben 
solches  Kalbfell  ^  beide  von  vorzüglicher  Qualität« 

Adam  Schuller,    in  fFien* 

Schönes  Sohlenleder  aus  einer  Buenos -Ayres^ 
Ochsenhaut«  Die  Verarbeitung  von  amerikanischen 
Hinten  ist^  wie^  das  vorliegende  Muster  zeigte  im 
österreichischen  Staate  gar  keine  Seltenheit,  ungc 
achtet  der  höchst  bedeutenden  Rindviehzucht>  welche 
in  mehreren  Provinzen  betrieben  wird. 

Ar.  2*accagna,    zu  Padua  im  venetianisch -« lotnbar« 

dischen  Königreiche« 

Gut  gearbeitetes  Pfundleder,  zuDd  Theil  nach 
eodischer  Art )  ferner  auch  einige  Muster  Saffian  und 
Kalbledcr«^ 


11* 


Die  Gärberzunft  zu  Zehus  in  Böhmen  (Lcitmeriuer 

Kreis). 

Eine  zahlreiche  SaminluDg  von  Ledermustera^ 
di^sich  gröfsten .  Thc^ls  durch  fleifsige  Bearbcilung 
auszeichnen^  und  von' denen  einige  auch  in  andern 
Rücksichten  merkwürdig  sind.  Wir  erwähnen  dar- 
unter vorzüglich  des  auf  eine  eigene  Art  zugerichte- 
ten Pfundlcdcrs  aus  einer  Pferdehaut;  des  durch  ein 
einheimisches  Pflanzenöhl  wasserdicht  gemachten  Kuh- 
leders ;  endlich  des  schönen  braunen  Blankleders, 
dessen  Appretur  nichts  zu  wünschen  übrig  läfst.  pben 
so  vollkommen  sind  die  Muster  von  Juften^  welche 
theils  ai^  Kuhhäuten  ^  theils  aus  Kalbfellen  mit  vie- 
lem Fleifse  gearbeitet  sind^  ungeachtet  sie  dem  rus- 
sischen Fabrikate  ^  welches  sie  nachahmen  soUeSy 
nicht  ganz  gleich  kommen. 

Unter  den  im   Besitze    des  Kabinettes  befindli- 
eben  ausländischen  Ledermustern  bemerken  wir  hier 
vorzugsweise    einige    lobgare  Kalbfelle ,    von  Ernst 
Holschemacher y   \n   Magdeburg,     welche  ein  Ge- 
schenk Sr.  Majestät  des  Kaisers  sind;    ferner  zweier 
aus  BüfTelhäuten  nach  Lüttich  er  Art  bereiteten  Muster 
von   Sohlenleder  y     aus    einer  Ifabrik  zu   Frankfurt 
am  Main;    endlich    ein    Stück   brasilianisches,  mit 
Wurzeln   gcgärbtes  Sohlenleder,    welches  von  dem 
Lederfabrikanten  Jdam   Schuller,   in    tFien,  dem 
Kabinette  übergeben  wurde,    und  sich  durch  seine 
ungewöhnliche  rothe  Farbe,   so  wie   durch  die  ihm 
eigene  Weichheit  auszeichnet. 

f 

70.  Von  weifsgaremy  oder  so  genanntem  jilaun- 
Leder  besitzt  das  Kabinet  eine  aus  vielen  theils  weis- 
sen ,  theils  verschiedentlich  gefärbten  Fellen  beste- 
hende Sammlung,  welchb  es  durch  mehrere  Einsen- 
der in  Böhmen ,  Mühren  und  Österreich  erhalten 
hat.  Die  Schönheit  dieser  Stücke  läfst,  sowohl  was 
die  Gärbung,  als  die  Qualität  der  Farben   (pcrlfarb, 


iG5 

violett^  gi*ün^  rehfarl>  u.  s.  ^.)'  betriSt,  nichts  zu 
wünschen  übrig.  Aufserdem  haben  C  J.  Barzaghiy 
zaMonza  im  veneüanisch - lombardischenKönigreiche, 
und  Mathias  Leitner ,  zu  Scheerding  in  Ttrol^ 
Moster  von  weifsgarem  Leder,  theils  aus  SchäfTellen^ 
dieils  aus  Kuhhäuten ,  zur  Aufstellung  eingeschickt» 

71.  Nicht  unbedeutend  ist  die  Menge  der  im  Ka- 
binettebefindlichen Proben  von  Sämischleder,  welche^ 
im  Ganzen  genommen,   das  günstigste  Urtheil  über 
den  Zustand  dieses  Theiles  der  Garberei  in  der  Mo^ 
narchie  zu  fällen  erlauben.     Von  den  Produkten  der 
frühem  Jahre  gehört  hierher  das  schöne,  aus  Hirsch«* 
und  Ziegenhänten   gegärbte   Leder  des  Fabrikanten 
Kandier,  in  Linz,  welches  sich  in  jeder  Rucksicht 
sehr  zu  seinem  Vortheile  auszeichnet.     Nicht  weni- 
ger Lob  verdienen  das  sämisch  gegärbte.  Ochsenleder, 
von  dem  bereits  einmuhl  erwähnten  JFf.  Capezle ,    zu 
Verona;  so  wie  die  ähnlichen  Erzeugnisse  desAft^r- 
tinPoppauery  zu  S.  Wolf  gang  in  Österreich  (Traun- 
Ireis),   und  Af.  Zaccagna  y    in  Padua,   von  denen 
der  letztere  eine  sehr  schön  ausgearbeitete   Hirscb- 
hant  zur  Aufstellung   eingeschickt  hat.     Eine  ehren^ 
volle  Erwähnung  verdient  endlich  Karl  Weilenböcky 
xuSalzburgy  dessen  sammt  der  Wolle  {>egärbte  Lamm- 
felle, die  als  Pelzwerk  benutzt  werden  können,  nicht 
nur  durch  einsehr  schönes  Aufsere,    sondern  auch 
durch  den  Umstand  sich  auszeichnen ,  dafs  ihre  Wolle 
nicht  so  leicht  ausgeht,    als   dieses   gewöhnlich  bei 
ähnlichem  Leder  der  Fall  ist.  — 

<^3.  Das  National  -  Fabriksprodukten  •  Kabinet  be-» 
sitzt  viele  Muster  von  Gegenständen,  die,  als  Verar«- 
beitongen  des  Leders,  hier  fuglich  einen  Platz  finden 
können«  Hierzu  gehören  vorerst  einige  aus  schwar- 
zem Blankleder  oder  grünem  Saffian  verfertigte,  mit 
dem  harten  Rücken  der  Pfauenfeder- Kiele  sehr  artig 
gestickte  Leibbinden,    oder    so    genannte    Gurten, 


i6Ö 

'Vfelche  von  lirolischen  und  salzburgisclien  Landleuten 
gelragen  werden.     Dergleichen  haben  J.  Oberhamr 
mery  zu  Sonnenburg  in  Tirol ^   und  Michael  Hof-^ 
yerj  zu  Satzburg j  eingeschickt. 

Eine  zahlreiche  Sammlung  Von  Damenschuhen, 
aus  der  Fabrik  des  Johann  Leitzinger,    in  fFieriy 
verdient  wegen  der  Schönheit  ihrer  Ausführung  vor- 
zügliches Lob.  —  Viele  Muster  besitzt  das  Kabinet 
auch  von  den  nach  englischer  Art  genagelten  Schuhen, 
bei  welchen  die  Sohle  und  das  Überleder  nicht  durch 
^ineNaht,  sondern  mittelst  metallener  (eiserner,  mes- 
ßingßner,   kupferner)  .Nieten  vereinigt    sind.     Ignaz 
Öggy  in  LinZy  Sebastian  Spernbauer  ^  zu  Sirning 
in  Österreich  (Traunkreis),    und  Eugen  Locatelli, 
zvL  Mailandyhahen  derlei  Schuhe  zur  Aufstellung  iiber- 
liefert,  Xoca^ß///hat  im  Jahre  1818  für  den  Umfkng 
des  venetianisch-  lombardischen  Königreiches  ein  aus- 
schliefsendes   Privilegium    zur    Verfertigung     dieser 
Schuhe,  und  im  Jahre  18 19  ein  anderes  auf  die  Er- 
zeugung der  metfillenen  Nieten  erhalten.     Unter  sei- 
nen eingesandten  Musterstiicken ,  die. sich  überhaupt 
durch  Eleganz  der  Arbeit  auszeichnen,    befindet  sich 
ein  Paar  genagelte  Stiefel  und  ein  Paar  schon  abgetra- 
gene Schuhe,  die  (zum  Beweise  der  Möglichkeit  eines  ^ 
solchen  Verfahrens)   mittelst   aufgenagelter  Flecken 
ausgebessert  siqd. 

Von  Georg  Jacquemar,  in  Wien^  hat  das  Ka- 
binet sehr  schöne  gefärbte  Damenhandschuhe  zum 
Geschenke  erhalten,  die  wirklich  in  jeder  Rücksicht 
tadellos  sind,  und  zu  den  vorzüglichsten  der  hier 
aufgestellten  Waaren  gehören.  Es  befindet  sich  dar- 
unter auch  ein  Paar  Handschuhe  aus  Hühnerleder 
(Canepin),  oder  dem  fälschlich  so  genannten,  mi^ 
vieler  Mühe  abgezogenen  Oberhäutchen  von  weifsga- 
xem  Leder,  deren  Leichtigkeit  alle  Begriffe  übersteigt, 

die  aber  eben  defswegen  mehr  zur  ochau,   als  zum 
wirklichen     Gebrauche     verfertigt    werden  können. 


Derselbe  Fabrikant  bat  aucb  secbs  Paar  ecbl  fanzo** 
siscbe  Handschuhe  übergeben^  gcg^n  welche  die  sei« 

nigen  bei  der  Vergleichung  nichts  verlieren. Sehr 

gut  gearbeitete  Handschuhe  aus  Sämi^ch  -  und  Brüfs* 
ler-Leder^  nach  Art  der  französischen  verfertigt^  sind 
aoch  von  Benedikt  Pfaiffery  in  f^enedigy  einger 
schielt  worden;  so  wie  die  Handschuhmacher zunft 
SU  Bisenz  in  Mähren  (Hradischer  Kreis)  ungefärbte 
Männerhandschuhe  aus  sämischgarem  Leder  zur  Auf- 
stellung *  überliefert  hat.  Endlich  verdient  ein  von 
Mathias  Rießer^  in  Wien^  verfertigter,  und  im  Nah- 
men der  hiesigen  Sattler -Innung  dem  Kabinette  zu- 
gestellter englischer  Reitsattel;  defsgleichen  ein  Paar 
mit  rothem  Saffian  und  Sammt  überzogene  Pracht- 
sattel von  /.  Heller,  in  PFien,  der  schönen  Arbeit 
wegen  ^  rühmlich  erwähnt  zu  werden. 

^3.  Im  Anhange  zu  den  Lederfabrikaten   muf^ 
auch  das  schöne  Schreib  -  und  Makler-  Pergament 
erwälint  werden,  welches  Joseph  JVenger,  «u  Wien^ 
and  Joseph  Rechl,    zu    Salzburg,   den^  'Kabinette 
übergeben  haben.     Eben  so  können  mehrere  Muster 
von  dem  in  i?/i^/an^  aufgekommenen,  und  unter  dem 
Nahmen   des    künstlichen  ,  Pergamentes   bekannten 
Pergament -Surrogate  nicht  mit  Stillschweigen  liber- 
gangen werden.     Dieses    Fabrikat  ist  laichts   weiter, 
als  Papier ,  welches  durch  einen  Anstrich  von  Gyps, 
Bleiweifs  und  Kalk  die   äufseru  Eigenschaften    des 
Pergaments  erhalten  hat.     Die  vorliegenden  Muster, 
eben  nicht  von   besonderer  Schönheit,    sind  wahr- 
scheinlich in  Leipzig  verfertigt,  wenigstens  von  dort 
aus  dem  Kabinette  beigeschafft  worden. 

jj^  Nachdem  wir  bis  jetzt  die  Hauptrubriken  des 
Kabinettes  durchgegangen  sind ,  bleiben  uns  qur  we- 
nige, meist  unbedeutende  Gegenstande  aufzuzählen 
übrig,  die  wir  am  Schlüsse  dieses  Aufsalzes  defswe- 


gen  zusammen  siellen ,  weil  sich  uns  kein  .scliickli- 
cherer  Flau  dafür  darzubielhen  schien. 

« 
Wir  erwähnen  defshalb  vorerst  der  künstlichen 

Blumeuj  wovon  das  Kabinct  sehr  schöne  Muster  be- 
sitzt. Das  schönste  Stück  in  dieser  Art  ist  ein  von  Julie 
Rnotte,  in  Mailand ^  eingesandter  Rosenstock  von, 
l)edeutender  Gröfse,  der  sich  durch  Natürlichkeit  und 
Zartheit  der  Ausführung  mit  den  so  berübmten  Wie- 
ner Blumenfabrikaten  messen  kann.  Eine  sehr  schätz- 
bare Sammlung  von  Blumen  aus  Papier,  Leinwand 
lind  Galett- Seide  (Bozzolo)  hat  Vincenz  Rasa^  %\x 
f^enedigy  dem  Kabinette  übergeben..  Ein  schön  ge- 
arbeitetes Boiiquet  ,von  Moisia  Kerthy  in  Triest, 
verdient  gleichfalls  hier  rühmlich  erwähnt  zu  werden. 

^5.  Von  L.  Truzziy  zu  Verona  im  venetianisch- 
lombardischen  Königreiche^  mufs  eine  aus  G4  Ringen 
bestehende  Sammlung  von  Darmsaiten  bemerkt  wer- 
den y  die  sich  durch  Schönheit  und  Güte  in  gleichem 
Grade  au^eicbnet.  Es  befinden  sich  darunter  vor- 
trefHiche  Violin-,  Violoncell-,  Guitarre-,  Mandolin- 
und  Harfensaiten /die . in  keiner  Rücksicht  etwas  zu 
wünschen  übrig  lassen. 

76.  Die  fTachslarven  des  Franz  fVagnery  in 
JVieny  verdienen ^nter  den  vielen  Merkwürdigkeilen 
des  Kabineiies  eine  besondere  Anzeige,  indem  sie 
sich  nicht  nur  durch  Schönheit  der  Formen,  und  in 
ihrer  Eigenschaft  als  Kunstarbeiten,  sondern  auch 
durch  vollendete  technische  Behandlung  auszeichnen. 
Dominik  FanniOy  in  Venedig y  hat  gleichfalls  eine 
Sammlung  von  Larven  aller  Art  zur  Aufstellung  über- 
geben. An  diesen  sehr  schön  gearbeiteten  Mustern 
sind  vorzüglich  die  unbegreiflich  niedrigen  Verkaufs- 
preise bemerkenswerth. 

77.  Sehr  schönes  und  gutes  Siegellack  ^  worun- 


ter  sicli  auch  blaues^  marmorirtes  und  so  genanntes 
elastisches  befindet,  hat  das  Kabinet  von  Stephan 
Minesso  y  in  f^enedig,  erhalten«  Da  die  sehr  oft  ge- 
ringe Qualität  des  inländischen ,  selbst  des  in  ff^ien 
'verfertigten  Siegellackes  bekannt  ist,  so  mufs  man  den 
vorliegenden  Mustern  um  so  mehr  Gerechtigkeit  vei* 
derfahren  lassen* 

78.  Ein  Produkt  ganz  eigener  Art  ist  der  so    ge- 
nannte Steinkitt   von  Joachim  Feichner  und  Leo- 
pold Steininger,  zu  Heil.  Kreuz  nichst  Baden,  wor- 
auf dieselben  im  Jahre  iSüo  fiir  die  Provinz  Unter- 
Österreich  ein  ausschliefsendes  Privilegium  erhalten 
.haben.     Die  Erfinder  wenden  ihn  gegen  Nässe,  z.  B. 
bei  Bronnen,  an  Dächern  u.  s.  w.  an,    und  er  soll, 
mehreren  sehr  glaubwürdigen   Zeugnissen  zu  Folge, 
voTUeffiiche  Dienste  thun.   Mehrere  mit  solchem  Kitt 
überzogene  Tafeln,  welche  das  Kabinet  zur  Anfstel* 
lung  erhalten  hat,  scheinen   ebenfalls  diese  Behaup-, 
tuogxa  rechtfertigen,  in  so  fern  man  nähmlich  nach 
dem  äufsern  Ansehen,  nach   den  verniulhlichen  Be- 
standtbeilen  und  nach  dem  Verhalten  bei  mehrjähri- 
ger Aufbewahrung  auf  die  innere   Beschaffenheit  zu 
schliefsen  im  Stande  ist. 

Gelegentlich  erwähnen  wir  hier  einer  grofsen, 
aas  Go  verschiedenen  «Sieinarten  iusammengesetzten 
Tischplatte  von  jinton  Hogler,  in  Salzburgs  welche 
.eben  sowohl  in  technischer  Hinsicht  wegen  ihrer  fleis- 
sigen  Bearbeitung,  als  in  naturhistorischer  und  topo- 
graphischer Hinsicht  darum  merkwürdig  ist  weil  sie 
alle  edleren  Steinarten  des  salzburgischen  Gebirgs- 
landes  enthält«. 

79*  Emanuel Scholz y  znSamboria  Galizien,  hat 
Master  der  von  ihm  erfundenen,  und  durch  , viele 
Versuche  zur  Vollkommenheit  gebrachten  künstlichen 
Biilardballen  übergeben.  Dieses  neue  Fabrikat  ^  wor^ 


170  ^ 

auf  der  Erfinder  im  Jalire  1819  ein  zehnjähriges  aus- 
schliefsendes  Privilegium  erhielt ,  verdient  einer  gros* 
Sern  Aufmerksamkeit  gewürdiget  zu  v^erden,  als  die- 
ses bisher  geschehen  zu  seyn  scheint«  Die  künstlichen 
Billardbällen  sind  genau  rund,  U4»d  behalten  diese 
Form  jederzeit,  da  hingegen  die  gewöhnlichen  elfen- 
beinernen sich  nicht  nur  leicht  ziehen,  sondern  (we- 
gen ihrer  ungleichförmigen  Struktur)  auch  auf  einer 
Seite  mehr  ablaufen,  als  auf  den  übrigen.  An  speci- 
fischem  Gewichte,  so  wie  an  Elasticität,  kommen 
dieselben  den  elfenbeinernen  Ballen  nicht  nur  gleich^ 
sondern  besitzen  vor  diesen  sogar  einen  entschiede- 
nen Vorzug.  Was  die  Dauerhaftigkeit  betrifft,  so 
stehen  die  künstlichen  Ballen  den  elfenbeinernen 
hierin  'weit  vor,  indem  sie  weder  Eindrücke  annehmen, 
noch  weniger  aber  das  Ausspringeu  von  Stücken  be- 
fürchten lassen.  Die  im  Kabinette  vorhandenen  Stücke 
sind  ämtlich  geprüft  worden,  und  hielten  ohne  Be- 
schädigung den  5  Fufs  hohen  Fall  auf  einen  eisernen 
Ambos,  und  beim  Spiel  durch  acht  Tage  die  stärk- 
sten Stöfse  aus.  Nach  langem  Gebrauche  haben  diese 
Ballen,  welche  auch  im  Preise  um  ein  Bedeutendes 
niedriger  als  die  beinernen  stehen,  höchstens  eine 
neue  Politur  nöthig,  die  man  ihnen  auf  eine  sehr 
leichte  Art  zu  geben  im  Stande  ist.  Nöthigen  Falles 
können  sie  auch  von  jedem  geschickten  Drechsler  ab- 

Sedreht  werden;  wenn  man  sie  nicht,  dem  Antrage 
es  Yerfertigers  gemifs,  gegen  neue  umzutauschen 
Willens  wäre.  Alle  diese  Umstände  sollten  wohl  hin- 
reichen, die  künstlichen  Billardballen  allgemeiner  zu 
verbreiten ,  und  es  braucht  daher  nur  im  Vorbeige^ 
hen  deif  Nutzen  angedeutet  zu  werden ,  der  durch 
die  Ersparung  einer  bedeutenden  Menge  ^on  Ejfen^ 
bein,  die  man  gegenwärtig"  auf  Billardballen  verar- 
l^eitet^  der  National- Industrie  erwachsen  vvürde. 


171 

8o.  Weil  man  dem  vorstehenden  Aufsatze  eine 
passende  Raumbeschränkung  geben  mufste  y  so  konn- 
ten darin  nicht  alle  Einsender  nahmentlich  aufgeführt 
werden^  wie  dieses  schon  gelegentlich  bei  einzelnen 
Abschnitien  bemerkt  ist.  Da  jedoch  auch  die  £r- 
sengnisse  der  übrigen  Herren  Einsender  ohne  Ausnah- 
me in  einer  oder  der  andern  Rücksicht  merkwürdig 
und  interessant  sind;  so  hält  man  es  der  Billigkeit 
gemäfs^  in  dem  nachfolgenden  Verzeichnisse  ihrer  in 
Kürze  zu  gedenken.  Um  das  Aufsuchen  zu  erleich- 
tern^ hat  man  hier  auch  die  schon  vorgekommenen 
I^ahmen  wieder  aufgenommen ,  und  jedes  Mahl  auf 
die  Stelle  verwiesen ,  wo  ihre  Einsendungen  in  dem 
Aufsatze  *  bereits  besprochen  sind. 


Verzeichnifs 

0 

m 

aller   inländischen    Fabrikanten,     Gewerbs -  Inhaber 

und    Einsender   überhaupt,    von   welchen    bis    zum 

Schlüsse  des  Jahres  1822    Beiträge  für  das  National- 

Fabriksprodukten- Kabinet  eingegangen  waren. 

Adler,  Franz,  in  Grätz.     Leopische  Arbeiten    (8.  136), 
Adler ^   Michael^  za  Laukfu  in  Böhmen.     Yasen  au^  Bei|i^ 

^las  (s.   S.  68). 
Alroldi ,  Joseph    und  Söhne  ^  in   ^ergcunq*     Yerschie4ene 

Zei/gc     (S.   i3o). 
Alasarlo^  Joliannj,    in  Mailand.     Arbeiten   au^    moirirtein 

Blech. 
AletH^  C. ,  in  Verona.     Seidenzeuge« 

AUmüUer  j,  Georg,  in   ff^en.    Zinn- und  ZinUdraht  (S.  43), 
Andrea,  Christoph    Rieter  von,  zu  Neustadt  in  Oesterreich., 

Seidenzeuge    (S.    |95). 
Andreoli^  Gebrüder,    zu    Toßcolana  im   venetianisch •  lom-* 

bardischen  Königreiche.     Papier  (S.   145,  i53). 
Angerstein^  Heinrich,  zu  Eger  in  Böhmen.  Saffian  (S«i6i)^ 
Annatij  Johanq  Yiiicenz^  zu  Fressen  in  Steiermark,  Eisen» 
Arbeitsansialt  j  in  Mailand.     Säcke  ohne  Naht', 
9         »  in  Verona*     Ordinäre  Teppiche. 

Arnaudf  Stephan  ^  in  Venedig.    Goldene  I(ettchen  (S.39), 


17^ 

Artillerie  '  Hauptzeugamt ,  b«  b.,  in  If^en.     Mililarfiewelire 

(S.  60). 
Artfedi^  Johann^' in  Verona.      Seide     (S.  124), 
A^chke,  J,j  in  Fdnfkaus  bei  Wien.     Zinuwaaren. 
Ascolit  Flaminio>  in  Görz.     Rohe  Seide     (S.   124). 
Auerj  Franz ^  in   f^en.     Kamme     (S.    95). 
Auersperg ,  Wilhelm  Fürst  von ,  zu  Hof  in  Illyrien.    Eisen 

(S.   17). 
Bachmann  ^  Jakob^   zu  Rankufeil  in  Tirol.     Papier  -  mache-^ 

Dosen   (S.  iSq). 
Bälde,  Ludwig,. ia  Salzburgs     Leder  (S.   161). 
Bankal' Eisenwerk^  h.  k ,  zu  S.  Gertrud  in  Harnthen. 

Schmiede -Eisen     (S.    17), 
Barbariay  G.  >  in  Venedig.     Gefärbte  Glaser     (S.    75). 
Barbinij  A.  ^  zu  Marano.     Glasschmuck     (S.    74). 
Baricsich  ,  *M.ariaL  ^  znPP^erba  in  der  Af  ilitärgränze.  'Teppich. 
Barzaghiy   Karl  Joseph^    zu   Monza  im    venetianisch-lom« 

bardischen   Königreiche.     Leder     (S.  i65). 
Bauer ^  Dominik^   in  Jf^ien.     Stahlarbeiten     (S.   62). 
9         Job.  Bapt.,  in  PVieh»     Hanf-  und  Seiler^rbeiten« 
9         Mathias  j  in   PVien,     Filzhut    fS.,  i3q). 
Baumgartner ,  G.^  zu  Steier  in  Osterreich.  Feine  Schneid- 

waarcn. 
Bayer  ß   J.   G.  ^    zu  Hermannstadt  in  Siebenbürgen.     Feine 

Filzhüte    (S.     139). 
Bayerleithner  s  Michael^  \n  fVien*  Säcke  ohne  Naht  (S.  io4). 
Bechert^  Anton ^  zu  Sternberg  in  Mähren.     Leinenzeage. 
Beinder ^  Michael,    zu  Baden   in    O&terreich.     Fciife  Mes- 
serschmied -  Arbeiten     (S.    62). 
BeitZy  Joseph  ^  in  IVien.     Zinngiefser- Arbeiten  (S.   38). 
Bellano ^   Gerhard^    zu   Monza   im    venetianisch-lombardi- 

schcn  Königreiche.     Baumwollcnzeuge. 
Bellotlo^  Kajetan,  z\k  Schio  im  venetianisch -lombardischen 

Königreiche.     Filzhut .  (S.   1  89 ). 
Berf einer j  Johann^  zu  UttendorJ  in  Osterreich.     Eisernes 

Werkzeug. 
Bergamt  9  k.  k »  z»  Brixlegg  in  Tirol.     Kupferblech. 
Bergartner^  A.^  in  Grätz.     Metallknöpfe. 
Bei*gerj  Franz  ^   zu    ff^eU   in    Österreich.     Siebböden    aas 

RofsHaar    (S.  14?). 
»         Thaddens  und  Comp»  ^  zu  Penzing  bei  Wie<i.    Sei- 
dene Bänder  (S.   i35). 
Berkich^  SzinnnA  b«  ^^^i^a  inderMiHtargränze.  Teppiche 


Berkisseti'acz  j  Jnlsa^  zu  Creda  in  der  Militargränze.     Lei- 
nenband. 

Brrnardellij  Joseph,  zu  Cormons  in  lllyrien,  Filirte  Seide« 

Bernhardt j  Lorenz^  zu  Baden  in  Osterreich.    Papier- Par- 
keten     (S.    i56). 

Bersesko^  Pervu^  zu  ferregot^a  in  der  Militargränze.    Wol- 
lene Binde. 

Beywitikler^  i^naz^    in   JJ'ien*     Seidenzeuge      (S.   i25). 

Biassoni  und  Kobiaii  j    zu  Monza  im    Yenetianisch-lombar- 
diftchen  Königreiche.     Verschiedene  Zeuge   (S.  iia). 

Bierlein ^  Geoig^   in   f4^ien,     Baumwollenzcuge. 

Bigmann»   Johann^    in  Brunn,     Tuch  und  WoUehzeuge 
(S.   121). 

Binhak,    Anna^  zu  MiliersdorJ  in  Böhmen,     Zwirn»pitzen. 

Binnert,    M«  A.^    zu  Ulrichsthal    in  Böhmen«     Glaswaaren 
(S.  68). 

Bimilz ,  in«  ff^ien.     Echte  Folien     (S.  39). 

B'Ulntr,  Joseph,  zu  Hohenelbe  in  Böhmen.  Leinengeapinnste« 

Blamaiicr ,  Mathias^  zu  liothenthurn  bei  Judenburg  in  Stei- 
ermark.    Sensen« 

Blaskoi^tichj  Paul^  zu  Klein^Goricza  in  Kroatien.  Flachs« 

Blaufarbenwerk  ^   k.  k. ,    zu  Gloggnitz   in    Osterreich.     Ho- 
baltspeise. 

Blümel,   Michael  >     zu  Himmelberg  in  Kärnthen.     Eiserne 
Pfannen      (S.  24). 

Bocchini ^  Bernhard  und  Jakob,    zu  Pioi^e  im  venetianisch- 
lonibardischen  Königreiche,     Leinenwaaren     (S.  104). 

Bodanskj  ^  Leo^  zu  Lipnik  in  Galizien.    Gemischte  Zeuge« 

Boden y  Jakobe  zu  Oberwölz  in  Steiermark.    Stahl  (S.  20). 

Böckj  Wilhelm^  zu   ff^aidhofen  an  äef  Ip$.  Feine    Feilen 
(S.  29).  ^ 

Bö^an,  Joseph^  zu  C/iio^^ia  im  yenetianisch- lombardischen 
Königreiche.     Flinienschrot     (S.    36). 

Bo!;dan ,  Janko^  zu  Bukerje  in  Kroatien.     Hanf« 

Boldeiii  j    Kajetan^     zu   Monza   im   venetianisch- lombardi- 
schen Königteiche.     Baumwollenzeuge« 

Boldrini  j  Kajetan,  zu   Venedig.      Stecknadeln« 

Bologne  y  J.  ,   in   Prag.     Handschuhe. 

Bonaldo  ^    Joseph^    zu  Chioggia   im    venctianisch-lombardi- 
sehen  Königreiche.     Stricke  aus    Spartogras  (S.  loo)« 

Bordolo  und    Blumenfeldi ,    zu  Poronin   in  Galizien.     Stahl 
und  Sensen     (S.    2o)l. 

Borghif  Anton,  zu  Caftafe  in  Illjrien«  Leinenzeuge   (S  104)« 


174 

Borgoneiiii  Michael^   eu  Monza  im  venetianisch- lembar« 

dischen  Königreiche.    BaamwoIIenzeuge. 
Bortolan,   G«,  zu    Treoiso   im   yeneiianisch-lonibardischeii 
Königreiche.      Kupfer- ,    Stahl-  und    Blei -Fabrikate 
(S.  45). 
Boschetti^  Gebrüder,  zu  Schio  im   Tenetianisch-lembardi- 

schen  Königreiche,      Tuch     (S.  121); 
BraamSj  Friedrich  Wilhelm,  zu  Herrnah  bei  Wien.  Tür* 

kisches  Papier     (S,  i53). 
Brancowich  >  Joiepha  ,  zu  Adelsberg  in  Krain«     Rnpferham* 

mer- Erzeugnisse, 
Braun  %  Freiherr  Peter  tßon^   zu  Schönau   und    Solenau   in 
Österreich«  Baumwollen-Maschinengespinnste  (S.iio). 
BraunUch^    Karl  Friedrich^  zu  Neustadt  in  Österreich« 

Sammtbänder  (3.   i35)« 
Breipall  und  Bayer  ^   zu  ^rUnri.     Kasimir.    . 
Bröckingj  Jakob  ^  in  Wien*     Tfirhischrothes  Baumwollen* 

garn     (S,    112). 
BrottOj  Anton,  in  Venedig.    Matrosenmützen     (S.    iftS). 
Bucguoy^  Graf  von,   zu  Grat%en  in    Böhmen»     Geschnitce* 

nes  Krystallglas  und  Hyalith     (S.    66)* 
Bi{ffolinj    Franz   Michael,    in   Görz.     Fafsonnirte    Seiden- 

^euge« 
Bugati  ^   Paulj   zu   Monza  im    yenetianisch  -  lombardiscben 

Königreiche.     Verschiedene  Zeuge     (S.   iSi). 
Burkhard ,  F. ,  zu  Hohenelbe  in  Böhmen.  Leinengespinnst€% 
Cabasini,    Graf  von,    zn  Potscha/:h   in   Kärnthen.     Nägel 
verschiedener  Art.         *  — 

Canesij  Ignaz  und  Söhne,  zu  Monza.    Gemischte  Zeuge. 
Capezle^  Girolamo>  in  Verona.     Leder  (S.  161,    i65). 
'  Carlo  ^  C,  in    Verona.     Borten     (S.  187).  * 

Casadoroy  Johann >     in   Venedigs      Drechslerarbeiten  'aus 

Holz    (S.  93). 
Cat^eneziaj  Gebrüder,  in  Venedig.     Seidenzeuge. 
Cee,  Johann  >  zu  Sternberg  in  Mähren.     Leinenzeuge« 
Cemighij  Paskai  ^  zu  Monza,     Baumwollenzeoge. 
Chary^  Joseph^  zu  Boizifyeoo  in  Kroatien.  Flachs  und  Hanf. 
Cinghianij  Peter  ^  in  Mantua.     Baslhfite     (S«  qq). 
Codecasa,  Benedikt^  in  PVien.  Gemischte  Zeuge   {Si   i3o). 
Colomboj    Gebrüder,    in    Monza*      Verschiedene    Zeuge 

(8.  11 3). 
Cotta,  Margherita,  in  Venedig.    Feine   Strohhüte  (S.  99). 
CoitaMinounch  j  Jo?ana ,  zu  Karhmt»  in  der  Militärgränze. 
Weberkamm. 


-   175 

Cozzati ^  Yalerio s  zu  Pelugo  in  Tiro].  Leinengarn   (S«io9). 
Crii>elUj    Anton  ^    in   Mailand.     Sicherheitsschlofs  und  da- 

niascirte  Säbelklingen     (S«    69,  61). 
Cumarlonder j  Anton  ^»  in  Görz.     Filirte  Seide     (S,    124). 
Cutin,  Michael^  in   Görz.     Leder     (S.   16 1). 
Csiepalo,  Martin,  zu  Kulyanjr  in  dcrMilitärgränze.  Topfer- 

getchirr. 
Ctiprichy    Mathias^   zu   Kostainicza   in   der   Militärgranze. 

Taschenmesser. 
Czolakowich,  Theresia^  zn Podgradje  in  der  Militärgränze. 

Wollene  Binde, 
Czveiowich  y    Sztana^    zu  Jamnitzka  in    der   Militärgränze« 

Wollene  Borten« 
Damjanow y   Jefta^    im   MiHtärgränz-Begimente    Nro.    aa, 

Fischernelz, 
Damm,  Karl^  in  TVien.     Baumwollenzeuge   (S.    11 3). 
De  CeniCß  kiiXoxiy  zn  Neust adl\nO%ierre\cyi,  Fayance  (S.78)* 
DellaMla,  Harl^  zu  Baden»     Klämpner- Arbeit    (S.   62)« 
Demut h,  Karl>  in  Fün/haus  bei  Wien.      Kläropnerwaaren 

(S.  öl). 
Derla^  Feter  ^  in  Mailand,     Kämme     (S.    qS). 
Deutinger,   Johann^    zu   Saalfelden   in  Osterreich.  Kunst- 

Schlots. 
Dexier,  Joseph^  in  TVien.     Kämme     (S.    96). 
Diacony  Hagy  ^  zu  .^//or^o^a  in  der  Militärgränze.  Kordaan* 
Dibiasi's  Johann^  zu  Ala  in  Tirol.     Sammt  (S.   ia6). 
Dickniann  sehe  Stahlkammer  y  in  Kärnthen,    Stahl. 
Dietrich  •  Bitter  Joseph  von ,  zu  Neumarktl  in  Kiain.  Stahle 

Feilen  und  Sensen     (S.  30,    29). 
Diezlj  Johann  >  in  Grätz.     Siebe« 

Dill^  Adam>  in  TVien,     Gewirkte  Waaren     (S.    137). 
Dino ,  Johann,  in   ff^ien,     Geprefste  Dosen    (8.  96). 
Dobrenichy  Jane^  zu  Pr^Aro^^a  in  der  Militärgränze.  Spitzen« 
Dönnhojfy  Graf  von,  zu  Fügen  in  Tirol.  Dralh  und  Nadeln« 
Dor^f^j  Hermann  5    in    Görz.     Lcder. 
Doppler j  Leopold,  zu  Steier  in  Österreich.  Feine  Messer 

(S.  62). 
Dojaky  Joseph^  zu  Pf^ilhelmsburg  in  Osterreich«    Fayance 

(S.  79). 
Dräxler,  3,j  z\x  Gablonz  in  Böhmen.     Hohlglas« 
Dragischich  j   Istiana,   zu   Jarkowacz  in  der  MilitärgräDze« 

Teppich« 
DrenJcner^  Fr«^  zu  Steier  in  Österreich.    HeMertchmied« 

Arbeiten» 


176 

Durst j  Joseph,  zu  SieUr,     Feine  Schncidwaaren. 
Ebel^  ßlasius,  in    friert.     Harrasgarn     (S.  lao). 
Eberlj  Johann^  in  Gräiz.     Hotzeh  aus  Hunf     (S.    io5)« 
Ebner  ^  Joseph,    zu  i^',  Peter  hei  Judenhurg  in  Steiermark. 
Sensen. 
»       Phihpp^  in  Wien.  Schnürmacher-Arbeiten    (S.  i57). 
Eder,  Lorenz^  zu  Siegersdorf  in  Österreich.     Verfeinerler 
Flachs  und  Hanf« 

»       Mathias,  zu  <S'aa(/e/</«n in  Osterreich.  TiscIiierarbeiU 

(S.  qi). 
Effenberger  ^  Jos.  ^  zu  Wiese  in  Böhmen*     Leinengarn* 
Efler,   Jos.  ^  zji  Schalzlar  in  Böhmen.     Flachs.  ^ 

Egermanny  F.^  zu  Blottendorf  in  Böhmen.  Glas  (S*    69)* 
Eggenwaldy  Fr.  von,  zu  Leoben  in  Steiermark.     Gefrisch- 
tes EisCfi  (8.   17)^ 
^SS^r y   Ferdinand  Graf  von,   zu   Lipitzbach  in    Rärnthen« 

Stahl-  und    Eisenblech     (S.   17,  45)* 
»       Franz  Graf  von ,  zu  Oberfellach  in  Kärnthen*    Stahl 

(S.  20). 
Eheweiner  ^  J, ,  zu  Brück  in  Steiermark.     Gemeine   Eisen« 

waaren* 
Eimannsberger y  Friedrich^^  zu  Gattern  in  Tirol.  Baumwol* 

lengarne      (S,   iio). 
Eiseng ufsi^erk  ^   k«  k.,  zu  Mariazell  in  Steiermark.     Eisen- 

gufswaaren     (S.    14)« 
Eisenhütte  Beichenihal   bei    Grofs  -  Mejrerhöfen   in  Böhmen, 

Eisen* 

V         Frauenthal  y  eben  daselbst.     Eisen. 
Eisenhütten- Verwaltung y  k.  k. ,  z\x  Jenbach  in  Tirol.    Stahl. 
Eisenwerk  y  k*  k. ,  zu  Diosg^ör  in  Ungarn*     Cementatahl. 

»       ^   zu  iS.  Sali^ator   in    Kärnthen.     Schmiede >  Eisen 

(S.  18).    .  .. 

£i5ma^T^   Michael >  zu   Aschach  in   Osterreich.     Sohwarz- 

geschirr* 
Eisner  y  J.  G*^  in    Wien»     Bingschmiedarbeiten     (S*  34). 
Elmucciy  Ferdinand^  in  Mantua.     Papier* 
Englauer,   J.  ^    zu  Steier   in   Österreich.      Messerschmied- 
Arbeiten* 
Erbisli,  Job.  Bapt.^  in  Verona*  Tuch  and  wollene  Strümpfe 

(S.    121). 

Ernst, f    Johann,    zu    Kraxenthal  in    Osterreich.     Eiserne 

Zwecken. 
Erxlehen,  Gebrüder,   zk   Landskron  in  Böhmen.    Druck- 

waaren    (S.  11 3). 


177 

Egierhazjr'^che 9  gräflich  von,    Fabrik  jev    Ats  in   Ungarn. 
WoUengar^e     (S.  iso). 

Esüer,  Anton  ^  in  Wien.  Strobpapier  (S.  i45). 

Eitel ^  Gabriel^  zn  Hohenelbe  in  Böhmen.     Papier  (8.146). 

Eurich,  Fr.  ^  in  Linz.     Spielkarten  (S.  1 54). 
Falktnhajrn ,  Graf  von,    zn  Drofs   in   Österreich.     Stein* 
getchtrr-Maste     (S.  84). 

Famdo ,  Dominik^  in  Venedig.     Larren  (S.  i68). 

Fajrancefabrik    cn    Gräiz.     Fajance. 

Fegenbart ,   Wenzel ,  zu   Aresdorf  in  Böhmen.      Gewirkte 
Waaren     (S.    i38). 

Feichner  und   Steininger  ^    zn  HeiL   Kreuz    in    Österreich. 
Steinkitt     (S.   169). 

Feäf    Franz  ^    in    Wien*     Gestampfte    BlechTcrziernngen 
(S.  65>  ^ 

Feühauer-  Zunß  zii  Munzkirch  in  Osterreich.     Feilen. 

Feikenhauer,  A.^  zu  J3rucA  in  Steiermark.  Eisengeschmeide- 
Waaren     (S.    34^. 

Ferkeiich  t  Johann,  zu  Unter-  Kupchina  in  Krpatien.  Hanf. 

Ferrara,  Franz>  in  Mailand.     Flintenschrot. 

Ferrari ,  Anton ,    zu   iftfo   im   yenelianisch  -  lombardischen 
Königreiche«  Stricke  aus  Lindenbast    (S.  loo)» 
9        Costanza>  in  Verona.     Seidenzenge     (S.    126). 
9         Philipp   von ,   zu    Villach  in  Kärnthen«     Flinten- 
schrot    (S..  37). 

Fidler,  Joseph  nnd  Comp.^  zu  Let/mmts  in  Böhmen.  Stroh- 
gewebe    (S.   99). 

Findling,  Franz ^    zu  Hitzing  bei   Wien.      Feine   Kamm- 
macber-  Arbeiten     (S.    97). 

FiteheTf  Daniel  >  zu   5.  Egid  in    Österreich.     Feilen  und 
geschmiedete  Eisenwaaren     (S.    s4,  3o). 
9         Wenzel^  zu  AresdorJ  in  Böhmen« '  Gewirkte  Waa- 
ren    (S.    i38). 

Flach  und   Keil,    zu  Endersdorf  in   Schlesien.     Gewalzte 
Bleche     (S.    46). 

Forandii ,  Lorenz,    zu  Cioidale  im   yenetianisch* lombardi- 
schen Königreiche.     Verschiedene  Zeuge   (S.  i3i). 

Fortifikatiom  '  Ziegelschlag ,  k.  k.,.  am  Wienerberg.  Ziegel. 

Franzesconi,  F.,    zu    Murano   im    Tenetianisch- lombardi- 
schen Königreiche.     Glasschmuck     (S.   74)* 

Frank,  Franz,  in  Wien.     Künstliches  hölzernes    Kc^uz 
(S.  91). 

Frenz!,  J. ,  in  Wien     Ordinäre  Zinnwaaren. 

/re^^  Joseph,  zu  Garsten  in  Österreich«  Tischlerarbeit  (S.91). 

Jakrb.  Alf  polyt.  Iit>t.  IV.  R«l.  1  * 


178 

Frldrich^  Matkias«  zu  , Sternberg  in  Mähren«   Leinensenge« 

Friedrich  t  J.,  in  Wien.     Pösamentirer  -  Waaren« 

Fritsch,  Christian,  znKufiferberg  in  Böhmen^  Seidenbander 
(&  i35). 

Fritz  j  G. ,  zu  Unter 'Ferlach  in   Kärnthen.      Stahl waaren. 

Fröhlich  und  Söhne  y  zu  Warnsdorf  in  Böhmen«  Baum- 
woUenzeuge     (S«   ii4),. 

FröUch^  J. ,  zu  Sieier  in  Osterreich.  Hesserschmied- Ar- 
beiten. 

Fürst,  J«,  in  Wien.     Posamentirer^Waaren« 

Fürst y  Franz  Ferdinand,  zu  Rothenmann  in  Steiermark« 
Stahl  und  Sicheln« 

Fürstenberg ,  Landgraf  Ton,  zu  Neuhuiten  und  Neu^Joa.^ 
chimsthal  in  Böhmen.     Eisengufswaaren     (S.    i3). 

Fuggerauer '  Schrotfabrik  zu  Gailliiz  in  Härnthen.  Flinten- 
•chrot« 

Fussenegger,  Joseph,  zu  Dombirn  in  Tirol«  Gestickte 
Waaren     (S.   114). 

Gadaj,  Johann  Bapt. ,  zu  Monza  im  venetianisch  -  lombar- 
«dischen  Königreiche»     Baumwollenzeuge« 

Gärberzunjl^  zn  Zebus  in  Böhmen.     Leder    (S«    164). 

Galbiati^  Ludwig,  in  Mailand.     Seidenblond« 

Galcant,  Gebrüder,  zu  Pordenone  im  yeneiiäntsch- lom- 
bardischen Königreiche.  Papier  undPrersspane(i46,i59}. 

Gafsnerj  J.  G.  und  Söhne  ^  in  Wien.     Leder    (S.  i6i)« 

Gemeinde  ^  die,  zu  Adamsfreiheit  in  Böhmen«  Ordinäre - 
Spitzen« 

Gerlach ^  Joseph,  zu  Reichenau  in  Österreich«  Golistakl 
und  feuerfeste  Schmelztiegel      (S.  21). 

Gerlin^  Joseph,  in  Venedig.     Segeltuch      (S.  iö5). 

Germain ^    Melchior,    in     Gräiz,      Thöneme    Pfeifenkopfe 

(8.  77)- 
Geyer,  Fr« ,  zu  Obemdorf  in  Steiermark«     Glat« 

GianicelU,    Eugen,   zu   Frauenthal  in   Österreich.    Eisen- 

drath     (S.  46). 
Giörgeanch ,  Millowan ,  zu  Winko wze  in  der  Militargranza« 

Eine  hölzerne  Kette« 
Girard,    PhiNpp,    zu  Hirtenberg  in   Österreich«     Maschi- 

nengespinnste  ans  Flachs     (S«  102)« 
Girzik,  P.  A.,  in  Wien«     Wasserdichte  FiUhate  (S.  iSq)* 
Giussanij    Hajetan   und   Comp«^    in  Mailands      Leoniscbe 

Waaren  (S«  137). 
Glasfabrik  zu  Merzlai^odizza  in  Illyrien«     Hohlglas« 
GlashandlungS' Gesellschaft  zuBlottendorf  in  Böhmen.    Glaa 

(S.  68)« 


^79 

GlathuUe  zu  JBjojanaw  in  Galicien.     Gemeinet  Hohlglas. 

9         k.  k.,  zu  GuUnbrunn  in  Otterreich.    Hohlglat. 

9         h.  k.  Hofkriegträtbliche ,    zu  Putna  in   Galixien, 
Glat« 
GIonuECt,  Szimeona^  in  der  Mililargranse.     Teppich. 
Gögl^  Johann,  cn  Alikumberg  in  Böhmen,    Einige  Spiegel. 
Giimbicsich,  Mara,  zn Kubin  in  derMilitargränze.  Teppich» 
GraJ^  Adam,  zu  hehl  in  Österreich.  Kunstschloft   (S.59). 
Grafenrieder  Glashütte  in  Böhmen.     Weiftet  Hohlglat. 
GranatenschUifer^  die,   zn  Sttneila  in   Böhmen.      Getchiif- 

fene  Granaten. 
Granzeüi,  L.,  in  Ferona»     Gemischte  Zenge. 
Graizer^  Joteph,  zn  Unier^  Dambach  in  Österreich.    Eine 

SamroluDg  eiterner  Nagel. 
Gregor 9  Franz,  zn  Slemberg  in  11  ihren.     Leinenzenge. 
Grohmann^  Gottfried,  zn  Schönlinde   in  Böhmen.     Zwirn. 
Grqfsauer,   F.,   zn  Steier  in   Otterreich.     Einige   Metter- 

tchmied  -  Arbeiten. 
Grojtmann,    Maria,    zu- Miiiersdorf  in  Böhmen.      Zwirn* 

spitieen. 
GruU,  Joseph,    in    IVien^     Zwei    ökonomitche  Leuchter 

▼on  neuer  Einrichtung. 
Gnuch,  Scbivota ,  zu  Jsbistje  in  der  Militärgränze.  Mutter 

Ton  Hanf. 
Grrüer^  Joteph,  in  IVien.     Seidenzenge     j(S.  116). 
GageUnayer ,  Georg,  zu  Aschach  in  Otterreich.    Schwarz* 

geschirr. 
Eaas,  Ignaz,  in  TVien^     Baumwollenzeuge        \(ix        fc\ 
9       Philipp,  in  IVitn.     ^Eben   dergleichen   /^  '         ^* 
Maherl,  J.,  zu  Neueiadt  in  Otterreich.  GetchnitteneGlater. 
Hackelnbergische y  freiherrlich  Ton,  Glathfitte  zu  Hirschen^ 

stein    in    Otterreich.     Glat,   Torgeblich  ohne   Alkali 

(S.  69). 
Hajfferls  C.  A.,  in  liinz.     Yertchiedene  Baumwollenzeuge 

(S.   114).  ^ 

Hager  y  zn  Steier  in  Österreich.     Eiserne  Zwecken. 
Hnger^  in  Wien.     Sa?onnerie- Tapete  *(S.  i34). 
Haidinger 3  Gebruder,  zu  Einbogen  in  Böhmen.   Forzellaii 

(S.  89). 
Hainisch y  Anton,   zu  Nadelburg  in   Österreich.    Metsing* 

waaren  der  Terschiedensten  Art  (S.  34«  4^). 
Biunmerwerkß  k.  k.,  zu  &  Gallen  in  Steiermark.    Biteme 

Achtbleche. 
9  9       zn  Boünslein.    Pflngplatten. 


i8o 

« 

Hammerwerk  ß  k.  k«,  eu  H^eyer  in  Österreich.  Eiten  und 
Stahl  (S.  33). 

Sandtchuhmacker-Zu^ft  zu  Bisenx  in  Mähren«  Yertchia- 
dene  Sorten  lederne  Handschuhe   (S.  167). 

Haiäsch  y  zu  TVamsdorf  in  Böhmen.  Allerlei  Baumwol- 
lenzenge  (S.  106). 

Hanusch^  Joseph,  zu  Oherrodechow  in  Böhmen.  Unver- 
ai4>eiteten  Flachs« 

Hardenrothy  Friedrich,  in  JVien^     Gemischte  Zeuge. 

Hardtmuth's  ff^itufe ,  ijüTVien.  Steingut,  elastische  Schreih- 
tafeln  und  Bleistifte  (S.  79). 

Harrasbanelfabrik  zu  TVeif§kirchen  in  Osterreich«  Harra»- 
bänder  (S.  i36). 

Harrach ,  Graf  Ton ,  zu  Janowiiz  in  Mähren.  Leinenwaa* 
ren  und  gemischte  Zeuge  (S.  io6). 

IfarrdcVsche  ^  gräflich  von,  Glasfabrik  zxi'Ntuwelt  in  Böh- 
men.    Weifse  geschnittene  und  gefärbte  Gläser  (S.  66). 

Hauer,  Anton,   zu  JVe\f$tnhach  in  Österreich.     Hohlglas. 

Heef burger  und  Rhomberg,  zu  Dombim  in  Tirol«  Feine 
gestickte  Zeuge  (S.  ii4)«„ 

Heindlß  Anton,  zu  Steier  in  Österreich«  Messerschmied- 
Arbeiten  (S.  62). 

Heifsler,  Joseph,  zu  Sterzing  in   Tirol.     Homarbeiten 

(S.  07)- 
Hell,  Jakob,  in  fVien^     Beitsättel  (S.  167). 

Heller,  Anton,  in  TVien*  Seidene  und  goldene  Borten  (S.  i36)* 

Henigiireit,   J. ,  zu-«S/em6acÄ  in  Österreich.  Messerschmied« 

Arbeiten. 
Hesete,  H*  yon,  zu  Viehhöfen  in  Österreich.     Belegte  und 

uttbeiegte  Spiegelgläser« 
Hejrdeeker,  Sebastian,  zu  Sleiregg  in  Österreich.    Gürtler- 
arbeit (S.  35). 
Hejrfsig,  Franz,  zu  SspojanoHf  in  Böhmen.     Schmelztiegel 

aus  Graphitmasse« 
Hiebet,  Franz,  in  Salzburg.     Bosenkränze. 
HüUbrandß   Anton,    zu   Diitersbach   in   Böhmen.      Glatte 

Baumwollenzeuge. 
Hilleprand,  Matthäus,  zu  Fiechtis^ang  in  Ösierreich.  Sensen« 
Hinkelmann ,   Johann,   zu  Hohenelbe  in   Böhmen.     Feinen 

'Spitzenzwirn  (S.  io3). 
ITirf,  Kaspar,  in  Mailand*    Druckwaaren  (S.  ii4)«^ 
Hirtzenberger ,  Georg,  im  Baethammer  nächst  Judenbnrg  in 

Steiermark.     Senseii« 


i8i 

Boehbergp  Freiherr  toi1|  zu  thereiienüud  in  Böhmen. 
Eisen. 

Hockaiiff  Gottlob,   zu  Hernudorf  in  Böhmen.     Leinwand* 

HögUr,  Anton,  in  Salzburg*     Eingelegte  marmorne  Tisch- 
platte   (S.  169). 

Hölsel^  A«,  SU  Suiiuchönau  in  Böhmen.     Hohlglas« 

Höizel^  Ignaz,  zn  GruUch  in  Böhmen.     Boher  Flachs. 

JSqffer^  Michael,  in  iSolz^i^rg*.  .Lederne  Leibbinde   (S.i66). 

Hqffmann^  Joseph^  zn  Tiechobus  in  Böhmen*  Glas  ^8.69). 

Holleck y  Johann,  zn  Scheerding  in  Tirol.     Stricke. 

HoUjr,  Anton,  in  IVietu  Feine  BapmwQJlenzenge   (S.  ii5) 

Hölzer j  Michael,  zu  Saa\felden  in  Österreich.     Schlosser-« 
arbeit  (S.  60). 

HoUinger,  F.,  zu  Michelsdorf  in  Österreich.  Strohmesser. 
9  G. ,  eben  daselbst.     Sensen. 

Hof(f  ond  Bräunlich^  in  Brunn,     Feine  Töcher, 

Hombosiel ,  Georg  Christ.,  in  tVien.  Seidenzeuge  (S.i  96,1 36). 

Homnacher,  Anton,  in  Salzburg.     Geschlagepes  Gold  und 
SUber  (S.  39). 

Hucfc^  Gregor,  in  IVien*     BramahHches  Patentschlpfs. 
Hujüs  Alois  Martin ,  zn  Schwßtz  in  Tirol.  Fajance  (S.8i). 
Hui,  Johann,   zu  Neustadt  in  Österreich.     Einen  zierlich 

genähten  Stuhlüberzug. 
Jaequenuir,  Georg,  in  Wien.    Handschuhe  (S.   166). 
Jagazzaro  und  Bubini,   zu  Schio  im    venetianisch  -  ]om[bai> 
dischen  Königreiche.    Feine  Tücher  (S.  isi). 

Jakobsihaler  Spinrifabrik ^  zu  I^ochoufitz  in  Böhmen.    Wol- 
lengame Ton  Terschiedener  Feinheit, 

Jandl^   J.,  zu   G^e  in    Steiermark.     Ordinäre    Schneid- 
waaren. 

Jenny,  Ablj  und  Comp*,   zu  Scht$>anstadt  in  Osterreich, 
Baum  wollenden  ge  (S.  11 5). 

Jezdecz,  Peter,  zu  Boock  in  Kroatien.     Flachs. 

Jüich,  Joseph,    zu   Gri^skirohen  in   Österreich.      Versil- 
berte Knöpfe. 

Jnize,  Heinrich,  zu  IVinkoufze  in  der  Militärgränze.  Eine 
ans   verschiedenen   Holzarten   verfertigte  Garnwinde. 

Johann,  August,  zu  Sternberg  in  Mähren.     Einige  Muster 
Ton  Leinenzeugen. 

Josepkshulte ,  zu  Chlumetz   in    Böhmen.     Schmiede- Eisen. 

JosHinou^ehf  Jovana,  zu  Kussich  in  der  Militargränze.  Tep- 
piche aus  Schafwolle.    '    . 
hpir,  Athanasie,  zu  AUorsowa  in  der  Militargränze«    Ein 
Muster  Wollenzeug. 


l82 

Isufs  John,  ztt  Marga  in  der  Militärgränze.    Unzubcreitc- 

ten  Flachs. 
Juch^  Joseph,  in  G3rz,     Seide  (S.   124). 
JulliaCj  Joseph,  in  Triest.  Einen  mitteifeinen  Filzhul  (S.  140)* 
Juraneck  j  Simon ,    in  fVieru     Feine   Bauinwollenzeuge 

(S,   II 5). 
Juittnbergj   Thomas  TOn  1    zu  Tergoue  im    Bannat«     Eisen 

und  Nagel. 
Kaiser  j  Georg ,  za  Kremsmiinster  in  Osterreich.     Eine  gra- 

virte  Messingplatte. 
Kaltenbrunner ,  G.  A.,  zu  f7erAfi«^a/ig' in  Österreich.^ 
j»  J.  A. ,  zu  Michelsdorf  in  Österreich.  I « 

»  J.   M. ,  eben  daselbst.  ( 

«  8.  y     eben  daselbst.  j 

KanaUer,  G«,  zu  S,  Sigmund  \n'Vivo\.\ 

»  J. ,  eben  daselbst.  l  Gemeine  Teppiche« 

9  F.,  eben  daselbst.  j 

Kandier  j  in  Linz.     Weifsgares  Leder    (S.  i65). 
Kanzler  j  J.  zu  Steier  in  Österreich.  Gemeine  Eisenwaaren. 
Kargiß  Sebastian,   in  ff^ien.     Seidenzeoge  (S.   127)« 
Karrer ^   Joseph,   zu    Leoben    in    Steiermark,     Fischangeln 

und  Nähnadeln, 
Kailuj\fabrik  zu  Nau^szie  in  Galizien.     Verschiedene  Baum- 
wollenzeuge. 
Kaulich ß  Joseph,    zu  Oberwernersdorf  in  Böhmen.   Flacht. 
Keilbert,  J. ,  zu  Grajslitz  in  Böhmen.  Spiegelgläser. 
Kckowiiz ,  Joseph  ,  zu  Neutra  in  Ungarn.     Eine  Violin. 
Kendler ,   zu  TVerfhn  in  Österreich«     Feilen  (S.  3i), 
Kerkallowich  j   Nihola,    im  Broder -Begimente   No«  7.  der 

Militärgränze.     Hölzerne  Spatzierstöcke. 
Kerth,  Aloisia,  in  Triest.     Künsllicho  Blumen     (S,  168)« 
Kettenhofer  Kattur\fabrik   nächst  Schwächat  in  Österreich« 

Dr-uckwaaren  (S.   11 6). 
JiCifsJf/i^^  Gebrüder,  zu  Hohenelbe  in  Böhmen.  Tuchprefs« 

Späne  (S.  i58). 

»         Joseph  Fr. ,  zu  Hohenelbe.  Leinenzenge  (S«  106)« 
Kinners    Mathias,    in    fVien.      Eine    elektrische    Zttndma'* 

schinc  (S,  94). 
Kinskjr,  Graf  yon ,    zu  Birgstein  in  Böhmen.     Spiegel 

(S.  7a). 
Kittel^  Florian,  zu  Ulrichsthal  in  Böhmen.     Glas  (S.  68), 

jK/acAr/j  Georg,  zu    hohl  in    Österreich.     Kunstdrecbsler- 

Arbeit  (S.  94). 
KlapperrQth*s  Erben  j  zu   Schönberg   in   Mähren,     Manche* 

•ter  (S.  118)« 


i83 

Klein,  Johann,  em  Stend^erg in  Mibxen.\yy.  j.  T     h 

V        Lorenz  y  eben  daselbst.      ^  / 

Eiern,  Julius,   zu   Tamsweg  in  Oslerreich.      Ein  Yexier- 

schloft. 
KUttgelniajrr  f  Qeorg,  zu  ff^i;2s  in  Osterreicb.  Leder  (S.  i63). 
Kliager,   Simon,   zu  Maulernetorf  in    Osterreich«      Mutter 

ron  Eisendrath. 
Klabuehar,  Janko ,  zu  Saiomjra  in  der  Militargranze.  Eine 

Sense. 
Knapp  nnd  von  Brentano,   zn  SckuHüz   in   Tirol.     Leoni- 
sche Waaren  (8.  47). 
Knechtl,  F.,   zn  Kamnitz  in   Böhmen.     Hohlglas. 
Knechiiin^  Gebrüder,   zn  Monza  im  Teneiianiscb-lombar'- 

dischen  Königreiche.     Baumwollen  zeuge. 
Knixaureck^  Joseph,  in  IVien»  Baumwollenzenge    (8.117). 
Königsbrujin  ,  Freiherr  von ,    zn  Rallen  in  Steiermarh. 

Stan^eneisen  nnd  Eisenblech« 
Kogler^  J.y  in  JVien,  Eisendrath. 
KMer^  J. ,  zu  MoUe  in  Österreich.     Sensen. 

*        Mathias,  in  IFien.     Spielkarten  (8.  i54)- 
l^opper,  Lorenz^  zn  ff^aalsch  in  Böhmen.     Flachs« 
Ko^er,  Job.  Bapt.,  in  ff^ien.     Gemischte  Zeuge. 
Kraß,  Franz,  in  JVien.  Kettenschmied- Arbeiten  (8.  94)- ' 
Kramer  und  Comp.<i  in  Mailand.     Druck  waaren    (8.    >>7)« 
Krause,  J.«  zn  Steindchönau  in  Böhmen.     Hohlglas. 
Kreuchmann  ,  Ferdinand  4  in  Gör^.     Kämme  (8.  96). 
Krick,  Anton,    zn  Stemberg  in   Mähren.     Wollenen   Kan- 
nefafs. 
>       Johann,  eben  daselbst.     Eben  defsgleichen. 
Krislatlnigg ,  Dismas  Karl  Graf  yon ,  zu  Hageneck  in  Kärn- 

then.     Ausgestreckten  Stahl. 
Eronenberger  j  Johann ,  zn  Radsladt  in  Osterreich.     Yieh- 

gl€>cken. 
Kropfberger^   Joseph,   zu  Seckau  in  Steiermark.     Gemeine 

Schneidwaaren. 
KOhn,  Friedrich,  in  Salzburg.   Gefärbtes  Wollengam. 
Kürschner' Zunft  zu    Bisenz  in  Mähren.  Zubereitete  Felle« 
Kitrah,  Joseph,  in  Grätz.     Siebhöden.    (S.   i43)« 
Kuiiaro ,   Alois,   zu  Heidenschajl  in   lU^rien.     Papier  und 

kfinitlichen  Fenerschwamm  (S,  147)« 
Landergoll,  Sigmund,  zu  Görz,     Seidene  Knöpfe. 
Langer ,  J. ,  zu  Josephsihal  in  Steiermark.     Hohlglas. 
Lanzoni^  Joseph,  in  Maniua,     Bastbüte  (S.  99)« 
Leber ^  Johann,  in. Wien   Metallene  Kleideiknöpfe  (S. 63). 


i84 

Lechner ß  Anton  Franz,   in    Wien.     So  genannten  künstli- 
chen Bergkrjstali  (S.  70). 
»         Mathias,  eu  Steier  in  Osterreich.  Feilen  (S,  3i)* 
Lederermeister  ^  die,  zu  Brescia.  Leder  (S.   i6a). 
Lederfabrik^   gräflich   Dietrichstein'sche ,    zu    SokolnUz  in 

Mähren«  Leder  (S  i6i)* 
Leinwather,  Franz  ,  zu  iS.  Polten  in  Österreich.     Fajance 

und  WedgwQod  (S.  81,  86). 
läcinweberzunjt    zu  Bauisch   in  Mähren« 

»  zu  Frankenburg  i n  O sterreich« 

«  ZMFrankemnarkt  ehend.    (S.   107). 

»  zu  «S.  Georgen  ehend.  (S.   107). 

»  i;u  Kronstadt  in  Siebenbürgen. 

»  zu  i^ö'MrtfrmarA:«  in  Österreich  (S.i07)J^^  ^ 

Leitenherger,,  Franz,  zu  Cosmanps  in  Böhmen.    Gedruckte 

.  BaumwoIIenzeuge  (S.   1 1 8). 
Leitner j  Mathias ,  zu  Scheerding  in  Tirol.    Rothgares  Leder. 

(S.  165.) 
Leitzinger ,  Johann,  in   "Wien,     DamenscJhuhe.     (S.  i66). 
Lenna^  Johann  Bapt. ,   zu  Udine  im   yenetianisch- lombar- 
dischen Königreiche.     Bothgares  Leder  (S.  162). 
Leppichy  Kaspar,  zu  Hainfeld  in   Österreich.     Maschinen- 
Nägel  (S.  27). 
Lewohl,  in  Grätz,     Leder. 
Libisch ,  Gebrüder,   zu  Bumhurg }ii  Böhmen«     Gemischte 

Zeuge« 
Liebler  ^  Ludwig,  in  Wien*     Haartouren  (S.   142)* 
Liegle,  Anton,  zu  Neunkirchen  in  Österreich.  Nähnadeln« 

(S.  66). 
Lindenthaler  ^  G.  A. ,  zu  Seeberg  in  Böhmen.,  Eisendrabt. 
Linser y  Johann,  in  ff^ien»     Beuteltuch. 
Lippak,  Katharina,  zu  Glina  in  der  Militärgränze.   Rohe  Seide« 
Lobbichler  j  Bernhard  ,  in  Pfoten.     Einen  aus  farbigen  Glas- 
stücken  mit   Blei   künstlich   zusammengesetzten  dop- 
pelten Adler. 
Locatellij    Eugen ,    in   Mailand.     Genagelte   Stiefel   und 

Schuhe.    (S.   166). 
L^eljabrikj  zu  Presnitz  in  Böhmen.     Eiserne  LöiTel. 
Lonchar^   Joyan ,    zu    Oblay  in    der   Militärgränze.     Eine 

mit  Messing  montirte  Pistole. 
Locrecheck,  Johann  ,  zu  Jaszka  in  Kroatien«     Flachs. 
Luchs  j  J. ,  in   fVien,     Ein  Kunstschlofs. 
Lunetj  J. ,  in  Prag,     Lederne  Handschuhe. 
Lungauer  Eisengewerkschaft  zn  Mautemdoif  in  Ötterreicb* 
Stangeneisen  und  Nägel  (8.  18)4 


i85 

Mäehaj  Anton,  in  Wien^     Feine  Banmwollenceage. 
(S.  119). 

Märs^  Johann  Simon,  in  TVien.     Gemitchte  Zenge. 

Majuielbauer  ^  J.,  zu  Steierlinß  in  Osterreich*     Sensen. 

Mangin^  Franz,  in  Salzburg*     Harrasgarn  (S.  iso). 

Mann^  A.,  zu  Stdcr  in  Österreich..  Messerschmied  -  Ar- 
beiten. 

Manum,  Johann  Bapt.,  zu  Görz.  Ein  Muster  von  fasse- 
niriem  Seidenzeng« 

Marak^  Peter,  zn  Kostairutza  in  der  Militärgränze«  So- 
genannte Opanken,  oder  lederne  Schuhe,  weiche  mit 
Riemen  an  den  Fofs  geschnürt  werden* 

MarchharUr^  Fr.,  zu  Gloggnäz  in  Österreich.  Ordinäre 
Sc  hneid  waaren. 

Mariensee  ^  A.  Ton,  zn  Jakobeny  in  GaliAien.   Strecheisen« 

Marichart ^  Laurenz,  zu  fVagram  in  Österreich.  Fajance 
(S.  82). 

MarnlU,  Andrea,  zn  Roceredo  in  Tirol.     Seide  (S.  is4)* 

MasMOggio^  Dominik,  in  Venedig.  Geschlagenes  Gold  und 
Süber  (S.  39). 

M/iixIopgrg ,  Jandria,  zn  Maiskepolyane  in  der  Militär- 
gränze.    Unglasnrtes  Töpfergeschirr. 

Matiossichf  Franz,  zu  Sakanjre  in  Kroatien.  Flachs  und 
Hanf. 

Maizak,  Andreas,  zu  Stemberg  in  Mähren.  Ein  banm- 
wolienes^Tuch. 

MauUrommelmacher- Zunft  zu  Molle  in  Österreich.  Maul- 
trommeln (S.  a5). 

May,  Alois,  zu  Hohenelbe  in  Böhmen.  Gemischte  Zeuge» 
(S.  119). 

May ,  Georg,  in  Grätz»     Fufsbnrste   (S.  i43). 

Mayer,  Anton,    in  Tf^en.     Ein  Schneidzeug  zu  hölzernen 
Schrauben  (S.  94). 
9         Johann,    zu  Habach  in    Österreich.     Ein  Instru« 
ment  um   Bohren    zu  bohren ;    dann  ein  Bing- 
'  schlofs  nach  französischer  Art. 
9         Joseph ,  zu  Tannowa  in  Böhmen.  Fajance  (S.  8a). 
9         Ludwig  ,  in  JVien.     Werkzeuge. 

Mayr ,  Joseph,  zn  Mühlbach  in  Österreich«  Messer  (S. 94). 

Mayrhofer ,  Stephan,  in  Wien.  Flattirte  Verzierungen 
auf  Wägen  und  Pferdegeschirr. 

Mehnert,  Johann,  zu  Kupjerberg  in  Böhmen.  Seidenbänder 
(S.  i35). 

Mei/slj  Franz,  zu  Ri$dau  in  Österreich.  Papier -macA^ 
Dosen  (S«  159). 


i8Ö 

Menzl,  J. ,  zu  Rumhwrg  in  Böhmen«     Lackirte  Waaren. 
Merkner,    J, ,    za   Sieier    in    Österreich.      Messerschmied- 
Arbeiten» 
Messerschmied^ Zunft,   zu  Tra£fe/i6acÄ  in  Osterreich.  Messer. 

(S.  24). 
Messefsneu,  August,  zu  Podgora  in  lUjrien.     Leder. 
Messingfabrik ,  k.    h. ,    zu  Achenrain   in    Tirol.      Messing« 

Zink- und  Kupferfabrikate  (S.  44). 
»  k.  k. ,  zu  Frauenthcd  iii  Steiermark.  Messing 

(S.  48).  ,    .      .     ^ 

»  »ZU  Reichramnung  m  Osterreich.  Mes- 

singdrath  und  Blech. 
Mcstrozzi  und  Comp.^  in  fVien.     Seidenzeuge  (S.  128). 
Melallknöpfe  '  Fabrik   zu  iSi4^i>£/a  in  Böhmen.  Kleiderknöpfe. 
Jlfe^js  und  TVüdaß  in  fVien,     Gestampfte  Blechwaaren. 
Meyr,  Johann,  zu  Kalienbach  in  Böhmen.   Glas  (S.   70). 

»       Joseph,  zu  Adolph  in  Böhmen    Glas  (S.  70). 
Michel,  Fr.,  im  Ffannhof  in  Kärnthen.     Stahl. 
Mihordin^  Georg,  zu  Bukeu^je  in  Kroatien  ^ 
Miklossich,  Johann,  zujaszka  ebendaselbst,  l  Flachs* 
Mikochichj    Matha,    zu  Brezt   ebendaselbst,  j 
Miller  y  zu  Fiesting  in  Österreich.     Feine  Feilen. 

y         Blasius,  zu  Tjrrnau  in  Ungarn.  Spielkarten  (S.i 55^ 
»         Martin,  in  VFien.    Stahlfabrikate  (S.  91,  5o). 
Millinoudch,  Parle,   zu  Kubin  in  der   Militärgränze.    Kor- 

dnan. 
Minesso,  Stephan,  in  Venedig.     Siegellack  (S.  169). 
Mioczinskjr ,  G.  J. ,  zu  Zalosce  in  Galizien.     Teppich. 
Mniszeck,  Stanislaus  Graf  Ton^  za  Frain  in  Mahren.  Wed«* 

gwood  (S.  86).   . 
Möschel,  J. ,  zu  Neudeck  in  Böhmen.     Eiserne  LöfieK 
Mohr,  Mathias,  zu  Maxilan  in  Österreich.     Flanell. 
Molitor,  in  TVien,     Gefärbte  Papiere  (S.   i53). 
Molterer,  Georg,  zu  Steier  in  Österreich.     Ahlen« 
Monse ,  Dominik ,  zw  Grulich  in  Böhmen.  Flachs. 
Morandinif   zu  Fredazto  in    Tirol.     Feilen,   mit   der   Ma- 
schine gehauen  (S.  3i). 
Moro,  Gebrüder  Edle  ?on,  zu  Fictring  in  Kärnthen.  Feittc 

Tücher  (S.    ifli). 
Mosaikschule ,  in  Mailand»     Glaspasten  zur  Mosaik  (S.  75). 
Moser,  0.,  zu  SteierUng  in  Österreich.  Sensen. 
»        'F. ,  zu  Michelsdorf  in  Österreich.     Sensen« 
»        F.  A«,  eben  daselbst     Sicheln. 


187 

Moser,    F.   A«,  2a  Mauerkirchen  in   Ost  erreich.     Sensen 
und  Sicheln. 
9         J  ,  zu  Dürrbach  in  Osterreich.     Sensen« 
9         Johann,  zu  Gejrrhammer  in  Osterreich.  Sensen  und 

Strohraesser. 
%        Joseph ,  zn  Steinbach  eben  daselbst.  Messerschmied* 

Arbeiten. 
9         Haspar,  zn  Scharnstein  eben  daselbst.    Sensen. 
Mqfsburg,  Michaeli    zu  Muitersdorf  in  Böhmen.    Spiegel- 
glas. 
Miahlreiter,  Leonhard,   in  Salzburg.     Eine  schön   gearbei* 

tete  Zacherschere« 
Mauer,  M.,  zu  Sleier  in  Osterreich.     Sägblätter. 
9         J.  A«,  zu  Seeberg  in  Böhmen«     Eisendraht. 
9         Joseph,    zu    Frzemisl  in    Galizien«      Korbmacher« 
arbeit  (S.  loo). 
MulU,  Franz  Sigmund,  zu  GroJtfragaM  in  Kämthen.    Bo- 

settenkupfer. 
Mujüian,  Traila ,  zu  Obrescha  in  der  Militärgränze.  Stricke 

aus  Bast.  ^ 

Afuxzioj  M.  A. ,  zu  Vicenza.  Fischbein  (S.  96). 
Haaka  und  Feuer  ^  in  Prag.     Papiertapeten.   (S.  i55)« 
Nadier*Zw\ft  zu  Karlsbad  in  Böhmen.  Stecknadeln. 
Nagel,  ztt  Sleier  in  Österreich.     Baspein.  ^ 

N'issel,  Peter,  in  fflen.    Laubsägen. 

Naster,  Joseph,  zu  fVaidhofen  in OsietreicYk^  Fischangeln« 
NeiUef,  G. ,  zu  Krems  in  Steiermark.     Eisenblech  (8.48)« 
Seubauer,  J. ,  in  Grätz.    Messerschmied  -  Arbeiten. 
Neuhof  er  ^  J. ,  zu  ff^els  in  Österreioh.  Lederne  Leibbinde. 
Neumann,  Joseph,  zu  Dittersbach  in  Böhmen.     Kattun. 
Niederlander  Industrie  -  Anstalt    in    Prag*      Feiner    Flachs, 

und  Spitzen  auf  Niederländer  Art  (S.  108). 
NUdasch,  Wenzel,  zu  Sternberg  in   Mähren.     Trillich« 
Nikolaus,  Lazarus,  in  Wien.    Gedrucktes  Kaffehtuch. 

(S.  119). 
Niische,  J.  M. ,  zu  Sternberg.     Ein  weifses  Tuch. 
Nostiz,  Graf  ron,   zu  Silberbach   in  Böhmen«     Tombak«» 

Orath. 
Noivack,  W«,  in  Wien.     Schlosserarbeiten« 
Nowakh ,  Baimund ,  zu  Langersufold  in   Steiermark«    Glas 

(S-  7').      . 
Oberhammer,   J.,  zu   Sonnenburg  in    Ti4*ol.     Lederne   ge* 

stickte  Binde    (S.   i66)« 

Obersteiner^,  zu  Saldenhofen  in  Kämthen«    Eisen   (S*  18)« 


z88 

Odobassich,  Ewa,  ca  JVerha  in  der  Hilitirgranse.    Eine 

wollene  Binde. 
Oeggj  Ignaz,  in  Linz*     Genagelte  Schuhe  (S.  166). 
Olaria,  Petra,  zu  Satfoy  in  der  Miiitärgränze«    Hanf« 
Omerr,  Johann,  in  Jf^ieru     Feine   BaumwoUenzeuge. 
Orrasch,  Andreas,  in  Görz*    Westen  aus  Filz  (S.  140). 
Ortmairj  Joseph,   zu  Scheerding  in  TiroK     Leder. 
Ortner  ^  Ignaz,   und  Reisinger^  zu  Aschach  in    Österreich. 

Ein  baumwollenes  Tuch. 
PaaZ^  J. ,  zu  S,  Sigmund  in  Tirol«     Teppich» 
Pachernegg j  Johann,  zu  Feistritz  in  Steiermark.     Sicheln. 
PacÄTi^r'sche  Erben  zu   Neusiedel  in   Osterreich.     Papier. 

(S.  148). 
Pagliarucci,   Natal   Bitter   Ton,   zu  Strasisch  in  Illjrien. 

Siebböden  aus  Bofshaar  (S.  i43)- 
FaJmkönig  ^  J. ,  zu  Steinschönau  in  Böhmen.  Geschnittenes 

Hohlglas. 
Panciera^  Jakob,  in  Venedig*     Unechte  Borten  (S.  i36). 
Papierfabrik,  k.  k.,  zu    Rannersdorf  in  Österreich.   Papier 

und  Prefsspäne  (S.  147^  i68). 
»  k.  k.,  zu  Leiben^     Papier  (S.  147)* 

Papierfabrik  zu   Altenberg  in  Böhmen  ) 
y  y     Bensen  ebend. 

9  »    Eger  ebend. 

»  »    Littau  in  Mähren. 

»  »     Niemes  in  Böhmen. 

»  «     Ranouf  ebend. 

»  »     Zaradka  ebend. 

Parlik,  J. ,  zu  Sternberg  in  Mähren.     Wollenzeuge. 
Parocchi,  Nikolaus,  in  Venedig.     Basthüte  (S.   99)« 
Partschj  Johann,  zu  Marschendorf  in  Böhmen.  Flachs. 
Paplomch  ^  Johanna ,  zu  Bomch  in  der  Miiitärgränze.  Tor- 
nister. 
Pekartiß  Franz,  in  Verona^     Seidene  Binden. 
Penzkofer,  A. ,  zu  Steier  in  Osterreich.     Stahl waaren. 
Perpenti^    L. ,    zu    Como   im    yenetianisch-lombardischea 

Königreiche.     Bänder,    Handschuhe  und  Spitzen  ans 

Asbest  (S.  109). 
Peschier,  Bitter  yon,  und  Sterz,  zu  Franzensthal  in  Öater- 

reioh.     Papier  (S«    1489  i52). 
Peteani,  Andreas,  zu  Görz^     Leder. 
Peter  ^  P.,  zu  Teinitz  in  Böhmen.     Gedruckte  Papiere. 
Petritschekj  Wenzel,  in  Grätz.    Baum  wolle  ngarn. 
^({ff^  Peter,  in  IVien.    Masse »Fourniere^S.  9a). 


Prefsspäne 
(8.  i58;. 


I 


i89 

^aijBTer,  Benedikt,  in  Venedig.     Handsclinhe    (S.    167). 
^eiffer,  Karl,  in  Sechshaus  bei  Wien.     Saffian   (S.    162)« 
PfurUcheüer,  Michael,    zu  Fidpmes  in   Tirol«     Stahl-  nnd 

Homarbeiten  (S.  63,  97). 
Fimpl^  Frans ,  zu  Sflolfelden  in  Österreich. \^.,,        /o  ,  a^\ 
.      Michael,  eben  daselbst.  |Filzhfite(S.i4o). 

Pislinger,  Adam  ,  zu  Viechtitfang  in  Österreich«     Sensen« 

ÜMtorelU,  Joseph,  in  Mantua*    Sammt« 

FUsch,  J«,  SU  Ulrichsthal  in  Böhmen«  Geschnittenes  Hohl« 

PitUii ,  Peter  nnd  Jakob  ^  zu  Bentiolo  im  yenetianisch-lom- 

bardischen  Königreiche«     Leinenzenge« 
Uumauer,  Anton,  zu  iS.  Peter  in  Steiermark.     Sensen« 
Pobeheim,  Simon  Edler  yon,  zu  Villach.     Nagel« 
Pock,  Fr«,  am  fVechsel  in  Steiermark.    MarmorirtesGlas. 
Podolsk^j  F.,  in  Frag.     Lederne  Handschuhe. 
PoUßuimmer,  Georg,  zu  Griefskirchen  in  Österreich«  Eine 

Siebplatte« 
Ponti  and  Brüder    in  Mailand.      Arbeiten  aus  moirirtem 

Blech  (S«   6«). 
Poppauer,  Martin,  zu 'S.  ff^olfgang  in  Österreich«    Leder 

(S.   i65). 
PoTzelUu\fabrik  ^  k«  k.,  in  fVien.    Porzellan  (S.  88). 
Pasameniirer^  ZuF\ft  zu  Neutitschein   in   Mähren.      Seidene 

Bänder« 
9  »in  Prag.     Gold-  nnd  Silberborten. 

Posch,  Joseph,  zu  Saalfelden  in  Österreich«     Hufeisen« 

(S.   a4). 
Posendorjer,  Joseph,  zu  Rothenmann  in  Steiermark«  Eisen 

and  Stahl« 
Prasehäl^  Franz,  zu  Taus  in  Böhmen.  Wollene  und  halb- 
wollene Bänder  (S.  i36)« 
Praxauperger ,  Alexander  von,  zu  Szamobor  in    Kroatien« 

Flachs  nnd  Hanf« 
Preda,  Paul,  in  Monza,     Pilzhut  (S.  140). 
Preisinger,  Ignaz,  in  Salzburg.     Spielkarten  (S.  i55). 

9  Stephan,     eben  daselbst«      Einen    Kamm   aus 

fiom« 
Preuer^  Joseph,    in  Linz.     Janitscharen- Mützen   (S.  isS). 
Pribichetfich ,  Marco,  zu   Glaoichani  in  der  Militärgranze. 

Hölzerne  Pfeifenköpfe« 
Puthon,  Johann  und  Karl,  Freiherrn  Ton,  zu  Teesdorf  in 

Österreich.  Baumwollen  -  Maschinengespinnste  (S.  1 1 1). 
Puihon sehe,  freiherrlich  von,   Tuchfabrik  zu  Namiest  in 

Mähren.     Feine  Tücher  (S.  123)« 


#9<> 

Radachich  j    Jerko,   zu  Koslainiiza  in   der  Militargranse. 

Silberne  Mnöpfe« 
Ragaggiolij  Anton,  in  Venedig.     Schwarze  Kreide. 
Hamser^  A.,  zu  Sieier  in  Osterreich.     Messerachmied- Ar- 
beiten« 
Bjonzord,  J. ,  in  Triest,     Türkischroth  es  BanmwoIIengarn. 
Rasaj  Yincenz,  in  Venedig.     Künstliche  Blnmen  (S.  168). 
Raschmacher'  Zunft     zu    Hermannstadt   in    Siebenbürgen. 

Wollenzeuge. 
»  »  za  Kronstadt  eben   daselbst.      Wol- 

lenzenge. 
Rauche  Franz,  in  WlerL     Rasiermesser  von   einer  eigen- 

thümlichen,  patentirten  Form. 
Rechlj  Joseph,  in  Salzburg*     Pergament  (S.  167). 
Reeden^  Maria  ,  zu  Tai/fers  in  Tirol.     Zwirnspitzen. 
Reiberger j  Alois,  in  ff^ien.     Eine   messingene   Hänglampe 

(S.  62). 
Reicht j    Johann,    zn   Steier    in   Osterreich«     Eine   Tuch- 

schere. 
Reijnaj    Franz   und    Comp.,   in   Mailand.      Seidentapeten 

(S.  139). 
Reinwald,  Philipp,  in  Wien.     Banmwollenzeage  (S   119). 
Reitmayer ,   Jakob,    zu  Frankenmarht   in    Osterreich.     Ge» 

schnittene  Gläser. 
Remisch,  J. ,  zn  Kamnitz  in  Böhmen*    Gefärbtes  Hohlglat. 
Remondini ,  Joseph  und  Söhne,  zu  Bassano  im TenetiaDisch- 

lombardischen  Königreiche.  Gefärbte  Papiere  (S.  i53). 
Rhomberg  und  Lenz,  zn  Dombirn  in  Tirol.     Banmirollen- 

garn  (S.    112). 
Riederer,  Joseph,  in  Grätz.     Nähnadeln. 
Riedler,  Rudolph,  zu  Steier  in  Osterreich.  Feine  Messer- 

Schmied- Arbeiten  (S.  69). 
Riefler,  Mathias,  in  Wien.     Einen  Reitsattel  (S.  167). 
Riemer- Zuj\ft   zu    Kronstadt  in  Siebenbürgen.  Pergament 
Rienzler,  Joseph,    zu  Bregenz  in   Tirol.     Tischlerarbeit 

(S-  90- 
9        Maria,  eben  daselbst.     Gestickten  Musselin. 

Righini,  zu  Ghirla  im  yenetiauisch  -  lombardischen  König«> 
reiche.     Fayance. 

Ring,  M. ,  zu  Waidhojen  in  Osterreich.  Hackenschmied- 
Arbeiten. 

Robiati,  Daniel,  in  Monza.    Gefärbtes  Garn  (S.    io3). 

Rodel,  Anton,  in  Wien.     Eine  Pferde  -  Trense  (S.  24). 

Rösler,  Ignaz  von,  zu  Ifixdorf  in  Böhmen.'  Feine  Stahl« 
waaren  (S.  62). 


'91 

Rosa,  J. 9  in  Linz.     Taneser  Kappen  (S.   is3). 

Rosenbach  ^  Fürst  Ton,  xa  Rosegg  in  Hämthen.     Stahl. 

Rossi,    Franz,    zu- Schio   im    yenetianisch-lombarditchen 
Königreiche.     Tach  (S.    lai). 

Rosihom,  Gebrüder  von,    zu   Oed  in  Österreich.     Drath 

umi  ßlech  aus  yerschiedenen  Metallen  (S.  4^). 
Ruhio,  Anton,  in  Triesi.     Spielkarten  (S.  i55)« 

Buga,  Joseph,  in  Verona.     Moirirte  Blech waaren. 

Ruoile,  Jnlie,  in  Mailand.     Künstliche  Blumen  (S.  i68). 

SaUnj  Hngo  Altgraf  Ton,  zu  BUmsko  in  Mahren.     Eisen- 
gufswaaren  (S.  i5,  34)« 

Salomoni,  Joseph,  in  Verona.     Sohlenleder« 

Sariorij  Alois  Joseph,  zu  N eohirtenberg  va  Ö^leweidi.  Ge- 
walztes Kupfer-  und  Zinkblech. 

Sassij  yincenz,.in  Monza.     Verschiedene  Zeuge  (S.  i3i). 

Schachner,  Klara,   zu  Hojifgarten  in  Steiermark.     Sensen. 
9  Peter,  zu  ff^els  in   Österreich.     Spielkarten 

(S.  iS5). 

Schock  nnd  Comp,,  in  Grat*.    Metallene  Kleiderknöpfe. 

Schärffenberg ,  Gebrüder   Grafen   iron,    Besitzer   mehrerer 
Werke  in  Steiermark«     Streck-  nud  Gufseisen,   Sen* 
sea  and  Sicheln« 
Schafzahl  ^  Franz,  in  Grätz.  Maschinen  -  Nagel   (S.a4,;s8). 

Sehalab^    Elisabeth^   zu  JdUtersdorf  in   Böhmen«     Zwirn- 
spitzen. 

Schaschl,  Johann,  zn Fer2ac^ in Kämthen.  Gewehre (S. 6o). 

Schauffelberger ,  Mathias,  zu  Penzing  bei  Wien«      Ein   ge- 
drucktes seidenes  KaflTehtuch  (S.  129)* 

Scheibl,  in  Grätz.     Fladerpapier. 

Schi^eregger ,  Veit,  zu  RadsiaM  in  Österreich«    Gelbgies« 
aerwaaren  (S.   36)« 

Schlegl,  Philipp,  zu  AdeUbefg  in  Zlljrien«     Kupferblech« 

Schmal  und  Comp. ,  in  Brunn,     Tuch. 

Schmanz  ,  Karl ,  zu  MuUersdorf  in    Böhmen.     Spiegelglas. 

Schmidt,  Fidel,  in  Grätz.     Feilen  (S.  3i). 

Schönau,  Johann  Freiherr  ron,   zu   DaüuHiz  in   Böhmen. 
Fajance  (S.  83)« 

Schönborn,  Graf  Ton,    zu  Dlaschkoudtz  in  Böhmen.     Ge- 
schliffene Granaten. 

Sehönfeld,  Johann  Ferdinand  Bitter  Ton,  za  Karolinenihal 
bei  Prag.     Papier  (S:  i5i). 

Schörg,  J.,  in  H^en.     Einige  Schlösser« 

Scholz,  Emanuel,  zu  Sambor  in  Galizien.     Masse  -  Billard- 
bällen (S.    169)« 


ßchröckerifux jBeilihtiSäri  zu  Uebelbach in Steiermarh.  Sensen. 
»  Johann  9  zu  Schladming  in  Steiermark.    Kap- 

ferwaaren. 
y  Harl,  eben  daselbst«    Eisenwaaren. 

Schubari,  in  JVien.     Uhrmacher -Feilen. 

Schuld  ^  L. ,  in  Brütui.     Harrasgarn  (S.   i  so). 

Schuller,  Adam,  in  IVien^     Bothgares  Leder  (S.i63,i64). 

Schuraj  Maria  John ,  zu  Aliorsotpa  in  der  Miiitärgränze« 
Eine  wollene  Binde. 

Schurz,  J.  L. ,  zu  Himmelberg  in  Harnthen.     Sensen. 

Schuschinka ,  Petria ,  zu  Pettnick  in  der  Miiitärgränze. 
Wollene  Binden. 

SchufsTuch,  Joachim,  in  Triest.    Flintenschrot   (S.  36). 

Schuster,  J.  G, ,  in  Tf^en.     Einige  Kunstschlosser  (S.  5i)). 

SchiParU ,  Georg,   zu  Kronstadt  in  Siebenbürgen.     Halb- 
kattnn. 

Schis^rxenberg ,  Joseph,  Fürst  von,  zu  Murau  in    Steier- 
mark.    Stahl  (S.  23). 

Sehwefel^  Anton,  in  Wien.     Glasbläser- Arbeiten  (S.  «^s). 

Scomason,   Lorenz,    zu   Schio  im   venetianisch- lombardi- 
schen Königreiche.     Tuch  (S.   isi). 

Scotti  und  Comp.,  in  Mailand.     Druck waaren    (S.    i9o). 
»'      Yincenz,  zu  Monza.     Gemischte  Zeuge  (S.   i3i). 

Scrussig ,  Anton,  in  Görz.     Flachs  und  Leinengarn. 

Seidan,  Johann,  in  Wien.     Geprefste  Tapeten  (S.   i55)« 

Seidenfabrik   zu    Weifskirchen  in  der  Militärgränze.  Filirte 
Seide. 

Seider,  Eustach,  in   Wien.     Yaucanson'sche  Bandketten, 

(S.  67). 

Seifferth,  Ernst,  in  Wien.     Tischlerarbeit  (S.  91). 

Seleny,  Franz,  in  Wien.     Kunstschlosser. 

Seüier,  H.  von,   zu  Schöribüchl  in    Österreich.     Schmelz- 
tiegel aus  Graphitmasse. 

Seli^a,  Joseph  ,  in    Venedig..     Brillengläser  (S.    71). 

Sensenfabrik,  zu  Weifsenbach  in  Steiermark.     Sensen. 

Silbernagel,  Freiherr  von,  zu  Ferlach  in  Kärnthen.  Eisen- 
drath. 

Simon,  J.,  zu  Eger  in  Böhmen.     Pergament. 

Sinigaglia,  Isaac,  zu  Görz.     Filirte  Seide  (S.  124). 

Sintich,  Johann,  zu  Jaszka  in  Kroatien.     Hanf. 

Sif^kotpichj  Payo,  zu  Germushanjr  in   der  Militärgränze. 
Töpfergeschirr. 

Spanl,  in  Wien.     Papiertopeten. 

Spasojeuf ,  Janko,  zu  Szakalowacz  in  der  Militärgränze« 
Wollene  Handschuhe. 


193 

SpemboMter^  SebustiaD«  so  Sirning  in  Österreich.     Gena- 
gelte Schuhe  (S.  166)« 
Spiegelfabrik^  k.  h«,   so  Neuhatu  in  Österreich.     Spiegel 

(S.  72). 
Spiegelhütte,  zu  HeiL  Kreu»  in  Böhmen.     Spiegelglas. 
Spindler,  J.,  in  Wien.     Leonische  Waaren. 
Spiiuifabrik,   k.   k.    priv. ,     zu    PoUendorf*  in    Österreich« 

Baumwollen  -  Maschinengespinnste  (S.   iio). 
Spissich,  Joseph  von,   zu  Dabowacz   in    Kroatien.     Flachs 

und  Hanf. 
Spitzer,  Johann,  zu  Neukirchen  in  Österreich.  Ein  Werk- 
zeug zum  Beschlagen  der  Pferde. 
»        Martin ,   zu  Muhlbach  in  Österreich.    Ein   Schlag- 
eisen. 
Stadler,   J,,  zu  Steinbach  in    Osterreich.     Messerschmied- 
Arbeiten. 
StahlufCLarenfabrik  zu  Klösterle   in   Böhmen.     Feine  Stahl- 

waaren. 
Staudacher,  J.,  in  Wien.     Stahl  (S.    s3). 
Suuwenghi,    Dominik,    in   Monza.      Verschiedene    Zeuge 

(S.  lao). 
Stefanouf,  Marko,  zu  Isbistje  in  der  Militärgran ze.  Flachs. 
Steindlj    Fr.,   zu  Knittelfeld    in   Steiermark.      Gemeine 

Schneid  waaren. 
Sieinhuber,  £.,  in  der  Blumau  in  Österreich.)  ^ 

»  K.,  zu  Michelsdorf      ebend.  )  * 

Sltinleitner ,  J. ,   zu  Steier  in   Österreich.     Messerschmied- 
Arbeiten. 
Stibing,  zu  Waldstein  in  Steiermark«     Nagel. 
SUbnUzer  Eisenhütte   zu  Reichenau  in  Böhmen.  Geschmie« 

detes  Eisen. 
Stockart,  zu  Steier  in  Österreich.     Nägel. 
Stockinger,  Joseph,   in  Wien.     Schlosserarbeit  (S.  60). 
Stöhr,  Johann,  zu  Schönberg  in  Mähren.     Nähnadeln. 
Stolf,  Johann^  zu  Kostainitza  in   der   Militärgränze»     Ein 

Yorlegschlofs. 
Stolle  und  Söhne,  zu  Warnsdorf  in  Böhmen.     Leinenge- 
webe (S.   107). 
Strafhaas  in  Mailand,     Säcke  ohne  Naht. 
Strasser ,   Ad.,   zu  Steier  in    Österreioh«     Gemeine  Stahl- 

*  waaren. 
Stricker,   Christian,    in  Wien.      Ein    bramah'sches  Patent* 
achlofs,  und  einige  optische  Gläser. 

JakrW  ics  pol/C.  last.  IV,  Bd.  l3 


»94 

SirnischlU,  Joseph,   za  PrzjrhülawiU  in   Mahren«     Papier 

(S.  i5i)^ 
Stucchi,  Joseph,  in  Monza,     BaumwoUenzeage   (S.   119). 
Sushnyar^   Anna,    zu  KostainUza   in    der  Militärgränze. 

Leinwand* 
Sztiakounchs    Peter,    eben    daselbst«      Kapferne    Brannt« 

weinblase. 
Tarabanzaj  Maria,  zn  All" Schupanek  in  derMilitargranze. 

Ein  wollenes  Handruch. 
Tesinger,  Franz,  zu  iS.  Georgen  m  Osterreich.     Lohgares 

Leder     (S.   i63). 
Teu^ellou^ich ,   Andria,   zu  Iwanko  in  der  Militargränze« 

Hölzerne  Pfeifenhopfe. 
ThornXoTiß  Joseph  von ,  zu  Mi/iAr^/i^ior/' in  Osterreich.  Baum- 
wollen -  Maschinengespinnste  (S.  113). 
TAur/i,  Franz  Graf  von ,  zu  Podgora  in  Illyrien.  Papier. 
»      Georg  Graf,  von,  nächst  Klagenfurth.    Feine  Stahl- 
waaren  (S.  62). 
Tietzmann,    J. ,  zu  RochUtz   in    Böhmen.     Marmorirtes 

Hohlglas. 
TOa^  P.  in  Brunn*     Tuch. 
Tomagninij  Johann,  zu  Görz^    Seide  (S.  184)* 
Tomasuzzi^  M.,  in  Venedig,     Echte  Borten   (S.  i36). 
Tomaiseu^tch  >  Manda ,  zu  Podgradje  in  der   Militärgranze. 

Teppiche* 
Töppevs  Andreas,    zu   Scheib/s   in   Österreich.      Gewalztes 

Eisenblech  (S.  5i). 
Torrcs  Ludwig,    zu    Vohurno   im   venetianisch-  lombardi« 

sehen  Königreiche.  Eiserne  und  kupferne  Nägel  (S.s8). 
ToBis  Johann  Stanislans,  in  Mantua,     Sohlenleder. 
Totif  s  Graf  von ,  zu  Capo'  d'  Jsiria  in  lUjrien«     Lohgares 

Leder  (S.  i63). 
Traweger,  zu  Gmundien  in  Österreich.    Thönerne  Knöpfe 

und  Rosenkränze. 
Trexler^  Anton  ,    zu  Voiisberg  in  Steiermark.     Papier. 

(S.  i5i). 
Truzzij  L«,  in  Verona.    Darmsaiten   (S.  168). 
Tuchmacher  "Zunß  in  Brunn*     Kasimir. 

•  »zu  Kronstadt  in   Siebenbürgen.     Tuch. 

9  »zu  Neutitschein  in  Mähren.  Wollen  zeuge. 

Uboldi,  Paul,  in  Mailand,  Strumpfwirker- Arbeit  (S.  i38). 

Vffenheimer  3   J.   G«,   zn  Neustadt  in   Österreich.     Papier 

(S.  i5i). 
VUrich  /  Karl ,  in  Wien.     Gefärbte  Zinnfolie. 

»        Zacharias>  in  Wien.     Hausenblasen  •Folie. 


Vaineiy  Valentin,  in  G8rz.    Hanf« 
Valadicr,  Victor,  in  Wien.     Kämme  (S.  96). 
VandencmyB ,  Fraulein,  in  Wien.     Spitzen  auf  NiederlSn« 

der  Art  (S.  108). 
Verhounig,  Frans,   eu  Jauchen  in   Illyrien«     Strohhüte 

(S.    q8). 
Vemaj ,  Andreas,  in  MaUaruL     Seidenbander  (8«  i36). 
Fest,  J.  Edler  yon,   zu  Schrottenthurm  in  lUjrien.     Sieb« 

boden  ans  Rofshaar  (S.    i43). 
Flamin,  Dominik,  in  Venedig,     Spiegel  (8.  73). 
VianeUi,  Franz,  zu  Terzo  in  Illjrien.     Sohlenleder« 
Viganoni,   Andreas,  zn   Monza  im    ▼enotianisch-  lombar* 

dischen  Königreiche«     BanmwoIIenzenge. 
VilaUni,  Joseph,  zu  Salo   im  Tenetianisch»  lombardischen 

Königreiche«     Leinenzwirn  (S.    io3)« 
Viüa ,  Philipp ,  in  Monza.     Filzhfite  (S.  1  40)« 
FincenlU' Glashütte  auf  der   Layamünder  -  Alpe  in    Kam* 

then.     Hohlglas«  ^ 

Vogel,  Alezander,  zn  Wels  in  Österreich«'    Baumwollen« 
zeuge  (8.  iso). 
«      Andreas  nnd  Sohn,  zu  Snecznajr  in  Böhmen«  Lein« 

wand  (S,   107)« 
9      F.,   zu  Steinschönau    in    Böhmen.      Geschnittenes 
Ilohlglas« 
Vulakoitnch,  Joseph  yon,  zniScAifaiyVpo  in  Kroatien«  Flachs 

ond.  Hanf. 
Wächter,  J.  A.«,  zn  Steier  in  Österreich«    Feine  Messer« 

Schmied  -  Arbeiten« 
üPii^ii^r^  Franz,  in  Wien.     Waehslar?en  (S«  168). 

»  Gottfried,  zu  Zettisnng  in  Österreich«   Sönsen. 

f^aldhutter,  Mathias,  zu  Salzburg.  Geschliffenen  Marmor. 
H^gllian,  Wersayia,  zn  Cornia  in  der  Miiitärgränze.  Eine 

wollne  Binde. 
Hyaliner,  Simon,   zu  Amoldsteui   in  Kärnthen.     Flinten« 

Schrot  (S.  36). 
fPanschka,  zu  Gmum2i«/i  in  Österreich«  Hornarbeit  (S.98)» 
H^eber-Zunfü  za  Asch  in  Böhmen.  Baum  wollenzeuge. 
»  »zu  Bern  in  Mähren.     Eben  dergleichen« 

»  »      zn  Troppau  in    Schlesien«      Leinen  -  und 

Baum  woll  enzeuge« 
fFeichselbaumer ,  J« ,  zn  Steinba<A  in  Österreich«   Messer- 
schmied •  Arbeiten« 
IVeUenbOck,  Karl,    in  Salzburg.     Lammfelle   samml  der 
Wolle  zubereitet  /8.  |65). 

i3* 


fVeinmann,  Johann,  in  Wien,     Eines  messingenen  Vhr- 

kasten  (S,  52). 
ff^einmeisUr  j  Anton  Joseph  i  zu  Siegidorf  in 

Steiermark, 
»  Franz ,  zu  Einöd  bei  Jadenburg  in  ^  Sensen. 

Steiermark« 

»  Michael,  eben  daselbst 

If^eifss  Franz,  zu  Langendorf  \n  Mähren.  Papier  (SiSi). 

We\fs  und  Rösler ,  zu  Würbenthai  in  Schlesien«     Leinen« 

garn  und  Zwirn   (S,  to3). 
TVeifsgarher^  Zunft  zu   Eger  in  Böhmen.     Leder. 
Pf^enger^  Joseph,  in  Wien«     Pergament  (S.   167). 
TVenningerj  Joseph,    zu  AinJbach   in   Steiermark«      Stahl 

und  Eisen« 
pyenzels  Franz,  zu  Ausche  in  Böhmen.     Zahnsicheln« 
TVerner^  Andreas,  in  Wien  (S.  143).     -^ 

»  Nikolaus,  ebenda  (S.  140)«     f  Filzhäte. 

«  Valentin,  ebenda  (S.  143).     j 

TVihner,  Karl,  in  Wien.     Einen  aus   geraden   Tafeln   ge- 

bt>genen  Glassturz« 
IVidenherger s  Joseph,   zu  Steter   in    Österreich«     Messer- 
schmied-Arbeiten« 
fViesinger,  Joseph,  zu  Neuzeug  in  Osterreich.     Ahlen. 
tViefsmann,  Fr.,  in  Grätz.     Einen  Filzhut. 
IVilda^  Gottfried,  in  Wien«     Knöpfe  (S.  63). 
PPlnkelmann^  Nikolaus,  in  Wien.    Regenschirme  (S.  i3o). 
fP^uJcler^  Franz,   zu    Ebersdorf  in   Österreich.      Messing* 

waaren  (S.  35,  54)  • 
IVinier,  in  Grätz.    Matrosen -Mfitzen  (S.  ia3). 
fVlaner   Glashütte   in  Mähren«     Hohlglas. 
ff^odXey^  Bartholomäus,   zu  Gestring  in  Kärnthen.    Eisen* 

blech« 
fVoüenzeugfabrik^  k.  k. ,  zu  Linz*    Wollenzenge  und  Tep- 
piche (S.  199^  i34). 
»  zu  Neustadt  in  Mähren.     Wollenzenge. 

PVornis  Franz,  zu  Neuforstwald  in  Böhmen«     Manchester 

(S«    140). 

Wun4ch^  Ad.  uniiSSknCs  zu  iScA^/iZiWe  in  Böhmen.  Zwirn. 
ff^z^  Michael,   unJter  dem  Himmel^    bei  Steier  in  Öster- 
reich«    Pappe« 
IVurms  Ignaz^  zu  Waidhofen  in  Österreich.  Eisenwaaren. 
»         und    Pausinger^    in   Wien.     Flachs  -  Maschinenge- 
spinnste  (S.    102)« 


«97 

ff^rbna,  Graf  yon,  sq  Itorsowicz  in  Böhmen.    Eisengiifs- 

waaren  (S.  ii,  25). 
IVHbys  Graf  von  ,   zn  Teiniiz  in  Böbnen.      Fajance   und 

Wedgwood  (S.  83,  86). 
Zaecagna ,  M«,  za  Padua.     Leder     (S.  163«  i65). 
Zahn,  B. ,  zu  Sieinschönau  in  Böhmen.     Hohlglas. 
Zanola,  Peter,  zu  Monza  im  yenetianisch -  lombardischcn 

Königreiche«     Gefärbtes  Garn  (S.    1 1  s). 
Zeiiiinger,  Fr.,  in  der  Köxen  in  Österreich. > 

9  J.  G.,  zu  Mo//«  eben  daselbst.      ?     Sensen. 

9  Wittwe ,  eben  daselbst.  f 

Zeüer,  J. ,  zu  iS/der  in  Osterreich.     Gestrickte  Waaren. 
Zenker,  J. ,  zu  iVisit^^cA:  in  Böhmen.  Eiserne  Löffel  (S.  25). 
Zeltler^    Franz,    zu    Oeblam  in    Steiermark.     Ein  grofses 

Sägblatt 
Zetioivich,  Jakob,  im  7ten  Militär- Gränzregimente.    Höl- 
zerne Spazierstöcke. 

Zeugmacher-  Zunß  zu  Brunn.  )     ^oH^^n^euße 

»  »zu  Kröfseck  in  Mähren.)  ° 

»  »zu  Oderau  in   Schlesien.      Gemischte 

Zeuge. 
Zidk,  Yater   und    Sohn,    zu  Joachimsthal  in    Osterreich. 

Geschnittenes  Hrjstallglas  (S.  67). 
Zinkhütte,  k,  k. ,  zu  jRai6Z  in  Kärnthen.     Hohen  Zink« 
Zinn- Gewerkschaft  zu  Joachimsthal  in  Böhmen.     Zinn« 
Zinn^irfser '  Zunft   zu    Karlsbad    in    Böhmen.      Gegossene 

Zinnwaaren. 
Zinnhuite,  k.  k.,  zu  Schlaggenwald  in  Böhmen«     Zinn. 
Z«/t>  SU   Thanheim  in  Tirol«    Baumwolienzeuge« 
Zobelbergerj  Joseph,  zu  Sieier   in   Osterreich.      Nadlerar- 

beiien. 
Zwe^,  Gebrüder,  zii  Radc^ikow  in  Galizien.    Einen  groa- 

aen  Hantelisse  -  Teppich  (S.  i33). 
ZwetiUr,  Anton,  in  Linz.     Gestickten  Kattun« 


V, 


IL 

Abhandlung  über  die  oberschlächtigen 

Wasserräder. 

Von 

Ada  m'   Burg, 

AMistenten  und  Repetitor  der  hohem  Mathematih  am  li,  k« 

polytechnischen  Institute. 


Es  ist  leider  nur  zu  wahr,    dafs   der  blots  praktisch 
gebildete  Mechaniker  oder  Maschinenbauer,  wenn  er  auch 
noch  so  geschickt  ist,  sehr  oft  nicht  nur  unvollkommene, 
sondern  sogar  zweckwidrige  Maschinen  herstellet.     Dieses 
geschieht  am  häufigsten,   wenn    ihm    die  Ausführung  sol*' 
<;her  Maschinen  aufgetragen  wird ,  die  entweder  noch  gar 
nicht  bestehen,   und  von  ihm   erst   zu   einem  bestimmten 
Zwecke  erfunden  werden  sollen ,  oder  auch ,  wenn  er  schon 
bestehende  Maschinen  nach  Bedürfnifs  abzuändern  hat.  Ea 
entstehen,  da  unnütze   und   schädliche   VerTielfcUigungen 
der  Maschinentheile ,  welche  nicht  nur  die  Maschine  kost- 
spieliger machen ,  sondern  auch,  der  vermehrten  Reibung 
wegen  ,   den   Betrieb   derselben   erschweren ;    die  in  der 
Begel   angewandte  schlechte   Verzahnung   und   überhaupt 
die  falsche  Form,   welche  gewisse  Theile,  die  Fortpflan- 
zung oder  Mittheilung  der  Bewegung  zum  Zwecke  haben, 
erhalten,   machen  nicht  nur   den  Hang  der  Maschine  un- 
gleich und  holperig,   sondern  führen  auch  durch  die  nn- 
zweckmäfsige    Anordnung   derselben,    einen  bedeutenden 
Verlust  des  Nutzeffektes   herbei  u.  s.  w.     Ich   rede  nicht 
etwa  von  solchen  sogenannten  Mechanikern ,  welche  z.  B. 
glauben ,  mit  einer  gebogenen  Kurbel  eine  gröbere  Kraft, 
als    mit   einer   geraden  auf^zuüben;    oder   die    Betreibung 
jeder  Maschine  in  dem  Mafse  zu  erleichtern  und  den  wirk- 
lichen Kraftaufwand  zu  verringern,  in  welehem  ein  ange- 
brachtes Schwungrad  gröfser  und  schwerer  wird ,   u.  dgl.ni. 


«99 

Nein!  ich  rede  tod  Männerii,  die  durch  yiel jahrige. 
ErfahraDgen  eine  Datürlich  richtige  Ansicht  im  Maschi- 
nenhane  erlan^^t  haben,  und  gerade  dadurch  noch  toU- 
kommenere  Maschinen  herstellen  können ,  als  auf  der  an- 
dern Seite  der  blofse  Theoretiker  dieses  im  Stande  ist« 

Aber  gewifs  ist  es,  dafs  diese  Männer  bei  der  Ans- 
fnhrung  einer  Maschine,  die  ihnen  £u  Geboihe  stehenden 
Kräfte  besser  benfiizen,  diese  mit  wenigeren  Kosten  her- 
stellen ,  dem  beahsichtigien  Zwecke  naher  kommen ,  und 
knrs  die  ihnen  gegebene  Aufgabe  weit  ToUkommener  auf- 
lasen könnten ;  wenn  sie  noch  mit  ihrer  natürlich  richti- 
gen Ansicht  nnd  prsktischen  Fertigkeit  die  Hauptgesetse 
der  Mechanik  yereinigten ,  und  wenigstens  in  so  weit  mit 
der  Theorie  bekannt  wären,  dafs  sie  die 'von  geschickten 
Theoretikern  abgeleiteten  Regeln  auf  die  ihnen  vorkom- 
menden Fälle  anzuwenden,  und  auch  nöthigen  Falls  ab- 
znändem  yerstünden. 

Es  wäre  freilich  lächerlich  zu  yerlangen ,  dafs  sie  z.  B. 

rine  genaue  Kenninifs  der  Epi-  und   Hjpocykloide  haben 

sollten,  weil  diese  Karren  bei  einer  richtigen  Verzahnung 

gebraucht  werden ;  oder  dafs  sie  die  Rektifikation  der  über 

einen  Kreis  abgewickelten  Linie  yerstehen  mnfsten,   weil 

die  Hebeköpfe  bei   einer  gut   eingerichteten  Stampfmöhle 

nach  einer  solchen  Evolyente  gearbeitet  sejn  sollen;  oder 

dafs  sie  endlich  gar  mit   dem   Differential-  und   Integral* 

kalknl  bekannt  seyn  sollten,   um  die  Theorie   der  Kurbel 

,  oder  die  Wirkung  einer  Dampfmaschine  berech- 


nen za  können  u«  dgl.  m.  Obschon  es  also  keinem  ver- 
nunftigen  Manne  einfallen  wird ,  auf  dieser  Seite  zu  weit 
zu  gehen,  so  sollte  man  doch  ron  jedem  geschickten  ans« 
übenden  Mechaniker  mit  Reche  fordern  können,  dafs  er 
noch  aufser  den  ersten  Elementen  die  Decimalrechnung« 
die  Ansziehung  der  Quadrat-  nnd  Kubikwurzeln,  so  wie 
die  richtige  Aufsiellung  einer  Proportion  verstände,  und 
wenigstens  in  so  weit  mit  den  Gesetzen  der  Mechanik  be- 
freundet wäre ,  dafs  er  die  abgeleiteten  Regeln  richtig  an- 
wenden, upd  selbst  einige  Umwandlungen  aus  Tabellen, 
die  ihm  für  gewisse  Fälle  berechnet  werden  müfsten,  ohne 
Schwierigkeit  yarnehmen  könnte. 

Ich  halte  es  daher  für  notl^ wendig ,  wenn  anders  die  Ans- 
f&faning  Ton  Maschinen  jenen  Grad  der  Vollkommenheit  je  er- 


300 

reichen  6olI|  der  zu,  erreichen  ist,  dafs  sich  Theoretiker, 
welche  zugleich  Gelegenheit  haben ,  die  Theorie  stet»  mit 
der  Erfahrung  yergleichen  und  darnach  modificiren  zu  kön- 
nen, die  Mühe  nehmen,  die  Hauptbestandtheile  jeder  Ma- 
schine besonders  zu  behandeln,  -auf  das  Wesentlichste  der- 
selben Torzüglich  aufmerksam  zu  machen,'  leicht  fafsliche 
^  und  möglichst  einfache  Regeln  für  die  Bildung  derselben 
anzugeben  ,  ohne  dabei  zu  vergessen ,  dafs  keine  mathema- 
tische Schärfe ,  sondern  nur  eine  Annäherung  nothwendig 
ist,  und  in  so  weit  es  der  Praktiker  begreifen  kann,  auch 
die  Ursache  mit  anzuführen ,  warum  die  Sache  so  und  nicht 
anders  seyn  darf,  so  wie  endlich  noch  gewisse  Tabellen  zu- 
sammen gestellt  werden  müfsten ,  aus  denen  der  praktische 
Arbeiter  für  seine  vorkommenden  Fälle  die  nöthigen  Re- 
sultate entweder  unmittelbar,  oder  doch  mittelst  einer  leich- 
ten Reduktion  finden  könnte. 

Das  fühlbare  Bedürfnifs ,  die  Anlagen  der  gebräuch- 
lichsten Maschinen  auf  bessere  Grundsätze  zurück  zu  führen 
und  sie  der  Natur  der  Sache  mehr  anzupassen ,  als  dieses 
gewöhnlich  geschieht ,  veranlassen  mich  zu  dem  Versuche, 
die  wichtigsten  Bestandtheile,  die  bei  dem  Maschinenbaae 
vorkommen,  in  nach  und  nach  erscheinenden  Abhandlun* 
gen  sowohl  rein  theoretisch  zu  bearbeiten ,  als  auch  der 
praktischen  Ausführung  wegen,  die  nöthigsten  Bemerkun- 
gen, die  sowohl  aus  den  Erfahrungen  der  berühmtesten 
Ingenieurs  und  Naturforscher,  so  wie  aus  meinen  eigenen 
geringen  Beobachtungen,  die  ich  in  dieser  Hinsicht  zu  ma- 
chen Gelegenheit  hatte >  abstrahirt  sind,  hierüber  anzuge- 
ben. Obschon  ich  die  Schwierigkeit  dieser  Unternehmung 
in  ihrem  ganzen  Umfange  einsehe  und  recht  gut  erkenne, 
wie  weit  ich  Manchem  ,  der  sich  zur  Bearbeitung  dieses 
Gegenstandes  entschliefsen  könnte,  nachstehen  müfste;  so 
ermuthiget  mich  dennoch  der  Gedanke ,  dafs  ich  vielleicht 
selbst  durch  diese  unvollkommene  Leistung  nützlich  werden 
kann,  zur  Ausführung  meines  Vorhabens,  und  beginne  so- 
gleich mit  einem,  für  die  Betreibung  von  Maschinen  höchst 
wichtigen  Gegenstande ,  nähmlich  mit  dem  oberschlächtigen 
Wasserrade. 

vybgleich  die  Anwendung  der  Wasserräder  zur 
Betreibung  von  Maschinen  schon  sehr  alt  ist^  sowur* 


den  dennoch  erst  in  den  neuem  Zeiten  die  nötbigen 
Untersuchungen  hierüber  gemacht ,  und  sowohl  durch 
die  Erfahrung  als  nach  mathematischen  Grundsätzen 
ihr  gröfster  EJSTekt^  heste  Konstruktion  u.  s.  w.  auszu- 
mitleln  gesucht.     Es  ist  daher  kein  Wunder^  wenn 
Anfangs  die  Begriffe  iiher  die   Wirkungsart  der  ver- 
schiedenen Wasserräder  nicht  nur  schwankend ,  son- 
dern sogar  widersprechend  waren.     So  behauptete 
zuerst  Belidor  in  seiner  Architecture  hjrdrauUque^ 
dafs  hei  gleichen  Umständen  die  Anwendung  des  ober- 
schlächtigen   Wasserrades  weniger  yortlieiihaft^    als 
die  des  unterschlächtigen   Rades  sey;   dagegen  war 
Desaguiliers  wieder  der  Meinung^    dafs  bei  einerlei 
Umständen  die  Wiikung  eine^  oberschlächtigen  Rades 
zehn  Mahl  so  grofs  werden  könne^  als  die  eines  unter- 
schlächtigen Wasserrades.  Herr  von  Parcieux  scheint 
der  erste  gewesen  zu  seyn^  welcher  die  Sache  durch 
£e  Erfahrung  zu  entscheiden  sucbte^   und  in  einer 
Abhandlung^  welche  in  den  Memoires  der  Akademie 
der  Wissenschaften  vom  Jahre    1754  zu   finden  ist^ 
befaauptet  er^  dafs  bei  einer  zu  Gebothe  stehenden 
Fallshöhe  des  Wassers  von  vier  Fufs  aufwärts^   dieses 
durch  die  Benützung  auf  ein  oberschlächtiges  Wasser* 
rad  stm  vortheilbaftesten  verwendet  werde;  zugleich 
zeigte  er  auch ^  dafs  die  Wirkungeines  oberschläch- 
tigen Wasserrades  um  so   gröfser  sey^    je  langsamer 
sich  dieses  bewege. 

.  Gleichzeitig  mit  den  Versuchen  von  'Parcieua: 
krSnte  die  königl.  Gesellschaft  der  Wissenschaften  zu 
Göttingen'  eine  Abhandlung  von  albert  Euler  y  über 
hydraulische  Maschinen  und  ibre  vortheilhaftesten 
Anwendungen^  welcher  in  Hinsicht  des  oberschläch- 
tigen Wasserrades  dieselben  Resultate  aufstellte^  die 
Herr  von  Parcieux  durch  seine  Versuche  gefunden 
hatte. 

Herr  Smeatony  ein  berühmt  gewordener  engli- 


2oa 

scher  Ingenieur^  der  sich  während  vierzig  Jahren  mit 
der  Anordnung  hydraulischer  Maschinen  beschäftigte, 
veranstaltete  in  den  Jahren  1752  und  53  sehr  wichtige 
Versuche  über  unterschlächtige  und  oberschlächtige 
Wasserräder,  um  daraus  eine  sichere  Yergleichung 
zwischen  beiden  Gattungen  von  Rädern  machen  zu 
können.  Er  zeigte  auf  eine  sehr  befriedigende  und 
überzeugende  Art,  dafs  bei  übrigens  gleichen  Umstan* 
den,  die  Wirkung  eines  oberscblächtigen  Wasserra- 
des doppelt  so  srofs ,  als  die  Wirkung  eines  unter- 
schlächtigen  Rades  sey ;  er  folgerte  zugleich  aus  sei- 
nen Versuchen,  dafs  die  vortheilhafteste  Geschwin- 
digkeit eines  oberscblächtigen  Wasserrades,  um  den 
gröfsten  Effekt  möglichst  zu  erreichen,  die  sey,  bei 
welcher  ein  Punkt  im  Umfange  desselben  in  jeder 
Sekunde  einen  Weg  von  3  Fufs  zurück  legt,  ohne  dafft 
die  Gröfse  des  Rades  hierauf  Einflufs  habe. 

In  den  Jahren  1759  und  1762  machte  der  be- 
kannte italienische  Mathematiker  und  Naturforscher 
Papacino  (t  Antoniy  nebst  mehreren  andern  schä- 
tzenswerthen  Versuchen :  den  gröfsten  Effekt  bei  der 
Bewegung  von  Maschinen  überhaupt  auszumittelu, 
die  er  im  2ten  Bande  seiner  im  Jahre  1774  '^  Turin 
herausgegebenen  Werke  (Jnstituzioni  F isico-Mecca- 
niche  per  le  Regie  Scuole  d  järtiglieria  e  Fortifica' 
zione)  beschreibt,  auch  sehr  wichtige  Versuche  über 
Wasserräder,  wodurch  er  ebenfalls  findet,  dafs  bei 
übrigens  gleichen  Umständen  die  Wirkung  eines  am 
vortheilhaftesten  angelegten  oberscblächtigen  Wasser- 
rades beinahe  doppelt  so  grofs  sey,  als  die  gröfste 
Wirkung  eines  unterschlächtigen  Wasserrades. 

Übrigens  hat  auch  Herr  Nordwally  ein  schwe- 
discher Bergmechanikus ,  sehr  bedeutende  Versuche 
über  Wasserräder  angestellt,  und  daraus  viele  brauch- 
bare Verhaltungsregeln  für  die  Anwendung  derselben 
aufgestellet.  So  wie  ich  endlich  noch  der  sehr  scharf- 


ao3 

sinnigen  Abhandlting  iibe/  oberschlächtige  Wasserrä- 
der i^on  Herrn  Direktor  ^on  Gerstner  zu  Prag  er- 
wähnen mufs^  die  er  im  Jahre  1809  heraus  gab^  und 
vrorin  er  das  besondere  Verdienst  hat^  eine  bei  wei- 
tem bessere  und  richtigere  Schauflung  aufgestellt  zu 
haben^  ab  sie  sonst  gewöhnlich  ausgeführt  wurde. 

Bekanntlich  theilet  man  die  Wasserräder^  nach 
der  Wirkungsart  des  Wassers  ^  in  drei  Hauptgattun- 
gen ^  unH  zwar  in  das  oberschlächtige  Wasserrad^  bei 
welchem  ^as  oben  hergeleitete  Wasser  von,  am  Um- 
fange des  Rades  angebrachten  Zellen,  aufgenommen 
wird,  und  fast  gänzlich  durch  den  Druck  wirkte  in 
das  unterschlächtige  Rad,  bei  welchem  das  Wasser 
auf  die  Schaufeln  von  unten  durch  den  Stofs  wirkt; 
und  endlich  in  das  mittelschlächtige  -  oder  Kropfrad, 
bei  welchem  das  Wasser  theils  durch  den  Druck, 
theils  durch  den  Stofs  wirksam  wird. 

Um  nun  bei  der  Untersuchung  des  oberschläch- 
tig^en  Wasserrades  eine  leichtere  Übersicht  zu  erhalten, 
90  sollen,  nachdem  ich  nach  Elcmen  targrün  den  im 
Allgemeinen  gezeigt  habe,  wie  man  sich  die  Wir- 
kung des  Wassers  auf  ein  solches  Rad  vorzustellen 
habe  9  folgende  Punkte  besonders  behandelt  werden, 
nähmlich:  welches  Yerhältnifs  findet  zwischen  dem 
Kraftaufwande  des  Wassers  und  dem  zii  erreichenden 
gröfsten  Effekte  des  oberschlächtigen  Wasserrades 
Sutt?  welches  ist  die  vortheilhaf teste  Geschwindig- 
keit eines  oberschlächtigen  Wasserrades,  um  den 
gröfsten  Effekt  möglichst  zu  erreichen  ?  wie  hoch 
soll  man  ein  oberschlächtiges  Wasserrad  im  Yerhält- 
nifs  der  Gefällshöhe  des  Wassers  anordnen  ?  Regeln 
für  die  vortheilhafteste  Schaufelstellung  oberschläch- 
tiger  Wasserräder.  Genauere  Bestimmung  des  Effek- 
tes oder  mechanischen  Momentes  eines  oberschläch- 
tigen Wasserrades.  Nachdem  alle  diese  Punkte  be- 
handelt sind,  werde  ich  die  aufgesteUten  Sätze  und 


do4 

Regeln  durch  ein  Beispiel  zu  erläutern  suchen^  und 
das  Ganze  mit  einigen  Bemerkungen  über  die  prakti- 
sche Ausführung  oberschläcjitiger  Wasserräd!er  he- 
schliefsen. 

Wirkung  des  Wassers  auf  ein  oberschlächtiges 

Wasserrad, 

Da  das  von  oben  hergeleitete  Wasser  von  Zellen 
aufgenommen  wird^  welche  im  Umfange  des  Rades 
angebracht  sind^  so  mufs  durch  das  Gewicht  des^ 
nur  auf  der  einen  Seite  des  vertikalen  Durchmessers 
aufgenommenen  Wassers^  das  Gleichgewicht  gegen 
die  andere  leere  Hälfte  gestört^  und  bei  einer  ver- 
hältnifsmäfsigen  Belastung  die  Drehung  des  Rades 
möglich  werden.  Obschon  das  Wf^sser  am  Umfange 
des  Rades  von  den  Schaufeln  unterbrochen  wird,  so 
wollen  wir  doch  vorläufig  der  gröfsern  Einfachheit 
wegen  annehmen,  dafs  über  einen  Theil  des  Rad- 
umfanges  ein  Wasserring  gleichförmig  vertheilt  sej, 
und  untersuchen,  welche  Wirkung  hieraus  für  das 
Rad  entstehet.  Es  sey  daher  AOP  Q  Fig.  i.Tab.  V. 
der  senkrechte  Durchschnitt  von  einem  Theile  eines 
solchen  Wasserringes,  DEG  sey  die  Schwerpunkts- 
linie desselben,  AB  ein  vertikaler  Durchmesser  des 
Rades  und  CO  stehe  darauf  senkrecht;  wenn  wir 
jetzt  an  einer  beliebigen  Stelle  einen  sehr  kleinen 
Theil  DE  yon  dem  Wasserringe  betrachten,  PannA 
Ob  perpendikulär  auf  CO  errichten,  durch  die 
Punkte  /?  und  jB  die  Parallelen  IDb  und  KED  mit 
CO  parallel  ziehen,  und  endlich  noch  den  Punkt  D 
mit  dem  Mittelpunkte  C  verbinden:  so  wird,  wenn 
der  Bogen  DE  so  klein  gedacht  wird ,  dafs  man  ihn 
für  eine  gerade  Linie  ansehen  kann,  das  rechtwink- 
lige Dreieck  DLE mit  dem  Dreiecke  ID C  ähnlich, 
indem  ihre  Seiten  wechselweise  auf  einander  senk- 
recht  stehen,  mithin  haben  wir  die  Proportion ,  DE: 
DL=  CD:  ID  oder  DE:  ac  =  CG:  ID  und 
daraus  DEX  ID  ^acXCG.     Da  aber  das  Ge- 


!105 

wicht  des  Wasserringes  yon  der  Lange  1)E,  dieser 
Länge  selbst  proportional  ist^  und  hier  in   der  Ver- 
gleichnng  das  eine  fiir  das   andere  gesetzt  werdea 
kann^  so  drückt  das  Produkt  DE  X  ID  das  slAlische 
Moment  dieses  Wassertheilchens   a)^    oder  das  Be- 
streben desselben  für  die  Umdrehung  des  Rades  aus ; 
eben  so  wird^da  ac  das  Gewicht  einer  Wassersäule  voa 
der  Höhe  a  c  und  dem  Querschnitt  des  Wasserringes 
bezeichnet^  das  Produkt  ac^i^  G  das  statische  Mo- 
ment der  auf  PO  senkrecht  wirkenden  Wassersäule 
abcdy  die  mit  dem  Wasserringe  einerlei  Querschnitt 
hat,  ausgedrückt.     Es  ist  daher  für  die  Wirkung  des 
Rades  einerlei,  ob  man  sich  das  Wassertheilchen  pq 
in  DEy  oder  die  entsprechende  Wassersäule  ab  cd 
in  PO  senkrecht  auf  CO  wirksam  denkt;   da  femer 
das  eben   Erwiesene    yon  jedem  andern  Theilchen 
des  Wasserringes  gezeigt  werden  kann,  so  folgt,  dafs 
auch  die  Summe  der  statischei|  Momente  alier,  den 
Ring  bildenden  Wassertheilchen  eben  so  grofs  ist,  ab 
die  Summe  der    statischen  Momente   aller  entspre- 
chenden ,  in  P  O  vertikal  wirkenden  Wassersaulchen. 
Wäre  daher  der  Wasserring  über  den  Bogen  DGM 
gleichförmig  Tertheilt,  so  würde  dieses  für  die  Wir- 
kung des  Rades  eben  so  viel  seyn ,  als  wenn  im  Punkte 
G  das  Gewicht  einer  Wassersäule ,  von  der  Höhe  a  e 
und  demselben  Querschnitte  des  Wasserringes  ange- 
bracht wäre. 

Es  ergibt  sich  daher  schon  aus  dieser  Betrach- 
tnng ,  clafs  die  Wirkung  eines  oberschlächtigen  Was- 
serrades um  so  gröfser  sey ,  je  gröfser  der  Querschnitt 
and  die  Länge  des  wasserhaltigen  Bogens  ist;  mithin 


i)  Da  //>  eigentlich  darch  die  3IiUe  Ton  DEj  nahmlicb  dem 
Schwerpunkte  dieses  Wassertheilchens  gehen  sollte,  so  wird 
diese  Ajinahme  um  wa  richtiger,  je  kleiner  DE  gedreht 
urird,  weil  dann  der  eigenthümlicbe  Abstand  dieses  Schwer« 
punktes  von  der  ▼ertikalen  AB^  mit  ID  Terwechselt  trer« 
den  darf. 


\ 


206 

m 

würde  bei  gegebenem  Durchmesser  des  Rades  und 
Querschnitt  des  Wasserringes  das  statische  Moment 
des  Rades  am  gröfsten^  wenn  sich  der  Wasserring 
über  den  halben  Umfang  des  Rades  erstreckte,  weU 
dann  die  Höhe  der  wirksamen  ^Wassersäule  das  Maxi- 
mum, n'ahmlich  die  Gröf&e  des  Durchmessers  erreicht 
hätte. 

Welches  F'erhältnifs  findet  zwischen  dem  Kraft- 
aufwände  des  fVasserSy  und  dem  zu  erreichen- 
den größten  Effekte  des  oberschlächtigen  PF^as- 
serrades  Statt? 

Der  Kraftaufwand  des  Wassers  mufs  nothwendig 
nach,  der  Menge  und  der  Höhe  beurtheilt  werden, 
durch  welche  dasselbe  während  der  Wirkung  herab- 
fallen mufs,  weil  man  dieselbe  Wassermenge  wieder 
auf  die  nähmliche  Höhe  erheben  müfste,  um  die 
Wirkung  davon  ein  zweites  Mahl  zu  erhalten^  Ich 
brauche  kaum  zu  erinnern,  dafs  die  so  in  Rechnung 
gebrdchte  Wirkung  des  verwendeten  Wassers  immer 
gröfser  ausfallen  müsse ,  als  die  dadurch  erlangte  Wir- 
kung des  oberschlächtigen  Wasserrades,  und  dlafs  sich 
ferner  das  Verhältnifs  zwischen  beiden  Wirkungea 
nur  durch  die  Erfahrung  mit  einiger  Sicherheit  be- 
stimmen läfst.  Herr  Smeaton,  welcher  hierüber 
mehrere.  Versuche  machte,  fand  dieses  Verhältnifs 
im  Mittel  wie  3 :  2,  d.  h. ,  wenn  man  die  in  einer  be- 
stimmten Zeit  verwendete  Wassermasse  in  ihre  Falls- 
höbe  multiplicirt  und  auch  das,  von  dem  am  vortheil- 
haftesten  angelegten  oberschlächtigen  Wasserrade 
während  dieser  Zeit  gehobene  Gewicht  in  diese  Hub- 
höhe multiplicirt,  so  verhalten  sich  diese  Produkte 
wie  3 : 2,  oder  das  erste  Produkt  ist  i§  Mahl  so  grofs 
als  das  zweite.  Da  er  auch  ferner  durch  seine  Ver- 
suche gefunden  hat,  dafs  das  Verhältnifs  zwischen 
der  Wirkung  des  Wassers  und  der  gröfsten  Wirkung 
eines  dadurch  betriebenen  unterschlächtigen  Wasser- 


ao7 

rades  im  Mittel  wie  3:  i  sey;  so  folgt  von  selbst,^  dafs 
bei  gleichen  Umstanden  die  Wirkung  eines  ober- 
schläcbtigen  Wasserrades  als  doppelt  so  vgrofs ,  als 
die  eines  unterscblächtigen  Wasserrades  angenommen 
werden  könne. 

Ohne  die  Erfahrung  zii  Rathe  zu  ziehen ,  könnte 
man  leicht  versucht  werden  zu  glauben ,  dafs  es  fiir 
die  Wirkung  einerlei  seyn  müsse^  ob  eine  gewisse 
Wassermenge  durch  eine  bestimmte  Höhe  frei  herab- 
fällt, und  mit  der  dadurch  erlangten  Geschwindigkeit 
an  die  Schaufeln  eines  unterscblächtigen  Rades  stofse, 
oder  ob  diese  Wassermenge  durcb  dieselbe  Höhe  all- 
mählich herabsinke ,  und  durch  den  Druck  auf  ein 
oberscblächtiges  Wasserrad  wirke,  weil  wirklich  der 
SLraftaufwand  des  Wassers  in  beiden  Fällen  gleich  ist; 
da  wir  aber  durch  die  Erfahrung  des  Gegentheiles 
überwiesen  werden,  und  die  erstere  Wirkung,  um 
die  Hälfte  kleiner  finden,  als  die 'letztere,  so  müssen 
wir  schliefsen,  dafs  durch  den  Stofs  des  Wassers  ein 
Theil  der  Wirkung  für  die  Änderung  der  Formen  in 
den  unvollkommen  elastischen  Körpern  verwendet^ 
nnd  so  dem  Effekte  des  unterscblächtigen  Rades  ent- 
zogen wird.  Wenn  daher  der  berühmte  Belidor  für 
denTlffekt  eines  unterscblächtigen  Wasserrades  fast 
mehr,  als  für  die  Wirkung  eines  oberschlächtigen Ra- 
des herausbringt,  so  müssen  wir  die  Ursache  dieses 
Irrthums  gröfsten  Theils  der  Vernachläfsigung  dieses 
Punktes  zuschreiben.  Es  läfst  sich  übrigens  rein  theo- 
retisch zeigen,  dafs  der  gröfste  ESekt  eines,  durch 
den  Stofs  des  Wassers  betriebenen  Rades  nur  halb 
so  grofs  sey,  als  wenn  man  dieses  nach  der  Höhe,  die 
der  Geschwindigkeit  des  anstofsenden  Wassers  zuge- 
hört, durch  das  Gewicht  wirken  läfst;  die  Erörterung 
und  den  Beweis  hievon  behalte  ich  mir  bis  zur  Be- 
handlung der  unterscblächtigen  Wasserräder  vor. 


Welches  ist  die  s^ortheilhaf teste  Geschwindigkeit 
eines  oberschlächtigen  tVasserrades ,  um  den 
möglichst  gröfsten  Effect  zu  erreichen  ? 

Über  diese  wichtige  Frage  waren  die  berühmte- 
sten Naturforscher  keinesweges  einerlei  Meinung. 
Herr  Belidor,  welcher  die  Wirkung  des  oberschläch- 
tigen Wasserrades  bei  gleichen  Umständen  mit  der 
des  unterschlächtigen  für  einerlei  hält,  behauptet, 
dafs  die  vortheilhaflestc  Geschwindigkeit,  mit  der  sich 
das  oberschlächtige  Rad  bewegen  solle,  in  einem  be- 
stimmten Verhältnisse  mit  jener  stehe ,  die  der  ganzen 
Fallshöhe  des  Wassers  zugehöre.  DesaguilierSy 
Sm^aton,  Lambert,  Des  Parcieux'  und  Andere, 
welche  den  Effekt  des  oberschlächtigen  Rades  für  dop- 
pelt so  grofs  annehmen,  als  jenen  des  unterschläch- 
tigen Rades ,  sind  der  Meinung ,  dafs  keine  solche 
Beziehung  Statt  finde,  sondern,  dafs  der  Effekt  eines 
oberschlächtigen  Wasserrades  um  so  grofser  werde^ 

1'e  langsamer  sich  dieses  bewege.  Dafs  aber  diese 
etztere  Behauptung  im  Allgemeinen  richtig  sey ,  soll 
aus  folgenden  Schlüssen  hervorgehen :  Wenn  eia 
Körper  frei  ausgelassen  wird,  so  fällt  er  der  Einwir- 
kung der  Schwerkraft  wegen,  in  einer  bestimmten 
Zeit  von  einer  gewissen  Höhe  herab,  und  die  ganze 
Kraft  wird  dazu  verwendet,  diesem  am  Ende  dieser 
Zeit  eine  bestimmte  Geschwindigkeit  einzurücken. 
Fällt  aber  dieser  Körper  nicht  frei  herab,  sondern  be- 
wegt er  während  seinem  Herabsinken  noeh  einen  an- 
dern, oder  bringt  er  auf  diesen  sonst  einen  Effekt 
hervor;  so  wird  seine  Bewegung  verzögert,  indem 
ein  Theil  der  Schwerkraft  zur  Bewegung  dieses  neuen 
Körpers  verwendet  wird ,  und  er  sich  gleichsam  nur 
mit  dem  Reste  dieser  Kraft  beweget ;  um  so  langsamer 
daher  dieses  Herabsinken  geschieht,  um  so  mehr  Kraft 
mufs  für  die  Bewegung  oder  Hervorbringung  irgend 
eines  Effektes  auf  diesen  neuen  Körper  verwendet 


909 

werden ,  und  um  so  grofser  mnfs  also  auch  die  Wie« 
Lang  auf  diesen  neuen  Körper  selbst  sejrn. 

Fällt  das  Wasser  in  die  Zelle  eines  oberschlAch« 
tigen  Wasserrades^  so  wird  jede   Zelle  um  so  mehr 
Wasser  aufnehmen ,  je  langsamer  das  Rad  sich  he we- 
gei,  und  umgekehrt ;  es  wird  also  an  Kraft  gewqnnen^ 
was  an    Geschwindigkeit  ^verloren  gehet  ^  und  wieder 
durch  die  Geschwindigkeit  ersetzt^  was  an  Krafl  ab- 
gehet.    Aus  diesem  Gesichtspunkte    daher  blofs  be^ 
trachtet,  würde  das  mechanische  Moment  des  Rades 
immer  dasselbe  bleiben,  welche  Geschwindigkeit  die* 
ses  auch  immer  haben  mag,    weil  das  Produkt  aus 
der  Kraft  in  die  Geschwindigkeit  beständig  ist^  obgleich 
die  (Faktoren  selbst  veränderlich  sind  ^    wendet  man 
aber  das  eben  Gesagte  auf  das   schneller  oder  lang« 
samerc  Herabsinken  des  Wassers  in  den  Zellen    an, 
so  folgt,  dafs  der  Effekt  des  Wassers   auf  ein  ober- 
scUächiiges  Wasserrad  um  so  gröfser  sey ,   je  langsa- 
mer sich  dieses  beweget,    und  also  wird  auch  der 
Tom  Rade  geleistete  Effekt  in  demselben  Mafse  gröfser. 

Da  ich  diesen  Punkt  für  die  vortheilhafteste  Be- 
niitzung  eines  oberschlächtigen  Wasserrades  mit  als 
einen  der  wichtigsten  halte ,  und  zugleich  der  Müh- 
lenbaaer  giewöhnlich  den  natürlichen  Wunsch  hegt, 
da(s  sich  das  Wasserrad  schnell  bewegen  soll,  widri- 

Sen  Falls  er  dieses  als  überladen  ansieht ;  $o  will  ich 
lesen  Satz,^  der  daher  Manchem  paradox  scheinen 
konnte,  noch  auf  folgende  Art,  ohne  mich  in  alge- 
braische Kalküls  einzulassen,  zu  erörtern  suchen. 
Man  denke  sich  eiii  oberschlächtiges  Wasserrad  von 
z.jB.  4o  Zellen  so  angeordnet,  dafs  alles  von  oben 
zogeführte  Wasser,  welches  in  jeder  Sekunde  8  Ku<* 
bikfuls  betragen  soll,  gänzlich  aufgenommen,  und  in 
einer  bestinmiten  Tiefe  wieder  ausgeschüttet  werde, 
das  Rad  mag  übrigens  was  immer  für  eine  Geschwin- 
digkeit haben.     Um  ferner  eine  leichte  Yergleichung 

lümh,  ^  p«ljt.  tH^t.  IV.  lU.  i4 


310 

fiir  den  Effekt  dieses  Rades  zu  erhalten  y   so  nehme 
manan^  dafs  mittelst  anf^cbrachter  Scfaöpfzellen^  de* 
ren  ebenfalls  4o  seyn  sollen  y  das  Wasser  wieder  ge* 
hoben  werden  solle,  und  dafs,  wenn  jede  aufsteigende 
Schöpfzelle  halb  so  viel  Wasser  enthält,  als  jede  nie- 
dergehende Badzelle,  das  Bad  eine  gleichförmige  Be- 
wegung erhalte,  und  in  i5  Sekunden  ein  Mahl  um- 
fehe.     Da  nun  diese  4o   Badzellen  während   i5  Se- 
unden  8X  i5  =:  1:20  Kubikfufs  Wasser  aufnehmen, 
daher  auf  jede  Zelle  3  Kubikfufs  kommen,   so  erhält 
jede  aufsteigende  Schöpfzelle  der  Voraussetzung  ge- 
mäfs  I-  Kubikfufs,   mithin  alle  4o  Zellen  60  Kubik- 
fufs Wasser,  die   in   i5  Sekunden  gehoben  werden; 
also  werden  auf  diese  Weise  in  einer  Minute  4  X  60 
s=s  2^0  Kubikfufs  Wasser  gehoben.     Man  nehme  nun 
an,  dafs  sich  das  Bad  jetzt  nur  mit  der  halben  vorigen 
Geschwindigkeit  bewege ,  und   daher  zu  einer  Um- 
drehung 36  Sekunden   brauche ;    so  wird  jetzt  jede 
niedergehende  Badzelle  6  Kubikfufs  Wasser  au£ueh- 
men,  und  wenn  man  vorläufig  wieder  annimmt ,  dafs 
jede  aufsteigende  Schöpfzelle  die.  Hälfte«  dieser  Was- 
sermenge,   oder  3  Kubikfufs   enthalte,    so  werden 
während  3o  Sekunden  3  X  4o=3  120  Kubikfufs,  oder 
in  einer  Minute  2  X  i^o  =  :24o  Kubikfufs  Wasser^ 
wie  zuvor  gehoben.     Es  ist  aber  klar,    dafs  bei  der 
Annahme:  jede  aufsteigende  Schöpfzelle  soll, wie  im 
ersten  Falle,  halb  so  viel  Wasser  enthalten,  als  jede 
niedergehende  Badzelle  >    keine   Ursache    vorhanden 
wäre,    die  Geschwindigkeit  des  Bades  nur  halb  so 
grofs ,  wie  im  ersten  Falle  anzunehmen ,  indem  noch 
immer  dasselbe  Yerhältnifs  zwischen  Kraft  und  Last 
Statt  findet  ß).     Es.  mufs  daher  in  diesem  zweiten 

p)  Wenn  man  nälimlich  an  den  Enden  einer,  über  eine  Rolle 
geschlagenen  Schnur  Gewichte  anhängt,  so  wird  die  Be- 
schleunigung des  sinkenden  Gewichtes  immer  dieselbe  seyn, 
man  mag  an  dem  einen  £nd^  1 ,  an  dem  andern  9  Pfunde, 
oder  an  dem  erstem  Ende  a,  an  dem  letEtern  4  Pfunde, 
oder  endlich  allgemein  ,  an  dem  einen  Ende  p ,  und  an  dem 
andern  Ende  ap  Pfunde    anhängen;    denn  in  der  Formel, 


Falte ,  damit  diese  langsamere  Bewegung  möglich  wird, 
jede  Schöpfzelle  mehr,  als  die  haihe  Wassermenge 
jeder  Radzelle  enthalten,  daher  werden  in'  3o  Se- 
kunden mehr,  als  120  Kubikfufs,  tmd  endlich  in  einer 
Minute  mehr,  als  ^4^  Kubikfufs  Wasser  gehoben. 
Da  sich  dasselbe  Raisonnement  von  dieser  Geschwin- 
digkeit wieder  auf  die  halbe  u.  s.  w.  macheii  läfst} 
so  folgt,  dafs  der  Effekt  eines  oberschlächtigen  Was- 
serrades um  so  gröfser  sey^  je  kleiner  die  Geschwin- 
digkeit ist,  mit  der  sich  diieses  beweget,  und  dafs  da- 
her, alles  Übrige  aufser  Acht  gelassen,  dieser  Effekt 
ein  Gröfstes  wiirde,  wenn  sich  dieses  unendlich  lang- 
sam bewegte. 

Der  eben  auseinander  gesetzte  Satz  wird  auch 
dorch  die  Versuche  des  Herrn  Smeaton ,  bis  auf  eine 
gewisse  Gränze  vollkommen  bestätiget;  er  fand  den 
£ffekt  des  Rades,  dessen  er  sich  zu  seinen  Versuchen 
bediente  y)  am  Gröfsten ,  als  dieses  in  einer  Minute 


Gzzi  g.  _  =  ^ .  *^ — t  =  g .  -j£-  -zzl.  gy  welche    in  die- 

M'  '^p-VP  ^P         ' 

sem  Falle  die  Beschleunigung  ausdrückt,  bleibt  diese  fUr 
jeden  Werth  von  p  ungeandert,  die  gleich  ^/^  g^  ivobei  g 
die  Beschleunigung  frei  fallender  Korper  oder  nahe  gleich 
i5*.  5  Fufs  ist.  Da  sich  aber  das  Bau  iiir  den  Beharrungs- 
stand gleichförmig  bewegt,  so  mufs  dieses ^ immer  eine 
solche  Geschvrindiglicit  annehmen,  dafs  die  entstehenden 
Hindernisse  dieser  Beschleunigung  eerade  gleich  werden, 
und  diese  aufheben;  *je  kleiner  also  die  Geschwindigkeit  des 
B^es  werden  soll ,  aesto  kleiner  mufs  auch  die  Beschleu* 
^  nigung  G,  daher  bei  derselben  bewegenden  Kraft  Py  um 
so  gröfser  die  bewegte  Masse  M  werden. 

y)  Das  Bad  hatte  nur  s4  englische  Zolle  im  Durchmesser« 
war  also  blos  ein  Modell  eines  oberschlächtigen  Wasserra- 
des« Obschon  man  aber  bei  Übertragung  von  Besultaten 
vad  Schlüssen  auf  grofse  Maschinen ,  die  man  aus  Versu- 
chen mit  Modellen  gesogen  hat^  Sufserst  vorsichtig  seyn 
VKaX%^  wenn  man  nicht  oft  die  bedeutendsten  Fehlgriffe 
thun  will;  so  können  wir  dennoch  diesem  geschickten  und 
verläislichen  Ingenieur  bei  seinen  Versuchen  und  den  dar- 
aus hergeleiteten  Schlüssen  alles  Zutrauen  schenken«  und 
um  SU  seieen.  wie  er  selbst  hierüber  gedacht  hat  9  will  ich 

i4* 


3IA 

* 

30  Umdrehungen  machte ;  um  -^  wurde  dieser  Effekt 
bei  3o  — '  und  um  ^  bei  4o  Umdrehungen  in  der  Mi- 
nute  vermindert.  Als  er  aber  daä  Rad  so  weit  bela- 
stete ,  dafs  es  in  einer  Minute  weniger  als  lÖ  Umdre- 
hungen machte^  so  wurde  die  Bewegung  desselben 
schon  s^hr  ungleichförmig. 

Obschon  also  der  aufgestellte  Satz  ^  hinsichtlich  der 
langsamen  Bewegung  des  oberscblächtigen  Wasser- 
rades theoretisch  richtig  ist^  so  darf  man  doch  kei- 
nesweges  in  der  Ausübung  eine  gewisse  Gränze  über- 
schreiten,  je  langsamer  das  Rad  umgehet  ^  desto  mehr 
Wasser  mufs  jede  Zelle  aufnehmen  können^  und  es  kann 
dadurch  die  Gröfse  und  das  Gewicht  des  Rades  so 
sehr^  anwachsen  ^   dafs   die  Vortheile  der  langsamen 

die  Einleitung  seines  Berichtes  über  die  Versuche  mit  Was- 
serrädern ,  der  in  der  königl.  Gesellschaft  tu  London  den 
loten  Mai  1759  gelegen  wurde y  hierher  setzen: 

)»Der  Gegenstand  dieses  Berichtes  sind  die  Resultate  toh 
»Versuchen,    welche    ursprünglich    mit    Modellen   gemacht 
»wurden.     Ich  halte  unter  allen  Hülfsmittqln  dieses  för  dsts 
»geschickteste ,  um  in  der  praktischen  Mechanik  jenen  Grad 
»aer  Genauigkeit,  dessen  sie  fähig  ist,    zu  erlangen,   wohl 
»wissend,   dafs  bei  der  Anwendung  desselben   alles   darauf 
ankommt,  xu  entscheiden,  in   wie  weit  ein   Modell  mit  dor 
»wirklich  im  Grofsen  ausgeführten  Maschine  übereinstimmt^ 
»widrigen  Falls  ein  solches  "Modell  eher  dazu  dienen  kann, 
»uns  von  der  Wahrheit  zu  entfernen  ,^  als  derselben  zu  nä- 
»hern;  daher  auch  die  allgemeine  Bemerkung ,  dafs  ein  Ver- 
»such  im  Modelle  sehr  wohl    gelingen   kann ,    während   er 
»bei    der    Wiederhohlung   im    Grofsen   gänzlich    mifslingt. 
»Man  mag  auch  übrigens  bei  solchen  Versuclfcn  im  Kleinen 
»was  immer  für  Vorsicht  gebrauchen,   so  ist  man  dennoch 
»von  der  richtigen    Konstruktion   der    wirklichen  Maschine 
»im  Grofsen  nur  dann   erst   vollkommen    überzeugt,   wenn 
»man  diese   selbst   den   Versuchen  unterworfen   hat.     Aus 
»diesem  Grunde  habe  ich  die  Bekanntmachung  der  Versuche 
»über   Wasserräder,    die   ich  in  den   Jahren    175a   und   53 
»mit  Modellen  veranstaltete ,  und  den  daraus  hergeleiteten 
»Schlüssen  so  Linge  verschoben ,  bis  ich  Gelegenheit  hatte, 
»diese  durch  die  Erfahrung  vielfaltig  zu  erproben   und   zu 
»verificircn,   so^  dafs  ich  tiir  die   Übereinstimmung   dieser 
»Besultatc  mit  jenen,  die  sich  in  der  Anwendung  ergeben, 
»bürgen  kann.« 


ai3 

Bewegung  y  durch  die  Nachtheile  der  vermehrten 
Reihung  und  der  gröfsern  Schwierigkeit  im  Baue 
selbst^  hei  weitem  überwogen  werden.  Die  aus  den 
Versuchen  sich  ergehende  vortheilhafteste  Geschwin- 
digkeit ist  die^  hei  welcher  ein  Punkt  im  Umfange  des 
Bades  jede  Sekunde  einen  Weg  von  3  Fufs  zurück 
jegt;  man  hat  jedoch  dieses  in  der  Anwendung  nur 
ab  eine  Mittelzahl  anzusehen^  von  d^r  man  sich  hei 
greisen  Rädern  um  so  mehr  entfernen  kann,  je  grös- 
ser sie  selbst  sind ,  und  ein  Wasserrad  von  20  Fufs 
Durchmesser  kann  sich  mit  6  Fufs  Geschwindigkeit 
bewegen^  ohne  dafs  man  furchten  darf,  an  Effekt 
merklich  zu  verlieren.  Auf  der  andern  Seite  bemerkt 
Herr  Smeaton,  dafs  er  ein  oberschlä4:htiges  Wasser- 
rad von  33  Fufs  i)  Höhe  gesehen  habe,  welches  sich 
noch  sehr  gleichförmig  mit  2  Fufs  Geschwindigkeit 
bewegte;  es  ist  wahrscheinlich,  dafs  diese  Abwei- 
chungen hei  grofsen  Rädern  dcfshalb  weniger  nach- 
theUig  sind,  weil  die  Fallshöhen,  die  den  inner- 
halb diesen  Gränzen  liegenden  Geschwindigkeiten  zu- 
gebören,  schon  sehr  unbedeutend  gegen  die  ganze 
Fallshöhe  des  Wassers  werden.  Nimmt  die  Geschwin- 
digkeit des  Rades  so  weit  ab ,  dafs  ein  Punkt  im  Um- 
fange weniger  als  2  Fufs  in  einer  Sekunde  zurücklegt, 
so  wird  die  Bewegung  desselben  in  der  Regel  schon 
sehr  irregulär, 

Herr  Borda  zeigte  in  seiner  Abhandlung  über 
oberschlächtige  Wasserräder,  dafs  sich  das  Rad  fiir 
die  voittheilhafteste  Wirkung  mit  der  halben  Ge- 
schwindigkeit bewegen  müsse,  mit  der  das  Wasser  in 
die  Zellen  stürzt ;  eben  so  findet  Herr  d^  Antoni  Pa-» 
pacino  durch  seine  Versuche,  dafs  diese  vortheil- 
hafteste Geschwindigkeit  des  Rades  zwischen  -^  und 


Z}  £s  müisen  sowohl  hier,  wie  bei  alten  Er^vahnungen  der 
Herrn  Snuaton  und  Robiion^  englische'  Fufse  verslanden 
ivcrden. 


:2i4 

I-  der  Geschwindigkeit fdes  in  die  Zellen  tretenden 
Wassers  Hege»  Da  nun  bei  der  Behandlung  des  fol- 
genden Punktes  gezeigt  werden  soll^  dafs  der  Effekt 
eines  oberschlächtigen  Wasserrades  zunimmt,  wie 
die  Fallshöhe  des  Wassers  in  di^  Zellen  abnimmt^  je 
langsamer  daher  dieses  in  die  Zellen  .einstiirzt;  so 
stimmen  auch  diese  Resultate  mit  den  obigen  überein. 

Es  mufs  endlich  noch  einer  Ursache,  gedacht 
werden,  welche  die  langsame  Bewegung  der  ober« 
schlächtigen  Wasserräder  notb wendig  macht,  und 
dieses  ist  die  Centrifugal-oder  Fliehekraft,  mit  der 
sich  alle  im  Kreise  bewegten  Körper  von  dem  Mittel- 
punkte, desselben  entfernen  wollen.  Dieses  Bestre- 
ben wird  bekanntlich  um  so  gröfser,  je  schneller  die 
Bewegung  im  Kreise  geschieht ;  bei  einer  schnellen 
Bewegung  des  Wasserrades  daher  wird  auch  das 
Wasser  in  den  Zellen  durch  diese  Schwungkraft  nach 
äufsen  bewegt,  und  dadurch  die  frühere  Ausleerung 
der  Zellen,  also  auch  eine  Vermin derurig  des  Effekte^ 
herbei  geführt.  Ich  glaube,  dafs  diese  kleine Bemer- 
kujig  über  diesen  Punkt  hier  hinreichend  sey^  und 
enthalte  mich  daher  aller  weitläufiigei^  theoretischen 
Berechnungen  hierüber. 

Bevor  ich  jedoch  die  Betrachtung  über  die  Ge- 
schwindigkeit oberschlächtiger  Wasserräder  sckliefse, 
mufs  ich  noch  bemerken,  dafs  die,  für  die  Erreichung 
eines  gröfsercn  Effektes  so  vprtheilbafte  langsame  Be- 
wegung dieser  Bäder,  dennoch  nicht  immer  unbe- 
dingt ange>vendet  werden  kann.  Wenn  die  Geschwin- 
digkeit derselben  nicht  schon  aus  andern  noch  zu  be- 
rührenden Gründen  bestimmt  ist,  so  ist  es  für  den 
langsamen  Gang  oberschlächtiger  Wasserräder  eine 
unerläfslicbe  Bedingung,  dafs  die  dadurch  betriebe- 
nen Maschinen,  einen  möglichst  gleichförmigen  Wider- 
stand leisten ;  widrigen  Falls  die  dadqrcb  entstehende 
Ungleichförmigkeit  in    der  Bewegung     \ou  der  i" 


?i5 

langsamen  bewegten  Masse  des  Wasserrades  nicht  nur 
nicht  gehoben  werden  kann,  sondern  auch  noch  ver- 
möge einer,  diesem  Rade  eigenthünilicheu  Eigenschaft 
vergröfsert  wird.  Wenn,  um  ein  aufiallendes  Bei^ 
spiel  zu  geben,  mit  einem  oberschlächtigen  Wasser- 
rade eine  Pumpe  betrieben  werden  soll,  so  wird  die- 
ses durth  die  eine  halbe  Umdrehung,  während  wel- 
cher der  Kolben  nähmlich  gehoben  wird,  gans,  durch  die 
andere  halbe  Umdrehung  hingegen,  während  der  Kol- 
ben wieder  niedergehet,  fast  gar  nicht  belastet  seynj  es 
wird  also  schon  dieser  Ursache  wegen,  wenn  übrigens 
noch  das  mechanische  Moment  des  Rades  jenem  der 
Pumpe  gleich  ist,  die  eine  halbe  Umdrehung  des  Rades 
langsamer,  (£e  andere  Hälfte  aber  schneller  geschehen. 
Wenn  wir  nun  annehmen,  dafs  der  Kolben  gerade 
im  Niedergehen  begrifien  sey,  so  wird  sich  das  Rad, 
da  es  fast  keinen  Widerstand  zu  überwinden  hat, 
schneller  bewegen,  und  die  Zellen  werden  daher  bei 
ihrem  Durchgange  unter  dem  Gerimie  zu  wenig  Was- 
ser bekommen;  wie  nun  der  Kolben  wieder  gehoben 
werden  soll  und  der  Widerstand  anfängt ,  haben  die 
Zeilen  so  wenig  Wasser ,  dafs  das  Rad  plötzlich  lang* 
samer  gehet  und  endlich  vielleicht  gar  stehen  bleibt. 
In  diesem  Falle  wird  aber  die  Zelle,  die  gerade  unter 
dem  Ausflusse  des  Wassers  aus  dem  Gerinne  stehet, 
ganz  gefüllt,  von  da  stürzt  das  Wasser  in  die  nächste 
Zelle  u.  s.  w.  bis  die  Bewegung  des  Rades  wieder 
eingeleitet  wird;  da  aber  diese  Bewegung  nur  lang- 
sam anfängt,  so  werden  auch  noch  die  folgenden 
Zellen  zu  viel  Wasser  erhalten ,  und  so  wie  der  Kol- 
ben wieder  niedergehet,  also  der  Widerstand  auf- 
hört, sind  die  Zellen  mit  Wasser  überfüllt,  und  es 
mafs  aus  dieser  doppelten  Ursache  die  nächste  halbe 
Umdrehung  uip.  so  schneller  geschehen. 

Obschon  in  diesem  Falle  diese  grofse  Ungleichför- 
migkeit  durch  eine  zweite  Pumpe,  deren  Kolben  mit  dem 
vorigen  eine  entgegengesetzte  Belegung  erhält,  oder 
auch  durch  ein  Gegengewicht  vermieaen  wird,    so 


äi6 

finden  doch  bei  jeder  Maschine  mehr  oder  weniger 
ahnliche  Ungleichformigkeiten  Statt,  und  diese  müssen 
entweder  bei  Maschinen,  die  nicht  selbst  schon  eine 
hinreichende  bewegende  Masse  be  sitzen ,  durch  ein 
angebrachtes  Schwungrad ,  oder  die  Verbindung  einer 
gröfsern  Masse  mit  dem  Wasserrade  selbst,  oder  end* 
lieh  durch  eine  schnellere  Bewegung  desselben,  aus- 
geglichen werden. 

fFie  hoch  soll  man  ein  oberschlächtiges  Wasser^ 
rad  im  J^erhältnisse  der  Gefällshöhe  des  JVus-' 
sers  anordiven? 

Da  nach  dem  früher  Gesagten  das  Wasser  durch 
den  Druck  doppelt  so  viel,  als  durch  den  Stofs  wirkt, 
80  mufs  aus  diesem   Grunde  für  die   Erhallung  des 

Sröfsten  Effektes  eines  ober^chlächtigcn  Wasserrades 
ie  Fallshöhe  des  Wassers  vom  Gerinne  bis  in  die 
Zellen  des  Rades  so  klein  als  möglich  genommen 
werden,  um  dadurch  das  Wasser  mehr  auf  den  Druck 
als  den  Stofs  zu  benützen«  Aus  den  Versuchen  des 
Herrn  Smeaton  zeigte  sich ,  dafs ,  wenn  bei  demsel- 
ben Wasserrade  die  ganze  Fallshöhe  des  Wassers  von 
!27  auf  35  Zoll,  also  nahe  im  Verhältnisse  wie  7  : 9 
vermehrt  wurde,  der  Effekt  des  Rades  wie  8'  1 :8*  4 
oder  nahe  wie  7 : 7 .  26  zunahm,  so,  dafs  also  die  Zu- 
nahme des  Effektes  noch  nicht  ^  von  der  Zunahme 
der  ganzen  Gefällshöbe  des  Wassers  betrug.  Herr 
Papacino  d*  Antoni  leitete  bei  seinen  Versuchen  das 
Wasser  ein  Mahl,  mittelst  einer  kurzen  Ansatzröhre, 
aus  dem  Gerinne  in  die  obern  Zellen  des  Rades ,  so, 
dafs  die  Anzahl  der  Zellen ,  welche  zwischen  der, 
die  das  Wasser  aufnahm  und  jener  lagen ,  die  es  wie* 
der  ausschüttete,  beiläufig  \  aller  im  ganzen  Rade 
befindlichen  Zellen  ausmachten;  ein  zweites  Mahl 
wurde  das'  Wasser  mittelst  einer  viel  längeren  Ansatz- 
röhre in  die  tiefer  stehenden  Zellen  geleitet,  in  wel- 
chem Fialle  die   jcwischen  beiden  gedachten  Zellen 


a»7 

liegenden  nur  ^  aller  Zellen  betrugen.  Er  fand  aber 
den'gröfsten  Effekt  im  ersten  Falle  nahe  um  -^  gros* 
aer^  als  im  zureiten  Falle. 

Aus  allem  diesen  folget  daher:    dafs  der  Effekt 
eines  oberschla^hügen   Wasserrades  um  so    gröfser 
&ej,  je  gröfser  der  Durchmesser  des  Rades    im  Ver- 
hältnisse der  Gefällshöhe  des  Wassers  ist.     Da  aber 
alles  seine  Gränzen  hat^  so  darf  man  auch  hier  nicht 
zu  nveit  gehen  ^  und  in  jedem  Falle  mufs  der  Durch- 
messer eines  oberschlächtigen    Wasserrades  kleiner^ 
als  die  Gefällshöhe  des  Wassers  bleiben.     Denn  er- 
stens mufs    das  Wasser  in   die  Badzellen  mit   einer 
gröfsern  Geschwindigkeit^  als  mit  welcher  diese  aus- 
weichen^ einfallen^    weil  sonst  die  Schaufeln  gegen 
den  einstürzenden  Wasserstrom  stofsen^  und  schon 
dadurch  eine  Verminderung  des  Effektes  hervorge- 
bracht^ als  auch  das  Wasser  verspritzt^   und  so  der 
Wirkung  ebenfalls  entzogen  würde ;   es  mufs  also  das 
Wasser,   bevor  es  in  die   Zellen  kommt^   von  einer 
gewissen   Höhe    herabgefallen  seyn,    um  diese    Ge- 
schwindigkeit erlangt  zu  haben.     Zum  andern  darf 
man  auch  das  Rad  keinesweges  im  Unterwasser  waten 
lassen  s),  weil  nicht  nur  das  Rad  sehr  oft  eine  grös- 
sere Geschwindigkeit  als  das  unten  abflielsende  Was- 
5er  hat,  und  daher  nothwendig  eine  Gegenwirkung 
auf  das  Rad  entstehen  mufs;  sondern  auch  die  Zellen 
theils  durcb  das  Einsaugen,   theils  durch  die  Adhär 
non,  Wasser  auf  die  entgegengesetzte  Seite  mit  hin- 
"  ■  -  -  ■-  , 

i)  la  diesem  Falle  hat  natürlich  das  unten  abfliefsende  Wasser 
mit  der  Bewegung  der  unten  eingetauchten  Zellen  einerlei 
Richtung;  in  England  werden  die  Gerinne  grofsten  Theils 
so  einfferichlet ,  dafs  das  Bad  die  entgegengesetzte  Bewe- 
gnng  ües  oben  euflieisenden  Wassers  behommt.  Herr  /?o- 
iisoif^  erwähnet,  ein  oberschlächtiges  Wasserrad  gesehen  zu 
haben,  welches  bei  i4  Fufs  Durchmesser,  3  Fu£i  tief  im 
Unterwasser  ging,  und  dadurch  sehr  vieles  Wasser  auf  die 
entgegengesetzte  Seite  hinaufnahm;  nachdem  in  jede  Zelle 
i  Ldcber  von  einem  Zoll  Durchmesser  gebohrt  wurden, 
war  diesem  Ubelstande  abgeholfen ,  und  der  Elfeht  des  Rades 
dadurch  uai  mehr  als  %  vergröfsert. 


ai8  ^ 

'»    •     ■  .  .       ^      . 

auf  nehmen^  und  so  nieder  den  Effekt  des  Rades  ver- 
mindern; es  mufs  daher  auch  noch  ein  hestimmter 
Theil  von  der  ganzen  Fallshöhe  des  Wassers  für  das 
Freihängen  des  Rades  abgezogen  werden.     . 

Obschon  aber  fiir  die  Erreichung  des  gröfsien 
Effektes  eines  oberschlächtigen  Wasserrades,  dieses  so 
hoch,  als  es  die  gemachten  Bemerkungen  nur  immer 
zulassen ,  ausgeführt  werden  mufs ;  so  kann  es  doch 
Fälle  geben,  jn  denen  selbst  auf  Kosten  dieses  Effek* 
tes  diese  Räder  niedriger  angelegt  werden.  Denn 
einmahl  kann  des  Überflusses  an  Wasser  wegen,  mehr 
die  leichtere  und  wohlfeilere  Anlage ,  als  der  gröfste 
Effekt  des  Rades  beabsichtiget  werden ;  oder  es  kana 
auch  bei  solchen  Maschinen ,  welche  die  nöihige  Ge- 
schwindigkeit nicht  durch  Vorgelege ,  sondern  unmtt* 
telbar  vom  Wasserrade  erhalten  müssen ,  eine  gröf^ere 
Fallshöhe  des  Wassers  vom  Gerinne  bis  in  das  Rad 
pöthig  seyn,  und  in  beiden  Fällen  wird  das  Rad  da- 
her nicht  den  gröfst  möglichsten  Durchmesser  erhal- 
te^.  So  wird  z.  B.  die  Ausführung  kleinerer  Was- 
serräder sehr  oft  bei  Stab-,  Blech-  und  Zainbämmern 
nothwendig,  bei  welchen  die  Radwelle  zugleich 
Daumepwelle  ist,  und  die  Hämmer  (besonders 
Schwanzhämmer  J  schnell  hinter  einander  mit  gros- 
ser Geschwindigkeit  arbeiten  müssen;  da  man  die 
Zahl  der  Däumlinge  nicht  über  eine  gewisse  Zahl 
vermehren  darf,  so  mufs  man  in  diesem  Falle  dem 
Wasserrade  eine  gröfsere  Geschwindigkeit  geben, 
daher  wird  dieses  vermöge  dem ,  was  von  der  Ge- 
schwindigkeit des  einstürzenden  Wassers  gesa^  wurde, 
eine  kleinere  Höhe,  obschon  mit  Aufopferung  eines 
Theils  des  mechanischen  Moments,  erhalten  müssen. 

Es  ist  jedoch  traurig  zu  sehen,  wenn  bei  einer 
bedeutenden  Gefallshöhe  oberschlächtige  Wasser- 
räder aus  keinem  der  beiden  Gründe  so  klein  ange- 
legt werden ,  dafs  die  betriebenen  Maschinen  nicht  \ 
des  gewünschten  Effektes  |     der  übrigens  bei  einer 


319 

lidbtigen  Anlage  auch  leicht  zu  erreichen  ^äre,  her- 
vorbringen ;  so  wie  mir  mehrere  solche  Falle  vorge- 
kommen sind. 

Endlich  mufs  ich  noch  hemerken,    dafs^   wenn 
die    FaUshöhe  des    Wassers   schon  sehr  bedeutend 
wird,   und  eine  gewisse  Höhe  übersteigt,    es  dann 
nicht  mehr  rathsam  ist,  oberschlächtige  Wasserräder 
anzulegen ;  denn  einerseits  wird  die  Ausfuhrung  sol* 
eher  gro£ser  Räder  schon  sehr  mifslich,  die  sich  über- 
diefs  noch  des  grofsen  Gewichtes  wegen  Jeicht  wer- 
fen und  verzieneuy    und  in  den    Zapfenlagern   eine 
grofse  Reibung  verursachen ;     anderseits   aber  wird 
die  Anlage  solcher  Räder  durch  andere,    in  diesem 
Falle  zu  Geboihe  stehenden  Mittel  entbehrlich  ge- 
macht ^). 

Regeln  ftir  die  vorth eilhafteste  Schaufelstellung 
oberschlächtiger  Wasserräder« 

Es  unterliegt  wohl  ^keinem  Zweifel,  dafs  ein^ 
mehr  oder  weniger  richtige  Schauflung  eines  ober- 
schlächtigen  Wasserrades  den  wesentlichsten  Ein- 
fluß auf  die  gröfsere  oder  geringere  Vollkommenheit 
desselben  haben  müsse,  und  dafs  dieser  Punkt  um 
so  mehr  alle  Aufmerksamkeit  bedürfe,  als  er  mit  Recht 
für  den  wichtigsten  im  oberschlächtigen  Wasserrade 
anzusehen  ist. 

Wenn  wir  uns  an  das  erinnern  >  was  gleich  An- 
fangs über  die  Wirkungsart  eines  solchen  Rades  im 
Allgemeinen  gesagt  wurde ,  so  werden  wir,  der  Na- 
tur der  Sache  gemäfs,  an  ein  gut  geschaufeltes  Rad 
folgende  Forderung  machen ;  es  soll  das  Wasser  oben 
ohne  einen  nachtheiligen  Gegenstofs  hervorzubringen 
oder  verspritzt  zu  werden,  leicht  aufgenommen,  die*. 

^ )  Obschon  Herr  Eobiton  ein  oberschlachtiges  W^asserrad  ge- 
sellen haben  soll,  ivelchcs  sich  b«i  56  Fufs  Durchmesser 
noch  sehr  gut  bewegte. 


:aao 

ses  so  lange  Vfie  möglich  gehalten ,  und  endlich  nahe 
an  der  tiefsten  Stelle  des  R'ades  leicht  und  gänslich 
ausgeschüttet  werden..  So  einfach  und  natürlich  auch 
diese  Bedingungen  vielleicht  scheinen  mögen,  so 
schwer  sind  sie  dennoch  zu  erfüllen,  weil  sie  von  so 
entgegengesetzter  Art  sind,  dafs  gerade  die  Alitt^l, 
welche  der  einen  günstig  sind,  der  andern  nachthei- 
lig werden« 

Da  man  bei  gehöriger  Würdigung  oherschläcfa- 
tiger  Wasserräder  sehr  hald  den  Nutzen  einsehen 
mufste,  der  seihst  schon  durch  eine  Annäherung  der 
vorigen  ^Bedingungen  fiir  den  EfTeLt  dieser  Räder 
entsehet;  so  ist  es  sehr  hegreiflich,  dafs  man  sich 
alle  Mühe  gegeben  habe,  eine  zweckmäßige  Schaa- 
felstellung  aufzufinden.  Da  aber  einerseits  nichts 
schwieriger  war,  als  diese  nach  theoretischen  Grün- 
den auszulmitteln,  andererseits  aber  alles  Übrige  leich- 
ter durch  Versuche  zu  finden  war^  als  gerade  diese 
vortheilhafteste  Schaufelstellung :  so  mufsteu  noth- 
'Wendig  bald  eben  so  viele  Regeln  fiir  die  zweclmäs- 
sigste  Schauflung  oberschlächtiger  Wasserräder  ent- 
stehen l  als  Schriftsteller  hierü]3er  gehandelt  haben. 
Es  wäre  zwecklos  und  ermüdend,  alle  die  Versuche, 
die  man  in  dieser  Hinsicht  gemacht  hat,  aufzuzählen, 
und  ich  begnüge  mich  daher  nur  Folgendes  hierilber 
anzuführen :  * 

Man  glaubte  Anfangs  seinen  Zweck  dadurch  zu 
erreichen ,  dafs  man  das  Rad  auf  der  einen  Seite,  wo 
das  Wasser  aufgenommen  wird,  mit  einem  Mantel 
umcab,  der  genau  über  des  Radesumfang  pafstej  es 
ist  jedoch  leicht  zu  erachten,  dafs  selbst  bei  der  ge- 
nauesten Ausfuhrung,  die  übrigens  nicht  Jedermanns 
Sache  ist,  das  Rad  entweder  an  diese  Verschalung 
streifen,  und  so  eine  bedeutende  Reibung  verursachen, 
oder  durch  den  hinlänglich  gelasseqen  Zwischenraum 
vieles  Wasser  verloren ,  und  so  der  Wirkung  entzogen 


welken  mufste ;  daher  ist  man  Ton  dieser  Methode, 
wieder  ganz  abgekommen. 

Um  die  Anzahl  der  Schaufeln  zu  bestimmen,  mul- 
tpliciren  einige  den  Halbmesser  des  Rades  in  Fufsen 
ansgedrückt^  mit  einer  gewissen  Zahl ,  z«  B.  mit  6, 
so ,  daü  ein  Rad^  dessen  Halbmesser  8  Fufs  betragt^ 
48  Schaufeln  oder  Zellen  bekommt.  Ändere  nehmen 
wieder  5  ohne  die  Höhe  des  Rades  zu  berücksichti- 
gen^ eine  gewisse  Anzahl  von  Zollen^  z.  B.  la  oder 
i4>  för  den  Abstand  zweier  auf  einander  folgenden 
Schaufeln  am  Boden  gemessen;  so  wie  es  endlich 
auch  eine  ziemlich  allgemeine  Regel  ist,  die  Breite 
des  Radkranzes  fiir  diese  Entfernung  anzunehmen. 

Um  die  Richtung  der  Setz-undRiegelschaufelh5) 
m  erhalten,  nimmt  Herr  Karsten  von  der  Rad* 
kranzbreite  •§•  fiir  die  Breite  der  Riegelschaufeln  und 
zieht  in  dieser  Entfernung  zugleich  den  Kreis,  auf 
welchem  die  Theilung  der  Schaufeln  geschieht  (den 

Theilrifs);    wenn  nähmlich  in  Fig.  a,   ^^^^-o-    ist, 

so  wird  durch  b  der  Theilrifs  gezogen,  und  die  Thei- 
lung der  Schaufeln  in  den  Punkten  b,  6',  b^'  etc. ge- 
macht. Die  Riegelschaufeln  b  c  werden  nach  dem 
Mittelpunkte  des  Rades  gezogen,  und  um  die  Rich- 
tung der  Setzschaufeln  bä  zu  erhalten ,  wird  jeder 
Theilungspunkt  b  mit  dem  zweiten  von  diesem  aubste^ 
henden  Punkte  b"  verbunden.  Herr  Leupold  und 
nach  ihm  Herr  Beyer  in  seinem  Mühlen-Schauplatze, 
nimmt  ebenf^ls  \  der  Radkranzbreite  fiir  die  Breite 
der  Riegelschaufel  (auch  Kropfschaufel),    setzt  aber 


3)  Man  heifst  nahmlicli  jene  Schaafeln ,  welche  dem  Radboden 
SU  nächst  liegen,  und  mit  ihren  Zapfen  die  Radkränze  su- 
aammen  verbinden ,  Riegel*,  und  fene,  welche  von  derana* 
aem  Peripherie  ^'^^  Kransea  bis  an  den  erstem  reichen ,  und 
auf  diese  aufgesetzt  sind ,  Setsschaufeln.  Einige  Schrift- 
a teile r  gebrauchen  aach  für  die  erstem  die  Benennung  Hropf- 
nnd  fiir  die  leutem  Stofsschaufeln* 


cBe  Setz- und  Stofsschanfel  ao  ein,  dafs  die  durch 
jeden  Theilungspunkt  b  Fig.  3  gezogene  Richtung  der* 
selben^  den  innern  Kreis  des  Radkranzes  in  einem 
Punkte^ tangirt,  der  in  diesem  Kreise  zwischen  bei- 
den vorhergehenden  Schaufeln   in  der  Mitte  liegt. 

Die  in  England  gebräuchliche  Schaufetstellung 
oberschlachtiger  Wasserräder  ist  in  Fig.  4  darge-r 
stellt.  Es  stellet  nahmlich  hier  AI  oder  G  H  die 
Breite  des  Radkranzes  vor  ^  welcher  in  3  Theile,  so 
getheilt  wird^  dafs  AB  die  Hälfte^  und  FC  %  von 
AI  beträgt;  der  Abstand  der  einen  Riegelschaufel 
von  der  Andern,  die  ebenfalls  nach  der  Richtung  des 
Halbmessers  stehen,  wird  so  genommen,  dafs  AO- 
beiläufig  um  \  gröfser,  als  die  Breite  AI  des  Rad- 
kranzes wird.  Die  Richtung  der  Schaufel  B  C  wird 
erhalten ,  indem  man  den  Punkt  B  mit  H  verbindet ; 
endlich  erhält  man  noch  die  Richtung  der  dritten 
Schaufel  CD  durch  eine  solche  Anordnung,  dafs  DH 
ungefähr  \  von  HI  beträgt. 

Nach  dieser  Konstruktion  wird  die  Fläche  FABC 
sehr  nahe  gleich  der  Fläche  DABCDy  so,  dafs  also 
die  bis  zur  Höhe  FC  gefüllte  Zelle  noch  alles  Wasser 
enthält ,  wenn  AD  in  die  horizontale  Lage  gekommen 
ist;  dieses  geschieht  aber,  wenn  diese  Zelle  beiläu- 
fig noch  um  einen  Bogen  von  35  Graden  von  dem  tiefsten  t 
Punkt  des  Rades  abstehet,  und  wenn  dieser  Abstand  un- 
gefähr noch  2^  Grad  beträgt,  wird  diese  das  halbe  Was- 
ser ausgeschüttet  haben.  Es  versteht  sich  übrigens,  dafs 
hier  eine  sehr  langsame  Bewegung  des  Rades  voraus- 
gesetzt wird,  um  den  Einflufs  der  Fliehekraft  des 
Wassers ,  die  sonst  eine  frühere  Entleerung  der  Zellen 
zur  Folse  hätte,  vernachläfsigen  zu  können.  In  die- 
sem Falle  also  würden  die  Zellen  anfangen  Wasser  zu 
verschütten,  wenn  diese  noch  ungefähr  um  den  achten 
Theil  des  Durchmessers  oberhalb  der  tiefsten  Stelle 
wären,  und  die  halbe  Wassermenge  würden  sie  aus- 


V 


^^3 

geschattet  haben  ^  wenn  dieser  Abstand  beiläufig  noch 
v\  des  Durchmessers  betrüge.  Es  istklar^  dafs^wenn 
die  Zellen  bis  über  FC  gefüllt  würden^  auch  das 
Ausschütten  des  Wassers  früher  eintreten  müfste  und 
daher  tler  Verlust  der  wirksamen  Wassersäule  beträcht- 
licher wäre ;  so  wie  wieder  umgekehrt  dieser  Verlust 
noch  unbedeutender  würde  ^  wenn  die  Zellen  nicht 
bis  auf  diese  Höhe  FC  angefüllt  würden. 

Es  folgt  daher^  dafs  man  den  Zellen  eine  hin-' 
reichende  Gröfse  geben  müsse  ^  die  man  aber  weniger 
durch  die  Tiefe  ^  als  die  Länge  derselben  zu  errei- 
chen hat;  eine  gehörige  Länge  der  Zellen  oder  Breite 
des  Rades  hat  noch  den  Vortheil^  dafs  beim  Ein- 
stürzen des  Wassers  die  Luft  zu  beiden  Seiten  leicht 
entweichen  kann^  widrigenfalls  das  schnelle  Eintreten 
des  Wassers  verhindert^  und  durch  die  entweichende 
Luft  verspritzt  würde. 

Übrigens  mufs  noch  bemerkt  werden^  dafs  auch 
Alt  meisten  Mühlenbauer  die  erwähnte  dritte  Schau- 
fel CD  hinweg  lassen^  und  sich  in  diesem  Falle  be- 
gnügen^ die  Schaufel j9 C bis /f  zu  verlängern;  aber* 
dann  bekommt  auch  gewöhnlich  die  Riegelschaufel 
JB  den  dritten  Theil  der  Radkranzhöhe  AI  zur. 
Breite. 

Herr  Robert  Bums  hat  vor  mehreren  Jahren  zu 
Renfrewshire  in  England  ein  oberschlächtiges 
Wasserrad  von  ganz  eigener  Schauflung,  welche  vor 
der  gewöhnlichen  grofse  Vorzüge  besitzen  soU^  aus- 
geführt. Das  Wesentlichste  derselben  besteht  darin, 
dafs  jede  aus  3  Tbeilen  j4Bj  B  C  und  CD  zusam- 
mengesetzte Zelle,  Fig.  5y  noch  uberdiefs  durch  eine, 
mit  dem  Radkranze  konzentrische  Zwischenwand  LM 
so  abgetheiltist,  dafs  der  dadurch  entstehende  innere 
Raum  nahe  gleich  dem  äufsern  wird.  Bei  dieser  Ein- 
richtung sollen  die  Zellen,  wenn  sie  bis  auf  |.  gefüllt 


aa6 

jedem  7ten  abstehenden  Punkte^  für  die  Richtung  der 
Setsschaufeln  verbunden  i  so ,  dafs  also  o  mit  68,  8 
mit  67 ,  7  mit  66  ü.  s.  w.  verbunden ,  die  Richtung 
der  Riegelschaufeln ^  und  ebenso,  10  mit  3,  9 mit 2, 
8  mit  I  u.  s.  w«  verbunden,  die  Richtung  der  Setz- 
schaufehl  angeben. 

Eine  ziemlich  einfache ,  und  der  Wahrheit  zu- 
gleich sehr  nahe  kommende  Regel  schginet  mir  die 
des  Herrn  Professor  jirzberger  zu  seyn).  sie  besteht 
in  Folgendem:  Die  Breite  des  Radkranzes u^ ^,  F^g-?» 
wird  in  8  gleiche  Theile  getheilet,  und  durch 
den  von*  ji  gegen  B  gezählten  5ten  Theilnngspunkt 
D  der  Theilrifs  gezogen,  auf  welchen  die  Theilung 
der  Schaufeln  gemacnt  wird.  Um  den  ungefähren 
Abstand  zweier  auf  einander  folgenden  Schaufeln  im 
Theilrisse  zn  erhalten,  werden  zur  halben  Radkranz- 
breite, die  in  Fufsmafs  ausgedrückt  ist,  «/^^ hinzu  ad- 
dirt,  und  mit  diesem  heraus  gekommenen  Abstände 
wird  die  Peripherie  des  Theilrisses,  ebenfalls  inFus* 
sen  ausgedrückt,  gethcilt;  der  erhaltene  Quotient, 
oder  wenn  er  nicht  selbst  schon  diese  Eigenschaft 
hat,  die  nächste  daran  liegende  ganze,  und  zugleich, 
aus  einem  noch  anzuführenden  Grunde,  durch  4 
theilbai^e  Zahl,  gibt  die  Anzahl  der  Zellen.  Sobald 
nun  diq  Ein  theilung  in  den  Punkten  i,  2i>  3  etc.  ge- 
macht ist,  wird  der  äufsere  Kreis  de)  Radkranzes, 
mit  demselben  Abstände  der  Theilung,  aus  1  in  a, 
aus. 2  in  b  u.  s.  w«  durchschnitten,  und  a  mit  3,  Ä 
mit  4  u-  s«  w.  fiir  die  Setzschaufeln  verbunden ;  einer 
dieser  Bogen,  z.  B.  ab  wird  in  5  gleiche  Thcile  ge- 
theilt,  und  ein  solcher  5ter  Theil  von  b  gegen  a  in«, 
von  c  in  j3  u.  s.  w.  getragen ,  um  durch  die  Verbin- 
dung von  fi  mit  3,  ß  mit  4  ^tc.  die  Riegelschaufeln 
zu  erhalten.  Zieht  man  aus  C  einen  Kreis,  der  die 
zuerst  gezogene  jTtichtung  der  Riegelschaufel  ttAE 
in  E  berührt ,  so  braucht  man  nur  ans  den  übrigen 
Punkten  4 »  ^  ^  6  etc.  Tang.enten  an  diesen  Kreb  zu 


liehen»  um  dadurdii  die  fibrigeoRiegelschatifeliioluie 
das  Auftragen  der  Punkte  ß»  y,  etc.  lu  erhalten. 

Die  Breite  des  Radkranzes  richtet  sich,  his  zu 
einer  gewissen  Granze^  nach  der  zufliefsenden  Was> 
sennenge  j  und  man  kann  sich  dabei  folgender  prak* 
cischer  Regel  bcdieneUi    Da  man  hei  gegebener  Ge- 
schwindigkeit eines  Punktes  im  Umfange  des  Rades 
und  der  in  einer  Sekunde  zufliefsenden  Wassermenge 
den  Querschnitt  des  Wasserringes,  der  sich  über  den 
Um£mg  des  Rades  legen  würde,  durch  die  DiTisioa 
dieser  Geschwindigkeit  in  die  Wassermenge  erhält  i 
so  nehme  man,  des  Raumes  wegen,  den  die  Schau- 
feln wegnehmen,  und  damit  die  Zellen  eine  hinrei-^ 
chende   Gröfse  erhalten,    diesen  gefundenen  Quer^^ 
schnitt  3  Mahl   und  richte  das  Ganze  so  ein,    dafs 
das  Produkt  aus  der  Breite  des   Radkranzes    in  die 
4  Mahl  so  große  Entfernung  beider  Radkränze  im 
Lichten    diesem  dreifachen  Querschnitte  gleich  witd. 
Wenn  z.  B.  die  in  jeder  Sekunde  zufliefsende  Was^ 
sennenge  M  Kubikiufse,   die  Geschwindigkeit  eines 
Punktes  im  Theilrifs  c  Fufse  beträgt^ '  so  Wird  der 

M 
Querschnitt  des  Wasserringes—  Quadratfufse  sejn; 

wenn  wir  daher  die  Breite  des  Radkranzes  gleich  a, 
folglich  die  Länge  der  Zellen,  oder  lichte  Entfernung 
beider  Radkränze  gleich  4  ^  seuen ,  so  soll   a  X  4  ^ 

=z4a  ^=s 3« -;-seyn,  mithin  wird  a=:|>V  ' — für  die 

Breite  des  Radkranzes«  und  Aa=i^V für  die  Enir 

'  '  c 

femung  der  Radkränze  kommen.  Sdllte  jedoch  nach 
dieser  Regel  die  Breite  des  Radkranzes  über  eimefH 
Fofs  ausfallen^  so  müfste  man^  selbst  für  die  grölsten 
Rader,  bei  dieser  Breite  von  einem  Fufs,  und  bei 
kleineren  Rädern  noch  darunter  stehen  bleiben,  das 
Fehlende  aber  durch  eine  gröfsere  Länge  der  Zellen 
ersetzen ;  weil  sonst  d  urch  die  zu  grofse  Annäherung 

i5* 


des  Wassers  zum  Mittelpunkte  des  Rades,  dieses  an 
Moment  verlieren  würde.  Gewöhnlich  aber  fäUt  die 
Breitenach  dieser  Regel  zwischen  8  und  lo  Zoll 
aus. 


>  I 


Genauere  Bestimmung    des   Effektes   oder  me- 
chanischen Momentes  eines   oberschlächti^en 

Wasserrades.  ^ 

^%  Obschen  gleich  Anfangs  gezeigt  wurde,  wie  man 

sich  die  Wirkung  des  Wassers  auf  ein  oberschlüchii- 

Ses  Rad  vorstellen  könne ;  so  soll  dennoch  hier^  ohne  die 
ortige  Bedingung  eines  über  dem  Umfange  des  Ra^ 

des  gleichförmig  vertheilten  Wasserringes  anzuneh- 
men^ die  Sache  genauer  untersucht,  und  so  wie  sie 
wirklich  Statt  findet,  glommen  werden.  Es  sey 
daher  in  Fig.  8,  ADEB  ein  Halbkreis,  der  durch  die 
Schwerpunkte  des  in  den  Zellen  befindlichen  Was- 
sers geht;  AB  ein  vertikaler  Durchmesser  des  Rades; 
P  die  Stelle  wo  die  Zellen  geFülU,  und  E  jene,  wo 
sie  wieder  ausgeleeret  werden  vj) ;    dazu  werde  der 

^  Winkel  JC  D  =<p,  und  jener  ^C£  =  n}/,  so  wie 
endlich  der  mechanische  Halbmesser  AC  =^CD=^ 
«...  sr  gesetzt.  Man  betrachte  nun  eine  der  gcfiill'* 
ten  Zellen  an  einer  beliebigen  Stelle,  gesetzt  ia  Fj 
und  bezeichne  den  Winkel  ACF  mit  a;  so  wird, 
wenn  das  Gewicht  des  darin  enthaltenen  Wassers  P 

'  Pfunde  beträgt,  dieses  die  Kraft  ausdrücken,  mit 
welcher  das  Wasser  im  Punkte  F  nach  der  Richtung 
der  Schwere ,  oder  parallel  mit  AR  wirkt.  Zerlegt 
man  diese  Kraft  P  in  zwei  auf  einander  senkrecht 
wirkende,  nach  den  Richtungen  Fp  und  F^ p  der- 
gestalt^ dafs  die  eine  nach  dem  Mittelpunkte  (7,  ^^^ 


n)  Da  aber  das  Wasser  nicht  plöulich  ausgeschüttet  wird,  so 
nimmt  man  Hir  £  jenen  Punkt,  der  zwischen  der  Stell^^tJ»'*^ 
das  Ausfliefsen  des  Wassers  anfangt,  und  jener,  wo  es  gani- 
lich  ausgeschüttet  ist,  in  der  Mitte  liegt;  es  wird  also  unter 
£  jene  Stelle  verstanden ,  bei  welchem  die  bellen  bereits  die 
halbe  Wassermenge  ausgeschüttet  haben. 


andere  darauf  senkrechte  also  nach  der  Richlnng  der 
Tangente  inrirkt;  so  gehet  die  erstere^  welche  irom 
Radbodcn  auigehohen  wird'^  verloren  ^  und  nur  die 
leutere  oder  Tangenlialkraft  ^  wirLt  auf  die  Umdre- 
hung des  Kades.  Bezeichnet  man  daher  diese  Tan- 
gentialkraft mitp,  so  wird  nach  bekannten  Gesetzen 
fiir  die  Zerlegung  der  Kräfte^  p  -  P,  Sin.  CFP,  oder 
da  der  WinkcJ  CI  y  =z  JCF=x  ist,  p^P.Sin.  x; 
ebenso  würde^  wenn  man  die  gegen  denRadbodendräk- 
kende  Kraft  mit  /?' bezeichnete ,  p^sssP.  Cos.  a  seyn. 
Um  ferner  einen  Ausdruck  fiir  die  Wirkung  dieser 
Tangentialkraft  p  bei  der  Fortbewegung  der  Zelle  zu 
erhalten ,  lasse  man  ^  da  ^  als  eine  Funktion  des  ver- 
änderlichen  Winkels  ec,  selbst  veränderlich'  ist^  den 
Punkt  P  uin  unendlich  wenig  fortrücken,  so,  dafs 
der  Winkel  a  um  dx  vergröfsert,  und  der  zurückge- 
legte Weg  PF*  ^  r  dx  wird.  Da  man  aber  während 
dieser  unendlich  kleinen  Fortrückung. die  Kr«iftp  als 
bestandig  ansehen  kann,  so  wird  man  fiir  die  Wirkung 
derselben,  die  selbst  unendlich  klein  ist,  und  daher 
konsequent  bezeichnet  werden  mufs ,  folgende  Glei- 
chung erhalten :  d  wt=spXrdx=^Pr  Sin.  a.di.  Wird 
diese  DifTerentialgleicbung  integrirt^  so  erliäh  man 
1^=-  Br  Sin.  a-^Cy  um  die  Konstante  Czu  bestimmen^ 
erinnere  man  sich ,  dafs  die  Wirkung  erst  im  Punkte 
der  Füllung  Z7  anfängt ,  also  für  as=:<^,  noch  tvsso 
ist«  Diesem  zu  Folge  hat  man  o  =Pr  Sin.  4) -f- C  und 
daraus  C=^—Pr  Sin.  <p  ;  wird  der  Werth  dieser  Kon- 
stante in  die  obige  Gleichung  gesetzt,  so  erhält  man 
%v  =  Pr  Sin.  x-^Pr  Sin.  (p.  Um  ferner  das  vollstän« 
dige  Integral,  oder  die  ganze  Wirkung  von  dieser 
Zelle  zu  erhalten ,  verfolge  man  die  Bewegung  bis  £*, 
WD  nähmlich  die  Ausleerung  des  Wassers  geschieht, 
d.  h.  man  lasse  x  bis  -4^  wachsen  ;  in  diesem  Falle 
aber  hat  man  tv=/^  (  rSin.  \}/  — r  Sin.  tp),  oder,  da 
r  Sin.  \{/  =  -^  //  und  r  Sin.  iQ^==  AG,  daher  r  Sin.  4/ 
-rSin.  <p=JH''AG=iGHis\:  w=^PX^ilf.  Nun 
seyen  im  ganzen  Umfange  des  Rades  n  solche  ZelleUi 


a3o 

die  alle  im  BeharruDgsstande  in  t  Sekunden  gefallt 
werden ,  vorhanden ;  so  ist  es  klar,  dafs  die  Wirkung 
während  dieser  Zeit  von  t  Sekunden  n  Mahl  so  grofs^ 
oder  wenn  man  diese  Wirkung  mit  Pf^  hezeichnety 
PF=:nw=in.P.  GJffisU  Da  ferner  das  mechanische 
Moment  oder  der  Effekt^  als  das  Produkt  der  Kraft  in 
die  Geschwindigkeit^  nichts  anders^  als  die  Wirkung 
in  einer  Sekunde  ist;  so  wird^  wenn  man  diesen  Ef- 
fekt mit  j&'he^eichnet^  JJ=  -  -  ■»  --1—^ .Da aber 

nach  der  Natur  der  Bezeichnung  das  Produkt  n .  P,  die 
in  ^Sekunden,   mithin  der  Quotient  -^^  die  in  einer 

Sekxmde  zufliefsende  Wassermenge  vorstellet;  so  wird, 
wenn  man  diese  letztere   Wassermenge  in  Pfunden 
ausgedrückt  mit  M  bezeichnet,  JE=  mXGff,  d.  b^ 
das  mechanische  Moment ,  oder  der  Effekt  eines  ober^ 
schlächügen  Wasserrades  wirc}  gefunden ,   wenn  man 
die  in  jeder  Sekunde  zufliefsende  Wassermenge  mit 
der  Höhe  multiplicirt,  durchweiche  das  Wasser  wäh- 
rend dem  Verweilen  in  deji  Radzellen  vertikal  herab- 
sinken mufs;  dabei  aber  verstehet  es  sich  von  selbst, 
dafs  sich  alle  Mafse  auf  die  nähmliche  Längeneinheit, 
c.  B.  FuHse  beziehen  müsfsen,    und  dafs  man  diesen 
Effekt  in  Pfbndeii  ausgedrückt  erhält,  wenn  inaxi  die 
Wassermenge  Jtf  ebenfalls  in  Pfundep  ninunt. 

Auf  diese  Weise  wäre  nun  jpncr  Theil  der  Wir- 
kung des  Wassers,  der  durch  den  Druck  auf  ein  ober- 
schlächüges  Rad  entstehet,  abgeleitet,  und  obgleich 
dieser  der  bei  weitem  gröfsere  ist;  so  mufs  dennoch 
auch  jener  Theil  der  Wirkung,  der  nach  den  obigen 
Untersuchungen  durch  den  Stofs  des  schneller  ein- 
stürzenden Wassers  entstehet,  bestimmt,  undtnHech* 
nüng  gebracht  werden.  Aus  der  Theorie  des  Was- 
serstolses  ist  bekannt,  dafs,  wenn  die  3cfaaufel  mit 
der  halben  Geschwindigkeit ,  mit  welcher  das  Walser 
anstöfst,    ausweicht,    der  Effekt   ein  gröfstes,    und 


a3i 

zwar  so  grofs  ist,  als  wenn  dieselbe  Wassermenge 
durch  die  halbe  Höhe ,  die  der  GeschMrindigkeit  des 
anstofsendea  Wassers  zugehört^  durch  den  Druck  ge- 
wirkt hätte  ;  so  ^  dafs  bei  einer  zufliefsenden  Wasser- 
menge von  M  Pfunden  in  jeder  Sekunde ,  und  einer 
Höhe  h  durch  welche  das  Wasser  fallt^  der  durch- 
den  Stofs  ent^tdiende  Effekt  unter  dieser  Yorausset- 

'       M    h 

zung  gleich    — ^  wird.     Setzt  man  daher  idie  senk- 

rechte  Hohe  MG,  um  welche  der  Punkt  D  unter 
der  Oberfläche  dea  Wasserspiegels  liegt,  gleich  h'  und 
die  vorige  Hohe  GH^=ih,  so  ist  jetzt  der  ganze  Ef- 
fekt emes  oberschlächtigen  Wasserrades,  oder  EsszM. 

h  +  '^LJll  srüf  (  Ä+  ^\     Will   man   diesen  Effekt 

durch'  die  ganze  Fallshöhe  des  Wassers  oder  M  W 
ausdrücken,  so  setze  man  diese  gleich  U,  den  senk- 
rechten Abstand  des  Punktes  E  von  der  Oberfläche 
des  Unt^wassers  oder  HN  =  K^-  ,  und  es  ist  offen- 
bar H-=^K  '\'h'\'  K'  oder  h^^H --K  —  A ' j  diesen 
Werth  von  h  in  die  obige  Gleichung  gesetzt ,   gibt 

Diese  Gleichung  zeigt  übrigens,  dafs  der  Effekt 
eines  oberschlächtigen  Wasserrades  um  so  gröfser 
wird ,  je  kleiner  die  Höhen  h*  imd  h*^  werden ;  je 
kleiner  h*  wird,  desto  kleiner  ist  die  Geschwindiekqit 
mit  der  das  Wasser  in  die  Zellen  tritt,  und  desto 
kleiner  daher  mufs  die  Geschwindigkeit  des  Rades 
seyn ,  also  wieder  die  Bestätigimg  des  schon  früher 
angestellten  Satzes;  die  Höhe  h**  wird,  wenn  das 
Freihängen  des  Rades  bestimmt  ist,  um  so  kleiner, 
je  länger  die  Zellen  das  Wasser  behalten ,  je  voUkom-^ 
mener  also  die  Schauflung  des  Rades  ist. 


a32 


Anwendung  der  bisher  aufgestellten  Sätze  und 

Regeln  auf  ein  Beispiel. 

Aufgabe.  Es  soll  für  die  Benützung  eines  Ge- 
fälles von  i5}  Fufs,  und  einer  zufliefsenden  Wasser- 
menge,  die  jede  Sekunde  4  Kubikfiifs  beträgt ,  ein 
oberschläcbtiges  Wasserrad  am  vortheilbaftesten  an- 

Selegt|  und  zugleich  dessen  Effekt  aufgefunden  wer- 
en  |x). 

Auflösung.  Um  zuerst  den  Durchmesser  dieses 
anzulegenden  Wasserrades  zu  bestimmen^  wollen  wir 
die  Geschwindigkeit  desselben  so  fest  setzen^  dafs 
ein  Punkt  im  Umfange,  in  jeder  Sekunde  ungefähr 
einen  Weg  von  4  Fnfs  zurücklegt ;  da  aber  das  in  die 
Zellen  stürzende  Wasser  beiläufig  die  doppelte  Ge- 
schwindigkeit, oder  8  Fufs  erhalten  soUy  und  zu  die- 
ser Geschwindigkeit  eine  Fallhöhe  von  nahe  i  •  o  3 
Fufs  gehört ,  so  wollen  wir  den  Scheitel  des  Rades 
um  I  *  I  Fufs  unter  den  Wasserspiegel  legen.  Da  fiir 
das  Freihängen  des  Rades  o*  4  Fufs  hinreichend 
sind,  so  bleiben  für  den  Durchmesser  des  Rades  noch 
i4  Fufs  übrig,  # 

Da  ferner  das  Radi,  mit  4  Fufs  Geschwindigkeit 
ausweichen  soll,  so  wird  der  Querschnitt  des  oben 

gedachten  Wasserringes,  oder —^|=:i,  also  die  Breite 

des  Radkranzes  a  in  die  4  Mahl  so  lange  Zelle  4^ 
multiplicirt ,  oder  4  ^  *  =  3 ,  daher  a  =s^  \/  3  j  weil 
für  diesen  Fall  \/3ai*<^3  genau  genug  ist,  so  wird 
die  Breite  des  Radkranzes,  oder  as='  8G5,  und  die 
Länge  der  Zellen ,  oder  4  ^  ^  3  *  4^  nach  der  angege- 
benen Regel  ausfallen.     Wir  wollen  also  für  die  Breite 


{i)    Ich  setze  hier  voraus,  dafs  man  durch  keioe  der  oben  an- 

fefUhrten  Ursachen ,  iq  der  Gecch windigheit  oder  Gröfse  des 
lades  )>Qdi|igl  »ej. 


a33 

oder  Höhe  des  Radkraozes  lo  ZoU^  und  fiir  die 
Länge  der  Zellen,  oder  lichte  Enifernung  der  beiden 
Radkränze  3^  Fufs  nehmen. 

Führen  wir  die   Schauflung  dieses  Bade's  nach 
der  xuletz^  angebenen  Regel  aus,  so  vi^ird  der  beiläu* 
fige  Abstand  zweier  Schaufeln  im  Theilrisse ,  i%  4*  )% 
S3  ^  Fufs,  oder  ix  Zoll  seyn.  Wenn  also  zwei  kon- 
zentrische Kreise   einer  mit  dem  Halbmesser  von  7 
Fufs,  der  andere  mit  6  Fufs  2  Zoll  gezogen  sind,  der 
Abstand  dieser  beiden   Kreise  (die  Radkranzbreite) 
in  8  gleiche  Theile    getheilt,    und    durch   den  5ten 
vom  innern  gegen  den  äufsern  Kreis  gezählten  Thei* 
lungspunkt  der  Theilrifs  gezogen   ist:    so  wird  sein 
Durchmesser  nahe  i  3*  4  tmd  die  Peripherie  desselben 
beinahe  4^  Fufs  betragen,  und  da  diese  Länge  durch 
den  gefundenen  Abstand  von  -{^  Fufs  getheUt,   nahe 
einen  Quotienten  von  4^  g^^^^    ^^  können  wir   die 
durch  4  theilbare  Zahl  48^  für  die  Anzahl  der  Zellen 
nehmen^  daher    den  Theilrifs  in  4^  gleiche  Theile 
tbeiien ,  und  die  Richtungen   der  Setz-  und  Riegel«- 
schaufeln  nach  dieser  Regel  aufreissen. 

« 

Um  den  Effekt  oder  das  mechanische  Moment 
dieses  Rades  zu  bestimmen ,  können  wir,  bei  der  Ein- 
richtung, dafs  das  Wasser  ungefähr  in  die  zweite  vom 
Scheitel  abstehende  Zelle  einfällt,  die  in  der  Formel 
vorkommende  Höbe  ä^=:  i  '3  Fufs;  eben  so,  wenn 
wir  annehmen,  dafs  bei  dieser  langsamen  Bewegung 
die  Zellen  erst  bei  j8  Grad  die  halbe  Wassermenge 
verschüuet  haben ,  ä"  =  •  7  Fufs  setzen.     Es  wird 

daher  nach  der  Formel:  E=M  \H A"  J     in 

welcher  M  die  in  einer  Sekunde  zufliefsende  Wasser^ 
menge  in  Pfunden  ausgedrückt,  oder  gleich  4X  56* 
4=ss  aa5  '6  ist,  dieser  EQekt,  oder  E=iüL:x^'6  (  i5  • 
5  — •65  — "7)  =2a5'öXi4*  i5'  d.  L  sehr  nahe  8193 
Pfunde  betragen. 


334 

Da  aber  das  Rad  auch  tu>ch  die  Reibung,  die  es  in 
den  Zapfenlagern  zu  erleiden  hat,  überwinden  mufs; 
so  können  wir  nicht  die  ganze  gefundene  Zahl  för  den 
reinen  Nutzeffekt    des  Rades  nehmen,   sondern  wir 
müssen  noch  jenen  Theil  der  Wirkung,   der  hiezu 
verwendet  wird,  abziehen.  Es  ist  nicht  schwer,  nach 
ein^m  vorläufigen  Überschlage  ^as  Gewicht  des  Rade^ 
so  weit  es  dazu  nöthig  ist,  auszumitteln ,  mithin  auch 
das  Moment  der  Reibdnc;  näherunc^sweise  zu  bestim- 
men.     Gesetzt,  wir  halten  nach  einem  solchen  Über- 
schlage das  Gewicht  dieses  Rades,    welches   schon 
sehr  solid  ausgeführt  seyn  kann ,  in  einer  runden  Zahl 
von  beiläufig  loooo  Pfund  gefunden,    so.  wird^  wenn 
wir  den  Reibungs-Coeffizienten  fiir  die  Zapfen  in  ih- 
ren  Lagern  gleich  o*  i4  setzen,  die  Reibung  am  Umr 
fange  der  Zapfen  i4oo  Pfund  betragen;   nehmen  wir 
femer  den  Durchmesser  dieser  Zapfen  zu  o  *  5  Fuls 
an,  so  wird  diese  Reibung  auf  den  Theilrifs  reducirt 
noch  beiläufig  52*3  Pfund ,  mithin ,  wenn  dieses  mit 
der  Geschwindigkeit  von  4  Ftifs  multiplicirt  wird,  das 
mechanische  Moment  dieser  Reibung  209*2  Pfimd 
betragen.     Wir    erhalten  demnach  für   den   reinen 
Nutzeffekt  dieses  Rades  3192-^209'  2  s=:2982  *  8  also 
nahe  2983  Pfund,    welches,  wenn  wir  das  media- 
nische  Moment  eines  Pferdes  zu  4oo  Pfund   anneh* 
men,  wobei  wir  aber  nur  während  24  Stunden  auf  8 
Arbeitsstunden  rechnen  dürfen,  noch  et was^  mehr  als 
^Pferde,  die  immer  gewechselt  werden  müssen ,  er- 
setzt.    Multipliziren  wir  die  in  einer  Sekunde  zuflies» 
sende  Wassermense  in  Pfunden,  mit  der  ganzen  Ge- 
fällshöhe des  Wassers,    so   erhalten  wir  den  Kcafl«" 
aufwand  des  Wassers  gleich  4  X5G'  4X  i5  •  5  ^3496* 
8  Pfund ',  also  verhält  sich  der  Effekt  des   Rades  zu 
diesem  Aufwände  des  Wassers,    wie.  2983:  3496*8 
oder  nahe  wie  i  :  i*  1*72,   welches,    da  wir  bei  der 
obigen  Untersuchung  dieses  Verhältnifs  im  Mittel  wie 
I  :  I  *5,   angenommen  haben,   schon   eine  ziemliche 
Differenz  zu  Gunsten  des  auf  diese  Art  sehr  vortheil* 


335 

haft  angelegten  oberschlächti^en  Wasserrades  ist. 
Endlich  ist  es  auch  leicht  zu  hestimmen^  "was  fiir 
Maschinen  mit  diesem  Wasserrade  betrieben  werden 
können^  sobald  man  nur  das  mechanische  Moment 
dieser  Maschinen  sammt  Reibung  und  allen  Hinder- 
nissen aufsucht^  und  sämmtliche  Momente  jenem 
de$  Wasserrades  ziemlich  gleich  "werden ,  da  femer 
dieses  Wasserrad  in  beiläufig  loj-  Sekunde  ein  Mahl 
.  umgehen  wird ,  so  kann  man  auch  leicht  die  Vorge- 
lege so  anordnen^  dafs  die  zu  betreibenden  Maschinen 
die  nöthige  Geschwindigkeit  erhallen. 

Einige  Bemerkungen  über  die  praktische  Aus- 
,    iQhrung  oberschlächtiger  Wasserräder» 

Es   ist  für  den   zweckmäfsigen  Bau  eines  ober- 
ichlächtigen  Wasserrades  noch  keinesweges  hinrei- 
chend^ dafs  man  die  nöthigen  Abmessungen  dessel- 
ben^ als:  Durchmesser^  Höhe  des  Radkranzes^  Ent- 
fernung der  beiden  Radkränze  u    s.  w.   kennt;   son- 
dern es  mufs  noch  genau  in  Erwägung  gezogen  wer- 
den,  was  für  Maschinen  damit  zu  betreiben ,  was  für 
Widerslände  zu  überwinden  sind.      Ohne  diese  Be- 
rücksichtigung wird  man  dem  Rade  selten  die  eben 
erforderliche  Stärke  geben  ^  und  dieses  entweder  zu 
schwer  oder  zu  leicht  ausführen^  daher  im  ersten  Falle 
unoüue  Kosten  -  und  Rcibungsvermebrung ,   im  zwei- 
ten Falle  aber  sehr  oft  einen  ungleichförmigen  Gang  in 
der  Maschine^  und  den  baldigen  Ruin  des  Rades  her- 
beiführen. So  mufs  z.  B.  ein  solches  Rad  fiir  die  zweck- 
mäfsige  Betreibung  von  Poch- besonders  aber  Ham- 
merwerken bei  weitem  stärker  und  gewichtiger  aus- 
geführt  werden ,  als  dieses  bei  denselben  Abmessun- 
gen fbr  Mahl- und  Scbneidmühlen  u.  dgl.  nothwen- 
dig  ist      Die  grofsen  Massen^  die  bei  Hammerwerken 
immer  neuerdings  wieder  in  Bewegung  zu  setzen  sind, 
bringen  sowohl  einen  ungleichförmigen.Gang^  als  eine 
nachtheilige    Erschütterung    im  Wasserrade  hervor^ 
und  wenn  man  schon  aus  diesem  letztem  Grunde  die- 


a36  . 

ses  voUkommen  stark  und  solid  ausführen  mufs^  so 
soll  man  auch,  der  erstem  Ursache'  wegen,  eine 
noch  gröfsere  Masse  mit  dem  Rade  in  Verbindung 
bringen,  damit  diese  grofsc  bewegte  Masse  diis  Un- 
gleichförmigkeit  im  Gange  ausgleichen  kann« 

Einer  der  wichtigsten  Punkte  für  die  hinreichend 
sichere  und  solide  Ausfiihruilg  oberschlächtiger  Rii- 
der  ist  unstreitig  die  Verbindung  des  Radkranzes  mit 
der  RadwcIIe,  und  die  gewöhnliche  Art,  dieses  mit- 
telst \ier,  unter  rechten  Winkeln  sich  kreuzenden, 
Radarmen ,  die  in  die  Welle  eingelocht  sind ,  zu  be- 
werkstelligen ,  ist  um  so  mehr  zu  tadeln  und  zu  ver- 
werfen ,  als  nicht  nur  diese  Welle  dadurch  geschwächt, 
das  Wasser  in  diese  Löcher  eingesogen,  und  so  das 
Faulen  derselben  befördert,  sondern  überdiefs  di^se 
Verbindung  und  Befestigung  dennoch  sehr  schlecht 
und  unvollkommen  erreicht  wird;  dieses  kann  beson- 
ders von  grofsen  und  solchen  Rädern  gesagt  werden, 
die  bei  Poch-  und  Hämmerwerken'  im  Gebrauche 
sind« 

Man  erhält  aber  eine  vollkommen  haltbare  Ver- 
bindung dadurch,  dafs  man  jenen  Theil  der  Welle, 
welchen  das  Rad  einnimmt,  vierkantig  läfst,  und  je- 
den Radkranz  mittelst  vier  Arme ,  die  dieses  Viereck, 
umfangen,  befestiget ;  diese  Radarme,  werden  bei  ih- 
rem Übereinandergehen  nicht  ganz  eben  überplattet 
sondern  um  diese  Verschwächung  zu  vermeiden ,  nur 
etwas  in  einander  eingelassen ,  und  noch  mittelst  kür- 
zern Armstücken ,  in  denen  das  Übrige  eingelassen 
ist,  durch  eiserne  Ringe  abgebunden  und  befestiget, 
auch  umfassen  die  Radarme  das  gedachte  Viereck  auf 
eine  solche  Weise,  dafs  zwischen  dem  Quadrate  der 
Welle  und  jenem ,  welches  die  vier  Arme  bilden,  noch 
von  allen  vier  Seiten  Pfosten-  und  keilförmige  Bret- 
stücke  eingeschoben  werden  können,   und  dadurch 


das  Rad  gehörig  rund  gekeilt  v)^   und  befestiget  wer- 
den kann. 

Bei  dieser  Art  der  Verbindung ,  bei  welcher  der 
ganze  Radkranz  mit  seinen  Zellen  von  acht  starken  ' 
Radarmen  getragen  wird,  die  oben  mit  diesem  Kranze 
zu  zwei  und  zwei,  mittelst  durchgehenden  Schrauben 
(welche  gesen  die  Zellen  allenthalben  dieselbe  Lage 
bekommen  können ,  da  ihre  Anzahl  durch  vier  theil- 
barist)  befestiget  sind ,  und  noch  wegen  dem  hin- 
länglich grofsen  Vierecke  um  die  Welle,  den  Rad- 
kranz in  mehr  gleich  vertheilten  Punkten  verbinden ; 
bleibt  fiir  die  hinlängliche  Festigkeit  kaum  noch  etwas 
zu  wünschen  übrig.  Will  man,  besonders  bei  sehr  • 
grofsen  Rädern,  dem  Einwurfe  begegnen,  dafs  die 
mit  den  Armen  verbundenen  Segmente  des  Kranzes 
ungleich  sind,  so  kann  man  noch  zwischen  diese,  neue 
Radarmq  anbringei;i,  und  so  eine  noch  gröfsere  Befe- 
stigung erlangen  t)*  In  Figur  9  ist  das  Wesentlichste 
einer  solchen  Verbindung  angedeutet. 

9)  Unter  rund  keilen  verstehet  man  in  der  technischen  Sprache 
dem  Rade  mittelst  der  Keile  9  die  nach  Erfordernifs  auf  der 
einen  oder  der  andern  Seite  mehr  oder  weniger  cingetrie« 
.ben  werden ,  eine  solche  Lage  zu  geben ,  dafs  nicht  nur  die 
Ebenen  der  Kränze  auf  der  Radachse  senkrecht  stehen«  son- 
dern besonders  auch  die  äufsere  Peripherie  des  Raden ,  die 
Verbindungslinie  der  Mittelpunkte  beider  Wellzapfea ,  zur 
Achse  bekommt;  dafs  es  also  so  umläuft ,  als  wäre  dieses 
auf  seinen  Zapfenlagern  Ton  oben  und  den  Seiten  abge- 
dreht worden» 

ic)  Ich  sehe  daher  nicht  ein,  wie  es;  um  der  gewöhnlich  un- 
sweckmäTsigen  Befestigung  des  Radkranzes  mit  der  Welle 
absuhelfen,  nothwenmg  sey,  Räder  ganz  ohne  Arme 
auszufuhren,  wie  Herr  Jägersehmidt j  Marktscheider  im 
Departement  des  Niederrheins ,  solche  Räder  erfunden  hat 
und  zum  Gebrauche  vorschlägt.  Diese  will  Herr  Jäger* 
Schmidt  nähmlich  dadurch  herstellen,  dafs  um  die  Welle 
so  viele  Pfostcnstiicke  herum  verbunden  und  befestiget 
werden ,  bis  auf  diese  Weise  ein  ganz  massiver  Zylinder, 
dessen  Durchmesser  jenem,  den  das  Wasserrad  bekommen 
•oll,  gleich  wird,  und  auf  welchen  dann  die  Radschaufeln 
aufgesetzt  werden,  entstehet.     £s    wird    aber  ahne  mein 


^38 

^Die  RadkrSnze  werden  dadurch  hergestellt  ^  dafs 
man  für  leichtere  Räder  aus  i^  bis  3  zölligen,  für 
schwerere  aber  aus  3  bis  42ÖlIigen  ^  Pfosten ,  Felgen, 
deren  Zahl  sich  nach  der  Gröfse  des  Rades  und  der 
Breite  dieser  Pfosten  richtet ,  ausschneidet,  und  da- 
von vier  Kränze ,  von  denen  immer  zwei  einen  Rad- 
kranz bilden,  zusammensetzt.  Die  Befestigung  zweier 
solcher  Kränze  zu  einem  Radkranz  geschieht,  indem 
man  den  einen  auf  den  andern  so  aufbohrt,  und  mit- 
telst hölzerner  Nägel  verkeilt^  dafs  nie  Fuge  über 
Fuge,  sondern  immer  die  Fugen  des  einen  Kranzes 
auf  die  Mitte  der  Felgen  des  andern  zu  liegen  kom*' 
men ;  zuvor  mufs  man  sich  aber  die  Lage  von  wenig- 
stens dreien  aufeinander  folgenden  Setz- und  Riegel- 
schaufeln aufgerissen,  und  die  zu  bohrenden  Löcher 
auf  dem  ganzen  Kranze  so  liingetbeilt  haben,  dafs  die 
Nägel  immer  zwischen  den  zu  machenden  Nuthenund 
3  Zoll  von  jeder  Fuge  kommen. 

Eine  Hauptsache  besteht  ferner  in  der  genauen 
und  reinen  Ausarbeitung  der  Nuthen  für  die  Setz- und 
Riegelschaufeln ,  so  wie  in  der  gehörigen  Zusammen- 
setsung  und  Verbindung  dieser  Schaufeln  mit  den 
beiden  Radkränzen;  hierüber  merkeich  nur  kurz  Fol- 
gendes an:  Sobald  die  beiden  Radkränze  fertig/ dar- 
auf der  Theilrifs  gezogen,  und  die  Richtungen  der 
Schaufeln  gehörig  aufgerissen  sind,  wird  der  Abstand 
des  Theilrisses  vom  innern  Kreise  des  Kranzes  hal- 
birt,  und  durch  diesen  Halbirungspunkt  ein  Kreis 
konzentrisch  mit  den  übrigen  gezogen ,  wo  sich  nun 


Erinnerung  klar,  dafs  diese  Methode  höehstens  bei  kleinen 
Rädern  angevrenaet  werden  könne,  und  dafs,  «ielbst  schon  bei 
mittel {^rofsen  Rädern  durch  diese  Art  der  Zusammensetsuns 
nicht  nur  ein  ungeheurer^  Druck  auf  die  Zapfenlager,  und 
daher  eine,  diesem  Drucke  entsprechende  Reibung,  sondern 
auch  noch  ein  unniäTsiger  Hostenaufwand  herbei  geführt 
werden  mii.se.  (Man  üehe  hierüber  den  Bf  rieht  des  Herrn 
de  VaujBclairs ,  im  BüUetim  de  la  SociM  ^ Encourägememi 
p9ur  V Industrie  nationale.     Dosember  1831.  Seite  347«) 


a3c) 

die  Bliuelliiiicn  der  Riegelschaufcln  mit  diesem  gezo- 
genen Kreise  durchschneiden^  werden  die  Löcher 
für  die  Zapfen  dieser  Schaufeln  gebohrt^  in  jedes 
Loch  dann  eine  Lehre  von  der  Dicke  der  Riegelschau- 
fela  nach  der  genauen  Richtung  eingesetzt^  und  die 
zu  machenden  Nuthen^  die  sich  vom  innern  Kreise 
des  Kranzes  bis  zum  Th  eilrisse  erstrecken^  vorgerissen; 
so  wie  endlich  auch  noch  mittelst  einer  Lehre  die  Nu- 
then  fiir  die  Setzschaufeln  angedeutet^  und  diese  nach 
Umstanden  von  |  bis  i  Zoll  tief  ausgearbeitet  werden» 
Die  Radkränze  werden  *dann  durch  die  Riegelschau- 
feb  zusammen  verbunden,  die  Zapfen  dieser  Schau- 
feln,, verkeilt ,  und  endlich  die  Setzschaufelii  einge- 
schoben und  auf  den  Kanten  der  Riegelschaufeln ,  die 
etwas  weniges  höher  stehen ,  damit  erstere  beim  Ein- 
schieben fest  aufsitzen ,  mit  starken  Blattnägeln  von 
Schob  zu  Schuh  aufgenagelt;  dabei  darf  man  aber 
nicht  vergessen,  die  obei-e  Kante  der  Setzschaufeln 
nach  der  Richtung  ^^  Fig.  7,  abzuschärfen ,  damit 
das  Wasser  leichter  in  die  Zellen  einfallen,  undd  ««ch 
das  sonst  Sutt  findende  Aufstofsen  nicht  verspritzt 
werden  kann. 

Die  Riegelschaufeln  werden  nach  der  Starke  des 
fiftdes,  V0&  i^  bis  2  ZoU^  die  Setzschaufeln  von  \ 
i>is  I  j.,  so  v^ie  endlich  der  mit  der  Rad  welle  paral- 
lel laufende  Boden  von  i  ^  i }  bis  2  Zoll  stark  aus^ 
gcföhru 

Sollte  die  Lange  der  Schaufeln  oder  lichte  Ent^ 
femong  der  beiden  Radkränze,  nach  der  angebenen 
Regel,  über  4  F^^s  ausfallen,  so  vfürde  man,  ohne 
den  Schaufeln  eine  für  den  Raum  der  Zellen  nadh- 
theilige  Starke  zugeben  Gefahr  laufen,  dafs  sich 
diese  ausbiegen ;  in  diesem  Falle  setzt  man  zwischen 
beiden  Radkränzen  noch  einen  dritten  ein ,  und  ord- 
i^et  dann  die  Schauflung  so  an,  dais  die  Schaufeln 
der  einen  Hälfte  immer  zwischon  die  der  andern  zu 


stehen  kommen ;  dadarch  erhält  man  nicht  nur  eine 

Sröfsere  Gleiclitörmigkeit  im  Gange  des  Rades ,  son- 
ern  es  wird  auch  der  mittlere  Kranz ,  bei  welchem 
die  Nuthen  aar  der  einen  Seite  mit  jenen  auf  der 
ander^  Seile  wechseln^  weniger  geschwächt ;  es  ver- 
steht sich  übrigens  von  selbst^  dafs  bei  der  Besttm* 
mung  der  Gröfse  der  Zellen  diese  mittlere  Kranz- 
dicke berücksichtiget  werden  müsse. 

Damit  das  Wasser  ungehindert  in  die  Zellen  ein- 
fallen kann ,  legt  man  den  Ausflufs  des  Wassers  gerade 
über  den  Scheitel  des  Rades  an ,  und  schneidet  den 
Gerinnsboden  in  einer  solchen  schiefen  Richtung  iiin- 
auf  ^  dafs  dadurch  der  Winkel^  welchen  die  Setzschau- 
fel einer  am  Scheitel,  stehenden  Zeile,  mit  der  da  ge- 
zogenen Tangente  des  Rades  machte  halbirt  wird 
'  Die  Breite  des  Gerinnes  soll  aber  beiläufig  \  von  der 
lichten  Entfernung  der  beiclen  Radkränze  betragen, 
damit  beim  Einstürzen  des  Wassers  in  die  Zellen^  die 
Lub  zu  beiden  Seiten  gehörig  entweichen  kann. 

In  England  werden  nicht  nur  die  Radkränze  mit 
ihren  Schaufeln ,  sondern  auch  die  Welle  und  Rad- 
arme häufig  aus  Gufseisen  hergestellt;   da  aber  solche 
Rad^ellen  aus  Gufseisen ,  -  besonders  im  Winter,  oft 
springen  und  brechen^  so  macht  man  diese  entweder 
hohl^  wobei  man  ihnen  eine  gröfsere  Festigkeit  geben 
kann,  oder  auch  aus  Schmiedeeisen.     Die  Radkränze 
bekommen  auch  in  diesem  Falle  die  Nuthen  für  die^ 
in  einem  Stück  gegossenen  Setz -und  Riegelschaufeln; 
in  den  innern  Kanten  der  Kränze  werden  in  gleichen 
Abständen  Löcher  ausgespart^   diese   dann  mit    Holz 
ansgekeilt,  um  den  Radboden  aufnageln  zu  können. 
Die  Öffnung  im  Gerinne  wird  nach  aer   ETmrichtung 
des  Herrn  Smeaton  durch  einen  horizontalen^    auf 
dem  Gerinnsboden  flach   aufliegenden ,   und  mittelst 
«    eines  Hebels  bewegten  Schieber  regulirt  und  geschlos- 
sen >  der  noch^    um  in  diesem  Falle  kein  Wasser 


a4i 

durcbzulassen ,  unten  mit  Leder  versehen  ist;  seine 
Kante  ist  gegen  die .  Öffnung  scharf  und  gewöhnlich 
von  Eis^« 

^ 

Die  Ausliihrung  solcher  Räder  aus  Gufseisen^ 
wird  aber  auch  hier  zu  Lande  schon  an  einigen  Or* 
ten  angetroffen,  und  ich  habe,  nebst  manchen  andern 
schönen  Einrichtungen,  solche  gut  angeordnete  ober« 
schlachüge  Wasserräder  in  Blansko^  dem  Eisenrjufs-» 
werke  des  Herirn  Grafen  yon  Sabn^  gesehen«  Diese 
Art  der  Ausführung  ist  um  so  mehr  zu  empfehlen^ 
als  man  dabei  die  Schaufeln  viel  schwacher  halten 
kann,  wodurch  die  Zellen  an  Lihalt  gewinnen }  und 
wenn  gleich  die  ersten  Anschaffungskosten  etwas  h&^ 
trächtlicher  sind,  so  werden  diese  sehr  bald  durch 
die  grofse  und  lange  Da^r  solcher  Räder  vollkom- 
men ersetzt. 


lii. 

Zusammenstellung  aller  bekannten  Vor- 
richtungen  zum  Einspannen   der  durch 
Abdrehen  zu .  bearbeitenden  Gegen« 

stände« 

Von 
Karl    K  arm  ar  s  c  hj 

ÄBsistenten   des   Lehrfaches    der  Technologie    am  V^  k« 

polytechnischen  Institute  *). 


I.     jLlas  Drehen  o^et  Drechseln  ist  ohne  allen 
Zweifel  eine  fiir  die  Verarbeitung  der  Metalle  ^   des 

*y  Die  SU 'diesem  Aufsatse  gehoriaen  Zeichnungen,  welche  sich 
auf  Taf.  I,  II,  IV, V  und  VI  befinden,  konnten  nicht  sämmtlich  in 
solcher  Art  ausgeführt  werdan ,  dab  ihre  Gröfsen  das  in  der 


:24^ 

Hokes  und  ähnlicher  Substanzen  höchst  wichtige 
Operation.  Sie  erfordert  aber  zugleich  von  Seite  des 
Arbeiters  eine  nicht  unbedeutende  Geschicklichkeit, 
wenn  sie  anders  mit  gutem  Erfolge  vorgenommen  wer- 
den soll.  Dessen  ungeachtet  wird  selbst  der  geübteste, 
mit  den  besten  Werkzeugen  versehene  Drechsler 
nicht  im  Stande  seyn^  irgend  ein  Stück  Holz^  Metall, 
oder  dgl.  mit  der  gehörigen  Vollkommenheit  zu  bear- 
beiten^ wenn  die  Drehbank ,  deren  er  sich  bedient, 
nicht  so  eingerichtet  ist^.  dafs  die  abzudrehenden  Ge- 
genstände leicht^  ohne  Zeitverlust^  und  vollkommen 
rund  eingespannt  werden  können  ^).  Eine  vollstän- 
dige Zusammenreihung  der  bis  auf  diesen  Tag  zu  dem 
genannten  Zwecke  in  Anwendung  gekommenen  Mittel, 
hegleitet  von  kritischen  Betrachtungen  über  die  Brauch- 
harkeit  eine's  jeden  derselben  ^  kann  demnacji  selbst 
{ur  den  ausgenildeten  Praktiker  nicht  ohne  Interesse 
seyn;  dürfte  auch  als  Vorarbeit  für  den  Verfasser 
eines  künftig  noch  zu  erscheinenden  technologischen 
Handbuches  einigen  W^rth  besitzen. 

Die  Veranlassung  zu  dem  gegenwärtigen  Aufsätze 
war  die  Beschreibung  zweier  neuen  ^  von  Engländern 
erfundenen  Verrichtungen  zum  Einspannen  ^.welche 
in  mehreren  auswärtigen  Journalen  bereits  aufgenom- 
men wurden  ist.  Den  Zweck ^  welchen  ich  mir  dabei 
vorgesetzt,  habe  ich  nicht  ohne  Schwierigkeit  za  er- 
reichen vermocht ;  durch  Anschauung  in  den  Wert 

Natur  Statt  findende  Verhältnirs  gegen  einander  beobachtet 
hätten.  Raumeraparnifs  einerseits,  und  mögliebst  genaue 
Angabe  des  Details  anderseits  sind  hiervon  die  Ursachen. 
Auf  die  Versländlichlicit  des  Ganzen  dürfte  dieser  Umstand 
nicht  leicht  Einflufii  haben. 

K. 
**)  Man  sagt  von  einem  eingespannten  Arbeitsstudie ,  dafs  es 
rund  laufe^  wenn  dessen  Achse  mit  der  Achse  der  Drehbank* 
Spindel  zusammenfallt,  und  erliennt  dieses  an  dem  Umstände 
nars  ein  auf  der  Vorderfläche  aus  dem  Mittelpunkte  beschrie- 
bener Kreis  währelnd  des  Drehens  heine  auf  irgend  eine  Seite 
ausweichende  oder  schleudernde  Bewegung  seigt. 


a43 

Stauen  ist  ein  grofser  Theil  von  den  im  Nachfolgen- 
den  beschriebenen  Vorrichtungen  gesammeh  worden^ 
den  man  in  gedruckten  Werken  vergebens  suchu  Was 
ich  scholl  beschrieben  fand^  wurde  gesichtet^  ge- 
ordnet und  berichtigt.  Bei  der  Ausarbeitung  des 
zweiten  Abschnittes^«  welcher  von  beimi Di r.hstuhle 
gebräuchlichen  £inspannungsarten  handelt  j  hat  mir 
die  in  der  Werkzeugsammlung  des  Fabrikspodukten- 
Kabinettes  am  polytechnischen  Institute  befindliche 
voUstandige  Folge  der  Uhrmacherwerkzeuge  höchst 
wesentliche  Dienste  geleistet.  Dessen  üngeachtetläugne 
ich  nicht  die  MögUchkeit^  dafs  eine  oder  die  andere 
hierher  gehörige  Einrichtung  meiner  Aufmerk- 
samkeit entgangen  seyn  könne;  allein  man  wird 
wohl  im  Stande  seyn  y  die  etwa  fehlenden  in  die  von 
mir  hier  aufgestellte  Reihe  einzuschieben. 

3.  Das  Verfahren  beim  Drechseln  ist  verschieden, 
je  nachdem  man  sich  dazu  der  eigentlichen  Drehbank 
oder  des  Drehstuhls  bedient.  Der  Unterschied  zwi- 
schen diesen  beiden  Vorrichtungen  ist,  im  Ganzen 
genommen,  nicht  wesentlich,  sondern  beschränkt 
sich  auf  die  Gröfse  und  auf  die  Art  der  Bewegung. 
Dafs  diese  beiden  Umstände  dennoch  auch  einige  nicht 
unbedeutende  Abweichungen  in  dem  Verfahren  beim 
Einspannen  hervorbringen  müssen,  sieht  man  leicht  ein. 
Daher  halte  ich  es  auch  fiir  zweckmäfsig ,  das  Ein- 
spannen auf  dem  Drehstuhle  von  dem,  wie  es  auf  der 
Drehbank  vorgenommen  wird,  zu  trennen,  und  beide 
abgesondert  zu  behandeln.  Bei  der  Beurtheilung 
einer  jeden  Verfahrungsart  soll  besondere  Rücksicht 
genommen  werden  auf  den  Grad,  der  Bequem- 
lichkeit und  Sicherheit ,  welchen  man  sich  davon 
Tersprechen  kann.  Hiernach  wipd  man  auch  im  Stande 
seyn,  auf  die  gröfsere  oder . geringere  Brauchbarkeit 
derselben  zu  schliefsen,  da  überhaupt  jene  Einspan- 
nungsart  für  die  vorzüglichste  angesehen  werden  mufs, 
welche  bei  gleicher  Bequenüichkeit  für  die  meisten 

i6* 


a44 

^aUe  anwendbar  ist,  und  die  gröfste  Genauigkeit  in 
Rücksicht  auf  das  Rundlaufen  des  eingespannten  Ge* 
genstandes  gewährt. 

I.  Von  dem  Einspannen  auf  der  Drehbank. 

3.  liie  älteste  und  einfachste  Art  des^  Einspan«* 
nens  ist  diejenige,  wobei  das  zu  bearbeitende  Stück 
an  seinen  beiden  Enden  durch  zwei  in  der  Achse  des- 
selben liegende  Spitzen  festgehalten  wird  ')•  Man 
bedient  sich  dieses  Verfahrens  immer  ^  wenn  sehr 
lange  Gegenstände  abzudrehen  sind,  die  an  den  bei-- 
den  Enden  festgehalten  werden  müssen ;  aufserdem 
aber  aiich  i|i  mehreren  anderen  Fällen. 

Zu  diesem  Behufe  wird  in  das  vordere  Ende  der 
Spindel  Ä  (Fig.6,Taf.  L)  eJn  so  genanter  Körner  '), 
q,  eingeschraubt.  Die  andere  Spitze  (A* ,  Fig.  a)  be- 
findet sich  in  dem  Reitstocke  i  der  Drehbank.  Sie 
ist  in  einer  zylindrischen  Höhlung  desselben  verschieb- 
bar, damit  sie  durch  Hülfe  der  Schraube  /  nach  Be- 
dürfnifs  vor  -  oder  rückwärts  bewegt  werden  könne. 
Zu  ihrer  Feststellung  dient  eine  andere  Schraube ,  /i. 
Übrigens  kann  der  ganze  Reitstock,  da  man  bald  lange, 
bald  kurze  Stücke  zu  bearbeiten  hat,  nach  der  Länge 
der  Drehbank  bewegt,  uud  unter  derselben  durch 
—  -»—  I    ,  ■      '  -         - 

^)  Aus  einer  der  Description  de  tEgypte  beigefugten  Kupfer- 
tatcl  ersieht  man ,  dafa  die  Drechsler  im  Orient  sich  eben- 
falls dieser  Art  einMtspannen  bedienen.  Ihre  Drehbank  hat 
jedoch  dfe  meiste  Ähnnchlieit  mit  dem  gemeinen  Drehstuhle 
unserer  Uhrmacher ,  indem  die  Arbeit  wie  bei  diesem  durch 
einen  Bogen  in  Umdrehung  gesetst  wird.  Zum  Andrücken 
des  Drehstahls  bedient  sich  der  vor  der  Drehbank  iiiumde 
Arbeiter  des  Fufsea. 

s)  Körner  heilet  bei  vielen  Arbeitern  überhaupt  Jede  kegell^r* 
mige  Spitze  aus  gehärtetem  Stahl.  So  bedient  man  sich  der 
Körner ,  um  durch  einen  mit  dem  Hammer  darauf  i^fUhrtea 
Schlag  die  Stelle  vorzuseichnen  9  w^  in  irgendein  Stück 
Metall  ein  Loch  gebohrt  werden  seil.  Körner  nennt  man 
gleichfalls  die  durch  eine  Solche  Spitze  hervorgebrachte  ke- 
gelförmige Vertiefung. 


a45 

einen  Keil^  m^  festgestellt  werden.  Da  die  Umdre- 
hung der  Spindel  b  (Fig.  3  und  G)  nicht  hinreicht^ 
den  eingespannten  Gegenstand  herum  zu  fuhren ,  so 
ist  für  diesen  Zweck  ein  eigener  Führer  angebracht, 
dessen  Einrichtung  zwar  verschiedener  Abänderungen 
empfänglich  ist ,  der  aber  am  häufigsten  di^  in  der 
Zeichnung  (Fig.  6 )  angegebene  Gestalt  hat.  Er  be- 
steht nähmlich  aus  einem  eisernen  Kloben  s  (der  seiner 
Gestalt  wegen  oft  das  Herz  genannt  wird),  welcher  mit- 
telst einer  Stellschraube,  und  auf  die  in  Fig.  7  bemerk- 
te Art,  an  das  abzudrehende  Stück  t  festgemacht 
wird.  Durch  den  Kömer  q  steckt  man  dann  ein  win- 
kelförmig gebogenes  Eisenstück  r,  welches  bei  der 
Umdrehung  der  Spindel  den  an  der  Arbeit  befindli- 
chen Kloben  s ,  und  somit  auch  die  Arbeit  selbst  her- 
umfuhrt. 

« 

Das  Drehen  zwischen  Spitzen  gestattet  unter 
allen  Arten  des  Einspannens  die  meiste  Genauigkeit; 
vorausgesetzt,  dafs  beide  Spitzen  selbst  in  einer 
mit  der  Achse*  der  Spindel  vollkommen  zusam- 
mentreffenden Linie  hegen ,  was  man  leicht  dadurch 
erkennt,  dafs  dieselben,  wenn  sie  einander  genähert 
werden ,  genau  auf  einander  treffen.  Doch  können, 
wie  man  leicht  sieht,  Gegenstände,  welche  auf  ihrer 
Vorderfläche  abgedreht  werden  sollen^  nicht  auf 
diese  Art  befestigt  werden« 

4«  Man  kann  bei  dem  Drehen  zwischen  Spitzen 
des  zuvor  beschriebenen  Führers  entbehren,  wenn 
man  statt  eines  an  der.  Spindel  befindlichen  Körners 
sich  der  bei  den  Drechslern  unter  dem  Nahmen  des 
Zwirls  bekannten  Vorrichtung  bedient.  In  diesem 
Falle  wird  unmittelbar  an  das  vordere  Ende  der  Spin- 
del ein  messingener  Spindelkopf  (Fig.  5 ,  Taf.  I)  hei 
o  festgeschraubt,  in  dessen  weiteres  Ende  p  man  den 
eigentlichen  Zwirl(Fig.  9)  einschraubt.  Dieser  letz- 
tere besitzt  aufser  der  eisernen  Spitze  a  noch  ein  Paar 
schneidige  und  spitzige  Theile  Oj  c,  welche  sich  in 


346 

die  Arbeit  eindrücken^  \renn  von  der  andern  Seile 
der  im  Reitstocke  befindliche  Körner  vorgesetzt  wird. 
Dieser  Art  einzuspannen  kann  man  sich,  begreiflicher 
Weise,  nur  dann  bedienen,  wenn  Holz  gedreht  wird^ 
während  die  Anwendung  des  vorhin  (  §•  3 )  beschrie- 
benen Führers  sich  auf  die  Metallarbeit  beschränkt. 

5.  Bei  jenen  älteren  Drehbänken,  denen  die  Spin- 
del gänzlich  mangelte,  und  auf  welchen  Alles  zwi- 
schen Spitzen  mit  Hülfe  der  Wippe  oder  des  Pilaster- 
bogens  gedreht  wurde,  kam  doch  oft  genug  der  Fall 
vor,  wo  schlechterdings  diese  Art  des  Einspannens 
unanwendbar  gefunden  werden  mufste.  Bei  solchen 
Gelegenheiten  bediente  man  sich  der  sogenannten 
Anlaufscheibe  (Taf  H ,  Fig.  g) ,  welche  aber  gegen- 
wärtig, da  die  Drehbänke  durchaus  ,eine  verbesserte 
Einrichtung  besitzen ,  kaum  mehr  benützt  wird.  Eine 
solche  Scheibe,  c,  ist  von  Messing  ocjer  Buxbaum- 
holz,  und  besitzt  an  ihrem  Umkreise  eine  gewisse 
Anzahl  konisch  versenkter  Löcher  von  abfallender 
Gröfse,  deren  Mittelpunkte  sämmtlich  gleich  weit 
vom  Zentrum  der  Scneibe  entfernt  sind.  Mittelst 
einer  vorgelegten  Schraubenmutter  a  wird  dieselbe  an 
der  Docke  d  der  Drehbank  so  befestigt,  dafs  sie  sich 
nach  Belieben  drehen  und  feststellen  läfst  j  der  Mit- 
telpunkt des  oben  stehenden  Loches  befindet  sich  da- 
bei jedes  Mahl  dem  Körner  der  zweiten  Docke  gegen- 
über. Die  abzudrehende  Arbeit  b  wird  einerseits 
durch  diesen  Körner  festgehalten ,  während  sie  mit 
ihrem  andern  konisch  gedrehten  Ende  in  einem  pas* 
senden  Loche  der  Scheibe  liegt;  der  Beurtheilung 
des  Arbeiters  bleibt  es  überlassen,  die  hierbei  Statt 
findende  Reibung  durch  Stellung  der  Docke  so  sehr 
als  möglich  zu  mäfsigen,  ohne  der  Genauigkeit  der 
Bewegung  zu  schaden.  Man  kann  mittelst  dieser  Vor- 
richtung ohne  Anstand  hohl  drehen  und  bohren ,  zu 
welchem  Ende  auf  die  Docke  eine  wie  gewöhnlich 
gestaltete  Auflage ,  e ,  befestigt  ist.  Nöthigen  Falles 
kann  auch  ein  einziges  Loch  statt  vieler  dienen ,  wenn 


^4? 

man  dasselbe  nach  Bedürfnifs  zu  erweitern  oder  zu 
verengen  im  Stande  ist.  Die  da^u  nöthige  Vorrich- 
tung ist  in  Fig.  10  abgebildet.  Sie  besteht  aus  einer 
mit  einem  Gewinde  a  versehenen  zweitheiligen  Platte^ 
deren  öfinung  c  durch  eine  bei  b  angebrachte  Schraube 
der  angegebenen  Veränderung  empfänglich  gemacht 
wird.  Der  Ausschnitt  d  dient  zur  Befestigung  an  die 
Docke  der  Drehbank.  Sowohl  diese  Vorrichtung^ 
als  die  oben  beschriebene  Anlaufscheibe  Verden  jetzt 
sehr  zweckmäfsig  durch  verschiedene  Arten  von  Fut-- 
fern  ersetzt,  von  denen  im  Nachfolgenden  die  Rede 
ist  Häufiger  im  Gebrauch  ist  dagegen  selbst  jetzt 
noch  die  in  Fig.  47  gezeichnete^  und  unter  dem  Nah- 
men Lunette  bekannte  V  orrichtung.  Dieselbe  besteht 
aus  einer  Art  von  eisernem  Rahmen  aa^  \n  welchem 
zwei  halbrund  ausgeschnittene  hölzerne  Backen  oo 
eingelegt,  und  durch  Schraubenmuttern  n y  welche 
unmittelbar  auf  das  bewegliche  Querstück  zz  wirken, 

Segen  einander  geprefst  werden.  Diese  Backen  bil- 
en  hierdurch  eine  kreisrunde  Öffnung  als  Lager  fiir 
das  Arbeitsstück,  welches  hinten  in  dem  Körner  der 
Spindel  läuft,  und  dessen  Vorderfläche  somit  frei 
bleibu  Der  ganze  Apparat  wird  mittelst  der  Gabel  i 
an  den  Reitstock  der  Drehbank  befestigt,  jedes  Mahl 
so,  dafs  die  öf&iung  der  Backen  genau  in  aie  verlän- 
gerte Achse  der  Spindel  fällt.  Begreifen  wird  man,  dafs 
ein  öfteres  Wechseln  der  Backen  nöthigist,  weil  man 
oft  solche  mit  engern  odei^  weitern  Ausschnitten  an- 
.vrenden  mufs.  Dieser  Umstand  hat  jedoch  keinen 
Einflufs  auf  die  Brauchbarki^it  der  Vorrichtung,    da 

{*ene  Backen  einfache    Bretchen  sind,    die  mit  dem 
lalbrunden  Ausschnitte  versehen,    und  von  oben  in 
den  eisernen  Rahmen  eingeschoben  werden. 

6.  Es  ist  schon  (§.  3.)  berührt  worden,  dafs  das  . 
Einspannen  zwischen  zwei  Spitzen  bei  weitem  nicht 
überall  anwendbar  sey.     Für  jene  Fälle  nähmlich,  wo 
irgend  ein  Stüek,   welches  keine  bedeutende  Länge 
hat,  oder  welches  auf  der  Vorderflächc  bearbeitet 


348 

werden  soU^  einzuspannen  ist,  bedient  man  sich  eines 
gans  andern  Mittels ,  nähmlicb  der  so  genannten  Fut^ 
ter  Q4er  Patronen^  von  welchen  die  Arbeit  an  einem 
einzigen  Ende  hinlänglich  fest  gehalten  werden  kann. 

Die  gewöhnlichen  Futter  haben  eine  sehr  einfache 
Gestalt  (Fig.  ro,  Taf.  I.)-  Sie  hestehen  n&hmlich 
in  einem  vorn  ausgehöhlten  Stück,  welches  in  den 
Fig.  5  abgebildeten  Kopf  der  Spindel  geschraubt,  und 
in  dessen  Öffnung  der  abzudrehende  Gegenstand  durch 
Hammerschläge  hinein  geprefst  wird.  Man  macht  sie 
aus  Holz,  seltener  aus  Messing.  Will  man  die  Futter 
unmittelbar  auf  die  Spindel  der  Drehbank  anbringen, 
so  gibt  taian  ihnen  die  in  Fig,  1 1  im  Durchschnitt  ab- 
gebildete Gestalt/  Bei  den  meisten  Drechslern  ist 
diese  die  gewöhnlichste  Art  des  Einspannens ,  und  sie 
hat  die  grofse  Bequemlichkeit  fiir  sich ,  mit  Vi^elcher 
die  Arbeit^  sie  mag  wie  immer  geformt  seyn,  festge- 
macht werden  kann.  Dagegen  sieht  man  leicht ,  dafs, 
besonders  bei  etwas  längeren  Stücken,  ein  voUkom* 
menes  Rundlaufen  nur  schwer  zu  bewirken  seyn 
möchte >  ein  Umstand,  der  freilich  bei  ordinalen  Ar- 
beiten wenig  zn  sagen  hat. 

r 

Die  Zinngießer  bedienen  sich  lum  Einspannen 
derjenigen  Arbeiten,  welche  durch  Abdrehen  ihre 
Rundung  erhalten  sollen,  ebenfalls  der  Futter,  oder 
so  genannten  Stöcke,  Es  sind  dieses  hölzerne  Zylin- 
der, welche  entweder  unmittelbar  auf  das  s^ier^ 
kantige  Ende  der  Drehbank«- Spindel  aufgesteckt, 
oder  auch  in  einen  messingenen  Kopf  eingeschraubt 
Werden«  Auf  ihrer  vordem  Seite  dreht  man  dieselben 
nach  der  Form  des  zu  bearbeitenden  Gegenstandes 
hohl  aus,  und  bestreicht  sie  mit  Kreide.  Um  die 
Arbeit  fest  zu  halten,  bringt  man  am  Rande  des  Stok- 
kes  drei  Stücke  Zinn  an ,  welchen  auf  der  dem  Mit- 
telpunkte zugekehrten  Seite  ein  runder  Einschnitt  ge- 
geben, und  zwischen  die    das    Arbeitsstück    einge- 


klemmt  Mrird.  Im  Gänsen  genommen  ist  die  Dreh- 
bank oAev  Drehlade  der  Zinngiefser  einer  inreit  gerin- 
gem Genauigkeit  empfänglich,  als  jene  des  Drechslers. 


7.  Diese  Futter  sind  für  die  allermeisten  Fälle  hin- 
reichend j  und  ihre  Gestalt  erleidet  nur  selten  einige 
Abänderungen,  die  aber  immer  durch  den  Zweck  der 
Bearbeitung  bedingt  werden  mufs.  Als  Beispiel  einer 
solchen  Verschiedenheit  mag  die  in  Fig.  6  (Taf.  11) 
gezeichnete  Vorrichtung  dienen,  welche  für  den  Fall 
ihre  Anwendung  findet,  dafs  man  aus  einer  Kugel 
durch  Abdrehen  gewisser  Tb  eile  einen  vieleckigen 
Körper  bilden  will.  Ein  gemeines  Futter  aa^  wel- 
ches mil  Hülfe  der  Schraubenmutter  c  auf  der  Dreh- 
bank-Spindel befestigt  wird,  und  dessen  Höhlung 
halbkugelformig  gestahet  ist,  wird  nähmlich  mit 
einem  aufgeschraubten  Deckel  ter.sehen,  der  in  seiner 
Mitte  so  durchbrochen  ist,  dafs  ein  Theil  der  einge- 
spannten Kugel  b  durchsieht.  Diese  letztere  wird 
hierdurch  nicht  nur  sehr  fest  gehalten ,  sondern  man 
hat  zugleich  auch  den  Vortheil,  dafs  nur  der  Deckel 
etwas  locker  geschraubt  werden  darf,  wenn  man  die 
Kugel  drehen  will,  ohne  dem  Rundlaufen  derselben 
Eüntrag  zu  thun. 

Erwähnung  verdient  hierauch  jene,  auf  Taf.  I, 
Fig.  20  abgebildete  Vorrichtung,  welche  bei  den 
Drechslern  unter  der  Benennung  des  Zangenfutters' 
bekannt  ist,  und  den  Zwe<;k  hat,  das  Einspannen 
eines  flachen  Arbeitsstückes  aucb  aufser  dem  Mitiel- 

E unkte  auf  eine  leichte  Art  möglich  zu  machen.  Sie 
esteht  aus  zwei  viereckigen  Bretchen,  von  denen 
das  hintere  mittelst  der  Schraube  a  in  den  Kopf  der 
Spindel  befestigt  werden  kann.  An  diesem  Brete  sind 
zugleich  zwei  Scbraubenspincleln  angebracht,  welche 
durch  eben  so  viele  Löcher  des  vordem  Bretchens 
durchgehen ,  und  mit  kleinen  Schraubenmuttern  ver- 
sehen sind.  Durch  das  Anziehen  dieser  lÜuttem  wer- 


den  beide  Bretchcn  gegen  einander  gedrückt^  um  die 
einzuspannende  Arbeit  festzuhalten.  Im  Mittelpunkte 
des  vordem  Bretes  ist  ein  rundes  Loch  ausgeschnit- 
ten^ damit, nf an  mit  dem  Werkzeuge  bequem  an  die 
Arbeit  gelangen  könne.  Dafs  die  Anwendung  dieses 
Futters  ziemlich  beschränkt  seyn  müsse,  sieht  man 
bald  ohne  Erläuterung  ein.  Man  bedient  sicli 
desselben  z.  B.  wenn  in  ein  flaches  Stück  Holz  an 
verschiedenen  Stellen  Löcher  gebohrt ,  oder  Vertie- 
fungen eingedreht  werden  sollen. 

8.  Die  gemeinen  Futter  sind ,  wie  man  schon  aus 
ihrer  Beschreibung  abgenommen  haben  wird,  nur 
zum  Einspannen  für  Gegenstände  von  einerlei  Dicke 
anwendbar.  Es  wäre  jedoch  viel  zu  umständlich, 
wenn  der  Drechsler  sich  für  jede  neue  Arbeit  auch 
ein  anderes  Futter  verfertigen  müfsta  Zwar  hilft  man 
sich  meist  dadurch ,  dafs  man  in  ein  schon  vorhande- 
nes gröfseres  Futter  einen  Holzpfropf  eintreibt,  und 
diesen  bis  zu  der  nöthigen  Weite  ausdreht.  Oft  aber 
ist  selbst  dieses  Verfahren  zu  viel  zeitraubend;  und 
manchmahl  geschieht  es  auch,  dafs  ein  schon  ganz 
bearbeitetes-  Stück,  an  welchem  Hammerschläge  nicht 
leicht  angebracht  werden  können,  einzuspannen  ist. 
In  diesen  Fällen  bedient  man  sich  der  so  genannten 
Klemmfutter,  in  welche  Gegenstände  verschiedener 
Gröfse  leicht  fest  gemacht  werden  können. 

Die  einfachste  Art  der  Klemmfutter  besteht  aus 
zwei  Holzstücken,  welche,  wenn  sie  zusammengesetzt 
werden ,  in  ihrer  Mitte  eine  runde  Höhlung  zum  Ein- 
legen der  Arbeit  lassen,  und  durch  Einschlagen  in 
ein  gewöhnliches  Futter  fest  gegen  einander  geprcfst 
werden.  Die  beiden  Zeichnungen  Fig.  i3  und  t4 
auf  Taf.  J[  sind  bestimmt,  diese  Einrichtung  zu  versinn- 
lichen. Fig.  i3  zeigt  die  eine  Hälfte  eines  solchen 
Klemnif utters ,  die,  wie  man  sieht,  gegen  das  Ende 
verjüngt  zugeht  3  in  Fig.  i4  ist  aa  die  vordere  Ansicht 


a5i 

des  ganzen  Klemmfdtters,.^  die  eingespannte  Arbeit;^ 
und  cc  das  gemeine  Futter,  welches  das  Ganze  zusam- 
menhält. 

Bequemer  als  diese  Art  der  Klemmfutter  ist  eine 
andere,  von  welcher  Fig.  i5  eine  Vorstellung  gibt. 
Man  kann  jedes  gemeine  Futter  in  ein  solches  Klemm- 
futter umwandeln ,  wenn  man  mit  der  Säge  zwei  über 
Kreuz  gehende  Einschnitte  in  dasselbe  macht,  am 
hintern  Ende  eine  Rinne  aa  eindreht,  damit  die  wei- 
ter ^egen  vorn  ;u  liegenden  Theile  sich  etwas  federn 
können ,  und  endlich  einen  messingenen  Ring  b  c  auf- 
steckt ,  der  das  ganze  Futter  um  so  stärker  zusammen- 
prefst,  je  mehr  er  gegen  das  dickere  Ende  bei  a  ge- 
schoben vdrd.  Man  kann  dem  Ringe  b  c  auf  seiner 
Innern  Seite ,  und  eben  so  dem  Umkreise  des  Futters 
Schraubengänge  geben,  und  solchergestalt  den  Ring 
nach  Bedürfnifs  vor -oder  rückwärts  schrauben ;  allein 
dieses  Verfahren  ist  nicht  nur  etwas  umständlich,  son- 
dern gestattet  auch  die  Vortheile  nicht,  die  man  sich 
etwa  davon  versprechen  könnte.  Es  ist  zwar  nicht 
zu  läugnen,  dafs*  hierbei  die  Verengerung  des  Futters 
gleichförmiger  und  sanfter  vor  sich  gehe,  als  wenn 
der  Ring  mit  dem  Hammer  angetrieben  wird ;  aber 
bei  dem  eben  genannten  Verfahren  steht  es  auch  in 
der  Gewalt  des  Arbeiters,  die  bereits  eingespannte  Ar- 
beit durch  die  auf  verschiedene  Seiten  des  Ringes  ge- 
richteten Schläge  ganz  rund  zu  richten,  was  im  er- 
sten Falle  natürlicher  Weise  nicht  angeht,  indem 
beim  Zusammenschrauben  des  Futters  sich  alle  Theile 
in  gleichem  ,Mafse  gegen  den  Mittelpimkt  bewegen. 

Die  beiden  beschriebenen  Arten  der  Klemmfut- 
ter kommen  zwar  am  häufigsten  vor,  sind  aber 
doch  nur  dann  anwendbar,  wenn  die  einzuspannende 
Arbeit  am  hintern  Ende  rund  ist.  Für  jene  Fälle, 
wo  man  anders  geformte  Gegenstände  auf  der  Dreh- 
bank fest  machen  will,  wird  man  sich  der  in  Fig.  iG 


gcEeichneten  Fuiter  mit  Vortheil  bedienen.  Sie  un- 
terscheiden sich  von  den  gewöhnlichen  dadurch^  dafs 
sie  statt  der  runden  Höhlung  eine  nach  der  Quere  ge- 
hende Spalte  besitzen ,  in  welche  der  abzudrehende 
Gegenstand  eingelegt  wird.  Eine  mit  einer  Flügel- 
mutter versehene  Schraube  ist  bestimmt ,  beide  Hälf- 
ten zusammen  zu  pressen ,  und  solchergestalt  die  Ar- 
beit f(ftstzuhalten.  Beider  Verfertigung  der  Tabak- 
pfeifenröhre ,  so  wie  in  manchen  anderen  Fällen,  wer- 
den diese  Futter  in  Anwendung  gesetzt. 

9.  Zum  Einspannen  von  Holz  ist  auch  die  in  Fig. 
17  gezeichnete  Vorrichtung^  wiewohl  nicht  sehr  häu- 
fig, im  Gebrauchs  Eine  Scheibe  aa,  welche  bei 
d  in  den  (Fig.  5  gezeichneten  )  Kopf  der  Spindel  ein- 
geschraubt werden  kann,  tragt  eine  tttarke  Holz- 
schraube c,  an  welche  die  Arbeit  unmittelbar  befe- 
stigt wird.  Die  Scheibe  selbst  dient  der  Arbeit  zur 
Grundfläche,  und  mufs  daher  ganz  eben  abgedreht 
seyn.  Damit  man  im  Stande  Bey,  die  Schraube  c, 
wenn  sie  unbrauchbar  geworden  ist,  leicht  mit  einer 
neuen  zu  vertauschen ,  kann  sie  mit  einer  viereckigen 
Verlängerung  versehen ,  diese  durch  ein  viereckiges 
Loch  in  der  Scheibe  gesteckt,  und  hinter  derselben 
mit  einer  Schraubenmutter  befestigt  werden.  Statt 
der  Holzschraube  c  ist  es  auch  hinreichend ,  einen 
vierkantigen  eisernen  Stift  anzubringen ,  auf  welchen 
die  vorher  mit  einem  runden  etwas  kleinern  Loche 
versehene  Arbeit  mittelst  des  Hammers  aufgetrieben 
wird.  Mit  dieser  Vorrichtung  hat  eine  andere  Ahn«* 
lichkeit,  welche  in  Fig.  37  im  Dnrchschnitt  abgebil- 
det ist,  und  zum  Einspannen  flacher  Gegenstände, 
welche  in  ihrem  Mittelpunkte  ei^^<lurcbgehendes  Loch 
besitzen,  hin  und  wieder  angewendet  vrird.  In*  ein 
gemeines ,  auf  der  Drehbankspindel  befestigtes  Futter 
aaa  wird  eine  messingene  Scneibe  b  6  eingeschraubt, 
welche  in  c  0  einen  Hals  znm  Aufstecken  der  Arbeit 
besitzt.  Die  letztere  wird  durch  .eine  an  der  Schraub- 


a53 

Spindel  dd  befindliche  Mutter,  e,  festgehalten.  Der 
Hals  c  mufs  begreiflicher  Weise  eine  dem  Loche  des 
Arbeitsstückes  angemessene  Stärke  besitzen^  und  die 
Fläche  der  Sclieibe  b,  welche  der  Arbeit  zur  Anlage 
dient,  dreht  man  gerU' bei  jedesmahligem Einspannen 
neu  ab,  um  die  möglichste  Genauigkeit  beim  Rund* 
laufen  zu  erhalten. 

Will  man  ein  grofseres  Stück  Holz  bearbei- 
ten, dessen  Mittelpunkt  nicht  durchbohrt  wer- 
den darf,  so  bedient  man  sich  einer  Art  yon 
Kopf,  welche  aus  einer  messingenen  Platte  be- 
stellt, und  an  das  vordere  Ende  der  Drehbankspin- 
del  festgeschraubt  wird.  An  dem^  Umkreise  dieser 
Platte  befinden  sich  drei  Locher,  durchweiche  eben 
so  viele  Holzschrauben  gehen,  deren  Köpfe  hinter- 
wärts sind.  Durch  diese  Schrauben  kann  denn  die 
Arbeit  ebenfalls  bequem  gehalten  werden  (Fig-  19)- 
Es  gibt  unzählige  Fälle,  wo  dieses  Mittel  mit  Vortheil 
angewendet  werden  kann ;  doch  wird  dieses  immer 
nur  dann  der  Fall  seyn,  wenn  die  Verunstaltung  der 
Arbeit  durch  die  gebohrten  Löcher  nichts  zu  bedeu- 
ten hat.  Es  gibt  auch  solche  mit  drei  einfachen  eisernen 
Spitzen  versehene  Scheiben  (Fig.  18),  auf  welche 
die  Arbeit  aufgeschlagen  wird.  Weil  aber  diese  Spit- 
zen allein  nicht  hinreichend  sind,  die  Arbeit  zu  hal- 
ten ,  so  wird  auf  die  vordere  Fläche  derselben  der  im 
Reitstocke  befindliche  Körner  angesetzt,  imter  wel- 
chen man  noch  ein  flaches  Stückchen  unterlegt ,  da- 
mit die  Arbeit  dmrch  die  Spitze  nicht  beschädigt 
werde. 

10.  Die  in  den  letzten  sechs  §§.  (4 — 9)  be- 
schriebenen Vorrrchtungen  zum  Einspannen  werden 
in  der  Regel  nur  fiir  Holz  und  ähnliche  weiche  Sub- 
stanzen, welche  dem  Abdrehen  keinen  sehr  bedeu-» 
t^nden  Widerstand  entgegensetzen,  angewendet.  Me- 
tadle dreht  man  entweder  (sind  es  längere  Stücke) 


254 

zwischen  Spitzen  >  oder  man  bedient  sich  dazu  eige- 
ner Vorrichtungen  ^  die  wieder  von  sehr  verschiede- 
ner Art  seyn  können.  Eine  derselben ,  die  ziemlich 
häufig  vorkommt  ^  ist  in  Fig.  a  (Taf.  II)  abgebildet. 
Sie  besteht,  wie  man  sieht,  aus  zwei  Backen,  by  by 
die  sich  durch  das  Anziehen  der  Flügclsclirauben  d^dy 
einander  nähern  lassen ,  während  sie  beim  Nachlassen 
dieser  Schrauben  durch  kleine  Spiralfedern  aus  Eisen- 
draht, welche  hei  i,/,  liegen,  aus  einander  getrie- 
ben werden.  Die  Schrauben  ^,  e,  welche  jedes 
Mahl  so  weit  eingedreht  werden ,  dafs  ihre  Spit- 
zen den  Theil  j  des  Kopfes  berühren,  sind  be- 
stimmt, die  beiden  Backen  ganz  unbeweglich  fest 
zu  stellen.  Der  Theil  f^  der  nach  seiner  gan-* 
zen  Länge  durchbohrt  ist,  endigt  sich  in  eine 
Schraube,  und  ist  bei  c  mittelst  einer  vorgeleg- 
ten Mutter  befestigt.  Die  Schraube  a ,  welche  zum 
Einschrauben  der  Vorrichtung  in  den  Spindelkopf 
dient,  ist,  nebst  der  daran  benndlicben  Scheibe  /, 
von  Messing;  alle  übrigen  Theilc  bestehen  aus  Eisen; 
die  Backen  müssen  dort,  wo  sie  die  Arbeit  fassen, 
verstählt  werden.  Das  abzudrehende  Metallstück 
(welches  jedoch  immer  nur  von  geringer  Dicke  scjrn 
kann)  wird  in  die  Durchbohrung  von  J^gesteckt,  und 
vorn  zwischen  die  Backen  b  b  eingeklemmt.  Dafs 
man  hierbei  diese  letztern  um  gleich  viel  von  dem 
Mittelstücke y  entfernen  müsse,  um  die  Arbeit  zum 
vollkommenen  Rundlaufen  zu  bringen,  leuchtet  ohne 
Erinnerung  ein ;  eben  so  die  Unmöglichkeit  mittelst 
dieser  Vorrichtung  andere  Gegenstände^  als  höch- 
stens starke  Metalldrähte,  einzuspannen.  Das  Nahmli- 
che  gilt  von  der  in  Fig;  3 1  (Taf  VI)  gezeichneten  Vor- 
richtung, deren  Backen  sich  an  Gewinden^  wie  die  eines 
Feilklobens,  bewegen. 

Ein  Kopf  von  ähnlicher  Einrichtung  ist  der  auf 
Taf.  IV,  Fig.  19  vorgestellte.  Die  zum  Festhaltendes 
Arbeitsstückes  bestimmten  Backen  cc  laufen  hier 
zwischen  zwei  Linealen  dd^^  und  werden  durch  zwei 


a55 

Schrauben  ^  deren  Köpfe  man  bei  b  k  ^ieht ,  geführt. 
Mittelst  des  Anschlages  a  schraubt  man  die  ganze 
Vorrichtung  an  die  Spindel  der  Drehbank  fest.  — 
Ziemlich  dieselbe  Konstruktion  zeigt  der  in  Fig.  20 
(Tai.  IV  )  abgebildete  Kopf>  dessen  sämmtliche  Theile 
auf  einer  runden  hölzernen  oder  Qiessingenen  Scheibe 
fest  sind.  Die  ebernen  Backen  a^  welche  gleichfalls 
durch  Schrauben^  cc^  gestellt  werden^  liegen  hier 
in  einem  eisernen  Rahmen  bby  und  zwischen  sie  wird 
das  abzudrehende  Stück  (Eisen  oder  Messing)  ein- 
gespannt. 

I^ie  beschriebenen  Vorrichtungen  gehören,  wie 
sich  aus  dem  Obigen  ergeben  haben  wird,  nicht  mehr 
zu  den  einfacheren :  dessen  ungeachtet  hat  man  sie  noch 
weiter  auszubilden  und  zu  vervollkommnen  getrach- 
teu  —  So  hat  man  z.  B  Köpfe,  an  denen  die  beiden 
Backen  mitteist  einer  Stellscnraube,  welche  zur  Hälfte 
rechte,  zur  Hälfte  linke  Gänge  besitzt,  von  einander 
entfernt  werden  können,  ohne  ihren  gleichen  Ab^ 
stand  vom  Mittelpunkte  zu  verlieren. 

II.  Zum  Einspannen  dünner  Metallstücke  dient 
häufig  auch  die  in  Fig.  3  (Taf.  ü)  nach  zwei  Ansich- 
ten gezeichnete  Vorrichtung.  Es  ist  dieselbe  ein  ge- 
meines, aus  Messing  verfertigtes  Futter,  welches  mit 
seinem  hintern  Theue  a  auf  die  Spindel  der  Dreh- 
bank festgeschraubt  wird,  und  in  welchem  das  Ar- 
beitsstück durch  acht  auf  das  Mittel  zugehende  Schrau- 
ben c  c  (von  denen  je  zwei  und  zwei  hinter  einander 
stehen)  gehalten  wird.  Einleuchtend  ist  es,  dafs 
die  Spitzen  dieser  Schrauben  immer  in  gleicher  Ent- 
fernung vom  Mittelpunkte  des  Futters  bleiben  müssen, 
wenn  der  einspannte  Gegenstand  zum  Rundlaufen  ge- 
bracht werden  soll.  Da  nun  eine  solche  Adjustirung 
der  Schrauben  nicht  ganz  leicht  ist ,  so  setzt  auch  der 
Gebrauch  des  Futters  einige  Übung  voraus.  Räthlich 
ist  es  daher ,  im  Hintergrunde  des  Futters  eine  Spitze 
anzubringen ,  zwischen  diese  und  die  Spitze  des  ge- 
genüber stehenden  Reitstockes  die  Arbeit  einzulegen. 


a56 

dieselbe  rund  zu  richten ,  und  dann  erst  die  Schrau- 
.  ben  anzuziehen.  Hat  man  Ursache ,  eine  Beschädi- 
gung der  Arbeit  durch  die  Spitzen  der  Schrauben  zu 
befürchten^  so  ist  es  gut^  kleine  nach  der  passenden 
Form  Kugeleilte  Blechstückcheh  zwischen  einzulegen^ 
eine  Vorsicht^  welche  besonders  dann  nicht  aufser 
^ Acht  gelassen  werden  darf,  wenn  ein  am  hintern  Ende 
schon  fertiges  Stück  eingespannt  werden  mufs« 

v,Man  bedient  sich  dieser  Vorrichtung  auch  sehr 
oft  tum  Einspannen  derjenigen  Bohrer,  mit  denen 
auf  der  Drehbank  gebohrt  werden  soll,  und  die  dann 
am  hintern  Ende  vierkantig  sind ,  4amit  die  Schrau- 
ben cc  auf  die  Flächen  drücken  können.  Solche  Boh- 
rer werden  wohl  auch  blofs  in  ein  messingenes,  an 
der  Drehbank -Spindel  befestigtes  Futter  eingesteckt, 
oder  in  den  Kopf  der  Spindel  (Taf.  I.  Fig.  5)  einge- 
schraubt, zu  welchem  Behufe  sie  die  in  Fig.  4  (  ^^f* 
II)  abgebildete  Form,  nähmlich  am  Ende  eine  höU 
zerne  Schraube  besitzen« 

12.  Hierhergehört  auch  die  in  Fig.  i  (Taf.  11) 
gezeichnete  Art  von  Futter,  welche  zwar  sehr  sinn- 
reich ausgedacht,  nichts  desto  weniger  aber,  der 
Beschränktheit  ihrer  Anwendung  wegen,  nicht  sehr 
bekannt  ist.  Das  Hauptsächlichste  davon  besteht  in 
zwei  eisernen  Winkeln ,  i  und  Ar ,  welche  durch  die 
damit  verbundenen  Schrauben  g  g  einander  genähert 
werden ,  und  zwischen  sich  das  zu  bearbeitende  Me- 
tallstück (welches  meist  dicker  Draht  ist)  festhalten. 
Jene  beiden  Winkel  liegen  in  einem  eisernen  Gehäuse, 
dessen  Gestalt  aus  den  Zeichnungen  J3  und  C  hinrei- 
chend deutlich  wird.  Es  besteht  nähmlich  aus  einer 
kreisrunden  Platte ,  in  deren  Mittel  sich  eine  konische 
Öffnung  für  den  Durchgang  des  Arbeitsstückes  befin- 
det, und  welche  zugleich  mit  vier  kleineren  Löchern 
versehen  ist,  um  an  das  eigentliche,  aus  Messing 
verfertigte  Futter  a  festgeschraubt  zu  werden.  Fig.  i  •  Jl 
zeigt  dieses  Futter  nebst  dem  abgenommenen  Gehäuse 


von  der  Seite  gesehen;  B  und  C  sind  die  vordere nnd 
hinterls  Ansicht  des  die  Winkel  enthaltenden  Gehäu-^ 
ses ;  D  ist  die  vordere  Ansicht  des  Futters  (ji) ;  und 
£  zeigt  die  Detail- Einrichtung  der  heideu  Winkel. 
Die  Bedeutung  der  Buchstaben  ist  in  allen  diesen 
Zeichnungen  die  nähmliche^  und  zwar  folgende  f 
a  das  Futter  9  v^elcbes  mit  seiner  Schraubenmutter  6 
auf  die  Drehbankspindel  befestigt  wird;  und  von  c 
bis  c'  durchbohrt  ist^  um  den  hintern  Theil  des  ein- 
gespannten Arbeitsstückes  aufzunehmieü ;  d  das  G^ 
Läuse,  in  welchein  die  beiden  Winkel  entlialten  sind; 
und  welche^  im  Mittelpunkte  niit  einer  nach  vorn  sich 
erweiternden  Öffnung  /  versehen  ist;  e.e  die  Fort- 
setzung des  Futters ,  auf  vir  eiche  das  Genäuse  d  ge^ 
Steckt  wird ;  und  Vielehe  in  der  Mitte  ausgedommeiC 
ist,  umiüLrdie  Bewegung  det*  Winkel  den  nöthigett 
Baum  zu  lassen,  h  h  (Fig.  B)  diei  Schraubenlöcher; 
welche  zur  Befestigung  des  Gehäuses  d  auf  dein  Fut- 
ter dienen.  Ähnliche  Vier  Löcher  en(häli  natürlich 
such  die  y<]/r4erseite  dieses .  letztern ;  liüd  ilian  be- 
merkt sie  auf  deü  vorspringenden  Theileii  ^e'xn  Fig. 
J).  —  Der  eine  von  den  beidelil  fFinkeln  (der  iil 
den  Figuren  mii  k  bezeichnete )  ist  gesp'ahen^  und 
nimmt  den  andern  (£)  in  sich  auf.  .Durch  die  Seiten- 
ansicht in  Fig.  E  v^rd  diese  Einrichtung  zur  Oeniigei 
versinnlicht.  Beide  Winkel  lassen  zwischent  sich  eine 
viereckige  Offiauäg;  Vielehe  der  Öffnung^  im[  Gehäuse 
d  entspricht^  und  uin  so  gröfser  Wird;  je  Weiter  inäOL 
die  Scbra'üben  gg  zurückzieht;  Dafill  dieses  Zurück- 
Sieben  von  beiden  Seiten  gleicfamäfsig  geschehedt 
müsse  y  braucht  wohl  kaum  erwähnt  t\i  Werden.  Die 
Schrauben  gg  sind  mit  den  Winkeln  so  verbünden; 
dafs  sie  sich  zwar  frei  drehen  können^  allein  bei  feder 
ihrer  Bewegungen  vor-  oder  rückwäirts  die  Winkel 
selbst  initnehmen.  Der  Gebratreh  dieses  Futters  wird 
ii^h  hiernach  von  selbst  erklären;  das  Gehäuse  d 
Llcibt  immerwährend  mit  demselben  verbünden^  und 
das  Festhalten  der  Arbeit  (die  z.  B;  ein  starker  Drahd: 

$tlkshn   im%  polyt.  Init.  IV.  B4«  i^ 


a58 

seyn  kann)  ge^chi^ht  durch  Anziehen  der  Schrauben 
gg.  Es  ist  jedoch  hierüber  ganz  das  Nähmliche  zu 
bemerken  y  was  im  vorigen  §  über  die  daselbst  be- 
schriebene Vorrichtung  gesagt  wurde.  Nur  ist  der 
Gebrauch  des  gegenwärtigen  Futters  mit  weniger 
Schwierigkeit  verbunden,  da  blofs  zwei  Schrauben 
auf  das  Genaueste  berichtigt  werden  müssen,  um  den 
eingespannten  Gegenstand  zum  Rundlaufen  a^u  bringen. 

< 

i3.  Mit  dem  In  §•  ii  beschriebehen  Futter  hat 
diejenige  Vorrichtung  eine  grofse  Ähnlichkeit,  der 
man  sich  zum  Einspannen  bedient,  wenn  aus  Holz, 
Elfenbein  oder  anderem  Materiale  ein  Stern  (der  von 
manchen  Drechslern  als  Kunststück  verfertigt  wird) 
gedreht  werden  soll.  Fig.  7  und  8  (auf  Taf.  U)  sind 
zwei  verschiedene  Durchschnitt- Zeichnungen  dnes 
solchen  Futters,  welches  mittelst  der  Schraubenmut- 
ter a  (Fig.  7)  an  dem  vordem  Theile  der  Drehbauk- 
spindel  befestigt  wird.  Durch  den  Rand  desselben 
sind,  mehrere  Löcher  (als  a',  b'y  c,  dy  Fig.  8)  gebohrt, 
und  diese  enthalten  eben  so  viele  Schrauben,  welche 
auf  zweckmäfsig  geformte  Holzsiückchen  drücken,  und 
somit  den  eingespannten  Körper  festbaltep.  Zu  dem- 
selben Behuie  liegt  im  Hintergrunde  des  Futters  eine 
andere  Schraube,  b>y  welche  bei  der  Umdrehung 
der  Spindel  genau  rund  laufen  mufs.  Ich  halte  es 
für  überflüssig,  weiter  in  das  Detail  dieser  Vorrich- 
tung einzugehen,  da  sie  so  selten,  und  zu  einem  so 
wenig  wichtigen  Zwecke  gebraucht  wird.  Ein  erfin- 
derischer Arbeiter  sucht  sich  in  manchen'  neuen  Fäl- 
len durch  allerlei  Mittel  zu  helfen,  deren  Aufzählung 
schwierig,  vielleicht  unmöglich,  und  — glücklicher 
Weise  —  auch  nicht  nöthig  ist.  Mir  mufs  es  genü- 
gen ,  im  Verlaufe  dieses  Aufsatzes  einige  solche ,  für 
aufserordentliche  Fälle  anwendbare  Arten  des  Ein- 
spannens  anzudeuten,  da  ich  mir  nicht  vorgesetzt 
habe ,  in  das  kleinlichste  Detail  einzugehen. 


a59 

I 

i4-  Flache  Arbeitsstücke^  die.su  kurz  sind^  ali^ 
dafs  maa  sie  ia  ein  Futter  einspannen  könnte  ^  und  die 
auch  nicht  zwischen  Spitzen  festgehalten  werden  kön- 
nen, weil  man  sie  auf  der  Vorderfläche  zu  bearbeiten 
Willens  ist,  sucht  man  auf  verschiedene  andere  Ar- 
ten an  der  Drehbankspindel  zu  befestigen.  Das  ein- 
fiichste  Verfahren^  von  dem  hier  zuerst  gesprochen 
werden  mufs,  ist  das  Auf  kitten  y  welches  häufig  bei 
Dosen  und  ähnlichen  Arbeiten  vorkommt.  Man  be^ 
dient  sich  dazu  einer  flach  abgedrehten,  in  den  Kopf 
der  Spindel  eingeschraubten  Scheibe.  An  diese  hält 
man,  während  die  Drehbank  in  schneller  Beweguns 
ist,  ein  Stück  des  aus  Kolophonium,  Terpenthin  und 
Ziegelmehl  bereiteten  Kittes,  der  dadurch  weich 
wird,  und  die  Oberfläche  der  Scheibe  überzieht  "*)• 
Drückt  man  unter  diesen  Umständen  das  zu  bearbei- 
tende  Stück  fest  darauf,  so  vereinigt  es  sich  sehr  gut 
mit  der  Scheibe ,  und  kann  nach ;  dem  Erstarren  de4 
Kittes  nach  Belieben  abgedreht  w^den ;  durch  einen 
einzigen  schnell  geführten  Hammcrschlag  wird  diese 
Verbindung  zuletzt  wieder  aufgehoben,  und  zwar 
meist  so  vollkommen ,  dafs  nicht  eine  Spur  des  Kittes 
an  der  Arbeit  zurück  bleibt.  Statt  des  erwähnten  zu- 
sammengesetzten Kittes  kann  mit  den  nähmlichen 
Handgriffen  auch  Mastix  angewendet  werden,  der 
aber  theurer  ist.     Wenn  grofse  Stücke  zu  bearbeitent 


*)  Bei  der  Bereitung  dieses  Kittes  scheint  es  hauptsäcblioh  dar- 
auf anzukommen  9  dem  durch  Terpenthin  säner  gemachteii 
Harze  einen  Körper  beizumischen ,  der  seine  Konsistenz  ver- 
mehrt, und  seine  Sprödigkeit  vermindert.  Dieser  Körper  , 
ist  das  Ziegelmebl ,  an  dessen  Statt  auch  Kreide  oder  ge- 
siebte Asche  gebraucht  werden  kamt.  —  Der  vorliegende 
Fall  ist  übrigens  nicht  der  einzige ,  wo  der  Drechsler  die 
durch  Schnelle  Reibung  hervorgebrachte  Hitze  benutzt ;  das 
Näh>nliche  geschiehtauch  ,  wenn  gewisse  Arbeitsstücke  dureh 
Anreiben,  mit  Siegellack  eingelassen  werden  sollen ,  und 
wenn  der  Drechsler,  um  eine  geringe  Menge  Leim  schnell 
flüssig  zu  machen ,  diese  in  seine  eiserne  Röhre  gibt ,  welche 
er  dann,  während  die  Drehbank  in  Bewegung  ist,  stark 
gegen  die  hölzerne  Rolle  der  Spindel  andrückt.  ^- 

L7* 


:i6o 

Bind,  ist  es  gut^  die  hölzerne  Scheibe^  vorauf  man 
sie  befestigen  will  ^  blofs.  in  geschmolzenen  Mastix  za 
tauchen^  und  sie  50  auf  eine  bequemere  und  leich- 
tere Art  mit  einer  dünnen  Lage  Harz  zu  i^berziehen. 

Das  Aufkitien  konmit  unter  andern  auch  dann 
Tory  wenn  man  Willens  ist^  verschiedepe  Stü^cke 
Metall  mit  Hülfe  eines  Supportes  auf  der  Vorderfläche 
fiieich  hoch  abzudrehen ,  stait  sie  abzufeilen.  Diese 
Stücke  werden  dann  zu  gleicher  Zeit  aufgekittet^  und 
80  mit  gröfserer  Genauigkeit  bearbeitet^  als  man  mit- 
telst der  Feile  zu  erreichen  im  Stande  wäre. 

i5.  Bei  gewissen  Gelegenheiten  bedient  man  sich 
der  in  Fig.  12  auf  Taf.  I  gezeichneten  Vorrichtung* 
Ein  gewöhnliches  ( hier  nach  der  vordem'  Ansicht 
dargestelltes)  Futter ,  aa,  trägt  nähmlich  ein  höl- 
zernes Kreuz ,  an  dessen  vier  Armen  eben  so  viele 
eiserne  Haken  c,  c,  c,  c,  eingeschraubt  sind«  Die 
umgebogenen  Theile  dieser  letztern  halten  die  Arbeit 
(welche  in  der  Zeichnung  durch  eine  punkt^rte  Kreis- 
linie angegeben  ist)  fest)  und  sie  können  zu  diesem 
Behufe  nach  Bedürfnifs  in  verschiedenen  Entfernun- 
gen vom  Mittelpunkte  angebracht  werden»  Die  Ein- 
fachheit imd  Bequemlichkeit  dieser  Vorrichtung  macht 
sie  für  manche  Zwecke  sehr  brauchbar.  Man  bedient 
sich  ihrer  unter  andern  bei  Verfertigung  der  Spinn- 
räder, um  den  Kranz  dieser  letztern  auf  der  innern 
Seite  abzudrehen,  bevor  die  Speichen  eingesetzt  wer- 
den«  Man  kann  sich  zu  ähnlichem  Behufe  auch  einer 
messingenen  Platte  bedienen,  auf  weichet  in  ver- 
schiedenen Entfernungen  vom  Mittelpunkte  Kreise 
gezogen  sind,  deren  jeder  mit  drei  viereckigen  Lö- 
chern durchbohrt  ist.  In  diese  Löcher  werden  die 
gleichfalls  vierkantigen  Schäfte  der  Haken  gesteckt, 
und  auf  der>  hintern  Seite  mittelst  Schraubenmuttern 
befestigt.  Das  Stück,  welches  gedrechselt  werden 
soll,  legt  man  so  genau  als  möglich  in  den  Mittel- 


2ßl 

pnnkt^  eine  Operation^  welche  durch  die  erwähnten 
auf  der  Platte  befindlichen  konzentrischen  Kreise  sehr 
erleichtert  wird.  —  Diese  beiden  Vorrichtungen  sind 
zur  Bearbeitung  von  Metall  nicht  wohl  tauglich^  da 
sie  eine  geringe  Festigkeit  besitzen.  Kommt  nun  aber 
K.  B.  der  Fall  vor^  dafs  ein  starker  eiserner  Ring  auf 
seiner  innern  Seite  ausgedreht  werden  soll,  so  kann 
man  sich  aiif  folgende  Art  helfen.  In  die  vordere 
Fläche  eines  gemeinen  hölzernen  Futters  a  (Taf.  V 
Fig.  lo)  wird  eine  Vertiefung  gedreht,  welche  den 
(hier  durchschnittweise  gezeichneten)  Bing  y  zum 
Theil  aufnimmt.  Auf  den  Rand  des  Ringes  legt  man 
rund  herum  drei  oder  vier  eiserne  Klammern  bd, 
welche  mit  ihren  äufsern  Enden  (bei  b)  auf  eben  so 
vielen  hölzernen  Klötzchen  c  liegen.  Starke  Holz-- 
schrauben  e  gehen  durch  Öffnungen  in  diesen  Klam- 
mem ,  dringen  in  das  Futter  ein ,  und  halten  den 
Ring  y* vollkommen  unbeweglich.  — 

i6.  Nicht  selten  tritt  der  Fall  ein,  dafs  ein  schon 
rundes  Stück  Holz  oder  Metall  u.  dgl.  so  eingespannt 
werden  soll,  dafs  es  genau  wieder  rund  läuft.     Die- 
ses mit  der  vollkommensten  Genauigkeit  zn  bewirken, 
ist  eine  der  schwierigsten  Aufgaben  des  Drechlers, 
zu  deren  Lösung  nicht  wenig  Übung  und  Kunstfer- 
tigkeit erfordert  wird.    Bei  langen  Stücken  ist  es  am 
besten,  sich  der  Spitzen  zum  Einspannen   zu  bedie- 
nen; für  kürzere  Stücke  hingegen,    die  man  weder 
auf  diese  Art,   noch  auch  in  einem  Futter  bequem 
festmachen  kann,  gibt  es  eigene  Köpfe  von   der  in 
Fig.  5  ( Taf.   n )  gezeichneten    Einrichtung.      Eine 
starke  runde  Messingscheibe,  welche  an  den  vordem 
Theil  der  Spindel  festgeschraubt  wird,   besitzt  nach 
der  Richtung  der  Halbmesser  vier  Einschnitte,  welche 
nahe  am  Rande  anfangen,  und  bis  auf  eine  geringe 
Entfernung  vom  Mittelpunkt  reichen.    In  jedem  die-: 
•er  Einschnitte  bewegt  sich  ein  kleiner  Schieber  &, 
der  genau  eingepafst  seyn  mufs ,  und  keinen  Spielraum 


besitzen  darf;  diese  irier  Scbieber,  i/vcicbe  vor-  und 
rückwärts  über  die  Fläche  der  Scbeibe  vorsteben^ 
fassen,  wenn  sie  gleicbmäfsig  gegen  den  Mittelpunkt 
bewegt  werden,  das  einzuspannende  Arbeitsstück^ 
und  halten  es  fest,  zu  welchem  Ende  sie  auch  auf 
der  nach  dem  Mittel  gekehrten  Seite  feilenartig  ge- 
hauen seyn  können.  Die  Bewegung  der  Schieber  ge* 
schiebt  durch  vier  Schrauben,  welche ^an  beiden  En- 
den eingelassen  sind,  und  ihre  Muttern  in  den  Schie- 
bern selbst  besitzen.  Indem  man  mittelst  eines  pas- 
senden Schlüssels  diese  Schrauben  an  ihren  Köpfen 
a  a  umdreht ,  setzt  man  die  Schieber  einzeln  iü  Gang^ 
und  zwar  entweder  vor  -  oder  rückwärts ,  je  nach- 
dem die  Drehung  nach  einer  oder  der  andern  Seite 
vorgenommen  wird.  Da  diese  Art  der  Führung  durch 
Schrauben  auch  in  so  vielen  anderen  Fällen  vorkodimt, 
so  braucht  hier  nichts  weiter  darüber  gesagt  zu  werden. 

Auf  der  Platte  selbst  sind  mehrere  konzentri- 
sche Kreise  gezogen,  mit  deren  Hülfe  sich  leicht  be- 
urtheilen  läfst,  ob  ein  bereits  rundes  Stück,  welches 
neuerdings  eingespannt  werden  soll,  im  Mittelpunkte 
sich  befinde.  Es  gibt  auch  solche  Köpfe  mit  nur 
drei  Schrauben ;  aber  diese  sind  weniger  nequem,  da 
'sich  mit  ihnen  solche  Gegenstände,  welche  am  bin* 
tem  Ende  viereckig  sind,  nicht  einspannen  lassen. 
Dabei  dieser  Vorrichtung  die  Schrauben  jedes  Mahl 
einzeln  in  Bewegung  gesetzt  werden,  una  es'  doch 
schwer  hält ,  ohne  Zeitverlust  alle  vier  Schieber  in 
gleiche  Abstände  vom  Mittelpunkte  zu  bringen;  so 
bat  man  auf  verschiedene  Arten  den  Gebrauch  des 
Kopfes  bequemer  zu  machen  gesucht.  So  hat  man 
durch  ein  zwischen  zwei  Platten  gelegtes  Bäder  werk, 
welches  von  einem  Getriebe  aus  in  Bewegung  gesetzt 
wurde,  und  auf  alle  Schieber  zugleich  wirkte,  diesen 
Zweck  zu  erreichen  geglaubt ;  allein  abgesehen  von 
der  Kostbarkeit  eines  solchen  Mechanismus,  bleibt 
seine  Wandelbarkeit  ein  bestandiges  Hindernifs  der 


a63 

allgenieioen  Anwendung.  Eben  so  hat  man  Kopfe 
verfertigt^  weiche  aus  zwei  über  einander  um  einen 
gemeinschaftlichen  Mittelpunkt  beweglichen  Platten 
bestanden.  In  einer  dieser  Platten  befand  sich  eine 
Fuge^  welche  von  dem  Umkreise  bis 'nahe  an  den 
Mittelpunkt  eine  fast  unmerkliche  Spirallinie  bildete; 
die  hintern  Theile  oder  Schweife  der  Schieber  waren 
so  geformt^  dafs  sie  ohne  Hindernifs  in  dieser  Fuge 
laufen  konnten^  und  wenn  man  daher  eine  von  den 
Platten  drehte  ^  so  wurden  die  Schieber  gleiehmäfsig 
nach  dem  Mittelpunkte  bewegt.  Geifslery  der  dieser 
Art  von  Köpfen  (im  dritten  Theile  seiner  Drechsler* 
kunst )  erwähnt  y  sagt  nichts  Näheres  über  dieselben, 
indessen  scheint  ihre  Einrichtung  mit  jener  des  im 
I.  Bande  dieser  Jahrbücher  (S.  3a8  folgg.)  vom  Herrn 
Prof.  G.  j^ltmütter  beschriebenen  Uhrmacher- Zu- 
sammensetzers, und  der  von  mir  bald  anzuführenden 
englischen  Vorrichtungen  von  Hack  imd  Bell,  dem 
Prinzipe  nach,  Ähnlichkeit  zu  haben. 

K 

17.  Ziemlich  verbreitet  ist  der  Gebrauch  des  in 
Fig.  1 1  (auf  Taf.  II )   gezeichneten  Kopfes  zum  Ein- 
spannen, kurzer  Arbeitsstücke.     Es  besteht  derselbe 
mus  einer  starken    Messingscheibe,    welche  mittelst' 
einer  daran  befindlichen  Schraubenmutter  an  die  Dreh- 
bankspindel  befestigt   wird«     Auf  der    Yorderfläche 
dieser  Scheibe  befinden  sich  drei  um  die  Punkte  b 
bewegliche  Arme  <t,   deren  finden   c  eben  so  viele 
Bäckern  formiren ,  zwischen  denen  die  (in  der  Zeich- 
nong  durch  eine  punktirte  Kreislinie  angegebene)  Ar- 
beit eingeklemmt  wird.     Ein  jeder  dieser  Backen  be- 
sitzt zu  dem  Behufe  eine  Schraube,  die  sich  in  einem 
bogenförmigen  Ausschnitte  der  Platte  bewegt,   und 
auf  der  hintern  Seite  derselben  vermittelst  einer  vor- 
gelegten Mutter  gestellt  wird.     Diese  Einrichtung  ist 
daher  ganz  jene,    welche  ein  gemeiner  Uhrmacher- 
Zusammensetzer  hat  ( Bd.  I  dieser  Jahrb.  S.  339)7 
Da  man  nur  mit  Hülfe  einer  bedeutenden  Obung  im 


aGA 

Stajpde  ist^  die  Baden  ohne  Zeitverlust  in  die  zum 
Rundlaufen  der  eipgespaqnten  Arbeit  nöthige  gleiche 
Entfernung  ypm  Mittelpunkte  zu  bringen^  so  ist  es 
;ut,  entweder  die  Oberfläcbe  der  Platte  piit  vielen 
Lonzentrischen  Kreisen  zu  verseben  ^  oder  wenigstens 
den  lyi iit^lpunkt  durch  eine  nur  wenig  hervorragende 
$pi(ze  zu  bezeichnen ;  indem  beide  Mittel  das  Eiur 
spannen  ungemein  erleichtern«  Ich  werde  späterhin 
(§•  3^)  Gelegenheit  haben  ^  eine  ^uf  solche  Art  verbes- 
serte Vorrichtung  apzugeben,  deren  man  sich  bei 
den  DocLendrc;l)§tuhlen  4er  Uhrmacher  pft  bedient. 

• 

f8«  Vor  Kurzem  sind  von  den  Engländern  ^.^^^ 
pnd  Thoniizs  Hack  zwei  zum  Einspannen  auf  der 
PrebbanL  bestimmte  Köpfe  angegeben  worden^  deren 
Beschreibung  sicl^  nrsprünglich  in  den  Transßctions 
gf  fhß  Socie^  fqr  JEncourngement  etc.  (Vol. 
]^XXyiI.  i3l9)  befindßt^  4us  dief en  ^ber  in  mc^hrere 
andere  technische  Zeitscl)rifteni\bei:gegangenist.  Dies^ 
Vorrichtungen  haben  unter  sich  sowohl  ^  als  mit  der 
oben  (§  i6)  berührten  ,^  nnd  mit  dem  in  Bd.  I  dieser 
Jahrb.  besc|ir.iebenen  Zusammensetzer  grofse  Ähnlichr 
leit;  ihre  l^rläuterung  dürftcj  daher  Leiner  bedeu- 
tenden Schwierigkeit  unterliegen^  obwohl  dieur^prüngT 
liehen  englischen  Beschreibungen  sich  eben  ni^ht 
durch  grofse  Klarheit  auszeichnen.  Di0  erste  dieser 
Vorrichtnngen  ^  ifür  vfel^he  der  Erfinder^  Bell,  von 
der  Aufmunterungsgesellschaft  in  London  niit  der 
silbernen  Medaille  und  einer  Geld-Unterstüt^nng  be- 
Johnt  v^urde^  istauf  Taf  11^  und  zwar  Fig.  la  nach 
der  yordern  Ansicht^  Fig.  i4  von  der  Seite  ^  und 
Fig.  i5  im  Durchschnitte  gezeichnet*  Sie -besteht 
aus  einem  starken  Metallstücke  Jl,  welches  piittelst 
der  Sc|iraube  a  an  die  Spindel  der  Drehbank  befe* 
stigt  wird.  Eine  kleine  durchbohrte  Scheibe  j9,  welche 
auf  den  Rapfen  b  des  Stückes  A  gesteckt^  und  mit- 
telst zweier  Schrauben  cc  (Fig.  i3)  an  das  letztere 
festgemacht  iat^  enthält  die  Drehungspunkte  d  dreier 


a65 

Arme ,  deren  mit  Schrauben  versehene  Enden^  Cj  auf 
eine  leicht  begreiflicherweise  das  Arbeitsstück  zwi- 
schen sich  festhalten.  Rückwärts  ist  auf  das  Stüdi 
A  ein  messingener  Bing  D  aufgesteckt ,  dessen  Gestalt 
aus  Fig.  i5  deutlich  wird.  Der  Zapfen  b  dient  zum 
Umdrehungspunkte  der  Platte  Cj  welche  mit  ihrem 
Kranze  den  Ring  D  bedeckt,  und^auf  denselben  an- 
geschraubt ist^  wie  ebenfalls  die  Durchschnittzeichr 
nung  hinreichend  yersinnlicht.  Die  Fläche  dieser 
Platte  ist  mit  drei  schräg  gestellten  Einschnitten  f 
(Fig.  12)  versehen  I  in  welchen  die  Enden  e  der 
Arme  sich  so  bewegen,- dafs  sie  jederzeit  gleichen 
Abstand  vom  Mittelpunkte  behalten«  Man  braucht, 
um  irgend  ein  Stück  Holz,  Elfenbein  oder  dergl., 
velchßs  früher  schon  rundgedreht  worden  ist,  ein- 
zuspannen ,  dasselbe  nur  auf  die  Fläche  des  Kopfes 
«u  legen,  und  durch  einen  in  das  Loch  k  (Fiff^  x4) 
gesteckten  Schlüssel  die  Platte  C  nach  der  in  Fig.  1 3 
▼on  dem  Pfeile  angedeuteten  Richtung  so  lange  umzu- 
drehen,, bis  die  Enden  e  der  Arme  dasselbe  hinläng- 
lich gefaf^t  hfibeii.  Die  Arme  werden  hierbei,  durch 
4ie  ip  der  Platte  eingebrachten  Schlitze,  in  welchen 
fie  liegen,  gezwungen,  sich  dem  Mittelpunkte  gleich- 
piäfsig  zu  nähern ,  und  man  darf  daher  um  d^«  Rund- 
lanfen  des  eingespannten  Gegenstandes  nicht  besorgt 
»eyn. 

Der  Vortheil  dieses  Werkzeuges  besteht  also  in 
der  Möglichkeit,  schon  rund  gedrehte  Stücke  ohne 
allen  Zeitverlust  wieder  genau  rund  einzuspannen; 
doch  möchte  seine  Zusammengeset^theit  ein  wichti- 
ges Hindernifs    der   allgemeinen   Anwendung  se^n. 

19.  Das  Nähmliche  gilt  von  dem  in  Fig.  x6  und 
17  abgebildeten  Kopfe  des  zweiten  Engländers ,  Tho- 
Inas  Hacky  der  gleichfalls  eiüe  silberne  Medaille  zur 
Aufmunterung  erhielt.  Nach  dem  Vorhergehenden 
wird  man  sich  auch  von  der  Beschaffenheit  dieser 


268  • 

vm  äie  nothigen  Falles  ftir  Arbeiten  Ton  versohiede- 
nen  Durchmessern  brauchen^  und  darch  das  Anzie- 
bei^  der  Schrauben  so  fest  als  es  nöthig  ist^  mit  dem 
abzudrehenden  Stücke  vereinigen  su  können« 

Eine  Abänderung  erleidet  die  Gestalt  der  Schraub- 
rollen nur  in  einem  einzigen  Falle ,  nähmlich  zum^b- 
drehen  der  Spindeln  \n  den  Taschenuhren^  deren 
eigenthiiroliche  Bildung  auch  eine  besondere  l^orm 
der  Rolle  nöthig  macht.  Die  Spindelrolle  besitzt  die 
in  Fig.  af\  und  25  nach  der  vordem  und  hintern  An- 
sicht gezeichnete  Einrichtung.  Ihre  beiden  Hälften 
Virerden  ebenfalls  durch  zwei  Schrauben  {a  d)  zusam- 
mengehalten^ v^ie  die  der  gemeinen  Rollen.  Sie  ist 
aber  auf  der  vordem  Seite  nici^t  hohl  ausgedreht 
(wie  Fig.  !i2  und  23),  sondern  besitzt  dort  eine  halb- 
kugelförmige  Warze  (d,  Fig.  25)  y  welche  einen  klei- 
nen^ zur  Aufnahme  des  Spindellap^ens  bestimmten 
Ausschnitt  (e)  enthält;  der  zweite  Lappen  liegt  in 
einem  ähnlichen  Ausschnitte  auf  der  hintern  Seite  der 
Rolle  (c  Fig.  24)-  Die  Darchbohrüng  der  Roll^^  in 
welche  die  Spindel  gelegt  wird ,  i^t  in  beiden  Zeich- 
nungen durch  b  angedeutet. 

Statt  der  Schraubrollen  bedient  man  sich,  vor- 
züglich bei  etwas  gröfserp  Arbeiten,  eines  eisernen 
oder  messingenen  Ringes  (Fig.  22,  Taf.  U),  der  mit- 
telst dreier  auf  den  Mittelpunkt  zugehenden  Schrau-* 
ben  befestigt  wird ,  und  ebenfalls  auf  seiner  Stirn 
^ine  für  die  Saite  bestimnite  Rinne  besitz^ 

Bei  der  Uhrmacherei,  und  ^uch  aufs^rdem>  kom- 
men häufig  Fälle  vor,  wo  man  der  abzudrehenden 
Arbeit  selbst  zwei  Spitzen  gibt,  und  diese  in  koni- 
schenlLöchern  der  nun  verkehrt  in  die  Docken  einge- 
steckten Körner  laufen  läfst«  Dann  pflegt  man  wohl 
auch  öfter,  um  eine  gröfsere  Genauigkeit  zu  erzie- 
len, der  Arbeit  vorerst  Spitzen  anzuf  eilen  y  hinter 


209 

diesen  neue  anzudrehen ,  die  ersten  wegzubrechen^ 
und  <Ueses  Verfahren  einige  Mahl  zu  inriederhohlen^ 
damit  man  von  dem  Rundlaufen  des  eingespannten 
Stückes  vollkommen  überzeugt  seyn  könne.  Die  voi> 
erwähnte  Art  des  Einspannen^  wird  jedes  Mahl  dann 
angewendet^  wenn  ein  schon  an  seiner  Achse  stek- 
kendes  Rad  abgedreht  werden  mufs. 

21.  Das  Einspannen  zwischen  Spit^sen  auf  dem 
Drehstuhle ,  wie  wir  es  im  vorigen  §  gesehen  haben, 
kann  nicht  immer  mit  der  Arbeit  selbst  unmittelbar 
vorgenommen  werden,  nahmentlich  in  dem  Falle 
nicht,  wenn  dieselbe  im  Mittelpunkte  ein  Loch  be« 
sitzt,  oder  überhaupt  von  solcher  Gestalt  ist,  dafs 
sie  von  Spitzen  allein  nicht  mit  vollkommener  Sicher- 
heit gehalten  werden  vvürde.  Bei  solchen  Gelegen- 
heiten he  Ant  mail  sich  häufig  der  Drehstifte ,  welche 
an  Gestalt  und  Einrichtung  sehr  von  einander  ab- 
weichen, übrigens  aber  jedes  Mahl  einen  Theil 
de$  Drehstuhls  bilden,  und  d€h  Hauptzweck  ha- 
ben, die  eingespannte  Arbeit  mit  der  nöthigen 
Festigkeit  und  Bequemlichkeit  zu  halten. 

Die  gemeinste  und  häufigste  Art  äet  Drehstiften 
Ist  diejenige/  von  welcher  Fic.-  ^3  auf  Taf.  II  €fine 
Yc^stelluns  gibt;  Dieses  Werkzeug  besteht  aus  einer 
runden  stählernen  Achse,  welche  mittelst  der  beiden 
Spitzen  ä  und  6  zwischen  die  Stifte  des  Drehstuhls^ 
(nach  Art  der  Fig.  26  auf  Taf  1)  eingespannt  wird. 
Die  Arbeit  mufs  mit  einem  Loche  versehen  seyn ;  sie 
wird  auf  den  runden  >  etwas  konischen  Theil  e  desf 
Drehstiftes  gesteckt,  und  dreht  sich  daher  mit  unf 
ihre  Achse,  wenn  der  Drehstift  durch  den  Bogen, 
dessen  Schnur  man' um  die  messingene  Rollet  schlingt 
in  Bewegung  gesetzt  wird.  Jener  Theil  /  c ,  derAchsey 
worauf  die  Rolle  steckt,  ist  bei  vielen  Drehstiftenf 
sechs-  oder  achteckig,  aus  der  einfachen  Ursathey 
damit  die  RoUe  fester  halt. 


32.  Diese  Art  der  Drehstifte  findet  beim  Abdre- 
hen verschiedener  Uhrbesiandtheile  ^  z.  B,  der  Fe- 
derhäuser ^  Kronräder,  und  überhaupt  dann  ihre  An* 
Wendung,  wenn  die  in  ihrem  Mittelpunkte  mit  einem 
Loche  versehene  Arbeit  sehr  rein  rund  gedreht  wer- 
den soll.  Indessen  ist  doch  die  Methode ,  wie  die 
zu  bearbeitenden  Stücke  befestigt  werden^  trotz  ihrer 
Einfachheit  sehr  unsicher,  da  sie  aufserordentlich 
leicht  zum  Nachgeben  gebracht  werden  kann,  wenn 
man  nur  den  Grabstichel  etwas  stark  angreifen  läfst. 
Aufserdem  wird  das  Runddrehen  sehr  dünner  und 
schwacher  Gegenstande,  wegen  des  Schwankens  der- 
selben, bedeutend  erschwert,  wo  nicht  ganz  unmög- 
lich, gemacht.  Besser,  obwohl  eben  nicht  bequemer, 
ist  daher  eine  andere  Art  der  Drehstifte ,  welche  man 
in  Fig.  !i4  abgebildet  sieht.  Der  Unterschied  gegen 
die  vorige  besteht  nur  darin,  dafs  aufser  der  Rolle  a 
auch  noch  eine^  dem  recht  eben  gefeilten  Arbeits- 
stücke zur  Basis  dienende  glatte  messingene  Scheibe 
b  angebracht  ist,  und  dafs  die  Arbeit  selbst  nicht 
blofs  aufgesteckt,  sondern  auf  das  vordere*  Ende  des 
Drehstiftes  au/geschraubt  wird.  Das  hierzu  bestimmte 
Schraubengewinde  c,  ist  jedes  Mahl  ein  linkes,  da- 
mit durch  den  Widerstand,  welchen  der  Grabstichel 
beim  Abdrehen  leistet,  die  Arbeit  nicht*  locker 
werde 9  sondern  sich  nur  um. so  fester  anschraube. 
Uhrmacher  drehen  alle  ihre  Räder  vor  dem  Eiuschnei- 
den  der  Zähne  auf  diese«  Art  rund. 

23.  Begreiflicher  Weise  mufs  hierbei  die  Arbeit 
jedes  Mahl  ein*  eben  so  weites  Loch  besitzen ,  als  die 
Schraube  des  Drehstiftes  dick  ist.  Da  dieses  nun 
(ungeachtet  mau  Drehstifte  von  sehr  verschiedener 
Gröfse  hat)  nicht  immer  der  Fall  seyn  kann,  aufser- 
dem auch  beim  nachfolgenden  Ausreiben  (welches 
vorgenommen  werden  mufs ,  um  die  eingeschnittenen 
Schraubengänge  wegzunehmen)  dieses  Loch  leicht 
etwas  aufser  das  Mittel  kommen  kann;    so  bedient 


man  sich  häufig  und  mit  Yortheil  der  Drehstifte  mit, 
Muttern  (Taf.  II  Fig  25),  die  jedes  Mahl  dann  ge- 
braucht werden  y  wenn  das  in  der  Arbeit  befindliche 
Lioch  nicht  mehr  erweitert  oder  verdorben  werden 
darf^  deren  Einrichtung  aber,  bis  auf  eine  einzige 
Zugabe,  nicht  wesentlich  von  der  beschriebenen  ab- 
weicht. Die  Arbeit  wird  hier  nicht  aufgeschraubt, 
sondern  Mos  aufgesteckt;  damit  sie  aber  dessen  unge- 
achtet festhalte ,  wird  sie  durch  eine  kleine  vorge- 
legte Schraubenmutter  dy  gegen  die  Scheibe  igeprefst. 
Dort^  wo  die  vordere  Fortsetzung  der  Achse  auf  die- 
ser Scheibe  aufsitzt  (bei  n),  ist  um  sie  herum  eine 
kleine  Rinne  eingedreht,  in  welche  der  zwischen  der 
Schraubenmutter  und  der  Platte  liegende  Konus  e 
eindringt.  Dieser  Konus  hat  keinen  andern  Zweck, 
als  auch  das  Einspannen  solcher  Arbeitsstücke  mög- 
lich zumachen,  deren  ZentralöShung  einen  gröfseren 
Durchmesser  hat,  als  die  Schraube.  Indem  nähm- 
lich  der  Konus  von  der  Mutter  d  geprefst  wird ,  ver- 
senkt er  sich  in  die  oben  erwähnte  Rinne ,  und  füllt 
9o  das  in  der  Arbeit  befindliche  Loch  jedes  Mahl  aus. 
Diese  Befestigungsart  ist  aber  nicht  ganz  so  sicher ,  als 
die  im  vorigen  §  beschriebene.  Den- nähmlichen  Zweck 
hat  die  in  Fig.  a6  gezeichnete,  fiir  gröfsere  Arbeiten 
bestimmte  Abänderung  des  Drehstiftes ,  woran  nur 
die  Schraubenmutter  h  anders  geformt,  der  Konus  g 
grafser^  und  die  messingene  Platte  durch  ein  ganz  hohl 
ausgedrehtes  MetaUstücky  ersetzt  ist 

I 

34  Eine  etwas  abweichende  Einrichtung  besitzt 
der  übrigens  ziemlich  selten  gebrauchte  Zifferblatt- 
Drehstift  y  welcher  zum  Einspannen  der  Uhrzifier- 
blätter  dient,  wenn  diese  am  Rande  abgedreht  wer- 
den sollen.  '  Die  Arbeit  erfordert  eine  bedeutende 
Vorsicht,  weil  sonst  das  die  beiden  Seiten  der  Blätter 
bedeckende  Email  leicht  ausspringt.  Wenn  ferner 
das  Zifferblatt  fest  genug  gehalten  werden  soll,  so 
mufs  ihm  eine  weiche,    elastische,    und  seiner   ge- 


^  krümmten  Gestalt  angepafste  Unterlage  gegeben  wer^ 
den.  Ah  solche  dient  ein  am  Drehstifte  (Taf.  II 
Fig.  27)  befindliches  Stück  Kork  o>  welches  vorn^  zur 
Aufnahme  des  Zifferblattes^  rund  vertieft^  hinten  aber 
mittelst  kleiner  Schrauben  an  einer  dünnen  Messing- 
platte  d  d  befestigt  ist.  Gehalten  wird  das  Zifferblatt 
durch  ein  kleines  rundliches  Korkstück  b,  welches 
von  der  Schraubenmutter  a  gegen  die  hohle  Seite  des 
Blattes  gedrückt  wird. 

a5.  Flache  Arbeitsstücke;  welche  im  Mittel- 
punkte kein  Loch  haben  dürfen^  werden,  so  wie  bei 
der  Drehbank  (§.  i4)>  auf  gekittet  j  txi  welchem  Be-^ 
hufe  man  sich  eines  Eigenen  Drehstiftes  bedient,  wel- 
cher in  Fig.  28  gezeichnet  ist.  .Dieser  besteht  gana 
aus  Eisen,  und  besitzt  nebst  der  Drehrolle  c  blofs 
eine  am  vordem  Ende  der  Achse  sitzende  runde 
Scheibe,  welche  zur  Erleichterung  des  Aufkittens 
etwas  schüsself firmig  vertieft;  und  mit  mehreren 
konzentrisch  eingedrehten  Kreisen  versehen  ist.  Auf 
diesö  Scheibe  wird  etwas  Siegelläek  gelegt,  und  (in^ 
dem  man  die  Flamme  eines  Lichtes  durch  das  Löth- 
röhr  gegen  die  hintere  Fläche  der  Scheibe  bläst)  zum 
Schmeken  gebracht  ;^  nachdem  man  das  Arbeitsstück 
auf  das  fliefsende  Siegellack  angedrückt  hat ,  bringt 
man  die  ganze  YorriCntuhg  in. den  Drehstuhl,  legt 
^  die  Spitze  d  in  den  Körner  des  einen  Stiftes,  und 
setzt  die  Spitze  des  andern  for  die  aufgekittete  Arbeit; 
Hierdurch  wird  die  letztere  eben  so  fest  gehalten',  als 
dieses  sonst  bei  den  andern  Drehstiften  (welche  mit 
ihren  zwei  Spitzen  auf  die  in  Fig.  26^  Taf.  i  anigege-' 
beiie  Art  eingespannt  v^etden)  der  Fall  ist, 

d6«  Die  englischen  Ufarniach^r  bedienen  sich  fiir 

gewisse  Zwecke;  wie  zum  Einspannen  der  Unruhen 

und  anderer  Räder,  Welche  drei  Stege  (oder  Arme) 

besitzen,  des  in  Fig.  39  abgebildeten  Drehstiftes,  der 

bei  den  franlzösischen  und  deutschen  Uhrmachern,  so/ 


viel  ich  weifs^   nicht  im  Gehrauch  ist.     Es  ist  eine^ 
dem  in*  Fig.  ^4  gezeichneten  Drehstifte  ähnliche  Vor- 
richtung^   welche  sich  von  diesem  nur  durch   den 
Mangel  des  Schraubengewindes^  und  durch  eine  an- 
dere Einrichtung   der  vordem  Platte  unterscheidet. 
Diese  ist  hier  nähmlich  doppelt ^   d.  h.  es  sind  zwei 
Platten  (äa  und  bb)y  zwischen  welchen  die  abzudre» 
hende  Arbeit  eingelegt  und  festgehalten  wird.     Zu 
diesem  Behufe  ist  die  eine  der  beiden  Platten  {bb) 
beweglich  ^  und  kann  abgenommen  werden ,  während 
die  andere  {aä)  an  der  Achse  des  Drehstiftes  fest  ist. 
Die  Gestalt  dieser  Platte  wird  aus  ihrer^  vordem  Auf- 
sicht (Fig.  3o)  deutlich.     Man  sieht  ^    dafs  dieselbe 
drei^  fast  wie  eine  8  gestaltete  Ausschnitte  mit  un- 
gleich weiten  Öffnungen^  im  Mittel  aber  ein  gröfseres 
rundes  Loch  besitzt.     In   jenen  Ausschnitten  liegen 
die  Köpfe  cc  dreier  Schrauben^  welche  in  die  hin- 
tere Platte  (aa  Fig.  29)  eindringen^   und^  wenn  sie 
angezogen  werden ,     beide    Platten  gegen  einander 
pressen^  wodurch  die  Arbeit  (deren  abzudrehender 
Kand  über  die  Platten  hervorragt)    fesigehalten  wird. 
(In  der  Zeichnung  hat  mau  absichtlich  einen  Schrau- 
benkopf weggelassen^    damit   die    Gestalt  der  Aus^ 
schnitte  desto  besser  in  die  Augen  falle.)  —  Um  die 
bewegliche  Platte   bb     abnehmen  zu 'können ,   dai:f 
man  dieselbe   nur  etwas  verschieben^   wo   dann  die 
Kopfe  der  Schrauben  in  die  weiteren  Ofihüngen  der 
Sförmigen  Ausschnitte  zu  liegen  kommen^    und  der 
Entfernung  weiterkein  Hindernifs  entgegensetzen.  — 
Aus  Fig.  29  wird  man  noch   ersehen  y   dafs    der  vor- 
dere Tbeil  e  der  Achse  y  woran  sich  die  zweite  Spitze 
befindet,  nur  eine  sehr  geringe  Dicke  besitzt;  dieses 
ist  norhwendig,  damit  sie  auch  durch  kleine  Löcher 
der  zu  bearbeitenden  Stücke  leicht  durchgehe. 

37.  Eine  ganz  eigenthümliche,  von  allen  bisher 
beschriebenen  verschiedene  Einrichtung  besitzt  der  so- 
c^enannte  Kronrad-  Drehstift j    dessen  Bestimmung 

Jjilirb.  4.  polyt.  Iiiftt.  IV.  Ua,  X8  ^ 


^74 

schon  durch  seine  Benennung  ausgedruckt  ist.  Er 
dient  nähmlich  zum  Einspannen  der  in  den  Uhren 
vorkommenden  Kronräder y  die  auf  ihrer  Höhe  (am 
Bande  nähmlich)  abgedreht  werden  sollen.  Fig.  3i 
ist  eine  Vorstellung  davon.  Er  besteht^  wie  man  sieht, 
aus  zwei  Theilen,  jixxndiBy  deren  sich  jeder  in  eine 
runde*  Scheibe  von  etwas  kleinerem  Durchmesser,  als 
jener  der  Kronräder  gewöhnlich  ist,  endigL  Diese 
Scheiben  sind  in  der  Figur  mit  a  und  b  bezeichnet; 
zwischen  sie  wird  das  Kronrad  so  eingelegt  y  dafs  es 
vollkommen  rund  läuft^  und  wenn  man  diese  Lage 
durch  Versuche  nach  und  nach  gefunden  hat,  so 
prefst  man  beide  Scheiben  durch  drei  Schrauben 
(von  denen  in  der  Zeichnung  natürlich  nur  zwei  be- 
..  merkbar  sind)  so  gegen  einander,  dafs  sie  das  Bad 
festhalten,  welches  nun  an  seinem  vorstehenden  Bande 
nach  Belieben  abgedreht  werden  kann.  Beide  Hälf- 
ten des  Drehstiftes  sind  ausgehöhlt ,  damit  die  Achse 
des  Bades  nebst  dem  daran  sitzenden  Getriebe  be- 
quem darin  Platz  finden  kann.  Die  ganze  Vorrich* 
tung  wird  übrigens,  wie  jeder  gemeine  Drehstift,  mit 
ihren  beiden  Spitzen  in  den  Drehstuhl  eingespannt^ 
und  durch  Umschlingen  der  Saite  des  Drehbogens  um 
die  Bolle  c  in  {Bewegung  gesetzt.  Damit  beim  ^  Zu- 
sammensetzen beider  Hälften  das  Ganze  nie  aufhören 
kann  rund  zu  laufen,  ist  durch  die  Scheiben  £iund6 
ein  kleiner  eiserner  Stift  ii  gesteckt,  nach  welchem* 
man  sich  beim  Zusammensetzen  richtet,  um  immer 
die  gleichen  P^nkte  der  Scheiben  einander  gegenteber 
zu  bringen. 

28.  Zum  Abdrehen  der  Unruhe  (des  Schwung-^ 
rades  in  den  Taschenuhren ),  bevor  noch  die  Spindel 
daran  befestigt  ist>  bedienen  sich  die  Uhrmacher  bei 
nns  und  in  Frankreich  eines  eigenen  Drehstiftes,  der 
eben  davon  den  Nahmen  des  Unruh-  DreJistiftes 
fuhrt.  Man  sieht  ihn  in  Fig.  3a  vorgestellt.  Er  be*^ 
,   steht  ganz  aus  Messing ,  und  besitzt  eine  verhältnifs- 


mäfsig  starke  flxiöhe  Schdibe  aa^  durbh  welche  drei 
Schrauben  b6  gehen  ^    die   eigenüich  zum    Festhal- 
ten  der  Unruhe  bestimmt  sind.     Indem  man  diese 
üähmlich  auf  die    erwähnte   Scheibe  legt,    und  die 
Schrauben  anzieht,  kommen  die  Köpfe  der  letzterii 
auf  die  drei  $tege  (Arme)  derselben  zu  liegen,  und 
halten  sie  fest.     Jl  Fig.  3^  zeigt  die  Vordere  Ansicht 
der  Scheibe  y  und  zugleich  die  Lage  der  eingespann- 
ten Unruhe,'  Ivelche  hier  mit  punktfrteu  Linien  ge- 
teichnet  ist^     Ganz  die  nähmliche  Einrichtung  benn- 
det  sich  auch  am  andern  Ende  des  Drehstiftes,  bei  g^ 
für  kleinere  Unruhen.      Wie  man  sieht,*    sind  auch 
twei  Drehrollen  e,  e  eingebracht,'    von  denen  nach 
Belieben  eine  ofdcr  die  andere  zur  Bewegung  benützt 
Verden  kann;    weseiltlich  ist  dieser  Umstand  aber 
üicht.     Der  gäiite  Drehstift  ist  hohl;  und  im  Innern 
desselben  steckt  eiüe  lüit  de^  zwei  Spitzen  versehen^ 
stählerne  Spindel  cd,  wel&he  sich  verschieben,  und. 
durch  eiüe  von  .der  Seite  angebrachte  Schraube  f 
feststellen  läfst.     Diese  Vorkehrung  hat  keinen  an- 
dern Zwe6ky  al^  die  Möglichkeit;  Unruhen  mit  ver- 
schieden grofsen  Löchern  einspannen  zu  können.    Je 
kleiner  nähmlich    das  Loch    im    Mittelpunkte    des 
Schvirungrades  ist,  desto  weiter  schiebt  man  die  Spin- 
del zurück,  damit  die  Dicke  derselben  dem  Einspan- 
nen nicht  hinderlich  sey.     Beidä  Spitzen  sind  eben 
ans  dieser  Ursache  auch  nicht  sehr  kolbig,  sondern 
Verjüngen  sich  htir  langsam. 

2^:  Gleichfalh  zum  Abdrehen  der  Unruhe ,'  so 
Wie  auch  anderer  mit  drei  Stegen  versehener  Räder^' 
dient  dör  Fig.  33  gezeichnete  Drehstift ,  der  sich  von 
dem  in  Fig.  a5  vorgestellten  (§:23)  einzig  dadurch 
unterscheidet,'  dafs  durch  die  messingene  Scheibe. 
iia  drei  kleine  Schrauben  gehen/  deren  Köpfe  auf 
^ie  (§  ^6)  besdiriebene  Art  den  zu  bearbeitenden 
gegenständ  festhalten,  und  so  das  Verziehen  dessel- 
ht^  dmük  das  Fe^tisdhräuben  der  Mütter  (weicht* 


2'j6 

natürlich  nur  auf  den  Mittelpunkt  mit  der  gröfsten 
Kraft  ^irkt)  verhindern. 

3o.  Zu  den  seltener   vorkommenden  Arten  der 
Drehstifte  gehört  endlich  diejenige^  welche  in  Fig.  38 
(  Taf.  II )  abgebildet  ist ,  und  zum  Einspannen  flacher 
Gegenstände^  z.  B.  der  Uhrplatten ,   dient.     Sie  be- 
steht aus    einer  messingenen  Scheibe  aa,    und  aus 
dem  eigentlichen  Drehstifte,  welcher  in  f  die   RoUe^ 
und  in  g  eine  Spitze  hat.     Die  Scheibe  besitzt  einen 
nahe  an  ibrem  Mittelpunkte  vorübergehenden  geraden 
$chlitz,  in  welchem  sich  ein  kleiner  stählerner  Schie- 
ber c  bewegen^    und  nöthigen  Falles  auch  mittelst 
zweier  Schrauben  b  b,  deren  Köpfe  sich  auf  der  vor- 
dem Seite    der   Scheibe    befinden,   feststellen  läfsu 
Dnrch    diese  Verschiebung  lassen  sich   .die   beiden 
Schrauben,  vne  man  sieht,    nach  .Erfordernifs  dem 
Mittelpunkte  nähern ,   oder  von  ihm  entfernen.     Hat 
man  nun  irgend  einen  flachen  Gegenstand  zu  bearhei«- 
ten,  z.  B.  in  der  Platte  einer  Uhr  eine  Vertiefung 
aus^Eudrehen ,   so  legt  man  dieselbe  auf  die  Fläche 
der  Scheibe  a,  bewegt  den  Schieber  c,    so  weit  als 
es  möglich  und  nöthig  ist,   'gegen  den  Mittelpunkt^ 
und  zieht  endlich  die  Schrauben  bb  (  von  denen  auch 
eine  ganz   wegbleiben  kann,  und  oft  sogar  wegbleiben 
piufs)  dfi,   deren  Köpfe  nun  auf  dem  eingespannten 
Arbeitsstücke  liegen,  und  dasselbe  festhalten.  Durch 
die  beschrieb<?ne  Einrichtung  wird  es  auch  möglich^ 
einen  Gegenstand  exzentrisch,  d.  h.  aufser  dem  Mit- 
tel einzuspannen,   wenn  dieses  wegen  irgend  eines 
UmStandes  erfordert  wird.    Um  nach  Beliehen  einen 
Punkt  des  Arbeitsstückes  in  das  Mittel  zu  bringen,  ist 
die  Scheibe  mit  einer  Spitze  d  versehen ;  damit  diese 
aber  das  Eiospannen  nicht  hindere ,  ist  sie  elastisch, 
d.  h.  sie    gibt  einem  unbedeutendem  Drucke   nach^ 
und  weicht  in  das  Innere  des  Drehstiftes  zurück.  Die 
Art,  wie  dieses  bewirkt  wird^    is(   ziemlich   einfach, 
und  läfst  sich  aus  der   Zeichnung  erkennen.      Der 


377 

Drehstift  ist  nähmlich  hohl  ^  und  in  seiner  Höhlung 
liegt  ein  runder  stählerner  Stift  ^  der  an  seinem  vor- 
deren Ende  die  Spitze  d  trägt  ^  hinten  aber  sich  in 
eine  kleine  Spiralfeder  i  endigt^  weche  eben  das  Zu- 
rückgehen der  Spitze  bei  Anwendung  eines  Druckes 
möglich  macht.  Hat  nun  die  eingespannte  Arbeit  an 
der  Stelle  der  Spitze  ein  Loch  j  so  steht  jene  dadurch 
heruor^  und  sie  dient  dann,  nachdem  sie  durch  die 
Schraube  e  befestiget  worden  ist^  auf  die  gewöhn- 
liche Art  zum  Einlegen  der  Vorrichtung  in  den  Dreh- 
stuhl. Befindet  sich  hingegen  in  der  Arbeit  dort^ 
wo  dieselbe  von  der  Spitze  berührt  wird ,  kein  Loch^ 
so  setzt  man,  um  den  Drehslift  festzuhalten,  den 
zweiten  Körner  des  Drchstuhls  vor.  Damit  in  keinem 
Falle  die  Spitze  zu  weit  aus  dem  Drehslifte  heraus- 
gehen könne;  hat  sie  an  der  Stelle,  .wo  die  Druck- 
schraube e  ansteht ,  einen  seichten  Einschnitt ,  der 
in  der  Zeichnung  bei  dem  Buchstaben  n  sich  befin- 
det. Eine  ähnliche,  vielmehr  ganz  dieselbe  Einrich- 
tang  wird  später  ( Fig.  45  )  abgebildet ,  und  ( §.  33) 
beschrieben. 

3i.  Aufser  den  eigentlichen  Drehstiften  gibt  es 
noch  verschiedene  andere  Werkzeuge,  die  mit  ihnen 
gleiche  Bestimmung  haben ,  in  ihrer  Gestalt  aber  be- 
deutende Abweichungen  zeigen.  Hierher  gehört 
z.  B.  diejenige  Vorrichtung ,  welche  von  den  Uhr- 
gehäusemachern zum  Abdrehen  des  Rohres,  in  wel- 
chem sich  der  Drücker  an  einer  Repetiruhr  schiebt, 
gebraucht  wird  (Fig.  46 )•  Sie  wird  wie  ein  Dreh- 
stift mit  ihren  beiden  Spitzen  a  und  b  in  den  gemei- 
nen Drehstuhl  eingespannt,  und  mittelst  der  Rolle  e 
in  Bewegung  gesetzt ;  auf  den  durch  eine  Stellschraube 
d  befestigten  runden  Stahlstift  a  (  der  von  angemes- 
sener Dicke  aus  einem  ganzen  Sortimente  gewählt  ist) 
steckt  man  das  erwähnte  Rohr,  und  der  gebogene 
Theil  c  gestattet  dem  Uhrgehäuse  selbst  hinlängli- 
chen Raum.    Auf  grofse  Genauigkeit  mufs  man  bei 


278 

dieser  yorrichtupg  freilich'  yerzichten ;  alleiipi  di^se  ist 
hier  auch  wohl  entbehrlicher^  als  irgend  wo  anders.— 
Man  hat  ferner  kleine  Stielkloben  y  welch«  an  ihrem 
Ende  eine  Körnerspitze  ^  und  nahe  dabei  eifxe  Dr%h- 
rolle  besitzen.  Diese  können^  wenn  man  zwischen 
ihre  Backen  ein  Arbeitsstück  einklemmt^  an  welchen^ 
sich  die  zweite  Spitze  befindet^  ebenfalls  in  den  Dreh- 
stuhl gelegt,  und  statt  eines  Drehstiftes  gebraucht 
werden;  allein  man  bedient  sich  ihrer  zu  dieser  Ah- 
sieht  selten,  da  sie  eben  so  wenig  Genauigkeit  ge- 
währen,    als  ein  ähnliches   Werkzeug,    welches  in 

'  Fig*  4o  vorgestellt  ist ,  und  aus  einer  Art  von  Schub- 
zange besteht,  deren  Backen  durch  einen  Hing  a  zu- 
saminengeprefst  werden.  Will  man  sich  bei  dem  Ge- 
brauche dieses  Instrumentes  etwas  mehr  Bequemlich- 
keit verschaffen ,  so  kann  man  auch  sowohl  den  Ring 
a}s  die  äufsere  Seite  der  Backen^  mit  Schraubengän- 
gen versehen,  und  hierdurch  eine  dem  früher  (§.8) 
beschriebenen  Klemmfutter  ähnliche  Vorrichtung  her- 
stellen. —  Manche,  nahmentlich  englische,  Uhrma- 
cher l>edienen  sich ,  um  schon  ierüge  Schrauben ,  aii 
welchen  ,  nachträglich  noch  etwas  gedreht  werden 
mufs,'  einzuspannen,  des  ip  Fig.  07  abgebildeten 
Werkzeuges,'  welches  aus  einer  geraden  eisernen 
Achse  aCj  und  avis  einer  daran  befindlichen  Laterne 
d  besteht.'  Die  letztere  läfsf  sich  an  der  Schraube  c 
hin  und  her  bewegen,  und  besitzt  vorn  bei  e  einq 
kleine  OShung,  durch  welche  die  zu  bearbeitende 
Schraube  so  eingesteckt  wird,  dafs  ihr  Kopf  dem  In- 
iietn  der  Laterne  zugekehrt  ist  Das  Ende  der  Achse 
ia  c  ist  in  Form  eines  Schraubenziehers  schneidig  zu- 
gefeilt, und  wird  in  die  Kerbe  des  Schraubenkopfes 
eingesetzt,  während  das  Ganze  zwischen  den  beiden 

^Spitzen  ( wovon  sich  die  eijäe  bei  a,  die  andere  ad 
der  eingespannten  Schraube  befindet),  im  Dreh- 
stuhle liegt,  und  mittelst  der  Rolle  b  in  Umdrehung 
Seset*zt  wird.  Zum  Poliren  der  Schraubenköpfe  be- 
ienen  sich  die  Uhrmacher  einer  ähnlichen  Vorrich- 


«79 

tnng^  welche  aber  unmittelbar  mit  der  Hand  gefäbrt 
wird.  Endlich  gehört  Bierherder  sogenannte iScA/i^A:- 
kenpolirer,  welcher  von  den  Uhrmachern  zum  Poli- 
ren  und  Abgleichen  der  Schnecken  gebraucht  wird» 
Man  sieht  ihn  in  Fig.  34  vorgestellt.     Er  besteht  aus 
einer  Art  ^on  Kluppe  oder  Zange  b,  zwei  sich  federn- 
den Armen^  welche  an  ihren  vordem  Enden  (bei  c) 
durch  eine  kleine  Schraube  a  (s.  die  Ansicht  Fig.  35) 
zusammeugeprefst  werden.     Diese    Zauge   sitzt    auf 
einer  runden  Scheibe  /,/,  und  besteht  mit  ihr  aus 
einem  und  dem  nähmlichen  Stücke.     Die    Scheibe 
liegt  unmittelbar  auf  dem  mit  der  Rolle  d  versehenen 
Theile  i  der  Vorrichtung^  und  wird  noch  mit  einem 
breiten  messingenen  Ringe  gg  bedeckt.    Die  Schrau- 
ben vereinigen  diesen  Ring  fest  mit  dem  Stücke  i,  und 
würden  auch  die  Scheibe  y*  nebst  der  daran  befind- 
lichen Zange  unbeweglich  machen ,  wenn  nicht  die 
in  ersterer  angebrachten  Löcher  beträchtlich  weiter 
wären  ^  als  die  durchgehenden  Schrauben  es  verlan- 
gen.    Zu  gröfserer  Deutlichkeit   ist  auf  Taf.  II  die 
Zeichnung  Fig.  36  beigefügt^  in  welcher  die  Scheibe 
und  der  darauf  liegende  Ring  von  vorn  zu  sehen^  und 
mit  den  nähmlichen  Buchstaben  wie  in   Fig.  34  be- 
zeichnet sind.     Die  um  die  Schraubenköpfe  punktirt 
gezogenen  Kreise  bezeichnen  dort  die   in  der  Platte 
/y  befindlichen  Löcher  ^  welche  den  Schrauben  eini- 
gen Spielraum 9  jedoch  nur  so  lang  gestatten,  bis  diese 
fest  angezogen ,  alle  Theile  der  Vorrichtung  unbeweg- 
lich   mit   einander   vereinigen.     Der   Gebrauch*  des 
Werkzeuges  ist  folgender :  Wenn  die  Schnecke  einer 
Taschenuhr  nach  dem  Einschneiden  polirt^  oder  wenn 
einige  Gänge  derselben  tiefer  gemacht  werden  sollen, 
weU  die  Feder  ungleich  zi«ht ,  so  wirxl  der  viereckige 
Schneckenzapfen  in  die  Zange  b  c  eingeklemmt ,  und 
die  ganze  Vorrichtung  in  den  Drehstuhl  gelegt,  zu 
welchem  Behufe  einerseits  die  Spitze  e,    anderseits 
der  zweite  runde  Zapfen  der  Schnecke  dient.    Weil 
aber  hierbei  nur  sehr  selten  die  Schnecke  sogleich 


rund  laufen  wird ,  60  verrückt  man  die  an  der  Zange 
sitzende  Platte  yy*  zwischen  dem  Ringe  ^g-  und  dem 
Theile  i  so  lange  ^  bis  alles  vollkommen  rund  läuft; 
dann  zieht  man  die  drei  Schrauben  fest  an^  und  ver- 
hindert so  jede  fernere  Verrückung. 

3a.  Alle  bisher  (§§.  ai  —  3i)  beschriebeneu 
Arten  von  Drehstiften  und  ähnlichen  Vorrichtungen 
sind  für  den  gemeinen  Drehstuhl  bestimmt,  wie  er 
in  Fig.  26  auf  Taf  I  vorgestellt  ist.  Der  Uhrmacher 
bedient  sich  aber  aufserdem  noch  zu  besondern  Zwek- 
ken  einiger  andern  Arten  von  Drehstühlen,  welche 
dann  meist  auch  eigenthümliche  Arten  des  Einspan* 
nens  nöthig  machen. 

m 

Hierher  gehört  vorzüglich  der  so  genannte  Dok-- 
kendrehstuhl  (Taf.  11  Fig.  89),  der  ganz  genau*  eine 
Drehbank  im  Kleinen  ist^  indeni  er  eine  förmliche 
Spindel  i^bc)  besitzt y  welche  rückwärts  in  einem 
Körner  d,  vorn  aber  bei  b  ^  \n  einer  konischen  Höh- 
lung der  mittlem  Docke  läuft  *).  Der  vordere  TheilÄ 
der  Spindel^  welche  übrigens  wie  gewöhnlich  mittelst 
des  Drehbogens  in  Bewegung  gesetzt  wird',  ist  hohl^ 
damit  man  verschiedene  Arten  der  zur  Befestigung  der 
Arbeit  bestimmten  Köpfe  einstecken  kann.  Diese  Köpfe 
bestehen  gewöhnlich  in  einer  zum  Aufkitten  mit  Sie- 
gellack bestimmten  eisernen  Scheibe,  und  in  den  bei- 
den Fig.  4i  uiid  4^  gezeichneten  Vorrichtungen, 
übo#  welche  ich  noch  ein  Paar  Worte  sagep  mufs.  — 
Fig.  l\i  wird  mit  dem  runden  Schafte  c  in  die  Höh- 
lung der  Spindel  gesteckt,  und  besteht  aus  zweiBak* 
ken  b^  welche  mittelst  einer  durchgehenden  Schraube 
a  gegen  einander  geprefst  werden.     Im  Übrigen  hat 


*)  Der  gewohnliclien  Einrichtung  zu  Fo1fi;e  liann  man  diesen 
Drehstuhl  auch  als  gemeinen  Drehstuhl  brauchen ,  wenn  die 
mittlere  Dock^  nebst  der  Spindel  abgenommen  wird,  wo 
dann  blofs  die  beiden  äufsern  Pocken  mit  ihren  lioritem  a 
und  dy  übrig  bleiben. 


diese  Yorrichtuiig  grofse  AhnHclik<ät  mit  derjenigen^ 
welche  in  Fig.  2  (Taf  II)  gezeichnet  ist  (§.  10  )j 
sie  dient  hauptsächUch  zum  Einspannen  kleiner  Reib- 
ahlen y  bei  denen  es  auf  ein  genaues  Rundlaufen  gar 
sehr  nicht  ankommt,  —  Der  in  Fig.  4^  vorgestellte 
Kopf  ist  ganz  derselbe  ^  welcher  auch  in  Fig.  1 1  als 
fiir  die  Drehbank  bestimmt  abgebildet,  1  und  früher 
(.§.  17)  beschrieben  worden  ist;  mit  dem  einzigen 
Unterschiede  y  dafs  sich  die  ( in  der  Zeichnung  punk- 
tirten)  drei  Arme  auf  der  Hinterfläche  der  Scheibe 
befinden.  Die  runden  Köpfe  derselben,  aaa,  wer- 
den über  den  Rand  des  einzuspannenden  Arbeits- 
stückes gelegt,  und  halten  dasselbe  fest,  wenn  die 
hinten  befindlichen  Schraubenmuttern  angezogen  wer- 
den. Zum  Abdrehen  von  Platten  (die  aber  nie  auf  ihrer 
Dicke  bearbeitet  werden  können  )  u.  dgl.  ist  diese  Vor- 
richtung sehr  im  Gebrauch!;  den  Uhrmachern  ist  der 
damit  versehene  Dockendrehstuhl  unter  der  franzö- 
sischen Benennung  Tour  a  plaque  bekannt.  —  Um 
solche  Gegenstände,  welche  darauf  gedreht  werden 
sollen,  ohne  Zeitverlust  rund  richten  zu  können,  ist 
das  Mittel  der  Scheibe  durch  eine  elastische  Spitze 
c  angedeutet,  welche  beim  Auflegen  der  Arbeit  zu- 
rückweicht.. Die  Einrichtung,  wodurch  dieses  be- 
wirkt wird,  ist  schon  oben  (§.  3o)  beschrieben,  und 
(  Fig.  38  )  abgebildet  worden.  Doch  bleibt  hier  die 
in  der  erwähntenZeichnung  angegebene  Stellschraube  e 
weg,  weil  keine  Befestigung  der  Spitze  nöthig  ist. 
Um  die  letztere  vor  dem  gänzlichen  Herausgehen  zu 
sichern ,  macht  man  blofs  den  mittlem  Theil  des  Stif- 
tes, woran  sie  sich  befindet,  etwas  dicker.  Dieser 
Stift  liegt  in  einer  zapfenförmigen  Verlängerung  der 
Scheibe*,  welche  zugleich  zum  Einstecken  in  die 
Spindel  des  Drehstuhles  dient. 

Zuweilen  verbindet  man  mit  dem  Dockendreh- 
stuhle eine  ähnliche  Vorrichtung,  wie  die(§.  3o)  be- 
schriebene. Fig.  II  auf  Taf.  V  zeigt  die  Gestalt  dersel- 
ben in  der  Seitenansicht«  AB  ist  die  Spindel  des  Dreh- 


Stuhls^  an  welche  vorn  die  messingene  Platte  G  G  fest- 
geschraubt "wird.  Di^se  Platte  besitzt  in  gleichen  Ab- 
ständen drei  vomMittelpuilktebis  nahe  an  den  Umfang 
reichende  Einschnitte  oder  Schlitze  y  welche  eben  so 
fielen  Schiebern  zur  Leitung   dienen.     Zwei  solche 
Schieber  sieht  man  in  der  Zeichnung  bei  bb,  und  sie 
können  durch  Schrauben  aa  an   jeder  Stelle  befe- 
^stigt  werden.   Jeder  Schieber  bildet  an  seinem  vor«' 
dern  Ende  eine  Art  Maul^   indem  sich  dem  festste- 
henden  Stücke    ein   beweglicher  Backen  d  mittelsi; 
der  Schraube  e  nähern  läfst.     Im  Innern  der  Spin- 
del AB  befindet  sich  ebenfalls  ein  stählerner   Zen- 
trirstift  JST,  dem  aber  die  Feder  fehlt,   und  der  sich 
defshalb  durch  einen  bei  /  angebrachten  Riegel  vor- 
und  rückwärts  schieben  läfst.     Dieses  Drehstuhls  be- 
dient man  sich  zu  dem  (§.  3o)  angegebenen  Behufe, 
vorzüglich  aber,  um  die  Zapfehlöcher  der  Räder  in 
die  beiden  Uhrplatten  genau  einander  gegenüber  zu 
bohren.     Man  spannt  hierzu  die  schon  mittelst  der 
Pfeiler  vereinigten  Platten  H^  L  (wie  die  Zeichnung 
ausweiset)  so  auf  der  Vorrichtung  ein,  dafs  die  eine 
derselben,    in  welche   die  Zapfenlöcher  bereits  ge- 
bohrt sind,  von  den  Backen  bd  geh  alten 'wird*    In- 
dem man  hierauf  den  Stift  K  so  weit  vorwärts  schiebt^ 
dafs  seine   Spitae  r   mit  dieser  Platte  in  Berührung 
kommt ,  richtet  man  irgend  eines  der  Löcher  in  das 
Mittel,  und  legt  den  Bohrer   über  die   Auflage   Afy 
welche  vorher  auf  die  erforderliche  Höhe  gebracht 
worden  ist.    "Bei  diesem  Verfahren  wird  man  immer 
sicher  seyn,  das  in  die  Platte  L  zu  bohrende  Loch 
jenem    in    der    Platte    H   befindlichen    genau     ge- 
genüber zu  erhalten;  denn  der  Bohrer  wird  so  lange 
auf  der  Fläche  von  L  einen   Kreis  beschreiben,    als 
er  sich  nicht  in  der  verlängerten  Achse  des  Zenlrir- 
stiftesÄr  befindet*). 

*)    ÜÜoht  allgemein  ist  die  Anwendung  dieses  Drebstuhles  unter 
den  Uhrmacbern  verbreitet ^  vielmehr  scheinen  nur  die  eng- 


a83 

33.  Älinlichkeit  mit  dem  gemeinen  Dockendveh- 
stuhle  hat  der  in  Fig.  %3  abgebildete  Unruhdreh- 
stuhl ^  dessen  der  Uhrmacher  sich  bedient^  um  die 
schon  mit  der  Spindel  versehene  Unruhe  abzudre- 
hen. Die  Gestalt  des  genannten  Uhrbestandtheils 
macht  hier  ebenfalls  eine  eigene  Einspanqungsart 
nöthig.  Auch  der  Unruhdrehstuhl  besitzt  eine  Art 
Toa  Spindel^  welche  an  ihrer  hintern  Spitze  durch, 
die  mit  einer  Stellmutter  b  versehene  Schraube  ab 
gehfüten  wird^  vorn  aber^  bei  c  in  einem  konischen 
Lager  läuft.  Auf  den  vordem  hohlen  Schaft  dieser 
Spindel  d,  v^ird  der  zum  Einspannen  bestimmte  Kopf 
aufgesteckt^  -welcher  in  Fig.  44  tiach  zwei  Ansichten 
vorgestellt  ist^  Er  besteht  aus  einer  zum  Aufstecken 
bestimmten  Hülse  e^  aus  einer  daran  sitzenden,  schüs- 
selförmig  ausgedrehten  Scheibe  fy  und  aus  einem  an 
die  letztere  mit  drei  Schrauben  befestigten  Rin^e  g. 
Seine  Gestalt  wird  aus  der  vergröfserten  Durchschnitt- 
zeichnung Fig.  45  di^  deutlichsten  werden,  wo  die 
nähffllichen  Theile  auch  mit  den  nähmlichen  Buch- 
staben bezeichnet  sind.  Die  abzudrehende  Unruhe 
wird  zwischen  die  Scheibe  ff  und  den  Ring  gg  so 
eingelegt,  dals  der  Rand  derselben  darüber  hervor- 
ragt, die  an  ihr  befestigte  Spindel  steht  durch  die 
Öffnung  des  Ringes  heraus.  Damit  man  beim  Ein- 
spannen jedes  Mahl  leicht  das  Mittel  £nden,  und  die 
Unruhe  zum  Rundlaufen  bringen  könne*,  liegt  in  der 
Uöhlimg  der  Spindel  d  ein  elastischer  Körner,  d.  h. 
ein  beweglicher  Stift,  auf  welchem  das  Mittel  durch 
eine  kleine  konische  Vertiefung  angedeutet  ist. 
In  diese  Vertiefung  setzt  man  den  Zapfen  der 
Unruhe,  wenn  dieselbe  am  Drehstuhle  befestigt 
werden  soll.  Die  Einrichtung  des  Kömers  ist  ganz 
dieselbe,  wie  die  (Fig.  38)  gezeichnete,  und(§.  3o) 

lischen  Hünstier  sicli  desselben  zu  bedienen.  InFranltreich 
und  Deutschland  wendet  man,  statt  dessen,  eu  dem  nähm- 
lichen Behufe  eine  einfachere  Vorrichtung  ,  die  sogenannte 
Geradbohrmasehine  an,  deren  Beschreibung  nicht  hierher 
gehört. 


beschriebene  der  elastischen  Spitze,  n  i^t  dieser 
Körner^  m  der  Einschnitt  desselben,  o  die  Spiral- 
feder, welche  ihn  elastisch  macht,  und  f  die  Schraube 
zum  Feststellen  desselben. 

An  den  Unruh drehstühlen  der  englischen  Uhr- 
macher fehlt  sowohl  der  elastische  Körner,  als  der 
auf  der  Scheibe  /  liegende  Ring ;  hier  halten  bloft 
die  Köpfe  derdreiSchraubenauf  dieinFig.  Sa  (§.28) 
angegebene  Art  die  Unruhe  fest,  die  nur  durch  wie- 
derhohlte  Versuche  zum  Rundlaufen  gebracht  wer- 
den kann. 


IV. 

Beschreibung  eines  neuen,  leicht  tracba- 
ren,  Baroskops  zum  Gebrauche  beiiti  Hö- 
henmessen, statt  des  Höhen-Barometers. 

Vom    Herausgeber. 


deit  der  Zeit,  als  man  das  Barometer  als  Instrument 
zur  Bestimmung  der  Höhen  aus  den  korrespondiren- 
den  Barometerständen  verwendet,  hahen{die  Physi- 
ker sich  vielfach  hemüht,  diesem  Apparate  diejenige 
Einrichtung  zu  gehen ,  Vielehe  ihn  zu  diesem  Gebrau- 
che am  geschicktesten  macht.  £s  sind  in  dieser  RücL- 
sicht  vielerlei  Vorschläge,  und  mehr  oder  vreniger 
sinnreiche  Anordnungen  gemacht  v?orden,  um  die 
zwei  wesentlichen  Eigenschaften,  auf  welche  es  hier 
ankommt,  zu  gewinnen,  nähmlich  ä)  Genauigkeit 
der  Beobachtung,  und  b)  Tragharkeit  des  Apparats, 
so,  dafs  er  auf  Reisen  ohne  bedeutende  Gefahr  des 
Zerbrechens  oder  Unrichtigwerdens  mitgeführt  wer- 
den könne* 


285 

Was  die  Genauigkeit  des  Höhen  -  oder  Rei^e* 
barometers  in  der  Beobachtung  d^s  jedesmahligea 
Barometerstandes  betrifft;  so  hängt  diese  von  zwei 
Beol)acbtungen  ab^  nähmlich  a)  von  der  Beobachtung 
des  Standes  des  Quecksilberniveau  im  Barometer ;  und 
b)  von  der  Beobachtung  des  Thermometers ,  v?elcher 
die  Temperatur  des  Queclisilbers  in  dem  Barometer 
anzeigen  soll ,  weil  die  genaue  Kenntnifs  dieser  Tem- 
peratur nothvirendig  ist^  um  die  wahre  Höhe  der 
Quecksilbersäule  bei  einer  bestimmten  Temperatur, 
z.  B.  bei  o^  R.  zu  finden.  * 

ä)  Die  Höhe  der  Quecksilbersäule  im  Barometer 
wird  durch  zwei  Beobachtungen  gegeben^   nähmhch 
durch  die  Beobachtung  des  untern  und  jene  des  obern 
Niveau^    das  Reisebarometer  mag  übrigens  auf  irgend 
eine  Art  eingerichtet  seyn.   Die  Fehler  dieser  beiden 
Beobachtungen  können    zusammen  fallen   oder  sich 
entgegenstehen^  und  die  Fehler  in  der  Bestimmung 
de^Höbe  der  Quecksilbersäule  daher  sich  vergröfsern 
oder  vermindern.     Bis  zu  welcher  Genauigkeit  man 
den  Stand  des  Quecksilberniveau  in    der  Barometer- 
röhre bei  übrigens  sorgfältiger  Einrichtung  durch  Ver- 
nier  und  Absehen    unmittelbar  beobachten    könne^ 
hangt  zwar  %um  Theil  von  der  Übung  und  Geschick- 
lichkeit  des  Beobachters  ab.     Wenn  aber  mehrere 
Individuen ,  welche  beiläufig  gleiche  Übung  in  ähnli- 
chen Beobachtungen  besitzen^  abwechselnd  nach  ein- 
ander die  Höhe  der  Quecksilbersäule   eines  genauen 
Barometers  bestimmen  (nachdem  jedes  Mahl  Vernier 
lind  Absehen  wieder  verrückt^  und  von  dem  folgenden 
Beobachter  neu  gestellt  worden  sind);  so  findet  sich, 
wenigstens  nach  meinen  Erfahrungen^   dafs  die  Ge- 
nauigkeit dieser  unmittelbaren    Beobachtung  selten 
höher ^  alsaufo.o4  einer  Linie  geht*     Nin;imt  man 
mehrere  Beobachtungen    ( bei  welcben  jedoch  we- 
gen der  dabei  so  leicht  eintretenden  Temperaturän- 
denmgen  die  gröfste  Vorsicht    nothwendig  ist)  und 


am 

aus  diesen  den  Durchschnitt ;  so  läfst  sich  allerdings 
bei  grofser  Übung  in  der  Behandlung  dieses  Instru- 
mentes eine  gröfsere  Genauigkeit  erreichen  :  ich  halte 
jedoch  die  Bestimmung  auf  ^§5  bis  y^^  einer  Linie 
flir  die  Grenze  y  über  welche  hinaus  fernere  Anga- 
ben ganz  unsicher  sind.  Diese  Genauigkeit  ist  fiir 
die  meisten  Höhen  *  Beobachtungen  allerdings  mehr 
als  zureichend:  nur  bei  gan2  geringen  Höhen  kommt 
sie  in  Betracht}  bei  gröfsern  verschwindet  sie  dage- 
gen gänzlich. 

b)  Der  Einflufs   der  Temperatur   d^r  Quecksil'^ 
bersäule  bringt  dagegen  eiüe  bedeutend  gröfsere  Un- 
sicherheit in  die  genaue  Beobachtung  der  Höhe  die- 
ser Säule.     Denn  da  bekanntlich  diese  Queöksilber" 
säule  bei  Erhöhung  oder  Verminderung  der  Tempe- 
ratur sich  vetlängert  oder  verkürzt  y  und  diese  Ände- 
rung so  bedeutend  ist^    dafs  sie  fiii*  1^  R.  Tempera- 
tur^mterschiedbei  der  Quecksilbersäule  von  38  ^  schon 
0.075  Linien,  und  bei  einem  Barometerstande  von 
ad^^  noch  0.062   Linien  beträgt;  so  erhellet  hieraus; 
dafj»  eine  Ungewifsheit  in  der  Bestimmung  de^  wahren 
Temperatur  der  Quecksilbersäule  indemAugenblickey 
als  ihr  Niveau  beobachtet  wird,  um  i^  R.  schon  einen 
bedeutend  gröfsern  Fehler  hervorbringt,  als  derjenige, 
welcher  aus  der  unmittelbateb  Beobacl|tung  jenes  Ni*-* 
teaü  hervorgehen  kann.    ^Würde  der  Bäroiäeterstand 
bis  auf  X).'^' Ol  genau  beobachtet,  so  müfste  die  Beob*- 
achtung  dät  Temperatur  des  Quecksilbers  b^i^  ^ihein 
Stande  Von  28''  bis  auf  d^.  i'i  R.,  und  bei  eihem 
Stande  von  :23"  bis  auf  o^.  i5  R.  genau  seyntj   damit 
das  Beobachtungsresultat  die  Genauigkeit  bis  aufo'^^o< 
der  Quecksilberhöhe  erhalte.     Wie  schwierig,   nian 
kann  sagen,  beinahe  unmöglich  eine  so  genaue  Ausmit- 
telung der  TemperattA:  der  Quecksilbersäule  im  Baro^ 
ineter  für  die  Zeit  der  Beobachtung  sey,  vermag  je-' 
der  tVL  beurtheiten,  v^elcher  mit  Beobachtungen  üb6)^ 


Ausgleichungen  und  Bestimmungen  der  Temperaturen 
Terschiedener  Körper  sich  beschäftiget  hau 

Bei  allen  Höhebarometern ^  welche  ich  bis  jetzt 
gesehen  habe^  ist  das  zur  Ausmittelung  der  Tempe- 
ratur der  Quecksilbersäule  bestimmte  Thermometer 
in  der  Nähe  der  Barometerröhre  an  dem  Gehäuse 
derselben  angebracht.  Bei  dieser  Vorrichtung  halte 
ich  es  für  sehr  schwierige  in  den  meisten  Fällen 
während  der  Beobachtungszeit  die  Temperatur  der 
Quecksilbersäule  bis  auf  bedeutend  weniger  als  2^  ge- 
nau zu  bestimmen. 

Bis  nähmlich  das  Quecksilber  im  Barometer  di« 
Temperatur  der  unmittelbar  umgebenden  Luft^  welche 
den  Stand  des  äufsern  Thermometers  bestimmt ^  an- 
nimmt ^  ist  eine  Zeit  Ton  wenigstens  so  Minuten  er- 
forderlich^  wenn  der  Temperatur- Unterschied  5°  — 
10^  R.  beträgt.  Hierbei  wird  vorausgesetzt  ^  dafs 
während  dieser  Zeit  die  Temperatur  sich  nicht  ändere^ 
oder  neue  Schwankungen  derselben  eintreten.  Wenn 
also  das  Barometer  aufgehängt  und  für  die  Beobach- 
tung eingerichtet  wird  3  so  kann  erst  dann ^  wann  datf 
Thermometer  etwa  ao  Minuten  lang  einen  konstanten^ 
bis  auf  y'^  Grad  bestimmbaren  Stand  behalten  hat^ 
mit  Siehe j'heit  gerechnet  werden,  dafs  die  Tempera-  ^ 
tur  der  Quecksilbersäule  genau  dieselbe  sey  y  wie  jene 
des  äufsern  Thermometers.  Allein  diese  Bedingung 
ist^  zumahl  an  den  Orten  ^  wo  man  zu  beobachten 
gezwungen  ist,  sehr  schwer  \tnd  nur  zufällig  zu  er- 
reichen* Die  letzten  Ausgleichungen  der  Tempera- 
tur geschehen  sehr  langsam;  und  jede  Schwankung 
in  derselben,  während  der  erwähnten,  zur  vollstän- 
digen Ausgleichung  erforderlichen  Zeit  bringt  Irrun- 
gen heror.  Solche  Schwankungen  werden  durch 
jeden  Windstofs ,  durch  einen  Sonnenstrahl,  durch 
die  Annäherung  des  Beobachters,  welche  gewöhn- 
Heh  das  Thermometer  stärker  und  schneller  alEcirty 


a88 

I 

\  I 

als  die  Quecksilbersäule  des  Barohieters^  hervor  ge- 
bracht* Aus  diesen  Gründen^  und  gestützt  auf  meh- 
rere Beobachtungen^  glaube  ich,  dafs  man  unter  den 
bei  den  Höhenmessungen  mit  dem  Barometer  vor- 
handenen Umständen  und  unter  den  nöthigen  Vor- 
sichten in  der  Regel  bei  der  Bestimmung  der  Tem- 
peratur der  Barometersäule  nicht  bis  auf  viel  weniger 
als  2  ^  R.  sicher  sey.  Diese  Unsicherheit  gibt  für  die 
Höhe  der  Barometersäule  Von  28''  einen  Fehler  von 
o"'  i5,  und  fiir  aS"  einen  Fetler  von  o"'  124 ;  wel- 
cher iolglich  beinahe  zehn  Mahl  so  grofs  is|;,  als  der 
Fehler  bei  der  unmittelbaren  Beobachtung 'der  Queck- 
silberhöhe. 

Um  den  Grund  dieses  Fehlers  von  dem  Höhen- 
barometer wegzuschaffen,  und  ihm  dadurch  für  die 
Beobachtung  jene  Genauigkeit  zu  geben ,  deren  es 
möglicher  Weise  fähig  ist,  ist  es  nothwendig,  das 
Thermometer  zur  Messung  der  Temperatur  der  Queck- 
silbersäule 'unmittelbar  in  das  Quecksilber  selbst  zu 
bringen,  und  zwar  sowohl  an  dem  untern  Theile  der 
Säule  als  auch  an  einem  höheren,  damit  dus  den  Ständen 
der  beiden  Thermometer  die  mittlere  Temperatur 
genommen  werden  könne.  Da  in  diesem  Falle  die 
Kugel  dieser  Thermometer  nur  sehr  klein,  folglich 
auch  deren  Skala,  wenn  der  Quecksilberfaden  leicht 
sichtbar  seyn  soll ,  nicht  so  grofs  seyn  kann  ,  dafs  sie 
wenigstens  \  Grad  mit  Genauigkeit  angibt ;  so  müfstc 
man  diesen  Thermometern  diejenige  Einrichtung  ge- 
ben, welche  ich  nachher  beschreiben  werde,  nähm- 
lich  die  Kugel  durch  eine  dünne  Röhre  ersetzen.  Auf 
diese  Art  geben  diese  Thermometer  unmittelbar  die 
Temperatur  der  Quecksilbersäule  an,  und  es  ist  für 

i'ede  Beobachtung  nur  ein  kurzer  Zeitraum  erforder- 
ich,  indem  es  nun  nicht  mehr  nöthig  ist,  eine  lange 
Zeit  zu  warten,  um  von  der  Übereinstimmung  der 
Temperatur  der  Barometersäule  mit  jener  des  äufsera 
Thermometers  versichert  zu  seyn.      Übrigens   ist  je- 


28g 

doch  nicht  zu  läugnen ,  dafs  durch  diese  Einrichtung 
die  Gefahr  der  Beschädigung  des  Barometers  hei 
dem  Transportiren  bedeutend  vermehrt  werde. 

Was  die  Tragbarkeit  des  Höhenbarometers  he- 
trifft^  so  bleibt  rücksicfatlich  dieser  Eigenschaft  mehr 
zu  wünschen  übrig ;  und  die  vielfältigen'  Abänderun- 
gen^ welche  man  in  dieser  Rücksicht  mit  demselben 
Torgenonunen  hat^    scheinen  die  Forderungen  noch 
nicht  zu  befriedigen.     Eine  über  ^8  Zoll  lange    mit 
Quecksilber  gefällte  Glasröhre  bleibt  immer  ein  zur 
bequemen  und  sichern  Hin-  und  HerschaSung  wenig 
geeigneter   Gegenstand^  man  mag  diesem  Apparate 
übrigens  welch  immer  eine  Einrichtung  geben.     Die 
grofse  Sorgfalt,   welche  dabei  erforderlich  ist^   um 
das  Barometer  oder  dessen  toricellische  Leere  vor  dem 
Eindringen  der   äufsern  Luft  oder   vor  Feuchtigkeit 
2u  bewahren  j  vermehrt  diese  Schwierigkeiten.    Hau* 
fig  geschieht  es  daher,  dafs  man  auf  Reisen  das  Hö- 
henbarometer  oft  unbrauchbar  findet,  wenn  man  es 
gerade  am  nöthigsten  hätte.     Diese  Beschwerlichkei- 
ten, verbunden  mit  der  Kostspieligkeit  solcher  Appa- 
rate ,  wenn  sie  jenen  Grad  von  Vollendung  besitzen 
sollen,   welcher  ihrer  Anwendung  die  erforderliche 
Zuverläfsigkeit  verschafft,     scheinen    der  Grund  zu 
seyn ,  warum  die  Höhenmessungen  durch  das  Baro- 
meter ,  zumahl  bei  geringeren  Höhen ,   noch  keines- 
wegs so  verbreitet  sind,  als  sie  bei. der  Genauigkeit, 
die  -sich  damit  erreichen  läfst ,  zu  seyn  verdienen. 

Es  ist  bekannt,  dafs  die  Höhe  einer  Quecksilber- 
säule, welche  mit  dem  Drucke  der  korrespoqdiren- 
den  Luftsäule  im  Gleichgewichte  steht,  eigentlich  das 
Mafs  der  Dichtigkeit  derjenigen  Luft  ist,  welche  mit 
dem  untern  Niveau  dieser  Quecksilbersäule  in  Berüh- 
rung steht ,  und  dafs  sonach  die  Barometerstände  den 
korrespondirenden  Luftdichtigkeilen  proportional  sind. 
Wenn  man  daher  ein  leichtes  und  bequemes  Mittel 

Jahrb.    des  polyt.  Inst.  IV.  Bd.  IQ 


ago 

hat 9  die  relative  Dichtigkeit  der  Luft  an  einer  gewis* 
sen  Stelle  mit  Genauigkeit  zu  messen  ,  so  läfst  sich 
aus  dieser  Bestimmung  der  zugehörige  Barometerstand 
herleiten  y  ohne  dafs  man  unmittelbar  eine  Quccksil- 
hersäule  zu  messen  nöthig  hau 

Nach  diesem  Grundsatze  kann  man  folgende  Me- 
thode anwenden ,  um  die  Barometerhöhe  auf  einem 
Berggipfel  ohne  Anwendung  des  Barometers  mit  gros-« 
ser  Genauigkeit  zu  bestimmen. 

Man  nehme  ein  Glasröhrchen  voii  etwa  8  Zoll 
Länge  und  4  ^^^  G  Linien  Weite  ^  welches  an  dem 
einen  Ende  zutfeschmolzcn ,  an  dem  andern  aber  mit 
eiher  kleinen  Öffnung  versehen  ist^  welche  sich  am 
Ende  eines  etwa  eine  Linie  langen  Röhrchens  befin- 
det^ in  welches  dieses  Ende  des  Glaszylindct*s  ansge^' 
zogen  ist.  Man  bestimmt  nun  mit  Genauigkeit  <  die 
Kapacität  dieser  Röhre  durch  Abwägen  mit  Queck- 
silber y  auf  die  Temperatur  von  o  R.  reducirt.  Es 
scy  nähmlich  das  Gewicht  des  Quecksilbers  ^  welches 
die  Röhre  bis  zu  dem  Punkte  des  dünnen  Halses ,  bis 
zu  welchem  dieser  bei  der  folgenden  Beobachtung  mit 
Siegellack  verschlossen  w^irdj  anfüllt  =  ;?>  dieXempe-, 
ratur  desselben  =  ^^  die  kubische  Ausdehnung  des  Gla- 
ses für  I®  R.  =  k,  die  auf  o  R.  reducirte  Kapacität  der 
Glasröhre  =s  ^  in  Gewichtstheilen  ausgedrückt^  so 
ist  F's=:p  ^i^kt)y  wo  die  Gröfse  p  nach  dem  def 
Temperatur  t  entsprechenden  specif.  Gewichte  des 
Quecksilbers  korrigirt  ist.  Solcher  in  einem  Futterale 
leicht  zu  verwahrenden  Glasröhren  kann  man  meh- 
rere mit  sich  führen,  und  auf  jeder,  den  Werth  voil 
^bemerken/ 

Befindet  man  sich  nun  auf  der  Höhe^  deren  zu- 
{gehörigen  Barometerstand  (  in  Korrespondenz  mit 
einem  gleichzeitig  unten  beobachteten)  man  bestim->> 
men  will;  so  beobachtet  man  genau  die  Temperatixr 


39« 

» 

des  Thermometers^  welches  *maa  mit  der  ervrähnteii 
Glasröhre  längere  Zeit  in  Berührung  gelassen  hat^und 
verstopft  hierauf  die  kleine  Üfihung  der  Glasröhre 
mit  einem  Knöpf chen  Siegellack.  Bringt  man,  nach- 
dem man  zu  Hause  angekommen  ist,  diese  Röhre  nun 
in  Quecksilber,  nachdem  man  von  dem  dünn  ausge- 
zogenen Ende  das  Siegellack  abgenonunen,  oder  das 
vorher  mit  einem  Einschnitte  versehene  Ende  dieses. 
Röhrchens  abgebrochen  hat;  so  dringt  das  Quecksil- 
ber in  dieselbe,  und^füllt  sie  so  weit  ah,  bis  dieEIa- 
sticität  der  innern  Luft  mit  der  äufsern  im  Gleichge- 
wichte steht.  Nachdem  man  die  genaue  Überein«^ 
stitnmnng  des  Niveau  des  Quecksilbers  im  Innern  der 
Röhre  mit  jenem  aufserhalb  derselben  hergestellt,  uad 
die  Temperatur  des  Quecksilbers,  so  wie  den  Stand 
des  Barometers  beobachtet  hat^  verschliefst  man  die 
untere  Öffnung  mit  dem  Finger,  hebt  die  Röhre  aus 
dem  Quecksilber,  und  wiegt  nun  diese  in  die  Röhre 
eingedrungene  Qüecksilbermenge  ab  ^  Welche  von  V 
abgezogen,  das  Yolum  der  vorher  verdünnten,  nou 
durch  den  untern  Luftdruck  zusammen  gedrückten 
Luft  angibt,  welches  mit  V*  bezeichnet  werden  soll; 

Hieraus  läfst  sich  nun  der  beobachtete  Barome-^ 
terstand  auf  folgende  Art  berechnen; 

Es  sey  der  gesuchte  Barometerstand  auf  der  Höhe; 
auf  o  *^  R.  reducirt,  =  b. 

Die  hier  beobachtete  Temperamr  ät  V; 

Der  Barometerstand,  welcher  unten  vorhanden  war; 
als  das  Volum  V^  gemessen  wurde  =  J5'. 

Die  Temperatur  des  Quecksilbers  bei  dieser  Mes- 
sung =s  ^.  . 

Die  Ausdehnungsgröfse  der  Luft  fiir .  i  ®  R;  s=s  n  =a 

o.oo468- 
Die  kubische  Ausdehnung  de$  Glases  =r  ^  ss:  ö .  odd 

o  3283 , 

so  ist  das  Volum  der  in  der  ganzen  Röhre  enthaltenen/ 

^9* 


bei  b'Xxnd  t'   eingedrungenen  Luft  auf  irgend  Sinen 
dritten   Barometerstand  B  und  auf  o^  R.  reducirt 

=  ^(i-^n«')(i~A:<')|. 

i 

Bei  der  unten  bei  B^  Barometerstand^  und  t 
Temperatur  vorgenommenen  Messung  war  das  Volum 
B=s  /^^   folglich   ist  dieses  Volum  auf  B.  Barometer- 

stand  und  o®  R.  reducirt  =/^'(i  —  nt)  (i  —  ^^)-o 

Diese  beiden  Werthe  sind  gleich^  oder : 

n  I  -  nt')  ( I  -^^')^=  ^(  I  -nt)  (i^kt)^i  also 
l^^r'(i-^nt')\i-'kt)   .^      ^^  ^   .^  Tj^^j,^^ 
.    r(i^nt')  (i^U^) 
de^jB'  liir  0°  R.  ausgedrückt  ist. 

Es  ist  nicht  zu  läugnen ,  dafs  die  Anwendung 
dieser  Methode  umständlich  sey ,  und  wenn  sie  eine 
grofse  Genauigkeit  geben  soll^  Gewandtheit  im  E^pe- 
rimentiren  erfordere.  Indessen  scheint  sie  als  Aus- 
hülfsmittel  vortheilhaft  da  angewendet  werden  zu  kön- 
nen y  wo  man  grofse ,  mit  Anstrengung  und  Gefahr 
zu  ersteigende  Höhen  messen  will;  in  welchem  Falle 
es  räthlich  seyn  dürfte^  mehrere  solcher  Röhren  mit 
sich  zu  fuhren,  um  mittelst  derselben  den  Barome- 
terstand zu  bestimmen,  wenn  das  Barometer  schad- 
haft geworden  seyn  sollte ,  oder  auch  um  den  durch 
das  Baropieter  genonmienen  Stand  zu  kontroUiren. 

Ich  habe  diese  Methode  nicht  wegen  dieser 
ziemUch  beschränkten  Anwendung  umständlicher  ange- 
führt, sondern  weil  mir  dieselbe  zur  Veranlassung 
der  Ausführung  des  Instrumentes  gedient  hat,  wel- 
ches der  eigentliche  Gegenstand  dieses  Aufsatzes  ist. 
Dieses  Instrument  i^t  ein  Luftthermometer,  welches 
so  .eingerichtet  ist ,  dafs  durch  Korrektion  der  durch 


die  Temperatur  entstehenden  Änderung  die  Elasti- 
cität  der  aufsern  Luft  bestimmt  werden  kann*  Bei 
jedem  Luftthermometer ,  in  welchem  die  Luft  mit  ir- 
gend einer  Flüssigkeit ,  z.  B.  Quecksilber^  gesperrt 
ist^  und  die  Luft  über  diesem  Sperrungsmittel  mit 
der  Atmosphäre  in  Verbindung  steht  ^  kann  bekannt- 
lich die  richtige  Bestimmung  der  Temperatur  nur 
dann  erhalten  werden^  wenn  der  Barometerstand  bei 
der  Yon  dem  Instrumente  angegebenen  Ausdehnungs- 
gröfse  in  Rechnimg  gebracht ,  oder  die  Angabe  des 
Instruments  auf  denselben  Barometerstand  reducirt 
"wird.  Wendet  man  bei  einem  solchen  Apparate  das 
umgekehrte  Verfahren  an ,  und  reducirt  die  Angaben 
des  Instrumentes  auf  gleiche  Temperatur^  so  gibt 
es  die  Bestimmungen  des  Barometerstandes.  Die 
letztere  Methode  ist  das  Princip  des  -Instrumentes^ 
welches  ich  hier  beschreibe. 

So  einfach  dieses  Princip  ist^  so  ist  dessen  Aus- 
fuhrung doch  vielen  Schwierigkeiten  unterworfen, 
wenn  man  diejenigen  Forderungen  befriedigen  will, 
welche  hier  gemacht  werden  können.  Das  erste  In- 
strument dieser  Art  habe  ich  vor  drei  Jahren  verfer- 
tigt, und  durch  Beobachtungen  mit  demselben  die 
Fehlergrenzen  so  wie  die  Verbesserungsweisen  ken- 
nen zu  lernen  gesucht.  Nach  Benützung  dieser  Er- 
fahrungen und  mehrfachen  Abänderungen  bin  ich  end- 
lich bei  derjenigen  Einrichtung  stehen  geblieben, 
welche  ich  in  dem  Nachstehenden  beschreiben  werde. 
Ich  übergehe  dabei  der  Kürze  wegen  die  Erfahrungs- 
gründe, welche  mich  allmählich  zu  dieser  Einrichtung 
geführt  haben ,  oder  das  Historische  in  der  Konstruk- 
tion meines  Instrumentes,  und  übergebe  diesen  Ap- 
parat in  demjenigen  Zustande,  in  welchem  er  mir 
gegenwärtig  fiir  Höhenmessungen,  meinen  eigenen 
Erfahrungen  nach,  sehr  brauchbar  scheint,  der  Be- 
urtheilung ,  Benützung  und  weitern  Vervollkonunnung 
der  Physiker. 


294 

I 

Allgemeine  Beschreibung  des  Instrumentes. 

Die    Zeichnung  dieses  Baroskops  befindet  sich 
auf  der  Tafel  VI,  Fig.  i  in  halber  Gröfse.     Auf  einem 
Bretchen  von  lo  bis  12  Zoll  Länge  und  3  ZolLBreite 
ist  der  aus  Glas  verfertigte  Apparat  befestigt,  und  mit 
einem  passenden  Deckel  von  oben  verschlossen.  Die- 
ser Apparat  besteht  aus  einem  dickeren,    4  —  ^  Li* 
nien  v^eiten   Glaszylinder  h  c,  und  aus  einer  mehr- 
fach gebogenen  dünnen  Röhre  ab,  welche  y^  bis-i^ 
Zoll  innere  Weite  hat,    und  an  dem  untern  Theile 
des  Glaszylinders  angeschmolzen  ist.     In  den  Glaszy- 
linder b  c  ist  das  Thermometer  icn  durch  die  obere 
Öffnung  c  eingesenkt,  so  daf$  die  mit  der  Skala  ver- 
sehene Thermometerröhre  cm  an  der  äufsern  Wand 
des  Zylinders  anliegt,  der  stau  der  Kugel  in  einen 
dünnen  langen  Zylinder  ausgezogene  und  mit  Queck- 
silber gefiilhe  Theil  ic  aber,  beiläufig  nach  der  Achse 
des  weiten  Zylinders  hinläuft,  und  mit  der  untern 
Spitze  bis   an    die  Öffnung  der    dünnen    Röhre    ab 
reicht,   und  in  der  Mündimg  derselben  aufruht j  die 
obere  Öffnung   bo^    c   ist  mit  Siegellack  volkommen 
verschlossen.  Die  Länge  der  einzelnen  geraden  Stücke 
der  gebogenen  Röhre  ab  beträgt  beiläufig    10  Zoll. 
Das  äufserste  mit  der  Atmosphäre  in  Verbindung  ste- 
hende offene  Ende  dieser  Röhre  ist  mit  einem  klei- 
nen hfiessingenen  Hahne  versehen,  welcher  luftdicht 
schliefst.     In  der  gebogenen  l^öhre,  welche   ich  die 
Skala  *  Röhre  nennen  will,  befindet  sich  die  schwarz 
angedeutete  Quecksilbersäule  pq,  welche  sf  gerade 
Stücke  der  Skalaröhre  ausfüllt.     Diese  Säule  dient  als 
SpeiTungsmittel  zwischen  der  im  Zylinder  eingeschlos- 
senen Luft,  und  derjenigen,  welche, in  dem  mit  der 
Atmosphäre  korrespondirenden  Theile  der  Skalaröhre 
befindlich  ist.  An  einem  Theile  der  Skalaröhre,  welche 
dem  untern  Ende  des  Zylinders  nahe  liegt,  z.  B.  bei 
o,  ist  ein   willkürlicher  Punkt  bezeichnet,    welcher 
im  folgenden  der  Nullpunkt  genannt  wird.     Von  die- 


• 

sem  Punkte  an  wird  die  Kapacität  des  Zylinders  bc 
gemessen,  so  wie  die  Kapacilät'  der  Skalartihre  von 
diesem  Punkte  angenommen  wird.  Eben  so  ist  ein  an- 
derer Punkt  der  Skalaröhre  bei  «r  beiläufig  ^n  derje- 
nigen Stelle  bezeichnet,. wo  das  Quecksilberniveau  q 
sich  befindeor  würde ,.  wenn  das  entgegengesetzte  Ni- 
veau p  sich  nahe  unter  dem  Hahne  bei  a  befinden 
würde.  Der  Zwischenraum  zwischen  diesen  beiden 
Punkten  o  und  x  macht  die  eigentliche  Skala  des 
Instrumentes  aus,  und  ist  in  loo  der  Kapacität  nach 
gleiche  Theile  eingetheilt,  welche  auf  der  Glasröhre 
selbst  durch  feine  Striche  bezeichnet  sind ,  und  von 
denen  die  Unterabtheilungen  durch  eine  bewegliche, 
aus  Elfenbein  verfertigte  Skala  gemessen  werden,  auf 
welcher  in  der  Länge  eines  Zolles  60  —  80  Theil- 
striche  aufgetragen  sind.  -Das  Yolum  der  in  dem  Zy- 
linder bc  von  dem  Nullpunkte  an  eingeschlossenen 
Luft  ist  mit  Beziehung  auf  den  Barometer-  und  Ther- 
mometcrstand  so  regulirt,  dafs  bei  einem  Barometer- 
stande von  2Q'^  und  einer  Temperatur  von  0°  R.  das 
Endniveau  //  der  Quecksilbersäule  auf  den  Nullpunkt 
o  zu  stehen  kommt.  Der  Glaszylinder  bc  ist  mit 
einer  die  Wärme  schlecht  leitenden  Substanz ,  z.  B. 
Tuch,  Baumwolle,'  Firnifs  oder  Wachs  überzogen, 
damit  er  die  Wärme  in  der  Nähe  des  Beobachters 
nicht  zu  schnell  aufnehme.  Auf  dem  Bretchen  des 
Instruments  sind  aufserdem  noch  zwei  Libellen,  die 
eine  nach  der  Länge,  die  andere  nach  der  Breite  des- 
selben angebracht,  um  sich  von  der  horizontalen  Lage 
des  Instrumentes  bei  der  Beobachtung  zu  versichern. 

• 
Theorie  und  Gebrauch  dieses  Baroskops. 

Es  Sey  das  Volum  der  in  dem  Zylinder  des  Ba- 
roskops  eingeschlossenen  trockenen  Luft,  von  dem 
Nullpunkte  an  gerechnet,  bei  0°  R.  und  B  Barofiic- 
terstand  ( dieser  Barometerstand  ist  bei  meinem  In- 
strumente als  39"  angenommen)  =  /^  Für  diesen 
Fall  steht  das  Ende  q  der  Quecksilbersäule  auf  dorn 


296 

Nullpunkte.  Erwärmt  sich  nun  die  Luft  im  Zylinder, 
80  dehnt  sie  sich  dieser  Erwärmung  proportional  aus, 
die  Quecksilbersäule  weicht  daher  zurück,  bis  das 
Ende  derselben  q  auf  irgend  einen  Theil  der  Skala- 
röhre trifit,  z.  B.  auf  denjenigen,  welcher  in  der  Fi- 
gur mit  q  bezeichnet  ist.  Die  Temperatur,  welche 
das  Thermometer  in  dem  Zylinder  anzeigt ,  sey  ss  ty 
so  wird  diese  Vermehrung  ded  Luftvolums  =  />^  (  i 
+  w^),  wo  ?i:=  0.00 468  für  die  Sotheilige  Ther^ 
mometer  -  Skale. 

Ändert  sich  nun  dabei  der  Barometerstand  B  in  6, 
so  ändert  sich  das  Volum  der  Luft  in  dem  Zylinder 
in  dem  verkehrten  Verhältnisse  dieser  Barometer- 
stände :    bei  der  Temperatur  t  und  dem  Barometer-« 

Stande  b  wird  also  jenes  Luftvolum  =  /^(  i+w^)-r. 

Nun  sey  die  Anzahl  der  Theile ,  um  welche  das 
Ende  der  Quecksilbersäule  q  von  dem  Nullpunkte  o. 
sich  entfernt  hat,  wie  es  sich  durch  die  Beobachtung 
für  t  und  b  ergibt,  =s  m,  in  Theilen  des  f^  ausge- 
drückt ;  so  ist  das'  beobachtete  Volum  der  einge- 
schlossenen Luft,  ohne  Rücksicht  auf  die  Ausdeh- 
nung des  Glases  =i  F  '\'  m.  V^enn  dagegen  das 
Glas  sich  im  Verhältnisse  von  t  ausdehnt ;  so  ist  die- 
ses beobachtete  /^  -f  tu  zu  klein ,  mufs  daher  im 
Verhältnisse  jener  Ausdehnung  vergröfsert  werden, 
und  wird  daher  nach  dieser  Korrektion  =  (/^+w) 
(i-^rkt).  Dieser  beobachtete  Werth  des  Luftvolums 
iiir  t  und  b  ist  de^I  berechneten  gleich ;   daher 

(f^+m)  (i+*0  «/^(i  +  /iO  ^i  folglich 

Durch  das  Baroskop  wird  also  der  bei  der  Beob- 
achtung Statt  fii^dende  Barometerstand  erhalten,  wenn 
man  die  Temperatur  des  Thermometers  ==?  ^,  und 
den  Stand, des  Instruments  ss  m  beobachtet}    und 


397 

hiernach ,  da  y  und  B  für  ein  bestimmtes  Instrument 
einen  beständigen  Werth  haben,  den  Barometerstand 
b  aus  obiger  Formel  berechnet}  was  längstens  in 
einer  Viertelstunde  geschehen  ist.  Dieser  gefundene 
Barometerstand  b  gilt  für  die  Temperatur  der  Queck- 
silbersäule von  o^  R;  und  in  demjenigen  Mafse^  in 
i^elchem  B  angegeben  ist. 

Diese  Berechnung  des  Barometerstandes  aus  den 
Angaben  des  Instrumentes  ist  jedoch  nur  dann  nöthig, 
^enn  die  beiden  zu  einer  Höbenijnessung  gehörigen 
Beobachtungen  mit  zwei  verschiedenen  Instrumenten, 
bei  welchen  die  Gröfisen  /^und  B  einen  andern  Werth 
hätten ,  angestellt  worden  wären.  Ist  jedoch  zu  die* 
sen  Beobachtungen  dasselbe  Instrument  gebraucht 
virordeh  (  wie  dieses  in  der  Regel  anzunehmen  is{  ) ; 
so  behalten  /^und  Zimmer  denselben  Werth,  fallen 
daher  aus  der  Rechnung ,  und  der  Werth  von  b  wird 

durch  die  einfache  Form  = X 

bestimmt,  d.  i.,  die  Berghöhen  werden  nach  den 
Angaben  dieses  Instrumentes  unmittelbar  aus  dem 
yerhältnisse  der  Luftdichtigkeiten  in  den  beiden 
Stationen  bei  der  Temperatur  von  o°  R.  berechnet; 
Wobei  die  Luftdichtigkeit  bei  dem  Barometerstände 

ß  und  o^  R. ,  durch  die  Gröfse  7?  bemessen  ist. 

Da  die  Berechnung  des  obigen  Ausdrucks  kaum 
mehr  Zeit  erfordert,  als  die  Reduktion  eines  beob- 
achteten Barometerstandes  auf  die  Temperatur  von 
o  R  ,  und  wenn  man  diese  Rechnung  mit  Logarith- 
men macht,  man  dadurch  sogleich  den  in  die  Höhen- 
formel zu  setzenden  Logarithmus  von  b  erhält:  so 
erhellet  hieraus ,  dafs  die.  An  Wendung  dieses  Instru- 
mentes beim  Höhenmessen  nicht  mehr  Rechnung 
brauche,  als  bei  den  Beobachtungen  mit  dem  Baro- 
meter ,  ja  noch  weniger,  wenn  man  bei  dem  letzte- 


39«  . 

'   ren  noch  die  Ausdehnung  der  Skala  und  die  Kapil- 
larität der  Röhre  in  Rechnung  bringen  will. 

Es  sey  die  Temperatur  des  Instruments  und  der  Luft 
auf  der  unteren  Station  =::  t^  jene  auf  der  obem 
=  t^i  und 

die  Dichtigkeit  der  Luft  bei  o^  R.^auf  der  unteren 
Station  d,  jene  auf  der  obern  =d'; 

so  ist  a  =:  -  —  1—7 und  d  i=  , 

daher  die  Höhe  in  Wiener  Klaftern : 

H  ^  96Ö4  log.  ^^.    (  I  +  o.poS  (iii'  )  ). 

Von  der  Art  und  Weise ,  das  Instrument  wäh- 
rend der  Beobachtung  zu  behandeln. 

Wenn  das  Instrument  aufbewahrt  oder  transpor- 
tirt  werden  soll^  so  bringt  man  durch  die  senkrechte 
Stellung  des  Instrumentes  die  sperrende  Quecksil- 
bersäule in  eine  solche  Lage^  dafs  die  Luft  in  dem 
Zylinder  so  weit  ausgedehnt  oder  zusammen  gedrückt 
wird  (je  nachdem  die  durcl*  den  vorhandenen  Baro- 
meter -  und  Thermometerstand  bedingte  Lage  der 
Quecksilbersäule  es  rathsam macht )^  als  der. drücken- 
den Quecksilbersäule  (nach  der  einen  oder  der  an- 
dern Seite)  zukömmt,  und  verschliefst  hierauf  den 
Hahn,  welcher  an  dem  Ende  der  Skalaröbre  ange- 
bracht ist.  Dadurch  werden  die  Oseillationen  der 
sperrenden  Quecksilbersäule,  bei  der  Neigung  des  In- 
strunients  io  verschiedenen  Richtungen,  klein,  $0 
dafs  auch  bei  heftigeren  Erschütterungen  keine  Tren- 
nung dieser  Säule  zu  beflirchtcn  steht.  Man  kann  so 
das  Instrument ,  nachdem  es  mit  seinem  Peckel  ver- 
sehen worden,  in  der  Rocktasche  bei  sich  führen, 
ohne  wegen  einer  Beschädigung  desselben  unter  den 
gewöhnlichen    Umständen  besorgt  sejn   zu  dürfen. 


Ein  Zutritt  der  äufseren  LüA  zu-  der  abgeschlossenen 
Luft  des  Zylinders  durch  die  sperrende  Quecksilber^ 
säule  hindurch  ist  in  jedem  Falle  wegen  der  Länge 
dieser  Säule  unmöglich;  und  wenn  bei  heftigeren 
Stöfsen  auch  «ine  Luftblase  in  diese  Säule  eindrin- 
gen sollte^  welches  immer  nur  nahe  an  dem  einen 
oder  dem  anderen  Ende  derselben  Statt  findet,  so 
kann  diese  durch  zweckmäfsiges  Schütteln  sehr  leicht 
wieder  weggeschafft  werden. 

Wenn  man  mit  dem  Baroskop  an  einem  Orte 
beobachten  will ;  so  legt  man  dasselbe  auf  irgend  eine 
Unterlage  (z.B.  einen  Tisch,  Stein,  Hut.etc,  welche 
man  mit  einem  zusammengefalteten  Taschentuche  be- 
deckt hat)  nach  dem  Stande  der  auf  dem  Brete  be- 
festigten Libellen  beiläufig  horizontal,  *^öffnet  hierauf 
den  Hahn,  stellt  durch  gelindes  Hin-  und  Uernei- 
gen  die  Sperrungssäule  in  die  gehörige  Lage,  und 
legt  auf  diejenige  Stelle,  wo  das  Ende  ^dieser Säule 
ist,  die  kleine  verschiebbare  Skala,  durch  welche  ein 
Theil  der  Skala;*öhre  in  kleine  Thcile  getheilt  wird; 
damit  man  bei  der  nachfolgenden  genaueren  Bestim- 
mung dieser  Thcile  schon  alles  an  seinem  Orte  finde. 
Bei  dieser  Aufstellung  des  Instruments  ist  darauf  zu 
sehen,  dafs  der  Ort,  an  dem  es  sich  befindet,  nicht 
dem  Sonnenscheine  ausgesetzt  sey,  damit  das  In- 
strument wenigstens  so  lange  in  einer  gleichblei- 
benden Temperatur  sich  befinde ,  bis  das  Ther- 
mometer desselben  und  die  Luft  des  Zylinders  eine 
gleiche  Temperatur  angenommen  haben,  welches 
längstens  in  5  Minuten  der  Fall  ist.  Beobachtet  man 
ganz  im  Freien ,  so  mufs  man  daher  das  Instrument 
mit  einem  Tuche ,  Hute  u.  dgl.  bedecken«  ^Um  sich 
zu  vensichern,  dafs  die  Temperatur  des  Instrumoiites 
konstant  geworden  sey,  ist  es  gut,  nach  einigen  Mi- 
nuten die  Skala  des  Thermometers  mittelst  einer 
Loupe  schnell  und  mit  Zurückhaltung  des  Athems 
zu  beobachten ,  und  nach  kurzer  Zeit  diese  Beobach-^ 


3oo 

tung  zu  wiederhohlen.  Findet  man ,  dafs  der  Thermo- 
meterstand mit  dem  früher  beobachteten  derselbe  ist^ 
so  schreitet  man  sogleich  zur  Beobachtung  des  Stan- 
des der  Quecksilbersäule  in  der  Skalaröhre  oder  der 
Ausdehnungsgröfse  der  Luft  =  m.  Hätte  sich  der 
Thermometerstand  geändert ,  so  ist  es  gut^  mit  der 
Beobachtung  noch  einige  Minuten  abzuwarten. 

.  Bei  der  definitiven  Beobachtung  bemerkt  man 
also  in  jedem  Falle  zuerst  den  Stand  des  Thermome- 
ters mittelst  einer  Loupe  so  genau  als  möglich^  und 
notirt  sogleich  diesen  Stand;  hierauf  bemerkt  man 
sogleich  den  Stand  der  Quecksilbersäule  oder  die 
Gröfse  m  auf  folgende  Weise: 

Die  Sperrungssäule  ist,  wie  schon  oben  gesagt 
worden,  «o  lang,  dafs  sie  zwei  Röhren  ganz,  und 
eine  dritte  blofs  auf  etwa  ein  Drittel  anfüllt.  Je  nach 
der  Gröfse  der  Luftausdehnung  nimmt  also  diese 
Säule  den  Raum  von  2  Röhren  und  einen  Theil  einer 
dHtten  ein  (  dieser  Fall  ist  bei  den  meisten  Beobach- 
tui^gen  vorhanden) ;  oder  jene  Säule  ist  in  vier  Röh- 
ren vertheilt,  so  dafs  dann  jede  dieser  zwei  Röhren 
nur  etwa  die  Hälfte  so  viel  Quecksilber,  als  vorher 
die  dritte  enthält  In  dem  ersten  dieser  beiden  Fälle 
{^A)  sind  die  Endniveau  der  horizontalen  Quecksil- 
bersäule um  ein  Drittheil  einer  Röhrenlänge  von  ein- 
ander entfernt ,  in  dem  zweiten  Falle  (Ja)  hingegen, 
kommen  sie  einander  immer  näher,  bis  sie  in  einer 
gewissen  Lage  in  einer  Linie  stehen,  welche  senk- 
recht durch  die  lange  Achse  des  Brötchens  geht. 

Ist  bei  der  Beobachtung  der  Fall  {A)  vorhanden, 
so  hebt  man  das  Bret  .an  den  Enden  seiner  Jangen 
Achse,  in  der  Figur  bei  ^,  jiy  etwas  in  die  Höhe, 
indem  man  es  so  halt,  dafs  die  Blase  der  nach  der 
Breite  des  Bretes  liegenden  Libelle  in  der  Mitte  steht, 
und  neigt  nun  das  Bretchen  mit  den  Enden  A  und  A 


3ot 

darcH  Drehung  desselben  um  die*!  senkrecht  auf  die 
Länge  gezogene  Achse  uet  mehrere  Mahle  sanft  auf  • 
und  abwärts^  so  dafs  die  Blase  der  Libelle  Z  Anfangs 
ihre  ganze  Rghre  durchläuft^  dann  kleinere  Theile 
and  bei  den  letzten  Neigungen  nur  wenig  von'  dem 
Mittelpunkte  der  Libelle  rechts  und  links  abweicht, 
wobei  man  Acht  hat ,  dafs  die  Neigungen  so  reguKrt 
"werdfen ,  dafs  die  zu  einer  jeden  derselben  gehörigen 
zwei  entgegengesetzten  Bewegungen  der  Blase  bei- 
läufig gleich  grofs  sind;  während  dem  aber  die  Blase 
der  zweiten  Libelle  ihre  Lage  in  der  Mitte  behält. 
Nach  vier  bis  fiinf  dergleichen  Neigungen  hat  das  Ni^ 
veau  der  Sperrungssäule  seine  Stelle  eingenommen. 
Ist  dagegen  der  zweite  Fall  (B)  vorhanden,  so  ge* 
schehen  die  Neigungen  des  Instruments  nach  der  4 
Breite  desselben,  nähmlich  durch  gelinde  Drehung 
um  die  Längenachse  ß^  ß',  während  welchen  die  Blase 
der  Libelle  /  spielt,  jene  der  Libelle  L  aber  auf 
dem  Mittelpunkte  erhalten  wird.  Sobald  nun  auf 
eine  oder  die  andere  Art  die  gehörige  Lage  der  Sper- 
rungssäule.  oder  ihres  Endpunktes  q  hergestellt  ist, 
wird  nun  das  Instrument  sogleich  auf  die  Unter- 
lage zurück  gestellt,  und  mit  der  linken- Hand  an 
dem  eilen  Ende  des  Bretchens  festgehalten,  wobei 
jnan  es  so  wendet,  dafs  die  Blasen  der  beiden  Libel- 
len in  der  Mitte  stehen,  klopft  hierauf  einige  Mahl 
mit  deüi  Zeigefinger  der  rechten  Hand  an  das  andere 
Ende,  um  die  Quecksilbersäule  etwas  zu  erschüttern, 
und  liest  nun  den  Stand  des  Endniveau  oder  die  Gröfse 
m ,  und  zwar  nach  dem  scharfen  Rande  des  Endes 
der  Quecksilbersäule,  mittelst  der  Loupe  auf  der 
beweglichen  Skala  genau  ab,  und  notirt  dieselbe.  Die 
Zahl  der  gröfsern  auf  der  Glasröhre  selbst  bezeicbne- 
ten  Theile  kann  man  mit  Mufse  nachher  bemerken. 
Hierauf  besichtigt  man  mit  der  Loupe  neuerdings  die 
Skala  des  Thermometers  und  bemerkt  dessen  Stand. 
Wenn  der  Zylinder  des  Instruments,  wie  oben  be- 
merkt worden,  mit  einem  die   Wärme  abhaltenden 


3oa 

Überzuge  versehen  ist,  und  man  in  diesen  Beobach- 
tungen einige  Übung  erlangt  hat;  so  findet  sich  oft^ 
dafs  nach  Beendigung  der  Beobachtung  das  Thermo« 
xneter  des  Instruments  noch  ganz  unverändert  steht. 
'  Sollte  dieses  aber  nicht  der  Fall  seyn  ^  so  Vfird  aus  dea 
beiden  beobachteten  Thermometerständen  das  Mittel 
genommen,  und  dieses  als  der  zu  der  beobachteten 
Grüfse  von  m  gehörige  Thermometerstand  notirt. 

Wenn  man  .unmittelbar  nach  der  zweiten  Beob- 
achtung des  Thermometers  den  Stand  von  m  neuere 
dings  beobachtet,  nachdem  man  vrie  vorher  dasBret- 
eben  mit  der  linken  Hand  gefafst  hat,  und  das  an^^ 
dere  Ende  mit  der  rechten  erschüttert,  während  diel 
Blasen  der  beiden  Libellen  in  ihrer  Mitte  erhalten 
werden ,  hierauf  wieder  den  Thermometerstand,  und 
dann  wieder  nach  Wiederhohluug  der  torigen  Mani* 
pulation  den  Stand  von  m,  u.  s.  f.  (wobei  der  zu  dem 
vorigen  m  gehörige  zweite  Thermometerstand,  der 
erste  für  das  folgende  m  wird^  u.  s.  w.),  so  kann  man 
von  beiden  Gröfsen  sehr  ge;iaue  Mittel  erhalten.  ^  Je«* 
doch  darf  bei  diesem  Verfahren  die  Temperatur  des 
Instruments  nicht  zu  schnell  steigen,  sonst  werden 
die  Beobachtungen  unrichtig,  indem  die  Ausdehnung 
der  Luft  oder  die  Änderung  von  m  in  sehr  kurzen 
Zeiträumen  nicht  völlig  genau  mit  der  durch  das 
Thermometer  angezeigten  Temperatur  gleichen  Schritt 
hält  (was  wahrscheinlich  daher  rührt^  dafs  das  Queck^ 
Silber  die  strahlende  Wärme  schneller  aufnimmt  und 
abgibt,  als  die  Luft);  sondern  es  ist,  wenigstens  eine 
kurze  Zeit  hindurch,  eine  Beständigkeit  der  Tempe-* 
ratur  erforderlich,  damit  die  Temperatur  der  Luft 
nnd  des  Thermometers  gleich  seyen. 

Um  2^u{  die  beschriebene  Weise  dieses  Baroskop 
mit  Sicherheit  und  Leichtigkeit  zu  behandeln,  so 
dafs  die  Gröfse  m  mit  Genauigkeit  und  in  kurzer  Zeit 
beobachtet  werden  kann ;  ist  einige  Übung  erforder- 


3o3 

lieh  9  die  man  sich  in  kurzer  Zeit  durch  öftere  Wie*- 
derhohlungcn  in  der  Beobachtung  des  Standes  des 
Quecksilberniveau    q  erwirbt. 

Der  Grund  dieses  Verfahrens  zur  richtigen  Be- 
stimmung der  Gröfse  m  oder  des  Quecksilberniveau  q 
leuchtet  übrigens  von  selbst  ein.  Denn  wenn  die  Bla- 
sen der  Libellen'  in  der  Mitte  einspielen  y  und  die 
Röhren  des  Inkrumenles  auf  dem  Bretchen  überall 
gleich  aufliegen^  so  hat  die  sperrende  Quecksilbersäule 
selbst  eine  horizontaleLage,  durch  gelinde  Neigung  oder 
Drehung  um  derselben  Achse  wird  also  die  Trägheit 
der  sperrenden  Säule  überwunden^  und  der  gesuchte 
,  Punkt  q  liegt  bei  den  letzten  kleinen  Neigungen  in 
der  Mitte  der  sehr  kleinen  zuletz.t  Statt  findenden 
Schwankungen  jenes  Niveau;  und  dieses  Niveau 
nimmt  nun  durch  eine  mäfsige  Erschütterung  genau 
diejenige  Stelle  ein^  bei  welcher  die  auf  beiden  Enden 
der  sperrenden  Quecksilbersäule  anliegende  Luft  die-^ 
selbe  Elasticität  hat. 

Von  der  Grenze  der  Genauigkeit  iii  der  Beob-' 
achtung  mit  diesem  Instrumente. 

Die  richtige  Konstruktion  und  Thcilung  des  In« 
^trumentes^  wovon  nachher  die  Rede  ist,  voraus^^c- 
setzt  ^  häiigt  die  Gehauigkeitsgreüze  iü  der  Beobach- 
tung mit  diesem  Baroskop  von  folgenden  Gröfscn  ab> 
näbmlich:  i)  von  der  Bestimmung  der  Temperatui' 
oder  der  Gröfse  t^!x)  von  der  Bestimmung  der  Lage 
des  Quecksilberendes  ^  öder  der  Gröfse  m^  3)  von 
dem  Einflüsse  in  der  richtigen  Bestimmung  der  Gröfsä 
F'y  welche  für  dasselbe  Instrument  ein  für  alle  Mahl 
Statt  findet,  so  dafs  bei  jeder  Beobachtung  eigentlich 
nur  die  Bestimmungen  der  beiden  ersten  Gröfsen  in 
Betracht  kommen. 

i)  Es  sey  die  an  dem  Thermometer  beobachtete^ 
zu  m  gehörige   Temperatur  t   etwas  zu  klein,    und. 
die  wahre  Temperatur  =  ^',    der  zu    der  letztera 


3o4 

gehörige,  aus  der  Formel  sioh  ergebende  Barometer- 
stand =  Ä',  so  ist  b'-^h  :^  i — 1—L — .b.  Der  Stand  \ 

des  Thermometers  an  dem  Instrumente  kann  nun  bis 
auf  0.0125  eines  Grades  R.  beobachtet  werden.  Denn 
die  Skala  des  Thermometers  erhält  eine  Länge  von 
10  Zollen^  auf  welcher  sich  4o  Grade  R.  (3o^  ober 
o  und  lO^  unter  o)  befinden ;  folglich  konunen  auf  i^ 
R.  3  Linien.  Nun  gibt  ein  Zoll  dieser  Skala,  in  7a 
Theile  getheilt,  noch  eine  reine  nicht  zu  enge  Thei* 
lung  auf  Elfenbein  oder  Silber,  von  welcher  sich 
Yiertheile  noch  leicht  und  sicher  nach  dem  Stande 
des  Quecksilberfadens  in  der  Thermometerröhre  mit 
der  Loupe  abschätzen  lassen ;  folglich  erhält  der  Grad 
18  Theiis triebe,    und  durch  Abschätzung  geht  die 

Genauigkeit  der  Beobachtung  bis  auf ^  ss  • —  =. 

o^.oiaS.  Ist  nun  it'  — ^=:o°oi25;  so  wird  ^'— ä=s 
o"'.  018  für  t=  10°  und  Ä  =  aS'^j  f ür  A  =  a3'' 
wird  Ä'  — Ä=  o'".  01 4  •  bei  niedrigem  Barometerstän- 
den noch  geringer.  Die  Temperatur  kann  also  so  ge- 
nau beobachtet  werden ,  dafs  bei  mittleren*  Barome- 
terständen die  Fehlergrenze  in  der  Bestimmung  der 
Höhe  der  Quecksilbersäule  nur  etwa  0.0 1^  Linie  be- 
trägt, wobei  nur  von  einer  einzigen  Beobachtung, 
und  nicht  von  einem'  Mittel  aus  mehreren  die 
Rede  ist. 

a)  Die  beobachtete  Gröfse  m  sej  etwas  zu  klein, 
und  die  wahre  sey  =  m',  der  zu  dieser  gehörige  Ba- 

rometerstand  SB  6'    so  ist  b  -^b^  =  — H —  bx    wo 

/^=  349-3  bei  einem  meiner  Inst;*umente.  Nun  kann 
die  Gröfse  m  bei  diesem  Verhältnisse  der  Kapacität 
des  Zylinders  =3  Zugegen  jene  der  Skalaröhre  =  1 00 
leicht  bis  auf  -^^  eines  Theiles  (wie  diese  in  der 
Skalaröhre  eingegraben  sind)  bestimmt  werden.  Denn 


3o$ 

ein  solcher  Theil  'wird  durch  die  bewegliche  Skala  in 
3o  Theile  geiheilt^  und  jeder  solcher  Theil  kann  noch 
leicht  in  Beziehung  auf  den  scharfen  Rand  des  Queck- 
silberniveau halbirt  werden.  Ist  nun  m^  ^  m  =:  -Jf^, 
so  wird  Ä  —  Ä'  =  o'".oi5  für  Ä  =  a8",  für  höheren 
Barometerstand^  noch  geringer.  Diese  Genauigkeit 
kann  durch  die  Vergröfserung  des  Werthes  von  P^ 
für  das  Instrument  noch  erhöht  werden. 

3)  Was  endlich  die  Genauigkeit  in  der  Bestim* 
mung  der  Gröfse  f^  betrifft  (von  welcher  nachher 
Lei  der  Verfertigung  des  Instrumentes  die  Rede  ist)^ 
so  ist  bei  dem  Instrumente ,  welches  ich  hier  als  Bei^ 
spiel  nehme  >  dieselbe  folgender  Gestalt  beschaffen. 
Das  Yerhältnifs  des  Volums  der  Skalaröhre ^  nähmlich 
der  100  Theile  derselben ,  zu  dem  Volum  des  Zy- 
linders^ wird  durch  das  Gewicht  der  Quecksilber- 
mengen,  welche  diese  Räume  bei  gleicher  Tempera- 
tur ausfüllen^  bestimmt.  Das  Gewicht  einer  jeden 
dieser  Mengen  kann  leicht  auf  einer  geeigneten  Wage 
bis  zu  ^  Gran ,  jenes  fiir  die  Skalaröhre  (wo  die  Queck- 
silberniveau's  bereits  durch  die  EndtheUungenbegränzt 
sind  )  noch  genauer  bestimmt  werden.  Nun  betrug 
bei  dem  vorliegenden  Instrumente  das  Gewicht  des 
Quecksilbers  in  der  Skalaröhre  =s  9748  Gran^  jenes 
in  dem  Zylinder  =:  34o3.8  Gran;  folglich  ist  loo«* 
f^  =  974*5  :  34o3.8  oder  P^  =  349.287.  'Setzen 
wir  nun  den  Fall^  jenes  Gewicht  des  Quecksilbers 
im  Zylinder  sey  um  die  bedeutende  Gröfse  von 
1.21  Gran  zu  klein,  oder  es  sey  34o5  Gran,  so 
würde    demnach  f^  =  349-4o9*     Nun   ist  b'  -^  b  ^=i 

-~ — ^-j — L—  b\  y*  -^  V  sey  nach  dem  Vorigen 
K  {^  K  -X  ^  ) 

=  o.  122;  so  ist  für  28'  b'^b  =^  o'".oo79.  I)ie 
Gröfse  f^  konnte  also  um  o.ü  unrichtig  seyn ,  und  es 
würde  bei  b  =  28"  doch  erst  nur  etwas  über  ^^^ 
Linie  Unrichtigkeit  in  der  Bestimmung  des  Barome^ 
terstandes  hervorgebracht  werden,  bei  niedrigem  Ba- 
rometerständen noch   weniger. 

Jalirb.  J,  pol^t.  lii«t.  IV.  lld,  20 


3o6 

Hieraus  foIgt>  dafs  bei  cfiner  genauen  Konstruk- 
tion des  Instrumentes^  und  bei  genauen  Beobachtung^ 
gen  es  möglich  sey^  mittelst  desselben  den  Barometer* 
stand  bis  nahe  auf  j§-^  Linie  genau  zu  bestimmen« 

Von  der  Art  und  Weise  ^  das  Baroskop  zu  ver- 
fertigen ^  und  von  den  dabei  zu  beobachtenden 

Vorsichten. 

Von  der  Sorgfalt  in  der  Verfertigung  und  Thei- 
lung  des  Instruments  hängt  die  Genauigkeit  ^desselben 
ab^  und  es  ist  daher  nothwendig^  dafs  der  Physiker 
selbst  sowohl  die  Theilung  als  die  Regulirung  des  In* 
strumenles  verrichte.  Die  Herstellung  dieses  Baro- 
skops  betrifft  folgende  >  in  der  nachfolgenden  Ordnung 
vorzunehmende  Verrichtungen: 

.  i)  Di^  Verfertigung  der  gebogenen  Glasröhre  mit  dem 
Zylinder. 

d)  Die  Reinigung  derselben« 

3)  Die  Verfertigung  des  Thermometers« 

4)  Die  Eintheilung  des  Theiles  der  gebogenen 
Röhre,  welcher  die  Skala  enthält^  nebst  der 
beweglichen    Skala. 

« 

5)  Die  Bestimmung  des  Verhältnisses  zwischen  der 
Kapaciiät  der  Skalaröhre  und  jener  des  Zylin* 
ders,  oderBestimmung  des  Werthes  von  V. 

6)  Einfiillung  der  Sperrungs  -  Quecksilbersäule. 

7)  Austrocknung  der  Luft  im  Zylinder« 

8)  Regulirung  des  Instrumentes  für  dessen  Über- 
einstimmung mit  dem  Barometerstande« 


3o7 

9)  Befestigung  desselben  auf  dem  Brete^  mit  den 
Libellen. 

1)  Die  gebogene  Gl€isrbhre  mii  dem  an  dem 
einen  Ende  derselben  angeblasenen  Glaszylinder 
kann  von  jedem  gescbickten  Glasblaser  verfertigt 
vre^rden.  Diejenigen,  welche  ich  besitze,  sind  von 
dem  sehr  kunstfertigen  Glasperlen -Fabrikanten,  Hm» 
Anton  Schwefel  in  ff^ien,  hergestellt  worden.  Zu 
der  Skalaröhre,  welche  eine  Länge  von  5o  —  70  Zoll 
hat,  wird  eine  etwa  eine  Linie  innert  Weitß  haU 
tende,  so  viel  möglich  gleich  dicke  Glasröhre  genom-» 
men,  und  dieselbe^  wie  die  Figur  zeigt,  fünf  Mahl 
oder  sieben  Mahl  hin  und  her  gebogen,  so  dafs  die 
'  einzelnen  Stücke  beiläufig  miteinander  parallel,  gleich- 
weit von  einander  entfernt,  und  von  gleicher  Länge 
sind.  .  Diese  letzteren  Erfordernisse  sind  jedoch  kei« 
neswegs* wesentlich,  sondern  gehören  nur  zum  bes^r 
Sern  äufsern  Ansehen  des  Instrumentes,  so  wie  zur 
Raumersparnifs.  Für  die,  Genauigkeit  des  Instrumen-» 
tes  aber  wesentlich  ist  der  Umstand,  dafs  di^  sämmt* 
liehen  fünf  Röhren,  so  wie  deren  Biegungen,  möglichst 
genau  in  einer  und  derselben  Ebene  liegen.  Denn 
es  ist  aus  der  obeA  beschriebenen  Art,  mit  dieseni 
Instrumente  zu  beobachten,  klar,  dafs  wenn  eine 
Röhre,  in  welcher  sich  die  Sperrungs-  Quecksilber- 
säule befindet",  etwas  höhet  läge,  als  die  übrigen,  in 
welchen  diese  Quecksilbersäulen  gleichfalls  vertheilt 
ist,  dadurch  der  Druck  einer  kleinen  Quecksilber^ 
säule  nach  der  einen  oder  der  andern  Seite  hin  ent- 
stehen, und  einige  Unrichtigkeit  hervorbringen  würde. 
Übrigens  wird  weiter  unten  (6)  die  Vorsicht  erwähnt 
werden,  durch  welche  kleine  Unregelmäfsiskeiten 
in  der  horizontalen  Lage  der  Quecksilbersäule  un«r 
schädlich  werden. 

An  dem  einen   Ende  dieseir  gebogenen   Röhre 


:io 


3o8 

wird  nun  der  Glaszylinder  angeblasen,   und  mit  der- 
selben gleichfalls  parallel  aufwärts  gebogen. 

Dieser  Zylinder  kann  etwas  kürzer  seyn ,  als  die 
HöIie  der  Skalaröhre ;  bben  hat  er  eine  Ofihung,  welche 
grofs  genug  ist,  dafs  das  im  Nachfolgenden  zu  be- 
schreibende Thermometer  in  denselben  hinein  ge- 
schoben werden  kann.  Die  Weite  dieses  Zylinders 
nimmt  man  so ,  dafs  beiläufig  3}  bis  4  Mahl  so  viel 
Quecksilber,  als  die  Röhren  der  Skalaröhre  (oder 
als  fünf  Röhren  derselben,  wenn  sie  sieben  Biegungen 
hat)  enthalten,  denselben  anfüllet.  Es  ist  übrigens 
aus  der  Theorie  dieses  Baroskops  bereits  bekannt,  dafs 
je  gröfser  die  Kapacität  dieses  Zylinders  oder  der 
Werth  von»  K  genommen  werde ,  desto  gröfser  die 
Skala  für  denselben  Werth  des  Barometerstandes 
werde;  dagegen  aber  mit  demselben  Instrumente  auch 
nur  zu  einer  geringeren  Höhe  gemessen  werden  kön- 
ne, wenn  die  Anzahl  der  Röhren  nicht  vermehrt 
werden  soll.  Es  sey  nähmlich  bei  einem  solchen  In- 
strumente V=^  35o,  wo  die  Kapacität  der  getheilten 

y 
Skalaröhre  =  loo}  so  ist  für  o°  R.,  A  =  — - —  .  By 

V\  m 

ist  nun  -B=  29"  für  o  R.,  so  kann  bei  dieser  Tem- 
peratur, mit  dem  Instrumente  so  hoch  gemessen  wer- 
den, bis  m  =:  100  wird,  also  bis  zum  Barometer- 
stande von  '^^§  B  s=  a3'^5.  Da  die  Lange  der  Skala 
s=:  100  bei  diesem  Instrumente,  weichesaus  sieben  Röh- 
ren besteht,  etwa  f^S  Zoll  beträgt ;  so  werden  ^Iso  G§ 
Zoll  Barometerhöhe  auf  einer  Skala  von  4^  Zoll  ge- 
messen ,  also  I  ^'  durch  beinahe  7  Zoll. 

• 

Da  eine  Skalaröhre  von  nur  fünf  Biegungen  leichter 
und  genauer  zu  verfertigen  ist,  als  mit  sieben  Bie- 
gungen oder  einzelnen  Röhren,  so  ist  es  auch,  um 
eine  grofse  Skala  zu  erhalten ,  vortheilhaf t ,  zwei  In- 
strumeote  von  fünf  Biegungen  oder  Röhren  in  der  Art 
KU  reguliren,    da/s   das  eine  nur  zu  Messungen  von 


3o9 

gro&eren,  das  aodere  aber  zuMessungeii  von  gerin- 
geren Barometerständen  dient.  Es  sey  z»  B.  fdr  ein  sol- 
ches Instrument  der  Zylinder  so  genommen^  dafs 
sich  die  Kapacität  der  Röhren  j  auf  welchen  sich  die 
Skala  beGndet^  zu  jener  des  Zylinders  verhält,  vrie 
ioo:5oo;'der  o  Punkt  oder  B  ist  auf  ag'^  regulirt; 
so  miist  dieses  Instrument  bei  o^  R.  bis  zu  dem  Ba- 
rometerslande von  -^tl^^Q  =s  a4^  Zoll*  Die  Länge 
der  Skala  beträgt  hier  37  Zoll;  also  kommen  auf  ^%*' 
Barometerdifferenz,  27  Zoll  der  Skala,  oder  auf  i** 
etwa  5/5  Zoll.  Diese  Gröfse  ist  zur  genauen  Beob- 
achtung von  m  mehr  als  hinreichend. 

Regulirt  man  nun  den  Nullpunkt  eines  zweiten 
auf  dieselbe  Weise  konstruirten  Instruments  auf  a4''> 
oder  setzt  B  =  a4'' »  ^o  kann  mit  diesem  bei  o^  IL 
bis  zu  dem  Barometerstande  von^.  a4*=^  ^o'*  ge- 
messen werden.  Bei  diesem  zweiten  Instrumente 
mufs  übrigens  der  Hahn  am  Ende  der  Skalaröhre 
so  lange  genau  geschlossen  bleiben ,  als  der  Barometer- 
stand noch  über  a4''  ist,  damit  das  Sperrungsqueck- 
silber nicht  in  den  Zylinder  zurück  treten  Diese  Vor- 
sicht ist  auch  bei  dem  gewöhnlichen,  auf  119'^  bei  o^ 
R.  gestellten  Instrumente  zu  beobachten,  wenn  das- 
selbe bei  hohem  Barometerstande  bei  einer  bedeutend 
unter  o^  R.  gesunkenen  Temperatur  transportirl 
würde. 

Übrigens  ist  es  wahrscheinlich,  dafs  ein  geschickter 
Glasblaser,  welcher  sich  mit  der  Verfertigung  der 
Glasröhrep  dieses  Instrumentes  beschäftigte,  nach 
einiger  Übung  und  Erfahrung  Mittel  finden  würde, 
welche  deren  Herstellung  bei  möglichster  Genauigkeit 
sehr  erleichtern.  So  könnte  man  z.  B.  die,  hier  im 
Grunde  allein  wesentliche,  Lage  der  sämmtlichen  Röh- 
ren in  derselben  Ebene  vielleicht  dadurch  leicht  und 
sicher  erreichen,  dafs  man  die  nach  der  gehörigen 
Form  gebogene  Röhre  auf  eine  bis  zum  Glüheii  er-^ 


3io 

faitzte  ebene  Platte  legte,  und  auf  derselben  allmäh- 
lich erkalten  lielse. 

ü)  Da  diese  Glasröhren^  wenn  sie 'aus  den  Hän- 
den des  Glasblasers  kommen ,  im  Innern  theils  durch 
Staub  ^  theils  durch  QuecksUberoxyd  (beim  Abmes- 
sen der  beiläufigen  Kapacitäten  von  Röhrea  und  Zy- 
linder) verunreinigt  sind^  so  müssen  sie  vollkommen 
rein  hergestellt  v^erden.  Diese  Reinigung  geschieht, 
indeqa  man  reines  Ammoniak  (Ätzammoniak)  wieder«^ 
höhlt  durch  di^  Röhren  hindurch  laufen  läfst.  Man 
setzt  zu  diesem  Behuie  auf  die  Öffnung  des  Zylinders 
einen  gläsernen  Trichter,  und  schüttet  die  Flüssig- 
keit in  denselben,  v^ährend  sie  aus  der  entgegenge-*^ 
setzten  Öffnung  der  Skalaröhre  abfliefsi.  Durch  das 
Ammoniak '  vvird  auch  von  den  Innern  Wänden  dasje«- 
nige  Quecksilber  abgelöst,  virelches  durch  Schmutz 
ein  oxydähnliches  Ansehen  erhalten  hätte.  Ist  dieses 
aber  nicht  der  Fall,  und  es  wären  noch  hier  und  da 
trübe  Flecken  in  der  Röhre  bemerkbar ;  so  mufs  man 
nach  Ausleerung  des  Ammoniaks  destillirtes  Wasser, 
nach  diesem*  verdünnte  Salpetersäure,  und  hierauf 
"wieder  destillirtes  Wasser  durchlaufen  lassen,  um 
die  Säure  völlig  auszuspülen.  Das  Innere  der  Röhre 
wird  nun  vollkommen  rein. 

Die  Röhre  mufs  nun  ausgetrocknet  werden,  was 
einige  Zeit  erfordert ,  und  auf  folgende  Art  bewerk- 
stelligt wird.  Man  füllt  den  (senkrecht  stehenden) 
Zylinder  mit  ganz  reinem  Quecksilber  an ,'  und  läfst 
dieses  durch  sämmtliohe  Röhren  hindurchlaufen,  wo^ 
durch  der  gröfdte  Theil  des  Wassers  hinaus  geschafft 
^ird.  Diese  Operation  wiederhohlt  man  einige  Mahl, 
nachdem  man  aas  Quecksilber  vorher  mit  Fliefspapier 
gut  abgetrocknet  hat.  Man  richtet  nun  eine  kleine 
hauchige  Flasche ,  welche  mA  trockenem  salzsauren 
Kalk  zur  Hälfte  gefüllt  ist,  so  vor,  dafs  das  offene 
Ende  des  Zylinders  mittelst   eines  flachen  Korkstö« 


3ii 

pfels  und  Wacl^  oder  auch  blofs  durch  Wachs  luft- 
dicht in  ihrem  Halse  befestiget  werden  kann.  Die 
nach  dem  Vorigen  schon  ziemlich  vom  Wasser  gereir 
nigte  Rohre  legt  man  nun  auf  ein  erhitztes  Blechj 
oder  erhitzt  sie  über  einem  Kohlenfeuer  ^  so  dafs  sie 
»emlich  warm  wird^  und  nachdem  sie  wieder  etwas 
abgekiihlt^  befestigt  man  sie  mittelst  des  Halses  des 
Zylinders  in  dem  Halse  der  Flasche^  den  man  durch 
Auf  tröpfeln  von  Wachs  gut  verschliefst^  und  läfst  das 
Ganze  an  einem  ruhigen  Orte  etwa  acht  Tage  lang  stec- 
hen y  nachdem  man  die  Öffnung  der  Skalaröhre  o^it 
einen)  Papiere  vor  dem  Staube  verwahrt  hat.  Es  ist 
gut^  um  den  Luftwechsel  in  der  Röhre  zu  befördern^ 
Vrenn  man  während  dieser  Zeit  den  Bauch  der  Glas- 
flasche  einige  Mahl  erwärmt  (im  Winter  an  dem 
Ofen ,  im  Sommer  an  der  Sonne  ),  damit  die  trockene 
Luft  aus  derselben  sich  durch  die  Röhre  hindurch 
vierbreitOt 

Hat  man  endlich  die  Röhre  ^  nachdem  man  keine 
Spur  von  Feuchtigkeit  mehr  in  derselben  bemerkt^ 
wieder  von  der  Flasche  getrennt;  so  befestigt  man 
nun  den  Hahn  an  dem  äufseren  Ende  der  Skala- 
röhre ^  und  verschliefst  denselben ;  das  offene  Ende 
des  Zylinders  wird  gleichfalls  mit  einem  kleinen  Kork- 
stöpfel  verschlossen.  Der  Hahi#!9st  von  Messinge 
seine  Hülse  pafst  ziemlich  genau  auf  das  Ende  der 
Röhre  ^  und  er  wird  aufgekittet  ^  indem  man  dieses 
fTnde  in  der  Nähe  einer  WachsAamme  wärmt  y  dann 
mit  einer  dünnen  Lage  Siegellack  überzieht^  und  nun 
die  Hülse  des  I^ahnes^  die  man  vorher  gleichfalls  er* 
Wärmt  hat^  darüber  schiebt. 

3)  Bei  der  Verfertigung  des  Thermometers 
sind  diejenigen  Vorsichten  zu  beobachten^  welche 
bei  der  Verfertigung  eines  jeden  genauen  Thermome- 
iers  Statt  finden  müssen;  daher  ich  mich  hier  vor- 
züglich auf  dasjenige   beschränke  ^   was  diesem  In- 


Qtrumente  ia  dieser  Rücksicht  eigenthümlich  ist.  Es 
ist  schon  obeu  gesagt  worden^  dafs  bei  diesem  Thcr- 
mome^r  die  gewöhnliche  Kugel  durch  einen  langen 
Zylinder  ersetzt  ist^  welchem  die  Xhermometer- 
röhre  pralle!  läuft^  wie  Fig.  III  Taf«  VL  Dieser 
dünne  Z)üindcr  ist  so  lang,  dafs^  wenn  er  sich  ia 
den  Zylinder  des  Instruments  eingeschoben  befindet| 
und  die  obere  Biegung  auf  dem  Rande  der  ÖQnung 
desselben  aufliegt^  die  untere  Spitze  noch  an  das 
untere  £nde  des  Zylinders  reicht^  um  in  dessen  Ver- 
engerung aufzuruhen.  Die  Kapacität  des  dünnen  Zy- 
linders ist  so  regulirt^  dafs^  wie  schon'  oben  gesagt, 
die  Thermometerröhre  von  der  Biegung  an  bis  zu 
ihrem  Ende^  oder  in  einer  Länge  von  lo  bis  ii  Zol- 
len nur  4o^  enthält^  nähmlich  von  —  lo^  bis  -f  3o^. 

Dieses  Thermometer  wird  auf  die  gewöhnliche 
Art  gefuUt^  und  dessen  Nullpunkt^  bestimmt.  Zur 
Bestimmung  der  Theilung  bis  3o^  aufwärts ,  ist  e^ 
nicht  hinreichend,  durch  Yergleichung  mit  einem 
ganz  genauen  Thermometer  blofs  den  Punkt  von  3o^ 
auf  der  Röhre  zu  bestimmen ;  sondern  es  mufs  ein 
Mittel  aus  mehreren  Beobachtungen  genommen  wer- 
den. Nachdem  man  sich  nähmlich  vorläufig '  davon 
versichert  hat,  dafs  der  Soste.  Grad  beiläufig  gegen 
das  Ende  der  l^phre  hinfällt,  wenn  für  die  Skala 
unter  dem  Nullpunkt  noch  für  8  bis  lo^  R.  Raum 
bleibt,  so  findet  man  die  Graduirung  der  Röhre 
folgender  Gestalt« 

Man  nimmt  ein  sehr  genaues  gewöhnliches  Ther- 
mometer, und  legt  die*  Kugel  desselben  mit  einem 
Theile  der  Röhre  in  heifses  Wasser  von  etwa  4o^  R., 
welches  sich  in  einer  irdenen  Schüssel  befindet,  de- 
ren Boden  mit  einer  zusammengelegten  Leinwand  be- 
deckt ist,  damit  das  Thermometer  die  Schüssel- 
wand selbst  nicht  berühre.  Unmittelbar  neben  die- 
sem Thermometer  wird  das  zu  graduirende  Thermo- 


3^3 

meter  des  Instrunientes  gelegt,  und  die  Temperatur 
des  ersteren  beobachtet.  Da  die  Temperatur  des 
Wassers  unter  diesen  Umständen  sehr  langsam  ab- 
nimmt; so  kann  diese  Beobachtung  mit  Sicherheit 
vorgenommen  werden.  Sobald  dieses  Thermometer 
nun  einen  ganzen  Grad  anzeigt ,  nachdem  beide  län- 
gere "Keit  im  Wasser  gelegen;  so  bemerkt  man  auf 
dem  zweiten  Thermometer  den  Stand  der  Quecksil- 
bersäule clurch  einen  feinen  Einschnitt  mittelst  eines 
Messers  ( wovon  unten  ),  und  notirt  sich  diesen  Grad, 
dasselbe  wiederhohlt  man  nach  einiger  Zeit  bei  einer 
niederen  Temperatur,  und  so  fort,  bi»  das  Thermo- 
meter endlich  für  lange  Zeit  stationär  bleibt  ( wenn 
die  Temperatur  des  Wassers  niit  jener  der  umgeben- 
den Luft  ins  Gleichgewicht  kommt).  Man  legt  nun 
die  zu  graduirende^  Thermometerröhre  auf  eine  feine 
Skala  oder  ein  fein  gel  heil tes,  mit  Transversalen  ver- 
sehenes Mafs,  und  zählt  genau  die  Entfernung  eines 
jeden  der  beobachteten  Grade  von  dem  Nullpunkte 
in  Theilen  dieses  Mafses  ab.  Man  reducirt  sonach 
diese  sämmtUchen  Entfernungen  auf  diejenige  Ent- 
fernung vom  Nullpunkte,  welche  dem  3osten  Grade 
zugehört;  nimmt  aus  sämmtlichen  das  Mittel,  und 
trägt  diese  berechnete  Entfernung  vom  Nullpunkte 
aus  mittelst  des  vorigen  Mafses  auf  die  Thermometer- 
röhre auf.  Diese  Fntfernung  wird  nun  in  3o  gleiche 
Theile  oder  Grade  getKeilt« 

Z.  B.  bei  der  Graduirung  eines  «ölchen  Ther- 
mometers erhielt  ich  für  die  Entfernung  des  Null- 
punktes von  dem  Punkte  des  beobachteten  Grades 
folgende  Werthe: 

für  330  R.  —  189.2  Äiafstheile 

9       igO     »     109.  ;» 

»       l5ö     »     —      86.  9 

Reducirt  man  diese  Werthe  auf  die  Entfernung  vom 
Nullpunkte  bis  3o<>  (33^  :  30=  189.3 :  x);  so  erhält 
man 


3i4 

für  3o^  —  ^7^^9 

—  173. 1 

—  172.  ' 

voraus  das  Mittel  =s  172  y  welches  als  die  wahre 
Entfernung  des  3o'I'"  Grades  vom  Nullpunkte  anger 
nommen  und  auf  die  Röhre  aufgetragea  wird. 

Der  Thermometerröhre  wird  auf  dem  Bretchen 
des  Instrumentes  die  Skala  aus  Elfenbein  oder  Silber 
untergelegt^  und  in  das  Bretchen  eingelassen.  Wie 
jeder  Grad  dieser  Skala  getheilt  werden  solle  ^  um 
die  erforderliche  Genauigkeit  ii^i  Ablesen  zu  gewäh-  * 
Tcn^  ist  bereits  oben  erwähnt  worden.  Leicht  und 
genau  kann  man  die  Theilung  dieser  Skala  vermittelst 
eines  Instrumentes  bewerkstelligen^  dessen  sich  die 
Kupferstecher  zur  Ausziehung  der  feinen  parallelen 
Linien  bedienen  ^  welche  zum  Schrafliren  der  Zeioh^ 
nungen  gehören.  Herr  Optikus  Friedrich  Fbigilänt 
der  in  JVien  verfertigt  solche  Maschinen  mit  Ge- 
nauigkeit: mittelst  derselben  kann  jede  Linie  von 
einer  gegebenen  Gröfse  in  eine  beliebige  Anzahl  von 
Tbeilen   genau  gctheilt  werden. 

4)  Die  Eintheilung  derjenigen  Röhren,  welche 
die  Skala  enthalten ,  mufs  durch  Kalibrirung  vorge- 
nommen werden,  weil  die  einzelnen  Theile  nach  ih-r 
rer  Kapacität  einander  gleich  seyn  müssen.  Durch 
Fortschieben  einer  kleinen  Quecksilbersäule  in  der 
Röhre  kann  diese  Theilung  nicht  genau  genug  erhal- 
ten werden,  weil  die  Konvexitäten  an  beiden  Enden 
dieser  Säule  sich  ändern,  je  nachdem  die  Röhre  wei-r 
ter  oder  enger  wird;  um  Genauigkeit  zu  erhalten, 
mufs  daher  die  Theilung  oder  Kalibrirung  mit  einer 
Quecksilbersäule  vorgenommen  werden ,  die  so  grofs 
ist,  dafs  die  Änderungen  der  Konvexitäten  an  ihren 
Enden  gegen  ihr  ganzes  Gewicht  verschwinden.  Ich 
habo  hierzu  folgeade  Methode  angewendet. 


3i5 

In  der  Figur III,  Taf.  VI  stelle  die  Linie  ab  die 
Länge  der  Skala  ox  auf  dem  Instrumente  vor,  welche 
in  loo  der  Kapaciiät  nach  gleiche  Theilc  getheilt  wer- 
den soll.     Man  verfährt  nun  folgender  Gestalt. 

a)  Man  fiillt  in  die  Röhren  so  viel  Quecksilher, 
dafs  dieses  genau  die  Länge  der  Skala  ausfüllt.  Die 
£nden  der  Quecksilbersäule  werden  hier,  wie  immer, 
nach  ihrem  scharfen  Rande  gemessen.  Nachdem 
diese  Länge  genau  bestimmt  ist,  nimmt  man  dieses 
Quecksilber  aus  der  Röhre ,  und  wiegt  es  genau  ab. 
(Die  Kenntnifs  dieses  Gewichtes  ist  auch  noch  für  die 
Folge  nothwendig. )  Ich  will  dieses  Gewicht  mit  G 
bezeichnen.  Man  nimmt  nun  genau  die  Hälfte  dieses 
GcwirJites,'Uiid  theilt  damit  die  Skala  ab  in  zwei 
Theile,  sowohl  von  a  als  von  b  aus  gemessen.  Dieser 
mittlere  Theilungspunkt  wird  auf  die  Röhre  mit  einem 
feinen  Striche  eingeschnitten,  nachdem  man  vorher 
diesen  Punkt  mittelst  einer  feinen  Feder  und  Tusch 
auf  der  Röhre  bemerkt  hatte.  Stattdessen,  und  mit 
gröfserer  Genauigkeit  kann  man  auch  auf  die  Röhre 
nach  ihrer  Länge  mit  Weiogeistfirnifs  einen  schma- 
len Streifen  ziehen ,  in  welchen  man  mit  einer  Nadel 
zuerst  die  Stände  der  Quecksilberenden  senkrecht 
auf  die  Achse  der  Röhre  einceifst,  und  erst  dann, 
wenn  alle  diese  Theilungspunkte  unter  einander  kon- 
troUirt  und  richtig  erkannt  sind  ,  mit  dem  Messer  ein- 
schneidet. Bei  diesem  Einschneiden  macht  man  zu-r 
erst  einen  kleinen  Schnitt  in  den  mittleren  Theil  der 
Röhre,  den  man  dann  nach  rechts  und  links  in  ge- 
rader Linie  mittelst  eines  angelegten  kleinen  Lineals 
erweitert, 

b)  Man  nimmt  nun  den  fünften  Theil  des  Gc-> 
wichtes  Gy  und  theilt  damit  die  Skala  in  zehii  gleiche 
Theile  auf  folgende  Art. 

Man  legt  die  Quecksilbersäule  von  a  nach  i,  und 


3iC 

bezeichnet  den  Punkt  i ; .  dann  von  i  nach  2 ,  und 
bezeichnet  den  Punkt  2.  Hierauf  mifst  man  von  b 
nach  4>  und  von  4  i^&eh  3.  Stimmen  alle  Theile 
durch  die  Gegenprobe^  indem  man  von  2  bis  b  und 
von  3  bis  a  zurück  milst^  so  werden  sie  auf  das  Glas 
eingeschnitten. 

Hierauf  legt  man  das  Ende  der  Quecksilbersäule 
an  c  an^  und  mifst  rechts  und  links  nach  5  und  6^ 
endlich  von  5  und  6  nach  7  und  8*  Auf  diese  Art 
ist  die  Röhre  in  zehn  gleiche  Theile  getheilt. 

Man  erhält  zuweilen  Röhren,  wo  die  einzelnen 
Zehntheile  beinahe  als  zylindrisch  angesehen,  und 
sonach  in  zehn  Theile  weiter  geometrisch  abgetheih 
werden  können :  es  ist  jedoch  besser,  durch  Kalibri- 
ren  auch  jeden  dieser  Theile  noch  weiter  in  fiinf 
Theile  zu  tbeilen.  Man  geht  so  am  sichersten,  be- 
sonders da  dann  die  Abmessung  der  Theilung  genau 
auf  dieselbe  Art  geschieht,  als  man  sie  späterhin  an 
dem  Instrumente  beobachtet;  weil,  wenn  das  Ende 
der  Säule  wieder  an  dieselbe  Stelle  der  Röhre  kommt, 
dieses  Ende ,  folglich  die  Kante  der  Konvexität ,  auch 
ganz  genau  wieder  unter  denselben  Umständen  be- 
obachtet wird. 

•  • 

c)  Um*nun  diese  letzte  Kalibrirung  herzustellen^ 
nimmt  man  das  Quecksilber  aus  der  Röhre ,  und  wiegt 
von  demselben,  d.  h.  von  dem  Fünftel  des  ganzen 
Gewichts  G,  ^i?^ genau  ab,  also  ^^  des  Ganzen;  und 
füllt  dieses  Quecksilber  wieder  in  die  Röhre.  Gesetzt 
die  Länge  der  Skala  betrage  27  Zoll,  so  nimmt  diese 
Quecksilbersäule  imm,er  noch  eine  Länge  von  beinahe 
5  Zoll  ein.  ^ 

d)  Mit  dieser  Säule  mifst  man  zuerst  von  a  nach 
b  fortlaufend,  so  da(s  der  Endpunkt  der  Säule  be- 
zeichnet, und  dann  der  Anfang  derselben  auf  diesen 


3i7 

Punkt  gesetzt^  der  Endpunkt  wieder  bezeichnet  wird^ 
u.  6.  i.  Sodann  mifst  man  von  b  nach  a  zurück  auf 
dieselbe  Art.  Die  durch  diese  Operation  erhaltenen 
Punkte  der  Linie  sind  in  der  Figur  mit  -f  bezeichnet. 

m 

e)  Man  mifst  ferner  mit  der  Quecksilbersäule  von 
dem  Theilungspunkte  i  nach  a^  und  spdann  nach  b. 
Eben  so  /nifst  man  von  dem  Theilungspunkte  4  nach 
b ,  und  sodann  nach  a^  fortlaufende  Die  hierdurch 
erhaltenen  Punkte  sind  in  der  Figur  mit  '^  bezeichnet. 

/)  Hierauf  mifst  man  mit  der  Quecksilbersäule 
von  dem  Theilungspunkte  a  nach  a  und  nach  b: 
Eben  so  von  dem  Theilungspunkte  3  nach  a  und  nach 
b.  Die  hierdurch  erhaltenen  Punkte  sind  mit  ^ 
bezeichnet. 

g)  Endlich  mifst  man  mit  der  Quecksilbersäule 
von  den  Theilungspunkten  6^  c  und  5  nach  a  und 
nach  b.  Diese  Punkte  sind  mit  ?  bezeichnet.  Auf 
diese  Art  ist  die  ganze  Skala  in  5o  gleiche  Tbeile 
getheilt^  und  jeder  dieser  Theile  kann  nun  ohne 
Fehler  in  z^ei  gleich  grofse  Theile  mittelst  des  Zir- 
kels abgetheilt  werden.  Diese  Theilung  kann  man 
zuletzt  dadurch  kontrolliren  ^  dafs  man  die  Queeksil* 
bersäule  von  dem  ersten  Theilungspunkte  an  >  durch 
alle  einzelnen  Punkte  fortschiebt.  Man  mufs  auf  die- 
selbe übrigens  alle  Sorgfalt  vei:wenden,  da  von  der 
Genauigkeit  dieser  Tlieilung  die  Genaui  ^eit  des  gan- 
zen Instrumentes  abhängt.  Es  versteht  sich  von  selbst^ 
dafs  während  dieser  Theilung  die  Temperatur  nicht 
zu  sehr  variiren  müsse. 

Das  Messer,  dessen  man  sich  zum  Einschneiden 
der  Linien  auf  die  Glasröhre  bedient^  ist  eine  kurze, 
etwa  3  Zoll  lange  und  i  Zoll  breite  zweischneidige, 
scharf  geschlifiene  Klinge  von  sehr  hartem  Stahl,  de- 
ren sich  die  Glasperlenfabrikanten  zum  Zerschneiden 


3:10 

dere  Niveau  .^^sich  in  irgend  einer  der  Biegungen 
befände*  ,  , 

5)  Die  Bestimmung  aes  Verhältnisses  zwischen 
der  Kapacität  der .  Skalaröhre  und  jener  des  Zylin* 
ders  oder  die  Bestimmung  des  Wevthes  von  F^  wor- 
über bereits  im  Vorigen  das  Theoretische  vorgekom- 
men ist  y  geschieht  auf  folgende  Weise : 

Das  Gewicht  des  Quecksilbers^  welches  die 
Skala  der  Röhre  des  Instruments  genau  ausfüllt^  ist 
bereits  aus  dem  Vorigen  bekannt  (4)«  Bei  meinem 
Instrumente  z.  B.  betrag  dieses  Gewicht  bei  i5^  IL 
s=  974«5  Gran. 

Man  stellt  nun  das  Instrument  (die  Röhre  mit  dem 
Zylinder)  senkrecht^  so  dafs  die  Öffnung  des  Zylin- 
ders sich  oben  befindet;  s^nkt  in  diese  Öffnung  den 
'  Quecksilberzylinder  des  Thermometers,  so  dafs  die 
Biegung  auf  den  Rand  jener  Öffnimg  aufliegt,  die 
Thermometerröhre  aber  an  die  äufsere  Wand  des  Zy- 
linders in  der  gehörigen  Stellung  anzuliegen  kommt, 
an  welcher  man  sie  durch  Auftröpfeln  von  etwas 
Wachs  befesligt.  Bei  der  vorigen  Temperatur  fiillt 
man  nun  den  Zylinder  mit  reinem  Quecksilber  an, 
so  dafs  es  bis  an  die  Öffnung  reicht,  welche  noch 
zwischen  der  Biegung  des  Thermometers  und  dem 
Rande  seiner  Öffnung  übrig  ist,  und  welche  später 
mit  Siegellack  verschlossen  werden  soll,  und  entfernt 
sorgfältig  alle  Luftblasen  aus  dem  Zylinder.  Hierauf 
beobachtet  man  die  Länge  der  Quecksilbersäule  auf 
der  nun  bereits  j'etheilten  Skalaröhre  über  dem  Null- 
punkte genau  (dfenn  du^ch  die  Anfüllung  des  Zylin- 
ders ist  das  Quecksilber  auch  in  dieser  ersten  Röbre 
in  die  Höhe  gestiegen),  leert  hierauf  das  Quecksil- 
ber wieder  vollständig  aus,  und  wiegt  es. 

Dieses  Quecksilber  wog  z.  B.  s=v  3494  Gran  \  das 


3ai 

Queclisilber  nahm  in  der'  ersten  Röhre  vom  Niill* 
punkte  an  einen  Raum  der  Skala  von  lo^f  Theilen  ein. 
ff  an  vviegt  das  Quecksilber  der  loo  Theile  der  Skala 
(  vrie  bereits  früher  unter  4)  gefunden  virorden  ist) 
=:  974*5  GraUj  folglich  beträgt  die  Lange  c=  lo^^ 
Theile  im  Gewichte  =  90.2  Gran ;  welche  von  3494 
Gran  abgezogen^  für  das  Gewicht  des  Quecksilbers 
im  Zylinder  s=5  34o3.8  Gran  geben. 

Nun  ist  die  Skala  in  100  der  Eapacität  nach 
gleiche  Theile  eingetheiU  worden^  folglich  verhält 
sich  100:  ^«=  974'5  :  34o3.8,  oder  /^=  349-3. 

Dieser  Werth  von  /^  wird  auf  dem  Instrumente 
angemerkt,  am  passendsten  am  Ende  der  Skala  für 
die  Thermometerröhre. 

6)  Hierauffüllt  man  dXe  Sperrungs  -  Quecksilber- 
säule in  die  Röhre,  so,  dafs  sie  die  bereits  angege- 
bene Länge  von  etwa  21  \  Röhren  einnimmt.  Man 
fiillt  zu  diesem  Behufe  völlig  reines  Quecksilber  in  den 
Zylinder,  läfst  aus  diesem  dasselbe  so  lange  in  die 
Glasröhre  treten,  bis  die  Säule  lang  genug  ist,  und 
schüttet  das  überflüssige  Quecksilber  wieder  aus  dem 
Zylinder. 

Es  ist  hier  der  Ort,  anicugeben,  warum  die  Sper- 
rungssäule diese  beträchtliche  Länge  habe,  da  ftir  den 
Zweck  der  vollkommenen  Abschliefsung  der  äufsern 
Luft  von  der  inneren  auch  eine  kürzere  Säule  hinrei- 
chen würde.  Einer  dieser  Gründe  ist  die  mögliche 
Ausgleichung  desjenigen  Fehlers,  welcher  dadurch 
entstehen  kann,  dafs  die  Röhren,  in  welchen  sich 
die  sperrende  Quecksilbersäule  während  der  Beobach- 
tung befindet,  nicht  genau  in  derselben  Ebene  liegen. 
Bei  der  angegebenen  Länge  ist  nähmlich  die  Säule 
wenigstens  in  drei  Röhren,  zuweilen  selbst  in  vier  Röh- 
ren vertheilt,  wodurch  deren  etwaige  Ungleichhei- 

Jahrb.   de«  pol>  t.  last.  IV«  Bd.  2  I 


3a3 

ten^  nähmlich  diejenigen,  welche  man  dardh  die 
Lage  d'er  Röhren  bei  dier' Verfertigung  des  Instrumenta 
nicht  wegschaffen  kohnte ,  sich  wechselseitig  kompen* 
siren.  Uherdiefs  verschafft  diese  Länge  der  Sper- 
rungssäule noch  den  Vortheil,  dafs  auch  für  den 
Fall,  als  die  Endniveau's  derselben  beinahe  in  eine 
gerade  Linie  fallen,  ihre  leichte  Beweglichkeit  den- 
noch durch  Drehung  des  Instruments  um  die  Längen- 
achse Statt  finden  kann,  was  nicht  der  Fall  wäre, 
wenn  z.  B.  diese  sperrende  Säule  nur  so  lang  wäre^ 
dafs  sie  nur  eine  Röhre  ausfüllte. 

« 

*j)  Da  das  Instrument  nunmehr  so  weit  fertig  ist, 
dafs  t\i  der  letzten  Regulirung  desselben  geschritten 
werden  kann ;  so  mufs  der  Zylinder  jetzt  mit  wo//- 
kommen  trockener  Luft  gefüllt  werden.  Man  be- 
dient sich  hierzu  derselben  Flasche  mit  frisch  ausge- 
glühtem und  gepulverten  salzsauren  Kalke,  welche 
bereits  oben  zur  allgemeinen  Austrocknung  der  Röh- 
ren und  des  Zylinders  angewendet  worden  ist.  Mit- 
telst eines  gehörig  durchbrochenen  Korkstöpfeis  be- 
festigt man  den  noch  offenen  Hals  des  Zylinders,  in 
welchem  sich  gleichfalls  noch  das  Thermometer  (des- 
sen Skalaröhre  mit  Wachs  an  die  äufsere  Zylinder* 
wand  angekittet  ist )  in  seiner  ersten  Lage  befindetj 
in  dem  Halse  derselben  durch  Auftröpfeln  von  Wachs, 
und  stellt  das  Instrument ,  gegen  das  Umfallen  gehö- 
rig geschützt,  an  einen  sichern  Ort.  Von  Zeit  zu 
Zeit  bewegt  man  die  sperrende  Quecksilbersäule  ge- 
gen das  Ende  der  Röhre  (wo  sich  der  Hahn  befmdet), 
und  nach  einiger  Zeit  wieder  gegen  den  Anfang  des 
Zylinders,  um  auch  die  Luft  in  der  Röhre  völlig  aus- 
zutrocknen. Nachdem  man  das  Instrument  drei  bis 
vier  Tage  in  diesem  Zustande  gelassen,  schreitet  man 
zu  der  letzten  Operation,  nähmlich  der  Verschliefsung 
und  Regulirung  desselben. 

Da  auf  diese  Art  der  Zylinder  mit  trockener  at- 


3a3 

mosphärischer  Luft  geftillt  wird ;  sa  köiinte-  das  Be^ 
denken  eintreten^  dafs  das  Endniveaü  q  der  sperren^ 
den  Quecksilbersäule  allmählich  oxydirt^  und  dadurch 
die  Gröfse  des  Volums  /^  verändert  würde.  Dieses 
Bedenken  liefse  sich  zwar  durch  Anwendung  von  Stick*- 
gas  oder  WassersioSgas  leicht  beseitigen;  ich  halte 
jedoch^  auf  meine  bisherigen  Erfahrungen  gestdtzt^  de^^ 
ren  Anwendung  ftir  unuöthig^  weil  ganz  reines  Queck- 
silber in  vollkommen  ausgetrockneter  Luft  unter  den 
hier  vorhandenen  Umständen  keine  Oxydation  erlei*- 
det.  In  einigen^  von  mir  als  erster  Versuch  bereits 
vor  drei  Jahren  verfertigten  Instrumenten  dieser  Art. 
ist  an  dem  Endniveau  der  Quecksilbersäule  nicht  die 
geringste  Oxydation  zu  bemerken :  dessen  Oberfläche 
ist  noch  eben  so  blank  ^  und  in  der  Röhre  ohne  ir- 
gend ein  Anhängen  eben  so  leicht  beweglich^  als 
Anfangs.' 

■ 

8)  Man  nimmt  die  Regulirung  des  Instruments 
an'einem  Orte  vor^  wo  die  Temperatur  nicht  sehr 
wechselt.  Das  Instrument  wird  nun  von  der  Flasche 
getrennt  ^  und  beiläufig  horizontal  auf  einen  Tisch 
gelegt.  Man*  bemerkt  nun  den  Stand  des  Thermome^^ 
ters  an  demselben  mit  derselben   Vorsicht  und  Ge« 

■ 

nauigkett,  wie  oben  schon  für  die  Beobachtungen 
selbst  angegeben  worden ;  und  notirt  denselben.  Eben 
so  beobachtet  man  den  Stand  eines  genauen  Baro*' 
lueters  so  genau  wie  möglich ,  mit  dem  zu  demselben 
gehörigen  Thermometerstande  ^  und  reducirt  diesen 
Barometerstand  auf  die  Temperatur  o^  R*  Dieser 
redncirte  Barometerstand  sey  =  &•  Wenn  nun  das 
Instrument  bei  dem  Nullpunkte  auf  29''  =^  34^  Li- 
nien =  B  gestellt  werden  soU^  so  wird  die  Gröfse  m 
aus  der  Formel 

m  = -j- F 


334 

berechnet ,  in  welcher  die  Gröfsen  t,  B  und  b  bekannt 
sind^  und  n  und  k  bleibenden  Werth  haben.  Z.B. 
bei  dem  bisher  angeführten  Instrumente  ist  V  =: 
349-3^  i?  c=  348'"  j  die  Temperatur  der  Luft  im 
Zylinder  des  Instrufnents  zeigte  dessen  Thermometer 
SS  12^.  2  R.  Das  Barometer  stand  zu  dieser  Zeit  auf 
38".63  bei  ia°^R. ,  welcher  Stand  aufo°  R.  redu- 
cirt  =  342"'  46  =  ^  beträgt.  Da  nun  für  Grade  R. 
n  =  o.oo468  und  A:=:  o.oooo338  ist^  so  ergibt  sich 
m  =3  35.766. 

Nun  sucht  man  auf  der  Skala  des  Instruments 
diesen  Theilungspunkt  m  mittelst  der  beweglichen 
Skala  genau  auf^  und  bewegt  die  sperrende  Queck- 
silbersäule so^  dafs  der  si^arfeRand  ihres  Endniveau 
.genau  auf  jenen  Punkt  trifft.  Nachdem  man  das  In- 
strument so  vorbereitet  hat^  untersucht  man  mit  der 
Loupe,  ob  sich  der  Stand  des  Thermometers  an 
demselben  nicht  geändert  habe :  sollte  dieses  der  Fall 
seyn,  so  mufs  man  die  erste  Temperatur  wieder 
herankommen  lassen.  Sobald  djks  Thermometer  einige 
Zeit  ruhig  auf  der  bemerkten  Temperatur  stehen  bleibt^ 
so  verschliefst  man  nun  Ynittelst  geschmolzenen  Sie- 
gellacks plötzlich  die  Öffnung  ^  welche  an  dem  Halse 
des  Zylinders  zwischen  dessen  Rande  und  der  Bie- 
gung des  eingesenkten  Thermometers  noch  vorhan- 
den war.  Damit  diese  Schliefsung  um  so  leichter  und 
schneller  erfolge^  ist  es  gut ,  wenn  man  vorher  (nach- 
dem der  Zylinder  mit  trockener  Luft  versehen  wor- 
den^ und  unmittelbar  nachdem  er  aus  der  Flasche 
mit  salzsaurem  Kalk  genommen  worden  ist)  diesen 
Zwischenraum  schon  bis  auf  eine  sehr  kleine^  durch 
Einstecken  einer  feinen  Nadel  erhaltene  Öffnung 
verschlossen  hatte. 

Das  Instrument  ist  nun  fertige  und  durch  die 
letzte  Operation  ist  sein  Nullpunkt  au{  B  =  29"  in 
demjenigen  Mafse  regulirt  worden,  in  welchem  die- 


3a5 

ses  B  angegeben  ist.  Die  aus '  dert  beobachteten 
Werthen  von  m  berechneten  Werthe  von  b  gelten 
also  immer  für  jenes  Mafs  von  B.  Den  Werth  von 
B  bemerkt  man  daher  gleichfalls  auf  dem  Instru- 
mente. 

Übrigens  kann  noch  bemerkt  werden,  dafs  die 
vollige  Genauigkeit  in  der  Bestimmung  des  Werthes 
des  Nullpunktes  des  Instrumentes  oder  der  Gröfse  B 
(deren  Zweck  die  leute  Regulirung  ist )  auf  die  ho* 
obachteten  relativen  Barometerstände,  wie  sie  zu 
Höhenmessungen  nöthig  sind,  keinen  merklichen 
Einflufs  habe  (indem  die  Höhen  in  der  Atmosphäre 
den  Differenzen  der  Logarithmen  der  beiden  zusam- 
mengehörigen Barometerstände  proportional  sind ), 
sondern  nur  auf  die  Bestimmung  des  absoluten  Baro- 
meterstandes zu  einer  gegebenen  Zeit ;  obgleich  es 
gut  ist,  auch  bei  dieser  letzten  Bestimmung  die  gröfste 
Genauigkeit  zu  erreichen,  was  auch  hier  leicht  mög- 
lich ist. 

9)  Man  befestiget  nun  das  Instrument  auf  das 
Bretchen,  welches  aus  ganz  trockenem,  wohl  aus- 
gedörrten Holze  verfertiget  ist,  dessen  obere  Fläche 
schwarz  lackirt,  oder  mit  schwarzem  Holze  fournirt 
seyn  kann.  Dieses  Bretchen  ist  mit  drei  halbzylin- 
drischen Vertiefungen  versehen,  nähmlich  fiir  die 
beiden  Libellen ,  und  zum  Einsenken  des  Zylinders 
des  Instruments ,  damit  die  Röhren  unmittelbar  auf 
der  Fläche  des  Bretchens  aufzuliegen  kommen.  Man 
fangt  damit  an,  zuerst  die  Libellen  in  ihre  zugehö- 
rigen Vertiefungen  einzulegen ,  und  darin  zu  befesti- 
gen. Mittelst  einer  Wasserwage,  die  man  auf  die 
Fläche  des  Bretchens  stellt,  richtet  man  dieselben 
so,  dafs  ihre  Blasen  in  der  Mitte  einspielen,  wenn 
das  Bretchen  horizontal  ist.  Man  legt  nun  die  Röhre 
auf,  indem  man  den  Zylinder  in  die  Vertiefung  ein^ 
senkt,  und  so  richtet,  dafs  die  einzelnen  Röhren  so 


3aG 

viel  möglich  gkichmäfsig  auf  dir  Fläche  des  Bret« 
chens  aufliegen ,  auch  die  Röhre  des  Thermometers 
unmittelbar  auf  der  Skala  desselben  aufruht.  Mau 
richtet  zugleich  das  Instrument  so^  dafs  der  Null* 
punkt  der  Thermometerröhre  genau  mit  einem  gaa-** 
zen  Theilstriche  der  auf  dem  Bretchen  befestigten 
Skala  zusammen  tri0t.  Nachdem  die  Röhren  sonach 
die  erforderliche  Lage  haben ,  so  bezeichnet  man  an 
den  Biegungen  derselben  die  Punkte^  in  'welchen 
durch  das  Bretchen  feine  Öffnungen  zu  bohren  sind, 
um  mittelst  eines  feinen  Eisen«-  oder  Messingdrah** 
tes  die  Röhren  auf  dem  Brete  zu  befestigen.  Für 
denselben  Zweck  kann  man  auch  die  Zwischenräume 
zwischen  den  Röhren  mit  geschmolzenem  schwarzen 
Wachse  ausfüllen ,  vvodurch  die  sämmilichen  Röhren 
nicht  nur  eine  unverrückbare  Lago  erbalten,  auch 
das.Quecksilbei^niveau  gut  absticht,  sondern  vrodurch 
auch  die  Bequemlichkeit  erhalten  wird,  dafs  man  die 
bewegliche  Skala  durch  Andrücken  an  diese  nach- 
gebende Unterlage  in  den  erforderlichen  Fällen  fest 
stellen  kann.  Der  Deckel  zu  dem  Instrumente  kann 
entweder  mittelst  eines  Gharnieres  oder  durch  vier 
an  den  Ecken  befindliche  Stifte  befestiget  werden, 
so,  dafs  er  beim  Gebrauche  des  Instrumentes  von  dem 
untern  Bretchen  ganz  weggefiommen  werden  kann. 
Die  obere  Hälfte  des  Zylinders  kann  nun  auch  mit 
ihrem  Überzuge  verseben  vsrerden.  Diese  Überzie-» 
hung  des  Zylinders  ist  von  Wichtigkeit,  und  für  ge* 
Haue  Beobachtungen  sehr  erleichternd.  Da  die  un-^ 
tere  Hälfte  des  Zylipders  in  der  in  dem  Bretchen  he* 
kindlichen  Aushöhlung  liegt ;^  so  füttert  man  diese 
Höhlung  mit  feinem  Tuche  aus,  bevor  der  Zylinder 
in  dieselbe. gelegt  wird.  Mit  eben  solcbem  Tuche 
"wird  auch  die  freistehende  Hälfte  des  Zylinders  üher-^ 
sogen,  indem  man  dieses  auf  denselben  festleimt, 
S0|  dafs  es  auf  der  einen  Seite  an  der  Kante  der  Aus-^ 
höhlung  anschlielst,  auf  der  anderen  aber  bis  an  die 
ThQrmometerröhre  reichu    pbrigcas  kapa  mait  dio^ 


327 

sen  Überzug  auch  mit  geschmolzenem  Wachse  y  oder 
mittelst  einfacher  Lagen  von  Weingeistfirnifs  oder 
einer  Auflas ung  von  Siegellack  in  Weingeist  herstellen. 

Das  Instrument  ist  nunmehr  für  die  Beobachtun- 
gen voUendeL  Es  ist  nicht  zu'läugnen^  dafs  dessen 
Verfertigung  Genauigkeit  .und  Geduld  erfordere; 
wenn  aber  die  angegebenen  Regeln  beobachtet  wor- 
den sind,  und  sonach  d^s  Instrument  gut  ausgefallen 
ist;  so  wird  man  durch  den,  Gebrauch,  den  man  von 
diesem  Instrumente  machen  kann,  reichlich  entschä- 
diget werden.  Der  Zeitaufwand  bei  der  Verfertigung 
desselben  ist  nicht  bedeutend.  Wenn  man  die  ein- 
zelnen zerstreuten  Arbeiten  zusammenrechnet,  so 
sind  dazu  höchstens  drei  Tage  Zeit  erforderlich. 
Übrigens  ist  es  nothwendig,  dafs  die  Röhre  von  dem 
Glasblaser  schon  möglichst  vollkommen  hergestellt 
sej,  damit  man  die  Arbeit  nicht  mit  einem  i;nvoll-» 
kommenen  Instrumente  verliere.  In  der  Folge  werde 
ich  Beobachtungen  mittheilen,  welche  mit  diesem 
Instrumente  gemacht  worden  sihd ,  da  ich  den  gegeur 
wärtigen  Aufsatz  nicht  länger  mehr  ausdehnen  kann. 
Ich  hoffe ,  dafs  die  «vorstehende  Beschreibung  hinreir 
chend  deutlich  ist,  dafs  Jeder  dieses  Instrument 
selbst  zu  verfertigen ,  und  sich  von  den  Eigenschaften 
desselben  zu  überzeugen  im  Stande  sqyn  werde* 


^* 


V. 

Versuche  und  Bemerkungen  über   den 

Moire  metallicpe. 

Von 

G.    Altmütteri 

Professor    der  Technologie    am  !i«   k«   polyteohaiachen  - 

Institute. 


(Als  Fortsetzung  des  im  ersten  Bande  dieser  Jahrbücher ,  S*  94 

u.  f.  befindlichen  Aufsatzes.) 

Weniger  dürfte  das  lange  Ausbleiben  dieser  schon 
im  ersten  Bande  versprochenen  Fortsetzung^  als  de* 
ren  jetzige  Erscheinung  hier  zu  entschuldigen  seyn. 
Denn  einerseits  ist  der  Moir^  in  Beziehung  auf  die 
technische  Benützung  nicht  mehr  von  Wichtigkeit, 
weil  der  ganze  Fabrikationszweig  durch  zu  häufige 
Anwendung  beinahe  schon  verfallen  ist^  und  ander- 
seits ist  derselbe  Gegenstand  seit  meinem  ersten  Auf- 
satze schon  in  mehreren  Schriften  besprochen  wor- 
den. Nur  dadurch  wird^  wie  ich  hoffe^  meine  jetzige 
Arbeit  sich  vielleicht  selbst  rechtfertigen ,  dafs^  wenn 
schon  das  merkantilische  Interesse  verloren  gegan- 
gen^ dennoch  das  wissenschaftliche  geblieben  ist, 
und  dadurch,  dafs  ich  mit  einiger  Zuversicht  noch 

1'etzt  die  Mittheilung  mehrererErfahrungen  versprechen 
Lann,   die  neu,    und  für  die  theoretische    Ansicht 
nicht  ohne  Nutzen  seyn  möchten. 

i)  Meine  ferneren ,  jetzt  schon  über  drei  Jahre 
alten,  Versuche  bezogen  sich  zunächst  auf  die  Dar- 


3a9 

Stellung  des  Moire 'melalliqae  auf  zinaeraeu  Gufswaa- 
ren.  Eine  vorgefafste  Meinung  verzögerte  die  Ge- 
winnung eines  günstigen  Resultates  ziemlich  lange^ 
belehrte  mich  aber  dafiir  wieder  in  mancher  andern 
Rücksicht.  Ich  war  nähmlich  nach  meinen  frühern 
Versuchen  überzeugt  ^  und  bin  es  gröfsten  Theils 
noch  ^  dafs  die  Yersdhiedenheit  der  Figureil  ^auf  vei^ 
sinntem  Eisenblech  fast  avsschliefslich  von  der  Art 
und  Weise  abhängt  y  wie  das  Eisen  erhitzt  and  abge- 
kühlt wird  ^  dafs  also  dieses  die  Haupt -^  das  Zinn 
hingegen  nur  eine  Nebenrolle  bei  diesen  Erscheinun- 
gen spiele.  Die  durch  die  Lichtflamme  entstehenden 
Sterne  (erster  Band  dei"  Jahrbücher ^  Seite  99 )  >  fer- 
ner der  Umstand  ^  dafs  dlisselben  auf  verzinntem  Ku- 
pferblech,  welches  sich^  als  ein  guter  Wärmeleiter^ 
nicht  stellen-  und  ruckweise  erhitzt  und  abkühlt^  wie 
Eisen,  bei  gleicher  Behandlung  nicht  entstehen;  end- 
lich die  Betrachtung,  dafs  das  Zinn  ^  mit  welchem  die 
Bleche  Überrogen  sind,  immer  von  diesen  letztern  ab- 
hängig bleiben  müsse,  möge  diese  Meinung  um  so 
mehr  entschuldigen,  als  ich  noch  jetzt  überzeugt 
bin ,  man  werde  durch  Legirung  der  Verzinnung  mit 
andern  'Metallen  nie  eine  von  der  Wärmeleitungsfä- 
higkeit des  zu  Grunde  liegenden  Bleches  unabhän- 
gige Krystallisation ,  also  Figuren,  die  von  den  ge- 
wöhnlichen sehr  verschieden  sind,  erhalten  können. 
Solche  Zusätze  werden  höchstens  den  Glanz  erhöhen 
oder  vermindern, —  wie  das  Letztere  vorzüglich  bei 
einem  Bleizusatze  Statt  findet  —  weil  die  Wirkung 
der  Beitze  hier  anders  ist ,  als  auf  eine  ganz  reine 
Verzinnung.  —  Diese  Ansichten  waren  es ,  die  mich 
zu  glauben  verleiteten,  nur  aus  legirtem  Zinn  wür- 
den sich  zum  Moiriren  fähige  Gufswaaren  erhalten 
lassen. 

2)  Ich  schmelzte  daher  reines  Zinn  mit  verschie- 
denen Metallen  in  verschiedenen  Verhältnissen  zu- 
sanunen^  und  behandelte  die  ausgegossenen  und  er^ 


332 

vermuthlich  "weil  dort  durch  das  fortwährende  Ein- 
strömen des  heissen  Zinnes  die  beträchtlichste  Stö* 
ning  der  Krystallisation  vorgeht.  Ein  grofses  Hin- 
dernifs  bei  der  Verfertigung  solcher  moirirten  Gufs* 
waaren  liegt  auch  noch  darin  ^  dafs  nach  dem  -Gusse 
gar  nichts  beschabet  oder  abgedreht  werden  darf^ 
weil  an  solchen  Stellen  keine  Zeichnungen  erscheinen 
würden  y  so  dafs  man  also  ohne  Übelstand  nicht  ein 
Mahl  die  Oufsnabte  wegnehmen  kann^  und  man  alle 
Formen  zu  rundem  Geschirr  so  einrichten  niüfste^ 
dafs  sie  blofs  aus  zwei  Theilen  bestünden  ^  ein 
Verfahren^  welches  die  Mannigfaltigkeit  solcher  Ge- 
fafse  sehr  beschränken  würde.  Ohne  Figuren  er- 
scheinen die  beschabten  oder  abgedrehten  Flächen 
defswegen^  weil  durch  diese  Bearbeitung  die  Kri- 
stallisation gleichsam  verdrückt^  und  daher  unsicht- 
bar gemacht  wird.  —  Auch  Weifsblech^  welches  moirirt 
werden  soll^  verträgt  kein  Schaben^  Abkratzen  oder 
Poliren  ^  aus  demselben  Grunde. 

5)  Wenn  aber  auch  das  Moiriren  der  Zinngufs* 
waaren  keine  grofse  praktische  Wichtigkeit  hat^  so 
bietet  es  doch  Ansichten  dar ,  die  wissenschaft- 
lich interessant  seyn  möchten.  Ich  habe  hier  Ver- 
suche im  Sinne/  die  nicht  nur  augenscheinlich 
darthun^  dafs  jneine^  im  ersten  Bande  der  Jahrbücher 
'  S.  107^  108^  gegebene  Erklärung  der  Entstehungsart 
des  Moird  die  richtige  sey^  sondern  überhaupt  sich 
recht  gut  eignen^  manches  in  der  Lehre  von  der  Kry- 
stallisation anschaulich  zu  machen^  und  deren  ich 
mich  seit  einigen  Jahren  bei  meinen  Vorlesungen  mit 
Nutzen  bediene.  Dafs  die  Beitze  die  Zeichnungen 
nicht  erst  hervorbringe ,  sondern  nur  deutlicher 
mache ,  läfst  sich ,  so  wie  beim  Blech  ( Jahrbücher 
L  S.  108)  auch  hier  nachweisen.  Auf  ausgegossenem 
erkalteten  Zinn^  auch  wohl  auf  Blei ,  sieht  man  oft 
die  dunkeln  und  hellen  schillernden  Flecken  schon 
sehr  deutlich^  wenn  auch  nicht  so  schön^   ^%  nach 


333 

der  Beitze.  Ferner  kann  man  diese  Figuren  durch 
ein  einfaches  Verfahren  sehr  leicht  darstellen^  wenn 
roan  nahmlich  ein  etwas  längeres  gegossenes  Stück 
Zinn  oder.  Blei  langsam  und  vorsichtig  hin  und  her 
biegt  ^  wodurch  allein  die  Flecken  deutlich  her- 
vor kommen  '^),  zum  Beweise  dafs  sie  eine  Folge  der^ 
im  Innern  regelmäfsig  liegenden ,  schon  vorhandenen 
Krystalle  sind,  welche  durch  das  Biegen  etwas  von 
einander  entfernt 9  dadurch  sichtbar,  und  nur  dann 
zerstört  oder  unscheinbar  werden,  wenn  man  das  Bie- 
gen zu  lange  fortsetzt.  Übrigens  mufs  zu  diesem  Ver- 
suche die  Oberfläche  rein  und  hell  glänzend  seyn,wie 
sich  wohl  von  selbst  versteht.  —  Dafs  die  Flecken 
wirklich  nichts  anders  sind,  als  Krystalle,  zeigt  die 
aufmerksame  Betrachtung  dünn  gegossener  und  ge- 
beitzter  zinnerner  Gefäfse.  Bei  diesen  sind  die  Flek- 
ken  sowohl  aufsen  als  innen  ganz  gleich,  d.  h.  wo  sie 
anfsen  grofs  sind,  sind  sie  es  auch  innen,  und  um- 
gekehrt; sie  haben  auf  beiden  Oberflächen  dieselben 
Begränzungcn ,  die  gleiche  Form ,  die  gleichen  Win- 
kel, so  dafs  die  einzelnen  Krystalle  durch  die  ganze 
Dicke  des  Gefafses  nothwendig  durchgehen  müssen« 
Zur  völligen  Evidenz  kann  man  das  krystallinische 
Gefiige  des  Zinnes  und  Bleies  durch  folgende  Ver- 
suche bringen.  Wenn  eine,  von  Zinn  oder  Blei,  we- 
nigstens ^  Zoll  dick,  und  ungefähr  6  Zoll  lang 
gegossene  Stange  langsam  über  Kohlenfeuer  erhitzt 
wird,  so  wird  sie,  kurz  vorher,  ehe  sie  zu  schmel- 
zen anfängt,  so  spröde,  dafs  man  sie  zerbrechen  kann. 
Um  das  zu  bewerkstelligen,  mufs  man  sie  an  den  En- 
den in  ein  Paar  Feilkloben  einspannen ,  diese  in  bei- 
den Händen  halten,  und  die  Stange  entzwei  zu  bre- 
chen suchen;  oder  noch  leichter,  man  wirft  sie  gegen 
einen  mit  Steinen  gepflasterten  Boden.     Nach  einiger 


*)  Das  Verdienst,  diese  gewifs  auffallende  Erscheinung  zuerst 
beobachtet  tu  haben ,  gehört  nicht  mir ,  sondern  meinem 
Assistenten ,  Herrn  Karl  /Carmarsck» 


334 

Übuog  i^ird  oban  den  rechten  Augenblick  treffen^  und 
dann  wird  sie^  besonders  in  leuterem  Falle  ^  in  meh« 
rere  Stücke  zerspringen.  Diese  nun  zeigen  auf  den 
Bruchflächen  ein  so  deutliches^  strahlig  krystallini* 
sches ,  ^>om  Mittelpunkte  ausgehendes  Gefügey  daft 
jeder,  der  diesen  Versuch  das  erste  Mahl  anstellt^ 
^ewifs  recht  sehr  davon  überrascht  werden  wird*  Da 
die  Stange  nicht  bis  zum  Schmelzen  konmien  darf^ 
so  ist  mit  Sicherheit  zu  schliefsen,  dafs  die  eben  be- 
zeichnete innere  Ordnung  der  kleinsten  Theilchen 
schon  nach  dem  Gusse  vorhanden  gewesen  seyn  niüs-^ 
se.  Auf  ähnliche  Art  wurde  ein  moirirter  zinnerner 
.Secher  bis  zu  dem  angegebenen  Punkte  erhitzt^  und 
dann  gegen  den  Steinboden  des  Arbeitsortes  gewor- 
den. Er  zersprang  in  Stücke^  die  Kanten  derselben 
waren  aber  nicht  geradlinig,  sondern  eckig,  und 
folgten  genau  den  Winkeln  und  Linien,  der  durch 
die  Beitze  sichtbar  gewordenen  Flecken,  deren 
Ursache  also  schon  gleich  nach  dem  Gusse  vorhan- 
den gewesen  seyn  mufste.  Diese  Versuche  mit  dem 
früheren,  über  Blech  angestellten,  zusammengenom- 
men, beweisen  sehr  deutlich,  dafs  in  Zinn  und  auch 
Blei,  ungeachtet  der  anscheinenden  Gleichförmigkeit, 
die  Krystalle  schon  gebildet  vorhanden  sind,  und 
durch  die  Beitze,  oder  durch  das  oben  angeführte 
Biegen,  nur  erst  recht  sichtbar  werden. 

6)  Ob  diefs  der  Fall  bei  allen  Metallen  sey, 
und  ob  sie  demnach  fähig  seyen,  dieselben  Erschei- 
nungen zu  zeigen,  welche  Zinn  und  Blei  unter  ge- 
wissen Umständen  darbieten,  ist  eine  ziemlich  schwie- 
rige Frage.  Ich  mufs  mich  auf  solche  Fälle  beschrän- 
ken ,  die  ich  mit  Erfahrungen  belegen  kann.  Vorerst 
gehört  hieher  schon,  nach  dem  oben  Gesagten,  das 
Blei,  obwohl  durch  die  Beitze  auf  demselben  kein 
Moire'  erscheint,  weil  dasselbe  als  sehr  leicht  oxydir- 
bar,  von  den  Säuren  schnell  angegriflen  und  aufge- 
löst wird.     Doch  bin  ich  im  Stande,  die  Anzahl  der 


335 

Metalle^  die  unter  günstigen  Umständen  schillernde 
Flecken   zeigen^    noch  zu  vermehren.       Gufseisen^ 
mit  recht  schwachem  Scheidewasser  behandelt ,   gibt 
deutlich  sein  strahliges  Gefiige  zu  erkennen^  dessen 
Richtung  nach  der  Art,  wie  es  sich  in  der  Gufsform 
'von  aufsen  nach  innen  abgekühlt  hatte,  so  bestimmt 
£U  bemerken  ist,  wie  oben  bei  den  zerbrochenen  zin- 
nernen und  bleiernen  Stangen.     Bei  gegossenem  Ei- 
sen ist  eine  verdünnte  Säure     und    eine    vorsichtige 
Behandlung  um  so  mehr  zu  empfehlen ,  als  sonst  die 
ganze  Oberfläche  zu  stark  angegriffen,  und  Alles  un- 
deutlich wird.  —  Hier  findet  noch  eine  Beobachtung: 
Statt,  die  am  Schlüsse  des  vorigen  Aufsatzes  (Jahr- 
bücher I.  S.  II 3)  bereits  angedeutet  ist.   Ich  brachte, 
schon  vor  i3  Jahren,  zum  Behufe  elektrisch  -  chemi- 
scher Versuche,  gegossene  Wismuth- Stäbchen  mit 
sehr  verdünnter  Salpetersäure  in   Berührung,    und 
bemerkte   schon  damahls  mit  Verwunderung,    dafs 
durch  die  langsame  Einwirkung  derselben,  schillernde, 
eckige,  scharf  begränzte  Flecken  auf  der  ganzen  Über- 
fläche entstanden,  die  unserem  jetzigen  Moire   ganz 
ähnlich,  von  mir  damahls  wohl  beachtet,  aber  weil 
meme  Aufmerksamkeit  auf  ganz  andere  Resultate  ge- 
spannt war,  nicht  weiter  untersucht  wurden.     Auch 
Wismuth  wird  demnach  gewifs  mit  Zinn  gleiche  Re- 
sultate gewähren,  und  zwar  um  so  sicherer,   als  bei 
dem  ersteren   die  Krystallisation  deutlich   genug  zu 
sehen    ist.      Endlich   habe  ich    solche    sehr    deut** 
liehe    Flecken    auch  an  einigen    Stücken  gewalzten 
Messingbleches,  und  an  Messing- und  Bronze -Gufs- 
waaren  beobachtet,  dieoffenbar  zur  nähmlichen  Klasse 
der  Erscheinungen  gehören.     N^hmentlich  kann  ich 
hier  in  Wien  auf  das  Monument  Kaiser  Joseph  des 
IL  verweisen,  wo  sich  an  manchen,  auf  den  zur  Be- 
festigung der  bronzenen  Kette  vorhandenen  Granil- 
pfeilern  aufgesetzten,    ebenfalls  bronzenen   Kugeln, 
der  schillernde  rautenähnliche  Moire  sehr  deutlich 
und  so  zeigte  dafs  über  seine  Natur  kein  Zweifel  seyn 


336 

kann.  Atmosphärische  Einflüsse ,  und  das  öftere  Be- 
tasten mit  feuchten  Händen  haben  hier  das  Metall  zu- 
fällig so  geheit^t^  vfie  man  diefsmit  Zinn  absichtlich 
thut.  Ich  zweifle  gar  nicht  ^  dafs  jeder ^  der  viele 
aus  Messing  und  ähnlichen  Metal^kompositionen  ver- 
fertigte^ im  Gebrauch  befindliche  Gegenstände  in 
dieser  Beziehung  untersucht^  meine  diefsfälligen  Be- 
obachtungen volikofnmea  bestätigen^  und  sich  durch 
den  Augenschein  wird  überzeugen  können^  dafs  das 
häufigere  Vorkommen  des  Moire  eben  so  wenig  be- 
fremden darf^  als  die  Krjstallisirbarkeit  der  Metalle 
überhaupt. 

^)  Der  Moird  ist  also  keineswegs  eine  seltene^ 
sondern  eine  mit  der  Krystallisation  zugleich  ziem- 
lich häufig  vorkommende  Erscheinung.  Selbst  bei 
Zinn  ist  er  (auch  ohne  Beilze)  zu  bemerken^  und 
schon  sehr  früh^  der  Hauptsache  nach^  von  Proust 
bemerkt  worden.  Er  beschreibt  (  Gehlen^s  neues 
allgem«  Journal  d.  Chemie^  i8o4»  3.  Band^  S.  i65) 
die  merkwürdige  Veränderung^  welche  eine  bleihaltige 
Verzinnung  durch'  die  Einwirkung  von  Essig  erlei- 
det. Die  Verzinnung  bleibt  desto  heller^  je  reiner 
sie  war^  und  der  Essig  bildet  auf  derselben  strah- 
lenförmige Zeichnungen y  die,  nach  Prousfs  Aus- 
druck, in  ihren  Lichtern  und  Schatten  so  deutliche 
Kontraste  zeigen,  dafs  sie  nicht  nur  das  Auge  ver- 
gnügen, sondern  auch  zum  Kennzeichen  einer  guten 
Verzinnung  dienen  können ,  indem  sie  sich  auch  auf 
einer  ganz  bleifreien,  durch  die  Einwirkung  des 
Essigs  bilden.  Niemand  wird  hier  die  Beschreibung 
des  Moird  verkennen,  der  also  schon  früher,  auch 
von  mir,  wie  ich  oben  erzählte,  amWifsmuth  bemerkt 
wurde,  dessen  technische  Anwendung  aber  erst  der 
neuesten  Zeit  vorbehalten  war. 

8)  Wenn  aber  auch  diese  Erscheinung  überhaupt 
nicht  gar  so  beispiellos  ist ,   un4    nur  so  lange  Ver- 


337 

wunderung  erregen  konnte ,  als  die  auffallende  Ver- 
wandlung verzinnter  Flächen  allein  bekannt  war^  so 
würde  man  sich  doch  sehr  grob  irren  y  wenn  man 
alle  Flecken  und  Zeichnungen^  die  sich  auf  verschie- 
denen Metallen^  vielleicht  aus  ganz  anderen  Ursachen 
zeigen^  unter  eine  Klasse  bringen^  und  mit  der  Be- 
nennung Moir^  bezeichnen  wollte«  Nahmentlich  ha-^ 
bea  das ^' aber  wie  ich  glaube  sehr  übereilt^  in  der 
neuesten  Zeit  französische  Gelehrte  gethan^  welche 
den  jüngst  häufig  besprochenen  Damast  auf  orien- 
talischen und  andern  Säbelklingen  u«  s«  w.  ebenfalls 
Moire  nennen  y  und  überhaupt  beide  Worte  als  Syno- 
nyme brauchen.  Allein  es  lassen  sich  genug  wesent* 
liehe  Unterschiede  zwischen  beiden  angeben^  da  das 
Gemeinschaftliche  kaum  etwas  Anderes  ist^  als  das 
Hervorkommen  mehr  oder  weniger  regelmäfsiger 
Zeichnungen  durch  Anwendung  der  Säuren.  Der 
Moire  nimmt  seinen  Ursprung  aus  dem  KtyHaU- 
gefüge  des  Metalles ,  der  Damast  hingegen  aus  dei* 
ÜngleichfoPmigkeit  der  Masse  \  die  Flecken  des  er- 
stem sind  schillernd^  und  meistens  eckige  die  des 
andern  erscheinen  von  jeder  Seile  angesehen  gleich^ 
und  bestehen  mehr  aus  krtunmlinigen  Figuren  u«  s«  w< 
In  dem^  im  gegenwärtigen  Bande  enthalteneui 
Aufsatze  über  damaszinen  Stahl ^  werden  auch  diese 
Unterschiede  so  detaillirt  angegeben  Werden^ .  als 
es  dort  nöthig  ist^  hier  aber  nicht  ganz  zweck' 
mäfsig  seyn  würde« 

9)  Hier  mufs  ich  noch  einem  Zweifel  begegnedi 
Dafs  die  oben  angeführten^  einen  Moir^  zeigenden^ 
Bronze "- und  Messingstficke  bereits  bearbeitet^  z«  B4 
die  Kugeln  abgedreht  und  polirt  sind^  scheint  mit 
der  Erfahrung  im  Widerspruche  zu  stehen  ^  dafs  ab-> 
geschabtes  Zinn  durch  aas  Beitzen  keine  Figuren 
mehr  zeigt.  Allein  hier  mufs  die  relatrve  Härte  die^ 
ser  mit  einander  verglichenen  Metalle  mit  in  Rech- 
nung gebracht  werden«    Bei  der  Weichheit  des  Zin« 

ianh4  a«  pol7t,  Imt.  JV.  114.  23 


34o 

fliefsen^  und  mithin  den  guten  Erfolg  vereiteln  sollte. 
Die  Kupferplatte  selbst  aber,  wenn  sie  nicht  sehr 
dick  ist,  wirft  und  krümmt  sich  durch  die  Hitze,  und 
trägt  so  ebenfalls  zum  Mifslingen  der  Operation  bei. 

Dieser  Unbequemlichkeiten  wegen,  substituirte 
ich  der  massiven  Platte  einen ,  mit  einem  Drahtnetz^ 
wie  man  es  zu  den  Sieben  braucht,  überzogenen 
Rahmen,  aufweichen  der  Stanüiol  gelegt,  und  von 
unten  mit  einer  Lichtflamme  erhitzt  wurde.  Aller- 
dings geht  hier  die  Arbeit  leichter  von  Statten ,  nur 
aber  mufs  man  sich  hüthen ,  den  Siebboden  zu  stark 
zu  erhitzen,  weil  er  sonst  den  Stanniol  verbrennt,  und 
unbrauchbar  macht.  Auch  das  Drahtnetz  selbst  lei- 
det bald  so  sehr,  besonders  wenn  es  fein  ist,  dafs 
man  es  durch  ein  neues  ersetzen  mufs. 

Am  besten  wirkt  noch  eine  Metallplatte ,  so  dick, 
dafs  sie  sich  nicht  werfen  und  verziehen  kann ,  die 
man  mit  kleinen  Löchern  versieht,  welche  aber  so 
nahe  als  möglich  an  einander  gebohrt,  und  nach  un- 
ten, wo  die  Hitze  wirken  soll,  trichterförmig  erwei- 
tert seyn  müssen.  Sie  hat  nur  .die  Schwierigkeit  der 
Verfertigung,  und  die  Langsamkeit,  mit  welcher 
durch  die  Löcher  das  Schmelzen  bewirkt  wird,  ge- 
gen sich. 

» 

In  Rücksicht  auf  alle  diese  Versuche  ist  zu  be- 
merken, dafs  der  Stanniol  langsam,  und  nur  eben 
bis  zum  Flüssigwerden  erhitzt  werden  darf,  weil  er 
sonst  leicht  verbrennt,  eigentlich  ozydirt  wird ,  al- 
len Glanz  verliert ,  ja  sogar  manchmahl  ganz  und  gar 
durchgebrannt  wird*). 

^mmmm^  ■        ■  I  ■    ■  W  ■  ■    ■       ■     I         ■■■      ■     tfiti   ■  ,1  ■ 

*)'  Das   geschmoleene   Zinn  lauft  auch   bey    diesen  Versucben 

nach  und  nach  farbig    an.     Merkwürdig  aber   ist  es,   dafs 

die  Farben  keineswegs  unurdcndich  ,  sondern  so  regelniäfsig 

und  in  derselben  Ordnung  erscheinen ,    wie    beim    Erhitxen 

(jies  Stahles.     Mit  einiger  Übung  kann  man  es  dabin  bringen. 


34i 

i3)  Auf  die  angegebenen  Arten  erhielt  ich  Stan- 
niolflecken^  die^  auf  die  gewöhnliche  Art  gebeitzt^ 
einen  sehr  schönen  Moire  gaben.  Nur  hatten  die 
Flecken  eine  ganz  eigenthümliche  Form^  die  sich  dem 
Innern  Gefiige  des  Antimonium  näherte^  und  über* 
haupt  mehr  in  die  Lange  gezogen  war.  Da  aber  die 
beschriebenen  Yerfahrungsarten  ziemlich  umständlich 
sind^  so  war  ich  nicht  sehr  mit  dem  Erfolge  zufrie- 
den^ bis  mir  endlich  der  Zufall  Mittel  verschaffte^ 
ohne  Weiüäufigkeit  meinen  Zweck  zu  erreichen. 

1 4)  Ich  hatte  ein  Stanniolblatt  mit  der  Licht- 
flamme überschmolzen  ^  wufste  aber  gewifs^  dafs 
einige  Stellen  von  derselben  unberührt^  daher  ganz 
im  ursprünglichen  Zustande  geblieben  waren.  Nach 
dem  Bcttzen  erschien ,  gegen  alle  Vermuthung^ 
auch  an  den  unveränderten  Stellen  ein^  von  dem 
der  überschmblzenen  verschiedener  Moire'.  Obwohl 
ich  es  nun  für  unmöglich  hielt ,  dafs  blofser  geschla- 
gener Stanniol  noch  Krystalle  zeigen  könne^  so  unter-* 
suchte  ich  doch  meinen  Vorrath  von  überschmolze-^ 
nem  Stanniol^  und  fand  bei  einigen  Stücken  auch 
die  nicht  flüssig  gewesenen  Stellen  moirirt^  bei  an- 
dern Jiingegen  sie  blofs  dunkelgrau',  welches  letztere 
der  Theorie  auch  vollkommen  gemäfs  war.  Diese 
Verschiedenheiten  veranlafsten  mich^  jetzt  auch  ro^ 
hen  ungeschmolzenen  Stanniol  zu  beitzen.  Manche 
Blätter  wurden  durch  die  Beitze  dunkelgrau,  und 
liefsen  nur ,  so  wie  gehämmertes  Weifsblech,  ein  ganz 
feines,  weiter  zur  technischen  Anwendung  nicht 
brauchbares  Korn  bemerken.  Bei  andern  aber  war 
der  Erfolg  ganz  gegen  alle  Erwartung.  Sie  zeigten 
nähmlich  (ohne  vorhergegangenes  Schmelzen)  einen 

Icleine  StanniolslÜGkcIien  durchaus  rait  derselben  Farbe  eu 
überziehen.  Am  sichersten  gelingt  diefs  durch  die  An^ 
Wendung  eines  Drahtnetzes ,  durch  die  Erhitzung  mit  einer 
brennenden  Wachskerze,  und  mit  der  gelben  und  violei« 
rothen  Farbe« 


344 

und  die  Folie  sogleich  in  recht  ?idem  Wasser  rein 
gewaschen  werden.  Solcher  Stanniol  kann  endlich 
wie  Blech  gefärbt  und  lackirt ,  oder  auch  wie  die  or- 
dinären farbigeu, Zinnfolien  mit  gefärbter  Hausenblase 
überzogen  werden,  Yerfalirungsarten,  deren  aus- 
führliche Beschreibung  nicht  mehr  zum  Zwecke  der 
gegenwärtigen  DarsteUung  gehört. 

17)  Wie  steht  es  aber  jetzt  um  die  Theorie,  wenn 
geschlagenes  Zinn  die  Krystallisation  ^behält,  nicht 
aber  geschlagenes  Weifsblech?  So  wenig  sich  das 
ersterbe  erwarten  liefs,  so  vollständig  läfst  es  sich  er- 
klären. Zwischen  dem  Schlagen  des  Bleches  auf 
einem  verstahlten  Ambofs,  mit  dem  gleichfalls  har- 
ten stählernen  Glanzhammer,  und  dem  des  Stanniols 
ist  näbmlich  ein  sehr  beträchtlicher  Unterschied«  Die 
Blätter  des  let^tern  werden  keinesweges  einzeln,  son- 
dern in  grofser  Anzahl  zugleich,  weniger  eigentlich 
geschlagen,  als  mit  einem,  mit  einer  schmalen  Bahn 
versehenenHammer  ausgetrieben,  also  wohl  dünner, 
aber  zugleich  aucb,  >  und  vorzüglich  gröfser  gemacht. 
Der  senkrechte  Druck  ist  bei  dieser  Manipulationsart 
nie  sehr  heftig  wirkend,  weil  viele  Blätter  über  einander, 
und  also  insbesondere  die  mittelsten  sehr  weich  lie- 
gen, wie  es  auch  seyn  mufs,  wenn  sie  nicht  faltig, 
oder  gar  durchgeschlagen,  sondern  hauptsächlich 
blofs  gestreckt  werden  sollen.  Die  Krystalle  des  Zin- 
nes werden  auf  diese  Art  nicht  ganz  zerdrückt,  und 
das  Gefuge  abgeändert,  sondern  nur ,  wie  das  ganze 
Blatt  weiter  ausgebreitet ,  und  daher  bei  fortschrei- 
tender Bearbeitung  immer  gröfser.  Diefs  läfst  sich 
auch  durch  die  Erfahrung  nachweisen,  indem  die 
dünnsten  Blätter  in  ein  und  demselben  Pfunde  (  der 
Einkauf  geschieht  nach  dem  Gewicht),  folglich,  da 
alle  gleich  grofs,  aber  nicht  gleich  schwer  sind,  die 
leichtesten  auch  die  ansehnlichsten  Flecken  geben. 
In  ihnen  sind  näbmlich  die  Krystalle  am  weitesten 
l(us einander  gehreitet,  oder  so  w  sagen,  gefletscht 


345 

v^orden.  Vergleicht  man  mit  allem  diesen  das  Blank* 
hämmern  des  Weifsbleches ,  so  findet  man  hier  zwei 
ganz  harte  Werkzeuge ,  die  unmittelbar  auf  das  Zinn 
-wirken ,  welches ,  da  es  auf  dem  wenig  nachgiebigen 
Eisenblech  aufgetragen  ist,  nothwendig  zusammen- 
gedrückt, und  in  seinem  Gefüge  ganz  abgeändert 
werden  mufs,  weil  hier  kaum  etwas  nachgeben  kann, 
als  das  Zinn  allein.  YöUig  befriedigend  wird  alle 
noch  etwa  zu  erhebenden  Zweifel  die  Wahrnehmung 
aufklären,  dafs  verzinntes  Kupferblech,  wenn  es  so 
wie  Weifsblech  überhämmert  und  blank  geschlagen 
wird,  dennoch  einen  Moir^,  und  nicht  ein  kleines 
Korn  zeigt,  gewifs  defswegen,  weil  das  Kupfer,  viel 
weicher  als  Eisen,  den  Uammerschlägen  nachgibt, 
folglich  die  ganze  Gewalt  derselben  nicht  auf  die  Ver- 
sinnung allein  fällt. 

Was  bei  gewalztem  Zinnblech  erfolgen  würde, 
kann  ich  nicht  mit  Gewifsheit  bestimmen,  weil  im 
Handel  keines  regelmäfsig  vorkomnat ,  denn  die  Ver- 
feriigungsart  mit  dem  Hammer  ist  leichter  und  schnei« 
1er.  Indessen  aber,  wenn  das  Auswalzen  nicht  zu 
schnell  geschähe,  und  die  Walzen  noch  überdiefs, 
wie  bei  der  Anfertigung  des  Bleibleches,  blofs  von  har- 
tem Holz  wären,  würden  die  krystallinischen  Flecken 
eher  vergröfsert  als  verkleinert  werden ,  wovon  man 
die  Ursache  aus  den  vorher  gegebenen  Erörterungen 
ohne  Schwierigkeit  wird  einsehen  können. 

i8)  Meine  bisherigen  Untersuchungen  beschliefse  ich 
mit  einem  Vorschlage,  der  mir  zu  spät  beikam,  und  wel- 
cher so  sanz  das  Praktische  betrifft ,  dafs  ich  die  Prü- 
fung und  etwannige  Ausfuhrung  jenen  überlassen  mufs, 
die  sich  mit  der  fabriksmäfsigen  Anfertigung.des  Stan- 
niol-Moird  etwa  beschäftigen  möchten.  Die  Dar- 
stellung desselben  aus  der  oben  ausfuhrlich  charak- 
terisirten  glatten  Stanniolsorte  ist  zwar  sehr  leicht, 
allein  man  hat  die  Figuren  nicht  in  seiner  Gewalt, 


\ 


348 

nifs  und  Übung  erfprdert^  dem  ungeachtet  aber  im- 
mer nur  ein  beiläufiges  Resultat  zu  geben  im  Stande  ist. 

Der  einfachste  Weg  zurElrreichung  dieses  Zwek- 
Les  scheint  deifenige  zu  seyn^  -welchen  man  schon 
seit  langer  Zeit' eingeschlagen  hat^  um  die  absolute 
Festigkeit  anderer  fadenförmiger  Körper  (z.  B.  der 
Metalldrähte)  mit  Genauigkeit  auszumitteln ^  und 
>^elcher  darin  besteht ,  dals  man  durch  Anhängen 
von  Gewichten  die  Kraft  aufzufinden  sucht  ^  welche 
zum  Zerreifsen  des  Körpers  erforderlich  ist.  Auf 
dieses  Verfahren  gründet  sich  die  Einrichtung  eines 
von  dem  Mechaniker  Johann  CatUnetti  zu  Mailand 
erfundenen^  und  Mitostenometer  genannten  Instru- 
mentes ^  mittelst  dessen  die  Festigkeit  von  Flachs^ 
Garnfäden  u.  dgl  bestimmt  v^erden  soll*). 

Allein  in  der  Erfahrung  hat  diese  Methode  so 
viele  Schwierigkeiten^  dafs  sie  wohl  nie  mit  Erfolg 
virird  angewendet  werden  können.  Die  Feinheit  der 
Schafwollfaden  ^  die  geringe  Gröfse  der  zum  Zerreilsen 
nöthigen  Gewichte ;  die  Schwierigkeit,  so  feine  Fä- 
den zweckmäfsig  zu  befestigen ;  das  fast  Mikrome- 
trische der  ganzen  Behandlung:  diese  und  einige 
minder  wichtige  Umstände  lassen  an  dem  Gelingen 
des  in  Rede  stehenden  Verfahrens  iiir  immer  ver- 
zweifeln. 

Das  erwähnte  Instrument  des  CatUnetti  ist  da- 
her auch  mit  einer  zweiten  Vorrichtung  versehen, 
welche  das  Zerreifsen  der  Fäden  auf  eine  andere  Art 
bewirkt.  Der  zu  prüfende  Faden  wird  nähmlich  un- 
ten an  eine  kleine,  zum  Drehen  eingerichtete,  und 
mit  einem  Sperrrade  versehene  Welle ,  oben  aber  an 


*)  Opuseoh  iuUa  nuova  macchina  del  Mtccanico  Giov*  CatU- 
netti^ per  dirompere  gli  stell  del  Uno  e  della  canapa ,  ete, 
9  iopra  altri  oggetti  r^lativi  edaeccssorj.    MiUno  18  .so.  Fol. 


349 

einen  Haken  befestigt,  der  mit  einer .  Spiralfeder  in 
Verbindung  steht.  Durch  das  Umdrehen  der  Welle 
wickelt  sich  der  Faden  um  dieselbe  auf,  und  die  Fe- 
der wird  so  lange  zusammen  gedrückt ,  bis  ihre  Ela- 
sticität  die  Festigkeit  des  ziehenden  Fadens  zu  über- 
winden im  Stande  ist,  und  der  letztere  reifjit.  Die 
Feder  bat  während  ihres  Zusammendrückens  einen 
kleinen  Zeiger  geschoben,  der  beim  Abreifsen  des 
Fadens  stehen  bleibt ;  mittelst  diesem  kann  man  daher 
auf  der  nebenan  befindlichen  Skala  die  relative  Stärke 
des  untersuchten  Fadens  erkennen. 

Schon  vor  ungefähr  zehn  Jahren  hat  der  Fran- 
zose Regnier  einen  so  genannten  Dynamometer  zur 
Bestimmimg  der  Stärke  der  Schafwolle  angegeben, 
welcher  beiläufig  folgende  Einrichtung  besitzt*).  Auf 
einem  3|-  Zoll  breiten,  5  j-  Zoll  langen ,  und.der  Be- 
quemhchkeit  halber  (  weil  man  auf  dunklem  Grunde 
die  Wolljfaden  leichter  bemerkt)  schwarz  angestri- 
chenen Brötchen  befinden  sich  zwei  parallele ,  aus 
Messigdraht  verfertigte,  einarmige  Hebel,  von  denen 
der  eine  sich  in  eine  Zeigerspitze  endigt ,  und  an  der 
andei'n  Seite  mittelst  einer  aus  Blech  bestehenden 
einfachen  Fed^r  beweglich  ist,  während  der  zweite 
sich  um  einen  dünnen  Zapfen  dreht.  Beide  Hebel 
bewegen  sich  längs  eines  in  fünfzig  Grade  gelheilten 
Bogens ,  und  sind  an  ihren  freien  Enden  mit  kleinen 
Schraubenzangen  zum  Einspannen  der  Wollfäden  ver- 
sehen. Um  dieses  Instrument  zu  gebrauchen,  wird 
der  zu  untersuchende  Wollfaden  mit  beiden  Enden 
in  den  Zangen  befestigt ,  wo  dann  genau  eine  Länge 
von  8  CentimStres  (2I7V0  ^^'^ )  horizontal  aufgespannt 
ist,  weil  nähmlich  die  zwei  Hebel  eben  so  weit  von 
einander  entfernt  sind.  Nun  zieht  man  langsam  den 
um  seinen  Zapfen  sich  drehenden  Hebel  an,  wodurch 

*)   Bulletin  de  U  iociSU  pour  tEncouragement  de  V Indus trU 
nationale.  Uro.  CI.   (Novembre  i8i2>* 


35a 

Hülse  a  ist  auf  der  innem  hohlen  Seile  schwarz  an- 
gestrichen^ um  die  zu  untersuchenden  Fäden  dem 
Auge  bemerkbarer  zu  machen« 

Das  Einspannen  der  auf  ihre  Festigkeit  zu  prü- 
fenden WoUiäden  geschieht  zwischen  zwei  Zangen^ 
welche  in  den  Figuren  mit  /  und  g  bezeichnet  sind. 
Die  obere  Zange^y*^  befindet  sich  vor  dem  Boden  e 
der  Hülse  ^  und  in  horizontaler  Ebene  mit  diesem 
Boden  ^'  wie  man  aus  Fig.  3'  entnehmen  kann^  in 
welcher  die  erwähnte  Zange  nach  der  obern  Ansicht 
gezeichnet  ist«  Die  Innenfläche  der  Zange  y  wo  die- 
selbe den  Boden  e  berührt  (s.  auch  Fig.  2)^  ist  mit 
Papier  beklebt,  damit  durch  dessen  Rauhigkeit  der 
Wollfaden  sicherer  festgehalten  werde.  Die  Bewe- 
gung der  Zange  geschieht  um  den  Punkt  f ,  wo,  statt 
eines  Gewindes ,  eine  nur  lose  angezogene  Schraube 
das  öffnen  und  Schliefsen  derselben  gestattet.  Das 
letztere  geschieht  durch  das  Anziehen  einer  zweiten 
Schrauber,  mit  ränderirtem  Kopfe,  deren  vorderer 
Theil  sich  in  die  Dicke  von  e  vertieft;  und  eine  kleine^ 
aus  hart  geschlagenem  Messingblech  verfertigte  Feder^ 
Uy  öffnet  die  Zange  wieder,  wenn  jene  Schraube  (r) 
zurück  gezogen  wird.' 

Die  zweite  Zange,  g^,  deren  Einrichtung  ganz  der 
beschriebenen  gleich  kommt,  und  welche  durch  die 
Schraube  s  geschlossen  wird,  befindet  sich  an  der 
kreisrunden  Welle  b  c ,  über  deren  BeschaSenheit 
Folgendes  bemerkt  werden  mufs.  An  jedem  Ende  ist 
dieser  Welle  ein  schwächerer  Hals  angedreht,  mit 
welchem  sie  in  einem  halbrunden  Ausschnitte  des 
Gehäuses  a  liegt  (s.  Fig.  2,6).  In  ihrer  Mitte  be-- 
sitzt  sie  eine  rund  herum  gehende  Nuth  A,  in  wel- 
cher ein  hakenförmig  gebogener ,  und  vierkantig  ge- 
bildeter Messingdraht  ( Fig.*  a  zeigt  ihn  mit  puuktir^ 
ten  Linien)  liegt,  der  mit  seinem  vorderen  Ende  die 
Welle  umfafst,  und  bei  ty  wo  er  durch  das  Gehäuse  a 


353 

geht ,  mittelst  ein^r  kleinen  Schraubenmutter  festgc« 
stellt  ist.  Diese  Einrichtung  gestattet  der  Welle  eine 
freie  Drehung^  ohne  der  Festigkeit  ihrer  Lage  hin- 
derlich zu  seyn.  Durch  Anziehen  oder  Nachlassen 
der  erwähnten  Schraubenmutter  ( t  Fig.  2  )  kann  die 
Bewegung  der  Welle  nach  Belieben  schwieriger  ge- 
macht oder  erleichtert  werden^  weil  sich  dadurch 
die  Reibung  derselben  an  den  Wänden  des  Gehäuses 
a  vermehrt  oder  vermindert.  Die  Beweglichkeit  der 
Welle  6  c  hat  keinen  andern  Zweck ^  als  den,  das 
Zerreifsen  des  zwischen  beiden  Zangen  eingespannt 
ten  Wollfadens  möglich  zu  machen.  Indem  man 
nähmlich  diese  WeUe  langsam  nach  der  in  Fig.  2 
durch  den  Pfeil  bei  b  angedeuteten  Rieb  tung  umdreht, 
dehnt  sich  der  an  zwei  Punkten  durch  die  Zangen  JF 
und^  festgehaltene  Faden  zuerst  blos  aus;  wenn  der 
Zug  aber  fortwährend  wächst,  reifst  er  endlicb,  bnd 
in  diesem  Augenblicke  hält  man  mit  dem  Drehen  inne. 
(Fig.  a  zeigt  die  Lage  des  Instrumentes  in  dem  Au- 
genblicke ,  wo  der  Faden  gerissen  ist.)  Es  ist  ohne 
Erinnerung  klar,  dafs  man  die  Welle  um  so  mehr 
werde  verdrehen  müssen,  je  gröfsere  Festigkeit  der 
untersuchte  Faden  besitzt.  Da  es  aber  nicht  mög- 
lich wäre ,  aus  der  Stellung  des  Instrumentes  nach 
dem .  Augenmafse  auf  die  gröfsere  oder  geringere 
Stärke  der  Wolle  zu  schliefsen,  so  hat  der  Erfinder 
dieses  Geschäft  durch  nachfolgende  Einrichtung  er- 
leichtert. Das  Ende  c  der  Welle  b  c  tragt  eine  runde^ 
mit  einem  ränderirten  Kranze  versehene  Scheibe  d, 
welche  die  Kante  des  Gehäuses  a  beinahe  berührt.  * 
Die  hintere ,  in  der  Zeichnung  nicht  sichtbare  Hälfte 
dieser  Scheibe  ist  in  So- gleiche  Theile  oder  Grade 
getheilt^  und  zwar  so,  dafs  an  jener  Stelle,  wo  auf 
der  Fläche  der  Scheibe  der  kleine  Stift  p  steht,  sich 
die  Null  der  Eintheilung  befindet.  Als  Zeiger  für 
diese  Eintheilung  dient  die  Kante  der  Hülse  a ,  und 
die  Zahl,  welche  dieser  Kante  in  dem  Augenblicke, 

Jahrb.   4ci  folju  last.  IV.  RA.  ^3  . 


354 

wo  der  Faden  abreifst,  gegenüber;  ;tebt,  .wird  als  das 
Resultat  des  Versuches  bel^ach^tet  . 

Um  die  Resultate  dqr  niit.verschiedenea  Instru«* 
mentea  dieser  Art  angestnliten  Versuche  ^o  mög^ch 
übercinsiimmen4  zu  machen^  iiiü$sea  ,die  Welle  bc 
i;ind  die  Tlieilscheibe  d  eine  genau  gleiche  Gröfse 
haben,  äei  einem,  dem  Verferfiger  für  die  Werksegg- 
sammlung des  polytechnischen  Institut^es.  abgekaj|/ten 
Exemplare  beträgt  der  Umfang  der  erstem  genau  i 
Zoll,  und  der  letztern  a^  Zoll  (Wicq^r  Mafs,). 

Aufser  den  schon  beschriebenen  Theilen  des  In- 
strumentes gehört  zu  demselben  noch  ein  kleines 
Werkzeug ,  nähmlich  das  in  Fig.  i  mit  m  n  bezeich- 
nete Zängeichen^  welches  aus  zwei  Stückchen  einer 
Taschenuhrfeder  gebildet,  und  .durch  ein  messingenes 
Gewichtchen  so  beschwert  ist,  dafs  es  genau  2^^ 
Gran  des  Wiener  Apothekergew^hts  wiegt.  Die 
Schwere  des  Zängelchqns  anzugeben,  scheint  mir 
defswegen  nothwendig,  weil  davon,  wie  man  bald 
sehen  wird ,  die  Spannung  des  mit  dem  Instrumente 
behandelten  Wollfadens  abhängt,  und  weil  man^ 
um  zwei  Werkzeuge  der  Art  korr^spondirend  zu 
machen,  auch  auf  diesen  Umstand  Rücksicht  neh- 
men müfste«  Die  zwei  mesungenen  Stiftchen,  wo- 
mit das  Zangelchen  verschen  ist,  dienen  zum  Off- 
nen desselben,  .indem  mit  ihrer  Hülfe  die  beiden 
Federstücke  'sich  von  einander  entfernen.  Jedes  die- 
ser Stiftcheu,  welches  an  einem  Theije  der  Zange 
durch  Vernieten  fest  gemacht  ist  j  geht  durch  ein 
kleines  Loch  des  andern  Theiles,  wie  man  aus  der 
Zeichnung  deutlich  genug  entnehmen  kann«  Aufser 
der  Zeit  des  Gebrauches  wird  das  Zängelchen  in 
eine  Öffnung  q  des  obern  Bodens  der  Hülse  gesteckt, 
so,  dafs  nur  aer  Theil  n  davon  heraussieht 

4 

Nach. dem  Vorhergehenden  glaube,  ich  ohne  An- 
stand zur  Beschreibung  des  Verfahrens  schreiten  zu 


355 

iidiinen^  welches  bei  der  Anwendang  des  Instrumen- 
tes beobachtet  werden  mufs. 

Man  fangt  damit  an^  von  der  zu  untersuchenden 
Schafwolle  einen  Faden  auszulesen ;    diesen  fafst  man 
an  einem  Ende  mit  den  Fingern  der  linken  Hand^  mit 
dem  andern  aber  klemmt  man  ihn  in  das  kleine  Zän- 
gelchen.     Man  läfst  nun  den  Faden  ^    der  durch  das 
Gewicht  des  Zängekbens  in  einer  gewissen  Spannung 
erhalten  wird,  frei  herabhängen;  man  bringt  ihn  so 
zwichen  die  geöffneten  Zangen  des  Instrumentes,  und 
schliefst  vorerst  die  obere  derselben ,  f.     Während 
der  Wollfaden  noch  frei  gespannt  hängt,   versichert 
man  sich  hierauf,  dafs  der  Stift /7  die  Kante  des  Ge- 
häuses a  berührt,  oder  Twas  dasselbe  ist)  dafs   die 
Ntill  der  Theilscheibe  d  aieserKaiite  gegenübersteht; 
dann  erst  schliefst  man  auch  die  untere  Zange  ^,  und 
nimmt  zuletzt  das  Zängelchen  m  n,  als  nunmehr  über« 
flüssig,  weg.     Fig.  i   zeigt  das  Instrument  in  jener 
Lage,  welche  die  Theile  desselben  vor  dem  Abneh- 
men des  Zängelchens  besitzen.  —  Das  Umdrehen  der 
Welle  c  d^  wodurch  der  eingespannte  Faden  ausge- 
dehnt wird,  geschieht,  indem  man  mit  den  Fingern 
der  rechten  Hand  den  ränderirten  Kranz  der  Theil- 
scheibe fafst.     Man  mufs  hierbei  alle  plötzlichen  Zuk- 
kungen  der  Hand  auf  das  Sorgfältigste  vermeiden,  weil 
durch  sie  der  Faden  leicht  vor  der  Zeit  abgerissen 
wird;  im  Gegentheil  befleifsige  man  sich  einer  lang- 
samen und  gleichförmigen  Bewegung,  die  durch  eine 
kurze  Übung  erworben  werden  kann.  Schon  vor  dem 
Ver&uchfe  mufsmhtelst  der  Schraubenmutter  t  (Fig.  21) 
die  Reibung  der  Welle  zweckmäfsig  regulirt  worden 
seyn,  damit  sie  weder  zu  gering  noch  zu  grofs  sey, 
indem  in  beiden  Fällen  einige  Unregelmäfsigkeiten  m 
der  Bewegung  nicht  leicht  vermieden  werden  können. 
Ungeachtet  dieses   Hülfsmitiels   bleibt  doch  die  Art 
der  Bewegung  das  Unvollkommenste  am  ganzen  In- 
strumente ,  welches  dadurch  etwas  schwierig  zu  be- 


4 


356 

handelA  wird.  Unter  >  zeLii  mit  .  der  nälimlicben 
Wolle  9  und  unter  gleichen  Umstanden  angestellten 
•Versuchen  geben  meist  nur  drei  oder  vier  genau  das 
nähmliche  Resi;iltat^  wovon  der  Hauptgrulild  in  derUn«- 
gleichiörmigkeit  der  Bewegung  liegt,  welche  ,das  vor- 
schnelle Abreisten;  mancher  Faden,  zur  Folge  hat. 
Z weckmäfsig  durfte  es  aus  dieserUrsache  vielleicht  seyn^ 
den  Krapz  der  getheilten  Scheibe  mit  Zähnen  zu  ver- 
sehen .  und  in  diese  eine  Schraube  ohne  £nde  ein*^ 
greifen  zu  lassen,  welche  von  der  Hand  des  Versuch- 
anstellers gedreht  würde.  Dafs  dadurch  das  Instru- 
ment zusammengesetzter  würde ,  k^nn  hiergegen  kei- 
nen Einwurf  abgeben,  denn  diese  Zusamcnengesetzthcit 
steht  in  keinem  Verhältnisse  zum  flutzeu  des  Instru- 
ments. ^ 

In  dem  Augenblicke ,  wo  bei  fortgesetztem  Dre- 
hen der  Welle  der  Faden  abreifst,  hält  man  mit  der 
Bewegung  still,  und  liest  von  der  Theilscheibe  die  Zahl^ 
welche  der  Kante  des  Gehäuses  gegenüber  steht,  und 
als  das  Resultat  des  Versuches  betrachtet  wird,  ab. 
Die  Erfahrung  hat  gelehrt,  dafs  la  üud  aS  als  die 
beiden  Extreme  der  Festigkeit,  welche  bei  gewöhn- 
licher Schafwolle  anzutreffen  sind,  betrachtet  werden 
können;  in  den  meisten  Fällen  beträgt  der  Unter- 
schied zwischen  zwei  zu  vergleichenden  Wollensorten 
kaum  drei  oder  vier  Grade;  die  verschiedenen,  mit 
einer  und  derselben  Sorte  angestellten  Versuche  wei- 
sen hingegen  oft  genug  eine  eben  so  grofse  Diffe- 
renz aus.  Dieser  Umstand  könnte  vielleicht,  we- 
nigstens gröfsteiitheils,  gehoben  werden,  wenn  man 
den  halben  Umfang  der  Scheibe  d  statt  in  5o,  in 
mehrere^  z.  B.  in  loo  Grade  theilen  wollte.  Die 
oben  angegebenen  Extreme  würden  dann  durch  ^4 
und  5o  ausgedrückt,  wodurch  sich  ein  viel  bedeu- 
tenderer arithmetischer  Unterschied  ergäbe. 


35^ 

Für  dies«»-  Bishüf  würde  es  vieUeicht  auch  von 
Nutzen  dejn,  der  Wolle  cd  eine  geringere  Dicke 
und  eine  solche  Einrichtung  zu  geben ,  dals  sie ,  bis 
zum  Abreissen  des' «ing6spännten  Haares^  wenigstens 
eine  ganze  Umdrehung  Vollbrin^^en  müfste^  die  dann 
sehr  leicht  in  eine  grofse  Anzahl  Theile  eingetheih 
werden  könnte. 

Der  Wichtigkeit  des  Zweckes  wegen  ^  wozu  das 
in  Rede  stehende  Instrument  (  welches  man  vielleicht 
nicht  Unpassend  einen  Festigkeitsmesser  nennen 
könnte)  bestimmt  ist ^  stelle  ich  hier  einige  bei  der 
Anwendung  dess^elben  zu  beobachtende  Vorsichls- 
mafsregeln  zus<immen^  wie  siä  sich  mir  durch  die  Er- 
fahrung ergeben  haben  ^  und  wie  sie  sich  auch^  zum 
Theil  wenigstens^  aus  der  Bauart  des  Werkzeuges 
ableiten  lassen. 

i)  'Das  Instrument  mufs^  wenn  man  einen  Weil- 
'faden  in  dasselbe  befestigt ,  rfiöglichst  horizontal  ste- 
hen, weil  aufserdem  eine  schiefe  Spannung  des  Fa- 
dens erfolgt,  welche  der  Genauigkeit  des  Resultates 
Nachtheil  bringt.  Während  man  die  Welle  dreht, 
kann  das  Instrument  ohne  Anstand  in  der  Hand  ge- 
halten werden,  weil  der  einmahl  gespcinnte  und  fest- 
gemachte Faden  keine  Veränderung  mehr  erleidet. 

a)  Das  Schliefsen  der  beiden  Zangen  mufs  mit 
grofser  Sorgfalt  geschehen ,  weil  aufserdem  der  Fadeii 
nicht  fest  genug  gehalten  wird,  sondern  durchschlüpft, 
und  daher  eine  gröfsere  Festigkeit  zu  besitzen  scheint^ 
als  ihm  wirklich  eigen  ist.  -Es  ist  nicht  räthlich, 
einen  Wollfaden ,  der  aus'Versehen  nicht  fest  genug 
eingespannt  war ,  und  beim  Drehen  der  Welle  durch 
eine  der  beiden  fangen  ganz  oder  zum  Theil  durch- 
geschlüpft ist ,  zu  einem  neuen  Versuche  wieder  zu 
verwenden,  weil  er  in  diesem  Falle  meistens  schon 
einen  Theil  seiner  Festigkeit  verloren  hat. 


358 

3)  Aus  derselben  Ursache  ?erineide  maa  es,  den 
Faden  übermäfsig  lang  am  Zängelclien  frei  hängen 
SU  lassen, 

4)  Man  vermeide  es  gleichfalls,  während  des 
Versuches  den  eingespannten  WoU&den  anzuhauchen^ 
indem  die  Feuchtigkeit  des  Athems  leicht  eine  Än- 
derung im  Resultate  hervorbringen  kann, 

5)  Man  erneuere  von  Zeit  zu  Zeit  das  die  Innen* 
fläche  der  Zangen  bekleidende  Papier,  yreil  sich  in 
dieses  durch  oft  wiederfaohlte  Versuche  Rinnen  ein- 
drücken, welche  das  Durchschlüpfen  der  Wollhaare 
erleichtern. 

6)  Während  des  Drehens  der  Welle  vermeide 
man  jede  Zuckung  der  Hand ,  aus  dem  schon  früher 
angegebenen  Grunde.  Man  mufs  sich  gewöhnen, 
ohne  Unterbrechung  so  lange  fortzudrehen,  bis  der 
Faden  reifst.  Beobachtet  man  diese  Vorsiebt  nicht, 
80  reifsen  die  Fäden  gern  dann ,  wenn  man  die  Be- 
wegung nach  einer  vorhergegangenen  Unterbrechung 
von  Neuem. beginnt. 

Es  ist  bekannt,  dafs  gröbere  Haare,  z,  B,  Men« 
schenhaare,  sich  leichter  von  der  Spitze  gegen  die 
Wurzel,  als  umgekehrt,  zwischen  zwei  haltenden 
Körpern  durch  bewegen ;  und  man  erklärt  diese  Er- 
scheinung aus  der  vermutblichen  schuppenartigen 
Struktur  dieser  Haare,  welche  der  von  oer  Wturzel 
nach  der  Spitze  zu  gehenden  Bewegung  ein  gröfse» 
res  Hindernifs  entgegen  setzt.  Man  könnte  daher  die 
Vermuthung  hegen,  dafs  dieser  Umstand  auch  bei 
der  Prüfung  der  Schafwolle  auf  ihre  Festigkeit  seinen 
Einflufs  habe,  und  dafs  es  demnach  vielleicht  nicht 
gleichgüliig  sey ,  ob  man  die  Fäden  mit  der  Wurzel 
nach  oben  oder  nach  unten  einspannt,  indem  im 
letztem  Falle  das  Durchschlüpfen  aerselben  zwischen 


I 

\ 


359 

den  Zangen  befördert  YTorde.  Allein  die  von  mir 
eigen»  znr  Aufkläriup^  dieses  Zweifels  angestellten 
Versuche  scheinen  einer  solchen  Yermuthung  nicht 
günstige  daher  ich  auch  nur  gelegenheitlich  bemerke, 
dafs  bei  allen  meinen  übrigen«  Versuchen  (  deren  Re- 
sultate ich  unten»  angebe )  die  Wurzel  d^r  Wollhaare 
abwärts  gekehrt  war. 


'\ 


Die  Festigkeit  einer  Schafwollsorte  zu  wissen^ 
kann  nur  dann  irqn  erheblichem  Nutzen  seyn ,  wenn 
die  Feinheit  derselben  zugleich  mit  berücksichtigt 
wird ;  der  P7)igtlfinder^8che  Festigkeitsmeaser  findet 
daher  hauptsächlich  in  Verbindung  mit  dem  bekann- 
ten englischen  Wollen  -  Mikroskope  ( Dollomts  Eiro- 
meter)  seine  zweckmäfsigste  Anwendung.  Nur  in- 
dem man  beide  Instrumente  nach  einander  um  Rath 
fragte  kann  ein  brauchbarer  Aufschlufs  über  die  Be- 
schaffenheit einer  vorliegenden  Wollgattung  erhalten 
werden  j  und  man  wird  sich  z.  B.  des  Voigtländer^ - 
sehen  Inatrumentes  bedienen  y  um  zu  erfahren  ^  wel- 
che von  zwei  oder  mehreren  gleich  feinen  SchafwoU« 
Sorten  eine  gröfsere  Festigkeit,  und  somit  mehr  tech«- 
nische  Brauchbarkeit  besitzt. 

In  der  nachfolgenden  Tafel,  welche  die  ReSul^ 
täte  einiger  von  mir  angestellten  Versuche  enthält, 
wollte  ich  hierauf  Rucksicht  nehmen;  allein  ich  mufs 

Sestehen ,  dafs  meine  Geduld  und  meine  Übung  in 
em  Gebrauche  des  Wollen- Mikroskopes  nicht  zu- 
reichten, eine  lange  Reihe  übereinstimmender  ResuU 
täte  hinsichtlich  der  Feinheit  der  untersuchten  Woll- 
gattungen zu  Tage  zu  fordern;  wie  ich  denn  übek*- 
haupt  jenes  sinnreiche  Werkzeug  nur  für  eine  Art 
technischer  Spielerei  zu  halten  geneigt  bin» 

Den  Inhalt  dieser  Tafel  stelle  ich  daher  nur  als 
eine  kleine  Sanunlung  von  Beispielen  auf,   avis  denen 


36o 

man  von  der  Festigkeit  einiger  SchafwoUsorten  einen 
beiläufigen  Begriff  erhalt.  In  der  dritten  Rubrik  fin- 
det man  die  .Resultfite  von  fünf  Versuchen  über  jede 
Sorte  angegeben;  ich  habe  aber  fast  jedes  Mahl  zehn 
Versuche  anstellen  müssen ,  um  nur  fünf  Resultate 
zu  erhalten^  welche  einigcrmafsen  mit  einander  über- 
ein stimmten '^).  Die  Ursache  davon  liegt  vielleicht 
zum  Theil  in  meiner  geringen  Obung  (doch  habe  ich 
'seit  einem  Jahre  mehrere  hundert  Verbuche  ange- 
stellt)^ vorzüglich  aber  ohne  Zweifel  in  einigen  Män- 
geln des  Instrumentes  y  und  in  der  wirklichen  Ver- 
schiedenheit der  Wollfäden. 


*)  Die  Scbwierigkcit ,  übereinstimmende  Resultate  tax  erhalten, 
hat  schön  Regnier  bei  dem  Gebrauche  seines  Instrumentes 
eingesehen ,  und  defswcgcn  gerathen ,  jeden  Versuch  wenig- 
stens fünf  Mahl  isu  wiederhohlen ,  und  aus  'den  erhaltenen 
Bcsultaten  das  Mittel  zu  ziclien.  Mach  seinem  Vorschlage 
soll  man  sogar,  um  sicherer  ku  seyn,  die  grufstcn  und  die 
I  kleinsten  Zahlen  jedes  Mahl  weglassen  ,  und  nur  die  mitt- 
leren beibehalten.  9o  lobenswerth  in  dieser  Rüchsicht  die 
Aufrichtigheit  des  Erfinders  ist,  der  seiner  Erfindung  keinen 
übertriebenen  Werth  beilegen  will:  so  wenig  günstig  spricht 
«ie  für  die  Braucld)arlieit  des  Instrumentes  |  ungeachtet  Bt- 
gnier  die  Abweichungen  in  den  Resultaten  fianas  auf  Rech- 
*nung  der  Verschiedenheit  der  Wollfaden  stellen  «u  können 
meint* 


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36a 

Um  in  RficLsicht  auf  Festigkeit  eine  beiläufige 
Vergleichung  der  Schafwolle  mit  anderen  fadenför- 
migen Stoffen  möglich  zu  machen^  habe  ich  gleich- 
falls mehrere  Versuche  angestellt^  deren  Resultate 
die  folgende  Tafel  enthält. 


« 

MittelsaM 

Nähme  des  untersuchten 

ResulUte  Ton  fünf 

AUft  rliAS^n 

Stoffes 

Versuchen 

Versuchen 

Mulegarn    Nro.    i6o 

aus  indischer  Baum- 

wolle     .... 

3i,  3a,  3i,  33,  34 

3ar) 

Thibetanische    Zic- 

genwoUe     .    .     . 

i8,  i8,  i8,  17, 17 

i7> 

Inländische   dto.   • 

16,  17,  i8,  ao,  18 

ni 

Kamehlhaar       .     . 

16,  17,  18,  19,  18 

i7f 

Menschenhaar  .     • 

a5,  19,  a4,  ai,  aa 

aaf 

Einfache  Seidenfäden 

9,  10,    9,    8,  10 

9f 

Feiner    Niederländer 

X 

Battist  -  Flachs^  rein 

• 

ausgehechelt   •     . 

a,    a,    2,    a,    a 

=  ") 

*)   Die  Ursache  von  der  scheinbar  sehr   grofsen  Festiglieit  des 

feinen  Games  Hegt   in  dem    Umstände,    dafs  sich  während 

des  Versuches  die  einzelnen  Baumwollenfäden  aus  einander 

ziehen,   und  dafs   sich  mit  Genauiglieit   gar  nie    der  Augen- 

.  blick  angeben  läfst ,   in  welchem   der  Faden  abreifst. 

**)  Der  Grund  von  der  unbedeutenden  Festiglieit  des  Flachs- 
fadcns  liegt  in  seiner  geringen  Elasticität ,  durch  welche  ein 
sehr  zeitiges  Brechen  desselben  veranlafst  wird. 


w  * 


t  > 


VIL 
Über  Schrauben  und  ihre  Verfertigung. 

Von 

G.    A   l  t   m  ii    t  t    e   r, 

Professor    der  Technologie    am  lt.    Ic.    polytechhischen 

-  Institute» 


»■i*i 


Uie  Unentbehrlichkeit  der  Schrauben  in  den  me- 
chanischen Künsten^  wo  sie  zu  den  verschiedensten 
Zwecken  angewendet  werden^  mufs  Erörterungen 
über  dieselben^  vorzüglich  in  so  fem  sie  das  Prak- 
tische betreffen^  wünschenswerth  machen.  Yerge* 
bens  sucht  man  über  ihre  leichteste  und  sicherste 
Yerfertigungsart ,  über  die  verschiedenen  Gattungen 
derselben  y  über  Vorsichtsmafsregeln  ^  die  bei  ihrer 
Wahl  zu  beobachten  sind^  in  Druckschriften  unoe- 
ständliche  Aufklärung.  Der  praktische  Arbeiter  ist 
daher  häufig  zu  seinem  und  oit  zum  ffachtheile  der 
herzustellenden  Arbeit^  blofs  auf  Versuche  beschränkt, 
und  sehr  oft  wird  die  Ursache  der  UnvoUkommenheit 
des  Effektes^  die  eben  hier  zu  suchen  wäre^  nicht  ein«- 
mahl  geahnet.  Manches  zwar,  was  der  nachfolgende 
Aufsatz  liefern  wird,  ist  bereits  ein  Eigenthum  einzelner 
Werkstätten  ;  allein  hier  findet  man  es  mit  vielem  An« 
deru,  gar  nicht  bekannten,  in  eine»  der  wissenschafUi- 
eben  nahekommende  Form  zusammen  gestellt,  und  es 
dürfte  überhaupt  der  Mühewerth  seyn,  einmahl  die 
eigentlich  mechanischen  Gewerbe,  in  wissenschaftp 
lieber  Hinsicht  genauer  zu  untersuchen,  und  das, 
was  seit  Jahrhunderten  von  einzelnen  Arbeitern  er* 


3G4 

dacht  und  verbessert  wurde/ in  einer  zusammenhän- 
genden systematischen  Ordnung^  für  einen  künftigen 
vollkommenen  Lehrbegriff  der  mechanischen  Tech- 
nologie zu.  bearbeiten  ^  und  so  den  blofsen  Theore- 
tiker in  den  Stand  zu  setzen^  dem  Arbeiter  solche 
Angaben  zur  Ausführung  irgend  einer  Idee  zu  ma- 
chen ,  die  demselben  mit  seinen  ihm  von  der  Seite 
des  Gebrauches  und  der  Übung  bekannten  Mitteln 
erreichbar  sind. 

Da  die  Theorie  der  Schraube  sich  in  sehr  vielen 
mathematischen  Schriften  findet^  so  beifciehen  sich 
meine  Untersuchungen  fast  ausschliefsend  auf  das 
Praktische ,  von  welcher  Seite  auch  dermahlen  noch 
das  meiste  zu  wünschen  übrig' ist.  Eine^  so  viel  ich 
weifs  noch  neue^  Eintheilung  der  Schrauben  wird 
vorausgeschickt)  um  die  einzelnen  Arten  leichter 
übersehen ,  und  manches  Abweichende  bei  ihrer 
Hervorbringung  in  der  Folge  bemerken  zu  können; 
hierauf  folgt  die  Darstellung  der  Mittel ,  durch  wel- 
che sie  verfertiget  werden  können^  und  zwar  vorzugs- 
weise jene^  die  bisher  noch  nicht^  oder  nur  unvoil* 
ständig  beschrieben  worden  sind*  Die  Aufzählung 
der  Materialien^  welche  man  zu  Schrauben  in  ver- 
schiedenen Fällen  gebraucht^  und. sogar  manchmahl 
nothgedrnngen  wählen  mufs  ^  und  endlich  einige  Be- 
merkungen über  besondere^  von  den  gewöhnlichen 
abweichende  Arten  von  Schraubenmuttern  machen 
den  Beschlufs  des  Ganzen. 

u/.    tOer  die  verschiedenen  Arten  sfon  Schrauben. 

* 

Als  Eintheilnngsgrund  kann  hier  keine  blofs  zu- 
ftllige  und  unwesentliche  Beschaffenheit^  wie  etwa 
der  Durchmesser  der  Spindel^  oder  die  Stärke  der- 
selben dienen,  obwohl  auch  diese  in  vielen  Fällen 
wichtig  ist.  Ich  habe  daher  die  um  die  Spindel  ge- 
legten Gänge  und  ihre  Verschiedenheiten  zu  diesem 
Zwecke  gewählt,    die  auch  völlig  zum  vorgesetzten 


3ö5 

Zwecke  hinreichen  werden.  Die  Gänge  konpen  in 
vier  Rücksichten  betrachtet  werden;  hähmlich  in 
Rücksicht  auf  Form,  Richtung,  Stärke  oder  Fein- 
heit,  und  j^nzahl.  Nach  der  Untersuchung  dieser  cha- 
rakteristischen Abänderungen  wird  diesen  Abschnitt 
eine  kurze  Andeutung  schraubenähnlicher  Vorricb- 
tungen  beschliefsen^  denen  sowohl  ihr  Äufseres  als 
auch  ihr  von  dem  der  eigentlichen  Schrauben  sehr 
abweichender  Gebrauch  am  besten  diese  Stelle  an- 
weiset. 

Wenn  man  sich  die  Gänge ,  der  Verständlich- 
keit des  Folgenden  wegen  ^  immer  als  abgesonderte 
um  die  zylindrische  Spindel  gewundene  Streifen  vor^ 
stellt^  so  sipd  sie  nach  ihrer  Form^  entweder  ^cAar/^ 
oder  rund,  oder  aber  flach.  Ausdrücke  die  in  den 
Werkstätten  häufig  gehört  werden^  obwohl  für  die 
erste  und  letzte  Art  die  Benennung  dreikantig  und 
{vierkantig  bezeichnender  seyn  würde. 

Bei  scharfen  Schrauben  (Taf.  VI^  Fig.  7  )  sind 
.die  Gänge  dreieckige  und  liegen  mit  der  Grundfläche 
auf  der  Spindel  auf.  Damit  sie  aber  gehörig  hoch^ 
und  mitbin  die  zwischen  ihnen  befindlichen  Vertie- 
fungen so  stark  werden  e  dafs  in  die  letztern  die  hohen 
Gänge  der  Schraubenmutter  hinreichend  eingreifen^ 
und  einer  angebrachten  Gewalt  widerstehen  können^ 
niuunt  man  (Ten  Winkel  an  der  Schneide  des  Ganges 
immer  kleiner  als  die  beiden  an  der  Grundfläche. 
Die  gleichseitig  dreieckige  Form  der  Gänge  ist  also 
fiir  dauerhafte  Schrauben  nicht  brauchbar ^  denn  sie 
werden  zu  stumpf^  der  Eingriff  in  die  Mutter  zu  seicht^ 
diese  erweitert  sieb  bald,  und  wird  endlich  ganz  un- 
brauchbar. Obwohl  solche  scharfwinkelige  Gänge 
jene  sind,  die  man  bei  fleifsigen  Arbeiten  am  häufig- 
sten findet,  weil  man  nur  durch  sie  sehr  tiefe  Schrau- 
ben erhalten  kann,  so  versteht  sich  dieses  doch  nur 
für  kleinere  Schrauben.    Unanwendbar  sind  sie  dann, 


308 

Frage,  warum  fast  alle  SchneckcngehUuse  rechts   gc- 
v^unden,  und  die  linken  als  Seltenheiten  oder  Natur- 
spiele  zu   betrachten  sind.     Raum  dafs  die  Bemer- 
kung hieher  gehört,  dafs  dasUineindrehen  einer  ge- 
wöhnlichen Schraube  leichter  ist;  denn  beim  Heraus- 
drehen, was  doch  atich  oft  geschieht,  findet  wieder 
das    Gegenthcir  Statt.     Indessen    können  die  linken 
Schrauben  in  einigen  Fällen  höchst  vortheilhait  be- 
nützt werden.     Auf  ein,    mittelst  einer  Schraube  be- 
festigtes Arbeitsstücl;  wi^ke  eine  Kraft,  in  einer  Rich- 
tung, wodurch  die  Schraul^e  aufgedreht  wird.  Diese 
wird  daheic  unnütz,  und  man  mufs  eine  andere  mit 
verkehrten  Gängen  wählen ,    dip  nach  der  entgegen- 
gesetzten Richtung  Mch,  öATnep  (äf^t,    also  durch   den 
oben  verausgesetzten  Widerstand  vielmehr  zu-  als  auf- 
gedreht  wird.      Nahmentljch    kommt    diefs  bei   den 
Drehsliften  der  Uhrmacher  (Taf  IL  Fig.  a4,  25)vor, 
wo  >  die   aufgeschraubte  abzudrehende  Arbeit  durch 
das  Anhalten  des  Grabstichels  losgehen  würde,  wenn 
die  Schraube  nicht  eine  li^kc.,  i  dem  \yiderst9nd  ge- 
rade entgegen  wirkende,    und  sich  folglich  dadurch 
nur  noch  fester  schliefsende  wärp.    An  solchen  \yägcn^ 
wo   die  Räder  durch    vorgelegte    Schraubepmuttern. 
vor  dem  Herunterfallen   gesichert  sind,   müssen  die 
an  der  linken  Seite  des  Wagens   ebenfalls  linke  scyn. 
Ein  weniger  bekanntes  Beispiel,  Vodurchcine  Spin- 
del, die  halb  recht  und  halb  link  ist,  die  Haupttheile 
des  Werkzeuges  gleichzeitig  einander  genähert  oder 
entfernt  werden,  gibt  der  hölzerne  Zirkel  (Taf.  VI. 
Fig.  12).     Wenn  die  Spindel  ab  nach  der  .Richtung, 
welche  der  Pfeil  in  der  Mitte  derselben  anzeigt,    ge-; 
dreht  wird ,  so  nähert  sich  der  Schenkel  c  dem  Mi^* 
telpunkte,  weil  er  durch  die  Schraubenmutter  in  der 
Richtung  a  sich  bewegen  mufs ;  ^thut  dasscl^c^  aus  der 
gleichen  Ursache.     Die  Schnelligkeit,   womit,  dieses 
Instrument  genau  gestellt  werden  kann ,  macht  es  für 
viele  Arb\3itcn  sehr  empfehlungswerth.     Beiläufig  nur 
erinnere  ich,  dafs  die  Muttern   e  e  um  ihre  Achsen 


'  369 

Leweglich  seyn  müssen ,  weil  die  Spindel  sonst  nicht 
bei  jedfer  Öffnung  des  Zirkels  sich  in  ihnen  frei  dre- 
hen, und  so  die  heiden  Schenkel  führen  könnte. 

Die  Unterscheidang  der'  Schrauben  in  grobe  und 
feine  ist  nicht  eben  wichtig,  nnd  gründet  sich  dar- 
auf, dafs  von  'schwächern  Gängen  mehr  auf  einer 
bestimmten  Länge  der  Spindel  Platz  haben,  als  von 
stärkeren.  Man  sagt,  daher,  die  Schraube  habe  so 
viele  Gänge  auf  den  Zoll,  d.  h.  es  lassen  sich  auf  der 
Länge  eines  Zolles  z.  B.  60  derselben  zählen.  Bei 
starken  Prefsschrauben  beträgt'  die  Entfernung  einer 
Windiipg  von  der  andern  oft  einen  Zoll  und  darüber. 
Die  feinstieh  Schrauben  hingegen,  wie  die  bei  Mikro- 
meter -  Vorrichtungen,  habed  auf  den  Zoll  oft  70  bis 
do  derselben.  Hundert  bis  i!20  Gänge  aber  dürften 
das  Höchste  seyn ,  was  bisher  in  dieser  Art  geleistet 
worden  ist.  Dat^  für  die  jedes  Mahl  nöthige  Stärke 
def  Gänge'k.ein^  Regeln  gegeben  werden  können,  son- 
dern hier 'tJbung  und  Erfahrung  allein  leiten  müsse, 
lie^t  wohl  in  der  Natur  *  der  Sache.  Nur  wir(i'.  man 
flache  Gewinde  nie  schwach  machen  können,  weil 
dadurch  der  Zweck  derselben ,  nähmlich  die  Dauer- 
haftigkeit, verfehlt  vrarde»  Feine  Schrauben  aber 
werden  nöthig  seyn ,  wo  etwas  durch  sie  mit  Ge- 
nauigkeit gefimrt  werden  soll,  nnd  auch  dort,  wo 
die  Schraubenmutter  blofs  in  dünnes  Blech  gemacht 
werden  mufs ,  weil  man  nur  dann  auf  Festigkeit  rech- 
nen kann,  wenn  sich  in  der  Schraubenmutter  hin- 
reichend viele  Gewinde  befinden,  was  aber  im  vor- 
ausgesetzten Falle  nur  durch  die  Feinheit  derselben 
erreicht  werden  kann.  Z^u  sehr  feinen  Schrauben- 
spindeln endlich  mufs  immer  das  beste  und  dauer- 
hafteste Material  gewählt  werden ,  also  guter  Stahl 
oder  reines  Eisen,  weil  sich  ein  anderes  nicht  mit 
der  gehörigen  Schärfe  ausarbeiten  liefse. 

Die  Anzahl  der  Gänge  ( im  nachfolgenden  Sinne) 

l«hrk.  <L  pel/t.  Utt.  IV.  M.  ^^ 


37« 

• 

ist  für  die  AjiWf nc|uiig.¥Oft  giröfstpr  Wichtigkeit,  und 
wahrscheinlich   hiofs  cjefs^/^gen  ii|  allen  mathemati- 
sdien  und  teifhn^ff hen  f)Verken»  kaum  bloft  berührt, 
weil  sie  weniger  iheöretiscji,  sondern  fast  nur  prak- 
tisch ist.     D^r  Uqierschied  z^isphen  einer  gewöhnli- 
chen einfachen  und  einer  mehrgängigen  Schraube 
besteht  in  Folge^deEn•     Bei  der   ersieren   geht  der 
einzige  vorhaodenjG  ßchraubengang  in  einem   fort    so 
Yon  der  Grundfläche  l>is  an   das  Ende   der  Spindel, 
dafs  Windung  an  Windung  liegt,  upd  zwischen  zweiea 
derselben  nichts  mebjr  Pjiatz  hat,    als  die  den  erhöh- 
ten   Windungen    ^jLsprc^hend^iIi  Vertiefungen   für 
,  die  hohen  Tbeile  der  ^chraubönmuiter.     Man  denke 
sich  denselben  Z}[lind9r,  u;ßd,$ben  so  starke  Gänge, 
die  aber  um  die  Spindel  weii)^figer  gewunden  seyeo,  * 
als  das  erste  Mahl,    so  etw^,    dafs   dfe  Entfernung 
zweier  Windungen  drei  Ms^bl  so  grofs  wäre,    als  vor- 
hin.    Jetzt  wird  so  ^yiel  Platz  übrig  bleiben,  dafs  man 
zwischen  dieselben,  von  der  Grundfläche  der  Spindel 
an ,  noch  einen  zw^i^en  G.s^g  würde  hindurchführen, 
oder  auflegen  können*     Wird.  der.  ^rste  Gang  noch 
mehr  aus  einander  g^zogot)^^  werden  zwischen  zweien 
seiner    Windungen    2,.3i>'4   ^°d    mehrere    andere 
Gänge  Platz  finflen,j^di6,  v,an  der  Grundfläche  ausge- 
hend,, sich.neben.  einander  ii)  gjcicbei^  Entfernungen 
um  die  Spindel  winden. ,  I^^s  ^uQallende  dieser  Kon- 
struktion    vermindert    sich  übrigens,  sehr,    so  bald 
man  sie  blofs  theoretisi^h  bcitracht^t.,.  Es  ergibt  sic^ 
dann  leic^it,   idafs.  di^,  yermfhrte  Anzahl*  der.  Gange 
blofs  eine,  praktische  Zv\tha^,    das   eigentlich  Kar.ik- 
terische  al^er  das  starke  Steigen  de$  als  ursprünglich 
angenommenen  Ganges  ist,  wodurch  seine  Windun- 
gen so  weit  werden,  dafs* poch  mehrere,  in  gleichen 
Abstanden  auf  der  Spindel,  herumgelegt  werden  kon-' 
nen.     Auf  dem  Zylinder  (Taf.  VI.  Fig.^  i4)    denke 
man  sich  eine  mit  der  Achse  parallele  Leiste ,   die 
also    noch  keinen  Schraubengaiig   gibt;,    in  Fig.    i5, 
T^f«  VI  ist  sie  ett^as  geneigt,  in  Fig.  i6  aber  schon. 


37f 

fo  fttark^  dafii  sie  einen  förmlichen^ '  nber  sehr  stet* 
gendpn  (rang  bildet.  Endlich  sind  die  Windungen  in 
Fig.  17  so  enge^  dafs  sie  eine  gewöhnliche  einfache 
Schraube  bilden.  Diese  aber^  so  wie  jede  andere, 
kann  man  wieder  sehr  leicht  in  eif^e  doppelte  oder 
zweigängige  umwandeln^  wenn  man  »sich  die  Breite 
der  GBnge  ohne  ihre  Neigung  gegen  die  Achse 
zu  ändern ,  um  die  Hälfte  vermindert  denkt  ^.  wo  dann 
zwischen  ifaneu  noch  ein  anderer  Gang  eingelegt  wer* 
den  kann«  Aus  Fig.  iG  kann  aber  durch  Einlegen 
von  5  bis  6  neuen  Gängen  .eine  vollständige  Schraube 
gebildet  werden,  und  die  Ursache ,  warum  man  in 
der  Ausübung  wirklich  so  verfährt ,  ist.l^eine  andere, 
als  weil  der  einzige  schnell  steigende  Gang  zu  wenig 
Widerstand  leisten  könnte;  denn  die  Eigenthümlich« 
keiten  beim  Gebrauch  bleiben,  jenen  Umstand  ab« 
gerechnet,  dieselben ^  und  lassen  sich  durch  die 
starke  Neigung  des  einen  Ganges  gegen  die  Achse, 
oder  sein  starkes  Stcigep ,  vollkommen  erklären.  Die 
vorzüglichsten  Eigenschaften  mehrfacher  Schrauben, 
znit  den  gewöhnlichen  verglichen ,  sind  folgende : 
i)  Sie  taugen  nicht,  um  etwas  fest  zu  verschrauben, 
sondern  gehen  bei  geringem  Widerstände  freiwillig 
zurück,  ohne  dabei  auszubrechen ,  oder  die  Schrau« 
benmutter  zu  verderben.  3)*  Bei  einer  ganzen  Um«- 
drehung  tritt  eine  solche  Schraube  viel  weiter  aus  der 
Mutter  hervor,  und  beschreibt  einen  desto  längeren 
Weg,  je  mehr  ihre  Gänge  steigen.  3)  Sie  vertragen 
in  gewisser  Be/äehung,  ilähralich  in  Rücksicht  auf  die 
Festigkeit  des  Materials,  viel  mehr  Gewalt,  als  die  ein« 
fachen ;  eine  Beschädigung  der  Gänge  ist  also  bei  ih- 
nen, wenn  sie  zu  starken  Pressen  verwejidet  wer« 
den,  nicht  leicht  zu  besorgen.  Mehr  Kraft  aber, 
oder  eine  gröfsere  Geschwindigkeit  wird  durch  sie 
nibht  bezweckt,  und  sie  werden  daher  auch  ganz  so 
berechnet,  wie  einfache.  Zur  Erläuterung  jener  drei 
Eigenheiten  wird  eine  nochmahlige  Betrachtung  der 
Figuren  i4»  i^,  16  und  17  (Taf.  VI)  dienlich sejn« 

>4* 


37a 

Man  denke  sidi^^  d^r  Z^indev  Fig.  i4  passe  in  ein 
rundes^  in  eiiier  Platte '  befindlioip^s  Loch^  in  dem 
auch  für  die  -senllreoht^'  Leiste  ein  £in$chnitt  vor-» 
banden  ist ;  so  wird*  er  sich  in'demselben  ohne  Schwie* 
rigkeit^  ünd^'öhni^  sich  zu  drehen^  auf  und  nieder 
bewegen  lassetir  Fig. 'r5  al>er  unter  denselben  Um- 
standen wird' sich  äcfaon'^ etwas, .  Fig.  16,  noch  mehr 
um  seine  Achse  drehen y  und  zum  Auf*  und  Nie- 
derziehen des- letztern  ^chem  eine'lgroise  Gewalt  er- 
forderlich seyn.  ^  Je  stärker  die  'Windung  der  Leiste 
ist  (diesem als  deii  Schrdubengang,  die  l^latte  aber 
als  die  Mutter  betrflchte^)  y  desto  mehr  dteht  sich 
der  Zylinder,  desto  schwerer  wird  aber  auch  das 
Hin-  undHemehen/ündt^i  einer  förmlichen  Schraube^ 
wie  Fig.  17;  dereh' Gänge  Wenig  schräg  sind,  wird 
es,  ohne  sie' zu  verderben^  ('unmöglich,  'sondern  sie 
,mufs  absichtlich  und  1  mit  einer  Krafl  gedreht  wer- 
den, welche  hinreicht/  <die  'Reibung  zwischen  Spin- 
del und  Schraubenmutter  zu  überwinden.  Die  Rei- 
bung nimmt  zu,' wib  die  Windungen  cngeir  werden, 
im  entgegengesetzten 'Falle  abeV  ab.  Wenn  daher 
starksteigende  (mehrfaofae)  Schrauben'  auch  nicht 
dienen  um  etwa»  fest  tJa  halten ,  so'  braucht  man  sie 
doch,  wo  sie  entweder  durch  eine  geringe  Kraft,  oder 
gar  wie  beim  Pressen 'des  Papiers,  durch  die  Elasti- 
cität  des  eingcpref^ten  Gegenstandes-  von  selbst  wie- 
der zurück  geben, 'und  so  Zeit  und  Kraftaufwand  er- 
sparen sollen.  Da  solche  nur  wefiig  um  ihre  Achse  ge- 
drehte Schrauben  weit  *aus  der  Mütter  hervortreten,  so 
sind  sie  überall  sehr  nüizlich,*  wo  man  pfiit  einem  gerin- 
gen Theil  der  Kreisbewegung  sie  auf  eine  Unterlage  will 
drücken  lassen,  wie  ^z,  B.  bei  Buchdrucker-  und 
Knopfpressen,  Durchschnitten  u.  dgl.  'DenPrefsben- 

Sel  des  Buchdruckers  braucht ,  um  die  Schraube  aiif 
en  Satz  witken  zu  lassen,  noch  nicht  die  Hälfte 
eines  Kreises;  zu  beschreiben,  wogegen,  um  eine  ein- 
fache Schraube  eben  so   tief  zu  bringen^    3  bis  4 


373 

Sanze  Umdrehungexv  ifedlhig'  seyai  vüirden.  Um  auf 
lese  Art  Zeit  ku  spare«  >^'7i^äre  zwar  nur  ein  einziger 
stark  schiefer  Gang  auf  der  Spindel!  möthig,  dieübri* 
gen  noch  hinzu  gefügten,  jähere  vermehren  die  Dauer- 
haftigkeit der  Presse,  Weil  dann  diei  Last  nicht  mehr 
ganz  auf  den  einzigen  Gang  wirkt )  sondern  auf  alle^ 
nach  ihrer  Anzahl^  gleich  verthjsilt^'>dieselben  nicht 
so  leicht  beschädigen  oder  gar  (  vorzüglich  die  in  der 
Mutter)  wegbrechen  kann..  X)ieses  letzteren  Vorzu- 
ges wegen  findet/  man  sojche  Schrauben  <  auch  an 
Münz-^  ja  sogar  an.  eröfseren  Siegelprc^sen ,  deren 
Dauerhaftigkeit  sie. sehr  bedeutend  erhöhen. 

Hier  mag  nach  dieiBe^hreibdjatg  einiger .  bisher 
wenig  bekannten  Vorrichtungen  Platztfinden,.  bei  de- 
nen mehrfache  Schrauben  miiiüberraschendem  Er- 
folg aufgewendet  werden ,  und  nicht  leicht  durch  et- 
was Anderes- zu  ersetzen  wären»  »'. 

Taf.  VI.  Fig.*  i8  ist/ eine  kleine  sehr  bequeme 
Siegelpresse' abgebildet«  Die  Druckschraube  a,  für 
welche  durch  6'dieMuiterigcs«hnitten  ist,  hat  sechs 
Gänge  ^  und  steigt  so  beträdhüich^^dafs  schon  durch 
die  halbe  Umdrehung  das  mit  ilvr  .vetbundcne  Siegel 
ganz  auf  die  *  Unterlage  y  herabkömmu  Eine  bei  d 
in  dem  ( metallenen  ()i  Gestelle  festgemachte  stählerne 
Feder  wird  dadurch,  wgleich  gespannt^  und  treibt, 
sobald  man  die  Haod  vom  Griß^  der  Schraube  weg- 
zieht y  und  Alles ^ish '  selbst,  überläfst ,  die  Schraulie 
in  die  erste  Lage  wieder  auriMJc,  wodurch  ein  sehr 
schnelles  Siegeln  möglichi  wird.  Damit  das  Siegel 
wohl  mit  der  Schraube  zugleich  nieder  geht,  sich  aber 
dabei  nicht  drehen  kann,  so  i$t  es  an  ihr  nicht  unbewegt 
lieh  fest,  sondern  hat  einen,  röhrenförmigen  Ansatz, 
in  welchen  das  Ende  der  Schraube  gesteckt  wird. 
Beide  verbindet  die  Feder  so  miteinander,  wie  die 
^^g*  ^9f  1*^-  ^'  vergröfsert  zeigt.  Die  Feder  (alles 
von  oben  angesehen )  hat  in  ihrer  Breite  ein  rundes 


374 

Loch  a,  90  grofs^  dafs  der. Ansatz  des  Siegels  leicht 
durchgeht.  Mittelst  des  langen  Einschnittes  b  c  aber, 
fiir  welchen  zwei  ähnliche^,  an  beiden  Seiten  der 
Röhre  befindliche,  vorhanden  sind^  wird  sowohl  diese 
als  auch  die  unten  mit  einer  eingedrehten  Nuth  ver- 
sehene  Schraube,  mit  der  Feder  verbunden ,  und 
die  Schraube  dreht  sich  jetzt  wohl  in  dem  Einschnitte 
b  c,  das  Siegel  aber  wird  von  demselben  festgehalten, 
und  an  der  Uivdrehung  verhindert.  —  Eine  wenig 
steigende  einfache  Schraube  müfste ,  um  nach  f  zu 
kommen  y  mehrmabl  mit  Zeitverlust  ganz  herumge- 
dreht, um  gehörig  zu  'widerstehen^  weit  stärker  ge- 
macht werden,  und  würde  sich  endlich  durch  aie 
blofse  Feder  nicht  wieder  in  die  Höhe  treiben  lassen. 

Noch  sonderbarer  ist  die  Wirkung  des  starken 
Steigens  der  Schraubenwindungen  bei  dem  .auf  Taf. 
YL  Fig.  30  gezeichneten  Bohrer^  der^  weil  beim 
Gebrauch  desselben  nichts  weiter  nöthig  ist^  als  ein 
senkrechter  Druck  auf  den  Kopf  desselben,  überall 
anwendbar  ist^  wo  aus  Mangel  an  Raum^  mit  dem 
Drehbogen ,  und  den  sonst  üblichen  Bohrvorrichtun- 
gen nicht  zuzukommen  ist.  Das  Äufsere  desselben 
ist  von  Holz ,  und  nur  bei  a  eine  messingene  Kappe 
aufgeschraubt^  durch  deren  runde  Öffnung  der  zy- 
lindrische Theil  der  Bohrspindel  frei  sich  bewegen 
kann.  Die  letztere  (in  welche  die  Bohrspitze  h  ge- 
steckt ist)  endet  sich  in  eine  stark  steigende  dop- 
pelte Schraube.  Sie  wird  auf  eine  ganz  einfache  Art, 
und  blofs^  dadurch  verfertigt,  dafs  man  das  obere 
Ende  der  Bohrspindel  flach  ausschmiedet,  und  diesen 
Theil  im  glühenden  Zustande  so, dreht,  dafs  die  ge- 
hörige Schrauben  Windung  erfolgt,  und  die  beiden 
schmalen  Kanten  der  geschmiedeten  Schiene  die  dop- 
pelten Gänge  bilden ,  wie  Fig.  aa ,  Taf.  VI  zwischen 
ab  im  gröfseren  Mafsstabe  zu  sehen  ist.  Für  diese 
Söhraube  ist  bei/",  Fig.  ao ,  Taf.  VI  eine  eben  so 
einlache^  und  Fig.  aij  Taf  VI  besonders  gezeichnete 


Mutier  in  die  hcikerne  R^^e  »eingeUssen ,.  die^  aus 
einer  eisernen ,  mit  zwei,  ^insc^initten  versehenen 
Platte  besteht^  worein  die  zr^ei  SdUraabengänge  pas- 
sen^ und  sich  in  ihr^  wie;  i^  einer  r9jcdentlichen  Mut- 
ter^ bewegen  können.  Auf  dem*  obern  Ende  der  Spin- 
del liegt  bei  c  ein  zylindrisches  IJdessing^ tückchen  frei 
und  so^  dafs  es  sieb 'in  der  hQlzQrncn  Röhr^  leichthin 
und  wieder  schieben  läfsjt.  ^  dient  vblofs  zum  Stütz- 
punkte der  Spiralfeder ^r^f^  die  oben , an  dem  Gehäuse 
des  Bohrers  ansteht^  Ujfi  W(irkung  dieses  artigen^ 
yon  unsern  Klaviermachern  bereif  angewendeten  In- 
strumentes wird  sich  jetzt  bald  ergeben.  Hat  man 
die  Bohrspitze  dort^  wo  sie  wirken  soll>  aufgesetzt, 
und  drückt  man  den,  Kopf  e  des  Bohrers  senkrecht 
nieder,  so  folgt  hothwendtg  die  ganze  hölzerne  Röhre 
dieser  Richtung;  die  Spiralfeder  r^ird  zusammenge- 
drückt ,  die  Schraubenmuti^e^  ß  geht  ebenfalls  abwärts, 
und  dreht  mithin  die  an  dfsr  Spindel  befindliche  dop- 
pelte Schraube,  wodurch  die  Bohrspitze  ebenfalls 
gedreht  wird,  und, das.  Loch  zu  bilden  anfängt.  Läfst 
man  mit  dem  Drucke  nach  ^  so -breitet  sich  die  Spi- 
ralfeder aus,  die  fiuhrerhül,s&  wird, von  ihr  gehoben, 
und  duröh  die  mitgehende  Mutter  bei/*  die  Spindel 
wieder,  aber  in  entgegengesetzter,  Richtung,  urn^e^ 
dreht.  Der  nächste  Druck  bringt  wieder  die  erste 
Bewegung  hervor,  \in4  das  'Spiel  idauert  so  lange, 
als  ijnan  diese  ab wechseliüde^  Bewegung  veranlafst,  und 
durch  sie  der  Bohrspitz^  diej  vor- ^nd  rückwärts  ge^ 
hende,  sehneil  drehende  Bewegung  crtheilt.  Dafs 
man  aber  mittelst  dieses  lo^trpmentes  nur  kleine  und 
solche  Löcher .  werde  erhalten  können ,  die  keiner 
bedeutenden  Kraftanwendung  bedürfen,  erhellt  aus 
der  Betrilchtung,  dafs  beim  Zurückgehen  der  äufsev 
reu  Hülse  .blofs  die  Spiralfeder  thätig  ist ,  und  sie 
einen  zu  grofsen  Widerstand  nicht  überwinden  könnte, 
also  unter  solchen  Umständen  der  Bohrer  beim  Auf- 
wärtsgehen der  Hülse  stecken  bleiben  würde^ 


Ferner  ^ehßrt  hierher  eine  .An  von  Hohbohrern, 
die  jetzt  in  den  englischen  Werkzeuglabriken  unter 
dem  Nahmen  screw  augers  verfertigt  v^erden,  und 
auch  den  inländischeo  Zimmerleuten ,  durch  die 
mit  dem  Fabriksprodukten  •  Kabinette  verbundene 
Werkzeugsammluog  bekaant  und  schätzbar  geworden 
sind.  Den  wirksamen  Theil  eines  solchen  Bohrers 
stellt  Figur  a^ ,  Taf.  VI  vor.  Die  grof:»en  Windun- 
gen bestehen  aus  einer  flachen  Stahlschiene ,  die  so 
wie  die  vorher  beschriebene  Bohrspindel  schrauben- 
förmig zusammen  gedreht  ist.  Die  unterste  senk*- 
rechte  Kan(e  ein,es  jedi^n  Ganges ,  von  denen  in  der 
Zeichnung  nur  die  eine,  d  e,  sichtbar  seyn  kann ,  -  ist 
etw^s  breiter  ausgetrieben ,  und  zugeschärft.  *  Die 
iitfsersten  wagrechten  Enden  der  Gänge  aber^  c  d, 
sind  ebenfalls  scharf,  und  verlieren  sich  in  eine 
eigentliche  doppelte  Schraube  f,  mit  sehr  dünnen 
Gängen,  nach  Art  der  Holzschrauben  (Fig.  ii^Taf.Yl). 
Wenii  dieser  Bohrer  auigesetzt,  und  langsam  umge- 
dreht wird,  so  greift  zuerst  die  «inea  kleinem  Boh- 
rer bildende  Zugschraube  /  an ,  dringt  der  schneidi- 
Sen  Gänge  wegen  sehr  leicht  ein ,  und  dient  während 
er  ganzen  Arbeit  zur  Führung  der  .  eigentlichen 
Schneiden.  Von  diesen  letztem  schneidet  die  .erste 
C££.  horizontal,  die  andere  aber  de  wirkt  im  innern 
Umfange  des  Loches,  und  macht  dasselbe  zylindrisch; 
Da  die  Späne  an  den  Ausgängen  der  zwei  Schrauben- 
windungen  entstehen,  so  bleiben  sie  nicht  nur  in 
denselben,  sondern  schrauben  sich  an  ihneil  in  die 
Höhe,  und  kommen,  wenn  auch  das  Loch  6  Zoll 
tief  gemacht  wird.,  von  selbst  oben  heraus.  Der 
Bohrer  füllt  sich  daher  nie  mit  Spänen  so  an,  dafs 
seinp  Wirkung  unterbrochen,  und  es  nöthig  würde, 
ihn  von  Zeit  zu  Zeit  heraus  zu  ziehen ,  und  zu  rei- 
nigen« Allein  noch  ein  anderer  Umstand  macht 
dieses  Werkzeug,  jedoch  nur  dann  noch  empfehlungs- 
vrerther,  wenn  es  so  gebraucht  wird,  dafs  es  die 
Holzfasern    quer    durchschneidet,    also   durch   ein 


377 

Brei  oder  ^inen  Balken ,  aber  nicht  m  der  Richtung 
der  Länge  derselben^  bohrt.  •  Hier  ist  selbst  bei  dem 
stärksten  Bohrer ,  und  einem  zwei  Zoll  weiten  Loche 
fast  gar  kein  senkrechter  Druck  auf  deüselben  nöthig, 
weil  die  Führungsschraube  y*  ihn  Isieht^  die  Schnei- 
den aber  nur  langsam  uAd  im  Verhältnisse  des  Zuges 
angreifen.  Soll  aber  das  Loch  mit  den  Holzfasern 
parallel  laufend  werden,  so-  reifsen  die  durch  die 
Schraub^  /  im  Holze  •  gebildeten  Gänge  aus,  der 
Bohrer  mufs,  um  zu  schhidfden,  'Stark  niedergedrückt 
•werden,  utid  wirkt  in  dieseili,^  freilich  sehr  selten  vor- 
kommenden, Falle  nitht'  so  gut;  wie  im  vorigen. 


•I 


Mehrfache  Schrauben,  undzwar  rechte  und  linke, 
auch*  bei  einer  Art  englischer  Patent- Kork- 
zieher vor,  deren  Beschreibung  ich  defswegen  hier 
weglasse,  weil  eine  solche  schob  in  mehreren,  auch 
deutschen,  Büchern,  unW  andern*  im  »Magazin  aller 
neuen  Erfindungen ,  von  Baumgärtner ^ «  3ter  Band, 
Seite  36,  gegeben  ist  « "^ 

Aufser  den  im  Vorigen  aufgeführten  Arten  von 
Schrauben  liefsen  sich  noch  mehrere '  Ab  weichun- 
gen aufzählen ,  die  aber ,  da  sie  mehr  an  schrauben* 
ähnlichen  Vorrichtungen  als  an  Schrauben  im  enge^ 
ren  Sinne  vorkommen,  hier  biofs  berührt  zu  werden 
brauchen.  So  sind  oft  die  blofsen  Schraubenwindun- 
gen ohne  Spindel  vorhanden.  Schon  die  eben  vor- 
gekommencn  Bohrer  gehören  streng  genommen  hier- 
er,  Aufserdem  aber  auch  jede  Korkzieher,  dieblofa 
einen  nach  der  Schraubenlinie  ^gewundenen  sogenann- 
ten Wurm  haben,  der  ganz  frei,  ohne  Spindel,  aber 
so  gehärtet  ist,  dafs  er  die  letztere  entbehren  kann. 
Etwas  ganz  Ähnliches  sind  auch  die  einfachen  und 
doppelten  Kueelzieher  der  Schiefsgewehre,  Auch  be^ 
dient  man  sich  bei  manchen  Argandischen  Lampen, 
eines  schraubenförmig  gewimdenen  Drahtes^  auf  wel- 


378 

chem  ein  Messingstuckchen  kluft,  zum  Auf  <-  und  Nie- 
derachieben  des  Dochtes. 

Die  Windungen  an  ein  und  derselben  Spindel 
sind  auch  nicht  immer  von  gleichem  Durchmesser, 
und  hierher  gehören  jene ,  die  gegen  das  Ende  su 
verjüngt. sind  ^  und  konische  Schrauben  darstellen.  Zu 
diesen  kann  man  die  meisten  Holzschrauben  rechnen, 
die^  des  leichtern  Eindringens  wegen,  an  der  Spitze 
dünner  gemacht  v^erden.  Auch  das ,  zum  Aufschrau- 
ben von  abzudrehenden  Holzstücken,  Taf.  I.  Fig*  1 7  vor- 
gestellte Futter  mufs  den  eigentlichen  Holzschrauben 
zugezählt  werden.  Den  gewöhnlichen  Holzbohrern 
gebührt  hier  ebenfalls  eine  Stelle.  Die  angreifende 
Spitze  derselben  besteht  aus  zwei  groben  und  schar- 
fen Schrauben  Windungen,  von  welchen  >  die  obere 
sibh  bald  zu  einer  hohlen  messerförmigen  Schneide 
erweitert,  welche  eigentlich  das  Holz  wegschneidet, 
während  jene  blofs  zur  Führung  dient.  In  weitester 
Bedeutung  werden  endlich  auch  noch  die  Schnecken 
in  den  Uhren  und  an  Bratenwendern  zu  nennen  seyn, 
deren  Bestimmung  und  Verfertigungsart  aber  von  der 
der  eigentlichen  Schrauben  so  sehr  abweicht,  dafs 
eine  nähere  Untersuchung  über  dieselben  hier  am  un« 
rechten  Orte  seyn  würde. 

B.    Über  die  Verfertigung  der  Schrauben. 

Die  Wichtigkeit  der  Schrauben,  d^r  Umstand, 
dafs  von  ihrer  Güte  sehr  ofl  das  Gelingen  irgend 
eines  mechanischen  Entwurfes  ganz  abhängt,  und 
ihre  im  vorigen  auseinandergesetzte  Verschiedenheit, 
haben  die  Verfertigung  komplicirt  und  mühsam  ge- 
macht, so,  dafs  sie  nach  Gestalt,  Gröfse,  Genauig- 
keit, Anwendungsart  u.  s.  w.  immer  durch  andere 
Mittel  hervorgebracht  werden  müssen.  Indessen  las- 
sen sich  diese  unter  folgende  Hauptrubriken  bringen. 
Es  können  nähmlich  Schrauben  durch  blofse  PFerk- 
zeuge  ^  oder  auf  Drehbänken  von  verschiedener  Ein« 


^79 

richtung^  dann  durch  etgenth&mliche ,  bloft  zu  die- 
sem Zwecke  bestimmte  Maschinen,  und  endlich 
auch^  obwohl  nur  sehen ,  aus  freier  Hand  verfer- 
tigt werden; 

Was  die  Bearbeitungsart  mittelst  der  Werkzeuge 
betrifft,  so  müssen  stählerne^  eiserne  und  messingene 
Schrauben  von  den  hölzernen  getrennt ^  und  in  zwei 
Klassen  abgesondert,  behandelt  werden,  da  die 
Werkzeuge  /u  beiden  sehr  verschieden  sincL 

Für  die  erste  Klasse,  der  aus  härteren  Metallen^ 
anzufertigenden,  sind  die  Schraubenbleche  die  ein- 
fachste Vorrichtung,  aber  nur  brauchbar  für  kleinere, 
blofs  scharf-  oder  rundgängige,  und  solche  die  zur 
Verbindung  und  zum  Zusammenhalten  einzelner  Theile 
bestimmt,  die  gröfste  Genauigkeit  nicht  nothwendig 
haben.  Ein  Scbraubenblech  ist  eine  gehärtete  stäh- 
lerne Platte,  in  welcher  sich  mehrere  mit  Schrauben- 
gängen versehene  Löcher  hefmden.  Wird  in  eines 
derselben  die  vorher  durch  Feilen  oder  Abdrehen 
genau  rund  zugerichtete  Spindel  hineingedreht,  so 
drücken  sich  die  hohen  Windungen  desselben  in  die 
gli»ite  Spindel  ein,  und  es  entsteht  die  verlangte. 
Schraube.  Allein  sehr  scharfe  und,  tiefe  Gänge  sind 
nie  zu  erhaltefl,  weil  das  Metall  zwischen  den  Gän- 
gen eigentlich  nicht  heraus  geschnitten,  sondern  blofs 
zusammen  geprefst  wird.  Um  aber  doch  das  *  Mög« 
liebste  zu  thun,  haben  alle  solche  Bleche  oder 
Schneideisen  für  ein  und  dieselbe  Spindel,  zwei, 
auch  wohl  vier  Löcher,  wovon  die  folgenden'  immer 
um  etwas  weniges  enger  sind.  Durch  allmähliches 
Ausschneiden  in  allen  diesen  Löchern  erhält  man  die 
Gänge  von  ziemlicher  Schärfe.  Wollte  man  dieses 
aber  sogleich  durch  das  engste  Loch  erzwingen ,  so 
würde  die  Schraube  abbrechen  und  in  demselben  so 
stecken  bleiben ,  dafs  sie  oft  gar  nicht  mehr  heraus 
zu  bringen  wäre^  oder  es  könnte  auch  wohl  durch 


38o 

den  zu  großen  Widerstand  das  Schoeideiseii  selbst 
ausspringen ,  und  zum  Theil  verdorben  werden.  Beide 
unangenehmen  Zufälle  ereignen  sich  bei  Mangel  an 
Vorsicht  und  etwas  stärkern  Schrauben  nur  zu  oft. 
Um  Schraubenmuttern  zu  verfertigen^  bedient  man 
sich  sowohl  hier  als  auch  bei  den  Kluppen,  von  de- 
nen in  der  FoTge  mehr  vorkömmt,  der  Schrauben- 
bohrer. Wenn  man  mittelst  irger  ^  einem  Loche 
des  Schneideeisens  eine  stählerne  Spindel  anfertigt^ 
und  sie  gehörig  härtet,  so  kann  man  mit  ihr  in  ein 
anderes  metallenes  Siück,  in  welchem'  vorher  ein 
etwas  kleineres  Loch  gebohrt  wurde,  die  Schrauben- 
mutter schneiden',  in  welche  wieder  die,,  tiiit  *deo| 
nähmlichen  Loche  des  Schneideisens  verfertigte  Spin- 
del passen  wird.  Die  Bohrer  werden  gern ,  des  all- 
mählichen Angreif ens  wegen,  konisch  gemacht,  und 
mit  Kerben  versehen,  wovon  aifch  nocl^  das  Nöthige 
gesagt  werden  wird. —  Der  Einfachheit  und  leichten 
Handhabung  wegen  sind  die  Schraubenbleche  bei 
kleineren  Arbeiten  ziemlich  allgemein  eingeführt. 
Grpfs-  und  Kleinuhrmacher,  Schlosser,  Büchsen- 
macher u.  dgl.  bedienen  sich  ihrer  sehr  häufig.  Von 
Uhrmachern  v/erden  vorzugsweise  die  von  Las^ousL 
in  Ge/}/*  verfertigten  gesucht ,  welche  in  versi^hi^er 
neu  Gröfsen  mit  numerirt^n  Löchern ,  die  bei  glei- 
cher Bezeichnung  auf  allen  auch  vollkommen  gleich 
sind,  verkauft  werden. 

\? 
3raiioht  man  genaue  Schrauben,  oder  stärkece, 
etwa  über  j-  Z^oll  dicke ;  sollen  sie  lang ,  vollkommen 
rein  ausgeschnitten,  oder 'aber  mit  flachen  Gewin« 
den  verseben  seyn :  so  kann  man  die  Kluppen  nicht 
wohl  entbehren,  durch  welche  das  blosse  Zusammen- 
drücken des  Metalles  vermieden,  und  ein  eigentli- 
ches Herausschneiden  bewirkt  werden  soll.  Die  Theile 
einer  solchen- ^ind  das  Gestelle  (fast  immer  von  Ei- 
sen und  nur  selten  von  Messing),  welches  auch  vor- 
zugsweise die  Kluppe  heifst;    dann  die  so  genannten 


38i 

Backen^  halbrund  ausgeschnittene  und  in  den  Aus* 
schnitten  mit  Schraubengängen  versehene  gehärtete^ 
immer  p«iarweise  vorhandene  Stahlstücke ,  end- 
lich eine  oder  ziyei  Stellschrauben^  wodurch  dieBak- 
ken  einander  beim  Portschreiten  der  Arbeit '  allmäh- 
lieh  genähert  veerden  können.  Eine  Kluppe  der  ge- 
wöhnlichsten Art  zeigt  Figur  i^  Taf.  VII.  Hier  ist  aa 
das  Gestelle,  6 o  sind  die  Backen,  welche,  wenn  die 
Stellschraube^  weit  genug  zurück  gedreht  ist,  durch 
die  Erweiterung  bei  e  leicht  herausgenommen  werden 
können ,  und  in  die  Kluppe  auf  eine  eigene  Art   ein- 

Seschoben  sind.  Die  Stellschraube  hat  bei  f  einen 
urch löcherten  Kopf,  in  welchen  ein  als  Hebel  wir-« 
kender  Stift  eingesteckt,  durch  ihn  die  Schraube 
gedreht,  und  die  Backen  gegen  das  zu  schneidende 
Stück  geprefst  werden  können.  Endlich  bezeichnet 
gh  die  zum  Drehen  der  Kluppe  dienlichen  Hand- 
griffe. Eine  nähere  Betrachtung  verdient  das  Ein- 
schieben der  Backen,  welches  so  geschehen  mufs, 
dafs  diese  einander  wohl  genähert  werden ,  sonst  aber 
keine  Seiten-  oder  schwankende  Bewegung  haben 
können.  Die  verschiedenen  Methoden  zu  diesem 
Zwecke  lassen  sich  am  leichtesten  darstellen ,  wenn 
die  Kluppe  (Fig.  i,  Taf  VII)  im  Querdurchschnitte 
nach  der  Linie  iA:*gezeichnet  wird.  Die  beste  und 
gewöhnlichste  Art  des  Einschiebens  zeigt  Fig.  a, 
Taf.  VII,  wo  a  a  die  in  der  ersten  Figur  mit  Im  be- 
zeichneten Seitenwände  der  Kluppe  sind.  Sie  wer- 
den nach  einem  spitzigen  Winkel  abgeschrägt.  Nach 
dieser  Neigung  werden  auch  die  Backen ,  aber  ver- 
tieft, an  den  äufsern  schmalen  Seiten  eingeschnitten^ 
und  lassen  sich  daher  auf  jenen  zwei  spitzwinkeligen 
Kanten  hin  und  her  schieben,  ohne  sich,  wenn  alles 
fleifsig  gearbeitet  ist,  seitwärts  zu  verrücken.  Die 
Figuren  3,  4  ^^^  S>  T^^^*  ^U  zeigen  andere,  aber 
weniger  zu  empfehlende  Arten  des  Einlcigens.  Bei 
Fig.  o  ist  Gefahr,  dafs  die  kleinen  Ansätze  der  Bak- 
ken  6  beim  Gebraudi  ausbrechen.    Die  in  Fig.  4  ^er- 


38a 

» 

tiefte  Nmh  bt^  wenn  die  Kluppe^  yne  es  eigentlich 
der  Festigkeit  wegen  seyn  soll ,  aus  dem  Ganzen  ge- 
arbeitet  wird ,  nie  genau  zu  verfertigen ,  da  sie  blofs 
mit  dem  Meifsel  ausgehauen  werden  raüfste.  —  Man 
wird  bereits  bemerkt  haben,  dafs  be*  le  Backen  einer 
in  der  Mitte  zerschnittenen  Schraubenmutter  verffli- 
oben  werden  können ,  und  dafs  an  den  Kanten  des 
Schnittes  die  einzelnen  Gänge  eben  so  viele  Schnei- 
den oder  Zähne  bilden,  welche,  wenn  man  sie  mit-' 
telst  der  Stellschraube  gegen  die  zu  bearbeitende  Spin- 
del prefst,  und  die  Kluppe  ^  den  Handgriffen  dreht^  das 
Metall  angreifen,  und  die  Schraube  durch  eigentli«- 
ches  Herausschn^den ,  und  nicht  durch  blofses  Zu- 
sammendrücken hervor  bringen.  Was  hier  eigentlich 
wirk}r^  sind  also  die  Kanten  der  Gänge  an  jedem  Bak- 
ken,  oder  die  Linien  ab  und  c^  in  der  5ten  Figur 
auf  Taf  YII ,  welche  eine  oder  die  andere  zum  An- 
griff kommen,  je  nachdem  die  Kluppe  nach  einer 
oder  der  andern  Richtung  um  die  Spindel  gedreht 
wird.  Um  die  Backen  noch  schärfer  zu  machen,  und 
zugleich  .den  weggeschnittenen  Spänen  einen  Ausweg 
zu  verschaffen ,  gibt  man  jedem  Backen  am  Grunde 
einen  Ausschnitt,  Fig.  5,  Taf.  VII,  ef.  Noch  mehr 
angreifend  kann  man  sie  machen,  wenn  man  auch 
neben  den  Gewinden  gerade  Rinnen  einfeilt,'Taf.  YII. 
Fig.'6  aUy  und  aufserdem  den  Einschnitt  am  Grund« 
Ä  schräg  erweitert,  oder  endlich  ihn,  wie  die  punk- 
tirten  Linien  derselben  Figur  zeigen ,  so  sehr  vergras^ 
sert,  dafs  .von  den  Gewinden  fast  nichts  als  blofse 
Zähne  stehen  bleiben.  Diesen  letztern  aber  bleibt, 
hei  so  starken  Ausschnitten,  so  wenig  Festigkeit  dafs 
sie  leicht  ausbrechen  und  zu  Grunde  gehen.  Es  ist 
jene^  Fig.  6  verzeichnete  Bildung  der  Backen  tlemnach 
nur  dann  zu  rechtfertigen,  wenn,  wie  hei  den  Holz- 
'  schrauben ,  Tai.  VI,  Fig.  1 1 ,  sehr  viel  Metall  wegge- 
schaflPk  werden  soll.  —  Beim  Gebrauch  spannt  man 
die  zu  schneidende  Spindel  (  am  häufigsten  in  einen 
Schraubstock )  fest  ein ,  setzt  attf  ihr  oberstes  Ende 


383 

die  Xluppe,  oder  eigentlich  die  Öffnung  der  Backen^ 
an,  und  dreht ^  wenn  die  Stellschraube  mäfsig  ange- 
zogen worHen  ist,  das  Werkzeug  an  den  Handgriffien 
um  die  Spindel.  Nach  und  nach  müssen  während 
der  Arbeit  die  Backen  mittelst  der  SteUschrauhe  ein- . 
ander  langsam  genähert  werden  y  bis  die  Spindel  rein 
ausgeschnitten  ist.  Die  ganze  Operation  fordert  aber 
einen  genauen  und  geschickten  Arbeiter,  und  Vor- 
sieh tsmafsregeluy  deren  nur  einige  hier  Platz  finden 
können.  Das  Innere  der  Backen  mufs  zu  eisernen; 
odcR'  stählernen  Schrauben  mitOfal^  zu  messingenen 
mit  einer  Mischung  aus  Fett  und  Wachs,  reichlich 
versehen  werden ,  wodurch  man  die  Arbeit  erleich- 
tert, und  die  Backen  schont.  Läfst  man  diese,  durch 
starkes  Anziehen  der  Stellschraube,  zu  heftig  angrei- 
fen^ so  kömmt  man  in  Gefahr,  dafs  sie  ausspringen, 
oder  dafs  wenigstens  die  zu  verfertigende  Spindel, 
wenn  sie  lang  und  dünn  wird,  sich  krümmt,  wefs- 
halb  sie  oft  ganz  verworfen  werden  mufs.  Wenn  die 
Spindel  ganz  rein  ausgeschnitten  ist,  aber  zu  dick 
wäre ,  so  mufs  man  sie  nicht  etwa  dünner  schneiden 
woUep,  weil  dann  «oft  mehrere  Gänge  weggerissen 
werden,  sondern  mau  befeilt  sie,  oder  dreht  sie  ab, 
und  schneidet  sie  dann  erst  nach.  Da  die  Griffe  da- 
zu dienen,  um  eine  gröfsere  Gewalt  ausüben  zu  kön- 
nen, so  müssen  sie,  besonders  für  dicke  Schrauben, 
lang  seyn  (  bei  solchen  über  einen  Zoll  im  Durch- 
messer 3  bis  6  Fufs),  und  es  wird  oft  noth wendig, 
zur  Umdrehung  der  Kluppe  mehrere  Personen  zu- 
gleich anzustellen.  Die  jederzeit  stählernen  Backen 
müssen  gehärtet,  aber,  um  das  Ausbrechen  mög- 
lichst zu  verhindern,  wieder  bis  zur  gelben  Farbe 
nachgelassen  seyn.  Über  ihre  Verfertigung  wird  spä- 
ter noch  etwas  gesagt  werden. 

Diese  am  häufigsten  vorkommende  Einrichtung 
der  Kluppen  hat*  zwei  bedeutende  UnvoUkommenhei- 
teo.     Die  Stellschraube  g  Fig.  i ,  Taf.  VII^  oder  — 


384 

wenn  der  Griff  hj  wie  es  oft  vorkömmt^  eine  zweite, 
gatiz  gleiche  ist  «—  beide,  gehen  durch  das  gewalt- 
same Umdrehen  nicht  selten  auf,  und  die  Arbeit 
wird  dadurch  sehr  verzögert.  Die  Sielischrauben, 
aufweiche  aller  Widerstand  der  Backen  fällt,  werden 
endlich  auch  loeker,  ihre  Muttern  reiben  sich  aus, 
und  die  Kluppe. Verliert  an  f Brauchbarkeit  sehr  be- 
deutend. Ein  anderervNaditheil  fmdet  bei  der  Art 
Statt,  wie  die  Backen  eingeschoben  werden.  Wenn 
zwölf  und  mehrere  Paare  d^rselbeneingepafst  werden 
sollen,  so  werden  durch  das  gewaltsame  Hineinpro- 
biren  die  Wände  der  Kluppe,  Vorauf  sie  sich  schie- 
ben müssen,  abgenützt,  und  die  zuerst  verfertigten 
scbliefsexi  dann  nicht  mehr  so  gut  an ,  als  die  letztem, 
erhalten  Spielraum  nach  der  Seite,  welcher^  da  nan 
nicht  mehr  in  beiden  Bficken  genau  Gang  auf  Gang 
treffen  kann,  dufserst  nachlheilig  isl.  Auch  beim 
fortwährenden  Gebrauch  findet  eine  solche  Abnützung, 
endlich  Statt.  Indessen  ist  diese  zweite,  die  Art  des 
Einschiebens  betreflende,  UnvoUkommenheit  weniger 
bedeutend,  weil  man  bald  neue  Backen  anfertigen, 
und  sie  so  genau  als  es  nöthig  ist,  einpassen  kann. 

Es  ist  also  vorzüglich  wichtig,  den  Stellschrau- 
ben einen  Platz  anzuweisen ,  wo  sie  nicht  mehr  als 
Handgriffe  dienen.  Zu  diesem  Ende  gibt  man  der 
Kluppe  die  Taf.  ¥!!>  Fig.  7  abgebildete  Form.  Die 
Stellschraube  a  geht  von  der  Seite  hinein ,  und  die 
Griffe  zum  Umdrehen,  b  c,  sind  mit  dem  Gestelle  aus 
deqfi  Ganzen  gearbeitet;  alle$  Obrige  aber  ist  wie  bei 
der  vorhergehenden  gemeinen  Kluppe.  Fig.  8,  Taf.VU 
zeigt  eme  andere,  ebenfalls  mit  abgesonderter  Stell- 
schraube; sie  fallt  aber,  der  verschobenen  Form  we- 
gen, nicht  so  gut  in  das  Auge. 

# 

Aber  auch  dem  oben  angedeuteten  zweiten  Feh- 
ler hat  man  abzuhelfen  versucht,    und  zwar   durch 
Kluppen  mit  Deckplatten,  die,   ebenfalls  mit  fe«- 


38S 

sten  HandgriiTen  versehen  /  so  kölistrnirt  sind ,  dafü 
die  Backen  nickt  eingeschoben'^  sondern  bloFs  einge» 
legt  y  und  gegen  dus  Herausfallen  durch  eine  vorge» 
legte  Platte  gesichert  werden.  Fig.  ii,  Taf.  VH 
stellt  eine  gemeine  englische  Kluppe  dieser  Art  Vor» 
Das  Hauptstück  derselbc^X  ist^  'naq^^'den  punktiileb 
Linien  ^  ganz  diirchbrocfien  ^  und  hat  'daher  eine'  viäl-*- 
eckige  öfihung^  iti  welche  die^'Backen^  die  hier  gans 
gerade  Seitei^wände  hiib^ii,^  hlofs ^hinein  gelegt^  und 
mit  der  Stellschraube  einander'genäh^rt.  werden  kön- 
nen. Damit  sie  aber  nicht  heraus  fallen  »der-wan^ 
li^h,  ist  die  Öffnung^  in  der  sie  liegen,  durch  zwei 
Pldtlen  gedeckt.  Die  untere,  cc,  Fig.  12,  Taf.  VII, 
ist' auf  die  Kloppe  fest  genietet ^  dici. obere  aber,  bb^  ' 
derselben  Figur,  Mit  4'  Schrauben  aäaa,  Figj'  ii, 
Taf.  Vn,  mit  dem  Gestelle  verbui^den.  Die  Grifie'Äc 
sind  mit  diesem  aus  einem  Stucke,  so  wie  auch  ^bei 
den  zw^ei  folgenden  Arten.  Die  obere  und  untere 
Platte  haben  runde  Löcher,  Fig.  12,  Taf.  VII  mn, 
utai  die  zu  sclineidende  Spindel  durchzubringen.  Zwi^ 
schfen  beiden  PlflTten  können  die  Backeh  mittelst'  dbr' 
Stellschraube  so  einander  genähert  werden,  als  Welkte 
sie  nach  der  gemeinen  Art  eingeschoben  wären. 

r 

Die  Unbecjuernlichken ,  dafs  man ,  um  die  Bak^ 
ken  von  Spanen  zfr  reinigen,  oder  um  neue  cinzfde*' 
gdii',  die  obere  Platte  mit  Zeitverlust  los'schrft^ibea 
jiilif^,  wird  bei  eiher  andern  ( Taf.  VII,  Fig.  9  und  10) 
glücklich  "vermieden.  Auch  hrer  'ist  das  Ge^teUe 
dul^cbfbrodhen ,'  wit  die  puhktirten  Lfnieü  f  g  zeigen* 
Aliein  die  langem  *Wärlde  dii^ser  Öffnung  5in4>  wie 
Fig.  10  deutlidh  zu  sehen'  ist,  abgeschräjgt,  so  dafs 
unteh  ,'^uhj  das  Durchfallen  der  nach  derselben  Fbitn 
gebildeten  Backen  zu  verhindern,  keine  besondere 
Platte  nöthig  ist,  sondern  die  keilförmig  eingelegten 
Backen  nur  von  ^ben '  gedeckt*  ^u  v^erden  braucheq. 
Die  Deckplatte  bb,  Ftg.  9  und  10^  wird  bloft  ^rca 
swei  Scihraubett  angedrückt.     Sie  hat  zwei  runde  Lo* 

Jahrk.   4««  paljt.  las«.  lY.  B4.  ^5 


386 

eher  cc,  Flg.  9,  sogrofs,  dafs  die  Kopfe  der  Schrau- 
ben leicht  durch  sie.  -durchgehen.  Werden  diese 
nachgelassen^  und  verschiebt  man  die  Platte  in  der 
Richtung  des  Pfeiles^  so  läfst  sie  sich  abheben^  in- 
dem jetzt  die  grofsen  Lochet  den  Durchgang  der 
Schraubenköpfe  gestalten,  und  dann  die  Backen 
herausgenommen  und  wieder  eingelegt  werden  kun- 
toem  Die  Deckplatte  mufs  ebenfalls  eine  gröfsere 
Öffnung  z  haben,  um  die  Spindeln  zwischen  die 
Backen  bringen  zu  können. 

An  diese  Kluppen  reihet  sich  die,  mit  einem  Scbie* 
her  versehene  5  Taf.  VIl,  Fig.  «3  und  i4  an.  Der 
letzterer  ist  in  eine  schräge  Nuth  der  Kluppe  tvjc/2(affl 
besten  in  Fig.  i4  zu  sehen)  keilförmig  eingeschoben, 
und  hält  die>  wie  bei  Fiji;  9  und  10  eingelegten ^ak- 
ken  ebenfalls  so  fest,  dafs  sie  sich  blofs  durch  die 
Stellschrauben  a  a  einander  nähern  lassen  ,  sonst  aber 
nach  oben  oder  unten  keineswegs  von  der  gehörigen 
Richtung  abweichen  können.  Der  Srbieber  mufs, 
*wie  die  Platten  in  den  zwei  vorigen  Beispielen,  mit 
«iner  gröfseren  runden  Öffnung  versehen,  seyn. 

'  Bei  allen  drei  Arten  aber,  wenn  sie  auch  noch 
50  genau  verfertigt  sind,  kommicn  zwischen  die  Platte 
und  die  Backen  die  beim  Schneiden  entstehenden 
Späne;  es  findet  eine  grüfsere  Reibung,  und  end- 
lich Beschädigung  der  Theile  Statt,  und  die  Backen 
kommen  aus  ihrer  genauen  Lage.  In  Rücksiebt  der 
Dauerhaftigkeit  ist  ihnen  daher  für  starke  Schrauben 
immer  die  (Fig.  7  Taf.  VII)  dargestellte  Art  vorzu- 
ziehen, so  wie  anderseits,  in  Hinsicht  auf  Genauig- 
keit für  sehr  feine  Schrauben,  die  so  genannten  Gbar- 
nierkluppen  ebenfalls  besser  und  sicherer  sind. 

Die  Backen  werden  bei  diesen  letztern  nicht  pa^ 
rallel  gegen  einander  geschoben ;  sondern  die  Klappt 
9elbst  besteht  aus  zwei  Uaupttheilen ,    deren  jeder 


X' 


einen  Backen  enthält^  und  die  einander  mittekt  de« 
Gbarniers  oder  Gewindes,  von  dessen  fleifsiger  Bear« 
l>eitung  die  Güte  des  ganzen  Werkzeuges  nbbängt, 
langsam  genäiiert  werden  können.  Das  Charnier  d 
(  Fig.  i5,Tai.  YII)  ist  dem  eines  Zirkels  ^bnlich^  und 
durch  dasselbe  lassen  sich  die  Tbeiie  a  und  b  nähern, 
Mrenn  die  unbeweglich  eingelegten  Backen  cc  tiefer 
in  die  Spindel  einschneiden  sollen.  Bei  ee  wird  die* 
se«  Werkzeug  wie  eine  Zange  mit  der  Hpnd  gefafst 
und  zusammen  gedrückt.  Die  Backen  sind  länger 
als  sonst  gewöhnlich,  es  geht  daher  an  ,  in  dem  nähm-> 
liehen  Paare  mehrere  verschiedene  Gewinde  anzo* 
bringen,  und  eines  davon  nach  Belieben  zu  gebrau* 
eben.  Damit  durch  die  bc^im  Sqhneiden  angewen^* 
dete  Gewalt  kein  Verrücken  derXheile  a  und  6  nach 
der  Seite  Statt  finde  ^  ist  auf  jeder  Fläche  von  6  eine 
eiserne-  Schiene  x  fest  genietet,  zwischen  welche  a 
genau  pafst,  und  daher  ohne  ausweichen  zu  können, 
dem  Theile  b  sich  nähern  läfst. 

Die  Kluppe  Fig.  i6,  Taf.  YII,  hat  lange  Hand- 
griffe, ein  so  genanntes  eingestemmtes  Charnier  d^ 
und  eine  besondere  Vorrichtung  zum  Zusammenpres- 
sen der  beiden  Ilaupttheile  c  und  e*  Es  dient  hie-* 
zu  nähmlich  die  um  a  bewegliche  Klammer  oder  Stu« 
del ,  durch  welche  oben  die  auf  das  Ende  des  Thei- 
los  c  drückende  Stellschraube  b  geht.  Fig.  in  zeigt, 
uiit  gleichen  Buchstaben  bezeichnet,  die  Studel  von 
vorn  angesehen,  und  macht  ihre  Wirkung  gans 
deutlich. 

Fig,  i8,  Taf.  VII  ist  noch  eine  Charnierkluppe, 
mit  einem  einzigen  hölzernen  Handgritf.oder  Heft  y^ 
und  der  Hauptsache  nach  von  den  zwei  vorigen  nicht 
sehr  verschieden;  denn  sie  hat  zwei  mittelst  des 
Charniers  c  verbundene  Haupttheile  a  und  6,  und 
ebenfalls  die  Studel  d.  Nur  ist  die  Schraube  e  eine 
neue  sehr  nützliche  Zuthat.     In  der   Lage,   wie  m 

a5* 


388 

jeut  steht ^  ist  ein  weiteres  Zusammengehen  der 
Theile  a  b  nicht  mehr  möglich  j  und  '^  ist  daher  ia 
jenen  Fällen  sehr  gut^  wo  man  viele  Schrauben  von 
ganz  gleicher  £)icke  verlangt^  weil,  wenn  diese 
Schraube  einmahl  für  die  verlangte  Dimension  ge- 
stellt ist 9  keine  Spindel  dicker  und  keine  dünner  aus- 
fallen kann.  Die  Buchstaben  xx  bezeichnen  Ver- 
tiefungen in  der  Kluppe  y  durch  welche  es  möglich 
wird^  die  Backen^  wenn  sie  sich  zu  festleingeklemmt 
haben  ^  mittelst  eines  spitzigen  Instrumentes  wieder 
heraus  tu  stofsen.  Man  hat  sie  zu  diesem  Zweck  be- 
sonders in  allen  Charnierkluppen  ^  und  auch  sogar 
oft  an  den  gewöhnlichen.  Die  Charnierkluppen  über- 
haupt gehören  y  besonders  für  sehr  feine  Schrauben, 
unter  die  allerbesten ,  weil ,  wenn  das  Charnier  ,^nt 
gearbeitet  ist,  ein  Wanken  der  Backen. nie  Statt  fin- 
den kann.  Mit  Unrecht  aber  würde  man  sie  für  sehr 
starke^  oder  für  flachgängige  Schrauben,  die  unter 
allen  zum  Schneiden  die  gröfste  Gewalt  brauchen, 
anwenden  wollen,  denn  hier  würde  das  Charnier 
zu  bald  nachgeben,  und  für  solche  ist,  die  Fig.  7; 
Taf  YII  gezeichnete  Kluppe  ohne  Zweifel  die  vor- 
züglichste. 

Den  Kluppen  mufs  auch  noch  eine  zur  fabriks- 
niäfsigen  Bereitung  der  ordinären  Holzschrauben  be- 
stimmte Vorrichtung ,  die  auf  Schnelligkeit  und  Be- 
quemlichkeit berechnet  ist,  aber  nicht  auf  die,  hier 
weniger  nothwendige  Genauigkeit,  zugezählt  werden. 
Ihr  Unterschei(lendes  besteht  darin,  dafs  das  eigent- 
liche^ die  Backen  enthaltende  Gestelle  senkrecht  imd 
fest  steht,  während  die  zu  verfertigende  Spindel  wag- 
recht liegt^  und  durch  Umdrehung  einer  Kurbel  in 
die  Backen  gefuhrt  und  ausgeschnitten  wird.  Das 
Ganze  zeigt  die  Abbildung  Fig.  la  und  i3,  Taf.  VIII. 
Es  ist  ab  eine  vierkantige  Eisenstange^  die  beim  Ge- 
hrauch in  den  Schraubstock  gespannt  wird.  Siie  trägt 
erstens  zwei  Stützen  c  d ,  und  dann  auch  die  Kluppe  e, 


Ton  folgender  Einrichtung.  la  dieser  liegen  xwei 
Paar  Backen ,  wovon  jenes^  was  man  eben  braucht^ 
oben  gelegt  wird  y  wo  aber  dann  der  Mittelpunkt  der 
Backen  mit 'der  Achse  der  runden  Stange  rr  zusam- 
men treffen  mufs.  Bei  einigen  gemeinen  Kluppen  fin- 
det man  ebenfalls  mehrere  Backenpaare  zugleich  ein^ 
geschoben  ^  allein  die  Seitenwände  des  Gestelle«  fal* 
len  dann  so  lang  aus^  dafs  sie  leicht  sich  biegen,  wefs-- 
halb  man  jetzt  diese  Einrichtung  nur  noch  selten  an- 
trifft. Die  Kluppe  e  selbst  ist  nicht  aus  dem  Ganzen 
gearbeitet^  sondern  ihr  oberes  Querstück  hat  ein 
Charnier  m  (  Fig.  i3,  Taf,  VIII)  an  einer,  und 
eine  Schraube  n  an  der  andern  Seite,  wodurch  es 
während  der  Arbeit  niedergehalten  wird.  Da  dieses 
Stück  sich  au&chlagen  läfst,  so  kann  man  die  Backen 
sehr  leicht  herausnehmen,  und  erspart  die  sonst  nö- 
thige  Erweiterung  e  (Fig.  i\  Taf.  VII).  Die  Stell- 
schraube trägt  eine  Kurbel  o  (Fig.  ii  und  i3, 
Taf.  VIII).  Die  rund  zugerichtete  auszuschneidende 
Spindel  wird  in  die  Zange  p  fest  eingespannt,  und 
diese  sammt  der  ganzen  Achse  rr  .nittclst  einer  zwei- 
ten Kurbel  x,  vorwärts  und  in  die  Öffnung  der  Backen 
hinein  gedreht.  Zugleich  werden  bei  fortschreiten- 
der Arbeit  mittelst  der  Kurbel  o  die  Backen  einander 
genähert ,  und  die  Schraube  ist  in  kurzer  Zeit  vollen- 
det. Der  Hauptfehler  dieser,  übrigens  zu  gemeinen 
Holzschrauben  hinreichenden,  Methode  ist  der,  dafs 
man  mittelst  der  Zange  nur  selten  eine  Schraube  wird 
rund,  und  so  einspannen  können,  dafs  sie  mit  rr  in 
derselben  Achse  zu  liegen  kommt.  Diese  Vorrich- 
tung leidet  auch  noch  Abänderungen ,  z.  B.  das  An- 
bringen auf  einem  festen  Werktische  u.  s.  w.,  die 
aber  zu  unbedeutend  sind,  um  hier  eine  Stelle  zu 
verdienen. 

Wir  kommen  jetzt  auf  die,  zur  Verfertigung  der 
Muttern,  ja  selbst  der  Backen  uneiitbehrlicbenSchrau« 
benbohrer.   Wenn  eine  harte  stählerne  Schraube  mit 


390 

Gewalt  in  ein  Loch  eingedreht  wird^  so  werden  ioi 
Innern  desselben  wohl  Gänge  entstehen  ,  aber  natup 
lieh  durch  blofses  Eindrücken.  Um  also  scharfe 
Gänge  in  der  Mutter  zu  erhalten ,  ist  es  nötbig,  die 
Bohrer  so  einzurichten^  dafs  sie  allmählich  angreifen^ 
und  so  viel  möglich  wirklich  schneiden.  Man  macht 
sie  daher  fast  immer  konisch ,  oder  gegen  die  Spiize 
zu  dünner;  man  hat  ferner^  besonders  fiir  genaue 
Arbeiten  sogar  zwei  derselben ,  einen  zürn  Vor- detf 
andern  zum  Ausschneiden ,  beide  also  von  etwas  ver- 
schiedener Dicke  ;  und  endlich  sind  sie  so  eingerich' 
tet^  dafs  sie^  so  wie  die  Backen,  eine  Art  von  Zäh- 
nen erhalten.  Das  letztere  bewirkt  man  durch  Ein^ 
schnitte  mit  der  Feile,  die,  etwa  vier  an  der  Zahl, 
der  ganzen  Länge  des  Bohrers  nach  herunter  gehen, 
nnd  so  geformt  werden ,  dafs  die  durch  sie  entste- 
hende spitzigere  Kante  nach  jener  Seite  gekehrt  ist, 
wa  der  Bohrer  eigentlich  angreift.  Fig.  19,  Taf^Vtt 
i^t  a  a  ein  solcher  gerader  Einschnitt,  B  aber  stellt 
den  Durchschnitt  des  Bohrers^  und  die  Lage  der 
durch  die  vier  Kerben  entstandenen  Zähne  dar.  Will 
jnan  fiir  die  nähmliche  Mutter  zwei  Bohrer  nehmen, 
so  wird  der  erste,  dünnere,  nicht  nur  konisch  ge-* 
macht,  sondern  auch  vierkantig,  und  so  zugefeilt, 
dafs  nur  vier  Zahnreihen  auf  ihm  stehen  bleiben,  v?ie 
Flg.  20,  Taf.  VII  Jy  und  im  Durchschnitt  gesehen  Ä 
Diese  Zähne  werden  noch  schärfer^  wenn  man  die 
vier  Flächen,  wie  die  punktirten  Linien  in  B  zeigen,^ 
hohl  «usschleift.  Gute  Bohrer  haben  ober  den  eigent« 
heben  Gewinden  auch  noch  einen  dünneren  Hals, 
Fig.  19  und  ao,  Tat  VII  bby  damit  man  mit  dem 
eigentlichen  Gewinde  durch  ein  Loch  ganz  durch* 
whneiden  könne;  alle  aber  bedürfen  eines  flachen 
oder  viereckigen  Kopfes  c  in  beiden  obigen  Figuren, 
woran  man  sie  fassen ,  und  mit  der  nöthigen  Gewalt 
drehen  kann.  Kleinere  spannt  man  blofs  in  einen  Feil- 
kloben ein ,  zu  gröfsern  aber  bedient  man  sich  des 
Windeisens^  eines  langen  eisernen  Hebels,  welcher 


39« 

in  der  Mitte  ein  Loch  hat ,  in  welches  der  Kopf  des, 
Bohrers  genau  pafst^  und  womit  man  den  letztem 
herumführt.  Will  man  übrigens  nur  einen  einzigen 
Bohrer  anwenden,  so  mufs  er  ziemlich  lang  und  stark 
konisch  seyn,  denn  ein  ganz  zylindrischer  bricht^ 
wenn  das  einzuschneidende  Loch,  wie  es  seyn  soll, 
um  die  Tiefe  der  Gänge  kleiner  gemacht  wird ,  fast 
immer  in  demselben  ab,  und  ist  oft  nie  mehr  heraus 
zu  bringen.  Die  Bohrer  werden,  wenn  sie  gehörig  rund* 
gerichtet  sind,  so  wie  jede  andere  Schraube  geschnit* 
ten,  dann  aber  mit  den  Kerben,  oder  mit  den  vier 
Flächen  versehen.  Sie  müssen  immer  von  Stahl  seyn, 
und  werden  zuletzt  gehärtet,  und  wieder  bis  zurget 
bea  Farbe  nachgelassen. 

Die  Backen  werden  zwar  auch  wie  eine 
Schraubenmutter  verfertigt,  aber  dennoch  mit  eini- 
ger Abweichung,  die  hier  angegeben  werden  mufs^ 
Beide  Backen  werden  gehörig  in  die  Kluppe  ein:^ 
gepafst,  und  dann  mit  halbrunden  Einschnitten  von 
hinreichender  Gröfse  versehen.  Zum  Einschneie 
den  der  Gänge  in  diese  mufs  man  sich  aber  durch- 
aus eines  runden  Bohrers  bedienen,  denn  ein  vier^ 
kantiger  ist  dazu  nicht  brauchbar,  weil,  sobald 
zwei  seiner  Flächen  mit  denen  der  Backen  parallel 
zu  stehen  kommen,  die  letztern  zusammengehen,  die 
Ecken  des  Bohrers  an  ihren  Kanten  sich  sperren,  die 
ganze  Arbeit  stockt,  und  ein  ferneres  Umdrehen  der 
Kluppe  nicht  mehr  möglich  ist.  Da  auch  die  gera« 
den  Kerben  runder  Bohrer  (Fig.  19,  Taf.  VII  aa) 
roanchmahl  in  die  Kanten  der  Backen  einfallen ,  sa 
macht  man  sie  oft  spiralförmig,  aber  so  ,  dafs  sie  der 
Richtung  der  Gänge  entgegen  laufen  (Taf.  VI,  Fig. 
28,  o) ;  eine  Vorsicht,  die  zwar  nicht  eben  unentbehr* 
lieh ,  doch  aber  unter  manchen  Umständen  von  Nut* 
zen  ist.  Zur  Verfertigung  eines  Backenpaares  reicht 
übrigens  ein  einziger  runder  Bohrer ,  ja  sogar  weRn 
er  ganz  zylindrisch  ist ,   vollkommen  hin ,   weil  maa 


393 

hier  deü  Vorthell  hat;  die  Backen  mittelst  der  Stell- 
schraube allmählich  zu  nähern,  und  so  tief  zu  schnei* 
den  j  als  man  will,  wogegen  eine  eigentliche  Mutter 
auf  ein  Mahl  ganz  fertig  gemacht  werden  mufs,  und 
durch  Verengern  der  Öffnung  nicht  mehr  nachzu- 
schneiden ist. 

So  kann  man  also,  wenn  man  den  Bohter  hat, 
die  Backen ,  und  mit  diesen  wieder  den  erstem  wech- 
selweise verfertigen.  Wie  aber ,  wenn  eine  Schraube 
verlangt-wird ,  wozu  man  weder  Backen  noch  Bohrer 
aufzutreiben  weifs,  z.  B.  eine  flache  dreifache  Schraube 
von  bestimmter  Gangweite ,  oder  eine  sehr  feine  Mi- 
krometerschraube ?  Für  die  letztere  können  in  vielen 
Fällen  die  Schraubenschneid -Maschinen,  die  weiter 
unten  folgen,  angewendet  werden;  zu  den  ersten 
kann  man,  und  auch  zu  fast  allen  überhaupt,  die 
Spindel  oder  den  Bohrer  aus  freier  Hand  mittelst  der 
Feile  verfertigen«  Ich  kenne  zu  diesem  Behufe  zwei 
Verfahrungsarten«  Die  eine,  blofs  für  gröbere  Gänge 
anwendbare,  besteht  darin,  dafs  man  sich  nach  der 
in  mehreren  mathematischen  und  technischen  Schrif- 
ten auseinander  gesetzten  Art,  Weite  und  Neigung 
der  Qänge  auf  t^apier  zeichnet,  und  dieses  um  die 
zu  verfertigende  Spindel  leimt«  N^ch  den  gezeich- 
neten Linien  schneidet  man  dann  mit  einer  Messer- 
feile das  Papier  so  durch,  dafs  die  Richtung  der 
Windungen  auch  auf  der  Spindel  eingeschnitten  wird. 
Nach  Maf^gabe  derselben  wird  an  den  gehöri- 
gen Stellen  mit  passenden  Feilen  das  Metall  wegge- 
nommen, und,  obwohl  mit  ziemlicher  Mühe,  die  ver- 
langte Schraube  vollendet.  Eine  zweite,  für  feine 
Schrauben  geeignete  Methode  besteht  darin,  dafs 
man  um  die  Spindel  Draht  windet,  und  zwar  von 
einer  solchen  Dicke,  dafs  die  Anzahl  seiner  Windun- 
gen auf  einen  Zoll  der  Anzahl  der  verlangten  Gänge 
gleich  kommt.  Zwi^hen  dem  Draht  wird  dann  mit 
l^iner  sehr  fcharfwinkeligen  Feile,  die  durch  denselben 


393 

^is  auf  die  Spindel  dringt ,  die  Schraubenlinie  ange- 
deutet^ und  endlich  aus  freier  Hand  noch  vollkom- 
tnen  ausgefeilt.  Leichter  noch  geht  die  Arbeit^  wenn 
D¥aD  statt  der  runden  Spindel  eine  vierkantige  nimml^ 
sie  ebenfalls  mit  Draht  umgibt  ^  und  dann  beim  lang- 
samen Abwinden  desselben  an  ^ jeder  der  nach  und 
nach  entblöfsten  Kamen  mit  der  Feile  die  Zähne  ein- 
streicht. Um  mittelst  eines  solchen  Bohrers  eine 
Mutter  zu  schneiden  ^  braucht  man  nur  eine  geringe 
Länge  desselben  zu  bearbeiten^i  una  um  die  unver- 
meidliche Ungleichheit  d^r  Zähne  oder  Gänge  zu  ver- 
bessern,  schneidet  man  ihn  in  eine  Suhlplatte^  härtet 
diese  9  verfertigt  mit  derselben  einen  zweiten  Bohrer^ 
dem  man^  wo  es  nöthig  ist,  durch  tieferes  Einfei- 
len nachhilft,  vVodurcb  sich,  wenn  dieses  Verfahren 
mit  geübter  Hand  einige  Mahle  wiederhohlt  wird^ 
jene  Fehler  von  selbst  ausgleichen. 

Durch  eine ,  auf  den  ersten  Anblick  Jböchst  auf- 
fallende Manipulation  kann  man  sich,  wenn  man 
blofs  rechte  Bohrer  oder  rechte  Backen  hat,  die  lin- 
ken von  gleicher  Gangweite  und  Steigung  verschaf- 
fen. Zur  Erklärung  dieser  Verfahrungsweise  dienen 
die  Figuren  a6  und  27  auf  Taf.  VL  Der  Bohrer  mufs 
vierkantig  seyn ,  und  also  vier  Reihen  Zähne  besitzen. 
Dann  richtet  man  in  einer  gewöhnlichen  Kluppe  zwei 
Backen,  aber  nur  von  Messing  vor.  In  den  gröfsern 
(Fig.  26  afb  g)  wird  ein  Loch  gebohrt,  und  mit 
dem  Bohrer  wie  sonst  ein  rechtes  Gewinde  in  dem- 
selben eingeschnitten.  Dann  feilt  man  von  diesem 
Messingstiick  so  viel  weg,  dafs  es  die  Gestalt  abec 
bekommt.  Der  Bohrer  /.  wird  wieder  eingeschraubt, 
so  dafs  eine  seiner  Kanten  über  die  Fläche  des  Bak- 
kons  in  der  Mitte  des  Loches  hervorsteht.  Er  mufs 
hierbei  so  fest  eingedreht  werden,  dafs  ersieh  durch 
eine  sehr  grofse  Gewnlt  nicht  verrücken  oder  her- 
ausschrauben läfst,  und  diefd  erreicht  man  am  besten 
durch   starkes  Verkeilen    der   Öffnungen  h  u     Der 


394 

Zweite  Backen  4  bekommt  blofs  einen  ziemlich  seich- 
ten halbrunden  Einschnitt^  ohne  alle  Gänge.  Ist  die 
links  zu  schneidende  Spindel  n  in  den  Schraubstock 
eingespannt  worden,  so  ^ird  auf  ihr  oberstes  Ende 
wie  sonst  die  Kluppe  aufgesetzt.  Man  dreht  sie,  aber 
verkehrt,  und  drückt  dabei  zugleich  mäfsig  nach  un- 
ten. So  behandelt,  erhält  n  bald  linke  Gewinde, 
welche  sofort  in,  die  Aushöhlung  des  zweiten  BacEen  d 
einschneiden,  dort  sich  ihre  Mutter  bildeu^  die  beim 
Fortschreiten  der  «Arbeit  zur  Führung  dient^  und  ein 
ferneres  Abwärtsdrücken  der  Kluppe  entbehrlich 
macht.  Offenbar  veranlafst  die  Entstehung  des  linken 
Gewindes  der  anfängliche  unterwärts  gehende  Druck, 
verbunden  mit  der  verkehrten  Umdrehung  der  Spin- 
del. Denn,  obwohl  der  Bohrer,  von  dem  nur  die 
eine  gezahnte  Kante  wirkt,  ein  rechter  ist^  so  ist 
das,  was  ihn  als  einen  solchen  charakterisirt  ^  nähm- 
lich  das  rechts  Aufsteigen  der  Gänge,  hier  defshalb 
von  keinem  bedeutenden  Einflüsse,  weil  von  den 
letztern  nichts  mehr  tforig  ist,  als  blofse  Zähne,  de- 
ren schiefe  Stellung  nach  der  einen  oder  andern  Seite 
kaum  bemerkbar,  und  noch  weniger  von  Wirkung 
ist,  sobald  sie  durch  das  anfängliche  Abwärtsdrückea 
der  Kluppe  kompensirt  worden  ist.  —  Ein  Gegen- 
stüqk  zu  diesem  ist  das  folgende  Verfa^hren.  Von 
zwei  rechten  stählernen  Backen  legt  man  nur  einen 
(Fig.  37^  Taf.  VI  a)  in  die  Kluppe,  an  der  Stelle 
des  zweiten  aber  einen  messingenen  b ,  mit  dem  blos- 
sen halbrunden  Ausschnitte.  Wird  die  so  vorgerich- 
tete Kluppe  wie  vorher  gedreht  und  abwärts  gedrückt, 
so  entsteht  auch  hier  ein  linkes  Gewinde,  und  im 
messingenen  Backen  sehr  bald  die  Führung  für  das- 
selbe, wahrscheinlich,  weil  blofs  die  äufserst^  Kante 
s  des  stählernen  Backens  zum  Angriff  kommt,  und 
als  eine  Zahnreihe  zu  betrachten  ist,  welche  durch 
die  Richtung  der  Drehung  und  des  Druckes  links 
schneidet,  und  mithin  so  wirkt,  wie  die  des  rechten 
Bohrers  nach  der  Flg.  26  dargestellten  Lage  dessel« 


393 

hen.  Beide  Methoden  habe  ich  seihst  versucht  y  und 
mit  etwas  Übung  und  Geduld  vollkommen  ausführbar 
befunden. 

Eiserne  gröfsere  Schrauben^  blofs  zum  Eindre- 
hen in  Holz  bestimmt^  können  schnell,  aber  ziemlich 
unvollkommen,    und  nur  zur  Noth,    mittelst   .eines 
Gesenkes  erhalten  werden.     Di^  Gesenke  der  Eisen* 
arbeiter  können  überhaupt  als  zweiiheilige  Formen 
angesehen  werden,  in  deren  untern  Theil  ein,   vor- 
her beiläufig  zurecht  geschmiedetes  Eisenstück  gelegt, 
das  obere  daraufgesetzt,  und  durch  die  auf  dasselbe 
angebrachten  Hammerschläge  das  stark  glühende,  und 
daher  weiche  Eisen  gezwungen  wird ,    sich  nach  den 
ausgehöhlten  Vertiefungen  in  beiden  Tbeilen  allmäh-*^ 
lieh  zu  bilden.     Auch    das    zur  Hervorbringung  der 
Schraubengähge  auf  einer  geschmiedeten  Spindel  he« 
stimmte  Gesenk  (Taf.  VII,  Fig.  35,  36)   besteht  aus 
zwei  Tbeilen ,    die  aber  mittelst   eines  Gewindes,  c^ 
Fig.  35 ,  mit  einander  vereinigt  sind.  Die  Gestalt  der 
Schraube  ist  in  beiden  Stücken  zur  Hälfte  und   ver- 
tieft vorhanden.     Das  Ganze  wird  durch  den  Ansatz 
e  in  den  Ambofs,  oder  sonst  unbeweglich  fest  gelegt. 
Wenn  das  Stück  a  mittelst  des  Gewindes  c  aufgeho* 
ben  worden  ist,  kann  man^die  glühende  und  erweichte, 
in  die    Schmiedezange  eingeklemmte  Spindel  in  die 
Schraubenform  heia:  einlegen,  und  das  Stück  a  wie- 
der niederlassen.     Auf  den    Kopf  desselben  d  wird 
mit  dem  Hammer  geschlagen,   n|ich  jedem  Schlage 
aber  die  Spindel  .ein  wenig  gedreht,  um  sie  auf  allen 
Seiten  mit  der  Form  in  Berührung  zu  bringen,   bis 
sie,   durch   Wiederhohlung  dieser  Handgriffe,   voll- 
kommen sich  in  dieselbe  gefügt  hat.   Die  36ste  Figur 
zeigt  perspektivisch  den  untern  Theil  besonders,   oo 
aber   ist  in  beiden  Figuren  ein  starker  Zapfen,  wel- 
cher mit  b  aus  einem  Stücke,    in  eine  Krinne  des 
Obertheils  a  pafst,  und  verhindert,  daTs  dieses  durch 
die  heftigen  Schläge  zur  Seite  ausweicht.     Genauig- 


396 

keit  und  Schärfe  der  Gänge  darf  man  hier  nicht  er- 
Mrarten ,  und  fast  iqimer  wird  man ,  um  solche  Schrau- 
ben nur  einiger  Mafsen  brauchen  zu  können^  mit  der 
Feile  nachhelfen  müssen. 

Die  Bearbeitung  hölzerner  Schrauben  und  ihrer 
Muttern ,  so  vreit  sie  mit  blofsin  Werkzeugen  vorge- 
,  nommen  wird,  weicht  von  der  vorigen  beträchtlich, 
und  zwar  vorzüglich  darin  ab,  dafs  bei  den  hölzer- 
nen ein  Zusammendrücken  des  Materials,  wie  es  zum 
Theil  selbst  bei  den  mit  der  Kluppe  geschnittenen 
metallenen  in  einigem  Grade  geschieht,  v^egen  der 
Struktur  des  Holzes  gar  nicht  möglich  ist,  sondern 
die  erhöhten  Gänge  durchaus  durch  eigentliches  Weg- 
schneiden von  Spänen  gebildet  werden  müssen  Eine 
den  Schraubenblechen  entsprechende  Vorrichtung 
ist  also  hier  kauni  denkbar,  sondern  man  bedient  sieb, 
wenige  in  der  Folge  noch  vorkommende  Ausnahmen 
abgerechnet ,  durchaus  der  besonders  dazu  eingerich- 
teten Kluppen,  lind  der  Bohrer  von  eigenlhümlicher 
Beschaffenheit. 

Das  wirksame  Stück  einer»  solchen  ordinären 
Kluppe  ist  der  stählerne  Zahn  oder  der  so  genannte 
Geiisfufs,  welcher  zwei  scharfe,  nach  der  Form  des 
künftigen  Ganges  unter  einem  spitzigen  Winkel  zu- 
sammen laufende  Schneiden  hat,  und  am  besten  aus 
einer  dreieckigen  Feile  verfertigt  wird,  von  welcher 
man  ein  Stück  ausglüht,  einfeilt,  und  demselben  wie- 
der etwas  mehr  als  die  Federhärte  gibt.  In  der  Fig* 
^f\,  Taf.  VII  ist  unter  b  ein  Geifsfufs  von  der  ausge- 
feilten Seite  zu  sehen,  c  ist  sein  Durchschnitt,  a  die 
Seitenansicht,  und  beiläufig  die  Lage,  in  welcher 
man  ihn  mit  einer  eisernen  Klammer  in  die  Klappe 
festlegt.  Die  letztere  aber  ist  von  Holz,  und  besteht 
aus  zwei  Theilen,  nähmlich  der  eigentlichen  Kluppe, 
Taf.  VII,  Fig.  31  und  Fig.  23  tt,  und  einer  Platte 
Fig*  aa  oder  Fig.  ^3  nn^  welche  auf  jene  mit  zwei 


hölzernen  Schrauben  z  z  Fig.  aS  befestigt  wird.  Das 
Hauptstück  ^^Fig.  ai  und  33  ist  des  leichteren  An« 
fassens  wegen  ausgeschweift  oder  auqh  mit  Handgrif- 
fen versehen.  Fig  21  zeigt  die  Kluppe^  wenn  die 
Deckplatte  (Fig.  2a  und  aS  /i/i)  abgenommen  ist. 
Man  bemerke  bei  b  den  festgeklammerten  Geifsfufs ; 
a  ist  ein  Loch ,  durch  welches  die  Späne  herauskom« 
nien  ;  dd  sind  die  öfinungen  ftir  die  hölzernen  Schrau- 
ben (  B2  Fig.  a3).  In  der  Mitte  der  Fig.  ai  ist  c «ine . 
durch  die  ganze  Dicke  des  Stückes  mit  Schrauben- 
gängen versehene  Durchbohrung,  in  welche  die  zu 
verfertigende  Spindel  genau  pafst.  Die  Öffnung  in 
der  Deckplatte  Fig  aa,  oder  Fig.  a3  m  hinge- 
gen ist  glatt,  aber  um  die  Stärke  der  Schrauben- 
gänge bei  c,  Fig.  ai  weiter.  Zur  wirklichen  Anwen- 
dung dreht  man  zuerst  die  hölzerne  Spindel  so  dick^ 
dafs  sie  durch  das  Loch  m  Fig.  aa  und  a3,  ohne  Spiel- 
raum zu  haben,  aber  doch  leicht  durchgeht,  und 
diese  Öffnung  dient  daher  überhaupt  zu  nichts  ande- 
rem, als  ihr  eine  Leitung  zu  verschaffen.  Wird  die 
Spindel  p  jetzt  in  die  mit  der  Platte  bedeckte  Kluppe, 
Fig.  a3,  hineingedreht,  so  greift  sogleich  der  Geifs- 
fufs, der  nach  der  künftigen  Neigung  des  Ganges  et- 
was schräg  liegen  mufs,  an,  und  schneidet  den  drei- 
seitigen Span  aus  dem  hölzernen  Zylinder.  Da 
hierdurch  ein  vertiefter  Gang  entsteht,  so  findet  die- 
ser sogleich  hintef  der  Schneide  des  Geifsfusses  die 
erhöhten  Gänge  im  Loche  c  Fig.  ai  und  a3,  welche, 
verbunden  mit  der  schiefen  Lage  des  Zahnes ,  der 
neu  entstehenden  Schraubenspindel  zur  Leitung  die- 
nen. Damit  die  Gange  aiif  der  Spindel  nicht  ganz 
scharf  werden,  wodurch  beim  Schneiden,  noch  mehr 
aber  bei  künftigem  Gebrauch  das  Ausbrechen  dersel- 
ben zu  befurchten  wäre,  sondern  eine  Platte,  erhal- 
ten, wie  Taf.  VI,  Fig.  o;  so  mufs  die  Spindel  etwas 
dünner  gedreht ,  oder  das  Loch  in  der  Platte  Fig  aa, 
enger  gemacht  werden,  als  es  nöthig  wäre,  wenn 
man  die  Gänge  ganz  scharf  haben  wollte.    Wenn  die 


398 

Spindeln  dick  sind,  z.  B.  3  Zoll  und  darüber^  so 
mufs  so  viel  Holz  weggeschnitten  werden,  dafs  durch 
den  dabei  Stau  findenden  Widersland  ebenfalls  das 
Wegbrechen  des  Holzes^  oder  auch  eine  Beschädi- 
gung des  Zahnes  zu  besofgen  ist.  Um  diese  zu  ver- 
meiden, legt  man,  dem  ersten  Geifsfufse  gegenüber, 
noch  einen  zweiten,  Taf.  VII,  Fig.  21  e.  Beide  wer- 
den so  gestellt,  dafs  jener  den  Gang  blofs  vor-  aber 
nicht  ganz  bis  auf  den  Grund  schneidet ,  also  nur 
dem  zweiten,  welcher  weiter  vorwärts  gelegt  wird, 
vorarbeitet,  und  somit  beide,  und  auch  das  Holz 
selbst,  weit  weniger  leiden.  Die  Geifsfiifsc  auf  3 
bis  4«^n  vermehren  ist  unnöthig,  indem  ein  Paar  der-, 
selben  hinreicht,  und  nur  bei  den  gröfsten  Schrau- 
ben noch  die  Vorsicht  nöthig  ist,  dafs  man,  ehe  man 
sie  in  die  Kluppe  bringt,  auf  ihnen  einen  oder  an- 
derthalb Gänge  «aus  freier  Hand  ausarbeitet  j  damit 
diese  in*  der  Mutter  der  Kluppe  sogleich  eingreifen, 
und  zur  ferneren  Leitung  dienen.  —  Der  leichtern 
Verständlichkeit  wegen  wurde  bisher  angenommen, 
die  Spindel  werde  in  die  Kluppe  hinein  gedreht,  allein 
dieses  ist  bei  solchen,  die,  um  sie  blofs  in  der  Hand  zu 
halten,  zugrofs  sind,  nicht  möglich.  Man  spannt  da- 
her das  rund  abgedrehte.  Holz  entweder  in  einen 
Schraubstock,  oder.,  bei  gröfserem  Durchmesser^  in 
die  Zwinge  einer  Hobelbank,  setzt  die  Kluppe  auf 
das  x>berSte  Ende  desselben ,  und  dreht  sie  mit  bei- 
den Händen,  nöthigenfalls  auch  mit  Hülfe  mehrerer 
Personen  um.  Da  der  starke  senkrechte  Druck 
bei  sehr  grofsen  Spindeln  nicht  leicht  durch  die  blofse 
Hand  erfolgen  kann,  so  legt  man  auf  die  Kluppe  Ge^' 
Wichte,  oder  läfst  an  deren  Stelle  eine  oder  zwei 
Personen  sich  daraufstellen. 

Dafs  man  durch  das  eben  beschriebene  Verfahren 
mit  der  nähmlichen  Kluppe  immer  nur  Spindeln  von 
gleichem  Durchmesser  erhalten  könne,  wird  aus  $ler 
Betrachtung  klar,  dafs,  wenn  man  die  Spindel  düo^ 


3991 

ner  dreht^  die  Abplattung  an  den  Gäik^en  za  stark 
wird  y  und  die  Vertiefungen  zu  seicht  bleiben.  Klup- 
pen zu  metallenen  Schrauben  gestatten  aber  wohl^ 
innerhalb  gewisser  Gränzen ,  die  Verfertigung  von 
verschieden  starken  Spindeln,  weil  die  Öffnung  der 
Backen  durch  die  Stellschraube  verändert  werden 
kann.  Hier  ist  ein  wohlgeliingener  Versuch,  dasselbe 
bei  hölzernen  (kleineren)  Schrauben  nacbzuihmen. 
Die  Kluppe  Taf.  VII,  Fig.  28  (von  oben  angesehen) 
ist  in  der  Mitte  durchschnitten,  hat  also  auch  statt 
der  gewöhnlichen,  zwei  Deckplatten,  die  wie  sonst 
befestigt  sind.  Beide  Theile  ab  lassen  sich  durch 
die  Stellschrauben  cc  in  verschiedene  Entfernungen 
von  einander  bringen.  Dadurch  ändert  sich  auch  die 
Weite  der  Oßhung  d,  und  der  Zahn  oder  Geifsfüfs 
wird  dem  Mittelpunkte  derselben  mehr  oder  weniger 
genähert.  £r  wird  daher  an  drei  verschiedene  Spin- 
deln, wenn  a  und  b  gehörig  gestellt  sind,  gleich  tief 
schneiden,  und  die  Aufgabe  ist  hiemit  gelöst.  Die 
mit  einer  Eintheilung  versehenen,^  an  b  befesti{;ten 
Messingstreifchen,  ff',  machen  es  möglieb,  a  uod  b 
einander  immer  parallel  zu  stellen.  Diese  Art  Klup- 
pen findet  man  noch  nicht  in  den  Werkstätten ,  ob- 
wohl sie  oft  nützlich  seyn  können,  da  bei  der  gegen« 
wärtigen  der  Unterschied  zwischen  der  gröfsten  und 
kleinsten  anzufertigenden  Spindöl  nicht  unbedeu^ 
tend  ist. 

Die  Schr&ubenmuttern  in  Holz  werden  mit  Boh«- 
rern  verfertigt,  die  mit  den  fiir  Metall  gebräuchli- 
chen ziemliche  Ähnlichkeil  haben.  Eine  stark  ko- 
nische, blofs  eiserne  Schraube,  wenn  sie  auf  vier  Sei- 
ten halbrund  und  so  ausgefeilt  wird,  dafs  von  den 
Gängen  nur  vier  Rippen  oder  Kämme  stehen  bleiben^ 
wie  Taf.  VII,  Fig.  a5  j4,  und  im  Querdurchschnitt  B, 
stellt  einen  solchen  Schraubenbohr^r  dar.  Wird  in 
Holz  ein  Loch  gebohrt,  so  weit  als  die  Spindel,  die 
eigentlichen  Gänge  \y eggerechnet,  so  kann  man  mit« 


4oo 

telst  jenes  Bohrers  sehr  leicht  die  yertieften  Gänge 
hervorhringen.  Sein  zuerst  wirkender  dünnster  Theii 
wird  nur  seichte  Gänge  in  das  Holz  einreissen^  bei- 
bähe  sie  hlos  anzeichnen^  bis  die  nachfolgenden  stär- 
kern Zähne  sie  weiter^  und  endlich  die  obersten  sie 
YoUkommen  ausbilden^  wobei  freilich  das  Holz  weni- 
ger scharf  weggeschnitten  als  eigentlich  heraus  ge- 
kratzt wird  ^  so  dafsdas  Innere  der  Gänge  immer  mehr 
oder  weniger  rauh  bleibt.  Das  Hineindrehen  des  Boh- 
rers geschieht  entweder  durch  ein  quer  an  ihm  be- 
festigtes hölzernes  Heft ,  oder  besser^  durch  ein  bei 
x  Taf.  Vir,  Fig.-  a5  aufgestecktes  Windeisen.  Das 
letztere  hebt  man,  wenn  die  Mutter  ganz  durchge- 
schnitten ist,  ab,  und  läfst  den  Bohrer  unten  durch- 
fallen y  wobei  man  nicht  in  Gefahr  kommt,  beim  rück- 
wärts Herausdrehen  desselben  die  bereits  gemachten 
Gänge  zu  beschädigen. 

Besser  und  mehr  eigentlich,  schneidend  wirken 
folgende  zwei  Bohrer  (Taf.  VII,  Fig.  iC  und  27). 
Der  erstere  ist  eine  auf  die  gewöhnliche  Weise  ver- 
fertigte kegelförmige  eiserne  Schraube,  die  sehr  stark 
und  so  ausgehöhlt  ist,  dafs,  wie  die  untere  Ansicht^ 
zeigt,  sehr  scharfe  Zähne  (wie  einer  bei  m  B)  ent- 
stehen, die  aber  nach  aufwärts  durch  die  Schräge 
des  Einschnittes  immer  weiter  zurück  zu  stehen  kom- 
men, damit  nicht  alle  zugleich,  sondern  die  am 
dünnsten  Tbeile  der  Schraube  zuerst  angreifen.  Die 
Schraubengilnge  des  Bohrers  Fig.  37  sind  nach  oben 
zu  abc  immer  von  geringerem  Durchmesser,  weil  die 
drei  zuletzt  bezeichneten  nur  zur  Führung  des  Bob* 
rers  dienen,  und  durch  ihre  abnehmende  Stärke  die 
Reibung  an  den  bereits  gebildeten  Mnttergängen  ver« 
mindert  wird.  Das  Ende  der  Schraubenwindung  x 
ist  nach  einwärts  so  wie  ein  Geifsfufs  mit  zwei  schar- 
fen Schneiden  versehen,  und  von  hier  an  der  Bohrer 
innen  hohl,  und  unten  bei  m  ganz  offen.  Der  bei  X 
im  eigentlichen   Sinde    gctschnittene    Holzsp^n  gebt 


4oi 

daher  durch  das  vor  x  schattirte  Loch  in  den  Bohrer 
hinein,  und  fällt  bei  m  unten  durch.  Der  hohle  zy- 
lindrische Ansatz  o  o,  welcher  genau  das  fiir  die  Müt- 
ter vorgebohrte  Loch  ausfüllen  mufs,  leitet  den  Boh- 
rer Anfangs  y  und  erleichtert  das  Drehen  desselben, 
ohne  dafs  ein  Schviranken  Statt  findet.  Sind  einmahl 
ein  Paar  Gänge  in.  der  Mutter  da*,  so  übernehmen  die 
Windungen  abc  die  fernere  Führung  des  Bohrers. 
£r  kann  übrigens  nur  für  kleinere  Schraubenmuttern 
empfohlen  werden,  die  er  sehr  rein  ausschneidet  j  zu 
gröfsern  taugt  er  nicht,  weil,  da  die  G£nge  nicht 
allmählich,  sondern  durch  das  Wegschneiden  eines 
einzigen  Spans  entstehen  müssen,  zu  seiner  Um- 
drehung eine  zu  grofse  Gewalt  nöthig  wäre.  Wenn 
er  stumpf  wird ,  läfst  er  sich '  auch  nicht  so  oft 
schärfen,  als  die  vorigen  Arten,  weil  das  Loch  bei  x 
dadiu'ch  zu  sehr  vergröfsert  wird. 

Da  man  hölzernen  Schrauben ,  wegep  der  gerin^ 
gern  Festigkeit  des  Materials,  immer  verhältnifsmäfsig 
sehr  grobe  Gänge  geben  mufs,  so  findet  man  kaum 
für  die  Bohrer  zu  den  kleinsten  Muttern  eiserne 
Schneidekluppen  ^  mittelst  welcher  man  sie  von  Me- 
tallarbeitern könnte  anfertigen  lassen.  Allein  diefs 
ist  auch'nicht  nöthig,  sondern  die  gewöhnlichste  Art 
von  Bohrern  ( Tat  VII ;  Fig.  a5  )  wird  fast  immer 
aus  gehörig  zugeschmiedetem  Eisen  gefeilt.  Auf  die- 
ses zeichnet  man  sich  die  Z^^hnreihen  vor,  und  ar- 
beitet sie  dann  mit  einer  dreieckigen  Feile  aus»  Ob- 
wohl sie  also  bei  einiger  Übung  leicht  zu  machen 
sind,  so  reicht  man  dennoch  mit  ihnen  nicht ^aus, 
wenn  man  sehr  dicke  Schrauben  und  dazu  passende 
Muttern  braucht. 

Was  müfste  man  für  ungeheure  Eisenstücke  zu. 
g-bis  i^zöUigen  Bohrern  haben,  welche  Gewalt  würde 
nöthig  seyn,  um  die  Mutter  mit  ihnen  auszuschneiden; 
und  dennoch ,  da  auch  sie  nur  kratzen  und  schaben 

Jahrh.  d.  poljt.  In«!.  IV.  M.  0,6 


4oa 

würden  ^  •  erhielten  die  Gänge  nie  die  gehörige  Stirke, 
und  um  so  "weniger,  da  die  Erfahrung  lehrt ,  daCs 
gerade  die  Mutter  überall  am  frühesten  zu  Grande 
geht.  Aus  diesen  Ursachen,  und  weil  die  hölzer- 
nen Schrauben  zu  Pressen  u.  dgl.,  wenn,  sie  die  thea- 
ren  eisernen  ersetzen  sollen ,  'viel  gröfsere  Dimensio- 
nen erfordern^,  und  Spindeln  von  5  bis  lo  ZoU  nicht 
unter  die  Seltenheiten  gehören,  hat  man  Mittel  er- 
dacht, die  Schraubenmuttern  auf  eine  leichte  und 
zweckmäfsige  Art  zu  verfertigen ,  während  die  Klup- 
pen fiir  lozöllige  Spindeln  noch  fiiglich  gebraucht 
werden  JLÖnnen.  Man  macht  nahmlich  die  Bohrer 
blofs  von  Holz ,  und  gibt  ihnen  einen  einzigen  Zahn 
oder  Geifsfufs ,  der  auf  zwei  verschiedene  Arten  in 
Wirksamkeit  .gesetzt  wird. 

Die  Bohrer  mit  dem  sogenannten  Sattel,  für 
kleinere  Schraubenmuttern  von  etwa  4  his  6  Zoll 
Weite  bestimmt ,  sind  auf  folgende  Art  eingerichtet 
Taf.  VII,  Fig.  üQ  ist  a  das  Holz<&tück,  in  welchem 
die  Mutter  entstehen  soll,  und  in  das  ein  um  die  Stärke 
der  Gänge  kleineres  Loch  bereits  vorgebohrt  ist 
D^r  Bohrer  ist  dort,  wo  er  in  dem^telben  laufen  mufsi 
zylindrisch,  und  so  dick,  dafs  er  ohne  zu  starke  Rei« 
buhg  an  den  Wänden  desselben  gedreht  werden  kann* 
Ober  seinem  glatten  Theile  bildet  er  aber  eine  Schraube 
e,  deren  Gänge  der  anzufertigenden  Mutter  genau 
entsprechen.  Diese  Schraube  hat  ihre  Mutter  in  dem 
Sattel  b ,  welcher ,  wenn  der  Bohrer  im  Loche  des 
Stückes  a  genau  senkrecht  gerichtet  worden  ist,  auf 
demselben  entweder  mit  eisernen  Schrauben  c ,  oder 
mittelst  gewöhnlicher  Tischlerschraubzwingen,  ^i^ 
bei  c/,  fest  gehalten  wird.  Unter  den  Schrauben- 
gSngen  hat  der  Bohrer  ein  viereckiges  Loch,  in  wel- 
ches  der  stählerne  Zahn  g  gedrange  eingesteckt  wird. 
Er  hat  die  Form  eines  quer  durchschnittenen  Gang6S| 
und  ist  auf  der  Fläche ,  mit  der  er  dem  Holze  entge- 
gen geht,  80  ausgearbeitet ,  dafs  er  zwei,  unter  einem 


4o3 

spiuigen  Winkel  zusammen  stofsende  Schneiden  be* 
kommt,  Taf  VII,  Fig.  3i.  Auck  kann  er,  damit 
er  nicht  so  leicht  schartig  wird ,  an  dieser  Seite  gans 
flach  seyn,  bekommt  dann  auf  der  andern  Seite  zwei 
Abdachungen,  und,  wenn  man  abgeplattete  Gänge  in 
den  Vertiefungen  der  Mutter  haben  will,  vorn  noch 
eine  dritte  Facette,  wie  Fig.  3o,  Taf.  VII.  Der  er- 
stere  (Fig  3i  )  schneidet  besser,  wogegen  der  an* 
dere  blofs  schabt,  dafür  aber  auch  länger  dauert. 
Wenn  man  den  Bohrer  an  seinen  Handgriffen  ff 
{Fig.  29,  Taf,  VII)  in  der  gehörigen  Richtung  dreht, 
so  schraubt  er  sich  in  die  Mutter  des  Sattels  h  hinein; 
der  an  ihm  befindliche  Zahn  macht  nothwendig  die  ' 
ganz  gleiche  Schraubenbewegung,  wird,  sobald  er  in 
nie  OflTnung  des  Stückes  a  gelangt,  nach  der  nähmli* 
eben  Linie  in  demselben  angreifen,  und  die  Anlage 
zu  den  vertieften  Gängen  machen.  Im  Anfange  darf 
der  Zahn  nur  sehr  wenig  über  den  Zylinder  vorste- 
hen, damit  er  nicht  zu  stark  einreifst;  ist  er  aber 
durch  das  Loch  in  a  ganz  durch,  so  dreht  man  ff 
in  verkehrter  Richtung,  bis  der  Zahn  wieder  über 
demselben  zum  Vorschein  kommt.  Jetzt  treibt  man 
ihn  weiter  aus  der  zylindrischen  Spindel  hinaus,  da- 
mit er  stärker  einschneide ,  upd  so  erhält  man,  durch 
allmähliches  Vorwärtsrücken  desselben,  endlich  eine, 
der  im  Sattel  befindlichen  ganz  gleiche  Schrauben- 
mutter,  die  hier,  da  man  das  Angreifen  des  Zahnea 
ganz  in  der  Gewalt  hat,  sehr  rein  ausfallen  mufs. 

Dieser  Vorrichtung  ist  eine  andere ,  für  die  dick- 
sten Schrauben  bestimmte,  ziemlich  analog.  Sie 
kommt  bei  den  Arbeitern  unter  der  Benennung  des 
Bohrers  mit  der  Zugplatte  vor,  ist  Taf.  VII,  Fig.  3a 
und  33  abgebildet,  fast  noch  einfacher  und  so  leicht 
zu  machen ,  dafs  man  dazu  nicht  einmahl  die  Werk- . 
zeuge  zu  Verfertigung  der  Spindel  e  Fig.  ag ,  Taf.  VII 
und  ihrer  Mutter  nöthig  bat.  Das  Holzstück  ah^ 
Fig.  3a,  Taf.  VII  wird  wie  sonst  durchgebohrt,  xx 

a6* 


aber,  welches  den  Bobrer  fuhrt ^  und  stau  des  Sat- 
tels diente  mit  starken  eisernen  Schrauben  pp  an 
dasselbe  befestigt.  Der  Bohrer  c  wird  durchaus  zy- 
lindrisch und  so  abgedreht^  dafs  er  sowohl  in  das 
Loch  Zf  als  auch  in  das  mxx  befindliche,  g  j  Mrel- 
ches  gar  keine  Gänge  hat,  sondern  blofs  rund  ist, 
pafst.  Auch  er  erhält  keine  eigentlichen  Gänge, 
sondern  an  deren  Statt  zeichnet 'man  auf  seinem  Um- 
fange die  verlangte  Schraubenlinie  vor,  und  schneidet 
sie  mit  einer  starken  Säge  etwa  ^  Zoll  tief  von  d  bis 
n  ein*).  Dieser  Sägenschnitt  dient  zur  Leitung  des 
Bohrers  dadurch^  dafs  unter  dem  Loche  g  eine,  etli- 
che Zoll  lange,  Eisenplatte y  ^lü  xx  festgeschraubt 
wird,  und  zwar  in  der  Lage,  welche  die  Neigung 
der  Gänge  erfordert.  Sie  steht  über  das  Loch  g  et- 
was vor,  und  greift  daher  beim  Einstecken  des  Boh-' 
rers  in  den  Sägenschnitt  desselben  ein.  So  ersetzt 
diese  Eisenplatte  (Zugplatte)  ganz  die  Stelle  einer 
förmlichen  Schraubenmutter  in  g,  tmd  die  Spindel 
schraubt  sich  mittelst  des  Einschnittes  in  ihr  eben  so 
gut.  Der  Zahn  folgt  dieser  Bewegung,  und  wirkt 
bei  gleicher  Behandlung  eben  so,  wie  bei  vorbescbrie- 
benem  Sattel  j  so  dafs  sich  auf  diese  Art  Schrauben- 
muttern von  13  Zoll  Weite  ohne  Anstand  ausschnei- 
den lassen**).  Fig.  33,  Taf.  VII  ist  ein  solcher  Boh- 
rer, von  vorzüglicher  Einrichtung,  besonders*  ge- 
zeichnet. Durch  das  Loch  b  seines  runden  Kopfes 
a  steckt  man  den  zum  Umdrehen  nöthigen  langen 
Hebel.     Der  Zahn  ist^  mit  c  bezeichnet,  d  aber  ist 

*)  Hat  lüait  anstatt  des  Bohrers  eine  schon  geschnittene  Srin- 
del  9  so  dreht  man  die  Gänge  derselben  so  weit  weg ,  aafs 
nur  eine  Spur  von  ihnen  sichtbar  bleibt «  nach  dieser  wird 
der  Einschnitt  mit  der  Sage  gemacht ,  und  das  Vorseichnen 
der  Scltraubenlinie  hicmit  erspart. 

^*)  lnGeifiteriX>rec\a\tT ^  Leipsig  i8o5,  11 1.  Theil «  iste  Abth. 
findet  sieb  nach  dem  franeösischen  (manutl  idu  tourneur, 
4.  Paris  1791)  auf  Taf. XV  eine  ähnliche  Vorrichtung,  die 
aber  so  komplicirt  und  unbequem  ist,  daCi  aie  der  ^>^^ 
«Lafjgestellten  weit  nachstoht. 


4o5 

eine  eiserne  SteUscbraube ^  weichein  delr durchbohf- 
ten  Spindel  bis  zum  Zabne  geht^  ihre  in  das  Holz 
fest  eingelassene  Mutter  bei  ee  hat^  und  auch  nur 
in  der  Nähe  derselben  Schrauberigäuge  braucht,  weU 
che  die  punktirten  Linien  andeuten.  Zieht  man  diese 
Schraube  an,  so  drückt  sie  so  iest  auf  den  Zahn,  und 
hält  ihn  in  jeder  Lage  so  unbeweglich ,  dafs  er  durch 
die  gröfste  Gewalt  beim  Schneiden  nicht  zurück  ge- 
drückt werden  kann. 

Ich  habe  endlich  auch  den  Versuch  gemacht^ 
Schneidezeuge  für  hölzerne  zwei-  und  dreigängige 
Schrauben  anfertigen  zu  lassen.  Da  er  yoUkommen 
gelungen,  und  mir  nicht  bekannt  ist,  dafs  man  diese 
Idee  sonst  schon  ausgeführt  habe,  so  erlaube  ich  mir 
um  so  mehr  hier  einige  Bemerkungen  darüber,  als 
solche  Schrauben  bei  kleineren  Pressen,  wo  das  Auf- 
und  Zuschrauben  viele  Zeit  wegnimmt,  sehr  bequem 
sind,  und  ein  freiwilliges  Zurückgehen,  wegen  der 
grofsen  Reibung,  die  Holz  an  Holz  erleidet,  bei  ih- 
nen nicht  so  häufig  ist,  als  bei  ähnlichea  Top  Metall, 
endlich  auch  wohl  durch  ein  zweckmäfsig  angebrach-» 
tes  Sperrrad  gänzlich  zu  verhindern  wäre.  Die  Kluppe 
zu  solchen  Schrauben  mufs  natürlich  zwei  oder  drei 
Geifsfiifse  haben ,  welche  so  schräg,  als  es  wegen  des^ 
jedcsmahligen  Steigens  der  Gänge  erforderlich  ist^ 
und  auch  jeder  in  einem  besonderen  Gange  der  Mut- 
ter, einzulegen  sind.  Soll  eine  dreifache  Schraube 
entstehen,  so  ist  vor  Allem  darauf  zu  sehen,  dafs  die 
drei  Zähne  so  gestellt  werden,  dafs  die  drei  zugleich 
entstehenden  Späne  gut  und  bequem  aus  der  Kluppe 
heraus  gehen  können.  Diese  mufs  auch  länger  ge- 
macht werden,,  oder  besondere  Griffe  bekoo^men, 
weil,  mehr  Kraft  zum  Umdrehen  erfordert  wird.  Sind 
die  Bohrer  ans  massivem  Eisen  nach  Art  der  Fig.  ^5, 
Taf.  YII,  so  bekommen  sie  für  ein  doppeltes  Ge- 
winde 4iur  vier  Zahnreihen,  für  ein  dreifaches  aber 
müssen  sie  ^chszeilig  seyn,     und  die  Schiefe  der 


4o6 

Gänge  vor  dem  Ausfeilen  genau  vorgezeichnet  wer« 
den.  Wollte  man  aher  einen  hölzernen  Bohrer  mit 
der  Zugplatte  anwenden,  so  müfste  dieser  drei  Zahne 
über  einander ,  oder  noch  besser,  ein  Stück  Stahl  mit 
drei  zabnäbnlicben  Schärfen  erhalten,  sowie  auch  zu 
ratben  ist ,  für  jeden  der  drei  Gänge  eine  besondere 
Zugplatte  einzulegen  ,  wodurch  mehr  Dauerhaftigkeit 
imd  gröfsere  Sicherheit  in  der  Bewegung  erzielt  wer- 
den kann. 

Von  hölzernen  Schrauben  habe  ich  nur  noch 
sehr  wenig  zu  sagen ,  was  am  schicklichsten  bei  den 
Erörterungen  über  das  zu  Schrauben  anzuwendende 
Material  vorkommen  wird»  * 

Wenn  man  annähme ,  ein  Mechaniker  sey  mit 
allen  im  Vorigen  vorgekommenen  Werkzeugen  verse- 
hen, so  wird  er  doch  bald  in  die  Lage  kommen. 
Schrauben  verfertigen  zu  müssen,  wozu  ihm  jene 
nichts  mehr  nützen.  Feine  Schrauben  von  beträcht- 
lich starkem  Durchmesser,  wie  an  Perspektivröhren, 
an  weiten  Büchsen ,  wo  für  die  Gewinde  nur  wenig 
Raum  ist,  und  sie,  um  fest  zu  hallen,  desto  feiner 
seyn,  zugleich  aber  an  ein  dünnes  Rohr ,  oder  einen 
Zylinder  mit  schwachen  Wänden  gemacht  werden 
müssen,  können  durch  Kluppen  u.  d^l.  niemals  ver- 
fertigt werden.  Hierzu^  und  in  unzähligen  andern 
Fällen,  bedient  man  sich  der  Drehbänke  vorzugs- 
weise, entweder  der  gemeinen,  oder  solcher,  die 
aufser  den  zum  gewöhnlichen  Drechseln  anwendba- 
ren Tbeilen  noch  besondere,  zum  Schraubendrehen 
ausschliefsend  bestimmte  Z.usätze  haben,  so  dafs  eine 
solche  Vorrichtung ,  ihrer  Hauptbestimmung  nach, 
immer  nocb  eincDrebbank  bleibt,  und  von  den  eigent- 
lichen Schraubenschneid- Maschinen  ganz  iiiglich  ab- 
gesondert werden  kann. 

Ehe  ich  jene  Methoden  der  Schraubenverferti- 


4o7 

gung  untersuche^  die  der  Drehbank  eigenthümlich 
zugehören ^  will  ich  einige  kurz  erwähnen^  wo  die 
Drehbank  blofs  erleichterndes  Hülfsmittel  ist,  als 
Hauptwerkzeug  aber  ebenfalls  gewöhnliche  Bohrer 
oder. Kluppen  gebraucht  werden. 

Dünne  und  lange  Schraubenspindeln  kann  man 
mit  Yortheil  auf  der  Drehbank  mittelst  gewöhnlicher 
Kluppen  verfertigen.  Die  Spindel  wird  zwischen  die 
Backen  gelegt ,  dann  wie  jede  andere  Arbeit  in  der 
Drehbank  eingespannt,  und  durch  die  Bewegung  der- 
selben zum  Umlaufen  gebracht.  Die  Kluppe  hält 
man  mit  der  Hand,  und  führt  sie  nach  der  Richtung 
der  entstehenden  Schraube  langsam  fort.  Die  roti- 
rende  Bewegung  der  Drehbank  und  der  Spindel  ver- 
tritt hier  die  Stelle  des  Umdrehens  der  Kluppe ,  und 
der  Erfolg  ist  derselbe,  ja  sogar  unter  der  Voraus- 
setzung einer  dünnen  Schraube  noch  besser,  denn 
man  braucht  die  Backen  nur  sehr  allmählich  einander 
zu  nähern  ,  indem  das ,  was  hier  dem  starken  Drucke 
der  Backen  auf  die  Arbeit  fehlt ,  durch  die  Schnel- 
ligkeit des  Uralaufens  derselben  reichlich  ersetzt,  und 
die  fertige  Schraube  nicht  so  leicht  krumm  wird,  wie 
bei  der  gewöhnlichen  Bearbeitungsweise.  Die  Kluppe 
(Taf.  VII,  Fig.  i5)  ist  für  die  Drehbank  vorzugs- 
weise geeignet. 

Man  ist  sehr  oft  in  die  Nothwendiekeit  versetzt, 
eine  langsame  und  gleichförmige  Umdrehung  eines 
Rades  oder  einer  Scheibe  mittelst  einer  Schraube  be- 
wirken zu  müssen,  eine  Vorrichtung,  die  unter  der 
Benennung  der  Schraube  ohne  Ende  allgemein  be- 
kannt ist.  Zu  gröfsern  Maschinen  wird  die,  meistens 
mehrfache.  Schraube  entweder  aus  freier  Hand  ge- 
feilt, oder  mit  der  Kluppe  geschnitten ,  das  Rad  aber 
auf  der  Räderschneid  -  Maschine  mit  der  nöthigen  An- 
zahl von  Zähnen  versehen ;  kleinere  hingegen  werden 
durch   einen    gewöhnlichen    Schraubenbohrer  >    mit 


4o8 

Beihülfe  der  Drehbank  hearbeitet.  Bei  mathemati- 
schen Instrumenten  söil  durch  eine  solche  endlose 
Schraube  weniger  eine  grofse  Gewalt  ausgeübt,  als 
vielmehr  eine  Scheibe  langsam  um  die  Achse  gedreht 
werden;  die  Gänge  an  jener,  und  die  Zähne  oder 
vertieften  Gänge  im  Rade  oder  in  der  Scheibe  sind 
feiner,  und  die  Schraube  mufs,  def  Dauerhaftigkeit 
wegen ,  s'o  tief  als  möglich  in  dieselben  eingreifen.  In 
der,  üg.  Fig.,  Taf.  VI  ist  aa  eine  Seitenansicht  der 
Sd^ibe,  und  h  der  Durchschnitt  der  Schraube.  Die 
Scneibe  hat  demnach  eine  halbrunde,  mit  den  Gän- 
gen oder  Zähnen  versehene  Vertiefung ,  die  als  eine 
halbe  und  kreisförmig  zusammen  gebogene  Mutter 
angesehen  werden  kann.  Um  sie  anzufertigen ,  hat 
man  folgende  zwei  Verfahrungsarten.  In  die  fertig 
abgedrehte  Stirn  des  Rades  oder  der  Scheibe  wird 
eine  halbrunde  Nuth  eingedreht,  so  tief,  dafs  die 
Schraube,  wenn  die  Gänge  vollendet  sind,  bis  zar 
halben  Dicke  in  derselben  liegen  kann.  Um  die 
Gänge  einzuschneiden ,  bleibt  die  Scheibe  auf  der 
Drehbank ,  diese  aber  wird  nicht  wie  sonst  durch  den 
Tritt  in  Bewegung  gebracht,  sondern  die  Schnur  ab- 
genommen, so  dafs  die  Dr€hbankspindel  der  noch  zu 
bewerkstelligenden  Bewegung  der  Scheibe  folgen 
kann.  Für  den  wie  gewöhnlich  beschaffenen  Schnei* 
debohrer  c  (Taf.  VI,  Fig.  a8)  wird  eine  Gabel  ab 
vorgerichtet,  in  welche  er  zu  liegen  kommt,  und  mit 
einer  Kurbel  d  versehen  wird.  Diese  Giebel  befestigt 
man  bei  n  in  dem  Support  der  Drehbank,  eine,  bei 
guten  Metalldrehbänken  nöthige  Auflage ,  die  so  ein- 
gerichtet ist,  dafs  der  Drehstahl  mittelst  einer  Füh- 
rungsschraube langsam  der  umlaufenden  Arbeit  ge- 
nähert werden  kann,  also  nicht  biofs  mit  der  Hand 
wie  gewöhnlich  gehalten  wird.  Eben  so  wie  sonst 
der  Drehstahl,  kann  die  Gabel,  und  also  auch  der 
Bohrer  c,  allmählich  in,  der   durch  den  Pfeil  ange* 

S ebenen  Richtung    gegen  die  Scheibe  e  gerückt  war- 
en.   Jetzt  dreht  man  mit  der  Kurbel  d  den  Bohreo 


4o9 

der  sogleich  anfängt  in  der  Nuth  der  Scheibe  die 
Gänge  einzuschneiden,  auch  zugleich  dieselbe  fort- 
schiebt  und  im  Kreise  bewegt.  .  Greift  er  nicht  mehr 
an,  so  wird  die  Gabel  mehr  vorwärts  geschoben,  sie 
prefst  den  Bohrer  neuerdings  an  das  Rad,  und  er 
schneidet  tiefer,  bis  endlich  bei  fortwährender  Um- 
drehung der  Kurbel  die  Zähne  im  Rade  ganz  voll- 
endet sind.  Schneller  kann  man  auf  folgende  Art 
( Taf.  VI ,  Fig.  29  )  zum  Ziele  gelangen.  Das  ^itj4|r 
Rinne  versehene  Rad,  aa,  wird  horizontal,  uncf^o 
aui  den  Support  befestigt,  dafs  es  sich  frei  um  seind 
Achse  drehen  kann; 'den  Bohrer  b  aber  spannt  man  in 
die  Drehbank  wie  jedes  andere  Arbeitsstück^ein,  und 
setzt  ihn  wie  ein  solches  jn  fortwährend  rotirende 
Bew^egung.  Das  Rad  wird  während  dem,  mittelst 
der  Führungsschraube  des  Supportes  dem  Bohrer 
langsam  genähert,  welcher  hierdurch  ebenfalls  die 
Gänge  in  der  Nuth  allmählich  aussehneidet. 

In  den  vorhergehenden  Beispielen  ist  die  Dreh-' 
hank  offenbar  ein  blolses  Beförderungsmittel;  allein 
sehr  häufig  v^ird  sie,  entweder  nach  der  gewöhnli- 
chen Bauart,  oder  mit  besondern  Abänderungen,  zur 
unmittelbaren  Verfertigang  von  Schrauben  gebraucht« 
In  diesem  Falle  sind  dann  jene  Hülfswerkzeuge  nö- 
thig,  die  unter  dem  Nahmen  der  Seh  raubstähle  (Taf* 
VI,  Fig.  3o  ab'c)  vorkommen,  und  einer  näheren  Be- 
trachtung gewürdigt  werden  rcüssen.  DeuK  Wesent- 
lichen nach  wirken  sie  det,  auf  der  Fläche  der 
Backen,  scharfgezahnten  Lin.en  {ab  und  cd  Taf. 
yUy  Fig.  26)  analog.  Sie  siad  zweierlei,  auswen- 
dige und  inwendige.  Erstere,  a,  Fig.  3o,  Taf.  VIj 
braucht  man,  um  auf  dem  iufsern  umfange  eines 
Zylinders  Gewinde  hervor  zu  bringen,  die  andere 
aber,  c,  Fig.  3o,  zur  gleichen  Bearbeitung  einer  In- 
nern Höhlung,  oder  einer  Schraubenmutter*  Man 
hat  sie  also  auch  immer  paarweise  von  gleicher  Fein- 
heit.   Um  gut  zu  schneiden,   sind  sie  unten    abge« 


4io 

schrägt y  wie  die  Seitenansicht^  Taf  YI^  Fig.  3o  b 
zeigt.  Die  obere  ^  dem  Arbeiter  zugekehrte  Fläche 
aber  ist  gan^  eben,  und  wird,  wenn  die  Zahue 
durch  den  Gebrauch  stumpf  geworden  sind,  nach- 
geschliffen. An  der  linken  Seite  äufserer  Schraub- 
stähle stehen  bei  guten  Werkzeugen  der  Art  einige 
Zähne  ganz  frei,  wie  Taf.  YI,  Fig.  3o  bei/i,  damit 
man  mit  denselben  auch  nahe  an  einen  Ansatz  der 
Arbeit  zu  schneiden  im  Stande  ist,  und  der  Schaft 
des  Stahles  dabei  nicht  hinderlich  wird.  Da  derselbe 
nur  mit  der  obersten  Fläche  angreift ,  und  nach  uht 
«ten  sogleich  stark  schräg  ist,  so  ist  die  Lage  der  die 
Zähne  bildenden  Kerben  ziemlich  gleichgültig,  und 
kann  entweder  ganz  gerade ,  oder,  bei  gewöhnlichen 
rechten  Schraubstählcn,  auch  rechts  seyn.  Da  linke 
Schrauben  auf  der  Drehbank  höchst  selten  gemacht 
werden,  auch  die  Schiefe  der  Zähne  so  wenig  als 
bei  der  Yerfertigung  linker  Schrauben  mit  rechten 
Bohrern  oder  Backen  ip  Betrachtung  kommt ,  so  ist 
sie  auch  ganz  und  gar  unwesentlich.  ^ 

» 

Y^eitläufig  den  Gebrauch  dieser  Werkzeuge  auf 
der  Drehbank  zu  beschreiben,  ist  hier,  da  das  Ver- 
fahren nnt^r  die  bekanntesten  gehört,  nicht  der  Ort, 
und  es  kann  daher  der  YoUständigkeit  und  des  Fol- 
genden  wegen  nur  kurz  berührt  werden.  Es  lassen 
sich  durch  dieselben  auf  jeder  gemeinen  Drehbank 
mit  dem  Schwungrade,  aber  freilich  nur  mit  vieler 
Übungy  Schrauben  auf  Holz,  Hörn  oder  Bein,  schwe- 
rer auf  weichen,  und  gar  nicht  auf  harten  Metallen, 
wie  Eisen  und  Stahl,  hervorbringen.  Man  stelle  sich 
vor,  ein  hölzerner  Z/linder  drehe  sich  auf  einer 
ordinären  Drehbank,  wie  gewöhnlich,  gegen  den 
Arbeiter  zu,  und  dieser  halte  ihm  einen  Spitzstahl 
entgegen,  so  wird  einblofser  runder,  in  sich  selbst 
zurückkehrender  Reifea,  eingeschnitten  werden.  Wird 
aber  während  der  Uadrehung  der  Stahl  fortgerückt, 
so  können  die  Enden  des  Einschnittes  nicht  mehr  zu- 


4i< 

sammentrefien ,  und  es  wird  statt  des  blofs  kreisrun- 
den^ ein  schraubenförmiger  gebildet  werden  ^  und 
zwar  in  mehreren  Windungen^  wenn  das  Fortrücken 
des  Stahles  fortgesetzt  wird ,  und  gleichwcit  von  ein« 
ander  abstehende,  wenn  die  Bewegung  des  Stahles 
gleichförmig  bleibt.  Die  relative  Geschwindigkeit 
derselben  aber  bestimmt  wieder  die  Fefinheit  der 
Gänge.  Da  das  Ausschneiden  der  Gänge  auf  ein  Mahl 
nicht  möglich  ist ,  so  mufs  das  Vprwärtsschieben  und 
Anhalten  des  Stahles  öfter  wiederhohlt  werden,  und 
damit  beim  Zurückbewegen  desselben  weder  er  Selbst 
noch  die  Arbeit  beschädigt  wird,  auch  sie  während 
dieser  Zeit  verkehrt  (vom  Arbeiter  ab)  gedreht  wer- 
den. Den  altern  Drehbänken  niit  der  Feder  ist 
diese  abwechselnde  vor-  und  rückwärts  rotirende 
Bewegung  obnediefs  schon  eigen;  bei  den  jetat  im- 
mer allgemeiner  werdenden  mit  dem  Schwungrade 
aber  kann  sie  durch  eine  geschickte  Bewegung  des 
Trittes  ebenfalls  erzwungen  werden ,  oder  man  gibt 
auch  ihnen  Federn,  die  blofs  beim  Scfarauben- 
schneiden  gebraucht  werden.  Indessen  bedient  man 
sich  nur  äufserst  selten  eigentlicher  Spitzstähle  ^  son- 
dern fast  immer  der  Schraubs table,  weil  deren  zu» 
gleich  einschneidende  Zähne  der  Hand  selbst  zur 
Liitung  dienen,  der  einzäbnige  Stahl  hingegen  nie 
so  fest  gehalten  werden  kann,  dafs  die  Entfernungen 
der  einzelnen  Gänge  gleich,  und  die  Schrauben  brauch- 
bar würden. 

Die  wenige  Genauigkeit  solcher  Schrauben ,  ver- 
bunden mit  der  zu  ihrer  Hervorbringung  nöthigen 
aufserordentlichen  Übung,  und  die  Uubrauchbarkei^ 
dieser,  bei  den  gemeinen  Drechslern  übrigens  allge- 
mein eingeführten  Methode^  auf  Stahl  und  Eisen,  ha- 
ben Gelegenheit  zur  Erfindung  der  sogenannten 
Paironen- Drehbänke  gegeben.  Bei  diesen  verän- 
dert der  Stahl  seinen  Ort  nicht,  sondern  wird  unbe- 
weglich angehalten  9  wohl  aber  wird  die  Drehbank- 


4l3 

Spindel  gezwungen^  sieh  während  des  RnndUufens 
auch  zugleich  vor- und  rückwärts  zuschieben^  und 
dadurch  eine  Schraubenlinie  zu  beschreiben.  Zu 
diesem  Ende  befinden  si^ch  am  hintern  Theile  dersel- 
ben mehrere^  gewöhnlich  6  bis  8,  kurze  Schrauben 
von  verschiedener  Feinheit^  die  man  Patronen  nennu 
Unter  jeder  liegt  im  Gestelle  der  Drehbank  ein  höU 
zerner  Riegel  ^  welcher  durch  einen  untergesteckten 
Keil  aufwärts  und  an  die  Spindel  gedrückt  werden 
kann.  Dort^  wo  er  die  Patrone  berührt,  ist  er  nach 
der  Dicke  derselben  halbrund  ausgehöhlt.  Wird  die 
Spindel  und  mit  ihr  die  Patrone  gedreht ,  so  schnei- 
den sich  die  scharfen  Gänge  der  letztern  in  das  Höh 
ein,  und  bilden  eine  Schraubenmutter,  in  welcher 
sich  die  Patrone ,  nach  der  Richtung  der  Umdrehung, 
welche  man  der  Spindel  gegeben  hat,  gleichsam  aus- 
und  einschraubt,  diese  also  vor-  oder  rückwärts 
geschoben  wird.  Da  die  '  eingespannte  Arbeit  hier- 
durch eine  der  Patrone  entsprechende  schraubenför- 
mige Bewegung,  erhält,  so  wird  ein  fest  angehaltener 
Schraubstahl,  dessen  Zähne  den  Gängen  der  Patrone 
entsprechen,  dieser  ganz  gleiche  Schraublenwindun- 
gen  einschneiden.  Übrigens  geschieht  das  völlige 
Ausschneiden  auch  hier  nicht  auf  ein  Mahl^  sondern 
man  mufs  die  Arbeit  öfter  vor  -  und  zurücklaufen  las- 
sen ,  welches  durch  eine  besonders  angebrachte  Fe- 
der, oder  durch  abwechselndes  Treten  des  Schwung- 
rades, wie  bei  der  gemeinen  Drehbank,  geschehen 
kann.  Die  Patronendrehbänke  kommen  in  verschie- 
denen Abänderungen  vor.  Die  zu  grofse  I^änge  einer 
solchen  Spindel,  die  unvermeidlich  ist,  wenn  man  auf 
ihr  viele  Patronen  haben  will ,  aber  deXswegen  nach- 
theilig wird,  weil  eine  sehr  lange  Spindel  schwer  so  zn 
zentrircn  ist,  dafs  jeder  Punkt  ihrer  Achse  auch  ge- 
nau in  der  Achse  der  Umdrehung  liegt ,  vermeidet 
man  dadurch,  dafs  man  auf  eine  kurze  Spindel  die 
Patrone ,  die  jedes  Mahl  gebraucht  wird ,  an  ihr  hin- 
terstes Ende  entweder  aufschraubt  ( was  mit  einem 


4x3 

linken  Gewindo  geschehen  mufsj  weil 'sie  sich  sonst 
losdreht)^  oder  aber  viereckig ,  oder  konisch  auf- 
steckt^ und  mittelst  einer  vorgelegten  Schraubenmut- 
ter befestigt.  Dadurch  kann  man  so  viele  Patronen 
bei  einer  Drehbank  haben  ^  als  man  ^illj'  nur  mufs 
för  jede,  die  hinten  angebracht  wird,  ein  dazu  pas- 
sender hölzerner  Riegel  genommen  werden.  Statt 
dieses  bedient  man  sich ,  obwohl  selten,  auch  eines 
Polsters  aus  Hutfilz  (Geifslers  Drechsler,  Band  II, 
S.  4i)>  <>^6r  auch  einer  zinnernen  Unterlage,  indem 
in  diesen  die  Patrone  besser  und  genauer  laufen  soll. 
Jene  von  Buchs-,  Weifsbuchen - ,  Birnbaum-  oder 
Lindenholz  sind  übrigens  die  cewöhnlichsten ,  denn 
wenn  sie ,  wie  es  öfter  geschieht,  verdorben  werden, 
so  kann  man  sie  schnell  und  ohne  Zeitverlust  sogleich 
wieder  ersetzen. 

• 

Da  ich  mich  über  die  vorstehenden  Anwendungs- 
arten der  Drehbänke  kürzer  fassen  konnte,  in  der 
Voraussetzung,  dafs  man  sich  nöthigenFqlls  aus  Druck- 
schriften, oder  in  Werkstätten  ausfuhrlichere  Beleh- 
rung leicht  werde  verschaffen  können ,  so  werde  ich 
hier  die  Verfertigung  der  Schraubstähle ,  von  deren 
Güte  die  Vollkommenheit  der  Schrauben  gröfsten 
Theils  abhängt,  erörtern,  um  so  mehr,  da  ich  im 
Stande  bin,  Verfertigungsarten  anzugeben,  die  nur 
wenig ,  zum  Theil  aber  auch  gar  nicht  bekannt  sind. 

Die  regelmäfsigste  ist  die  mittelst  stählerner  Rä- 
der oder  Scheiben.  Man  dreht  dieselben  etwa  von 
n^'*  im  Durchmesser,  mit  beiläufig  ^'^  breiter  Stirn. 
Wenn  sie  auf  den  vorder^  Kopf  der  ^Drehbankspin- 
del,  am  besten  mittelst  seines  viereckigen  Loches,  fest 
aufgesteckt  sind,  so  werden  auf  dem  Umkreise  Schrau- 
bengänge mit'passenden  Stählen  und  den  dazu  gehöri- 
gen Patronen  verfertigt.  Die  Gänge  selbst  versieht  man, 
so  wie  an  gewöhnlit^hen  Schraubenbohrern ,  mit  £in- 
«chnitten>    wodu^^h    die   eigentlich   schneidenden 


4i4 

Zahne  hervorgebracht  werden.     Wenn  ein  solclies 
Rad  gehärtet  y  nnd  wieder  auf  die ,  mit  der  gleichen 
Patrone  versehene  Drehhank  gehracht  worden  ist,  so 
wird  ein  abgeschrägtes  nnd  fest  angehaltenem  Stahl- 
stück  durch  die  Zähne  des  umlaufenden  Rades  ein- 
geschnitten^    und  in    einen  Schraubstahl  von  glei- 
cher Feinheit  verwandeh.     Wird    die   einzuschnei- 
dende Fläche    des    künftigen  Schraubstahls    recht- 
winkelig mit  der  Achse  des  Rades  und  der  Dreh- 
bankspiodel   angehalten^    so  entsieht   ein    äufserer, 
beim  parallelen  Anhalten  mit  beiden    aber  ein  inne- 
rer oder  Multerstahl^  die^  mit  der  nähmlichen  Scheibe 
verfertigt^  ganz  genau  zusammen  passen.     Man  sieht 
leicht,  dafs  diese  Bäder  als  Abschnitte  von  sehr  dik- 
ken  Schrauben  anzusehen  sind,    und  auch  ganz  so 
verfertigt  werden.   In  Beziehung  auf  die  Kerben  oder 
Einschnitte  ist  noch  zu  bemerken,  dafs  diese  ja  nicht 
mit  der  Achse  der  Scheiben  gleichlaufend,  sondern, 
der  Bichtung  der  Gänge  entgegen,    ziemlich  schräg 
seyn  müssen.     Denn  im  erstem  Falle  würden  die  an- 
gehaltenen Stähle  in  jede  der  geraden  Kerben  einfal- 
len, bei  der  Umdrehung  des  Rades,  so  oft   ein  Ein- 
schnitt käme,  stofsen,  und  am  Ende  ganz  verdorben 
werden. 

Im  Notbfalle ,  und  manchmabl  sogar  mit  vielem 
Vortbeil,  kann  man  auch  durch  gemeine,  zu  Kluppen 
gehörige  Bohrer,  sehr  gute  Schraubstähle  erhalten. 
Ich  hatte  einmahl  einen  solchen  sehr  feinen  (  mit  80 
Gängen  auf  den  Zoll)  nötbig,  um  auf  gedrehten  Flä- 
chen sehr  feine  konzentrische  Reifen  oder  Kreise  zu 
ziehen.  Ein  nicht  zu  schwacher  gewöhnlicher  Schnei- 
debohrer wurde  auf  der  Drehbank  eingespannt,  und 
während  er  umlief,  die  schräge  Fläche  des  künftigen 
ScSrau^stahles  angehalten,  wodurch  diese  sehr  bald 
und  nach  Wunsch  ausgeschnitten  und  mit  Zähnen 
versehen  wurde.  Aber  auch  hier  müssen  die  Ein- 
schnitte des  Bohrers  schräg,   und  so  seyn,   wie  sie 


4i5 

bereits  in  der  Fig.  28,  c,  Taf.  VI  vorgestellt  >¥ordeii 
sind ;  die  Ursache  ist  dieselbe ,  wie  bei  den  Rädern. 

Zur  Verfertigung  solcher  feinen  Zahnstähle  braucht 
man  nicht  ein  Mahl  die  Drehbank,  sondern  man  kann 
auch  folgender  Mafsen  zu  Werke  gehen.  Man  nimmt 
ein  Stahlstück ,  Taf.  VII,  Fig.  3^  a,  aus  dem  zwei 
solche  Stähle  auf  ein  Mahl  werden,  und  welches  da« 
her  auch  die  dazu  nöthige  Länge  haben  mufs»  In 
der  Mitte  desselben  wird,  durch  die  schmälere  Kante, 
ein  Loch  von  erforderlicher  Gröfse  gebohrt,  und  in 
dieses  mittelst  eines  feinen  Bohrers  eine  Schrauben- 
mutter sehr  rein  und  ganz  scharf  ausgeschnitten. 
Wenn  man  jetzt  so  viel  von  dieser  Stahlschiene  weg- 
feilt, dafs  nur  cc,ee  übrig  bleibt,  so  erhält  man 
zwei  sehr  gute  Schraubstähle,  deren  Zähne  durch 
die  erhöhten  Gänge  der  innern  Höhlung  gebildet  wer- 
den, und  deren  obere  Seiten  und  Schneiden  bei  pp 
sich  befinden.  Dafs  der  gezahnte  Theil  ein  Stück 
eines  Zylinders,  und  folglich  hohl  ist,  schadet  gar 
nichts,  wenn  nur  die  obere  Kante  p  über  die  untere 
vorsteht,  und  das  Loch  und  der  Bohrer  nicht  zu 
klein  gewesen  sind,  wodurch  freilich  die  Krümmung 
zu  beträchtlich  atisfallen  würde« 

Eine  leichte  Art,  Schraubstähle  von  mittlerer 
Feinheit  nach  zu  machen ,  oder  zu  einem  innern  oder 
äufsern  das  fehlende  Gegenstück  zu  erhalten ,  ist  fol- 
gende. Auf  einen,  in  der  Drehbank  eingespannten, 
einen  Zoll  dicken ,  und  ungefähr  ^'^  langen  Zylinder 
von  Zinn,  schneide  man  mittelst  des  vorhandenen 
Stahles  eine  Schraube,  oder  auch  blofse  Reifen  ein; 
Auf  diese  trage  man  eine  hinreichende  Quantität  fei- 
nen Schmirgel  und  öhl,  halte  das  zu  bearbeitende 
Stahlstück  an,  und  verfahre  ganz  wie  bei  einem  stäh- 
lernen Schneiderad ;  so  werden  sich  in  den  Stahl  die 
Gänge  vollkommen  und  rein  einschleifen,  das  zin- 


4i6 

nerne  Rad  aber  leidet ,    wenn  man  nicht  uninafsig 
stark  andf  ückt^  dabei  wenig. 

Dafs  man  auch  aus  freier  Hand  die  Zähne^  wenn 
tie  richtig  vorgezeichnet  sind ,  mit  einer  passenden 
Feile  werde  einschneiden  können^  unterliegt  wohl 
keinem  Zweifel;  allein  selten^  und  nur  durch  einen 
aufserst  geschickten  Arbeiter  werden  sie  jene  Genau- 
igkeit erhalten,  vermöge  welcher  bei  einem  zusam- 
men gehörigen  Paare  die  Zähne  des  einen  genau  in 
die  Vertiefungen  des  andern  passen ,  und  sie  voll- 
kommen ausfüllen.  Diese  Verfcrtigungsart  kann  also 
nur  im  Nothfalle  und  in  Ermangelung  anderer  Uülfs^ 
mittel  Statt  haben. 

Für  die  gewöhnlich  vorkommenden  Schraub- 
stähle möchte ,  besonders  zur  fabriksmäfsigen  Erzeu- 
gung, das  auf  Taf.  VIII,  Fig.  4>  5,  6,  7  und  8  vor- 
gestellte Instrument  sehr  empfehlenswerth  seyn.  Es 
besteht  aus  zwei,  blofs  von  Holz  gearbeiteten  Haupt-* 
theilen,  nähmlich  dem  untern  F ,  Fig.  ^,  6,  ^,  an 
welchem  das  Ganze  beim  Gebrauch  in  den  Schraub- 
stock gespannt  wird,  und  in  welchem  sich  wieder 
eine  messingene  Patrone  und  eine  Zwinge  zum  Ein- 
klemmen des  anzufertigenden  Stahles  befinden;  und 
aus  dem  oberen  Theile ,  welcher  sich  auf  dem  vori- 
gen schieben  läfst,  des  leichlern  Laufes  wegen  aber 
denselben  mit  einer  eisernen  Klammer  t/(^,  Fig.  7  um- 
&fst.  Es  dient  der  mit  der  Feile  versehenen  vier- 
eckigen Stange  zur  Leitung,  und  kann  n^ch  dem 
Einfeilen  jedes  Zahnes  um  die  gleiche  Entfernung 
zurück  geschoben,  und  mittelst  eines  besonderen 
Hakens  wieder  festgestellt  werden.  Zu  diesem  In- 
strument gehört  ferner  eine  Anzahl  von  Patronen  und 
Einstreichfeilen,  die  zusammen  passen,  und  deren 
Zahl  mit  jener  der  Schraubstähle,  die  man  von  ver- 
schiedener Feinheit  verfertigen  will,  übereinkommen 
müfs.    Die  Patronen  sind  prismatische  Messingstück* 


4i7 

chen  (bei  w,  Fig.  4  und  G  ist  eine  sichtbar  )^  deneq 
man  auf  der  obern  Fläche  gleich  weit  von  einander 
abstehende  Kerben  gibt^  von  welchen^  wie  die  Folge 
lehren  wird^  die  Feinheit  der  Stahle  abhängt.  Uni 
sich  die  Patronen  zu  verschaffen^  verfertigt  man  sich 
eine  Art  von  doppeltem  Körner ,  das  heifst^  ein  Stück 
geharteten  Stahles  mit  zv^ei  gleichen  Spitzen^  oder 
besser^  Schneiden«  Die  Entfernung  derselben  mufs 
dem  Abstände  der  Zähne  auf  dem  4LÜnftigen  Schraub- 
stahl gleich  seyn.  Wenn  man  diesen  Körner  auf  das 
Messingstückchen  aufgesetzt  hat^  so  drücken  sich 
durch  einen  leichten  Hammerschlag  seine  Schneiden 
in  dasselbe  ein.  In  di^  zv^eite,  der  auf  diese  Art  ent- 
standenen seichten  Kerben «  setzt  man  den  Körner 
aufs  neue ,  und  erhält  durch  Schlagen  auf  den  Kopf 
desselben  noch  eine  dritte^  in  die  letzte  einge- 
setzt, gibt  er  eine  vierte,  u.  s.  w.,  bis  die  ganze 
Fläche  mit  gleich  weit  von  einander  abstehenden  leich- 
ten Eindrücken  versehen  ist.  Diese  werden  mit  einer 
feinen  Feile  stärker  eingestrichen,  und  in  wirkliche 
JBinschnitte  verwandelt.  Durch  verschiedene  Körner 
kann  man  also  Patronen  zu  Schraubstählen  von  jeder 
erforderlichen  Feinheit  vorrichten.  Allein  eben  so 
unentbehrlich  sind  auch  die  Feilen,  deren  Form  Fig. 
8  k  darstellt.  Es  sind  dünnflache  Stahlstücke ,  auf 
den  schmalen  Seiten  schneidig  zugefeilt,  und  auf 
den  dadurch  entstandenen  vier  Flächen  wie  eine 
gemeine  Einstreichfeile  gehauen.  Je  feiner  die 
Stähle  werden  sollen,  desto  spitziger  mufs  der  Win- 
kel a ,  Fig.  8  seyn ,  weil  sonst  die  Zähne  zu  stumpf, 
und  die  Schrauben  zu  seicht  ausfallen  würden,  und 
aus  dieser  Ursache  mufs  er  immer  unter  6o  Graden 
genommen  werden.  Die  Feilen  können  auf  beiden 
Seiten  gebraucht  werden,  und  sind  also  doppelt. 
Wem  ihre  Verfertigung  zu  mühsam  seyn  sollte,  der 
wird  unter  den  Sorten  gewöhnlicher  feiner  Feilen 
solche  finden ,  die  ebenfalls ,  wenn  sie  mit  Vorsicht 
ausgesucht  werden,   dieselben  Dienste  leisten;  wie 

Jjihrb.   de»  poljt.  liut.  IV.  Bd.  '  aj 


4i8 

2.  B.  die  Einstreich -^  Trieb- und Schraubenkopf^ Pen 
len.  —  Die  zur  jedesmahligen  Patrone  passende  Feile 
v^ird  mit  m,  Fig.  4  ^i^d  6  (einer  mit  zwei  Handgrif* 
fen  b  d  versehenen  genau  viereckigen  eisernen  Stange) 
durch  eine  vorgeschraubte  eiserne  Platte  /  verbunden^ 
und  ist  jetzt  zum  Einschneiden  geeignet.   Die  Stange 
liegt  im  Obertheile  ^  Fig.  4  ^y  mittelst  zweier  kleinen^ 
mit  E  aus  einem  Stücke    bestehenden  Ansätze  n/i; 
sie  findet  hier  die  genaueste  Leitung^  und  kann  mit^ 
telst  der  Handgriflfe  hin  und  her  geführt  werden.    Ist 
der    Schraubstahl   im    Untertheile   F,    Fig.    4>    ^9 
unbeweglich  eingespannt^  so  bringt  die  Feile  y  wie  aus 
Fig.  6  noch  deutlicher  wird^  in  denselben  (hier  mit 
u  bezeichnet)  nach*  und  nach  einen  Einschnitt  zu- 
^vege>    dessen    Tiefe   und  Form    überhaupt   jener 
der  Feile  ganz    gleich   ist.    —    Noch  ist   zu  erklä- 
ren y  wie  der  zu  schneidende  Stahl  eingespannt  wird, 
wie  die  Einschnitte  mittelst  der  Patrone  in  gleichen 
Entfernungen  angebracht^  und  wie  endlich  während 
des  Ausschneidens  jedes  einzelnen  Zahnes  die  zwei 
Haupttheile  der  Maschine  unverrückt  erhalten  werden. 
Der  Stahl  mufs ,  es  mag  ein  aus  -  oder  ein  inwendiger 
seyn^  schief  eingespannt  werden  y  damit  die  mit  Zäh- 
nen zu  versehende  9  immer  schräge  Fläche  >   mit   der 
Ebene  des  Instrumentes  parallel^  und  rechtwinkelig 
gegen  die  Feile  zu  liegen  kommt.     Das  Einspannen 
geschieht  zwischen  den  Backen  r  und  Oy  Fig.  5^  und 
aswar  bei  einem  inwendigen  oder  Mutterstahl  so  y  dafs 
er  wie  w,  Fig.  6,   nach  der  Länge  der  Vorrichtung 
gelegt  wird^  oder  aber^  ist  es  ein  auswendiger  Stahl, 
dafs  er  durch  die  schiefe  Öffnung  B  geht^  und  sein 
Schaft  unten  über  dieselbe  hinaus  ragt^  seine  schräge 
Fläche  aber  ebenfalls  der  Feile  zugekehrt  ist.     Um 
die  Art  des  Festhaltens  recht  deutlich  zu  machen,  ist 
Fig.  5  ein  Querdurchschnitt  (  nach  der  Richtung  CZ>, 
Fig.  4)  beigefugt  worden.     Hier  ist  zz  ein  vierecki- 

Ser  starker^    im  Holz  frei  beweglicher  Riegel ,    der 
urch  die  Stellschrauben   CD  beliebig  verschoben 


i 

419 

'Werden  kann.  An  ihm  ist  tier  Backen  r  fest,  und 
geht  daher  mit  ihm  zugleich ,  gegen  den  andern  im 
Holz  fest  eingelassenen ,  o ,  durch  welchen  auch  der 
Riegel  z  geschoben  werden  kann.  Daher  kann  r 
durch  die  Schrauben  CD  dem  feststehenden  Bak« 
ken  o  nach  Erfordernifs  genähert^  und  zwischen 
ihnen  jeder  Stahl  von  beliebiger  Dicke  sehr  fest  in 
die  öflfnung  B  eingeprefst  werden.  Im  Untertheile 
jP,  Fig.  4 9  G,  'j,  liegt  ferner  auch  die  messingene. 
Patrone  w,  von  deren  Einschnitten  die  Stärke  und 
Enifernung  der  Zähne  des  Stahles  abhängt;  sie 
wird  in  eine  Art  von  eisernen  in  das  Holz  eingepafs- 
ten  Kästchen,  durch  die  Schraube  A  eingespannt« 
Um  nach  jedem  Einschnitte  die  Feile  weiter  zu  ri^k« 
ken,  damit  sie  einen  folgenden  gauz  gleichen  hervor- 
bringe ,  ist  das  obere  Stück  auf  dem  untern  beweg- 
lich, fällt  mittelst  eines  Hakens  int  den  nächsten  Pa- 
troneneinschnitt, und  kann  zugleich  fest  gestellt  wer- 
den. Im  Längendurchschnitte  des  Ganzen,  Fig.  6, 
ist  xa  dieser  Haken,  dessen  hinterer  Theil  gegen  a 
zu  elastisch,  und  eine  abwärts  v^irkende  Feder  seyn 
mufs.  Dadurch  eben  fällt  er,  wenn  das  Obertheil 
so  weit  als  es  nöthig  ist,  geschoben  wird,  in  einen  Pa- 
troneneinschnitt, und  jenes  kann  nun  durch  die  Flii- 
gelschraube  s,  Fig.  6  und  4>  auf  das  Untertheil  so- 
gleich befestigt  werden.  Beim  Verschieben  des  Ober- 
theiles  mufs  der  Haken  nothwendig  erst  ausgehoben 
werden,  wozu  wieder  eine  besondere  Einrichtung  nö- 
thig ist.  Man  liiflet  zuerst  die  Flügelschraube  s,  und 
schiebt  dann  den,  auf  dem  Obertheile  befindlichen 
zweiten  Haken  q  so  weit  in  das  für  ihn'  bestimmte 
öhr^  (Fig.  4  und  6)  als  er  geht.  Da  dieser  Ha- 
ken q  gegen  den  Winkel  viel  dicker  ist,  als  an  der 
Spiue,  und  eine  schiefe  Fläche  bildet,  so  wird  das 
Ohr  j^,  und  mithin  auch  ax,  an  welchem  es  fest  ist, 
in  die  Höhe  gezogen,  und  der  Einfallshaken  a:  aus 
der  Kerbe  der  Patrone  ebenfalls  heraus  gehoben. 
Jetzt  schiebt  man  das  Obertheil  langsam  so  weit  rück- 

2'J 


4^6    I 

Mrarts,  bis  x  über  dem  nächsten  Patroneneiiischfiiue 
iteht^  dreht  ff  wieder  zurück^  wodurch  xa  darch 
seine  wieder  frei  gewordene  Feder&raft  von  selbst 
in  die  nächste  Kerbe  gedrückt  wird ;  ferner  zieht  aian 
die  Schraube  s  fest  an^  und  macht  endlich*  durch 
Hin-  und  Herziehen  der  Feile  ia  d  m  b,  Fig.  4» 
einen  neuen  Einschnitt  in  den  Schraubstahl.  Diese 
Manipulation  9  welche  bei  einiger  Übung  gar  nicht 
zeitraubend  ist^  wiederhohlt  man  so  lange  ^  bis  durch 
das  Fortrücken  des  Obertheiles  und  der  mit  ihm  ver- 
bundenen Feile  j  und  ihre  Bewegung ,  die^^zeFllä- 
che  des  eingespannten  Stahles  mit  Zähnen  versehen 
ist.  Die  letztern  werden  so  scharf  und  rein^  auswen- 
dige und  inwendige  mit  derselben  Patrone  verfertigt^ 
passen  so  genau  in  einander ,  dafs  y ichts  zu  wünschen 
übrigbleibt.  Sehr  feine  Stähle  aber ,  z.B.  niitmehr 
als  vierzig  Zähnen  auf  den  Zoll ,"  die  ohnediefs  nur 
selten  verlangt  y^erden^  mufs  man  mit  dieser  Vorrich* 
tung  nicht  erhalten  wollen^  einerseits ,  weil  Patronen 
för  solche  nur  mit  gröfstcr  Mühe  genau  >  zu  verferti- 
gen seyn  werden ,  und  anderseits ,  weil  man  dann  das 
ganze  Instrument ,  um  der  genauesten  Bewegung  ver- 
sichert zu  seyn ,  von  Metall  und  mit  einem  Aufwände 
-verfertigen  müfste^  der  mit  dem  zu  erreichenden 
Zwecke  in  keinem  Verhälmifs  stünde.  Dafs  man  es 
übrigens  noch  verbessern^  und  die^  Yorbereitungsar- 
beiten  verkürzen  könnte  y  unterliegt  keinem  Zweifel. 
So  wäre  es  thunlich^  statt  der  Patronen  feilige  Schrau- 
ben zu  nehmen,  die  dreieckig  zugefeilt,  und  mit 
einer  Kante  nach  oben  stehend  eingelegt,  eben  so 
gut  zu  benützen  wären. 

Der  geringe  Grad  von  Genauigkeit,  welcher  beim 
Schraubendrechseln  auf  der  gemeinen  Drehbank  und 
nur  durch  grofse  Übung  zu  erreichen  ist,  und  die 
Beschränkung  der  Patronendrehbank  auf  die  vorhan- 
denen Palronen  und  Schraubstähle  haben  den  Wunsch 
erregt ,  an  der  Drehbank  Vorrichtungen  anzubringen^ 


4^1 

mittelst  .welcher  man^  innerhalb  gewisser  Granxen, 
Schrauben  yon  jeder  Feinheit ,  oder  wenigstens  von 
sehr  vielen  Abstofungen  drehen  könnte.  Ich  werde 
im  Folgenden  vier  solche  verschiedene  Abänderungen 
der  Drehbank  beschreiben,  die  der  Theorie  nach 
vollkommen  zur  Lösung  der  Aufgabe  genügen,  und 
wobei  die  praktischen  Hindernisse ,  die  sich  der  Aus- 
führung entgegensetzen ,  ebenfalls  berücksichtigt 
werden  sollen.  Da  zur  Schraubenbewegung  nur  die 
Verbindung  der  drehenden  Bewegung  mit  oer  gleich- 
zeitig fortrückenden  erforderlich  ist,  so  wird  man 
sich  nicht  wundern,  bei  allen  vier  folgenden  Arten^ 
ein  ganz  verschiedenes  Prinzip  zu  finden,  obwohl  sie 
darin  übereinkommen ,  dafs  nur  die  Spindel  jene  bei- 
den Bewegungen  macht,  während  der  Stahl  wie 
bei  der  Patronendrehbank,  für  welche  sie  überhaupt 
als  Ersatzmittel  angesehen  werden  können,  unbe« 
weglich  angehalten  wird.  Wollte,  man  aber  diesem 
letztern  die  fortrückende  Bewegung  geben,  der  Spin- 
del hingegen  blofs  die  rotirende,  so  könnte  man  die 
Anzahl  dieser  Vorrichtungen  noch  bedeutend  ver« 
mehren ,  *  indem  es  keine  Schwierigkeit  hätte ,  neue 
Arten  derselben  zu  erfinden ,  da  jene  doppelte  Be- 
wegung auf  die  mannigfaltigste  Art  zu  bewerkstelli- 
gen ist. 

Eine  ältere  Universal  -  Schraubendrehbank  ist 
die  von  Grandjean  in  Frankreich  erfundene  (Taft 
VI,  Fig.  aSy  Sie  hat  kein  Schwungrad,  welches 
überhaupt  zum  Schraubendrehen  zu  schwerfällig  und 
•ehr  unbequem  ist,  sondern  die  Drehung  der  Spin- 
del wird  durch  den  Tritt  c  bewirkt,  und  dieser,  so- 
bald das  Niedertreten  aufhört,  durch  die  Feder  d 
wieder  in  die  vorige  Lage  herauf  gezogen.  Den  Stahl 
läfst  man,  wie  bei  der  gemeinen  oder  Patrönendreh- 
bank,  nur  dann  schneiden ,  wenn  sich  die  S  pindel  ge- 
gen den  Arbeiter  dreht,  also,  während  der  Tritt 
abwärts  bewegt  wird.     Wenn  die  dadurch  gespannte 


'Eederd  den  Tritt  hebt^  so  dreht  sich  die  Arbeit 
verkehrt^  und  der  Stahl  kann  dann  nicht  schneiden, 
sondern  mufs  zurück  gezogen  werden.  Die  schie- 
bende Bewegung  der  Spindel  bewirkt  man  durch 
eine  zweite,  am  Tritte  befestigte  Schnur  b  y  und  den 
Winkelhebel  o ,  dessen  Arm  m  das  hinterste  Ende 
der  in  ihren  Docken  leicht  verschiebbaren  Spindel 
berührt.  Man  setze  also,  der  Drehstahl  werde 
gleich  hinter  der  Rolle  a:  unbeweglich  an  die  zu  ver- 
fertigende Arbeit  angehalten ,  und  c  nieder  getreten. 
Dem  Tritte  werden  beide  Schnüre  a  und  6  folgen; 
a  wird  die  Rolle  und  die  Spindel  wie  sonst  gegen 
den  Arbeiter  drehen,  b  aber  den  Schenkel  n  des 
Winkelhebels  niederziehen,  und  dadurch  den  andern 
Arm  m  ganz  natürlich  zwingen,  die  Spindel  vor- 
wärts zu  schieben.  Nach  dieser  zusammengesetzten 
Bewegungslinie  wirkt  auch  der  Drehstahl,  und  er 
fängt  daher  an,  die  Schraube  einzuschneiden.  Der 
Tritt,  sich  selbst  überlassen,  wird  durch  die  Feder 
d  wieder  aufwärts  gezogen,  und  auch  die  Spindel 
durch  folgende  Einrichtung  wieder  in  die  erste  Lage 
gebracht.  Die  zweite  Docke  der  Drehbank  trägt  eine 
otütze  t/,  mit  dem  Umdrehungspunkte  eines  zweiten 
Winkelhebels,  Am  äufsern  Schenkel  p  desselben 
hängt  ein  Gewicht  g,  durch  welches  sein  zweiter  an 
die  Spindel  gedrückt  wird.  Wenn  die  Schnur  b  nie- 
der-, die  Spindel  aber  vorwärts  geht,  so  wird  dieses 
Gewicht  gehoben;  wie  aber  die  Wirkung  des  Fufses 
auf  den  Tritt  nachläfst,  so  schiebt  das  Gewicht  g  die 
Spindel  zurück,  und  diese  bringt  wieder  den  Schen- 
kel m  des  ersten  Hebels  in  die  ursprüngliche  Lage. 
Um  die  Feinheit  der  Schraubengewinde  zu  bestim- 
men, mufs  der  Punkt,  an  welchem  die  Schnur  b 
mit  n  verbunden  ist,  in  beliebiger  Entfernung  von 
der  Umdrehungsachse  o  angebracht  werden  können^ 
und  zu  diesem  Behufe  gibt  man  jenem  Hebelarme 
eine  Nuth,  in  welcher  ein  kleiner,  mit  der  Schnur ä 
verbimdener^  Schieber  an  jeder  Stelle  befestigt  ¥ro^ 


4a3 

den  kann.  Wenn  b  sich  näher  bei  o  befindet^  so 
wird  der  Schenkel  n  verkürzt^  und  m  mufs  einen 
gröfsern  Boge^  beschreiben^  folglich' die  Spindel 
"Weiter  vorwärts  schieben^  und  ein  gröberes  Gewinde 
heryorbringen.  Obwohl  die  Feinheit  der  letztern 
wie  der  Befestigungspunki  der  Scbkiur  by  ganz  will- 
kürlich ist^  und  also  jede  Abstufung  mögUch  zu 
seyn  scheint ;  so  ist  diese  Drehbank  dennooh  nicht 
sehr  empfehlenswerth.  Die  zu  schneidende  Spindel 
mufs  entweder  ( wie  in  der  Zeichnung )  eine  unnö* 
ihige^  und  des  zu  befürchtenden  Zitterns  und  Yibrirens 
wegen^  s^hr  nachtheilige  Länge  haben  ^  oder  aber 
auf  eine  Art  y  die  hier  mühsam  und  umständlich  ist, 
zwischen  Spitzen  eingespannt  werden.  ,  Da  an  ihr 
immer  die  Rolle  a:  stecken  mufs^  so  fällt  aller  Wi^ 
derstand,  der^;,rda  auch  das  Gewicht  g  zu  heben 
nicht  unbedeu^qnil  seyn  wird^  auf  sie  zurück, 
und  wenn  sie  etwas  dünn  ist,  wird  sie  nothwendig 
achwanken ,  mithin  die  Schraube  nicht  vollkom^ 
men  ausfallen.  Ihre  Fehlerhaftigkeit  wird  noch 
durch  das  während  der  Arbeit  Statt  findende  Aus- 
ziehen der  Schnüre  Uy  b  vermehrt.  Weniger  be* 
deutend  ist  es ,  dafs  man  auf  dieser  Drehbank  blofa 
Spindeln,  aber  keine  Schraubenmuttern  verfertigen 
kann,  wovon  der  Grund  einleuchtet,  sobald  man  sich 
vorstellt,  wie  ein  Mutterstahl  angebracht  werden 
mufs, 

Figur  23,  Taf.  VI,  stellt  eine  andere  Drehbank 
vor,  wo  mittelst  eines  auf  der  Hinterdocke  stehenden 
metallenen  Kegels,  wenn  auch  nicht  alle,  doch  eine 
grofse  Zahl  von  Feinheitsabstufungen  der  Gänge  zu 
erhalten  sind.  Der  Kegel  dy  Fig.'  ^3,  hat  mehrere 
Abtheilungen,  und  auf  jeder  derselben  ein  Loch, 
in  welches  der  Haken  einer  stählernen  Gelenkkette  by 
die  mit  den  in  Uhrwerken  gebräuchlichen  über-* 
einkommt,  eingelegt  werden  kann.  Die  Welle,  an 
Welcher  der  Kegel  fest  ist,  bewegt  sich  unten  in  der 


Pfanne  k ,  oben  aber  in  einer  runden  ÖflFnung  der  zu 
diesem  Zwecke  vorhandenen  Stütze  m.  An  d  befia- 
det  sich  aucli  noch  der  Rechen  e,  ein  Theil  eines 
Kronrades  (in  Fig.  a/i,  Taf.  VI,  wo  er  von  unten  vor- 
gestellt ist ,  kann  man  seine  Zähne  bemerken  \  wel- 
cher jede  erhaltene  Bewegung  auch  dem  Kegel  mit- 
theilt. Die  Drehbankspindel  h  i  trägt  hinten  ein 
langes  Getriebe  fy  welches  in  den  Rechen  eingreift, 
und  ihn  also  ebenfalls  umdreht.  Die  Kette  b^  mit 
einem  Ende  in  ein  Loch  des  Kegels  eingehangen^ 
ist  mittelst  eines  Stiftes  an  der  senkrechten  Schie- 
ne a  a  befestigt ;  diese  aber  entweder  bei  x  um 
eine  Achse  beweglich,  oder  so  elastisch^  dafs  ihr 
Untertheil,  etwa  von  a  bis  x^  sich  federn^  und 
dem  Zuge  der  Kette  b  folsen  kann.  An  aa  steht 
auch  der  äufserste  abgerimdete  Theil  der  Spindel  i 
genau  an.  Beim  Niederziehen  der  Schnur  p  mittelst 
des  gewöhnlichen  Tretens,  erfolgen  aufser  dem  Rund- 
laufen  der  Spindel  noch  folgende  Bewegungen.  Das 
Getriebe  f  dreht  den  Rechen  e  und  den  Kegel  d. 
Auif  diesen  windet  sich  ein  Theil  der  Kette  b  auf; 
diese  zieht  wieder  nach  der  Richtung  des  Pfeiles  die 
senkrechte  Schiene,  und  die  an  letztere^  bei  i  anste- 
hende Drehbankspindel  wird  gleichzeitig  mit  dem 
Runddrehen  vorwärts  geschoben,  und  zur  Schraa- 
benbewegung  genöthigt.  Um  aber  die  bei  h  einge- 
spannte Schraube  völlig  ausschneiden  zu  können^  mufs 
aie  Spindel  und  alles  Übrige  wieder  in  die  erste 
Lage  zurück.  Dazu  dient  die  Feder  g.  Sobald  man 
mit  dem  Treten  nachläfst ,  geht  die  Schnur  durch  die 
Wirkung  einer  ähnlichen  Feder,  wie  bei  der  vorigen 
Drehbank  (  Taf  VI ,  Fig.  nSy  d)  den  verkehrten 
Weg ;  die  Spindel  dreht  sich  in  der  entgegen  gesetz- 
ten Richtung,  nähmlich  vom  Arbeiter  ab,  durch  die 
Drehung  des  Getriebes  f  nach  eben  derselben  wird 
der  Kegel  zurück  gefiihrt,  und  die  Kette  b  wieder 
abgewunden.  Sie  kann  aber  nicht  schlaff  werden^ 
weil  eben  jetzt  die  vorhin  gespannt  gewesene  Feder  g 


4^5 

naeh  rück^värts  "wirkt  ^  ^ureh  ihre  Kraft  da^  Ende 
der  Spindel  i  mit  der  Schiene  aa  in  beständiger 
Berührung  bleibt^  und  aa  "wieder  in  die  vorige  senk- 
rechte Lage 'zurück  gebracht  wird.  Die  Abstufungen 
des  Kegels  dienen  dazu,  feinere  oder  gröbere  Ge^ 
^inde  zu  erhalten ,  indem^  bei  gleicher  Umdrehungs- 
geschwind iskeit  der  Spindel,  ihre  geradlinige  Bewe- 
gung verändert  \nrd.  Wenn  die  Kette  am  dickehl 
Theile  des  Kegels  und  dem  gegenüberliegenden  Stifte 
in  aa  eingehangien  vrird,  so  windet  sich  mehr  von 
derselben  auf  den  ersteren  auf^  aa  wird  weiter  vor- 
wärts gezogen,  die  Spindel  weiter  geschoben,  und  die 
Gewinde  der  Arbeit  werden  weitläufiger  und  gröber. 
Die  untersten  Stufen  des  Kegels  geben  also  die  stärk- 
sten, die  obersten,  die  feinsten  Schrauben ,  und  mit 
der  Anzahl  derselben,  die  zu  vergröfsern  nicht  schwer 
ist,  mehrt  si<«h  auch  die  Verschiedenheit  der  zu  er- 
haltenden Gewinde.  Bisher  wurde  immer  dasselbe 
Getriebe  y  vorausgesetzt ;  dadurch  aber,  dafs  man 
solche  mit  mehreren  Zähnen  aufsteckt,  kann  die  Be- 
wegung des  Kegels  beschleunigt ,  noch  mehr  von  der 
Kette  auf  die  nähmlichen  Reifen  desselben  aufgewun- 
den, und  also  die  Anzahl  der  Schrauben  noch  sehr 
vermehrt  werden.  Nur  müfste  man  dann  den  Re- 
chen e  so  einrichten,  dafs  er  für  ein  dickeres  (mit 
mehr  Zähnen  versehenes  Getriebe)  höher  und  immer 
bo  gestellt  werden  könnte,  dafs  er  jedes  Mahl  mit  dem- 
selben im  gehörigen  Eingriff  bliebe,  was  ebenfalls 
keiner  Schwierigkeit  unterliegt.      Übt^igens  mufs  die 

Sanze  Drehbank  sehr  genau  gearbeitet ,  und  beson- 
ers  der  Eingriff  zwischen  Rechen  und  Gelriebe  auf 
das  Sorgfältigste  berichtigt  werden,  weil  man  sonst 
bei  feinen  Schrauben  des  Zweckes  gänzlich  verfehlen^ 
und  sie  bei  weiten  unvollkommener  als  durch  Patro^ 
nen  erhalten  würde. 

Weniger   zusammengesetzt,    und  besonders  für 
Schrauben  auf  Messing  und  Eisen  weit  vorzüglicher 


4:»6 

kl,  4i^  Auf  Taf.  yill ,  Fig.  1 1  gezeichnete  Dreh- 
bank, Das  charakteristische  Stück  derselben  ist  ein 
eiserner  Rahmen  (von  dem  aber  in  der  Figur  biofs 
die. eine  längere  Seite  Uy  zu  sehen  i^t)^  an  dessen 
oberer  Leiste  .mittelst  eines  gut  gearbeiteten  doppel- 
ten Gewindes  eine  starke  Schiene  t  sich  befindet 
Diese  endet  sich  wieder  in  einen  gezahnten  Bogen  rr, 
fM  welchen  die  endlose  Schraube  jCfy  ebenfalls  noch 
am  Rahmen  fest^  eingreift^  und  bestimmt  ist^  durch 
Bewegung  des  Bogens  die  mittlere  Schiene  t  be- 
liebig über  die  Fläche  des  Rahmens  zu  erheben. 
Das  Ganze  stellt  daher  eine  mehr  oder  weniger 
schiefe  Fläche^  oder  einen  Keil  dar^  tvovon  der  Nei- 
gungswinkel durch  Umdrehung  der  Schraube  ohne 
}ii\deqy  willkürlich  bestimmt  werden  kann.  Der  Rahmen 
selbst  ist  in  zwei  Nuthen  der  hintern  senkrecht  ste- 
henden Pfosten  beweglich,  hat  zur  .Yerminderung 
der  Reibung  vier  Rollen^  mit  denen  er  auf  dem  Holze 
läuft,  und  hängt  bei  p  an  einer  Schnur  c,  welche  über 
die  R,olle  b  seleitet^  an  der  Drehbankspindel  d  fest- 
gemacht wird.  —  Die  mittelst  des^  in  der  Zeichnung 
weggelassenen  Trittes  niedergezogene  Scbmiir  e  drehe 
die  Arbeit  auf  die  gemeine  Weise^  zugleich  aber  wiki* 
kelt  sich  die  apdere  Schqur  c  auf  die  Spindel  auf, 
und  hebt  den  au  ihr  hangenden  Rahmen  nebst  der 
schiefen  Fläche,  Die  Spindel  wird  dadurch  auch 
vorwärts  g^hen^  weil  ihr  hipteres  Ende  an  die  in  die 
Höhe  steigende  keilförmige  Fläche  t  ansteht ,  von  ihr 
geschoben^  und  jene  also  genöthigt  wird^  die  oft  be^ 
sprochene  Schraubenbewegqng  zu  machen.  Bei  der 
Umdrehung  in  verkehrter  Richtung  (die  zum  all- 
mählichea  Ausschneiden  der  Schraube  bei  allen 
Drehbänken  unerläfslich  ist)  wickelt  sich  die  Schqur 
c  wieder  ab^  die  schiefe  Fläche  sinkt  zurück,  durch 
ihr  eigenes,  und  durch  das  noch  besonders  ang^" 
hängte  Gewicht  s,  und  die  Spindel  kann  durch 
den  Druck  einer  vorher  gespannt  gewesenen  Feder, 
diQ  in  der  j^eichnung  weggeblieben  ist^  yon  welcher 


4^7 

sie  aber  bei  x  nmfafst  VivcAy  wieder  die  ursprünglicbre 
Lage  annebmen.  Kaum  angedeutet  braucht  es  zu 
vrerden,  dafs  die,  durch  die  Schraube  q  abzuän- 
dernde Neigung  der  schiefen  Fläche  auch  verschie« 
dene  Gewinde  hervorbringen  werde.  Steigt  sie  mehr, 
80  wird  die  Spindel  in  derselben  Zeit  weiter  vorge- 
schoben, und  die  Schraube  gröber  3  eine  geringere 
Erhöhung  aber  gibt  feinere  Gänge.  Die  Abstufungen 
kann  man  nach  Willkür  erhalten,  und  die  unentbehr- 
lichsten allenfalls^auf  dem  gezahnten  Bogen  rr  durch 
eine  Art  Eintheilüng  anzeichnen.  Diese  Drehbank 
gehört  unter  die  vorzüglichsten,  und  nur  der  Vor- 
wurf trifft  sie ,  dafs  sie  zur  Bewegung  ziemlich  viel 
Gewalt  erfordert,  indem  der  schwere  Rahmen  mit 
dem  Gewichte  s  gehoben,  und  seine  Reibung  am 
Holze  überwunden  werden  mufs.  Indefs  kann  die 
letztere  durcb  recht  genaue  Bearbeitung,  durch  Aus- 
füttern des  Holzes  mit  Metall,  und  ähnliche  Mittel  ver-^ 
mindert ,  und  dann  auch  der  Rahmen  selbst  viel  leich- 
ter gemacht  werden*). 

Die  Reihe  der  Schraubendrehbänke  soll  die  auf  Taf. 
Vni,  Fig.  10  vorgestellte  bcschliefsen ;  'bei  welcher 
eine  unbiegsame  Schiene,  a  b ,  die  schiebende  Be we« 
gung  der  Spindel  bewirkt.  Ein  viereckiger,  mit  cp 
bezeichneter  Riegel  kann ,  mittelst  einer  angebrach- 
ten Leitung,  leicht  horizontal  hin  und  her  geschoben 
werden;  in  seinen  Kopf /?  aber  ist  das  Ende  der 
Spindel  so  eingelassen,  dafs  sie  sich  wohl  drehen, 
aber  nie  von  ihm  trennen  kann.  In  der  Mitte  besitzt 
er  eine  länglich  viereckige  Öffnung,  durch  welche 
die  Schiene  ab  geht,  aber  in  derselben  mittelst  eines 

■  I    ■■    ■     .   i  — ,^— — ^— 

*)  Die  Zeichnung  ist  «nar  so,  wje  die  der  vorigen  und  nachsl- 
folgenden  n^ch  einer  Tvirli] ich  bestehenden  >  Drehbank  ange- 
fertigt ,  indefs  mufs  doch  bemerkt  werden ,  dafs  eine  9  dem 
Principe  nach ,  gleiche  9  aber  im  Detail  viel  unvollkomme-t 
nere  und  weniger  sweckmäCsigere ,  auch  im  IMagasin  aller 
n^HOa  Erfindungen«  Bd«  IV «  &  ifuj«    sv  finden  i>(«. 


4a8 

Stiftes  eingehängt  ist^  und  sich  detnnach  um  denselben 
wenden  kann.  Bei  z  ist  am  Gestelle  eine  feste  eiserne 
Stütze  mit  mehreren  Löchern  angebracht,  in  deren 
eines  ( in  der  Zeichnung  in  das  oberste  )  ein  sut^ 
ker  runder  Stahlstift  eingesteckt  wird.  Die  Schnur  e 
ist  am  untern  Ende  von  ba^  und  anchy  über  eine 
Rolle  k  aufwärts  geleitet,  an  der  Drehbankspindel 
befestigt.  Beim  gewöhnlichen  Niedergehen  der 
Schnur  o  windet  sich  die  zweite  ee  auf  den  hin- 
tern Theil  der  Spindel  auf.  Ihr  folgt  die  Schiene  ab^ 
indem  sie  sich  schief  stellt,  und  das  Ende  b  dersel- 
ben sich  gegen  den  nur  gedachten  Stahlstift  stemmt 
Da  dieser  nicht  weicht,  so  mufs  der  Riegel  cpy  mit 
welchem  ba  verbunden  ist,  sich  vorwärts  schieben, 
und  mit  ihm  auch  die,  sich  während  dem,  runddre- 
hende Spindel.  Ihr  Zurückgehen  bewirkt  hier  keine 
Feder,  sondern  das  Gewicht^,  welches  beim  Nie- 
dertreten gehoben  worden  ist,  nach  demselben  aber 
den  Riegel  c  p  und  alles  mit  ihm  Verbundene 
auf  die  erste  Steile  zurück  bringt^).  Der  Punkt,  am 
welchen  sich  die  als  ein  Hebel  zu  betrachtende  Scbiene 
eigentlich  bewegt,  ist  kein  anderer,  als  der  Suhlstift 
inz,  und  wird  dieser  verändert,  so  wird  auch  die 
Länge  jenes  Hebels  vermindert,  oder  vermehrt.  Steckt 
man  den  Stift  in  eines  der  tiefer  stehenden  Löcher  der 
Stütze  z,  so  entsteht  ein  feineres  Gewinde,  weil  jeut  der 
Hebel  a  6  als  kürzer  zu  betrachten  ist,  und  daher  den 
Riegel  und  die  Spindel  in  derselben  Zeit  nicht  mehr 
so  weit  vorwärts  schieben  kann.  Die  obersten  Löcher 
geben  daher  die  gröbsten ,  die  untersten  die  feinsten 
Schrauben.  Diese  Drehbank,  obwohl  anscheinend 
weniger  einfach ,  als  die  vorige ,  ist  dennoch  leich- 
ter herzustellen,  mit  geringerer  Kraft  in  Bewe- 
gung zu  setzen ,  und  daher  für  Arbeiten  aus  weicbe- 


*)  Die  Klammer  mm  verhindert  das  Ausweicbea  der  ziemlich 
langen  Schiene  nach  der  Seite ,  und  erlaubt  ihr  blofii  die 
Bewegung  vor*  und  rüekwärt». 


4^ 

ren  Materialien^  tut  Holz,  Hom^  Beuii  Messitig^  u« 
8.  w.  sehr  zu  empfehlen. 

Die  vier  eb^n  beschriebenen  Drehbänke  gehören 
unter  die  Sekenheiten^  während  die  Patronendreh- 
bauk  in  jeder  bessern  Werkstätte  zu  finden  ist^  un- 
geachtet oft  die  Verlegenheit  einixitt,  dafs  man  Schrau- 
ben braucht,  für  welche  weder  Patronen  noch  Schraub* 
stähle  vorrälhig  sind.  Diesem  Fehler  würde  aller« 
dingSy  vorzugsweise  die  Taf.  VIII,  Fig.  ii  abgebil- 
dete y  und  auch  die  auf  derselben  Tafel,  Fig.  lo  be- 
findliche, abhelfen,  wenn  man  den  Stahlstif^  der 
letztem  durch  eine  leichte  Abänderung  auf  jedem 
Punkte  der  Stütze  z  zum  Feststellen  einrichtete, 
allein  dessen  ungeachtet  können  solche  Vorrichtungen 
nie  allgemein  werden.  Der  gemeine  Drechsler  langt 
mit  der  gewöhnlichen  Dockendrehbank  aus ;  für  die 
regclmäfsig  vorkommenden  Metallarbeiten  dient  die 
Patronendrehbank,  die  man  zu  8  bis  la  verschiede- 
nen Gewinden  ohne  Anstand  einrichten  kann;/ und 
nur  der  eigentliche  Mechaniker  bedürfte  einer  oder 
der  andern  vorhin  aufgeführten  künstlichen  Einrich- 
tungen. Allein  auch  -sie  unterliegen  noch  mehreren 
Beschränkungen.  Für  feine  Schrauben  mit  5o  und 
mehr  Gängen  auf  den  Zoll  fallen-sie,  weil  sie  doch  auch 
zum  gewöhnlichen  Runddrehen  dienen  sollen,  zu 
schwer  aus,  fiir  sehr  grobe  aber  sind  sie  wieder, 
wenn  sie  in  der  gehörigen  Stärke  gebauet  werden,  zu 
schwer  zu  bewegen,  und  für  die  mittleren  Gänge 
weniger  brauchbar.  Jene  kleinen,  durch  sie  zu  er- 
reichenden Abstufungen,  und  Schrauben  mit  bestimm- 
ter Anzahl  von  Gängen,  werden  noch  überdiefs  so 
selten  verlangt,  dafs  eine  Werkstätte  fast  nur  der 
Ostentation  wegen ,  und  um  Nichtkenner  zu  blenden, 
sich  mit  Kosten-  und  Zeitaufwand  in  den  Stand  set- 
zen wird,  jede  mögliche  Schraube  zu  verfertigen. 
Man  darf  femer  nicht  hoffen,  sogleich  nach  gehöriger 
Stellung  einer  solchen  Universaldrehbank  mit  einem 


43o 

einfachen  Splizstahl  Schrauben  schneiden  zu  kdnnen« 
Wird  derselbe  blofs  mit  der  Hand  angehalten^  so 
kann  diefs  nie  so  unverriickt  geschehen,  dafs  die 
Gänge  gleich  yrürden.  In  der  Regel  mafs  man  also 
auch  hier  die  Schraubstähle  haben ,  und  ist  auf  die 
ihnen  elitsprechenden  Gewinde  beschränkt.  Indes- 
sen kann  man,  mittelst  eines  Supportes,  auch  dieser 
Beschränkung  wohl  abhelfen ,  der  aber  dazu  einer 
besonderen  Einrichtung  bedarf.  In  einen  gewoha- 
lichen  Support  wird  der  Drehstahl  unbeweglich  ein- 
gelegt, und  der  Schieber,  auf  dem  er  sich  befindet, 
allmählich  mittelst  der  Führungsschraube  der  Arbeit 
genähert.  Diese  läuft  aber  beim  Schraubenschneidea 
obwechselnd  vor  und  zurück ,  und  im  letztem  Falle 
mufs  der  Stahl  ebenfalls,  damit  seine  Spitze  nicht 
abbreche,  zurück  gezogen  werden.  Diefs  kann  aber 
mit  der  Führungsschraube  kaum  zur  rechten  Zeit 
tind  hinreichend  schnell  geschehen.  Die  einzig  mög- 
liche Art,  beim  Schraubendrehen  die  eigentlichen 
Schraubstähle  zu  entbehren,  ist  demnach  die,  dafs 
-der  Spitzstahl  im  Support  in  zwei  Klammem  lieet, 
und  mittelst  eines  Hebels  gegen  die  Arbeit  gedrückt 
wird,  dieser  aber  eine  Feder  erhält,  welche,  so- 
bald man  zu  drücken  aufhört ,  augenblicklich  densel- 
ben, und  mit  ihm  den  Stahl  zurück  zieht;  eine  Abän  • 
derung ,  deren  man  sich  zum  Guillochiren  erhabener 
Flächen,  z.B.  der  Uhrgehäuse  bereits  schon  bedient. 

Unentbehrlich  sind  die  Drehbänke,  wie  schon 
früher  erinnert  wurde,  zum  Schraubenschneiden  auf 
hohlen  und  dünnen  Röhren ,  weniger  tauglich  aber 
zur  Anfertigung  schwacher  Schi*auben8pinaeln ,  oder 
künftiger  Schraubenbohrer,  weil  man  diese  fast  nie 
so  einspannen  kann,  dafs  sie  nicht  zittern,  sich  schwin- 
gen und  federn,  wovon  der  Nachtheil  von  sich  selbst 
klar  ist.  Auch  flachgängige  Schrauben  liefert  die 
Drehbank  nicht,  indem  für  diese,  wo  weit  mehr 
Metall  weggeschnitten  werden  mufs,  die  gewöhnliche 


43i 

bewegende  Kraft  y  yerbünden  mit  der^  jeder  Dreh- 
bank eigen thümlichen  schnellen  Umdrehung,  nicht 
hinreicht,  auch  bei  dem  hier  nöthigen  gewaltsamen 
Anhalten  des  Stahles  bei  der  Patronen  -  Drehbank  die 
hölzernen  Riegel,  bei  den  künstlicheren  die  Ketten, 
Schnüre,  oder  andere  Theile  nachgeben  würden. 
Wohl  aber  können  mit  gewöhnlichen  Stählen  mehr- 
fache Schrauben  erhalten  werden«  Man  lasse  die 
Spindel  einer  Patronen-  Drehbank   auf  einem  sehr 

froben  Register  laufen,  und  schneide  mit  einem 
table,  der  noch  ein  Mahl  so  fein  ist,  als  die  eben 
angewendete  Patrone ;  so  entstehen  nothwendig  dop- 
pelte Gänge  auf  der  Arbeit,  bei  einem  drei  Mahl  fei- 
nem Stahl  dreifache  u.  s.  w.  So  erhält  man  doppelte 
Gänge,  oder,  wie  die  Drechsler  ^agen ,  zwei  Anfänge, 
wenn  man  bei  der  gemeinen  Drehbank  den  Schraub-* 
stahl  mit  der  doppelten  Geschwindigkeit,  die  zu  se^ 
nem  regelmäfsigen  Gebrauche  nöthig  wäre,  f*  rtbewegt. 
Auf  ähnliche  Art  könnte  man  bei  allen  bisher  erwähn^ 
ten  Drehbänken  verfahren ;  allein  eine  nähere  Aus^ 
einandersetzung  ist  um  so  überflüssiger,  als  sich  diese 
Eutstehungsart  mehrerer  Gänge  sehr  leicht  nach  dem 
oben  Seite  371  Gesagten  erklären  läfst. 

Ich  komme  jetzt  zu  den  eigentlichen  Schrauben^ 
schneid*  Meischinen,  deren  vorzüglichste  Bestimmung 
es  ist,  Schrauben  von  einer  Dicke >  Länge  oder  Ge- 
nauigkeit hervor  zu  bringen,  wie  man  sie  durch  alle 
bisher  aufgezählten  Mittel  nicht  zu  erhalten  im  Stande 
ist.  Unter  den  drei  Hauptarten  derselben  ist  die 
erste  (Taf.  VIII,  Fig.  9)  zu  den  stärksten  flach -und 
mehrgängigen  Prefsspindeln  äufserst  vortbeilhafte 
in  dem  Grade  einfach,  dafsaienur  im  weiteren  Sinne 
KU  den  Maschinen  gerechnet  werden  kann.  Auf  dem 
aus  starken  Pfosten  bestehenden  Gestelle  findet 
in  einer  Stütze  derselben  bei  k,  die  Leitspindel  1, 
ihre  Schraubenmutier.  Am  hintern  Ende  der  Spin- 
del sieht  man  die  Büchse  h ,  in  welche  die  erst  sa 


434     ^ 

sdineidcndd ,  aber  schon  gehörig  rund  zogerichtettf 
Schraube  m,  mit  mehreren  Schrauben  eingespannt, 
und  ihre  Achse  mit  der  von  i  genau  gleichlaufend  so 
Bentrirt  werden  kann^  dafs  sie  mit  i  während  der  Ar- 
beit nur  ein  und  dasselbe  Stiick  ausmacht.  Die 
Stütze  n  hat  dort^  v/o  die  Spindel  m  durch  sie  geht, 
ein  für  dieselbe  genau  passendes*  rundes  Loch,  wel- 
ches überhaupt  blofs  zur  Leitung  dient«  An  der 
Leitspindel  i  ist  endlich  noch  ein  starkes  hölzer- 
nes Kreuz  //  befestigt,  durch  welches  sie  von  meh- 
reren Personen  mit  der  noihigen  Gewalt  unagedrcht 
werden  kann.  Man  sieht  leicht^  dafs,  wenn  das 
Letztere  geschieht,  das  Stück  m  ebenfalls  eine  Schrau- 
henbewegung,  und  zwar  eine^  der  Spindel  i  ganz 
bleiche  y  wird  machen  müssen.  Wird  jetzt  noch  an 
^ie  Stütze  n  bei  der  runden  Öffnung  ein  schneiden- 
•der  Zahn  angebracht ,  so  wird  dieser  auf  m  wirken, 
xind  nachcler  Bewegung  der  Leitspindel  i  einen  Span 
weg  zu  schneiden  anfangen.  Da  wegen  der  voraus- 
gesetzten Tiefe  der  Gänge  y  durch  einmahliges  Vor- 
wärtsgehen von  i  und  m,  die  neue  Schraube  noch 
nicht  vollendet  seyn  kann ,  so  mufs  i  wieder  heraus^ 
oder  in  der  Mutter  i  zurück  gedreht ,  der  Zahn  g 
tiefer  gestellt,  der  vertiefte  Gang  aufm  zum  zweiten 
Mahle  mittelst  desselben  bearbeitet^  und  dieses  all- 
mähliche Tieferstellen  des  Zahnes  und  das  ganze  Ver- 
fahren so  lange  wiederhohlt  werden,  bis  m  ganz  fertig 
und  tief  genug  ausgeschnitten  ist.  Der  stählerne  Zabng 
liegt  in  einer  eisernen  Hülse ,  in  welcher  er^  sowohl 
langsam  nach  unten  hinausgeschoben  ^  als  auch  durch 
zwei  bis  vier  starke  Schrauben  während  des  Schnei* 
dens  fest  gehalten  werden  kann,  damit  ihn  der  Wi- 
derstand des  Materials  und  die  hier  überhaupt  nöthig^ 
grofse  Gewalt  nicht  zurück  zwingen  kann.  Ferner  ist 
überall,  wo  man  flache  Gewinde  mit  nur  einem  Zahn 
schneidet,  recht  sehr  anzurathen ,  diesem  mit  einem 
abgerundeten  vorzuarbeiten^  und  den  flachen  erst 
dann  einzulegen^  wenn  jener  schon  die  Gewinde  g^* 


433 

schnitten  Kat.  Die  Ursache  ist  folgende.  Der  flache 
Zahn  mufs  drei  von  einer  Seite  zugeschär.fle  recht« 
winkelig  zusammen  stofsende  Flächen  haben^  die  aber^ 
wenn  die  Spindel  nur  einiger  Mafsen  lang  ist^  nicht 
durch  die  ganze  Arbeit  aushalten^  sondern  an  den 
Ecken  stumpf  werden^  oder  gar  ausbrechen.  Durch 
die  erwähnte  Vorsicht  aber  brauchen  jene  scharfen 
Kanten  das  Gewinde  blofs  zu  vollenden^  sie  halten 
aus,  und  der  Grund  der  Gänge  wird  rein^  scharf 
und  winkelrecht.  Mittelst  dieser  Maschine  erhält  man^ 
wenn  sie  ^tark  genug  gebauet  ist^  eiserne  Spindeln 
bis  8  Zoll  im  Durchmesser^  aber  immer  nur  solche 
Gewinde,  die  der  jedes  Mahl  angewendeten  Leit- 
spindel i  entsprechen.  Die  Spindel  m  kann  dicker 
oder  dünner  seyn  als  i,  m  kann  scharfe  Gänge  he« 
kommen,  wenn  i  flache  hat,  und  lungekehrt,  dafs 
demnach  also  einzig  und  allein  die  Neigung  der 
Gänge,  sonst  aber  auch  gar  nichts,  von  i  bedingt 
wird.  Auch  wenn  man  eine  eiserne  Leitspindel  von 
der  nöthigen  Beschaffenheit  nicht  sich  zu  verschaffen 
im  Stande  ist,  kann  man  leicht  helfen ,  und  die  Ma* 
schine  wird  um  so  einfacher  und  schätzenswerther. 
Die  Spindel  i  kann,  wenn  sie  nur  die  gehörige  Gang« 
weite  hat,  auch  von  Holz  se}m,  in  k  die  Mutter 
bekommen,  und,  um  ihr  die  nöthige  Dauer  zu 
geben,  12  Zoll  dick  gemacht  werden,  wenn  die 
zu  schneidende  Schraube  m  nur  4  oder  6  im  Durch- 
messer  zu'  haben  braucht.  Ja  sogar  eine  solche 
eigentliche  Schraube  von  Holz  ist  entbehrlich,  wenn 
man  auf  einen  hölzernen  Zylinder  die  Gänge  vor- 
zeichnet ,  mit  einer  starken  Säge  einschneidet,  und 
bei  k  eine  Zugplatte  von  gehöriger  Stärke  für  sie  ein- 
legt, kurz  ganz  so  verfährt,  wie  schon  oben,  Seite 
4o3,  4p49  bei  Gelegenheit  der  hölzernen  Schrauben 
auseinander  gesetzt  wurde.  Auch  Schrauben  mit  meh- 
reren Gängen  kann  man  auf  dieser  Maschine  leicht 
erhalten,  nur  mufs  jeder  Gang  besonders  geschnitten 
werden.     Auf  die  hölzerne  Leitspindel  wird  nur  ein 

Jahrl».  d.  pol^t.  Uüt    IV.  Ud.  ^3 


434    . 

Gang  von  gehöriger  Steigung  vorgeschnitten,  und 
fiir  ihn  die  Zugplatte  bei  k  eingelegt.  Der  Zahn  g 
bildet  dann  auf  m  nur  einen,  aber  sehr  v?eitläufigen 
Gang.  Um  zwischen  den  Windungen  desselbea 
den  zweiten  und  dritten  zu  erhalten,  wird  in  ge- 
hörigem Abstände  ein  zweiter  (auch  wenn  er  aus- 
gehalten hat,  derselbe  Zahn)  eingelegt,  und  end- 
lich noch  der  dritte,  und  mit  jedem  besonders 
der  nächste  und  letzte  Gang  eingeschnitten.  Dafs 
man  bei  dem  Loch  in  g  drei  gleich  weit  von  einander 
entfernte  eiserne  Hülsen  für  die  nach  einander  wir- 
kenden Zähne  braucht,  erhellt  von  selbst;  drei  Ein- 
schnitte auf  der  Spindel  i,  und  drei  Zugplatten  wä- 
ren nur  des  sichern  Ganges  wegen  zu  empfehlen,  aber 
nicht  unentbehrlich.  Es  erhellet,  dafs  man  durch 
einen,  mit  der  Stärke  der  Spindeln  verglichen,  nur 
geringen  Aufwand,  Schrauben  von  den  gröfstea 
Durchmessern  wird  verfertigen  können,  und  dafs  da- 
her diese  Maschine,  eben  ihrer  Einfachheit  wegeOi 
unter  die  unentbehrlichsten  und  schätzenswürdigsten 
gehört.  Sie  schliefst  sich  an  die  Drehbänke  an, 
durch  eine  ziemliche  Ähnlichkeit ,  die  sie  mit  der  Fa* 
tronen- Drehbank  hau  Die  Leitspindel  i  kann  mit 
der  Patrone  verglichen  werden ,  die  AI utter  bei  k  ve^ 
tritt  die  Stelle  des  hölzernen  Riegels,  der  feststehende 
Zahn  fehlt  ebenf^ls  nicht;  nur  die  Art  der  Bewe- 
gung ist  anders  und  langsamer,  wie  sie  es,  um  grofse 
Gewalt  anwenden  zu  können,  auch  seyn  mufs.  -- 
Schraubenmuttern  kann  man  mit  ihr  ebenfalls  vcrfer- 
tigen,  obwohl  es  ziemlich  selten  geschieht.  Das  mit 
dem  gehörigen  Loche  versehene  Metallstück,  in  >¥el- 
^chem  die  Mutterschraube  entstehen  soll ,  wird  statt 
der  runden  Öffnung  in  n  angebracht.  An  die  Leit- 
spindel i  kömmt  aber  statt  m  ein  einfacher  hölzerner 
oder  metallener  Zylinder,  in  welchen  quer  der  Zahn 
eingelegt  wird.  Für  diesen  Zylinder  mufs  endlich 
noch  aufser  n ,  eine  dritte  Stütze  mit  blofser  runder 
Öffnung,  um  ihm  zur  Leitung  zu  dienen,  angebracht 
werden.    Der  in  ihm  steckende  Zahn  macht  durch 


435 

die  Spindel  i  ebenfalls  die  Schraubenbewegung  ^  und 
sobald  er  in  das  Mutterstück  kommt ,  fangt  er  an  in 
demselben  die  Gänge  zu  schneiden^  lund  vollendet 
sie^  wenn  er  während  der  Arbeit  nach  und  nach 
weiter  vorwärts  geschoben  wird.  Daher  wird  durch 
diese  Anwendungsart  die  Maschine  den  Holzscbrau- 
benbohrern  mit  der  Zugplatte  (siehe  oben  Seite  4o3  ) 
fast  ganz  gleich.  —  Bei  so  vielen  Vorzügen  wird  man 
sich  über  einige  UnvoUkommenheiten^  welche  dieser 
Maschine  eigen  sind^  nicht  wundefn.  Dafs  nur^  wenn 
das  Gestelle  nicht  ungemein  verlängert  wird^  kurze 
Spindeln  zu  erhalten  sind^  hat  wenig  zu  bedeuten^ 
weil  Prefsspindeln  überhaupt  nie  sehr  lang  sind.  Un- 
ani^enehm  aber  ist  es^  dafs  man  die  beiden  Spin- 
deln durch  die  Schrauben  bei  h,  nur  mit  vieler 
Mühe  gleich  rundlaufend  richten  kann^  und  dann, 
besonders  wenn  sie  ziemlich  lang  sind,  die  Gewinde 
von  m  auf  einer  Seite  meistens  etwas  seichter  ausfal- 
len, als  auf  der  andern,  eben  weil  die  Achsen  von 
m  und  i  selten  ganz  auf  einander  treffen.  Da  endlich 
die  Umdrehung  durch  //  nie  sehr  gleichförmig,  son- 
dern fast  nur  ruckweise  und  zu  schnell  geschehen 
mufs,  so  bringt  diese  Ungleichförmigkeit  den  Zahn  g", 
wenn  nicht  das  Gestelle  und  die  Stützen  äufserst  fest 
sind,  zum  Zittern,  er  schnurrt,  und  macht  auf  dem 
Grunde  der  tiefen  Gänge  Rippen,  die  nicht  leicht 
mehr  wegzubringen   sind. 

Die  Art  der  Bewegung  ist  es,  durch  welche 
sich  die  Fig.  i4,  Taf  VII  abgebildete  Abart  sol- 
cher Maschinen  vortheilhaft  auszeichnet,  aber  auch 
die  Herstellung  weit  kostbarer  und  das  Ganze  zu- 
sammengesetzter macht.  Es  ist  a  die  Leitschraube, 
b  die  zu  schneidende  Spindel,  d  ein  gleich  der 
'  Zugplatte  auf  die  Gänge  von  a  wirkendes  Eisen- 
slück,  c  endlich  der  schneidende  Zahn.  Am 
Mittelstücke,  welches  immer  dasselbe  bleibt,  sind 
an  den  zwei  Köpfen   ee    mittelst  einer  hinreichen- 

28* 


436 

den  Anzahl    Schrauben    die    zwei    Spindeln  einge- 
spannt«   An  derselben  befindet  sich  ferner  das  metal- 
lene Rad  A  von  dem  die  drehende  Bewegung  aus- 
geht^ und  zwar  dadurch^  dafs  in  dasselbe  eine  Schraube 
ohne  Ende  x  eingreift^    an  deren  Achse  auf  jener 
Seite  ^  die  man  in  der  Zeichnung  nicht  sehen  iano, 
die  Kurbel^  an  die  eine  oder  zwei  Personen  gestellt 
werden  können^   und  das  Schwungrad  g  befestiget 
sind.    Wenn  die  endlose  Schraube  mittelst  der  Kur- 
bel   gedreht  wird  ^   setzt  sie  auch  das  Rad  f  und 
die  mit  ihm  verbundenen  beiden  Spindeln  in  Umdre- 
hung.    Da  aber  das  Ganze  durch  die  Leitspindel  a 
zugleich  die  Schiraubenbewegung  machte  so  mufsdie 
endlose  Schraube  ebenfalls  der  fortrückenden  Bewe- 
gung folgen  können^  indem  sie  nur  dadurch  mit  dem 
Radey*  in  beständigem  Eingriffe  bleiben  kann.    Zu 
dem  Ende  hat  sie  ihre  Zapfenlager  nicht  in  dem  fe- 
sten Gerüste^  sondern  sie  liegt  aiif  einer  Art  vonVi^a- 
gen^  der  mit  acht^   auf  den  zwei  Hauptbalkcn  lau- 
fenden Rädern  verschen  ist   ( in  der  Zeichnung  sieht 
man  nur  vier  derselben)^  und   also^    samnit  Kurbel 
und  Schwungrad^  mit   dem  Hauptsysteme  der  ver- 
bundenen Maschinentheile  a  efe  h  gleichförmig  fort- 
rücken kann.     Wenn  auch  die  endlose  Schraube  drei- 
fach ist^  bleibt  die  Bewegung  noch  immer  sehr  lang- 
sam; aber  es  ist  eine  greise  Kraft  auszuüben^  und  der 
Stahl  c  wirkt  so  gleichförmige    dafs  die  Gänge  die 
höchste  Genauigkeit  erhalten.     Alles  übrige  bei  dieser 
Maschine^  wie  z.  B.  die  Möglichkeit^  hölzerne  Spindelo 
anzuwenden  e  mehrfache  Schrauben  zu  schneiden  u. 
8.  w.  ist  wie  bei  der  vorigen. 

Figur  1,  a,  3,  Taf.  VIII,  stellt  eine  Maschine 
vor,  die,  obwohl  ebenfalls  mit  der  Leitspindel  ver- 
sehen, von  der  vorigen  Hauptart  in  mehreren  w'esenili- 
eben  Stücken  verschieden  ist.  Schon  ihre  Hauptbestim- 
mung weicht  beträch tUch  ab,  indem  sie  vorzüglicb 
darin  besteht,  lange  Schrauben  zu  schneiden,  die  man 
weder  auf  4er  Drehbank,  noch  mittelst  der  KluppeO) 


V 


durch  welche  sie  fast  immer  krumm  werden  ^  erhalten 
kann.  Aufserdem  dreht  sich  hier  die  Arbeit  blofs 
rund  9  der  Stahl  ist  es^  der  sich  fortbewegt^  und 
endlich  k^nn  man  durch  Veränderung  des  Räderwer- 
kes mit  derselben  Leitspindel  die  verschiedensten  Ge- 
winde anfertigen.  Man  hat  die  Maschine  nach  die* 
sen  Prinzipien  in  verschiedener  Gröfse  und  mit  ver- 
schiedenen Abänderungen^  wovon  die  gezeichnete 
unter  die  kleinern  gehört,  auf  welcher  auch  kurze 
Spindeln ,  und  solche  mit  60  bis  70  Gängen  auf  den 
Zoll  mit  Genauigkeit  bearbeitet  werden  können.  Auf 
ihr  wird  die  Arbeit,  ganz  so,  wie  bei  einer  gewöhn- 
lichen Drehbank,  entweder  mittelst  des  Führers  oäet 
Sternes,  oder  auch  mittelst  der  Hohldocke  mit  der 
Spindel  ^verbunden,  ihrem  andern  Ende  aber  der 
Reitstock  B  vorgesetzt.  Die  Spindel  ^  (und  mit  ihr 
die  Arbeit )  empfängt  die  roiirende  Bewegung  durch 
die  bloTs  mit  der  Hand  umzudrehende  Kurbel  C7,  am 
hintern  Theile  der  Maschine.  Die  Achse,  an  wel- 
cher die  Kurbel  C  fest  ist,  trägt  nähmiich  ein  soge- 
nanntes Laternengetriebe  ä  aus  Stahlstäben,  die  in 
zwei  konzentrische  Messingplatten  eingenietet  sind^ 
welches  in  das ,  an  der  Spindel  befindliche  Rad  6  ein- 
greift. Diefs  ist  gleichsam  der  erste,  der  Spindel  zu- 
gehörige Theil  des  Räderwerkes.  Sie  hat  aber,  zur 
Fortleitung  der  von  C  ausgegangenen  Bewegung,  noch 
das  zweite  Rad  c,  welches  mittelbar  bis  auf  die  Leit- 
spindel D  wirkt.  Diese  ist  so  in  das  Gestelle  der 
Maschine  eingelegt,  dafs  sie  sich  nur  rund  drehen, 
sonst  aber  nicht  verrücken  kann.  Ihre  Schrauben- 
mutter ist  in  det  Zeichnung  nicht  iu  sehen ,  weil  sie 
unter  dem  Support  liegt,  mit  dem  sie  nur  ein  Stück 
ausmacht.  Der  Support  ist  mit  seinem  Fufse  zwi- 
schen zwei  nach  unten  einwärts  abgeschrägte  Lei- 
sten FF  eingelegt,  und  wird  zugleich  mit  der  durch 
die  Leitspindel  fortgeschobenen  Schraubenmutter  längs 

der  Maschine  vorwärts  geführt*).     Von  dem  Räder- 

r --p 

*;   In  einer  andern  Figur  (18,  Tef.  VIII)     sieht  man   diesen 
Theil  der  Maschine  von  der  vorderen  schmalen  Seite.     FF 


438 

werke  abc  aus y  mufs  jetzt  die  Leitspindel  D  eben- 
falls in  der  gehörigen  Richtung  gedreht  werden,  und 
dann  wird  nicht  nur  die  Arbeit  die  Kreisbewegung 
machen^  sondern  auch  durch  den^  zugleich,  init  dem 
Supporte  gerade  vorwärts  gehenden  Stahl  Ey  die  ver- 
langte Schraubenlinie  eingeschnitten^  und  das  erreicbt 
werden^  was  auf  der  gemeinen  Drehbank  das  mit  der 
Rotation  der  Arbeit  gleichzeitige  Fortschieben  des 
Stahles  (siebe  oben  S»  4^0 ) bewirkt.  Zu  diesem  Ende 
greift  das  an  der  Spindel  befindliche  Rad  c  in  ein  an- 
deres dy  und  dieses  endlich^  in  ein  an  der  Leit- 
spindel befestigtes  ein.  Letzteres  aber^  da  es  un- 
mittelbar unter  (i  liegt  ^  kann  von  oben ^  und  also  in 
Fig.  «,  Taf.  yill  nicht  gesehen  werden,'  wohl  aber 
wenn  das  Räderwerk  von  vorn  gezeichnet  wird ,  wie 
in  Fig.  2  derselben  Tafel.  Hier  ist  a  das  Getriebe, 
mit  welchem  die  Kurbel  verbunden  ist ;  b  greift  in 
{la^se.Ibe  ein,  und  befindet  sich  wie  c  ander  Spindel. 
Die  Bewegung  von  c  aber  wird  mittelst  des  Zwi- 
schßnrades  d  bis  zur  Leitspindel  y  deren  Rad  mit  ^ 
bezeichnet  ist>  fortgepflanzt.  Die  Pfeile  zeigen  die 
Richtungen,  in  denen  sich  die  Räder  drehen,  wenn 
die  Kurbel  rechts  herum  gefuhrt  wird.  Die  Rich- 
tung von  c  und  b  bezeichnet  auch  die  der  einge- 
spannten Arbeit,;  und  die  durch  d  abgeänderte^  von 
g:,  Jene  der  Leitspindel,  welche  als  eine  rechte 
Schraube  den  Support  und  den  Stahl  vorwärts  fuhrt, 
wqhrend  sich  die  Arbeit  dem  letztern  y  wie  es  seyn 
Aiufs,  entgegen  dreht. 

»  * 

Es  ist  jetzt  die  Frage ^  wie  man  mit  einer  und 
derselben  Leitspindel  verschiedenartige  Scbrauben 
erhalten  könne. .  Diefs  geschieht  dadurch  y    dafs  man 


sind  die  £vrei ,  am  Gestelle  G  G  fest  geschraubten  Leisten, 
N  ist  der  abgeschrägte  Fufs  des  Supportes ,  mit  der  Schrau- 
benmutter P  auf  eine  Art  verbunden ,  von  der  erst  später 
die  Rede  scyn  kann  f  D  endlich  ist  der  Durchschnitt  der 
Leitspindel. 


439 

die  Leitspindel  zwingt,  bei  gleicher  relativer  Geschwin- 
digkeit der  mit  den  Rädern  b  c  verbundenen  Arbc?it, 
die  ihrige  zu  ändern,  und  mithin  den  Stahl  j& schnel- 
ler oder  langsamer  fort  zu  schieben.  Man  wechselt 
daher  jenes  Rad,  von  dem  die  Drehung  der  Leit- 
spinder  ausgeht ,  und  weiches  Fig.  i  und  a  mit  c 
bezeichnet  wurde,  während  die  zur  Spindel  gehöri- 
gen ,  a  und  6 ,  und  das  Zwischenrad  d ,  welches 
blofs  zur  Übertragung  der  Bewegung  auf  g  bestimmt 
ohnediefs  die  Geschwindigkeit  nie  verändern  kann^ 
beibehalten  werden. 

Wenn  statt  des  mit  c  bezeichneten,  mit  i8  Zäh- 
nen versehenen  Rades,  eines  mit  9  derselben  ange- 
schraubt wird,  so  bewegt  es  die  mit  ihm  verbundenen, 
d  und  g,  nur  mit  der  halben  Geschwindigkeit,  die 
Leitspindel  geht  um  die  Hälfle  langsamer  und  das 
Gewinde  wird  noch  einmahl  so  fein.  Ein  Rad  mit 
36  Zähnen  aber ,  statt  mit  18,  führt  den  Stahl  dop- 
pelt so  schnell,  und  das  Gewinde  wird  noch  ein 
Mahl  so  grob.  Und  so  läfst  sich  durch  Veränderung 
der  Zähneanzahl  von  c  der  Feinheitscrad  der  Gewinde 
(ursprünglich  die  Geschwindigkeit  des  Stahles)  vidll- 
kiirlich  modifiziren.  Die  Verhältnisse  bei  der  als 
Original  der  gegenwärtigen  Darstellung  gebrauchten 
Maschine  sind  aber  folgende : 

Das  Rad  a  hat  16  Zähne  ^ 
Ä    »    36      » 

c     »      3  bis  3o  in  willkürlicher  Gra- 
dation *  ) , 
d    T^    3o  oder  auch  5a  ^), 
g    »    3o. 


*)   Die  mit  3  bis  i8  Zahnen  «ind  blofse  Getriebe  aus  Subldraht, 
die  übrigen  aber  förmliche  Bäder. 

**)  4)a8  Rad  mit  5i  Zähnen   dient  xu  den   feinsten  Gewinden, 
und  also  dann »  wenn  die  Getriebe  mit  3  bis  18  Stäben  ge- 


44o 

Die  flachgängige  Leitspindel  ist  ao  Zoll  lang  und 
hat  sechs  Gänge  auf  den  Zoll.  Nach  diesen  Daten 
ist  es  leicht  zu  berechnen^  welches  Räderwerk  vor- 
gelegt wei\den  müsse  ^  um  Schrauben  von  bestimmter 
Feinheit  zu  erhalten. 

Weil^'statt  c  gröfsere  und  kleinere  Räder  aufge- 
steckt werden  müssen ,  so  würden  sie  in  d  nicht  ein- 
greifen können^  wenn  dieses  nicht  so  zu  verstellen 
wäre^  dafs  es  jederzeit  sowohl  mit  g^^  als  mit  dem  bei 
c  befindlichen^  im  genauen  Eingriffe  bleibt.  Der 
Träger  des  Rades  d  hat  zu  diesem  Behufe  die  aus 
Fig.  3^  Taf.  Vin^  ersichtliche^  eigenthümliche  Ein- 
richtung. B,  Fig.  3  zeigt  das  Räderwerk  von  innen 
(  bei  h  Fig.  i  ) ,  ji  aber  ist  die  Seitenansicht  dessel- 
ben. Der  Träger/*  des  Rades  d  ist  um  den  Hals 
der  Leiupindel  (  i  Fig.  3y  B)  frei  im  Bogen  beweg- 
lich. Ferner  ist  f,  uin  das  Rad  d  mit  c  und  g  ia 
dieselbe  Ebene  zu  bringen^  rechtwinkelig  nach  aus- 
sen gebogen  (Fig.  3,  ji).  Der  senkrechte  Aufsatz  Ä 
aber,  in  Fig.  i  und  3^  hat  einen  bogenförmigen  Aus- 
schnitt^ durch  welchen  eine  an /*  befestigte  Schraube 
e,  Fig.  3^  ^  und  ^;y  reicht  9  und  an  jeder  Stelle  des- 
selben mit  einer  vorgelegten  Mutter  angeschraubt 
werden  kann.  Da  ^  in  c  nicht  mehr  eingreifen  könnte^ 
wenn  statt  des  letztern  ein  kleineres  Rad  oder  Ge- 
triebe^ durchs:  in  Fig.  3^  B^  bezeichnet,  aufgesteckt 
ist;  so  öffnet  man  die  Schraubenmutter  bei  e,  Fig.  3 
B,  schiebt  dann  d  mittelst  seines  um  i  beweglichen 
Trägers  y  so  weit  gegen  or,  dafs  ein  genaues  Inein- 
andergreifen der  Zähne  Statt  findet,  und  schliefst  die 
Mutter  bei  e  wie  vorhin.  Dadurch  wird  es  möglieb, 
f  immer  so  zu  wenden,  dafs  d,  g  und  c,   des  letz- 

__     _  _  _     _  9 _^^^^^ 

braucht  werden.  Durch  dieses  gröfsere  Bad  wird  die  Ge- 
schwindigkeit  übrigens  gar  nicht  geändert ,  wohl  aber  ist 
der  EingrifTz^wischen  c,  d  und  g  leichter  zu  rcgulireni  weno 
d  mchrero  Zähne  hat. 


44x 

tem  Darchmeiiser  mag  wie  immer  beschaffen  seyn, 
mit  einander  in  Yerbinaung  und  im  fleifsigen  Eingriffe 
bleiben. 

'  Noch  ist  die  Einrichtung  des^  in  Fig.  i^  mit  vor- 
gestellten  Supportes  zu  erklären.  Seine  oberste  Platte 
nn  kann   mittelst  langen  Einschnitten    und  den  in 
das  Hauptstück  gehenden  Schrauben  vorstellt,    und 
der  Arbeit  zu-  oder  von  ihr  abgerückt  werden;    je- 
doch diQUt  dieses  Verrücken  nur  für  gröfsere  Entfer- 
nungen^ nicht  aber  für  die,  zum  allmäblichen  Nähern 
des   Stahles    erforderliche.       Dieser   aber    liegt  auf 
einem  Schieber,   der  durch  Umdrehen   des  Kopfes 
m,  und  die  an  demselben  befindliche  Führungsschraube 
auf  eine  ähnliche  Art  zwischen  zwei  Leisten  langsam 
geschoben  wird,    wie    der  ganze  Support,    dessen 
Leisten  mit  FF  bezeichnet  worden  sind.     Man  kann 
also  den  Stahl,  wenn  er  tiefer   schneiden  soll,    vor- 
wärts bewegen,  oder  auch,  wenn  es  nöthig  ist,  zu- 
rück ziehen.^    Er  liegt  auf  dem  Schieber  in  zwei  Klam- 
mem ,  durch  welche  Stellschrauben  auf  ihn  drücken, 
und  damit  er  nicht  zurück  weichen  kann ,   steht  an 
sein  hinteres  Ende  noch  die  Schraube  o  an. 

f 

'  Wenn  durch  da;  Rechtsdrehen  der  Kurbel  C 
Fig.  I,  der  gehörig  weit  .vorwärts  gerichtete  Stahl 
der  gansen  Länge  der  Arbeit  nach  fortgeschoben  wor- 
den ist,  so  hat  er  wohl  angegriffen,  allein  auch  hier 
ist  es  immöglich,  ein  tieferes  Gewinde  mit  einem 
Mahle  auszuschneiden.  Man  mufs  daher  jetzt  den 
Stahl  (eigentlich  den  Schieber, -der  ihn  trägt)  zu- 
rück ziehen,  so,  dafs  er  die  Arbeit  nicht  mehr  be- 
rührt, und  die  Kurbel  C  links  drehen,  wodurch  alles 
verkehrt  geht,  und  der  Support  auf  den  Ort,  von 
i^elchem  er  ausgegangen  ist,  wieder  zurück  geführt 
vrird.  Der  Stahl  wird  nun  vorwärts  gestellt,  so,  dafs 
er  «t&rker  angreift^  C  abermahls  rechts  gedreht ^  und 


442 

diese  Manipulation  so  oft  wiederhohlt^   bis  die  ver- 
langte Schraube  ganz  ausgebildet  ist; 

Statt  blofser  Schrauben  kann  man  auf  derselben 
Maschine  auch  Schneckenfiir  Uhrwerke  und  ähnliche 
Zwecke  einschoeiden ,  dann  aber  mufs  der  Stahl 
die  beim  GuiUochiren  der  Uhrgehäuse. gewöhnliche^ 
schon  oben  Seite  43o  besprochene  Einrichtung  ha- 
ben, und  blofs  mittelst  eines  Hebels  an  den  vorher 
gehörig  abgedrehten  Kegel  angedrückt  werden. 

Die  zu  bearbeitende  Schraubenspindel  ^  wenn 
sie  vorher  abgedreht  worden. ist,  kann  in  diese  Ma- 
schine nie  so  eingespannt  werden,  dafs  sie  wieder 
.genau  rund  läuft,  was  doch  nöthig  ist,  weil,  wenn 
sie  steigt,  die  Gänge  auf  einer  Seite  tiefer  als  auf  der 
andern  ausfallen.  Man  kann  daher  leicht,  und  mit 
aller  Sicherheit,  sie  auf  der  Maschine  selbst  abdre- 
hen. Sie  wird  zwischen  A  und  By  Fig.  i ,  einge- 
spannt, und  bei  c  ein  Rad  vorgelegt,  welcJies  den 
Support  sehr  langsam  führt,  also  eines  mit  wenig 
Zähnen.  ,In  d^n  Support  kömmt  ein  etwas  breiterer 
Drehstahl,  oder  ein  abgekrüpfter  Zahn,  dessen  län- 
gere schräge  Seite  an  die  abzudrehende  Spindel  ge- 
rückt wird.  •  Dieser  wird>  wenn  man  iso  wie  beim 
Schraubendrehen  verfährt,  ip  einer  Schraubenlinie 
die  Arbeit  längsam  und  mit  der  gröfsten  Genauigkeit 
Abdrehen.  Die  Maschine  ist  daher  auch,  obwohl  es 
nicht  ihre  vorzüglichste  Bestimmung  ist,  zum  genauen 
Runddrehen  zu  gebrauchen,  und  mufs  sogar  dazu  ge- 
braucht werden,  wenn  man  Schrauben,  die  allen  Fo^ 
derungen  entsprechen ,  durch  sie  verfertigen  will. 

Das  Räderwerk,  und  die  übrige  Detaileinrich- 
tung  dieser  Maschine,,  ist  der  verschiedensten  Abän- 
derungen fähig ,  einer  besseren  und  bequemeren  Kon^ 
struktion  des  Supportes  nicht  einmahl  zo^  gedenken  \ 


,i. 


443 

denn  es  kommt  blöfs  darauf  an,  die  Schnelligkeit,  wo- 
mit die  Spindel  sich  dreht ,  in  verschiedene  Verhält- 
nisse 1  mit  der  Geschwindigkeit  der  Leitspindel  zu 
setzeb,  und  mithin  die  fortrückende  Bewegung  des 
Stahles  zu  mäfsigen^  oder  zu  beschleunigen.  Nach 
der  eben  beschriebenen  Bauart  kann  die  Maschine 
blofs  schwäcbere  Schrauben,  bis  zur  Länge  von  lo 
Zoll  etwa,  liefern;  zu  solchen,  bis  zu  12  Fufs  Länge, 
mufs  nach  derselben  Grundidee  die  Maschine  nach 
Art  einer  sehr  starken  Drehbank  ausgeführt  werden, 
taugt  aber  dann  natürlich  nicht  mehr  für  feinere 
Arbeit  Ich  will  versuchen ,  auch  von  einer  solchen 
einen  allgemeinea  Begriff  zu  geben.  Die  Drehbank- 
spindel läuft  wie  sonst  in  ibren  Docken,  und  auch 
das  Einspannen  geschieht  auf  die  gewöhnliche  Art. 
Die  hölzerne  Rolle  an  der  Spindel  ist  mittelst  eines 
Riemens,  einer  Bandkette  oder  eines  Seiles  mit  dem 
grofsen,  4  his  5  Fufs  im  .Durchmesser  haltenden 
Schwungrade  in  Verbindung,  und  erhält  von  diesem 
ibre  Bewegung.  Auf  das  äufserste  Ende  der  Spin- 
del, zur  linken  Seite  des  Arbeiters,  können  noch 
die  nöthigen  gezahnten  Räder  geschraubt  werden. 
Parallel  mit  ihr,  aber  tiefer,  und  unter  den  zwei  lan- 
gen Balken  der  Drehbank,  liegt  die  Leitspindel * ) 
in  eigenen,  an  den  Querbalken  des  Gestelles  befind- 
lichen Lagern.  Ihr  Kopf  an  der  linken  Seite  des  Ar- 
Leiters  aber  ist  ebenfalls  geeignet,  so  wie  das  Ende 
der  Spindel ,  Räder  zu  tragen.  Das  in  der  Spindel 
befestigte  Rad  kann  mit  dem  der  Leitspindel ,  mit- 
telst eines  oder  mehrerer  dazwischen  gelegten,  ver- 
bunden, und  so  die  Bewegung  der  Spindel  auf  die 
letztere  fortgepflanzt  werden.     Die  verhältnifsmäfsige 


*)  Je  länger  sie  ist,  desto  längere  Scliraubcn  liann  man  durch 
aie  erhalten.  Im  Nothfallc  Itann  sie  *  auch  von  IIolis  seyn, 
dann  aber  muts  man  sie  vor  dem  Abdrehen  und  Schneiden 
nach  der  ganjsen  Lange  durchbohren,  und  in  die  Ö/Tnunff 
eine  recht  starke  Eisenstange  einlegen ,  um  das  Werfen  und 
Hrfimmeii  möglichst  au  verajodem. 


\ 


444 

Umdrehungsgeschwlndigieit  beider  hängt  von  der 
Zähneaiuahl  ihrer  Räder  ab ,  und  kann  durch  Wech- 
sein  derselben  .willkürlich  regulirt  werden.  Die 
Leitspindel  hat  auch  hier  ihre  mit  dem  Support,  den 
sie  schieben  mufs,  verbundene  Mutler.  Der  Sup- 
port selbst  trägt  den,  mittelst  einer  Führungsschraube 
gegen  die  Arbeit  zu  verstellenden  Zahn,  sein  Fufs 
aber  läuft  auf  eisernen,  recht  eben  gehobelten  Schie- 
nen, die  in  die  obere  Fläche  der  langen  Balken  des 
GesteUes  eingelassen  sind.  Manchmahl  stellt  man 
ihn  aber  auch,  mit  mehrerer  Sicherheit,  auf  ein  fünf- 
seitiges Prisma,  dessen  Schneide  nach  aufwärts  ge- 
kehrt ist,  oder  auf  einen  eisernen,  genau  rund  ge- 
drehten Zylinder;  oder  man  kann  bei  sehr  starken 
Maschinen,  zwei  Prismen,  oder  zwei  Zylinder  neh- 
men, welche  dann  die  Stelle  jener  eisernen  flachen 
Schienen  vertreten,  dem  Support  zur  Leitung  dienen, 
und  seinen  Lauf  sehr  sicher  machen.  Man  sieht  bald, 
dafs  eine  solche  Drehbank  mit  der,  Taf.  YIII,  Fig  i 
gezeichneten  Maschine  so  viel  die  Grundidee  betrifft, 
ganz  einerlei  ist;  nur  kann  man  auf  der  erstem  viel 
stärkere  und  längere  Schrauben  verfertigen,  und  auch, 
w<is  ihre  Hauptbestimmuug  ist,  metallene  Walzen  von 
mehreren  Zentnern  am  Gewicht,  sehr  genau  abdrehen. 

Auch  Schraubenmuttern  können  mit  diesen  Ma- 
schinen verfertigt  werden,  wenn  die  Leitspindel  ge- 
nau unter  der  Drehbankspindel  liegt,  und  folglich 
auch  der  Support  über  die  ganze  Breite  des  Gestelles 
reicht.  Auf  die  Spindel  wird  dann  ,  statt  der  abzU' 
drehenden  Arbeit,  ein  hölzerner  oder  eiserner  Zylinder 
eingespannt ,  in  welchen  quer  der  schneidende  Zahn 
eingelegt  ist,  und  sich  folglich  mit  ihm  runddrebt. 
Auf  den  Support  kommt  das,  mit  dem  vorgebohrten 
Loiche  versehene  Stück,  welches  die  Muitergänge er- 
halten soll,  und  jener  ZyHnder  mufs  durch  dasseHx^ 
so  ^durchgehen ,  dafs  seine  Achse  mit  dem  Mittel- 
punkte des  Loches  zusanuneu  fällt.     Wird  jetzt  die 


445 

Maschine  in  Bewegung  gesetzt^  so  dreht  sich  der 
Zahn  blofs  rund^  die  auf  dem  Support  befestigte 
kiinftige  Schraubenmutter  aber  rückt  ( mit  der  durch 
das  vorgelegte  Räderwerk  zu  regulirenden  Geschwin- 
digkeit) längst  der  Drehbank  langsam  fort^  und  dem 
sich  drehenden  Zahn  entgegen^  welcher ,  sobald  er 
in  das  Lochkommt^  in  demselben  Schraubengänge  ein- 
zuschneiden anfängt  Diese  werden  desto  tiefer^  je 
mehr  man  nach  und  nach  den  Zahn  aus  dem  Zylin- 
der vorstehen  läfst.  Man  vergleiche  hiemit  das  bei 
Gelegenheit  der  Maschine^  Taf.  YIII^  Fig.  9^  über 
die  Verfertigung  der  Schraubenmuttern  Gesagte,  oben 
Seite  434  Man  wird  die  Ähnlichkeit  zwischen  bei- 
den Yerfahrungsarten  nicht  verkennen.  Ganz  reiii  fal- 
len solche  Muttern  aber  nie  aus,  weil  der  schwanke 
Zylinder  zittert ,  und  der  Zahn  schnurrt ;  auch  ist 
diese  Art  der  Anferti|;ung  zeitraubend,  weil,  um 
den  Zahn  nur  allmählich  angreifen  zu  lassen,  der 
Support  sehr  oft  vor-  und  zurück  geführt  werden 
mufs.  Gemeinhin  verfertigt  man  daher  die  Muttern 
entweder  mittelst  eines  gewöhnlichen  Schneideboh- 
rers ,  oder  auch  durch  den  Gufs ,  von  welchem  letai- 
tern  später  das  Nöthige  gesagt  werden  soll  *). 

Die  Punzirmaschinen  für  Kattundruckwalzen,  mit- 
telst welcher  die  letztern  durch  die  langsame  Bewe- 
gung des  Supportes  abgedreht  werden ,  und  derDes- 
sein  durch  stählerne  Punzen  in  sie  eingeschlagen, 
oder  durch  eine  Art  von  Ränderirrädern  eingedrückt 
wird ,  können  ebenfalls  zum  Schraubenschneiden  ver- 
wendet  werden,  und  haben  mit  den  vorher  beschrie- 
benen Maschinen  eine  auffallende  Ähnlichkeit  Die 
Verschiedenheit  des  Zweckes  aber  trennt  sie  von 
denselben,  so,  dafs  hier  die  blofse  Andeutung  ge«* 
nügen  mufs. 


*)    Auf  ähnliche  Art  liann  man  mit  einem  breiten  Zahn   hohle, 
auf  dem  Support  liej^nde  Zylinder  sekr  genau  bohren. 


44Ö 

Die  miiielst  der  erwähnten  Maschine  dargestell- 
ten Schrauben  können  auch  noch^  besonders  wenn 
man  den  Grund  der  Gänge  sehr  rein  haben  will^  ge- 
schliffen und  poiirt  werden.  Zu  diesem  Ende  um- 
giefst  man  sie  auf  einer  Länge  voi^  2  bis  6  Zoll  mit 
Blei ,  und  läfst  sie  auf  der  Drehbank  sich  rund  dre- 
hen^  während  man  die  bleierne^  mit  Ühl  und  feinem 
Schmirgel  versehene  schraub^nmutterähnliche  Hülse 
mit  der  Hand  hält^  und  auf  der  Spindel  laufen  läfst. 

Den  Beschlufs  der  Schraubenschneidmaschinen 
mag  eine  dritte  Hauptart  machen,  näbmlich  die  von 
Ramsden  zur  Verfertigung  einer  Seh^aube ,  für  seine 
Theiimaschine  gerader  Linien ,  gebrauchte.  Sie  ist 
ihres  berühmten  Erfinders  vollkommen  würdig,  aus- 
schliefsend für  sehr  genaue  Schrauben  bestimmt,  mit 
Abänderungen  aber,  die  ich  angeben  werde,  auch 
für  sehr  verschiedene  Gewinde  brauchbar.  Taf.  VIII, 
Fig.  t5  \ix  sie,  von  oben  gesehen,  vorgestellt.  AA 
ist  ein  sehr  genau  abgerichtetes,  gehörig  befestigtes 
dreieckiges  Prisma,  dem  der  Support  B  sehr  fleifsig 
aufgepafst  worden  ist.  C  bezeichnet  die  Spindel,  wel- 
che geschnitten  werden  soll;  die  sich  in  ihren  Zapfen- 
lagern blofs  rund  drehen  kann.  Ihr  Kopf  trägt  ein 
grofses  Kegelrad  D ^  in  welches  ein  kleineres  ähnli- 
ches, Ey  eingreift.  An  der  Welle  des  letztem  befin- 
det sich  vorerst  die  zur  Bewegung  des  Ganzen  nöihige 
Kurbel  Fy  dann  aber  auch  die  Führungsschraubc  G^ 
die  mit  der  möglichsten  Feinheit  bereits  auf  einer, 
der  in  Fig.  i  ,  Taf.  VIII .  befindlichen  ähnlichen  Ma- 
schine geschnitten  worden  ist.  Sie  wirkt  hier  als 
eine  endlose  Schraube,  indem  sie  in  der  Stirne  des 
grofsen  Rades  ^ihre  Mutter  findet,  und  dasselbe  um 
seine  Achse  bewegt.  Beim  Rechtsdrehen  der  Kurbel 
F  dreht  sich  C  gegen  den  schneidenden  Zahn,  FG 
aber  bewegt  sehr  langsam  das  Rad  Hy  in  der,  durch 
den  Pfeil  angedeuteten  Richtung.  Eben  so  ist  der 
Weg  bezeichnet ,  auf  welchem  der  Support  B  fort- 
gehen mufs,  um  die  Schraubet  hervor  zu  bringen; 


447 

^ie  aber  jener ,  während  C  sich  blofa  dreht ^  auch 
gleichzeitig  vorwärts  geschoben  wird^  soll  jetzt  ge- 
zeigt werden.  Dazu  ist  die  kleine  Scheibe  N  auf  H 
festgeschraubt.  Auf  dem  Umkreise  derselben  ist  eine 
flache  Nuth  eingedreht^  in  welcher^  beiläufig  dem 
Buchstaben  p  gegenüber^  das  Ende  einer  sehr  dün- 
nen Stahlfeder  (wie  man  sie  fiir  Sackuhren  braucht) 
fest  gemacht  ist.  Diese  Feder  p  geht  unter  m  (wel- 
ches blofs  der  Träger  der^  das  Zurückweichen  des 
Zahnes  verbmdernden  Schraube  x  ist)  weg^  und 
ist  mit  dem  andern  Ende  in  ein^  auf  dem  Support 
B  stehendes  Klötzchen  o  gut  befestigt.  Wenn  sich 
H  in  der  bezeichneten  Richtung ,  und  mit  ihm  auch 
das  Scheibchen  N  dreht ^  windet  sich  die  Feder  op 
auf  das  letztere  allmählich  auf,  und  zieht  das  Klötz- 
chen o  nebst  dem  Support  B  vorwärts.  Da  sich  die 
Spindel  C  zugleich  rund  dreht,  so  beschreibt  der 
fortgehende  Zahn  auf  derselben  nothwendig  eine 
Schraubenlinie.  Die  gleichförmige  Bewegung  von  iV 
hängt  ganz  von  der  des  grofsen  Rades ,  und  zuletzt 
von  der  Genauigkeit  der  Schraube  G  ab.  Da  diese 
aber  schon  mit  der  gröfsten  Vorsicht  geschnitten  wurde, 
und  ihre  vielleicht  noch  yorhandenen  Ungleichheiten, 
durch  die  aufserordentlich  langsame  Bewegung  und 
die  grofse  Anzahl  von  Zähnen  oder  Gängen  der  gros- 
sen Scheibe  H  vermindert ,  ja  fast  ganz  ausgeglichen 
werden,  so  erhellet,  dafs  durch  diese  sinnreiche  Ein- 
richtung die  Genauigkeit  auf  einen  sehr  hohen  Grad 
getrieben  werden  könne. 

Um  vielerlei  Gewinde  zu  erhallen,  dürfte  man 
nur  statt  N  gröfsere  oder  kleinere  Scheiben  anbrin- 
gen. Auf  eii^e  gröfsere  wird  sich ,  dieselbe  Verzah- 
nung/>£  vorausgesetzt,  in  gleicher  Zeit  mehr  von 
der  Feder  p  (  die  einer  Kette  darum  vorgezogen  ist^ 
weil  diese  doch  immer  sich  mehr  oder  weniger  aus- 
zieht) mehr  aufwinden,  ^  wird  schneller  geschoben, 
und  das  Gewinde  bei  C  gröber;  bei  einer  kleinern 


448 

Scheibe  erfolgt  das  Umgekehrte.  Man  müfste  aber  zu 
diesem-  Behufe  das  Klötzchen  o  znm  Verstellen  ein- 
richten^ und  die  Feder,  nm  sie  verlängern  oder  ver- 
kürzen zu  können^  in  demselben  blofs  mittelst  Schrau- 
ben fest  machen ;  wodurch  die  Feder  immer  mit  B 
parallel  bleiben,  und  auchbei  verschiedenem  Durchmes- 
ser der  Scheiben  jedes  Mahl  straff  angezogen  werden 
könnte»  Nicht  uninteressant  möchte  es  seyn^  auf 
die  Ähnlichkeit  dieser  Maschine  mit  der  oben ,  Seite 
4^3  beschriebenen  Drehbank  aufmerksam  zuniacheo. 

Die  Anzahl  derSchrtiubenschneidmaschinen  liefse 
sich  wohl  leicht  durch  Kombination  der  bei  den 
einzelnen  vorkommenden  Grundideen  und  Detailein- 
richtungen vermehren,  allein  kaum  lohnte  es  sich 
der  Mühe,  da  man  mit  den  bereits  aufgeführten  voll- 
kommen ausreich  t,und  eine  einztgeMaschine  überhaupt, 
praktischer  Hindernisse  wegen,  gar  nie.  für  alle  Arten 
von  Schrauben  anwendbar  seyn  kann,  iur  die  einzel- 
nen aber  Yerfertigungsarten  genug  vorhanden  sind. 
Ich  bemerke  nur  noch,  dafs  man  fast  auf  allen,  zu 
den  Uhrmacher-  Requisiten  gehörigen  Schnecken- 
schneidzeugen  auch  feine  Schrauben  vpffertigen 
könne,  und  dafs  die  neueren  Vorrichtungen  dieser 
Art,  unter  denen  es  auch  welche  gibt,  mit  denen 
man  sowohl  rechte  als  linke  Schnecken  erhalten  kann, 
dem  Prinzip  nach,  auf  die,  Seite  4^7  beschriebene 
Drehbank  erinnern;  da  sie  aber  vorzugsweise  zu  ganz 
andern  Zwecken  bestimmt  sind,  so  können  sie  hier 
auch  nicht  weiter  berücksichtigt  werden. 

Höchst  selten  ist  'es  thunlich  oder  nöthig.  Schrau- 
ben blofs  aiis  freier  Hand  zu  verfertigen,  und  nur 
alsdann,  wenn  es  entweder  auf  Genauigkeit  gar  nicht 
ankömmt,  oder  wenn  bei  seltener  Form  und  Gröfse; 
die  Anschaffung  eigener  Werkzeuge  zu  umständlich, 
kostbar  und  für  die  Folge  unnütz  würde.  Scbrau- 
bengänge  an  Haken,  die  blofs  in  Holz  eingedreht^or- 


449 

deo^  feilt  man  oft^  nnr  gans  obenhin  ein.  Eben  so 
vrird  auf  der  ^  mit  Papier  umleimten ,  oder  sonst  be- 
zeichneten Spindel  die  Feile  zur  Hervorbringung  dör 
Gänge  gebraucht,  wenn  (oben  Seite  892)  ein  ganz 
neues,,  nicht  vorräthiges  oder  aufzufindendes  Ge- 
winde verlangt  wird ,  z.  B.  zu  einer  gröfeern  Maschi- 
nerie eine  endlose  drei-  oder  viergängige  Schraube. 

Hölzerne  Prefsschrauben  über  10  Zoll  im  Durch* 
messer ,  sind  nicht  mehr  gut  mit  der  Kluppe  zu 
schneiden,  sondern  es  wird  auf  eine  Art,  die  man 
in  mehreren  Kunstbüchern ,  wie  in  Geifslers  Drechs- 
ler, 3ter  Theil,  3te  Abtheilung,  S.  88,  finden  kann, 
die  Schraubenlinie  auf  die  Spindel  gezeichnet,  nach 
dieser  mit  der  Säge  vorgeschnitten,  das  Holz  mit  Meis^ 
sein  ausgehauen,  und  die  Gänge  endlich  mit  der 
Raspel  geebnet.  Diis  Muttern  zu  solchen  Spindeln 
aber  müssen  mit  dem  Zahn  geschnitten  werden,  nur 
bei  sehr  grofsen  Öffnungen  können  in  diesen,  aber 
immer  sehr  unvollkommen,  die  vertieften  Gänge 
mit  kurzen  Meifseln  ausgestemmt  werden. 

Diese  Verfahrungsarten  sind  übrigens  so  sel- 
ten, gründen  sich  so  ganz  auf  die  individuelle  Ge- 
schicklichkeit des  Arbeiters,  und  auf  einzelne  Hand- 
griffe ,  dafs  es  überflüssig  wäre  ^  länger  bei  ihnen  zu 
verweilen« 

C    Über  das  Material  zu  den  Schrauben. 

Das  Material  zn  den  Schrauben  ist  verschieden 
nach  ihrem  Gebrauche,  und  nach  andern,  die  Wahl 
bestimmenden  Rücksichten.  Ich  werde  der  Aufzäh- 
lung der  vorziiglichsten  Materialien  noch  einige  Be* 
merkungen  beifügen,  die  dem  Praktiker  vielleicht 
nicht  unwichtig  aeyn  dürften. 

Nur  selten  macht  man  Schrauben  von  Staht,  weil 
dieser  spröder  ist  als  £)seA>  und  daher  die  Köpf« 

Jnbrb.    4m  yoljt.  In*!.  IV.  Bd.  Ü^ 


45o 

solcher  Schrauben,  wenn  sie  Stöfsen  ausgesetzt  sind, 
leicht  abspringen;  sie  sind  aber  auch  schwerer^  mit 
Zeitverlust  und  gröfserer  Abnützung  der  Werkzeuge 
zu  schneiden,'  und  in  jeder  Hinsicht  theurer,  als 
eiscrnel  Bei  feinen  Uhrmacherarbeiten  findet  man 
sie  jedoch  ziemlich  allgemein,  und  vorzüglich  defs- 
wegen,  weil  sie  gehärtet,  einer  feinern  und  hel- 
lem Politur  fähig  sind ,  und  die  durch  das  nachfol- 
gende Anlassen  entstehende  blaue  oder  violette  Farbe, 
schöner  und  gleichförmiger  ausfällt ,  als  auf  Eisen. 
Lange  stählerne  Schrauben  zu  härten,  ist  nie  rathsam, 
weil  sie  fast  immer  dadurch  krumm  und  schief  sich 
ziehen.  Wollte  man  aber  durchaus  eine,  etwa  hei 
einer  Theilmaschine  anzubringende  Schraube,  nm 
ihre  Abnützung  möglichst  zu  verhindern ,  hart  haben, 
so  müfste  man  die  Härtung'  mit  der  blofs  rundgedreh- 
ten Spindel  vornehmen,  und  erst  diese,  bis  zur  stroh- 
gelben ober  blauen  Farbe  nachgelassen,  einschnei- 
den. Dieses  kann  aber  weder  mit  den  gewöhnlichen 
Backen ,  noch  mit  dem  stählernen  Zahn  einer  Schnei- 
demaschine geschehen,  denn  vorzüglich  die  erstem, 
aber  auch  letzterer,  würden  auf  der  harten  Spindel  zu 
bald  stumpf  werden ,  oder  ausbrechen.  Man  bedient 
sich  also  eines  in  Messing  gefafsten  Diamantsplitters 
von  der  gehörigen  Form,  und  gebraucht  ihn  statt 
des  Zahnes  in  einer  Schraubenschneidmaschine.  £r 
schneidet  zwar  sehr  langsam,  aber  rein,  und  ohne 
stumpf  zu  werden,  und  dient  sogar  auch  zum  voll- 
konimenen  Ruüddrehen  der  stählernen  Spindel,  wenn 
sie  sich  beim  Härten  etwas  gezogen  haben  sollte.  Die 
zu  einer  Theihnaschine  Rämsdens  bestimmte  Schraube 
C,  Taf.  VIII,  Fig.  i5)  ist  auf  diese  Art  mittelst 
es  Diamantes  bearbeitet  worden.  Da  dieses  Mittel 
zeitraubend  und  mühsam  ist^  gewöhnliche  stählerne 
Zähne  aber  selten  die  ganze  Operation  aushalten,  und 
das  Nachschleifen  oder  Wechseln  derselben  immer 
sehr  mifslich  ist^  so  kann  man  sich  auch  des  Hand- 
griffes bedienen,  den  aus  gutem  Gufsstahl  zugefeilten 


i 


45i 

Zahn  auf  einem  harten  Amhofs  recht  lange  zu  schia* 
gen^  wodurch  sein  Gefüge  dichter,  und  er,  seihst 
wenn  das  Schneiden  sehr  lange  dauert,  nicht  leicht 
stumpf  wird  Das  Ausspringen  aber  mufs  man  durch 
sehr  langsames  Angreifen  £u  vermeiden  suchen. 

Schrauben  aus  Eisen  sind  die  allergewöhnlich« 
sten,  und  man  findet  sie  von  jeder  Form  undGröfse; 
ihre  Muttern  aber  sind  in  der  Regel  von  Messing, 
oder  einer  ähnlichen  Komposition,  um  die  zu  schnelle 
Abnützung  der  Spindel  zu  verhindern.    Starke  Prefs^ 
schrauben    Air    PapierfabrikAi    werden   auch   wohl, 
der  Wohlfeilheit  wegen,  aus  Gu/seisen  gemacht;   ent*» 
weder  schneidet  man  auf  den  gegossenen  Zylinder  die 
Gänge  mittelst  einer  Maschine ,  oder  aber ,  und  noch 
leichter,  eine  als  Modell  dienende  schon  fertige  Spin- 
del wird ,  wie  andere  Gufswaare,  geformt  und  abge« 
gössen.     Nie  aber  können  durch  das  letztere  Verfah- 
ren die  Gänge  rein  und  glatt  atisfallen ,  man  müfste 
sie  denn  nacharbeiten,    wodurch   aber   wieder  die 
Kosten^  bedeutend  erhöht  vferden.  —   Merkwürdig 
ist  eine,  im  Fabriksprodukten- Kabinette   des  poly-* 
technischen  Institutes  befindliche  englische   Kaffeh'- 
miihle ,  an  der  alles ,  sogar  die  zum  Zusammenhalten 
der  einzelnen  Theile  bestimmten  kleinen  Schrauben, 
von  gegossenem  Eisen  ist. 

Messing  wird  nicht  häufig  zu  eigentlichen  Schraa« 
benspindeln  verwendet«  Holzschraubeii  findet  man 
wohl  aus  diescmMaterial,  da  es  leichter  zu  bearbeiten  ist, 
und  jene  daher  wohlfeiler  geliefert  werden  können, 
auch  eine  Beschädigung  der  Gänge  im  Holz  nicht  so 
leicht  zu  besorgen  ist.  Die  leichtere  Yerfertigungsart 
verschafft  ihnen  auch  bei  kleinern  Metallarbeiten 
Anwendung,  und  wählen  mufs  man  sie  bei  magnetischen 
Vorrichtungen,  wo  eiserrie  Schraubenein  unrichtiges 
Resultat  und  irrige  Schlüsse  veranlassen  könnten« 
Gedrehte  ein- und  auswendige  Schraubengänge  auf 

39* 


45a  •       , 

messingenen    Rohren  n.  dgl.  sind   aber    bekanntlich 
sehr  häufig. 

Schrauben  von  edlen  Metallen.  Crold.  Silber  und 
Platin  y  findet  man  auf  den^  aus  denselben  verfertig- 
ten Waaren;  sie  lassen  sich  mit  Kluppen,  oder  auch 
auf  der  Drehbank  y  so  wie  Messing,  bearbeiten.  Gold 
und  Platin  dient  insbesondere  noch  zu  jenen  Kernen, 
die  in  die  Läufe  der  bessern  Feuergewehre  dort  ein- 
geschraubt und  fest  vernietet  werden ,  wo  das  Zünd- 
loch gebohrt  werden  soll. 

Auf  Zinn  schneidet  der  Zinngiefser  Schrauben 
mittelst  des  Drehstahles,  wie  jeder  andere  Drechsler; 
auch  können  si6 ,  wenn  die  Gufsform  darnach  ein- 
gerichtet ist,  sogleich  an  die  Waare  mit  angegossen 
werden ,  sind  aber  dann  nie  rein  und  scharf. 

Bleierne  Schraubenspindeln  nimmt  man  defswe- 
gen  bei  einer  neueren  Sorte  elektrischer  Zündma- 
schinen, weil  sie  mit  Schwefelsäure  in  Berührung 
kommen,  die  eiserne  oder  messingene  bald  ganz  «er- 
Stören würde.  Das  Blei  ist  übrigens  zur  Bearbeitung 
mit  dem  Schraubstahle  zu  weich ,  wohl  aber  läfst  es 
sich  mit  den  zu  hölzernen  Schrauben  bestimmten 
Kluppen  recht  gut  schneiden,  und  erhält,  so  behan- 
delt, scharfe  und  reine  Gewinde. 

Zinkj  Kupfer  uhd  härtere  Metall-  Legirungen 
behandelt  man,  bei  der  Verwendung  zu  Schrauben, 
ganz  so  wie  Messing. 

Nach  den  Metallen  ist  Holz  das  schätzbarste 
Material  zu  Schrauben.  Manche  Vorrichtung  wird 
durch  dessen  Anwendung  viel  wohlfeiler ,  oder  aber 
leichter.  Der  letzte  Umstand  ist  bei  Pressen,  wie 
z.  B.  den  Handpressen  der  Buchbinder,  die  oft  hin 
und  wieder  gehoben  werden  müssen,   sehr  wichtig. 


453 

Unter  dea  verschieden en  Holzarten  ^ind  für  diesen 
Zweck  jene  die  besten ,  die  bei  einer  mäfsigen  Härte 
s^hr  zähe  sind.  Die  festesten  indischen  Hölzer^  wie 
Ebenholz j  Qiiajak  u.  dgl  sind  so  spröde^  d.afs Gänge 
auf  denselben  bald  wegbrechen  würden.  Zu  sehr 
starken  Schrauben  bedient  man  sich  vorzugsweise  des 
Weifsbucbcnhokes.  Der  Spindel-  und  Kornelkirsch* 
bäum  haben  zwar  ebenfalls  ein  sehr  zähes  und  hartes 
Holz^  sind  aber  selten  von  der  nöthigen  Dicke  zu  ha- 
ben^ und  daher  nur  zu  dünneren  Schrauben  anwend- 
bar. Wo  man  Reinheit  und  Glätte  der  Gänge  ver- 
langt^ kann  man  sie  ebenfalls  sehr  gut  brauchen; 
wenn  aber  solche  Schrauben  nicht  sehr  viel  tragen 
sollen^  auch  das  sehr  feine  Buchs- und  Birnbaum- 
holz. Alle  diese  Hölzer  müssen  zwar  trocken  seyn^ 
allein  die  zuletzt  genannten^  weniger  zähen^  nicht  zu 
trocken  j  ja  das  Bimbaumholz  und  ähnliche  weniger 
feste  mufs  man  sogar  vor  dem  Schneiden  etwas  an- 
feuchten ,  weil  sonst  die  Gänge  ausbröckeln.  Ob- 
wohl die  Yerferiigungsart  früher  schon  ausführlich 
behandelt  wurde,  so  mufs  ich  doch  noch  eines  be- 
sondern  Falles  hier  gedenken.  Die  Schraubenmut- 
ter in  Holz  mufs  allezeit  quer  durch  die  Fasern  gehen^ 
nie  aber  so  ^  däb  das  Schraubenloch  mit  den  letz- 
tern parallel  wäre  ^  weil  dann  diese^  von  den  Zähnen 
des  Bohrers  beinahe  rechtwinkelig  angegriffen,  un- 
fehlbar gänzlich  weggerissen  würden.  Indessen  kam 
ich  doch  in  die  Verlegenheit,  fiir  lange  Spindeln 
sehr  lange  Muttern ,  die  sich  aus  Querholz  nicht  mehr 
gut  anfertigen  liefsen,  zu  bedürfen.  Das  Loch  wurde 
also  dennoch  nach  der  Länge  der  Fasern  ( in  Buchs  ) 
gebohrt,  aber  die  Gänge  von  einem  geschickten 
Drechsler  auf  der  Drehbank  mittelst  eines  groben 
Schraubstahles  eingeschnitten,  wo  nicht  das  mindeste 
Ausfasern  Statt  fand»  sondern  alles  nach  Wunsch 
gelang- 

Auch  die  Innern  und    äufsern  Schraubengänge 


454 

auf  Büchsen  und  Galantcriearbeiten  ^  yon  feinen  Hol- 
^ern,  Knochen  y  Elfenbein  ^  Horn^  Kokosnufsscha- 
len,  Perlenmutter,  werden  mit  Schraubstählen  ein- 
gedreht; nur  dünnevelfenbcinerne  Spindebi,  die  auf 
der  Drehbank  zu  leicht  nachgeben  würden,  können 
sicherer  mit  kleinen,  wie  die  zu  hölzernen  Schrau* 
lien  eingerichteten,  Kluppen  erhalten  werden. 

Dem  Alabaster  j  Serpentin  stein,  überhaupt  sol- 
chen Steinarten ,  die  sich  drechseln  lassen ,  kann 
man  die  nöthigqn  Gewinde  ebenfalls  mit  Schraubstäh- 
len geben ,  die  aber,  damit  die  Zähne  nicht  brechen, 
weniger  nach  unten  abgeschrägt  seyn  soUen,  als  die 
gewöhnlichen, 

Die  manchmahl  auf  die  Hälse  gläserner  Flaschen 
aufgeschraubten  ebenfalls  gläsernen  Kappen  wer- 
den wie  Gltts  überhaupt,  mit  kupfernen  Rädchen 
und  Schmirgel,  von  dem  Glasschleifer  bearbeitet. 
Während  das  kupferne  Schleifrädchen  in  schneller 
Umdrehung  begriffen  ist ,  hält  man  das  Glas  blofs  mit 
der  Hand  an,  und  durch  geschickte  Führung  dessel- 
ben kann  ebenfalls  eine  Schraubenlinie,  oder  der 
Tertiefte  Gang  eingeschnitten  werden, 

Töpfergeschirr,  besonders  die  Gefäfse  zur 
Schwefelsäure,  werden  ebenfalls  oft  durch  thönnme 
Stöpsel  verschraubt.  Sowohl  die  auswendigen  als 
inwendigen  Schrauben  erhält  man  hier  mittelst  höl- 
zerner Spindeln  und  eben  solcher  Schraubenlöcher, 
deren  Erhöhungen  sich  leicht  in  den,  beim  Formen 
noch  sehr  weichen  Thon  eindrücken  lassen. 

Bei  den  Hülsen  ordinärer  Mikroskope,  und  an 
Papparbeiten  überhaupt,  kommen  endlicn  auch  noch 
manchmahl  papierene  Schrauben  vor,  deren  Bear- 
beitung von  der  gewöhnlichen  begreiflicher  Weise 
«ehr  abweicht,     Man  schneidet  aus   guter  dünner. 


455 

Pappe  einen  schmal ^i  Streifen^  und  leimt  ihn  auf  die 
äufsere  Flache  der  die  Schraubenspindel  vorstellen- 
den papierenen  Röhre  in  der  Schraubenlinie  fest.  In 
die  dadurch  entstehenden  vertieften  Gänge  legt 
man  einen  zweiten  gleichen  ^  etwa^  dickeren  Papp- 
streifen ein^  .versieht  ihn  auf  der  äufsern  Fläche  mit 
Leim^  schiebt  das  äufsere^  stau  der  Mutter  dienende 
Rohr  darüber ,  und  zwingt  dieses  durch  die  ^  jedem 
Papparbeiier  bekannten  Mittel  >  sich  an  den  zweiten 
Streifen  genau  anzulegen.  Nach  dem  Trocknen  des 
Leimes  werden  sich  beide  Röhren  an  einander  schrau- 
ben lassen^  indem  die  zwei  Streifen^  der  erstere  auf 
der  Spindel ,  der  andere  in  der  Mutter ,  die  Gänge 
bilden. 

Ä  Bemerkungen  über  einige  besondere  Arten  von 

Schraubenmuttern. 

Bei  Gelegenheit  der  Schraiibenschneidmaschinen 
v^urde  mehrmahls  bemerkt ,  dafs  man  Schraubenmut- 
tern* durch  sie  fast  nieniahls  ganz  rein  erhalten  könne^ 
weil  es  nicht  möglich  ist^  den  Stahl  mit  der  nöthigen 
Festigkeit^  ohne  Zittern  und  Schnurren  zu  führen; 
daher  bearbeitet  man  jene  mit  gewöhnlichen  Boh- 
rern. Nur  dann  aber  nuifs  man  sich  einer  noch  nicht 
erwähnten  Methode  bedienen^  wenn  diese  gar  zu 
stark  seyn  müfsten^  wie  dieses  schon  hei  Spindeln 
von  mehr  als  3  Zoll  im  Durchmesser  der  Fall 
seyn  würde.  Die  Schraubenmutter  wird  daher  von 
Messing  oder  Glockenmetall  gegossen ;  indem  die 
Spindel  als  Kern  dient ^  in  die  Gufsform  eingelegt^ 
und  auf  sie  das  Metall  aufgegossen  wird.  Es  umgibt 
dabei  die  Spindel  auf  allen  Seiten ,  und  bildet  nach 
dem  Erkalten  eine  sehr  gut  und  vollkommen  anschlies- 
sende Schraubenmutter.  Nur  ist  bei  dieser  Opera- 
tion eine  doppelte  Vorsicht  dringend  anzurathen.  Das^ 
ohne  weitere  Vorbereitung  aufgegossene,  Metall  legt 
sich  beim  Erkalten,  wobei  es'sich  sehr  stark  zusam- 
men zieht^  so  fest  an  die  eiserne  Spind(^l,    dafs  man 


456 

sie  oft  nicht  mehr  losdrehen  kann^    und   eher  die 
Spindel  bucht  ^  als  die  Mutter  bewegt.     Man  vermei- 
det diesen  nachtheiligen  Zufall   dadurch ,    dafs  man 
die  Spindel  dort^  wo  sie  mit  dem  Metall    umgössen 
werden  soll^  recht  gut  mit  dünnem  Lehmbrei  über- 
streicht, der  nach  dem  Austrocknen  eine    Zwischen- 
lage bildet^    und  die    unmittelbare  Beriihrung   bei- 
der Stücke   unmöglich  macht.     Ist  die  Spindel  un- 
gleich dick  ,  und  sind  die  Gänge  verschieden  tief  ^  so 
xnufs  die  Lage  von  Lehm   noch    dicker    genommen 
werden.     Aber  auch  diese  Vorsicht  würde  nichts  hel- 
fen^   wenn    jene.  Fehler    gar    zu  merkUch    wären, 
daher  denn  zum  Aufgiefsen  der  Muttdr   immer    die 
möglichste    Gleichförmigkeit    der  '  Spindel     unerläfs^ 
liehe    Bedingung  ist.  —    Es   geschieht   mancbmahl, 
dafs,  wenn  man  die  Form  öffnet,    während   das  Me- 
tall noch  sehr  heifs   ist,    die  neue   Schraubenmutier 
beim  Erkalten  Risse    bekommt,    ja  sogar  in  Stücke 
springt.     Die  Ursache  dieser  Erscheinung  ist  darin  zu 
suchen,  dafs  das  Metall   durch    die  in  ihm  liegende 
eiserne  Spindel  verhindert  wird,  sich  allmählich  und 
gleichförmig  von  aufsen  nach  innen  zusammen  zu  zie- 
hen.    Denn  die  Oberfläche  erkaltet   hier  am  ersteig 
das  Innere  aber  später,  und  die  Spindel  endlich,  die 
wie  Eisen  überhaupt,  viel  schwerer  die  Hitze  fahren 
läfst,  und  noch  überdiels  in  der  Mitte  des  heifsen 
Metalles  liegt,   ganz   zuletzt.     Das   Metall,    welches 
nach  innen  nicht  ausweichen  kann,  springt  also,  und 
man  mtifs ,  um  den  Gufs  nicht  völlig  einzubüfsen  i  so- 
wobl  hier,  als  auch  dann,   wenn   metallene  Wah^i^ 
auf  starke  eiserne  Achsen  aufgegossen  werden ,    jedei 
Mahl  das  gänzliche  Erkalten  abwarten,  ehe  mau  den 
Gufs  aufdeckt. 

Bei  gröfseren  Sckraubstöcken,  von  neuerer  (so^ 
genannter  frönzösischer )  Bauart,  findet  die  flach- 
gängige Schraubenspindel  ihre  Mutter  nicht  spgleicb 
im  hinteren  Theile  dieses  Werkzeuges,  sondern  es 
liegt  in  diesem  mittelst  einer,  das  Verdrehen  verbiß' 


457 

dernden  Warze,  ein  eisernes  Rohr,  welches  mit  den 
Muitergängeu  versehen  ist.  Diese  können  nicht  mit 
dem  Bohrer  nach  der  gemeinen  Weise  geschnitten 
'werden ,  weil  durch  die  zur  Herstellung  des  flachen 
Gewindes  nöthigc  grofse  Gewalt  das  schwache  Rohr 
unfebihar  aus  einander  getrieben  würde.  Man  ver^ 
fahrt  also  auf  nachfolgende  eigenthümliche  Art.  In 
die  vertieften  Gange  der  Spindel  windet  man  ein 
nach  der  Form  derselben  genau  zugefeiltes  Eisenstan- 
geJchen.  Es  mufs  über  die  MNicn  Gänge  etwas*  we- 
niges vorstehen.  Die  Spindel  sammt  dem  in  sie  ge- 
wundenen Eisensuibchen  wird  jetzt  in  das  g^enau 
passende  hoble  Rohr  gesteckt,*  dieses  vorher  mit  fein 
gekörntem  Kupfer  versehen,  und  dann  alles  der  er<^ 
forderlichen  Glübchitze  ausgesetzt.  Das  Kupfer 
schmilzt,  und  das  Eisenstängelchen  lölhetsich  in  der 
Röhre  fest,  welche  letztere  dadurch  in  eine  Schrauben- 
mutter verwandelt  wird.  Man  kann  sie  mit  einem 
passenden  Scbraubenbohrer  allenfalls  nacharbeiten, 
um  ihre  Gänge  noch  genauer  zu  machen. 

Eine  Schraube,  die  fortwährenden  Erschütterun«** 
gen  ausgesetzt  ist,  wird  oft  los,  und  geht  freiwillig  zu* 
rück.  Ein  Umsund,  der  sehr  nachtheilig  ist,  wenn  et- 
was zwischen  zwei  an  Schmuben  befindlichen  Spitzen 
sehr  genau,  und  ohne  zu  schlottern,  laufen  soll.  Taf. 
VIII,  Fig.  iG,  sind  A  und  B  an  den  Enden  mit  Spitzen 
versehene  Schrauben ,  die  ihre  Muttern  bei  c  und  d 
haben.  Zwischen  ihnen  liegt  eine  Achse,  welche 
ein  Schneiderädchen  e  (etwa  zu  einer  Räderschneid- 
mascfaine  für  Uhrmacher)  und  die  zum  Umdrehen 
desselben  nötbige  Rolle  /)  zur  Anbringung  des  Dreh- 
bogens,  tragen  soll.  Durch  den  Widerstand,  den 
das  Rädchen  e  beim  Schneiden  erfährt,  verbunden 
mit  der  Schnelligkeit  des  Umdrehens ,  würden  ji  und 
B  bald  locker  werden,  e  zu  schwanken  anfangen, 
und  einen  breiteren  und  unsicheren  Schnitt  ma-: 
eben.  Um  diefs  zu  verhindern ,  gibt  man  den  Schrau- 
ben J  und  B noch  besonderts  Stellmuttern  gh,  die 


458 

zum  bequemen  Anfassen  mit  eben  solchen  Rändern 
versehen  werden  y  wie  a  nnd  b.  Diese  Muttern  wer- 
den^ wenn  j4  und  JB  so  gerichtet  sind^  dafs  die^und 
e  tragende  Welle  zwischen  ihnen ,  willig  und  ohne 
Spielraum  zix  haben ,  läuft ,  so  fest  als  möglich  ange- 
zogen^ und  die  Schrauben  j4  B  können  jeut  nur 
durch  die  gröfsie  Gewalt^  und  nicht  ohne  Beschädi- 
gung der  vier  Schraubenmuttern  zurück  gedrückt 
werden^  lassen  sich  aber  leicht  wieder  verstellen, 
wenn  g  und  h  nachgelassen  wird.  Bei  solchen  dop- 
pelten Muttern  müssen  aber  entweder  die  Gewinde 
fein,  oder  aber  die  Muttern  lang  seyn,  weil  sonst 
die  Reibung  nicht  so  sehr  vermehrt  wird ,  dafs  die 
Spindeln^  ohne  die  Stellmuttern  zu  öffnen ^  nicht  ge- 
dreht werden  können. 

Um  zu  verhindern  9  dafs  eine  Schraubenmutter, 
in  welcher  sich  eine  Spindel  oft  hin  und  wieder  be- 
wegen mufs,  nicht  zu  bald  durch  das  dabei  unver- 
meidliche Ausreiben  unbrauchbar ,  und  der  Gang  der 
Schraube  unregelmäfsig  werde^  wendet  man  verschie- 
dene Mittel  an,  je  nachdem  die  ganze  Vorrichtung 
stärker  oder  schwächer,  und  die  Schraube  einer 
gröfsern-  oder  geringern  Gewalt  ausgesetzt  ist.  Eine 
der  gebräuchlichsten  Vorkehrungen,  um  die  Dauer  der 
Mutter  zu  verlängern,  besteht  in  dem  Zerschneiden 
derselben.  Taf.  VIII,  Fig.  17  ist  eine  Schraubenmut- 
ter, welche  an  einer  Seite  mit  einer  Metallsäge  auf- 
geschnitten ist.  Durch  die  Lappen  o  o  gebt  eine 
Schraube  n,  mittelst  welcher  man  die  Mutter,  wenn 
sie  sich  erweitern  und  die  Spindel  in  ihr  Luft  ha- 
ben sollte,  wieder  zusammen  pressen,  und  gleich- 
sam verkleinern  kann,  indem  sich  ihre  dünnen  Wände 
a  a  federn,  und  mithin  der  Schraube  n  nachgeben  müs- 
sen. Durch  das  Anziehen  der  letztern  kann  der  Gang 
der  Spindel  immer  sehr  genau  erhalten,  und  die  Mut« 
ter  viel  dauerhafter  gemacht  werden.  Dafs,  wenn 
%ie  sehr  lang  wäre ,    statt  einer  Schraube  zwei  zum 


459 

Zusammendrücken  des  aufgespaltenen  Theiles  nöthig 
'werden  y  versteht  sich  von  seihst. 

Wenn  es  die  Umstände  erlauben^  so  kann  man 
die  Mutter  auch  ganz  aus  einander  schneiden^  auszvrei 
Theilen  hestehen  lassen^  undheide  Stücke  a  by  Taf. 
YIII^  Fig.  i8^  durch  zwei  oder  mehrere  Schrau- 
ben cc  mit  einander  vereinigen.  Diese  werden^ 
im  Verhältnifs  wie  die  Mutter  sich  ausreibt  y  von  Zeit 
zu  Zeit  angezogen^  und  stellen,  die  ursprüngliche 
Genauigkeit  wieder  her. 

Befürchtet  man  ^  es  werden  kleine^  nie  ganz  zu 
vermeidende  Unregelmäfsigkeiten  der  Spindel,  Fehler 
beim  Gebrauch  derselben  zur  Folge  haben,  woran 
bei  Mikrometer  -  Vorrichtungen  u.  dgl.  oft  sehr  viel 
gelegen  ist  y  so  kann  man  die  Schraubenmutter  eben- 
falls zweitheilig  machen,  und  unter  eine,  der  zum 
Zusammenhalten  derselben  bestimmten  Druckschrau- 
ben eine  schwache  Feder  legen.  Der  bewegliche 
Theil  der  Mutter  wird  dann  bei  jeder  unrichtigen 
Stelle  der  Spindel  nachgeben,  und  die  Fehler  der 
leutern  ausgleichen.  Taf.  VIII,  Fig.  ao  ist  bc  der 
obere  Theil  der  Mutter,  welcher  mit  dem  untern 
durch  zwei  Schrauben  verbunden  ist ,  und  also  genau 
an  die  Spindel  anliegt.-  Unter  dem  Schraubenkopfe 
o  liegt  die  Feder  e,  welche  ausweichen,  und  so  den 
Gang  der  Spindel  reguliren  kann.  Diese  Vorrichtung 
ist  von  der^eite  Äc,  inFig.  ai  derselben  Taf.  noch 
besonders  vorgestellt,  und  mit  gleichen  Buchstaben 
bezeichnet.  £s  mufs  übrigens  bemerkt  werden,  dafs 
diese  Vorkehrung  nur  bei  ganz  feinen  Instrumenten 
getroffen  werden  kann,  für  stärkere  Maschinen  aber 
nicht  taugt. 

Durch  solche  Mafsregeln  wird  die  Mutter  nicht 
nur  länger  erhalten,  sondern  auch  der  sogenannte 
leere  Gang  solcher  Schrauben  y    die   etwas   führen 


46u 

l!Dussen ,  zum  Theile  vermieden.  Man  sagt ,  eine 
Schraube  gehe  leer,  wenn  sie  sich  drehen  l^ifst,  ohne 
auf  die  Muiter  zu  wirken,  und  die  mit  ihr  verbunde- 
nen Theile  fort  zu  schieben.  Oft  kann  man  eine 
solche  Schraube  ^  bis  ^  eines  ganzen  Umganges  ma- 
chen lassen,  ohne  dafs  sie  die  Mutter  bewegt,  und 
die  Ursache  davon  ist  keine  andere,  als  weil  die  letz- 
tere sich  abgenützt  und  so  erweitert  hat  ',  dafs  die 
Spindel  erst  nach  einiger  Zeit  in  ihr  angreift  ^).  Der 
Erweiterung,  in  so  fern  sie  von  dem  häufigen  Ge- 
brauch und  der  blofsen  Reibung  zwischen  Spindel  und 
Mutter  herkömmt,  kann  durch  das  Zerschneiden  der 
letztern  wohl  abgeholfen  werden ;  allein  bei  Leitspin- 
deln u.  dgl.  kommen  noch  einige  schädlicher  wir- 
kende Ursachen  hinzu.  Diese  Spindeln  sipd  selten 
ganz  vollkommen  gerade ,  sondern  steigen  fast  immer 
mehr  oder  weniger.  Wenn  sie  aber  auch  wirklich 
diesen  Fehler  nicht  hjitten ,  so  ist  es  doch  unmöglich) 
sie  beim  Einlegen  in  die  Zapfenlager  so  zu  zen- 
triren,  dafs  sie  ganz  genau  mit  der  Bahn  des  Sup- 
portes parallel  seyn  sollten.  Im  Augenblick,  wo  die 
Leitspindel  steigt,  wirkt  sie  stärker  auf  den  obern 
Tlieil  der  Mutter,  eben  so,  wenn  das  zu  führende 
Stück  an  einigen  Stellen  seiner  Bahn  schwerer  gebt 
Endlich  fallen  noch  alle  Stöfse  und  Erschütteruiif^en, 
denen  der  Drehstahl  bei  der  Arbeit  unvermeidlich 
durch  den  Widerstand  des  Materials  ausgesetzt  ist, 
zuletzt  auf  die  Mutter  der  Leitspindel.  Sie  wird 
durch  alle  aufgezählten  Ursachen  sehr  bald  so  erwei- 
tert, dafs  man  sie  durch  eine  neue  ersetzen  mu(s. 

Indessen  kann  man  auch  hier  helfen,  indem  man 
die  Mutter  nicht  unbeweglich  fest  mit  den  Stücken 
verbindet,  die  sie  fuhren  soll.     Taf.  VIU,   Fig.  ^^> 


*)  Der  leere  Gang  beträgt  aucli  manchmahl  eine  ganse  Umdre* 
huiig  oder  mehr,  dann  aber  hat  die  Mutter  8o  sehr  gelitten^ 
4ars  sie  der  baldigsten  Nachhülfe  bedarf. 


46i 

ist  F  ein  am  Haupttheile  einer  Drehvorrichtung  \^e^ 
fesdgtes  Stück  y  auf  welchem  —  ebenfalls  mittelst  ab* 
geschrägter  Flächen  aufgepafst  —  N  durch  die  Leit- 
s{3iQdeI  D  geführt  werden  soll.  Letztere  ist  wie  ge- 
wöhnlich so  eingelegt^  dafs  sie  sich  blofs  rund  dre- 
hen kann ,  also  die  Mutter  P  nothwendig  schieben 
mufs.  Diese  ist  an  N  bei  a  angeschraubt^  allein  he\x 
so  dünn  ausgearbeitet,  dafs  sie  sich  federn,  und  da- 
her etwas  nachgeben  kahn,  wenn*/>  nicht  vollkommen 
rund  laufen  sollte.  Die  Feder  bei  x,  die  in  diesem 
Falle,  so  wie  die  ganze  Schraubenmutter,  von  Eisen 
seyn  mufs,  bricht  auch  zugleich  alle  Stöfse  und  Er- 
schütterungen, die  etwa  auf  iV  wirken  sollten.  Pist 
endlich  auch  noch  aufgespalten,  und  mit  der  Druck- 
schraube c  versehen,  so  wie  Fig.  17,  Taf.  VIII. 

■ 

Diese  Einrichtung  ist  bei  einem  zum  Abdrehen 
bestimmten  Support,  wo  die  Führungsschraube  nie 
sehr  lang  ist,  vollkommen  genügend,  besonders  weil 
sie  die  nachtheiligen  Wirkungen  heftiger  Erschüt- 
terungen fast  ganz  aufhebt,  und  dabei  wenig  Raum 
einnimmt.  Bei  einer  langen,  nicht  ganz  geraden 
Spindel  aber  kann  die  Feder  x  dennoch  nicht  genug 
nachgeben^  weil  sie  bei  a  angeschraubt  ist.  Für 
diese  Fälle,  z.  B.  fiir  die,  Taf.  VIII,  Fig.  1,  gezeich- 
nete Maschine,  ist  folgende  Einrichtung  zu  empfeh- 
len. Taf.  VIII,  Fig.  18  zeigt  die  Art  und  Weise,  wie 
die  Mutter  P  der  Leitspindel  D  mit  dem  Fufsc  des 
Supportes  N  (der  zwischen  den  auf  dem  Gestelle  G  G 
festgeschraubten  Leisten  FF  bewegt  werden  soll) 
in  Verbindung  zu  bringen  ist.  P  ist  nähmlich  mit  N 
nicht  ein  Stück,  sondern  an  N  sind  auf  der  untern 
Seite  zwei  starke  eiserne  Stifte  (von  denen,  da  sie 
in  einer  Linie  stehen,  nur  einer,  x,  in  der  Zeich- 
nung sichtbar  ist)  eingenietet,  welche  in  zwei  in  der 
Mutter  beßndliche  Löcher  gehen.  Zwischen  der 
obern  Fläche  der  letztem  und  der  untern  des  Schie- 
bers ist  so  viel  Raum ,  dafs  die  Mutter  sich  etwas  he- 


4621 

ben  nnd  iehkea,  und  auch  nabb  beiden  Seilen  wen- 
den i^anfi^  wenn  die  Spindel  oder  die  Bahn  des  Sdiie- 
bersiV  nicht  vollkommen  gerade  seyn  sollten.  Da- 
mit die  Seitenbewegung  möglich  werde  ^  sind  die  Lö- 
cher ^  in  welche  die  Zapfen  (jc)  reichen  ^  etwas  oval, 
und  diese  haben  daher  nach  beiden  Seiten  Spielraum. 
Nach  der  Länge  der  Mutter  aber  müssen  sie  an  die 
Löcher  genau  anschliefsen,  damit'  durch  das  Gegen« 
theil  nicht  D  leer  gedreht  werden  kann,  bis  die  Stifte 
an  den  Löchern  anstünden«  Die  perspektivische  An- 
sicht! der  Mutter,  Taf.  VIQ,  Fig.  19,  zeigt  nicht  nur 
die  Form  der  Löcher  nn,  sondern  auch  noch  eine 
Feder  o,  welche,  wenn  sie  auch  nicht  unumgänglich 
nöthig  ist,  doch  den  Nuuen  hat,  dafs  sie  die  Mutter 
fortwährend  und  bei  jeder  ihrer  kleinen  Abweichun- 

{;en  an  die  Spindel  andrückt.  Durch  diese  vorzüg- 
iche  Einrichtung  wird'  nicht  nur  die  Mutter  geschont, 
sondern  das  Leergehen  der  Spindel  möglichst  verhin- 
dert. Es  ganz  zu  vermeiden ,  ist  aber  eben  so  un- 
möglich ,  als  Spindel  und  Mutter  so  einzurichten,  dais 
ihre  beiderseitigen  Gänge  mathematisch  genau  in 
fortwährender  Berührung  bleiben. 


VIII. 

über  die  Verfertigung  damaszirter  SäbeL 
klingen,  nach  der  Methode  des  Herrn  Pro- 
fessors Anton  CrivellL 

Von 

Karl    K  arm  ar  s  c  h, 

Assistenten  des  Lehrfaches  der  Technologie  am  ]i.  Ic. 

polytechnischen  Institute. 


(Mit  Zeichnungen  auf  Taf.  m«,  Fig.  i  — 6,  und  fiänf 

Stahlabdrücken  *). 


Im  dritten  Bande  dieser  Jahrbücher ^  Seite  433 
bis446^  befindet  sich  eine  ^  im  Auszuge  gemachte  freie 

*)  Die  Figuren  1,4«^  und  6,  auf  der  dritten  Tafel ,  sind  Nach- 
bildungen der  Hauptarten  des  CriVe/Ztschen  Damastes,  in 
60  fern  sich  dieselben  durch  eine  radirte  Zeichnung  geben 
lassen*  Es  macht  mir  ein  Vergnügen ,  noch  aufserdem  auf 
einem  besondern  Blatte  getreuere  Kopien ,  in  mit  Hülfe  der 
Hupferdruckerpresse  von  den  Stahlplältchen  selbst  gemachten 
Abdrücken ,  beilegen  xu  können.  Die  Leser  verdanken  sie 
der  xuvorkommenden  Güte  des  Herrn  Professors  CriWi/t,  der 
auf  meine  Bitte  die  erforderlichen  Stahlmuster  bereitwillig 
übersandte.  Zur  cenauen  Erläuterung  des  Aufsatzes  wer» 
den  diese  Abdrücae  sehr  dienlich  seyn.  Was  auf  ihnen 
weifs  erscheint ,  ist  auch  auf  dem  Stahle  weifs  und  glänisend» 
während  die  schwarten  Stellen  hier  matt  und  dunkelgrau 
erscheinen.  Um  mich  leicht  darauf  bexiehen  zu  können, 
habe  ich  die  fünf  unter  einander  befindlichen  Abdrücke  mit 
sehr  bemerkbaren  schwarzen  Punkten  in  einer  Ecke  bezeich* 
nen  lassen.  —  Die  Idee ,  Abdrücke  unmittelbar  von  damas- 
zirtem  Stahl  zu  machen ,  scheint  zuerst  in  Prankreich  gefalst 
worden  zu  seyn.    Dem  November  -  Hefte  von  i8a2  der  Jin- 


464 

Übe^etEung  des  von  dem  Herrn  Professor  Crwelli 
in  Mailand  über   den  in  der  Überscbrift  genanntea 
Gegenstand   verfafsten   Werkebens.      Jener  Aufsau 
.enthält  eine  Prüfung  der  bisher  zur  Verfertigung  des 
daniaszirten  Stahles  vorgeschlagenen  Methoden ,  und 
eine  Beschreibung  der  von  Herrn  Crwelli  zu  demsel- 
ben Zwecke  angestellten  Versuche^    die^    wie  jeder 
Unparteiische  gestehen  mufs ,   mit  einer  riihmlichea 
Umsicht  und  Sachkenntnifs  vorgenommen   sind.    In- 
dessen  ist  do>ch  das  erwähnte  Werkchen    zu   einer 
Zeit  erschienen^  wo  Herr  Crwelli  mit  seinem  Gegen- 
stande noch  nicht  vollkommen  im  Reinen  war  y   und 
es  konnte  daher  auch  hauptsächlich  nur  eine  Andeu- 
tung dessen  enthalten^  was  seither  durch  das  Genie 
des  Verfassers  auf  eine   so  höchst  interessante  Art 
ausgebildet  worden  ist. 

Die   Eigenthümlichkeit   des   von  Herrn  Criveüi 

nales  de  l Industrie  liegt  ein  Abdruck  von  C/oir^/'scheiii 
Damast  bei.  Molardx  der  mit  Clouet  gemeinschaftlich  a^ 
beitete,  schlägt  dereleichen  Fae  simiUt  vor,  um  das  Pa- 
piergeld unnachahmlich  ru  machen.  Kann  aber  nicht  ein 
geschickter  Hupferstecher  diese  Abdrücke,  wenigstens  für 
eine  oberflächliche  Betrachtung,  täuschend  nachmachen? 
Und  ist  ein  Erkenntnifsmittel ,  welches  sich  auf  Ai^//M  Merk- 

.  mahle  gründet ,  wohl  sicher  su  nennen  ?  —  Hier  mufs  auch 
die  sinnreiche  Idee  des  Herrn  von  Widmannttädten  tn  iVien^ 
Abdrücke  von  mit  Scheidewasser  geätstem  Mete^reisen  tu 
verfbrtigen  ,  berührt  werden.  Dieser 'glückliche  Versuch, 
welcher  vielleicht  sur  Entstehung  der  fran/^ösischen  Stahl- 
abdrücke Gelegenheit  gab ,  wurde  sehr  früh  durch  Ilerra 
von  Widmamtstädien  sur  Ausführung  gebracht,  und  ein 
solcher,  von  der  bekannten  Elnbogener  EUenmaste  mit 
Druckerfarbe  gemachter  Abdruck,  ist  dem  durch  Herrn  Ritter 
von  Schreibers  t  Direktor  des  k.  k.  Naturalien  -  Uabinettes« 
herausgegebenen  Werke  über  Meteormassen  (  Beitrage  ^vlc 
Geschiclite  und  Henntnifs  meteorischer  ^tein-  und  Metall' 
massen.  IVien  1810,  Fol.  mit  zehn  Tafeln  )  beigelegt.  In 
einem  Umstände  sind  jedoch  die  Meteoreisen- Abdrücke  von 

'  den  Abdrücken  des  damasjsirtcn  Stahls  verschieden.  Bei 
Jenen  ist  nähmlich  der  nach  dem  Ätzen  hoch  stehen  blei' 
bende  Theil  eingeschwärzt  und  abgedruckt ,  während  man 
diese  ganz  wie  Abdrück«  von  einer  gestochenen  Hupfer« 
platte  verfertigt« 


465 

^rfundeneh  Verfahrens,  machte  die  HerLeischafilin^ 
einiger  hiernach  verfertigten  Klingen  tur  allgemeinen 
Ansicht  ^ünscbenswerth,  u^d  auf  eine  an  ihn  ergan- 
gene Aufforderung,  übersandte  derselbe  nirht  nur 
sechs  Mustersäbel,  welche  zugleich  mit  mehreren 
anderen,  im  kaiserlich  königlichen  Münzhause  zu 
Mailand  verfertigt  worden  waren  ,  sondern  auch  eine 
detaillirte  Beschreibung  der  dabei  beobachteten  Ver*- 
fahrungsärten.  Die  erwähnten  Klingen  sind  im  Fa- 
briksprodukteh- Kabinette  des  polytechnischeti  Insti- 
tutes aufgestellt;  diit  Beschreibung  aber.  Welche  Se. 
Exzellenz  der  Herr  Präsident  der  hohen  k.  k.  Kom- 
merz-Hofkommission zur  Benutzung  für  diese  Jahr- 
bücher'gnädigst  mittheilte,  ist  die  Häuptquelle  desr 
praktischen  Tbeiles  voti  nachfolgendem  Aufsatze,  wel- 
chem ich  übrigens  auch  die  Resultate  einiger,  auf 
höheren  Befehl  in  Wien  angestellten,  vollkommen 
gelungenen  Versuche  einterleibt  habe.  Da  die  Be- 
söhreibung  des  Herrn  Cfivelli  vieles  Neue  enthält, 
was  auf  eine  schickliche  Art  mit  dem  schon  Bekann- 
ten in  Verbindung  gesetzt  Werden  mufste,'  so  wird 
man  sich  gern  die  wenigen  Wiederhohlungen  gefallen! 
lassen,  die,  der  Natur  der  Sache  nach,  unvermeidKci|f 
wafren. 


i)  Da^  Material,  aus  welcher^  Herr  Cri^elli  seine 
Säbel  verfertigen  läfst,  ist  guter  Stahl,  von  der  Sorte/ 
die  unter  dem  Nahmen  BU.lhauer- Stahl  (^Acciajö 
da  scultore)  in  der  Gegend  um  Brescia  erzeugt 
wird.  Die  Stangen  dieses  Stahls ,  welche  achteckig 
und  beiläufig  \  Zoll  dick  sind/  werden  in  einer  nicht 
ganz  an  das  Weifsglühen  reichenden  Hitze  y  durch 
Schmieden  in  Blcchstreifen  verwandelt,  die  bei  einer 
Dicke  von  ^  Linien  (  Wiöner  Mafs)  ij  Zoll  breit 
sind.  Jene  Stücke^  welche  ^ich  während  der  ilrbeit 
unganz  .zeigen  sollten,  müssen  beseitigt  werden,  weil 
sie  aufserdcm  der  Güte  und  äufsern  Schönheit  der 

9iihrb.    des  polyt.  Indt.  IV.  Bd.  '3o 


466 

Klingen  Eintrag  thun  würden.  t[berhaupt  mnfs  man 
a^fich  während  der  ganzen  noch  folgenden  Bearbeitung 
Ungänzen  so  viel  möglich  zu  vermeiden  suchen,  eine 
Vorsicht 5  die  hier  nöthiger  ist^  als  in  irgend  einem 
andern  Falle. 

a)  Die  erhaltenen  Bleche  werden  mit  Eisendraht 
von  gleicher  Dicke  (^  Linien)  dergestalt  umwickelt, 
dafs  zwischen  zwei  einzelnen  Windungen  immer  ein 
Zwischenraum  bleibt^  der  drei  Mahl  so  grofs  ist,  als 
die  Dicke  des  Drahtes.  Das  Eisen  bedeckt  demnach 
heiläuflg  ^  der  ganzen  Oberfläche.  Um  die  Quanti- 
tät dieses 'Metalles  zu  vermehren,  hat  man  nur  nöibig, 
die  Windungen  näher  an  einander  zu  legen.  Wie 
wir  aber  in  der  Folge  (i3)  sehen  werden,  ist  das 
Mengenverhähnifs  .  zwischen  beiden  Metallen  (  Siahl 
und  Eisen)  keineswegs  gleichgüliig^  sondern  hat  we- 
sentlichen Einflufs  auf  die  Güte  der  Klingen. 

3)  Diese  umwickelten  Bleche  erhitzt  man  bis 
nahe  zur  Weifsglühhiize*),  und  schlägt  sie  vorsichtig  mit 
einem  grofsen  Hammer  auf  ihrer  breiten  Fläche.  Da- 
durch wird  der  Eisendraht  nicht  nur  flach  gedrückt, 
sondern  er  dringt  zugleich  auch,  um  beiläufig  den 
drillen  Theil  seiner  Dicke,  in  das  Blech  ein.  Di® 
Erfahrung  hat  Herrn  Crivelli  gelehrt,  dafs,  ungeach- 
tet der  Draht  in  der  Hitze  schneller  weich  wird,  als 
der  Stahl^  er  sich  doch  nur  dann  durch  die  Hamnier- 
schläge  breit  quetscht  ^  ohne  in  die  I^icke  des  Ble- 
ches selbst  einzudringen ,  wenn  er  im  Vergleich  mit 
dem  letztern  zu  dünn  ist. 

'  Um   den  Yorlheil  Aes  Flachhammerns  einzuse- 

• 

*J  Bei  dem  oft  wicderhoBlten  Glübcriy  Seliinieden  und  Schweis- 
«cn  der  Masse  würde  «a  scbr  unzweclimärsig  scjn ,  ihr  jede» 
Mahl  eine  groPse  Hitxe  zu  geben  ,  wodurch  der  Stahl  ')>"' 
zu  bald  dem  Verbrennen  ausgesetzt,  und  bedeutend  vci* 
schlechten  werden  würde. 


407 

heh,  mufs  man  bedenket  ^  dafs' eine  Säbelklinge  nicht 
leicht  zerbrechlich  seyn  darf^  und  eine  feste  und  gute 
Schneide  haben  mufs ,  welche  nicht  verdorben  wird^ 
wenn  man  sie  gegen  harte  Körper  schlägt^  und  welchö 
doch  zu  gleicher  Zeit  weiche  und  nachgiebige  Sub- 
stanzen ohne  Anstand  durchschneidet.  Wenn  man 
daher  jetzt  betrachtet^  dafs  der  um  das  Stahlblech 
gewickelte  Eisendraht  in  dasselbe  vertieft  ist  (  und 
äßwar  auf  beiden  Seiten  schief^  doch  in  sich  durch- 
kreuzenden Richtungen)^  und  es  dem  zu  Folge  nach 
der  Breite  (d.  h.  in  der  Richtung^  iii  v^elcher  die 
Klinge  jedes  Mahl  zu  brechen  geneigt  ist)  unterstützt 
imd  befestigt;  so  wird  man  sich  leicht  überzeugen^ 
d,afs  das  Eisen  hier  auf  die  vortheilhafteste  Art  beige- 
mischt ist^  um  das  Brechen  der  Klingen  zu  verhin- 
dern. Und  weil  man  in  der  Folge  alle  an  beiden  Kan- 
ten dieser  umwickelten  Bleclistreifen  hervorstehenden, 
XJmbiegüngen  des  Eisendrahtes  wegschafft^  so  wird 
das  mittlere  Drittel  der  Blechdicke/  welches  gan]? 
Stahl  ist^  entblöfst;  und  die  Klingen  behalten  dem- 
nach eine  gute  Schneide^  die  aber  mehr  Festigkeil; 
hat^  als  die  Schneide  eines  gewöhnlichen  Säbels;  weil 
der  schneidende  Theil  auf  beiden  Seiten  von  dem 
Eisendrahte  gehalten^  und  vor  dem  Ausspringen  ge^ 
sichert  wird.*  ^ 

Die  Anwendung  eines  Bündels  von  abwechseinf- 
den  Stahl-  und  Eisenblech-  Streifen,  oder  von  Stan- 
gelchen beider  Metalle  ( wie  sie  Clouet  vorgeschlaf- 
gcnhat,  s.  diese  Jahrb.  Bd.  III.  S>  4^3),  macht  die 
Konsistenz  der  Schneide  unsicher y  denn  diese  k:mn 
auch  wohl  ganz  von  Eisen  icyn,  wenn  sie  beim 
Schleifen  zufällig  auf  ein  Eisenblech  kommt.  ^  Dieje- 
nigen y  welche  glauben  y  dafs  durch  das  Zusammen- 
drehen solcher  Büschel' dem  Übel  abgeholfen  werde, 
irren  sich ;  denn ,  obgleich  dieses  Verfahren  in  allen 
europäischen  Fabriken,  wo  damaszfrte  Klingen  ver- 
fertigt werden^  eingeführt  ist,  so  wird  dadui^h  der 

3o* 


468 

Nachtheil  nur  vergröfsert.  Durch  das  Zusammendre- 
hen werden  nähmlich  die  Theile  in  eine  solche  Ord- 
nung gebracht^  dafs  auf  der  Schneide  abwechselnd 
Stahl  und  Eisen  neben  einander  liegen  müssen.  Die 
schlechte  Beschaffenheit  solcher  Klingen  saU  auch 
Clouet  so  wohl  ein,  dafs  er  sich  gezwungen  fand, 
seine  Säbel  auf  der  Schneide  zu  verstählen*). 

4)  Man  nehme  18  bis  20  umwickelte  und  flach 
gehämmerte  Blecbe  von  einer  Länge  zwischen  sieben 
und  acht  Zoll,  lege  sie  auf  einander,  umwinde  sie 
mit  Eisendraht,  und  bilde  daraus  durch  ^chweifsen 
und  Schmieden  im  Gesenke  eine  eilf  Linien  breite,  in 
-der  Mitte  5,  an  den  Enden  aber  nur  3j  Linien  dicke 
iStangc.  Diese  liefert  zwei  Säbelklingen  von  gewöhn- 
licher Form  und  einmahliger  Bearbeitung,  Den 
Damast,  der  auf  solchen  Klingen  nach  dem  Beitzcn 
erscheint,  und  welcher  aus  grofsen,  in  die  Länge  ge- 
zogenen Flecken  und  Linien  besteht,  nennt  Herr 
\Cvi\felU  natürlichen  Damast.     Fig.   i  ,  auf  Taf.  W? 

gibt  eine  beiläufige  Vorstellung  davon.  Säbel  dieser 
Art  liaben  zwar  keine  sehr  schöne  Zeichnung;  aber 
sie  kommen,  da  ihre  Bereitungsart  sehr  einfach  ist, 
aufserordentlich  wohlfeil  zu  stehen ,  und  könnten  da- 
her vielleicht  mit  V^ortheil  für  die  Armee  gebraucht 
werden. 

5)  Verlangt  man  einen  feineren  Damast,  so  wird 
die  von  der  ersten  Bearbeitung  herkommende,    2^ 

*)  Das  ist  doch  wohl  auch  bei  den  türliischen  Klingen  der 
Fall,  die  aus  einem  Stahlblech  zu  bestehen  scheinen,  ^^' 
welches  zu  beiden  Seiten  ein  dünner  Streifen  von  Dam^^^ 
aufgelegt  ist.  Wenigstens  hat  ein  im  Fabriksprodul(tcn*  H^' 
binette  des  polytechnischen  Institutes  befindliclicr  orienlnli- 
scher  Säbel  ganz  dieses  Ansehen ,  so  wie  auf  der  gescld'^*^' 
iien  Schneide  desselben  durch  Beitzen  mit  Scheidet^ asscr 
nicht  die  mindeste  Spur  eines  Damaslcs  hervor  grbracMt 
werden  konnte,  übrigens  widerspricht  diese  Erfahrung  ^Icf 
Behauptung  des  Herrn  Crivelll ,  dafs  auch  die  Schneide  der 
türkischen  Säbel  damaszirt  sry. 


409 

einer  gleichen  Dicke  von  2  Linien  ausgehämmert^^ 
Stange  in  7  Tbeile  zerschnitten,  diese  schweifst  man 
hierauf  zusammen ,  und  bildet  daraus  eine  der  vori- 
gen ganz  gleiche  Stange  von  zweimakliger  Bearbei- 
tung. Durch  das  Zusammenschweifsen  der  erwähn- 
ten 7  Stücke  ist  die  Zahl  der  die  Stange  konstitiri- 
renden  Blätter  bis  auf  (7X  i8)  126  oder  (7X20) 
i4o  vermehrt  worden ;  und  durch  das  Ausschmiedeu 
zur  vorigen  Dicke  sind  diese  Blätter  sieben  Mahl 
dünner  und  feiner  geworden,  als  sie  Anfangs  waren. 
Beide  Umstände  bewirken  daher  begreiflicher  Weise 
eine  Verfeinerung  des  Damastes,  der  nun  schon  viel 
schöner  und  zarter  ausfällt,  ungeachtet  er  noch  in 
seiner  Form. keine  wesentliche  Änderung  erlitten  hat. 
Der  obere,  in  der  Ecke  mit  einem  schwarzen  Punkte 
bezeichnete  Abdruck  auf  dem  beiliegenden  Blatte 
gibt  einen  deutlichen  Begiiff  hiervon. 

Man  mufs,  um  der  Schönheit  der  Klingen  nicht 
zu  schaden,  sorgfältig  darauf  achten,  dafs  die  durch 
das  Schweiisen  zu  verbindenden  Flächen  von  Oxyd 
(  Glühspan )  frei  seyen ;  dafs  die  Stücke  wenig  auf 
ein  Mahl ^  und  ilur  stufenweise  erhitzt  werden;  und 
dafs  die  Erde ,  deren  man  sich  zum  Schweifsen  be-» 
dient,  recht  trockener  Thon,  keineswegs  aber  Sand  sey. 

G)  Die  (  5  )  beschriebene  Operation  könnte  man 
oft  genug  wiederhohien,  ohne  dafs  man  eine  wesent* 
hebe  Abänderung  in  den  Zeichnungen  des  Damastes 
hervor  zu  bringen  vermöchte.  Das  Gemenge  aus  Ei» 
8cn  und  Stahl  würde  nur  immer  inniger,  und  somit 
der  Damast  zuletzt  ganz  unmerklich  werden.  Defs-» 
wegen  hat  Herr  Crwelli  eine  sehr  scharfsinnig  aus- 
gedachte Methode  angegeben,  wodurch  man  die 
Zeichnung  der  Klingen  nach  Belieben  zu  modifjziren 
im  Stande  ist.  Sie  besteht  in  Folgendem.  Man  nimmt 
die  von  der  ersten  (4)  oder  zwe^ien  (5)  Bearbeitung 
erhaltene  Stange,  und  maclit  mit  einer  runden  Feile 


470 

auf  Leiden  Flächen  derselben  ( entweder  senkrecbt 
flach  der  Quere,  oder  nach  Beheben  auch  schiel) 
))albrunde  Rinnen  bis  auf  den  dritten  Theil  der  Dicke 
jder!Siapge;  dergestah,  dafs  die  Rinnen  der  einen 
Fläche  den  Zwischenräumen  zwischen  den  Rinnen 
der  andern  Fläche  gegenüber  stehen.  Die  Zeichnung 
(Taf.  111,  Fig.  a  )  wird  jeden  Zweifel  über. die  Ge- 
stalt einer  auf  diese  Art  bearbeiteten  Stange  heben. 
Man  sieht,  dafs  hier  auch  die  bei  aa  gewesenen  £k- 
ken  abgerundet  sind,  weil  sie  sich  sonst  bei  dem 
nachfolgenden  Schmieden  überlegen,  und  üngänzen 
verursachen  könnten.  Zur  Erleichterung  der  Arbeil 
]s.ann  man  sich  auch  eines  runden  Meifsels  bedienen, 
und  die  Einschnitte  nur  zuletzt  nachfeilen. 

^ )  Bei  der  auf  die  beschriebene  Art  behandel- 
ten Stange    sind  die  parallel  liegenden,  vorher  durch 
das  Schweiften  verbundenen  Blätter    an    regelmäfsig 
geordneten  Stelleu  so  durchgeschnitten,  wie  man  aus 
der  Zeichnung  ersieht,    in  welcher  die  Blätterlagen 
flurch  gerade  gleichlaufende  Linien  angedeutet  sind 
Die  Stange  wird  nunmehr  bis  zur  hellen  Kirschfarbe 
glühend  gemacht,  und  auf  dem  Ambofse  mittelst  eines 
grofsen  flachen  Hammers  geschlagen.     Dadurch  be- 
wirkt man  ^  dafs  die  höher  liegenden  Theile  nieder« 
gedrückt  werden ,  dafs  alle  ganz  gebliebenen    (durch 
das  Einfeilen  nicht  ^erstückten  )  Bleche  sich  schian- 
genförmig   winden   ("wie  man    das  auf  dem  Rücken 
der  fertigen  Säbel  deutlich  wahrnimmt,    und  'wie  es 
in  Fig,  3   gezeichnet   ist);   und   dafs  alle  jene^   die 
durch   die  Feile  zerstückt  worden  sind,    mit  ihren 
Bändern  rosenartige  Zeichnungen  bilden ,  welche  aus 
vielen  konzentrischen,  wellenförmig  begränzten  Ellip- 
sen bestehen,  und  in  der  Mitte  mit  mehr  oder  weni- 
ger grofsen  länglichen  Flecken  versehen  sind*).   Fig.  4 


^)     Ich  J<ann  Wer  nicht  timbüi ,  efnen  Fall  an^.iiführen ,  dcrw' 
dem  obigen  viel    Ähnlichkeit   hat,    und   ihm    viclleiihl  '^ 


4?! 

• 

ist  eine  Abbildung  dieses  Damastes^  welchen  Herr 
Crivelii  Rosetten- Damast  nennt.  Unter  den  von 
ihm  eingeschickten  Säbeln  beßndct  sich  einer^  der 
auf  diese  .Weise,  und  zwar . aufserordentlich  schön 
gezeichnet  ist.  Die  Einschnitte  sind  hier  schräg  auf 
die  Stange  angebracht  worden.  Wie  die  Zeichnung 
ausfälhy  wenn  dieses  nicht  geschieht ,  kann  man  aus 
dem  Abdrucke  eines  vortrefHich  gerathenen  Stückes 
beurtheilcn^  der  auf  dem  angefugten  Blatte  der  zweite 
in  der  Ordnung^  und  mit  zwei  Punkten  bezeichnet 
ist.  Bei  dem  Originale  des  Abdruckes  Nro.  3,  ist 
f wahrscheinlich  durch  nachheriges  Schmieden)  die 
Gestalt  der  äufsersi  zarten  und  feinen  Zeichnung  etwas 
modifizirt.  —  Die  in  -einander  liegenden  elliptischen 
Linien  des  Rosetten  -  Damastes  werden  desto  zahl- 
reicher und  feiner,  je  gröfser  die  Anzahl  und  je  ge- 
ringer die  Dicke  der  Blätterlagen  in  der  verwendeten 
Stange  gewesen  ist;  um  daher  einen  feinen  Damast 
zu  erhalten ,  mufs  man  die  von  der  zweiten  Bearbei- 
tung (5)  herkommende  Stange  dazu  wählen.  Da- 
durch, dafs  man  die  Richtung  der  Einschnitte  verän- 
dert, hat  man,  wie  wir  schon  gesehen  haben,  auch 
eine  gewisse,  obwohl  geringe  Modifikation  der  Zeich- 
nung in  seiner  Gewalt.  Doch  mufs  man  immer  darauf 
sehen,  dafs  die  Rinnen  der  beiden  Flächen  einander 
nicht  gegenüber  kommen,  weil  dadurch  nicht  nur 
der  Hauptzwec*%,  nähmlich  die  schlangcnförmige  Bie- 
gung der  inneren  Blätter  ( welche  die  Festigkeit  der 
Klingen  gar  sehr  befördert),  verfehlt,  sondern  auch 
die  Schönheit  der  Zeichnung  um  Vieles  vermindert 
würde. 


Erlfititening  dienen  ](ann.  Das  iingarisclie  geflad^^rte  Eschen- 
holt  r.eigt  nahmlich  ebenfalls  eine  Lage  der  Fasern,  dio 
jener  in  Fig.  3  gezeichneten  ganz«  gleich  kommt  ^  und  wird 
dasselbe  in  einer  gewissen  I\ichtung  gcvsrhnilten ,  so  erhält 
es  ebenfalls  wellenlörraige  und  ellipMscIie  Spiegel ,  die  den 
Figuren  der  Crivellischcn  Säbel  gleich  kommen.  Mir  scheint 
der  1an^  beltanntc  Anblick  dieses  Itul/.es  sehr  geeignet  ^  da$ 
Versieben  des  oben  Gesagten  zu  erleichtern. 


47^  . 

8)  Man  Kann  sich  Icicbt  ül;)ei:zeugen  ,  dafs-die 
pach  der  eben  beschriebenen  Methpde  auf  den  Klin* 
gen  hervor  gebrachten  Zeicbnungen  bis  zur  volL- 
kommenen  Abnutzung  der  ersteren  dauern  müssen; 
weil  die  Lage  der  Eisen  -  und  Stahjtbeile  gegen  ein- 
ander; so  wie  die  Lage  d^r  einzelnen  Blätter,  durch 
die  ganze  Masse  gleich  ist.  Herr  Crwelli  hat  sogar 
bemerkt^  dafs  der  Damast  um  so  feiner  wird,  je  dün- 
ner man  die  Klingen  durch  wiederhobk&s  Abschlei- 
fen macht.  Als  Beispiel  führt  er  einen  von  ihm  ein- 
gesendeten Säbel  an.  Man  bemerkt  an-  diesem  auf 
beiden  Seiten  grofse  weifse,  fast  leere  Flecken,  die, 
versichert  Herr  Crwelli,  nach  mehrmahligem  Ab- 
schleifen eben  so  schöne  Zeichnungen  erbalten  wcrr 
den,  als  die  übrigen  Theile  dieser  Klinge  schon  jcm 
)>esitzen. 

q)  Das  Einschneiden  und  nachfolgende  Flach* 
hämmern  der  Stangen  trägt  übrigens  nicht  nur  zur 
Schönheit  des  Damastes  bei,  sondern  auch  zur  Festig- 
keit der  SäbelMingen,  indem  dadurch  die  Blätterla- 
^en  derselben  eine  sehr  zweckmäfsige  Lage  bekom- 
men, ^m  das  Abbsechen  bei  einem  heftigen  Wider- 
stände zu  erschweren  (7).  Herr  CrhelU  bemerkte 
an  vielen  orientalischen  Klingen,  die  er  in  ffl.en  vx 
3ehen  Gelegenheit  hatte,  deutlich  die  Spuren  der 
pben  beschriebenen  Einschnitte,  ile^n  Tauglichkeit 
zur  Hervorbringung  der  gewünschten  Zeichnungen 
ihm  zuerst  bei  der  langen  und  aufmerksamen  Betrach- 
tung eines  acht  persischen,  in  Konstantinopel  ange- 
kauften Deiches  klar  wurde.  Die  Orientaler  bedienen 
sich,  nach  ^Aervn  CrwelWs  Meinung,  vielleicht  die- 
ser Methode  manchmahl  nach  dem  Zusammendrehea 
4er  Stangen. 

10)  Da  es  bei  dem  (6  und  7)  beschriebenen 
Verfahren  überhaupt  nur  darauf  ankommt,  dafs  ein 
Theil    der  auf  der  Oberfläche  befindlichen   Blätter 


473 

entfernt^  und  dun^.h  andere^  aus  dem  Innern  der 
Stange,  wieder  ersetzt  v^ird;  da  sich  ferner  dieser 
Zweck  auf  mancherlei  Art  erreichen  Jäfst:  so  ist 
auch  schon  das  Mittel  gegeben,  durch  wjelches  man 
die  Zeichnungen  des  Damastes  zu  einem  hohen  Grade 
der  Mannigfaltigkeit  bringen  kann.  Eben  so  sieht 
man  jet^t  den  grofsen  Vorzug,  welchen  das  Verfah- 
ren des  Herrn  Crwelli  vor  dem  sonst  durchaus  ge- 
bräuchlichen Zusammendrehen  hat,  Diese  letzte 
Methode  ist  auf  jene  Formen  der  Zeichnungen  be- 
schränkt, wel(^he  aus  der  Schraubenlinie  entstehen*^); 
das  Verfahren  des  Herrn  Crwelli  hingegen  kagin  eine 
fast  unendliche  Menge  abgeänderter  Zeichnungeft 
hervor  bringen,  deren  Verschiedenheit  hauptsächlich 
durch  die  Art,  wie  die  Blätterlagen  des  Innern  jenen 
auf  der  Oberfläche  substituirt  (  und  wio-  demnach  die 
durchgeschnittenen  Kanten  der  letztern  zum  Vor«* 
scheine  gebracht)  werden,  bedingt  ist, 

ii)  Um  einen  sehr  schönen,  bis  zur  Abnützung 
von  zwei  Drittheilen  der  Säbeldicke  dauernden  Damast 
auf  eine  leichte  Art  zu  erhalten,  verfahre  man  folgen«" 
der  Mafsen. 

In  den  vordem  flachen  Theil  (die  Bahn)  eines 
Hammers  werden,  auf  eine  Tiefe  von  zwei  Linien, 
beliebige  Zeichmingen  eingegraben^  z.  B.  runde  Lö- 
cber,  wie  Herr  Crivelli  es  machte.  Man  nimmt 
dann  eine  durch  ein  -  oder  zweimahlige  Bearbeitung 
erhaltene,  die  (5)  angegebenen  Dimensionen  besit- 
zende Stange ,  macht  sie  bis  zur  hellen  Kirschfarbe 
glühend,  legt  sic>auf  den  Ambofs,  und  setzt  den  Ham- 
mer darauf,  auf  den  man  endlich  mit  grofser  Gewalt 
Schläge  führt.  Durch  dieses  Verfahren  wird  das  Me- 
tall gezwungen,  die  Vertiefungen  des  Hammers  (der 


*)    Ich  prsiicbe ,  Mcrübcr  das  nachysuicsen ,  was  im  Bd.  III  dic' 
scr  Jahrbücher,  Sr4^9  —  44*  «  ßcsagt  worden  ist. 


474 

nichts  anders  als  eine  Art  Gesenk  ist )  auszufüllen,  so, 
dafs  auf  der  Fläche  der  Stange  gewisse  Hervörragun- 
gen  entstehen  y  welche  der  in  den  Hammer  eingegra- 
benen Zeichnung  entsprechen.  Ist  diese  Arbeit  auf 
einer  Seite  der  Stange  vorgenommen^  so  schafft  man 
die  Hervorragungen*  durch  die  Feile  oder  den  Schleif- 
stein ganz  wieder  weg.  Denselben  Operationen  wird 
die  andere  Fläche  der  Stange  unterworfen.  Endlich 
schmiedet  man  die  Klingen  daraus^  welche  beim  Beit- 
-zen  ganz  mit  kleinen ,  aus  konzentrischen  Linien  zu- 
sammen gesetzten^  und  zum  Theil  mit  feinen^  nach 
der  Länge  laufenden  Streifen  vermischten  Zeichnun- 
gen bedeckt  erscheint.  Die  Gestalt  dieser  Zeich- 
nungen richtet  sich,  begreiflicher  Weise,  nach  der 
Form  der  in  dem  Hammer  befindlichen  Vertiefungen, 
ungeachtet  sie  durch  das  Schitfieden  noch  etwas  ver- 
ändert werden, 

Fig.  5  (Taf..  ni)  gibt  eine  beiläufige  Vorstel- 
lung eines  Damastes,  zru  dessen  Hervorbringung  blofs 
runde  Löcher  in  das  Gesenk  gegraben  waren.  Durch 
Ausstrecken  mit  dem  Hammer,  und  durch  wieder- 
hohltes  Abschleifen  der  Klingen ,  verändern  diese 
Zeichnungen  allmählich  ihre  Gestalt :  die  konzentri- 
schen Ringelchen  werden  gröfser,  und  die  Längen- 
Dimension  wird  im  Ganzen  vorherrschend,  weil  im- 
mer mehr  von  dem  natürlichen  Damaste  des  mittle- 
ren Drittels  der  Dicke  entblöfst  wird.  Auf  diese  Art 
erhält  man  einen  Damast  von  solcher  Gestalt,  wie  ihn 
der  mit  vier  Punkten  bezeichnete  Abdruck  auf  dem 
beiliegenden  Blatte  zeigt.  Ganz  verschwinden  kstna 
der  Damast  nie  vor  der  gänzlichen  Zerstörung  des 
Säbels,  weil  im  äufsersten  Falle  der  dem  Gemische 
eigenthümliche  natürliche  Damast  (4)  zurück  bleibt. 

Man  kann  das  erwähnte  Eindri'icken  der  Stangen 
auch  kalt  vornehmen,  wobei  man  sich  eines  beliebig 
gestalteten  Meisseis  bedient.     Der  auf  diese   Aft  er- 


475 

haltenc  Damast  ist,  ,wie  Herr  Cri^elli  meint,  viel- 
leicht beständiger,  als  jener,,  den  man  in  der  Glüh- 
hitze bereitet;  aber  ein  solches  Verfahren  wird  im 
Grofsen  nur  schwer  allgemein  anzuwenden  seyn, 
weil  dazu  eine  im  Führen  des  Meisseis  sehr  geübte 
'Person  erfordert  wird.  Herr  Crwelli  hat  sich  für 
diesen  Fall  eines  Feilenhauers  bedient.  Hingegen 
wird  die  Bearbeititi>g  der  Stangen  im  glühenden  Zu- 
stande leicht  im  Grofsen  ausgeübt  werden ,  weil  man 
sich  eines  förmlichen  Gesenkes  bedienen,  und  so 
beide  Fläohen  zugleich  bearbeiten  \dLnn, 

in)  Das  von  Herrn  Crwelli  fiir  die  Hervorbrin^ 
gung  des  Damastes  aufgestellte  Prinzip  (  lo)  be- 
schränkt sich  keineswegs  auf  die  bisher  beschriebe- 
nen Yerfahrungsartea,  sondern  ist  noch  einer  weit 
ausgedehntem  Anwendung  empfänglich.  Man  kann 
im  Allgemeinen  behaupten,  dafs  jedes  Verfahren, 
wndurch  den  Thcilen  im  Innern  der  Stange  eine  ver-. 
änderte  Lage  gegeben  wird ,  eine  besondere  Art  des 
Damastes  hervorbringen  müsse.  So  wäre  es  z.  B. 
möglich,  auf  der  Oberfläche  der  Stangen  mittelst 
Gesenken  äufserst  verschieden  geformte  Erhabenhei- 
ten anzubringen,  durch  das  Wegschleifen  derselben 
•die  darunter  befindlichen  Stellen  zu  entblöfsen,  und. 
auf  diese  Art  die  Zeichnungen  des  Damastes  mannig- 
faltig 2u  piodifiziren.  Es  unterliegt  keinem  Zweifel, 
dafs  man  durch  dieses  Verfahren  selbst  im  Stande 
seyn  wird ,  Buchstaben  und  andere  willkürliche  Züge 
zu  erhalten,  welche  beim  Abschleifen  und  neuerli- 
.  chen  Beitzen  des  Stahls  immer  wieder  zum  Vorscheine 
kommen  *),     Man  könnte  eben  so  eine  flach  geschmie- 

*)  Wciclien  Verfahrens  -  französische  I^ünstler  zu  dcTD.selben 
Zwcckn  'Av\\  bedienten  ,  ist  un'trlannt.  ^Degrand '  Gurgey 
in  Marseille  hat  {Bulletin  de  la  SocUi^  pour  r Encouraget 
ment  de  l  Industrie  nationale^  1821  ,  p.  4^)  ^^^  Aufmun- 
terunj^s -<'>escI1schan  XU  /'ar/j  eine  Klinge  mit  Buchstaben 
vor^cle^t.  Der  TVJihiniiche  verferligtc  ein  ovales,  34  Milli- 
meter langes  Medaillon    von    dainabsircüm   Stahl ,    mit    dem 


476 

dete  Stange  verschiedentlich  ki^iinimen ,  und  sie  vor 
dem  Ausbilden  zur  Klinge  durch  Schleifen  oder  Fei- 
len 'wieder  ebnen  ^  u.  s.  w.  > 

i3)  Die  Härte  ^  welche  man  den  damaszirten 
Klingen  zu  geben  im  Stande  ist,  hängt  von  der  Qua- 
lität  des  Stahles  und  von  der  verhält nifsmäfsigca 
Menge  des  mit  demselben  vermischten  Eisens  ab.  Es 
ist  daher  nöthig,  besonders  die  letztere^  durch  wie- 
derhohke  Erfahrungen  geleitet^  fest  zu  setzen.  Klin- 
gen, die  aus  einem  Theile  Eisen  und  zwei  Thcilcn 
Stahl  bestehen,  mache  man,  Herrn  CrwelU  zu  Folge, 
glühend,  tauche  sie  in  kaltes  Wasser,  und  bediene 
sich  ihrer  in  diesem  Zustande.  Einer  der  eingeschick- 
ten Säbel  ist  auf  diese  Art  gehärtet.  Klingen,  bei 
denen  das  Eisen  nur  den  vierten  Theil  der  Miscbiing 
bildet,  können  durch  das  eben  angegebene  Verfahren 
ganz  hart  gemacht,  dann  aber  bis  zur  Annahme  der 
himmelblauen  Farbe  wieder  nachgelassen  werden  *)• 

i4)  Um  das  Hervorkommen  des  Damastes  zn  be- 
wirken, legt  man  die  polirten,  und  durch  Abreiben 
mit  Kalk  von  allem  Fett  befreiten  Klingen  in  eine, 
aus  HO  Theilen  Wasser  und  i  Theil  Salpetersäure 
zusammen  gesetzte  Beitze,  und  läfst  sie  beiläufig  i^ 
bis  20  Minuten  in  derselben.      Beim  HerausnehnicQ 

4 

Portraite  des  Königs  von  Frankreich.  Dieses  Medaillon 
Keigt  sich  auf  seiner  untern  Fläche  grob,  oben  hint^egcn 
(wo  das  Portrait  ist)  sehr  fein  moirirt  ( dainasisirt ).  1^<^^ 
BiidniCs  seihst  durchschneidet  alle  Zxi^e  des  Damastes,  u"/^ 
unterscheidet  sich  durch  seine  wcirsliche  Farbe,  so  wio. 
durch  ein  körniges  Ansehen  —  Nacli  dieser  Beschreibung 
kann  man  zwar  liein  Urtlieil  fällen;  doch  läfst  sich  fast  ver- 
muthen ,  dieses  Bild  sey  durch  einen ,  von  der  Dnmassirung 
ganz  verschiedenen  ProzeÜs  in  den  Stahl  hinein  gebracht. 

•)  Die  orientalischen  Arbeiter  bedienen  sich  ,  wie  aus  oinfr 
Nachricht  des  englischen  Konsuls  in  Aleppo  ,  Herrn  Barktr 
{Bulletin  i8ai  ,  p.  36o ),  hervor  zu  gehen  scheint,  f-^^ 
Härten  der  Klingen  einer  Mischung  aus  gleich  viel  Scsamöbl) 
Hammeltalg»  Jungfernwachs  und  Steinöhl, 


•     477 

wischt  man  sie  unvollkommen  ab^  und  läfst  sie  dann 
von  selbst  ganz  trocknen.  Zuletzt  reibt  i^ian  sie  mit 
einem  von  Baumöbi  durchdrungenen  Tuchlappen.  Da 
das  säuerliche  Wasser^  indem  es  die  Oberfläche  der 
Klingen  oxydirt,  in  geringer  Menge  zersetzt  wird, 
und  dabei  die  Entwickelung  von  kohlenstofihältigem- 
Wasserstoffgas  verursacht ,  welches  Gas  dort,  wo  es 
in  kleinen  Bläschen  sich  an  die  Klingen  hängt,  die 
Einwirkung  der  Beiize  auf  dieselhen  verhindert,  so 
entstehen  auf  den  Flächen  der  Klingen  viele  weifse 
Punkte ,  die  mar  auch  an  einem  der  eingeschickten 
Säbel  deutlich  bemerkt.  Um  diesem  Fehler  abzuhel- 
fen,  schlägt  Herr  Crwelli  eine  Beitzc  aus  3o  Theilen 
Weinessig  und  i  Theil  Salpetersäure  vor,  welche, 
seinen  Erfahrungen  zu  Folge,  ganz  dem  beabsichtig«» 
ten  Zwecke  entspricht. 

Bei  den  Versuchen ,  welche  ich  über  die  VcJr* 
fertigung  des  CrwellVschen  Damastes  zu  machen  Ge- 
legenheit halte ,  fand  ich  eine  nicht  unbedcutenda 
Schwierigkeit  in  der  Wahl  der  Beitze«  Die  beidea 
angeführten  Vorschriften  des  Herrn  CrweUi  konnten 
mir  eben  nicht  sehr  zu  Statten  kommen ,  da  in  den- 
selben die  Stärke  oder  Konzentration  der  anzuwen- 
denden Salpetersäure  nicht  ausgedrückt  ist.  Ich 
xnufste  mich  daher  zu  wiederhohlten  Versuchen  be- 
quemen, und  fand,  dafs  eine  Mischung  aus  i  Theilo 
käuflichem  Scheidewasser  ( von  i,3oo  spezifischem 
Gewichte)  und  20  Theilen  gemeinem  Essig  die  besten 
Dienste  leistet.  Man  hat  bei  ihrer  Anwendung  nichts 
von  einem  zu  lang  fortgesetzten  Beitzen  zu  befürch- 
ten. Der  Damast  erscheint  wenige  Minuten  nach  dem 
^  Einlegen  der  Klingen  schon  sehr  deutlich ,  und  wird 
nach  und  nach  immer  merklicher.  i5  bis  ^5  Alinuten 
dürften  im  Allgemeinen  hinreichend  seyn,  um  die 
Operation  zu  vollenden ;  nimmt  man  die  Klingen  vor 
dieser  Zeit  aus  der  Säure,  so  unterscheiden  sich  die 
Linien  des  Damastes  h\of^  durch  ,die  hellglänzende 


478 

Farbe  auf  mattem  Grunde;  späterhin  kommen  sie  im- 
mer höher  zu  steheil ,  und  werden  bei  lang  fortge- 
setzter Beitze  encflich  sehr  fühlbar.  Die  zweckmäs- 
sigste  Lage ,  welche  man  den  Klingen  beim  Atzen 
gibtj  besteht  darin  ^  dafs  man  sie  auf  die  Schneide 
legt ,  und  ihre  Flächen  aufser  aller  Berührung  mit 
den  Wänden  des  Gefäfses  erhält  "^j. 

Ob  die  Härte  der  Klingen  auf  den  Erfolg  des 
Beitzens  einen  Einßufs  habcy  ist  eine  Frage,  ^e^ 
che  sich  mir  bei  meinen  Versuchen. fast  unwillkürlich 
aufdrangt  indem  ich  an  einigen  dcir  dem  Beitzen 
unterworfenen  Stücke  einzelne,  von  der  Säure  weit 
weniger  als  die  übrigen  angegriSeiie  Stellen  bemerkte, 
aufweichen  der  Stahl  eine  hell  elsengraue  Farbe  be- 
iiielt,  während  er  sonst  durchaus  matt  und  dankelgrau 
wurde.  Vorzüglich  war  das  erstere  mehrmahls  in  der 
Nähe  der  Angel,  so  wie  an  der  Spitze  der  Klingen 
der  Fall.  Ich  habe  es  durch  einige ,  von  mir  eigens 
BU  dem  Bchufe  angestellte  Verbuche  nicht  dahin  ge- 


*)  Nach  Barker  ( a.  o.  a  0. )  verwendet  man  im  Orient  als 
B«it7.millel  ein  natilrHciieii  Salz,  welches  unter  dem  Nahmen 
Zagh  aus  den  drusischen  Gebirgen  Itommt,  und  6'in  Gpnicnge 
«US  saurer  schwefelsauerer  Thoncrde  und  schwefelsaurem 
Eisen  i«»t.  Diese  Substanz  wiM  in  einem  bleiernen  Gefalsc 
mit  Wasser  aufgelöst,  und  die  erhaltene  Flüssigkeit  streicht 
man  mit  den  blofsen  Fingern  auf.  Dies^  Operation  wird 
öfter  wiederhohlt,  und  nach  jedesihahligom  Bestreich^'* 
taucht  man  die  Klinge  in  reines  Wasser,  nm  sie  abau^^Ä- 
sehen.  — A  Um  die  Säbel  vor  dem  Beilzei»  vollkommen  glaK 
tind  rein  zu  machen,  polirt  man  sie  mit  Schmirgel  und  Blut* 
Mein,  und  beseitigt  alles  darauf  befindliche  Fett  durch  Ab- 
i'eibcn  mit  Kalk  und  mit  in  Wasser  zerrührter  Tabakasche. 
l>cu  Damast  der  Flinteiiläufe  bringt  man  durch  ^jn,  von 
4em  angegebenen  verschiedenes  Mittel  zum  Vorschein.  I^^J 
vorläufig  mit  feinem  Sand  oder  Ziegelmehl  abgeriebene,  ""u 
dadurch  blank  gemachte  Lauf  wird  näh mlicn.  i  .Zoll  'i<-l^ 
mit  einem  aus  ijS  TheiKsn  Schwefel ,  1 1  Theilen  Salfnia;^ 
i4  Tli«ilen  Kochsalz  tind  etwas  W^asser  bestehenden  Teig 
bedeckt ,  hierauf  24  bis  3o  Stunden  lang  der  feuchten  L»f| 
ausgesetzt,  zuletzt  abgewaschen ,  getrocknet,  und  mit  Olu 
eingerieben.  — 


479 

bracht,  mit  voller  Sicherheit  beslimmen  zu  können, 
ob  gehärtete  Klingen  anders  von  der  Säure  angegrif- 
fen werden ,  als  ungehärtete.  Einen  Vei-such ,  wo- 
bei das  daniaszirte  Stahlstück  im  gehärteten  Zustande 
an  einigen  Sielten  fast  gar  nicht,  im  weich  gemach^ 
ten  hingegen,  durchaus  (  wiewohl  nicht  gleichstark) 
angegriflfen  wurde,  wage  ich  nicht  hierher  zu  rech* 
nen;  denn  ich  halte  es  für  möglich,  dafs  eine  geringe 
Spur  von  Fett  das  Angreifen  der  Säure  verhindert 
habe  *  ). 

*)  Über  die  vorliegende  intcressaiite  Frag«  ist  von  Andern 
Folgendes  bemerkt  worden«  De^r  Engländer  Daniel  fand, 
dafs  die  Salzsfiure  auf  barten  und  Tveichen  Stahl'  eine  sehr 
vjrscbicdcnc  Wirkung  äuföert.  Legt  man  näbmlich  ein  gc- 
bärtetes  und  ein  ungehärtetes  Stahlstuck  zugleich  in  die 
Säure,  so  braucht  jenes  eine  fünt'Malil  so  lange  Zeit  als  die* 
ses ,  um  dieselbe  zu  sättigen ;  und  bei  der  Untersuchung  ih- 
rer angegriffenen  Oberflächen  findet  man  das  harte  Stück  mit 
kleinen  Vertiefungen,  wie  \?urmstichiges  Holz,  Jb^deckC, 
von  dichtem  gleichförmigen  Ansehen,  während  das  weiche 
eine  faserige  ,  wellenförmige  (  wavy  )  Textur  zeigt.  —  Die 
beiden  Chemiker  Stodar$  und  Faraday  hatten  bei  ilirer  Un* 
tersucbung  des  mit  Platin  legirten  S^tahlcs  Gelegenheit,  an- 
dere ,  nicht  minder  auffallende  Verschiedenheiten  zwischen 
hartem  und  weichem  Stahl  *u  bemerken.  Wenn  «wei  Stücke 
jener  Legirung ,  von  welchen  das  eine  gehärtet ,  das  andere 
aber  weich  ist ,  durth  wenige  Stunden  der  Wirkung  von  ver- 
dünnter Schwefelsäure  ausgesetzt  werden  ,  so  bedeckt  sich 
^  das  harte  Stiick  mit  einem  metallischen  sehwar/en  kohligen 
Pulver,  uiid  die  angegriffiene  Oberfläche  desselben  erscheint 
fein  faserig;  das  weiche  Stück  hingegen  erhält  einen  dicken 
grauen  Überzug,  welcher  dem  Reifsblei  ähnlich  ist,  sich 
weich  anfühlt ^  leicht  mildem  Messer  achneiden  läfM,  und 
an  Menge  7  oder  8  Mahl  so  viel  beträgt ,  als  das  schwarz« 
Pulver  des  harten  Stückes.  Den  nähmlichen  Unterschied 
bemerkt  man  bei  reinem  Stahl ;  nur  ist  er  hier  weniger  auf. 
fallend ,  weil  die  Wirkung  ^der  Säure  nicht  so  schnell  und 
heftig  vor  sich  geht.  — -  Wenn  man  eine  der  erwähnten  pul- 
^erigeA  Substanzen  mit  verdünnter  Seh w e fcfl -f  oderSaTlzsäure 
behandelt,  so  löst  sich  das  darin  enthaltene  Eiseno:ftydul  attf, 
und  es  bleibt  ein  der  Säure  fernerhin  widerstehender  Rück- 
stand ,  welcher  getrocknet  und  bis  zu  3oo'  oder  400«  Fahre  Ah. 
efhitzt,  wie  Pyrophor  unter  viclemi  Rauche  verbrennt, 
vorsätzlich  entzündet  aber  in  eine  helle  Flamme  ausbricht. 
Der  Rückstand  des  Verbrcnnens  ist  Eisenoxydul  mit*  dem 
zur  Legirung  angcwendeirn  JMelallc  (Platin)  gemengt  (/?«- 
pertorjr  of  Arts  ^  Jan.   1823  ,  p.  91  —  93).  — 


48o 

• 

'  l5)  Es  unterliegt  Leinem  Zweifel^   dafs  die  yon 
Herrn  Crwelli  erfundenen  Verfahrangsarten  zur  Her- 
vorbringung eines    dem  ächten  sehr  nahekommendea 
Damastes  geeignet  seyen  \  um  aber  ihren  Werih  voll- 
kommen  richtig  beurtheilen   zu   können^    mufs  ntm 
auch  ge2eigt  werden  ^  in  wie  weit  die  darnach  ver- 
fertigten  Khngen   jene    vorzüglichen  inn'ern   Eigen- 
schaften besitzen^    welche  den  orien^lischen  einen 
80  ausgebreiteten  Ruf  erworben  haben.     Laut  eines 
durch  Herrn  Crwelli  eingeschickten,  von  dem  k.  k, 
italienischen  General -Kommando  ausgestellten  Zcrü- 
.  fikates  sind  die  nach  den  in  der  Armee  üblichen  For- 
m/en   verfertigten   damaszirten  Säbelklingen  genau  un- 
tersucht, und  da  man  ihre  Stärke  und  Elastizität  voll' 
kommen  genügend  fapd ,  nachstehenden  Proben  un- 
terzogen worden. 
\ 

i).Acht  starke,  in  einer  Reihe  aufgehängte  Talg- 
kerzen wurden  ohne  die  mindeste  Anstrengung  reui 
abgehauen; 

< 
3)  Auf  eine  ebenfalls  frei  hängende ,  zusammen 
[ewickelie  und  in   Wasser  getauchte  Kotze,    deren 
janzes  eine  Rolle  von  44  Blättern  bildete,    wurden 
durch  verschiedene  Personen  Hiebe  gefuhrt,  von  de- 
nen die  meisten  20  bis  2^  Blätter  durchdrangen. 

Nach  diesen  Proben^    welche  über  die    Schärfe. 
der  Schneiden  keinen  Zweifel  mehr  gestatten,  Ter^ 
suchte  man 

3)  einzelne  y  ^äterhin  auch  bis  fünf  neben  ein« 
ander  eingeschlagene  starke  Hufnägel  durchzuhauen, 
was  auch  immer  ohne  Beschädigung  der  Klingen  ge- 
lungen ist*)^     Um  endUch  die  Festigkeit  der  CriveüC' 


•)    Ein  von  Herrn  Crivelli  eigens  ssur  Anstellung    von  Vcrsu- 
eben  der  Art  eingeschickter  Säbel,  mit  welchem  dicke  eiserne 


.    / 


48i 

sehen  Klingen  mit  jener  ^  der  jetzt  in  der  Lk.  Armee 
gebräuchlichen  Säbel  vergleichen  zu  können^  wurden 

4)  Hiebe  mit  den  ersterch  gegen  Kavallerie -Sä- 
bel geführt;  ein  Versuch,  den  gewifs  keine  Klinge 
in  der  Welt  ohne  Nachtheil  aushallen  würde.  Auch 
hier  erprobte  sich  die  Yorzüglichkeit  der  damaszirteoi 
Klingen,  indem  die  Scharten  derselben  immer  bei- 
läufig um  die  Hälfte  weniger  tief  ausfielen,  als  jene' 
in  den  gewöhnlichenv 

16)  Die  Bräuchl)arkeit  der  Crw^llP.schen  Säbel, 
und  ihre  Yorzüglichkeit  gegen  die  nicht  damaszirten 
Klingen  unterliegt  nun  wohl  keinem  Zweifel  mehr; 
und  um  den  Vortheil  bei  ihrer  Verfertigung  zu  si- 
chern, kommt  es  nur  niehr  darauf  an,  die  Preise^  für 
welche  dieselben  von  einer  Fabrik  geliefert  werden 
könnten,  beiläufig  fest  zu  setzen.  Herr  CriveUi  hat 
zu  diesem  Ende  nachstehende  Rechnungen  mitge- 
theilt ,  deren  Daten  gröfsten  Theils  von  der  Verferti- 
gung der  im  Eingange  dieses  Aufsatzes  erwähnten 
Klingen  hergenommen  sind. 

' '  *         '  • 

Kägel  ohne  Spur  einer  Verlereung  durchgehauen  werden 
konnten,  wurde  von  mir  angewendet,  um  '/^^  Zoll  dicken 
otahldraht  durchzubauen.  L>ieses  gelang  nun  Kwar  ohno 
Anstand  auf  jeden  Hieb;  airer  in  der  Schneide  bHebr  doch 
jedes  Mahl  ein  hedcutender  Eindnick^  zurüci'..  Miin  kann 
indessen  dieses  Resultat  keineswegs  fikr  entscheidend  anneh« 
men,  und  zwar  aus  zwei  Ursachen.  Einmahl  war  die  er'" 
wähnte  Klinge  scharfer  gcsciriifren,  als  eigentlich  nöthig  ge- 
wesen wäre,  und  dann  leidet  jede  Schiieide  vie  mehr,  wefi.i 
der  zu  trennende  Körner  rnnd,  als  wenn  er  flach  odef 
eckig  ist.  Der  Grund  ateser  letztern  Erscheinung  Hegt  ohne 
Zweifel  in  dem  gröfsern  Widerstände,  den  die  Oberfläche 
eines  runden  Körners  dem  Zustimmendrücken  entgegenstellt,* 
und  den  ich  fast  der  Wirkung  eines  Gewölbes  Vergleichen 
möchte.  Die  Schneide  eines  gewöhnlichen  Säbels  wäre  un- 
ter den  erwähnten  Umständen  gewifs  schV  bedeutend  aus- 
gesprungen,  und  der  Schlag  hätte  vielleicht  das  Abbprin- 
^en  der  ganzen  Klinge  herbei  gefuhrt. 

J«)irb.  d.  polyf,  Iirnt-  tV.  Bd»  3  ^ 


( 


/ 


48a 

V 

Berechnung  der  Ausgaben  für  die  Verfertigung 
von  i6  Stück  damaszirter  Säbelklingen   mit  so 
genanntem  natürlichen  Damast  (4).      * 

Milanesi 

Lire     Soldi 

Für  6oJ  Pfund  (  32*  Wiener  Pfd.)  Bild- 
hanerstahi  (jicciajo  da  scultore)  er- 
ste Sorte,   i3  Soldi  das  Pfund     .     .        89  —  3 

;io  Pfd.    (10;   W.   Pfd.)    Eisendraht, 

9^  Soldi  das  Pfd 9  —  loj 

Für  die  Verwandlung  des  Stahls  in  Blech 

{'2).  Ein  Tag  Arheit  sammt  Kohlen         10  —  * 

Für    das   Umwinden    der     Bleche    mit 

Draih  (3).  Zwei  Tage      ....         2  — ■   ^ 

Für  das  Flachhämmern  der  umwickelten 
Bleche  (  4  )•  Zwei  Tage  zu  60  Soldi, 
sammt  Kohlen 4     .     *       6  — »   » 

Für  die  Vereinigung  der  umwickelten 
und  flach  gehämmerten  Bleche  in  8 
Bündel,  jedes  von  heiläufig  10  Pfd. 
(5|.  Wiener  Pfd.)   I   Tag      ...   •        2  —    t 

Für  das  Zusammenschweifsen  dieser 
Bündel,  für  die  zweimahlige  Bearbei- 
tung (4,  5)  und  für  das  Ausschmie- 
den derselben  in  8  Stangen  von  6  Fufs 
L^nge,  6  Linien  Dicke  in  der  Mitte 
und  4  Linien  an  den  Enden  do  Soldi 
für   jedes   Bündel Sa  —    » 

Für  die  Verfertigung  von  16  Klingen  aus 
diesen  8  Stangen,  3  Tage  zu  (io  Soldi, 
sammt  Kohlen 9  —   » 

Für  das  Ausfeilen  der  Klingen ,  3  Tage 
zu  3o  Soldi,  nebst  zwei  abgenutzten 
Feilen 6  —  10 

Übertrag     iiG  —     3^^ 


483 

Milanesi 

Lire     Soldi 
Übertrag       iiG  —  •  3J 
Für  das  Härten  der  Klingen       ...         0  _   » 
Für  das  Nachlassen^    Kalthämmern  und 
Geraderichten  der  Klingen,  die  sich 
beim  Härten  geworfen  haben,  i  Tag       ^  - —   » 


Summe     12^  —     3j^ 


Diesem  nach  kömmt  jede  mit  natürlichem  Da^ 
ttiast  versehene  Klinge  von  der  Art,  welche  früher 
(5)  beschrieben  wurde,  auf  7 Lire  1 5  Soldi  milanesi 
(5,95  Lir.  ital.,  oder  2  Guinea  17  Kreuzer  Konv; 
Münze)  zu  stehen. 

17)  Verlangt  man  irgend  ein^n  bestimmten  re- 
gelmäfslgen  Damast,  so  mufs  man  zu  dem  vorigent 
Preise  noch  Folgendes  hinzufügen: 

Milani.        Konv.  M. 

L.  —  S,    fl.  —  kr. 

a)  Für  die  (11)  beschriebend 

Art  des  Damastes,  dessen 
Zeichnungen  heifs  einge- 
prefsiwerden :  u  Stunden 
Schmiedearbeit,  5  Stun- 
den mit  der  Feile,  nebst 
Almutzung  der  Werk- 
zeuge       .      .      .  •    .      .      .        i  — :   »  -i:-    »  ,;—  3r5§ 

b)  Für   den    s.  g.    Rosetten- 

Damast  (6,7):  2  Tage 
Feilen  zu  3o  Soldi  nebst 
Abnutzung     der    Werk- 


zeuge 


3_i5_  i_  ei 

3i* 


484 


Konv.  M. 
fl;  --  kr. 


c)   Für  den  Damast  mit  der 
regelmäfsigstea       Zeich- 
nung *) :    3  Tage  Arbeit 
zu    5o  Soldi^    nebst   25 
v^    Soldi  für  Abnutzung  der 

Werkzeuge     .     •     .     .       6 —    5  —     i — 5i 

Demnach  kosfcte : 

Eine  Säbelklinge  von  zweimah- 
liger  Bearbeitung  (5)  und  mit 
natürhchem   Damast     .     .       7 —   5  —     3  — 17 

£ine  dergleichen  mit  der  (it) 
beschriebenen  Art  des  Da- 
mastes        9 — i5  —     2 — 02^ 

Eine  dergleichen  mit  Rosetten- 
Damast        .     -     .     .     •     .     II  — 10  —     3  —  33} 

Eine  dergleichen  mit  regclmäs« 

sigster  Zeichnung     .     .     ♦      if\ — »    —     4 —  ^ 

Hierbei  sind  die  Kosten  fiir  das  Schleifen  nicht 
mit  gerechnet,  weil  sie  zu  sehr  nach  den  Lokal- Um- 
ständen variiren  können.  Man  kann  indessen  anneh- 
men, dafs  diese  Ausgabe  bei  der  Ausübung  der  Fa- 
brikation im  Grofsen  höchstens  Lir.  i,  5o  Gentes. 
itaL  (347*  Kreuzer)  betragen  werde,  in  Mailand 
kostet  das  Schleifen  und  Poliren  einer  Klinge  beinahe 
das  Doppelte  des  angegebenen  Preises. 


*)  Die  Zeichnung  dieser  Säbel  hcstolil  aus  sehr  feinen  undzar- 
ton  Linien,  ungefähr  so,  wie  Fit».  6  (Taf.  lU ),  und  dcrrail 
fünf  Punkten  bezeichnete  Abdruck  auf  dem  beilietjenden 
.  Blatte  zeigt.  Da  in  der  von  Herrn  Crivclli  eingesandtt'n 
detaillirten  Beschreibung  ihre  Bereitungsart  gar  nicht  berüiirt 
.  wird,  so  kann  ich  auch  darüber  wenig  Rechenschaft  geben. 
Man- würde  wahrscheinlich  solche  Zeichnungen  durch  dni- 
selbe  Verfahren  erhalten,  von  dem  schon  früher  (11,  »^J 
die  Rede  w^r. 


^,    485 

Bei  der  Verfertigung  von  16  Klingen  im  Mailän- 
der Münzhause  kam  jede  derselben  um  einige  Lire 
höher  zuziehen ^  als  die  obige  Rechnung  ausweiset; 
und  zwar  wegen  mehrerer  aufserordenilichen  Kosten, 
die  bei  der  Fabrikation  im  Grofsen  wegfallen  würden. 
Zu  diesen  aufserordentlichen  Kosten  gehören  beson- 
ders die  zur  Aufmunterung  unter  die  Arbeiter  ver- 
theilten  Belohnungen ,  und  die  überlheure  Bezahlung 
desSchleifens,  von  welcher  eine  grofse  Fabrik  wenig- 
stens die  Hälfte  zu  ersparen  im  Stande  seyn  würde. 

18)  Um  iiber  die  Erzeuguhgskosten  des  damas- 
zirten  Stahles  im  Grofsen  etwas  Sicheres  festsetzen 
zu  können,  dient  folgender  Kostenausweis  über  die 
Verfertigung  von  33^  kleinen  mailändischen  Pfunden 
(  179  W.  Pfd.)  dieses  Materials,  welches  aus 4  Thei- 
len  Stahl  und  i  Theil  Eisen  besteht. 

Milan.        Konv.  M. 

L.  —  S.      fl.  —  kr. 
Für  327  Pfund  (176  W.  Pfd.) 
Stahl  {Acciajo da scultore) 

zu  II  Soldi 179 — 17  —  53 — loj 

.»  877  Pfd.  Eisendraht,  zu  10 

Soldi    ......     .43  —  15  —  12  — 56 

»  1 5  Tage  Arbeit,  zuSoSoldi    37  —  10 —   9 — ^7 
»    8  Moggien  (18  Wiener  Mot- 
zen)   weiche    Holzkohlen, 
zu  3^  Lire aß —   » —   8 — 17 

Summe     289 —   2  —  83  —  5oJ- 

ManT'erhielt  aus  den  angegebenen  Quantitäten 
(bei  20  p.  Ct.  Abfall)  333  Pfund  (179  W.  Pfd.)  na- 
türlich damaszirten  Stahl  von  einmahliger  Bearbeitung 
(4),  wovon  ein  mailänd.  Pfund  auf  17 J  Soldi,  oder 
ein  Wiener  Pfund  auf  28|^  kr.  Konv.  Münze  zu  stehen 
kommt.     Setzt  man  demnach,   dafs  zur  Verfertigung 


■i 


486 

eines  Kavallerie  -  Säbels  3|  Pfund  (  i^  W.^PfcT.)  no- 
thig  seyen  ^  und  rechnet  man  die  Kosten  für  die 
Verfertigung  der  Klinge  aus  diesem  Matei:4il  auf  3o 
Soldi  (267  Kreuzer);  so  kommt  dieselbe  auf  4  Lire, 
ii^Soldi,  oder  Lire  3,  5o  Cent  iial. ;  und  wenn 
man  für  das  Schleifen  Lir.  i,  5o  Cent.  (17)  hinzu 
rechnet  y  auf  5  Lire  ital.  oder  i  Gulden  55  Kreuzer 
Konventions  -  Münze. 


19)  Als  Anhang  zu  dem  gesenwärligen  Aufsatte 
scheinen  mir  einige  theoretische  Untersuchungen  über 
den  Damast  im  Allgemeinen,  undüber  jenen  der  orien* 
talischen  Säbel  insbesondere,  wohl  geeignet.  Man 
wird  es  vielleicht  nicht  ungern  sehen,  wenn  die  ver- 
schiedenen darüber  herrschenden  Meinungen  hier 
zusammen  gestellt,  verglichen,  gewiirdiget  werden. 
Der  Gegenstand  verdient,  als  Zeitsache,  diese  Mühe, 
un4  ich  will  versuchen,  ob  ich  die  scheinbar  einan- 
der entgegen  gesetzten   Ansichlei)  zu   erläutern  und 


zu  veremigen  vermag. 


Die  orientalischen  damaszirten  Kljngen  haben  in 
Europa  schon  seit  sehr  langer  Zeit  Aufmerksamkeit, 
und  durch  ihre  vortrefflichen  äufsern  und  innern  Eigen- 
schaften den  Wunsch,  sie  nachzuahmen,  erregt.  Da 
man  (entweder  durch  die  Schuld  der  Reisebeschrei- 
ber,  welche  davon  sprechen,  oder  weil  die  Orienta- 
len sie  geheim  halten,  am  wahrscheinlichsten  jedoch 
aus  beiden  Ursachen  zugleich)  die  Methode  nicht 
kennt,  welche  von  den  Arbeitei-n  jener  Länder  zur 
Hervorbringung  des  Damastes  angewendet  wird  5  so 
ifand  man  ihre  Nachahmung  mit  sehr  bedeutenden 
Schwierigkeilen  verbunden  ^  und  wenn  man  aufrieb' 
tig  seyn  will,  mufs  man  gestehen,  dafs  bis  jetzt  noch 
Niemand  dahin  gekommen  ist,  alle  Arten  des  orien* 
talischen  Damastes  ganz  täuschend  und  mit  Sicher^ 
heit   nachahmen  zu  können. 


487 

Die  Bemühung  metirerer  Gelehrten^  wie  jene 
NichoIson*s ,  Oreillys,  Wilde*s  und  Clouet*s,  de* 
ren,im  III.  Bande  dieser  Jahrbücher '(S.  437  u.  s.w.) 
gedacht  wird  ^  lassen  sämmtlich  in  irgend  einer  Hin«* 
sieht  etwas  zu  wünschen  übrig.  Die  Versuche  des 
Herrn  Professors  Crivelli  mufs  man  unter  allen  jenen, 
deren  Resultate  bekannt  geworden  sind"^),  fiir  die 
gelungensten  halten,  weil  durch  die  von  ihm  ange- 
gebene, in  ihrem  Frinzipe  aufserordentlich  zu  modi^ 
fizirende  Methode  nicht  nur  gewisse  Arten  des  ech^ 
ten  Damastes  vollkommen  täuschend  nachgeahmt  wer« 
den,  sondern  auch  die  Hervorbringung  einer  höchst 
zahlreichen  Menge  verschiedener  neuen  Zeichnungen 
möglich  gemacht  ist. 

20)  Eine  kritische  Untersuchung  des  Damastes 
wird  es  mit  der  Beantwortung  zweifi  Fragen  zu  thun 
haben,  welche  folgende  sind:  i)  Auf  welche  Art 
sind  die  Thcile  im  Innern  des  Stahles  geordnet ,  um 
die  Entstellung  einer  Zeichnung  beim  Ätzen  mit  Säu- 
ren veranlassen  zu  können?  a)  Welches  sind  die 
wesentlichen  Beslandtheilc  des  damaszirten  Stahls? — 
Sind  diese  Fragen  entscheidend  gelöst,  so  kann  das 
aus  der  Beantwortung  hervorgehende  Resultat  am  si- 
chersten zur  Leitung  bei  der  .Nachahmung  des  echten 
Damastes  dienen.     Ich  will  wenigstens  versuchen,  die  ' 


*)  Br^ant*s  angcbliclie  Entdecituiig ,  die  genaue  Nacliahmung 
des  Damastes  betreuend,  liann  hier  gnr  nicht  in  Betrachtung 
gezogen  >verden ,  da  ^ine  verächtliche  Gcheinmirslirämerei 
die  Pariser  SopUt^  d* Encourafi^ement  p,  VI,  n.  veranlafsl 
hat,  in  ihrer  Siuung  vom  3.  April  1H22  die  Geheimhaltung 
jener  Entdeckung,  und  zugleich  (wohl  nicht  zu  ihrer  eige- 
nen F/ofsen  Ehre)  die  Bcl^anntmachnn^  dieses  merlswürdi- 
gen  Vorsatzes  zu  beschliefsen.  {  Bulletin  de  la  Socidt^ £t En-^ 
couragement  Nro.  CCXIII ).  Allein  selbst  in  Ermanglung 
einer  nähern  Kcnntnifs  von  Brennt  s  Verfahren  erlauben  vvir 
uns,  mit  grolser  Wahrscheinlichkeit  iw  vcrniuthen ,  dafs 
durch  dasselbe  die  V*»rdiensre  unsers  genialen  CrivelU  uicht 
sehr   durften  geschmälert  werden. 


488 

beiden  Fragen  so  nahe  zu  beleuchten^   als  es  nach 
4en  bis  jetzt  bekannt  gewordenen  Daten  möglich  ist. 

Auf  welche  Art  sind  die  Theile  im  Innern  des 
dumaszirten  Stahls  geordnet  y  um  die  Entste- 
hung einer  Zeichnung  beim  Atzen  mit  Säuren 
zu  veranlassend 

Gleich  Anfangs,  als  man  in  Europa  den  orienu- 
lischen  Damast  nachzuahmen  versuchte,  ging  man 
von  dem  Grundsatze  aus,  dafs  ihre  Masse  eine  Men- 
gung  von  Eisen  und  Stahl  in  einem   Zustande  scy, 

.worin  die  zur  Beitze  angewendeten  Substiinzen  eine 
verschiedene  Wirkung  auf  beide  Metalle  zu  äiifsern 
vermögen.  Dieser  Ansicht  blieb  man  bis  auf  die 
neueste  Zeit  getreu,  wo  (wie  es  scheint ,  zuerst  von 
französischen  Gelehrten)  die  Vermuthung  deutlich 
ausgesprochen  »wurde,  der  Damast  könne  seinen 
Ursprung  wohl  einer  andern  Beimischung  des 
Stahls  verdanken y  und  sejr  weniger  die  Folge  eines 
mechanischen  Gemenges  verschiedener  Metalle^  als 
der  Krjrstallisation  einer  chemischen  ^Mischungf 
einer  Legirun^.     Diese  Behauptung  hat,   man  mufs 

•  (es  gestehen,  viel  zur  Förderung  <Jer  über  den  Damast 
angestellten  Untersuchungen  beigetragen,  und  die 
Betrachtung  des  Gegenstandes  aus  einem  höhern,  wis^ 
senschaftlichen  Standpunkte  veranlafst.  Eben  so  si« 
eher  aber  ist  es,  dafs  die  nähmliche  Behauptung; 
durch  mehrere  Erfahrungen  und  Beobachtungen  an* 
scheinend  unterstützt,  %\x  einer  einseitigen  Behand- 
lung der  Sache  Gelegenheit  gab,  und  in  dieser  Rück- 
sicht dürfte  es  vielleicht  von  Nutzen  seyn,  den  Grund 
beider  Ansichten  etwas  näher  zu  würdigen. 

2i)  Wenn  wir  auf  irgend  ein  Metallstück  ein 
Auflösungsmittel  so  höchst  verschiedene  Wirkung 
hervorbringen  sehen,  wie  diesem  beim  damaszirten 
Stahle  geschieht ,  so  ist  es  wohl  der  Natur  gemäfs, 
^uf  eine   unvollkommene  (also  mechanische)  Verei- 


489 

ni^nng,  auf  ein  Nebeiieinanderliegen  in  gröfsern  oder 
kleinem  P^rtikelchen  verschiedener  Stoffe  in  einem 
tind  demselben  Stücke  zu  schliefsen.  Diese  Betrach- 
tung rechtfertigt,  oder  entschuldigt  wenigstens,  wie 
'mir  scheint,  jene  lang  hergebrachte  Meinung  über 
die  Natur  des  Damaszener  -  Stahls.  Gelingt  es  nun 
vollends,  durch  Zusammenmengen  verschiedener 
Metalle  (wie  Eisen  und  Stahl)  etwas  dem  Damast 
ganz  Ahnliches  hervor  zu  bringen ,  so  ist  der  halbe 
Beweis  für  dieselbe  schon  geliefert. 

Betrachtet  man  dagegen  die  zweite,  gegenwär- 
tig sehr  verbreitete  Ansieht,  welche  die  Zeichnun- 
gen des  Damastea  für  eine  Folge  des  Krystallgefüges 
hält,  so  wird  Jedermann  gestehen,  ^afs  dieselbe  nur 
dann  allgemein  gültig  seyn  könne,  wenn  es  erwiesen 
ist,  dafs  die  Zeichnungen  aller  im  Orient  verfertigten, 
und  demnach  für  echt  zu  haltenden  Waffen  ohne  In- 
konsequenz, als  von  der  Krystallisation  abstammend 
betrachtet  werden  können.  Das  ist  aber  bei  weitem 
nicht  der  Fall.  Allerdings  gebt  zwar  aus  mehreren 
Zeugnissen  hervor,  dafs  es  unter  den  orientalischen 
Säbein  einige  von  dieser  Beschaffenheit  gibt,  allein 
ihre  Zahl  ist  verhälinifsmäfsig  gering,  und  man  kann 
sie  fast  als  Ausnahmen  betrachten..  Mir  ist  wenigstens 
unter  allen  damaszirten  Klingen,  deren  Anblick  ich 
mir  verschaffen  konnte,  keine  einzige  vorgekommen, 
auf  welcher  die  Zeichnung  einen  ganz  krystalliniscben 
Charakter  gehabt  hätte.  Vielmehr  beobachtete  ich 
zahlreiche  Fälle,  in  welchen  die  Gestalt  des  Damastes 
der  Annahme  eines  krystalliniscben  Gefuges  der  Masse 
geradezu  entgegen  war.  Ein  .  Jeder:  Andere  wird 
sich ,  gleich  mir,  durch  einen  Blick  überzeugen,  dafs 
z.  B.  der  höchst  regelmäfsige,  aber  aus  krummen  LU 
nien  bestehende  Damast  sehr  vieler  orientalischen  Sä- 
bel, vorzüglich  aber  der  gleich  einem  schmalen  Bande 
in  einer  Schraubenlinie  herum  gelegte  Damast  der 
türkischen  Flintenläufe  nichts  weniger  als  eine  Folge 


490 

der  Krystallisation  seyn  kann.  Das  Gesagte  findet 
seine  Bestätigung  in  den  Äufserungen  von  Degrand- 
Gurgejr  und  Hericart- de-Thury.  Der  erste,  ein 
geschickter  Stahlfabrikant  in  Marseille,  sagt:  {Bulle- 
tin de  la  Soclete  dEncouragement^  1831,  p.  4<>)- 
»Die  Meinung,  welche  jetzt  zu  herrschen  scbeiat,  ist 
die,  dafs  der  Damast  hlofs  eine  Wirkung  der  Krystal- 
lisation sey.  Ich  habe  viele  orientalische  Klingen  ge- 
sehen, deren  Zeichnung  beinahe  aus  symmetrisch  ge- 
stellten, und  wahrscheinlich  durch  die  Krystaliisaüoa 
hervor  gebrachten,  geometrischen  Figuren  besiaod; 
allein  ich  habe  andere  gesehen,  mit  unrcgelmäfsigon 
Zeichnungen.  Es  scheint  demnach,  dafs  man  zwei  Arten 
des  Damastes  unterscheiden  müsse,  von  denen  die  eine 
das.  Resultat  der  Kunst  ist^  und  ohne  Zweifel  hatte 
Clouet  bei  seinen  Versuchen  nur  diese  im  Auge,  weil  er 
die  Existenz  der  andern  nicht  kannte.  Aufserdem  sind 
die  damaszirtcn  Flinten- und  Pislolenläufe,  welche 
in  der  Levante  verfertigt  werden,  offenbar  ein  Pro- 
dukt der  Kunst,  da  die  Zeichnungen,  woinit  sie  ge- 
ziert sind ,  keine  Regelmäfsigkeit  und  geometrische 
Form  zeigen.«  —  Hericart-rde-  l^hiiry  äufsert  sich 
{Bulletin  de  la  Societe  d'Encouragementy  1821, 
p.  38 1  )  auf  ähnliche  Art,  Nach  ihm  gibt  es  im  Oriente 
zwei  Arten  damaszirter  Säbelklingen.  Einige  sind 
hart  und  spröde,  und  zeigen  auf  der  Oberfläche  kleine 
regelmäfsige,  mehr  oder  weniger  symmetrisch  gestellte 
Figuren,  welche  einen  gewissen  Anschein  von  Kry- 
stallisation haben.  Andere  hmgegen  sind  theils  eisen- 
artig und  biegsam,  theils  weich  und  elastisch  ;  diese 
hietlDen  auf  ihrer  Fläche  verschiedene,  aus  verfloch- 
tenen krummen  Linien  bestehende  Zeichnungen  dar, 
welche  gewisse  Nuancen  der  moirirten  Zeuge  nach- 
ahmen. Aufser  diesen  zwei  Arten  soll  sich  zuweilen 
noch  eine  dritte  finden,  von  krystalliuischem Damast, 
und  in  gewissem  Grade  elastisch,  welche  von  den 
Orientalen  am  höchsten  geschätzt  wird^ 


TJngeacbtct  OS  nun  ausgemacht  ist,  dafs  man 
zwei  sehr  we.senilich  von  einander-  verschiedene  Ar- 
ten von  Damast  annehmen  müsse;  ungeachtet  ferner 
diese  Annahme  den  hisher  geführten  Streit  üher  die 
Natur  der  Erscheinung  zu  Gunsten  heider  Parteien 
zu  entscheiden  scheint ^  so  ist  doch  die  Zusammen- 
fassung beider  Arten  unter  einem  gemeinschaAlicheu 
Nahmen  mit  der  wissenschaftHchen  Ansicht  nicht  ver^ 
trägHch.  Die  Ei  scheinung  des  eigentlichen  Damastes, 
wie  man  ihn  in  der  Regel  an  den  orientahschen  VVafr 
fen  bemerkt,  ist  immer  eine  Folge  ungleichförmiger 
Mischung  der  Bcslandtheile,  aufweiche  natürhch  das 
Beitzmittel  nicht  gleichförmig  ZU  wirken  vermag.  Zwar 
kann  man  auch  auf  der  Fläche  eines  in  seinem  Innern 
vollkommen  homogenen  Metallstückcs  durch  Beitzeu 
zuweilen  eine  Zeichnung  hervorbringen;  diese  ist 
dann  aber  immer  eine  Folge  der  Kryslallisatio^n,  trägt 
ihre  Kennzeichen —  gerade,  und  in  bestimmten  Win- 
keln gestellte  Linien  —  und  gehört  eigentlich  der 
Klasse  des  moire  metaliique  an  ,  welche  ganz  ohne 
alle  Ursache  von  Einigen  mit  dem  eigentlichen  Da- 
maste zusammen  geworfen  wird*).  Zwischen  diesen 
beiden  Fällen  gleichsam  im  Mittel  steht  derjenige,  in 
welchem  eine  metallische  Oberfläche  nach  dem  Beit- 
zen  nüt  einer  den  Charakter  der  Krystallis^ation  tra-» 
genden  Zeichnung  damaszirt,  oder  vielmelir  moirirt 
erscheint,  und  dessen  ungeachtet  keine  Gleichförmig- 
keit im  Innern  besitzt.  Hier  haben  sich  nühmlich  bei 
dqr  Krystallisation  des  Körpers  einzelne  seirier  Be- 
standtheile  mehr  oder  weniger  von  den  übrigen  abge- 
sondert. Dazu  mögen  die  oben  erwähnten  Sabelklin- 
f^en  mit  krystallinischem  Damast,  und  die  bekannten 
Meteoreisen-'  Massen  gehören.  Aus  Mangel  an  Nach- 
richten und  eigenen  Erfahrungen  kann  ich    über  die 

*)  Über  den  Moir^  m^talUque  verschtiffcn  zwei  in  diesen  Jabr- 
büchern  (  Band  I,  8  (;.|,  und  Band  IV,  S.  3^8)  hcfindlicbo 
erschöpfende  Aufsätze  des  Herrn  Professors  Altmätter^ 
Belehrung. 


49ß 

einigen,  kaum  merklichen  dunklern  Läo genstreifen 
zeigte  die  ganze ^  mit  der  Belize  behandelte  Ober- 
fläche nichts  ^  was  der  Erwähnung  wertji-scyn  würde. 
I)ie  Anlage  zu  einem  körnigen  Geftige  war  zwar 
höchst  unvollkommen^  aber  doch  mit  einiger  Miihe 
zu  erkennen« 

Gufsstahl  von  dem  gräflich  Egger* sc\xen  Werke 
in  Kärnthen.  Die  blank  geschliSene  Oberfläche  er- 
litt durch  die  Beitze  keine  deutliche  Veränderung. 

* 

Englischer  Gußstahl,  Das  Stück  war  nach  dem 
Beitzen  ziemlich  gleichförmig  mit  einem  feinen^  scbim^ 
mernden  Korn  überdeckt. 

Englisches  Stahlblech  ( Bruchstück  eincfr  Zieh- 
klinge). Nichts  deutlich  zu  Untcrssbeidendes,  denn 
die  Ungleichheit  der  Farbe  an  manchen  Stelleo  kann 
auch  ai^dern  Ursachen  zugeschrieben  werden, 

Stahlblech  vom  gräflich  Egger'szhevL  Werke. 
Unrcgelmäfsige^  aber  deutliche  hellere  Flecken  auf 
grauem  Grunde/ 

Ein  Stück  einer  Sense.  Grofse^  in  die  Länge 
gezogene  Flecken« 

Fragt  man  um  die  Ursache  dieser  merkwürdigen 
Erscheinung^  so  läfst  sich  wohl  nur  auf  zwei  Arten 
eine  Antwort  finden.  Entweder  mufs  angenommen 
werden,  dafs  alle  untersuchten  Stahlgattungen  un- 
gleichförmig genug  in  ihrer  Masse  seyen,  um  eine 
verschiedene  Wirkung  der  Beitze  auf  ihre  Theile  zn 
gestatten,  oder  man  ist  gezwungen,  die  damastäbn* 
liehe  Zeichnung  als  eine  Folge  der  durch  die  Bear* 
beitung  theilweise  zerstörten  oder  geänderten  Krystal'' 
lisation  anzusehen.  Beides  möchte  wohl  bei  verschie- 
denen Gelegenheiten  der  Fall  seyn ;  aber  sogleich  <ü^ 


497 

• 

rechte  Uriach<3  der  Erscheinung  atizügeben^  durfte 
in  den  meisten  Fälleii  nicht  schwer  seyn.  Blofs  das 
Korn^  welches  auf  der  pölirten  Oberfläche  des  Gufs^ 
Stahls  durch  Beilzen  entwickelt  wird,.mag  der  Kry**- 
stallisation  angehören,  während  die  übrigen  Verände- 
rungen (vorzüglich  der  Damast  des  ohnehin  eiseuhälti<^ 
gen  Feder-  und  Sensenstahles)  mit  derselben  nichts 
gemein  haben* 

•  ^4)  Durth  die  vorliegenden  Fälle  wird  es  höchst 
tvahrscheinlich ,  ja  die  ^Wahrscheinlichkeit  wächst 
zur  Gewifsheity  dafs  der  DiamaSt^  *  oder  etwas  ihm 
mehr  oder  minder  Ähnliches,  keineswegs  zu  den  sei* 
tenen,  wohl  abet*  zu  den  bis  jetzt  nicht  hinlänglich 
beacbteteü  Erschein!' ngen  gehöre,  und  dafs  zwischen 
ihm  und  gewissen  andern  Phänomenen,  vorzüglich 
dem  Moirä  mStallique^  eine  auf  den  ersten  Blick 
Sehr  i^erraschende  Ähnlichkeit  herrsche.  Auf  die 
wesentliche,  innere  Verschiedenheit  des  jWbir^  übri- 
gens, und  auf  die  Noihwendigkcit,  ihny  um  der  wis- 
senschaftlichen Ansicht  willen,  von  dem  eigentlichen 
Damast  ganz  und  gar  zu  trennen,- ist  schon  (22)  hin- 
gewiesen worden.  Noch  bleiben  aber  selbst  in  der 
Klasse  des  eigentlichen  Damastes  sehr  viele  Fälle 
übrige  in  »welcheü  durch  die  Wirkung  der  Beitze  auf 
gewisse,  blojs  mechanisch  neben  einander  liegende^ 
tcngleichartige  Theile^  eine  Zeichnung  entsteht.  E» 
gehören  nähmlich  hierher,  aufser  den  gewöbnlicheni 
Artender  türkischen  Waffen  (äi)  und  ihren  euro- 
päischen Nachahmungen  auch  alle  in,  ihrer  Masse 
nicht  gleichförmig  gemischten.  Eisen-  und  Stahlsor- 
ten (aa,  23  *)•      Freilich  ist  die  Zeichnung  der  letz- 

*)  Ein  hierher  gel^öriger  Fall  is.t  wahrficiicinlich  au6h  dernach« 
stehende ,  von  Stoaari  und  Paraday  beobachtete.  Als  diese 
Chemiker  Scahl  mit  Silber  zu  legi  en  suchten ,  Leroerhten 
sie,  dafs  beide  Metalle  nur.  dann  sich  innic  vereinigten, 
trenn  die  Stenge  des  Silbers  etwa  V500  ^^  Stahls  betrug. 
Das  über  diese  Quantität  beim  Schmelzen  zugesetzte  Silber 
vcrthcitte  sich  in  Kleinen  abgesonderten  Parläelchen  unter 
den  Stahl  i  und  die  ausgestreckte  Legiriing  erschien ,    nach 

Jahrb.    de«  poljt.  ln«it.  IV.  Hd.  3a 


498 

t<;rn  oft  nur  dem  ürsprupgej  keineswegs  aber  der 
Gestalt  nach^  jener  der  orientalischen  Säbel  und 
Flintenläufe  verwandt^  aber  die  wissenschaflliche Un- 
tersuchung kann  hierauf  keine  Rücksicht  nehmen. 
Hingegen  würde  man  in  der  Praxis  wieder  sehr  Un- 
recht thun,  wenn  man  jedes  mit  Flecken  oder  Linien 
gezeichnete  Stahlstück  dem  Damaste  beirechnen  wollte. 
Ks  ist  vielmehr  unumgänglich  nöthig^  .sich  über  den 
dem  Worte  Damast  unterzulegenden  Begriff  ein 
für  alle  Mahl  zu  vereinigen.  Nimmt  man  dieses  Wort 
im  weitesten  Sinne  ^  also  in  dem,  liach  welchem  es 
die  Wissenschaft  künftig  geTlraucheil  wird,  so  istnichts 
leichtefr,  als  damaszirten  Stahl  zu  machen;  dann  bat 
es  i$ogar  (  wie  wir  oben  gesehen  haben  )  keine  Schwie- 
rigkeit, solchen  Stahl  zu  finden*  Ihn  künstlich  za 
bereiten,  wird  eben  sowohl  das  mühsame  Schweifsen 
des  Stahls  mit  Eisen,  als  ein  unvollkommener  Schmelz 
prozefs  hinreichen  ^),  wobei  eines  der  legirten  Metalle 
sich  nicht  innig  mit  dem  andern  vereinigt,  —  Be- 
schränkt man  hingegen  den  Begriff  des  Wortes,  nennt 
man  nur  jene  Stahlgattungen  damaszirty  auf  deren  ge- 
beitzter  Oberfläche  sich  häuQgere  und  regclmäfsigere 
Zeichnungen  darbiethen  j  oder  noch  mehr,  will  man 
unter  damaszirten  Klingen  etc.  nur  jene  Stücke  vef 
standau  wissen,  welche  den  schönen  orientalischen 
im  Ansehen  gleich  kommen;  so  ändert  sich  die 
Sache  bedeutend,  und  die  Verfertigung  des  Damastes 
bleibt  dann  das ,  wofür  man  sie  bisher  immer  ansah, 
nähmlich  eine  nur  schwer  zu  lösende,  und  noch  jetzt 
nicht  vollkommen  gelöste^  Aufgabe  für  den  europäi- 
schen Künstler.  .  ^ 

oS)  Das  Vorstehende  (aa  -^  24)    wt  eine  ge- 
drängte Erläuterung  dessen,    was  wil^  auf  syntheti- 

dem  Beitsen  mit  verdünnter  Schwefelsäure,  von  feinen  Sil- 
beradern durchsogen.    {Jßepertory  ofArti,  Jan.  i8s3tp*  7-^^ 

*)    Vergleiche  die  vorige  Anmerkuiig« 


499 

schem  fFege  über  diä  Bestandtheile  des  eij°;eiitlichen 
Ddtnastes  wissen.  Die  chismische  jinalyse,  eine  soiist 
80  nützliche  Rathgeberin^  scheint  hier  ihren  Diqhst 
^anz  und  gar  versagen  zu  wollen.  Noch  hat  man  his- 
heir  nicht  mehr  als  zWei  Bruchstücke  alter  orientali- 
scher Klingen  zerlegt/  und  mit  Bestinimtheit  weitet 
nichts  entoeckt^  als  da(^  sie  (abgesehen  von  ihrqc) 
Hauptbestandstoffen >  Stahl  und  Eisen)  weder  Gold 
noch  Silber.;  Platiii  oder  Palladium  enthalten !  Diesem 
Umstand  liefert  dber  noch  keinen  Beweis;  dafs  nicht 
fetwa  andere  Klingeii  diese  Metalle  wirk^ch  enthaU 
ten"").  Die  Entdeckung  Scher ef^s;  däfs  das  Silicium 
(Kieselerdemetall)  einen  Bestandtheil  dfes  Damasze- 
iierstahls  ausmache'^),'   ist  interessant >    aber  nicht 

•^^  •      _  __  .  ^         .     •_       '_  \  ^_ ^^^ 

*)  HMcbri'  de^  Thurjr  im  BuUbtin  de  lä  SociM  d Eneourägementi 
1821«  p.  so4*  —  Das  Vorstehende  ist  richtig,  aber,  mit 
demselben  Berichterstatter  (a,  ä«0.  p«  ao5)  eu  glauben, 
dafs  die  Orientalen  iprirlilich  die  Ltfgirüng  ^^%  Stahls  mÜ 
den  ^nannten  Metallen  (  Gold!  Platin j  Palladium!!!) 
versucht  haben,  ist  doch  sehr  gewägt.  *Vrhr  ist  es,  dafs 
vdie  Idee ,  rfeil  Stahl  zu  härten  ,*  ^ie  v^ixi  Kupfer  härtet 
(  d.  h.  durch  Legirung.),  sich  dem  menschlichen  Verstand^ 
iehr  natürlich  da.  bielhet ;«  aber  irir  kenni*i  ja  ein  weit  hür- 
seres  und  einfacheres  Mitral,  den  Stahl  zu  härten!!  Würde 
man  nicht  öineri  S^ahlfabrihanteh  verlachen,  der,  um' seinen 
Stahl  KU  härten y  ihn  mit  1  oder  a  p.  Ct.  Gold,  Platin pdetf" 
yoUends  Palladium  zusammdu  zu  schmelzen  versucht«^  ?  Ich 
darf  nicht  befürchten  ,  dafs  man  mich  hier  unrecht  verste- 
hen, und  glauben  wird.,  ich  verkenne  den  Nutzen  gewissi^r 
Legirungen  des  Stahl«  mit  anderen,  wenn  auch  seltenen  Me- 
tallen,' welche  vielleicht  nur  durch  ihre  Kostbarkeit  aufser 
der  allgemeinen  Aiiwendun^  sii  bleiben  gezwungen  werden. 

^*)  Wenn  man  die  poliftd  Öberflach^'  einer  damassirten  Klingt 
der  Wirkung  einer  Säure  aussetst,  so  bemerkt  man,  dafs 
auf  diCM^r  bald  angegriffenen  Oberflach9  sich  hervorsprin«' 
gendo  Stellen  geigen ,  die  allen  ihren  Glanz  behalten, haben^^ 
und  die  von  der  Säure  nicht  verändert  worden  sind.  Di^ 
meisten  dieser  Flecken  sind  zugerundet,  .es  sind  selLst 
\renige darunter ,  die. nur  unvollkommen  kreisförmig  wären«' 
Ihre  Gröfse  variirt,  von  der  eines* kaum  |iemerkbaren  Punk* 
tes,  bis  zu  einer  Linie  und  darüber  im  Durchmesser*  JEMese 
von  den  Säuren  unangegrifFenen  Theile  haben  eine  sehr  be- 
träphtliche  Härte ,  denn  sie  9ut«to  die  besten  Feilen  sehr 
iald  ab«'    fte  weichen  vom  Suhl  fn  Rücksicht  der  ^arb^ 

3a» 


5oo 

eben  charakterisirencl 9  da  69  bekannt  ist,  dafo  fast 
alle  bessern  gemeinen  Stoblsorten  ebenfalls  Siliciam 
enthalten. 

a6)  Diejenigen^  welche  die  Zeichnungen  des 
Damastes  für  eine  Folge  der  Krystallisation  erkiären, 
halten  den  Damaszener- Stahl  selbst  für  eine  Legirung 
oder  chemische  Verbindung  des  Stahls  mit  andern 
Metallen  (20-;  nur  sind  sie  über  die  Natur  dieser 
Metalle  nicht  im  Reinen,  da^  wie  (aS)  erwähnt^  die 
chemische  Analyse  hierüber  nichts  bestimmt  hat.  Un- 
geachtet dieses  mifslichen  Umstandes  hat  doch  die 
Erfahrung  auf  synthetischem  Wege  gelehrt,  dafs  ge- 
wisse Legirungen  des  Stahls  etwas  dem  Damast  Ahn* 
liebes  liefern.  Da  aber  dieser  Damast  in  einer  gleich- 
förmigen Mischung  entsteht,  und  eme  Folge  der  Kry- 
stallisation ist  (wie  theils  aus  den  unten  folgenden 
Angaben,  der  Versuchansteller  selbst  erhellt^  theils 
aber  mit  grolser  Wahrscheinlichkeit  vermuthet  wer- 
den kann  ) :  so  gilt  von  ihm  das'(ai )  Gesagte  im  vol- 
len Umfange. 

Eine  natürliche  Legirung  des  Stahls  ist  der  aus 
Ostindien  nach  England  kommende  PFooez,  ein,  we- 
gen seiner  vorzüglichen  Eigenschaften^  sehr  geschäu- 


ab,  die  beide  bei  einer  allmählichen  Erhitsung  annehmen; 
denn  in  einer  Wärme,  die  den  8tähl  bei  weitem  nochnicbt 
Eum  Anlaufen  bringt ,  haben  die  hervorspringenden  Punkte 
sehon  eine  prächtige  blaue  Farbe ,  deren  Gianz  den  des 
schönsten  blau  angelassenen  Stahles  übcrtriiTt.  —  Bei  einer 
Temperatur,  wo  der  SKihl  blau  zu  werden  anfangt,  er« 
scheinen  jeno  Punkte  smaragdgrün ,  und  wenn  der  Slabl 
vollliommen  blau  ist,  nehmen  sie  eine  Farbe  an,  welche 
der  des  eben  reduzirlen  Goldes  gleicht.  Diese  Punkte  haben 
die  Eigenschaft,  das  Licht  einzusaugen,  und  leuchtend  tu 
werden.  Sie  verändern  ihre  Form  durch  Hämmern  nicht, 
wie  grofs  auch  die  auf  den  umgebenden  Stahl  wirkende 
Hraft  sey.  Herr  Scheret^  der  sicl^  mit  einer  genauen  Un- 
tersuchung dieser  Thoile  beschäftiget  hat,  erklärt  sie  für 
Stiicitira.  (Annales g^n^raUs dei  sclences phj'tiifUfSy  NoVerobre 
1810. ) 


5oi 

lea  Material  zu  feinen  Schneidweriztugeo  ^  welches 
aufser  Eisen  und  Kohlenstoff  vorzüglich  jHumium 
( Thonerilemetall)  enthält.  Man  hedient  sich  des 
Wootz,  mehreren  Nachrichten  zu  Folge,  im  Orient 
zur  Bereitung  damaszirter  Klingen,  und  er  gibtauch 
auf  seiner  gehörig  behandelten  Oberfläche  eine  dem 
Damaste  gewisser  Mafsen  ähnliche  Zeichnung.  Dafs 
übrigens  diese  Zeichnung  mit  jener  der  orientalischen 
.  Klingen  nicht  übereinstimmt,  gesteht  seihst  Uiricart- 
de-Tliurj*)^  der  aber,  um  seine  Ansicht  von  der 
Bereitung  der  erwähnten  Klingen  9.u  retten  ^  die  Ver- 
muthung  äufsert,  der  Wootz  werde  im  Oriente  nur 
nicht  rein  angewendet,  sondern  vor  dem  Gebrauche 
mit  einem  Zusätze  umgeschmolzen,  welcher  den  Da- 
mast modifizire^j. 

In  einiger  Hinsicht  mit  dem  Wootz  verwandt,  ist 
das  meteorische  Eisen,  dessen  schon  oben  (si  )  be- 
rührte Zeichnung,  wie  Versuche  gelehrt-haben,  von 
einem  ungleichförmig  durch  die  Masse  vertheilten 
Gehalte  an  Nickel  herrührt.  Die  mit  Einsicht  und 
vielem  Glücke  angestellten  Versuche  der  englischen 
Chemiker  Stodart  und  Faradajr  zut .  Nachahmung 
des  Wootz  und  zur  Darstellung  anderer  Stah'Uegirun- 
gen  (Jahrbücher  Bd.  III,  S.  4^3  )  haben,  wie  es 
scheint ,  Veranlassung  zu  allen  ähnlichen  spätem  Un- 
te^uehmungen  gegeben,  wovon  ich  die  auf  mei- 
nen gegenwärtigen  Zv^cck,  Bezug  habenden  kurz  an* 
fuhren  will« 


*)    Bulletin  de  la  SocUU  d'Mncouragement  ^  1824,  p.  sp4* 

**)  Ich  selbst  habe  mich  von  der  Art  des  auf  dem  Woöts  ent« 
stehonden  Damastes  nie  diiich  den  Anblich  unterrichlen  kön- 
nen. Ich  konnte  blofs  ein  engliches,  dem  Vorgeben  nach 
aus  Wfiots  bestehendes  Rasirmcsser ,  auf  dem  über  */,  ZoU 
breiten  Bücken  mit  der  Bcitze  versuchen,  erhielt  aber  nicht« 
als  eiitigo  unregelmäfsige  und  undeutliche  Flecken.  Von 
den  feinen  verschlungenen  Linien  doi*  tfirkisohe|i  Sabal 
■eigt«  liich  keine  Spur. 


503 

Der  OLfistlieutenaut  Fischep  in  Schaßiauseriy 
hat  über  die  ißereitunjg  des  Woou  Folgendes  bekanut 
gemacht"^); 

Indem  man  Stangeneisen  ^  StabI,  vorzüglicb  aber 
graues  Gufseisen^  mit  einer  grofsen  Menge  Kohlen 
umgeben^  durch  mehrere  Stunden  einem  heitigeQ 
Feuer  aussetzt^  bildet  sich  auf  der  Oberfläche  des 
schmelzenden  Metalles  eine  Art  ^  aphit  oder  gekohl- 
tes Eisen  ^  die  unter  der  Gestalt  sehr  dünner,  Wi- 
cher, abfarbendei*  Blätter  von  starkem  Glanz,  aber 
ohne  regelmäfsigq  Formen  erscheint. 

Eine  Mischung  aus  einer  Unze  dieses  künstlichen 
Graphites  und  eben  so  viel  reiner  Alaunerde  v?arde 
in  einem  lutirten  Tiegel  durch  eine  halbe  Stunde 
einer  auf  ungefähr  iGo  Ff^edgwood! sehe  Pyrometer- 
gräde  steigenden  Hitze,  bei  welcher  das  Schmiedeisen 
in  Fiufs  kommt,  ausgesetzt  3  man  fand  auf  dem  Bo- 
den des  erkalteten  Tiegels  ein  Metallkorn,  welches 
genau  eine  -halbe  Unze  wog ,  einen  körnigen  Beuch, 
tind  eine  in's  Gelbliche  ziehende  Silberfarbe  zeigte. 
Der  Rückstand  war  schwarz,  pulverig,  wog  ebenfalls 
genau  eine  halbe  Unze,  und  hauchte  einen  starken 
Schwefelgeriich  aus.       ' 

Bei  ehiem  peuen  Versuche  wurde  das  erwähSie 
Metallkorn  mit  S  Un^en  Gufsstahl  auf  die  schon  be- 
schriebene Art  zusammen  geschmolzen.  Statt  die  ge- 
flossene Mischung  auszugiefsen ,  begniigte  sich  Herr 
Fischer ,  dem  Tiegel  beim  Herausnehmen  aus  dem 
Pfjpn  eine  horizontale  l^age  zu  geben,  und  ihn  in  die- 
ser Richtung  erkalten  zu  lassen.  Nach  dem  Zerbre- 
chen desselben  fand  sich  das  hierdurch  zu  einer  läng' 
liehen  Stange  gebildete  Metall  kryst^llisirt ,  so  ^war, 
dafs  die  Oberfläche   mit  von  verschieder  jsn  Mittel- 

*)    Biblioth64fue  universeile  ^  Septemhr^  i8ai> 


5o3 

punkten  ausgehenden  Strahlen  hedeckt  schien.  Auf 
der  ganzen  Fläche  zeigte  sich  ein  metallischer  Glanz^ 
der  demjenigen  nahe  kam,  welchen  das  auf  Porzel- 
lan getragene  Platin  besitzt.  Das  Gewicht  der  Legi- 
rung  war  genau  5^  Unzen.  Im  Bruche  zeigte  sie 
sich  mit  senkrechten^  theils  glänzenden^  theils  mat- 
ten Blättern  krystallisirt;  dem  Hammer  gab  sie  nach, 
ohne  zu  brechen^  bewies  dabei  aber  einen  aufseror- 
dentlichen  Widerstand.  Nachdem  sie  zu  einer  ii 
ZoU  langen  Stange  ausgehämmert,  und  bei  dunkler 
Rothglübhitze  gehärtet  worden  war,  hatte  sich  das 
Korn  derselben  so  sehr  verfeinert,  dafs  es  mit  freiem 
Auge  nicht  mehr  beiperkt  werden  konnte,  und  der 
Bruch  gleichförmig  grauweifs^  fast  wie  der  des  Por-* 
zelians  erschien.  Die  Härte,  welche  die  Stange  an- 
genommen hatte,  war  über  Erwarten  grofs,  sie  ritzte 
glasharten  Stahl ,  und  widerstand  der  Wirkung  des 
Grabstichels.  Die  polirte  Oberfläche  erhielt  augen- 
blicklich eine  ^ Art  Damast,  wenn  man  sie  mit  ver- 
dünnter Schwefelsäure  behandelte ;  durch  Salpeter- 
säure erhielt  sie  blofs  eine  matte,  dunkelgraue  Farbe. 
Federmesser,  die  man  aus  dieser  Mischung  verfer- 
tigte, behielten  lange  Zeit  eine  aufserordentlich 
scharfe  Schneide, 

Unter  den  Legirungen  des  Stahls,  welche  zur 
H0rvorbringung  des  Damastes  sehr  geeignet  sind,  ver- 
dient jene  mit  Chrom  eine  vorzügliche  Stelle.  Wenn 
man,  nsich  Berthier*) ,  im  Kohlentiegel  ein  Gemenge 
von  beliebigen  Quantitäten  Chrombxyd  und  Eisen- 
oxyd heftig  erhitzt,  so  erhält  man  jedes  Mahl  eine  voll- 
kommen homogene  Verbindung  beider  Metalle.  Diese 
Legirungen  sind  im  Aligemeinen  hart,  spröde,  krj- 
stallinisch,  heller  grau  von  Farbe  als  das  Eisen,  sehr 
glänzend;  übrigens  weniger  schmelzbar ,  viel  weniger 
magnetisch,  und  viel  weniger  von  den  Säuren  angreif- 

*)    AmH^4i  d4  ChimU  ttda  Physi^us'^  Mai  i3ai. 


5o4 

bar  9  als  Eisen.     Diesie  EtgBnschafcen  besitzt  die  Ver- 
bindung in  desto  höherem  Grade^  je  mehr  sieverhäli- 
nifsmäfsig  Chrom  enthält.     Durch  Zusamnienschmcl- 
zen  dieser  Chromlegirung  mit  gutem ,   in  sehr  kleiae 
Stücke  zerschlagenen  Gufsstahl  erhielt  Berthier  eine 
Mischung^  die  man  Chromstahl  nennen  könnte.    Er 
bereitete  zwei  Legirungen  dieser  Art^  "von  denen  die 
eine  i  p.  Ct.^  die  andere    17  p.  Ct.   Chrom  enthielt 
Beide  liefsen  sich  gut  schmieden  ^  die  erstere   scbiea 
sich  sogar  leichter  bearbeiten  zu  lassen^    als  reiuer 
Gufsstahl.     Man  verfertige    daraus  ein   Tafelmesser 
und  ein  Rasirmesser;  diese  zwei  Klingen  wurden  sehr 
gut  gefunden,  ihre  Schneide  war  hart  und  fest;   am 
merkwürdigsten  aber  ist. der  Umstand,  dafs  siedurch 
Beitzen  mit  Schwefelsäure  einen  schönen,  aus  silber- 
weifsen  sehr  glänzenden  Adern  bestehenden  Damast 
erhielten.  —  Auch  Stodart  und  Faraday  haben,  bei 
Gelegenheit    ihrer    Versuche   über    StahllegirungeO| 
zwei  Proben  einer  Mischung  aus  Stahl  und   Chrom 
bereitet.     lOoo  Gran  Stahl  mit  iG  Gran  regulinischem 
Chrom    wurden    bei    einem    heftigen    Gebläsefeuer 
geschmolzen.;  die  Legirung  liefs  sich  gut  schoiieden, 
war  hart  "und  zeigte    keine   Neigung  zum  Springen 
pder  Reifsen.     Auf  ihrer  polirten  Oberfläche  mit  ver- 
dünnter Schwefelsäure  gebeitzt,    zeigte  sie  ein  kry- 
stallinisches  Gefüge,  und  erhielt,    da   die   Krystalle 
durch  das  Schmieden  ausgestreckt  worden  waren,  einen 
sehr  schönen  Damast.      Bei  dem  zweiten    Versuche 
lieferten   1600  Gran  Stahl  mit  4^  Gran  Chrom  ein 
Korn,  von  viel  beträchtlicherer  Härte  als  das  vorige, 
welches  aber  ebenfalls  einen  sehr  feinen  Damast  zeigte. 
Hierbei   wurde  zugleich   die    überraschende  (nichts 
desto  weniger  aber  zu   erklärende)   Bemerkung  ge- 
macht, dafs  der  durch   Poliren  weggenommene  Da« 
mast  beim  Erhitzen  de.*:  Metalls  wieder  zum  Vorscbeia 
kam^).  {Repertoiy  of  Arts,  Jan.  iSaS,  pag.g^) 

*)     Dieselbe  Beobacbtung^habe  icb  selbsr  oft  be!  dem  nach  Cri* 
veüi's  Metbod«  damassirten  Stahl  geniachc. 


r«« 


SoS 

Nach  Briant*)  hat  der  Kohlenstoff  den  meisten 
Einflufs  auf  die  Hervorbringung  des  Damastes  ;.  denn 
durch  die  Verlnndung  des  Stahls  mit  Kohlenstofi*  al- 
lein erhielt   er  einen  schönen^  Damast* 

Auch  die  Legirungen  des  Stahls  mit  mehreren 
andern  Metallen,  z.  B«  tsm  Platin,  sind  des  Damas« 
zirens  fähig» 

Hericart^de-Thurjr'inüeri  sich**)  über  diese 
Mischungen  im  Allgemeinen  auf  folgende  Art :  ^£s 
ist  immer  gewifs^  dafs  die  Legirungen  einen  Damast 
hervorbringen^  upd  dafs  einige  dr^rselben  einen  eigene 
thümlichen  Charakter  besitzen.  So  unterscheidet  sich 
der  Damast  der  Platinlegirung  merklich  —  Silber, 
Chrom  u.  a.  gleichen  sich  aber.  Die  orientalischen 
Klingen  zeigen  eine  grofse  Verschiedenheit  im  Damast, 
und  man  kann  somit  voraussetzen ,  dafs  die  Legirung 
in  ihnen  verschieden  ist.^  —  Wenn  wir,  nach  dem 
Vorausgeschickten,  mit  dem  letzten  Schlüsse  nicht 
einverstanden  seyn  können,  so  liefert  derselbe  da- 
gegen den  Beweis,  wie  schwer  es  den  Anhängern  der 
Krystaliisations -  Theorie  fällt,  ihre  Ansicht  durchzu-c 
fahren ;  indem  sie  zu  der  Annahme  einer  Menge  ver-r 
schiedener  Legirungen  ihre  Zuflucht  nehmen  müssen, 
um  eine  Erscheinung  zu  erklären,  welche  nach  un- 
serer Voraussetzung  blofs  durch  eine  verschiedentlich 
abgeänderte  mechanische  Bearbeitung  hervorgebracht 
wird.  — 

Die  Versuche  mit  Stahl-  Legirungen  beweisen 
nichts  mehr,  als  dafs  auch  wirkliche  chemische  Ver- 
bindungen von*  Metallen  etwas  dem  wahren  Damast 
Ähnliches  zu  liefern  vermögen ;  denn  eine  solche, 
blofs  synthetische  Erfahrung  kann  uns  nicht  bewogen, 

*)    Bulletin  th  la   SocUt^  ^Encouragemeutf  i8si,  p.  317. 
*^)  Daselbst,  p.  ie4« 


5o6 

eiae  Meinung  zu  verlassen^  welche  ihrerseits  aaf  so 
▼iele  gewichtige  Gründe  gestützt  ist"^). 

27)  Häh  man  die  im  Vorhergehenden  angeführ- 
ten Thatsachen  und  Schlüsse  zusammen^  so  kann 
man  ungefähr  folgende  für  die  wissenschaftliche  Be- 
trachtung nicht  unwichtige  Sätze  als  Resultat  daraus 
ziehen : 

I.  Die  Hervorhringung  einer  Zeichnung  auf  me- 
tallischen Flächen  durch  Anwendung  von  Beitzen, 
kann  von  zwei  Ursachen  herrühren  ^  entweder  nähm- 
lich  von  dem  Krystallgefüge  der  Masse ,  oder  yqndem 
mechanischen  Nebeneinanderliegen  verschiedenartiger 
Bestandtheile, 

fi.  Die  voÄ  der  Krystallisation  abhängenden  Zeich- 
nungen bilden  eine  eigene  Klasse   der  Erscheinun- 

*)  Ich  mache  mir  ein  Vergnügen  daraus,  die  Ansicht  eines 
h\ev  gewifs  ]^ompetenten  Mannes,  des  Qerrn  Prof.  CriveUi^ 
mitKutheilen.  in  einem  Schreiben  an  mich  aufserl  er  sich 
nähmlicd  folgender  Mafsen:  vDie  Meinung  der  f ran  sosischen 
Gelehrten,  über  den  Ursprung  der  Damaszener -Zeicbnun- 
gen  betrefTend ,  Iiann  ich ,  nach  vielen  Versuchen ,  welche 
ich  über  die  ycrfertigiing  des  gegossenen  Stahles  anstellte^ 
Sie  versicherp ,  dafs  die  Krystallisation  eine  Gattung  unvoll- 
Kommenipr  Zeiehnyng  hervor  zu  bringen  vermag.  Da  aber 
die  Krystallisation  die  beste  Hämmerung  des  Materials  ver- 
liindert,  so  ist  es  handgreiflich,  dafs  sie  die  Güte äer  Werk- 
>  seuge  herab  etipt.     Die   gröfsten    Schwierighelten ,    welchen 

ich  während  meiner  Versuche  begegnete ,  fand  ich  in  der 
Notbwendigheit ,  die  Krystallisation  zu  verhindern  oder  zu 
vernichten.  Die  Möglichheit,  die  Masse  zu  hämmern,  ist 
immer  verbal  tnifsmäfsig  zur  Hebung  der  Krystallisation;  und 
ich  ineine  sogar ,  dafs  ^ner  Anschein  von  Damast ,  welchen 
die  Frani^osen  bei  dem  Wootz  brmerlien ,  hcine  andere  Ur- 
sache hat,  als  dafs  sie  den  gegossenen  STahl  nicht  zu  häm- 
mern wi^en.  In  jed^ni  Italic  ist  dieser  Anschein  nur  obei^ 
flächlicb,  und  geht  mittelst  des  Schleifens  aus;  und  damit 
die  verarbeiteten  Klingen  nicht  brechen,  mufs  man  sie  nicht 

harten Ein  sehr  gut  damaszirtes  Rasirmesser,  welches 

ich  in  Beiseyn  des  Institutes  gegossen  und  gehämmert  habe, 
wurde,  wie  S\p9M%AemProü9.iso  verbale  vergangenen' Jähret 
sehea  V5nneii ,  för  WaoU  anerkannt  ete^r 


5o7 

gen ,  welche  man  fortan  mit  dem  Nahmen  des  Moir6 
m€tallique  bezeichnen  könnte^  weil  sie  eins  und  das- 
selbe mit  dem  bisher  ausschliefslich  so  genannten 
Phänomen  sind.  Sie  unterscheiden  sich  in  ihrem  ur« 
sprünglichen  Zustande  durch  gerade^  unter  gewissen 
Winkeln  sich  berührende  Linien  y  und  können  durch 
mechanische  Bearbeitung  ihren  Charakter  etwas  än- 
dern^ nie  aber  ihn  ganz  verlieren^  wenn  sie  nicht  sammt 
ihrer  Ursache  — derKrystallisation  selbst  —  vollkom- 
men zerzort  werden. 

3.  Diejenigen  Zeichnungen ,  welche  man  an  den 
gewöhnlichen  orientalischen  Waffen  findet^  unter- 
scheiden sich^  nicht  blofs  dem  Ursprünge  nach,  son« 
deril  auch  in  Bezug  auf  ihre  äufsere  Gestalt,  sehr  we- 
sentlich von  den  obigen.  Sie  bestehen  nähmlich  aus 
mehr  oder  weniger 'regelmäfsig  gestellten,  meist  krum- 
men, und  keine  Spur  der  Krystallisation  zeigenden 
Linien  und  Flecken ,  welche  ihre  Entstehung  der  un- 
gleichförmigen Mischung  der  Masse,  und  der  eben 
so  ungleichförmigen  Wirkung  der  Beitze  auf  die  ver- 
schiedenen Bestandtheile  verdanken.  Man  könnte 
für  sie  in  der  Zukunft  den  Nahmen  Damast  beibe- 
halten ,  im  weitesten  Sinne  dieses  Wortes  aber  auch 
alle  der  Entstehung  nach  damit  verwandten,  undfrü-r 
her  aufgeführten  Erscheinungen  damit  zusammen 
fassen. 

4.  Jene  seltener  vorkommenden  orientalischen 
Klingen  I  welche  eine  offenb«ir  von  der  Krystallissi- 
tion  herrührende  Zeichnung  besitzen,  sind  hiervon 
gänzlich  zu  trennen,  und  dem  Moirä  in^tallique 
(  unter  2  )  beizugesellen. 

5.  Als  charakteristischeBestandtheile  des  eigent- 
lichen Damastes  (3)  kennt  man  bis  jetzt  blofs  Eisen 
und  Stahl,  oder  überhaupt  Eisen  von  zwei  verschie* 
denen  Zuständen  y  in  welchen  es  durch  iSjiuren  ver^ 


5o8 

f  chieden  angegriffen  ^ird.  Die  MengQDg  aun  beiden 
Eisensorten  kann,  wie  es  scheint^  am  zweckmälslg- 
3ten  durch  mechanische  Bearbeitung^  also  durch 
Schweifsen^  geschehen» 

6.  Ungeachtet  mehrere  Legirungen  des  Stahls 
«ine  dem  Damast  ähnliche  Zeichnung  liefern ,  so  ist 
dieses  doch  kein  Beweis^  dafs  die  orientalischen  Klingen 
"wirklich  aus  einer  solchen  Legirung  bestehen.  Der 
Wootz  ist  keineswegs  das  eigentliche  Material  dieser 
Klingen.  Es  scheint  zweckmäfsiger ,  die  zahllosen 
Verschiedenheiten  des  orientalischen  Damastes  aus 
einer  abweichenden  mechanischen  Bearbeitung,  als 
aus  einer  Verschiedenheit  der  Bestandtheile  zu  er- 
klären. 


IX. 

Untersuchungen   über  eine  besondere 

krumme .  Linie« 

Von 

Adam     Burg, 

Bcpetitor  der  böhern  Mathematik  am  k.  k.  polytechaisehea 

Institute. 


•ELin  Zufall  reranlafste  mich ,  die  Natur  einer  kram« 
inen  Linie  zu  untersuchen,  die  vor  eini^^en  Jahren  yon 
Herrn  Dubois ,  einem  ehemahligen  Zögling  des  Institutes 
jcu  Paris ,  auf  folgende  Art  entdeckt  -wurde.  Herr  Dubois 
ergirg  sich  nähmlich  in  Begleitung  seines  Hundes  am  Mee- 
resuf'er,  bemerkte  in  einiger  Entfernung  einen  seiner  Be- 
kannten, nnd  ging  auf  diesen  zu.  Als  der  etwas  entfernt 
geifvesene  Huivd  dieses  Mrahrnahm ,  rannte  er  gegen  seinen 
Herrn ,  und  hintcrliefs  im  Sande  die  Spuren  seines  Weges» 
welcher  Herrn  Dubois  hei  seiner  Bückkehr,  der  Begel- 
mäfsigkeit   der  auf  diese  Weise   besehriebeifen  krummen 


Linie  wegen«  aufTieL  Er  suchte  daher  eine  Gleichung 
für  diese  Kurre,  unter  der  Voraussetzung,  dafs  !•(«>•  der 
Hund  immer  genau  die  Richtung  gegen  seinen  Herrn  ge-. 
nommen  habe ;  dafs  2*  ••  der  Weg  des  Herrn  eine  gerade 
Linie — und  dafs  S^  '^*  sowohl  die  Bewegung  des  Herrn,  als 
die  des  Hundes  gleichförmig  gewesen  sey.  Obschon  aber 
diese  Gleichung  im  2ten  Bande  der  Correspondance  sur  Ve- 
cole  Imperiale  poljrtechnique^  Seite  375,  angegeben  ist,  so 
ist  doch  keines weges  die  Art  der  Entwicklung,  um  diese 
Gleichung  zu  erhalten,  angezeigt,  so  wie  auch  keine  wei« 
tern  Untersuchungen  über  diese  Kur^e  selbst  zu  finden  sind« 
Ich  glaube  daher,  dafs  die  Untersuchungen,  die  ich  über 
diese  krumme  Linie  angestellt  habe,  und  somit  bekannt 
^ebe ,  nicht  ohne  eiiiiges  Interesse  sejn  dürften» 

Es  sey,  unter  den  obigen  Bedingungen,  in  Fig.  1 ,  Tab.  VI. 
dier  Hund  in  A^  der  Herr  in  ^;  BG  die  Gerade,  die  der 
Herr,  AD  MG  die  Kurre,  die  der  Hund  beschreibt;  der 
anlangliche  Abstand  AB  sej  gleich  a,  und  der  Winkel 
ABGy  den  diese  Verbindungslinie  AB  mit  der  Geraden 
^G  einschliefst,  gleich  a.  Um  nun  eine  ganz  allgemeine 
Gleichung  für  diese  krumme  Linie  AD  MG  zu  erhalten, 
sej  A  der  Anfangspunkt  der  Abscissen,  AB  die  Abscissen— ^ 
BG  die  Ordinatenachse,  so,  dafs  der  Koordinaten  winket 
ebenfalls  gleich  a  wird.  Man  ziehe  nun  zu  einem  beliebig 
gen  Punkte  M  der  Kurve  die  Ordinate  PM  parallel  .tu 
]BG,  setze  AP=:x  und  PMs^jr\  zu  demselben  Punkte  M 
ziehe  man  auch  noch  die  Tangente  T  MC^  so  wird  vermöge 
der  ersten  Bedingung  der  Herr  in  C  sejn  müssen ,  wenrt 
der  Hund  in  M  ist.  Da  ferner  die  Bewegung  aus  den 
Punkten  A  und  B  zugleich  anfing,  so  wird  der  Bogen 
A DM  in  derselben  Zeit  t  vom  Ilonde  beschrieben ,  in 
welcher  der  Herr  die  gerade  Linie  BC  zurück  legt;  setzt 
man  daher  die  Geschwindigkeit  des  Herrn  gleich  c,  die 
des  Hundes  gleich  C,  arc  A D M=s  Sy  so  ist,  weil  nach 
der  letzten  Bedingung  die  Bewegung  gleichförmig  g^-^ 
schiebt:  S^Ct  und  BCsscU  Wird  die  erste  Gleichung  dif«« 
ferenzirt,  so  erhält  man  dSssCdli  aber  aus  der^Eigenschaft 

des  Ktirvenelementes  Ist  auch  <i*r=  yi/^-j-flt^*  —  ^dx.djr 
COS.CU    Dahtr:    C  dt  s:t  y^^ijf^^.  df^  —  a  dje^  dy^  cos.  a 


\ 


5io 

* 

j  4- J2!l_i^  CÖ8.  «♦  Öder  VeAi  man  2^  =iK 

^ 

setzt,  sV  ist:  Cdizszdx\ \  ^w^*  —  a «/  cös.  a^ 

In  den  beiden  ähnlichen  Öreiückeri  HAT  und  PTC  findet 
folgende  iPropoition  Statt.'    PTiPM  —  BT:  BC^   und  da 

föi*  jeden  HcJordiriatenWinkel   die  Subtalngcntfe'  PT:t=ijr  -^ 

V 
Uli  «o  wird  B  T=zBÄ—Ä  T^BA—  (AP— FT)  =  a  — 

«  4"^  ^ >  werden  daher  für  die  Glieder  dieser  Piopor- 

tioti  die  gehörigen  Werthe  gesellet,  so  erhält  AätLi 

jr  — .  :jrssa — ^+^ —  :  c*<  daraas  folgt,  c^s=:(a — *)    -. 

•|-^.     Wird  diesei  erhaltene"  GUichnng  differen^rfi    so 

Ist  cdl=5  (d^a:)  ^_^fr^4.£fr=(a— x)rf«#/,  da- 

^   dar         dx    ^ 

her  dt  SS  5.^      — L-ii^;    wenn  inan  j^lzt  den  gefundenen 

c  ' 
Werthfürde   in  die  obig«  Diflerenzialgleichung   Cd£  a 

dx  ^  1  -j-jf»  —  2  ji^  cos.  a  substitairt,  sp  erhalt  man  die  Glei"- 

C 
c 
yvenh  man  das  Yerhältnifs  der  beiden  Gesichir^indigkeiten 

L.sszn  setzt)  und  der  Integrirung  wegen,  diese  GleickuJig 

t 

dtP 
iincters  ordnet :  ^       as-JT^^ 


chüng:  -   (a-^x)  dtvsstdx  V  i-f-«'*  —  a  >^  cos.  a,  öder 


ri(a—x)^y  I  —  a    cos.  a.  w  +  w*. 

Wenn  man   diese  i)ifferenzialgleichüng  integrirt,  so  er- 
hfilt  man: 

-:— i  Idg«  (a^^*)  SÄ  log;  a+  log.  |  m> — C6s.a+ 

U^Y^i— a  COS.  a;  »1^ -f.  w^*  1  -flog.  Consta  oder,  da  log;  t 
schon  in  log.  Const  begriffen  istc 


5ii 


■  1      I  I— — Ifci^M* 


I — a  COS.  a.  u/J^tinl    J^  log.  Const.     Daher  auch: 

(fl  —  jt)    "  es  Const.  J  w  — COS.  a-fV> — acos.  a^^^-w*  1 

Um  die  Konstante  zu  bestimmen,  bemerke  man,    daPs  aus 

der  Natur  der   Sache  für  jfsso  auch  ^s=o   und  BCss^o 

wird,  es  ist  aber  iJCssc^Bs  (a-*-x)  ^-{-^9    daher   o  ss 

I 

ai4f^o  mithin  auch  m^sso;  es  ist  daher  1  a    ^  ss  Const. 


I 

II 


^ —  GQs.  d  4*  1  )  ui^d  daraus  folgt!   Const.  s=s  «^ 

t  — •  cos.  a 

Läfst  man  der  leichtem  Entwicklung  wegen  in  der  Glci« 
dhang,  für  diesen  gefundenen  Werth  der  Konstante,  blols 
C  stehen ,   so  erhält  maii: 

^  g  X  )        —  ^    .    ^^^^  a  B=    y    I  — 2  Cos.  a.  m/4-  iv^ 

I 
(  a         «J — _  ^^ 2  ^,0g^  ^^  ^;.g«3 1  .^^  2  cds.  a  w*^w^. 


Aus  dieser  Gleichung  folgt  nach  gehöriger  Redulition ; 

-mssiia x^    "  ■  C  sin.  *  *  /  a  — - x'i"  <•    - 

w  —  l«      ^; — JL COS. a  — ■     ^  :.      und  wennf 

man  stMt  W  seinen  Werth  setzt :   -/aaVf     '^      '+  cos.  «* 


_  Csii».>a(a-x)\  a^„.  foig<. 


5l3 


1 
n 


C  «In.  fl*. 


ifni21rf4f#     Wird  diese  Gleichung  intcgrirt,  so 

2 

erhalt  inani 


^  = 


n+  i 


4-^C08.O+  -Ä 


Csiti.  >a.  (a^3?)        ^  j^ .   ^^1^  ^ j^jg  neue   «ü    bestim- 
meiide  Konstante  is(:    da  abfer  wie  zuvor  für  x=o  auch 

na»  nC  sin.  *«.  ö  *^ 

^=.0  iTird,'  so  iit  ö  SS -^^ 


ÄC(rt— i)"^ 


4- X,  därflus  folgt:    K— ^ 


n  —  i 

n  a   ^ 


n  C  sTft.  *a.  a    * 


2C(n— i)  si'iHrO 

Wenn'  man  daher  diesen  gefundenen  Wcrth  für  K  in  die 

n 


Gleichung  setzt  j    so  efhältinan:   ^ 


aC{n~i) 


1— 


+ 


;r  cos.  äi  und  wenn  man  endlich  auch  fiSr  C  seinen  Wertfc 
•etj^t^  60  ist: 


ji  —  I 


^—  ^ift — cos.  a).      I         „ 
a(n— 1) 


—  (fl  —  a:)    '^ 


J^X  cos.  ff) 


2(rt-j-i)(i— COS.  tf)[ 

da  ab^r  1  — cos.a=2  8in.  *f  a,  sin,*rta=/l  sin.*^  o,  cos.*;«» 
80  erhält  mäü  nach  gehöriger  Reduktion  die  gesuchte 
Gleichung,  oder: 


•  I       « —  i  ».—  I 

a    »  — (a — x)  ■ 


nSlTI.  «7«       n 


n 


a 


5i3 


n  COS.  "7  a       3 
-2 — a 


^+^  . 


X  C08.  a. 


Soll  die  Zeit  f  bestimmt  werden,  in  welcher  der  Herr 
"ton  dem  Hunde  eingehohlet  "v^ird ,  so  darf  man  nur,  weil 
ini  Augenblicke  der  Begegnung  die  Kurve  mit  der  gera- 
den Linie  BG  xusamnfen  fällt,  mithin  für  diesen  Punkt 
der  krummen  Linie  AB^=:a  die  Abscissc,  tind  JSGss  et 
die  Ordinate  wird,  in  die  erhaltene  Gleichung  jr  ^ss  et 
und  X -=i  a  setzen,'  und  aus  dieser  entstehenden  Gleichung 
die  Einhohlungszeit  t  bestimmen.     Es  ist  nähmlich: 

71.  sin;  *-7  «  n  cos.  *-a        ,  ""         ■  j   i 

c4=  . 1—  a  —  *     a  4*  A  <508.  a,    und  daraus 

n —  1                    H-|-  i 
folgt  nach   gehöriger   Reduktion:    t  =  ?L^-II ^V 

Um  die  Bichtighcit  dieser  erhaltenen  Gleichungen 
znm  Theil  zu  erproben,  kann  man  jetzt  verschiedene 
Bedingungen  machen  und  sehen ,  ob  die  '  erhaltenen  Re- 
sultate mit  der  Natur  der  Sache  übereinstimmen.  E^ 
sej  zuerst  die  Geschwindigkeit  des  Hundes   gleich  jener 

C 
des  Herrn,  d.  i.  C^=s  c  daher  n==z:'  =^  1 ;   unter   dieser 

c 

Toraussetzung  g6ht  die  Gleichung  der  Kurre  in  folgende 

über: 

siA.  ^a.  fl  f  «      .;     .       v„t       cos. 'fa^— -*  • 
^=  -! lao— (a— ;ryj .^  d 

ja* —  (a — ••a?)*!  +*  cos,  a-=8in.  *i  a.  a?  — cös  "7« 

/ggar— x»v     ^^  aber. das  Glied  sin.'  *fa.a2  zu  Üsiim- 

V      aa      /  .0 

men ,'  mtrfs  man  nach  den  bekannten  Regeln  lA  dem  Bruche ; 

«—ji^  Inf 

fl  *  — (g  — j)         j^^  gömeinschafllichen    Faktor,    der 
für  n  =  1  0  wird ,  im  Zähler  und  Nenn6r  abkürzen ;  wir^ 

-Jahrb.  ^  poT/t.  Iiml.  IV.  Bd.  33 


5x4 

daher  Zähler  und  Nenner  dieses  Braches  so  differenxirt, 
dafs  n  die  Teranderliche  Gröfse  ist,   so  erhält   man: 

^     -  log.,  a        (a^x)  "  log.(a-^>   ^^  ^^  ^  ^j^j 

also  ?=^log.tf — log.(a — .T)-=log. ^    Es  ist  daher  for 

.    o    .  a  —  0? 

diesen  Fall  die  Gleichnng  der   Hurre:  jr  r=-.  a  sin.  'je 

log.        g      _/2/?jr  — ar^\   ^^^    «^  a  +  ar  COÄ.  a. 
a — a?       \    ♦   2a       / 

Dasselhe  Besnltat  vriirde  man  übrigens,  nvr  aof 
einem  liingem  Wege,  gefundeft  haben,  wenn  man  in  die 
obige  Difl'erenzialgleichung  {A)  n  z=^  ä  gesetzt,  unddaao 
erst  die  Gleichung  integrirt  haue. 

Setst  man  ip  diese  gefundene  Gleichung  x=^  a,  io 

wird  wegen  log.  ?  =•  log.  00  =  00  Änch^  =  öO,  ^^^ 

o 

unter  der  gemachten  Voraussetzung,    dafs  der  Herr   und 

der  Hund  einerlei  Geschwindigkeit  (laben,  wird  der  Weg 

des  Herrn  zur  Asymptoie  der  krummen  Linie,  d.  h#  der 

Hund  kann  sich  dem  Herrn    bis    in's    Unendliche  nähern, 

ohne  ihn  jedoch  jemahls  zu  erreichen.  Wird  in  die  Gleichung 

für    die   £inhohlungszeit   i,    C  ==-  c    gesetzt,    so    wird: 

<  =^r— IZ —j  =^   06»  welches    ebenfalls    anzeigt, 

dafs   unter   dieser   Toraussetzung    kein   Einhohlen   mög- 
lich ist. 

Wenn  man  ferner  unter  dieser  Voraussetzung,  dab 
C^==:c  also  n  =  i  ist,  in  der  Gleichung  t:=r^(!lZL22hl) 

c\     /i*  — 1  / 

den  Winkel  aT=:^o   setzt,« so  geht  der  Bruch;  * 1^ 

n* — I 

in   >  über,  und  man  erhält  nach   gehöriger  Bestimmung 
o  ^ 

dieses  Braches,  t  ^s:  JL^  •    Die  G)eichuj)g  der  Kurve  aber 


5x5 

Terwanielt  «ich  In  Folgende  :>'  =  «  —  CflfJZf!^ 

\  2tt  • 

s=  fL., welches  offenbar  die  Gleichung  einer  geraden  Li* 

a  a 
nie  ist«     £&  wird  nähmlich  bei  dieser   Voraussetzung   in 
Fig.  2  der  Herr  in  ß^  der  Hund  in  A  sejn ,  und  da  der 
Hund  mit    derselben    Geschwindigkeit    gegen   den   Herrn 
kommt,  werden  sie  sich  in  der  Mille  der  Geraden  A  B^^^a 

treffen,  also  wird  t  ^=^  et  und  i  =  -f—    die  Zeil   für    das 

3  2C 

Zusammentreffen  9  so  M-ie  'diese  eben  gefunden  wurde« 
Eben  so  kann  man  in  d.e  allgemeine  Gleichung  der  Kurve 
ohne  für  n  einen  speziellen  VVerlh  anzunehmen,  a  ss  o 
öetzen.  In  diesem  Falle  verwandelt  sich  die  Gleichung^ 
der  Kurve  in   folgende : 

y  5P:  ±  —    -: a    "  I   tt       — (a — x)  "    I  und  die 

Gleichung  für  die  Einhohl ungszeit  wird  in  diesem  Falle: 

^        a  f  n — 1\                a  a  ..  . 

f  =  -  ( '. .1  =:  _ •  --r-7; —  ;     so  ifio  CS  auctt 

seyn  mufs,  weil  Ct  4~  c£  =c  a  ist. 

Wäre  aber  die  Geschwindigkeit  das  Hnndes  sogar 
kleiner  als  die  des  Herrn,  nähmlich  C^c  also  n^  \; 
so  würde  die  Gleichung  für  die  Einhohlungszeit  in  fol- 
gende übergehen:  tss-f  — '.JLlZlj  ;  soll  aber  ein  Zusam« 

mentreffen  möglich  sejn,  so  mufs  i  einen  positiven  Wertk 
erhalten.  <lnher  mufs  cos.  a^/t  sevn.  Da  aber  der  Cosinus 
eines  Winkels  wächst,  wenti  di'rVVinkel  iibniinmt,  sdinufs 
unier  dieser  Voraussetzung  der  Winkel  ABC=a  in  je- 
dem  Failo  ein  sjiizer,  un.l  zwar  um  so  kleiner  s  yn, 
je  kleiner  /i,  d.  i.  je  kleiner  C  gegen  c  wird;  in  diesem 
F«'ille  aber  betindet  sich  der  Hund  vor  dem'  Herrn,  wie 
dieses  aac|i,  soll  ein  Begegnen  möglich  werden,  aus  der 
Natur  der  Sache  nicht  anders  seyn  kann; 

• 

SetiTt  man  csso»  also  nss  _  as  ÖO«    so  verwandelt 

o 

33* 


5i6 

sich  die  Gleichung  der  Kurre  in   folgende:  ^=:sin.*^«. 

«•[«  —  (a —  ^  ) I  —  CO»-  H  **•  «       I'*  —  (^ — •^)|  + 

^  COS.  .a,  oder  es  wird  nach  gehöriger  Reduktion  jr=o;  « 
gehet  nähmlich  unter  der  Vor.ai]ssetzung,  dafs  der  Herr 
im  Punkte  ß  stehen  bleibt  5  die  Kurve  in  eine  gerade 
Liqie  über,  welche  mit  der  Abscissenachse  AB  zusam- 
men fallt ,  so  wie  es  auch  der  Natur  der  Sache  angemessen  ist, 
weil  in  diesem  Falle  der  Hund  die  Gerade  AB  beschreibt 
Sucht  man  noch  für  diesen  Fall  die  Zeit  des  Einhohlens, 

so  wird  <=  ?  (   ^  )  5=:  ^L-;    um    aber    diesen    Aus- 

o  \QO^/         0,00 

druck  XU  bestimmen,  setze  man  in  die  ursprüngliche 
Gleichung:  i=  ü:  (^  — cos.aX  \^^^^  ^  ^^.^^^   Werthi 

c   V   n»—  1    /  « 


$0    wird   i   sa    — 

c 


fC  ^ 

^-•'—    COS.  u 

c 

aC 


(C —  CCOS.  a\ 


ßr 


c  tss  o  wird  daher:  <äs  _  J^  also    a  ssi  C  t     wie  ei 

sejn  mufs. 

Man  setze  jetzt  den  Winkel  asstSo  Grad,     so  rer- 
Wandelt  siel*  die  Gleichung  der  Kurve    in   folgende: 

jr=a  anl    a  »  — (a  —  .r)   «1    —  x  und   es   wiri 

in  Fig.  6  der  Hund  in  ^,  der  H'err  in  B  seyn.     Für  die 
Einhohlungszeit  t  erhält  man  die  Gleichung:  t^z^Tl^tl] 

g35   -.  oder  wenn  für  n  der  Werth  gesetzt  wird: 

c  (/i — i)j 

<  SS ,  eine  bekannte  Gleichung  für  die  Zeit  desEin- 

C — o 

hohlens,  wenn  sich  zwei  Körper  in  einer  Geraden   nach 
derselben  fiichtung  bewegen. 

Dafs   übrigens    die   für    diesen   Fall  umgewandelte 


5i7 


Gleichung  der  Kurve ,  nähmlich  ^ss  ^ ^  ^« 

n —  1 


—  x)   •   J   — 


a  • 


—  (a — ;r)  •  |  —  x  welches  die  Gleichung  einer  gera- 
den Linie  ist,  in  welcher  die  Abscissen-Achse  mit  der  Or* 
dinaten- Achse  zusammen  fallt,  seine  Richtigkeit  hat,  kann 
noch  auf  folgende  Art  untersucht  werden  :  Es  folgt  sowohl 
aus  der  Natur  der  Sache,  als  auch  aus  der  Gleichung  für  die 
Länge  der  Kurye,  dafs  für  diesen  Fall  diese  Länge  gleich  der 
Abscisse  mehr  der  zugehörigen  Ordinate  wird;  denn  es  ist 
die  oben  gefundene  Gleichung  für    die  Länge  der  Kurve 

oder  S^s=. /  dx  ^    *  +  ~.^ ^  ^®*-  « i    «etzt    man  ia 

U  djr*  dx 

diese   Gleichung   a  s=  180   Grad,    bo   ist   S  ss  f  dx 

Es  ist  aber  auch  aus  dem  Yorhergehenden  S  es  Ct, 

wobei  £S3  \^~^)  _:?1  4,  *?^  ist ,  also  wird:  Sssnia — x) 

c  dx~  c,  \  ^  ' 

dy 

-^  4<  /i^;  witd  nun  die  in  Untersuchung  stehende  Glei^ 

äx 

chung  difTerenzirt ,  so  erhält  man : 

j-  s=sa  "(a  —  x)       —  1,  diesen  Werth  samm  t  jenen  für, 

in  diese  Gleichung  gesetzt  gibt  :iSs=RaÄ(a*-x)  »  —  yifa  —  »)      g 

\ 

ü— I  »— » 


n  «I    ^  «  _(a— «) 


4-  • A 

n — 1 


n — I 


a 


^— (a— «)"»^J  • 


Da  man  aber  auch  aai  der  xu 


prüfenden  Gleichung ^+*='* a*|      "  -^ä*-«)  * 


1  f   *T**^ 

»         »I«  ■ 
a   I  •* 


findet,   so  ist,  wie  es  seyn  mufs:  5ss=ar-|.^% 

Will  man  die  Gleichung  der  Kurve  a^if  rechtwinhe- 


5i8 

lige  Koordinaten  beziehen ,  so ,  dafs  in  Fig.  i  die  Ton  i 
auf  die  Ordinatepachse- Bß  senkrecht  geßllte  Linie  A^, 
Abscissen^Achse  wird:  so  bezeichne  man  die  neuen  Ab- 
fcissen  A  P'  mit  .r'  und  die  neuen  Ordinalen  P'  M  mit  r', 
drücke  die  vorigen  Koordinaten  durch  diese  aus,  und 
subslituire  die  erhaltenen  Werthe  für  x  und  r  in  die 
Gleichung  für  die  Kurve.  Es  ist  aber  in  dem  Dreiecke 
AP  P,  AP'=AP  sin.  a  und  P' P  -    —  AP  cos.  a,   oder 

x'  ^==  X  ?in.  X  und  daraus  x  «= ,  P^P  =r  —  ar  cos.  « 

sin,  a 

^^--^  .t'  CQlg.  a}  ferner  i^t  M  P'  ^  MF  +  P  P'  daher 
y  ^  y  — -  X*  cotg.  «,  also  y  ~  r'  +  ^'  ^*^'6-  ^*  ^*^ 
'ser  Werth   von  .t  und  r  in  die  Gleichung  der  krummea 

Linie  gesetzt,  gibt: 


^'-|-a?'cotg  «  = 


n  sin,  *ri     » 


n 


71 


\  sin.a/ 


•      a 


TlCOS.  *r«         A 


V^       sip.  a/ 


7l-|-  l 

oder  yretm  man  die  Accente  ^egläfst: 

1  f 


-j-x'  cotg,  q* 


^  = 


n  sin.  4  a     " 


I 

IS 


n —  1 

n  4-1 


n^  I 


•■-( 


»—  I 

.  ■ 

a  S'n. flt— •  a:\    n 


sin.  a 


n  -*•  1 


) 


n  cos.  *T« 


n  / a9in.  a^X)\      n 

"^  V       sin.  a       /        j 


Will  man  statt  der  Linie  AB  —  «,    die    Senkrechte 
AB*  in  die  Gleichung  bringen  ,   so  setze   man  AB^  ^=  ^i 

dannist6  =rasin.aunda=:  -_     ,  daher  :^=i  * — !-— 

sin,  a  /i— 1 


b  " 


fin« 


n—  I 


«  — 1\ 


6    »  (6  — ar) 


it  —  i 
sin«      "   a 


n  —  t 


Sin« 


neos,  'ra 


1 

^ 

t 


/^-^ 


sin«  a 


I 

'n 


5i9 


Ä   ■         (  b~x)   » 


n-f  » 


n  H-  i 


sin. 


n  sin.  *{•  a 
(ti—  1 )  sin.  a 


a  sin.   "      a. 

it  —  I 


-.(6-ft) 


n 


^   n  COS.  *7  a     6     « 
(n-j-i  )  sin.  a 


+  * 


■»- 1 


6   -  —  (6— x) 


71  tang.  7  a     n 
— —  b 


b  •-(&-*)-  U 


»  COtg.   7  « 

,a(n  +  i 


1 

n 


b    "   Ä  — (6— :r) 


n 


Wenn  man  endlich  noch  den  Anfangspunkt  der  Ab- 
scissen  nach  B*  verlegt,  dafs  man  also  in  dieser  G!»i- 
chung   statt  6  —  x   x  schreiben  mufs,    so  erhält  man  die 


»—  I 


Gleichung:  y=!Liü!SlJ_l  6    I  6    "  — 


n  cotg  -J-  et 


-b 


Setzt   man   in    die- 


serGleichung  c  =  o  d. !♦  »=00,  sQwird^=s — (6—*) 
cotg.  a  die  der  Natur  der  Sache  gemäfse  Gleichung  für 
die  Gerade  AB. 

Rektifikation  dieser  krummen  Linie. 

Die  Länge  der  ganzen  Kurve  AMG  vom  Anfangs- 
punkte A  bis  zum  ßegegnungspunkte  G  kann  ^ehr  leicht 
gefunden  werden,  weil  arc.  AMG  ==  Ct^  wobei  die  Ein« 

hohlangszeit ,    oder   e -=5 -( -JH *Jl\  ist;  es   ist   daher 

«c  AMQ  =  9  a  /"inffflf^  =  n  «   /  "  -  CO»-  A 

t 

% 

Um  aber    die  Länge   dieser  Kurve  allgemein  ^  far  jeden 
Werth  der  Abscisse  x  zu  bestimmen,  substituire  man  in 


Anfanf^s    gefunäene   Difiereniialgleichuog : 

i^  (irY^^cos.^.t.  für    d..-«    Quotit-nw« 

den  gehörigen  \Ycrtli ,  und  integrire  dann  diese  Gtci- 

nung. 

Wird     niihnilich     die     allgemeine    Gleichung     dieser 
-iurve: 


-(.-.)  ■   _' 


,^| 


»+■ 

—  (a  —  x')    °     I    +  ^  COS.  a    diflTerenzirt ,     so    ün- 

man:    ^  —  sm.-o  I I    — cos. '-al t 

dj:  "Va  —  j:/  \       a        / 

■  COS.  n,  daher  ist:  dS  ^  d.fY('4-  sin.  '^«Z  ^  ^  ); 
rf  CO».  *-J- "("  •'V'  +  COS.  »a  —  a  sin.  'j  o  cos.  »f  « 
+  3  CM.  a  »in.  »;  °(— ^ — )  — '«P»»-«-co«-'f'(-^^^^^) 
—  a  coi.  *a  ■ —  s  cos.  a  sin.  *i  «I )     +  «  coa,  s. 

,....,.(r=f)=J  =  ^V|-.i...;.(-^y 

4-C0B.*7nf  f      ^\    +a  »in.  *f  « 'cos.   »JoI'ä.    d  m 


Diese  Gleichung  integrirt  gibt: 


S  =   GODSt. 


1—  • 


sm.  >~a.  a    la  —  ^  I        4. ^ 

n —  1  \  /  «^  n-4- 1 


+ 


COS.  *|a.a      (tf — x)        1.     Um    die   Constante  zu  be? 


stimmen ,   bemerke    man  ,    dafs    für   x  =  o  auch   s  =  o 
seyn  mufs ,  daher  :  o  =  const.  —  [ sin.    *  f  a,   # 

JL C08.*7  «.  fl  J  ;  aus  dieser  Gleichung  folgt: 

/sin.  »7  a          COS.  *i  a\ 
cpnst.   =  n  a    l . ? —  j_ 2 —  )  ^^    n  a 

f^IZ ^)*     ^^  ^^^  daher  allgemein  die   Länge   dieser 

krummen  Linie,  oder: 

fn — C08.a\         I       n        •     -i      ^"Z  \    « 


1  Lill 


J^     COS. *fa.a       [a — x\         \y    für   «   :=  0   erhäU 

man  ^  =s  arc.  AM G  =  n  ^  ( . 1—  )  wie  zuyor. 

Um    wenigstens    eine     Supposition    zu   machen ,    sej 
e  rsi  o  also   n  =O0;  in  diesem  Falle  wird:    S -=^  a  -*— 

I    sin.  *7  a  (fl  —  ^)  +  COS.  *7  a  (« — ^)j     =     a     — 7 

(«  —  x)  =  »T.  Es  wird  nähmlich  unter  dieser  Voraus« 
Setzung,  vom  Hunde  die  gerade  Linie  ^  ^  «Fig«  I  be« 
«ichrieben,  deren  Länge  immer  gleich  der  AbtciMO 
selbst  ist. 


ia^ 


Quadratur  der  Fläche ,   Welche  Ton   der  Abtcissey 

der  zugehörigen  Ordinate  und  dem  entsprechenden 

Bogen  dieser  krummen  Linie  begränzt  wird. 

Um  in  Fig.  4  ^ic  Fläche  APM  zu  bestimmen ,  setzte 
man  das  Flachenclement  gleich  df^  so  ist  wie  bekannt: 
dj^  ^ — jr  dx  sin.  a,  oder  wenn  ssait  y  der  Werlh  aus 
der  Gleichung  der  Kurve  gesetzt  wird: 


/f  »in.  *  r  a 


1  ^1 

dx-^dxQ* — x)        I  •_ 

—  — V  I  <w?  — ar(Ä  —  *)         I +«rfxcos*a  f  sin.«. 

Wild  daher  diese  Gleichung  integrirt,  so  erhält  man: 


S  = 


/isin,  »^a      " 
a 


n 


n—  I 


t  «—  % 


X  '\- 


n 


a/t 


(a  —  x) 


neos  *!  a 
/i-j-  l 


n  4-  i 


«-j- 


n 


2/1  +  1 


("-*)• 


x^  cos.  a 


sin,  a  +  consl. 


Da  für   X   —  o   auch  /=:  o   wird,    so    erhält    die 
ConstaiUo  den  Werlh: 


Const.  = 


• I    sm.  »7 

V(/.—  1)    (3/1—1) 


at 


,.^^, cos.*7a.  ö*  )  sin.  a.    Es  ist  daher: 

V/i+  i)  (3/1+ i)  / 


5a3 


/« 


»i. 


n  8in.   '7  a 


7t 


—  • 


— TT 


X  + 


2/1—  I 


(a~ar) 


n  COS.  *7  a 


n  + 


_   ^t   ^»  ("         ^^"'  't  ^  _f^!lJijL_    »in.  «• 

\(/A 1)   (2/1 1)         ('i+«)l2/l+l)J 

Für  ar  =  ö  scy  die  Fläche  AMGBA  ==  F,  so  ist: 

F  =  [^"^"-'t  «  a^  _  neos.  »1  «^g^,^^   COS.  a  _  ^^   ^^ 

\     n —  I  71+  1  2 

/  sin.  *  f  a  COS.  *  7  a         \    1      . 

( 1 : ! .  j    I    sm.  a 

\(/l —  1)    (2/1 1)  (/l+l)    (2/1+1    /    j 

,      .  /  2/1   —   COS.    CL  \        ^„        .  jl 

«=  <i*  sm.  a  1  ) .    Für  einen  andern 

V  2(2/1 — 1)  (2/1+1)  / 

Absland  des  Hundes  yoin  Herrn :    z.  B.  gleich  A^    wäre 
die- Fläche,   wenn  alles    Übrige   gleich   bleibt:    jF'  ss; 

^»sin./if 2/1  — COS.  «     Y  j^j^^^  ^p^  _,.^^^  ^^^ 

\2(2/i— --1)  (2/1+ ly 

Bestimmiini»  der  krummen  Oberfläclie  des    Korners, 

'welcher  durch  die  ümdrebnng    der    von  der  Kurve 

AMC  Legranzien    Ebene    AB'GA    um   die 

Achse  AB'  entstehet. 

Um  diese  Oberfläche  zu  bestimmen,  zähle  man  die 
Abscissen  lon  A  aus  auf  der  Geraden  AB'^  welche  senk- 
recht auf  B*  G  sWhet,  urtd  zugleich  die.  Umdrehungsachse 
ist;  es  sey  nähmlich  A?'  =z  x  und  P^ M  ss=  r.  Für  die- 
sen Fall  ist  die   schon   oben   abgeleitete   Gleichung   der 


Kurve 


Izm  im] 

b        — (6  — jr)        I    _ 
i 


S20 

die    gleich    Anfangs    gefundene   DifferenlialgleiclMUig: 

<fiS  r=  da:\\M  /^V  — 2C09.  a.^  far    den    Quoticntea 

*^  \dx/  dx  ^ 

^  den  gehörigen  Werth ,  und  integrire  dann  diese  Glci- 

dx 

chung« 

•  Wird    nähmlich    die    allgemeine    Gleichung    dieser 
Jtutve : 


B  — I 


It  —  » 


--  n 


jism.   T  **     «i .      "        /         -«x 

n  —  1 


n  COS.  *  7  «  fl  ■ 


/t4-i 


^    "   -.(tf_ar)   *?    j   +  :r  cps.  a    differen^irt,    so  fin- 


det man:  ^  ■=  sin.'^a  ( — t — ) 


cos. 


H^)' 


J[-  COS. 


=^  d.Tyfii'+ 


rf  CO»,  «i  «(-^nl)"  +  cos. »«  —  8  »in.  »|  a  cos.  4  « 

I 

+  3  cos.  a  sin.  *f  a(^-£_y  — aco8.a.cos.«fi(.fZlfj 

a 

—  3  CO*.  »«  —  fl  CO»,  a  sin.  »I  a(-   "      )     +  «  CO».  «• 

•      \a — x/ 


^üo^.^^ayt f\    -|-a  sin.  *7 


a  *COS.    *f  ä| 


l/iT 


•■''•'>(7:by+~-^<-*^')T 


Sai 


Diese  Gleichung  integrirt  gibt: 


1^  =.  const«  — 


81B.  >|-a.  a    (ö  —  x)        A  ^ 


€0s.*fa.a      (« — x)        I*     Um    die   Constante   zu   be? 


stimmen ,   bemerke    man  ,    dafs   für   x  =  o  auch   S  =  o 
»eyn  mufs,  daher:  o  =  const.  —  | — H —  sin.   *-  a.   # 

JL cos.^l  «•  ^  I  9  A^s  dieser  Gleichung  folgt: 

^^^^.     /sin.  »7  a         cos.  ^{  a\ 

V  n  —  i       '        71  4- »    ^ 

(—HI -*-*)*     ^^  ^^^  daher  allgemein  die   Länge   dieser 

krummen  Linie ,  oder : 

(«  n— I 

1  W    +l\ 

-|-     -!L-.cos,4a.  a       r« — xj         I  ;    für   *  =5  fl   erhält 


man 


arc.  AM  G  s=  n  g  i 1  wie  zuror« 


Um    wenigstens    eine     Supposition    zu   machen,    sej 
tf  -==  o  also   n  =00;  in  diesem  Falle  wird:   3-=^  a  — 

I    sin.  *7  a  (a  —  *)  +  COS.  *7  a  (a — x)j     =     a     — 

(^  —  :r)  =  X.  Es  wird  nähmlich  unter  dieser  Voraus« 
Setzung,  Tom  Hunde  die  gerade  Linie  ^  ^  ^Fig.  I  be-* 
schrieben  I  deren  Länge  immer  gleich  der  Absciss^ 
selbst  ist. 


5a4 


f       *+  1 


n  COtg.  f  a  ^     " 


»+  i-^ 

n 


y     in    welcher 


Gleichung  bcsAB'  ist      S^tzt  man  das  Element  der  zu 
suchenden  Oberfläche  gleich  d.  O^  so  ist  nach  behannten 

Gründen:    d.  O  =  2  jr^  Vaa *  +  d;-*  ==  2  sr  r  f/xA/   ,  ^ 
wird  daher  die  Gleichung  der  Kurve  differenzirt,  so  ist: 


C-f-O--  •"•= 


da:»  4         '6  — x)    ' 


'    <ie»  3  \6  —  x)    ~ 


COgt,   7   «  /  ^-^^^^ 


Ferner  ist: 


(—)= 


V. +^rl^ 


dx* 


■ 

(yttang.  7  g  ^^ 


«  —  1 
it 


I«  —  1 


_(i— *) 


(^y+ 


cotg.  t  «  /* 


2 


( 


(6  —  «)    «-(i— «) 


«  —  » 

n 


n 


4(114.1) 


6        (ft-r-ar) 


(6~x) 


+ 


(  6—  «  )   — (&  — ar) 


nC0tg.*7  a 


-^1 

A    "  (6-*)"-(i-*)  "  j; 


es  ist 


4(«+i) 

daher  nach  gehöriger  Reduktion^ 


I 

UO  ^ak  l    «(t— neos.  tt)|  o    *  dx(b- 
V    4(n*  — 1)       (  COS.  »f 


5a5 


) 


«—  I 


+ 


6    «    dx(b — xY 


sin.  *f  a 

n 


+ 


n 


4(^  +  1) 


COtg.  *|-  et  6 


«— t 


«^(*— «)  — 


7t  « 

tang.  *  ^  a  6    da:  (6  *— a:) 


4(/i— i) 


Wird  diese  Gleichutig  inte^rirt,  so  erhält  tQan : 

^ ^       ^  I  n*(i  — n  cos..a)  t   «^ 

C7=  const.   —  3  *   I i^ 1 —  ^ 


n 


"*"4(Ä~i  )  («4-1  y  sin.  »i 


it 


(*-*) 


ift  >4-i 


+8örVo»*"*s-*^-* 


s 
Jl 


•  II  +  ■ 


(^-X)  _ 


n' 


8(/i— O* 


li 


» 


»Ä  —  • 


tang.  »ia.6    (6— »)  _ 


n(6— «)» 


4(i*— i)i 

Da  hier  wieder  für  «  =  o  auch  O  =:  o  irird ,  so  et^ 
hält  man,  nach  einer  gehörigen  Redaktion  fttr  die  Cen-s 
staute  den  Werth: 

const  ~ü^y  f  n^  (t  ~n   cos,  ä)   (n—  cos,    d 

{  (a* —  i)  *siri.  *a 

.     n^  [(/i— i)  ^cos.  g  —  4  71  sin«  *i  g]  71         \ 

**"  15(74».  -1)  *7in.  »g  4(n»— i)j; 

Es  ist  daher  allgemein  die  krnmme  Oberfläche,  oder: 
O  -f  a  jr  6*  f  ^^  (  1  —  71  COS.  tf  )  ( 71  —  COS.  g  ) 

l  (71«  —  1)  «  sin.  «a 

.    ni  r(n— t)icos.g— 4nsin.  ^f  g]  n  \ 

2(71«— 1)1  sin-  «a        :       '  "^  4(n2_i)j 


5a8 

ax*  cos.«««  COS.  «»  =*•  cos,  «  +a.,  mithin: 


(■ 


««  dx  +       dM 


m  I  .    t 


n  4-  I 


}i  — *  I 


(« — jc^)  ~atf       rfa;(fl — ar)        |    -)- 


n  +  » 


1  n  -r  »  I«  — r  > 

n  n 


4-  a        dx{^ — ^)  —  2         rfx(. 


_  g  71^    sin.    '^   a  C09.  *7  «I  a*  dx^a 

71'— l  l 

Diese  Gleichung  iategrirt,  gibt: 


«4-  t 


rfj?(a-:— jc) 


0 


3  n  — « 


n  +  I 


««—  I 


a  7t       " 


(«  — «)  +    /^  '"     ^      (-»— x) 

2  71 1 


+ 


71*    COS.     ♦■?-   Ä 


»t  "  « 


2    71 


.«•jj—.^ -.^        («  — X)  +- ^a 

3/1+2  JÄ/t-t-   1^ 

»I         27t^    Sfal.  '^  a   COS.  '7gL'^4-      ^               ' 

^         '^         y              71*  -*  I  ^        2  71+1 


(*— «)  '  + 


H+i 


»  n—  » 


71 


271 1  3  j 

Da  für  jrs=  o  aucli  Ji[  e=  o  wird,   so  erhält  die  Coo' 
stante  den  Werth: 


Consti 


0 


'r  a 


371 2 


I»  + 


Sag 


+. 


fl  n         ^  I      »•  COS.  *7  a  I  »  ,    I       9  fl  I 


oder  es  wird  nach  gehöriger  Redaktion: 
»■<*'  sin«  'a,  jr 


Const. 


I  fe(3-^4n) 

[  (,i^i)»  (a/i— i)  (3a- 


n(ä4^  4^) 


y 


COtg.   *f  a 


tang.  *i  a  — ; ^,j —     ,-    ■ — • 

(n+i)'(3Ä+i)  (3n+a) 

a(8w'+i)        1       ji    .^.  j^^ .  allgemein : 


jf  „yi  sm.  'a  « 
^       4       " 


ä^  x^ 


n 


371 — 3 


(a^x) 


Sn  — • 


»  4;j^  in  —  «  ^ 

,     ^a  n  •  ^  «      ,       »(3  — 4i)ö*  1 


+ 


COtg.    7  a 


(/l+  !)• 


•    _»  S«+  i 

3n  +  a  V  /         T  ^ 


■■• 


^  '  («n+t)(3ä+«)j       «•— ij* 


X 
in  — • 


aii+  1 


^         (a^X) 


a/i—- 1 


(«-«) 


I) 


Für  JT  s=3  a  erhält  man  endlich  den  ganzen  Körper  oder 


0 


l«fcrb.  Im  poljt.    Inst.  lY.  Bi, 


34 


53o 

cotg.  * I  g f ,«  n(3+4»)  a*    \  • 

(^,_<gyi'  +  i)a*|     j_  n'  g» sin. 'a y T      lang,  'j  • 
3(4^'  --i>)y  a  1(2/1— i)(3n-«) 

.,     cotang.  H  g      ^  4  ] 

Wollte  man  blofs  den  Körper  haben,  der  darcli£e 
Umdrehung  der  Fläche  ABGMA  um  die  Achse  ^B' ent- 
stehet, so  dürfte  man  nur  Ton  diesem  gefundenen  kör- 
perlichen Inhalte,  den  Kegel  abziehen,  ifiv  dnrch  Um* 
drehung  des  rechtt?inkeligen  Dreieckes  AB^Bj  um  die 
Kathete  AB^  entstehet« 

Setzt  man  in  den  erhaltenen  Ausdruck  für  JT,  e^9 
so  gehet  die  Kurve  AMG  in  die  Gerade  AB^  and  det 
Körper  in  einen  Kegel  über,  der  durch  die  Umdrehun; 
des  rechtwinkeligen  Dreieckes  AB^  B  am  die  Katbete 
AB'  enUtehet, 

Üs  ist  aber  it  =.  ^  r=  q^  .  mithin  verwandelt  sich  die 

obige  Gleichung  in  folgende:  , 

«.       00  ***'  "^  '^*  ^f^"6  '7  ^      cotg,  •70.  *      ^1 

a*  sin.  •«  ^  f  sin.  •  7  a       cos,   •  ^  a       '\  .  ^  i.^. 

z: I : •      . —  3  I  s  ea  istaber 

lA  Icos^'ia       sin.    '4  «  ^ 

sin,  '7   a       cos<  '7  et sin.  *7  o  +  COS.  ♦f  o  —  asin.^T« 

COS.  •  7  a       sin.    *  f  a  gin.  •{-  a  cos.  *; « 

COS.  •  t  A  _  ^sin.  *7  g  — cos,  »^  a  v*  _  .2sin.  '|g— tj 

\     sin.  7  i.  cos.  7  a      /         Vsin.  7a  cos. 7«' 
_.-cos.  g   -      4  COS.  'g  ,  ^j,^.^^  ^  =  ^'   «in.  >g  r 
"^\  7 sin.  g    /  sin.  'g  ** 

4  COS.  '«^^^  ^  »^>  «*  <^<>»>'«  welches  auch  wirklich 

sin.  *g  3 

der  richtige  Ausdrack  für  den  Inhalt  des  gedachten  He- 
gels ist. 


53i 

Für   die    Glerchong   der  Kurre    auf  reohtwinkeligo. 

Koordinaten  bezogen,  nähmlich  y  =    ^  ^^"g*  >7  ^    ^  i 

2(/l — i) 


6 


_(6-;t) 


9  erhält  man  ii^r  den  Krümmungshalb« 
messer,  wenn  dieser  gleich  Ä  gesetzt  wird,  JR  ==' — 
n(6 — -a?) 


^"('-^/)'< 


tang.  f  a  / \  ^cotang 

wobei  das  negative  Zeichen  anzeigt ,'  dafs  sich  der  Krüm- 
mungshalbmesser Ton  der  Kurve  aus ,  nicht  nach  der  Ab- 
szisse, sondern  nach  der  entgegengesetzten  Seite  hin  er- 
streckt, also  TOii  der  Kurve  die  konvexe  Seite  ge^cn  die 
Abscissenlinie  gekehrt  ist. 


X. 

Nachtrag  zu  dem  oben  befindlichenAufsatzeNro.YIII, 
.    über  die  .Yerfertiguiig  damaszirter  Säbelklingen. 


W  as  ich  hier  nachzutragen  ndthig  finde ,  ist  eine 
von  Herrn  Professor  CrwtLli  mit  der  gefalligsten  Offenheit 
mir  mitgetheilte ,  leider  aber  erst  nach  vollendetem  Ab- 
drucke des  obigen  Aufsatzes  eingelangte  Nachricht  über 
die  Verfertigung  des  S.  484  erwähnten  Damastes  mit  der 
regelmäfsigsten  Zeichnung.  Die  Hervorbringung  dieser 
ungemein  schönen  Gattung  des  Damastes  gründet  sich,  wie 
leicht  voraus  zu  sehen  war,  und  wie  ich  auch  in  der 
S«  484  stehenden  Note  angedeutet  habe,  auf  das  nähmliche 
S.  475  nahmhaft  gemachte  Prinzip ,  welches  so  viele  an- 
dere, höchst  interessante  Abänderungen  zuläfst,  und.  des- 
sen Auflindung  dem  genialen  Entdecker ,  auch  ohne  seine- 
übrigen  Verdienste  ,  einen  sehr  ehrenvollen  Platz  unter 
den  Gelehrten  Europens  anweisen  würde,  — 

34* 


/ 


532  J 


ä; 


Die  Zeichnung,  deren  Gestalt  duroh  den  Lauf  der  pa- 
rallelen Linien  in  Fig.  6  (Taf.  YIII)  hinreichend  bemerk- 
bar gemacht  ist,  wird  im  Voraus  «auf  beide  Flächen  der 
nach  ^.  4  und  5  meines  obigen  Aufsatzes  bearbeiteten  Slahl- 
stange  so  aufgetragen ,  dal's  die  Theile  derselben  einander 
genau  gegenüber  stehen.  Mit  Hülfe  des  Meifsels  haut  nun 
nun  auf  einer  der  beiden  Flächen  den  die  Zeichnung  bil- 
denden Streifen  selbst ,  auf  der  andern  dagegen ,  das  ihn 
umgebdnde  Metall  bis  zum  dritten  Theile  der  Dicke  heraas. 
Wenn  Aie  Stange  solcher  Gestalt  ausgehöhlt  ist,  glühtman 
sie  9  uiid  schlägt  sie  mittelst  eines  grolsen  Hammers  flach. 
Da  die  Zeichnung  i  welche  auf  einer  Seite  herror  ragt, 
eine  gldich  geformte  Aushöhlung  auf  der  andern  Seite  un- 
ter sieh  findet,  so  vertieft  sie  sich  darein,  und  der  Damatt 
wird  regelmäfsig  ,  zugleich  aber  so  dauerhaft ,  dab  er  nie 
durch  Schleifesn  ausgeht.  Man  wird  in  diesem  Prozesse 
die  Gleichheit  des  Prinzipes  mit  jenem ,  welches  der  Yer- 
fertigung  des  Rbdetteii  -^  Damastes  ( S.  469  bis  473 )  ca 
Grunde  liegt  t  nicht' verkennen«  Statt  einer  1  wie  im  T0^ 
liegenden  Falles  dtagrtcqae  geformten  Zeichnung,  kann 
man  durch  dipsds  Mittel  auch  jeden  beliebigen  andern  Des- 
seiii;  ja  selbst  Buchstaben  und  ganzd  Nahmen  <  'irie  es  Hr. 
CritfßUi  mehrniahls  unternommen  hat,  herror  bringen.' — Das 
gegen  das  Ende  des  Aufsatzes  Nro.  YIII ,  in  einer  Note  e^ 
wähnte  Rasirniesser  ist  niir  in  der  Zwischenzeit  als  eiuGe- 
scherik  von  Herrn  Professor  Crii>eUi  gütigst  überschickt 
worden  >  und  es  frdu^  mieh^  hiei;'  naChträgliph  yersichem 
zu  können^  dafs  durch  die  Betrachtung  des^ielben  nieine  oben 
dargelegten  Ansichten  kein^s^r^gs  Waiikeild  geworden  sind. 
Der  aiifserordentlich  feine  ^  mehr  aus  Punkten  aU  Linien 
bestehende^  Damast  dieses  Messers  läfst  sich  nähmlich 
sehr  wohl  aus  den!  Gefüge  der  Masse  oder  aus  der  Lage 
der  Theile  in  ihrem  Innerii  (  einer  ünirollkomnlenen  Krf- 
stallisation)  erkläreil^  und  er  gehört  demnach,  wie  ick 
gezeigt  habe ,  eigentlich  der  Klasse  des  Moire  an ,  wenn 
fteine  Zeichnung  auch  bedeutend  von  diesem  abweicht— 

Karl  Karmarsch. 


XI. 

Wissenschaftliche   und  technologische 

Notizen, 

ausgezogen  aus  den  englischen  und  frail- 
zösischen   Zeitschriften« 


Von  Karl  Karmarsch,  • 

Atsislenton   des  Lehrracfacs    der    Technologie  am  lif  bi 

polytechnischen  Instiinte. 


I.    Nachricht  von   den    in  Frankreich   eingeführte^i 

Kachemirziegen;    nebst  Bemerkungen  über  das 

feine  Wollenhaar  einheimischer  Ziegen. 

JLiA  zweiten  Bande  dieser  Jahrbücher,  S.  364,  i*t 
Nachricht  gegeben  wordep  tod  4er  glücklichen  Verpflan- 
zung der  Kachemirziegen  nach  Frankreich  dprch  die  Herren 
Ternattx  und  Jauhert,  Zur  Vervollständigung  dessen ,  was 
dort  über  die  Geschichte  dfeses  für  diß  Ökonomie  und  Tech- 
nologie gleich  wichtigen  und  merkwürdigen  Unternehmens 
gesagt  worden  ist ,  stelle  ich  hier  die  rorzüglichsten  spä- 
tem Nadhrichten  zusammen.  Als  Quellen  sind  dabei  meh- 
rere in  dem  Memorial  ^nioersel  de  V Industrie  fran^aite-  (Pa* 
risy  seit  1820),  und  in  den  Archioes  des  decouoeries  von  1821 
befindliche  Aufsätze  benützt.  Man  hat  sich  in  Frankreich 
selbst  über  die  Zweckmäfsigkeit  und  den  wahrscheinlichen 
Erfolg  der  Unternehmung  viel  gestritten ;  besonders  merk- 
würdig ist  ein  Aufsatz  in  dem  ersten  Bande  des  erwähnten 
Memorial',  dessen  Verfasser  (Rou^ier  de  Labergerie)  auf  eine 
etwas  anzügliche  Art«  zum  Theil  aber  auch  mit  gut  gewähl- 
ten Gründen ,  die  grofsen  Hoflnungen  auf  einen  ausgezeich- 
neten Erfolg  za  mäfsigen  sucht.      Hit  Übergehung  alles 


534 

"Übrigen ,  habe  ich  hier  blofs  da»  Historische  angehoben, 
und  auf  eine  solche  Art  zusammengereihet,  dafs  daraas  der 
Gang  des  Unternehmens  dentiich  in  die  Augen  fallt. 

Vermöge  eines  zwischen  Herrn  Ternaux  und  der  Re- 
gierung geschlossenen  Vertrages  reiste  Jaubert  im  April 
1818,  mit  einer  Empfehlung  des  Ministers  Richelieu  ver- 
sehen ,  aus  Frankreich  ab,  und  richtete  seinen  Lauf  zuerst 
nach  Odessa  >  von  wo  er  sich  nach  Astrachan ,  in  das  Lager 
des  russischen  Generals  J^r/no/o/^  begab.  Dort  20g  er  bei 
bucharischen ,  hirgisischen  und  armenischen  Handelsleaten 
die  nöthigen  Erkundigungen  ein;  man  sagte  ihm,  dafs  am 
Ural  eine  Ziegenart  yon  glänzender  Weifse  existire  9  derea 
Felle  reich  an  feiner  Wolle  wären ,  und  die  daron  erhahe- 
neu  Proben  schienen  ihn)  yoUhommen  mit  der  durch  dea 
russischen  Handel  nach  Europa  kommenden  Kachemirwolle 
überein  zu  stimmen.  Dieser  Weisung  folgend  drang  er 
in  die  zwischen  Astrachan  und  Orenburg  liegenden  Steppen, 
wo  ihdi  zerstreute  Flocken  der  nähralichen  Wolle  zu  Ge- 
sieht  kamen,  die  ihn  Ton  der  Entbehrlichkjeit  einer  be- 
schwerltchen  Reise  durch  Persien  nach  Thibet  überzeugten. 
Hier  brachte  er  1  ^89  Thiere  an  sich ,  übersetzte  mit  diesen 
die  ff^olga,  und  nahm  seinen  Weg  gegen  das  azowscheMeer 
zu;  da  er  dasselbe  aber  schon  yomEise  bedeckt  fand,  war 
er  gezwungen ,  die  Reise  längs  der  Küste  bis  nach  Theo- 
dosia  fort  zu  setzen.  Bei  seiner  Ankunft  in  letzterer  Stadt 
waren  ihm  bereits  288  Thiere  zu  Grunde  gegangen«  Hier 
war  es,  wo  rersrchiedene  persönliche  Widerwärtigkeiten 
Herrn  Jaubert  zu  treffen  anfingen«  Gewisse  zu  dienstfer- 
tige Freunde  in  Odessa  hatten  rorschnell  die  Nachricht  yer« 
breitet,  dieser  Franzose  komme  mit  einer  Herde  von 
dreizehnhundert  Kachemirziegen  aifs  Thibet  zurück ,  und 
eine  solche  Neuigkeit  erregte  in  den  Hauptstädten  BuJ^ 
landss  wie  billig,  eine  grofse  Verwunderung«  Die  Harn- 
barger  Zeitung  bestätigte  jene  Nachricht  bald  darauf;  und 
niemand  schien  mehr  daran  zu  zweifeln ,  als  man  sich  an- 
Versehens,  durch  Znsammenhaltung  der  Entfernung  mit 
der  seit  Jaubert's  Abreise  yerflossenen  Zeit,  von  der  Un- 
möglichkeit einer  solchen  Reise  überzeugte.'  In  Petersburg 
erlaubte  man  sich  bei  dieser  Gelegenheit  boshafte  Sarkas* 
men  und  bittere  Ironien  in  Menge  gegen  den  neuen  fran- 
zösischen Jasons  Jaubert  sah  sich  hierdurch  yeranlaHiti 
dem  GouTcrneur  von  Theodosia  auf  sein  Ehrenwort  zu  er« 


535 

Uiren ,  dafa  er  'selbst  auf  keine  Art  ^nr  Yerbreitung  der 
Meinung  i  als  komme  er  wirklich  aus  Thibet ,  habe  beitrat 
gen  wollen.  Während  dem  wufste  man  im  Norden  bereits, 
"wa&man  in  Paris  nicht  wufste,  nähmlich  dafs  diese  Ziegen 
jEur  Yerpflanzung  in  die  Pyrenäen  bestimmt  waren. 

Wenn  Jauhert  Befehl  oder  Instruktionen  hatte,  eine  so 
grofse  Anzahl  yon  Ziegen  zu  kaufen ,  so  mufste  er  in  glei«r 
eher  Zeit  auch  Vollmacht  haben,  eine  angemessene  Zahl 
Ton  Transportschiffen  zu  ipiethen ;  das  scheint  aber  doch 
nicht  der  Fall  gewesen  zii  seyn,  denn  er  begnügte  sich  mit 
zwei  kleinen  Fahrzeugen ,  in  deneil  die  Thiere  so  wenig 
Raum  hatten,  dafs  sie  sich  kaum  bewegen  und  niederlegen 
konnten«  Eine  solche  unangemessene  Zusanunenhäufnng 
hatte  für  die  Gesundheit  derselben  üble  Folgen,  die  sipH 
wohl  hätten  yoraussehen  lassen:  die  Verschiedenheit  der 
Nahrung,  der  Mangel  an  Luft  und  an  Bewegung,  so  wie 
die  faulen  Miasmen,  deren  Bildung  unter  diesen  Umstän« 
den  nicht  za  vermeiden  war,  richteten  schreckliche  Ver« 
Wüstungen  unter  der  Herne  an.  Ob  nun  gleich  durch 
das  eingetretene  Sterben  der  Raum  für  die  zurückbleibeuT 
den  Thiere  von  Tag  zu  Tag  yergröfsert  wurde,  sq  wav 
doch  die  Quelle  der  Ansteckung  nicht  beseitigt;  ja  es 
scheint  selbst,  dafs  der  im  April  1619  zu  Marseille  ange- 
kommene Transport  auf  dem  Wege  yiel  yom  Durst  gelitT 
ten  habe. 

Herr  Tessier^  ein  Mitglied  der  Akademie  der' Wissen-? 
Schäften«  und  Inspektor  der  königlichen  Schäfereien,  er- 
hielt Befehl ,  diese  Ziegen  in  Empfang  zu  nehmen.  Er 
fand  sie  in  einem  traurigen  Zustande ;  seinem  Berichte  zu 
Folge  waren  dieselben  ohne  Ausnahme  yon  der  Räude  be- 
fallen,  zwischen  deren  eiternden  Krusten  Würmer  sich 
eingenistet  hatten ,  ein  auffallender  Beweis  yon  der  Ver- 
nachlässigung dieser  Thiere ,  an  denen  nur  noch  einzelne 
mit  Haaren- bewachsene  Flecken  zu  bemerken  waren.  Ein 
anderer^  Ficq  d'AzjT  hätte ,  in  der  Betrachtung ,  dafs  ^le 
erwähnte  Hautkrankheit  die  Wiedererzeugung  des  Flaumes 
in  seiner  Quelle  yerhinderte,  dafs  die  traurige  Existenz 
dieser  Thiere  keinen  befriedigenden  Erfolg  yersprechen 
konnte,  und  dafs  es  am  zweckmäfsigsten  gehandelt  seyn 
würde ,  künftige  Kosten  zu  ersparen ,  unfehlbar  darauf  aur 
getragen,  die  ganze  Herde  in  das  Meer,  zu  werfen)  Her^ 


536 

T(0fft>r  aber  Terfehr  anders:  er  wollte  den  Rnhoi  htbea, 
die  mit  so  yielen  Auslagen  herbeigeschaffVen  Thiere  na 
Nutzen  Frankreich»  bei  Leben  zu  erhalten ,  and  das  ist  ihm 
auch  glacklich  gelangen.  Nach  einiger  Unachlassigkett 
wählte  er  nähmlich  folgendes  Mittel  znr  Heratellang  der 
Ziegen^  welches  ihm  das  zweckmäfsigste  schien.  Alle 
Thiere  wnrden  vollkommen  abgeschoren ,  nnd  hierauf  mit 
einer  aus  Schweinfett,  Sohwefelbliimen  nnd  Kantharidea 
bestehenden  Salbe  ron  der  Schnautze  bis  zu  den  Fflfsen  ein- 

«  *  ■ 

geschmiert.  Qann  schritt  Herr  Testier,  in  Gemäfsheit  des 
Eingangs  erwähnten  Vertrages ,  znr  Auswahl  von  hnndert 
Thieren ,  die  von  der  Regierung  übernommen  werdea 
sollten;  diese,  nebst  noch  fünfzig  auserlesenen,  ffir  Reck-, 
nung  des  Herrn  Temaux  bestimmten ,  kamen  nach  der  kö* 
niglichen  Schäferei  zu  Ferpignan ,  die  unter  der  Leitung 
des  Herrn  Oüpier^  eines  eifrigen,  kenntnifs-  und  erfahrungs- 
reichen Mannes,  steht.  Die  übrigen  liefs  man  in  den  Umr 
gegenden  von  Marseille  iind  Toulon» 

Pas  abgeschornc  Haar  wurde  dem  Minister  des  Innern 
überschickt;  mit  einem  Theile  desselben  stellte  man  2a 
Rheims^  unter  der  Ayfsicht  einer  Kommission  vonManufak- 
ttiranten,  einen  Webe  versuch  an.  Der  Zeug,  den  man  er- 
hielt, ward  bei  der  Ausstellung  im  Louvre  dem  Urtheile 
des  Publikums  unterworfen. 

Mehrere  Ziegen  waren  zu  Marseille  gestorben ;  ihre 
yiiefse  wurden  nach  Paris  geschickt,  nnd  zum  Gegenstande 
eines  andern  Versuches  bestimmt ,  über  welchen  eine  aus 
dem  Grafen  ChapteUi  dem  Direktor  Christian,  dem  Shawls- 
Fabrikiinten.^^Za/t^e,  dem  ynterptäfekten  von  Saint-DeniSß 
und  dem  Maire  yon  Saint'^Ouen  zusammengesetzte  Kommis- 
sion die  Aufsicht  führte.  Die  in  Folge  dieser  Yei;anstsl- 
tnng'  zu  Saint  -  Ouen  fabrizirten  Gewebe  waren  gleichfalls 
mit  den  übrigen  fndustrial  -  Produkten  im  Louvre  aafg^ 
stellt,  und  das  Publikum  hat  sie  dort  während  länger  als 
einem  Monathe  nach  Bequemlichkeit  untersuchen  könneo« 
Man  hatte  zu  jener  Ausstellung  auch  eiii  ganzes  Yliefs  bei' 
gefägt,  es  war  Jedermann* erlaubt,  Flaumhaare  davon  her- 
aus zu  ziehen,  und  es  blieb  nun  kein  Zweifel  mehr,  ,ieü 
die  Shawls,  welche  aus  dem  nach  Ankunft  der  Ziegen  g^ 
sammelten  Haare  gewebt  worden  waren,   den  indischeiv 


537 

t 

im^  dm  früher  «os^  echtem  Hateriale  in  Frankrtkih  reribr«- 
tiglen  Tollkommeii  gleich  kamen; 

Die  «n  Perpignan  etablirte  Herde  war  bald  yoUkom- 
men  wieder  hergestellt,  nnd  hat  seitdem  sich  bereits  zu 
Tcrmehren  angefangen.    Nach  der  Wurfzeit  im  März  i8ao 
fing  das  feine  Wollhaar,  von  dem  im  April  die  ersten  Spa- 
ren sich  zeigten,   sich  zu  wickeln  an   {d  se  pelotonner)^ 
woraus  auf  eine  Art  von  Reife  geschlossen  werden  konnte. 
Daher  wiu:de  dasselbe  den  Thieren  mittelst  homener  Kämme 
abgenommen ,  nnd  man  erhielt  es  auf  diese  Art  fast  ganz 
rein  yon  gröberem  Haar.  Jedes  Thier  hat  im  Durchschiitt 
3  Vs  Unzen  (6  V^  Wiener  Loth)  dieses  kostbaren  Produktes 
fpegeben ;  von  einigen  Ziegen  und  yon  einem  grolsen  Bocke 
erhielt  man  sogar  sechs  Unzen.    Es  findet  »ehr  weuig  Ter- 
lust  Statt,  und  alles  scheint  anzukündigen,  dafs  diese  Thier« 
gattnng    sich    leicht  akklimatisiren   werde.     Die    Ziegen 
sind  in  Absicht  auf  den  Milchertrag  den  einheimischen  yor« 
zuziehen.     Die  groben  Haare  derselben  haben  eine  yer^ 
achiedene  Länge;  man  hat  bemerkt,  dafs  die  kurzhaarigen 
Thiere  manchmahl  mehr  Wolle  liefern ,'  und  dafs  beson- 
ders  die  grau  gefärbten  eine  feinere  Wolle  geben.     Man 
hofft  di.e  Menge    des   Ertrages   durch    Verpflanzung  der 
Thiere  in  die  höheren  Pyrenäen  -  Gegenden  (also  in  ein 
ihnen  mehr  angemessenes  Klima)  zn  yergröfsern;  und  man 
will  auch  durch  sorgfältige  Auswahl  der  zur  Fortpflanzung 
bestimmten  Thiere,   so  wie  durch  die  Vermischung  der- 
selben mit  inländischen  Ziegen,  die  einen  ähnlichen  Flaum 
tragen ,  zu  gewinnen  suchen«  —    Aus  öffentlichen  Blättern 
ist  bekannt  geworden,  dafs  am  io.  Oktober  1822  die  dem 
Herrn  Temaux  gehörigen  Ziegen  znSaini-Ouen  yersteigert 
wurden.  Die  obersten  Autoritäten  des  Maine-Departements, 
die  Deputirten  der  Kammer,  die  Naturforscher  der  ganzen 
Umgegend,. und  eine  Menge  von  Pächtern,  Gutsbesitzern 
und  Ökonomen    waren    dabei   zugegen.      Die  ursprungli- 
chen Ankömmlinge,  fünfzig  an  der  Zahl,  und  sämmtlich 
trächtig,  wurden   im  Durchschnitte  zu  hundert  Franken 
an  Mann  gebrach.t     Die  in   Ftankr&ch  geborneil   Thiere 
gifigen  imGanze^i  zn  deifselben Preisen  weg;  doch  wurden 
einige  Böcke  bis  zu  aaS  Franken  gesteigert.     Die  Verthei- 
long  der  Thiere  im  ganzen  Lande  kann  (Ör  die  einheimi- 
sche Ziegenzucht  yon  Nutzen  seyn. 


53« 

t 

Eb  ist  eine  wirklich  flicht  unwiehtigei  wenn  gleick 
nicht  mehr  neae,  Erfahr ang,  dafs  auch  die  europäuchai 
Ziagen  eine  Art  Flaum ,  oder  eine  sehr  weiche  feine  Wolle 
unter  dem  langen  groben  Haar ,  welches  ihren  Körper  be- 
deckt, tragen.  Man  findet  darin  nichts  weiter ,  als  die 
allgemeine  Vorsicht  der  Natur^  welche  den  Thieren  in  der 
kältern  Jahreszeit  pine  dichtere  und  wärmere  Haarbedek- 
kung  yerschafil» 

Lorgetil^  Maire  von  f leider  hn  Frankreich^  hat  dem 
Minister  des  Innern  im  Frühjahre  1820  sehr  schonen  Flaum 
Ton  inländischen ,  französischen ,  JZiegen  überschickt.  Ein 
einziges  Fell  soll  mehr  als  Vi  Pfand  (14  Wiener  Loth) 
dieses  Materiales  liefern«  Seinen  Nachrichten  zu  Folge 
scheint  es,  dafs  dieses  feine  Haar  erst  beim  Eintritt  der 
Winterkälte  zum  Vorschein  kommt,  dafs  es  zu  Anfang  dei 
Februars  seine  gröfste  Länge  Irreicht  hat,  und  bald  darasf 
Ten  selbst  ausfallt  In  den  Monathen  Norember  und  De- 
zember scheinen  die  Thiere  vom  Abnehmen  des  Flauras 
noch  zu  leiden,  späterhin  aber  nicht.  Gegen  das  Ende 
des  Monaths  Jänner  würde  also  die  Zeit  fallen,  in  welcher 
es  am  vortheilhaftesten  wäre,  das  Haar  zu  sammeln.  Un- 
ter denjenigen  Personen ,  welche  sich  in  der  Folge  vorzüg- 
lich mit  der  Bestätigung  dieser  Erfahrungen  abgegeben 
haben ,  verdient  ein  gewisser  LareiUei  im  DeparL  des  Lan- 
des  genannt  zu  werden.  Derselbe  hat  dem  Minister  des 
Innern  mehrere  Pfunde  Ziegenwolle  übergeben,  deren 
Feinheit  aulserordentlich  gewesen  sejn  soU.  Der  Präfekt 
zu  Ajaccio  (auf  Korsika)  ,  welcher  das  feine  Wollhaar  auch 
bei  den  korsischen  Ziegen  fand ,  gibt  den  Monath  Mors  als 
die  beste  Zeit  zur  Einsammlung  desselben  an.  Nach  seinen 
Erfahrungen  sind  der  Hai»  und  die  vordem  Seitentheile 
der  Ziegen  am  reichlichsten  mit  diesem  schätzbaren  Mate- 
riale  besetzt.  Um  dasselbe  den  Thieren  abzunehmen,  hat 
man  zwei  Kämme  nöthig :  einen  von  Hörn ,  mit  sehr  gro« 
ben  und  ziemlich  weit  aus  einander  stehetiden  Zähnen,  und 
einen  andern  aus  Buxbaumholz,  welcher  mit  zwei  Reihen 
verschieden  feiner  Zähne  '  versehen  ist.  Des  ersteren 
Kammes  bedient  man  sich,  um  die  Haare  der  Ziegen  vor- 
aus in  Ordnung  zu  bringen ;  mit  dem  zweiten  geschiebt 
das  Auskämmen  des  wolligen  Flaumes,  wozu  man  sich  An- 
fangs blofs  der  grobem,  später  aber  der  feinern  Zähne 
bedient«  Diejenigen  gi*oben Haare,  welche  mit  dem Flanooie 


53^ 

sogleich  ansgeruaefi  werSen»  mufs  man  sorgfaltig  dayon 
trennen  •  noch  ehii  man  den  letztern  von  den  Zähnen  des 
Kammes  abnimmt;  denn  die  Vernachlässigung  dieser  Vor- 
sicht Terringert  den  Wertb  des  Produktes  sehr  bedeutend. 
Die  Operation  des  Kämmens  hat  zugleich  den  Vortheil» 
dafa  dadurch  die  dem  Gedeihen  der  Ziegen  höchst  nach- 
theiligen ZtfcA;«»  (Schaf lause,  Tiques)  beseitigt  werden.  Man 
-würde  daher  nicht  übel  thun,  die  Ziegenhirten  in  allen 
Gegenden ,  wo  nach  der  Quantität  der  Ziegen  ein  bedeu- 
tender Wollertrag  zu  hoflen  ist,  mit  den  erwähnten  beiden 
Kämmen  zu  yer sehen« 

Auch  im  österreichischen  Staate  wurde  man  bald  auf 
diesen  Gegenstand  aufmerksam«  So  machte  im  Jahre  1820 
der  Beamte  bei  der  k  k.  allgemeinen  vereinigten  Hofkam- 
mer in  If^icn,  Herr  Johann' Richter,  den  Vorschlag ,  feine 
Gewebe  aus  inländischer  Ziegenwolle  zu  verfertigen ;  und 
einige  Zeit  später  sammelte  der  k,  k.  Gubernialrath ,  Staats- 
güter- und  Salinen  -  Administrator  in  GaUzieriß  Johann 
Ritter  von  Sacher,  wirklich  etwas  oedeutendere  Quantitä- 
ten dieses  Materials  von  einheimischen  Ziegen«  Die  von 
ihm  dem  Herrn  Regierungsrathe  und  Direktor  des.  poly- 
technischen Institutes  überschickten  Muster  haben  theils 
eine  schmutzig  weifse,  theils  eine  bräunlich  graue  Farbe« 
und  kommen  dem  echten  thibetanischen  Ziegenhaar ,  mit 
welchem  ich  sie  zusammen  hielt,  an  Feinheit  und  Länge 
beinahe  gleich.  ,  Sie  sind  aber«/  mit  einer  bedeutenden 
Menge  grober ,  langer  und  steifer  Haare  gemischt ,  deren 
vollständige  Absonderung  bei  der  Bearbeitung  eine  grofse 
Schwierigkeit  machen  dürfte«  Aus  den  Mittheilungen  des 
Herrn  Ritter  von  Sacher  verdient  übrigens  noch  Folgendes 
hier  eine  Stelle. 

Dafs  jede  gemeine  «Ziege  in  Winterszeit  unter  den 
Stichhaaren  eine  Hautbedeckung  von  feiner  Wolle  habe, 
war  nicht  nur  schon  früher  bekannt,  sondern  dieGebirgs- 
bauern  und  Ziegenhälter  in  der  Buko^fina  haben  für  diese 
Ziegenwolle  ihre  eigene  Benennung  (Strim),  Ob  sie  jedoch 
davon  eine,  und  welche,  Nutzanwendung  machen,  darum 
hat  sich  bisher  niemand  bekümmert,  so  wie  man  über- 
haupt auf  das  Dasevn  dieser  Wolle  keinen  besondern 
Werth  gelegt  hat  Erst  auf  Veranlassung  der  von  Frqnk-^ 
reich  aus  bekannt  gewordenen  {Nachrichten  ist  cl^eser  Qe- 


54o 

genstand  näher  gewürdigt»  und  den  Wirthschafb-YonU- 
hem  in  zwölf  kameralischen ,   im  karpathischen  Gebirge 
Ton  der  siebenbürgischen  bis  an  die  schlesische  Gränze, 
unter  dem  47.,  48*  und  49****  Breitengrade  gelegenen  Herr- 
tchaften aufgetragen  worden,  darüber  anhaltend  nachn« 
forschen;   wozu  einem  jeden  die    auf  Zeit   und   Art  der 
Wollegewinnung  Bezug  habende  Belehrung  ertheilt  wurde. 
Aus  den  darüber  eingelangten  Berichten  geht  als  erwiesen 
herVor:    1)   Dafs  die  feine  Wolle  bei  den  Ziegen  jeden 
Alters   und   Geschlechtes   in    den   Sommermonathen  gar 
nicht  vorhanden  sey ;  s)  dafs  dieselbe  erst  in  den  Monathen 
Dezember,  Januar  und  Februar  aus  der  Haut  hervor  cu 
kommen  anfange ,  im  März ,  oft  auch  im  April  unverändert 
bleibe,  und  erst  bei  Abnahme  der  Froste  und  beim  Genob 
frischer  Weidenahrung  sich  ablöse.     In  diesem  Zeitpunkte 
bilden  sich  aus  der  Wolle  lockere  Flocken ,  welche  theili 
von  selbst  abfallen ,  theils  an  dem  Strauchholz ,  zwischen 
welchem  die  Ziegen  der  Nahrung  nachgehen,  hängen  blei- 
ben ;  3)  dafs  diese  Wolle  an  solchen  Ziegen ,  welche  den 
Winter  über  in  Stallungen  gehalten  und  genährt  werden, 
gar  nicht  zu   finden,    und  nur  jenen  ei^enthümlich    sej« 
welche,  den  ganzen  Winter  im  Freien  »ohne  Obdach  rer- 
lebend,  ihre  Nahrung  vorzüglich  in  den  abgelegenen  Ur- 
Wäldern    an    Baummoos  ,    Baumrinde    und    abgehauenen 
Ästen  des   Nadelholzes  finden.     Je  anhaltender  der  Win- 
ter ist,    und   je  gröfsei'  die  Fröste    sind,   desto  häufiger 
pflegt   die   feinwollige  Hdiitbedeckung    zu   sejn.       Junge 
Thiefe  solleiY   dieselbe  in  weit  reichlicherem  Mafse,  als 
erwachsene ,  besitzen.     Die  von  einem  Individuum  zu  er- 
haltende Quantität  Wolle  bestimnit  auszümitteln ,  hat  man 
sich  fergebens  bemüht;   weil  die    unbedeutende  Strenge 
des  Winters  (i8ff)  der  Erzeugung  nicht  günstig  war,  und 
Weil  man  bei  ähnlichen  ungewöhnlichen  ]$achforschungen 
vield  Yorurtheile  der  Gebirgsbewohner ,  als  Eigenthümer 
der  Ziegen,  zu  bekämpfen  hat,  bis  die  Erfahrung  von  der 
, Unschädlichkeit  der  Abnahme  der  Wolle  für  die  Gesund- 
heit und  das  lieben  der  Thiere  überzeugt  hat. — rDie  oben 
erwähnten ,  durch  Herrn  Bitter  von  Sacher  dem   polytech- 
nischen  Institute  eingesandten  Proben  (welche  zusammen 
35  7i  Leth  betrugen)  sind  das  Besultat  Rieses  ersten  Ein- 
sammlungsversuches,  und  gewähren  die  nicht  unwahrschein- 
liche Hoffnung  eines  guten  Erfolges  der  in  Zukunft  nocb 
anzustellenden  Sammlungen. 


54i 

a.     Über  einige  Substanzen^  welche  die  Fähigkeit 
besitzen,  vegetabilische  Stoffe  unverbrennlich  zu 

machen. 

(Arehives  des  difeouvertei  et  inventiom  nouvelles  ^  faites  en  1811  ; 
liondon  Journal  of  Arti  and  Sciences^  Nr.  JLXIX.  Alai^  i893.) 

Die  Eigenschaft,  Papier  und  Leinwand  unverbrenn- 
lich so  machen  9  welche  GajT'  Lussac  in  der  Auflösung  des 
phosphorsauren  Ammoniahs  entdeckt  hat  *))  hestiramte 
Herrn  Hempiinne^  Apotheker  zu  Brüssel  j  Untersuchungen 
über  jene  Substanzen  anzustellen,  welche  die  Verbrennung 
des  Papiers,  der  Leinwand  und  des  Holzes'' verhindern 
können.  Er  hat  gefunden:  1)  dafs  das  schwefelsaure  Am- 
moniak mit  dem  nähmlichen  Erfolge  bei  Papier  und  Lein- 
wand angewendet  wird,  als  das  phosphorsaute  Ammoniak, 
und  dafs  es  vor  diesem  noch*  den  Vorzug  einer  leichtem 
und  weniger  kostspieligen  Bereitung  hat;  s)  dafs  daä  bo- 
raxsaure und  salzsaure  Ammoniak,  der  salzsaure  Kalk, 
das  neutrale  kohlensaure  Kali^  und  der  2inkvitriol  mehr 
oder  weniger  dieselbe  Eigenschaft  besitzen.  Alle  diese 
Auflösungen  müssen  konzentrirt  sejn ;  sind  sie  schwach, 
so  mufs  die  vegetabilische.  Substanz  mehrmahls  eingetaucht 
werden  f  bis  sie  Vollkommen  Unverbrennlich  lirird« 

Was  das  Holz  betrifll ,  so  kann  es  durch  blofses  Ein- 
tauchen gegen  die  anhaltende  W^kung  einer  Flamme  nur 
dann  geschützt  werden  ^  wenn  es  iii  sehr  dünnen  Blättern 
ist,  die  ohne  Anstand  ganz  Von  der  salzigen  Flüssigkeit 
durchdrungen  werden.  Herr  Hemptirine  schlägt  zwei  Ver»- 
wahrungsmittel  zu  diesehi  Zwecke  vori  entweder  soll  man 
das  Holz  auf  die  Tiefe  einiger  Linien  verkohlen ,  und  es 
dann  gut  mit  einer  Auflösung  yon  phosphorsaurem  oder- 
bor^issaurem  Ammoniak  tränken;  oder^  was  sicher^  ist, 
man  soll  das  Holz  mit  Leinwand  umwickeln ,  die  mit  den 

*)  Von  der  Richtiglteit  dieser  Entdeckung  habe  ich  mich  durch 
eigene  Versuche  überseusU  Gelcinites '  und  ungeleimtes 
Papier  sowohl  als  Leinwand,  die  ich  in  der  Auflösung  des 
pliosphorsaüren  Ammoniaks  getränkt  und  wieder  getrocknet 
hatte,  widerstanden  dem  Feuer,  in  welches  sie  aelcgt  wur-  ' 
den ,  so  sehr ,  dafs  sie  sich  blofs  langsam  verkohlten ,  und 
erst  nach  längerer  Zeit  sch.wach  sum  Glühen  kamen.  Nur 
in  seltenen  Fallen  peigte  sich  dabei  auf  Augenblicke  eine 
leichte ,  kaum  sichtbare ,  grüne  Flamme* 


544 

4    Neue  BttchdrucLerpresse. 

Der  Buchdrucker  Hel\fanh  in  Erfurt  hat  eine  Presse 
erfunden  ,  welche  der  des  Herrn  König  (diese  Jahrb.  Bd.I. 
S.  470)  vorgezogen  isu  werden  rerdient.  *  Dieae  Maschine, 
welche  in  jeder  Gröfse  ausgeführt  werden  kann ,  und  wel- 
che acht  Bogen  zugleich  druckt,  liefert  in  zwölf  Standen 
Ton  jedem  Bogen  7000,  im  Ganzen  also  56,ooo  Abdrücke 
auf  beiden  Seiten.  Sie  wird  leicht  durcli  ein  Pferd  in  Be- 
wegung gesetzt«  Drei  Me&schen  reichen  hin,  um  dai 
Papier  auf  den  Bahmen  zu  legen ,  und  es  nach  dem  Ab- 
drücke  wieder  wegzunehmen*  Die  ausgedruckten  Formen 
werden  beseitigt,  und  durch  neue  ersetzt ,  ohne  da/s  die 
Maschine  in  ihrem  Gange  eine  Störung  erleidet.  Einfach 
und  fest,  ist  ditese  letztere  nur  trenigen  Beparatareo  un- 
terworfen. 

B.    Über  Stereotypendruck. 

i)er  Wunsch  ^  gewisse  Werke ,  deren  Absatz  sicher 

genug  ist,  wiederhohlt  abzudrucken,  ohne  erst  jedes Habl 

den  Satz  erneuern  zu  müssen ,  1v:ar  die  Veranlassung  znr 

Erfindung  des  Stereotjpendruckes.     t)er  genannte  Zweck 

wird  dödur^sh^  dafs  man  den  Satz  eines  Buches  stehen  läfst, 

nm  ihn  bei  gelegener  Z^it  Ideder  zu  benützen  ,  nur  unroll* 

kommen  erreicht;  denn  die  ünermefsliche  Quantität  roa 

Lettern,   die   dazu  erforderlich  seyn  würde,    das  grobe 

Gewicht  derselben  4  und  die  Möglichkeit  des  Auseinander- 

fallens   der  Fornien^    sind  wichtige    Hindernisse«     K^ 

nahm  daher  ^  besonders  um  das  Einschleichen  von  neoen 

Druckfehlern  zu  verhindern  ^  seine  Zuflucht  z^  der  Terei* 

nigung  der  Lettern  durch  den  Gilfs ;  und  dieses  war  der 

erste  Übergang   zu   dem   eigentlichen  Stereotypendnick, 

wobei  freilich   die  grofsen  Kosten  des  stehenden   Satzes 

nicht  erspart  werden  konnten.     Späterhin   kam  man  aoi 

den  Gedanken ,  steh  der  gewöhnlichen  Lettern  blo£^  £d>a 

anfänglichen  Satze  zu  bedienen,   mittelst  dessen  man  i^ 

der  Folge  aus  einer  eigenthümiichen  Metall mischungsuii^ 

Abdruck  geeignete  Platten  verfertigte«     Das  Wesen'  des 

Stereotjpendruckes  besteht  demnach  in  der  Anwendung 

fester  Platten  statt  der  sonst  gewöhnlichen,  aus  bewegt' 

chen  Lettern  zusammengesetzten,  Formen.     Es  leuchtet 

wohl  Jedem  von  selbst  ein,  dafs  zwischen  dem  Stereotypen* 


545 

ämcli^  and  äem  Dra6%6  der  Chinesen  mitteltt  hölzerner 
Tafeln  einige  Abhlicbkeit  herrscht,   ohne    dafd  man  übri* 
gens  deiswegen  die  Chinesen  für  die  Erfinder  des  Stereo- 
typendrMckes  halten  darf.     Eben  so  weAig  ist  es   erlaubt} 
die  Einführung  des  Stereötjpendruches  als  eine  Rückkehr 
DU  der  altefi  Methode    jenes   asiatischen   Volkes   zu   ver- 
schreien ;  denn  zwischen  dem  Schneiden  einer  hölzernen 
Tafel  und  der  Verfertigung  einer  Stereotypen  form  findet 
ein    höchst  .wesentlicher    Unterschied    Statt.*      Wirft  man 
dieser   letztern  vor,    dafs  ihr   Material    nicht  wieder  zu 
neuen  Formen  verwendet  i^erden   könne,    so  gilt  dieses 
nur  halb ;  denn  das  Metalls,  woraus  sie  besteht ,  wird  nö- 
thigea  Falles  ohne  Anstand  wieder  verbraucht,    was  bei 
einer  geschnittenen  Holztafel  nie  möglich  ist.     Man  inufs 
vielmehr  die  Stereotypie  als  eine  wahre  YerbesSerung  der 
Typographie  ansehen;  t«reil  sie* nicht  nur  alles  das  leistet, 
was  man  von  der  gewöhnlictien  Buchdruckerei  zu  fordern 
im  Stande  ist)  sondern  aui'serdem  sogar  bedeutende  Vor- 
.theile 'gewährt  4  die^sich  durch  das  gemeine  Verfahren  ^ar 
iiie  erreichen  lassen.     Von  diesen  Vorlheilyi  erwähne  ich 
-nur  a)  den  Umstand,  dafs  sich  in  die  einmähl  mit  Sorgfalt 
horrigirte  Form  ganz  und  gar  keine  Fehler  mehr  einschlei* 
eben  können,  und  dafs  man  demnach  der  Gleichheit  aller 
Ab4rücke  versickert  *  ist^   b)  die  Möglichkeit,   mit  einem 
einzigen  Satze  viele  zum  Abdrucke  taugliche  Platten  her- 
zustellen,  wodurch  man  in  den   Stand  kommt,    mehrere 
Pressen  zu  beschäftigen  ;    endlich  o)  den  Vortheil,    dals 
man  di^  Druckplatten  leicht  immerfort  aufheben  kann,  weil  • 
weder  das  Material  derselben  ^  noch  ihre  Verfertigung$art 
so  grofse  KosAen  erfordert,  als  dieses  bei  einem  gewöhn« 
liehen  stehenden  Satze  der  Fall  ist. 

Indesseu  kann  mahn  nicht  längtien,  dal's  es  bei  allen 
jenen  Büchern ,  bei  welchen  neue  unveränderte  Auflagen 
nicht  so  bald  zu  erwarten  sind,  voitheilhafter  sey,  gleich 
mit  dem  ersten  Satze,  d.  h*  mit  den  gewöhnlichen  Lettern, 
zu  drucken }  und  dafs  dem  zu  Folge  der  Stereotypendrnck 
kaum  jemahls  allgemein  werden  düi-fte. 

Frankreich  ist  das  Land,  welches  den  Stereotypen« 
druck  am  meisten  gepflegt  hat.  Dort  sind  drei  verschie-' 
dene  Methoden  dieser  Kunst ,  jede  auf  fünfzehn  5ahre ,  pa-^ 
tentirt  worden ,  nähmlieh  die  des  F«  J»  Hqjffmann  zu  Schielt' 

JÜiYb.  dit  polyt,  1m\%,  ly.  B4«  35         ~ 


546 

f 

Stadt  im  Elsafs  (16.  Februar  1792),  die  des  Lud4vi?;  Stephan 
Herhan  in  Paris  (28.  Dezember  1797),  und  des  Firmin,  Di- 
dot  (26.  Dezember  1797).  —  Der  II.  und  IV-  Band  von 
der  Descripiion  des  Bretfcts ,  dont  la  duree  est  expiru  (1^  P-i- 
m,  1Ü18  und  1820)  enthalten  ausführHohe  Beschreibungeo 
dieser  Yerfahrungsarten,  die  ich  um  so  lieber  in  einer 
freien  Bearbeitung  hier  miuheilc,  da  das  genannte  Werk 
gewifs  nur  von  Wenigen  benutzt  werden  kann. 

&ä     HqffmanrCs  Methode* 

Der  Erfinder  nannte  sein  im  Nachfolgenden  beschrie- 
benes Verfahren  Polftypen*^  und  Logotj-pen  -  Druck s  tw^^ 
Benennungen,  welche  ich  auch  hier,  der  Kürze  «egeo, 
beibehalten  wiU« 

Die  Grundlage  dieser  Kunst  beruht  auf  der  Eigen- 
schaft gewisser  Metall  •  Legirungen,  nach  dem  Schmel- 
zen langsam  zu  erkalten,  und  einige  Zeit  hindurch  »1 
einem  Zustande  der  Weichheit  zu  bleiben ,  wo  sie,  gJc»^'* 
dem  Wachse^  durch  einen  angemessenen  Druck  die  za^ 
testen  Eindrücke  annehmen.  Der  Erfinder  hat  es  dahin 
gebracht,  auf  solche  Art  Platten  zu  verfertigen,-  die,  g^«|^" 
einem  Kupferstiche ,  Zeichnungen  oder  Sehrift  verlieft 
enthielten.  Die  geringe  Dicke  der  inittelst  einer  erdigen 
Farbe  auf  eine  polirte  Kupferplatte  gemachten  Züge  reicht« 
hin,  diese  letztere  verlieft  in  der  Metall -Legirung  her- 
vorzubringen, welche  während  ihres  Erkalten»  gegen  di« 
Platte  geprefst  wurde.  Der  mit  dem  Kupfer  in  Berührung 
gewesene  Grund  erschien  polirt  und  glänzend,  wie  dieses 
Metall  selbst.  Durch  das  bei  den  Kupferdruckern  übliche 
Verfahren  konnte  man  von  solchen  Platten  ordentliche 
Abdrücke  erhalten  *).     Die  Ausübung  dieser  Art  von  Gi«- 

*)  Ähntiche  Versuche  Hat  Cadet  -  de  -  Gaisicouri  mit  der />«J- 
«^'scbeil  Legirung  angestellt  ( siehe  diese  Jahrb.  Bd.  "^' 
S.  4^^)'  Ich  selbst  tvurde  durch  das  Überraschende  ^^ 
Resultate»  veranlaf^t ,  einige  Versuche  der  Art  xu  niacfae<ji 
die  auch  wirklich  gut  gelungen  smd;  ungeachtet  ich  in>^^ 
eben  dadurch  übe|*zeugt  habe  ,  die  HolTiiung  Cadetl 
dafs  sich  hierauf  eine  bequeme  und  leicht  anwendbare  Art 
Äu  drucken  werde  gründen  lassen ,  könne  gar  nie  in  Errül* 
lung  gehen.  Zwar  hätte  das  von  Cadet  beschriebene  Ve^ 
fahren  den  Vorzug  einer  ungemeinen  Schnelligkeit  y"^ 
Leichtigkeit  für  »ich ,  könnte  daher  in  diesen  beiden  Küci^' 


547 

▼irong  biethet  aber  Schwierigkeiten  dar ,  die  sich  kaum 
ganz  heben  lassen,  Hqffmann  benützte  seine  Entdeckung 
blofs  zur  Verroll kommnung  der  Typographie  mit  gutem 
Erfolg.  Folgendes  ist  das  Ton  ihm  zu  diesem  Behuf  ange- 
wendete Verfahren.  • 


sichten  sehr  wohl  mit  der  Küpferstccherltunst ,  und  selbst 
mit  der  Lithographie  rivalisiren;  aber  bei  dem  Abgiefsen 
der  Platten  finden  sich  Hindernisse ,  die  so  bedeutend  sind^ 
dafs  alle  auf  andern  >Vegen  etwa  zu  erreichenden  Vortheile 
dadurch  gann  gewifs  wieder  aufgehoben  werden.  Aufser* 
dem  nahm  lieh  9  dafs  von  einer  grolsen  bchärfe  der  hervor- 
gebrachten Züge  gar  nie  die  Bede  seyn  liann,  hält  es  auch 
aal^erordentlich  schwer,  etwas  gröfsere Platten  vollkommen 
6'ben~und  glatt  KU  gierten«,  vorausgesetnt  selbst,  dals  man 
durc|i  Aufschütten  von  Wasser  die  Krystallisation  des  Me- 
talles vollliömmen  hindert.  Meistens  bilden  sich  in  dem 
geschmolzenen  Metalle  während  des  Gusses  gröfsere  oder 
kleinere  Luftblasen ,  die  da'nn  beim  Erlialten  Löcher  in  der 
Platte  Eurücklassen. .  Dadurch,  dafs  man  das  Metall,  wäh- 
rend es  noch  flüssig  ist,  vorsichtig  uinrührt,  kann  man 
zwar  der  Luft  und  den  etwa  aus  der  Feuchtigkeit  des  Pa- 
piers gebildeten  Dämpfen  einen  Ausgang  verschaffen;  aber 
doch  geschieht  es  in  den  meisten  Fällen ,-  dafs  die  Platte 
hin  und  wieder,  besonders  an  den  MSndern,  porös,  und 
daher  anbrauchbar  wird.  Ich  habe  auf  die  beschriebene 
Art  eine  sehr  beträchtliche  Zahl  von  Abgüssen  gemacht, 
aber  unter  allen  nicht  einen  einzigen  ganz  fehlerfrei  erhal- 
ten können,  übrigen^  änderte  ich  später  das  von  Cadet 
angegebene  Verfahren  dahin,  dafs  ich  auch  den  Abgafs  von 
Kupf'ersti^h9;bdrücken  versuchte,  and  zwar  insbesontlere 
von  solchen,  auf  denen  sich  sehr  stark  erhabene  Schriftzüge 
befanden.  Das  Resultat  dieser  Versuche  war  jedes  Mableiue 
Platte ,'  di6  sich  recht  gut  würde  wieder  haben  abdrucken 
lassen,  wenn  anders  ihre  Oberfläche  an  allen  Orten  ganz 
glatt  gewesen  wäre.  Gestochene  Addrefs-  und  Visiten-Karten 
fassen  sich  sehr  scharf  abgiefsen,' wenn  man  sie  mit  einem: 
Bande  von  starkem  Papiere  umgibt,'  und  dann  das  Metall 
(aus  8  Theilen  Wismuth ,  5  Th.  Blei  und  3  Tb.  Zinn'  ge- 
mischt) aufgiefst.  Mit  noch  gröfserer  Leichtigkeit  kann  man 
Mflnxfrn  u.  di^l.  vervielfältigen;  wenn  man  sie  auf  das  ge- 
schmolzene Metall  legt,  und  etwas  audriu'.kt.  Sqlche  Ab- 
drücke lassen  sich  so<;ar  mit  einiger  Vorsicht  in  die  nähm- 
Kche  Legtrung  wieder  abdrucken ,  besonders  wemi  man  sie 
vorher  mit  Ötil  bi^streicht  .  wodurch  freilich  die  Schärfe 
der  Züge  etwas  leider.  Ich  mufs  übrigens  gestehen,  dafs 
sich  eben  so  schöne  Abdrücke  auch  in'  geschmolzenem  B)ei| 
weniger  gut  in  Zinn,  machen -lassen;  doch  hat  diq  Anwen- 
'  düng  der  />arr<f /'sehen  Legirung  den  Vortheil ,  dafs  diese 
tit'ii  weniger  schnell  erstarrt ,  als  alle  übrigen  Metalle.  Bei 

35* 


148 

eine  wie  gewöhnlich  ans  Beweglichen  Lettern  Eaian* 
mengesetzte  Form  diente,  um  einen  Eindruck  in  fette, 
mit  Gjlps  gemischte,  und  mit  schleimigen  SabsUnzen  zo* 
Bereitete  Erde  zu  machen.  Dieser  Eindruck  wurde  als 
Matrize  verwendet,  auf  welcher  eine  geschmolzene  Mischan§ 
aus  Blei,  Zinn  und  Wismuth  im  Augenblicke  des  Erkal- 
tens  abgeklatscht  wurde;  so  erhielt  man  Platten,  auf  deneo 
der  Satz  erhaben  war  ,  und  die  ohne  Anstand  nn 
Abdruck  verwendet  werden  konnten. 

Diese  Methode  hatte  keinen  andern  Yortheil,  als  dafs 
man  durch  sie  nach  Belieben  permanente  Auflagen  xu  e^ 
halten  im  Stande  war;  ein  Umstand,  der  oft  die  mit  der 
Herstellung  jener  Drucktafeln  verbundenen  Kosten  nicht 
vergütete.  Der  Erfinder  dachte  defs wegen  auf  eine  antlere 
Benützun.^sart  seines  Prinzipes,  und  fand  diese  in  dem  ron 
ihm  so  genannten  Poljrijpen-  und  Logoijrpendruck  (Polrtr 
page^  Logoijrpage)^  dessen  Beschreibung  wir  n  an  beginnen 

Die  hierzu  erforderlichen  Typen  sieht  man  in  Fig-  ^ 
und5  (Taf.  IV)  abgebildet.  Die  eigentlichen  oder  einfache» 
Typen,  welche  aqs  einem  einzigen  Buchstaben  hesie^^ 
(Fig.  4) ,  dienen ,    um  mittelst  derselben  die  Buchstaben 

■■  ■     ■  ^ 

den  häufig  wiederhoblten  Versuchen  mit  dieser  Kompositi«« 
habe  ich  endlich  noch  Gelegenheit  gehabt,  zu  hcmtrlt^ 
daf»  sich  ihre  BcscbafTcnheit  durch  öfteres  Umschmelzen  be- 
trächtlich ändert.  Die  drei  mit  einander  verbundenen  M^ 
falle  oxydiren  sich  nähmlich  nicht  in  gleichem  Grade,  und 
'  somit  wird  denn  durch  wiederhohltes  Schmelzen  das  M>' 
schungsverhäHnifs  sehr  abgeändo't.  Dieser  Erfolg  findet  ii 
so  hohem  Grade  Slatt ,  dais  die  Legirung  Entctst  nicht  nur 
sehr  viel  schwerflüssiger  wird,  sondern  auch  ihre  Fäbigi^j^« 
scharfe  Abdrüche  und  Abgü&se  zu  liefern,  grofstentheils 
einbüfst.  Noch  mufs  ich  hier  einen  Irrthum  berichtigen« 
der  ziemlich  verbreitet  zu  seyn  scheint.  Fast  allgeinei' 
hält  man  nähmlich  die  Sprödigkeit  der  /^arcr/'scben  Le^ 
rung  für  gröfser  als  sie  ist.  Unmittelbar  nach  ihrer  Berei- 
tung ist  sie  zwar  brüchiger  als  späterhin ,  wenn  ein  gro/ie^ 
Theil  des  Wismuths  durch  die  beim  wiederbohlten  Schmel' 
zen  eintretende  Oxydation  entfernt  ist;  doch  aber  läfst  <>' 
sich  im  hallen  Zustande  (hcifs  ist  sie  jedes  Mahl  aufserordent- 
Hch  spröde)  einigermafsen  hämmern  und  dehnen.  Dcfs^vf 
gen  ist  auch  das  Zerbrechen  der  aus  diesem  Metalle  ^^^ 
'  senen  Platten  während  des  Abdrucices,  welches  Cadet-^ 
Goiticouri  besorgte  %  ganz  und  gar  nioht  zu  «r warten. 


S49 

de«  Alphabetes  elnceln  nach  einander  in  weiche  Thonmasse 
einzudrücken,  und  *auf  diese  Art  Worte«  Zeilen  und  ganze 
Seiten  zu  bilden«  Die  >von  dem  Erfinder  sogenannten  Lo* 
goiypen  (Fig.  5)  bestehen  aus  mehreren  Buchstaben,  wel« 
che  zusammen  euien  Theil  eines  Wortes ,  oder  auch  ein 
ganzes  Wort  bilden ;  ein  treffliches  Mittel ,  das  Setzen  zu 
erleichtern  und  schneller  zu  machen.  Das  Wesentliche 
dieser  Werkzeuge  geht,  "wie  man  schon  au«  denZeichnun« 
gen  ersehen  haben -'vv'ird,  darauf  hinaus,  dais  die  einzelnen 
Lettern  unter  rechten  Winkeln  an  einen  metallenen  Wür« 
fei  befestigt  sind«  Alle  erdenklichen  Figuren  können  sol- 
chergestalt in  Tjpen  oder  Logotjpen  verwandelt  werden ; 
wenn  .es  sich  aber  blofs  um  die  Typographie  und  um  die 
in  den  Buchdruckereien  gebräuchlichen  Zeichen  han« 
delt ,  so  bedient  man  sich  der  bei  den  Schriftgiefsern  vor- 
findlichen  Lettern ,  um  daraus  die  erwähnten  Tjpen  oder 
Logotypen  zu  bilden«  Zu  diesem  Behufe  werden  die  Lettern 
in  eine  kupferne,  gehörig  vorgerichtete  Form  eingelegt, 
und  mittelst  einer  Schraube  in  der 'passenden  Lage  erhal- 
ten ;  dann  vereinigt  man  die  Enden  derselben  durch  Ein- 
gl^elsen  von  Metall ,  und  erhält  so  ein  einziges ,  aus  den  ^ 
erwähnten  Lettern  und  einem  angegossenen  Würfel  be^ 
stehendes  Stück. 

Bevor  von  dem  Gebrauch  dieser  Typen  und  Logoty« 
pen  die  Bede  seyn  kann,  scheint  es  nöthig,  die  Einrich« 
tung  des  Fig.  7  gezeichneten  Seizrahmens  zu  erklären ,  der 
die  Stelle  des  sonst  gebräuchlichen  Winkelhakens  vertritt. 

Was  man  bei  der  gemeinen  Buchdruckeret  Setzen 
nenn; ,  besteht  in  der  Zusammenstellung  der  beweglichen 
Karaktere,  in  der  Absicht,  ganze  Platten  oder  sogenannte 
Formen  dai  aus  zu  bilden.  In  der  Polytypendruckerei,  von 
der  hier  die  Bede  ist,  verfährt  man  ganz  anders:  Setzen 
heifst  hier  die  Matrize  verfertigen ,  die  in  der  Folge  zum 
Abgofs  einer  ganzen  Druckseite  dienen  soll.  '  Der  Setzrah* 
men  ist  das  Instrument,  welches  die  Bestimmung  hat,  die 
thonartige  Erde  aufzunehmen ,  worein  die  Worte  mittelst 
der  Typen  und  Logotypen  abgedruckt  werden.  Dieser 
Bahmen  ist  von  Messing;  seine  Seilen  haben  eine.der  Dicke 
des  Thonklumpens  gleiche  Höhe ,  und  die  Einrichtung  ist 
so  getroffen,  da(s  ein  die  Bänder  des  Bahmens  umfassen« 
des  Lineal  ab  sich  nach  der  ganzen  Länge  desselben  ver* 


95a 

Breite  des  Bahmen«  fortfährt,  schneidet  man  ein  trapet» 
förmiges  ^tück  Thon  heraus,  welches  durch  die  Ö^ni^ng  de« 
Messers  eben  so  einen  Ausweg  findet,  wie  der  Span  durcVi 
das  Loch  eines  gewöhnlichen  Hobels.  Man  zieht  diese 
Furchen  nur  immer  in  dem  Verhältnisse,  als  man  ihrer 
pölhig  hat;  und  sobald  eine  derselben  yojlendet  ist,  wei- 
den gleich  mittelst  der  Typen  oder  Logotjpen  die  Bach- 
Stäben,  Sylben  oder  Worte  eingedrückt,  welche  die  Zeile 
bilden  sollen.  Hierbei  mufs'nun  sorgfaltig  darauf  gesehen 
werden,  dafs  die  Leitern  nie  tiefer  eingedrückt  werden, 
als  sie  über  ihren  Körper  vorstehen  ,  was  sehr  wenig  ist; 
der  Thon  leidet  auch  solche  seichte  Eindrücke,  ohne  einen 
Grath  aufzuwerfen.  Der  l^utzen  des  Zeilenmessers  besieht 
wie  man  aus  dem  Gesagten  ersehen  haben  wird,  darin, 
dafs  der  gröfste  Theil  der  Vertiefung  in  der  erdigen  Ma- 
terie nicht  von  jeder  Letter  besonders,  sondern  für  eine 
ganze  Zeile  auf  einmahl  fremacht  wird;  auf  der  späterhia 
zu  bildenden  metallenen  Druckplatte  müssen  demnach  die 
Zeilen  als  lauter  erhabene ,  2u  beiden  Seiten  abgeschrägte 
Leisten  erscheinen,  auf  deren  Oberiläche  die  eigentlicfaefl 
Lettern  nur  um  Weniges  vorstehen.:  genau  so^  wiew  diese« 
]i>ei  einer  gewöhnlichen  Bud^druck^rform  der  Fall  ist. 

Der  Schriftkasten  einer   Poljtypendruckerci    besteht, 
pach  des  Erfinders  Vorschlag,  für  die  französische  Sprache 
aus  870  Fächern,  deren  jedes  ein  einziges  Exemplar  einer 
Letter  oder  eines  Wortes  enthält.  Das  Ganze  ist  nach  dem 
Alphabet  geordnet,  und,  um  allem  Irrthume  yorzubeugeoi 
yerschliefst  man  jedes  Fach  mit  einem  Deckel ,  auf  dem 
der  innen  liegende  Typus  grofs  und  leserlich  abgedruckt 
ist.  '  Die  Gröfse  des  Kastens  beträgt  24  Zoll  in  die  Länge 
und  14  Zoll  in  die  Breite:  er  wird,  wie  bei  der  gewöhn^ 
liehen  Art  zu  setzen ,  auf  ein  schräges   Pult  gestellt ,  w^)' 
ches  der  Arbeiter  nebst  seinem  Setzrahmen  yor  sich  hat. 
Da  bei  dieser  Art  zu  setzen  die   Typen  sogleich   nach  ge- 
machtem Gebrauch  wieder  in  den  Kasten  zurückgelegt  wer- 
den, so  werden  alle  jene  Irrungen  vermieden,  welche  sonst  in 
den  Druckereien  dadurch   entstehen,  dafs  beim  Ablegen 
einer   ausgedruckten  Form  manche   Lettern  in    unrechto 
Fächer  kommen. 

Es  ist  wahr,    dafs  beim   Polytypendruck  begangen« 
Fehler    sich   schwieriger    verbessern   lassen  ^    allein  mit 


553 

Hülfe  einer  sehr  genauen  Kopie  des  Manuskriptes  wird  es 
leicht ,  gar  keine  zu  machen ,  da  jeder  Buchstab  ,  den 
man  in  die  Matrize  eindrückt,  drei  Mahl  kollalionii*t  Mrird ; 
ein  Mahl  wenn  man  den  Typus  aus  dem  Basten  nimmt »  das 
zweite  Mahl  beim  Hineinlegen ,  und  das  dritte  Mahl  wenn 
man  nachsieht,  wo  man  geblieben  ist.  Wenn  dessen  ungeach- 
tet aus  Zerstreuung  Fehler  gemacht  werden,  so  kann  der 
Setzer  sie  kaum  übersehen;  er  glättet  dann  die  verfehlten 
Buchstaben  oder  Worte  mittelst  eines  elfenbeinernen  Grif- 
fels ,  und  setzt  die  rechten  an  ihre  Stelle.  Wenn  durch 
Versehen  eine  oder  mehrere  Zeilen  ausgeblieben  sind, 
und  man  es  erst  nach  Vollendung  der  Seite  bemerkt,  so 
mufs  freilich  diese  letztere  wieder  von  vom  angefangen 
werden ;  allein  dem  Setzer  einer  gemeinen  Druckerei,  der 
ähnliche  Fehler  macht,  geht  es  beinahe  auch  n  cht  viel  besser. 

Was  die  in  dem  Schriftkasten  befindlichen  Logotjpen 
betrifft ,  so  hat  der  Erfinder  nur  diejenigen  Worte  oder 
SylbenYerbindungen  gewählt,  die  in  der  französischen 
Sprache  am  häufigsten  Tor kommen  (z.  B.  age,  ai^  ant, 
abUt  atfecj  aiion^  02,  ette^  etre^  i7*,  ieux ,  ois^  oient^  un^ 
bien  ^  dans ,  nous ,  pas ,  qui ,  qu  iL  u.  s.  w«) ;  die  übrigen 
werden  aus  den  einfachen  Typen  zusammengesetzt.  Es 
hat  mit  dem  Kasten  einer  Polytjpendruckerei  nicht  dieselbe 
Bewandtnifs,  wie  mit  dem  einer  gemeinen  Druckerei;  die 
Gewohnheit  läfst  in  der  letztern  den  Arbeiter  die  Lettern 
blofs  durch  das  Greifen  linden :  hier  müssen  dieselben  mit 
den  Augen  gesucht  werden ,  und  man  ist  daher  weniger 
Irrungen  unterworfen,  die  Arbeit  geht  aber  auch  lang- 
samer« 

Der  Erfinder  des  Poljtypendruckes  hat  auch  einige 
andere  nützliche  Anwendungen  seines  Prinzipes  vorge- 
schlagen ,  die  insbesondere  auf  den  Kattun^:,  und  Landkar* 
tendruck  Bezug  haben.  Die  meisten  Zeichnungen,  die 
man  auf  Kattun  druckt,  bestehet  aus  verschiedenartig  unter 
einander  verbundenen  Blumen  oder  Verzierungen ,  und 
erfordern ,  wenn  sie  fein  und  geschmachvoll  in  Holz  ge» 
schnitten  seyn  sollen ,  beträchtliche  Auslagen.  Das  Ver- 
fahren bei  dem  Polytypendrucke  verschafft  ein  weit  ökono- 
mischeres Mittel,  diese  Formen  zu  erhalten.  Die  einzel- 
nen Theile  solcher  Desseins  können  auf  bleierne  "Typen 
gravirt  werden ,  welche  man  auf  die  beschriebene  Art  im 


554 

Thon  eindrückt    Es  braucht  vielleicht  nicht  einmahl  erin- 
nert zu  werden ,  dafs  man  für  diesen  Fall  dem  Rahmen 
eitie    etwas  abweichende   Eiilrichlung  ^geben   müsse;  das 
Lineal  mufs  sich  nähmlich  nach  aUen  Richtungen  stellen 
Jassen,  und  man  wird  selbst  verschiedentlich  gekrümmte 
Lineale  nölhig  haben ,  denen  man  durch  Schrauben  ohne 
£nd^  'eine  regelniafsige    Bewegung    mitlheilen  kann,  am 
eine  gleichförmige  Eintheilung  des  Desseins  zu  erzwecken. 
Der  Elfinder   beschrankt    sich   darauf,    diese  Anwendung 
seines  'Prinzipes  anzudeuten ;  das  Nähmliche  gilt  in  Bezug 
auf  das  nachfolgende  Verfahren  zur  Darstellung  von  Land- 

kartenformem 

« 

Man  bedient  sich  hierzu  statt  der  Thontafel  einer 
wohl  abgerichteten  Kupferplatte,  die  eine  Linie  dick  mit 
erdiger  Substanz  überzogen  ist.  Diesen  Überzug  bildet 
man  aus  Ocker,  Weinsteinsalz  und  einer  guten  Dosis  ara- 
bischem Gummi.  Wenn  die  wiederhohlt  mit  demselben 
gepfiachten  Anstriche  durch  Wärme  getrocknet  sind,  zeich- 
net man  die  Landkarte  darauf.  Die  PlaVte  wird  dann  wäh- 
rend 24  Stunden  in  einen  feuchten  Keller  gelegt,  wo  das 
Weinsteinsalz  zerfliefst  ,  und  -der  ganze  Überzug  eine 
Weichheit  cihält,  welche  das  Ausschneiden  der  Zeichnung 
bis  auf  die  Fläche  des  Rupfers  erlaubt.  Dieser  Tafel  be- 
dient man  sich  auf  dieselbe  Art,  wie  der  früher  beschrie- 
benen thönernen  Matrizen ,  um  d^mit  eine  zum  Abdruck 
geeignete  Platte  herzusteilen. 

Die  Verfertigung  dieser  Druckplatten  geschieht  auf 
nachstehende  Art.  Man  nimmt  die  fertigen  Matrizen  ans 
dem  Setzrahmen  und  legt  sie  auf  einander,  wobei  man  jede 
mit  einem  Blatte  Löschpapier  bedeckt,  und  von  den  übri- 
gen durch  eine  ebene  Kupferplatte  trennt.  Die  dadurch 
erhaltenen  Säulen  beschwert  man  zuletzt  mit  einem  Ge- 
wichte, um  das  Verziehen  der  einzelnen  Stücke  während 
des  Trocknens,  wozu  man  sich  der  Sonnenwärme  oder 
eines  geheitzten  Ofens  bedient,  zu  verhindern.  Wenn 
die  angewendete  Thon  erde  gut  ist  (wie  z.  B.  der  Pfeifen- 
thon),  so  behalten  auch  die  Matrizen  leicht  eine  vollkom- 
men ebene  Fläche,  die  zum  Gebrauche  derselben  gans 
unentbehrlich  ist.  Die  ganz ,  oder  beinahe  ganz  trocknen 
Thonplatten  werden  in  einen  Rahmen  gelegt,  der  nm  etwa 
^inen  halben  Zoll  darüber  hinausragt  |  und  dessen  Bodea 


555 

I 

SO  eingerichtet  ist ,  8afs  man  das  Ganze  leicht  unter  eine 
Schraubenpresse  bringen  kann 

Das  aus  Blei,  Zinn  und  Wismuth,  zu  ungefähr  glei- 
chen Theilen,  bestehende  Metall,  welches  in  einem  Löffel 
geschmolzen  worden  ist,  läfst  man  so  weit  erkalten,  dafs 
es  das  Papier  nicht  mehr  versengt ;  dann  giefst  man  es  auf 
einen  glatten  Bogen  von  Kartenpapier ,  wo  man  es  noch 
weiter  abkühlen  lälst^  bis  es  anfangt,  eine  weiche  Kon- 
sistenz zu  bekommen.  Um  die  Abkühlung  in  allen  Theilen 
der  Masse  gleichförmig  zu  machen ,''  mischt  man  sie  fort- 
während mittelst  einer  dünnen  kupfernen  Kelle  durch  ein- 
ander. Endlich ,  wenn  man  das  Metall  zur  Aufnahme  des 
Eindruckes  tauglich  glaubt,  bringt  man  es  sammt  der  tho- 
nernen  Matrize  in  eine  Presse  ,  und  bewirkt  hierdurch  den 
Abdruck,  dessen  Resultat  eine  Platte  ist,  die  alle  Züge 
der  Matrize  erhaben  trägt.  Damit  diese  Operation  aber 
gut  yor  sich  gehe,  ist  unumgänglich  nothwendig,  dafs  man 
die  Presse  gerade  in  dem  Augenblicke,  wo  das  Metall  fest 
wird,  wirken  lasse. 

Es  wäre  wohl  auch  möglich ,  das  Metall  auf  die  Ma- 
trize selbst  zu  giefsen ;  dann  müfste  man  aber  die  letztere 
vorher  erhitzen  ,  um  die  schnelle  und  ungleichförmige  Ab- 
kühlung der  Metallmischung  zu  verhindern. 

Da  der  Thon  nicht  leicht  ohne  zu  springen  die  schnelle 
Hitze,  welche  ihm  durch  die  Berührung  von  dem  Metall 
mitgetheilt  wird,  ertragen  würde;  so  mufs  man  demselben, 
bevor  man  die  Matrizen  daraus  verfertigt »  wenigstens  die 
Hälfte  Spanisch  weif s  oder  Kreide  zusetzen. 

b)  Herhan*8  Methode, 

Herhan  verfertigte  seine  Stereotjpenplatten  auf  eine 
von  der  vorigen  ganz  verschiedene  Art;  das  von  ihm  be- 
folgte Verfahren  begreift  drei  Operationen ,  nähmlich : 

i)  Die  Bildung  von  beweglichen  Lettern ,  welche  an. 
Form  und  Gröfse  den  gewöhnlichen  Typen  gleichen,  sich 
von  denselben  aber  dadurch  unterscheiden,  dafs  sie  den 
Eindruck  der  Buchstaben  ocrüeft,  und  zwar  rechts  ent* 
halten. 


556 

a)  Die  Verelnignng  dieser  LeUirn ,  welche  der  Er* 
finder  beivegUche  Matrizen  nennte  za  ganzen  Kolamnen. 

3)  Das  Abgiefsen  oder  Abdrücken  dieser  vereiDigten 
Matrizen  in  das  Metall,  woraus  die  Druckformen  verfer- 
tigt werden  sollen, 

Jed^  dieser  Operotionen  soll  im  Nachstehenden  deaU 
lieb  und  ToUständig  beschrieben  werden« 

Der  Erfinder  grayirt  stählerne  Stampel,  welche  den 
gewöhnlichen  Patrizen  der  Schriftgiefser  gleichen,  mit 
der  Ausnähmet  dafs  sie  kleiner  sind,  die  prismatische  Ge- 
sr  It  der  Buchdruckerlettern  besitzen ,  und  nicht  gehartet 
sind,  weil  sie  keinen  Schlag  auszuhalten  haben»  Diese 
Stampel  müssen  genau  rechtwinkelig,  dann  auch  gleich 
hoch,  und  überhaupt  so  beschafien  sejn,  dafs  man  sie 
allenfalls  auf  die  gewöhnHche  Art  setzen  und  in  der  Presse 
abdrucken  könnte.  Sie  werden  einzeln  in  das  gewöhnli- 
che Instrument  der  Schriftgiefser  an  den  Ort  eingelegt, 
wo  sich  sonst  die  kupferne  Matrize  befindet ;  and  man  gielst 
sie  hier  auf  dieselbe  Art  und  mit  der  nfihmlichen  Schnel- 
ligkeit ab,  als  dieses  bei  den  gemeinen •  Lettern  geschieht. 
Die  zum  Giefsen  angewendete  Metallmischung  weicht  von 
dem  Schriftgiefserzeug  ab ,  und  besteht  aus  66  Theilen 
Blei,  i3  Th.  Zinn,  i6  Th.  Spiefsglanz,  5 Th.  Kupfer.  Da$ 
^inn  läfst  man  zuerst  schmelzen,  setzt  ihm  dann  djis  in 
^  dünne  Blättchen  verwandelte  Kupfer  und  endlich  auch  i^^ 
Blei  und  Spiefsglanz  in  den  angegebenen  Verhältnissen  zu. 
Nach  dem  Gusse  wcrdep  die  erhaltenen  beweglichen  Ma- 
trizen von  den^  Giefs^apfen,  befreit,  abgeschliffen  und  auf 
die  gewöhnliche  Art  bestofsen.  Zum  Gebrauch  vertheiU 
man  sie  in  die  Fächer  eines  Schriftkastens,  der  von  dem 
einer  gemeinen  Buchdruckerei  ganz  und  g^r  nicht  verschie- 
den ist. 

Späterhin  fand  der.  Erfinder  es  vortheilhafter ,  cüd 
beweglichen  Matrizen  iir  Kupfer  einzuschlagen,  statt  sie 
zu  giefsen  Auf  diese  und  einige  .andere  Verbesserungen 
seiner  Methode  erhielt  er  am  27,  Bumaire  des  Jahres  VII 
(17.  November  1798)  ein  Zusatz  •  Zertifikat  (Cerlificat  d' Ad* 
ditiong)*  Zu  dem  genannten  Zwecke  wurde  eine  ganz  aus 
^tahl  verfertigtet  mit  der  äufserstcn  Genauigkeit  gebaute^ 


557 

Maschine  angeirendet,  deren  Beschreibung  leider!  so  un» 
«leallich  und  unvollständig  ist,  dafs  sie  keineswegs  befrie- 
digt. Man  entnimmt  daraus  nur  so,  viel,  dafs  das,  mittelst 
Zieheisen  vierkantig  gezogene,  und  in  Jauter  gleich  (9  Li- 
nien )  hohe  Stäbchen  zerschnittene  Kupfer,  durch  ein  Paar 
stählerne  Backen,  die' sich  nach  Bedürfnifs  verstellen  las* 
sen,  festgehalten  wird,  während  der  (gehärtete)  stählerne 
Buchstabenstämpel  (die  Patrize),  immer  nur  auf  eine  ge» 
wisse  Tiefe,  eingeschlagen  wird« 

Das  Setzen  wird -mit  den  beweglichen  Matrizen  »o 
vorgenommen ,  wie  in  den  gemeinen  Buchdruckereien  mit 
den  Lettern ,  den  Umstand  ausgenommen ,  dafs  sie  von  der 
Linken  zur  Bechten,  also  in  der  Bichtung  wie  man  liest, 
neben  einander  gestellt  werden.  Wenn  eine  Kolumne  auf 
diese  Art  fertig  geworden  ist,  bringt  man  sie  in  einen 
Bahmen  von  eigener  Einrichtung,  die  sogleich  beschrie- 
ben werden  soll. 

Dieser  Bahmen  ist  von  Eisen  und  genau  so  hoch^ 
als  die  beweglichen  Matrizen  (9  Linien);  die  Starke  des* 
selben  wird  durch  seine  Gröfse  bestimmt,  und  diese  ihtifs  ' 
sich  nach  der  Gröl'se  des  Formates  richten,  in  welchem 
gesetzt  wird.  Ton  zwei  Seiten  dieses  Bahmens  gehen 
Schrauben  durch  denselben,  welche  auf  ein  Paar  gehärtete 
stählerne  Schienen  und  mittelst  derselben  auf  die  eingesetz- 
ten Matrizen  drücken,  um  sie  fest  zu  stellen.  DerBahmett 
hat  eine  starke ,  glatt  abgerichtete  eiserne  Platte  zur  Un-« 
terlage,  welche  an  dem  Boden  desselben  mittelst  Schrau* 
ben,  deren  Köpfe  versenkt  sind,  befestigt  ist.  Diese  Platte 
besitzt  aufserdem  zwei  mit  Schraubenmuttern  versehene 
Löcher,  mittelst  deren  sie  nebst  dem  Bahmen  in  der  Kli* 
chirmaschine  festgehalten  wird.  Auf  der  obern  Seite  ist 
der  Bahmen  mit  einem  eine  Linie  dicken  Eisenblech  be*« 
deckt,  welches  durch  Sehrauben  daran  befestigt,  und  ge-' 
nau  so  grofs  ist,  als  der  Umfanp:  des  Bahmens  selbst.  Die-^ 
se»  Blech  hat  eine  viereckige  Ofinung,  die  aber  nicht  in 
der  Mitte  sich  befindet,  sondern  an  einer  breitern. und 
einer  schmälern  Seite  des  Bahmens  weiter  von  dem  Bandei 
dieses  letztern  absteht.  Unter  den  hierdurch  entstehen-* 
den  Yorsprüngen  des  Eisenbleches  liegen  die  oben  er* 
wähnten  stählernen  Schienen  ^   die  genau  so  hoch  als  der* 


558 

Bahmen ,  und  so  breit  ab  jene  vorstehenden  Bänder  des 
eisernen  Deckels  sejn  müssen^ 

Das  ]^orrigiren  der  aus  beweglichen  Matrizen  zusam- 
mengesetzten Seiten  ist  aufserordentlich  leicht:  man  braucht 
nur  die  Schrauben  des  beschriebenen  Rahmens  etwas  nach- 
zulassen, die  Matrizen  nach  Gefallen  heraus  zu  nehmen 
und  durch  neue  zu  ersetzen.  Nach  dem  Korrigiren  schrei* 
tet  man  zum  Abklatschen  der  Matrizen ,  welches  dadurch 
geschieht,  dafs  der  zuvor  erwähnte  ^Rahmen  sammt  den 
m  denselben  geselzten  Kolumnen  senkrecht  auf  eine  ge- 
schmolzene und  in  einer  Umgebung  von  Papier  befind- 
liche Mischung  aus  4o  TheilenBlei  und  20  Tb.  Spiefsglän2 
herabfallt.  Der  Bahmen  wird  zu  diesem  Behufe  mittelst 
sweier  Schrauben  an  das  Ende  einer  vertikalen  eisernen 
Stange  befestigt ,  und  man  braucht  nur  eine  Auslösung  za 
machen,  um  ihn  sammt  dieser  Stange  zum  Fallen  sti 
bringen. 

Die  Ivlichirten  Platten ,  auf  nirelchen  die  Buchstaben 
natürlicher  Weise  verkehrt  und  erhaben  erscheinen ,  müs- 
sen zum  Abdruck  alle  auf  gleiche  Höhe  gestellt  werden. 
Zu  diesem  Ende  hat  der  Erfinder  mehrere  yorricmingen 
für  eine  gewöhnliche  Drehbank  erdacht  und  ausfuhren  las- 
sen ,  welche  bestimmt  sind,  die  Platten  fest  zu  halten^ 
wenn  man  sie  auf  der  untern  Seite  glatt  abdrehen  '^il^* 
Dals  diese  letztere  Arbeit  mit  Hülfe  eines  Supportes  ge- 
schehen müssb ,  braucht  wohl  kaum  erinnert  zu  werden^ 
nm  so  weniger,  da  es  überdiefs  nöthig  ist«  den  Grabstichel 
bei  keiner  Platte  mehr  von  d^m  Metall  wegnehmen  zu  las- 
sen, als  das,  was  über  die  bestimmte  Höhe  hervorsteht*)- 
Es  ist  aufsei*dem  nothwendig,  die  beiden  Seiten  einer  jeden 


*)  Bei  dem  Allen  hält  es.  doch  zuweilen  schwer,  die  klicbirteo 
Kolumnen  auf  einer  Formin  genau  gleiche  Höbe  tu  stellen; 
und  dafs  bei  Ermanglung  dieses  tlmstandes  die  abdrücke 
ungleich  ausfallen  müssen,  ist  begreiflieb.  Beachtenswertli 
scheint  daher  der  Vorschlag  des  Engländers  Ferguson  (^^ 
pertory  of  Aris  elc,  April  1823 1  pag.  57),  die  einBelnes 
Platten  auf  eine  '/^  S^oll  dicke  elastische, Unterlage  von  Kork 
9iu  setzen«  Die  etwa  hülier  stehenden  Kolumnen  können 
bei  dieser  Veranstaitiinj;  leicht  dem  Öruck  der  Presse  nac'*' 
geben,  und  man  wird  der  Gleichförmigkeit  des  Abdruckes 
versichert  seyn. 


559 

Platte  abzuschrägen ,  damit  sie  in  dem  bald  zn  beschrei* 
benäen  Kolumnenträger  {Porte  -  page)  festgehalten -werdoa 
hönne.  Zur  Verrichtung  dieser  Arbeit  dient  eine  messin- 
gene Tafel ,  auf  welcher  sich  zwei  parallele  Lineale  befin- 
den, das  eine  mit  schräger  Nuth  an  der  Seite:  das  andere 
blofs  zum  Anschlag  eines  Hobels  bestimmt,  dessen  schräg 
abgeschnittenes  Eisen  die  Kanten  der  Platte  bestöfst,  wäh- 
rend eine  quer  liegende,  verstellbare  Leiste  die  letztere 
fest  hält.  Die  ganze  Vorrichtung  wird  zwischen  die  Backen 
eines  gewohnlichen  Bestofszeuges  eingespannt. 

r       • 

£s  erübrigte  nodh^  ein  Mittel  za  finden,  wodurch 
aus  den  abgeklatschten  Kolumnen,  die  nicht  über  (4  MilU" 
metrts)  zwei  Linien  dick  sind,  eine  geschlossene  Form  ge*< 
bildet  werden  konnte.  Sie  auf  Holz  nageln ,  auf  Unterla- 
gen von  Blei  oder  Kupfer  befestigen ,  das  Ganze  dann  mit 
einem  Rahmen  umgeben :  keines  dieser  Mittel  genügte  deiä 
Erfinder^  er  verfertigte  daher  einen  eigenen  Ko/um/if/itrög^er 
von  nachstehender  Einrichtung.  Auf  einer  ebenen  messinh* 
genen  Platte  von  (7  Millim,)  3Viq  Linien  Dicke  sind,  mit- 
telst Schrauben,  Leisten  aus  demselben  Metalle,  und  von 
(2  Millim.)  7io  Linien  Dicke  befestigt,  welche  naeh  unten 
zu  einwärts  abgeschrägt  sind,  und  die  Stelle  der  sonst  ge- 
wöhnlichen Stege  vertreten.  Zwischen  diese  Leisten  wird 
die  abzudru<!kende  klichirte  Platte  mit  ihren  gleichfalia 
abgeschrägten  Kanten  eingeschoben.  Eben  so  legt  man 
an  der  obern  und  untern  Seite  jedes  Formates  (formaC) 
kleine  messingene,  an  beiden  Enden  abgeschrägte  Leisten 
Tor,  wodurch  die  Genauigkeit  des  Wiederdruckes  sicher 
gestellt  wird.  Der  auf  diese  Art  mit  seinen  Formaten  ver- 
sehene Kolumnenträger  hat  nichts  ßewe;;liches ,  als  eine 
eigene  Querleiste ,  die  auf  einer  Seite  mit  Schrauben  be- 
festigt wird,  und  die  einzelnen  klichirten  Kolumnen  ganz 
unverrückbar  macht.  Der  Abdruck  geschiebt  auf  die  ge- 
wöhnliche Art.  Bemerkt  man  während  desselben  einen 
früher  nic^it  korrigirten  Fehler^  oder  wird  durch  die 
Presse  ein  oder  der  andere  Buchstab  verdorben,  so  ist 
es  keineswegs  nölhig,  die  ganze  Kolumne  neu  zu  setzen 
und  abzuklatschen  ;  sondern  man  braucht  nur  die  fehler- 
hailen  Stellen  herauszubohren,  das  Loch  viereckig  zu  ma- 
chen ,  i>nd  eine  gewöhnliche  Letter  statt  der  entfernten 
einzuiöthen.  ,  Der  Erfinder  hat  für  diese  Operation  eine 


S0a 

eigene  Maschine  angegeben«  irelche  beiläufig  in  Folgen« 
dem  besteht« 

Das  Hanptstück  derselben  i^t  eine  än(  tier  Fnfseri 
ruhende  und  sorgfaltig  zugerichtete  messingene  Platte. 
Auf  dieser  stehen  zwei  stählerne  Stützen ,  an  welchen  eine 
ebenfalls  stählerne  Querstange  mittelst  ein  paar  Büchsen 
sich  auf  und  nieder  schieben,  und  in  jeder  Höhe  feststellen 
läfst«  Durch  eine  andere  Büchse  ist  auf  dieser  Quersunge 
ein  Stämpel  zu  Terschieben ,  der  demnach  über  jede  b^ 
liebige  Stelle  der  klichirlen  Platte  gebracht  werden  kann. 
Hat  nun  der  Stämpel  genau  die  Gestalt  des  iii  die  Platte 
zumachenden  Loches,  ütid  ist  er  senkrecht  über  der  w 
korrigirenden  Stelle  mittelst  einer  Schraube  befestigt^  aa 
kann  derselbe  durch  einen  leichten  Hanimerschlag  abwärts 
getrieben  werden  ^  wo  er  dann  sogleich  die  Platte  an  dem 
terlangten  Punkte  durchschlägt.  Dafs  diese  Maschine  nJX 
grofser  Genauigkeit  gebaut  sefn  müsse,  ii^enn  sie  ihre 
Herstellung  durch  den  Gebrauch  lohnen  soll ,  sieht  man 
ohne  Erinnerung  ein.  Immer  wird  aber,  selbst  bei  die- 
sem Htüfsmittel ,  das  Korrigiren  schon  abgeklatscKter  Uo-' 
lumnen  eine  milsliche  Sache  bleiben. 

£ine  Abänderung  des  /Ter/tan'schen  Terfahrens  zu  ste^ 
teotypiren  ist  die  neuerlich  (182^)  in£ng/iindpatei|tirteVe' 
thode  des  WilltUm  Coagrepe,  Die  yertieft  geschnittenen  mes- 
singenen Tjpen  werden  hier  nicht  abgeklatscht',  um  eine 
zum  Büch^rdruck  geeignete  Platte  zu  bilden ;  sondern  der 
Erfinder  schlägt  vor,  die  ganze  Matrize  nebst  einer  daraaf 
gelegten  Zinnplatte  durch  eine  starke  WaJzenpresse  (von 
der  Bauart  der  gemeinen  Kupferdruckerpresse)  geben  ttf 
lassen,  und  auf  diese  Art  in  sehr  kurzer  Zeit  eine  yoUstan- 
dige  Kopie  derselben  zu  veranstalten  {London  Journal  (ff 
Ans  and  Sciences ^  Nro.  XXYIII  April  iÖ23). 

c)    Didot's  Methode^ 
Diese  Methode,  welche  ror  den  beiden  beschriebenen 
den  Yortheil  einer  leichtern  Ausführbarkeit  hat,  besteht 
in  Nachfolgendem« 

Man  fangt  damit  an ,  Lettern  ganz  von  der  gewöhnli* 
eben  Gestalt,  aber  aus  einer  härtern  Mischung,  als  das 
Schriftgiefsermctall ,  nähmlich  aus  einer  Legirung  top  7 


56j 

Pfund  Blei,  9  Pf,  Spiefsglahs ,  i  Pf«  Komposition,  aas  Vi« 
Zinnadd  7io  Kupfer,  zu  giefsen:  diese  werden  dann  mit  den 
bekannten  Handgriffen  Zeile  für  Zeile  neben  äinand^r  ge- 
setzt, solange,  bis  eine  Kolumne  fertig  ist,  die  cfidlich 
in  einen  Hahmcn  gebracht  und  durch  Schrauben  in  dem* 
selben  fcfstsehalten  wifd« 

Man  verfertigt  sich^eihen  Bahmen  yon  jenen  Simen« 
«tonen,  welche  die  zu  stereotypirende  Kolunrine  besitzt; 
dieser  Bahmeif ,  der  yon  Eisen,  Messin^g  oder  Kupfer  ist,  ^* 
und  einen  eisernen  Bodc^ii  hat,  wird  mit  einer  Platte  von 
reinem  weichem  Blei  angefüllt,  und  in  diese  druckt  man 
die  gesetzten  Kolumnen  dadurch  ab,  dafs  man  sie  darauf 
legt  und  das  Qan>ce  der  Wirkung  eider  starken  Schrauben- 
presse unterzieht;  Der  auf  diese  Art  bereitete  vertiefte 
Abdruck  des  Satzes  kann  als  Matrize  zum  Abklatschen  der 
Stereotjpen tafeln  dienen ,  die  hatürlich  aus  einem  Metall 
verfertigt  werdifn  müssen  •  welchem  bedeutend  leichtflüssi-* 
ger  ist,  als  das  Blei.  IHdoi  bediente  sich  hierzu  (was  aber 
in  d(^r  Beschreibung  nicht  angegeben  ist)  dek*  bekannten 
Darcel*3ehen  Legirung  voa  8  Theilen  Wismuth ,  5  Th.  Blei 
und  3  Th.  Zinn/ 

Vergleicht  man  Aäs  Terfaihren'  des  t)idot  mit.  den  blei* 
den,  welche  früher  ans  einander  gesetzt  worden  sind,  so 
erhellt  die  Vorzüglichkeit  desselben  auf  die  unzweideutig- 
ste Weise.  Hier  ist  keine  mühsame  Verfertigung  thöner- 
Der  oder  kupferner  Matrizen;  hier  ist  kein  neu  einzuler- 
nendes Verfahren  beim!  Setzen ;  hier  ist  endlich  keine  yon 
jenen  vielen  Unbequemlichkeiten,  'Welche  insbesondere 
bei  dem  HoJJfmamt'schent  Verfahren  mit  dem  Abklatschen 
thönerner  Matrizen  jederzeit  verbdndenseyn  müssen.  Zwar 
bat  die  Herhansche  Methode  den  uiyläugbaren  Vorth^il, 
dafs  die  Stereotypen  die  erste'  Erhabene  Kopie  der  geschnit- 
tenen stählernen  Patrizen  sind,  und  daher  eine  grofse 
Schärfe  besitzen  müssen ,  während  die'  Duio^'schen  Druck«' 
platten  erst  eine  Kopie  von  der  Kopie  (nähmlich  ein  Ab- 
druck der  schon  einmahl  abgegossenen  L'ettern)  sind :  allein 
die  Ansicht  der  mit  Recht  beliebten  Diäot'ichen  ^iereolf* 
pendrucke  ben^eiset ,  dafs  dieser  Umstand  der  Schärfe  der 
Umrisse  eben  Aeinen  Schaden  zufüg-t.  Übrigens  mulff 
man  gestehen,  dafs  die  Vollständigkeit  von  Didot^s  Be- 
schreibung Manches  zvi  wünschen  übrig  läfst,.  indem  die 

jAhrb.  a«0  f6tj%^  Ia»C»  IV.  IM.  ^^ 


5651 


darnach  Toteunehmcndo  Verfertigung  stereotypirter  PUv 
ten  noch  mehrere  nicht  angegebene  Yorrichtungeo  und 
Werkzeuge,  ja  ganze  Operationen,  nöthig  machen  dürfte. 
Hierher  gehört  z.  B.  das  Abhobeln  der  bleiernen  MaUizeo, 
welches  vor  dem  Abklatschen  verrichtet  werden  muCs,  noi 
den  um  die  Buchstaben  herum  aufgestiegenen  Grath  weg- 
zunehmen«  | 

t)a8  im  Jalire  1798  (17.  Februar)  palentirte  Veriak- 
ren  des  Hupferstechers  Gaiieaux  zu  Paris  hat  mit  dem  D»- 
Wot'schen  die  gröfste  Aehnlichkeit  Die  beweglichen  Let- 
tern V  welche  auf  die  gewöhnliche  Art  zu  einer  Form  sn- 
sammengesetzt  werden,  bestehen  hierbei  aus  einer  Mischung 
von  a  Th.  Zinn  und  1  Th.  Silben  Die  gesetzte  und  durch 
Schrauben  in  einem  Rahmen  zusammengehaltene  Form 
wird  mit  Hülfe  einer  Presse  in  Blei  abgedruckt ,  und  mas 
erhält  so  eine  zum* Abklatschen  in  Schriftgiefsermetall  ge- 
eignete Matrize.  Didot  hat  diesen  Prozel's ,  um  ihn  tob 
dem  seinigen  zu  unterscheiden  ^  MonoiQrpa^e  genannt  (fr«- 
vet$,  Tome  JJ)i 

Auch  die  Methode  der  Stereotypen  -  Verfertigang» 
worauf  August  Jpplegath  in  England  den  s3.  April  1818  p*- 
tentirt  wurde,  weicht  von  dem  Yerfahren  DidoVs  nicht 
sehr  wesentlich,  und  vorziiglich  nur  darin  ab ,  dafs  die  zum 
Abklatschen  nöthige  Matrize  nicht  durch  Einpressen  dei 
Satzes  in  Blei,  sondern  ebenfalls  wieder  durch  Abklatschen 
in  eine  Mischung  aus,  20  Th.  Blei,  2  Th.  Spiefsglanz  und 
1  oder  2  Th.  Wismuth  ^  hervorgebracht  wird.  AppUgath'» 
Klichirmaschine ,  die  man  im  Januarhefte  1820  des  ^e/)«^ 
^ory  qf  Ans  beschrieben  und  abgebildet  findet,. wirkt  durch 
zwei  vorher  stark  gespannte  Federn ,  welche ,  im  Augen- 
blicke der  Auslösung,  die  abzuklatschende  Form  mit  gröfster 
Gewalt  auf  das  noch  weiche  Metall  niederschleudern. 

^  d)   Englische  Methode. 

Man  wird  ,es  nicht  unzweckmäfsig  finden,  wenn  ick 
hi^  noch  Einiges  von  den  aufser  Frankreich  über  den 
Stereotypendruck  gemachten  Versuchen  anreihe,  um  i^' 
durch  eine  möglichst  vollkommene  Übersicht  dieses  Kuast* 
Zweiges  zu  verschaffca* 


563 

Unter  dem  Nahmen  der  englischen  StereoPjrpen  -  Ferjer^ 
iigung  ist  erst  kürzlich  eine  eigenthümliche  Methode  zur 
Erzeugung  unbeweglicher  Druckplatten  bekannt,  und  in 
dem  unten  angezeigten  Werkche,n  beschrieben  worden  ^), 
wovon  das  Nachstehende  ein  kurzer,  frei  bearbeiteter  Aus* 
zug  ist« 

Das  Haupts&chlichste  dieses  Verfahrens  besteht  i)  in 
der  Terfertigung  der  Matrizen ,  und  2)  in  dem  Abgiefsen 
derselben  mittelst  eines  Meialles,  dessen  Znaammensetzüng 
aber  anzugeben  vergessen  wurde. 

Das  Material  zu  den  Matrizen  besteht  in  ganz  fein  ge* 
riebenem  und  durchgesiebtem  Gjps  (bei  dessen  Auswahl 
man  nur  darauf  zn  sehen  hat,  dals  er  nicht  zu  altsey,  weil 
er  durch  längeres  Liegen  s^ine  Bindkraft  gröfstentheiU 
verliert),  rothem  Bolus ,«  und  in  einer  dünnen  Abkochung 
von  Hausenblase.  iSVi  Loth  (Wien.  Gew.)  Bolus  werdea 
in  Stücke  zerschlagen  und  in  1  V4  Mafs  Wasser  geworfen, 
worin  sie  sich  nach  wenigen  Minutto  zertheilen. 

» 

Das  Stereotjpiren  wird,  wie  jedes  Mahl,  nur  mit  ein«- 
iselnen  Kolumnen  vorgenommen ,  weil  sowohl  die  Yerfer* 
tigung ,  als  das  Abklatschen  oder  4''g^6^^c>^  gröfserer  Ma- 
trizen bedeutenden  Schwierigkeiten  unterliegen  würde. 
Die  betreffende ,  aus  gewöhnlichen  metallenen  Lettern  zu* 
aammei^gesetzte Kolumne  wird  voraus  auf  ein  plattes,  mes- 
singenes oder  marmornes  Fundament  gestellt,  und  durck 
einen  kleinen  eisernen  Keil-  oder  Schi*aubrahmen;  der  in 
seiner  Einrichtung  von  den  gewöhnlichen  Schliefsrahmen 
der  Buchdrucker  nicht  abweicht,' zusammengehalten;  man 
umgibt  sie  ferner  mit  einem  */^  Zoll  hohen ,  auf  niedrigen 
Füfsen  ruhenden,  aus  Messing  gegossenen  Bahme'n,  und 
giefst  endlich  den  gehörig  zubereiteten  Gjps  auf.  Um 
aber  das  Anhängen  dieses  letztern  an  die  metallenen  Let- 
tern zu  verhindern ,  und  das  Abnehmen  der  fertigen  Ma- 

^}  »Enthülltes  Geheimnifs  d^r  englisehen  Stereotypen -V^rfer« 
tigung ,  wichtig  für  die  Schriftgiefser  und  Buchdruclier,  die 
sich  auf  diese  Art  die  Stereotypcnplatten  selbst  giefsen  kön- 
nen. 8.  Mit  vielen  Holzschnitten.  Leiftug^  im  Industrie- 
Horoptoir «  1892.«-—  Beiläufig  gesagt,  ein  Muster  von  ver- 
wirrter und  unverständlicher  Beschreibung,  und  daher  wokl 
eines  erläuternden  Ausr.nges  l^edürfV^. 

36* 


564 

trize  leichter  zu  machen,  müfiscn  mehrere  Yorsicliten 
beobachtet  Yerden ,  deVen  yernachlässigiing  unzweifelhaft 
das  Mifslingen  der  ganzen  Operation  nach  sich  ziehen  wurde, 
liierzu  gehört,  aufser  der  Anwendung  sehr  hoher,  mit  dem 
Kegel  der  Schrift  fast  gleichlaufender  Quadrate  beim  Setzen 
der  Koluninen ,  das  Bestreichen  dieser  letztern  mit  Baum- 
öhl,  welches  aber  gewifs  der  Schärfe  der  Lettern  schäd- 
lich sejn  würde  f  wenn  man  nicht  den  Überflufs  des  Öhles 
durch  Abwischen  mit  einem  ledernen  Kissen  wieder  l>e- 
seiiigte» 

» 

Das  Giefsen  der  Matrize  wird  mit  den  bekannten,  beim 
Gypsgicfsen  überhaupt  angewendeten  Handgriffen,  vorge- 
nommen :  man  vermischt  die  oben  angegebene  Quantität 
Boluswasser  mit  lo  bis  id  Tropfen  einer  dünnen  AbliocUun; 
von  Hausenblase  f  und  setzet  dieser  Flüssigkeit  so  vielGvp!» 
zu,  als  zur  Hervorbringung  einer  syrupartigen  Konsistenz 
nöthig  ist$  dann  giefst  fnan  die  Hälfte  davon  auf  die  in  dt*m 
Hessingrahmen  befindliche  Koltimncf,  und  hilft  der  Ter* 
breitung  miteirier  weichen  Haarbürste  nach,  bevor  man 
den  Rest  der  Masse  aufschüttet.  Mit  einem  eisei*nen  Lineale 
wird  das  Überflüssige  von  dem  Rahmen  abgestrichen,  und 
man  wartet  sonach  das  Festwerden  des  Gjpses*,  welches 
innerhalb  (r  bis  8  Minuten  erfolgen  wird<  ab.  Um  dasselbe 
zu  beschleunigen,  dürfte  es  raihsam  seyn,  den  Gyps  vor 
dem  Gebrauch  zu^erwärmen  ,  weil  er  dadui'ch  das  aus  der 
Luft  etwa  abscrrbirte  Wasser  verliert,  und  eine  gröfsere 
Bindkraft  erhäk. 

Das  tierausnehmen  der  Matrize  aus  demBahmen  mafs 
teilt  Vorsicht  geschehen ;  man  bestc^fst  sie  hierauf  rund 
herum  mittelst  eines  scharfen  Meifsels ,  und  gibt  endlich 
dem  hoher  stehenden  Rande  derselben  an  jeder^  der  vier 
Seiten  zwei  Kerbi^n  oder  Einschnitte,  welche  beim  nach* 
folgenden  Giefsen  der  Druckplatten  das  Einströmen  des 
Metalles  erlauben.  Um  die  Matrizen  zum  Giefsen  yorza- 
bereiten,  ist  es  nöthig^  sie  erst  an  der  freien  Luft,  dann 
aber  in  einem  eigenen  schwach  geheitzten  Ofen  gut  auszu- 
trocknen, zu  welchem  Behufe  man  sie  senkrecht  zwischen 
eine  Art  von  Gitter  aus  Eisendraht  stellt. 

Das  Abgiefsen  selbst  ist  die  wichtigste  Operation,  und 
diejenige >  welche  hier  au(  eine  sehr  sinnreiche  Art  aus- 


565 

geführt  ^ird.  Die  getrockneten  Matrizen  yrerden  nähmlich 
in  eine  ebenfalls  ernrärmte  gufseiserne  Pfanne  gelegt,  und 
aammt  dieser  in  das  geschmolzene  Metall  (vielleicht  Schrift* 
giefsermetall?)  eingetaucht.  Dadurch  füllt  sich  die  Höh- 
lang der  Pfanne  mit  diesem  letzleren,  und  der  Gufs  ge- 
schieht so  ohne  weiteres  Zuihun  des  Arbeiters  *)• 

Die  erwähnte  Pfanne  ist  ans  Eisen  gegossen,  nnd 
alle  ihre  Theile  sind  ebf?n  geschliffen ,  dann  aber  im  Feuer 
blau  angelassen,  vermuthlich  um  das  Anhängen  des  Metal- 
les beim  Abgiefsen  der  Matrizeii  zu  yerhindern.  Sie  hat 
eine  länglich  viereckige  Gestalt,  und  ist  unten  etwas  enger 
als  oben  ;  die  Dicke  des  Bodens  und  der  Seitenwände  wird 
auf  Vs  Zoll,  die  Höhe  im  Lichten,  d.  h.  ohne  den  Boden, 
auf  2  ^/s  Zoll  angegeben.  Auf  dem.  Boden  der  Pfanne  liegt 
eine  ebenfalls  eiserne ,  V4  ^^^^  dicke  und  auf  vier  Füfsen 
Ton  7»  Zoll  Höhe  ruhende  Platte,  welche  so  grofs  ist,|^dafs 
sie  auf  allen  Seiten  um  ilie  Dicke  eines  Kartenblattes  von 
den  Wänden  der  Pfanne  absteht.  Auf  diese ,  oben  wohl 
abgeschlificne  und  geebnete,  Platte  hommt  die  Matrize 
umgekehrt  mit  ihrem  Bande  so  zu  liegen ,  dßfs  zwischen 
beiden  ein  Baum  entsteht,  welcher  die  Dicke  der  Druck- 
platte  im  Voraus  bestimmt.  Damit  aber  beim  Untertau-» 
,  eben  der  Pfanne  die  Matrize  Ton  dem  flussigen  Metall  nicht 
zu  sehr  gehoben  werde,  mufs  das  Ganze  mit  einem  Deckel 
yersehen  werden,  der  ebenfalls  von  Eisen,  auf  der  obern 
Seite  mit  einem  eisernen  Breuze  (um  ihn  stärker  zu  ma- 
chen) yersehen ,  und  an  ^  den  vier  Ecken  abgestumpft  ist, 
damit  hier  eben  so  viele  Ofinungen  entstehen ,  durch  wel«? 
che  das  Metall  in  die  Pfanne  fliefsen  kann.  Jede  Ecke  des 
Dechels  trägt  überdiefs  ein  Ohr,  und  mit  diesem  stöfst 
eine  auf  der  untern  Seite  befindliche  muschelaHige  Ver- 
tiefung zusammen ,  deren  Ausführung  zwar  dringend  em^ 
pfohlen ,  deren  Bestimmung  aber  nicht  angegeben  wird. 

• 

Das  Einsenken  der  auf  die  beschriebene  Art  ToVge-« 
richteten  Pfanne  in  das  zum  Giefsen  bestimmte  Metall  ge^ 
schiebt  mit  Hülfe  eines  Brahns,  an  welchem  sie  mitteUt 
Schrauben  befestigt  ist;  ^nd  durch  ein  einfaches  Mittel 
wird  dieselbe  während  7  bis  10  Minuten  unter  der  Ober- 

*)  Ein  ahnliches  Verfahren  cum  Giefscn  von  Battupdnickfot«' 
men  siehein  diesen  Jahrb.  Bd.  III,  S.  11 5. 


566 

fläche  des  in  einem  yieir^ckigen  eif^rnen  Kessel  befindU- 
eben  Metalles  erh^lt^n. 

In  dcni  Aue^enblicke  des  Untertaachens  zeigen  siel» 
auf  der  Oberfläche  des  Metailes  vier  kleine  unschädlicke 
Luftblasen ,  welche  von  dem  Einströmen  desselben  an  dai 
Ecken  der  Pfanne  entstehen.  Sollten  diese  Blasen  sich  an- 
mäfsig  vergröisern  oder  gar  ^in  lärmendes  Geräusch  Ter- 
ursachen ,  so  wäre  d^s  ein  ßeweis  von  der  Nachlässigkeit 
des  Arbeiters,  der  entweder  die  Matrize  nicht  hinlänglich 
getrocknet,  oder  die  Hitze  des  Metalles  zu  sehr  hat  as- 
wachsen  lassen  In  beiden  Fällen  wird  man  einen  mangel- 
liaften  4bgufs  zci  erwarten  haben. 

Nach  Verlauf  der  vorgeschriebenen  Zeit ,  welche  to 
kleii^ere  Schrift  länger  bemessen  werden  mafs,  als  für 
grofse  9  wird  die  Pfanne  aus  dem  Metallkessel  heransge« 
nommen ,  und  zur  Abkühlung  in  ein  sogenanntes  Hublfa^ji 
gebracht«  Dieses  letztere  ist  eine  hölzerne,  von  innen 
ausgepichte  Wanne;  in  seiner  halben  Hohe  Hegt  auf  Lei- 
sten ein  mit  nassem  Sande  zwei  Finger  dick  beslreotes 
Brqt ,  auf  welches  die  Pfanne  zur  Abhühlnng  gesetzt  wir3. 
.Um  das  Festwerden  des  eingegossenen  Metailes  zu  be« 
schleunigen,  ist  es  auch  gut,  Wasser  in  die  Wanne  « 
gieisen ,  um  dasselbe  so  hoch  steigen  zu  lassen ,  dafs  es 
mit  dem  Sande  gleich  steht.  Die  gewöhnliche  ium  Abküh- 
len nöthige  Zeit  beträgt  eine  Stunde.  Nach  Verlauf  dieses 
Termins  wird  die  Pfanne  aus  djcm  Kühlfafs  genomm^i^t 
und  auf  einen  hölzernen  Klotz  gesetzt,  wo  man  zuerst  den 
peckel  abschlägt ,  und  dann  zum  Herausnehmen  der  PUtt* 
schreitet. 

V7ährend  des  zutoü  erwähnten  Gusses  hat  das  an  dev 
Ecken  der  Pfanne  eingeflossene  Metall  den  Raum  zwi' 
sehen,  der  auf  ihrem  Rande  hohl  liegenden  Matrize t  o^" 
der  in  der  Pfanne  bcHndlichen  eisernen  Platte  (s,  oben) 
ansgefüllt;  zugleich  ist  das  Metall  unter  die  erwähnte  Pin^^ 
geflossen ,  hat  dieselbe  gehoben ,  und  sammt  der  Matrue 
an  den  Deckel  der  Pfanne  angedrückt ;  in  diesem  Zustande 
ist  das  Ganze  bis  zur  Ypllendung  des  Gusses  geblieben^ 
und  daher  kommt  es,  dafs  jene  eiserne  Platte  jetzt  gnn' 
in  dem  Metall  yerbprgen  ist,  und  durch  yorsichtig  ge|tlkrt< 
ilammerschläge  davon  getrennt  werden  mofs« 


5Ö7 

So  umständlich  diese  Art ,  die  Matrieea  abEugiefaett, 
auch  immer  seyn  mag;  so  hat  sie  doch  bedeutende  Vo^t 
aüge  vor  dem  einfachen  Aufgleisen  i|es  Metalls ,  ja  selbst 
Tor  dem  Abklatscheq.  Das  gescfimolzene  Metall  bleibt 
hier  einige  Zeit  in  vollkommen  llüssigem  Zustande  mit  der 
Matrize  in  Berührung ,  und  es  wirke  aufserdem  durch  sei- 
nen hydrostatischen  Druck ,  vrefswegen  auch  der  Abgufs 
iim  so  besser  ausfallen  mufs,  je  tiefer  die  Pfanne  in  den 
Kessel  eingetaucht  worden  war.  Übrigens  ist,  begreifli- 
cherweise, die  Matrize  nur  ein  einziges  Mahl  brauchbar 
und  geht  mit  der  Verfertigung  des  Gusses  yerloren» 

Die  von  den  Matrizen  abgenommenen  Druckplattbit 
werden  mittelst  einer  nassen  Bürste  von  den  noch  daran' 
hängenden  Gypstheilen  gereinigt,  dann  auf  hölzerne  Stocks 
chen  genagelt  oder  angeschraubt,  so,  dafs  sie  genau  die 
Schrifthöhe  bekommen ,  und  so  sind  sie  zum  Abdruck  tauff^ 
lieh.  Weil  jedoch  die  Verfertigung  einer  grofsen  Zahl 
solcher  Stöckchen  eine  nicht  unbedeutende  Auslage  verur- 
sachen würde,  seist  es  besser,  sich  eine  eigene  Art  Un- 
tersätze von  nachfolgender  Einrichtung  verfertigen  zu  las- 
sen. Aus  einem  harten ,  gut  ausgetrockneten  Holze  wer- 
den nähmlich  Bretchen  von  der  Gröfse  des  Formates  ver- 
fertigt ;  diese  tränkt  .man  wiederbohlt  mit  siedendem  Öhl, 
damit  sie  der  Wirkung  der  Feuchtigkeit  widerstehen,  und 
Tcrsieht  sie  endlich  auf  drei  Seiteu  mit  schrägen  Kantea 
aus  Messing,  zwischen  welche  die  gegossenen,  an  den 
Rändern  gleichfalls  abgeschrägten  Druckplatten  etwa  so 
eingeschoben  werden ,  wie  die  Zunge  des  gewöhnlichem 
Buchdruckerschiffes  in  ihren  Rahmen.  Es  braucht  wohl 
kaum  erinnert  zu  werden,  dafs  die  Dicke  des  Bretes  und 
jene  der  Platten  zusammengenommen  genau  der  Schrift- 
höhe gleich  seyn  müssen,  damit  der  Abdruck  durch  Hülfe 
der  Presse  ohne  Anstand  vor  sich  gehen  könne.  Um  das 
Abschrägen  der  MeuUplatten  möglich  zu  machen,  mufs 
man  schon  beim  anfänglichen  Setzen  jede  zu  stereotvpi- 
rende  Kolumne  auf  allen  Seiten  mit  7a  Zoll  breiten.,  bis 
an  den  Hegel  der  Schrift  reichenden,  Linien  um^^eben. 
Diese  vier  Liilien  drücken  sich  begreiflicher  Weise  In  der 
Matrize ,  und  daher  auch  in  dem  Gufs  aus ,  und  wardea 
späterhin  mittelst  eines  Hobels  schräg  ab|estofsen,  wobei 
man  sich,  um  jede  Verletzung  der  dicht  daran  stehvndm 


m 

Schrift  zu  rerYiindern ,  einer  zwepkinafsig  gebauten  \o^ 
riclitung  iKirA  bedienen  müssen. 

Q«     SUreotfpendrvckerßi  im  österreichischen  Kaiserstaale, 

In  der  österreichischen  Monarchie  hat  es  seit  ^nge- 
|:*er  Zeit  nicht  an  Yersuchen  zu^*  Einführang  des  Stereotj- 
pendrnches  gefehlt.  Mit  einstweiliger  Übergebung  der 
früheren,  berühre  ich  hier  das  Unternehmen  des  ]Sor4aine- 
rihaners,  John.  fVaits^  der  seit  dem  Jahre  i8i<)  in  Ter* 
ibindang  mit  der  königlichen  Universitats  -  Buchdruckern 
zu  OJcn  eine  Stereotypendruckerei  eingerichtet  hat;  das 
Ton  ihm  hierzu  erlangte  ausschliefsende  Privilegium  ist 
Tom  29.  August  |ih8  datirt.  Aus  mehreren  Umstäpdea 
-Vfird  es  wahrscheinlich,  dafs  die  von  H^aUs  zuf  Erzeugung 
seiner  festen  Druckplatten  befolgte  Methode  heine  andere 
sey,  als  die  eben  zuvor  beschriebene  englische,  welchci 
wie  nicht  geläugnet  werden  k^nn  ,  vor  allen  übrigen  Ver- 
fahrungsar ten  mehrere  Vorzüge  besitzt.  Übrigens  stehen 
^ie  pieisten  von  den  in  Ofen  bereits  stereofypirten"  ^Ter- 
ken ,  die  mir  zu  Gesicht  gekonimen  sind ,  den  bekannten 
Didot  sehen  Drucken  sowohl  ßu  Schärfe  der  Lettern,  aUf 
und  zwar  vorzüglich,  in  Rücksicht  auf  Korrektheit  des 
S^tz^s,  weit  nach.  Ein  glücklicher  Gedanke  war  es ,  sich 
yorerst  blofs  auf  die  gemeinsten  Lehrbücher  für  die  nie<i 
dern  Schulen  zu  beschränken,  und  in  dieser  Rücksicht 
bat  die  ff^atis'sthe  Druckerei  selbst  mehr  geleistete  a^^ 
man  billiger  Weise  erwarten  konnte:  ihre  Schulbücher 
lassen  an  Schönheit  z.  B.  dip  in  IVicn  mit  beweglichen 
Lettern  gedruckten  weit  liintes  sich«  In  jeder  Hinsicht 
ausgezeichnet  ist  ein  kleiner,  auf  einem  einzigen  Duodez« 
blatte  stereotypirt^r  Ti^sehenkalender  für  die  Jahre  1821 
und  1B22,  der  sowohl  an  Schönheit  und  Schärfe  der  Let? 
tern ,  als  an  Reinheit  und  Schwärze  des  Abdruckes  das  vor- 
züglichste mir  bekannt  gewordene  Erzeugnifs  der  fVaXi^ 
sehen  Druckerei  sejn  dürfte. 

Viel  früher  schon,  nähmlich  um  das  J^hr  i8oo,msclite 
der  jetzige ,  durch  seine  Thätigkeit  ausgezeichnete  Buch« 
dnicker,  Herr,  Anton  Strai{/s  in  Pf^ien^  mehrere  Versuche 
über,  den  StercQty pendruck  nach  Didpt'i  Manier.  Unter 
dem  Schutze  und  der  Begünstigung  Sr.  Exzellenz  dei 
Herrn  Finanzminisjters  und  damahligen  Kammerpräsidenten 


569 

Grafen  von  Saurau,  so  wie  dgroh  Anleitung -und  ynter« 
stülzang  des  Hierrn  Grafen  Prosper  i^on  Sin%endorf  ^  gelang . 
es  Herrn  Siraujs  (damahls  noch  Faktor  der  Alherti' sehen 
Buphdruekerei),  die  DiV/ot'sche  Erfindung  mit  vielem  Glück 
j;ur  Ausführung  zu  bringen.  £r  slereotjpirte  mit  gutf  m 
Erfolge  eine  kleine ,  aus  einem  Duodezblatte  bestehende 
Ankündigung  seiner  Erfindung;  ferner  ein  Buchstaben- 
tafelchen  zum  Gebrauche  für  Schulen ;  und  eine  G^abschrift 
auf  den  verstorbenen  Papst  {Pias  FL)  ^  letztere  in  zwei  vcr^ 
schiedenen  Auflagen^  nabmlich  mit  kleinen  und  grofsen 
Lettern«  An  der  Ausübung  des  Stereotypendruckes  im 
Grofsen  wurde  er  nur  durch  die  Verweigerung  des  unge* 
suchten  ausschliefsenden  Pririlegiuips  gehindert.  * 

Ungefähr  gleichzeitig  mit  Herrn  iS/rau/<,  versuchte  dev 
Jetzige  Inspektor  der  königlichen  Schrifigiefserei  zu  Ofen 
in  Ungarn^  Herr  Samuel  Falka  t>on  BtkfaU*a,  den  Stereo« 
ty.pendruck  nach  Didof 'scher  Idanicr  zur  ^  Ausführung  zu 
bringen:,  allein  auch  er  gab  diese  Bescliäftigung  bald  wieder 
auf,  ohne  sie  im  Grofsen  ausgeübt  zu  haben  (man  sehe 
über  seine  Versuche  eine  kurze  Nachricht  in  ßusch's  Alma«* 
nach   der  Fortschritte,  Erfindungen  etc.  VI.  Jahrg.   iSqs, 

5.  622). 

6.  Beschreibung   einer  Maschine,   mit  welcher  zu 
gleicher   Zeit  Eisenstaiigen  zerschnitten  und  JBlech« 

Stücke  durchgesdilajgen  werden  können. 

f Bulletin  de   la  SocUt^  ^ Encouragement ,    Ann^e  1810.^ 

Diese  in  England  gebräuchliche  Maschine,  welche 
neuerlich  auch  in  Frankreich  eingeführt  w|irde ,  ist  in 
Flg.  1  auf  Taf  I  vorgestellt.  Sie  ist ,  der  Hauptsache  nach, 
eine,  grofse  Metallschere ,  die  aber  nicht  so  unmittelbar 
durch  die  Hand  bewegt  wird ,  wie  die  gewöhnlichen  Sche- 
ren. Mit  ihr  ist  noch  eine  Vorrichtung  verbunden ,  weU 
che  die  Bestimmung  hat,  aus  Blech  rund  geformte  Stücke 
heraus  zu  schneiden. 

g  und  o ,  als  die  zwei  Blatter  der  Schere ,  sind  aus  ^ 
gehärtetem  Stahl  verfertigt ;  der  ganze  zur  Hervorbringung 
der  Bewegung  bestimmte  Mechan  Ismus  besteht  aus  geschmie*  ^ 
detem  Eisen.     Durch  eine  Kurbel  a  wird  das  Getriebe  e» 


5^2 

Man  hat  sieb  auch  in  Amerika  mitdemBau  solcher  Brücken 
abgegeben,  wie  man  au^  nachfolgender,  in  einem  ameri- 
Kanischen  Journal  enthaltenen,  Notiz  sieht. —  Die  in  Bede 
stehende  Brücke  ist  nahe  bei  Philadelphia  über  einen  vier- 
hundert  Fufs  breiten  P'Iufs  gelegt. '  Sie  besteht  aus  sechs 
Eisendrähten  von  '/g  Zoll  Dicke,  deren  auf  jeder  Seite  drei 
sich  befinden.  Ungeachtet  diese  Drähte  stark  gespannt 
sind,  bilden  sie  doch  einen  nicht  unbedeutenden  Bo^en; 
am  gegenüber  befindlichen  Ufer  sind  Aies^lben  drei  Mahl 
um  eipen  starken  Baum  geschlagen« 

Die  Balken,  auf  yrelohe  sich  der  Fufsboden  der 
Brücke  stützt,  haben  eine  Länge  Ton  zwei  Fufs,  eine 
Breite  von  drßi,  und  eine  Dicke  von  einem  Zo)l ;  sie  sind 
durch  Bänder  aus  Eisendraht  mit  den  Hauptdrähten  der 
Brücke  verbunden.  Die  den  Boden  bildenden  Breter  sind 
achtzehn  Zoll  breit,  und  mittelst  Nägeln  an  die  erwähnten 
Querbalken  befestigt;  um  ihre  Trennung  zu  verhindern, 
sind  sie  unter  einander  ebenfalls  durch  Eisendraht  verei« 
nigt«  Auf  jeder  Seite  der  Brücke  ist  eine  6  Zoll  breite 
Bohle,  «n  welche  die  Querbalken  ebenfalls  angemacht  sind: 
drei  zu  jed^r  Seite  ^  gespanntp  Eisendrähte  ^  dienen  als 
Geländer. 

Die  g^nze  Brücke  ist  16  Fufs  über  die  Fläche  dei 
Wassers  erhoben,  und  hat  eine  Länge  von  400  Fufs.  Die 
Entfernung  ihrer  beiden  Aufhängungspunkte  beträgt  408 
Fufs.  Der  sämmtliche  Eisendraht  wiegt  i3i4  Pfund,  das 
ganze  Holzwerk  33o8  Pf. ,  die  Nägel  8  Pf. ,  folglich  ist  das 
Totalgewicht  der  Brücke  463o  Pf.  Bei  günstigem  Wetter 
können  vier  lUenschen  eine  Brücke  dieser  Art  in  vierzehn 
Tagen  herstellen  ;  die  Ausgaben  dafür  belaufen  sich  auf  3oo 
Dollars  (ungefähr  600  fl.)  *). 


-^.  - 


*)  Die  Brüder  S^guin  ku  Annonay  in  Frankreich  haben  Ober 
den  dortigen  Flufs  eine  Brücke  aus  Draht  angelegt ,  Trelcbe 
18  Metres  (beiläufig  60  Fufs)  lang  ist,  und  nur  5o  Franken 
gekostet  haben  soll  (?).  Acht  Eisendrabte  von  4  Millimeires 
Dicke  wurden  vier  Mahl  parallel  über  den  Flufs  geKo^rn 
und  auf  diese  der  Boden  der  Brücke  angelegt.  •>—  Die  Hosten 
einer  über  die  fihone  anEulegendcn  Prahtbrücke  sind,  xs\t 
es  heifst,  auf  80,000  Pranken  berechnet. 


573 


g.     Verbesserungen  an  Krämpelmaschinen. 


Die  Zylinder  der  Krämpelmaschinen  fär  Baum-  und 
Schafwolle  werden  gewöhnlich  aus  Holz  verfertigt;  allein 
dieses  letztere  mag  so  trocken  wie  immer  sejn ,  80  läfst 
sich  nur  sehr  schwer  das  Werfen  desselben  (welches,  be- 
greulicher^  Weise,  grofse  Unbequemlichkeiten  nach  sich 
zieht,  und  der  Genauigkeit  der  .Maschine  schadet)  vermei- 
den. Wegen  dieses  Unistandes  läfst  man  das  Holz  manch* 
mahl  in  Öhl  kochen,  um  es  gegen  die  Einwirkung  d^r 
Feuchtigkeit  unempfindlicher  zu  machen.  Aus. der  nähm- 
lichen  Ursache  ist  die  Verfertigung  der  Zjlinder  von  Ku- 
pferblech versucht  worden ;  aber  der  hohe  Preis  dieses 
Materials  macht  dasselbe  für  gröfsere  Maschinen  ganz  uii'^ 
anwendbar,  da  es  aufserdem  auch  nidht  gaiiz  von  den  Feh« 
lern  des  Holzes  frei  ist. 

Im  Jahre  i8o3  erhielt  der  Mechaniken  Calld  zu  Paria 
ein  Patent  auf  eine  eigenlhümliche  Honstruktionsart  der 
Krämpelwalzen.  Die  Breter  oder  Dauben,  woraus  diescf 
Zylinder  bestehen^  setzte  derselbe  der  Dicke  nach  aus 
drei  verschiedenen  Theilen  oder  dünneren  Bretchön  zu- 
sammen. Das  mittlere  ist  Tannenholz,  die  beiden  äufsern 
sind  Lindenholz  ;  jedes  8  Linien  dick.  Das  Werfen  .wird 
hiei^durdh  besser  verhüthet ,  als  sonst  durch  die  sorgfäl- 
tigste Austrocknung  des  Holzes.  Die  einzelnen  Breter 
werden  durch  Schrauben  mit  ihren  Enden  so  zwisdhen  den 
äufsersten  eisernen  Kreisen  festgehalten,  dafs  sie  sich  na- 
thigen  Falles  herausnehmen,  und  wieder  einsetzen  lassen« 
Die  kleinem  Zylinder  machte  Calla  ganz  aus  Messing  (^Bre-* 
pels^  äont  la  duree  est  expiree^  Tom,  IL  p.  206). 

Ein  anderer  Franzose,  Collier^  wurdcf  im  Jahre  1806 
gleichfalls  mit  einem  hierher  einschlagenden  Patente  bef* 
theilt.  Er  bedient  sich  näh'iji>lich  einer  eisefnen  Achse,  ad 
^velcher  gufscisern^,  dorch  ein  dünnes  eisernes  Gerip])ie 
verbundene  Räder  sich  l>eüudea«  Dieses  Gerippe  Qbcfr« 
s^.ieht  er  oben  und  unten*  mit  einem  aus  kalkartigen  Snbstan- 
zen,  als  Gyps,  Alabaster,  Puzzolane,  Kalk,  Ziegelmehl 
u.  s.  w.  bereiteten  Kitt ,  dessen  quantitative  Zusammen- 
setzung sich  nach  den  Umständen  richtet  (?).  Er  wendet 
dazu  auch  Harze,  Ochsenblut,  Eiweifs,  Kohlen  und  an- 
dere taugliche  Stofle  (!)  an,  und  erhält  durch  dieses  Mittel 


57« 

einen  Körper,  um  den  Hebel  in  jene  Lage  za  bringe«, 
welche  Fig.'B  A  zeigt;  auf  diese  Art  trennt  sich  der Gie(s- 
zapfen  von  dem  Körper  der  Kagel ,  und  diese  fällt  beim 
Öffnen  des  Models  sogleich  rund  heraus. 


Eine  der  beschriebenen  ganz  äbnliche  Einriebtang 
besitzen  »uch  jene  gröiseren  Formen,  in  denen  viele  Ku- 
geln zugleich  gegossen  und  abgezwickt  wc^rden  (Fig.  9)* 
Zehn  bis  zwanzig  und  noch  mehrere  kugelförmige  Höh- 
lungen beiinden  sich  in  den(  Kopfe  ab  des  Models;  der  auf 
die  vorige'  Art  (Fig.  8)  bewegliche  Eingufs  besitzt  eine 
lange  Rinne  und  eben  so  viele  runde  Öffnungen ,  als  Ku- 
geln in  der  Form  auf  ein  Mahl  gegossen  werden.  Meist 
ist  die  Form  doppelt,  d.  h.  es  befindet  sich  auf  jeder  Seite 
.  derselben  eine  Reihe  Kugelhöhlungen,  mit  dem  dazu  ge- 
hörigen Eingufs  (siehe  die  Seitenansicht  in  Fig  9  ^).  ^ 
Der  Gebrauch  dieses  Models  bedarf  nach  dem  Oessgt6fl 
wohl  keiner  Erläuterung  mehr. 

yVeit  bequemer  noch  ist  eltie  Art  von  Rugelmodel 
die  in  Fig.  10  abgebildet,  und,  so  viel  ich  weifs«  franzo- 
sischen Ut*sprunges  ist.  Der  Kopf  dieses.  Models«  desses 
Gestalt  und  Einrichtung  aus  den  F^g.  11 ,  12  und  t3  deut- 
licher wird,  gleicht  ganz  einem  gewöhnlichen.  Auf  seiner 
vordem  Fläche  liegt  eine  aus  aswei  durch  ein  Charnier  i 
verbundenen  Theilen  a^6,  bestehende  Platte,  in  deren  Mitte 
sich  der  trichterförmige  Eingufs  /;  betind<^t.  Ein  paaf 
Schrauben  #?,/,  vereinigen  die  Platte  mit  dem  Model  «o, 
dafs  die  beiden  Theile  der  ersterit  sich  frei  um  diest^ 
Punkte  drehen  können.  Fig  11  gibt  eine  Ansicht  des  Mo- 
^delsf  da  die  Platte  weggenommen  ist;  in  Fig.  12  bat  mio 
die  Platte  besonders  gezeichnet.  ZuniGebranifh  wird  der 
Model  geschlossen,  wie  er  in  Fig.  10  vorgesiellt  ist:  nach 
dem  Giefsen  öffnet  m^ti  ihn ,  und  hierbei  wird  durch  Vei- 
Schiebung  der  Platte  a  6  der  Gufszapfen  bart  an  der  Fläche 
des  Models  weggeschnitten.  Aus  Fig;  i3<  welche  den 
Model  im  geöffneteif  Zustande  vdrstellt,  wird  man  sich 
diesen  Vorgang  am  leichtesten  erklären  können. 

Alle  bisher  beschriebenen  Vorrichtungen  cum  Ab- 
swicken der  Kugelhälse  sind  von  solcher  Art,  dais  sie  au( 
der  Kugel  eine'  runde  Platte  zurücklassen,  det*en  Grdi$^ 
nach  dem  Durchmesset  des    abgeschnittenen  Gafszapft^Q' 


5.77 

yertchieden  ist.  Die  Randang  der  Kttgel  wird  hierdurch 
zwar  anvollkommen;  allein  dieser  ITmatand  ist  auf  die  Ge- 
nauigkeit beim  Schiefsen  ganz  ohne  Einflufs ,  da  man  schon 
die  Gewohnheit  hat,  die  Uugelso  in  den  Lauf  za  bringen, 
dafs  die  erwähnte  Platte  Tom  zu  liegen  kommt,  und  da' 
auch  die  rundeste  Kugel  durch  den  Stofs  des  Ladstochjea 
verdorben  und  unrund  gemacht  wird.  Dessen  ungeachtet  hat 
der  Engländer  Ezecfäel  Baker  es  nicht  der  Mühe  unwerth 
gehalten ,  einen  Kugelmodel  zu  erfinden ,  der  nicht  flach, 
sondern  bogenförmig  abzwickt,  und  solchergestalt  die 
Yollkommene  Rundung  der  Kugel  erhält.  Die  Aufmunte- 
rungsgesellschaft in  London  hat  diese  Erfindung  mit  einer 
silbernen  Medaille  belohnt,  und  eine  Beschreibung  und 
Zeichnung  derselben  in  ihren  TraQsaktionen  (Bd.  XXXIX 
i8ai)  bekannt  gemacht.  Fig.  14  zeigt  die  Einrichtung 
dieses  verbesserten  Models ,  der  sich  unter  andern  auch 
dadurch  auszeichnet,  dafs  er  einen  sehr  itiefenEingufs  hat, 
wodurch  das  Hohlwerden  der  Kugel  ganz  vermieden  wird. 
Das  Eigenthümliche  desselben  besteht  aber ,  wie  man  aus 
der  Zeichnung  sieht,  vorzüglich  in  den  beiden  Messern  ao, 
die  von  krummliniger  Gestalt  sind ,  und  von  denen  an  jeder 
Hälfte  des  Modeh  eines  festgemacht  ist.  In  dem  Kopfe  b 
der  Schraube,  welche  beide  diese  Hälften  vereinigt,  be* 
findet  sich  eine  halbrunde  Vertiefung,  in  n^elche  beim  Ab- 
zwicken die  Kugel  so  gelegt  wird ,  dafs  der  Gufazapfen 
zwischen  die  Messer  a  a  kommt ;  durch  Zusammendrücken 
des  Models  wird  dann  das  Abschneiden  verrichtet«  und 
da  der  Mittelpunkt  der  Kugel  mit  dem  Drehungspunhte 
des  Models  zusammenfallt ,  so  beschreiben  die  Schneiden 
der  Messer,  wie  man  leicht  einsieht,  einen  Bogen  von  der« 
selben  Krümmung,  welche  die  Oberfläche  der  Kugel  selbst 
besitzt.  Die  Deuil  -  Zeichnungen  werden  das  Gesagte  hof- 
fentlich ganz  erläutern.  Fig.  i5  sind  die  beiden  Theile 
des  Models;  Fig.  16  ist  die  Ansicht  der  Schneid  Vorrichtung, 
Fig.  17  endlich  ein  Theil  des  Models  von  der  Seite  be- 
trachtet. Zum  Überflufs  hat  der  Erfinder  den  Model  bei  c 
auch  noch  mit  einer  gewöhnlichen  Schere  versehen.  Der 
Ansatz  k  soll  zum  Einspannen  des  Models  in  den  Schraub- 
stock dienen ,  wenn  etwa  zum  Abzwicken  eine  bedeutende 
Gewalt  erfordert  würde.  ' 


jAlwb.  4m  p*ljt.  lütt.  IV.  Bd. 


37 


578 

12.     Über  das  Schweifsen  des  Gu&stahls  und  Gull- 

eisens. 

{Thonuon's  jinnah  of  Philotophy  ^   April  1818.J 

Das  Zasammenschweirsen  des  Stahls  mit  Eisen  ist 
Ton  jeher  als  eine  höchst  schwierige  Operation  betrachtet 
wordett:  Indefs  sind  viele  englische  Arbeiter  mit  dem 
Schweifsen  de's  Gul'sstahls  rertraut,  und  sie  behaupten  so- 
gar^ diese  Arbeit  sey  ihnen  leichter,  als  das  Schweifsen 
des  Eisens,  wegen  der  geringeren  Hitze,  die  dazu  c^fo^ 
dert  wird.  Viele  Arbeiter  verderben  den  Stahl  gerade 
dadurch ,  dafs  sie  ihn  zu  stark  erhitzen.  Um  die  Oijd»- 
tion  des  Stahls  zu  terhüthen,  mufs  man  einen  besondem 
Flufs  anwehdeti,  da  der  bei  dem  Eisen  gebräuchliche 
Schweifssand  hicht  dazu  taugt.  Einige  englische  Arbeiter 
ziehen  zu  diesem  Zwecke  das  Boraxglas,  oder  auch  das 
gemeine  schwarze  ^Bouteillenglas  vor,  welchem  letzten 
man  noch  etwas  Alkali  zusetzen  könnte.  Ein  englischer 
Mechaniker,  Georg  Scott ^  hat  dieses  Verfahren  seit  mek- 
reren  Jahrert  befolgt.  Es  ist  ihm  so  gelungen  ,  vier  Stan- 
gen von  Gufseisen  an  ihren  Enden  zusammen  zu  schweifsen. 
deren  jede  vier  Fufs  lang  war,  und  die  bestimmt  waren, 
einen  Kern  «um  Ausziiehen  bleierner  Bohren  zu  geben. 
Die  Verbindung  War  so  vollkommen,  dafs  man  keine  Spnr 
davon  bemerken  konnte.  Der  Ingetiieur  J.  Dickson  rtri- 
chert,  dafs  man  gufseiseriie  Stangen  vereinigen  könne)  io* 
dem  man  ihre  zu  verbindenden  Enden .  in  eine  Bohre  tob 
Schmiedeisen  einschliefst«  Diese  Bohre  dient  als  Model« 
und  verhindert  das  VerflieAen  des  Eisens  ^  wepu  es  io 
Schmelzung  geräth» 

Was  das  Sehiveifseii  des  Guftstuhls  betrifll,  so  em- 
pfiehlt Herr  Gill  ein  iPeüer  ton  Holzkohleii  anzuwenden. 
Die  zu  vereinigenden  Stücke  werden  blank  gefeilt,  w^^ 
Borax  bedeckt,  und  durch  eiserni;  Binge  zusammen  gehal* 
ten.  Dann  bringt  man  sie  in  das  Fieuer ,  und  wenn  sie  so 
heifs  sind«  dafs  das  Boraxglas,  oder  das  schwarze  Boji' 
«teillenglas  zu  schmelzen  im  Stande  sind ,  taucht  man  sK 
in  eine  dieser  gepulverten  Substanzen,  und  gibt  endlich 
eine  neue  Hitze ,  die  aber  nur  so  stark  ist ,  dafs  beide  E"' 
den  sich  schweifsen«  Bei  diesem  Verfahren  behalt  der 
Stahl  alle  seine  guten  Eigenschaften. 


579 

i3,     VerferüguDg    von    Gewebea    aas    Pferdehaar 

und  HolzstreifeD. 

(Detcription  des  Brevets  dont  la  dur^e  est  expirie^    Tome  iyj) 

Ein  gewisser  Franz  Bardel  zu  ParU  erhielt  im  Jahre 
1797  ein  Patent  auf  fünfzehn  Jahre  für  das  in  England  üin 
liehe ,  Ton  ihm  in  Frankreich  zuerst  eingeführte  und  yer- 
besserte  Verfahren  zur  Erzeugung  yon  Geweben  aus  Pfer« 
dehaar  mit  leinener ,  baumwollener  oder  seidener  Kette^ 
nnd  aus  dünnen  Holzstreifen.  Da  hierron  Manches  noch 
unbekannt,  und  daher  wohl  interessant  sejn  dürfte,  glaube 
ich  nicht  Unrecht  zu  thun,  wenn  ich  das  Wesentliche  jener 
Fabrikationsmethode  hier  aufnehme« 

Das  Färben  des  Pferdehaars  ^  welches  seine  eigenen 
und  bedeutenden  Schwierigkeiten  hat,  beginnt  mit  dem 
Einweichen  dieses  Materiales  in  Kalkwasser,  welches  zwöHl 
Stunden  lang  fortgesetzt  wird*  Man  ]äfst(für  jede  10  Pfund 
des  Haares)  5  Pfund  Blauholz  durch  drei  Stunden  mit 
Wasser  stark  kochen;  nach  Verlauf  dieser  Zeit  entfernt 
man  das  Feuer  unter  dem  Kessel ,  und  gibt  6  Loth  grünen 
Vitriol  in  die  hrühe,  die  man  zugleich  umrührt«  Das 
Haar  wird  hierauf  (nachdem  es  aus  dem  Kalkwasser  ge« 
nommen ,  und  wohl  ausgewaschen  worden  ist)  in  die  fer« 
tige  Farbe  gelegt,  und  erst  nach  vier  und  zwanzig  Stunden 
wieder  daraus  entfernt,  wo  es  dann  sogleich  yoUendet 
erscheint» 

Der  Stuhl  zum  Weben  derßofshaarzeuge  ist  derselbe« 
dessen  man  sich  in  Seiden-  und  Baumwollenfabriken  be« 
dient;  die  Litzen  sind  tou  Zwirn,  und  besitzen  gläserne 
Augen.  Um  das  Gewebe  der  Breite  nach  auszuspannen, 
kann  man  sich  nicht  der  gewöhulichen  Sperrruthe  bedie* 
nen ,  weil  diese  die  Kettenfaden  aus  einander  treiben ,  und 
den  Zeug  zerreifsen  würde,  da  nähmlich  dieser  letztere 
keine . festen ,  durch  die  hin-  und  wiederkehrenden  Ein- 
tragfaden gebildeten  Leisten  besitzt,  wie  das  bei  Leinwand 
u.  dgl.  der  Fall  ist«  Eine  Vorrichtung  Ton  ganz  eigener 
Beschaffenheit  ist  bestimmt,  die  Sperrruthe  in  dieser  Art 
Ton  Weberei  zu  ersetzen ;  man  sieht  sie  in  Fig.  8  (Ta£  IV) 
gezeichnet«  Es  ist  eine  Art  Ton  Zange ,.  welche  aus  zwei 
eisernen,  sich  federnden  Backen  cc  besteht,  und  mittelst 
einer  Schraube  d  geschlossen  werden  kann.     Die  Backen 

37* 


58o 

sind  auf  der  Innenseite  mit  Leder  bekleidet ,  um  jedeTtr^ 
letzung   des  Zeuges  xa  yermeiden«      An   ihrem  hinten 
Ende  h  ist  diese  Zange  mit  der  Schraubenspindel  e  «o  Te^ 
bunden ,  dafs  sie ,  wenn  die  letztere  mittelst  der  Rorbel  g 
gedreht  wird,  unbeweglich  bleibt.    Die  fär  jene  Schraube 
bestimmte  Mutter  befindet  sich  in  der  Stütze  jf ,  welche  auf 
dem  Querbalken  i  des  Stuhlgestelles  festgemacht  ist  Hier- 
aus  wird  man  sich  ohne  Zweifel  die  deutlichste  Yorstellung 
Ton  dem  Zwecke  und  dem  Gebrauche  dieses  Mechanismos 
2u  machen  im  Stande   seyn.     Zwischen  die   Backen  der 
Zange    wird  die  Kante   des   Gewebes  eingeklemmt,  vni 
durch  Umdrehung  der  Kurbel  (welche  die  Schraube,  vai 
mit  dieser  di^  Zange  führt)  wird   die  nöthige  Spannong 
hervorgebracht.      Diese    Vorrichtung   ist  ,    begreiBicher 
Weise ,  zu  beiden  Seiten  des  Stuhles  befindlich« 

Die  Kette  der  Zeuge  besteht  aus  schwarzem  oder  an- 
ders gefärbtem  Zwirn;  der  Eintrag  ist  Fferdehaar,  wel- 
ches aber  auf  eine  eigenthümliche  Art  durch  die  geöffnete 
Kette  gebracht  wird.  Man  bedient  sich  hierzu  der  inFig'9 
gezeichneten  Schütze,  welche  ungefähr  3  Fnfs  Isngi  6 
Linien  breit  und  2  Linien  dick  ist ;  am  Ende  besitzt  di^ 
selbe  eine  hakenförmige  Krümmung,  und  eine  kleine,  aas 
polirtem  Stahl  verfertigte  Spindel  ö.  Der  Arbeiter  stecke 
mit  einer  Hand  diese  Schütze  zwischen  die  beiden  Theile 
der  Kette ;  zugleich  fafst  er  mittelst  des  Hakens  derselbea 
das  Ton  einem  Kinde  ihm  zugereichte  Haar,  und  zieht  es 
durch  die  ganze  Breite  der  Kette.  Nach  jedem  Tritte 
werden  zwei  Schläge  mit  der  Lade  geführt.  Das  Hofshaar 
liegt,  um  es  geschmeidig  zu  erhalten,  in  einem  mit  etira^ 
Wasser  yersehenen  hölzernen  Gefafse. 

Das  Schlichten  der  Kette  geschieht  mit  Kleister  aof 
die  gewöhnliche  Art.  Um  aber  die  Reibung  der  Fäden  iß 
den  Augen  der  Schäfte  und  zwischen  den  Stiften  des  Riet' 
blattes  möglichst  zu  vermindern ,  überfährt  man  nach  dem 
Trocknen  der  Schlichte  die  ganze  Kette  mit  einer  durch 
Beifsblei  schlüpfrig  gemachten  weichen  Bürste. 

Dem  fertigen  Zeuge  gibt  man  durch  eine  aus  einer 
papiernen  und  einer  hohlen  erwärmten  eisernen  Walze 
bestehende  Kalander  auf  dieselbe  Art  den  Glanz ,  wie  die- 
ses sonst  mit  den  Baumwollenzeugen  geschieht.     Manmafs 


58i 

darauf  sehen  9  dafs  bei  dieser  Operation  die  Leisten  des 
Zeuges  gespannt  erhalten  werden,  damit  die  Eintragfilden 
gerade  und  parallel  bleiben.  Nöthigen  Falles  kann  die 
Malander  durch  eine  Presse  oder  durch  eine  gemeine  Hange 
ersetzt  werden «  allein  die  erstere  wirkt  inuner  am  besten 
und  schnellsten. 

Was  die  Verfertigung  der  Gewebe  aus  Holzstreifen 
betrifft,  so  ist  frischgelalltes  Weiden-  oder  Lindenholz 
hierzu  das  tauglichste  Material,  welches  yor  dem  Gebrauch 
in  12 -bis  i5  Linien  dicke  Breter  zerschnitten  wird.  Um 
aus  diesen  Bretern  dünne  und  schmale  Streifen  zu  Ter* 
fertigen ,  befestigt  man  sie  auf  der  Hobelbank  so ,  dafs  sie 
mit  ihrer  schmalen  Seite  in  die  Höhe  stehen.  Mit  einer 
Art  Ton  Hobel  (?  Trousquin)^  dessen  E^sen  statt  der  Schneide 
mehrere  feine  und  scharfe  Zähne  besitzt,  filbrt  man  über 
die  ganze  Länge  dieser  Seite  bin ,  und  macht  durch  dieses 
Verfahren  eine  Anzahl  Schnitte  in  das  Holz.  Wenn  hier- 
auf mittelst  eines  gemeinen  Hobels  ein  Span  weggestofsen 
wird,  so  erscheint  derselbe  natürlicher  Weise  in  eben  so 
▼iele  gleich  breite  Streifen  getheilt.  Wenn  die  zuerst  ge- 
machten Schnitte  tief  genug  waren  ,  kann  das  Abhobeln 
mehr  mahl  wiederhohl  t  werden ,  bevor  der  Gebrauch  des 
Zahneisens  neuerdings  nothig  wird.  Zur  Verfertigung 
dieses  Eisens  bedient  man  sich  eines  gewöhnlichen  Hobel- 
eisens, welches  nachgelassen,  durch  Einfeilen  mit  den 
(eine  Linie  tiefen)  Zähnen  yersehen ,  wieder  gehärtet,,  und 
für  den  Gebrauch  in  eine  hölzerne  Fassung,  welche  zu 
beiden  Seiten  einen  Handgriff*  hat ,  eingesetzt  wird.  Man 
kann  dasselbe  auch  in  das  rordere  Ende  des  Hobels  selbst 
befestigen ,  in  welchem  Falle  das  Einschneiden  und  Weg-» 
hobeln  der  Streifen  zugleich ,  daher  mit  weniger  Zeitver- 
lust, aber  etwas  gröfserem  Kraftaufwande,  vor  sich  geht. 

Da  man  sich  nicht  leicht  Holzstreifen  von  einer  über 
36  Zoll  gehenden  Länge  verschaffen  kann,  so  ist  jene 
Gröfse  auch  das  Maximum  für  die  Länge  und  Breite  der 
daraus  verfertigten  Gewebe.  Weil  ferner  das  Material  der 
Streifen  ein  sehr  weifses  Hpiz  ist,  so  können  dieselben 
ohne  Anstand  und  durch  die  sonst  gewöhnlichen  Mittel 
verschiedentlich  gefärbt  werden  ;  um  sie  nöthigen  Falles 
noch  weifser  zu  machen ,  kann  man  sie  durch  verdünnte 


inroli  Waichen  mit  Seife,  oder  durch  schwof- 
bleichen. 

tuhl  «nr  Verfertigung  der  Holzgewebe  ist  ganx 

II ,  u    d  unterscheidet  sich  von   dem  l.eintvebei'slulil 

aadui'cn ,    dafs    der    Breite    nach    das  Gewebe  keiner 

inung  bedarf,  wodurch  sowohl   die  sonst  gewöhnliche 

*r-rRiithe,  als  die  früher  beschriebene,  beiden  II  ofshaar- 

I  angewendete,  Vorrichtung  entbehrlich  wird. 

Die  Vorbereitung  des   Stuhls  geschieht  auf  folgende 

,     Man  bäumt  auerst  eine  drei   oder  vier  Ellen  lange 

3  von  Zwirnfäden  auf;  diese  zieht  man  durch  die  Au~ 

dfir  Schsfle  und  durch  das  Rictblalt,  und  vereinigt  sie 

tztern  durch  Anknüpfen  mit   den  zur    eigentli- 

kVE  bestimmten   Holzstreifen.     Hierauf  zieht  man 

-.nunkette  nach  rückwärts,   und  zwingt  dadurch   die 

,  in  die  Zwischenräume  des  Blattes  und  in  die 

i  Litzen    einzutreten.      Diese   Streifen   worden 

Ol.  dem  Brustbaum  befestigt,    indem    man  sie   je 

I...J  zehn  vereinigt.     Die  iiöthige  Spannung  gibt  man 

.  durch  Anhängung  eines    Gewichtes   an   den  Ilintcr- 

j.     Das  Weben  geschieht  auf  dieselbe  Art  und  mit  der 

nlicheu  Schutze,  wie  jenes  der  Zeuge  aus  Pferdchaar, 

iin  die    ganze  I^üiigc    der  IIol;ikeltc   mit  dem   Eintrnge 

TVrsehen  ist,  zieht  man  die  Zwirnfaden  wieder  vorwärts, 

•chneidet  das  fertige  Gewebe  vor  der  Lade  ab,  and  knüpft 

«■f  die  oben  beschriebene  Art  etno  neue  Hette  aus  Holzr 

'  abrejfen  an.   Der  Knoten ,  dessen  man  sich  hierbei  bedient, 

Utder  nähmliche,  welcher  allgemein  unter  dem  Nahmen 

des  ffeberknotei»  bekannt  ist  (Taf.  IV.  Fig.  lo). 


i4-    Verbesserte  Bereitang  des  Garbe -Extraktes. 

(Rtpertory  of  Artt,  Juifl  1811.) 
Bekannt  ist  es ,  dals  die  Englinder  schon  vor  vielen 
Jahren  das  Gärben  mit  dem  durch  Wasser  aus  der  Lohe 
eittrahirton  Gürbestoß'  mit  Glück  unternommen  haben, 
Nbd  tritt  ein  gewisser  ff^tliam  Keadrick  m  Birmingham  auf, 
der  diese  Extraktion  auf. eine  weit  zwechmäfsigerc  Art  vor- 
■ehmen  will,  nnd  lur  seine  Erfindung  im  Jahre  tSso 
(5.  Dezember)  ein  Patent  erhalten  bat.    Die  Verbesserung 


besteht,  der  Hauptsache  nach,  in  der  Aawendung  de» 
Wasserdampfes  oder  des  bedeutend  über  seinen  iSiedpunkt 
erhitzten  tropfbaren  Wassers.  Der  hierzu  dienliche  Appa-^ 
rat  besteht  in  einem  Dampfkessel  von  zweokmafsiger  Form 
und  Gröise ,  aus  welchem  der  mit  einer  bedeutenden  £la* 
stizität  begable  Dampf  durch  Röhren  in  mehrere  Gefafse 
geleitet  wird,  worin  sich  die  zu  ettrahirende  Substanz 
(frische  oder  schon  ausgegerbte  Eichenrinde ,  Sumach 
ü.  s.  w.)  befindet.  Die  Elastizität  des  Dampfes  regulirt 
man  so,  dals  der  Druck  desselben  wenigstens  8  bis  la 
Pfund  auf  den  Quadratzoll  {Ji  from  eight  io  tu^elpe  pounäs 
uponthe  cubic  lach)  beträgt.  Das  Extraktionsgefafs  kann 
aus  Holz,  aus  Blei  oder  aus  Eisen,  welches  mit  Blei  ge- 
ffittert  ist,  yerfertigt  werdefi.  '  t)er  Deckel  eines  jeden 
solchen  Gefafses  muTs,  so  wie  der  Dampfkessel,  mit  einem 
Sicherheitsventil  versehen  seyn.  Das  zu  extrahirende  Gär- 
bematerial  wird  mit  warmem  oder  kaltem  Wasser  vermischt 
in  die  Gefafse  eingetragen ,  und  zwar  richtet  sich  die  Menge 
des  zugesetzten  Wassers  nach  dem  Grade  der  Konzentra- 
tion, welchen  man  der  Brühe  zu  geben  wünscht. 


i5«     Verbesserung  im  Drahtziehen. 

(Repertory  of  Arts  ^    Juli  1822^ 

Der  Engländer  IViUiam  Brockedon  hat  im  Jahre  1819 
(20.  September)  ein  Patent  für  gewisse  Verbesserungen 
im  Drahtziehen  erhalten.  Das  Wesentliche  seines  Ver- 
fahrens ,  welches  nun  in  dem  oben  genannten  Journale  be- 
schrieben worden  ist ,  besteht  in  einer  besondern  Einrich- 
tung der  Zieheisen.  Statt  nahmlich  dieselben  nach  der 
sonst  gewöhnlichen  Art  aus  Stahl  oder  Eisen  zu  verfertigeui 
bohrt  er  zylindrische  oder  konische  Löcher  in  Diamanten, 
Saphire,  Rubine,  Chrysolithe  oder  andere  harte  Steine, 
welche  zum  Gebrauch  in  einen  eisernen  Rahmen  oder  eine 
eiserne  Platte  eingesetzt  und  befestigt  werden.  Dafsmanden 
Löchern  mittelst  des  bei  Steinarbeiten  überhaupt  gebräuch- 
lichen Verfahrens  eine  hohe  Politur  geben  müsse ,  bedarf 
keiner  Erinnerung.  Das  Ziehen  selbst  wird  ganz  so  vor- 
genommen, wie  mit  gemeinen  Zieheisen;  nur  behauptet 
der  Erfinder ,  es  sey  yortheilhafter  ,  den  zugespitzten 
Draht  durch  die  engere  Öffnung  des  Loches  einzustecken, 


584 

weQ  dann  der.  Stein  dem  Zöge  groAeren  WidertUni  n 
leisten  vermöge«    Eisendraht,  Stahl-,  Messing-,  Kupfer-, 
Platin-^  kio  wie  echter  nnd  unechter  Gold-  nndSilbardnkt 
lassen  sich  auf  diese  Art  ohne  Anstand  yerfertigen ,  und 
inan  hat  noch  den  Tortheil,  dafs  wegen  der  geringeres 
Reibung,   die  dabei  Statt  findet,   dem  su  schnellen  Ass- 
weiten der  Löcher  yorgebeugt  wird.    Sollte  auch  dieses 
sinnreiche  Verfahren  je  allgemeiner  werden,  so  wird  man 
sich  •  doch  i   um  dichen   Draht  2u  ziehen ,   ans  leicht  be- 
greiflichen Ursachen,  immer  der  stählernen  oder  gnltei- 
sernen  Ziehplatten  bedienen  müssen. 


i6.  Verbesserung  in  der  Verfertigung  musikalischer 

Instrumente. 

(Bulletin  de  la  SocUt^  pour  VEncour.  de  t Industrie^  Jlf oi  1811.) 

Viele  der  bekanntesten  musikalischen  Instrameote 
(z.  B.  Trompeten,  Hörner  u.  s.  w.)  bestehen  aus  engea 
messingenen  Röhren,  welche  yerschiedentlich  geboges 
sind,  damit  der  darin  befindlichen  Luftsäule ,  der  Beqaem- 
lichkeit  des  Gebrauches  unbeschadet,  eine  bedeatende 
Länge  gegeben  werden  könne.  Das  gewöhnliche  Yerbh- 
ren  bei  der  Fabrikation  dieser  Instrumente  besteht  in  den 
Ziehen  der  aus  Messingblech  zusammen gelötheten  Rohres 
auf  der  Ziehbank,  und  in  dem  Hrümmen  derselben,  wel- 
ches mittelst  des  Hammers  vorgenommen  wird,  nachden 
man  die  Innenseite  mit  Fett  überzogen,  und  die  ff^ 
Höhlung  mit  Blei  ausgegossen  hat,  um  dem  Bohre  mehr 
Konsistenz  zu  geben.  Nach  Vollendung  der  Arbeit  wird 
das  Blei  ausgeschmolzen ;  allein  hierbei  stöfst  man  sv 
eine  Schwierigkeit,  welche  die  geschicktesten  Arbeiter 
bis  jetzt  nicht  haben  heben  können.  Ein  Theil  des  Bleies 
ist  nähmlich  oxydirt  worden ,  und  hängt  sich  (wahrschein- 
lich auch  durch  Beihülfe  des  Fettes)  so  fest  an  die  innem 
Wände  des  Rohres,  dafs  diese  sich  trotz  aller  Bemühunges 
nicht  ganz*  davjon  rein  machen  lassen.  Wenn  man  daher  ^ 
Hülfe  eines  Meifsels  die  Röhre  an  den  vorzüglichsten  KrttD* 
mungen  öfTnet,  so  findet  man  sie  dort  immer  mit  eia^^ 
ziemlich  dicken  Lage  dieses  metallischen  Schmutzes  be- 
kleidet. Obwohl  nun  die  Töne  des  Instrumentes  hierdurch 
vielleicht  weder  unrein  noch  weniger  sanft  werden,  <^ 
erfordert  ihre  Hervorbringung  doch  eine  gröfsereAnstici'' 


585 

gung  derBrnat,  werni  die  Hohlang  der  Bohren  tmgleich 
und  unregelmäfsig  ist* 

Des'  Instrnmentenmacher  Labbaj^e  (Sohn)  zu  Paris  hat 
es  dorcli  eigenthümliche  Yerfahrnngsarten  dahin  gebracht, 
alle  Meisingröhren ,  sie  mögen  -was  immer  für  eine  Krüm- 
mungf  erhalten,  ohne  Beihülfe  des  Bleies  so  zu  biegen,  dafs 
sie  ihre  yoUkommene  Bnndnng  behalten ,  und  auf  der  in- 
nem  Seite  Tollkommen  glatt,  d.h.  von  der  vorer'wähnten 
und  jeder  andern  Verunreinigung  fi*ei  sind.  Obwohl  er 
nun  die  Mittel ,  deren  er  sich  hierzu  bedient ,  geheim  bäh, 
und  ich  also. nichts  darüber  su  sagen  weifs,  so  kann  ich 
doch  eine  Bemerkung  nicht  unterdrücken.  Es  ist  nähm- 
lich  bekannt,  dafs  Glasröhren,  selbst  von  beträchtlicher 
Weite,  leicht  über  dem  Feuer,  ohne  ihre  Bundnng  zu  ver- 
lieren ,  sich  biegen  lassen ,  wenn  man  sie  vorher  mit  fei- 
nem Sande  ausgefüllt  hat*  Möglich  wäre  es,  dafs  sich 
zwischen  diesem  Verfahren  und  dem  des  Labbajre  einige 
Ähnlichkeit  fände.  Das  Eingiefsen  von  Blei  bei  dem  ge- 
wöhnlichen Verfahren  hat  nur  den.  Zweck,  die  vorhin 
hohle  Bohre  gleichsam  in  eine  massive  runde  Stange  zu 
Tel  wandeln ,  die  im  Buge  weniger  sich  flach  drückt  \  dem 
Blei  dürfte  aber  wohl  ein  Ersatzmittel  zu  finden  seyn. 


17.     YerbesseruDg  in  der  Typographie. 

Eine  der  interessantesten  neueren  Erfindungen  im 
Fache  der  Tjrpographie  sind  die  Kursif^Uttem  des  Firmin 
Didot  in  Paris  j  welche  im  Abdrucke  auf  eine  so  genaue 
Art  durch  feine  Striche  unter  einander  verbunden  erschei- 
nen, dafs  durch  sie  die  genaue  Nachahmung  der  Hand- 
schrift möglich ,  und  dem  Auge  nicht  die  mindeste  Unter- 
brechung der  Züge  bemerkbar  wird.  Auf  neueren  fran- 
zösischen Büchertiteln  findet  man  schon  häufig  die  Anwen- 
dung dieser  dem  Auge  aufserst  gefalligen  Schriftart;  im 
ersten  Bande  von  Borgnis  mecanique  appUquee  aux  arts  ist 
sogar  die  ganze  Dedikation  mit  derselben  gesetzt,  was 
dem  Lesenden  einen  ungemein  wohlthuenden  Anblick  ge- 
währt. Bei  der  bekannten  Reinheit  und  Schärfe  der  Didot" 
sehen  Schriften  liefse  sich  diese  Verbesserung  wahrscheinlich 
mit  gutem  Erfolge  zur  Herstellung  von  kalligraphischen 
Vorlegeblättern  benutzen,  welche  die  gewöhnlichen  gesto- 
chenen,  und  selbst  die  lithographirten,  an  Wohlfeilheit 


588 

digun^^  einer  neueii  hierher  gehörigen   Maschine.    Ein 
Herr  Laforett  hat  nähmlich  Snbskription  eröfihet  avf  eine 
mechanische  Forrichtung  %üm  Auskörnen,  Brechen^  Degun- 
miren  und  Kämmen  t^on  nicht  geröstetem  Flachs  vjid  HanJ 
(Btoie  mecanique  egreneuse^   macqueuse,  degommeuse^  ieir 
leuse  et  peigneuse  du  cham^re  et  da  Un  non  rouis).    In  der 
Ankündigung  hierzu  wird  erwähnt,  dafs  ungefähr  um  iu 
Jahr  1740  ein  Spanier  die  erste  (von  ihm  erfundene)  au 
kannelirten  Walzen  bestehende  Maschine  dieser  Art  (ob 
auch  für  ungerösteten  Flachs  ? )  nach  Frankreich  gebracht 
habe ,  von  der  aber  aufser  der  geschichtlichen  ErinneroDg 
keine  Spur  mehr  übrig  sej.     Yon  der  Maschine  des  Herrn 
Laforest  wird  gesagt,  dafs  sie  sehr  einfach  sej,  und  nicht 
nur  (wie  die  alte  Regierung  es  yerlangte)  zum  Brechen,  des 
angerösteten  Flachses,  sondern  auch  zur  Fet^einerung  ie^- 
selben  und  zum  Hecheln  von  zwanzig  Büscheln  in  gleicher 
Z^eit^  verwendet  werden  könne.     Zu  diesen  beiden  Ope- 
rationen sollen  nicht  mehr  als  zehn  oder  zwölf  Minutes 
erforderlicli  sejn ,  und  der  klebrige ,  gammiharzige  Thetl 
der  Stengel  soll  dadurch  gleichsam  in  Nichte  verwandelt 
werden  (!)•     Der  auf  diese  Art  zubereitete  Flachs  soll 
den   nach    dem    gewöhnlichen  Verfahren    erhaltenen  ^a 
Weichheit,   Weifse  und  Feinheit   übertreffen;   und  man 
kann  ihm  blofs  durch   zwei-  oder  dreimahliges ,   in  Zwi- 
schenräumen von  acht  Tagen  wiederhohltes ,  Waschen  mit 
Lauge  die  schönste  Bleiche  geben.  —  Der  Erfinder  der  it 
Bede  stehenden    Brlschmaschine  wird  sich  ohne  Zweifel 
gefallen  lassen  müssen ,  dafs  man  in  Erwartung  genauerer 
Details,  und  direkter,  im  Grofsen  angestellter  Erfahras- 
gen  an  dem  Erfolge  etwas  zu  zweifeln  wagt. 


20.     William  MaUef»  Sicherheitsschlofs. 

(Rep^rtory  €f  Ans  etc.    JuU^  18a«.) 
(Mit   Zeichnungen   auf  Taf.  IV,   Fig.  11,    is,    iS,i4,i5,  i?) 

Dieses  Schlofs,  worauf  der  Erfinder  (ein  Engländer) 
den  14.  Dezember  1820  patentirt  wurde,  hat  in  seine0 
Prinzipe  Ähnlichkeit  mit  dem  des  Somerjonlj  welches  i» 
IIL  Bde.  dieser  Jahrbücher  (S.  466)  beschrieben  worden 
ist.  Man  sieht  es  in  Fig.  1 1  (Taf.  lY)  in  dem  Zustande 
abgebildet ,  wo  die  Deckplatte  weggenommen ,  und  der 
Biegel  vorgeschoben  ist.    Das  Schlofsblech  aa  wird  mit- 


S89 

teUt  seiner  SchranbenlScher  wie  gewöhnlich  befestigt* 
Der  Riegel  bb  besitzt  nur  an  seinem  Kopfe  die  Tollkom« 
mene  Dicke ,  ist  aber  weiter  hinten  aasgenommen,  so,  dals 
die  übrigen  Theile  des  Schlosses  darin  Platz  finden.  Ein 
paar  vierkantige  eiserne  Stifte,  g  und  i,  welche  an  das 
Schlofsblech  festgenietet  sind ,  und  durch  zwei  im  Riegel 
angebrachte  Einschnitte  durchgehen,  dienen  dem  letztern 
zur  Leitung ,  und  vertreten  zugleich  die  Stelle  der  ZuhaU 
iung  auf  eine  Art,  von  der  sogleich  ausführlicher  die  Rede 
seyn  wird.  Auf  dem  Riegel  liegen  nähmlich  mehrere 
eiserne  oder  messingene  Platten  e,  von  ganz  eigenthümli- 
eher  Form,  wie  man  aus  Fig.  i5  ersehen  kann,  wo  eine 
derselben  filr  sich  abgebildet  ist.  Da  alle  diese  Platten 
genau  über  einander  liegen,  und  folglich  sich  decken;  so 
kann  man  in  Fig.  1 1  begreiflicher  Weise  nur  eine  dersel« 
ben  sehen.  Jede  Platte  besitzt  einen  zahnartigen  An- 
satz 7,  einen  viereckigen  Ausschnitt  A,  und  auiserdem 
noch  einen  längern  Schlitz  ,  mittelst  dessen  sie  sich 
an  einem  zur  Leitung  dienenden  Stift  d^  welcher  an  dem 
Riegel  fest  ist,  und  durch  alle  Platten  hindurch  ragt,  auf- 
nnd  niederschieben  läfst.  Am  Riegel  befindet  sich  ein 
unter  rechtem  Winkel  damit  vereinigter  Aufsatz,  cc>  der 
eben  so  wohl  zur  besseren  Leitung  der  erwähnten  Platten« 
als  zum  Angriff  des  Schlüsselbartes .  wenn  der  Riegel  ge- 
schoben werden  soll ,  dient«  Wegen  des  erstem  Zweckes 
besteht  er  aus  zwei  Theilen ,  zwischen  welchen  die  untern 
Enden  der  Platten  e  sich  bewegen  können.  Fig.  1 2  stellt 
den  Riegel  nebst  diesem  Ansätze  oder  Leiter  perspektivisch 
vor;  man  bemerkt  in  dieser  Zeichnung  die  beiden  Aus- 
schnitte o  und />,  welche  zur  Auf  nähme  der  Stifte  ^1  (Fig.  11) 
bestimmt  sind,  den  für  die  Platten  zur  Leitung  dienenden 
Stift  d,  und  den  Stift  der  Zuhaltungsfeder  n.  In  den 
senkrechten  Wändendes  Leiters  cc  sind  schmale  Nuhten 
angebracht  (die  Zeichnung  zeigt  sie  schwarz) ,  in  welche 
die  .Kanten  der  Platten  zu  liegen  kommen ,  damit  diese 
letztern  nicht  hart  auf  einander  fallen ,  und  sich  gegensei- 
tig in  der  Bewegung  hindern ;  eben  so  sind  Einschnitte  zur 
Aufnahme  dieser  Platten  in  dem  Boden  des  Leiters  1  der 
übrigens  aber  auch  ganz  oSen  bleiben  kann. 

Die  Art,  wie  das  Schlols,  während  der  Kopf  des 
Riegels  aufserhalb  desselben  sich  befindet,  zugehalten 
wird,  möchte  nach  der  Zeichnung  kaum  einer  weitläuftigen 


Erklämiig  bedürlen*     SSmmtliche  Platten  e  werden  iwk 
die  Zuhaltungftfeder/  in  der  angezeigten  Lage  erhalten; 
sie  Stämmen  sich  daher  mit  ihrem  bei  ;  befindlichen  Ab- 
sätze gegen  den  Stift  g ,  welcher  am  Schlofsbleche  fest 
ist ,  und  solchergestalt  die  Platten  nebst  dem  Riegel  Tor 
dem  Zurückweichen  schützt.     Die  Feder  /  ist,  weil  sie 
auf  jede  Platte  einzeln  einen  Druck  ausüben  muTs,  an  ihrem 
vordem  Ende  in  so  viele  Theile  gespalten,   als  Platten 
yerhanden  sind.     Man  sieht  sie  in  Fig.  i3  besonders  ge- 
zeichnet. 

Das  Offiien  des  Schlosses  kann  (vorausgesetzt,  dafs 
es  nicht  durch  Gewalt  geschieht)  dieser  Einrichtung  «n 
Folge  nur  dadurch  bewirkt  werden ,  dafs  man  die  Platten 
e  alle  zugleich  so  weit  in  die  Höhe  hebt,  als  nöthig  ist, 
um  dieselben  an  dem  Zuhaltungsstifte  g  sammt  dem  Riegel 
vorbei  bewegen  zu  können.  Wären  nun  alle  Platten  genat 
von  der  nähmlichen  Einrichtung ,  so  würde  es  mit  jedem 
gemeinen  Schlüssel ,  dessen  Bart  die  hinreichende  Laoge 
besäfse  ,  ohne  Anstand  möglich  sejn ,  das  Schlofs  za  öff- 
nen ;  das  letztere  würde  demnach  nur  eine  geringe  Sicher- 
heit gewähren.  Dieses  ist  aber  nicht  der  Fall,  sondem 
der  zahnartige  Yorsprung  j  befindet  sich  bei  jeder  Platte 
in  einer  andern  Höhe ;  folglich  mufs ,  um  demselben  uher 
g  hinaus  zu  heben ,  jede  Platte  auf  eine  tferschiedene  Weite 
bewegt  werden.  Weil  aber  auch  diese  Mafsregel  ohne 
Nutzen ,  und  es ,  um  den  Riegel  frei  zu  machen ,  hinrei- 
chend wäre,  die  Platte  überhaupt  nur  sehr  weit  auszuhe- 
ben, gleichviel  wie  weit;  so  hat  der  £rfinder  eine  Vor- 
richtung mit  seinem  Schlosse  vereinigen  müssen ,  welche 
das  genau  bis  ax\f  einen  gewissen  Punkt  reichende  Ausheben 
der  Platten  zur  noth wendigen  Bedingung  macht  Diese  B^ 
Stimmung  hat  der  zweite  Stiit  i,  an  welchem  jede  Platte, 
welche  zu  hoch  gehoben  wird,  sich  mit  dem  über  /  befind* 
liehen  Absätze  fangt,  und  so  das  Schieben  des  Riegel) 
neuerdings  verhindert.  Wenn  daher  das  Schlofs  ohne 
Gewalt  geöffnet  werden  soll,  so  mufs  nicht  nur  jede  Platte 
gehoben ,  sondern  sie  mufs  auch  gerade  so  hoch  gehoben 
werden,  dafs  sie  weder  an  den  untern,  noch  an  den  obern 
Stift  stöfst,  sondern  zwischen  beiden  genau  durchgeht. 

Damit  dieser   Erfolg   eintrete ,    mufs    begreiflicher 
Weise  der  Schlüssel  eine  angemessene  Bauart  betitien. 


5qi 

Sein  Bart  r  hat  nähmlich  (wie  man  aus  Fig.  17  abnelimen 
kann)  nicht  die  gewöhnliche  Gestalt ,  sondern  besteht  a«i8 
lauter  stafielförmigen  Absätzen,  deren  Anzahl  mit  jener 
der  im  Schlosse  vorhandenen  Platten  zusammen trifDu  Jede 
dieser  Staffeln  mufs  eine  solche  Länge  besitzen ,  dafs  die 
ihr  zugehörende  Platte  durch  sie  gerade  auf  die  erforder- 
liche Höhe  gehoben  wird.  Der  Bart  des  in  das  Schtofs 
eingebrachten  Schlüssels  nimmt  das  bewegliche  Schlüssel- 
rohr l  mit  sich  herum ,  und  fangt  dann  erst  den  Riegel  zu 
schieben  an,  wenn  er  die  Platten  auf  die  beschriebene  Art 
gehoben  hat.  —  Zur  Erläuterung  des  Gesagten  ist  Fig.  14 
beigefügt)  welche  das  Schlofs  in  dem  Augenblicbe  vorstellt, 
wo  der  Riegel  eben  in  seiner  Bewegung  begriffen  ist. 
Deutlich  sieht  man  dort  die  nunmehrige  Lage  der  Platten, 
welche,  so  wie  alle  übrigen  Theile,  mit  den  nähmlichen 
Buchstaben ,  wie  in  Fig.  1 1 ,  bezeichnet  sind« 

Wenn  das  Schieben  des  Riegels  vollendet  ist,  werden 
die  Pjatten  von  der  Feder/  wieder  herabgedrückt;  fallen 
aber  jetzt  mit  ^hren  bei  h  befindlichen  Einschnitten  auf  den 
zuhaltenden  Stift  g,  der  nun  den  Riegel  neuerdings  so 
lang  unbeweglich  macht,  bis  der  ganze  Vorgang  wieder- 
hohlt  wird. 

Die  Sicherheit  dieses  Schlosses  beruht,  wie  man  sieht, 
auf  dem  Umstände ,  dafs  die  Platten  e  zugleich  auf  f^erschie- 
dene  Höhen  gehoben  werden  müssen ,  und  dafs  ein  zu  ge- 
ringer Hub  (auch  nur  einer  einzigen  Platte)  eben  sowohl 
das  Schlofs  gesperrt  halt ,  als  ein  zu  grofser.  Einzuwen- 
den ist  gegen  dasselbe  nur  Folgendes:  Erstene^  dafs  seine 
Einrichtung  etwas  komplizirt,  und  die  genaue  Verfertigung 
davon  schwierig  ist;  zweitent^  dafs  die  ganze  Gewalt  bei 
einem  etwaigen  Versuche,  den  Riegel  gewaltsam  zurück 
zu  schieben,  auf  den  Stift  g  fallt,  der,  selbst  bei  einer 
bedeutenden  Dicke,  leicht  wird  abgedrückt  werden  können. 

Übrigens  gewährt  dieses  Schlofs  (welches  mit  keinem 
Ilauptschlüssel  geöffnet  werden  kann) ,  eben  so  wie  das  im 
III.  Bande  dieser  Jahrbücher  (Seite  468)  beschriebene 
Slrutl'scYie  ^  den  Vortheil,  dafs.  die  Kombination  der  Fiat-, 
ten  aufs  er  ordentlich  abgeändert  werden  kann ,  worauf  sich 
eben  auch  grofsentheils  die  Sicherheit  gründet.  Da  nähm- 
lich die  Zahl  der  Platten ,  so  wie  die  Höhe ,  zu  welcher 


Sga 

sie  gehoben  werden  müssen ,  telir  Yerschieden  »eyn  kum, 
so  wird  man  nicht  leicht  ohne  Vorsatz  zwei  Schlösser  die- 
ser Art  verfertigen  können,  welche  sich  durch  einen  und 
den  nähmlichen  Schlüssel  sperren  lassen.-    Selbst  in  den 
Falle )  dafs  der  Schlüssel  dem  Eigenthümer  in  Yerlnst  g^ 
räth,   unterliegt  es  keinem  Anstände  9  einige  der  Plattes 
gegen  einander  zu  yerwechseln ,  sich  einen  nenen  Schlüssel 
Verfertigen  zu  lassen  1  und  somit  den  alten  zam  Auftperres 
untauglich  zu  machen.     Diese  Yortheile  stellen  das  gegen- 
wärtige Schlofa  in  eine  Klasse  mit  dem  oben  erwähnten 
des  Struit,  und  nähern   es   dem  Muster  Isller  Sicherheits- 
schlösser, dem  firamaVschen  Patentschlosse,  welches  im 
I. 'Bande  dieser  Jahrbücher  (Seite  3 14)  besehrieben  wo^ 
den  ist. 

r 

Ein  in  Wien  verfertigtes  Exemplar  des  JMIsIfe/'schea 
Schlosses  befindet  sich  im  National- Fabriksprodukten -Ht- 
binette  des  polytechnischen  Institutes. 


211.  Neue  Versuche  über  die  Anwendung  des  Koch- 
und  Glaubersalzes  in  der  Giasfabrikation. 

(AnnaUi  de  V Industrie  ^  Aoüt  iS^s.) 

Durch  eine  Reihe  mit  Beharrlichkeit  angestellter  Ter- 
suche  ist  es  dem  Unterdirektor  Le  Guajr  an  der  Spiegel- 
fabrik  zu  Saint  ^Gobin  in  Frankreich  gelungen,  das  Kochsais 
und  Glaubersalz  mit  gutem  Erfolge  in  der  Glasbereiton; 
anzuwenden.  Das  Kochsalz  besitzt  im  Vergleich  mit  der 
gewöhnlich  gebrauchten  Pottasche  und  Soda  einen  sehr 
geringen  Werth.  Msn  erhält  mittelst  desselben,  wie  I^ 
GuxLy  behauptet,  ein  schnell  und  rein  geflossenes,  nur  bei 
einer  Dicke  Ton  3  bis  4  Linien  schwach  grün  gefärbtem 
Glas,  wenn  man  sich  des  folgenden  Einsatzes  bedient: 

Abgeknistertes  Kochsalz         •         •         .100  Tbeil^i 
«     Gelöschten  Kalk      •         •         •        •         .100        * 

Sand 140        » 

Alte  Glasscherben  nach  Belieben  5o  bis  ao'o        ' 

Das  Glaubersalz  (schwefelsaure  Natron)  biethet  gleich' 
falls  eine  grofse  Ersparnifs  bei  seiner  Anwendung  alsGU^ 
Schmelzmittel  dar ,  und  die  Beschaffenheit  des  dami^  ^^ 
haltenen  Glases  wird  gelobt.     Man  nimmt : 


593 

Trocknes  GlanBeraalz    .        .        •        .  loe  Theile, 
Gelöschten  Kalk     «        *        ,        .        «     la 
Kohlenpulrer  •        •        «        «        «        «19 
Sand      ••«•••«  aaS 
Glasscherben ,    nach  Belieben   5o   bis  aoo 

oder: 

Trocknes  Glaubersalz    •        •        •        •  100  Theile, 

Gelöschten  Kalk s66        » 

Sand       •••••«•  5oo         • 
Glasscherben.        •        •        •        60  bis  aoo        9 

Das  Glaubersalzglas  ist  dichter  und  schwerer,  als 
das  gemeine  Glas;  es  eignet  sich  zu  jedem  Gebrauche} 
vorzüglich  aber  zu  optischen  Instrumenten. 

Nach  den  vorstehenden  u\|d  denjenigen  Erfahrungen, 
welche  insbesondere  no,ch  mit  kohlensaurem  Natron  ange- 
stellt worden  sindjäfst  sich  für  jede  Sorte  der  gemeinen  Soda, 
deren  Gehalt  an  schwefelsaurem  und  salzsaurem  Natron  man 
kennt ,  die  Menge  von  Sand  und  Kalk  berechnen ,  welche 
zur  Erzeugung  eines  guten  Glases  nöthig  ist.  Setzt  man 
z.  B.  die  Bestandtheile  einer  käuflichen  .  Soda ^  Sorte  zu  80 
Prozent  kohlensaurem,  14  Prozent  schwefelsaurem  und 
6  Prozent . salzsaurem  Natron,  so  werden  für  loo  Theile 
derselben  378.4  Th«  Sand,  und  5 1.24  Th.  Kalk  zur  voll- 
kommenen Yerglasung  erfordert ;  denn : 

ThtU« 

80  Th,  kohlens.  Natron  verlangen  (den  an-  sandu  kIiiu 

gestellten  Yersuchen  zu  Folge         •  soo  8 

14    »    schwefeis.  Natron    •         .         •        .  70  37.24 

6    »    salzs.              »          .         .        •         .  8.4  6 


S78.4    Si.24 


:2a.    Englisches  Yerfaliren^  damaszirte  Gewehrläufe 

zu  brüniren. 

l£ine  der  angenehmsten  und  beliebtesten  Yerzierun- 
gen  der  Läufe  an  Jagdgewehren  ist  bekanntlich  das  BräU" 
nen  (Brüniren)  derselben ,  wodurch  sie  nicht  nur  den  auf 
der  Jagd  unbequemen  Glanz  verlieren,  sondern  auch 
eine  gleichförmige,  matt  glänzende  braune  Farbe  erhaltenf 

3*krb.  d«»  polyt«  Inst.  IV^  B4.  ^^ 


4 


594  I 

nnd  vor   dem  Roste  geschützt  bleiben«     Ungeachtet  die 
Büchsenmacher   alicemein    das    Verfahren  •- wodurch  sie 
den  Läufen  jenes  angenehme  Aufsere  geben ,  unier  ihre 
Geheimnisse  zählen,    so  nnterliegt  doch  keinem  Zweiiel, 
dafs  die  braune   Farbe  von  weingeistigem  SchelUkümiis 
herrühre ,  der  durch  eine  auf  der  Oberfläche  des  Eisens    « 
künstlich  hervorgebrachte  Rauhigkeit  darauf  befestigt  itird, 
weilser  an  dem  blanken  Metalle  nicht  haften  irürde.    Die 
Si^iwierigheit,  welche  hierbei  zu  überwinden  ist,  besteht 
nw  darin ,  dafs  dem  Elisen  jene  Rauhigkeit  mit  der  mög- 
lichsten Gleichförmigkeit ,  und  in  keinem  höheren  Grade 
gegeben  werde,  als  eben  zum  Anhaften  des  später  aufge- 
tragenen Firnisses^  nothwendig  i&t. 

Die  einfachste  Methode  zur  Erreichung  dieses  Zwei* 
kcs  besteht  wohl  in  der  Anwendung  rauchender  Säuren, 
deren  Dampf  man  das  Metali  so  lang  aussetzt,  bis  dasselbe 
mit  einer  sehr  unbedeutenden  Lage  yon.Rost  überzogeB 
erschein-t,  über  welche  dann  sogleich  der  Firnifs  auige 
strichen  werden  kann.  Einige  Büchsenmacher  in  li'it^ 
scheinen  sich  dieses  Mittels  zu  bedienen^  und  wirklick 
ha^  lierr  Professor  AltmüiUr  am  polytechnischen  Instiiuie 
in  seinen  Vorlesungen  mehrmahls  geglüekte  Versuche  aa- 
gestellt,  den  Flinteiiläufen  durch  den  Dampf  von  rauchen- 
der Salzsäure  jene  vorerwähnte  Rostbede^kung  zu  gebeoi 
wozu  freilich  bedoutenJe  Zeit  und  einige  Aufmeiksamt^i^ 
nöthig  ist,  damit  nicht  einzelne  Stellen  des  Eisens  zu  sebr 
ang/egrifFen  werden.  Aul'serdem  soll  man  sich  häutig  der 
Spiefs^lanzbüiter  zum  Bräunen  der  Gewehrläufe  bedienen, 
welche  auch  als  englisches  ßronziersah  in  kleinen  Fläschchen 
verkauft  wird ;  ieh  bin  aber  über  den  Grad  der  AnircD<l' 
barkeit  dieses  Mittels  nicht  genau  unterrichtet« 

Nöcli  viel  mehr  als  für  die  gemeinen  Flintenläofe 
dient  das  Brüniren  zur  Verschönerung  der  damaizirU^ 
oder  sogenannten  Drahtlävfe ,  welche  dadurch  eine  scbunö 
dunkelbraune  Farbe  erhalten,  die  aber  keineswegs  undurch- 
sichtig ist,  sondern  die  hellen  und  dunkeln  Linien  de$ 
■Damastes  detitlich  erkennen-  läfst.  Es  ist  übrigens  hierron 
eben  so  wenig  bekannt ,  als  über  das  Brüniren  der  gemcic«^" 
.Läufe.  In  England  soll  man  sich,  wie  der  Herausgob^'^ 
Ae%  Technical  Repontory  ^  Qill,  versichert,  des  nachstehen- 
den Verfahrens  beim  Bräcruen  bedienen.     Der  asu  behan- 


595 

« 

delifd^  Lauf  yfivAi  flachdem  er  reih  gefeilt,*  politt  and 
durch  Abreiben  mit  uQgelöschtem  Kalk  and  Wasser  von 
Fett  ganz  befreit  worden  ist,  an  beiden  Enden  mit  hölzer- 
nen Zapfen  yerstopft,  welche  nicht  nur  als  Handhaben 
dii^n^n,  sondern  zagleich  das  Eindringen  der  Behze  in 
die  Seele  des  Laafes  yerhindern«  Man  bestreicht  ihn  hier- 
auf wiederhohlt  mit  einer  Auflösung  von  Kupfervitriol  in 
Wasser  so  lange,  bis  er  sich  ganz  mit  gelben  und  grünen 
Flecken  bedeckt  zeigt,  und  der  Damast  deutlich  hervor- 
getreten ist.  Die  durch  die  Wirkung  des  Vitriols  entstan- 
dene Kruste  mufs  von  Zeit  tu  Zeit  mit  Hülfe  einer  nasseii 
steifen  Bürste  weggerieben  werden ,  bevor  man  die  Auflö- 
sung neaerdings  aufstreicht,  um  das  deutliche  Erscheinen 
der  heller  und  dunkler  gefarbtto  Linien  des  Damastes  zu 
befördern.  Würde  man  dieses  versehen ,  und  wäre  dem 
zu  Folge  die  oxydirle  Rinde  auf  der  Oberfläche  des  Laafes 
zu  dick  geworden ,  so  müfste  man  sie  mittelst  einer  Kratz- 
bürste aus  Draht  zu  beseitigen  suchen;  Der  auf  die  be- 
schriebene Art  vorbereitete  Lauf  wird  nun  durch  Bestrei- 
chen mit  einei^  eigenen  Beitze  gebräunt.  Diese  Beitze  kann 
verschieden  seyn;  ihre  Zusammensetzung  wird  aber  votf 
Gilt  auf  folgende  Art  angegeben; 

Kupfervitriol  2  Unzen,- 

Ätzender  Quecksilber- Sublimat  60  GraYi,*     ' 

Yersüfster  Salpetergeist  {Spiritus  niiri  dulcis)   1  7i  t^n- 

zemnafse,' 
Stahltinktur  (iincluramartii  aloälina  Slahlü?)  1  ünzenr- 

mafff« 

Der  Vitriol  wird  in  4  Quart  (etwns  über  2  Vi  Wiener 
Mäfs)  Wasser  aufgelöst,  und  der  Sublimat  mit  den  ztrei 
andern  Ingredienzien  abgerieben.  Die  gebildete  Flüssig- 
keit streicht  man  wiederhohlt  bis  zum  Eintreten  des  ver- 
langten Erfolges  auf,  zuletzt  begiefst  man  den  Lanf  mit 
einer  grofsen  Menge  siedenden  Wassers  (um  die  Wirkung 
der  Beitze  schnell  zu  hemmen),  und  reibt  ihn,  noch  warm, 
mit  Schellakfirnifs  oder  Wachs  ein.  Der  Quecksilber- 
Sublimat  kann  aus  obiger  Zusammensetzung  (obschon  er 
die  Wirkung  sehr  beschleunigt)  weg  bleiben,  was  auch 
wegen  der  grofsen  Schädlichkeit  desselben  für  die  Gesund- 
heit räthlich  ist.  —  Eine  feuchte ,  weder  zu  kahe  hoch  zu 
irarme  Atmosphäre  soll  dem  Gelingen  des  Prozesses  a?Fk 

3a* 


.  ■»,  -«k*  ' 


596 

günstigsten    sejn,    dock   gehört  überhaupt  eine  gewisse 
Geschicklichkeit  dazu. 


a3.    Inatrument  zum  Anspitzen   der    Zeidienstifte. 

-  (AnndUs  de  Vtndustrit^  Avril  et  Juiriy   1822.) 

Jeder  Zeichner  kennt  die  Wichtigkeit  einer  Methode^ 
die  Bleistifte  schnell ,  bequem  und  so  anspitzen  zu  können, 
dafs  die  Spitze  genau  in  der  Achse  derselben  liegt«  Die 
Noth wendigkeit  des  zuletzt  genannten  Um^tandes  wird  am 
fühlbarsten  bei  den  Bleistiften ,  deren  man  sich  an  den 
Panlographen  bedient  i  gleichwohl  kann  derselbe  aarcli 
die  gewöhnliche  Art  des  Zuspitzens ,  mittelst  Messer  o^er 
Feile  aus  freier  Hand,  kaum,  oder  doch  nur  sehr  mübsam 
erreicht  werden«  Herr  C  A.  Boucher,  Hauptmann  im  kö- 
nigl,  französischen  Ingenieur -Korps ,  hbt  daher  ein  Instni- 
ment  angegeben ,  durch  welches  alle  -oben  genannten  Be- 
dingungen beim  Zuspitzen  der  Bleistifte  zur  Genüge  erfüllt 
-werden.  Dieses  Werkzeug  versieht  alle  Arten  Ton  Zei- 
chenstiften (wie  gemeine  Bleistifte,  Rothstein  und  selbst 
die  fette  Komposition  der  in  der  Lithographie  angewende 
ten  Krajons)  nicht  nur  mit  einer  sehr  feinen  Spitze  j  son- 
dern es  verhindert  auch  das  Abbrechen  der  Stifte  wäbreoJ 
des  Zuspitzens,  und  gestattet  die  Anwendung  des  abfallen- 
den Staubes  zu  gewischten  Zeichnungen  und  zur  Berei- 
tung chemischer  Tinte,  indem  man  ihn  für  den  letzten 
Fall  im  Wasser  auflöst» 

Das  Instrument,  dessen  Gebrauch  man  sich  durch 
eine  kurze  Übung  eigen  machen  kann ,  besteht  aus  einem 
Gestelle,  worauf  der  anzuspitzende  Zeichenstift  horizontal 
oder  schief  gelegt  wrerden  kann ,  je  nachdem  man  es  far 
die  Feinheit  der  verlangten  Spitze  nöthig  ode^  zuträglich 
findet ;  und  auf  welchem  zugleich  eine  Art  von  Hobel  i^ 
schiefer  Richtung  gegen  die  Achse  des  Krajons  beweglich 
ist.  Dieser  Hobel  besitzt  auf  einei^  Seite  eine  Art  tob 
Messer  aus  gehärtetem  Stahle  zum  Anspitzen  der  litho- 
graphischen Krayons ,  auf  der  andern  aber  eine  Feile  für 
gemeine  Bleistifte.  Er  besitzt  zugleich  eine  solche  Ei"' 
richtung,  dafs  man  ihn  nach  Erfordernifs  stärker  oder 
schwächer  gegen  den  eingelegten  Stift  anzudrücken  \^ 
Stande  ist,  was  ein  paar  einfache  stählerne  Federn  bewu" 


ken«  Während  man  nun  mit  den  Fingern  der  linken  Hand 
dem  Bleistift  eine  drehende  Bewegung  um  seihe  Achse 
gibt,  wird  von  der  rechten  Hand  der  Hobel  in  gerader 
(aber  wie  gesagt  schräger)  Richtuifg  hin  und  her  ge2ogen| 
wodurch  natürlich  schnell  eine  vollkommen  runde  Spitze 
an  dem  Krayon  hervorgebracht  wird. 

Da  indessen  dieses  Instrument  beide  Häiide  zugleich 
in  Anspruch  nimmt,  und  da  es  doch  viele  Personen  gibt» 
welche  nicht  leicht  im  Stande  sind,  zwei  verschiedene 
Verrichtungen  zugleich  vorzunehmen,  so  hat  der  Erfinder 
später  sein  Instrument  dahin  abgeändert,  dafs  nun  nur 
mehr  eine  einzige  Hand  zur  Bewegung  desselben  erfordert 
wird.  Der  Bleistift  wird  nähmlich  horizontal  eingelegt, 
und  läfst  sich  während  der  Arbeit  durch  den  einfachen 
Druck  auf  einen  kleinen  Hebel  nach  und  nach  der  Feile 
nähern.  Diese  letztere  liegt  schief  auf  einer  Art  Lineal 
aus  Holz,  welches  abwechselnd  hin-  und  hergezogen  wird, 
und  die  Stelle  des  Hobels  bei  dem  frühem  Instrumente 
vertritt.  Das  Lineal  bildet  eine  Art  von  Drehbogen ,  des- 
sen Schnur  zugleich  um  eine  an  dem  Bleistift  steckenide 
Rolle  geschlagen  ist,  und  mithin  jenem  zugleich  eine  dre- 
hende Bewegung  mittheilt.  Auch  hier  mufs  die  Feile, 
zum  Anspitzen  der  lithographischen  Krajons ,  durch  ein 
scharfes  Messer  ersetzt  werden,  weil  die  fette  Masse  die^ 
ser  Stifte  eine  Feile  zu  bald  verschmieren  und  stumpf 
machen  würde. 


-* 


nf^    Neue  Methode^   zweifarbige   gedruckte   Zeuge 
♦  zu  verfertigen* 

(Annales  de  t Industrie^  Mars  j8a<2.) 

Jedermann  kennt  die  blauen,  mit  Indigo  gefärbten,- 
Bsrumwollenzeuge  und  Schnupftücher,  welche  auf  ihrem 
dunklen  Grunde  weifse,  scharf  begränzte  Figuren  zeigen. 
Die  Verfertigung  derselben  geschieht  auf  eine  sehr  ein- 
fache Art,  indem  man  nähmlich  die  Zeichnung  oder  den 
Dessctn  mit  sogenannter  Reseri^age  (einem  aus  fetten ,  har- 
zigen und  erdigen  Materialien  zusammengesetzten  Kleister) 
aufdruckt,  den  ganzen  Zeug  in  der  Küpe  ausfärbt,  und 
zuletzt  den  Kleister  durch  Kochen  in  Kleienwasser  wieder 
beseitigt.     Diese  Methode  geht  sehr  wohl  bei  der  blauen 


59» 

Farbe  aui  welche  matt  ohne  Hindiernifa  halt  färben  kuii; 
sie  ist  aber  unanwendbar  für  jede  ändert  Farbe ,  zu  deren 
Befestigung  Hitze  i^oth wendig  ist.  —  Zu  Glasgow  in  SchoH- 
far}.d  (st  seit  Kurzem  eine  Fabrik   entstanden ,  welche  lür- 
)i^sch  rothe  Schnupftücher  mit  weifsen  Figuren  verfertigt, 
welche  eben  so  scharf  bjegr^nzt,  und  yon  dem  umgebenden 
farbigen  Grunde  abgeschnitten  sind ,  als  an    jenen  blasen 
Zeugen ,  von  welchen  oben  die  Rede  war.     Man  kann  znr 
Herstellung  dieser  Desseins  auf  keinem  andern  Wege  ge- 
langen, als  dafs  man  an  den  erforderlichen    Stellen    die 
schon  gegebene  rothe  Farbe  wieder  wegbpitzt;  weil  man 
keine  Rcservage  anzuwenden*  vermag  ^  die  nicht  von  den 
zur    Hervorbringung  der    türkischrpthen  Farbe    nothiger 
Weise    gebrauchten    Stoffen    aufgelöst   würde.      Nun   ist 
zwar  dieses  Wegbeitzen  der  Farben  (der  Druck  mit  Enl^' 
t>age)  keineswegs  n^el^r  neu  und  unbekannt;  wohl  aber  ist 
es  die  nachfQlgeride  Methode ,  diesen  Prozefs   auszuüben, 
welche  in  der  Fabrik  z\\  Glasgan^  gebräuchlich  ist. 

Ifacbdem  das  Stück  Zeug«  welches  zwölf  Tücher  entT 
hält  9  gleichmäCsig  gefärbt  ist,  wivd  es  in  zwei  gleiche 
Hälften  abgelheilt,  deren  jede  folglich  aus  sechs  Tüchern 
besteht.  Jedq  Hälfte  wird  abgesondert  so  zusammengelegt, 
dafs  genau  die  sechs  Tücher  auf  einander  l^ommen,  und 
das  Stück  nur  mehr  ^le  Qi'QÜse  eines  einzelnen  Tuches  hat', 
m^n  legt  dieselbe  nun  auf  eine  Bleipl^tte ,  in  welcher  ä\t 
verlangte  Zeichnung  ausgeschnitten  ist ,  und  deren  rerr 
schiedene  Höhlungen  sich-  in  ein  rundes  Loch  endigen, 
womit  die  Platte  durchbohrt  ist.  Eine  andere  Bleiplattf} 
Vplohe  genau  n^tt  denielLien  ({öhlungeu  wie  die  erste  vor- 
sehen ist,  wird  darauf  gelegt ,  und  das  Ganze  bringt  man 
auf  die  bewegliche  iPlatte  «iner  starken  hydraulischen 
Presse,  die  man  so  stark  als  möglich  drücken  läfst.  Pi<^ 
beiden  Platten  dieser  Presse  sind  toi^  einer  eigenen  Ei»^ 
richtung;*jede  derselben  besteht  nähnUich  "Vfieder  aus  zwei 
auf  .einander  liegenden  Tafeln  von  Gufsei^en,  von  denen 
die  das  Blei  unmittelbar  berührende  eben  so  viele  Löcher 
|iat,  §]s  die  I^leiplatte  selbst,  während  die  andere  ein  i^ 
bis  18  Linien  weites  Loch  besitzt.  Die  Löcher  der  ersten 
Tafel  korrespondiren  genau  mit  don  durchgeschnittenen 
Desseins  der  Bleiplatte,  und  bilden  gleichsam  eine  Fort* 
Setzung  derselben«  Anderseits  besitzt  die  zweite  Taf<^^ 
auf  ihrer  verdeckten  Fläche  kleine  Rinnen ,  welche  diese 


599 

Locher  mit  der  erwähnten,  i9  bis  18  Linien  weiten,  Ilanpt- 
öflnung  verbindet.  Wie  gesagt,  besitzen  beide  Platten 
der  Presse  ganz  die  nähmliche  eben  beschriebene  Ein- 
richtung. Während  nun  die  Hauptöffnung  der  oberen  mit 
einem  Gefafse  yoU  tropfbarer  Cblorine  (oxydirter  Salz* 
säure)  in  Verbindung  steht,  kommunizirt  die  der  untern 
(beweglichen)  Platte  mit  einer  Luftpumpe.  Indem  ipan 
diese  Maschine  in  Thätigkeit  setzt,  wird  im  untern  Theil 
des  Apparates  qin  beinahe  luftlerer  Raum  hervorgebracht. 
Man  öffnet  hierauf  einen  Hahn ,  der  das  mit  Chlorine  ge-  • 
füllte  GefafsTerschlofs,  und  zwingt  auf  diese  Art  die  blei- 
chende Flüssigkeit,  von  oben  durch  die  Löcher  der  bleier- 
nen und  eisernen  Platten ,  so  wie  durch  den  Zeug  selbst 
i&u  dringen,  und  diesen  letztern  somit  an  allen  Stellen, 
wo  er  damit  in  Berührung  komipt ,  zu  entfärben.  Pie  rund 
um  den  Dessein  befindlichen  Theile  des  Gewebes  bleiben, 
wegen  des  heftigen  Druckes ,  dem  sie  fortwährend  ausge- 
setzt sind,  begreiflicher  Weise  von  jener  Wirkung*  ver- 
schont. Wenn  die  Chlorine  au^  diese  Art  den  Dessein  in 
sechs  Tüchern  auf  einmahl  hervorgebracht  hat ,  läfst  man 
nach  d^r  beschriebenen  Methode  reines  Wasser  die  freien 
Stellendes  Gewebes  durchdringen,  iiqi  dieselben  aas;su- 
waschen«  Sehr  verdünnte  Schwefelsäure  (4»  Theile  Was- 
ser, 1  Theil  Säure)  ninimt  hierauf  den  meist  noch  zurück- 
gebliebenen gelblichen  Stich  weg,  und  durch  abermahlt 
und  jetzt  in  grofser  Menge,  angewendetes  Wasser  wird 
die  Reinigung  vollendet.  Wenn  der  Zeug  nach  dieser  Be- 
handlung aus  der  Presse  genommen  wird,  ist  er  auch  schon 
zur  letzten  Appretur  geeignet.  —  Wünscht  man  aber  den 
Dessein  nicht  weifs ,  sondern  farbig ,  so  wird  noch  vor 
dem  Offnen  der  Presse  das  erforderliche  Pigment  in  Form 
einer  siedenden  Brühe  eben  so  applizirt,  wie  früher  die 
bleichende  Chlorine.  Die  Austrocknung  dieser  Farbe 
mufs  natürlich  in  der  Presse  geschehen,  was  mittelst  des 
luftleren  Raumes,  in  welchen  man  eine  gewisse  Menge 
trockenen  salzsauren  Kalk  bringt,  leicht  ist.  Es  können 
anch  auf  die  weifs  ausgebleichten*  Stellen  mit  Formen  nach 
dem  gewöhnlichen  Yerfahrem  Blumen  u,  dgl«  aufgedruckt 
werden  *). 
^    -.    '     .■■'-■ --  ■ ,  I  ■  .  .     ■        ■         » 

•)  Die  Kettenliofer  ZitÄ  -  und  Kattun TabriH  nächst  Schufäckaf 
(V.  U.  W.  W.)  hat  dem  National  -  FabriUsprodukten  -  Ka* 
biaette  am  polytechnischon  Institute  einige ,   wahrscheinlich 


*  I 


6oo 

Sechzehn  Pressen  sind  in  der  Fabrik  ohne  Anftorea 
in  Thatigkeit;  eine  Dampfmaschine  bewegt  sie  sammtlich, 
und  zwei  Personen  reichen  zur  Bedienung  hin. 

Es  wäre  leicht ,  in  dem  rorstehenden  Falle  die  lUoT- 
sehe  hydrostatische  Presse  statt  der  kostspieligen  Bramak' 
sehen  anzuwenden« 

a5«    Siderographie  "*)• 

{Transaetions  ofthe  SoCietyfor  Encouragement^  VoLXXXVliL 

1820.) 

«  Diese  wichtige  Erfindung  der  Amerikaner  Perking^ 
Fairman  und  Heath  besteht ,  der  Hauptsache  nach ,  in  der 
Verfertigung  grarirter  Stahlplatten,  welche  beliebig  w- 
«Tielföltigt  werden  können,  und  zum  Abdrucke  eben  so,  ja 
wegen  ihrer  Dauerhaftigkeit  noch  besser ,  wie  die  Kapfei> 
platten ,  tauglich  sind« 

Gufsstahl  ist,  als  die  beste  Stahlsorte,  2ur  Yerferti- 
guns  dieser  Platten  vorzugsweise  brauchbar.  Man  mnfs 
ihm  aber ,  um  das  Grayiren  darauf  zu  erleichtem ,  eine  so 
viel  möglich  weiche  Oberfläche  geben,  und  dieses  geschient 
am  besten  durch  Entkohlung  desselben,  welche  ihn  m« 
Thcil  in  Eisen  verwandelt«  Die  Erfinder  gehen  hierbei 
auf  folgende  Art  zu  Werke.  Sie  sdhliefsen  das  aus  Stahl 
verfertigte  Stück  (z.  B.  eine  in  der  Folge  zu  gravirende 
Platte)  in  eine  gufseiserne  Büchse  ein,  deren  Wände  9 
bis  10  Linien,  dick  sind,  und  welche  mit  einem  eben  s^ 
starken  Deckel  durch  Aufkitten  geschlossen  wird.  Sie  ab- 
geben es  hier  ganz  mit  reiner  Eisenfeile,  und  setzen  es 
durch  vier  Stunden  der  Weifsglühhitze  aus.  Nach  Verlauf 
dieser  Zeit  läfst  man  das  Feuer  ausgehen,  und  bedeckt  a^^ 

auf  ganz  ähnliche  Art  verfertigte,  Tücher    sur  ÖfTentlicoen 
Aufstellung  übergeben, 

* 

•)  Ich  nehme  keinen  Anstand ,  diesen  Artikel  »up  Vervolls^J"* 
digung  der  im  III.  Bande  dieser  Jahrbücher  S.  4'^  ßclieCef* 
tcn  Notiz  mitzittheilen ,  da  die  Siderographie  wirklieb  menc 
Aufmerksamkeit  verdient,  als  ihr  in  Deutschiamd  ^tyi<i^^^^ 
SU  scyn  scheint,  und  manche  dabei  vorkommenden  ^^^^^ 
griffe  auch  für  die  Stahl  Verarbeitung  überhaupt  von  ^^'^'*' 
tigkeit  sind. 


6oi 

Büchse  sechs  oder  siebenZolI  dich  mit  feiner  Kohlenlösche, 
um  der  Luft  den  Zutritt  in  das  Gefafs  abzuschneiden. 
Man  darf  sich  nicht  darauf  beschränken,  einzelne  Flächen 
eines  Stahlstückes  durch  die  Berührung  mit  Eisenfeile  zu 
entkohlen ,  sondern  diese  Operation  mufs  auf  allen  Stellen 
gleichförmig  vor  sich  gehen,  -weil  aufserdem  der  Stahl 
beim'  nachfolgenden  Härten  sich  werfen  und  zerreifsen 
würde«  Der  Erfahrung  zu  Folge  thut  man  hierbei  am 
besten ,  den  Stahl  in  vertikaler  Stellung  zu  erhitzen.  Die 
Tiefe,  bis  zu  welcher  die  Oberfläche  des  Stahls  ihres 
Kohlenstoffes  beraubt,  und  in  Eisen  verwandelt  werden 
mufs,  ist  nach  der  Art  der  Zeichnung,  welche  man  auf 
den  Stahl  tragen  will ,  verschieden.  Für  ieine  und  zarte 
Gravirungen  darf  die  entkohlte  Schichte  nicht  mehr  als 
die  dreifache  Tiefe  des  Stiches  betragen ;  bei  weniger  zar- 
ten Zeichnungen  braucht  man  hingegen  k^ne  besondere 
Sorgfalt  anzuweadeif ,  und  hier  kann  man  di^  Entkohlung 
auf  eine  beliebige  Tiefe  treiben* 

Wenn  eine  Stahlplatte  auf  die  zuvor  beschriebene 
Art  entkohlt  worden ,  und  nach  Endigung  des  Prozesses 
so  langsam  als  möglich  erkaltet  ist,  kann  sie  durch  einen 
geschickten  Künstler  mit  den  allgemein  bekannten  Hand- 
griffen gestochen  werden.  Diese  Platte,  welche  die  Er- 
finder eine  Matrize  nennen ,  weil  sie  in  ihrer  Bestimmung  • 
eiüe  grofse  Ähnlichkeit  mit  den  gl  eich  nahmigen  Werkzeu- 
gen der  Schriftgiefser  hat,  wird  auf  eine  noch  anzugebende ' 
Art  gehärtet,  und  dient  alsdann  zur  Verfertigung  einer 
beliebigen  Anzahl  anderer,  entweder  kupferner  oder  stäh- 
lerner Platten,  welche  einander  vollkommen  gleichen*  * 
In  dieser  Übertragung  einer  Zeichnung  von  der  als  Ma- 
trize dienenden  Platte  auf  eine  beliebige  Zahl  anderer  Plat- 
ten, besteht  hauptsächlich  die  Erfindung  der  Sidei'ographie. 
Man  befestigt,  um  sie  zu  bewirken,  jeinen  Zjlinder  von 
Gufsstahl,  dessen  Oberfläche  hinreicht,  die  Matrize  ganz 
zu  bedecken ,  in  einem  festen  Gestelle  so ,  dafs  er  nur  um 
seine  Zapfen  sich  drehen  kann.  Nachdem  die  Oberfläche 
dieses  Zylinders  entkohlt  worden  ist ,  bringt  man  ihn  mit 
der  oben  erwähnten  Matrize  in  Berührung,  und  drückt  Jlhn 
durch  eine  eigene  Vorrichtung  stark  dagegen  an;  nun 
gibt  man  der  Matrize  einehin-  und  hergehende  Bewegung, 
und  zwingt  dadurch  den  Zjlinder,  sich  zu  drehen,  und  in 
der  nähmlichen  Zeit  die  vertiefte  Zeichnung  der   Platte 


602 

erhaben  anzuneliinen.    Diese  Operation  setzt  man  soUnge 
fort,  indem  man  den  Druck  dabei  nach  Erfordernis  \ei- 

*  stärkt,  bis  man  durch  Hülfe  ein^s  Mikroskopes  bemerkt, 
dafs  der  Abdruck  auf  dem  Zylinder  vollkommen  ist.  Selb&t 
dem  Unverständigsten  ist  es  einleuchtend,  dafs  der  Erfolg 
dieses  Verfahrens  nur  dann  ein  brauchbarer  seyn  könne^ 
weqn   beim  Baue  der  Maschine    di^  höchste    Genauigkeit 

'   beobachtet  ist,  indem  sonst  d^e  Züge  sehr    leicht  doppelt 
auf  dem  Zylinder  zum  Yorscheine  kommen  wurden.    Man 

^  darf  eben  defswegen  mit  dem  Drucke  nicht  nachlassen^ 
npid  den  Zylinder  nicht  eher  aus  der  Vorrichtung  entfer- 
nen,  als  bis  4er  Abdruck  vollendet  ist  Dann  aber  öffoet 
man  die  Presse,  nimmt  den  Zylinder  heraus«  stahlt  u«^ 
hortet  ihn  wieder,  und  bedient  sich  seiner  endlich  znr 
Verfertigung  der  Platten.  Diese  letztern  werden  —  wenn 
ßie  von  liupfer'sind ,  ohne  weitere  Vorbereitung;  sind  sie 
aber  von  Stahl,  im  entkohltenZustande — derselben  Operation 
unterworfen ,  wie  früher  die  Matrize.  Man  erhält  jetzt 
einen  dem  obigen  entgegengesetzten  Erfolg;  nähmlich  die 
auf  dem  Zylinder  erhaben  befindliche  Zeichnung  drückt 
sich  tief  in  die  Platte  beim  Hin  r  und  JBergehen  derselben 
ein.  Was  dadurch  entsteht,  ist  eine  getreue  Kopie  der 
Matrize,  welche  ip  der  Folg^  gehärtet,  und  zu  einer  im 
eigentliclfen  Sinne  unendlich  zu  nennenden  Anzahl  too 
Abdrücken  ?l^f  Papipr  verwendet  werden  kann» 

Sowohl  das  Stählen  und  Härten  dieser  Platten,  ah 
jenes  der  Matrizen  und  Zylinder,  geschieht  auf  eine  und 
dieselbe  Art ,  welche  nun  noch  zu  beschreiben  ist.  Das 
Mittel ,  diese  Stücke  auf  ihrer  Oberfljiche  mit  jener  Quan- 
tität Kohlenstoff  wieder  zu  versehen,  welche  man  ihnen 
früher  entzogen  hat ,  sie  also  eigentlich  wieder  in  Stahl  xa 
verwandeln,  bestellt  in  alteiu  Leder,  welches  in  verschlos- 
senen Gcfafsen  verkohlt,  dann  gepulvert  und  gesiebt  wird. 
Das  Stahlstück  wird  (eben  so,  wie  früher  zur  Entkohlung) 
in  eine  gufseiserne  Büchse  gebracht,  darin  wenigstens 
1  Zoll  dick  mit  deni  erwähnten  Pulver  umgeben ,  und, 
nach  Aufkittung  des  Deckels ,  in  einem  Ofen  stufenweise 
so  lang  erhitzt,  bis  die  Büchse  etwas  über  das  Rothglühen 
ge)iommen  ist,  Nach  der  verschiedenen  Dicke  des  Stahl- 
Stückes  mufs  dasselbe  auch  ungleich  lang  in  der  Hitze  blei- 
ben ;  drei  Stunden  i'eichen  für  eine  Platte  von  7i  ^'' 
Dicke  hin,  fünf  Stunden  sind  nöthig  für  ein  i  7t  ZpU  dickes 


6o3 

Stück.  Nach  Verlauf  des  bdthigen  Zeitraames  nimmt  man 
die  Stücke  aus  dem  Feuer,  und  taucht  sie  unmittelbar  in 
kaltes  Wasser  ,  um  sie  zu  härten.^  Es  ist  -wichtig,  hier  zu 
bemerken ,  dafs  die  zu  härtenden  Stahlstüche  weit  weniger 
als  gewöhnlich  dem  Werfefi  unterliegen,  w^nn  man  sie 
senkrecht  (d.  h.  in  der  Richtung  ihrer  Länge)  in  das  Was- 
^'er  taucht.  Man  wird  hierbei  jedoch  fast  nie  das  Entstehen 
von  Rii^sep  oder  Sprüngen  vermeiden  können,  wenn  man, 
wie  das  allgemein  gewöhnlich  ist,  d^n  Suhl  im  Wasser 
gänzlich  erkalten  läfst.  Spwohl  diese  Gefahr,  als  auch 
das  in  den  meisten  Fällen  nöthige  Nachlassen  (oder  theil- 
weise  Weichmachen)  des  Stahls  erspart  man,  wenn  der 
St^hl  vor  seinem  ToUstämdigen  Erkalten  aus  dem  Härte- 
wasser entfernt  wird.  Das  Merkmahl,  woran  der  Arbeiter 
den  Zeitpiinkt* erkennt,  in  welchem  der  Stahl  hinreichend 
abgekühlt  ist,  lllCst  sich  nicht  vollkommen  durch  Worte 
deutlich  maphen.  Eipe  Art  von  Zischen  oder  dumpfem 
Geräusch,  welches  beim  Eintauchen  des  Stahls  entsteht, 
mufs  hier  allein  zur  Leitung  dienen.  Von  dem  ^rs^ten 
Augenblicke  des  Eintauchens  an  vermindert  sich  der  Ton 
dieses  Geräusches  mehrmahl,  und  es  ist  einer  dieser  Töne, 
welcher  vor  dem  gänzlichen  Aufhören  des  Geräusches  be- 
merkbar wird ,  und  den  Arbeiter  zum.  Herausnehmen  des 
Stahles  ruft.  Auf  folgende  Art  kann  man  sich  durch  einige 
Versuche  mit  dieser  Erscheinung  vertraut  machen.  Mau 
erhitzt  ein  ganz  gehärtetes  und  mit  Bimsstein  wieder  blank, 
geschliffenes  Stahlstück  bis  zum  Erscheinen  der  gelben 
Farbe,  taucht  es  sogleich  in  Wasser,  und  beobachtet  mit 
Aufmerksamkeit  den  dabei  entstehenden  Ton ,  der  bei  dem 
oben  angegebenen,  Verfahren  hiit  Sicherheit  als  Kenns^ei- 
eben  dienen  kann,  dafs  der  glühend  in  das  Wasser  ge- 
braphte  Stahl  durch  die  bisherige  ^Abkühlung  genau  so 
hart  geworden  ist,  als  wenn  man  ihn  glashart  gemacht, 
und  dann  bis  zur  gelben  Farbe  angelassen  hätte. 

Eine  Stahlplatte,  welche  blofs  zum  Abdruck  auf  Pa« 
pier  dienen  soll ,  würde  überflüssig  hart  seyn ,  wenn  man 
sie  nur  bis  ^up  gelben  Farbe  nachlassen  wollte ;  sie  muf^ 
vielmehr  bis  zur  dunkelblauen  Farbe  erweicht  werden, 
Die  Matrizen  und  Zylinder  hingegen  müssen  jedes  Mahl 
Strohfarbe  besitzen.  Um  für  die  übrigen  Platten  d^n 
rechten  Grad  der  Härte  zu  erhalten ,  unterwirft  man  deu 
Stabil  wenn  er  nach  dem  zuvor  beschriebenen  Verfa^iren 


»  . 


6o4 

aus  dem  Wasser  gezogen  wird,  noch^ner  veilem^ 
handlang*  Man  reiht  ihn  nähmlich ,  da  er  noch  beifs  i&t, 
mif  ITnsMittj  und  erhitzt  ihn  neuerdings  his  zur  Zersetznn; 
dieses  letztem,  welche  an  einem  aufsteigenden  Rauche 
erkannt  wird ;  man  taucht  ihn  hierauf  neuerdings  in  Was- 
ser ,  und  läfst  ihn  darin  so  lange ,  bis  das  entstehende  Ge- 
räusch schwächer  wird  ,  als  es  das  erste  Mahl  war.  Diesa 
Reiben  mit  Unschlitt  und  Eintauchen  wird  noch  zweiMaU 
wiederhohlt,  aber  erst  beim  letzten  Mahle  läfst  man  deo 
Stahl  vollkommen  im  Wasser  erkalten. 

Um  die  gravirten  Platten  bei  der  Aufbewahrung  ror 
Rost  zu  schützen,  kann  man  sie ,  nach  Perkins'^  Vorschbge, 
mit  einem  aus  Terpentinöhl  und  elastischem  Harz  (Kaoat- 
schuk)  bereiteten  Firnisse  überziehen ,  der  sich  fast  aagea- 
blicklich  mit  einem  in  heifses  Terpentinöhl  getancbteo 
Pinsel  wieder  beseitigen  läfst.  -^  Es  mufs  hier  noch  Folgen- 
des über  die  Anwendung  der  Siderographie ,  und  ober 
ihre  Vorzüge  vor  der  Kupferstecherkunst  bemerkt  wer- 
den. Die  Siderographie  ist  ursprünglich  von  ihren  Erfan- 
dern  als  ein  treffliches  Mittel  vorgeschlagen  worden,  di« 
Nachahmung  des  Papiergeldes  zu  erschweren ,  und  meh- 
rere nordamerikaniohe  Banken  sollen  sich  ihrer  schon 
mit  Vortheil  zu  diesem  Zwecke  bedient  haben.  Da  ma» 
nähmlich  mehrere  geschickte  Künstler  eine  lange  Zeit  biß- 
durch  mit  der  Verfertigung  kleiner  Stahlvignetten  beschäf- 
tigen kann ,  welche  dann  gemeinschaftlich  auf  eine  grpfseri 
Platte  übertragen,  und  ungeheuer  T\;rvielföltigt  werden; 
so  würde  die  Nachahmung  einer  solchen  Platte  demjenigen, 
der  sie  versuchen  wollte,  so  viel  Zeit  und  Mühe  kosten* 
als  er,  der  Natur  und  Sache  nach,  nicht  darauf  wenden 
kann.  -7-  Zur  Hervorbringung  guillochirter  Zeichmingen 
bedienen  sich  die  Erfinder  einer  von  Asa  Spencer  in  A'^^ 
n'Ara  erfundenen  Maschine,  geometrische  Drehbank  {T^^^J 
geometrique)  genannt,  welche  mit  dem  bekannten  Rallei- 
doskop  darin  eine  gewisse  Verwandtschaft  zeigt,  dafs  s^^ 
eine  unzählige  Menge  verschiedener  Besseins  hervor  xn 
bringen  vermag,  von  ^enen  keiner  wieder  zum  Vorschein« 
kommt,  wenn  ein  gewisser  Theil  der  Maschine  einmahl 
aus  seiner  Lage  gebracht  worden  ist.  Dieser  letztere  Ü"»' 
stand  könnte  unbeipiem  scheinen ;  er  ist  es  aber  nicht. 
weil  für  die  Vervielföltigung  desDesscins,  durch  das  Ver- 
fahren der  Siderographie  selbst,  hinlänglich  gesorgt  ist. -' 


^5 

Als  Ersatzmittel  des  Kupferstiches  wird  die  Siderographie 
nur  in.  jenen  Fällen  Tortheilhafte  Anwendung  finden,  wo 
eine  ungeheuer  grofse  Anzahl  ron  Abdrücken  erfordert 
wird,  durch  welche  die  bedeutenden  Auslagen  sich  wieder 
ersetzen*  Die  Verfertigung  einer  Stahlplatte  kann  nahm- 
lieh  erst  dann  mit  Nutzen  unternommen  werden,  wenn 
zur  Heryorbringung  der  verlangten  Zahl  von  Abdrücken 
wenigstens  drei  Kupferplatten  gestochen  werden  müfsten« 
Mehr  als  5oo,ooo  Abdrücke  sind  bis  jetzt  von  keiner  Stahl-* 
plfttte  noch  gemacht  worden;  es  läfst  sich  daher  nicht 
wohl  bestimmen,  wie  yiele  sie  überhaupt  zu  liefern  im 
Stande  sej  *). 

26.    Neue  Anwendung  der  Lithographie. 

(Annales  de  Vlnduürie^  D^cembre  18s 9.) 

Ein  Herr  Malapeaü  zu  Pari«  ^at  eine  Art  von  Lithogra- 
phie erfundeiv,  welcher  er  den  Nahmen  0hl  -  Lithographie 
{Lithographie  ä  Vhuile)  gibt ,  und  die  von  ihm  verwendet 
wird ,  Kopien  von  Gemählden  auf  Leinwand  darzustellen« 
Diese  Abdrücke ,  welchen  eine  aufserordentliche  Ähnlich- 
keit nachgerühmt  wird ,  sind  keineswegs  auf  Papier  ge- 
macht, und  erst  auf  di^  Leinwand  geklebt,  sondern  betin-< 
den  sich  unmittelbar  auf  der  letztern ,  und  werden  von 
einem  Firnisse  bedeckt:  Das  Verfahren  bei  ihrer  Ter- 
fertigung  ist  von  solcher  Art,  dafs  man  die  Züge  des  zu 
kopirenden  Gemähides  auf  die  Leinwand  selbst  überträgt  **)• 

*)  Es  ist  Isein  Zweifel ,  dafs  die  Siderographie  eine  der  merk- 
würdigsten und  interessantesten  Erfindungen  neuerer  Zeit  ist ; 
dock  gilt  dieses  kauptsacklicli  von  der  Art,  wie  die  Erfinder 
derseäen  die  Übertragung  und  Vervielfältigung,  der  Zeich- 
nungen bewirken.  .  Gravirte  eiserne  Platten ,  zum  Abdruck 
auf  Papier  angewendet ,  sind  nichts  weniger  mehr  als  neu ; 
schon  Aufrecht  Dürer  übte  die  Kunst  ihrer  Verfertigung 
aus,  erfand  sie  vielleicht  auch.  Eben  so  gehört  das  Ver- 
fahren, Stahl  durch  Glühen  mit  Eisenfeile  zu  entkohlen, 
nach  der  Behauptung  eines  franzosischen  Joumales  {Anna- 
les de  P Industrie  j  Aov.  1822,  p.  i3o),  'nicht  den  HH.  Fer- 
kins  ,  Fair  man  und  Heath  als  Erfindung ,  sondern  ein  be- 
reits verstorbener  Stahl fabrikant,  Nahmens  Schey  in  Farisy 
soll  schon  1808  ein  Patent  darauf  erhalten,  und  seine  Kunst 
auch  Andern  mitgetheilt  haben. 

**)  Nach  dieser  Angabe  lafsi  sich  keineswegs  abnehmen ,  ob  zur 


6o6 

* 

Bereits  sind  mehrere  Gemahlde  berühmter  Heister  atff 
diese  Art  bekannt  gemacht  und  in  Nachbildern  herauftge- 
geben  worden.  Man  kann  nach  dem  Verfahren  des  Herrn 
Malapeau  auch  die  Gröfse  der  Ko^eYi  auf  einen  boliebigen 
Mafsitab  reduziren»  Als  Beispiel  einer  solchcfn  Unterneh- 
mung sind  Toii  ihnt  zwei  und  zwanzig  Gemähide  von  Le 
sueupy  das  Leben  des  heiligen  Bruno'  Torstellend,  nachg^ 
bildet  worden^  die  zusammen  nicht  mtfbr  als  1760  Fran- 
ken kosten.  Jedes  dieser  Gemähide  hat  3'  Höhe  nfid  f 
Bt-eite  *)- 

I  in   ■  f  .      .        * ,\ 

Hervorbringung  der  erwähnten  Kopien  das  Origiaalgemihlde 
selbst  durch  eine  Art  von  Ueberdruck  als  Prototyp  beoützt 
ifvcrde  oder  nickt.  Da  jedoch  ohne  wesentlichen  Nschlkeil 
des  Gemähldes  ein  solches  Verfahren  nitht  wohl  denkbar 
ist  9  mufs  man  das  Gegen theil  davon  vermuthen.  In  diesen 
Falle  aber  hängt  die  Ähnlichkeit  und  der  Hunstwerth  der 
Kopien  gänelich  von  der  Oesthicklichkeit  des  Kopisten  ab. 

*)  Wenn  schon  jetet  in  vielen. Fällen  das  Unterscheiden  der 
Originalgemälilde  von  ihren  Kopien  Schwierigkeiten  macht, 
wie  selir  werden  diese  wachsen,  wenn  einihahl  Afalafeau'i 
Verfahren  allgemeiner  sich  verbreitet.  Die  Herausf;ebcr 
der  Annale!  dt  l  Induiirie  versuchen  umsonst ,  die  liwtisX- 
liebhabe r  darüber  7ai  trösten ;  um  den  Werth  der  grofsei 
Originale  wird  es  dann  traurig  aussehen  ? 


Mlmmimtlm^ 


XII. 

Verzeichnifs 

« 

In  der  österreichischen  Monarchie  im  Jahre  iS:i:i  auf 

]£rilndungen ,  Entdeckungen  und  Yerhesserungen  er*^ 

theilten  Privilegien  oder  Patente  '*^)« 


^  IC«.  ♦*)  Samuel  Paravieinly  arfs  ^aset^  auf  seine  Verbcs* 
vefang  in  def  Draht- und  Nägel -ErKeugune,  welche  darin  be- 
steht, dafs  mittelst  eine^  Wa1zw«rlie8,  Stabeisen  in  Blechreifd 
und  Draht  verwandelt ,  und  mittelst  eines  Drahteuges  Draht  von 
unbestimmter  Länge  gemacht  wird,  aus  welchem  mittelst  eine« 
Drehstuhles  ein  einziger  Arbeiter  mit  vieler  Leichtigkeit  ein  Ge* 
winde  «um  Einschrauben  drehen  kann,  woraus  dann  mitteht  dreier 
Maschinen«  welche  blofs  drei  Arbeiter  leiten,  Nägel  mit  grofser 
Geschwindigkeit  erzeugt  werden,  die  den  Vortbcil  haben,  dafa 
sie  das  Holz  nicht  Spalten,  wie  die  gewöhnlichen ;  auf  cphn  Jahre, 
T019  23.  Dezember  1821. 

109.  Jakob  Mmanuel  Poujaud  Je  Nanctds  ^  Parfumerie  -  Er- 
kenger  in  Prag ,  auf  die  Erfindung  eines  Toiletten  -  Geistes ,  wel- 
cher Kum  äul'serlichen  körperlichen  Gebrauche,  wie  auch  «um 
lläuchern  in  den  Wohnungen  dient  j  auf  fünf  Jahre ,  vom  9o.  De- 
sembcr  1821  *••). 

110,  Reyer  und  Schlidk^  k.  k.  priv.  Grofshändler  in  W'i^H^ 
und  Inhaber  einer  landesbefugten  Zuckerraffincrie  in  Wiener-Neu» 
Stadt ^  auf  die  Entdeckung,  Zuckeressig  aus   Zucker,    Syrup  und 


1 1 » ■ 


*y  D«  auf  hohe  Anor<liitiii^  die  BeschretbQDgen  der  erloscheneot  nad  in  Zulrnnffe 
tfrlösehenden  Patente  in  diesen  Jakrbüchtfrn  befcauiit  n^emfcht  werdeff  soU 
len  f  so  gibt  man  eiastweilen  biervon  Nachriebt ,  mit  dem  Bei*at«e  4  dafa 
mit  der  Aufnahme  dieser  Beschreibungen  im  nacht tfolgenden  V*  Bande 
der  Anfang  gemacht  werden  wird. 
**)  Diese  Zahlen  sind  dJe  forfUnfenden  Nnmmern  der  nach  den  neneif  Regn- 
latiren,  nihmlich  n<oh  dem  seit  18s  1  in  Wirksamkeit  getretenen  Gesetse 
▼om  8.  Desember  1810  »  ertheilten  Patente, 
***)  Dieses  Pririlegiam  wurde  mit  der  Beschränkung  ertheilt»  dafs  der  Toiletten- 
Geist  blofs  als  ein  Toiletten  •  Mittel ,  ohne  alle  Cmpfehloiig  desselben  lu 
irgend  einen  Mediciaal  •  Oebrattche  ^    angekanJigt  werde» 


6o8 

Formbacicwasser  eu  erzeugen,  und  dadurch  ein  dem  besten  ^ek- 
cssig  ganis  gleich  kommendes,  reines,  wohlschmeckendes  und  su- 
gleich  wohlfeiles  Produkt  zu  liefern }  auf  fünf  Jahre ,  vom  7.  Jäfr 
ner  lOas, 

/  . 
111«  Pried/fch  Herold^  Wundarxt  in  Prag^  auf  die  Erfin- 
dung, aus  vier  Ingrediensien  einen  Gesundheits  -  oder  Kinder- 
kafPeh  «u  erseugen,  welcfie  darin  besieht,  dafs  sich  dieser  Kinder* 
kaffeh  durch  den  milden  und  angenehmen  Gescbmack  vor  den 
schon  bekannten  Surrogaten  auseeichnet,  und  besonders  für  Hin* 
der  und  alle  jene  Personen  sehr  geeignet  ist,  welche  keine  aroma- 
tischen Getränke  vertragen  können ;  auf  fünf  Jahre  ,  Tom  7.  Jän- 
ner 1822. 

119.  Die  Brüder  Loderen  Adam^  israelitischer  Handels- 
mann in  Pilsen^  Joachim^  gleichfalls  Handelsmann  daselbst,  Jo- 
seph ^  Handelsmann  in  Bokiizan ,  und  Jüichael^  Flufshauspachter 
daselbst,  auf  ihre  Verbesserung:  von  den  Fellen  der  geschlal;^ 
nen  und  gefallenen  Schafe  Maroquin,  welcher  dem  amerikaDiscbeo 
an  Milde  und  Farbe  ganz  gleich  kommt ,  durch  eine  bis  jetzt  in 
den  k.  k.  Erbstaaten  unbekannte ,  Wohlfeilheit  und  Ersparung  u 
Zeit  beziclendc  Verfahrüngsart,"  und  durch  einfachere,  bis  jetit 
unbekannte  Mittel  zu  erzeugen;  auf  fünf  Jahre,  vom  7.  Janner. 

11 3.  Joseph  /fcr^*/,  bürgerlicher  Posament! rer  in  Wiin{Ohvt' 
ncustift  Nr.  S16),  <iuf  die  Entdeckung,  seidene  Hosen trägerbänder, 
sogenannte  Trefs-Hoscnträger  aller  Art,  sowohl  glatt  als  fa^oonlrfi 
auf  MühlstfiHlcn  zu  erzeugen ;  auf  fünf  Jahre ,  vom  1 3.  Jänner. 

11 4*  Kajetan  Rosina^  approbjrter  Pharm aceut  fn  JlailaMi 
auf  seine  Erfindung,  aus  den  im  lombardisch- venetianischen Ho- 
nigreiche vorhandenen  Thonerden  auf  eine  neue,^  bisher  duseM 
weder  eingeführte,  noch  sonst  bekannte,  und  blofs  durch  seloe 
besonderen  Forschungen  und  chemischen  Analysen  entdeckte  Art 
und  Verfohrungs weise ,  a)  Topfergeschirr  und  ökonomische  Öfe« 
zum  gemeinen  Gebrauche  in  Küchen  und  für  Familien  dergestalt 
zu  erzeugen,  dafs  sie  einem  lange  anhaltenden  Feuer  widerst^* 
hen,  wie  nicht  minder  6)  sogenannte  Gratzcr  Bouteillen  und 
Schiffs  -  Flaschen,  die  der  Gewalt  der  in  Gährung  begrifTeneo 
Flüssigkeiten  gehörig  Widerstand  leisten,  und  geeignet  sind,  ^yci1i^ 
Bier  und  andere  dergleichen  Getränke  lange  in  gutem  Zustande  lu 
erhatten,  und  endlich  e)  auch  andere  dergleichen  Gefafse  so  s^ 
verfertigen,  dafs  sie  weder  von  den  sauren  noch  salzigen  Flüssig* 
keilen  durchdrungen,  und  zu  cbemis<;hen,  wie  auch  anderen  Ar- 
beiten in  den  Künsten  gebraucht  werden  können;  auf  fünf  Jabrfr 
vom  i5.  Jänner. 

11 5.  Peter  Roubaud^  Destillateur,  und  Joteph  Du  Soit^  Pf>' 

vatmann  in  Wien  (V'orstadt   Wieden  Nr.  36) ,  auf  ihre  Erfindung« 

ein  vollkommen  gutes ,  von  aller  der  Gesundheit  schädlichen  Bei- 

.mischung  freies,   sogenanntes  Wein -Bier  zu  erzeugen,   welches. 

mit  der  Zeit  nicht  nur  nicht  verdirbt,  sondern  an  Qualität  iaiscf 


6o9 

gewinnt,  aad  alle  bis  {etst  bekanntea  Bier-Ga'tungen  ^crtrilFt  $ 
auf  fünf  Jahre  5  vom  31.  Jänner  *;. 

r 

116.  Joseph  Trentsenskjr  ^  Inhaber  einer  befugten  Stcindru« 
eltp.rei  in  Wien  (Stadt  Nr«  544)  9  auf  seiryc  Entdvcliung ,  den  Ziiik 
(Spiautcr)  nach  einem  gana  neuen  Verfahren  in  allen  Zweigen  der 
Lithographie  mit  noch  gröfseren  Vortheilcn  als  die  bisher  aus  dem 
Auslande  bezogenen  Steine  %u  verwenden;  auf  sehn  Jahre ,  vom 
21.   JSnner. 

117.  Wenzel  Kdpunek  und 'seine  Gattin  Firanuska^  auf  die 
Entdeckung ,  aus  Leinwand  und  Zwilch  allerlei  Tucharten  ku  er- 
seugch  9  welche  im  Vergleiche  mit  den  gewöhnlichen  Tüchern  weit 
stärHer,  sehr  bedeutend  wohlfeiler,  und  vor  den  Einwirkungen 
des  Wassers  und  der  Lufi  besser  Verwahrt  sind;  auf  fünf  Jahre» 
vom  37.  Jänner. 

118.  Karl  WaldhSr^  Maschinist  in  iViert  (Vorstadt  Schot- 
tenfeld  Nr.  4^3),  auf  seine  Erfindung,  mittelst  einer  neuen  -Ladheh» 
Maschine  in  Verbindung  mit  der  Sleiglade  auf  Seidenband -Schub» 
Stühlen  alle  Gattungen  qimdrillirter  und  broschirter  Seiden-Mode*^ 
bänder  zu  erzeugen;  aui  zwei  Jahre,  vom  27;  Jänner. 

119.  Justin  Helfenherger  una  Comp,  aus  Hör  schock  im  T{an- 
ion  St.  Gallen  in  der  Schweiz  ^  derzei£in  IVien  (Vorstadt  Wie- 
den  Nr.  170),  auf  die  Verbesserung  ihrer  unterm  d5.  Juui  181k 
privilegirten  Sohäl-  oder  Gärbihühle,  welche  darin  bcteht,  dafsf 
nach  dem' gleichen  Prinzipe,  Frucht,  Malz  und  Hafer  ohne  Stein 
und  auch  nach  jedem  Mafsstabe  von  Manns-,  Pferd-  oder  Wasser- 
kraft etc;  gebrochen  ^  und  die  Maschine  na6h  verhältnifsmafsiger 
Anwendung  des  Prinzips  auf  .die  Grölse  def*  beschälten  Früchte 
(Hülsenfrüchte)  auch  tiir  diese  und  andere  zu  vcrkh^iDcrnde  Ge- 
genstände benutzt  werden  kann ,  wobei  die  Wirkung  der  zugleich 
äufserordentÜch  dauerhaften  Maschine  so  grols  ist ,  dafs  eine 
Mannskraft  des  Tages  bei  zwölf  Metzen  Malz  oder  sechs  Metzca 
Hafer  zu  brechen  vermag;  auf 'fünf  Jahre»  vom  .27.  Jänner. 

120.  Ptani  Zagitschek^  Webermeister  aus  Böhmisch'Tribad^ 
auf  seine  Verbesserung  der  von  dem  Webermeister  iohann  JliU 
thael  Bayerleithner  erfundenen  Methode  ,  Säcke  ohne  Naht  zu 
verfertigen,  mittelst  welcher  Verbesserung  nicht. nur  die  gewöhn* 
liehen,  sondern  auch  gröfsere  bäum-  und  schafwollene,'  Strob- 
und  zum  Packen  bestinrmte,  und  überhaupt  alle  nach  Erfordernifif 

Srofse  Säcke  jeder  Art,  blofs  mit  einer  einzigen,^  auf  dem  Boden 
es  Sackes  glatt  gewebten  Leiste  auch  nur  auf  ernem  auf  dem 
Lande  gewöhnlichen  1  %  Elle  breiten  einfachen  Weberstuhle, 
mithin  von  jedem  Leinweber  ohne  Änderung  seines  Weberstubies,- 
erzeugt  Vverden  können ;  auf  fünf  Jahre  ,   vom  37.  Jänner. 

■  .  ■  "  ■  "  -i     ■ 

*)  Dieses  Privilegiam  ist«  da  Peter  Roubavd  und  Joteph  Du  Boi»,  laut  Er-' 
Öffnung  der  h.  k.  Tereiaigten  Hofkanilei  rorai  !•  Oktober  i8tt»  auf  dataelb« 
freiwillig  Ycriieht  geteistet  hoben ,    Als  erloteheü   ettaase^eo. 

Jakrb;   dea^^öTjrt.  Iiitt»  IV.  Bd.  jQ 


6io 

lai.  Anton  Gilliery  Handelsmann  aus  Mailand  (Strafse  itlU 
Cornacchie^  Nr.  3929)9  auf  seine  Erfindung  einer  neuen  Art  Stühle, 
wodurch  Sammtbändef*^  nach  französischer  Art  erzeugt  werden  i 
auf  fünf  Jahre ,  vom  37.  Janner. 

lai.  Valentin  Gasptrini^  Maschinist  xu  Roveredoy  saf  ic'ne 
Erfindung  oder  vielmehr  Verbesserung  von  Dampfmaschinen  ira 
Abspinnen  der  Seiden  -  Kbhons ,  wodurch  derlei  Dampfroaschinei 
gegen  jeden  Unglücksfall  gesichert  werden ,  weniger  firennmit6 
riale  bedürfen ,  und  wodurch  ein  voraüglichea  Gespinnst  enengt 
wird;  auf  zehn  Jahre,   vom  27.  Janner. 

ia3.  Luigi  Giuriati^  aus  Venedigs  auf  seine  Erfindung  ei- 
nes sowohl  in  Beziehung  auf  die  Zusammensetzung,  als  rudisicht- 
lieh  der  Anwendung  bei  unzählig  vielen  andern  Arbeiten,  gau 
neuen  Zements;  aur  fünfzehn  Jahre,  vom  97.  Jänner. 

B24*  Anton  Bernluurd^  \.  h.  privil.  Dampfschiffer,  W 
lionigl.  Essegger  Kameral  -  Brücken  -  und  Dammbau  •  Pachter  in 
Wien  (Vorstadt  Wieden  Nr.  14^)^  ^uf  seine  Erfindung  einer  gaoi 
neuen  Anwendungsart  des  Dampfes  ,  oder  einer  neuen  Art  Dampf- 
schiffe, von  ihm  Kondensations  -  oder  ungarische  Dampfschiife  g^ 
nannt ,  welche  darin  besteht ,   dafs   der  Dampf  nicht  wie  bei  dca 

fewÖhnlichen  Maschinen,  unmittelbar  durch  seine'  Expansioni* 
raft  zur  Betreibung  einer  Maschine  wirkt ,  sondern  blofs  ang^ 
wendet  wird ,  um  Wasser  aus  einem  luftdicht  verschlossenenf  lu^ 
fianz  angefüllten  Gefafse  heraus  zu  drücken.  Das  von  Dampf  er 
iüllte  Gefafs  wird  durch  die  Kondensation  fast  luftleer,  und  ßü- 
let  sich  durch  ein  Saugrohr  m^t  einem  untern  Wasserbehälter  tm 
selbst  wieder  an.  Mit  dem  auf  diese  Art  ohne  Heb  -  und  Druck- 
pumpe abwechselnd  gehobenen  und  abwechselnd  herausgedrück- 
ten Wasser  können  dann  oberschläc titige  Wasserwerke,  vorxfi^ 
lieh  in  Gegenden ,  wo  an  fliefsendem  Wasser  Mangel ,  und  ao 
Brennmateriale  Vorrath  ist ,  betrieben ,  oder  damit  auch  Wasser 
aus  den  Teufen  der  Bergwerke  gcliohlt  werden.  Die  ganze  kost- 
spielige Dampfmaschinerie,  als  U^mpfzylinder ,  Kolben,  Lenker^ 
Kruromzapfen  etc.  ist  vermöge  'der  Wesenheit  der  privilegirtea 
Erfindung  dabei  beseitiget ,  und  der  Anschaffimgspreis  einer  sol- 
chen sogenannten  ungarischen  Dampfmaschine  beträgt  weniger  als 
die  Hälfte  des  Preises  für  eine  Englische  von  gleicher  Krantafs^ 
rung,* bedarf  die  sorgfältige  Aufsicht,  Pflege  und  Vo'rkenntniis 
bei  ihrer  Behandlung  nicht,  ersetzet  die  Kreis -Dampfmaschine, 
hat  den  Vortheil  einer  willkürlichen  Kraftvertheilung  etc. ,  nn^ 
ist  daher  im  Allgemeinen,  und  zu  den  grölsten  stehenden  Werltei 
in  wasserarmen  Gegenden  weit  anwendbarer  und  gemeinnützigerer, 
als  die  englische ,  vorzüglich  ganz  geeignet ,  um  in  Waldungen 
Sägemaschinen  damit  zu  betreiben ;  auf  fünf  Jahre,  vom  9.  Februar. 

iftS.  Stephan  Winterhalter  ^  Maschinist  in  Wien  (Vorstadt 
Windmühl  ü^r.  aS),  auf  seine  Erfindung  einer  Tabak  •  Schneideina- 
jehine,  welche  darin  besteht:  1)  dafs  zur  Bedienung;  der  Maschine 
nur  ein  einziges  Individuum  erfordert  wird,  sobalu  sie  durch  die 


6ii 

Kraft  des  Wassers»  oder  in  dessen  Ermanglung  durch  die  Krafl 
des  hier  nöthigen  Zugviehes,  in  Bewegung  kommt ;  a)  dafs  bej 
der  Arbeit  derselben  keine  Zeit  verloren  geht ;  3)  dafs  sie  vier 
verschiedene  Sorten  Tabak  augleich  schneiden  kann  ^  4)  dafs  auch 
mit  dem  Schleifen  der  Messer  keine  Zeit  verloren  wird,  indem 
sich  diese  von  selbst  schleifen;  ,5)  dafs  sich  der  zuschneidende 
Tabak  durch  die  Kraft  der  Maschine  ohne  Hülfe  eines  Arbeiters 
vorrichtet;   6)   dfifs,    weil   die  Maschine  vorwärts  und  rückwärts 

geht,  dieselbe  wohl  berechneter  Weise  in  den  gewöhnlichen  Ar- 
eitsstunden  e wischen  iSobis  i8o  SKentner  feinen  Dreikönigtabak, 
von  gemeiner  Sorte  aber  weit  mehr  schneiden  kann;  endlich  7) 
dafs  ihre  Bauart  äufserst  einfach  ist ,  und  daher  sehr  wenige  Be- 
paraturen  erfordert,  welche  überdiefs  von  jedem  Werk  verstandi- 
gen sehr  leicht  vora»unehmen  sind;  auf  fünf  Jahre,  vom  95.  Fe- 
bruar.     ^ 

ia6.  Bernhard  Jäckel^  Bürger  aus  FrUdland  in  Böhmen, 
wohnhaft  in  WUn  (Vorstadt  Laimgrube  Nr.  lyS),  auf  seine  Er- 
findung, Branntwein  durch  einen  besonders  vortbeilhaften  Apparat 
zu  brennen,  welcher  Apparat  sich  durch  Wohlfeilheit,  durch 
Zeit-,  Brennmaterials  -  und  Arbeitslohns  •  Ersparung  auszeichnet, 
und  gleich  einen  fuselfreien  verkäuflichen  Branntwem  liefert,  wo- 
bei die  Maische  nie  anbrennen  kann;  auf  sehn  Jahre,  vom  a5* 
Februar. 

127.  Heinrieh  Frieke  ^  Drechsler  aus  Braunschweig  ^  derzeit 
in  Wien  (Stadt  Nr*  716) ,  auf  seine  Verbesserung  hjf'aulischer 
Maschinen ,  als  Feuerspritzen ,  Brunnen ,  Wasser- ,  Heb  •  und 
Druckwerke ,  doppelt  wirkend  in  einem  und  zwei  Stiefeln ,  wel- 
che Verbesserung  darin  besteht ,  dafs  1)  bei  den  doppeU  wirken- 
den Feuerspritzen  mit  einem  Stiefel ,  gegen  die  bisher  bekannten, 
eine  gröfsere  Festigkeit  und  Dauerhaftigkeit  durch  Entbehrung  ' 
unnützer,  bei  dem  Gedränge  des  Wassers  in  krummen  Bohren 
oder  Leitungen  den  Druck  erschwerenden  Bestandtheile ,  eine 
gröfsere  Erleichterung  des  Druckes,  ferner  eine  bessere  Anwen- 
dung der  Hebelkraft  gegen  die  Last,  und  auf  diese  Art  beinahe 
die  völlige  Beseitigung  des  dem  Roste  unterworfenen  Eisens,  zu- 
gleich eine  bequemere  Transportirung ,  überhaupt  aber  eine  be- 
trächtliche Erspamiis  an  Materialien,  Zeit  und  Arbeitslohn,  und 
ein  besserer  Erfolg  ersielet  wird;  dafs  9)  bei  den  Feuerspritzen, 
Brunnen  etc.  doppelt  wirkend  in  zwei  Stiefeln,  zu  den  obigen 
Vortheilen  auch  noch  der  hinzu  kommt,  dafs  die  fast  aus  einem 
Körper  bestehende  Maschine  mittelst  Schrauben  oder  Gewinden 
sich  zerlegen  läfst;  dafs  man  endlich  3)  diese  verbesserten  hy- 
draulischen Maschinen,  als  Wasser-,  Heb  -  und  Druckwerke,  Brun- 
nen und  Feuerspritzen,  auf  eine  sehr  bequeme  Art,  ohne  Men- 
schenkraft, und  zwar  mittelst  einer  Kolbenstange  zwei  Kolben  in 
zwei  Stiefein  durch  Dämpfe  in  Bewegung  setzen  kann ,  ohne  die 
jedoch  sonst  nöthigen  Vorrichtungen  zur  Bewegung,  und  den* 
Hebel  oder  sonstige  Bestandtheile  zu  gebrauchen;  auf  fiiaf  Jahre, 
vom  4t  März. 

39* 


6ia 

118.  Johann  Nepomuk  Sartory^  bürgerlicher  RBpferscIwiucÄ 
in  WUn  (Stadt  Nr.  726),  auf  seine  Erfindung,  Wasser  auf  eine 
leichtere ,  geschwindere  und  wohlfeilere  Art  als  es  bisher  mit 
Dämpfen  und  anderen  Verfahrungsarten  geschehen  ist,  som  Sude 
SU  bringen.  Durch  diese  Erfindung  wird  der  Vortheil  eraielt» 
.dafs  1)  die  zu  diesem  Behufe  dienende  neue  Maschine  sechs  Mahl 
wohlfeiler  ist,  als  eine  in  ihren  Erzeugnissen  gleiche  Dampfma- 
schine; 1)  dafs  bei  derselben  weder  eine  t'euersgcfahr,  noch  soiut 
etwas  Widriges  zu  befürchten  ist;  3)  dafs  sie  keiner  Reparatur 
unterworfen ,  und  4)  ^^i  allen  ihren  Bestandtheilen  mit  Dicbtuih 
gAii  und  Schrauben  dergestalt  versehen  ist,  dafs  jeder  Ei(;entha. 
Hier  sie  selbst  zerlegen,  und  folglich  auch  reinigen  kann;  5)  dai'j 
sie  wenig  Baum  und  gar  keine  Befestigung  im  Lokale  bedarf« 
ja  selbst-  im  Hofe  und  auf  dem  Uoden  gebraucht  werden  Uan, 
da  die  Maschine  selbst  in  einer  hölzernen  Bodung  steht,  ia 
welche  man  das  Wasser  oder  die  Flüssigkeit,  welche  man  tun 
Sude  bringen  will,  giefst;  6)  dafs,  wenn  man  bei  dem  Verfah- 
ren mittelst  der  Dantpfapparate  zu  zwei  Eimern  Wasser  10  bis 
la  Pfund  Holz,  um  ein  brauchbares  Bad  zu  bereiten  bedarf, 
zur  Erreichung  desselben  Zweckes  nach  dieser  Erfindung  swei 
Pfund  Holz  erforderlich  sind;  und  endlich  7)  dafs  derlei  n^u« 
Maschinen ,  da  sie  nach  Belieben  grofs  oder  klein  verfertig 
werden  können ,  für  Brauer ,  Färber ,  zum  Gebrauche  bei  llauv 
hadern  und  grofsen  Waschanstalten  als  ökonomisch  za  empfeh- 
len sind;    anf  fünf  Jahre**,   Tom  4>  Mäfz. 

-    .  • 

12g.  Mathias  Hallai  ^  Rnthgärbermeisler  in  Br&nn  (Vor- 
stadt Mühlgraben  Nr.  5),  auf  seine  Entdeckung',  einen  dem  auslac-^ 
sehen  an  Güte  nicht  nachstehenden  weifsen  und  rothen  JuHes 
EU  bereiten ;  auf  fünf  Jahre ,  Tom  4*  März. 

i3o.  Joseph  Hummel^  befugter  Regen»  und  Sonne nschirw* 
Verfertiger  in  Wien  (Vorstadt  LeopoMstadt  Nr.  3i7),  aufsein« 
Erfindung  neuer,  sehr  einfacher  Cbarniergabeln  aus  Draht  für 
Begen-  und  Sonnenschirme,  deren  wesentliche  Versehiedeahrit 
von  den  gewöhnlichen  Gharniergabeln  darin  besteht,  dafs  sie  des 
Uebersug  des  Schirms ,  er  mag  ausgespannt  oder  zusammenfiele^ 
seyn ,.  nicht  beschädigen  können ,  und  den  Schirm  selbst  in  lctlt^ 
rem  Zustande  dünner  machen ;  auf  fünf  Jahre ,   vom  1  o.  Man. 

'  i3i.  Joseph  Zffhrer  ^  Besitzer  der  Gypsmühle  V.u  GaJen^f' 
71  i  zu  Mödling  Nr.  3o  wohnhaft,  und  Joachim  Feihner^  Geschäfts- 
führer auf  gedachter  Mühle ,  daselbst  wohnhaft ,  auf  ihre  Ernn- 
dung ,  in  ihrer  Art  nach  ganz  neuen  Öfen ,  mittelst  einer  ehe» 
so  einfachen  als  zweckmäfsigen   Vorrichtung  •   eine  zu  Bauten  ei- 

f;ens  und  mit  vorzüglichem  Nutzen  anwendl»are  Gypsart,  nibn* 
ich  Mauer-  und  Stuckaturgyps ,  zu  brennen  und  zu  erceugeoi 
wovon  ersterer,  nahmlich  der  Mauergyps  ,  weit  haltbarer  als 
Kalk,  und  auch  nicht  theurer  als  dieser  ist;  lettteref,  der  Stn- 
ckaturgyps,  aber  um  die  Hälfte  wohlfeiler,  als  der  bisher  ei^- 
zeugte ,  zu  stehen  kommt ,  durch  welche  Art  Gyps  zu  brennen 
übrigens  eine  bedeutende  Holzersparung  im  Verhaltnisse  su  defli 


6i3 

Bedarfe  bei  gewClinltcher  BalKbrennerei  eKweclit  wird;  auf  fünf 
Jabre,  vom  lo.  März, 

■s 

i32.  Vinzenx  Schelivsky^  Kunsttiscbler  in  Peldsherg^  derzeit 
in  Wiem  (Stadt  Nr.  lood)^  auf  seine  Verbeasening  der  bisber  üb« 
lieben  Wascbmaschine ,  wobei  i)  die  Gefahr  des  Verbrennens, 
Beflecitens  oder  sonstigen  Beschädigens  der  Wäsche ,  insbesondere 
aber  durch  die  gute  Ausarbeitung  im  Innern  des  Maschinenrades, 
jene  des  Abreibens  selbst  bei  der  feinsten  Pntxwäscbe  vermieden, 
und  eine  durchaus  reine  Wäsche  geliefert ;  'i)  durch,  den  geringe- 
ren  Bedarf  von  Wasser  die  Drehung  der  Kurbel  erleichtert  j  3) 
Ersparnifs  an  Holz  und  Seife  erzielet  wird;  4)  ^^^^  Person  binnen 
zwei  Stunden  so  viel  waschen  hann«  als  sonst  Ai  einem  ganzen 
Tage;  5)  auch  für  eine  grofsere  Dauer  der  Maschine  gesorgt  ist, 
tknd  dieselbe  endlich  6)  sowohl  für  eine  als  für  zwei  Personen 
verfertigt  und  nach  Belieben  und  Erfordernifs  der  Partei  und 
des  Platzes  zum  Öifnen  eingerichtet  werden  liann ;  auf  fünf  Jahre, 
vom  to.  März. 

i33.  Karl  Delavillay  bürgerlicher  Spenglermeister  in  der 
Stadt  Baden ,  auf  die  Erfindung  einer  neuen  KafTeh  •  Dampfma- 
schine, in  welcher  mit  einem  passenden  Deckel  fest  geschlossenen 
Maschine  eine  so  genannte  Wasser  -  Dampfröhre  von  einer  ganz 
unten  befindlichen  Wasserflasche  an ,  mitten  durch  die  ganze  Ma- 
schine bis  etwaä  über  ein  Filtrirsieb  läuft,  und  den  Selbstaufgufs 
des  heifsen  W^assers  auf  den  in  das  Sieb  eingedrückten  KafFeh  be- 
wirkt, welches  mit  einem  äufserst  unbedeutenden  Aufwände  an 
Spiritus  zur  schnellen  Herstellung  eines  guten  KafFehs  beiträgt, 
indem  von  seinem  Aroma  währena  der  Bereitung  nichts  verloren 
geht;  auf  fünf  Jahre,  vom  »o.  März. 

i34>  Der  lur  Errichtung  einer  Brennhoh-  V erkleiner ungS' 
anstalt  unter  der  Firma^  ^Phorus*.  gebildetes  von  einem  Mitglieder 
dem  in  Wien  (Stadt  WoUzeile  Nr.  779)  wohnhaften  Hofagenten^ 
Bitter  v.  Schönfeld ^  vertretene  Verein^  auf  die  Erfindung  einer 
neuen  Brennholz- Verkleinerungsmaschine,  welche  darin  besteht, 
dafs  das  Scheiterholz  mit  Ersparung  an  Zeit  und  Kraft  in  jeder 
beliebigen  Länge  gesägt  und  gespalten  ,  immerwährend  und  unun- 
terbrochen vor  die  Maschine  geführt,  da  verkleinert  und  durch 
die  Maschine  auch  auf  den  Ort  gebracht  wird,  von  welchem  es 
verkleinert ,  gleich  weiter  geführt  werden  kann ;  auf  fünfzehn 
Jahre,  vom  10.  März. 

i35.  Der  nähmliche  Verein  ^  auf  die  Erfindung  eines  zwei« 
rädrigcn  Wagens,  welche  darin  besteht,  dafs  1)  die  Achse  der 
Bäder  nicht  durch  den  Kasten  geht ,  und  (ler  Kasten  eben  so  we- 
nig auf  der  Achse  der  Bäder  aufsitzt,  als  sich  in  vertikaler  Bich- 
tung  um  die  A^hse  des  Wagens  dreht,  da  er  seinen  eigenen  Dreh- 
punkt bat,  ungeachtet  dessen  aber,  und.obscbon  der  innere  Baum 
des  Kastens  für  jede  Ladung  ganz  frei  ist ,  der  Schwerpunkt  der 
Ladung  nahe  genug  der  Achse  der  Bäder  fällt ;  s)  dafs  dem  Ka« 
•ten  mit  der  Ladung  jede  beliebige   Neigung  bei  der  Ausleerung 


6i4 

1 

gegeben  werden  kann)  8)  dafs  der  Kasten,  ohne  dafs  der.W^en 
bespannr  su  seyn  braucht,  in  jeder  beliebigen  Neigung  fesUn- 
stellen  ist;  4)  d^^'  ^^^  Kasten  sehr  bequem  durch  ein  eintiget 
ßchlofs  gesperrt  wird ;  5)  daft  der  Kasten  und  der  Wagen  voniU;- 
lieh  geeignet  sind ,  um  das  Gewicht  seiner  Ladung  genau  su  be- 
stimmen ;  und  dafs  endlich  6)  an  diesen  Wagen  jec&s  Zugthier  be- 
quem gespannt  werden  kann)  auf  fiinfaehn  Jahre,  Topi  lo.  Ilän. 

i36..  Ferdißuoid  Jökamnet^  bürgerlicher  LebEelter  und  Hans- 
Inhaber  in  Witn  (Vorstadt  Bofsau  Nr.  63) ,  auf  seine  Erfinduni;, 
aus  Lebkuchen  und  Methlager,  mit  Ersparung  der  sonst  tum 
Branntweine  noth wendigen  Früchte  ,  einen  an  und  für  sich,  b6 
sonders  aber  fii^  den  gemeinen  Mann ,  gesunden,  angenehmen  und 
stärkenden  Branntwein  ku  erzeugen ,  der  verhaltnifsmafsig  wvobL- 
feiler  ist ,  als  der  gewöhnliche  und  bei  dessen  Verfcinerun«  ia 
Bosoglio,  wegen  seiner  natürlichen  Süfsi^keit ,  viel  Zucker  er* 
apart  werden  kann;  auf  fünf  Jaiire,  vom  17.  Mäi*z  *). 

137.  Mathias  PogmUckrug^  Hausler  in  dem  Dorfe  MarU' 
laufen^  im  Bezirke  Raamannjdorf^  Laibaeher  Kreises ,  auf  seine 
Entdeckung,  Wollkamme  cum  Gebrauche  der  Wollspinnereieo 
nach  allen  Gattungen  und  Formen  besser,  dauerhafter  und  um 
die  Hälfte  wohlfeiler  als  die  früher  aus  dem  Auslande  bezogenen, 
au  erzeugen;  auf  fünf  Jahre,  vom  17«  März. 

i38.  fideUs  Schmidt^  Essigfabrikant  in  Wien^  auf  seisf 
Verbesserung  des  Essigcrzeugungs  -  Apparates ,  dessen  Aufstellung 
wenig  Platz  erfordert,  und  mittelst  dessen  mit  HoUersparung  n 
einem  sehr  kurzen  Zeiträume  aus  inländischen  Produkten  eis 
sehr  starker,  der  Gesundheit  sehr  zuträglicher  Essig  erzeugt  wer- 
den kann  ;  auf  fünf  Jahre ,  vom  18.  März. 

139.  Georg  Hauer ,  Putzwaarenhändler  in  Wien  (Stadt  Xr. 
616),  auf  seine  Erfindung,  Damenhütc  ohne  Näherei  mittelst  Mo- 
deln, sowohl  aus  bekannten  Seiden-  als  auch  aus  eigens  zuherei> 
teten  aufgelegten  Stoffen ,  rein,  leicht,  dauerhaft ,  der  scbnelleren 
Arbeit  wegen  wohlfeiler ,  und  in  jeder  -  Hinsicht  vortheJIhafter 
als  genähte  Hüte  von  gleichem  Preise ,   zu  verfertigen  ;   auf  fünf 

.Jahre,  vom  94*  März. 

140.  Karl  Stephanie^  in  Wien  (Vorstadt  Landstrafse  Nr. 
463),  auf  seine  Erfindung,  durch  eine  Walzen -Schriften -Drueli- 
maschine  den  gewöhnlichen  Buchdruck  zu  bewerkstelligen,  wobei 
sich  der  wesentliche  Vortheil  dadurch  ergibt,  dafs  mittelst  dersel* 
ben  Maschine  bedeutend  schneller  als  auf  den  gewöhnlichen  Üachr 
dmckerpressen  gedruckt  werden  kann ,  soliin  nicht  allein  an  ^'^ 

*)  Dieses  Pririlefinm  des  ¥\arditiaHd  JohannM,  ist  (n  Folge  einer  fcgr11ai«< 
befuadenea  Anseige  des  Leb  seiter  mittels  Ia  fVien^  wegen  Meng«'  <^*' 
Zleiilieit.  laut  Eröffaang  der  k.  k«  vereinigten  Bofkenslei  rom  i«.  Msi  ro" 
der  k.  k,  Kommerihofkommission ,  in  Übereinstimmung  mit  dem  Erkcnst- 
aisse  der  n.  ö.  Regieruag«   ffir  erlosckea  erkUri  worden. 


6i5 

* 

cur  Produktion,  sondern  auch  an  Pressen,  an  Arbcitsfenten,  und 
an  allem  damit  yerbundenem  Aufwände  nahmhaft  erspart  wird; 
auf  fünf  Jahre ,  vom  94*  Kare. 

i4i*  Andrtat  Galvanik  Orundbesitser  in  Cordgnoni  im  Di' 
strikU  Fordenone  (sur  De]ef|;ation  von  Udint  gcburig) ,  auf  seine 
Erfindung  einer  Maschine  xum  Ausgrälen  des  türkischen  Weitzens, 
wodurch  die  Vortheile  erhalten  werden,  dafs  1)  mittelst  der  ge- 
dachten Maschine  ein  Tierfaches  Arbeitsresultat,  im  Vergleiche 
sur  Anwendung  anderer  Mittel  erreicht;  dafs  a)  bei  derselben  von 
\  Seite  desjenigen,  der  sie  in  Bewegung  setxt.  Itcine  besondere  Ge- 
schicklichkeit erfordert  wird;  dafs  3)  weder  die  Holben  noch  die 
Hörner  irgend  einen  Nachtheil  erleiden ,  und  4)  ^^^^  ^><^  Hörnor 
aus  der  Maschine  vollkommen  schön  und  gesiebt  hervorgehen, 
ohne  einer  weitem  -  Sichtung  au  bedilrfen;  auf  fünf  Jahre ,  vom 
94«  Mars. 

« 
i43.  Jaqu»t^  RouJt  et  Comp^  Fabrikanten  von  seidenen  und 
halbseidenen  Stoffen  und  Shawls,  in  Mailand  (Strafse  St.  Paolo 
Nr.  940) ,  auf  die  Entdeckung  einer  neuen  von  ihnen  Lisage  ä  la 
Jaquard  genannten  Maschine ,  wodurch  jedes  und  was  immer  für 
ein  Zeichnungsmuster,  im  Vergleiche  su  dem  gegenwärtig  in 
Ausübung  stehenden  Verfahren ,  mit  einer  sehr  bedeutenden  Ho- 
stenersp^rnifs  und  mit  der  gröfsten  Geschwindigkeit  und  Genauig- 
keit auf  jeden  Stoff  übertragen  wird ,  der  mittelst  der  Jaquard- 
maschine  verfertiget  wird ;  auf  fünf  Jahre ,   vom  s4>  Mars. 

143*  Georg  Junigl^  Tapesierer  in  Wien  (Stadt  Nr.  1017), 
auf  seine  Verbcsseruns  der  gegenwärtig  üblichen  Meubclpo'ste- 
rung,  welche  er  mittelst  einer  eigenen  Zubereitung  des  Ilaufes 
und  mit  Beihülfe  eiserner  Springfedern  so  elastisch  macht,  dafs  sie 
der  Polsterung  mit  Rofshaar  an  Qualität  nicht  nachsteht ,  und  ins- 
besondere der  Beschädigung  durch  Motten  nicht  ausgesetst  ist ; 
auf  fünf  Jahre.,  vom  1.  April. 

14 4*  I^ie  Brüder  Kaspar  und  Jakob  Waekerlig^  aus  Zell  im 
Hanton  ZUrch  in  der  Schweig^  derseit  in  der  Fabrik  des  Joseph 
Pehr ,  in  Fischanund  wohnhaft ,  auf  ihre  Erfindung ,  durch  eine 
besonders  vortheilhafte  Vorrichtung  ^r  Spinnmaschinen  mit  ge- 
ringerer Mühe  eine  gute  Qualität  und  ein  bedeutend  gröfsercä 
Quantum  Watertwist  su  erseugen ,  als  mit  den  bisher  angewand- 
ten Einrichtungen ;  auf   sehn  Jahre,   vom  i,  April. 

146*  Bartkotontäus  Neskoda^  Militär  -  Verpflcgsassistent  r.u 
Padua  (Nr.  686  wohnhaft) ,  auf  seine  Erfindung ,  alle  Gattungen 
von  Wägen  ohne  Beihülfe  des  Zugviehes ,  blofs  durch  eine  von 
ihm  vereinfachte,  und  auf  einen  jeden  Wagen  anpassend  gemachte, 
in  Gestalt  eines  Hoffers  verfertigte  Dampfmaschine  vorwärts  su 
treiben,  welches  Werk  ,  aufser  der  Einfachheit,  noch  die  Vor- 
süge  der  Stärke  mit  jenen  der  gänslicli  entfernten  Feuersgefahi* 
und  der  Leitung  des  Gänsen  aus  dem  Wagen  vorbindet,  und 
überdiefs  den  Vortheil  gewährt,  dafs  mit  äufserst  unbedeutendem 


6i6 

Kostenaufwande  der  ganso  Wagen  rorwSrta  getrieben  ^hrd,  «nd 
die  Dampfmaschine  naob  Belieben  vom  Wagen  herab  genomoiei, 
und  durch  wenige  Vorrichtungen  zai  allerhand  Tricbwerliett,  i\% 
cum  Hbizsägen ,  ku  Mehlbeutel ma'schinen ,  oder  sur  Treibung  von 
Handmühlen  mit  grofseni  Vortheiie  verwendet  werden  lianii)  vd 
fünfzehn  Jahre,  vom  i.  April.  ' 

146.  Gregor  Felix  ^  Weingeist« •  und  Rosogliofabriliaiit  in 
Wien  (Vorstadt  Gumpendorf  Nr.  87) ,  auf  seine  Erfindung ,  ans 
gemeinem  Branntwein  von  18  Grad  mit  einmahligctn  Abziehen  ei- 
nen geruchfreien,  zu  allen  gebrannten  gleichfalls  gpruchfreien 
W^assern  tauglichen  Weingeist  oder  Spiritus  von  34  Orad,  mit 
einer  Beimischung  zu  erhalten,  welche  nicht  eine  jedesmshlip 
Anschaffung  erfordert,  sondern  nach  dem  Abziehen  wieder  so  gut 
als  vorher  zu  einem  solchen  Gebrauche  dient,  wobei  folglich  ^e* 
gen  die  bisherige  Methode  ,  eine  jcdesmEihlige  Auslage  ,  wie  »ach 
die  Hälfte  an  Holz  und  Zeit  erspart  wird;  auf  zwei  Jahre,  Toa 
1.  April, 

i47-  Johann  Mangelkammer  ^  Töpfermeister  in  Wien  (Vor- 
stadt Flatzl  Nr.  68),  auf  seine  Entdeckung,  die  von  dem  Profes- 
sor des  k.  k.  polytechnischen  Institutes,  Baul  Meifsrur^  erfuIKl^ 
nen  Lufterwarmupgs-Öfen  so  zu  mahlen  und  zu  lackiren ,  daft 
durch  die  Einwirkung  des  Heitzens  die  Farbe  oder  der  Lack  \tv 
n\»n  Schaden  leidet,  folglich  die  Öfen  ihre  Schönheit  nie  v??rliercn; 
dafs  ferner  dieselben  jede  beliebige  Farbe  erhalten '  können ,  und 
•ohin  als  Zierde  für  die  prächtigsten  Wol^nungeii  geeignet  sind; 
auf  fünf  Jahre,    vom  1.  April. 

148.  Anton  Till^  bürgerlicher  Handelsmann  und  befugter 
Siegellack -Erzeuger  in  Brag  (im  zweiten  Hauptviertel  Nr.  u^l, 
auf  seine  Verbesserung  und  EJrftndung,  welche  darin  besteht, dafs 
er  so%vohl  die  (Qualität  des  spanischen  Wachses  (Siegellacks),  als 
den  hierzu  erforderlichen  bisher  üblichen  S  tan  gen  g  u  fs  •  Appac'^ 
verbessert,  zugleich  aber  auch  einen  ganz  neuen,  bisher  noch  n"** 
gcnds  ausgeführten  Stangengufs  -  Apparat ,  nebst  mehreren ,  xar 
Formirung,  Politur  und  Signirung  der  Stangen  erfordcriicheft 
Vorrichtungen  erfunden  hat,  mittelst  welchen  die  Siegollaci'* 
Stangen  nicht  nur  ungemein  geschwind  und  gleich  gewichtig  ^f' 
zeugt  werden,  sondern  auch  eine  gleichere  und  gefälligere  Form 
'erhalten,  wobei  das  (Vanze  eine  bedeutende  Ersparnifs  an  1*^^ 
Brennmaterial  und' Arbeitsleuten,  und  sohin  jeder  Qualität  ange- 
messenere Preise   zur  Folge  hat^  auf  fünf  Jahre,  vom  i«  April« 

149  Friedrieh  Lafite^  Destillateur  in  Gräiz  (Murvorstadt 
Nr.  540) ,  auf  seine  Erfindung  einer  Kaltehmaschine ,  in  welcher 
mit  Ersparung  von  wenigstens  einem  Viertheile  Kaffch,  ein  mehr 
aromatisches  und  feineres  Getränk ,  und  zwar  ohne  der  Giite  ii^' 
bruch  zu  thun ,  in  beliebigem  Mafse  bereitet  werden  kann«  ^^ 
bei  die  Mnschinc,  nach  Verhältnifs  derGröfse,  bedeutend  wohlfei- 
ler ist,  als  die  bis  jetzt  bekannten  Dampf- Kaffehmdichi nen ;  SQ^  ' 
drei  Jahre  ,  vom    1 .  April. 


617 

i5o.  Joteph  Troytr^  gewesener  rilrsterzbischöflicher  Koch 
in  Wien  (Stadt  Nr.  869) ,  auf  die  Verbtssseruni;  der  Sparherde«, 
>velche  darin  besteht ,  dafs  er  durch  eine ,  von  der  bisher  übli- 
chen wcsentjich  abweichende  Koostruhtion  derselben,  so  wie 
durch  die  eigene  von  der  bisherigen  ganz  verschiedene  Form  der 
dazu  verwendeten  Herdplatten ,  und  durch  eine  ssweckraärsif^cre 
Ileilzung  mit  minderen  Kosten  'Sparherde  herstellt,  welche  deir 
Vorthcil  gewähren,  dafs  mit  einem  und  demselben  Ofen  grofse  und 
kleinere  Auchen  nach  Verschiedenheit  des  (äglich  wechselnden. 
Haasbedarfes  geführt  und  mit  gänzlicher  Beteiligung  vo«  Kohlen 
und  geringerem  Uolzaufwande  eine  weit  gröfsere  Mannigfaltigkeit 
im  Gebrauche  mit  gröfserer  'Bequemlichkeit  vor  allen  bisher  bc« 
kannten  Sparherden  erzielt  wird;  auf  fünf  Jahre,  .vom  8.  April. 

i5i.  Karl  Hummel^  Mitinhaber  des  Diana -Yk^Ae^  in  IVien^ 
ii|  der  Leopoldstadt,  auf  seine  Entdeckung  eines  Apparates,  Al- 
koholdünste, welche  sich  während  der  Gährung  des  Weinheeren- 
roostes  mit  der  Kohlensäure  entbinden  ,  zu  verdichten ,  wodurch 
dem  Weine  seine  ganze  Stärke  und  sein « ganzer  Wohlgeruch  ge- 
sichert, seine  Quantität  aber  um  iobisia  Perzent  vermehrt  wird, 
'  welcher  Apparat  übrigens  mit  seinen  Vervollkommnungen  auch  für 
Bier,  dann  Äpfel-  und  Birnmost,  oder  für  jedes  andere  Getränk, 
das  einer  Gährung  unterworfen  werben  soll ,  dienen  kann  ;  auf 
fiehn  Jahre ,  vom  8«  April. 

iSi.  Johann  Hypolit  Richard  ^  in  Mailand  (Strafse  del  Cro- 
cifisso  Nr.  4^19),  auf  seine  Erfindung  einer  Maschine  ä  laJatjuärd 
mit  einem  und  auch  zwei  Zylindern ,  welche  in  einem  Mechanis- 
mus besteht,  der  auf  die  VVebstühle  angewendet,  die  Verferti- 
gung der  Seiden-  und  Wollenzeuge,  dann  der  Bänder  und  ande- 
rer Stoffe  bedeutend  erleichtert ,  und  die  Veränderung  der  auf 
die  gedachfen  Zeuge  anzubringenden  Zeichn^tngen  mit  weniger 
Mühe  als  bisher  bewirkt  $  auf  fünf  Jahre,  von\  8.  April. 

i53.  Karl  Seehorst  n  privilegirter  Seidenband- Fabrikant  in 
Wien  (Vorstadt  Schoftenfeld  IVr.  isj6),  und  Johann  Rothe  ^  Posa- 
mentirer  in  Wien  (Vorstadt  Schottenfcld  Nr.  178),  auf  ihre  Er- 
findung, Sammot  für  Band  und  Wagenborten  und  für  verschie- 
dene andere  Posnmcntier- Arbeiten  auf  Hand-,  Schub-  und  Mühl- 
stühlen in  der  Läns;e  zu  verfertigen,  dann  das  Ablaufen  einer  ei- 
genen Maschine  auf  eine  Art  vorzunehmen,  wodurch  der  Sammot 
keinen  Druck  oder  Nadelstich  bekommt^  mithin  die  Schönheit 
desselben  erhalten,  und  dessen  Dduerhaftigkelt  vermehrt  wird; 
auf  fünf  Jahre,  vom  i4-  April. 

i54»  Karl  Matschiner^  Bosogl  10 -Fabrikant  in  Wien  (Vor* 
Stadt  Gumpendorf  Nr.  «83),  auf  seine  Verbesserung,  mittelst  ei- 
nes neuen  Destillir- Apparats  durch  eine  einfache  Destillation  aus 
der  Maische  nicht  nur  reineil  und  starken  Branntwein  überhaupt, 
sondern  auch  insbesondere  aromatische  Gattungen  desselben  zu 
erzeugen;  auf  fünf  Jahre t  vom  i4*  April. 


Gi8 

105.  Friedrieh  LaflU «  Destillateur  In   Gritz  (Marrorsta^t 
Nr.   640),  auf  seine   Erfindung   eines   Bierbrau -Apparates,  wo- 
durch  mit  beträchtliclier  Ersparung  von  Brennbolz «  mit  Ersp^ 
rung  der   Hälfte  der  Arbeiter  gegen   die   gewöhnliche  liethooc, 
und  mit  Anwendung  von  Steinkohlen  und  jedem  anderen  Stoffe 
cur  Feuerung ,  ein  alle  gewöhnlichen  Biergattungen   an  Güte  aa^ 
Haltbarkeit  übertreffendes  Bier  erzeugt  werden  ^   die  Erseugun* 
in  jedem  beliebigen  Umfange  sleicb  vortheilhaft   geschehen,  und 
Bwar  auch  schon  in  einem  vernältnifsmäfsig  kleinen   Lokale,  mit 
Beseitigung  grofser  Gebäude  und  kostspieliger  Anlagen,  in  b^ 
deutender  Ausdehnung  Statt  finden  kann ;   auf  fünf  Jahre ,  ▼om 
i4-  ApriU 

156.  Flrant  Hueber^  bürgerlicher  Specerethandler  in  Wii* 
(Stadt  Nr.  908) ,  auf  seine  Verbesserung ,  nebst  der  inneren  B^ 
nützung  der  Dampfkessel  in  Branntweinbrennereien,  worauf  er 
ein  aüsschliefsendes  Privilegium  erhalten  hat ,  auch  die  Fenening 
in  dem  inneren  Baume  des  Dampfkessels  anzubringen ,  durch  diese 
Vorrichtung  statt  der  sehr  kostspieligen  kupfernen  oder  eisemeo 
Dampfkessel ,  Bottiche  von  Holz  anzuwenden ,  jede  gewöhnlidie 
Branntweinbrenerei  über  freiem  Feuer  mit  geringem  Hostenanf- 
wände  in  eine  Dampfbronnerei  umzustalten,  und  hierdurch  das 
Anbrennen  der  Maische  ganz  zu  vermeiden,  welches  sowohl  auf 
die  Beinheit  des  zu  erzeugenden  Produktes  sehr  günstig  wirkt, 
als  auch  die  Kessel  vor  der  Zerstörung  durch  das  Feuer  gänalicli 
schützt  j  auf  fünf  Jahre,  vom  ai«  April. 

157.  Joseph  GargamcOy  Schmied  und  Mechaniker  in  Favwy 
hat  bereits  am  a5.  August  1819  auf  seine  Erfindung  der  Bordier'- 
sehen  Lampen  mit  parabolischen  Beverberen  nach  den  damahligea 
Directiven  ein  Privilegium  erhalten  (Jahrb.  H.  36 1).  Ba  j^ 
doch  Joseph  Garganico  die  Erklärung  abgegeben  hat ,  dafs  er  sict« 
in  Ansehung  dieses  Privilegiums  nach  dem  allerhöchsten  PaleiUe 
vom  8.  Dezember  1820  benehmen  wolle ,  und  nachdem  derselbe 
allen  darin  enthaltenen  Formalitäten  und  Bedingungen  entsprochen 
hat  ,  so  wurde  demselben  die  diefsfallige  Privilcgiurasurkunde 
nach  dem  neuen  Systeme  auf  die  Dauerzeit  von  fünf  Jahren  aus- 
gefertiget.  Die  Wesenheit  der  zum  Grunde  liegenden  Erfindun; 
besteht  in  Lampen  mit  parabolischen  Beverberen  nach  Bordier- 
scher  Art  zur  Beleuchtung  der  Strafsen ,  Plätze ,  Säle  in  weites 
Entfernungen. 

158.  Johann  v.  Thornton ,  Direktor  der  k.  k.  privilegirl«" 
Spinnfabrik  in  Pottendorf  (^d^eih^X  Nr.  ii3  wohnhaft),  auf  seine 
Verbesserung  der  Spinn  -  und  der  hierzu  gehörigen  Vorbereitung^ 
maschinen,  welche  darin  besteht,  dafs  1)  durch  zt^eckmäfsieere 
Anwendung  und  Verbesserung  des  den  Druck  der  oberen  Waise'* 
auf  die  unteren  hervorbringenden  Hebels  \  9)  dureh  eine  vor  de« 
Walzenbaume  gans  neu  angebrachte  Befestigung  der  sogenannten 
Gewichtschraube;  3)  durch  den  Gebrauch  der  Federn  statt  der 
Gewichte  zur  Beschwerung  der  Oberwalzen ;  4)  durch  den  Ge- 
brauch der  Federn  in   Verbindung  mit  Gewichten,  und  6)  durch 


6i9 

das  Vorselxen  der  ersten  Walsenrcilie  vor  dem  Walsenbaume 
ein  reineres  und  gleicheres  Cespinnst  erzeugt  werden  liann;  auf 
zehn  Jahre,  vora  39.  April. 

\5g»  Anton  Cäsar  Quinqueton^  aus  Lyon  9  in  Mailand 
(Strafse  Chiaravalle  al  Civieo  Kr.  47^9)  wohnhaft,  auf  seine  £nt* 
deckung ,  den  Krausflor  mittelst  einer  eigenen  xum  Kräuseln  des 
Flors  einserichteten  Maschine  auf  französische  Art  zu  erzeugen; 
auf  fünf  Jahre ,   vom  29.  April. 

160.  Dominik  Schera ,  Steinmetz  in  Triest  (Strafse  della 
Majoliche  Nr.  1284)1  auf  seine  Erfindung,  weifsen  Stein  und 
Marmor  zu  Wasserleitungen  und  zum  Abzüge  des  Wassers  aus 
den  Hausem  und  von  den  Dächern,  tu  bohren;  auf  fünf  Jahre, 
vom  29.  April. 

D«ni  Peter  Jtnton  Oinig    ist  das  Ibm  nntarm  17^^  Detember  181 5  auf  ^«    Vor- 
fertigung uogvleimter  wasterdiehter  Filxhflte  T«rli«heno  snchsjShrig«    Privil^ 
gittm  (Jahrb.  I.  4oa)  mit    allerhochstar    EntschUefsung    Tom  »9.  April  i8ai» 
aas  besonderer  Gnede   auf  weiter«  drei  Jahre»    d.  i.  bis  tum  ii.  Desemb«v 
i8s4  •  verlängert  worden. 

16 1.  Philipp  Haas ,  bürgerlicher  Webermeister  in  Wien 
(Vorstadt  Gumpcndorf  Nr.  180),  auf  seine  Erfindung,  mittelst 
einer  an  dem  Weberstuhle  anzubringenden  Maschine  bei  allen 
Baumwollenweber  -  Waar-en ,  vorzüglich  aber  bei  feinen  und  dün- 
nen Zeugen,  als  z.  B«  bei  Organdin  ,  Vapeur  etc.,  sowohl  glatten 
als  fa9onnirten,  die  möglichst  vollkommene  Gleichheit  und  belie- 
bige Dichtigkeit  zu  erzwecken,  ohne  dafs  in  dieser  Hinsicht  nur 
das  Mindeste  von  der  Willkür  oder  Geschicklichkeit  des  Webers 
abhäsgt;   auf  fünf  Jahre,  vom  la.  Mai. 

162;  Michael  Sotiil  ^  bürgerlicher  Seidenzeug  -  Fabrikant  in 
Wien  (Vorstadt  Neubau  Nr.  168),  auf  seine  Erfindung,  mit  dem 
gewöhnlichen  Seidenzeug -Werkstuhle  einen  ganz  neuen,  einfa- 
chen Mechanismus  in  Verbindung  zu  bringen,  durch  welchen  ein 
Knabe  von  zehn  bis  zwölf  Jahren  in  den  Stand  gesetzt  ist,  mit 
aller  Leichti^eit,  und  durch  einen  einzigen  Tritt,  welcher  die 
Litzen  zu  jedem  beliebigen  Fabrikate  hinauf  und  herab  zieht, 
Atlas,  Grosdctonrs ,.  Croise  etc.,  nach  oder  neben  einander  mit 
einem  und  dem  nähmlicben  Schützenwurfc  aus  einer  angeschwell- 
ten Kette,  sie  sey  aus  Seide,  Garn  oder  Wolle,  zu  verfertigen, 
und  mittelst  eines  zweiten  Trittes  den  andern  Theil  der  Maschine 
in  Bewegung  zu  setzen,  wodurch  in  die  eben  genannten  Stoffe 
alle  Gattungen  von  Blumen  oder  Desseins  eben  so  leicht  einge- 
arbeitet, als  auch  nach  Belieben  des  Eigenthümers  in  wenigen 
Minuten  wieder  abgeändert  werden  können ;  auf  zehn  Jahre,  vom 
12.   Mai. 

i63.  Ateher  Wappemtein^  Medailleur,  Gemmen-  und  Wap- 
pensteinschneider  in  Wien  (Vorstadt  Leopoldstadt  Nr.  11),  auf 
seine  Erfindung  einer  für  Gewerbsinhaber ,  welche  die  Geldein- 
nahme ihren  Dienstleutcn   anvertrauen  müssen,    zur  Beseitigung 


6ao 

aller  Irningen  und  Bevortbeilungen,  und  cur  Rontrollirans  ihrer 
eigenen  Rechnungen,  durch,  genaue  und  unabänderliche  Angabc 
der  Anzahl  der  vorgenommenen  Gegenstände  brauchbare  Kon- 
troll masch  ine  ,  die  vorzüglich  bei  dem  Billardspielen  in  Kaffeb- 
häusern  eine  gute  Anwendung  finden,  und  sowohl  den  Spielendea 
als  dem  Marqueur,  hauptsächlich  aber  dem  Eigenthümer  des 
Billards  dadurch  bedeutenden  Nutzen*  gewähren  hnnn,  dafs  i)  dem 
Spielenden,  besonders  in  den  Kontraspielen,  in  den  doppelt  «der 
dreifachen  Kontraspiclcn  das  Vcrbältnifs  der  gewonnenen  und 
verlornen  Partien  genau  angegeben  wird,  dafs  2)  der  Marcpienr 
aller  Bcdenklichhcilen  und  jedes  »Verdachtes,  als  ob  er  zu  wenii; 
orlor  zu  viel  auf .eschricben  hätte,  enthoben  wird,  weil  die  Ms- 
scbine  die  Anzahl  der  gespielten  Partieen  unabänderlich  anjtci^t, 
und  dafs  3)  der  Eigenthümer  des  Billards  mit  ivoUcr  Sicherheit 
die  Zahl  der  gespielten  Partien  erfahrt,  und  jede  Beeinträchti- 
gung in  seiner  Abwesenheit  unmöglich  gcmaeht  wird^  auf  iüsf 
Jahre,  vom  i3.  Mai. 

164*  Jgna%  Ktfhrty  Manrpulations-Direlctor  der  lithographi- 
schen Anstalt  in  IVien  (Hernais  ]S[r.-43)t  auf 'seine  Eriindun^, 
mittelst  einer  chemischen  Vorrichtung  von  einer  gestochenen 
Messing,  Kupfer-  oder  Zinnplatte,  von  der  man  bisher  nicht  6000 
brauchbare  Abdrücke  erhalien  )(onnte ,  ohne  aufzustechen,  mehr 
als  3o,ooo  gute  und  schöne  Eiepiplare  liefern,  und  hierjsa  nicht 
blofs  neue,  sondern  auch  solche  Platten,  mit  denen  schon  frü- 
her mehr  oder  weniger  gedruckt  wurde,  ohne  die  geringste 
Schwierigkeit  verwenden  zu  können,  welche  Diruckart  sich  jedoch 
nur  auf  Tabellen,  Schritten,  Noten,  Apotheker  -  Signaturen« 
Spielkarten  und  ähnlicbc  ordinäre  Gegenstände  beschränlit ;  aid 
fünf  ^ahre,   vc«m  i3.  Mai. 

i65.  Johann  Ftchtner^  \x\  Wien  (Favoritenstrafse  Nr.  170), 
auf  seine  EHindung,  bei  der  Destillation,  des  Branntweins  aus 
was  immer  für*  einem  gegohrnen  Gute  zwei  wesentliche  bisher 
9iu^ammen  unerreichbare  Vortbeilc  zu  erzielen,  nähmlich  1)  dafs 
dan  zu  destillirende  Gut  nie  anbrennt,  und  dafs  3)  dennoch  die 
rurilckbleibende  Schlempe  während  der  Destillation  auf  keinen 
Fall  mit  Wasser  vermischt  wird>   auf  zehn  Jahre,    vom  i3«  Mai. 

166.  Franz  Gay  ^  gebürtig  ans  Venoix  in  der  Schweiz^  ge- 
genwärtig in  Maiiand  (Strafse  del  ßaggie  Nr.  2a6i  ,  bei  Peter 
Martinetii  wohnhaft),  auf  seine  Verbesserung,  bestehend:  1)  in 
einer  Vorrichtung  oder  einem  sichern  Mittel,  um  den  Bauch,  den 
die  Kamine  verbreiten,  ganz  zu  beseitigen,  indem  dadurch  dem 
Stofso  der  Winde,  oder  des  durch  Änderungen  in  der  W^itterung 
verursachten  Luftzuges  hinläng^ch  W^iderstand  geleistet,  dabei 
doch  eine  gröfere  Wärme  in  den  Zimmern  erhalten  ^  und  di« 
Feuersgpfahr  entfernt  wird,  obwohl  in  den  oberen  Bäumen  £%%ei 
oder  auch  mehr  Bohren  zusammentreffen  ;  9)  endlirh  in  zwei  ökono- 
mischen Stuhenufen,  von  denen  der  eine  nach  Art  Ffaitkiinj^ 
der  andere  aber  rund  mit  Säulen  am  oberen  Thcile  des  Ofens 
aur  Mittheilung   des   WarmestoiTes   verfertiget  ist,   mittelst    vrel- 


021 

dier  Ofen  durch  sehr  geringe  Holzfeuemng  wfibrend  viei'  Stun- 
den eine  Wärme  von  12  Graden  nach  Bcaumurs  Thermometer 
in  einem,  Salon  oder  in  zwei  an  einander  stofsenden  Zimmern, 
die  einen  Raum  von  7000  Kuhikfufs  einnehmen,  bewirkt,  und 
eben  daselbst  durch  34  darauf  folgende  Stunden  erhallen  wird; 
auf  fünf  Jahre  ,   vom  i3.  Mai. 

167.  Paul  Mayer  ^  Glasmeister  in  Lint^  auf  seine  Erfin- 
dung, durch  Zusammensetzung  mehrerer  Ingredienzien  eine  Art 
Puttasche  ,  Unter  der  Benennung :  leicht  schmelzendes  Doppel- 
Kali ,  zu  erzeugen,  welche  gegen  d^  gewöhnliche  Pottasche  nicht  . 
allein  um  ein*L>rittheil  geringer  im  Preise  zu  stehen  kommt,  son-  . 
dem  auch  in  einer  um  ein  Siebentheil  kleineren  Quantität  dieselbe 
Schmelxkraft  ausübt ,  und  zugleich  die  Glasschmelze  in  einer  um 
ein  Sechstlieil  kürzeren  Zeit  auf  eine  höchst  vollkommene  Art  voll- 
bringt; auf  fünfzehn   Jahre,  vom  ao.  Mai. 

168.  Kdrl  Friedrich  Weber  ^  englischer  Stahlarbeiter  aus 
Berlin^  und  Joseph  Prant  Touaillon^  Gesellscbafi  7r  der  Neinzi- 
schen Metallwaaren- Fabrik,  beide  derzeit  in  l'^en  (Vorstadt 
Leopoldstadt  Nr.  5i4)  wohnhaft,  auf  die  Erfindung  des  Erstifrrd^ 
den  so  berühmten  echten  orientalischen  Damaszenerstahl  ai(S  in- 
läpdischem  Hohstahl  zu  raffinircn ,  und  daraus  Gewehrläufe ,  Sä- 
belklingen,  Barbiermesser  Ol«  9.  w.  zu  verfertigen,  wie  auch  die 
verschiedenen  Gegenstände  von  Stahl,  auf  Zinn-,  Messing-,  Eisen- 
und  Glasscheiben  flach  und  hohl  zu  schleifen,  die  Stahlsteine 
und  Stahlperlen  zu  pressen,  zu  löthcn,  und  auf  einer  eigens 
hierzu,  eingerichteten  Maschine  ohne  Steinschneider  facettirt  zu 
schleifen,  endlich  manche  dieser  Gegenstände  auf  dem  nassen 
Wege  zu  vergolden  und  zu  platiniren  ,  thfils  um  denselben  ein 
mehr  getalliges  Ansehen  zu  verschafTen,  theils,  und  xwdr  vor- 
züglich, um  sie  hierdurch  vor  dem  Boste  z\x  schützen,  wobei 
übrigens  die  meisten  dieser  Arbeiten  ,  auf  obgedachter  Maschine 
durch  Kinder  ohne  besondere  Hebung  auf  eine  leichte,  geschwinde, 
vollkommenere  und  daher  wohlfeilere  Art  zu  erzeugen  sind;  auf 
fünf  Jahre,  vom  16.  Mai. 

169.  Joseph  Freiherr  ü.  Sonnenthal,  Verfertiger  verschiedfc- 
uer  Kunstgegenstände,  und  Johann  Sandhaas  ^  Uhrmaciiergesell 
aus  dein  Grofsherzogthume  Baden  ,  wohnhaft  in  Wien  (Vorstadt 
Jägerzeile  Nr.  i3),  auf  ihre  Erfindung  und  Verbesserung  einer 
seit  Biyzem  in  England  bekannten  immerfort  wirkenden  VVinde^ 
deren  Wesenheit  darin  besteht,  dafs  ein  Hebel  mit  einem  an^ 
ihm  angebrachten  Bogen  ein  dazu  besonders  eingerichtetes  Bad 
immerfort  vorwärts  treibt  und  dieses  letztere  zusammen  wirkend, 
nicht  nur  mit  allen  Maschinen ,  welche  Kraft  und  Schnelligkeit 
erfordern ,  verbunden ,  sondern  dafs  auch  mittelst  der  so  gebil- 
deten zusammen  wirkenden  Maschine  durch  jedesmahlige  2weck- 
mäfsige  Vorrichtungen    die   gröfsten  Lasten   gehoben ,   Fahrzeuge    • 

Sezogcn  und  Schiffe  getrieben  werden  können,    und   dafs    ferner 
iese  aus  Holz  ,  Metall  oder  was    immer   für    einem  brauchbaren 
Materiale  zu  verfertigende  Maschine,  auch  bei  dem  Pumpen,  Sa* 


gen ,  Drehen  und  MaUen ,  ala  fieihülfc ,  oder  als  einzig  bew^ 
gcnde  Kraffc  doppelt  oder  einfach  ihre  Anwendung  findet;  auf 
fUnf  Jahre,  vom  27.  Mai. 

170.  Hieronymus  Casatti^  Magister  der  Fharmacie  und  In* 
Iiaber  einer  Branntweinbrennerei  in  Mödling  IVr.  39 ,  auf  seine 
Verbesserung  des  DoppeUeller  -  Destillirapparates ,  welche  daria 
besteht,  eine  von  ihm  erfundene  Dephlegmir^ Vorrichtung  dem 
obigen  Destillirapparate  bpisufUgen,  mittelst  welcher  der  Geist 
von  jedem  fremdartigen  Geschmaclie  abgesondert,  somit  gani 
rein ,  und  ohne  gröfseren  Aufwand  an  Zeit  oder  Brennstoff,  ge- 
wonnen ,  also  ein  reines ,  fuselfreies ,  geistiges  Produkt  erhalten 
werden  kann ;  auf  fiuif  Jahre ,  vom  3.  Juni. 

171.  Heinrich  Lwdwig^  Chemiker  ema  BreiUnbaek  im  Grob- 
herzogthume  Sachsen '  Weimar ^  derzeit  in    Wien  (Stadt  Nr.  S97) 
wohnhaft,  auf  seine  Erfindung  eines  Branntweinbrenn -Apparates, 
welcher  vor  den  bisher'  üblichen  Apparaten  folgende  Vortheile 
gewähret:  1)  Beschleunigung  der  Operation  $   a)  Vermehrung  des 
Produktes,  insbesondere  aus  dem  Weine;    3)  fuselfireien  aromati- 
schen Geschmack  und  Geruch  des  Branntweines  und  Weingeistes; 
4)  Ersparung  der  Dunst  •  oder  Wasserblase ;  3)  Ersparung  der  Lu- 
terblase;   6)  grofse  Ersparung  an  Brennmateriale ;   7)  Erspaning 
an  der  Handarbeit ;    8)  Erzeugung  einer  jeden   geistigen  Flüssig- 
keit aus  allen  dünnen  oder  dickeren  gäbrungsfahigen  Vegetabilieny 
9)  willkürliches   Verfahren ,    durch  Öffnung  eines  Zylinders  zum 
Apparate  aus  der  innerhalb  befindlichen  Maische ,  einen  am  Alko- 
hol sehr  reichen  oder  geringeren  Geist  nach  dem  ersten  Destilla- 
tiDUS  -  Prozesse  zu    gewinnen;     10)  Sicherheit  der   Operation  ini 
Ganzen,  sowohl  rücksichtlich  des  Abschlagens  vom  Blasenhclmc  (wc'd 
keiner  zum  Aufsetzen  vorhanden,  und  der  Apparat,  als  geschlos- 
senes Ganze,  in  sich  durchgängig  gut  verlothet  ist),  als  auch  z.  B. 
bei  dem  Uebersteigcn  des   Weines ,  und  überhaupt  in  Betreff  der 
sonst  gewöhnlichen  Feuersgefahr ;  endlich  11)  Beinheit  des  gewon- 
nenen Produktes  von  Metallth eilen,  z.B.  des  aufgelösten  KupfcrSi 
welches   zum  Nachtheile   der   Gesundheit  gewöhnlich    in    jedem 
Branntweine  mehr  oder  weniger  vorhanden  ist;   auf  fiinf  Jahre, 
vom  3.  Juni. 

179.  Joseph  Duhois^  wohnhaft  in  Wien  (Vorstadt  Wieden 
Nr.  85),  auf  seine  Erfindung,  ein  von  allen  schädlichen  Beimi- 
schungen freies,  mit  der  Zeit  an  Güte  gewinnendes  und  die  bishe- 
rigen Biergattungen  übertreffendes  sogenanntes  Gesundheitsbier 
SU  bereuten ,  und  zugleich  Spiritus  zu  erzeugen  j  auf  fünf  Jahre, 
vom  3-  Juni, 

173.  Johann  Georg  Lux^  Mechaniker  in  Wien  (Vorstadt  Wie- 
den Nr.  S75J ,  auf  seine  Erfindung ,  mittelst  einer  mechanischen 
Behandlung  metallene ,  fischbeinerne  und  hölzerne  Zollstäbe  narh 
ihrer  ganzen  Länge  von  3  und  4  Fufis  nicht  nur  in  ganze ,  halbe 
und  Viertelzolle  y  sondern  auch  in  Linien  sehr  genau  eingctheüt, 
wohlfeiler  und  dauerhafter  zu  verfertigen  >    als    die    bisherigen 


633 

Bwar  guten  9  aber  blofs   a\if  einige    Zoll  mit  Linien  vergebenen 
Zollstäbe  von  3  und  4  Fufs  Länge ;  auf  fünf  Jahre  9    vom  3.  Juni« 

174*  Gesthwister  Felijf  und  Judith^Barhanie  et  Comp,j  Ge- 
treidebändler  9  Gutabesiteer  und  Erzeuger  dea  Luxua  •  Gebäckes 
iii  Verona  (Strafse  Via  huova  Nr.  960)  9  auf  ihre  Verbesserung, 
das  Luxus  -  Gebä<;]ie  durch  Anwendung  eines  eigenen  Gährungs« 
Stoffes  ohne  Gebrauch  irgend  einer  sauren  Substanz,  das  heiiSt9 
ohne  die  Zuthat  der  Bierhefen,  oder  irgend  eines  eemeinen  Gäh- 
rungsmittels ,  ivelches  gewohnlich  bis  jetit  von  den  Erzeugern 
eines  derlei  Gebäches ,  und  von  allen  andern ,  die  diese  Kunst 
ausüben 9  in  Anwendung  gebracht  wurde,  zu  erzeugen,  wobei 
sich  der  Vortheil  darstellt  ,  da(s  das  Gebäck,  nachdem  es  auf 
deutsche  9  italienische  und  französische  Art  gebacken  wurde  9  im- 
mer süfs  und  leicht  bleibt,  so  bald  es  alt  geworden  ist,  von  selbst 
zum  Zwieback  wifd,  ohne  dafs  es  bei  der  beseitigten  Einwirkung 
der  Feuchtigkeit  schimmeln  oder  von  den  Würmern  angefressen 
werden  kann ,  und  dafs  der  Teig  in  Folge  einer  eigenen  Manipu- 
lation bei  der  Anmachung  desselben  zur  Bildung  eines  Gebäckes 
von  verschiedener  Gröise  geeignet  erhalten  wird;  auf  sechs  Jahre, 
vom  9«  Juni. 

I 

175.  Die  bürgerlichen  Guitarre-  und  Geigenmacher  in  Wien^ 
Johann  Georg  Siaufer  (Stadt  Nr.  1064)  9  und  Johann  JSrtl  (Stadt 
Nr.  863)9  auf  ihre  Verbesserung  in  Verfertigung  der  Guitarren, 
welche  darin  besteht :  1 )  dafs  durch  die  Erhohuns  des  GriÜblattes 
und  Absonderung  desselben  vom  Resonanzdeckel  das  Instrument 
einen  stärkern  und  viel  besser  klingenden  Ton  erhält ,  zugleich 
die  Behandlung  des  Instrumentes  überhaupt  9  besonders  aber  die 
Applikatur,  ungemein  erleichtert  wird;  9)' dafs  durch  die,  ohne 
den  geringsten  hindernden  Ausbug  im  Halse  des  Instrumentes ,  an- 

Sebrachte  neue  Schraubmaschine ,  dem  gewöhnlichen  Schwinden 
es  Halses  auf  das  Schnellste  abgeholfen  ist,  und  das  ganze  Griff- 
blatt  bis  in  die  höchste  Applikatur  nach  Belieben  erhöhet  oder  er- 
niedrigt werden  kann;  3)  dafs  die  Bände  aus  einer  Komposition 
bestehen,  bei  welcher  weder  die  den  Saiten  so  nachtheilige  Ab- 
setzung des  Grünspanes,  noch  eine  so  schnelle  Abnutzung,  wie  bei 
Silber  und  Elfenbein,  Statt  findet9  vnd  welche  eben  so  weifs  und 
glänzend  als  Silber  ist;  auf  fünf  Jahre ,   vom  9.  Juni. 

17O.  Paul  S%abo  und  seine  Söhne,  Paul^  Jlfathias  und  /o- 
hann  Anaitoiias^  in  H^itfA  (Brigittenau  Nr.  148),  auf  ihre  Erfin- 
dung einer  neuen  Wasserspritze ,  welche  mit  einer  kleinen  Ver- 
änderung zugleich  eine  Dampfmaschine  ist ,  und  welche  darin  be- 
steht: 1)  dafs  sie  einen  oder  mehrere  Dampf  erzeugende  und  zu- 
gleich wirkende  Kessel  in  beliebiger  Form  und  Stellung,  und  von 
beliebigen  Materialien  hat;  2)  dafs  sich  die  beständig  unter  dem 
Wasser  gleichfalls  in  beliebiger  Form  und  Stellung  und  von  be- 
liebigen Materialien  angebrachlen  Wasserbehältnisse  durch  die  ei- 
gene Schwere  des  über  denselben  befindlichen  Wassers  füllen, 
und  dabei  die  Erzielung  eines  luftleeren  Raumes  durch  Konden- 
sation der  Dämpfe  mittelst  des  Kühlfasses  niemahls  erfordern; 


Ca4 

3)  dafs  swisohen  dem  heifsen  Dampfe  und  dem  Wasser  besländig 
Luft   sich  befindet ,    wodurch  die   fragliche   Maschine  alle  bisher 
bekannten  Maschinen  an  Dauer  übertrifft^  4)  ^^s  die  Spritze  und 
Maschine  inuner  wechselseitig  arbeitet«   so  «war,    dafs,  «vahrend 
sich  ein  Dampfliessel  mi^ Dampf,    und   das   kU  ihm  ^liörige  War 
serbehältnifs  mit  Wasser  füllt ,  inzwischen  der  andere  Dampfkfs- 
sei  seines  Dampfes  und  das  zu  ihm  gehörige  WasserbehäUnit's  i»ei* 
nes  Wassers  sich  entleert ;   5)  dafs  die  Verbindungen  der  Haupt- 
bestandtheile «   nachdem   sie   von  ihrer  Lokalität   abhängen,    auf 
verschiedene    Art   sich   anbringen    lassen ,   nie   als  wesentlich  be« 
trachtet    werden    dürfen,    und  dafs   die    Spritze  mit    oder  ohne 
Windkessel ,  mit  eineiQ  oder   zWei    Wasserstrahlen   wirken  liaoo, 
6)    dafs   durch    diese  neue   Art   der   Dampfanwrndung   bei  allen 
Spritzen  die  bisher   unentbehrlichen   Stiefel   und   Kolben  erspart 
werden,  wodurch  die-  Spritze   ungemein  an  Triebkraft,  sowohl 
an  Fülle  und  Höhe  des  Wasserstrahls ,  gewinnt ;  7)  endlich ,  dals 
die  überall   ohne  Gefahr  anwendbare  Spritze  zur    vollkommenen 
Wirkung  nur  die  zur    Füllung  des   Kastens  mit  Wasser   nöthige 
Zeit  braucht;  auf  fünf  Jahre,  vom  9.  Juni.  , 

m 

177.  Viniem  Huber  ^  Fabrikant  und  Grundbe^tser  in  C«^ 
rhignaga^  auf  seine  Eutdeckung^  den  Wein  nach  einer  neuen,  von  der 
Demoiselle  Gervais  in  Montpellier  in  Ausfuhrung  gebrachten,  und 
von  dem  Bitter  Burel  von  Cette ^  Chef  des  Genie-  Bataillons,  und 
ersten  Ingenieur  im  Departement  de  VHerault^  verbesserten,  vrr- 
voUkonimneten   und  vereinfachten  Art,    mittelst    einer  ökonomi- 
achen  Verdichtung  /m  erzeugen ,  welches  Verfahren  folgende  Vor- 
theile  gewähret:   1)  (iafs  dadurch   aus  der  Weintraube,    im  Ver- 
gleiche zu  der  bisher  üblichen   Metboiie,    um    10  Prozent  io  der 
Quantität  und  17  Prozent  in  der  Qualität,  mithin  im    Ganzen  um 
«7  Prozent  mehr    gewonnen    Vvird,    wie   es    die    Folge    mehrerer 
Verbal prozesse  in  Frankreich  und  zum  Xlieil  in  ^ina,  im  Piemoo- 
tösischen,  erhaltenen   Kesultate   bewähren;     2)  dafs   der  dazu  e^ 
forderliche   Apparat  den  wichtigen  Nutzen  bat,  dnfs  sc2ne  /Zusam- 
mensetzung  vollkommen  fest,    einfach  und  ökonomisch  ist;  dafs 
derselbe   von  jedem  Hcflzarbeiter   verfertigt    werden    kann,  und 
dafs  seine  Kosten  in  gar  keine   Betrachtung  kommen ;    S)  dafs  der 
Apparat  von  der  Einwirkung  der  durch  die  Gährung  entstehenden 
und  aus  d^r  Traube  sich  entwickelnden  Kohlensäure  völlig  nDve^ 
sehrt  bleibt,'  und  durch  sehr  viele  Jahre  gebraucht  werden  kann; 

4)  dafs  dieser  Apparat  von  Jedermann  ohne  Beaorgnifs  irgend  ei- 
ne» widrigen  Ereignisses  in  Anwendung  gebracht;  5)  dafs  nach 
Belieben  das  mit  dem  kohlensauren  Gas  gesättigte  Wasser  zum 
häuslichen  Gebrauche ,  und  insbesondere  auch  zur  Gewinnunsdes 
leichten  Weines  benutzt  werden  kann ,  und  endlich  6)  dafs  aie!»c 
Art  der  Vorrichtung  dem  Weine  sein  Aroma,  seinen  Geist  und 
die  Gasarten,  die  ihm  ^rst  Werth  geben 9  erhält;  auf  fünfaehs 
Jahre ,  vom  i4*  Juni. 

178.  Johann  Koeco  Rochi^  Wachsleinwand  -  Fabrikant  in  Vf' 
nedig  (Campo  di  S.  Andrea)^  auf  seine  Erfindung ,  die  Leinnand 


/  6^5 

nach  Art  des  Tuches  undurchdringlich  si|  machen  5  auf  fünf  Jahre» 
vom  16.   Juni.  * 

179.  Bonaventura  Comtantin  HSäi^  Hof-  und  Gerichtsad- 
voliat,  Inhaber  einer  privilegirCen  Lehinproduhten  -  Fabrik  ,  und 
Mitglied  der  Landwirthschaftsgesellschaft  in  Steyermark^  wohn« 
fiaft  in  GräH  (Bürgergasse  Nr.  38) ,  auf  seine  Erßndung  für  das 
Baufach  und  für  die  Ziegelerseugung ,  welche  darin  besteht,  dafs 
er  a)  unter  dem  Nahmen  T.  A.  W.  Ziegel ,  oder  Dreibünder, 
Mauerziegel  erseugt ,  welche  nebst  mehreren  anderen  eigenen 
Vorlügen  bei  dem  Zusammensetzen  in  eine  solche  Verbindung 
kommen ,  dafs  mit  denselben  ebene  Decken  oder  ganz  flache  Ge- 
wölbe selbst  ohne  Mortelband  angefertiget  werden  können,  bei 
Geifolben  das  Schieben  nach  allen  Bichtungen  zertheilet,  imd 
bei  horizontalen  Decken  ganz  beseitiget  wird;  dann  dafs  er  hy%^ 
genannte  Tufstein-  oder  Lavaziegelyon  jedef*  Form  in  einer  Art 
verfertiget,  in  welcher  sie  im  GeWichte  bis  zur  Hälfte  geringer 
als  die  gewöhnlichen  ausfallen,  einen  bedeutend  höheren  Hitzgrad 
ohne  zu  schmelzen »  vertragen ,  sich  trockener  erhalten,  und  mehr 

Segen  Halte  schützen,   die    Mauerarbeit  beschleunigen,  und  mit 
em  Mörtel  eine  sehr  feste  Verbindung  eingehen  \  auf  fünf  Jahre, 
Vom  16.  'Juni. 

r 

180.  Joseph  Ruue%ka^  gewesener  Geometer  des  k.  k.  Kata- 
sters, In  Wien  (Vorstadt  LaimgrubeNr.  i84) »  auf  seine  Verbesse-^ 
rung  in  der  Öhlerzeugung,  welche  darin  besteht:  1)  die  von  den 
Brüdern  Anton  und  nloyrs  Burka  und  vom  Johann  Tiehaezek ,  er- 
fundenen Tafelöhlgattungen  aus  inländischen  Früchten  und  Sa- 
mengattungen durch  ganz  verschiedene  Behandlung  und  Zusats 
V9n  mehreren  Früchten,  viel  reiner  und  geschmackvoller  zu  ma- 
chen;, a)  das  gleichfalls  von  ffedachten  Individuen  verbesserte 
Brennöhl  durch  Anvyendung  una  Zusatz  anderer  Ingredienzen  und 
durch  eine  zweckmafsigere  Einrichtung,  mi^  kleinerem  Verlust« 
an  öhl,  weniger  Mühe  und  Kosten  dergestalt  zu  reinigen,  dafs  es 
von  seiner  natürlichen  Fettigkeit  nichts  verliert ,  daher  sparsamer 
brennt ,  und  doch  keinen  Geruch  gibt ,  und  selbst  das  rohe  öhl 
schon  in  der  Presse  so  zu  verbessern ,  dafs  es  sich  viel  eher  und 
besser  klaret ,  und  daher  auch  beim  Beleuchten  im  Ffeien  heller 
brennt  5  3)  ein  mit  aromatischem  Gerüche  gesättigtes,  der  Gesund- 
heit nicht  schädliches  Brennöhl  iiir  Schlaf  •  und  Wohnzimmer, 
wie  auch  für  schmAle  Gänge  im  Innern  des  Hauses  zu  bereiten ; 
4)  das,  Mandel-  und  Sonnenblumen -Samen  öhl,  dann  das  Lein-, 
Nufs- ,  Mohn- ,  Hanf-  und  jedes  andere  zur  Politur  und  zum  Lack 
nötbige  öhl  gleichfalls  durch  eine  zweckmafsigere,  als  die  bisher 
bekannte  Behandlung  und  durch  Zusatz  von  Ingredienzen ,  viel 
besser  zu  reinigen  ^  endlich  5)  das  nach  der  Reinigung  aller  die- 
ser ÖMgattungen  zurückgebliebene,  mit  den  vermoderten  Fasern 
stark  gesättigte  öhl  zur  Bereitung  einer  guten  öhlgladzwichse  zu 
verwenden,  und  hierdurch  auch. die  Raffinerie •  Spesen  zu  vermin- 
dern i  auf  fünf  Jahre ,  vonÄ  t6.  Juni. 

181  •  Johann  Nep.  Sehfrud^  Bestand  -  KafFehsieder  in    GrätB 
Jahrb.  d«»  pol/t«  Iii»t.  IV«  Bd.  i^0 


(JaK^D>iniplAtK  Nr.  5o)t  auf  seine  Erfindung  eines  RafTehlLoch- oder 
▼ielmehr  KafTeb-Ausziebungs- Apparates,  womit  i)  eine  ErsM* 
rung  von  wenigstens  it  Prozent  an  Bafleb  und  beinabe  der  Bajfte 
an  BrennstofF  verbunden  ist;  3)  viel  schneller  als  gewobnlicb  ein 
feines  und  mclir  aromatiscbes  Getränli  geliefert,  ;und  durch  belic* 
bige  Zeit  in  seinem  Aroma  beifs  erbalten ;  endlich  3)  nach  rm« 
ständen  ein  Quantum  von  vier  bis  zweihundert  Schalen  Baflehimd 
auch  darüber  s'ehr  geschwind  gekocht  werden  bann;  auf  fünf 
Jahre ,  vom    16.   Juni« 

183.  Jgna%  A-ppely  Weifsgärbermeister  in  der  BrÜnner  Ttr« 
stmdt  Dortich  (Nr.  48)  9  auf  seine  Entdeckung ,  aus  inländischeo 
Ziegen-  und  'Widderhäuten,  Ularoquin  Von  allen  Farben  auf  die 
in  rrankreick  übliche  Art  zu  erzeugen ,  auf  zehn  Jahre ,  vom  r* 
Juni. 

185.  Matthäus  Wihral^  Uhrmacher  in  Wien  (Vorstadt  Ji- 
gerzeil  Nr.  535)  ,  auf  seine  Erfindung ,  Bncipfe  von  allen  Gattun- 
gen Metall  für  die  verschiedenen  Kleidungsstücke  auf  eine  irt  n 
verfertigen ,  dafs  sie  nie  abrcifsen,  an  Dauer  alle  bisherigen  über- 
treffen ,  und  eben  so  leicht  und  schnell  abgenommen  als  angesetzt 
werden  können ;  auf  fünf  Jahre ,   vom  23.  Juni« 

* 

184.  Joseph  Zich^  Bürger  in  Weitra  und  Glasmeister  auf 
der  k.  k.  privilegirten  Glasfabrik  zu  Schwanau^  auf  seine  Erib- 
düng,  das  Kochsalz  statt  des  kohlen-  und  schwefelsauren  Katrocs 
(Soda  und  Glaubersalz)  mit  dem  Tortheile  einer  gröf'seren  Molil- 
feilbeit  und  eines  leichteren,  sicheren  Verfahrens,  ohne  einevor 
ausgehende  Bearbeitung,  bei  der  Glaserzeugung  nicht  nur  aoiO' 
v^enden ,  sondern  auch  daraus  unter  dem  Nahmen :  rohe  und  aid* 
fielaugte  Soda ,  eine  Art  Flufs  -  und  Schmelzmittel  zu  bereiteo« 
das  dem  Äufseren  nach  eben  so  grauschwars,  hart  und  scbwcfi 
wrie-  die  sizilianiscbe  und  spanische  rohe  Soda  ist ,  auch  dieser  in 
ihrer  Wirksamkeit  bei  dem  Glasschmelzen  nicht  nachsteht,  uad 
eben  so  wie  diese  auch  ausgelauget,  und  auf  Natron  (reine  Soda) 
▼erarbeitet  werden  kann ;  auf  fünf  Jahre ,  vom  a3.  Juni. 

i85.  VinteniBöhnty  befugter  Seifensieder  in  Wien  (Vot- 
•tadt  Nikolsdorf  Nr.  17),  auf  seine  Erfindung,  wacbsabnlicbe  Uo* 
scblittkerzen  (eigentlich  ökonomische  Tafelkerzen)  zu  erzeu^eo, 
welche  nicht  nur  sehr  rein ,  ohne  als  Kerzen  erst  einer  Bleicbe 
SU  bedürfen,  glänzend  weifs,  und  von  dem  UnschlittgerUcbe  eaai 
frei  sind,  sondern  überdiefs  einen  angenehmen  Geruch  sowohl  an 
sich  haben ,  als  auch  denselben  wahrend  des  Brennens  und  beim 
Auslöschen  verbreiten ,  und  um  ein  Drittel  Zeit  länger  als  dir 
cewöhnlichen  Unschlittkerzen  von  gleicher  Gröfse  brennen;  auf 
fünf  Jahre,  vom  8.  Juli. 

186.  jinton  Rainer  Ofenheim^  wohnhaft  in  Wien  (Nr.  iiSi)* 
auf  seine  Erfindung,  einer  Brennscheiterbolz  •  Verkleinerung»« 
Heb-  und  Transportirungs  •  Maschine ,,  welche  darin  besteht:«) 
dafs  durch  einen  äufserst  einfachen  Mechanismus  das  Brennscb^i 


6^7 

terholi  in  möglichsr  kimer  Zeit ,  und  dunrh  «ehr  geringe  Hand- 
arbeit verkleinert  vrird;  b)  d&fs  die  nahmliche  Maschine  Scheiter* 
hols  jeder  Lange ,  nach  ^edem  gewöhnlichen  Mafse  gehörig  schnei- 
det; e)  dafs  in  derselben  Zeit,  als  eine  Klafter  geschnitten  wird» 
auch  immer  eine  Blatter  gespalten,  auf  die  nöthige  Höhe  gehoben, 
und  auf  beliebige  Entfernung  im  Aufbewahrungsorte  transportirt 
und  abgeladen  werden  kann ;  endlich  d)  dafs  die  Maschine  so  we« 
nie  Raum  einnimmt,  dafs  sie  sich  auch  leicht  in  gröfseren  Haus- 
haltungen im  Ganzen ,  oder  blofs  die  Säge  -  und  Spaltmaschine  al* 
lein,  anwenden  läfst;  auf  fünf  Jahre ,  vom  9.  Juli. 

187.  Peter  Grisetiij  Grundbesitser  aus  Saioj  in  der  Provinis 
Breseiaj  gegenwärtig  in  Mailand  (Strafse  delle  Meraviglie  Nr. 
«384)  wohnhalt,  auf  seine  Entdeckung  einer  kleinen  Maschine  von 
sylindrischer  Form,  die  an  jedem  Fasse ,  so  wie  an  jeder  Kufe, 
XU  dem  Ende  angebracht  werden  kann ,  um  mittelst  derselben  aua  • 
den  in  der  Gährung  beerifTenen  Weintrauben,  ohne  irgend  einen 
Verlust ,  einen  vorsfiglichen ,  zur  langen  Aufbewahrung  geeigneten 
'Wein  SU  erbalten;  auf  fünf  Jahre,  vom  1 5.  Juli. 

i88*  Brüder  Faust  in  und  AIoys  AndreoU^  NahmenstrSger 
der  Dite  AndreoU  di  Giovanni  ^  und  Eigen tliümer  einer  Papierfa- 
brik in  der  Gemeinde  Toicolano^  im  Distrikte  von  Salo^  auf 
ihre  Erfindung,  eine  neue  Art  Tapetenpapier,  so  wie  ein  zum 
Zeichnen,  Schreiben,  oder  zum  Drucke  geeignetes  Velinpapier, 
ohne  irgend  eine  Wiederhohlung  derselben  Operation  in/ Blättern, 
von  denen  jedes  eine  Länge  von  vierzig,  fünfzig  und  wenn  es  er- 
forderlich wäre ,  noch  inehr  Mailänder  Ellen ,  und  eine  Breite  von 
a4  -Zoll  hält ,  zu  erzeugen ;  auf  zehn  Jahre  ,  vom  ss.  Juli. 

189.  Wenzel  Richter^  Aufseher  in  dem  Fabriksprodukten- 
Kabinette  des  k.  k.  polytechnischen  Instituts  in  Wien ,  anf  seine' 
Erfindung,  Streichriemen  zum  Abziehen  der  Basierroesser  von  be- 
sonderer Form  und  solcher  Vorzüglichkeit  zu  verfertigen  ,|  dafs 
die  Schneide  jener  Messer  nicht  das  Mindeste  leiden  kann,  und 
der  sonst  gewöhnliche  Gebrauch  des  Steines  und  das  öflere  Schleifen, 
mithin  die  baldige  Abnutzung  der  Messer,  ganz  vermieden  wird;  auf 
fünf  Jahre ,  vom  23.  Juli. 

igo.  Johann  Jakob  GoÜ^  Klavier -Instrumehtenmacher  aus 
Züreh  in  der  Schweiz ,  auf  seine  Erfindung  eines  Fortepiano  von 
beliebiger  Form  mit  einem  über  den  Saiten  liegenden  Bcsonanz- 
boden,  der  sich  von  den  Zargen  ununterbrochen  über  den  Hammer- 
schlag bis  an  den  Stimmklotz  ausdehnt ;  auf  fünf  Jahre,  vom  aS.  Juni. 

191.  Philipp  Girardy  Inhaber  der  k.k.  privilegirten  Flachs- 
Maschinenspinnerei  in  Hirtenherg^  auf  seine  Erfindung  eines  Thermo- 
Grades ,  welche  darin  besteht ,  durch  einen  aus  physischen  und 
mechanischen  Kräften  mit  genauester  Verbindung  ihrer  Wirkung 
cusammengestelUen  Apparat  in  einem  verschlossenen  Baume  eine 
atets^gleiche  Temperatur  mittelst  eines  Feuers  zu  erhalten,  dessen 
%Vänncgrad  die   verschiedensten   Veränderungen    erleiden  kann, 

4o* 


6a8 

obne  daßi  die  Temperatur  des  erwähnten  Raumes  dadurch  neHi- 
lieh  gestört  wird ,  womach  die  Benutsung  jenes  in  dem  grofstea 
und  kleinsten  Räume  anwendbaren  Apparates  unendlich  vieUuli 
ist  9  indem  sich  desselben  £U  Versuchen  sowohl  im  Felde  der  Wis- 
senschaft 9  als  der  häuslichen  Ökonomie ,  s.  B.  sur  Heitzung  von 
Treibhäusern  und  Blumenfenstern,  ^ur  künstlichen  Aasbrutun» 
von  Hühner-  und  andern  Vögeleiern,  mit  Gemächlichkeit  und  sehr 
geringem  Aufwände,  bedient  werden  kann 5  auf  fiinf  Jahre ,  von 
99.  JulL 

193.  August  von  Brecht  y  pensionirter  Major  in  Stuttgeri, 
^uf  seine  Erfindung,  welche  dann  besteht:  1)  Schuhe  cu  verfer- 
tigen', deren  Sohle  mittelst  Schraubendrabt  oder  Schrauben  bef^ 
stiget  wird ,  deren  DauerhaHigkett  jene  der  genähten  Schübe  bei 
weitem  übertrifft ,  und  deren  neues  Besohlen  einem  Jeden  selbst 
ohne  Leisten  und  an>lere  Schuhmacherwcrkseuge  möglich  ist ;  i)  mit- 
telst einer  Verbesserung  der  englisch-  amerikanischen  Erfinduo^; 
der  Nagelschuhe,  diese  dauerhafter  und  schöner  zu  verfertigen, 
und  sogar  elegante  Damenschuhe  von  gröfserer  Schönheit  und 
Leichtigkeit ,  als  die  bisherigen  genähten  Schuhe ,  zu  liefern,  wo- 
bei die  Verbindung  der  Sohlen  und  des  Absatzes  mit  dem  OberI^ 
der  oder  Zeug  etc.  blofs  durch  Nietwerk  geschieht;  3)  überdiers 
das  hierzu  erforderliche  Lcder  auf  eine  eigene  Art  wasserdicbtsi 
macheu ;  auf  fünf  Jahre ,  vom  39.  Juli. 

193«  Friedrieh  Lqßte  ^  Destillateur  in  GrätM  (Murvorstadt 
TSf»  B^o) ,  auf  di^  Verbesserung  seiner  bereits  am  14.  April  181* 
(s.  oben  Nr,  i55)  privilegirten  Bierbraumethode,  welche  Verber 
aerung  darin  besteht:  1)  dafs  er  bei  Bereitung  des  Bieres  einesckr 
beträchtliche  Ersparung  der  zur   Feuerung  erforderlichen  Breas* 

Stoffe,  Holz  oder  Steinkohlen;  3)  eine  bedeutende  Beseitigung; der 
abei  sonst  Statt  habenden  Arbeiten ;  3)  die  Abkürzung  der  so- 
wohl zum  Kochen  als  auch  zum  Abkühlen  des  Bieres  nöthigen  Zeit 
•nielet;  4)  ein  alle  gewöhnlichen  Biergattungen  an  Haltbarkeit 
ünertrefi*endes  Bier  erzeugt;  und  5)  zur  Erzeugung  der  fremdes, 
sogenannten  Luxus  -  Biergattungen  ohne  alle  Beimischung  fremdaf' 
tiger  Stoffe,  lediglich  reines  Malz  verwendet;  auf  fünf  Jahre,  von 
99*  Juli. 

Dat  Avm  Haafmann  in  FWien ,  Joteph  Tfundk^Uwr,  unterm  ««  Desanfter  i8<i* 
auf 'die  Erseugnng  von  Minnertonven  und  too  PeUwerk  aue  rok  fefirbw 
*  Seide  auf  gewöhnlichen  Weber-  nnd  Zeugoineberttflhlen ,  ertkeilte  PriTÜ«* 
giaro  (Hr.  io3f  Jahrbflcher  Bd.  3.  S.  6«o)  ist  in  Folg«  einer  lUage»  Uat  ^ 
dffnnng  der  k.  k.  vereinigten  Hofkanslei  vom  i8.  Angnat  i8«Sf  anf  ii^  ^^ 
fertigung  von  Manaertoiirea   betchraakt  worden. 

« 

194.  Leopold  Pausinger^  k.k.  Rath,  und  Fratu  Wurm,  M^ 
chaniker  in  Wiem  (Stadt  Nr.  406),  auf  ihre  Erfindung  einer  Flacbs 
Bandmasohine ,  welche  d^rin  besteht ,  dafs  mehrere  auf  einaii^«' 
folgende  Kratzen ,  die  anf  hölzernen  keilförmigen  Blattern  bef^ 
stiget  sind',  in  welche  der  mit  ihrer  bereits  früher  privilegirten 
Flachs* Hechelmaschine  gereinigte  Flachs  eingelegt  wird,  in  ra^} 
parallel  liegenden  Nuthen  so  bewegt  werden ,  dafs  stets  aus  tvfch 


629 

drei  auch  vier  derselben ,  die  in  ihrer  Länge  verschiedenen  Fa<* 
sem  ausgesogen ,  fi1eich(onni|;  vertheilt ,  und  auf  diese  Weise 
Bänder  erzeugt  werden ;  dafs  die  KraUen,  was  gans  neu  erscheint, 
aus  Eirkellonnig  gebogenen  Stiften  bestehen,  welche  mit  der  ge- 
wohnlichen Häckchenmaschine  nicht  gemacht  werden  h&nnen ;  dafo 
der  bewegende  Mechanismus  selbst  swar  allgemein  bekannte  Be^- 
standtheile  in  sich  begreift ,  aber  in  seiner  Anwendung  neu ,  und 
dafs  sur  steten  Reinhaltung  der  Maschine  dort«  wo  es  am  nöthig- 
sten ,  ein  ganz  neuer  Mechanismus  angebracht  ist }  femer  auf  ihre 
Erfindung  einer  Flachs  -  Lockenmaschine ,  welche  darin  besteht« 
i)  dafs  der  in  Bänder  gezogene  9  und  in  die  Maschine  geleitete 
Flachs  in  kleine  ^  nur  ^/^  Zoll  höhe ,  swlschen  zwei  Paar  Walzen 
befindliche  Kardätsch •  Stiften  eingedrückt  und  gehalten  wird;  a) 
dals  diese  Kardätschen  durch  einen  ganz  neuen,  in  der  Mechanik 
noch  nie  vorgekommenen  Mechanismus  so  in  Anwendung  gebracht 
aind,  dafs  die  kleinen  Stifte  sowohl  in  der  Ruhe,  als  in  der  Be- 
wegung stets  vertikal  bleiben,  wodurch  sich  dieser  Mechanismus 
vorzüglich'  und  auszeichnend  von  ^  allen  Bewegungen  ohne  Ende 
unterscheidet,  welche  seit  unzählieen  Jahren  mit  Saiten,  Schnüren, 
Bändern  und  Ketten  zu  verschieaeneir  Diensten  in  der  Mechanik 
allgemein  in  Anwendung  sind ;  3)  dafs  der  durch  die  Auszugwal- 
zen abgehende  Flachs  einem  gleichfalls  ganz  neu  erfundenen  Me- 
chanismus übergeben,^ und  von  diesem  gedreht,  in  Gestalt  einer 
Schnur ,  ala  trockenes  Vorgespinnst  zweien  Spulen  zur  Aufnahme 
überlassen  wird ;  endlich  4)  ^^^^  ^^^  ™^t  ^c  Bewegung  der  Ma- 
schine in  Wirkung  tretendes  Gebläse  so  angebracht  ist ,  dafs  nicht 
nur  die  Maschine  stets  rein  erhalten,  sondern  auch  dazu  beigetra- 

5en  wird ,   dafs  die  Fasern  vom  Staube  befreiet ,   gerade  in  die 
Luszugwalzen  eintreten  müssen ;   auf  fünf  Jahre ,  vom  6.  August» 

195.  Ludwig  BesoM ,  Uhrzeigermacher  in  Wien  (Vorstadt 
an  der  Wien  Nr.  5o) ,  auf  seine  Verbesserung  der  Metall-Schreib- 
fedem,  womach  dieselben  ein  schöneres  Ansehen,  und  bei  ihrer 
durch  eine  aneebrachte  Feder  bewirkten  Elastizität  auch  für  eine 
leichte  Hand  die  wünschenswerthe  Biegsamkeit  erhalten ,  zugleich 
wegen  ihrer  maschinenmäfsigen  Erzeugungsart  nicht  kostspieliger 
sind;  auf  drei  Jahre,  vom  la.  Augiut. 

196-  Salomon  Pergamenter  ^  wohnhaft  in  Wien  (Stadt  Nr« 
818) ,  auf  die  Erfindung  mechanischer  Fächer,  derien  man  sich, 
ohne  sie  mit  den  Uänden  zu  bewegen ,  auf  doppelte  Art  bedienen 
kann ;  d)  indem  der  Fächer  durch  einen  leisen  Druck  des  Fufsea 
bewegt  wird ,  und  b)  indem  derselbe  durch  ein  eigenes  Triebwerk 
einige  Stunden  hindurch  in  Bewegung  bleibt ,  wo  er  also  selbst 
während  des  Schlafes  benutzt  werden  kann ;  auf  fünf  Jahre  ,  vom 
i9.  August. 


>  • 


197.  Joseph  Fran%  Touaillonj  Gesellschafter  der  Neinzischen 
Metall waaren .  Fabrik ,  in  ^/«m  (Vorstadt  Leopoldstadt  Nr.  614)9 
auf  seine  Erfindung  einer ,  nicht  nur  bei  Bergwerken  und  an  Flüs- 
sen ,  sondern  auch  für  Goldarbeiter  sehr  vor theil haften  Goldwasch- 
maschine ,  welche  nach  Art  der  am  Rhein  gebräuchlichen  Maschi« 


63o 

nen  eingericlitet  ist,  und  darin  besteht»  daCis  man  mitteUt selber, 
ohne  Anwendung  eines  andern  Stoffes  als  des  Wassers ,  in  sehr 
kurzer  Zeit  das  Gold  reinigen ,  und  ohne  allen,  selbst  den  gering- 
sten, Abfall  erhalten  hann;  dafs  swei  Personen 'in  einem  Tage  mehr 
SU  reinigen  im  Stan|de  sind «  als  fünfzehn  Personen  auf  die  jetit 
cewÖhnliche  Art,  b^i  welcher,  so  wie  beim  Amalgamiren  mit 
Quechsilber,  doch  immer  bedeutend  verloren  geht,  und  dafs  end- 
lich die  gedachte  Maschine  wegen  ihrer  Einfachheit  sehr  leicbt 
aufzustellen  undr.u  gebrauchen  ist,  wenig  Kosten  verursacht, und 
sich  durch  Dauerhaftigkeit  auszeichnet }  auf  fünf  Jahre  i  vom  ii. 
August, 

198.  Gebrüder  Rudolph  und  Samuel  BotUnger  ^  Mechanäer, 
in  Wien  (Vorstadt  Leopoldstadt  Nr.  54o) ,  auf  eine  Verbe$scrnn|, 
welche  darin  besteht,  eine  Zylinder -Handmühle  zu  verfertigen, 
die  sich  von  allen  bisher  bekannten  und  privilegirten  Waisen- 
Handmiihlen  durch  Folgendes  unterscheidet:  1)  dafs  die  Vorrick- 
tung  im  Mechanismus  selbst  verschieden  ist;  2)  dafs  eine  dritte 
.  Walze  beigefügt  ist ;  3)  dafs  der  Walzenlauf  ungleich  und  die  Kanneli- 
Tung  der  erste ren  zwei  Walzen  verändert  ist ;  4)  ^^^^  ^'®  ^^  vermäh- 
lenden oder  durchzugehenden  Gegenstände  gar  nicht  gestreckt,  odff 
breit  gedrückt,  sondern  gleich  zerrieben  werden;  5)  dafs  aoch 
feuchte  Gegenstände  gemahlen  werden  können ;  6)  dafs  die  fns''' 
che  Mühle  nie  verstopft  wird;  7)  dafs  die  Reibung  um  die  Hälfte 
vermindert ,  und  die  Gesammtkraft  auf  den  Hauptgegenstand  der 
Mahlung  verwendet  wir4 ;  8)  dafs  zu  dem  Betriebe  der  Mühle  vff 
die  Hälfte  der  sonst  nöthigen  Menschen-,  Pferde-,  Wasser -oder 
Dampfkraft  erfordert ,  und  doch  ein  verhältnifsmafsig  weit  grolk- 
rcs  Quantum  vermählen  wird;  9)  dafs  die  Arbeit  immer  f;leie^ 
förmig  ohne  Aufenthalt  vor  such  gehen  kann ;  10)  dafs  die  Mühle  niekt 
nur   zur  Vermahlung  jeder  Getrcidcart,  sondern  auch  der  Kaop- 

Eern  ,  Baumrinden,  Farbe-  und  Gärbematerialien,  wie  aacb  caA 
rechen  von  Schrot,  Malz  u.  d.  gl.  und  zum  Reiben  von  Rü^* 
und  Mohnsamen  und  Tabak  anwendbar  ist;  endlich  ii)da(ss>< 
durch  viele  Jahre  keiner  Reparatur  bedarf,  selbst  wenn  sicüanw 
unter  den  zu  vermählenden  Gegenständen  harte  Steine ,  Eisen« 
Metall  etc.  voi^finden  sollten,  indeih  sie  nur  durch  fehlerhaft« 
Manipulation  beschädiget  werden  kann ;  auf  fünf  Jahre «  vom  K* 
August. 

i9<).  Prant  Sorger  ^  Rothgarbermeisler  zu  <5i/.  Katharina  10 
Pilsner  /Tm/e ,  -in^Bübmen,  auf  seine  Entdeckung  und^Verbesseruof 
einen  dem  russischen  Juften  an  Aussehen,  Geruch  und  Geschmei- 
digkeit nicht  nachstehenden ,  und  denselben  in  Hinsicht  der  Wtf* 
Serdichtigkeit  noch  übertreffenden  weifsen,  rothen  und  schvrac'^ 
Juften  zu  bereiten;  auf  sechs  Jahre,,  vom  la*  August. 

100.  Joseph  Guth  nnA' Johann  Lafontaine^  Inhaber  eiii'i' 
privjlegirten  chemischen  Prodaktenfabrikin  IVien  (Vorstadt  Hundi- 
thurm  Nr.  ^3),  auf  ihre  Erfindung,  die  unter  der  Benenn«'»^ 
Kaiser -Mitis-Kirchberger -Original-,  Neu  '  und  Wienergrün  »« 
Handel  vorkommenden  Farben  ohne   Anirendung  des  bisher  avi 


63 1 

» 

Frankreicli  belogenen  Grünspans,  blofs  aus  inländischen  Berg- 
werksprodukten  mittelst  tioYjsessig  viel  schöner,  wohlfeiler,  und 
wegen  des  reichen  Gehalts  an  Farbesubstanx  Tur  dehr  Gebrauch 
ergiebig(rr  und  vortheilhafter,  als  mit  Anwendung  des  Grünspans 
KU  erzeugen 5  auf  fünf  Jahre  ,  vom  12.  August. 

'  301.  Michaei  Eder^  Mechaniker  in  Wien  (Vorstadt  Rofsau 
Nr.  37),  auf  seine  , Erfindung,  sogenannter  elastischer,  zu  allen 
Gattungen  von  Wagen-  und  Landfahrseugen  brauchbarer,  beson- 
ders bei  den  Wendachsen  und  Wendlangwinden  sehr  nützlichen 
Räder,  mittelst  welcher  bei  dem  schnellsten  Fabren  auf  dem  gr5b- 
sfen  Steinpflaster  und  auf  Strafsen  eine  angenehme ,  auch  bei  der 
schwersten  Ladung  verhältnifsmäfsig  viel  leichtere  Bewegung  er- 
zielet, ^as  Getöse  und  die  Beschädigung  des  Pflasters  und  der 
Strafsen  vermindert ,  endlich  die  Erschütterung  der  Gebäude,  das 
Anspritzen  mit  Koth  und  das  Aufregen  des  Staubes  möglichst  ver- 
mieden wird^  auf  fünf  Jahre ,' vom  is,  August. 

202.  Jgn<n^  Sohn  des  Franz  Catarossi^  Messerschmied  in 
Udine ,  auf  seine  Erfindung  einer  Maschine ,  um  mittelst  gezähn- 
ler  Hämmer,  die  fortwährend  schlagen  und  -sich  drehen,  und 
dti^ch  dje  Kraft  des  Wassers  in  Bewegung  gesetzt  werden,  Stücke 
aus  Stein  von  verschiedener  Gröfse  zu  bohren,  und  solche  von 
einer  Seite  halsformig  und  von  der  andern  hohl  dergestalt  zu  be- 
arbeiten, dafs  sie  erforderlichen  Falles  in  Verbindung  gebracht, 
.und  zu  fortlaufenden  Röhren  von  jeder  beliebigen  Länge,  wie 
man  sie  z.  B.  bei  Wasserleitungen  braucht,  gebilaet  werden, kön* 
nen;  durch  welche  Maschine  wegen  ihrer  höchsten  Einfachheit  der 
V^ortheil  erreicht  wird,  1)  dafs  sie  eine  überaus  leichte  ökonomi- 
sche und  jedem  Künstler  sehr  willkommene  Art  der  Einrichtung  ' 
gewährt;  a)  eine  viel  regsamere  Verrichtung  der  Arbeit,  obschon 
zu  derselben  blofse  Handlangjsr  hinreichen,  bewirkt;  3)  dafs  sie 
von  sehr  langer  Dauer  ist,  indem  alle  aufgewendeten  Kräfte  un- 
mittelbar auf  die  Erreichung  des  Resultates  gerichtet  sind »  und 
Niemand  genöthiget  ist,  zu  der  Maschine  mit  einem  Nachtheile 
der  aus  ihren  Bestandtheilen  hervorgehenden  Kraft  Zuflucht  ztr 
nehmen;  4)  dafs  sich  die  höchste  Wirkung  offenbart,  da  di6  Agen- 
zien dieser  Maschine  zu  ihrer  Hervorbringung  unmittelbar  die 
Richtung  nehmen,  wodurch  mit  einem  Wasserrade  von  zehn  Fufs 
ungefähr  im  Durchmesser,  in  einem  Tage  aoo  Futs  Stein  in  linien« 
rechter  Länge,  mit  einer  Beihülfe  von  nicht  mehr  als  vier  Arbei» 
tem ,  gebohrt  werden  können :  5)  dafs  die  Maschine  auch  nebst- 
bei  zur  Vervollkommnung  der  blofs  mit  Menschenhänden  gebohr- 
ten Röhren  geeignet  Jst;  aaf  sehn  Jahre,  vom  12.  August. 

ao3.  Joseph  Maria  ReaU^  Wachshändler  und  Erzeuger,  da  An 
Zucker«  und  Weinsteinraffmeur  in  Venedig  (Ffarrgebieth  von  Si, 
Maria  Formosa) ,  auf  seine  Erfindung  eines  neuen  Verfahrens, 
die  schleehteste  Gattung  des  Moskovado*  Zuckers  auf  Raffinade- 
Zucker  zurück  zu  führen :  mittelst  welcher  Methode  die  Bleicbung 
des  Zuckers  blofs  in  der  Kälte  zu  jeder  Jahreszeit  bewirkt, -der 
Zucker  ohne  Zugabe  anderer  Zuckergattangen  nur  mittelst  einer 


einsigeA  Operation  nüt  Anwendung  einer  geringen  Fevenmc,  bii> 
Ben  der  Zeit  von  acht  Tagen  auf  die  gewöhnliche  Form  redviirt, 
lind  aufser  einem  Ersparnisse  an  Brennstoff  nnd  Handarbeit  ein  hö- 
heres Ertragnifs,  und  Melassen  von  der  besten  Beschaffenheit, 
die  um  einen  weit  billigeren  Preis  als  bisher  überlassen  werden 
l&dnnen,  erhalten  werden;  auf  fünf  Jahre,  vom  la.  August* 

io4*  'Aloys  Cavalleri^  Korall  enhandler  aua  Gemua^  ge^ 
wartig  \n  MaiUmd  (Strafse  degli  Orefice  Nr.  3ao9),  auf  seine  Ent- 
deckung, die  natürliche  Koralle  au  bearbeiten  und  cum  allgemeb 
bekannten  Gebrauch  geeignet  au  machen;  auf  sehn  Jahre,  von 
i8*  August. 

ao5.  jinioH  Boffmann ,  Tuchmachergeselle  aus  Plan  in  BSk- 
mcHj  derseit  in-JVteM  (Vorstadt  Josephstadt  Nr.  &7)  wohnbaft, 
auf  seine  Entdeckung ,  mittelst  einer  bisher  gans  unbekannten  ei- 
genen Rauhbürste,  und  einer  gleichfalls  gans  neuen  TucbKh«' 
rer- Fresse,  alle  Gatrungen  Tücher  und  Kasimire  durch  eine  ei- 
gene Manipulation ,  mit  einem  geringeren  Zeitaufwande ,  und  un 
einen  eegen  den  gewöhnlichen  beiiuJie  gar  nicht  höheren  Preis» 
auf  beiden  Seiten  vollkommen  gleich  so  suzurichten  und  au  sppr^ 
tiren ,  dafs  sowohl  Tücher  und  Kasimire  durch  den  aufserordettt- 
Hchen,  von  unten  auf  erfolgenden  Druck  der  Maschine ,  nicb 
nur  an  Dichte  und  Schönheit,  sondern  auch  an  Dauerhafti^eit, 
gewinnen ,  sehr  schnell  gewendet  werden  können ,  und  dsbei  das 
Aussehen  der  Neuheit  erlangen,  überdiefe  aber  durch  einen  beia 
Freien  anwendbaren  Vortheil,  dem  Eindringen  des  Reaens  w«t 
länger  als  bisher  widerstehen,  woeu  noch  kommt,  dafs- nurch die 
fragliche  Maschinenpresse  auch  alle  Gattungen  Seidenstoffe  mw 
Zeuge ,  auf  eine  bisner  gani  unbekannte  und  vortheil  hafte  Art 
appretirt  we^en  können ;  auf  fünf  Jahre ,  vom  t8.  Augast. 

io6«  Johann  Michael  GraUl,  Wollenseug-,  Seiden-  a»<J 
Baumwollenwaaren  •  Fabrikant  in  Wien  (Vorstadt  Cumpeadorf 
Nr.  12),  auf  seine  Verbesserung,  dafs  bei  dem  Weben  derShawU« 
Shawitücher,  Westen  etc.  auch  die  Kette  ans  feiner  Wolle  ^ 
ateht,  wodurch  dieselbe  Qualität  der  Waare,  wie  bei  den  H*^* 
mir-Shawls  und  Merinos •  Zeugen  erc weckt,  die  Arbeit  gefördert 
und  das  Fabrikat  um  einen  billigeren  Freie  geliefert  wird;  ^^ 
fünf  Jahre ,  vom  18.  August« 

207.  Johann  Georg  Sohuiter^  Werkmeister  der  mecbani- 
ecken  Werkstatte  des  polytechnischen  Institutes  in  Wien,  auf 
aelne  Verbesserung  der  Feuergewehr  -  Fabrikation ,  welche  in  ^ 
ner  einfachen,  dauerhaften,  bei  jedem  fertigen  Gewehre  snav* 
bringenden  Vorrichtung  besteht,  wornach  man  kein  Zündpal^^' 
aufauschütten  braucht,  der  Schufia  verstärkt  wird,  und  niemahls  ^^ 
der  Pfanne  brennen  kann ;  daa  Gewehr  in  küraerer  Zeit  sich  1>* 
den  lafst,  und  au  36  SdiiUsen  und  darüber  noch  kein  Zfittdlocb* 
riumer  nöthig  ist|  auf  fünf  Jahte,  vom  i8.  August.        « 

ao8.  Johann  Fiehiner^  von  Neu^Tittchein  in  Mihnn^  p* 


633 

genwartig  in  WUh  (FayoriteDstrafiie  Nr«  7a)  wolmliaft»  auf  teine 
Verbesaerung  der  Dampfmaacluiien ,  welche  in  Folirendem  be- 
atehtif)  in  einer  Einrichtung,  wodurch  der  Dampf  suerst  in 
einem  Ideinen  Zylinder  durch  hohe  Expansivkrafl ,  und  dann  in 
einem  ffrofsen  9  mittelst  Hondensirung  wirkt «  wobei  jedoch  von 
den  bisher  bekannten  Benutzungen  dieser  Art  des  Dampfes  der 
wesentliche  Unterschied  eintritt,  dafs  durch  diese  Anordnung 
auch  mehr  Gleichförmigkeit  in  der  Umdrehung  des  Schwungrades, 
und  also  sehr  bedeutende  Verminderung  der  Schwungmasse  ein- 
tritt $  a)  in  einer  Liederung  des  Kolbens,  welche  auf  sweierlei  ' 
Art  besweckt,  und  dadurch  eine  bedeutende  Ersparung  an  Brenn* 
materiale  erreicht  wird ;  3)  in  einer  Vorrichtung ,  das  durch  die 
Maschine  gegangene  Öhl  sogleich  rein  abfliefsend,  und  von  dem 
kondensirten  Wasser  getrennt  su  erhalten;  4)  ^^  einer  Vorrich« 
tung  9  dem  Schwungrade  eine  gröfsere  und  auf  den  grollten  Theil 
des  Kolbenschubes  cleichiormise  Bewegung  mitsutheilen ,  ohne 
ledoch  beim  Wechsel  jedes  Kolbenschubes  plöUliche  Änderungen 
in  der  Bewegung  des  Kolbens  und  des  Balanciere  au  erhalten, 
wodurch  auch  die  Masse  die%  Schwungrades  fär  die  nöthige  eleich- 
formige  Bewegung  sehr  vermindert  wird ;  5)  in  einer  Vorrichtung, 
welche  von  Zeit  au  Zeit  regelmäfsig  das  Brennmateriale  in  den 
Ofen  bringt;  6)  in  einem  beweglichen  Koste,  welcher  mehr 
Gleichförmigkeit  in  dem  Eintragen  des  Brennmateriales ,  und  da- 
her mehr  Wirksamkeit  desselben  verschallt ;  7)  in  einer  Vor-  * 
richtung,  welche  bei  jedem  noch  so  unvollständigen  "saue  des 
Ofens  und  bei  noch  so  niedrigen  Kauchfangen  den  iiuf\zug  voll- 
kommen sichert;  und  8)  in  einer  Art  Dampfmaschinen,  wo  die 
Zylinder  nicht  gebohret  au  seyn  brauchen,  und  dennoch  eine 
daiQpf dichte  Verschliefsung  erreicht  wird ;  auf  sehn  Jahre ,  vom 
18.  August. 

«09.  Marl  ffummeif  Mitinhaber  des  Dianabadea  in  Wien 
(Vorstadt  Leopoldstadt) ,  auf  seine  Erfindung  einer  Maschine ,  um ' 
die  Weintrauben  au  gleicher  Zeit   absubeeren  und    zu   serquet-    • 
sehen,   welche  Maschine  sehr  einfach  und  wenig  kostspielig  ist, 
für  di»  grofste  Weinlese   hinreicht ,   durch  eine  Menschen  -  oder 
jede  andere  Bewegkraft  in ThatisJieit  besetzt  werden  kann,  nebat 
einer  vollkommenen  Wirkung,   Schnelligkeit  und  Ersparnifb  dar«  . 
biethet,  und  auch  so   eingerichtet  werden   kann,    dafa  sie  die 
Trauben  nur  zerquetscht ;  auf  liinf  Jahre ,  von^  a5,  August,       ^  • 

aio.  JH.  A.  Seiner^  landesbefugter  Tuch-  und  Kasimir^ 
Fabrikant  in  'BrÜnn^  derzeit  in  Wien  (Stadt  Nr.  7*9)  wohnhaft, 
auf  seine  Entdeckung  eines  aus  einer  Mischung  von  Seide  und 
Schafwolle  bestehenden ,  hauptsachlich  zvl  Frauenkleidern  geeig- 
neten Stoffes ,  Boarre  de  laine  aenannt ,  welcher  durch  Feinheit 
des  Gewebes,  Milde  im  Anfühlen,  Geschmeidigkeit  und  Dauer- 
haftigkeit vor  allen  bisher  bekannten  SchafwoUatoffen ,  durch  die 
vollkommene  Haltbarkeit  und  Echtheit  aeiner  beaonders  lebhaften 
Farben  aber  vor  den  meisten  Seidenzeugen  den  Vorzug  verdient, 
und  verhaltnifamafiiig  bedeutend  wohlfeiler  ist^  auf  fimf  Jähret 
vom  a5.  August. 


/ 


634 

911«  Akton  Möhr^  landesbefugter  Sammele  und  Sammet- 
band -Fabrikant  in  WUner  -  Neustadt  (Nr.  5),  auf  seine  Verbes- 
serung der  Sammet-  und  Sapnmetband  -  Fabrikation ,  welche  darin 
besteht-,  die  äammethohe  in  Sammet  und  Sammetbändem  Ton 
Seide  oder  Baumwolle  auf  den  gewöhnlichen  Schub-  und  MfiU- 
Stühlen ,  wie  'auch  auf  Maschinenstiihlen  mit  Wassertrieb ,  obne 
Gebrauch  der  Nadeln,  im  einfachen  Laufe  ku  verfertigen,  wo- 
durch die  zum  Einstecken  der  Nadeln  erforderliche  Zeit  erspart, 
Ton  Einem  Arbeiter  mehr,  als  bei  der^gewSbnlichen  Methode  von 
zweien  erzeugt,  und  der  Sammet  eben  so  rein  und  hatltbar,  aber 
Tiel  kürzer,  gleicher,  und  sonvt  fester  als  bisher  geliefert  wird; 
auf  fünf  Jahre,  vom  aS.  August. 

919.  Johann  Wenxel  und  Anton  Basti  Tuscani^  Grorsbüad- 
Icr  in  Prag ^  auf  ihre  Verbesserung,  welche  i»  einer  Art  tob 
FSUsung  der  Decken  und  gemeinen  Tücher  besteht ,  wornacb  die- 
selben nicht  wie  die  gewöhnlich  gearbeiteten  nach  dem  Verlaste 
der  Oberhaare  und  nach  Entblöfsu^g  der  Fäden  schnell  ange- 
griffen ,  unansehnlich  und  durch  Risse  unbrauchbar  werden,  son- 
dern, wie  auch  derlei  Zeuge,  immer  mit  H.iaren  bedeckt  bleiben, 
schneller  und  billiger  geliefert  werden,  und  durch  Vermebrang 
der  Krämpclarbeit  den  Unterhalt  des  gemeinen  Mannes 'befördern; 
auf  fünf  Jahre ,  vom  4*  September. 

943.  ^ant  Bessettny,  gewesener  Bauinspektor ,  wohnhaft  in 
Trefshurg  (beim  Reichspalatin) ,  auf  seine  Verbesserung,  dafs  er 
zu  den  bisher  aus  Stahl  und  Messing  verfertigten ,  und  bei  den 
Guitarren  angewendeten  Saitenstimmschrauben  folgende  Vorrick- 
tungcn  gleichfalls  aus  Stahl  und  Messing  hinzufügt,  nabmlich: 
noch  ein  Zahnrädehen,  einen  dahin  einfallenden  SperrhaSten, 
eine  den  Sperrhaken  niederdrückende  Feder,  eine  hohle  Acbs«, 
und  noch  eine  zweite,  durch  jene  durchgehende  Achse ,  auf  wel- 
cher eine  kleine  Spule  aufgesre6kt  ist,  und  um  welche  sich  bei 
dem  Stimmen  die  Saite  aufwickelt,  von  welchen  Vorrichtnojen 
man  nach  Belieben  auch  blofs  die  Feder  ohne  den  Sperrbaben 
anwenden ,  und  durch  welche  man  bei  Guitarren ,  Violinen  und 
Violoncellen  viel  geschwinder,  leichter  und  genauer  stimmen 
kann,  ohne  dafs  die  Schraube  jemahls  von  selbst  die  Saiten  naeb* 
läfst;  auf  fünf  Jahre,  vom  8.  September. 

9 14.  Bugo  Rtiehsgraf  zu  Sälin ^  k.  k.  Kämmerer,  Besitier 
der  Herrschaften*  Reiti  uid  Blansko  in  Mähren^  wohnhaft  ia 
Reiti*  lind  Karl  Reichenbach ^  Doktor  der  Weltweisheit,  wohn- 
haft in  Stuttgart^  auf  ihre  Erfindung:  in  eigenen /ganz  geschlos- 
senen ,  eine  Maise  von  zehn  bis  einhundert  und  wiilkürlieb  mebr 
n.  ö.  Klafter  Holz  haltenden  Öfen,  nicht  nur  allein  so  ru  verhob- 
len,  dafs  man  eben  so  viele,  feste,  klingende  und  glaniendo,  au 
jedem  Hüttengebrauche  vorzüglich  gute  Kohlen  erhält,  als  HoU 
dem  Malse  nach  eingelegt  wurde,  sondern  auch  die  bei  d^r  ge- 
wöhnlichen Meihtoikohlerei  ungenutzt  entweichenden  Produkte  der 
Verkohlung,  als:  schweres  gekohltes  VVasserstoffgas ,  HoUsaure 
und  Theer,  fest  zu  halten,  und  zu  yerscbiedeaon  ,  den  Kftnitea 


635 

dienlichen  Zwecl&eii  *  eu  ▼erwenclen',  oder  ku  Kaufmanns vraaren* 
theils  auf  eiscene  ihnen  eiarenthümliche  Arten  ku  verarbeiten ,  und 
ewar  die  Holzsäure  su  reiner  konzentrirter  Essigsäure ,  und  zu 
reinem  Essig ,  sowohl  zum  Medizinal  -  und  Küchengebrauche ,  aU  .  « 
zu  jenem  verschiedener  Gewerbe^  den  Theer  aber  zu  Wagen- 
und  Zapfenschmiere  für  Maschinen  $  auf  fünfzehn  Jahre ,  vom  8. 
September.  ^  -  • 

«i5«  Joseph  Groll^  Bürger  und  Schlosser meister  in  Ptf/fA,  auf 
seine  Erfindung,  durch  eine  bisher  unbekannte,  sich  wechselseitig 
unterstüt/.ende  Anwendung  doppeller  Wagenfedern  die  Elastizität 
in  denselben  zweckmäfsig  zu  erhöhen;  auf  sechs* Jahre,  vom  9. 
September. 

31 6«  Johann  GottUeb  Leonhmrdtf  Mechaniker  aus  Grimma  in 
Sachsen ,  derzeit  in  i'rag^  (Heinrichsgasse  Nr.  9^7) ,  auf  seine  Br- 
andung einer  Pantsch-  und  Rcinigungsmaschine  für  Kattunfabri-  ^  ^ 
kanten  und  Weifsbleicher,  ..welche  aus  Pantschern  und  Wajzen 
besteht,  mittelst  Gewichten  schwer  und  leicht  schlagend  und^drük- 
kend  eingerichtet,  durch  Wasser,  Pferde  oder  Menschen  in  Bewe- 
gung gesetzt  werden  kann ,  und  die  Wirkung  hervorbringt ,  dafs 
sie  Kattun ,  Manchester  und  Leinwand  schneller  und  besser  als 
die*  bisher  bekannten  Waschmaschinen  und  Walken  pantscht  und 
reinigt,  da f?  die  Waare  der  Länge  nach,  zu  sechs,  acht,  zehn 
und  mehreren  Stücken  durch  dieselbe  so  durchgeht,  dafs  jeder 
Faden  seine  bestimmten  gleichen  Schläge,  und  seinen  gleichen 
Druck  bekommt,  und  immer  hinlängliches  Wasser  dazu  geliefert 
wird  ;  endlich ,  dafs  mit  derselben  drei ,  vier  und  mehrere  tausend 
böhmische  Ellen  in  einer  Stunde  gepantscht  und  gereinigt  werden 
können ;  auf  fünf  Jahre ,  vom  9.  September. 

917.  Joseph  Benedikt  IVithalm^  Baumeister  in  Gräit  (Nr. 
1 55) ,  auf  seine  Erfindung  eines  unverbrennlichen  Firnisses,  des- 
sen Gebrai^ch  Kleidungen,  unbedeckt  bleibende  Fläehen  der  Haut, 
Feuerleitern  und  andere  bei  Feuersgefahren  nöthige  Geräthe, 
Stroh,  Leinwand  und  Papier,  gegen  das  Verbrennen  schützt, 
und  dergestalt  wirkte  dafs  man  in  einem  hölzernen,  mit  dieser 
Mischung  bestrichenen  Gefabe ,  Flüssigkeiten  kochen  kann ,  ohne 
dafs  selbes  von  den  Flammen  ergriffen  wird ;  dann  zweitens  auf 
seine  Erfindung  eines  Trocknungs  -  Firnifslackes ,  welcher  durch 
die  erforderlichen  Vorarbeiten  die  Eigenschaft  erhält,  dafs  er 
inner  der  Mittellinie  der  Mauerdicke  die  Feuchtigkeit  abwärts 
zieht,  jede  wie  immer  geartete  nasse  Wand  für  immer  austrock- 
net ,  und  dafs  man  durch  Anwendung  desselben  ganze  Fassaden 
der  Häuser,  steinerne  Säulen,  Figuren,  Pfeilerplatten  und  Fen- 
stereinfassungen mit  geschmackvollen ,  dem  Einflüsse  der  Witte- 
rung widerstehenden  Farben  glänzend  überziehen  kann;  auf  fünf 
Jahre,  vom   i6.  September. 

9i8.  Aloys  Freiherr  von  KSnigsbrunn  in  Ge\ätz  (Herrngasse 
jVr.  193),  auf  seine  Entdeckung  und  Verbesserung:  mit  Ersparung 
an  Brennstoff,  Handarbeit  und  beinahe  einDritttheil  des  gewöhnlichen 


636 

Hopfenbedarfes  verschiedene  ^  alle  andern  gewöhnlichen  an  Güte 
und  Haltbarkeit  übertreffende  Biergattungen  billiger  sa  erseuip; 
auf  fonf  Jahre  y  vom  i5.  September. 

ai9.  Joieph  Herbst^  bürgerlicher  Tischlermeister  in  W'un 
(Vorstadt  Wieden  Nr,  469) ,  auf  seine  Entdeckung  einer  Kocb- 
imd  Heitzmaschine,  welche  darin  besteht:  i)dars  die  ganse  durcli 
das  Feuer  hervorgebrachte  Wärme  so  verwahret  und  benütft 
wird,  dafs  man  den  Wärmestoff  ohne  einen  Verlast  nach  jeder 
Richtung  hiniciten  kann ;  1)  dals  man  mit  der  Maschine  kochen, 
braten  und  suglcich  die  Zimmer  heitzen  kann ,  wobei  zwei  Drittel 
bis  drei  Viertel  an  Holz  und  sonstigen  Brennmaterialien  enoirt, 
und  die  irdenen  Kochgeschirre  voraem  Zerspringen  grofstenUieils 
geschützt  werden;  endlich  S)  da&  sich  die  drei  Gattungen  der 
fraglichen  Maschine  für  die  Küchen  und  fär  die  Zimmer  so  an- 
wenden lassen,  um  damit  auch  im  Zimmer  zu  kochen,  ohne  (Uh 
die  Speisen  den  Geruch  verbreiten,  da  der  Dunst  durch  eine 
eigene  Vorrichtung  abgetheilt  wird,  was  also  die  gewöhnliches 
Küchen  und  Öfen  entbehrlich  macht,  weil  ein  Kamin  zum  Hoeheo, 
und  der  durch  die  Maschine  in  das  Zimmer  geleitete  Wirmeitoff 
sum  Erwärmen  der  Zimmer  hinreicht;  auf  fünf  Jahre,  vom  i6> 
September, 

aao.  Aiichasi  JBjutiur^  Handlungsdiener  in  WUn  (Vorstadt 
an^  der  Wien  Nr.  4?)*  ^uf  seine  Verbesserung  einer  Nägelenca- 
gungsmaschine ,  welche  1)  mit  der  Hälfte  der  'gewöhnlichen  Ko- 
sten sehr  schnell  und  vortheilhaft  hergestellt  werden  kann,  ni» 
sehr  wenigen  Beparaturen  unterliegt ;  a)  ihrer  zweckmäCBigenEia- 
richtung  wegen  mit  einer  kleinen  Veränderung  auf  zweierlei  ir^ 
au  gebrauchen  ist;  3)  durch  Anbringung  einer  Einschubplattet 
eines  Druckhebels  darüber ,.  einer  Kurbel  und  einer  unterUofe»- 
den  Zugstange,  sehr  schnell  in  Stillstand  und  auch  gleich  wieder 
in  Gang  gebracht  werden  kann  (  und  4)  ^^  Vortheile  gewährt, 
dafs  die  Vorrichtung  und  Fabrikation  selbst  schnell  vor  sich  gebtt 
letztere  ohne  Feuer  Statt  findet,  dadurch  sehr  viel  au  Brennstoff 
erspart ,  und  den  Nägeln ,  von  welchen  nicht  so  leicht  eine  Spal' 
tung  des  Holzes  zu  besorgen  ist,  Beinheit,  Güte  und  Zwechmas- 
•igkeit  verschafft  wird)  auf  fünf  Jahre ,  vom  t6.  September. 

Sil.  Front  Girardony^  Fabriksgesellschafter  in  OhenodtfJ^ 
dorf  Nr.  44  9  auf  seine  Verbesserung  der  Wattertwist  •  Msschine, 
welche  sich  mit  gleichem  Vortheile  auch  an  der  Baumwollwutiel- 
oder  Laternmascbine  anwenden  läfst ,  und  darin  besteht,  dafs  der 
Faden,  statt  mit  den  gewöhnlichen  Flügeln,  mittelst  Glocken  und 
einer  Vorrichtung  der  Spule  ungestört  von  aller  äuCsern  Einwi^ 
kung  ruhig  und  ordentlich  aufgewickelt  werden  kann ,  wenn  die 
Maschine  auch  im  schnellsten  Laufe  ist,  wodurch  nicht  nur  <ia< 
Aufwickeln  des  Fadens  befördert,  sondern  auch  das  Ahreirscn 
desselben  verhindert  wird)  auf  fünf  Jahre,  voA  16.  September. 

2S2.  Anion  Raiiur  Cfenh^im^  wohnhaft  in  WUm  (Stadt 
Nr.  11 52),  auf  seine  Erfindung  einer  neuen  Gattung  geschlossener 


637 

Fracht-  oder  Lastwagen ,  welcHe  darin  bestellt:  i)  daüs  ein  sol- 
cher Wagen,  vi^enn  er  auch  nur  auf  zwei  Rädern  ruht,  dennoch 
eine  bewegliche  Deichsel  hat,  welche  das  Umdrehen  in  engen 
Strafsen  erleichtert:  a)  dafs  er,  ohne  eine  andere  Richtung  zu 
erhalten,  und  ohne  einen  Ablader  zu  bedürfen,  ausgeleert  werden 
kann ;  3)  dafs  ein  und  derselbe  Wagen  ohne  besondere  Vorrich* 
tung  genau  für  jede  gewöhnliche  Quantität  einer  Waare  pafst, 
die  nach  kubischem  Mafse  verkauft  wird ,  und  demnach  selbst  als 
ein  bestimmtes  Mafs  dafür  anzusehen  ist ;  4)  dafs  die  Achsen  und 
Rader  desselben  auf  eine  Art  eingerichtet  sind,  wodurch  ein 
Pferd  fast  das  Doppolte  der  Ladung  gewöhnlicher  Wägen  liehen 
kann ;  5)  dafs ,  wenn  ^ie  Räder  und  Achsen  einmahl  gehoris  mit 
Öhl  geschmiert  sind,  sie  auch  bei  einem  täglichen  Gebrauche  aureh 
sehr  lange  Zeit  nicht  mehr  geschmiert  su  werden  brauchen; 
6)  dats  dieselben  sehr  vor  dem  Eindringen  des  Staubes  gesichert 
sind;  »f)  dafs  kein  Verlust  eines  Radnagels  oder  einer  Schraube, 
mithin  kein  Abfallen  des  Rades  selbst  zu  befurcliten  ist;  und  8) 
dafs  die  Achsen  und  Räder  für  alle  Gattungeh  Wagen  und  Equipa- 
gen anwendbar  sind;  auf  fünf  Jahre,  vom  33.  September.  / 

233.  Nikolaus  Werner  ^  bürgerlicher  Hutmacher  in  Wien 
(Vorstadt  Laimer übe  Nr.  II 8),  auf  seine  Erfindung:  Damenhüte 
aus  Seidenfelbel  von  verschiedenen  FarJ^en  auf  einer  von  ihm  er- 
fundenen ,  bisher  noch  nicht  verwendeten ,  und  in  Verbindung 
mit  d«m  Seidenfelbel  gleichsam,  einen  Filz  bildenden ,  wasserdich- 
ten Unterlage  zu  verfertigen,  welche  Hüte  sehr  leicht  und  ela- 
stisch, nach  einem  Drucke  mit  geringer  Mühe  wieder  zu  formen, 
von  langer  Dauer  und  sehr  wohlfeil  sind;  auf  fünf  Jahre,  vom 
a3«  September. 

924-  Lorenz  Sehaller  ^  Shawls  •  Fabrikant  in  fVien  (Vorstadt 
Gumpendorf  Nr.  9i6),  auf  seine  Entdeckung ,  mittelst  eines  eigens 
eingerichteten  Stuhles ,  ein ,  mit  einbroschirten  Blumen  versehenes 
Dünntuch,  oder  spitzenartiges  Gewebe  für  Shawls,^  Kleider  und 
Tücher  jeder  Gröfse,  aus  jedem  tauglichen  StoiFe  zu  erzeugen, 
wobei  i)  blofs  durch  Veränderung  der  Anschnürung,  das  heifst, 
der  Verbindung  der  Schämel  mit  den  Schäften,  dem  mittelst 
Ferlköpfen  gewebten  Grunde  die  gröfste  Mannigfaltigkeit  gegeben, 
und  auf  einem  einzigen ,  einmahl  vorgerichteten  Stuhle  eine  grofse 
Anzahl  von  Mustern  ersielt;  a)  in  das  Dünntuch  oder  in  den 
Spitzengrund  broschirt,  und  somit  jede  Gattung  von  Figuren, 
Blumen  etc.  unmittelbar  hineingebracht,  endlich  3)  dieses  Bro- 
schiren  auch  auf  mitten  in  den  Spitz  eingewebten  Stellen  von 
leinwanctartigem  oder  Atlafsgrund  vorgenommen  werden  kann , 
auf  fünf  Jahre ,  vom  93.  September* 

ai5.  FrafU  Höpfner^  Doktor  der  Medizin  in  Wien  (3tadc 
Nr.  691),  auf  seine  Erfindung  einer  Maschine,  welche  darin  be- 
steht, dafs  die  zusammengeprefste ,  nach  Öffnung  eines  Hahnes 
frei  gewordene  Luf^ ,  durcn  ein  kurzes ,  mittelst  zweier  unterge- 
stellter Öhllichter,  glühend  heils  erhaltenes  Rohr  strömt,  sich 
erhitsC|  und  vermöge-  ihrer  Expansivkraft,  durch  einen  eigenen 


64o 

•  •  • 

bemerkt  wird ;  8)  dafs  die  Öfen ,  wenn  der  Schornstein  nicbt 
ganz  fehlerhaft  angebracht  ist,  auch  bei  widrigem  Winde  nicht 
rauchen :  9)  dafs  nie  äufsern  Theile  der  Öfen  höchstens  lauwam, 
mithin  die  Anfühlenden  nicht  beschädiget  werden;  10)  dafs  man 
'eben  die  aulsem  Theile  diesem  Öfen  für  Kasernen,  Fabrikea, 
Spitäler  etc.  von  Zieeclraauer  mit  Bisen  verbunden ,  cum  Kochep 
im  Zimmer  und  sum  Heitzen  Ton  aufsen  einrichten  hana,  ohne 
Tor  einigen  Jahren  einer  Reparatur  zu  benothigen;  endlich  11) 
dafs  man  nach  dem.  Muster  der  fraglichen  Öfen  schon  vorhandene 
eiserne  Öfen  mit  geringen  Kosten ,  Jedoch  ohne  die  Erzielung  des 
bedeutenden  Holzersparnisses ,  verbessern  kann  ;  auf  fünf  Jahre, 
vom  so.  Oktober. 

■ 

a33.  Franz  Dolei ,  -Negoziant ,  wohnhaft  in  Verona  (Strafse 
Sta.  Anastofia  Nr.*  i3o3),  auf  seine  Verbesserung,  'mittelst  einer 
Maschine  die  Zweige  und  Blätter  des  Färbersumachs  {Rhut  eoria- 
riaj  ^  die  in  der  Gärberei  und  Färberei  gebraucht  werden,  zu- 
gleich zu  zermalmen  und  zu  pulverisiren ;  auf  fünfzehn  Jahre, 
vom  11.  Oktober. 

a34«  Georg  Orrigoni^  aus  Genua  ^  auf  seine  Verbes^emng 
des  Verfahrens,  das  Stroh  zur  Erzeugung  des  Papiers  zu  bereiten, 
welche  Verbesseruns  in  der  Anwendung  des  Kalkes  l>hne  Gebrauch 
der  Pottasche  bestent;  auf  zehn  Jahre,  vom  ai.  Oktober. 

a35.  Aloyi  Joiepk  Sartori  ^  Inhaber  der  k.k.  Metall wuren- 
und  Maschinenfabrik  in  Neuhirtenberg  bei  St,  Veit  ^  an  der  TVv- 
sting^  wohnhaft  in  Wien  (Stadt  Nr.  1059),  auf  seine  Entdeckung: 
durch  geeignete  Vorrichtung  Stab-,  Keif-,  Wannen-,  Gitter-  uni 
Rundetsen,  statt  durch  das  bisher  gebräuchliche  Aushammerm 
durch  A.uswa1zen  zu  erzeugen ,  wobei  das  Erwärmen  in  besonder! 
hergerichteten  Öfen  mit  Steinkohlen  geschieht;  auf  fiinf  Jahre, 
vom  ai.  Oktober. 

a36.  Antonia  Zebitsch^  Strohhut  -  Fabrikantin  in  Wien  (Tor 
Stadt  Wieden  Nr.  a6a)  ^  auf  ihre  Erfindung ,  aus  in  -  und  auslas- 
dischen  Stoffen  eine  neue  Gattung  von  Männer-,  Frauen-  und  Hin* 
derhüten  und  Kappen  zu  verfertigen ,  welche  alle  bisher  behann* 
ten  an  Dauerhaft! ekeit  und  Leichtigkeit  übertreffen,  im  Preise 
für  alle  Stände  billig  sind,  eine  grofse Ersparun£  erzwecken,  jede 
beliebige  Form  und  Farbe  annehmen ,    die  Ausdünstung  des  Ko* 

Sfes  nicht  hemmen ,  die  Steife  entbehrlich^  machen ,  und  durch 
ie  Feuchtigkeit  eine  gröfsere  Festigkeit  erreichen ,  wobei  noch 
zu  bemerken  ist,  dafs  man  aus  dem  fraflichen  Fabrikate  insbe- 
sondere eine  vortheilhaf^e  und  zweckmäisige  Kopfbedeckung  für 
das  Militär,  wie  auch  das  sogenannte  Patentzeuc,  und  zwar  von 
jeder  beliebigen  Breite  liefern  kann;  auf  fUnf  Jahre,  vom  si. 
Oktober. 

937.  Andreoi  Garnier  ^  Hiitmacher  aus  fyon^  derzeit  ii 
IFi>/i  (Vorstadt  Windmühle  Nr.  ^)  wohnhaft,  auf  seine  Erfta- 
düng:  durch  Anwendung  eigener,  von  den  bisherigen  yerschiede- 


.    64i 

ner  Mittel  (Beagentien)  bei  der  Hutftibrikatlou  das  Scheren  der 
Ilasenbälge  ganz  ku  vermeiden,  dadurch  die  Arbeit  um  neun  Zehn- 
tel zu  vermindern,  und  sugleicfa  die  den  Hut  verunstaltendea 
Grundhaare  viel  leichter  su  beseitigen ,  ferner  die  Haare  viel 
besser  und  leichter  zu.  fil/.on  und  zu  walken ,  wodurch  der  Hut 
auch  längere  Haare  behält ,  endlich  die  Färbung  bedeutend  zu  be^ 
schleunigen,  und  die  Farbe  schwärzer  und  glänzender  zu  geben | 
auf  fünf  Jahre,  vom  21.  Oktober. 

938.  Anton  Benkert  un^  Johann  Knetaurek  in  IVien  (Stadt 
Nr.  io63),auf  ihre  Erfindung  einer  neuen  Gattung  von  Luftpressen, 
welche  darin  besteht ,  dafs  durch  die  Luftverdiinnung  oder  Luft- 
entleerung ein^  mit  der  Luftpresse  verbundenen  GeUifses,  ohne 
den  Gebrauch  einer  Wasser  -  oder  Luftpumpe ,  ein  jeder  Extract 
aus  Früchten ,  Blättern ,  Hölzern ,  Binden  ,  Wurzeln  etc.  von  be? 
liebigem  Grade  der  Konzentration  mit  leichter  Mühe  erhalten, 
jede  trübe  Flüssigkeit  ohne  Unterlage  von  Filz,  Löschpapier, 
Leinwand  etc.  schnell  klar  filtrirt ;  übrigens  die  Luf^presse  auch 
zur  schnellen  Austrocknung  feuchter  Substanzen ,  als  s.  B.  feuchi* 
ter  Stärke ,  feuchter  und  nasser  Salze ,  nach  ihrer  Trennung  von 
der  Mutterlauge ,  vortheilhaft  angewendet  wesden  kann  ^  auf  fünf  , 
Jahre,' vom  28.  Oktober. 

339.  Joseph  Lahner  und  Fran%  Mächtig  Ge1bgie(^er  in  Wien 
(Vorstadt  Mariahilf  Nr.  16),  auf  ihre  Verbesserung,  verschiedene 
Waaren  von  englisch  plattirtem  Kupfer  und  Tombak,  als  Trinkbe- 
cher, KafFehgeschirre ,  Leuchter  von  allen  Gattungen  etc.  auf 
eine  bessere,  und  fünf  Mahl  schnellere  Art,  als  bisher,  zu  verfer« 
tigen  ^  auf  fünf  Jahre ,  vom  28.  Oktober. 

940«  Franz  OrumüUer  und  Contp,^  Maschinenzeichner  In  (Vien 
(Vorstadt  Landstrafse  Nr.  3o6) ,  auf  ihre  Erfindung,  von  drei  ver? 
schiedenen,  mit  einem  verschlossenen,  halb  glühend  gemachten» 
Stahle  verseheneif  Zangen,  und  einer  dazu  gehörigen  Rolle,  mit 
welcher  bei  der  Putzwäsche,  ohne  die  geringste  Beschädigung  der^ 
selben,  Falten  aller  Art,  schnell,  schon,  gleichförmig  und  dauer-p 
haffc  gelegt  werden  können,  und  welche  Be^uisiten  eine  schöne 
und  bequeme  Form  haben  9  lange  dauern ,  keiner  Beparatur  be? 
dürfen ,  und  um  einen  geringen  Preis  anzuschaffen  sind ;  auf  eii| 
Jahr,  vom  s8.  Oktober« 

241*  Siegmund  Bergamenier  ^  Destillateur  und  befugter  Li^ 
queur-  und  Bosoglio- Erzeuger  in  Wien  (Vorstadt  Landstrafse 
Nr.  9),  auf  seine  Verbesserung:  aus  gemeinem  Branntwein  eine 
dem  Geschmaeke  und  Grade  des  Jamaika  -.Bhumes  ähnlich  kom* 
mende  Zucker -'Rhnmari  zu  erzeugen;  auf  fünf  Jahre,  vom  38f 
Oktober^ 

«4<»  Bmil  Magnan ,  Handelsmann  In  Pe^rii  (Gasse  Verneuil 

Nr.  99),  gegenwärtig  in  Wien  bei  Fries  et  Comp,^   auf  seine  En^ 

deckung    einer   exzentrischen  hin-  und    hergängigen    Tuchschere 

oder    Tachschermaschine  ,     mit  Pendelbe vregung ,  wo  das   Prin- 

J«krb.  4«t  poljjTt.  luvt,  IV,  B4.  /^i 


642      , 

sip  einer  oder  mehrerer  Hauptschneiden  in  einer  oder  mehreren 
scorägen  Klingen  auf  einer  Achse  besteht,  deren  dorch  den  H^ 
chanismus  der  Maschine  bewirkte  Pendelbewegung  im  Hin-  and 
Hergehen  der  Maschine  durch  ihre  Bewegung  mit  zwei  gertden 
und  parallel  ari  ihre  Achse  angebrachten  und  eegen  einander  ge- 
richteten Klingen  cum  Schneiden  bringt,  welches  Prinsip  der 
Schneiden  sich  auch  zum  Scheren  Ton  Zeugen ,  nach  was  immer 
für  einer  Lage ,  nach  der  Länge,  Quere  und  Diagonale  anwenden 
lädt ;  auf  fünfzehn  Jahre ,  vom  3.   November. 

343*  Frofu  Ceregetti ,  bürgerlicher  Mahler  und  chemisclier 
Farben  -  Fabrikant  in  Wien  (Vorstadt  neue  Wieden  Nr.  5 16),  anf 
aeine  Erfindung  eines  chemisch  zusammengesetzten  Firnissei, 
durch  welchen  jede  feuchte  Wand  ausgetrocknet  und  trocken  e^ 
halten,  dann  der  Salpeter  da,  wo  er  sich  schon  vorfindet,  weg* 

Seschafft,  und  dessen  fernere  Erzeugung  gänzlich   gehindert  we^ 
en  kann ;  auf  fänf  Jahre ,  vom  3.  November« 

«44*  Alexmnder  Biüaudety  Invaliden  -  Fourier  in  KanÜMSh 
tkal^  bei  Prag^  auf  seine  Verbesserung  im  Destill  iren  der  Brannt- 
weine und  Geister,  wodurch  auf  eine  eans  einfache  Art  Brena* 
Stoff  und  Zeit  erspart , .  der  mit  gewöhnlichen  Zubereitungen  erst 
durch  zwei  bis  sechs  Mahl  wiederhohlte  Abziebungen  zu  tTvt 
lende  Grad  der  Stärke  nach  einer  einzigen  Heitzung  erhalten,  und 
bewirkt  wird ,  dafs ,  wenn  man  aus  Malz ,  Kartoffeln  oder  snden 
dergleicher  Substanzen  destilliren  will ,  die  gährenden  Theile  sich 
weder  verunreinigen,  noch  verbrennen,  noch  mit  den  geistigo 
Theilcn  vermengen;  auf  fünf  Jahre,  vom  3.  November, 

a45.  Vituen%  Strnadt^  Branntweinbrenner  in  Wien  (Breitef* 
feld  Nr>  4^)  9  <^uf  seine  Verbesserung ,  mittelst  eines  eigenen  Appa- 
rates, aus  einem  Branntweine  von  18  Graden  durch  eine  e'uai^ 
Ueberziehung.  einen  Branntwein  von  35  bis  38  Graden  zu  erhalten, 
wobei  eine  zweite  Rektifizirung  vermieden  ,  Holz  •  und  Arbeiter- 
spamifs  ^rzweckt ,  und  wegen  der  vorzüglichen  Reinheit  des  Pro* 
duktes ,  Essig  und  Liqueur  der  feinsten  Gattung,  wie  auch  Brannt- 
wein von  niederem  Grade  ohne  Fusel geschmack  erzeugt  werden 
kann ;  auf  fünf  Jahre ,  vom  3.  November, 

a46.  Fram  Stffger^  Weifsgärbermeister  in  Kirekherg  ^ 
Wagram  j  auf  seine  Verbesserung  in  Bearbeitung  der  rauben 
Felle,  womach  diese  dem  Verderbnisse  durch  die  Motten  ebenso 
wenig,  als  die  nach  der  bisherigen  Methode  der  Weifsgarber  l>ea^ 
beitetcn  Felle  ausgesetzt,  zugleich  aber  etwas  wohlfeiler,  mehr 
zügig ;  mild  und  Viel  dauerhafter  sind «  dann  vor  den  durch  die 
liürschner  bearbeiteten- Fellen  gleichfalls  durch  weit  gröfsere  Dauer 
haftigkeit ,  und  durch  die  gänsliche  Beseitigung  des  üblen  0^ 
ruches,  sich  auszeichnen;  auf  fünf  Jahre,  vom  ii.  November. 

947.  Mathias  ßlßUer^  bürgerlicher  Instrumentenmacher  und 
Hausinhaber  in  Wien  (Vorstadt  Leopoldstadt  Nr.  5o2>,  und  /oA^ns 
GottUeb  Sockel,  bürgerlicher  Tischlermeister  in   Wien  (Yorsudt 


643 

Leopoldstadt  Nr.  601) ,  auf  ihre  Erfindung  eines  Flofsen  -  Wasser- 
rades f  welches  in  jedem  Flusse  unter  dem  Wasser ,  so  wie  je-* 
des  Schilfmühl  -  Wasserrad  auf  dem  Wasser ,  die  gröfste  Kraft 
ausübt,  und  folgende  Eigenschaften  besitst  :  1)  d^fs  es  sehr 
schnell  umgeht,  also  die  Werke  gans  einfach  ohne  alle  Ueberset- 
simg  der  Räder  betreiben  kann ;  1)  dafs  es  nur  ein  Schiff  oder 
Flols  braucht,  mit  welchem  man  in  beliebiger  Richtung  fahren 
kann,  um  damit  su  arbeiten,  wefshalb  es  besonders  bei  Schlag- 
wefken,  und  überhaupt  bei  dem  Wasserbaue  sehr  vortheilhaft  an- 
zuwenden ist ;  3)  dafs  das  Werkhaus  oder  die  Mühle  auf  dem  fe- . 
sten  Lande  stehen ,  das  Rad  aber  in  willkürlicher  Entfernung  so- 

§ar  unter  dem  Eise  fortarbeiten  kann;  4)  ^^^*  ^^^  Leitung  des  Ra- 
cs  sehr  ceringe  Kosten  verursacht ,  und  dabei  durch  ganze  Par- 
tien Scbeiterholz  oder  Eisstücke,  da  sich  diese  nicht  Terhangen 
können,  kein  Stillstand  eintritt,  endlich  5)  dafs  das  fragliche  Aad 
auch  noch  besonders  als  Ruder  bei  Schiffen  anzubringen  ist ,  um 
damit  sehr  leicht  gegen  das  Wasser  zu  arbeiten ;  auf  fünf  Jahre, 
vom  11.  November. 

a48.  Frafu  Remolt ,  bürgerlicher  Kesselschmied  und  Mecha- 
niker in  Pestky  auf  seine  Erfindung,  eines  neuen  Rranntweinbren- 
nerei  -  Apparates ,  welche  darin  besteht:  1),  dafs  dieser  Apparat 
aus  der  Maische  sehr  schnell  und  leicht,  und  mit  grofser  Holzcr- 
spamifs  einen  sehr  angenehmen  fusel freien  Rranntwein,  oder  nach 
Beigebung  der  nöthigen  Ingredienzen ,  einen  sehr  guten  und  star- 
ken Liqueur,  sehr  kalt  und  immer  gleichförmig  abfliefsen  läfst ; 
a)  dafs  in  einem  mit  25  oder  3o  Eimern  Maische  gefüllten  Kessel 
der  darin  enthaltene  Geist  binnen  zwei  Stunden ,  oder  zwei  Stun- 
den und  einer  Viertelstunde  vollkommen  und  bequem  entwickelt 
wird;  3)  dafs  der  Kessel  das  Steigen  der  Maische  von  aufscn  be- 
merkbar macht ,  und  dafs  die  übergestiegene  Maische  etwas  abge- 
kühlt, von  .selbst  in  den  Kessel  zurücktritt,  durch  welches  Zu- 
rücktreten in  die  Blase  grofsem  Schaden,  und  jeder  Verzögerung 
der  Destillation  vorgebeugt  wird;  4)  dafs  bei  dem  fraglichen  Ap- 

Sarate  die  Gefahr  des  Anbrennens  beseitigt ,  und  derselbe  von  je- 
em  des  Geschäftes  kundigen  Individuum  leicht  zu  behandeln  ist ; 
5)  dafs  der  Apparat  blofs  durch  die  Heitzung  des  Kessels  ohne 
alle  Nebenheitzung,  oder  ein  Wasserbad  seine  Wirkung  hervor- 
bringt; 6)  dafs  derselbe,  wenn  er  ohne  irgend  eine  Veranderuns 
in  seiner  Einrichtung  mit  zwei  durch  Röhren  verbundene  Kessel 
gebraucht  wird ,  mit  dem  für  einen  Kessel  nöthifen  Feuer ,  und 
ohne  sonstige  Kosten  das  Doppelte  erzeugt  j  endlich '7)  dafs  er 
durchaus ,  selbst  in  dem  Kühlrohre ,  sehr  rein  und  sehr  gut  ver- 
zinnt ist;  auf  fünf  Jahre,   vom  11.  November. 

349>  Joseph  Bodenstein ,  privilegirter  Geistbrenner»  und  Ge» 
org  BodensUiny  Bürger,  beide  in  W'ien  (Vorstadt  Margar^then 
Nr.  44)  9  ^^^  ibre  Erfindung ,  aus  Knochen ,  welche  zu  keinem, 
wie  immer  gearteten  Gebrauche  mehr  geeignet  sind,  einen  Leim 
zu  erzeugen,  der  den  gewöhnlichen  Leder-  oder  Tischlerleim  an 
Haltbarkeit,  Ergiebigkeit  und  Wohlfeilheit  weit  übertrifft,  wegen 
seiner  Weifse  und  Reinheit  das  Gummi  vollkommen  ersetzt,  we- 

4i* 


644 

det  bei  der  tlrBeugmig  iiock  bei  dem  Gebtauclie  einen  unangeneli* 
nen  Geruch  verursacut ,  und  daher  hierzu  keine  besondere  Vor« 
richtung  und  hein  besonderes  Lokale  erfordert,  endlich  regender 
Gleichartigkeit  seiner  Bestandtheile  in  die  su  verbindenden  Geg^* 
stände  tief  und  schnell  eindringt ,  und  sehr  geschwind  trocknet, 
wodurch  an  Arbeitslohn  und  Zeit  erspart  wird;  auf  fünf  Jahre, 
▼om  i8k  November. 

i5o.  PideUi  Schmidt^  privilegirter  Essigfabrikant  in  Wuu 
(Vorstadt  Gumpendorf  Nr.  71) ,  auf  seine  Verbcascrung,  aus  ia- 
ländischen  Produkten  mit  Ersparung  an  Zucker  einen  gegen  den 
gewöhnlichen  um  die  Hälfte  wohlfeileren,  der  Gesundheit  weit 
Euträglicheren  Weinpunach  zu  erzeugen;  auf  fünf  Jahre,  votn  i& 
November. 

'  s5i.  Karl  Ludwig  MäUeTs  Privatsekretar,  xmd  iohmnn  KiM, 
befugter  Silberarbeiter,  beide  in  Wien  (Stadt  Nr.  io63) ,  aufikre 
Erfindung  von  Federn,  mit  denen  man  vermöge  einer  neuen  Vor- 
richtung ohne  Eintauchen  in  die  Tinte  viele  Stunden  schreihei, 
und  welche  man  mit  Tinte  gefüllt,  stets  bei  sich  tragen  kann,  auf 
drei  Jahre,  vom  i5.  Novemben  ' 

1^5).  KoHrad  Pabitzkx,  Chemikerin  Wien  (Brettenfeld Kr. 
99)  n  auf  seine  Erfindung  einer  sehr  schwarzen  und  glänscndefl, 
nicht  abiiirbenden  Wichse,  welche  das  zu  Schuhen,  Stiefeln  und 
Biemcn  bestimmte  Leder ,  wenn  dieses  anders  gehörig  bearbeitet, 
und  nicht  etwa  in  der  Gärberei  oder  sonst  zweckwidrig  bebaadeu 
wurde,  wasserdicht  und  geschmeidigv macht ,  und  wobei  man  s<tf 
Erhöhung  der  ersteren  Eigenschaft  für  das  Leder  überhaunt  m 
zur  Erzielung  derselben  für  die  Sohle  duch  eine  gleichfalls  ^^ 
PabiUkjr  erfundene  öhlige  Flüssigkeit  anwenden  kann ;  auf  füv 
Jahre,  vom  a5.  November. 

i53.  igna%  Mayer  ^  au«  JCanitcha  in  Ungarn  ^  g^S^"^'!!'^ 
in  Wien  (Vorstadt  Jägerzeil  Nr.  527)  wohnhaft ,  auf  seine  Erfin- 
dung mechanischer  'Pulte,  wo  die  ^Notenblätter  durch  einen  Schlag 
mit  dem  Finger  ^  oder  auch^nach  Umständen  durch  einen  Drvc> 
mit  dem  Fufse  aufserordentlich  geschwind  umgewendet  ^^^^^ 
k6nncn,  welche  Erfindung  sich  von  der  unterm  9.  Juli  1821  (P^*!]!^ 
Nr. 49,  Jahrbücher,  Band  3.  S.  507)  privilegirten  ähnlichen  £^ 
düng  des  Joseph  Böhm^  nicht  nur  durch  die  Wesenheit  desM^ 
chanismus,  sondern  auch  durch  Einfachheit,  Ersparnifs  von  wenig- 
stens So  Prozent ,  Schnelligkeit  der  W  irkung ,  Leichti^l"^'^  de' 
Vorrichtung ,  und  sehr  leichte ,  wenig  kostspielige  Anwendbarkeit 
auf  schon  vorhandene  Pulte  unterscheidet;  auf  sehn  Jahre«  vom 
%B,  November. 


.  ^54.  '^•nton  Senkert^  und  Joseph  Kneiaurek^  beide  in  ^'^^ 

I  (Stadt  Nr.  io63),  auf  ihre  Erfindung   elastischer    BetUtatten,  d^ 

i  ren  Gebrauch  viele  Bequemlichkeiten  in  sich  vereinigt ,  und  ^^^^ 

elastische  Vorrichtung  sich  auch  an  jede  fertige  BetuUtte  9^^^ 

^n  läfstj  auf  fUnf  Jahre,  vom  a5.  November. 


645 

a55.  William  Molene^  aus  England^  geeenwärtig  in  Fiume 
domicili^nd,  auf  seine  Erfindung,  die  Garberl oho  aus  Eichen- 
rinde odfr  anderen  hierzu  gewöhnlich  verwendeten  vegetabilischen 
SuDstansen  zu  einem  festen  Extrakte  zu  bereiten,  damit  derselbe 
leichter  verfuhrt,  und  sowohl  zur  Aufbewahrung  als  zur  schnel- 
leren Manipulation  bei  der  Gärberei  geeigneter  gemacht  wird; 
auf  fiinf  Jahre ,  vom  35.  Nevember. 

356.  August  Bertkold^  landesbefugter  Lachir  -  Blechi^aaren- 
Fabriliant  und  Hausinhaber  in  Währing^  auf  seine  Erfindung  ei- 
ner gläsernen  HalTehbrennmaschine,  welche  darin  besteht:  t)  dafs 
man  mit  weniger Kaifeh  als  gewöhnlich,  ein  stärkeres  und  schmack- 
hafteres Getränk  erhält;  3)  dafs  man  ohne  Eröffnung  der  Maschine 
wahrnehmen  kann ,  wann  der  BalTeh  genug  gebrannt  ist ;  3)  dafs 
bei  dem  Verschlossenbleiben  dep'Maschine  während  des  Brennens 
das  Verrauchen  des  Kaffehs  vermieden ,  und  nur  der  Anfangs  aus 
demselben  entweichende  widrige  Erdgeruch  durch  einen  Hann  an 
der  Halsmitnduns  durchgelassen  wird;  4)  ^^^^  t^^n  den  völlig  ge- 
brannten Kaifeh  in  der  verschlossenen  Maschine  erkalten  lassen, 
und  hierdurch  sein  Aroma  bewahren  kann;  endlich  5)  dafs  der 
als  Dunst  durch  den  Hahn  gehende  Erdgeruch  durch  eine^  Ansteck« 
.röhre,  woran  ein  Hühlapparat  angebracht  ist,  in  eine  tropfbare 
Flüssigkeit  umgewandelt,  und  aus  dieser  durch  Destillation  KaiFeh« 
geist  oder  Öhl  ausgezogen  werden  kann ;  auf  fünf  Jahre ,  vom  35. 
November. 

357.  Michael  SpSrlin  und  Heinrich  Rahn,  k.  k.  Hof*  und 
privilegirte  Papier  -  Tapeten  •  Fabrikanten  in  JVien  (Vorstadt 
Gumpcndorf  Nr.  390) ,  auf  ihre  Erfindung ,  welche  darin  besteht : 
1)  unter  der  Benennung  IrJs  •  Tapeten*,  eine  bisher  unbekanule 
Gattung  Papier -Tapeten  ru  verfertigen,  deren  Grundlage  aus  drei, 
vier,  auch  mehreren  verschiedenen  Farbenstreifen  besteht,  die 
auf  einmahl  aufgetragen,  und  so  in  einander  verstshmolzen  wer- 
den,-dafs  dadurch  die  täuschendste,  bisher  unerreichbare,  Nachah- 
mung der  zart  nüancirten  seidenen' Stoffe  bewirkt  wird;  3)  sowohl 
zur.  Verfertigung  dieser  Irisc  als  auch  der  einfarbigen  glatten  Ta- 
peten eine  Maschine  anzuwenden ,  mittelst  welcher  das  Auftragen 
und  Vertreiben  der  Grundfarbe  durch  blofscs  *  Umdrehen  einer 
Kurbel  weit  vollkommener  als  aus  freier  Hand  Statt  findet;  auf 
fünf  Jahre,  vom  1.  Dezember. 

358.  Joseph  Zieh^  Bürger  in  Weitra  (in  Niederösterreich) 
und  Glasmeister  in  der  k.  k.  privilegirten  Glasfabrik  in  Schwuarutu^ 
auf  seine  Erfindung,  welche  darin  besteht:  1)  den  Salzpfannen- 
kem ,  das  schwefelsaure  Kali  (Arcanum  dupücatum)  und  den 
Seifensieder  -  Laugenflufs  als  Schmelzmittel  zur  Glaserzeugung  zu 
gebrauchen ;  3)  aus  dem  Salzpfannenkem ,  so  wie  aus  dem  gemei- 
nen Kochsalze  eine  verbesserte  Gattung  roher  Soda  zu  bereiten, 
die  bei  ihrer  Anwendung  zur  Erzeugung  des  grünen  Glases  die 
raffinirten  Soda -Sorten  nicht  allein  ersetzen  kann,  sondern  zu- 
gleich auch  die  Glasmasse  beträchtlich  vermehrt,  dabei  das  soge- 
nannte Abschmelzen  onnötbig  macht ,  und  ausgelaugt  zu  den  tei- 


646 

neren  Glaasorten  anwendbar  ist;  3)  jede  Art  Fottascbe  durch 
eine  höher  Oxydirung  un4  eine  einfache  Ahscbeidung  ihrer  Be- 
standtheile,  welche  im  Glase  einen  eelblichen,  grüne»,  bUuea 
und  durchaus  gemischten  Stich  hervornringen ,  zur  Erseugiuig  ei- 
nes farblosen ,  *  gegen  das  gewöhnliche  Glas  viel  durchsichtigeren, 
und  Eum  Schleifen  weniger  harten  Glases  dergestalt  vorsubereiUSi 
dafs  es  in  der  Regel  gar  keines  und  nur  in  gewissen  Fallen  ebes 
sehr  geringen  Zusatses  der  sonstigen  Entßlrbungsmittel  hedarf; 
auf  fünf  Janre,  Tom  i.  Deaember« 

a5$.  Stephan  Mayerhrfer^  k.k.  Hof-  und  privilegirter  PUt- 
tirwaaren  -  Fabrikant  in  Wien  (Praterstrafse  Nr.  5oo ,  Niederlage 
in  der  Stadt  Nr.  3)  9  auf  seine  Verbesserung ,  welche  dsria  be- 
steht: 1)  alle  Gattungen  Silbergeschirre  nach  dem  neuesten  engli- 
schen und  französischen  Geschmacke  Ton  dem  kleinsten  bis  ivm 
gröfsten  Service  zu  verfertigen ,  welche  vor  den  aus  freier  Hand 
verfertigten ,  in  Ansehung  der  Reinheit,  der  Rcseitigung  des  über- 
flüssigen Gewichts ,  der  Geschwindigkeit  im  Arbeiten ,  und  der 
Ersparung  von  einem  Drittel ,  und  bei  einigen  Artikeln  von  der 
Hälfte  des  Arbeitslohnes ,  den  Vorzug  ver£enen  i  a)  die  LicM- 
scheren  von  Eisen  und  Stahl  mit  gewalztem  Silber  echt  engliKi 
und  dauerhaft  -zu  plattiren ,  eben  so  Fisch  -  und  Tortenmessen 
Tafelroesserschalen ,  Spargelzangen,  drei  und  viersackige  fnnaöii' 
sehe  Gabeln,  auf  die  obige  Art,  weit  besser  als  die  englischem 
von  plattirtem  Kupfer  zu  verfertigen ;  endlich  3)  eine  Gattungso* 
wohl  mit  Gold  und  Silber  englisch  plattirtor  als  aus  anderen Hr- 
tallen  zusammengesetzter  englischer  Fahrpeitschen,  mit  zwei,  dreii 
vier»  fünf  und  mehreren  Zügen  zu  liefern,  welchen  man  jede  be- 
liebige Länge  geben  kann;  auf  zehn  Jahre,  vom  1.  Dezember. 

a6o.  Vin%en%  Strnadt^  Ökonom  in  Wien  (Rreitenfeld  Nr.  H 
auf  seine  Verbesserung  des  Rranntw einbrennerei  •  Apparates ,  vre! 
che  darin  besteht:  1)  dafs  sie  sowohl  bei  dem  gewöhnlichen  Feuert 
als  auch  bei  allen  Arten  der  Dampfbranntwcinbrennerei  Anweo« 
düng  findet ;  9)  dafs  man  durch  dieselbe  auf  dem  nähmlicben  ip* 
parate  einen  achtzehngradigen  Rranntwein  aus  der  Maische  bren- 
nen, und  zugleich  mittelst  einer  sehr  einfachen,  nicht  kostspieli* 
gen,  während  und  nach  dem  Ablaufe  der  Maische  ohne  Störung 
innen  sechs  Minuten  zu  bewirkenden  Änderung  des  Apparstet, 
bei  einem  sehr  geringen  Feuer,  nach  Belieben  einen  a5,  3oy3^ 
und  4ogradigen  Geist  ohne    weitere   Mischung ,   und  mit  Beseiti* 

Sung  des  destillirten  Wassers  erhalten  kann>  3)  dals  dem  Dsmpi' 
essel  das  durch  den  Dampf  verlorne  Wasser  auf  die  schnellste 
und  einfachste  Art  wieder  verschafft ,  das  Kühlwasser  durch  eine, 
das  Absprengen  der  Helm^  vermeidende  Vorsicht  ersetzt  ^  und 
das  Produkt  bei  dem  Auslaufe  durchweine  besondere  Vorrichtung 
ohne  den  mindesten  Verlust  an  Quantität  oder  Qualität,  aufge- 
fangen wird;  endlich  4)  dafs  man  aus  dem  achtzehngradigen 
Branntwein  selbst  ohne  Feuer  auf  trockenem  Wege  ein  E^scugn»* 
bis  zu  40  Graden  liefern  kann,  und  dafs  bei  allen  diesen  Verrich- 
tungen überhaupt  die  gröfste  Erspamifs  an  Holz ,  Arbeit  und  lio* 
sten  erswecktist;  auf  zwei  Jahre,  vom  1.  Dezember, 


647 

26 1.  C.  G.  Hornbosiel^  landesbeftigter  Seidenseug-Fabri- 
liant  in  Wien  (Vorstadt  Gumpendorf  Nr.  169)  9  auf  seine  ^^dung 
eines  Seidenstoffes,  CrSpe  ä  la  chinoise  genannt,  welcher  neu, 
lind  von  allen  bisber  hier  erzeugten  Seidenstoffen  gans  Terscbieden 
ist,  und  sich  sowohl  glatt  als  gemustert  zu  Damenkleidem  und 
TUchem  jeder  Grobe  eignet;  auf  fünf  Jahre,  Tom  9.  Dezember. 

36a.  Jakob  Schober^  in  Wien  (Vorstadt  neue  Wieden  Nr.  3i«), 
auf  seine  Erfindung:  aus  inländischen  Produkten  1)  diis  sogenannte 
Schüttgelb  zu  erzeugen ,  welches  in  der  Qualität  dem  holländi- 
schen ganz  gleich  kommt,  und  das  hier  aus  ausländischen  Pro* 
dukten  erzeugte  an  Schönheit  und  Feuer  weit  übertrifft,  und 
wohlfeiler  als  dasselbe  ist ;  3)  Saftgrün  zu  erzeugen  ,  welches 
nicht  wie  das  ausländische  in  Blasen,  sondern  in  freier  Luft  ge- 
trocknet, mithin  ohne  Tara  geliefert  wird,  beim  Gebrauche  zum 
Zimmermahlen  die  Wände  nicht  verdirbt,  indem  es  beim'  Über- 
tünchen keine  Spur  zurückläfst,  und  für  die  Druckfabriken  sehr 
vortheilhaft  ist ;  auf  fünf  Jahre ,  vom,  9.  Dezember. 

363.  jilois  Preikerr  von  Kdnigibrunn^  in  Grät%  (Hermgasse 
Nr.  193)9  ttnd  Doktor  Mlart  Homershausen  zu  Aken^  auf  ihre  £r- 
findunc  einer  Dampfpumpe ,  welche  ohne  Stiefel  und  Kolben  mit 
einer  lediglich  auf  der  Schwerkraft  des  gehobenen  Wassers  selbst 
beruhenden  Steuerung  als  sehr  einfache  und  wenig  kostspielige, 
selbst  thätige  Wasserhebmascbine  nicht  allein  ftir  FaSriken,  Braue- 
reien und  Branntweinbrennereien  vorzügliche  Dienste  leistet,  son- 
dern auch,  da  sie  fahrbar  gemacht  wei'den  kann ,  bei  Wasserbau- 
ten, Entwässerungen  und  besonders  zur  Begleitung  der  Feuer- 
spritzen ,  um  ihnen  das  nöthigo  Wasser  ohne  Menschenhände  zu- 
zuführen,  mit  grofsem  Nutzen  anzuwenden  ist:  auf  fünf  Jahre, 
vom  9.  Dezember. 

364*  Vinienz  Hlawa  ^  Forstmeister  in  DatschiU^  auf  seine 
Erfindung  einer  Maschine ,  wodurch  1)  von  einem  Manne  imdzwei 
Knaben  von  zehn  bis  zwölf  Jahren  in  einer  Stunde  bis  sSo  Stück 
Schindeln  geliefert  werden;  3)  zu  dep  Schindeln  jede  Holzgattung, 
sie  sey  hart,  weich  oder  astig,  verwendet  werden  kann ;  3)  die  dar- 
auf verfertigten ,  beiderseits  glatt  gehobelten ,  Schindeln  wegei^ 
ihres  sehr  genaij^n  Einpassens  in  die  Nuthen  nicht  nur  dauerhafter 
als  die  gewöhnlichen  sind,  sondern  auch  das  damit  gedeckte  Dach 
fester,  schöner  und  gcsen  das  Eindringen  des  Regens  und  Einwehen 
des  Schnees  gesichert  ist ;  endlich  4X  ^^^  Schindeln  ihres  genauen 
Zusammenfügens  wegen  in  beliebiger  Länge  von  18  bis  36  Zoll, 
und  in  einer  Breite  von  4  bis  6  Zoll  geliefert  werden  können, 
wodurch  sich  nicht  nur  an  Arbeit,  sondern  auch  an  Latten  und 
Nägeln  beim  Eindecken,  und  an  Holzmateriale ,  das  sonst  ver- 
hauen und  verdorben  wird,  viel  ersparen  läfst;  auf  fünf  Jahre, 
vom  9.  Dezember. 

365.  jilois  Freiherr  von  K(fnigsbrunn^  in  Grätz  (Hermgasse 
Nr.  193),  und  Doktor  Elart  Romershausen  zu  Men^  auf  ihre  Er- 
findung einer  pneumatischen  Maschine,   welche  in  folgenden  Ei- 


C48 

genschafton  Vortheilhalt  bu  gebraushefi  ist ;  i)  al«  Gebliae  bei 
Schmelz  •»  und  Hiittenwsrkeii  j,  poit  dem  Vorsnge  der  Einfacbbeil, 
Dauer«  Gleichförmiglieit  und  leichten  Behandlung;  a)  als  Gebläse 
für  Schmiede  und  Merallarbeit^r ,  da  nach  Erfordemirs  der  Wind- 
Strom  vermindert  oder  verstärket  werden  kann ;  3)  als  Ventilator 
lur  Bergwerke,  Lazarethe  etc., 'um  denselben  sowohl  airaosphäri* 
sehe  Luft  als  auch  beliebige  Gasarten  zuzuführen;  4)  als  Wasser> 
hebiraschine ,  um  das  Wasser  dujcch  ß^i^en  oder  Kompression  zu 
beben;  5)  als  Lothrohr  fur^MetalVarbeiterund  Glasbläser;  6)  als 
hydrostatische  Luftpumpe  ^  .welci)(f  alle  bis  jetzt  bekannten  Luft- 
pumpen an  Einfachheit,  Dauer  und  grofser  Wirkung  weit  über- 
trifft, indem  mit  selber  die.«  torricellische  Leere  bervoi^ebracht 
wird;  Und  7)  als  Knallgasgebläse,  .Hnd  zwar  als  die  einfachste, 
gleichförmigste  und  sicher^st^  von  .der^  vielen  bereits  bekannten 
Vorrichtungen  dieser  Art;  ßvl  fünf  Jahre«  vom.  9.  .Dezember. 

366.  Bernhard  Loisel^  Handelsm^mn  und  Eigenthümer  einer 
Gälrbemanufaktur  in  Vfine^ig  (Sträfse  •de  San  Nicola  da,  T^ieatittß 
bei  St»  Klara)  ^  ^uf  ^eine  ßnideckuag  des  von  ihm  bereits  in 
Frankreich  ausgeübten ,  ^nd  gegenwärtig  auch  in  der  österreichi- 
schen Monarchie  eingeHilirten  yer.fahreps^  die  Häute, zu  ^;arben, 
welches  darin  besteht:  1)  dafs  zur  Lohe,  aufser  den  Galläpfeln 
und  der  •Fichtenrinde,  auch  noch  andere  vegetabilische,,  mit.  Gär- 
bestolFoder  einem  adstringirenden  Prinzipe  YCM*iehene.Subataniten 
verwendet  werden;  a)  dafs  man  sich  dabei  eines  eigenen  Instru- 
mentes, von  dep  Entdecker  Konzinon^tcr  (Gärbestoffmeaser)  ge- 
nannt, bedient,  wodurch  genau  .die  Quantität  des  GärbestolTes, 
welche  jede  vegetabilische  Substanz  enthält,  angezeigt  wird,  und 
wodurch  sofort  der  beabsichtigte  Grad  der  Starke  der  Lobe  be> 
stimmt  werden  kann;  S)  dafs  in  deqi  Augenblicks,  wo  die  Gär- 
bung  Statt  hat,  die  Einwirkung  der  Gallussäure  auf  4ie  Haute, 
welche,  wie  es  anerkannt  ist,  den  Faserstoff  der  Häute  anzugrei- 
len  vermag,  beseitiget;  und  endlich  4)  ^^^  <^er  Bückstand  der 
Lohe  zum  Schwellen  der  Häute  benutzt  wird ,  indem  dergestalt 
die  Anwendung  der  Schwefelsäure  durch  das  Angreifen  der  Textur 
der  Häute  sich  nachtheilig  zeigt,  vermieden  wird;  auf fiinf  Jahre» 
vom  9.  Dezember.   . 

«67.  Qe^rg  Orrigona ,  Handelsmann  aus  Genua^  gegenwartig 
in  Mailand  (Strafse  Santa  Maria  Fmlcorina  Nr.  a543) ,  auf  seine 
Erfindung,  Papier  aus  der  Pflanze,  die  unter  dem  Nahmen  Schilf^ 
palme  fPalinai%o  lisca,  o  liscone)  bekannt  ist,  und  zur  Klasse  der 
oumpfpalmen  gehöret,  zu  erzeugen (  auf  fünf  fahret  vom  9,  I>e» 
zeiftber. 

s68.  Aloit  Freiherr  von  KSnigthrunm^  in  Graft  (Hermgaese 
Nr.  193),  und  Doktor  Elart  Romershausen  zu  Aken ,  auf  ihre  Br« 
findung  eines  Apparates,  um,  1)  jedes  beliebige  rohe  öhl  in  w^as- 
•erhetles  geruchloses  öhl  zu  raffiniren;  «)  auch  Fischthran,  luid 
swar  den  besseren,  zum  Verspeisen  zu  veredeln ,  den  schlechtesten 
aber  so  zu  behandeln,  dafs  er  bei  Wollspinnereien  die  trefflicheton 
Dienste  leistet ,  indem  die  harzigen  und  austrocknenden  Beataisd- 


6^ 

theile  dor  vegetabilischen  Öhle/  die  Gespinnste  beim'  Liegen  an 
cinaiider  klebend,  hart  und  gelb  machen;  3)  Ga^be  •  und  Farbe- 
Stoff  sehr  vortheilhaft  su  extrahircn ;  und  4)  alle  FlOssigkelten  au 
fihriren;  auf  fünf  Jahre,  vom  9.  Dezember.  / 

369.  Anton  Surka^  privilegirter  Fabrikant  chemischer  Pro- 
dukte und  Bräuhauspächtcr  in  Grofsenit^rsdorf  (Niederlage  in 
Wien  Nr.  776) ,  auf  seine  Verbesserung ,  welche  darin  besteht  i 
durch  dasselbe  Verhaltnifs  der  Malzschüttung  und  des  Hopfenge- 
wichtes ,  wie  bei  Erzeugung  der  besten  Gattungen  des  böhmischen 
Bieres,  ein  dieselben  übertrelTendes ,  zu  jeder  Jahreszeit  reines 
und  haltbares  Bier  zu  erzeugen,  welches  1)  bei  dem  Umstände, 
dafs  es  ohne  die  gerinaste  Beimengung  fremdartiger  Ingredienzien 
aus  blofsem  Gerstenmalz  und  Hopfen  gebraut ,  und  in  einer  sechs« 
tagigen  Fermentation  erhalten  wird, -für  schwächliche  Menschen 
und  Bekonvaleszenten  ein  Stärkungs-  und  Nahrungsgetränk  ist; 
9)'  auch  alle  ausländischen  Biergattungen  übertrifft,  und  dabei 
bedeutend  wohlfeiler  ist;  und  3)  ohne  alle  Beimischung  in  Plützer 
oder  gläserne  Flaschen  gelullt,  und  in  Sand,  nach  Eigenschaft 
des  Kellers,  ganze  Sommermonathe lang auf})0wahrt  werden  kann^ 
auf  fünfzehn  Jahre ,  vom  9.  Deaember. 

370.  Bernhard  Cavallar^  gewesener  Handelsmann  in  tVien 
(derzeit  in  MiSdUng  Nr.  93) ,  auf  seine  Entdeckung  :  aus  geniefs* 
baren  Kastanien  ein  KafFeesurrogat  zu  erzeugen,  welches  Termoge 
seiner  Güte  allen  bisherigen  inländischen  Surrogaten  vorzuziehco, 
sehr  wohlfeil ,  nahrhaft  und  der  Gesundheit  zuträglich  ist;  auf 
swei  Jahre,  vom  9'«  Dezember. 

371«  jP/aifs  Anton  Ritter  von  Getstner  ^  in  Wien  (Stadt  Nr* 
4o3) ,  auf  seine  Verbesserung ,  welche  darin  besteht :  dafs  die 
Lastwagen  auf  hölzernen  oder  metallenen  Bahnen ,  durch  Anwen- 
dung fester  Dampfmaschinen  (ßjced  steam  -  engines)^  oder  durch 
Wasserräder,  Gegengewichte  oder  andere  mechanische  Vorrich- 
tungen mittelst  Seilen  oder  Ketten  gezogen  werden ,  wodurch  der 
Transport  der  Güter  in  ebenen ,  vorzüglich  aber  in  gcbirgigea 
Gegenden  viel  wohlfeiler  und  schneller  bewirkt  wird,  als  es  durch 
Kanäle,  Strafsen  oder  durch  die  bisher  bekannten  Eisenbahnen 
(rail '  ttfajrt)  geschehen  kann,  worauf  die  Wagen  mit  Pferden  oder 
beweglichen  Dampfmaschinen  fortgezogen  werden;  auf  acht  Jahre» 
vom  i6.  Dezember  *). 

«79.  Hieronymus  Amadea^  Advokat  in  ComOj  auf  seine 
Erfindung,  mittel&t  eines  leichten  und  mit  wenigen  Kosten  ver- 
bundenen Verfahrens,  aus  den  Gebeinen  und  hornartigen  Abfal- 
len des  Rindes  und  anderer  Tbicre  einen  Leim  von  ausgezeich- 
neter Beschaffenheit  und  in  bedeutender  Menge ,   sowohl  zum  Ge- 

*)  Hachdtfm  FV-ans  jtnton  Ritter  eon  Otr^tnef  auf  diese»  ihm  ert heilte  «cht- 
jülkriga  Pririlegiuait  laat  £roffaung  dar  k«  h.  rereinigtsfl  HoflunsLei  rpin 
7«  April  i8s3i  freiwillig.  Vertittht  geltUt't  hat ,  to  U%  dasselbe  ouamtKr 
«U  erloschtn  aniaseheo. 

Jahrh^  da»  polyt.  Inst.  IV.  Bd.  4^ 


65o 

brauche  der  Tischler,  als  der  Verfertiger  von  künstlichen  ausge- 
legten Holzarbeit^n ,  und  zur  Benützung  für  Papier-,  Tuch-  iind 
andere  derlei  Manufakturen,  aussueiehen ; .  auf  fünf.  Jahre,  vom 
39.  Dezember. 

«73.  Johann'  Anion  Freiherr  von  Sofmemihßl  und  JohauM 
Sandhaai ,  Uhrmacher  in  JVi^n  (Vorstadt  Jägerzeile  Nr.  i3) «  auf 
ihre  Erfindung  einer  Hemmung  (Echappement\  und  eines  Kon- 
pensations- Pendels  zu  Uhren,  welche  Erfindung  darin  hestebt: 
1)  dafs  die  Hemmung  statt  des  Ankers,  der  Spindel  oder  des 
Zylinders,  durch  Federn  mit  Ansätzen  bewirkt,  in  grofsen  unil 
kleinen  Uhren ,  und  bei  den  besten  Chronometern  angewendet, 
leichter  als  jede  andere  verfertiget ,  dem  Gange  einer  damit  Yer- 
aehenen  Uhr  die  möglichste  Gleichförmigkeit  verschafft,  derselbe 
jederzeit  stärker  oder  schwächer  erzielt ,  und  jede  Reihung  ver 
^mieden  werden  kann;  >)  dafs  das  aus  einem  Stücke  Metall  oder 
einem  andern  geeigneten  Materielle  verfertigte  Pendel  die  ^M^ 
formigen  Pendel  vollkommen  ersetz^;  und  o)  dafs  die  fraglicbe 
Erfindung  ganz  <{der  nach  Belieben  nur  in  einem  Thei)e,  nicbt 
btofs  bei  neuen,  sondern  gröfstentheils  auch  bei  schon  gehraucb« 
ten  Uhren  $ich  f^ny^end?!!  \^U%}  f^uf  vier  Jahre,  vom  19.  ]>^ 
scmber. 

374.  A.  fCaUner^  In  Wien  (Sx^At  Nr.  908) ,  auf  seine  Ver 
besserung,  welche  in  einem  einfachen,  schnell  wirkenden,  boli* 
ersparenden,  dauerhaften,  nicht  kostspieligen  und  wenig  Plati 
bediirfenden  Apparate  besteht,  mit  welchem  mit  Weglassvng  der 
Maisch-  und  Lutterblase,  und  mehrerer  anderer  MetallgerSlbe, 
bei  Einem  Feuer  und  zu  gleicher  Zeit  aus  Maische  auf  einmiU 
gleich  ganz  reiner  Spiritus,  Branntwein,  aromatisch^a  Geister, 
Liqueurs  und  Esaig  erzeugt  werden  kann^  auf  fünf  Jahre,  von 
39.  Desemben 


Beriehtigangen. 


Setto 


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